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REB rät: Kein Streusalz auf den Gehwegen

"Salz oder Asche?" wollte in der Bezirksvertretung Lennep deren Dr. Heinz-Dieter  Rohrweck wissen. Sine konkrete Frage an die Remscheider Entsorgungsbetriebe (REB): Welche Streumittel sind aus fachlicher Sicht optimal und können auch den Bürgerinnen und Bürgern empfohlen werden? Die schriftliche Antwort, die REB-Betriebsleiter Michael Zirngiebl im REB-Werksausschuss vorlegte, war sehr ausführlich, überzeugte Rohrweck allerdings nicht. Er sei zwar kein Experte, habe allerdings das Gefühl, man hätte auch genauso gut zu anderen Erkenntnissen können. Überzeugen Sie sich selbst. Nachfolgend die Stellungnahme der REB:

„Im Winterdienst wird in Deutschland seit den 50er Jahren Streusalz als Auftaumittel eingesetzt. Aufgrund des umfangreichen Ausbringens von Streusalz traten vermehrt Schäden an Pflanzen, Fahrzeug-Karosserien und Betonbauwerken auf und es wurden lokal erhöhte Salzgehalte in Grund- und Oberflächenwasser beobachtet. Infolgedessen wurde die Salzstreuung seit den 80er Jahren in den meisten Kommunen stark eingegrenzt und vermehrt abstumpfende Streumittel eingesetzt. Neuere Untersuchungen u.a. des Öko-Instituts aus Freiburg, die im Auftrag des Umweltbundesamtes durchgeführt wurden, führten jedoch zu dem Ergebnis, dass abstumpfende Streumittel bei einem Einsatz im Fahrbahnwinterdienst u.a. deutlich höhere Kosten verursachen und unter Berücksichtigung der zusätzlichen Transportwege und der Entsorgung im Ergebnis der Lebenswegbetrachtung ökologisch nicht besser zu beurteilen sind als Streusalz zur Abstumpfung von Fahrbahnen. So wird zum Beispiel für die Herstellung abstumpfender Streumittel und für das Ausbringen auf Fahrbahnen bei gleichem Nutzen ein dreifach höherer Primärenergieaufwand benötigt.

Auf Straßen ausgebrachter Splitt führt zu einer deutlich geringeren Bremswirkung (geringere Kraftschlusswerte) und muss sehr häufig nachgestreut werden, da er durch den Fahrverkehr schnell an den Straßenrand verteilt wird. Im Vergleich zur Salzstreuung müssen daher erheblich größere Mengen ausgebracht werden. Dieses führt neben den logistischen Problemen (Lagerkapazitäten, häufigeres Abfahren der Streckenpläne, dadurch Mehraufwand für Personal und Streugeräte) auch zu einem erheblichen finanziellen Mehraufwand. Die hohen Kosten, die geringe Wirksamkeit sowie die Probleme mit der Entsorgung des Streugutes führten zu einer fast vollständigen Abkehr von dieser Streuart auf Remscheider Straßen.

Für eine wirkungsvolle Bekämpfung von Eis und Schnee im Rahmen des Fährbahnwinterdienstes ist der Einsatz von Salz als Streustoff somit unverzichtbar. Natriumchlorid (Kochsalz) hat sich in zahlreichen Untersuchungen im In- und Ausland als wirkungsvollster, am besten verfügbarer, wirtschaftlichster und auch relativ umweltfreundlichster Taustoff erwiesen. Der Einsatz sollte jedoch aus ökonomischen wie aus ökologischen Gründen auf das unumgängliche Maß reduziert werden.

Nach Ansicht des Umweltbundesamtes stellt daher das Konzept eines differenzierten Winterdiensts", das die dreistufige Verwendung von Streustoffen nach Straßen- und Wetterlage vorsieht, ein geeignetes Instrument dar, den Winterdienst umweltverträglich zu gestalten und zugleich die Verkehrssicherheit zu gewährleisten. Stufe eins - die Nullstreuung" oder der weiße Winterdienst", wobei der Schnee nur geräumt wird - kann im kommunalen Bereich bei untergeordnete Straßen ohne problematische Gefällesituation angewandt werden. Stufe zwei: Eine verstärkte mechanische Schneeräumung mit Schneepflügen erreicht oftmals ein befriedigendes Ergebnis und reduziert die nachfolgende Streuung mit Tausalz deutlich - sofern sie überhaupt noch erforderlich ist. Stufe drei: Durch konsequente Einführung der Feuchtsalzstreuung lässt sich die Salzmenge bei gleicher Wirkung gegenüber der Streuung trockenen Salzgranulats verringern.

