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Steigende staatliche Zuschüsse verteuern den Strom

Zum 1. Januar 2010 wird der Strom teurer. Das liegt am „Erneuerbare-Energien-Gesetz" (EEG) und „Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz" (KWKG). Aufgrund dieser Gesetze erhalten Betreiber von Photovoltaik- und Windkraftanlagen u.a. staatliche Zuschüsse, die auf alle Stromkunden in Deutschland umgelegt werden. Diese somit von der Allgemeinheit finanzierten Investitionsanreize sollen dazu beitragen, dass der Anteil des „grünen Stroms“ am  „Strommix“ bis zum Jahre 2020 von heute 15 Prozent auf 30 Prozent ansteigt. Inzwischen investieren nicht nur Hausbesitzer in erneuerbare Energien, sondern auch die großen Stromkonzerne (siehe das „Gecco“-Projekt, an dem sich die Stadtwerke Remscheid beteiligen werden). Folglich steigt der Zuschussbedarf und mit ihm der Preis der  Kilowattstunde (kWh).  

Für 65 Prozent aller Privat- und 75 Prozent aller gewerblichen Kunden der Stadtwerke Remscheid verteuert sich die kWh brutto zum 1. Januar 2010 von 21,11 Cent um 0,6 Cent auf 21,71 Cent gleich 2,84 Prozent. Die Stadtwerke haben es ausgerechnet: Die Mehrbelastung für einen typischen Dreipersonenhaushalt mit einem jährlichen Stromverbrauch von 3.500 kWh beläuft sich nach dem Grundtarif auf 21 € pro Jahr bzw. 1,75 € pro Monat (Umsatz­steuer inkl.). Besser dran sind die 35 Prozent der Haushaltskunden (von rd. 51.500 Kunden) und 25 Prozent der Gewerbekunden (von rd. 3.600 Kunden), die sich für einen „premio“-Tarif entschieden haben. Ihnen garantieren die Stadtwerke derzeit einen Festpreis bis  September 2010. Stadtwerke-Chef Dr. Thomas Hoffmann gestern auf einer Pressekonferenz: „Kunden, die sich noch nicht für ein Fest­preisangebot entschieden haben, können jederzeit in unseren attrak­tiven premio-Vertrag wechseln.“

Diesen Vertrag bieten die Stadtwerke bekanntlich auch ihren Erdgas-Kunden an. Hoffmann: „Nach mehreren Preissenkungen in diesem Jahr konnten wir den Preis für premio-Gas zum 1. Oktober noch einmal um zwölf Prozent senken. Und während andere Anbieter angekündigt haben, ihre Gaspreise bereits wieder zu erhöhen, gilt dieser Festpreis der EWR für ein Jahr bis Ende September 2010!“ Ob und wann die Erdgas-Kunden, die noch keinen premio-Vertrag abgeschlossen haben, im kommenden Jahr mit einer Preiserhöhung rechnen müssen, stehe noch nicht fest, hieß es auf der Pressekonferenz.

Der Konkurrenzkampf auf dem Energiemarkt ist härter geworden. „Günstiger als Ihr lokaler Versorger“ überschrieben beispielsweise die Stadtwerke Düsseldorf eine Postwurfsendung, die sie vor wenigen Tagen in Remscheid verteilen ließen. Der darin angegebenen „Kampfpreis“ für die Grundversorgung mit Strom gilt im Umland von Düsseldorf, nicht aber in Düsseldorf selbst. Dr. Thomas Hoffmann nahm dazu gestern in allgemeiner Form Stellung: „Die beworbenen Gas- und Stromangebote anderer Anbieter sind oft­mals keine Festpreise und bieten somit keine Kalkulationssicherheit oder es sind ‚Festpreise’ mit kurzen Laufzeiten von ein paar Mona­ten. Und die gesetzlichen Bestandteile am Strompreis sind auch bei diesen Angeboten von der Preisbindung ausgenommen. Das bedeu­tet für den Kunden, dass kurzfristig auch mit Preisanhebungen bei diesen Konkurrenzangeboten zu rechnen ist. So ist z. B. fest davon auszugehen, dass der gestiegene staatliche Zuschlag für das „Erneuerbare-Energien-Gesetz" (EEG) im nächsten Jahr auch zu Strompreiserhöhungen bei diesen externen Anbietern führen wird.“ Wer derzeit mit einem Lockangebot liebäugelt, sollte sich also vor der Unterschrift vergewissern, welche Knackpunkte im Kleingedruckten stehen. Sonst blüht ihm kurze Zeit später auch bei dem neuen Strom-Lieferanten der gesetzliche EEG-Zuschlag.  

