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Eugen Lohmann, ein Pionier der Fertighaus-Branche

Holzhäuser von Wender & Dürholt in Christies Beach, Australien.Von Wilhelm R. Schmidt
Während in Remscheid-Lennep kaum mehr als eine schwache Erinnerung an die Firma Wender & Dürholt existiert, zeugt im australischen Christies Beach noch heute eine Skulptur doppelter Lebensgröße von der Bedeutung des Unternehmens (Foto rechts). Es trägt den Titel „The Rainmakers“ und stellt zwei alte australische Eingeborene dar, schwatzend auf einem Felsen beim Vollzug ihres Regenzaubers. Das vom Firmenchef Eugen Lohmann gestiftete und vom damaligen Premierminister des Staates Südaustralien im Jahre 1965 enthüllte Bronzekunstwerk steht in dem Park positioniert, der nach dem Lenneper Unternehmer benannt ist.

Abfahrt 1952 vom Lenneper Bahnhof Richtung Australien.Reizvoll wäre sicherlich, das Schicksal der seinerzeit nach Australien mit gegangenen Firmenangehörigen weiter zu verfolgen. So mancher Betriebsangehörige hat in Australien seine Geschichte aufgeschrieben und auch mit Bilddokumenten versehen. Bereits im Juni 1952 berichteten die Firmenmitglieder Helmut Link und Walter Wiegelmann, die schon in Deutschland etwas Englisch sprachen und von Anfang an in herausgehobener Position und später als Direktoren dabei waren, über die einzelnen Stationen ihrer langen Reise, die vielen Deutschen in Südaustralien und den im Vergleich zur deutschen Nachkriegswirklichkeit sehr hohen Lebensstandard. Natürlich war Einiges fremd: „Hier trinken die Leute Zitrone in den Kaffee und Milch in den Tee, es gibt Katzen ohne Schwanz und schwarze Enten, jedoch laufen Kaninchen und Kängurus nicht zu Dutzenden durch die Straßen, wie in Deutschland oft erzählt wird“. Im Verlaufe der Jahrzehnte wurden weiterhin in den Remscheider Zeitungen immer wieder Erlebnisberichte abgedruckt, wobei die angenehmen Erinnerungen an die Anfangszeit sicherlich überwogen. Im Jahre 1954 kursierten Gerüchte, deutsche Arbeiter würden in Australien, insbesondere beim Eisenbahnbau, wie Sklavenarbeiter gehalten. Das war so durchaus nicht der Fall, aber auch die deutschen Arbeiter, Vorarbeiter und Bauleiter von Wender & Dürholt wohnten anfangs sehr bescheiden in den von ihnen aus Lennep selbst mitgebrachten Wohnbaracken und bildeten in der neuen Welt als zunächst zeitlich befristete Kontraktarbeiter eine räumlich und gesellschaftlich recht isolierte Gemeinschaft, deren Angehörige von Seiten der australischen Behörden aufgrund eines noch bestehenden Gesetzes bezüglich der ehemaligen Kriegsfeinde zunächst nicht zur Einwanderung vorgesehen waren.

Dennoch wurde der von der südaustralischen Regierung kostenlos angebotene Englischunterricht gerne angenommen. Von der Lenneper Stammfirma erhielten die Mitarbeiter öfters deutsche Bücher, Zeitschriften und sogar Schmalfilme, um den Kontakt nicht abreißen zu lassen. Telefongespräche nach Deutschland waren damals zu teuer, und die Briefpost brauchte ihre Zeit. Durch die Gesamtumstände erklärt sich auch, warum zunächst sehr wenig Frauen und Kinder von Deutschland mit nach Australien gingen. Bald jedoch wurden die völlig anderen Lebensverhältnisse von den Deutschen als Zukunftschance empfunden und in vielen Fällen die wirkliche Auswanderung und Naturalisierung angestrebt.

