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Hermannsmühle: Von der Kornmühle zum Erholungsheim

Hermannsmühle, alter Teich, 2000. Foto: G. SchmidtEin wunderschöner Verbindungsweg besteht zwischen der Tacker- und der Hermannsmühle. Man muss schon einige hundert Meter laufen, bevor man in die Ortschaft kommt. Sie ist uralt und wird schon 1487 mit dem Hermann op der Mühlen erwähnt. Zu dieser Zeit war die Mühle eine Fruchtmahlmühle, die auf dem Endringhauser-, Hermannsmühlen- oder Walkbach stand. Verschiedene Namen begleiteten sie: Heintzen Mühle, Winkelsmühle und Hermannsmühle. Sie muss zwischen 1487 und 1575 irgendwann verfallen sein. 1575 pachtete Peter Foermann vom Rat der Stadt Lennep das Gelände, und am 15. März 1579 erhielt er vom Herzog Wilhelm von Jülich Kleve und Berg die Erlaubnis, "dass er seine eigene Mühle auf welchem Platz vorlängst eine gestanden, wiederum erbauen möge, gegen eine Erkenntnis von 1 Ablass Roggen". Foermann schloss für sich und seine Nachkommen mit der Stadt Lennep einen Erbpachtvertrag über zwölf Jahre ab, der ihm außerdem erlaubte, Brot zu backen und in der Stadt Lennep zu verkaufen. In dieser Urkunde nennt er sich "Peter in der Hermannsmüll". Das Mahlrecht wurde für die Außenbürgerhöfe Hohenhagen, Überfeld, Endringhausen, Buscherhof, Oberste Halbach und Hinterste Stursberg zugestanden. (Drei seiner Kinder wurden Kaufleute und verheirateten sich in Lennep, die Söhne Johannes und Daniel erbten das landwirtschaftliche Gut und die Mühle.)

1607 nennt er sich "Peter Fuhrmann auf der Halbach". Danach klafft ein tiefes Loch in den Unterlagen, denn zwischen 1607 und 1829 findet man keine Angaben über Besitzerwechsel bzw. andere Unterlagen, ausgenommen diese Notiz der Jülich-Bergischen Domänenkellerei Burg von1672: "Peter Johann Fuhrmann in der Hermann-Müllen hat in anno 1578 den 25 Marty gnedigste Bewilligung erlangt, dass Er seine Mülle so vor ganzer Zeit auff der platzen gestanden und mithin keine Erkenntnuß geben, hinforters gebrauchen und Jahrlich vor eine Erkenntnuß für das Schloß Burgh lieffern solle ein Malter Roggen Burghmaßen".

Hermannsmühle 1998. Foto: G. SchmidtPeter Johann Fuhrmann, ein Nachkomme des Erbauers der Hermannsmühle, war der Begründer des Wollhauses Fuhrmann. Er verließ einige Jahre nach der Erbteilung die Hermannsmühle und gründete 1785 in Lennep ein Geschäft, das hauptsächlich aus Lederhandlung, Tuchhandlung und Wollhandlung bestand. Der Sohn Mathias war in zweiter Ehe seit 1778 mit Anna Catharina Wülfing, einer Tochter des Kauf- und Handelsherrn Anton Wülfing in Lennep (ein Vorfahre der Firmengründer Johann Wülfing & Sohn, Kammgarnspinnerei) verheiratet. Matthias hatte schon zu Lebzeiten seines Vaters Peter Johann in Lennep ein eigenes Geschäft. Durch Erbschaft und Kauf erwarb er von seinen Vettern den ganzen Besitz des Familiengutes Hermannsmühle. Im Laufe der Jahre ging das Gut, wozu auch die Tackermühle gehörte, in den Besitz der Firma Johann Wülfing & Sohn über.

1829 jedenfalls nennt sich die Hermannsmühle "Wilhelmsmühle". Als Besitzer ist Matthias Fuhrmann angegeben, so dass man davon ausgehen kann, dass die Mühle mehr als 200 Jahre im Familienbesitz war. Sie ist zu dieser Zeit mit einem oberschlächtigem Wasserrad und wechselweise einem Mahlgang für Roggen und Weizen angegeben. Am 23. Februar 1851 wurde eine Konzession zur Erweiterung erteilt, und 1853 sind die Gebrüder Mathias und Peter Fuhrmann Besitzer. Die Erweiterung 1851 beinhaltete drei Mahlgänge für Getreide und einen Graupengang nach Abbruch der bisher mit zwei Mahlgängen ausgestatteten Fruchtmahlmühle. 1853 ist in der Regierungsliste zu lesen: Hermannsmühle am Morsbach (Diepmannsbach) von Gebrüder Fuhrmann, Wehr 38, 1 hohes hinterschlächtiges Wasserrad, Pegel, Konzession vom 23.02.1851".

