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Oma fragen: Frauenbewegte Zeiten in den 70ern

8.3.: Frauenpolitisches Werkstattgespräch zum Frauentag“, war im Waterbölles die Ankündigung der  Veranstaltung am heutigen Weltfrauentag um 19 Uhr im Kleinen Sitzungssaal des Rathauses überschrieben. In Köln ging gestern der zweitägige Frauenkongress „Frau macht Medien“ des Deutschen Journalisten-Verband (DJV) zu Ende. Er stand unter dem Motto "Generation EMMA – Generation M": Generationen im Gespräch. Wie Frauen Medien und Medien Frauen bewegen" und hatte mit einem Grußwort der stellvertretenden DJV-Bundesvorsitzenden Ulrike Kaiser (Remscheid) begonnen, das ebenso gut heute Abend das Werkstattgespräch in Remscheid einleiten könnte:

„Liebe Kolleginnen, kennen Sie den? Fragt der kleine Sohn den Vater: „Papa, was ist ‚Solidarität’?“ Papas Antwort: „Keine Ahnung. Musst Du Opa fragen.“ Ich habe mir erlaubt, diesen durchaus zeitgemäßen Witz mit Blick auf unsere spezielle Thematik leicht abzuwandeln: „Mama, was ist ‚Feminismus’?“ – „Keine Ahnung. Musst Du Oma fragen.“

Diese "Oma" ist eine hellwache Frau in den besten Jahren (also plus/minus 60). Oma weiß Bescheid. Sie erinnert sich nur zu gut an die frauenbewegten Zeiten in den Siebzigern des vergangenen Jahrhunderts. An Frauengruppen und Frauencafés. An lila Latzhosen, an tage- und nächtelange Diskussionen. Über den kleinen Unterschied und seine großen Folgen. Über das vermeintlich „andere Geschlecht“. Über die These, dass wir nicht als Mädchen geboren, sondern zu Mädchen gemacht werden. Über den alltäglichen Sexismus. Über Gewalt in der Familie, Diskriminierung am Arbeitsplatz. Über männliche und weibliche Sprache. Über das Bild der Frau in der Werbung und in den Medien.

Ja, sogar – und hier könnten sich der Ursprungswitz mit der Solidarität und die Variante mit dem Feminismus treffen – über die „Frau und der Sozialismus“. August Bebel grüßte aus der Vergangenheit mit einem 570-seitigen engbedruckten Werk. Wenig gelesen. Aber heiß diskutiert.

Nicht nur die hennagefärbten Köpfe rauchten damals. (Nebenbei: Oma hätte sich ein Rauchverbot strikt verbeten.) Überquellende Aschenbecher, Vanilletee auf dem Stövchen und ein unbedingtes „Wir-Gefühl“. Wir mit der Hälfte des Himmels gegen den Rest der Welt. Der Männerwelt. Wir zwischen Selbstzweifeln und Selbstfindung.

Wir mischten mit „Courage“ – der ersten bundesweiten feministischen Zeitschrift – in den Medien mit. Und lassen uns anderthalb Generationen später widerspruchslos als  „Generation EMMA“ definieren. Ein schönes Beispiel dafür, wie Frauen Medien und Medien Frauen bewegen …

So steht unsere fiktive Oma aus der Generation EMMA nun da und blickt auf die Generation M. Und sieht weniger Frauenpower als junge Powerfrauen. Bei denen so vieles „M“ wie „multi“ ist: multimedial, multitasking, multifunktional, multikulti, multiplex, multiversiert. Sprechen diese jungen Powerfrauen noch von Feminismus, von Emanzipation? Sie sprechen bestenfalls von „Gender“. Das ist neudeutsch. Und klingt – mit Verlaub – ein bisschen glatt. Zu glatt. Wissenschaftlich eben. Der Begriff „Feminismus“ kommt höchstens mit der Vorsilbe „Post“ in die Diskussion. „Postfeminismus“.

Postfeminismus – sind wir wirklich schon so weit gekommen? Haben wir die Bewegung hinter uns? Ziel erreicht? Ja, wir haben quantitativ fast die Hälfte des Medienhimmels erobert. Ja, wir stellen Intendantinnen, Chefredakteurinnen (auch wenn sie bei Tageszeitungen noch immer Seltenheitswert haben), bildschirmprominente Moderatorinnen, wegweisende Onlinerinnen. Ja, wir haben die Jungs in journalistischen Ausbildungsgängen in die Minderheitenrolle verwiesen. Ja.

Aber nein: In strukturellen Fragen haben wir längst nicht alles erreicht, was wir uns von der Hälfte des Himmels versprochen haben. Ich könnte sie wieder einmal aufzählen, die Karriere-Hürden, die Gehaltsunterschiede, die Unvereinbarkeiten von Beruf und Familie. Und den Fakt, dass Journalistinnen überproportional dort vertreten sind, wo es nicht ganz so kommod ist: unter den freien Journalisten. Unter den arbeitslosen. Unter den kinderlosen.

Stoff genug also für das Gespräch der Generationen. Der Generation EMMA und der Generation M. (…) Die achte Auflage des DJV-Journalistinnentags „Frau Macht Medien“ bringt – wie man hier unschwer erkennen kann – nicht nur vom Titel her Generationen ins Gespräch. Eine gute Idee. Und ich bin sehr sicher, dass nicht nur Oma Antwort weiß auf die Frage nach Begriffen, die scheinbar von gestern sind: Was ist Feminismus? Was ist Solidarität? Und was können sie voneinander lernen, die Generation EMMA und die Generation M? Viel Spaß bei einem konstruktiven Generationskonflikt!“

Trackbacks

Waterbölles am : Zum Weltfrauentag in RS sind auch Männer willkommen

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„Oma fragen: Frauenbewegte Zeiten in den 70-ern“ titelte der Waterbölles am 8. März 2010 pünktlich zum Internationalen Weltfrauentag.  Auch in den 90-er Jahren des vergangenen Jahrhunderts, als die Flower-Power-Bewegung bereits abgeflaut war, &#16

Kommentare

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Christel Steylaers am :

Luise Pusch (eine Femi-Uroma und berühmte Linguistin) beendete einen ihrer Beiträge 2002 zum Thema "Ist die Frauenbewegung tot?" mit der Feststellung "Postfeministinnen werden wir im Postpatriarchat". Da haben wir noch einige Generationen dran zu arbeiten. Und hoffentlich arbeitet die Generation "M" daran mit. Damit die Generation E wie Enkel (m wie w) auch was davon hat... Übrigens: Wer keine Oma zum Nachfragen hat, kann sich gerne an den Fachdienst Gleichstellung von Frau und Mann bei der Stadt wenden (Tel.: 02191/ 16-2257)

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