Dieses Konzept bildet auch die Grundlage des Remscheider Winterdienstes. Hiernach wird zunächst verstärkt die mechanische Schneeräumung mit Schneepflügen eingesetzt, um hierdurch die nachfolgende Salzstreuung deutlich zu reduzieren. Auch die vom Bundesumweltamt favorisierte Feuchtsalzstreuung wird in Remscheid seit den 90er Jahren eingesetzt. Bei dieser Technik wird das Salz unmittelbar vor der Streuung mit einer vorbereiteten und getrennt auf dem Fahrzeug mitgeführten Salzlösung angefeuchtet. Dies bewirkt eine wesentlich bessere Verteilung des Salzes auf der Fahrbahn, und durch die Feuchte haftet das Salz besser auf der Straße. Die Folge sind deutlich weniger Ausbringungs- und Wehverluste bei der Streuung. Da das Salz schneller in Lösung geht, wird bei einer besseren Wirkung deutlich weniger Salz benötigt. Der Einsatz von Feuchtsalz im Rahmen des differenzierten Winterdienstes ist sowohl wirtschaftlich als auch aus Gründen der Verkehrssicherheit und des Umweltschutzes optimal. Hinzu kommt, dass auch der Fortschritt der Mess- und Ausbringungstechnik in den letzten Jahren zu einer erheblichen Minimierung der eingesetzten Salzmengen bei einer gleichzeitigen Optimierung der Wirksamkeit geführt, so dass man heute mit sehr geringen Salzmengen auskommt. Je nach Witterung werden in einem Streuvorgang Mengen von 5 bis 20 g/m2 ausgebracht, nur in Extremfällen werden bis zu 40 g/m' gestreut.

Die vom Umweltbundesamt vorgeschlagene Nullstreuung'1 oder der weiße Winterdienst" auf untergeordneten Nebenstraßen kann in Remscheid nur eingeschränkt umgesetzt werden, da sehr viele der Nebenstraßen Steigungs- bzw. Gefällstrecken aufweisen, so dass auch hier Räum- und Streuarbeiten im Rahmen der Verkehrssicherungspflichten vorgeschrieben und geboten sind. Diese Arbeiten werden auch von den Bürgerinnen und Bürgern und den Gewerbetreibenden, erst recht nach Einführung der getrennten Ausweisung der Winterdienstgebühr ab diesem Jahr, möglichst frühzeitig erwartet. Auch wenn einzelne Straßenabschnitte in Nebenstraßen ohne Gefälle aus den Streuplänen herausgenommen werden könnten, müssten diese Straßen dennoch nach dem Straßenreinigungsrecht bei Schneefall geräumt werden. Hierfür wären die Anlieger weiterhin zur Winterwartungsgebühr zu veranlagen. Wenn dann aber in diesen Abschnitten nicht gestreut würde, wäre ein großes Unverständnis der Gebühren zahlenden Anlieger zu erwarten.

Unter der Beachtung der Rahmenbedingungen eines differenzierten Winterdienstes stellt Feuchtsalz für den Fahrbahnbereich das optimale Streumaterial dar.

Zum Streustoffeinsatz im Gehwegbereich

Beim Winterdienst auf Gehwegen sind andere Randbedingungen für die optimale Streumittelauswahl ausschlaggebend. Die für den Fahrbahnwinterdienst dargestellten Nachteile des Einsatzes abstumpfender Streumittel gelten für den Gehwegbereich nicht, da hier die im Straßenverkehr bekannten negativen Eigenschaften (geringere Kraftschlusswerte, höhere Streudichten, Wegschleudern an den Straßenrand durch Verkehr, Entsorgung) in diesem Umfang nicht auftreten. Die Gefahr, dass das Streugut an den Gehwegrand verteilt wird, ist eher gering. Auch wegen der Grünflächen und Baumscheiben neben den Gehwegen ist der Gebrauch von Salz auf Gehwegen nach der Straßenreinigungssatzung nur in Ausnahmefällen (bei Glatteis oder sonstigen Fällen, in denen abstumpfende Mittel keine ausreichende Wirkung entfalten) zulässig. Die für den wirtschaftlichen und ökologisch verantwortbaren Einsatz von Streusalz notwendigen Dosiertechniken (Feuchtsalz, Dosierstreuer) stehen für den Gehwegeinsatz nicht zur Verfügung. Hier kommt im wesentlich die Handstreuung zum Einsatz, die zu wesentlich höheren Ausbringungsmengen führt. Auch die städtischen Gehwege, die im Rahmen der Winterdienstleistung der REB für die Stadt Remscheid mitbetreut werden, werden daher nur geräumt und mit abstumpfenden Streumitteln gestreut.

Auch nach Ansicht des Öko-Institut ist daher der Einsatz abstumpfender Streumittel im Gehwegbereich weiterhin die ökologisch und ökonomisch sinnvollere Alternative.“

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Kommentare

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Lothar Kaiser am :

Kann sein, dass es diese ausführliche Bürgerinformation so oder ähnlich in nächster Zeit noch einmal als städtische Pressemitteilung geben wird. Susanne Fiedler Grüne) hatte das vor wenigen Tagen im Umweltausschuss anregt. Ihr Vorschlag, Mitarbeiter der Ordnungsbehörde sollten im Winter auf die Einhaltung des Streusalz-Verbots achten, war zuvor von Amtsleiter Jürgen Beckmann mit Hinweis auf Personalknappheit abgelehnt worden – wofür Oliver Witte (SPD) Verständnis zeigte.

Harald Fetsch am :

Zum Streustoffeinsatz im Gehwegbereich ... Da purzeln die Begriffe Gehweg, Fahrbahn, Straße, Fahrbahnrand, Straßenrand, Verkehr, Fußgänger etc. einmal wieder lustig durcheinander. Von der Leitung einer Fachbehörde darf man eine inhaltliche und fachlich begrifflich richtige Darstellung erwarten.

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