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Senioren, reif für die gesellschaftlich organisierte Bespaßung

Klaus KüsterVon Klaus Küster

Seit der Wahl zum Mitglied des Seniorenbeirats wird mir immer klarer, dass ich ein Alter unter Alten und Älteren wurde, folglich also „der älteren Generation" angehöre. Vorher war mir das noch gar nicht aufgefallen. Spätestens jetzt, nach der Lektüre der Mitteilungsvorlage der Stadtverwaltung über Konzeption und Planung der „Wochen der älteren Generation" fiel es mir wie Schuppen von den Augen, in welche Klientel ich unversehens hinein gealtert bin. Auf diesen Schock hin begann ich mich sofort in meinem großen Bekanntenkreis bei 60- und darüber Jährigen zu vergewissern, ob wir nun endlich so reif sind, dass wir der gesellschaftlich organisierten Bespaßung bedürften.

Ich stieß auf erstaunte, ja erschrockene Gegenüber. Man hatte offenbar, wie seinerzeit ich selbst, noch gar nicht realisiert, der sogenannten „älteren Generation" anzugehören. Immer wieder wurde ich mit Fragen wie diesen konfrontiert: Ob 60 eine magische Zahl sei, und wenn ja, wer diese erfunden habe, ob es erlaubt sei, ab 60 die Altersangabe geheim zu halten, um altersunerkannt ohne Imageverlust am freigewählten öffentlichen Leben teilzunehmen.

Die Initiatoren und Autoren der o.g. Drucksache mögen nun einwenden, dass „meine Senioren" weder hinsichtlich ihrer Interessenlagen noch ihres Alters homogen seien und schon gar nicht repräsentativ. Richtig, aber, und das gab mir zu denken, in einem Punkt sind sie doch sehr homogen: Nicht dass sie den Kampf gegen das Altern aufgenommen hätten; mir erschien es eher als ein gemeinsames Zurwehrsetzen gegen eine dreiste Kategorisierung, in welcher, quasi als Altenkult, „der älteren Generation" eine weiche Birne, zumindest aber ein enormes Desinteresse an der Lebenswirklichkeit bescheinigt wird.

Oder wie darf „die ältere Generation" die bisher geplanten Programminhalte zu den sogenannten „Wochen der älteren Generation" sonst verstehen? Denn „entscheidend" soll also sein, dass „klassische Angebote wie Kegeln, Skat und Fahrt ins Blaue beibehalten werden..." Niemand, so weit ich weiß, will und wird ältere Menschen daran hindern, bis an ihr seliges Ende Skat zu spielen, zu kegeln oder ins Blaue zu fahren. Aber kurz vor der Stadt-Pleite doch bitte nicht mit öffentlichen 6.125 € nach dem Gießkannenprinzip gleichermaßen für Arm und Reich, während noch nicht einmal Geld für kommunale Blumensträuße an 90-jährige mehr da ist! Sollen etwa eine „Seniorenmesse" und „Die schönsten Musical-Traum-Melodien" jahrzehntelange Versäumnisse der herrschenden Politik bis zur „Rente mit 67" vergessen machen?

Es sollte bei diesem Marketing nicht um die Auffrischung eines überkommenen und deshalb fragwürdigen Altenkultes gehen. Wollen „Alte" unter sich sein? Will „ die ältere Generation" unter diesem Titel und den Programminhalten öffentlich wahrgenommen werden? Sollen denn unter 60-jährige abgeschreckt werden? Könnte es anstatt „Wochen der älteren Generation" z.B. heißen: Generationen-Treff /Wochen junger Alter oder ähnlich?

