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Die Stadtbücherei in Lüttringhausen im Wandel der Zeit

Alte Postkarte von Lüttringhausen.

Von Martin Kalhöfer

„Am Sonntag, dem 19. September 1909, wurde in Zimmer 8 des Lüttringhauser Rathauses der Ausleihbetrieb ohne große Feierlichkeiten aufgenommen“. So nüchtern der Start, umso aufregender und vielfältiger entwickelten sich die folgenden 100 Jahre. Die Stadtteilbibliothek hat zahlreiche Wirren und wirtschaftliche Krisen gemeistert: Ausgabenstopp, Umzüge, eine (Fast-) Privatisierung und sogar eine vom Rat verfügte Schließung. Doch die Leser sind treu geblieben, auch in Zeiten von Internet und neuen Medien ist die Stadtbücherei ein Mittelpunkt im Ort. Heute zeigt sich die Stadtbücherei lebendiger als zuvor: zahlreiche Projekte und Aktionen locken neue Leser, und im Juni 2009 schaffte man es sogar ins Fernsehen. Für viele Kinder ist der Gang zur Stadtbücherei immer noch ein erster Schritt in die Selbstständigkeit und in die Welt des Wissens.

Der ehemalige Leiter des Remscheider Stadtarchivs Dr. Walter Lorenz hat in der Sonderbeilage zum 75. Geburtstag der Stadtteilbibliothek anschaulich ihre Geschichte  geschildert. Unter äußerst schwierigen wirtschaftlichen und politischen Bedingungen wurde das Angebot zwar reduziert, aber doch aufrechterhalten. Eine Mahnung auch für nachfolgende Generationen, nicht leichtfertig eine wichtige Bildungs- und Kulturstätte aufzugeben. Dabei wird deutlich, wie bedeutend ein guter Standort und engagiertes Fachpersonal waren und sind. Immer dann, wenn beides günstig war, ging es mit der Bücherei aufwärts.

Zahlreiche Umzüge prägten die Entwicklung: Vom ersten Standort im Rathaus in die Richthofenstraße, zurück ins Turmzimmer im Rathaus, dort weitere Umzüge und dann schließlich ins Dorf in die Gertenbachstraße. Bürgermeister Gertenbach war es dann auch, der auf der Sitzung am 14. Mai 1908 den Stadtverordneten empfahl, einen Anfang mit der Errichtung einer Volksbibliothek zu machen. Dafür sollte jährlich ein Betrag von 100 Mark in den Etat eingestellt und die Bibliothek im Rathaus unter ehrenamtlicher Verwaltung eines Stadtsekretärs untergebracht werden. „Die Stadtverordneten stimmten dem ohne große Diskussion zu“, heißt es in der damaligen Presse. Doch bis dahin war es ein schwieriger Weg.

Zuerst sträubte sich Lüttringhausen, eine Stadtbücherei einzurichten. Denn bereits im Jahr 1902 schrieb der Lenneper Landrat Hentzen an die Bürgermeister seines Kreises: „Mit Rücksicht auf die große Bedeutung, die die Volksbibliotheken namentlich für die minder-bemittelten Klassen der Bevölkerung haben, ersuche ich Sie, sich die Einrichtung einer derartigen, jedermann zugänglichen Bibliothek recht angelegen sein zu lassen und durch Einwirkung auf die Gemeindevertretung oder sonstigen Korporationen die Beschaffung von Mitteln zur Gründung bzw. Unterstützung dieser für das Lesebedürfnis und die geistige Fortbildung gerade für die bezeichneten Klassen so notwendigen und segensreich wirken-den Einrichtungen zu erlangen zu suchen.“

Die Stadtverordnetenversammlung lehnte jedoch „die Errichtung von Volksbibliotheken in hiesiger Gemeinde wegen der zerstreut liegenden Einwohnerschaft und der ungünstigen Finanzlage“ ab und  erhöhte statt dessen den Betrag für die Erweiterung der Schülerbibliotheken. Der Landrat unterbreitete Gertenbach daraufhin nochmals genaue Vorschläge für die Einrichtung einer Volksbibliothek in Lüttringhausen: Unterbringung im Rathaus, unentgeltliche Bücherausgabe durch einen Beamten der Verwaltung. Außerdem lockte er mit einer Staatsbeihilfe zu den auf 200 bis 300 Mark veranschlagten Kosten.