Besonders auffällig ist das hinterschlächtige Wasserrad, welches im Remscheider Raum kaum seinesgleichen fand. 1862 ist die Mühle als Etablissement des Johann Wilhelm Wilhelmy ausgewiesen, der am 13. Juni 1868 die Konzession zum Bau einer Dampfmaschine erhielt. Auf 1867 datiert der Hinweis zur "Getreidemühle am Walkbach" von Johann Wilhelm Wilhelmy mit sechs PS. Bis nach 1900 war die Mühle als solche in Betrieb, dann wurde die Wasserkraft von Schleifermeister Berger übernommen, der im Untergeschoß eine weitere Schleiferei einrichtete (erste Schleiferei im Hermannsmühler Kotten). Hermannsmühle. Sammlung Paul Bulang1907 steht noch Wilhelm Wilhelmy als Mühlenbesitzer im Adressbuch. Eigentümer des ehemals zugehörigen Bauerngutes war damals Heinrich Hasselhoff, der zuletzt acht Kühe besaß. Die Schleiferei Berger arbeitete bis 1925 als Pächter in der Mühle. Ein mächtiges Wasserrad trieb zu dieser Zeit, außen angebracht, mehrere große Schleifsteine an. Direkt an der Hermannsmühle erinnert in einer Waldnische ein schlichter Gedenkstein an die unselige Zeit der Franzosenbesetzung. Dort wurde der Packer Walter Dannenberg aus Remscheid-Güldenwerth am 11. August 1923 von einem Franzosen erschossen.

Zuletzt betrieb die Stiftung Tannenhof alle Gebäude, stellte ihren Angestellten die Wohnungen zur Verfügung und bewirtschaftete den Bauernhof. Das stattliche Fachwerkhaus bildet auch heute noch einen Blickfang im ganzen Ort. Eine Zeitungsannonce von 1932 gibt Folgendes wieder: "Ein Spaziergang nach Hermannsmühle, gerade jetzt zur Frühlingszeit, zeigt die geradezu ideale Lage dieses schönen Plätzchens Erde, für Menschen, die ein paar Wochen, losgelöst von der Arbeit und vom lärmenden Verkehr der Großstadt, beschauliche Stunden der Ruhe und Erholung genießen wollen. Wie ein Märchenland liegt das stille, grüne Tal zwischen bewaldeten Höhen; an den von Bäumen beschatteten Wegen plätschert der Bach in eiligem Lauf. Von der Hermannsmühle aus führen nach allen Richtungen gute Wege und in kurzer Zeit ist Lennep und Lüttringhausen zu erreichen. Von den Höhen genießt man herrliche Ausblicke auf das Tal und die Umgebung, nach Norden hin sieht man durch einen Höheneinschnitt die beiden Türme von Lüttringhausen. Für die Erholungsgäste ist somit reiche Gelegenheit zu Spaziergängen in die nähere und weitere Umgebung gegeben." An diesem Zustandsbericht hat sich bis heute (2004) nichts geändert!

Hermannsmühle mit Ruine und Teich Repro: G. SchmidtMit der Errichtung eines Erholungsheims der Firma Fuhrmann u. Co. Berlin in Hermannsmühle wird das Diepmannsbachtal zu neuem Leben erweckt. Einem Bericht von 1935 zufolge heißt es: "In einigen Monaten werden die Urlauber des weltbekannten Handelshauses das stille Tal bevölkern, um Ruhe und Erholung zu suchen." So lässt sich der Bezug zum Tannenhof erklären. Aber widmen wir uns noch ein wenig dem Zeitungsausschnitt vom 15. Mai 1935: „Das alte Wasserrad bleibt bestehen. Im Übrigen wird das Haus ein hübsches, der Umgebung angepasstes Äußeres erhalten. Im Inneren sind Musik- und sonstige Unterhaltungszimmer gedacht. Das gegenüberliegende, jetzt von der Familie Grohe bewohnte Haus, soll als Logierhaus für die Gäste umgebaut und dementsprechend ausgestattet werden. (…) Die romantisch gelegene Tackermühle soll erhalten bleiben, um dort gegebenenfalls den Gästen Gelegenheit zu geben, an warmen Tagen nachmittags Kaffee und Kuchen im Freien einzunehmen. Den angrenzenden Teich stellt die Firma Wülfing & Sohn den Gästen des Erholungsheimes zum Kahnfahren zur Verfügung. Im Übrigen sind Liegewiesen zum Ausruhen reichlich vorhanden, so dass auch dadurch die Gäste Erfrischung in unserer bergischen Luft finden. Ob das Erholungsheim das ganze Jahr über geöffnet bleibt, ist noch unbestimmt; man sollte es aber annehmen, denn es erfreut sich doch bei der Großstadtbevölkerung der Winterurlaub mit seinen Sportmöglichkeiten immer größerer Beliebtheit. Auch in dieser Beziehung bietet die Hermannsmühle ein ideales Gelände. Die zahlreichen Abhänge sind zum Rodeln wie geschaffen, eine Sprungschanze für den Skisport ist in der Nähe bereits vorhanden“. (Aus: Hämmer- und Kottenforschung in Remscheid Herausgegeben von Günther Schmidt Band 4 - Leyerbach, Diepmannsbach, Mückenbach)

 

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