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Stahl-Transport war viele Jahre schwere Knochenarbeit

Ganz links (1) Hammerwerk Grimm; halb links (2) der Untere Clarenbacher Hammer und Bildmitte unten (3) der Bau der Firma Peiseler. Repro: G. SchmidtDurch den verlorenen ersten Weltkrieg war die Technik nicht stehen geblieben, sondern hatte einen Sprung nach vorne getan. Die Zeiten von Schlittschuh- und Raffinierstahl, ebenso von SM- und Bessemerstahl gingen ihrem Ende zu. Ein rühriger Firmeninhaber musste sich dem Zeichen der Zeit anschließen; vom Stahl wurde eine immer höhere Leistung verlangt. Infolge der Geschäftsausweitung, Herstellung besserer Stähle (auch Schnellstähle), sah sich die Geschäftsleitung von Grimm gezwungen, einen Glühofen aufzustellen. Die Gebäude mussten vergrößert werden. Es waren keine Hallen wie heute, sondern niedrige Sheddächer oder flache Dachausführungen, und längst war der ursprüngliche Wasserhammer durch eine kleine Fabrik ergänzt worden.

Als der erste Glühofen mit 3 bis 4 t Aufnahmegewicht stand, gesellten sich nach und nach eine Schlosserei und ein umfangreicher Maschinenpark hinzu. Transmissionen waren zu dieser Zeit traditionell. Selbst die Lokusanlage wurde nicht verschont und musste im Laufe der Jahre insgesamt fünf Mal den Platz wechseln, bis sie eine Wasserspülung bekam.

Alte Schmiede Grimm. Repro: Firma Grimm

Unter dem alten Wasserhammer wurden fassweise alte Drehstähle umgeschmiedet. Hier war Gustav Grimm in seinem Element. Karl Grimm hatte die Leitung der Arbeitsvorbereitung und des Hammerwerkes. Karl Halbach übernahm 1922 die Glüherei, Zurichterei und den Versand. Es gab noch keine Elektrokarren und Asphaltstraßen, und der alte Handwagen war immer noch das gegebene Transportmittel. Wenn bei Tauwetter knöcheltiefer Schlamm die Wege zierte, wurde der Schimmel von Carl Ulrich geholt. Beim Verladen auf die Barmer Bergbahn (Ronsdorf-Müngstener-Eisenbahn) und wenn es gut geklappt hatte, waren einige Schnäpse und eine dicke Zigarre fällig.

Es kam die Geldentwertung, Deutschland wurde ausverkauft, es kam die Besatzungszeit. Nun wurde geschmuggelt, was das Zeug hielt. Der Stahl wurde nachts durch den Morsbach bis hinter Hof Walder in der Klarenbach gebracht, oder der Weg führte um den alten Wasserhammer herum, unter Beitzel her durch die Liebeslaube zu Krämers Teich. Es war eine verdammte Plackerei. Hier konnte man sagen: "Zeit ist Geld". Hier war aber auch ein drei- bis fünfblättriges Kleeblatt zusammen. Außer der alten Stammmannschaft Karl und Fritz Ulrich, Karl Grimm und Karl Halbach beteiligte sich daran auch Wilhelm Grimm. Sie arbeiteten wie die Kohlenschlepper. Die Gefahr und das Geld lockte. Vom Ausgang Klarenbach ging es dann über Stollen nach Ronsdorf-Güterbahnhof, oder der Weg des Schmuggelgutes führte über Haddenbach, Schumacher&Kissling, Spelsberg in das unbesetzte Deutschland. Für den Weitertransport des Stahls waren Karl und Fritz Ulrich zuständig. Ein großer neuer Flachwagen bis 5 t Tragkraft sowie zwei starke Rösser, und schon ging es wie eine reitende Batterie dem Spelsberger Kopf hinan. Den Hang zum Spelsberger Kopf saß ihnen immer der Teufel im Genick, denn bis zum Weg Grüne - Neuländchen konnten sie immer noch geschnappt werden und die Ware wäre weg gewesen. Gegen 12 Uhr nachts wurde in Ronsdorf verladen. Auf dem Rückweg war Station bei "Kaffee-Motte".