Doch Gertenbach beharrte auf dem einmal angenommenen Standpunkt. Stadtarchivar Lorenz stellte dazu fest: „Trotz aller Verdienste, die er sich um die Entwicklung der Stadt Lüttringhausen erworben hat, darf man nicht übersehen, dass er zumindest bis zum ersten Weltkrieg kaum Initiativen in sozialen oder kulturellen Bereichen entfaltete. Er war ein patriotisch denkender, preußischer Verwaltungsbeamter, den in erster Linie das Wohlergehen von Kaiser und Reich und das Funktionieren seiner Verwaltung interessierte, aber nicht die Lage und das Wohlergehen der arbeitenden Bevölkerungsschichten. So wird auch seine zunächst zurückhaltende Einstellung zur Bibliotheksfrage verständlich.“ Der Lenneper Landrat ließ nun aber nicht mehr locker und schrieb im Januar 1908 erneut an Gertenbach, dass bald außer in Lüttringhausen in sämtlichen Gemeinden des Kreises Lennep derartige Bibliotheken vorhanden seien. Zusätzlich lockte er mit hohen Staatsbeihilfen für Einrichtung und Unterhalt von Bibliotheken.

Auf der Sitzung am 14. Mai 1908 stimmten die Stadtverordneten – auf Empfehlung von Bürgermeister Gertenbach – dann doch zu, mit der Errichtung einer Volksbibliothek zu beginnen. Allerdings war es für die erwartete Staatsbeihilfe in Höhe von 200 Mark bereits zu spät, die Beihilfen für 1908 waren bereits verteilt. Das Projekt schien gestoppt, doch im Herbst 1908 wurden dann überraschend doch noch 180 Mark vom Staat als Beihilfe ge-währt und die ersten einhundert Bücher angeschafft. Am 17. September 1909 wurde eine einfache Büchereiordnung in der „Lüttringhauser Zeitung“ und im „Lenneper Kreisblatt“ veröffentlicht. Am 19. September 1909 begann dann im Rathaus in Zimmer 8 der Ausleihbetrieb. Die Gebühr von jährlich 20 Pfennigen entsprach dem damaligen Stundenlohn eines Arbeiters. Bis zum Jahresende zählte man rund 100 eingeschriebene Leser, nicht nur aus dem engeren Stadtbezirk, sondern auch aus den Außenortschaften und selbst vom Hardtplätzchen.

Die Betreuung der Bibliothek wurde Stadtsekretär Wilhelm Blum, dem späteren Bürodirektor, übertragen. Er leitete diese bis 1920 gegen ein geringes Entgelt und nahm nicht nur den regelmäßigen sonntäglichen Ausleihdienst wahr, sondern verantwortete auch den stetigen Ausbau der Bibliothek. So war es der Initiative von Blum zu verdanken, dass man der „Gesellschaft für Verbreitung von Volksbildung“ beitrat, um deren vielfältiges Angebot zu nutzen. Im Rechenschaftsbericht über das erste Vierteljahr heißt es etwas kritisch: „Das Lesepublikum kommt aus den Kreisen des Bürger- und Arbeiterstandes. Namentlich die hier zahlreich vertretenen Lehrlinge der Kleinbetriebe sind regelmäßige Lesegäste. Von einer günstigen Wirkung der Einrichtung kann wohl noch nicht die Rede sein, doch will man beobachtet haben, dass das „auf der Straße liegen“ gewisser Jünglinge nachgelassen habe“.

Um den Jugendlichen eine weitere sinnvolle Beschäftigung zu bieten, wurde im Oktober 1911 ein Jugendlesezimmer in der Turnhalle an der damaligen Ronsdorfer Straße eingerichtet. Hier waren lokale Zeitungen sowie Zeitschriften ausgelegt: Lenneper Kreisblatt, Lüttringhauser Zeitung, Täglicher Anzeiger für Lüttringhausen, Die Woche, Westdeutsche Wochenschau, Der gute Kamerad, Zeitschrift der Handwerkskammer sowie Bücher aus der Stadtbücherei. Das Lesezimmer blieb bis nach dem ersten Weltkrieg bestehen und wurde stets, wenn auch nicht übermäßig, benutzt.

