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Sensenschmiede hatten schon um 1600 Warenzeichen

Das geschäftige Treiben mit Hilfe der Wasserkraft bewegte schon ausgangs des 18. Jahrhunderts den preußischen Oberbergmann und Fabrikenkommissar Eversmann zu folgender Äußerung: "Hier ist der Sitz der Feineisen- und Stahlfabrikation, überall, wo man hinhört, ist Geräusch von Hämmern und Schmieden, eine wahre lebendige Gegend, voll von Geräuschen, voll Geschäftigkeit, an die man so gewöhnt wird, daß man an der schönsten Gegend sonstwo, ohne dieses Lärmen, keinen Genuß mehr finden kann."

Die bergischen Schmiede waren nicht nur wegen ihrer Geschicklichkeit im Schmieden, sondern auch wegen der Güte ihrer Erzeugnisse weit und breit bekannt. Die strengen Innungsvorschriften der Sensenschmiede stellten die höchsten Anforderungen an die Güte der Waren. Kein minderwertiges Stück durfte in den Handel kommen. Dieser Geschicklichkeit und Gewissenhaftigkeit rühmten sich auch die Sichel- und Kleineisenschmiede; denn sie wollten in dem Punkt ihren Berufskameraden in keiner Hinsicht nachstehen und erstrebten die höchste Vollendung in ihrem Gewerbe.

Für die Schleifer war es nicht einfach, den verschiedenen Ansprüchen gerecht zu werden, erforderte doch jedes neue Werkzeug einen besonderen Handgriff beim Schleifen. Es entstanden manche Reibereien zwischen den Sensen- und Kleineisenschmieden wegen Bevorzugung des einen oder anderen bei den Schleifern.

Während ab 1850 das Sensenschmiedehandwerk mehr und mehr zum Erliegen kam, nahm das Kleineisengewerbe zu. Die bergische Kleineisenindustrie hatte sich schon Mitte des 18. Jahrhunderts die Weltgeltung geschaffen, deren sie sich heute noch erfreut. Aber merkwürdig mutet es einen an, wenn man in der gleichen Zeit den mit äußerster Heftigkeit geführten Kampf der Kleineisenschmiede zur Erlangung des eigenen Privilegs verfolgt, während offensichtlich der Zunftzwang in der Sensenindustrie die Hauptursache für deren Niedergang war.

Die Kleineisenindustrie glaubte, durch die Einführung einer Zunftordnung mit dem Verbleibungseid und dem Recht der Preisfestsetzung eine größere Sicherheit ihrer Vormachtstellung zu erringen. Und merkwürdig, die Gegner dieser erstrebten Zunftordnung saßen diesmal fast nur in den Reihen der Kaufmannschaft, die mit zäher Energie die Handels- und Gewerbefreiheit zu erlangen bestrebt war, welche sie in England und Holland kennengelernt hatte. Sie ging auch nach jahrelangem, nicht immer mit fairen Mitteln geführten Streit als Sieger hervor.

Ein Erfolg sollte aber doch den Schmieden in dieser Auseinandersetzung beschieden sein, eine Errungenschaft, die sich zum Segen der gesamten Industrie entwickelte, nämlich die des Zeichenzwanges, der am 19.12.1765 von der Regierung verordnet wurde. Der Zeichenzwang und die Einführung der Zeichenrolle waren auch seitens der Kaufmannschaft hart bekämpft worden. In diesem Punkte aber siegte der Dickschädel der bergischen Schmiede.

Die Warenzeichnung war im Sensenschmiedehandwerk schon vor 1600 üblich. Im Privilegium vom 5.7.1600 wurde allen Sensenschmieden das Zeichenschlagen zur Pflicht gemacht und dem Handwerksgericht die Kontrolle über die gewissenhafte Ausführung dieser Verordnung übertragen. Es ist wohl verständlich, daß die Meister genau darauf achteten, daß kein Mißbrauch mit dem vom Vater vererbten Zeichen getrieben wurde, auf das sie mit Recht sehr stolz waren. Jedes Zeichen musste beim Handwerksgericht angemeldet und dort in die Zeichenrolle eingetragen und endlich als amtliche Bekanntmachung in den Kirchen nach dem Gottesdienst verkündet werden. Erhob sich kein Widerspruch, dann war der Schmied berechtigt, das neue Zeichen zu schlagen.

Seit Einführung des Zeichenzwanges bei den Sensenschmieden sind alle Zeichen regelmäßig gebucht worden. Aus den Protokollen der Innung geht hervor, daß oft heftige Proteste einzelner Schmiede ergebnislos verliefen, weil man feststellte, daß die beanstandeten Waren aus dem Märkischen stammten, wo einige Schmiede einen unlauteren Wettbewerb trieben. Der Zeichenzwang für alle Erzeugnisse der einheimischen Industrie wurde mit der Zeit äußerst bedeutungsvoll für die gesamte bergische Industrie. Selbst nach Auflösung der Handwerksinnungen zur Zeit der französischen Besatzung zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde er nach kurzer Unterbrechung wieder eingeführt und ist die Grundlage des heutigen Warenschutzes geworden.

Der Kampf der Kaufleute gegen den Zunftzwang und ihre Forderung nach Aufhebung der Privilegien ist wohl verständlich, denn 1. war ihr Lieferant, der Kleineisenschmied, insofern in seinem Gewerbe stark behindert, als die Sensenschmiede bei den Schleifern gewisse Vorrechte hatten. Weil die Schleifer nun glaubten, auf Grund des Privilegs das alleinige Recht des Schleifens aller Eisenwaren zu besitzen, duldeten sie außer den Schleifern für die Sichelschmiede keinen Schleifer, welcher nicht der Bruderschaft angehörte. Die Kaufleute ließen daher die Erzeugnisse der Kleineisenschmiede bei den nach dem großen Krieg weniger beschäftigten Solinger Schleifern fertig machen. Die Folgen waren heftige Auseinandersetzungen und sogar tätliche Angriffe. 2. Den Cronenberger Kaufleuten war es untersagt, Solinger Klingen zu handeln. Dagegen war es den Solinger Kaufleuten auf Grund ihres Privilegs erlaubt, Cronenberger Erzeugnisse auf den Markt zu bringen. Auch diese Ungerechtigkeit wird seitens der Regierung trotz lebhafter Proteste nicht gesteuert, bis endlich die durch Napoleon 1809 verordnete Handels- und Gewerbefreiheit dem jahrzehntelangen Streit ein Ende setzte. (aus: „Von Müngsten bis Ger stau - Hämmer- und Kottenforschung in Remscheid“ von Günther Schmidt, im Jahr 2000 im Verlag: Buchhandlung R. Schmitz, Remscheid-Lennep, erschienen, Foto aus Band I.)

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