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Im Teo Otto-Theater ist gar kein Platz für die "Galerie"

Klaus KüsterVon Klaus Küster

Allen Streich- und Sparwilligen empfehle ich, wenigstens einmal die gegenwärtige Ausstellung in der Galerie an der Scharffstraße zu besuchen und sich mit folgenden Informationen zu befassen: 
Der Begriff „Städtische Galerie“ ist bundesweit ein besonderer Qualitätsbegriff, d.h. Städte, die eine solche Einrichtung betreiben, genießen sowohl in der deutschen als auch in der internationalen Kulturszene wegen ihres nichtkommerziellen, ernsthaften Vermittlungsauftrages eine besondere Wertschätzung bei professionellen Künstlern und der kunstinteressierten Öffentlichkeit.
Die Großstadt Remscheid galt noch Ende der 80er Jahre als kunstfeindlich. In den 70er Jahren habe ich, als Vorsitzender des Berufsverbandes Bildender Künstler NRW, mit einer Fülle von Begründungen die Forderung nach Einrichtung einer Städtischen Galerie zum Ausdruck gebracht, die in der Kommunalpolitik fruchtbaren Boden fand. Zwar wurde bedauerlicherweise der von mir in den 70er Jahren als Empfehlungsgremium initiierte Kunstbeirat schon Ende der 80er Jahre ebenso wieder abgeschafft wie die Künstlerförderung und die „Kunst-am-Bau-Maßnahmen“ der Stadt Remscheid. Aber, so traurig dies auch war, gelang es doch Politikern wie Alexander Drügg, Karl-Manfred Halbach und Robert Schumacher nach anstrengenden politischen Vorbereitungen, gemeinsam mit dem Rat der Stadt die Voraussetzungen für die Einrichtung einer kulturellen Begegnungsstätte zu schaffen, die 1992 - nach dem Zufluss erheblicher Landesmittel - als „Städtische Galerie Remscheid“ eröffnet wurde.

Diese Erweiterung des kulturellen Angebotes führte bald dazu, dass die Galerie zu einem Mekka kunstinteressierter Menschen von nah und fern wurde. Neben kleinen Konzerten, Lesungen und Performances wurden - honorarfrei (!) - Werke international arbeitender und bekannter zeitgenössischer Künstler ebenso vermittelt wie Arbeiten junger Absolventen der Düsseldorfer Kunstakademie. Die Galerie der Stadt Remscheid hat - trotz eines winzigen Ausstellungsetats und spärlichster personeller Besetzung - in ihrer nun 18 Jahre währenden Praxis dank ihrer überregionalen Ausstrahlung das einst kunstfeindliche Image Remscheids ein wenig wett gemacht. Die Galerie ist deutschlandweit bestens bekannt und geschätzt.
Der Remscheider Kunstwissenschaftler Professor Lothar Romain (gest. 2005), ehemals Präsident der Universität der Künste in Berlin, sagte 1992 in seiner Remscheider Eröffnungsrede „Provinz ist nur in den Köpfen“.
Ich füge heute hinzu: Solche Köpfe haben wir in Remscheid leider im Überfluss! Überlassen wir ihnen nicht das Ruder! Die Städtische Galerie in der Scharffstraße gehört uns, allen Bürgern und muss erhalten bleiben!
Davon abgesehen, dass mir die geplante Umwidmung der bedingten Landesfördermittel als ein übler Trick erscheint, sind die Leistungen dieser Galerie in den Räumen des Teo Otto Theaters auch nicht ansatzweise zu erbringen. Seit den 80er Jahren stehen die wenigen Ausstellungsräume im 1. Stock des Theaters heute zugunsten eines Notenarchivs und weiterer Büros nicht mehr zur Verfügung. Das im Sinne des Denkmalschutzes renovierte Foyer ist für diesen Zweck ungeeignet. Im Theater - wie auch im Foyer der Stadtbücherei - fehlen grundsätzlich die räumlichen und technischen Voraussetzungen selbst für einen Mini-Galeriebetrieb. Davon abgesehen werden bedeutende Künstler kaum für Ausstellungen an solchen nicht-galeristischen Orten zu gewinnen sein.
Schließung und Verkauf der Galeriehäuser und des Skulpturengartens auf dem ca. 1200 qm großen Grundstück würde ich als einen gravierenden kulturellen Rückschritt schärfstens verurteilen. (Klaus Küster kandidierte im vergangenen Jahr bei der Kommunalwahl für die Linken; er ist Mitglied im Ausschuss für Kultur und Weiterbildung.

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