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Symbol für mehr als 200 Jahre Migrationsgeschichte

Oberbürgermeisterin Beate WildingJede Stadt hat ihre unverwechselbare Geschichte. Sie hängt mit dem Staat, zu dem sie gehört, oder der Region, in der sie liegt, eng zusammen, hat aber auch ganz eigene Züge. Wenn wir „die Geschichte unserer Stadt“ in dem wunderbaren Buch des Remscheider Historikers Hans Jürgen Roth aufblättern, dann können wir die Geschichte Deutschlands mitlesen. Ich danke dem Autor Hans Jürgen Roth — — den ich herzlich begrüße — — für seine Bereitschaft mehr als 5.000 Arbeitsstunden für dieses Projekt aufzuwenden. Dieses Buch lädt ein, in die Geschichte unserer Stadt und unseres Landes einzutauchen. Dabei erkennen wir auch die Besonderheiten und Eigenheiten von Remscheid – der sprichwörtlichen Seestadt auf dem Berge – und seiner Bewohner. Deshalb stehen die Feierlichkeiten zum 200jährigen Bestehen Remscheids unter dem Leitgedanken: „Menschen machen Geschichte“.

Im Rückblick auf die Vergangenheit erfahren wir genau das, —  nämlich wie Menschen Geschichte gemacht und wie sie auf die Ereignisse reagiert haben, die auf sie einstürmten.  Und wir erfahren etwas über städtisches Leben, über eine einmalige Natur- und Kulturlandschaft, in dem die Menschen ihre Vorstellungen von Teilhabe, Kultur und Zusammenhalt entwickelt haben. Seit dem Vollzug der Anordnung zur Gründung der Gemeinde Remscheid im Jahr 1808 blicken wir auf eine lange und wechselvolle Geschichte zurück.  Die Spuren dieser Vergangenheit sind nicht zu übersehen, wenn wir durch unsere Stadt streifen oder sie mit den Augen von Besuchern betrachten: alte und neue Kirchen, Industriearchitektur der Vergangenheit und Gegenwart, Siedlungsbau im Wandel von mehr als einem Jahrhundert, Friedhöfe und Denkmale. Dies sind Stein gewordene Zeugen dafür, wie die Menschen sich in dieser unserer Stadt eingerichtet und für ihr Auskommen gesorgt haben; sie zeigen, was sie schätzten und wie sie leben wollten.

Dabei ist die Geschichte einer Stadt immer auch ein Spiegelbild gesellschaftlicher und politischer Entwicklungen.  Zwei verheerende Weltkriege brachten in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts viel Leid über die Menschen.  Während der Naziherrschaft wurden auch bei uns jüdische Remscheider verfolgt und ermordet. Zwangsarbeiter verpflichtet und Verbrechen gegen die Menschlichkeit begonnen. Menschen wurden wegen ihrer politischen Meinung verhaftet und gefoltert.  Auch Einwohner von hier waren Täter und Mitläufer, aber es gab auch viele, die den Bedrängten halfen und sich der Diktatur widersetzten.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs machten sich die Remscheider an die Beseitigung der Trümmer und beteiligten sich intensiv am politischen und wirtschaftlichen Neuaufbau, ohne dabei jedoch die kulturellen Bedürfnisse zu vergessen: 1954 öffnete sich zum ersten Mal der Vorhang im ersten Theaterneubau Nordrhein-Westfalens nach dem Kriege – dem heutigen Teo Otto Theater.

In einem demokratischen Gemeinwesen zu leben und Demokratie zu praktizieren ist für uns längst eine Selbstverständlichkeit.  Die rege Bürgerbeteiligung an kommunalen Belangen ist nur ein Beweis dafür. Ein anderes – sehr lebendiges – sind die vielen Vereine, die Remscheider gegründet haben, um sich karitativen Aufgaben oder der Freizeitgestaltung zu widmen.

Remscheid – das ist auch die Stadt der 100 Nationen – das ist auch ein Symbol für mehr als 200 Jahre Migrationsgeschichte. Toleranz, Solidarität und Weltoffenheit gehören deshalb zu jenen Werten die wir in Remscheid gemeinsam leben wollen.  Denn jedes Gemeinwesen braucht Menschen, die sich für ihre Gemeinde einsetzen. So manche Errungenschaften unserer Stadt gehen einzig darauf zurück, dass einzelne Bürger sie zu ihrer ureigensten Angelegenheit machten; wie beispielsweise der Bau der ersten Trinkwassertalsperre in Westdeutschland, für den sich die Gebrüder Moritz und Robert Böker stark machten.

Wir können froh sein, dass Remscheid eine ganze Reihe engagierter und berühmter Söhne und Töchter aufweist: den Physiker Wilhelm Conrad Röntgen; die Gebrüder Mannesmann; den Reformator Adolf Clarenbach; den Bühnenbildner Teo Otto; den Graphiker Gerd Arntz; den Fotografen Wolfgang Tilmans; der Maler Johann Peter Hasenclever; die Künstlerin Lony Kellner; — sie alle kamen von hier.

Und wir sollten froh sein, dass hier immer Menschen gelebt haben, die in Remscheid etwas aufbauten und die sich durch Katastrophen oder Schicksalsschläge nicht entmutigen ließen, sondern weiterhin ihrem Aufgabe nachgingen und damit diese Stadt am Leben hielten. Und die in Krisen und Notlagen zusammenfanden, um das Problem gemeinsam anzupacken. Auch deshalb gilt: „Menschen machen Geschichte.“

Städtisches Leben hat schon manchen Wandel erfahren und verändert sich immer weiter.  Es bleibt nicht unberührt von demographischen Entwicklungen oder weltweiter Vernetzung, vom Wandel der Arbeitswelt und des Konsumverhaltens.  Wie die Stadt der Zukunft aussehen wird – darüber gibt es schon viele Spekulationen.  Wie unsere Stadt in Zukunft aussehen wird – daran können sich alle Bürgerinnen und Bürger beteiligen.  Ihre Vorstellungen sind gefragt, denn es geht um ihr Wohlbefinden;  Ihre Vorstellungen werden gebraucht, denn wir sind auf die Initiativen, die Fantasie und die Tatkraft aller angewiesen.

Meine sehr geehrten Damen und Herren,  in diesem Sinne wünsche ich unserer Heimatstadt und damit uns allen eine friedliche Zukunft.  Eine Zukunft, in der alle Menschen guten Willens solidarisch miteinander leben und gemeinsam sich den Herausforderungen stellen! Nur so können wir auch die großen finanziellen Probleme bewältigen und überwinden, die uns heute noch belasten.

Wir brauchen unser Licht nicht unter den Scheffel stellen. Remscheid ist eine Stadt der Talente, der Technologie und der Toleranz.  Eine Stadt der Talente. Weil für uns die Köpfe und Herzen unserer Kinder der Rohstoff für unsere Zukunft sind.  Eine Stadt der Technologie, weil die meisten Patentanmeldungen pro Einwohner aus Remscheid kommen. Forschung und Entwicklung in unserer heimischen Wirtschaft groß geschrieben wird.

Eine Stadt der Toleranz, weil wir fremde Kulturen der zugewanderten Remscheider als Bereicherung für unser Leben verstehen.  Alles das zeigt: Wir können stolz auf unsere Stadt und ihre Menschen sein.  

(Auszüge aus der Rede von Oberbürgermeisterin Beate Wilding aus Anlass des 200jährigen Bestehens der Stadt Remscheid am Sonntag, 14. September 2008.)

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