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Der Park mit seinen Grotten war eine Attraktion

Die Vorderansicht der Villa.Die Villa war um 1840 in einem 15.000 Quadratmeter großen Parkgelände erbaut worden. In einem Stil der Neo-Renaissance, etwas Klassizismus, etwas Historismus.  Das Anwesen wurde von Anfang an als Hotel und Restaurant genutzt, dies ist auch aus dem Zuschnitt der Räume erkennbar. Um die Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die Villa Goldenberg zum exklusiven Treffpunkt, nicht nur für die vermögenden Hammer- und Stahlwerkbesitzer im engeren Umfeld, dem Diepmansbachtal, dem Morsbachtal, dem Gelpetal, der Ibach, Lüttringhausen und Ronsdorf, sondern auch für den damaligen Geldadel aus Remscheid, Elberfeld und Barmen. Hierher lud man seine honorige Kundschaft zu exklusiven Bällen, Konferenzen und Geschäftsessen ein.

All die Jahre bis zum Ende des Ersten Weltkrieges mit seiner militärisch geprägten Gesellschaftsstruktur und seinen Hammer- und Stahlwerkbesitzern bescherten der Villa Goldenberg, der Villa auf dem goldenen Berg, eine gute Zeit. Die umliegenden Werke, die fast alle Stahl verarbeiteten, machten glänzende Geschäfte. Als Treffpunkt des Geldadels und als Vergnügungsstätte bekam das Haus damals im Volksmund den Zusatz „Villa“. Sie war zunächst weniger für die Sonntagsausflügler gedacht, dies kam erst später nach 1900. Doch eine Attraktion für Kind und Kegel wie zum Beispiel „Zum Zillertal“ wurde die Villa jedoch nie.

Der Haupteingang mit einer breiten, umsäumten Freitreppe war acht Stufen hoch. Der Hintereingang zum Küchentrakt hin hatte ein Plumpsklo, zumindest zu Anfang.  Im Erdgeschoss - neben einem großen Eingangsflur mit geschnitzten Eichenbänken und einer Wendeltreppe ins Obergeschoss, gab es vier große Räume und eine steingeflieste Küche mit Durchreiche zum Schankraum hin. Jenseits des Eingangs drei Separees, alle Räume vom Flur aus einzeln zugänglich, aber auch ineinander übergehend, trennbar durch Schiebetüren. Getafelt werden konnte im Schankraum und in den Separees, welche für große Tafelrunden zu einem großen und zusammenhängenden Raum umgestaltet werden konnten. Als Tanzboden diente die Eingangshalle.

Sehr modern und zukunftsweisend für das 19. Jahrhundert gab es im Obergeschoss  neun Zimmer, alle mit Kaltwasseranschlüssen und Waschbecken, zumindest ab 1880. Der Dachboden wurde nie ausgebaut, er wurde lediglich genutzt für Freizeitaktivitäten und als Trimm-dich-Raum. So vom Goldenberger Turnverein, welcher 1892 gegründet wurde und hier zunächst sein Domizil fand (eine eigene Turnhalle bekam der Goldenberger Turnverein erst 1912, gestiftet von Adolf Westen). Nach dem Sport ging es dann runter in die Schankwirtschaft. In den Sommermonaten wurde der Sport in dem ausgedehnten Parkgelände abgehalten.

Der Park mit seinen verwunschenen Ecken, Pavillons und Grotten war eine Attraktion.  Ich sehe in meiner Fantasie die Ballgäste, die Damen in festlichen Roben und Uniformen en masse, ankommend in Kutschen, die Bediensteten stellen die Pferde ab und dann, wie heute die Taxifahrer, in Wartestellung. Ich sehe die Kinder, wie sie tagsüber Verstecken im Unterholz der Rhododendren spielen, ich sehe, wie man flaniert, nach Einbruch der Dunkelheit werden Fackeln aufgestellt, Pärchen verziehen sich in verschwiegene Ecken, helles Lachen, die Kinder werden ins Bett geschickt.

Die Zeit der Bälle, Empfänge und Sonntagsvergnügen war nach dem Ende des Ersten Weltkrieges zunächst vorbei. Opa kaufte die Villa Goldenberg mit Park im Jahre 1919. Warum er dafür einen Kredit aufnahm, obwohl er das Areal auch hätte bezahlen können, wird sein Geheimnis bleiben. Wahrscheinlich war es Weitsicht. Bedingt durch den Krieg hatte die Mark offiziell die Hälfte ihres Wertes - Kaufkraft innen und außen - eingebüßt. Zu diesem Faktum kam der bedenkenlose Umgang mit der Geldpresse ab 1919 hinzu. Erst in 1928 erreichte der Reallohn wieder die Basis von 1913. Immobilienbesitzer, Unternehmer, Landwirte und Kreditnehmer - und natürlich auch der Staat - konnten sich in dieser Zeit der Hyperinflation fast vollständig entschulden, wenn sie klug handelten. Sie alle gehörten zu den Gewinnern der Inflation. Opa gehörte sogar zu den doppelten Gewinnern, weil der Wert seines Unternehmensanteil stieg, denn auch die aufgenommenen Unternehmenskredite wurden ja wertloser. Viele sind in diesen Jahren „über die Wupper gegangen“, die Kleusers der Villa Goldenberg nicht. (Auszüge aus „Villa Goldenberg“, 207 Seiten mit Fotos und Stammbaum, Verlag Der Rheinländer, ISBN 978-3-942035-04-0, © Bernd Kleuser, Auf Jägert 1, 53572 Unkel.)

 

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