Skip to content

Anzeige

Bau-Innung Remscheid Innung für elektrotechnische Handwerke Remscheid Fachinnung für Metall- und Graviertechnik Innung für Sanitär- und Heizungstechnik Remscheid
Dachdecker-Innung Remscheid Friseur-Innung Remscheid Maler- und Lackierer-Innung Remscheid Kraftfahrzeughandwerk Remscheid

Stadt empfahl: „Wandert doch aus nach Argentinien!“

Luftbild von der Bökerhöhe aus den 70-er Jahren des vorigen Jahrhunderts.Von Hans Jürgen Roth

Es war wie so oft – zumal nach dem Ersten Weltkrieg. Am schlimmsten traf die Wohnungsnot die kinderreichen Familien, die bei Hausbesitzern als Mieter aus mancherlei Gründen nicht gern gesehen waren. Die Hungersnot infolge des Krieges hatte viele Arbeiterfamilien an den Stadtrand getrieben. Die Not fachte den Willen zur Selbsthilfe an. Gemeinsame Kriegserlebnisse hatten bei vielen den Sinn für gemeinschaftliches Handeln geweckt. Sie gründeten Gartenbauvereine, rodeten den Wald und suchten sich über ihre angelegten Kleingärten ein Zubrot zu verschaffen.

Aus solchen Gartenbauvereinen erwuchsen Siedlergenossenschaften, Selbsthilfegruppen mit dem Motto „Einer für alle, alle für einen“. 1921traten sie mit ihren Plänen an die Öffentlichkeit. „Schaffung von gesunden und zweckmäßigen Wohnungen für minderbemittelte Familien und Personen“, hatten sie sich zum Ziel gesetzt. Einfamilienhäuser wollten sie bauen. Doch da das nicht aus eigener Kraft zu schaffen war, traten sie an die Stadt heran und baten um Bereitstellung von Siedlungsgelände, pro Haus einen halben Morgen Land (1250 qm). Die Stadt gab sich zunächst nicht nur reserviert, wie das so üblich ist, wenn das Geld knapp wird. Sie reagierte auch völlig verständnislos auf die Eigeninitiative der Siedler. Sie nannte die Antragsteller „Halbmorgenfanatiker“ und suchte sie lächerlich zu machen mit dem Vorschlag: „Wandert doch aus nach Argentinien!“

Erst als sie einsehen musste, dass die Wohnungsknappheit nur über die Nutzung der Selbsthilfe der Betroffenen zu beheben war, lenkte sie ein. So schufen die Siedler die bekannte Siedlung Bökerhöhe: im Wettlauf mit der Inflation und mit dem Fabrikanten Moritz Böker, dem Chef der damaligen Bergischen Stahlindustrie (BSI), an der Seite, der seine Arbeiter in alter „Patriarchenmanier“ mit Bauland und Baustoffen unterstützte.

Die kleine Rache der Siedler.In der unterhalb von Bökerhöhe liegenden Gartensiedlung steht - oder stand jedenfalls noch bis vor einem Jahr - ein „Ortsschild“, mit dem die Siedler an eine verständnislose Stadtverwaltung erinner(te)n.

Von Hans Jürgen Roth (68) erschien vergangene Woche im r.g.a.-Buchverlag “Geschichte unserer Stadt“ mit vielen „Dönekes“, Geschichten und Fakten zur Remscheider Stadtgeschichte, angereichert durch 1.070 Bilder und Grafiken. 360 Seiten lesenswerte Seiten für 19.80 Euro.

 

Trackbacks

Keine Trackbacks

Kommentare

Ansicht der Kommentare: Linear | Verschachtelt

Noch keine Kommentare

Kommentar schreiben

Die angegebene E-Mail-Adresse wird nicht dargestellt, sondern nur für eventuelle Benachrichtigungen verwendet.

Um maschinelle und automatische Übertragung von Spamkommentaren zu verhindern, bitte die Zeichenfolge im dargestellten Bild in der Eingabemaske eintragen. Nur wenn die Zeichenfolge richtig eingegeben wurde, kann der Kommentar angenommen werden. Bitte beachten Sie, dass Ihr Browser Cookies unterstützen muss, um dieses Verfahren anzuwenden.
CAPTCHA

Standard-Text Smilies wie :-) und ;-) werden zu Bildern konvertiert.
Formular-Optionen

Die einzelnen Beiträge im "Waterbölles" geben allein die Meinung des Autors / der Autorin wieder. Enthalten eingeschickte Texte verleumderische, diskriminierende oder rassistische Äußerungen oder Werbung oder verstoßen sie gegen das Urheberrecht oder gegen andere rechtliche Bestimmungen oder sind sie nicht namentlich gekennzeichnet nebst E-Mail-Adresse, werden sie nicht veröffentlicht. Das gilt auch für substanzlose Bemerkungen ("Find ich gut/schlecht/blöd...etc."). Aus den oben genannten juristischen Gründen sowie bei längeren Texten sind auch Kürzungen nicht ausgeschlossen.

Kommentare werden erst nach redaktioneller Prüfung freigeschaltet!