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"Peter zu den Hasten" betrieb die Mühle als erster

Gerstauer Mühle links (Sammlung Rudolf Renelt)

Von Günther Schmidt

Es geht zwar ein Wanderweg am Wuppertaler Hang vorbei Richtung Gerstau, aber auf diesem hat man keine Chance, die Hasterauer Hämmer und Kottenstandorte zu betrachten. Also bewegen wir uns vom Bergerskotten die letzten 200 Meter bis zur Gerstauer Mühle an der Morsbachtalstraße entlang. An der Kreuzung angekommen sind es dann nur noch ein paar Schritte nach links und schon ist der Blick frei zur ehemaligen Gerstauer Mühle. Die äußere Erscheinung des Hauses ist noch vollkommen erhalten und mit etwas Fantasie und zugehörigen historischen Bildern kann man schnell erkennen, dass hier in früheren Jahren ein Müller hart gearbeitet hat. Gerstau ist schon seit dem 15. Jahrhundert bekannt, denn gegen Ende des 15. Jhdt. hatte man auf dem rechten Morsbachufer durch Erbteilung ein Stück des Hofes Kuchhausen (Kirchspiel Cronenberg) abgesplissen und bebaut. Im 16. Jahrhundert befand sich hier die Wohnung und die Werkstatt eines Messermachermeisters, und im 17. Jahrhundert gehörte ein Wasserhammer dazu.

Der auf dem linken Ufer des Morsbachs gelegene Teil der Gerstau gehörte ursprünglich zum Hof Hasten, dem "Obersten Hasten". 1554 ist die erste Erwähnung der Gerstauer Mühle, die zu diesem Zeitpunkt von "Peter zu den Hasten" betrieben wird. Wahrscheinlich wohnt in der Mühle ein Mahlknecht. Dass die Mühle voraussichtlich wesentlich älter ist, sagt uns eine Rechnung von 1425, in der ein Mühlenbesitzer Peter Hasten erwähnt wird. 1507 wird die Aue auch erstmalig amtlich erwähnt, denn um diese Zeit zerfiel die Aue in einen Cronenberger und einen Remscheider Teil. Im Hofverzeichnis von 1369 wird der Ortsteil Aue oder Gerstau noch nicht genannt. Man geht davon aus, dass der Name Gerstau von einem ehemaligen Gerstenanbaugebiet herrührt. Als Wohnort wird die Gerstau jedenfalls erst 1666 erstmalig erwähnt.

Die Mühle und die späteren Hämmer bekamen das Wasser aus einem gemeinsamen Teich. Der begann etwas unterhalb des Bollenhammerteiches und zog sich als immer breiter werdender Obergraben unter der Straße nach Cronenberg hindurch bis zu den Hämmern hin. Überliefert ist in diesem Zusammenhang der Name "Pferdeteich", weil dort wohl die durchziehenden Liefergespanne getränkt wurden. Diese Mühle gilt als die wohl älteste "freie Mühle" im Remscheider Raum; frei deshalb, weil die meisten Mühlen als Zwangsmühlen einer Herrschaft geführt wurden und die Bauern nur dort mahlen lassen durften. Peter Hasten lieferte in den Jahren 1428 bis 1430 einem Kölner Pferdehändler "van Nuyß" Hafer und Stroh; so belegen es einige alte Rechnungen. Somit muss man davon ausgehen, dass der Ursprung der Mühle sicherlich um 1400 oder noch davor liegt. Die Mühle war zuletzt mit einem oberschlächtigen Wasserad und zwei Mahlgängen versehen und hatte besondere Wasserrechte, die wahrscheinlich auf das uralte Privileg zurückzuführen sind. Die Mahlgänge konnten aber nur wechselseitig betrieben werden. (Eine noch ältere Mühle stellt im Eschbachtal die Burger Kameralmühle dar, die als eine Zwangsmühle bereits ab 1100 n. Chr. geführt und nachgewiesen wird.) Die Bauern der Umgebung, selbst die von den Höfen Süd-Cronenbergs, ließen in der Gerstauer Mühle mahlen. Ihr gehörte vertraglich geregelt im Herbst sechs Wochen lang die gesamte Wassernutzung, wobei während dieser Zeit die Hämmer still lagen.

