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Schon Mitte des 16. Jahrhunderts eine Schule im Morsbachtal

  Hölterfelder Schule am Fürberg. Abgerissen 1954. Foto von Frau DistelerDas geistige Leben stand bei den Morsbachern in früheren Jahrhunderten nicht auf einem besonders erwähnenswerten Niveau, zumal die Bildung nicht gerade gefördert wurde. Allerdings wird bereits 1683 die Heckschule in der Morsbach genannt. Diese Heckschule trat, wie viele andere in den damaligen Hofschaften, dazu an, dem Nachwuchs der Handels- und gewerbetreibenden Kirchspielsleute die nötigen Kenntnisse im Lesen, Schreiben und Rechnen zu vermitteln. Wie andere auch, war die Morsbacher Schule eher heidnisch, und war dem direkten Einfluss der Kirche entzogen. Sie wurde als Heckschule von der Kirche bekämpft und unterdrückt und nicht zuletzt geschmäht.

Als dann die Schulinteressenten die von ihnen berufenen Lehrer durch die Pastoren einer Wissensprüfung unterziehen ließen, wurden die Heckschulen offiziell anerkannt und vom Kirchenvorstand privilegiert. Der Unterricht bestand in der Hauptsache aus Lesen und Schreiben, wobei Wert auf das Einprägen der (leidvollen) Katechismusstücke und der Kirchenlieder gelegt wurde. Dazu kam durchweg das Rechnen, welches aber eine Erhöhung des Schulgeldes mit sich brachte. In allen Schulen hatten nämlich die Schüler ein Schulgeld zu zahlen, das den Schulmeistern als Entlohnung zufloß. Da die Hofschulmeister im Gegensatz zu den Pfarrschullehrern keine Ländereien zu ihrem Unterhalt bekamen, ihnen also die feste Existenzgrundlage fehlte, wurde ihnen seitens der Schulinteressenten zusätzlich der sogenannte Umgang oder Wandeltisch gewährt, der sie reihum an die Eßtische der Eltern ihrer Zöglinge führte.

Wer kennt ihn nicht, diesen historischen Spruch von Caspar Wittkopp: Äs de Morschbecker Schuel noch op Stippeln stong.... Im Klartext: Als die Morsbacher Schule noch auf Stelzen stand... Diese Schule gibt es wirklich noch, aber nur als Wohnhaus in der Morsbacher Straße unterhalb der ehemaligen Firma Quabeck. Diese tat ihre Dienste bis 1904.

Bereits 1683 wird die Morsbacher Schule erwähnt, und zwar in den "Mitteilungen über Schulwesen in Solingen und Umgebung". Im "Führer durch Remscheid 1928" ist ebenfalls festgehalten, daß die Schule schon Mitte des 16. Jahrhunderts bestanden hatte. Älteste Nachweise im Stadtarchiv Remscheid sind allerdings erst ab 1815 datiert.

Schulentlassungsjahr 1948 in der Morsbacher Schule .Foto: Lissy TootenDas Klassenzimmer mit etwa 30 - 40 Schülern befand sich in einem Handwerkerhaus in der Morsbach. Der genaue Standort ist nicht mehr zu lokalisieren. 1808 wurden in einem Zeugnis der "wohllöblichen Schuldeputation" nur folgende Kriterien bewertet : Betragen, Fleiß, Kenntnisse, Schulbesuch. Im Jahre 1858 baute Lehrer König sein eigenes Schulhaus an der Morsbacher Straße (späteres Wohnhaus Quabeck), in dem er auch seine Wohnung hatte. Die Schülerzahl stieg (man lies und staune...) auf 80 bis 100 und zeitweise auch erheblich darüber. 1903 wurde die Morsbacher Schule neu gebaut. Drei Klassenzimmer und eine Wohnung für den Hausmeister fanden darin Platz.

Schon 1920 gab es einen Elternbeirat. Die sogenannte weltliche Schulform (katholisch angehaucht) wurde zunehmend von den Eltern kritisiert, und 1921 wurde die Gründung einer evangelischen Schulgemeinde beschlossen. Über 100 Mitglieder fanden sich spontan in diesem Morsbacher Schulverein ein. 1924 ist zu lesen, daß mit Hilfe der Quäker aus den USA jedes Kind zum Frühstück ein Brötchen und 1l Milch zugewiesen bekam.

Aufgrund der schwierigen wirtschaftlichen Lage gerieten 1931 gerade die mittleren Betriebe im Morsbacher Bereich in schwere Bedrängnis. Sehr viele Väter der Kinder waren arbeitslos. Somit waren auch erhebliche Sparmaßnahmen in der Schule angesagt. Die Pflichtstundenzahl der Lehrer wurde erhöht, die Klassenbesetzung wurde heraufgesetzt und die Einkommen wurden bis zu 21 Prozent gekürzt.

Als am 31.Juli 1943 die Innenstadt durch Bombardierungen in einen Trümmerhaufen verwandelt wurde, kam die Morsbacher Schule mit schweren Glasschäden davon. Aus Lehrer Rohloffs Aufzeichnungen vom 30.November 1943: "Am 30.November war wieder Vollalarm. Plötzlich hörten wir Motorengeräusche feindlicher Verbände. Schon fielen Bomben - ein ohrenbetäubender Lärm. Starker Luftdruck machte sich bemerkbar. Zitternd saßen die Kinder des ersten und zweiten Schuljahres im Keller, weinten und schrien nach der Mutter. Zu allem Unglück war auch noch die Lichtleitung zerstört und wir mußten im Dunkeln sitzen. Nach einigen Minuten äußerster Spannung war alles vorbei. Nach der Entwarnung stellten wir fest, daß mehrere Sprengbomben in unmittelbarer Nähe der Schule gefallen waren. Über 400 Sprengbomben waren in der Nähe der Schule niedergegangen.“ (Aus „Die Morsbach, Hämmer- und Kottenforschung in Remscheid“ von Günther Schmidt, einem 1999 erschienenen Bildband zum 630-jährigen Bestehen einer der ältesten Remscheider Hofschaften.)

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