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Eine Biografie des „Talsperrenbauers“ in Selbstzeugnissen

Das erste Mädchenheim der Kanngarnspinnerei im Jahre 1880

Im Sutton-Verlag hat Dr. Wilhelm R. Schmidt ein Buch über seinen  Urgroßvater, den Lenneper Baumeister und Architekten Albert Schmidt (1841–1932), herausgebracht (ISBN 978-3-86680-400-5,  18,90 €, 192 Seiten, 89 Abbildungen, 15,6 x 23,5 cm). Die Texte wurden, überwiegend zwischen 1920 und 1930, von Albert Schmidt selbst geschrieben, dennoch handelt es sich hier nicht um eine Autobiographie. Der spätere Königliche Baurat, dieser Titel wurde ihm in fortgeschrittenem Alter ehrenhalber verliehen, entstammte einfachen Verhältnissen. Die Familie betrieb väterlicherseits seit drei Generationen ein Baugeschäft an der Wupper und später in Lennep, die Herkunft aus dem Stand des Schleifermanns, des Maurers, der nicht auf den hohen Schulen studiert hat, behinderte zumindest anfangs zwar nicht seinen geschäftlichen Erfolg, jedoch seine gesellschaftliche Akzeptanz.

Albert Schmidts Denken lässt sich am besten mit dem Wort „antiautoritär“ beschreiben. Damit ist nichts Pädagogisches gemeint, obwohl in den Schilderungen seiner Schulzeit und der Strafmethoden seiner Mutter ein deutlicher Abstand zum zeitgenössischen Erziehungswesen zum Ausdruck kommt. Antiautoritär meint vor allem die Grundauffassung, daß Anerkennung niemals kirchlich oder gesellschaftlich verliehen oder ererbt sein kann, sondern immer selbst erarbeitet und bewiesen werden muß. Zu diesem Aufklärungsdenken gesellte sich ein für das 19. Jahrhundert typischer Optimismus bezüglich des physikalisch-technischen Fortschritts und die Überzeugung, daß durch aktive Volksaufklärung die Prozesse zu beschleunigen wären. Die großen Erfolge in seiner Vaterstadt Lennep, beispielsweise auf den Gebieten der Abwasserhygiene und des Schlachthofwesens hat er nicht nur als Baumeister, sondern auch durch seine vielen Vorträge in den Lenneper Vereinen mitbewirkt. Die Lenneper Stadtverwaltung gestattete deshalb dem jungen Mann, seine Prüfung zum Maurer- und Zimmermeister schon mit 22 Jahren abzulegen, drei Jahre früher als normalerweise zulässig. Selbst noch  in der Ausbildung, hatte er über das Geschäft seines Vaters bereits mit siebzehn Jahren die traditionelle Feldsteinbauweise, die sein Vater vorher durchgängig betrieb, durch den Rheinischen Backsteinbau ersetzt, den er in Neuss erlernte.

Nachdem er 1864/65 das väterliche Geschäft offiziell überommen hatte, entwickelte es sich, mit damaligen Augen betrachtet, schnell zur Großfirma, die zeitweilig bis zu 400 Arbeiter beschäftigte, darunter zahlreiche Gastarbeiter aus Italien, denen beim Tiefbau Erfahrung und Geschick nachgesagt wurde. Personal, Fuhrwerke, Dampfmaschinen und sonstige Großgeräte wurden im Leasing-Verfahren je nach Notwendigkeit beschafft, in einzelnen Fällen auch speziell entwickelt. Die von seinen Vorfahren und schließlich von ihm selbst in den Wupperorten erstellten Industriebauten stehen heute z.T. unter Denkmalschutz. Von der Quelle bis zur Mündung der Wupper führte die Firma Albert Schmidt an die 500 große Bauten aus.

Der vorliegende Band ist ein Buch über Albert Schmidt, über seine Familie, über seine Heimatstadt, über seine Bauten und Wirkungsstätten. Der Stil und die persönlichen Eigenheiten der Redeweise von Albert Schmidt wurden fast durchgängig beibehalten. So aß der Autor „sich“ manchmal ein großes Stück Fleisch, oder er spricht von den „in Maulkraft Geeichten“, die während der Revolutionszeit von 1848 oder auch beim Feuerwehrfest lautstark ihren augenblicklichen Gefühlen Ausdruck verliehen. Augenscheinlich gewöhnte sich Albert Schmidt neben seiner bergischen Alltagsprache über die ausgedehnte wissenschaftliche Lektüre auch die Schriftsprache an, von der er im Familienkreise gänzlich absah. Die Enkel amüsierten sich dort köstlich über sein eigenartiges oder sogar falsches Deutsch, etwa wenn er davon sprach, ihm sei „der“ Bein weggerutscht.

Dr. Wilhelm R. Schmidt, geboren 1947 in Lennep, studierte Philosophie, Germanistik, Sozialwissenschaften und Öffentliches Recht. Neben seiner Tätigkeit als Bibliotheksdirektor in Frankfurt/Main engagiert sich Schmidt im Bergischen Geschichtsverein, für das Lenneper Tuchmuseum und ist Mitglied der Altstadtfreunde Lennep. Schmidt veröffentlichte zahlreiche Bücher zur Geschichte seines Heimatortes und der Wupperindustrie.

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