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Abschied von liebgewonnenen Angeboten der Diakonie?

Kirchenkreis Lennep will künftige Schwerpunkte festlegen“, titelte der Waterbölles am 13. November 2007. Damals hatte die Herbstsynode des Evangelischen Kirchenkreises Lennep denKreissynodalvorstand beauftragt, die künftigen Aufgabenschwerpunkte inhaltlich zu beschreiben. Zur Herbstsynode 2009, die am vergangenen Freitag und Samstag im Gemeindehaus Reinshagen der Ev. Adolf-Clarenbach-Gemeinde stattfand, legte Superintendent Hartmut Demski den Synodalen nun das Ergebnis der Untersuchung vor. Unter Beteiligung externer Berater hatte der Kirchenkreis die Kreissynodalvorstände, die Vorstände der kirchlichen Fachausschüsse und die Leiter der einzelnen Abteilungen anhand eines einheitlichen Kriterienkataloges befragt, wie sich angesichts kleiner werdender Gemeinden und abnehmender öffentlicher Zuschüsse die künftige Arbeit vorstellen. Die stellvertretende Superintendentin Kristiana Voll heute auf einer Pressekonferenz: „Der allgemeine Bevölkerungsrückgang trifft die Kirchengemeinden stärker als Kirchenaustritte. Durch beides verringern sich die Kirchensteuereinnahmen. Wir werden Verwaltungsaufgaben optimieren bzw. zusammenlegen müssen.“ Konkret in der Planung: Die Zuordnung des Gemeindeamtes der Ev. Kirchengemeinden Wermelskirchen einschließlich Dhünn, Dabringhausen und Hilgen-Neuenhaus zur Verwaltung des Kirchenkreises. Wobei es Vor Ort aber auch weiterhin Ansprechpartner geben werde, wie Ingo Klein betonte, der Pressesprecher des Kirchenkreises.

Auf Beschluss der Herbstsynode 2009 sollen Seelsorge und Beratung die künftigen Schwerpunkte der kreiskirchlichen Arbeit sein. Zum einen bezogen auf Krankenhaus-, Gefangenen und Notfallseeosorge, zum anderen auf Kinder (Kitas) und übergemeindliche Jugendarbeit sowie Familien- und Suchtberatung. Die Struktur der bestehenden vier Abteilungen, basierend auf dem am 25.3.200 beschlossenen Leitbild des Kirchenkreises, bleibt unangetastet. Sie erhalten auch in Zukunft genau festgelegte Einzelbudgets, müssen aber teilweise mit Abstrichen rechnen. Das trifft insbesondere der Diakonische Werk: es muss Gelder abgeben zu Gunsten von Kindern und Jugendlichen, Bildung und Seelsorger. Ein Beschluss, der „mit breiter Mehrheit, aber erst nach reger Diuskussion“ gefasst worden sei, wie Kristiana Voll berichtete. In Zahlen: Während das Diakonische Werk im vergangenen Jahr noch einen Eigenmittel-Etat in Höhe von 3.777.730 Euro hatte (hinzu kamen Fremdmittel/öffentliche Zuschüsse von etwas mehr als zwei Millionen Euro), werden es im kommenden Jahr mit 3.136.500 Euro sein. Ein Rückgang um knapp 17 Prozent. Und weil auch die Stadt Remscheid und andere Geldgeber sparen müssen, werden auch die Fremdmittel in 2010 zurückgehen.

Es knirscht also zwischen den „Zahnrädern“, durch die die Stadt Remscheid und das Diakonische Werk verbunden sind. „Die Diakonie als Lebens- und Wesensäußerung der Kirche steht am Ende des Jahres 2009 vor besonderen Herausforderungen. Steigenden Zahlen von Men­schen, die im und beim Diakonischen Werk des Evangelischen Kirchenkreises Lennep um Rat und Hilfe suchen, stehen zurückgehende kirchliche und öffentli­che Mittel gegenüber. Wie dies zusammen zu bringen ist, muss der Evangelische Kirchenkreis Lennep und sein Diakonisches Werk in den kommenden Monaten klären“, heißt es im dem Bericht, den Diakonieleiter Reinhard Harfst der Herbstsynode vorlegte. Und weiter: „„Sinkende Einnahmen der Kirchensteuern wirken sich überproportional auf das Budget des Diakonischen Werkes aus. Durch die komplexe Gesamtfinanzierung potenzieren sich die wirtschaftlichen Probleme. Im Jahr 2008 wurden mit 1 € Kirchensteu­ern noch 3,4 € Fremdmittel erwirtschaftet.  Bei sinkenden Steuereinnahmen werden die Vertragsverhandlungen mit der öffentlichen Hand immer schwieriger“. Mit den zur Zeit zur Verfügung stehenden Eigenmitteln (49,66 Prozent am Gesamtbudget des Kirchenkreises) und den gegenwärtigen wirtschaftlichen Perspektiven seien die Aktivitäten des Diakonischen Werkes im Kirchenkreis Lennep nur unter aller größten Anstren­gungen und mit einem motivierten Mitarbeitendenteam aufrecht zu erhalten. Reinhard Harfst. Foto: Lothar KaiserHarfst: „Bekannte und bewährte Hilfsangebote werden im kommenden Jahr auf den Prüfstand gestellt werden müssen. Selbst ohne eine fortgeschriebene Priori­tätendiskussion wird sich der Kirchenkreis von liebgewonnenen Angeboten sei­nes Diakonischen Werkes mittelfristig verabschieden und sich bereits 2010 der Frage stellen müssen, ob er unter den gegebenen Umständen seinem diakoni­schen Auftrag noch gerecht wird.“

Superintendent Demski zitierte auf der Synode den ehemaligen Präses der rheinischen Kirchen, Peter Beier: „Das rechte Maß ging scheint's verloren." Eine Warnung sei ihm in Erinnerung geblieben: “Es wird doch wohl nicht so ausgehen, dass wir hinter jedem Cent für die Schuldnerberatung und Suchtarbeit, für das Arbeitslosenzentrum und die Kindergärten hinterherlaufen müssen, weil man die großen Scheine für die Sanierung des sich verspekulierenden Bankgewerbes ausgegeben hat. Es wird doch wohl nicht so ausgehen, dass dort alles bleibt wie es ist und niemand hineinredet in wieder blühende Gewinnerwartungen, Spekulationsmodelle und Bonipraxis, während in den Sozialbereichen noch die von anderen hervorgerufene Krise herrscht.“

Dass die Kirchengemeinden sparen müssen und demzufolge manche frei gewordene Pfarrerstelle nur zu 50 oder 75 Prozent neu ausgeschrieben wird, hat sich in Studentenkreisen herumgesprochen. Ein Lehramtsstudium ziehen inzwischen viele einem Theologie-Studium vor. Die Folge: Es gibt auf „abgespeckte“ Pfarrerstellen kaum oder gar keine Bewerbungen. Beispielsweise brachte die Ausschreibung auf die 75-Prozent-Stelle der Christus-Kirchengemeinde „keine angemessenen Bewerbungen“ (Stoll) und soll daraufhin nun (mit verbesserten Konditionen) wiederholt werden.

(Die Kreissynode ist das Leitungsorgan des Kirchenkreises. Sie besteht aus den gewählten Abgeordneten der zwanzig Kirchengemeinden, allen Pfarrerinnen und Pfarrern und den berufenen Mitgliedern. Die Kreissynode tagt zweimal jährlich.)

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