Der Bücherbestand belief sich Ende 1916 auf rund 1.700 Werke. Doch ohne öffentliche Unterstützung ging es nicht weiter. Die jährlichen Beihilfen des Staates schwankten bis 1921 zwischen 100 und 150 Mark, der Zuschuss des Kreises blieb konstant auf 100 Mark, und die Aufwendungen der Stadt betrugen jährlich 400 bis 500 Mark. Nach dem Ende des ersten Weltkrieges gab es erste Stimmen, die beklagten, dass die Städtische Bücherei zu wenig Wirkung zeige. Gertenbach sah die Lösung in einer besseren Raumausstattung und einem Leseraum. Die Stadtbücherei war inzwischen in die Speicherräume des Rathauses verlegt worden, da der bisherige Raum zu klein geworden war und für andere Zwecke benötigt wurde. Hinzu kam, dass der Büchereileiter Blum durch die Übertragung weiterer Verwaltungsaufgaben nicht mehr in der Lage war, sich so intensiv um die Bücherei zu kümmern wie vor dem Krieg.

Eine kreative Lösung der Büchereiprobleme fand man in der Übertragung der Führung der Stadtbücherei auf die Geschwister Krippendorf. Diese betrieben in der Lenneper Straße 4 (heute Richthofenstraße) eine eigene Buchhandlung. Eine Anzeige in den Tageszeitungen machte bekannt, dass die Ausleihe ab 1. Oktober 1920 in der Buchhandlung freitags von 16 bis 19 Uhr erfolgte. Die Leitung der Bücherei übernahm Elfriede Krippendorf, eine ausgebildete Buchhändlerin, die sich später auch durch Kurse das erforderliche Fachwissen aneignete. Als Entschädigung erhielt sie zunächst 108 Mark pro Monat und 50 Mark für Miete und Reinigung. Trotz der schwierigen Verhältnisse – Inflation, Rheinlandbesetzung, Weltwirtschaftskrise – wurde die Bücherei auch weiterhin ausgebaut.

Eine Umfrage der Beratungsstelle für Volksbüchereien in Düsseldorf zeigte Interessantes zum Bestand und zur Leserstruktur. Im Frühjahr 1924 gab es in der Stadtbücherei 1.460 Bücher, davon über 70% Unterhaltungsliteratur. Von Oktober 1922 bis in das Jahr 1923 wurden 3.509 unterhaltende und 265 „belehrende“ Schriften ausgeliehen. Von den 207 eingeschriebenen Lesern waren 72 männliche „Proletarier“ (d.h. Arbeiter), 31 aus dem gewerblichen Mittelstand oder „kleine Beamte“, 25 gebildete Leser, 59 weibliche und 20 jugendliche Leser. Ende 1925 besaß die Stadtbücherei 2.085 Bücher, die Zahl der aktiven Leser war jedoch auf 118 zurückgegangen. Allen Gemeinden, den Landkreisen und dem Staat fehlten die Gelder, um die öffentlichen Büchereien, deren Bestände überaltert und zerlesen waren, mit neuem Leben zu erfüllen. Die Stadtbücherei musste zufrieden sein, ihren Stand einigermaßen halten zu können.

Durch den Zusammenschluss Lüttringhausens mit Remscheid am 1. August 1929 ergaben sich für die Bücherei weitere einschneidende Veränderungen. Der Vertrag mit den Geschwistern Krippendorf, die die Stadtbücherei zehn Jahre lang mit großem Engagement betreut hatten, wurde gekündigt. Die Bücherei fand wieder in den von Verwaltungsdienststellen teilweise geräumten Räumen ihre Bleibe. Eine Angestellte der Stadtbücherei betreute die Zweigstellen Lennep und Lüttringhausen zusätzlich. Einmal in der Woche kam sie nach Lüttringhausen zur Bücherausgabe in das Rathaus. Ein von ihr angelegtes Eingangsbuch verzeichnete für 1929 nur noch 1.173 Bände.

In den ersten Jahren nach dem Übergang an Remscheid konnten für Lüttringhausen kaum neue Bücher angeschafft werden. 1931 musste sogar ein genereller Ausgabestopp angeordnet werden. Die Attraktivität der Lüttringhauser Bücherei ging dadurch weiter zurück. Trotzdem stieg die Zahl der Nutzer ebenso wie in Remscheid und Lennep. Die katastrophale Arbeitslosigkeit der ersten dreißiger Jahre ließ viele Menschen zum Buch greifen.

