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Die Kotten wechselten früher den Besitzer ziemlich häufig

Ortschaft Gründerhammer. Sammlung: Rudi Renelt

Von Günther Schmidt

Wir gehen oberhalb Platz auf der einstigen Kohlestraße Richtung Grund und kommen am „Fliedergarten“ an. Dort geht es zum einen in das Ibachtal und Kuhlers-Hammer und zum anderen in die untere Ortschaft Grund, wo heute die Firma Halbach dominiert. Der ursprüngliche Name Grundaue wurde schon im 15. Jahrhundert erwähnt. Sie war wie die folgenden Auen am Morsbach eine Talwiese und sehr wichtig für die Landwirtschaft: Gerstaue oder auch große Aue genannt, Hirtzaue, Hasteraue, Hölter- oder Blumenaue, die heutige Ortschaft Aue, die Beekeraue und die Sudberger oder Soberaue. In der Hauptsache hat man hier früher Schaf- und Schweinezucht betrieben. Erst ab dem 15. Jahrhundert gesellen sich Kühe hinzu. 1554 betrieben Arnhard zum Büchel und Wyrnke in dem Sypen an unserem Standort eine Eisenschmelzhütte mit Hammerwerk. Die Hütte wurde zeitweilig von Luther im Grund mitbenutzt, dem das Verfügungsrecht über das Betriebswasser des Werkes zustand.

1607 sind an dieser Stelle drei Schleifkotten und ein landwirtschaftliches Gebäude bekannt. Um 1640 werden die Schleifkotten zu Hämmern umgebaut. Seitdem heißt der Platz „Gründerhammer“. 1804 betrieben dort die Brüder Busch mit vier Hämmern ein Blausensenwerk. Auf dem gegenüberliegenden Morsbachufer lag damals ein weiterer Hammer an der Mündung des Ibachs.

Der erste Gründerhammer hat 1607 seinen Ursprung als Schleifkotten des Zenis zum Rath und seiner Söhne. Dieser Hammer wird 1829 nicht mehr erwähnt. Als vor 1855 die Verbindungsstraße zur Hofschaft Grund geschaffen wurde, musste dieser Hammer dem Straßenbau weichen. Der Zweite Gründerhammer ist ebenfalls 1607 im Besitz von Zenis zum Rath, jedoch schon um 1550 gebaut. 1749 erscheint das Objekt als Schleifkotten von Peter Jansen im Grund. 1787 baut Wilhelm Hagenböcker den Schleifkotten in einen Hammer um. 1800 ist auch dieser Hammer im Besitz der Gebrüder Busch, ab 1820 im Besitz der Gebrüder Honsberg, Lüttringhausen, und ab 1829 als Stahlreckhammer im Besitz des Sensenschmiedes Lindenberg zu Remscheid-Büchel. Er ist mit zwei Feuern und einem Amboss eingerichtet und bringt eine Jahresproduktion von 40.000 Pfund Raffinierstahl. 1867 ist dieser Hammer mit 12 PS an Carl Hagenböcker gegangen, der auch den Hammer am Platz besitzt, und 1943 an Friedrich Halbach.

Der Gründerhammer auf einem Luftbild aus heutigen Tagen. Foto: Lothar KaiserDer Dritte Gründerhammer wird in den Aufzeichnungen von 1846 als 300 Jahre alt beschrieben. Somit ist das geschätzte Erbauungsalter um 1546 zu sehen, er ist "under dem Grund" gebaut. 1554 wird er erstmalig aufgeführt als Hammer und Schmelzhütte von Arnhard zum Büchel und Wyrnke in den Siepen. 1750 sind Peter Frans Arntz und Peter auf dem Westen als Eigentümer benannt, 1804 die Gebr. Busch, 1820 die Gebrüder Honsberg ,1829 die Gebrüder Hasenclever, die auch den anderen Hammer am Teich betreiben, 1846 die Firma Ferdinand Altena zu Büchel. Die Jahresproduktion soll 50.000 Pfund betragen haben. Man hatte zwei Feuer, drei Wasserräder, die Arbeiter und einen Amboss. 1903 ging der Hammer an Walter Rottsieper, der bis zuletzt mit seinem Schwager dort Raffinierstahl herstellte. Die Wwe. Rottsieper verkaufte 1943 an Friedrich Halbach.