Im Jahre 1965 beschäftigte Wender & Dürholt in Südaustralien nach einem Zeitungsbericht knapp 100 Arbeiter, die inzwischen mehrheitlich auch registrierte Einwanderer waren. Auch der Firmenchef selbst begeisterte sich für das australische Leben und legte sich in Adelaide ein Haus zu. Da er natürlich auch in Deutschland informiert sein musste, ließ er sich wöchentlich per Luftpost einen Lagebericht nach Lennep schicken. Erst spät begann die australische Gesellschaft, sich im Rahmen der Aufarbeitung des nationalen historischen Erbes auch allgemein auf die Aufbauleistung der deutschen Migranten zu besinnen. In diesem Zusammenhang wurde im Jahre 2003, also 50 Jahre nach dem Lenneper „Australienprojekt“, in der zehn Kilometer südlich von Adelaide gelegenen Stadt Marion dieser Arbeit gedacht und im Beisein der Bürgermeisterin und mehrerer Deutscher, die seinerzeit mit dabei waren, enthüllte man einen Gedenkstein, der (hier in deutscher Übersetzung) folgende Inschrift trägt: „Rose Cottage – eines der Holzskeletthäuser, die im Jahre 1953 für den South Australian Housing Trust von deutschen Arbeitern errichtet wurden, die bei Wender & Duerholt beschäftigt waren“.

Eugen Lohmann.Im Jahre 1939 hatte Eugen Lohmann die renommierte Firma Wender & Dürholt an der Wupperstraße in Lennep übernommen. War dieses Baugeschäft zuvor insbesondere durch den Patentfensterbau und über den 1940 aus dem Geschäft ausscheidenden Vorbesitzer Paul Dürholt auch als Architekturbüro hervorgetreten, so konzentrierte sich Eugen Lohmann kriegsbedingt zunächst auf die Herstellung von einfachen, barackenartigen Holzhäusern, woraus er später ein gänzlich neues Gebiet des Wohnungsbaus erschließen sollte. Ein weiteres Arbeitsgebiet war die in den 1930er Jahren als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme staatlich geförderte nachträgliche Ausstattung von bereits bestehenden Häusern mit zeitgemäßem Komfort, z.B. mit modernen Sanitäranlagen. Die Firma arbeitete nicht nur auf Remscheider Stadtgebiet, sondern auch im Umland, beispielsweise in Köln und Lüdenscheid. Daneben zeugen, insbesondere nach dem zweiten Weltkrieg, zahlreiche Industrie- und Verwaltungsbauten, z.B. für das große kommunale Wohnungsbauunternehmen der GEWAG in Remscheid und der Neubau des Finanzamts in Lennep um 1962 von der Leistungsfähigkeit des Unternehmens, das überdies die Tradition der überregional gelieferten Spezialfenster für Privathäuser und Großbauten durchaus weiterführte. Noch heute ist gerade dieser Zweig des Unternehmens im Bewusstsein der Remscheider Bevölkerung sehr präsent.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde mit der systematisch betriebenen Konstruktion und Fertigung vorgefertigter Häuser jedoch wirtschaftlich und technisch ein für die Zukunft wichtiges, gänzlich neues Kapitel aufgeschlagen. Bereits 1948 stellte die Firma Wender & Dürholt in Wuppertal ihr erstes patentrechtlich geschütztes Fertighaus aus. So wurden schon bald auch überregional die Namen Wender, Dürholt und Lohmann zu Synonymen für eine sehr moderne und wirtschaftliche Bauweise. Als Eugen Lohmann am 13. März 1971 in den Remscheider Zeitungen anlässlich seines 75. Geburtstages geehrt wurde, charakterisierte man ihn als einen mutigen Mann voller Tatkraft, der auf ein stolzes Lebenswerk zurückblicken konnte. Zwar wurde die Schreinerei dann im Jahre 1974 eingestellt und zuletzt das Baugeschäft 1985 aufgegeben. Eugen Lohmann konnte aber noch zu Lebzeiten unweit des historischen Firmenareals von seinem Wohnhaus an der Ringstraße aus über diese hinweg auf  die neue Wohnanlage an der Geschwister-Scholl-Straße blicken, die ebenfalls ein Produkt seiner Firma war. Auch als Seniorchef, so die damaligen Zeitungen, überwachte er bis zuletzt persönlich die Arbeiten auf den Baustellen und sorgte dafür, dass sein Lebenswerk weitere Früchte trug. Eugen Lohmann starb in Lennep am 2.10.1981.

