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EMA-Schüler sind von Kommunalpolitikern enttäuscht

Interessieren Sie sich für die Chronik einer gescheiterten Schul-Umbenennung? Sie beginnt am 29. September 1937, als das königliche Realgymnasium in Remscheid in Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium umbenannt wurde und Studiendirektor Kurt Walter*** diesen Deutschnationalen als "begeisterten Freiheitshelden und Vorkämpfer für das Dritte Reich“ bezeichnete. Und sie endet (vorläufig) am 19. September 2005 mit dem Beschluss des Rates der Stadt Remscheid, eine Namensfindungskommission einzuberufen. Aber längst wird zurückgerudert.

Die Fortschreibung dieser Internet-Chronik war am Samstagabend in der „Lokalzeit für das Bergische Land“ im WDR-Fernsehen zu sehen. Timo Spieker berichtete über die mit 95-prozentiger Mehrheit gefasste Entscheidung der Schulkonferenz des Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasiums in Remscheid (das war in den 60er Jahren auch meine Schule), dem Rat der Stadt eine Namensänderung zu empfehlen. Und auch Schülersprecher Chris Richter kam in dieser Sendung zu Wort und berichtete von seinen Erfahrungen im städtischen Schulausschuss. Dort habe man die Recherchen der Schülervertretung zu Ernst-Moritz Arndt zwar vortragen können, zu einer Diskussion die Damen und Herren aber nicht bereit gewesen. Wen wundert’s, spricht sich doch die „Vereinigung der Ehemaligen“ (Schüler) gegen eine Umbenennung aus, weil "hier die Traditionalisten überwiegen“. -(Hallo ??)-  Die Schülerinnen und Schüler kritisierten in der Sendung das Gebaren des Schulausschusses als undemokratisch. Und ich kann es ihnen nicht verdenken.

Der Journalist und Krimi-Autor Harry Luck, heute Chef vom Dienst bei einer Nachrichtenagentur, von 1983 bis 1992 EMA-Schüler, hat sich bereits am 7. November 1988 als 16jähriger in einem Brief an den damaligen nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Johannes Rau für eine Umbenennung der Schule stark gemacht. Nun schreibt er im Internet: „ Wer sich hinter dem lieblichen und lieb gewonnenen Kürzel ‚EMA’ verbirgt, erfuhren wir erst in der zehnten Klasse von einem engagierten Deutschlehrer. Wir bekamen Zitate vorgelegt, die mich noch heute fassungslos machen. ‚Man sollte die Einfuhr der Juden aus der Fremde in Deutschland schlechterdings verbieten und hindern’, heißt es da. Der germanische Stamm müsse von ‚fremdartigen Bestandteilen’ rein erhalten werden. Mit ihrem ‚Schmutz und ihrer Pest’ bringen sie eine ‚verderbliche Überschwemmung’ nach Deutschland, schreibt Ernst Moritz Arndt. Wie konnte es sein, dass eine Schule nach einem solchen Rassisten benannt wurde, fragten wir uns.“ (Andere fällen ein ähnliches Urteil. Mehr Zitate von Ernst-Moritz Arndt erhärten ihre Meinung.)

Ernst-Moritz Arndt, ein "begeisterter Freiheitsheld und Vorkämpfer für das Dritte Reich". -- ??? -- Harry Luck: „Heute, 68 Jahre später, reicht dies als Begründung für eine erneute Umbenennung aus. Als Namensgeber einer Schule und somit Vorbild für mehr als 1 000 Gymnasiasten hat Arndt im 21. Jahrhundert ausgedient. Wie wollen wir den Einwohnern der französischen Partnerstadt Quimper erklären, dass in Remscheid eine Schule den Namen eines Mannes trägt, der geschrieben hat: ‚Darum lasst uns die Franzosen nur recht frisch hassen.’ Und: ‚Ich will den Hass gegen die Franzosen, nicht bloß für diesen Krieg, ich will ihn für lange Zeit, ich will ihn für immer.’ Oder: ‚Ihr Schützen, Gott segne euch jeglichen Schuss, durch welchen ein Franzmann erblassen muss.’“

Das letzte Wort hat jetzt der Rat der Stadt Remscheid. Ich ahne bereits, wie es ausfallen wird.

 

*** Der Studiendirektor Kurt Walter von 1937 war nicht der Rektor, den ich als Quartaner 1960 erlebt . Der hieß Michael und war sein Sohn, nachzulesen in der Schulchronik.

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waterboelles.de am : Ratsmehrheit hält an "EMA" fest

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Das Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium behält seinen Namen. Dafür entschieden sich heute in geheimer Abstimmung 29 Mitglieder des Rates der Stadt Remscheid. Damit war der Antrag abgelehnt, die Schule am Friedrich-Ebert-Platz nach dem früheren Bundespräsidenten

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