Häufig werde auch mit einem einmaligen Bonus gelockt. Der werde aber oft erst nach zwölf Monaten gewährt und weitestgehend verrechnet, so der Remscheider Stadtwerke-Chef. In der Folgezeit sei der Bonus dann aufgezehrt. Gängige Praxis externer Anbieter sei es ferner, den eigenen günstigsten Tarif dem Grundversorgungstarif der EWR gegenüberzustellen. „Das ist der Vergleich zwischen Äpfel und Birnen!“

Bei „Gecco“ rechnet Dr. Thomas Hoffmann, wie er vergangenen Donnerstag im Rat bestätigte, mit einer Rendite des eingesetzten Eigenkapitals von sieben bis acht Prozent. Sofern dies zutreffe, folgerte der Waterbölles auf der gestrigen Pressekonferenz, könnten die Stadtwerke  - so wie jetzt den höheren EEG-Zuschlag – künftig auch den Gewinn verrechnen. Dann zugunsten der Stromkunden. Darauf ging Hoffmann allerdings nicht ein.

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Kommentare

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M. Tettinger am :

Der Staat zahlt keine Zuschüsse, und die Allgemeinheit muss nicht dafür aufkommen. Der Staat regelt per Gesetz, wie Betreiber von Kraftanlagen "entlohnt" werden. Zahlen muss der Stromkunde, nicht die Allgemeinheit.

Lothar Kaiser am :

Herr Tettinger, Sie haben Recht. Da hatte ich auf der Pressekonferenz der Stadtwerke wohl etwas falsch verstanden. Eine Nachfrage dort ergab folgendes Bild: Der Gesetzgeber legt per EEG fest, zu welchen Konditionen regenerativ erzeugter Strom (aus Wasserkraft, Deponiegas, Klärgas und Grubengas, Biomasse, Geothermie, Windenergie, solarer Strahlungsenergie wie zum Beispiel Photovoltaik) zu vergüten ist. Grundgedanke des Gesetzes ist, dass den Betreibern der zu fördernden Anlagen über einen bestimmten Zeitraum ein fester Vergütungssatz für den erzeugten Strom gewährt wird, der sich an den (aufwendigeren) Erzeugungskosten der jeweiligen Erzeugungsart orientiert, um so einen wirtschaftlichen Betrieb der Anlagen zu ermöglichen. Daher liegt diese Vergütung verständlicherweise über den Kosten für Strom, der an der Börse gekauft wird. Diese Mehrkosten werden dann auf alle Versorger umgelegt. Beim KWKG legt der Gesetzgeber die Förderung für die Betreiber von Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen fest, die als staatliche Abgabe auf jede kWh umgelegt wird, die die Versorger ihren Kunden berechnen.

S. Holzhauer am :

Hoffmann irrt oder sagt wissentlich die Unwahrheit, wenn er behauptet, die Düsseldorfer Preise seien keine Festpreise. Mindesvetragslaufzeit ein Jahr, danach monatlich kündbar. Weiterhin dürfte auch Herr Hoffman dem zustimmen: Eventuelle Preiserhöhungen bei alternativen Anbietern sind allemal besser als definitive bei der EWR. Ein Unterschied von ca. 4 Cent pro kWh zwischen Remscheid und Düsseldorf ist ein Argument, dem man sich nur schwer verschließen kann...

Lothar Kaiser am :

Wie vom Waterbölles richtig wiedergegeben, hat Herr Prof. Dr. Hoffmann bei der Pressekonferenz nicht in Bezug auf das spezielle Angebot der Stadtwerke Düsseldorf, sondern allgemein zu anderen Wettbewerbsangeboten Stellung genommen. Er hat also ausdrücklich nicht gesagt, die Stadtwerke Düsseldorf böten keinen Festpreis. Er hätte es aber ruhigen Gewissens behaupten können, denn, was die Vertragsbedingungen der Stadtwerke Düsseldorf anbelangt, scheint nach Recherchen des Waterbölles sowohl das Gas- (Düsselgas Direkt Regio) als auch das Strom-Angebot (Düsselstrom Smart Regio) keinen Festpreis zu beinhalten. Der Preis ist lt. §2 Abs.2 der AGBs jederzeit änderbar! Der Kunde bindet sich allerdings für mindestens ein Jahr an diesen Vertrag.

Dirk Schaefer am :

Ändert der Anbieter wären der Laufzeit des Vertrages die Konditionen,so hat der Kunde ein Sonderkündigungsrecht! Dieses ist eigentlich bei allen Laufzeitverträgen der Fall. (DSL,Handy,Sky usw.) So auch beim Düsselstrom Smart Regio!

Marc Blasberg am :

Ganz profan: Solange die Bürger nicht vom einfachen Stromanbieterwechsel Gebrauch machen, scheint es vielen noch viel zu gut zu gehen. Andererseits wird beim Tanken viel Wartezeit in Kauf genommen, um zwei Euro zu sparen. Verstehe das, wer will...

M. Tettinger am :

Vielleicht haben die Autofahrer, die an einer billigen Tankstelle Wartezeiten in Kauf nehmen, längst den Stromanbieter gewechselt. Wenn im nächsten harten Winter erneut Strommasten umfallen, hören ich schon wieder den Aufschrei: "Ja genau, alles nur wegen der grauenhaften Geiz-ist-Geil-Mentalität"! Na wat denn nu?

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