In Birgden 2 zwischen Lennep und Remscheid wurde Eugen Lohmann 1896 geboren.Geboren wurde er am 14.03.1896 auf dem Hof Birgden II (gegenüber der heutigen Remscheider Autobahnauffahrt) bei Lennep. Mit vierzehn Jahren begann er eine Maurerlehre in einem Remscheider Bauunternehmen, 1920 heiratete er seine Frau Emilie, geb. Gries. Im Jahre 1922 erwarb Lohmann mit seiner Frau das altbergische Anwesen Borner Straße 5 vom Lenneper Bauunternehmer Arthur Schmidt. Seine Berufsbezeichnung lautete dabei auf Bautechniker. 1926 trat er als Teilhaber in die Baufirma seines Schwiegervaters ein, die dann unter dem Namen Gries und Lohmann, später mit dem Zusatz Inhaber Eugen Lohmann, firmierte. Das Bau- und Stukkateurgeschäft Karl Gries an der damaligen Kölner Straße 117 hatte in Lennep bereits eine beachtete Tradition und war 1926 beispielsweise an Stuckarbeiten in der Landwirtschaftsschule rechts neben dem Gymnasium an der Röntgenstraße beteiligt. Ein Baugeschäft Gries existierte in  der weiteren Familie Gries noch bis in die 1960er Jahre.

Das nach dem zweiten Weltkrieg mit Abstand wichtigste Projekt in der Firmengeschichte von Wender & Dürholt, das Eugen Loihmann mehrere Jahre lang vorbereitet hatte, war das „Australienprojekt“. Anfang März 1952 berichteten die Remscheider Zeitungen, dass in Lennep auf dem Werkshof von Wender & Dürholt eine australische Prüfungskommission tage, die freiwillige Projektanwärter auf ihre „fachliche und charakterliche Eignung“ prüfen sollte. Selbstverständlich mussten sie auch „kerngesund“ sein. „OK – engaged“, das war das Zauberwort für ca.150 Deutsche aus Lennep und Umgebung, die in Down Under eine große Aufgabe bewältigen sollten. Im Auftrage der Südaustralischen Regierung waren Tausende von Siedlungshäusern zu errichten. Neben dem Anfangsauftrag von 500 Häusern wurde noch der Bau des bis dahin größten Wolllagers im Lande bewältigt.

Angefangen hatte alles mit einer internationalen Ausschreibung des australischen Bundesstaates Victoria. 1950 reiste Eugen Lohmann nach Australien, um im Süden des Kontinents Geschäftsbeziehungen zu knüpfen. Noch im gleichen Jahr stellte die Lenneper Firma dort das erste Musterhaus auf. Als sich weitere mittelfristige Aufträge abzeichneten, ein Beweis für die gute Qualität und Beliebtheit der der W & D Fertighäuser, entschloss man sich im Jahre 1952, in South Australia einen Zweigbetrieb zu  errichten, die Firma „Wender & Dürholt (Aust.) Ltd.“. Das erste Werk wurde daraufhin an der Bennett Avenue in der Hauptstadt des Bundesstaates Südaustralien in den Jahren 1954/55 fertig gestellt. Als Eugen Lohmann im Jahre 1962 während seiner nunmehr fünften Reise nach Australien seinem dortigen Kooperationspartner, dem South Australian Housing Trust, zum zehnjährigen Jubiläum seines australischen Firmenteils ein gerade in Lennep neu entwickeltes Fertighaus präsentierte, blieb auch dies nicht ohne Folgen: der neue Haustyp wurde, nunmehr vor Ort gefertigt, beim Bau einer neuen Satellitenstadt verwendet. In Christies Beach, einer seeseitigen Vorstadt von Adelaide, waren schon bald 200 W & D Fertighäuser montiert, 200 weitere befanden sich in der Vorfertigung.

Holzhäuser von Wender & Dürholt in Christies Beach, Australien.

Insgesamt baute die Firma Wender und Dürholt in Australien mehr als 7.000 Fertighäuser, darunter auch Wohnheime für Pensionäre, wahrscheinlich eher mehr, denn unter dem Qualitätssigel „Wender & Dürholt“ veränderten sich später die Besitzverhältnisse, und es entstanden in Verbindung mit dem angestammten Namen unterschiedliche Firmen, die weiter entwickelte Haustypen anboten, und deren Tätigkeit bis in die Gegenwart reicht. „Wohlfeile Häuser in großem Stil“, so könnte das Nachkriegsmotto von Wender & Dürholt geheißen haben, auch in der alten Heimat wandte man sich ja neben den Projekten in der konventionellen Bauweise dem Fertighausbau in großem Umfang zu. So wurden etwa im nahen Schwelm Anfang der 1960er Jahre auf einen Schlag 50 Einfamilienhäuser errichtet.

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