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Über Bürokratie, persönlich und schmerzlich erlebt

Dr. Heinz Dieter Rohrweck. Foto: Lothar KaiserVon Dr. Heinz Dieter Rohrweck

Kurzer Vorspann: Letztes Jahr - wir fliegen nach Spanien. Beim Check-In am Flughafen: „Ihren Ausweis bitte.“ - Ausweis?? Musste ich doch schon seit Jahren nicht mehr vorlegen. Egal. – „Herr Dr. Rohrweck?“ –„Ja“. – „Ihr Ausweis ist abgelaufen.“- „Was?“ – „Kein Problem. Die Adresse stimmt noch? Wir wünschen einen guten Flug.“

Recht hatte die junge Dame ja auch. War ja erst zehn Jahre alt, ich bin immer noch gleich groß, gleiche Augenfarbe, gleicher Wohnort und auch rein äußerlich in den letzten zehn Jahren eigentlich gar nicht verändert - und auch im Hotel, in Spanien: „Hola, buenos dias, como estad?“ – „ Muy bien.“ Ausweis vorgelegt – abgelaufen. „Ach, wir haben sie hier im Computer, schön dass sie wieder da sind, angenehmen Aufenthalt.“

Schnitt. Vorhang, Szenenwechsel. Remscheid. Bürgerbüro Lüttringhausen. „Ich hätte gerne einen neuen Personalausweis.“ Mein Gegenüber: ganz freundlich, die Hilfsbereitschaft in Person. Ehrlich. Ernsthaft. Nach drei Minuten halte ich einen Zettel in der Hand, auf dem steht, dass ich heute einen neuen Personalausweis beantragt habe mit gleichem Wohnsitz unter gleichem Namen mit gleicher Augenfarbe und gleicher Größe wie im alten Ausweis.

Jetzt zum Führerschein. „Führerschein? Nein, leider nicht. Da müssen Sie ins Ämterhaus.“ Na gut. Ist halt so, wusste ich nicht. Ich komme von der Ludwigstraße rein, irre durch menschenleere Gänge, komme per Zufall in eine große Halle – Zahlenkolonnen an der Wand, die sich alle zwei bis drei Minuten ändern. Nr. 417 bitte in Zimmer 410, Nr. 55 bitte in Zimmer 32, gut und schön. Ich gehe meine Runde. Irgendwo muss doch so ein Nümmerchen zu ziehen sein. Keine Chance, kein Hinweis. Ich in Zimmer 4 Hundert etwas. „ Entschuldigung….“ – „Bitte warten Sie draußen.“  – Etwas energischer: „Entschuldigung….“ – „warten Sie bitte, bis sie an der Reihe sind.“ – Aber ich will doch nur wissen, wie ich meine Reihe überhaupt finden kann!!“ – „Im Erdgeschoss.“ Na also, geht doch. (Mittlerweile hatte ich schon Kragenweite 42).

Nummer gezogen, gewartet. Gebannt auf die Tafel geschaut, da kein Gong ankündigt, wann der nächste an der Reihe ist. (Also Nix mit entspannt Lesen. Weil sonst Nummer verpasst.)  Eintreten, nachdem die Nummer erschienen ist. „Guten Morgen.“ – „Guten Morgen. Was kann ich für Sie tun?“ – „ Ich wollte einen neuen Führerschein beantragen.“ – „ Ihren Personalausweis.“ – „Hier bitte.“ – „Der ist ja abgelaufen.“ – „Gut, aber ich bin´s ja noch. Hier ist zudem mein Führerschein und vor allen Dingen – hier meine Bescheinigung, dass ich den neuen Ausweis beantragt habe (und bezahlt).“ – „Das geht nicht – sie brauchen einen gültigen Personalausweis.“ ( Sie erinnern sich an Flughafen und Hotel?) – „Ja, aber mit dem neuen Antrag, der hier vorliegt, ist doch klar, dass ich in einer sogenannten Übergangsregelung bin.“ - Nein, kein gültiger Ausweis!“ -  Kompromiss: „Ich beantrage ihn jetzt, hole ihn aber erst mit einem gültigen Ausweis ab.“ – „Nein, kein gültiger Personalausweis!“ (Kragenweite 45.)

Ich eine Etage höher,den Heimvorteil versucht auszuspielen. Herr …., - jemand der mich persönlich kennt – ist leider nicht im Hause. Fünf Türen weiter. „Guten Morgen, Herr …... können Sie mich vielleicht bei ihrem Kollegen unten persönlich identifizieren, dass ich wirklich dort wohne, dass ich es bin?“ Was meinen Sie, was ich da zu hören bekomme? Wörtlich: „Ach, Herr Rohrweck. Da kommen im Monat so viele aus dem Osten, die dann behaupten – Führerschein geklaut, Personalausweis verloren usw.“ Ich glaubte erst gar nicht, dass er das wirklich ernst meinte. Aber dem war wohl so. Rohrweck, der Immigrant aus dem Osten, der versucht, sich mit gefälschten Papieren in Remscheid eine Existenz aufzubauen.