Im „Dritten Reich“ sorgte die NS-Führung auch in der Lüttringhauser Bücherei für eine Säuberung von „artfremdem“ Schriftgut, wie es offiziell hieß. Werke der Weltliteratur, wie Heinrich Heine und Thomas Mann verschwanden aus den Bücherregalen. Dafür wurde den Machthabern genehme schwülstige NS-Literatur, Militaria und Kriegserinnerungen und ähnliche Werke eingestellt. Der Ausbau der Bücherei ging auch in den Kriegsjahren weiter, und der Leserkreis wuchs.

Eine Zählliste aus den Jahren 1940 bis 1942 weist eine monatliche Ausleihzahl zwischen 450 und 600 Büchern in Lüttringhausen nach. Nachdem die Bücherei erst im November 1939 in den alten Sitzungssaal des Rathauses eingezogen war, musste sie in den folgen-den Kriegsmonaten noch mehrmals innerhalb des Rathauses umziehen. Der Bücherbestand belief sich im Frühjahr 1944  auf 2.456 Bücher. Nach dem Ende des Krieges wurde die nationalsozialistische und militaristische Literatur wieder ausgesondert, ehe die Bücherei im Juni 1945 die Ausleihe wieder aufnehmen konnte.

Die Suche nach kulturellen Angeboten war in den ersten Nachkriegsjahren groß, im Jahr 1947 wurden über 15.000 Bände ausgeliehen. Die Nachfrage kündete aber auch einen geistigen Wandel an. Klassiker der Literatur waren immer seltener gefragt, der Benutzer wollte lesen, was während des 3. Reiches verboten oder im Ausland erschienen war und sich informieren. Das zeigte sich auch daran, dass die Unterhaltungsliteratur, die Mitte der zwanziger Jahre noch fast 90% des Bestandes ausgemacht hatte, mehr und mehr an Boden verlor zugunsten des Sachbuches.

Als die Bücherei 1950 aus den für ältere Menschen kaum zugänglichen Turmräumen in das erste Obergeschoss verlegt wurde, stieg auch die Benutzerfrequenz an. Im Dezember 1950 verwies die Bücherei stolz auf einen Stamm von rund 500 Lesern bei durchschnittlich 843 ausgeliehenen Bänden pro Monat. Das Büchereiangebot konnte nun aber auch in anderer Weise erweitert werden, dank der Initiative und des Einfallsreichtums der Büchereileiterin Erika Gerlach. In Verbindung mit der Volkshochschule fanden Vorträge über moderne Literatur, Bibliothekswesen und verwandte Themen statt, Dichterlesungen wurden abgehalten, Buchwochen sinnvoll von weiteren Aktivitäten umrahmt, Einzelausstellungen arrangiert und die Einrichtung einer Leseecke eingeführt.

Eine ausgewogene Bibliothekspolitik förderte diese Entwicklung, veraltete Bestände wurden durch neuere Werke ersetzt; die vermehrten Anschaffungen konzentrierten sich auf Neuerscheinungen an zeitgenössischer Literatur und auf Fachliteratur. Die Ausstattung mit besserer Einrichtung und zuverlässigen Hilfsmitteln wurde ausgebaut. So entwickelte sich eine zwar kleine, aber gut ausgestattete Stadtteilbücherei. Der Buchbestand stieg auf 4.500 Bände (1955) und 7.500 Bände (1966) an. Schon 1962 zog die Bücherei in zwei freigewordene Räume im Erdgeschoss des Rathauses. Nach vier Jahren folgte der nächste und letzte Umzug innerhalb des Rathauses, weil die Sparkassenräume frei geworden waren.

Nach weiterhin zehn Jahren konnte die Stadtteilbücherei endgültig das Rathaus verlassen und im April 1976 in neu eingerichtete Räume in der Gertenbachstraße 22 einziehen. Dieser letzte Umzug erwies sich nicht zuletzt durch die zentrale Lage als sehr vorteilhaft. Das Bücherangebot konnte von 10.727 Bänden bzw. Medien im Jahr 1973 auf über 18.000 im Jahr 1983 erweitert werden. Die übersichtliche Präsentation lockte neue Leser, dementsprechend stiegen auch die Ausleihzahlen an. In den zehn Jahren von 1973 bis 1983 wurden weit mehr als eine halbe Million Einheiten ausgeliehen, also durchschnittlich 50.000 Medien.