Der vierte und letzte Gründer Hammer wurde ebenfalls 1607 erstenmals erwähnt, und zwar als Schleifkotten von Friedrich im Grund, 1623 umgewandelt in ein Hammerwerk (bis 1692, dann nicht mehr benutzt). 1707 bekommt Peter Grund die Regierungserlaubnis, den Hammer zu renovieren. Besitzerwechsel: 1710/12 an Peter Rottsieper, 1787 an Wilhelm Hagenböcker und 1800 an die Gebr. Busch, die zu dieser Zeit alle Gründer Hämmer besitzen. Gegen 1820 ist der Stahlhammer in den Händen von Gebr. Honsberg in Lüttringhausen und wird 1824 an die Wwe. Frantz Arnold Engels zunächst  mit ihren Söhnen als Ambossschmiede betreibt und später ver­pachtet an Peter Lienkämper verpachtet. 1835 wird er als erster Gründer Hammer dem Besitzer Peter Caspar Rottsieper zu Platz zugeschrieben, der mit einem Gehilfen auf Bestellung gegen Lohn arbeitet. 1853 wird die Jahresproduktion mit  40.000 Pfund angegeben.

Der Hammerbetrieb wurde zeitweise beeinträchtigt durch Konjunkturflauten, Kriegswirren, Holzkohlen- und Wassermangel. Erstere überwand man regelmäßig durch Aufnahme neuer, bisher in den Hämmern unbekannter Arbeiten, aber den Störungen durch Kriegsereignisse vermochte man kaum zu entgehen. Zur Beseitigung des Holzkohlenmangels ging man schon früh zum Fremdbezug über. 1623 sagten die Rem­scheider, Lüttringhauser und Cronenberger Hammerschmiede aus, dass die heimischen Wälder ganz verhauen seien und sie die Holzkohlen unter schweren Kosten und Mühen aus dem Ausland (Siegerland usw.) herbeischaffen müssten. Dem Wassermangel versuchte man durch Vergrößerung der Stauanlagen entgegenzusteuern, aber in trockenen Sommern waren die Gräben und Teiche des mangelnden Zuflusses wegen bald leer gelaufen, und in strengen Wintern vereisten die Schleusen und Wasserräder so, dass ein Betrieb nicht möglich war. Da außerdem das Flözrecht der Talwiesen vorrangig war, kam es zu Verträgen zwischen den interessierten Parteien über Art und Dauer der Wassernutzung. So wurde zum Beispiel 1554 zwischen den Inhabern der Hütte zu Gründerhammer und dem Besitzer des Hofes Grund vereinbart, dass das Wasser des Grunder Hauptflözgrabens zu bestimmten Zeiten über das Wasserrad des Hammers geleitet werden und der Hofbesitzer als Gegenleistung alljährlich 80 Pfund geschmiedetes Eisen erhalten solle. Lagen mehrere Werke an einem Teich, so wurde regelmäßig festgelegt, ob ein Werk einen gewissen Vorrang haben oder ob alle Triebwerke gleichberechtigt sein sollten. Für die Zeit von Johanni (24. Juni) bis Michaeli (29.September) rechnete man ehedem mit stark eingeschränktem gelegentlichen oder tageweisen Betrieb. Da war es gut, wenn der Hammerschmied noch Landwirt im Nebenberuf war.

Nach 1936 kaufte Friedrich Halbach nach und nach alles um seinen Betrieb herum auf. Er erweiterte die Hammeranlagen zu einer stattlichen Fabrik. Seine Spezialität sind Schmiedezangen. Friedrich Halbach sen. war selbst noch mit fast 84 Jahren täglich regelmäßig in der Schmiede und arbeitete. In der umgebauten Fabrik ist das Wasserrad ausgebaut, das Teichwasser dient nur noch zur Kühlung einiger Aggregate. Die Untergräben sind verrohrt und führen unter der Fabrik durch. Sie münden in den Morsbach. (Aus: Hämmer- und Kottenforschung in Remscheid – von Gerstau bis Haddenbach –, herausgegeben von Günther Schmidt, Druck und Vertrieb Paul Hartgen GmbH + Co. KG, Lennep)

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