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Klage gegen alleinigen Anspruch der Schleiferzunft

Blick auf die Frontseite des Sirachskotten 1936. Foto: HIZ Remscheid

Hinter dem Bärenhammer, an der gegenüberliegenden Talseite  des Bärensiepens, liegt im Diepmannsbachtal der Sierachskotten. Er war nachweislich schon 1607 in Betrieb, ist aber vermutlich älter, denn Rentmeister Karsch berichtet in seinen Unterlagen von einem Doppelkotten, der lange vor 1600 gegründet worden war. Vor 1597 hatte der Stursberger Hof vier Brüder zu berücksichtigen. Diese Erbteilung brachte dem Theiß Stursberg den Sirachskotten; Bernd Stursberg hatte den neben dem Kotten des Peter Stursberg vom Goldenberg gelegenen Schleifkotten geerbt, dem er eine Hammeranlage zufügte. Diese Hammer-Kottenanlage betrieb sein Sohn Allof, wobei dessen um 1600 geborener Sohn Sirach den noch heute gebräuchlichen Namen hinterlassen hat. Der vierte Sohn hatte die Landwirtschaft und das Haupthaus geerbt. Alle Stursbergs waren Messermacher und betrieben die kombinierten Hämmer und Schleifkotten, die zu dieser Zeit recht selten waren, da die Zünfte argwöhnisch das Schmieden vom Schleifen trennten.

Am Sirachskotte im Diepmannsbachtal,  oben die Fa. Dowidat. Repro: HIZ RemscheidÄhnlich wie bei den Sichelschmieden und typisch für Lüttringhausen und Lennep, wo die Entwicklung der Messermacher anders verlief als in Remscheid und Solingen, hatten die Kotten zwei Wasserräder. Eines bewegte den Hammer, das andere bewegte den Schleifstein. Stursberg berichtet in seinem Buch "Geschichte des Metzmacherhandwerks" 1959, dass in Lüttringhausen und Ronsdorf die verschiedensten Arten von Tisch- und Klappmessern, die im 16. Jahrhundert immer mehr in Mode kamen, gefertigt wurden. Im Gegensatz zu Solingen, wo in erster Linie Blankwaffen, Schwerter, Degen, Dolche und Stechmesser zum Privileg der Schwertschmiede und Schwertfeger gehörten, zählten die Messermacher zu dem "Klein-Metzmacher-Handwerk" und wurden in Zeiten der Hochkonjunktur von den Solinger Bruderschaften geduldet.

Das Innenleben der Schleifere.i Foto: HIZ RemscheidIn der Mitte des 16. Jahrhunderts erstrebten die Messermacher ebenfalls eine Zwangsinnung mit Handwerksordnungen und erhielten gegen den Widerstand der alten Bruderschaften am 14. Januar 1571 das langersehnte Privileg zuerkannt. Lüttringhausen wurde Nebenquartier, bekam jedoch gegenüber den Solinger Zunftbrüdern die Erlaubnis, eigene Klopfhämmer und Schleifkotten anzulegen, und musste nicht die geschmiedeten Klingen einem Härter und Schleifer zur Weiterverarbeitung gegen Lohn übergeben.

Der Sirachskotten nannte sich in früheren Zeiten auch Stursberger Kotten, Teufelskotten, Jacobs Kotten, Hordenbachskotten, Heidmannskotten und Hasencleverskotten. 1607 gehörte ein Kotten dem Theißen zu Stursberg, er lag neben dem Kotten des Peter am Goldenberg, also am gleichen Teich.  1623 geht der Hammer an Allof zu Stursberg. 1656 übernahmen ihn seine Söhne Nolze und Zens und brachten ein zweites Schleifgeläuf an. Nolze verstarb 1670, und 1676 vererbte sein Bruder Zens den Hammer an seinen Schweigersohn Clemens Jacobs. Dieser kam aus der Haddenbach und besaß dort auch schon einen Kotten.

1710 ist immer noch von einem Jacobskotten die Rede. Sohn Peter Jacobs nannte sich später Peter Haddenbach, woraus dann der Name Peter Hordenbach entstand. Er führte 1726 einen Prozess gegen die Schleiferzunft, weil diese den alleinigen Anspruch auf das Schleifen aller Kleinschmiedewaren erhob. Wie der Prozess ausging, ist nicht überliefert. Peter starb 1748 und vererbte den Kotten an den Schwiegersohn Johannes Hasenclever. (…)  Bis 1804 ist kein neuer Besitzer verzeichnet. Eversmann erwähnt zu dieser Zeit eine Walkmühle an dieser Stelle, die für Lennep und Lüttringhausen arbeitet. 1828 war die zu dieser Zeit "Teufelskotten" genannte Anlage wieder als Doppelkotten geführt. Er hatte zwei Wasserräder und trieb je zwei Schleifsteine an. Als Besitzer erschienen die Witwe Fuhrmann und Johann Peter Hasenclever. Das Schleifen und Polieren von Sicheln und Sägen mit Hilfe von zwei oberschlächtigen Wasserrädern an zwei Steinen nur wechselweise möglich, von Mai bis November nur an zwei Tagen in der Woche.

1848 brannte der Kotten bis auf die Grundmauern nieder. Es wurde ein doppeltes Wohnhaus wieder aufgebaut und der Kotten wieder instand gesetzt. 1853 wurde der Schleifkotten von Peter Pickard ersteigert. 1867 zog mit Eduard Heidmann ein neuer Name eingezogen. Er ließ Unterlagen zufolge am 30. November 1877 seinen Dampfmaschinenkessel von einem autorisierten Prüfer auf Sicherheit testen.

Bis 1912 gehörte das Anwesen den Gebrüdern Heidemann. 1910 steht in einer Lüttringhauser Aufzeichnung, dass der Schleifermeister Eduard Heidemann eine 15-PS- Dampfmaschine installiert hatte. Nach dem Tod Heidemanns übernahm Fritz Diederichs, der Meister des Betriebes, den Sirachskotten. Er setzte einen mit Karbid betriebener Gasmotor in Betrieb gesetzt. Bis lange nach 1925 versorgte ein mit der Achse des Wasserrades verbundener Dynamo Kotten und Wohnung mit Lichtstrom. In den 1930-er Jahren kam Kraftstrom ins Tal, und als erstes wurde die Dampfmaschine stillgelegt. Im Bombenhagel 1943 wurde alles zerstört.

Otto Diederichs baute den Kotten eingeschossig wieder auf und nach 1950 auch das davor stehende Wohnhaus 1970 verkaufte er das Anwesen gegen ein Wohnrecht auf Lebenszeit.. Der Kotten wurde an einen Kunstschmied verpachtet, der als erstes den Teichdamm wieder in Ordnung brachte. Bis heute (2004) sind mehrere Besitzerwechsel vollzogen worden, ohne dass darunter ein industrieller Nutzer gewesen wäre. (Aus: Hämmer- und Kottenforschung in Remscheid Herausgegeben von Günther Schmidt Band 4 - Leyerbach, Diepmannsbach, Mückenbach)

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