Das Motto darf keine Jüngeren abschrecken!!! Wir sollten uns fragen, ob ist es nicht endlich an der Zeit ist, bei dieser Gelegenheit unsere zahlreichen älteren Migrantinnen und Migranten als Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt wahrzunehmen, ihre anderen kulturellen Ursprünge in einer seriösen Veranstaltung zu respektieren, zu würdigen? Etwa z.B. in einer Kulturgeschichtswerkstatt oder Ähnlichem? Und sollten wir uns nicht fragen, ob es nicht besser wäre, in einer solchen Veranstaltung gemeinsam und wirksam gegen Altersarmut und soziale Benachteiligung älterer Menschen zu kämpfen, uns z.B. für ein Alters-Sorgentelefon einzusetzen, Fragen zu Schmerztherapie, „Gesundheitssystem" und Tod öffentlich zu machen? Sollten wir nicht endlich unsere Erfahrung in eine verstärkte Vernetzung mit der jüngeren Generation einbringen? Wie wäre es, wenn wir in dieser Veranstaltung begännen, in der Zielgruppe Verständnis zu wecken für Gegenwartskultur durch Vermittlung zeitgenössischer Kunst, Literatur und Musik? (Auszüge aus einem Brief von Klaus Küster, Fraktion der Linken, an Oberbürgermeisterin Beate Wilding, der heute auch zur Sitzung des Seniorenbeirats vorlag – im Zusammenhang mit den Vorbereitungen der diesjährigen „Woche der älteren Generation“)

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Kommentare

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Harald Sellner am :

Es wird endlich Zeit, dass man sich verabschiedet von dem Denken in Kategorien, die veraltet sind und Diskriminierungen befördern. Das durchschnittliche Alter in der Bevölkerung steigt unaufhörlich bis zur Mehrheit. In den politischen Gremien ist der Anteil der "Senior/innen" jetzt schon überdurchschnittlich. Es ist daher unnötig und hilft nicht weiter, Menschen über 60 als Senioren zu klassifizieren. Der Seniorenbeirat hat angesichts dieser Tatsachen keine Existenzberechtigung und kann ersatzlos gestrichen werden. Ähnlich diskriminierend ist, dass an den Schulen der Migrationshintergrund der Schüler und ihrer Eltern erhoben wird. Diese Daten haben für die pädagogische Arbeit an den Schulen keine Bedeutung. Wichtig sind hier Informationen über den Sprachstand, der aber nicht zwangsläufig mit dem Migrationshintergrund zusammenhängt.

Chronist am :

In zehn Jahren sind es nicht 22.000 Menschen im Alter von 60 plus, sondern dann sind es 33.000, die ein volles Drittel der Remscheider Bevölkerung ausmachen. Sollen diese Menschen weiter außen vor bleiben und die wachsende Gruppierung der Nichtwähler sukzessive verstärken? Jeder überzeugte Demokrat würde das als Gefahr für Staat und Gemeinden entschieden verneinen! (…) Politik bestimmt unser aller Leben, ohne politische Partizipation von Menschen der älteren Generation ist weder wirksames Mitmachen noch Mitbestimmen oder Mitentscheiden möglich. (…) Es geht aber auch um Respekt und Akzeptanz gegenüber älteren Menschen, die sich niemals nur durch Neubauten von Alten-und Pflegeheimen oder mit Fahrten in Blaue und ähnlichen nicht ziel führenden Aktionen unter Beweis stellen lassen. (…) Es trifft leider zu, dass im politischen Alltagsgeschäft die Interessen der Senioren zu wenig beachtet werden. Sie gelten etwa denen der Wirtschaft als nachrangig. Dazu kommt, dass sich leider derzeit in der öffentlichen Meinung zum Teil die Stimmung gegen die Senioren wendet. Es wird das düstere und unzutreffende Bild einer Alterslast, verbunden mit einer „gefährlichen" Übermacht der älteren Generation, gemalt. Deshalb… brauchen die Senioren gegenüber den politisch Verantwortlichen und in der Öffentlichkeit eine starke Vertretung, die energisch und erfolgreich ihre Interessen vertritt. Das können am ehesten ältere Menschen durch den Seniorenbeirat selbst tun, da sie die Belange der Senioren genau kennen. (aus einem Brief von Klaus Kowakowski, W.i.R., Mitglied des Seniorenbeirats, an dessen Vorsitzende Rita Jungesblut-Wagner)

Harald Sellner am :

Senioren brauchen gegenüber den politisch Verantwortlichen und in der Öffentlichkeit keine eigene starke Vertretung, die ihre Interessen vertritt, denn die Belange der Senioren kann keiner genau kennen. Senioren sind in ihren Bedürfnissen und Erwartungen genauso vielfältig wie der Rest der Bevölkerung. Ich bestreite mit Klaus Küster energisch, dass sich die Bedürfnisse der Senioren auf Angebote wie Kegeln, Skat und Fahrten ins Blaue konzentrieren. Politik für Senioren heißt familienorientierte Politik für alle.

