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Dampfmaschine aus England lief nur kurze Zeit

Der Hasencleverskotten – Klauser Bach. Foto: Dr. Huber Oberhalb der Leyermühle können wir von dem kleinen Waldweg Richtung Lehnhartzhammer an einigen Stellen noch den Obergraben zur Leyermühle erkennen. Selbst ein altes Stauwehr habe ich noch "schlafend" im Wald entdeckt. Kurz vor der Straßenüberquerung sieht man links vor dem Firmengebäude den Parkplatz der Firma, der früher als Auffangteich diente und aus dem die Leyermühle ihr Wasser bezog.  Hinter der Querung der Straße kommt von rechts der Klauser Bach von Lüttringhausen, an dem auch zwei Hämmer bzw. Kotten standen. Betrachten wir als ersten den Hasenkleverskotten. Der heute (2004) geläufige Name ist Ackermannskotten am Klauser Bach. Er ist in den letzten Jahren systematisch verwildert und heruntergekommen und braucht zur Erhaltung dringend neue Investoren, die mit viel Liebe zum Detail dieses Kleinod wieder aufpäppeln, bevor es verfällt.

Laut Mühlenkataster der Stadt Remscheid war der Hasenkleverskotten 1853 400 Jahre alt. Das bezieht sich aber nur auf den Standort.  In der Zeit zwischen 1450 und 1685 ist nichts über diesen Kotten zu erfahren. Erst 1685 ist erwähnt, dass auf den Kotten ein Wohngeschoß als Handwerkerwohnung gebaut wurde. Hier waren die Hasenclevers ansässig. Sie waren ein uraltes Sichelschmiedegeschlecht. In einer Liste der Sichelschmiede aus dem Jahre 1797 liest man hintereinander den Johann Peter und Johann Wilhelm Hasenklever auf der Halbach, Wilhelm Hasenklever und Sohn Johann Peter in der Schmitzhalbach, Johann Hasenklever und Caspar Fuhrmann, beide aus der Schmitzhalbach. 1800 ist zu lesen, dass Wilhelm Hasenklever den Kotten "auf der Klauser Bach" führt. 1804 heißt er bereits Bernhardskotten und ist mit vier Schleifsteinen und zwei Pliestscheiben ausgerüstet. Ein zu dieser Zeit seltenes mittelschlächtiges Wasserrad trieb die Scheiben an.

 

Ackermannskotten im Frühling. Foto: HIZ Remscheid

Heinrich Rauscher fand heraus, dass 1824 der Peter Arnold Stursberg als Vater des "Schliep-Pitters" im Kotten als Schleifer begann. Er war mit der Witwe des Christian Wilhelm Schnöring liiert, die den Hasencleverskotten mit in die Ehe brachte. Als deren Sohn Johann Peter gerade 18 Jahre alt war (1824-1866), verstarb Vater Peter Arnold. Der Junge führte den Betrieb weiter und war schon damals in die Tochter des Wirtes aus der Gaststätte Halbach verliebt, die er dann auch 1844 heiratete. Seine Frau wurde Inhaberin der Poststelle mit Schlagbaum und übernahm von den Eltern die Gaststätte. Peter beschränkte sich fortan nur noch auf gelegentliche Kontrollen seiner Schleifer. Er war lieber Wirt, kassierte die Wegegelder und unterhielt sich mit den "Kollprüßen", die mit ihren wegegeldpflichtigen Frachtfuhrwerken auf der neuen Kohlenstraße bei ihm Rast machten. So konnte man in der Gaststätte Halbach immer die neuesten Nachrichten hören.  Zwischen 1846 und 1852 ist in den Eintragungen vom "Hasencleverskotten von Peter Clemens Stursberg am Clauserbach" zu lesen.

1857/58 war ein trockenes Jahr, und die Schmiede und Schleifer waren lange zur Untätigkeit verdammt. In dieser Zeit reifte bei vielen der Gedanke zur Wasserunabhängigkeit. Die Engländer hatten mit Dampfmaschinen schon große Erfahrung, und so zog 1859 in diesen Schleifkotten die Dampfmaschine ein. Mangels ausgebildeten Wartungspersonals gab die Maschine schon nach kurzer Zeit ihren Geist auf. Keiner war in der Lage, die empfindliche Maschine zu bedienen, zu warten und Verschleißteile zu ersetzen. Ersatzteile aus England waren auch kaum zu bekommen. Dennoch lief der Betrieb weiter und der "Schliep-Pitter" erlaubte sich ein großzügiges Leben, bis er pleite war.

1864/65 kam, was kommen musste. Der Besitz kam zur Versteigerung. Ein Namensvetter Friedrich Bernhard Stursberg (1837-1887) wurde neuer Eigentümer des Kottens mit Wohngeschoß, der Grundstücke und des danebenstehenden Wohnhauses. Pitter pachtete daraufhin den Wüsterkotten und stand wieder persönlich vor dem Schleifstein. Der neue Besitzer des Hasenkleverkotten hinterließ bis 1910 den Namen Bernhardskotten. Der war mit zwei jetzt oberschlächtigen Wasserrädern und drei Schleifsteinen sowie 14 Fuß Gefälle notiert. Bernhard Stursberg ließ die aufwändige Dampfmaschine verschrotten, und baute eine Wasserturbine (Pelton-Turbine) ein. Das alte Bruchsteingewölbe mit dem historischen Schornstein ist heute sehr baufällig, aber noch zu sehen.

Die 1894 und 1897 geborenen Söhne führten die Schleiferei weiter und wurden zuletzt Werkzeugfabrikanten. Der Kotten firmierte unter dem Namen "Rulandwerke". Nachdem Paul Ruland mitten im Arbeitsleben gestorben war, ehelichte seine Wwe. einen Herrn Meister. Er zeichnete er seine Produktion als "Meister-Werkzeuge". In den 60er Jahren siedelte Meister in neugebaute Räume nach Cronenberg um. Der Kottenteich ist seit den 1960er Jahren verlandet, der mächtige Damm mit der Brücke über den Klausener Bach ist aber noch zu sehen. (Aus: Hämmer- und Kottenforschung in Remscheid Herausgegeben von Günther Schmidt Band 4 - Leyerbach, Diepmannsbach, Mückenbach)

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