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Mit Vier im Kinderwagen und noch keinen Wald gesehen

 

Foto: Heinz MajewskiNeue Sportanlage für zwei Grundschulen eröffnet“, titelte der Waterbölles am 3. September 2008 (Foto rechts). Für die Schülerinnen und Schüler der Daniel-Schürmann- und der Julius-Spriestersbach-Grundschule war sie damals „die Attraktion“. Und der Schulhof, den sich die beiden Grundschulen ebenso teilen (müssen) wie das langgestreckte Schulgebäude an der Palmstraße, gewann damals an Anziehungskraft auch außerhalb der Unterrichtszeiten. Kein Platz mehr zum Spielen. Foto: privat.Schade, dass das neue Klettergerüst auf dem Platz im November 2009 gesperrt werden musste, weil Jugendliche den Kunststoffboden beschädigt hatte. Die gute Nachricht: In diesem Jahr soll er repariert werden.

Die Schulhöfe gehören zu den bevorzugten Spielplätzen von Kindern zwischen sieben und zehn Jahren, da sind sich die beiden Schulleiterinnen Magdalena Majewski und Regina Bergermann einig. Darin hat sie eine Befragung in den zweiten bis vierten Klassen bestätigt. Schulhöfe sind ideal Skatboarden, Radfahren oder Inlinern. Schade eigentlich, dass sie vielfach bis 16.30 Uhr für Gruppen der Offenen Ganztagsgrundschulen (OGGS) reserviert sind. Doch die Aufsichtskräfte haben mit den ihnen anvertrauten Kindern dann genug zu tun; von (versicherungs-)rechtlichen Fragen ganz abgesehen. Zumal ältere Kinder sich erfahrungsgemäß nicht immer an die „Spielregeln“ halten.

Was also machen Kinder, wenn sie um 15 Uhr ihre Hausaufgaben gemacht haben, die Schulhöfe aber noch die nächsten anderthalb Stunden „besetzt“ sind? Sie suchen anderswo Freiflächen zum ungestörten Toben. Besonders beliebt (der Umfrage zufolge): Der Stadtpark, das „Sonnenbad“ auf Honsberg und der Bökerspark. Da werden dann auch schon mal weitere Wege in Kauf genommen, zum Beispiel von der Wohnung an der Bismarckstraße bis zum Kremenholl. Überrascht hat die beiden Schulleiterinnen, wie oft bereits Achtjährige sich „Plätze mit Sitzecken im Grünen“ wünschten, um dort einfach mal mit Freunden „abhängen“ zu können. Vor allem dann, wenn die einzigen „Spielplätze“ in der Nähe der Wohnung asphaltierte Hinter-/Garagenhöfe sind.

BV-Mitglieder besichtigen das Gelände des neuen Spielplatzes an der Palmstraße. Foto: Lothar KaiserBezirksbürgermeister Otto Mähler (SPD) und einige Mitglieder der Bezirksvertretung (BV) Alt-Remscheid erfuhren das gestern im Gespräch mit den Lehrerinnen sowie den Leiterinnen von Kindertagesstätten, OGGS-Verantwortlichen, Vertreter/innen des städtischen Jugendamtes und Mitgliedern des  Arbeitskreises „Kinder und Jugendliche in der City“. Es war die erste Veranstaltung „BV vor Ort“, der Mähler weitere folgen lassen will, um an die für politische Entscheidungen wichtigen „Informationen aus erster Hand“ zu gelangen. Bei dieser Gelegenheit erläuterte Michael Biskupek, bei der Stadt für die Spielflächengestaltung zuständig (Bildmitte rechts), wie er sich den neuen Spielplatz an der Palmstraße (auf dem ehemaligen Hallenbadgelände) vorstellt. Wann mit dem Bau begonnen wird? Jugendamtsleiter Michael Ketterer musste die Antwort schuldig bleiben: „Die Mittel sind im Etat eingestellt; aber wir sind von der Freigabe noch weit entfernt!“ Die städtische Finanzmisere macht sich eben überall bemerkbar!

Im Mittelpunkt der Schülerbefragung hatten diese vier Fragen gestanden: „Wo spielst Du gerne? Was gefällt Dir da? Was stört Dich? Was fehlt Dir?“ Auffällig, dass nur zwei Kinder als störend „Penner“ bzw. „Alkohol trinkende Erwachsene“ genannt hatten. Ein Problem, das Kommunalpolitiker und andere Erwachsene in der Vergangenheit wiederholt ganz anders bewertet hatten. Unter den Antworten war auch ein Wunschtraum, der aber unerfüllt bleiben wird: Ein „Kinderhaus“ in Remscheid nach dem Beispiel des „Uppsala-Hauses“ in Wuppertal-Vohwinkel. Der Grundschüler, der es sich wünschte, hatte dafür auch schon den ihm geeignet erscheinenden Ort ausgemacht: das ehemalige Textilhaufhaus Sinn-Leffers an der Alleestraße.

Die Fußgängerzone nannten übrigen viele Kinder als ihren Spielplatz, ältere Grundschüler des Weiteren auch das Alleecenter. Wohl deshalb, weil sie mit ihren Eltern dorthin zum Einkaufen gehen, wurde beim gestrigen Expertengespräch vermutet. Echtes Spazierengehen mit der Familie, etwa ins grüne Umland, zum Beispiel in den Wald auf dem Hohenhagen, scheint aus der Mode gekommen zu sein, wie Heike Schwerte, Leiterin der Kita Nordstraße (Elterninitiative Kraftstation e.V.) berichtete. „95 Prozent der Kinder, die mit drei Jahren in unsere Kita kommen, kennen gar keinen Wald!“ Den lernen sie dann mit ihren Erzieherinnen kennen. „Und sind schon fix und fertig, wenn wir den Hohenhagen nach 20 Minuten erreicht haben!“ Längeres Gehen scheint für die Kleinen ungewohnt zu sein. Kein Wunder, so die Kita-Leiterin weiter, wenn man sehe, dass Müller selbst noch ihre drei- und vierjährigen Kinder im Kinderwagen mit zum Einkaufen nehmen, weil sie sie dann besser unter Kontrolle haben!“

Bewegungsarmut im Vorschulalter, aber auch später noch. Dafür sorgt der Computer, für viele Acht- und Neunjährigen inzwischen das Spielgerät Nr. 1. Auch das ergab die Befragung. Eine ganze Reihe von Kindern gab an, nachmittags zum Spielen gar nicht mehr nach draußen zu gehen. Wegen der „weiten Wege“?

Was in der Innenstadt fehlt, ist ein großer, hoch eingezäunter Platz für Ballspiele, wie man sie in amerikanischen Spielfilmen gelegentlich sieht. Doch auch dies wird ein Wunschtraum bleiben. Denn ein solches Bauvorhaben würde aller Voraussicht im Laufe des Planverfahrens an den Einsprüchen der Anlieger scheitern („Lärmbelästigung“). Daniela Kann, städt. Spielflächenmanagerin: „Die bestehenden Kinderspielplätze haben aber Bestandsschutz!“ Und können bei Bedarf auch erneuert werden, wie es jetzt beim Spielplatz mit Hilfe von Spendengeldern gegenüber dem Stadttheater geschehen ist.

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