Wie bei Grimm ging es entlang der ganzen Grenze vom besetzten zum unbesetzten Gebiet zu. Hier und da fielen Schüsse, manche wurden geschnappt, und manch einer saß in Düsseldorf in der Ulmenstraße hinter Gittern. Es wurden Waggons über Vohwinkel ins unbesetzte Gebiet verschoben. Millionenbeträge an Reichsbanknoten gingen über die grüne Grenze von Ost nach West in Rucksäcken. Die Wirtschaft wurde immer langsamer und die Geldentwertung immer schneller. Konnte einer eine Millionenbanknote, die neu heraus kam, nicht umgehend wechseln, war sie in acht bis 14 Tagen keine Straßenbahnfahrt mehr wert.

Firma Grimm Firma Grimm in den 50er Jahren.Vor und nach der Besatzungszeit holten die entsprechenden Hammerbesatzungen das zu schmiedende Knüppelmaterial mit Handwagen und ohne Kran auch bei tief verschlammten Zugangswegen selbst an den Hammer. Die Knüppel wurden dann soweit als möglich bei 50 bis 60 mm Vierkant auf dem Amboss kalt oder warm auf die gewünschte Arbeitslänge geteilt. Die Anfuhr von Vormaterial erfolgte zu dieser Zeit mit Pferdefuhrwerken, ausgeführt von den Landwirten Karl und Fritz Ulrich als Stückgut zum Bahnhof Clarenbach und bei Waggonladungen zum Bahnhof Hasten. 1928 wurden neben einem neuen Kesselhaus mit zwei Kesseln von je 100 qm Heizfläche und 10 atü Druck ein schwerer Hammer mit 2000 kg Fallgewicht installiert. Die Glüherei wurde ausgebaut, und man war in der Lage, das Werkzeugstahlprogramm umfassend auszubauen. In dieser Zeit arbeitete praktisch die ganze Firma. Heinrich Grimm war zeitweise Wärmer am 20 Ztr.-Hammer, Wilhelm Grimm (22.02.1905-29.10.1976) musste jede Stunde, die frei war, feste mit am Hammer arbeiten. Nach verhältnismäßig gutem Durchstehen der Jahre um 1930 erfolgte dann der Ausbau zum heutigen mittleren, aber leistungsfähigen Edelstahlwerk. Es ist in der Lage, alle Stähle, wie sie auf dem Markt vorhanden sind, der Abnehmerschaft zur Verfügung zu stellen.

1936 kaufte Gustav Grimm den Hammer der Erben Schrievers, nachdem er schon 1878 den zweiten Hammer am Teich von der Familie Tillmanns gekauft hatte, gliedert die Hammerschmiede an seinen Betrieb an und übernahm auch die drei Söhne Schrievers, die bei ihm gelernt hatten. Im Jahre 1938, hervorgerufen durch die seinerzeitige Schnellstahlknappheit und die Erfordernisse der Zeit, wurde dem Werk eine Hartmetall- Werkzeugstahl- und Drehwerkzeugfabrik dem Hammerwerk angegliedert, die unter der Leitung von Karl Grimm einen guten Ruf bei den Abnehmern erlangte. Ebenfalls in diesem Jahr wurde der Bau einer Siedlung begonnen, der nach den Kriegswirren 1948 fortgesetzt wurden.

Das heutige Schnellhammerwerk steht an der Stelle des ursprünglichen Wasserhammers Grimm, der schon 1928 abgerissen wurde. Mit dem Kauf des Engelschen Hauses an der Ecke war die Vorkriegsepoche weitgehend abgeschlossen. Man brachte dort die Verwaltung und das Lohnbüro unter. Nach 1945 wurde dem Werk eine neue Vergüterei angegliedert, die schon bald vergrößert werden musste. Dank ihrer war es möglich, in der nach 1948 folgenden schwankenden Konjunktur die Stellung in der Edelstahlbranche zu behaupten, durch die Einführung von nichtrostenden Stählen, Vergütungs- und Nitrierstählen usw.

