Skip to content

Von Feuerboten, Pumpendrückern und Leuchtenträgern

Die ersten Bestrebungen zur Gründung einer Feuerwehr und damit zu einer einheitlichen Regelung des Löschwesens in Remscheid finden Ausdruck in einer Brandordnung aus dem Jahre 1813, die der damalige Bürgermeister Sonntag veröffentlichte und in der zu lesen war, dass das Personal der Feuerwehr aus: Brandmeistern, Feuerboten, Rohrführern, Pumpendrückern und Leuchtenträgern bestehen musste. Welchen Charakter die damaligen Wehren hatten, läßt sich aus der Brandordnung nicht genau feststellen, es kann aber angenommen werden, dass sich die Wehren auf freiwilliger Basis entwickelt haben. Die topographische Lage Remscheids mit den natürlichen Grenzen wie Wupper, Morsbach, Müggenbach und Eschbach hat sicherlich die selbstständigen Bürgerfeuerwehren in den Höfen und Stadtteilen entstehen lassen. So gab es um den gesamten Stadtkern Remscheids herum eine ganze Anzahl von Feuerwehren.

Ein Feuermeldesystem gab es zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Die einzelnen Höfe waren also im Falle eines Brandes oder einer Hilfeleistung ganz auf sich selbst gestellt. Erst im Jahre 1909 wurde eine Feuermelde- und Alarmanlage durch die Firma Siemens & Halske installiert. Das Löschwasser wurde zuerst den extra angelegten Brandteichen bzw. den Bächen entnommen, die meist immer reichlich Wasser mit sich führten. Erst mit Inbetriebnahme der Wasserleitung im Jahre 1884 und dem damit verbundenen Ausbau des Leitungssystems gewannen Standrohre, Spritzen und Schläuche an Bedeutung. Dies schlug sich auch in einer neuen "Dienstinstruktion", eben- falls aus dem Jahre 1884, über das Verhalten der Feuerwehren und Bürger bei Bränden nieder.

Anfang 1870 betrug die Stärke der einzelnen Freiwilligen Feuerwehren im Stadtgebiet Rem- scheids bereits 30 bis 40 Mann. So ist es nicht verwunderlich, wenn die Chronik von einem Verbandstreffen der Rheinisch-Westfälischen Feuerwehren be- richtet, dem 4.000 Feuerwehrleute beiwohnten.

Um die Jahrhundertwende wurden die verschiedenen Feuerwehren Remscheids unter eine Leitung gestellt. Am 6.12.1901 beschloß der Brandrat der Stadt Remscheid, den damaligen Führer der Hastener Wehr, Hauptmann Walter Cleff, mit dem Titel eines Branddirektors der neu organisierten "Freiwilligen Feuerwehr Remscheid" voranzustellen. Die freiwilligen sogenannten Bezirksfeuerwehren wurden zu diesem Zeitpunkt in Abteilungen eingeteilt, und so wurde die Feuerwehr Morsbach Abteilung Vl.

Im Verwaltungsbericht der Stadt Remscheid aus dem Jahre 1869 heißt es unter dem Abschnitt "Löschwesen" unter anderem wörtlich: "Zu den früheren, schon bestandenen freiwilligen Wehren, welche fortgefahren haben das in sie gesetzte Vertrauen zu rechtfertigen, ist noch der Morsbacher Verein getreten, der sich ebenfalls fester organisiert hat". Das beweist, dass es schon viel früher einen losen Zusammenschluß von Morsbacher Bürgern gab, wenn es galt, Hab und Gut sowie Leib und Leben von Mitmenschen gegen eine Feuersbrunst zu schützen. Es ist sicherlich auch interessant, einmal allgemein auf die Geschichte des Feuerlöschwesens in Remscheid, dessen Anfänge bis zu den Befreiungskriegen in den Jahren 1813 bis 1815 zurückreichen, einzugehen.

In der Chronik der Feuerwehr Morsbach darf keinesfalls der bereits im Jahre 1870 mit einer Stärke von 15 Mann gegründete Musikzug unerwähnt bleiben. Manch schöne Stunden bereitete er den Feuerwehrangehörigen und ihren Freunden, wenn auch in der Anfangszeit nur zwei Märsche auf dem Programm standen. Leider musste die Kapelle beim 60- jährigen Stiftungsfest wegen Geldmangels aufgelöst werden. Im Oktober 1930 wurden die letzten Musikbestände für eine Mark an Ferdi Klein verkauft, so berichtet das Protokoll der Monatsversammlung vom 6.10. 1930. Vom 30.8.1969 bis 1.9.1969 wurde das 100- jährige Jubiläum der FreiwilIigen Feuerwehr Morsbach gefeiert. Das 1200 Mann fassende Festzelt platzte an den Festtagen aus allen Nähten. (Aus „Die Morsbach, Hämmer- und Kottenforschung in Remscheid“ von Günther Schmidt, einem 1999 erschienenen Bildband zum 630-jährigen Bestehen einer der ältesten Remscheider Hofschaften. Mit freundlicher Genehmigung des Autors.)

Trackbacks

Keine Trackbacks

Kommentare

Ansicht der Kommentare: Linear | Verschachtelt

Noch keine Kommentare

Kommentar schreiben

Die angegebene E-Mail-Adresse wird nicht dargestellt, sondern nur für eventuelle Benachrichtigungen verwendet.

Um maschinelle und automatische Übertragung von Spamkommentaren zu verhindern, bitte die Zeichenfolge im dargestellten Bild in der Eingabemaske eintragen. Nur wenn die Zeichenfolge richtig eingegeben wurde, kann der Kommentar angenommen werden. Bitte beachten Sie, dass Ihr Browser Cookies unterstützen muss, um dieses Verfahren anzuwenden.
CAPTCHA

Standard-Text Smilies wie :-) und ;-) werden zu Bildern konvertiert.
Formular-Optionen

Die einzelnen Beiträge im "Waterbölles" geben allein die Meinung des Autors / der Autorin wieder. Enthalten eingeschickte Texte verleumderische, diskriminierende oder rassistische Äußerungen oder Werbung oder verstoßen sie gegen das Urheberrecht oder gegen andere rechtliche Bestimmungen oder sind sie nicht namentlich gekennzeichnet nebst E-Mail-Adresse, werden sie nicht veröffentlicht. Das gilt auch für substanzlose Bemerkungen ("Find ich gut/schlecht/blöd...etc."). Aus den oben genannten juristischen Gründen sowie bei längeren Texten sind auch Kürzungen nicht ausgeschlossen.

Kommentare werden erst nach redaktioneller Prüfung freigeschaltet!