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Ein Friedhofsbesuch mit den Enkelinnen

Von Harald Neumann

Ein Nachmittag im Juni. Holger und Marion wollen beim Umzug des Bruders helfen. Ob wir derweil ein Auge auf Laura und Maren, unsere Enkelinnen, werfen könnten? Sie seien sonst alleine. Und müssten eigentlich mal raus an die frische Luft. Maren (10) liegt im Bett und beschäftigt sich mit dem Gameboy. Laura (12) ist auf ihre Schulfreundinnen sauer und voller Frust. Was nun? Eigentlich wollen Monika und ich zum Waldfriedhof, in Remscheid sagt man „auf die Gräber gehen“, anschließend dann eine Runde durch den Wald in Richtung Küppelstein. Sollen wir versuchen, die Kinder mitzunehmen?

Monika meint, ich gehe schon mal und frage sie einfach. Und als ich hinzukomme, machen sich beide gerade fertig, um uns zu begleiten. Sie sind nicht unbedingt begeistert und fragen schon nach ein paar Minuten Autofahrt, wann wir denn endlich da seien. Aber am Waldfriedhof sind die beiden Mädchen wie umgewandelt. Munter springen sie aus dem Auto und rennen zum Eingangstor des Friedhofes.

Zuerst geht es zum Grab meines verstorbenen Bruders Jürgen, wir plaudern über den Verstorbenen und über den Grabschmuck. Maren balanciert unbedarft über die Trittplatten und freut sich über die vielen Blumen. Laura ist nachdenklicher, habe ich sie doch vorher auf das Grab der ersten Freundin meines Bruders aufmerksam gemacht. Sie ist sehr jung gestorben. Laura rennt mal schnell eine Runde durch die Gräberreihen.

Am Elterngrab geht Monika sehr einfühlsam auf die Verstorbenen ein, die Kinder hören aufmerksam zu. Ja, es gibt verschiedene Arten der Bestattung, und nun wollen wir einmal von euch hören, was ihr von der Urnenbestattung in der Stele haltet. Wir gehen dorthin. Dort wollen sie alles ganz genau wissen und nach ausführlicher Begutachtung kommen sie zum dem Schluss, dass das so okay sei.

Laura erzählt uns dann von ihrem freiwilligen Religionsunterricht. Das ist sehr interessant, und wir hören aufmerksam zu. Maren bewundert eine Hummel. Sie ist damit beschäftigt, in den Blüten eines roten Fingerhutes ihre Nahrung zu sammeln. Ich erzähle Maren vom Giftgehalt der Blätter und von deren medizinischer Heilwirkung. Maren meint, wenn man Herzprobleme hat, kann man ja die Blätter essen. Nein, Maren, so einfach ist das nicht.

Wir setzen uns auf die gegenüberliegende Bank. Maren kuschelt sich an mich und sagt: „Ich kann mir gar nicht vorstellen, ohne Oma und Opa zu leben.“ Monika und ich gleichzeitig: „Wir ja auch nicht ohne Euch!“ Aber wir erklären den Kindern, dass das Leben der Menschen endlich ist – und das für alle. Man muss auf dem Friedhof nicht traurig sein. Am Elterngrab denkt man sicherlich daran, dass sie einem das Leben schenkten, und ist dankbar dafür. Nachdenkliche Kindergesichter.

Und was machen wir jetzt? Erst einmal zu den Alltagssorgen, Laura möchte gern, dass ihre Freundin zu ihr kommt und über Nacht bleibt. Wir unterstützen das und wollen das Mädchen gerne abholen.

Wollen wir weitergehen durch den Wald oder erst eine Runde über den ganzen Friedhof, dann kämen wir auch zu dem Grab meiner Eltern? Genau so wollen sie es. Laura geht mit mir voraus, und ich mache sie auf verschiedene Arten von Grabmalen aufmerksam. Am Grab meiner Eltern angekommen, fragt sie mich: „Wie war denn der Vorname Deiner Mutter? Und warum steht das nicht auf dem Grabstein? Hier ist nur der Name Deines Vaters zu lesen.“ Ich habe keine Antwort.

Eine kurze Erklärung zur Rolle der Friedhofskapelle bildet den Abschluss unseres Rundganges über die Friedhöfe auf Reinshagen. Dann gibt es noch ein Eis am Stadionkiosk. Und eine weitere Überraschung, denn dort sitzt Opa Manni mit den beiden Enkelinnen Carolin und Jana.

Maren findet die ersten wilden Erdbeeren, und ich darf sie huckepack zum Auto tragen (Maren natürlich, nicht die wilden Erdbeeren!). Lauras Freundin ist tatsächlich gekommen, und Lauras Welt ist wieder in Ordnung.

Knapp zwei Stunden mit Laura und Maren. Wie unbefangen und besinnlich zugleich die Kinder mit Friedhof und Tod umgehen. Ihre kindliche Neugier und ihr Interesse haben uns erstaunt. Es war schön, das zu erleben.

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