Gerstauer Mühle links als Fachwerkbau (Postkartenbörse)1554 gehörte die Mühle einem Peter zu den Hasten. Ein Jahr später ist Gerhard vom Hasten als neuer Besitzer benannt und zahlt eine jährliche Abgabe von einem Malter Roggen. 1618 wird als Pächter der Hans Müller zu den Hasten erwähnt. Als neuer Besitzer ist Hermann in den Hasten genannt, der 1623 angeblich auch den 1.Wasserhammer am Teich besitzt. Bis 1675 wechselt der Inhaber erneut, denn Jacob Pieper hat die Mühle an Clemens Böcker vom Büchen verpachtet. 1692 berichtet der Burger Kellner Francken von einer Mahlmühle zu Gerstauen. Die Erben Pieper (Pfeiffer) erscheinen 1703 in einer Elberfelder Aufzeichnung, wobei immer noch als Pächter der Clemens Böcker aufgeführt ist. Nach einer Erbteilung werden 1704 Friedrich und Johann Pfeiffer sowie Peter Halbach und Frau Elisabeth geb. Pfeiffer zu gleichen Teilen genannt. Pächter ist Böcker.

Im Jahre 1711 verkaufen die Erben Pfeiffer die Mühle an Johann Schlieper in der Mebusmühle, wobei der Pächter immer noch Clemens Böcker ist. Ein sehr schneller Entschluss, oder nur Gewinnstreben bewegte den Johann Schlieper, bereits ein Jahr später die Mühle an Clemens Böcker zu verkaufen. Anton Böcker als Sohn wird 1740 als neuer Besitzer genannt. (…) 1764 erscheinen als Erben von Anton Böcker die minderjährigen Kinder. 1790 sind es die Erben des Engelbert Böcker. 1802 wird die Mühle von den Erben Engelbert Böcker an die Eheleute Wilhelm Benninghoven und A. Christa Krämers für 5050 Reichsthaler verkauft. 1810 ist sie in Alleinbesitz von Anton Benninghoff. Im Remscheider Mühlenkataster von 1829 wird die Mühle mit einem oberschlächtigem Wasserrad und zwei Mahlgängen erwähnt, die nur wechselseitig in Betrieb genommen werden können. 1853 wird ergänzend berichtet, dass dieser "Oberschläger" neun Fuß Gefälle hat. Die Getreidemühle des Wilhelm Benninghoven zu Gerstau mit 12 - 15 PS ist im Elberfel­der Lagerbuch 1867 verzeichnet.

1874 ist als neuer Besitzer ein Fritz Benninghoven eingetragen. Durch Heirat mit einer Benninghoven-Tochter kommt die Mühle in den Besitz von Justizrat Krey, dann durch Erbgang an Frl. A.Schlinkert, die sie um 1930 veräußerte. 1936 wurde die Mühle an eine Familie Brenning mittels eines Lotteriegewinnes abgegeben. Im heutigen Zustand präsentiert sich das alte Mühlengebäude als Wohnhaus. Der Teich ist zugeschüttet und wird als Wiese genutzt. Das Fachwerkgebäude ist mit Schiefer verkleidet und in einem recht guten Zustand. Der Name Benninghoven spiegelte sich noch bis in das Jahr 2000 am Ort wieder, denn die Wirtschaft an der Haltestelle wurde bis dahin von Frau Kofferschläger geb. Benninghoven geführt. (Aus: Hämmer- und Kottenforschung in Remscheid – von Gerstau bis Haddenbach –, herausgegeben von Günther Schmidt)

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