Klaus Kowakowski am :

Herr Küster ist nicht mit entsicherter Kalaschnikow zum Seniorenbeirat gezwungen worden. Es war eine freiwillige Entscheidung, auf Grundlage seiner 69 Lebensjahre. Sein Beitrag belegt dann auch recht deutlich fundierte Erkenntnisse. In der vergangenen Wahlperiode gab es im Seniorenbeirat keine demokratische Zusammensetzung. Durch Schlafmützigkeit von Rot/Grün bestand einseitige Ausrichtung durch CDU-Dominanz. Darin bestehen Ursachen der von Herrn Küster zu recht kritisierten organisierten Bespaßung, die durch fragwürdigen Altenkult von der Wirklichkeit des Seins ablenken soll. Nun sind die Karten im Seniorenbeirat neu gemischt, und es besteht die Möglichkeit, durch harte Arbeit, entschlossenem Handeln und frei von einseitiger Parteidisziplin genau das zu erreichen, was Sinn und Zweck dieses Gremiums ist, nämlich die Lebensumstände älterer Menschen in Remscheid zu verbessern. Dazu ist jedes Mitglied im Beirat zum vorurteilsfreien, gemeinsamen Mitmachen aufgerufen. Herr Sellner ist seit mehreren Wahlperioden Mitglied im Migrantenbeirat / Integrationsausschuss. Ein Beirat/Ausschuss, der seit Bestehen nichts weiter als bloße Absichtserklärungen geliefert hat. Diese traurige Ergebnislosigkeit hat in Remscheid, einer Stadt mit hohem Anteil ausländischer Mitbürger, zum bedauerlichen Wachsen und Werden einer islamischen Parallelgesellschaft geführt. Wie desolat es in Wirklichkeit mit der Integration in Remscheid aussieht, hat 2009 die desatröse, manipulierte Wahl zum Migrationsausschuss gezeigt. Wer seit Jahren selber im Glashaus sitzt, wäre also gut beraten, nicht auf andere mit Steinen zu werfen und weitgehend unüberlegt politische Partizipation älterer Menschen in Frage zu stellen. Dazu kommt: Miesmacherei gegenüber der älteren Generation und Vorschieben vom "Schrecken" des demografischen Wandels wird überwiegend benutzt, um vom eigenen Versagen abzulenken. Natürlich ist es richtig, dass die Bedürfnisse älterer Menschen genauso vielfältig wie die Bedürfnisse der gesamten Bevölkerung sind. Aber sie sind und bleiben speziell, weil das Alter und das Älterwerden sukzessive besondere Anforderungen und Belastungen bereit hält. Dazu brauchen alle SeniorInnen eine starke politische Interessenvertretung, die gegenüber 16.597 abgegebenen Wählerstimmen zum Seniorenbeirat bis zur nächsten Kommunalwahl 2014 wirksame Ergebnisse zu verantworten hat. Etwas zum Nachdenken: Als Wahlhelfer am 9.5. 2010 habe ich von 8 bis 18 Uhr aufmerksam die Wahlbeteiligung beobachtet. Im Wahllokal der EMA waren es nahezu ausschließlich Bürgerinnen und Bürger ab 30 - und in großer Zahl alte und behinderte Menschen - die ihrem demokratischen Wahlrecht pflichtbewusst nachkamen. Das zur erkennbar einseitigen Ausrichtung der Jugendpartei Bündnis 90/Die Grünen.

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