Im Jahr 2003 erfolgte die Umstellung der Ausleihe vom Buchkartensystem auf EDV. Neben die gewohnten Bücher und Zeitschriften traten auch die neuen Medien: Videos, CDs, CD-Roms, DVDs. Und ein Internetanschluss öffnete das World Wide Web. Der Bestand belief sich im Jahr 2008 auf rund 21.500 Medien, darunter für Erwachsene u.a. 9.000 Sachbücher, 2.600 Romane und 480 DVDs. Kindern stehen 7.000 Bücher, 650 Kassetten sowie 240 CDs zur Verfügung. Ausgeliehen wurden 2008 insgesamt 52.000 Medien, dies sind 1,2 Medien pro Einwohner und fast 3 Ausleihen pro Einwohner. Kinder bis 16 Jahre können alle Medien kostenlos ausleihen.

Bei thematischen Fragen, Bestandsübersichten und sonstigen Auskünften über die vorhandenen Medien steht den Lesern ein Online-Katalog (OPAC) zur Verfügung. Kompetent beraten werden die Nutzer von Bibliothekarin Brigitte Scheid und Bibliotheksassistentin Di-ana Breidenbach. Vor allem der Nachwuchs liegt den beiden Fachkräften am Herzen. So sind Kindergartengruppen und Schulklassen jederzeit zur Besichtigung, zur Gemeinschaftsarbeit und zu Führungen in der Bibliothek willkommen.

Nachdem die Bücherei alle Wirren des letzten Jahrhunderts – Kriege, Inflation Wiederaufbau – gemeistert hatte, stand eine große Herausforderung noch bevor. Im Oktober 2007 beschloss der Rat der Stadt Remscheid das Ende der Lüttringhauser Bibliothek. Im Jahr 2011 mit dem Ablaufen des Mietvertrages sollte die Institution im Herzen des Dorfes geschlossen werden.

Doch die Lüttringhauser wollen „Ihre“ Bibliothek nicht einfach so aufgeben. Über 3.000 Bürger unterschreiben, zahlreiche engagierte Leser appellieren an Rat und Bezirksvertretung. Im Frühjahr 2008 entsteht der Förderverein „Die Lütteraten“ mit dem Ziel, die Stadtteilbibliothek am jetzigen Standort zu erhalten. Bereits im Gründungsjahr erhält der Verein von Oberbürgermeisterin Beate Wilding eine Urkunde für besondere Familienfreundlichkeit. Mitte 2009 verzeichnet man bereits über 100 Mitglieder. Dann der Erfolg: Ende Juni 2009 einigt sich eine Runde von Vertretern aus Politik, Verwaltung und Vertretern der Lütteraten und des Heimatbundes auf den Fortbestand der Bücherei.

Für die Bürger ein wichtiges Zeichen, dass Engagement und Zusammenhalt noch etwas bewegen können. So hat der Erfolg auch neue Kräfte geweckt. Zahlreiche engagierte Ehrenamtler bieten in der Bibliothek in regelmäßigen Abständen Vorlesenachmittage an. In den Sommerferien findet ein fünfwöchiges Ferienprogramm in der Bibliothek statt. Auch die Buchpatenschaften steigern die Attraktivität der Einrichtung. Neue Angebote bieten zukünftig auch den Migranten bessere Möglichkeiten. Daneben finden immer wieder Ausstellungen heimischer Künstler statt, und in der Jugendbuchwoche werden neue Kinder- und Jugendbücher vorgestellt.

Die Zahlen sprechen für sich. Im Jahr 2008 gab es mit 308 Neuanmeldungen ein Plus von fast 15%. Besonders bei den Erwachsenen war ein Zuwachs von 26% zu melden. Die Bibliothek in Lüttringhausen wird also vermehrt genutzt, sowohl von Erwachsenen als auch von Kindern. Im Jubiläumsjahr präsentiert sich die Stadtteilbibliothek weiterhin als modernes und lebendiges Kommunikations- und Medienzentrum in Lüttringhausen.

(Auswertung und Aktualisierung eines Beitrages des ehemaligen Leiters des Stadtarchivs Dr. Walter Lorenz in der Sonderbeilage des Lüttringhauser Anzeigers „75 Jahre Bücherei Lüttringhausen“ vom 18. Oktober 1984/ Nachdruck im Waterbölles mit freundlicher Genehmigung des Lüttringhauser Anzeigers).

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