Jetzt verstehen Sie aber, warum es bei einer solchen personellen Besetzung mit logischen Argumenten unmöglich ist, z.B. die Karstadtkreuzung zu öffnen. Oder? Argumente wie „schon 500 Meter vorher Tempo 30, Schwelle bei der Einfahrt in die Altstadt, kaum Fußgängerfrequenz von der Deutschen Bank zum Bismarckplatz und umgekehrt, viele Autos fahren bereits jetzt geradeaus, sodass dadurch erst recht eine Gefahrensituation entsteht, weil der Fußgänger damit nicht rechnen kann“ ziehen nicht.

Die seltsamen Methoden des Franz-Josef Wanningerfinden sich auch in folgendem Spot wieder: Ich habe als Bezirksvorsteher eine Genehmigung, gelegentlich, wenn es der Wahrung der Dienstgeschäfte dient, im Parkverbot zu stehen. Ich erhielt diese Genehmigung am 23. September 2007. Wenn Sie der zuständige bürgerfreundliche Verwaltungsfachmann wären – für welchen Zeitraum würden Sie ein solches Dokument ausstellen? Vielleicht bis zum 31. Dezember des Jahres? Wäre logisch, aber vielleicht ein bisschen kurz. Ein Jahr? Bis zum Ende der Wahlperiode? Dem hätte ich zugestimmt und auch gedacht, dass es so ist. Guck ja nicht drauf – volles Vertrauen in die logisch denkenden Mitarbeiter der Verwaltung.

Hier die Lösung: vom 23. September 2007 bis zum 6. Mai 2008. Also genau für sieben Monate, eine Woche und sechs Tage. Auf meine Anfrage konnte mir dann keiner eine Antwort geben. Die steht bis heute noch aus.. Sieben Monate, eine Woche und sechs Tage. Ich habe das im Juli zur Kenntnis nehmen müssen, weil ich mich dieser Ordnungswidrigkeit 15 € gekostet hat. Ich war zwar immer noch Bezirksvorsteher, aber  mein Ausweis war schließlich abgelaufen. Weil ich ja in Wahrheit gar nicht der Bezirksvorsteher war und ich in der Verwaltung als irgendein illegaler Einwanderer aus dem Osten gehandelt wurde, der hier im Parkverbot stehend ein krummes Ding drehen wollte.

Logik im Amt: In der Platanenallee wird die Anbringung eines Tempodisplays erwünscht. Die Antwort: die Platanenallee ist zu kurvig. Dort können wir kein Display anbringen. Wir erlauben einen weitere Vorstoß: Überprüft doch mal die Geschwindigkeit z.B. in der Hardtstraße oder in der Bermesgasse? Geht nicht, ist zu kurvig. Dann gibt es aber noch die Überwachungsstelle mit ihren unauffälligen Fahrzeugen aus Wuppertal oder Düsseldorf. Die stehen doch dreistfrech mitten in der Kurve der Lüttringhauser Straße, von Lüttringhausen kommend in Richtung Mollplatz hinter der Gaststätte Wuppertaler Hof und blitzen nach vorne und nach hinten. Und das mitten in der Kurve.

Erinnern Sie sich noch, wie wir vor sieben Jahren das Schild „Anlieger frei“ am Handelsweg weghaben wollten, um die Brücke befahrbar zu machen? Dem wurde seitens der Verwaltung widersprochen. Als wir auf unser Recht als Bezirksvertretung pochten, dass das in unserem Ermessen liege, deklarierte man diesen Bereich als Gefahrenzone, entzog auf diese Weise der Bezirksvertretung die Zuständigkeit und sicherte sich seinen Herrschaftsanspruch zusätzlich durch einen Poller.

Vor einem halben Jahr dann die Rolle rückwärts. Plötzlich hatte die Verwaltung vom Baum der Weisheit genascht. Der Poller sollte weg, der Handelsweg mindestens in eine Richtung befahrbar sein, ohne Anliegerkennzeichnung. Versteht man das? Wäre man vor sieben Jahren unserem Vorschlag gefolgt, denn bei uns sitzen Leute in der BV, die die Situation vor Ort kennen und nicht nur einmal alle fünf Jahre samstags abends eine Verkehrszählung am Handelsweg oder Fronleichnam in der Tacker Mühle durchführen, wäre diese Regelung nicht nur wesentlich eher durch gewesen, sondern auch ohne großes Aufsehen.

Damit wäre ich noch einmal bei der Öffnung der Altstadt. Wir müssen vielleicht nur noch zwei Jahre warten, dürfen das Thema nicht mehr ansprechen, bis die Verwaltung meint, selber darauf gekommen zu sein, dass doch verbotenes Geradeausfahren und die damit verbundene Gefährdung der Fußgänger und riskante Powerslides mit 180-Grad-Wendung auf der Wupperstraße vor der Polizei dadurch vermieden werden können, dass man die Geradeausfahrt in die Altstadt erlaubt. Fassen wir uns also in Geduld.

(Vorgetragen  am 16. Januar 2008 auf dem Bürgerempfang der Bezirksvertretung Lennep)

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