Im 2. Weltkrieg verstarb 1942 der Seniorchef Heinrich, und Wilhelm Grimm, der nach seiner Lehre als Hammerschmied ein Studium als Diplom-Ingenieur absolviert hatte, leitete ab dieser Zeit das Unternehmen. Während seiner freien Zeit hatte er schon ab 1936 den Vater im Geschäftsbereich ständig unterstützt. 1952 wurde der bestehende 40 Ztr. - Hammer durch die Firma Banning in einen 50 Ztr.-Hammer umgewandelt. 1964 wurde ein Manipulator an den 40 Ztr. - Hammer beordert. Dieser ersparte 3 Mann schwerste Arbeit und brachte die Produktivität erheblich voran. An dem umgebauten 50 Ztr. - Hammer wurde ab 1967 ebenfalls mit Manipulator gearbeitet. 1974 fielen die nicht mehr rentablen Hämmer 3-4-5- und 7- Ztr. - Hämmer der Modernisierung zum Opfer. Der 10 Ztr. - Hammer wurde ebenfalls entsorgt. Dafür stellte man in der Halle einen 8 Ztr. - Hammer mit zwei Ablagetieföfen auf. Ohne die Produktion zu stören, ging man 1976 daran, die Fundamente für eine höhere moderne Schmiedehalle zu gießen, in der dann auch zwei 5 t - Krane laufen konnten.

Erfreulicherweise konnte der am Leyerbach stehende Leyerhammer, der aus der Familie der Frau Amalie (30.1.1851- 4.5.1938) Grimm geb. Stursberg stammt, übernommen werden. Dieser in liebevoller Weise gepflegte Hammer kann mit vollem Recht als Familientradition angesehen werden. Er diente auch lange Jahre als Grundausbildung für Hammerschmiede der Firma Grimm, wobei er sich heute nur noch der Beliebtheit der Geschäftsfreunde und der Betriebsangehörigen erfreut, wenn dort kleine Feste gefeiert werden. Die alte Teichanlage der Wasserhämmer in der Klarenbach (Grimm und Schriever) wurde abgetragen und machte der heutigen Knüppelanlage Platz. Durch weiteren Grundstückserwerb und weitere An- und Umbauten wurden verschiedene Betriebszweige angegliedert.

1976 übernimmt Wolf Grimm als Sohn von Wilhelm die alleinige Verantwortung für das erfolgreiche Unternehmen. Er setzte die Modernisierung fort, indem er neue Technologien und damit verbundene neue Arbeitsmaschinen anschaffte. Das Hammerwerk wurde modernisiert, Nitrieröfen und eine neue zugehörige Halle gebaut und die Arbeitsvorbereitung mit einem Neubau versehen. Nitrieren im Ammoniakgasstrom war die neueste Technologie um 1982. Gegen 1990 wurde der Zukauf angrenzender Grundstücke getätigt. Eine hydraulische Freiformschmiedepresse bereicherte den Maschinenpark, und die mechanische Bearbeitung wurde weitestgehend auf CNC-Technik umgestellt. Somit war man auch in der Lage, Abmessungen bis 400 mm rund und 6 m Länge durch Drehen und Fräsen zu bearbeiten. Abmessungen bis 10 m Länge und 10 to. Einsatzgewicht konnte man außerdem umformen.

In 2000 wurde ein Hochregallager und eine Versandhalle mit modernster Sägetechnik im Rahmen der neu geschaffenen Qualitätssicherung DIN ISO 9001 gebaut. Die Sägenkapazität steigerte sich auf 1 m mal 1 m. Nitrieren konnte man nun auch bis 7 m Länge und 3 m Durchmesser. (…) Wünschen wir diesem Unternehmen noch eine lange erfolgreiche Zeit. (Teil 2)
(Aus: Hämmer- und Kottenforschung in Remscheid Herausgegeben von Günther Schmidt Band 4 - Leyerbach, Diepmannsbach, Mückenbach)

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