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Honsberg: Es gibt viel zu tun, fangen wir an!

„Ich lebe gerne auf dem Honsberg“, war auf Aufklebern zu lesen, die vor Jahren im Remscheider Stadtteil Honsberg an vielen Autos prangten. Längst sind sie verwittert, abgewaschen oder verschwanden mit den Autos in der Schrottpresse. Ehrlichen Herzens bekennen sich  heute – auch ohne Aufkleber - nur noch wenige Bewohner des Honsberg zu ihrem Viertel. Sicher, man ist schnell im Grünen, und in der gut besuchten Bürgerversammlung gestern im „Lindenhof“ war niemand, der sich auf dem Honsberg unsicher fühlt oder gar bedroht („Ich kann hier auch nachts alleine durch die Straßen gehen“, sagte eine Anwohnerin). Doch es überwiegen die Nachteile. Auf die hatte die von engagierten Bürgern gegründete „StadtteilEntwicklungsKonferenz (SEK)“  bereits zwei Tage zuvor  in einer Sitzung der Bezirksvertretung Alt-Remscheid hingewiesen.

Daran knüpften Ute Friedrich-Zielas und Pfarrer Stefan Richert  und andere gestern an, indem sie mit Hilfe von Schaubildern (jeweils in deutscher und türkischer Sprache) darlegten, wie sie sich den Honsberg wünschen: Prall gefüllt mit Leben, mit netten Nachbarn, guter Versorgung, und mit einer freundlichen Atmosphäre, eben so, dass man stolz darauf sein könnte, hier zu wohnen. Dass Elym Cansis, eine angehende Grundschullehrerin türkischer Herkunft, diesen kurzen Einstieg ins Thema für drei bis vier Türken übersetzte, die zuvor bekannt hatten, nicht über genügend Deutschkenntnisse zu verfügen, wäre wegen der Schaubilder zwar verzichtbar gewesen, war aber als Willkommensgeste zu verstehen (und im übrigen ein lautmalerisches Erlebnis). Doch fast hätte dieser gut gemeinte Multikulti-Einfall die Bürgerversammlung eskalieren lassen (siehe Kommentar).

Stefan Richert muss die Gefahr geahnt haben, dass selbst in dieser Runde -  dafür da, die Zukunft des Honsbergs mitzugestalten – Ressentiments von der einen der anderen Seite wieder laut werden würden. Denn er mahnte: „Das schaffen wir nur gemeinsam, und nicht, indem wir nach Schuldigen suchen und nur das Negative herausstellen. Wir möchten, dass es voran geht. Grabenkämpfe führen zu nichts!“

In fünf Arbeitsgruppen konnten die Besucher der Bürgerversammlung sodann aufschreiben, was ihnen in ihrem Stadtviertel besser werden müsste, ihre Ziele (türk. Amaçlarımız), ihre Eindrücke (türk. Izlenimlerimiz ) und ihre Visionen (türk. Geleceğimiz ), wie es in einer Diaprojektion geheißen hatte. Und taten es auch, wobei allerdings die zusätzliche mündliche Übersetzung ins Türkische zumindest in einer Gruppe noch für hitzige Diskussionen sorgte, die mehr als die Hälfte der vorgesehenen Zeit beanspruchten. Vertane Zeit angesichts der schwierigen Aufgabe der Wohnumfeldverbesserung, der sich SEK gestellt hat.

Zurück im Plenum, wurde vorgestellt, was die Arbeitsgruppen stichwortartig und möglichst vorurteilsfrei (türk. Fikirlerin birleşimi)  zu Papier gebracht hatten. „Verständnis und Toleranz entwickeln für andere Kulturen“, hieß es da. Aber auch: „Kritik üben, wen sich jemand gegen Integration sträubt“. Denn daran hapere es auf dem Honsberg, stellte eine Bewohnerin fest. „Ich bin als Multikulti-Mensch vor zwei Jahren hier hin gezogen, fühle mich aber nicht wohl hier!“

Ihre Tochter besuche die vierte Klasse der Grundschule und sie finde keine türkische Freundin, sagte eine andere. Zwischenruf: „Meine war gerade auf einem türkischen Kindergeburtstag!“ Wer Integration (nicht als Einbahnstraße verstanden) wolle, müsse nach Gemeinsamkeiten suchen und sie ausbauen, hatte eine Arbeitsgruppe vermerkt und dazu die passende Forderung an die Eltern parat:“ Machen Sie sich mehr Gedanken über die körperliche und geistige Entwicklung ihrer Kinder und setzen sie sich dafür ein!“

Als die größten Schandflecke des Honsberg bezeichnete Anwohner Max Paas das abgebrannte Möbelhaus vom Stein, seit Jahren eine Ruine, sowie fünf größtenteils leer stehende Mietshäuser der GEWAG. Dieser Vorwurf treffe aber auch die Stadt Remscheid; sie sei schließlich Hauptanteilseigner der Wohnungsbaugesellschaft. „Diese Schandflecke schrecken Wohnungssuchende ab und befördern die Ghettoisierung des Stadtviertels“, sagte er. „Stadt und GEWAG müssten ihre Politik ändern.“ Jeglicher Verzögerungstaktik sollten die Bürger entschieden entgegentreten. (Unter den Zuhörern war neben mehreren Ratsmitgliedern auch Gewag-Vorstand Hans-Jürgen Behrendt, der es in der Sitzung der Bezirksvertretung vorgezogen hatte, über „seinen“ Wohnungsbestand in Honsberg im nichtöffentlichen Teil der Sitzung zu berichten.)

Fast schon utopisch wirkte die große Wunschliste, mit der die Honsberger Bürger schließlich die SEK an die Arbeit schickten: Neue Einfamilienhäuser, Ärztefachhaus, Abriss alter Häuser, Hundeklo, Altenwohnungen, neue Hausanstriche, saubere Vorgärten, ein Waschsalon, ein Wochenmarkt („Eier- und Gemüsemann kommen ja schon und könnten sich verabreden“), ein Multikulti-Weihnachtsmarkt („wie aus dem Märchen“) - die Liste war noch länger. Sie zu ordnen und Prioritäten zu setzen ist nun Aufgabe der „StadtteilEntwicklungsKonferenz. Mit dieser Forderung einer Arbeitsgruppe kann sich allerdings jeder einzelne Bewohner des Honsberg auseinandersetzen: „Positiver Denken!“ Das kann ihm kein anderer abnehmen.

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Kommentare

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Stefan Richert am :

Danke!!! Die Stadtteil-Entwicklungs-Konferenz Honsberg möchte sich bei allen Bürgerinnen und Bürgern bedanken, die gestern so zahlreich an der Bürgerversammlung im Lindenhof nicht nur teilgenommen, sondern mitgewirkt haben. Viele Vorschläge und Visionen haben sie zusammengetragen, um die schönen, gelungenen und liebenswerten Seiten des Honsbergs wieder in den Vordergrund zu rücken. Gemeinsam wollen wir daran arbeiten.

Klaus Kowakowski am :

Irgenwie erinnert mich die Honsberger Wunschliste an das Märchen vom Fischer und seiner Frau. Auf jeden Fall ist die Frage angebracht, wie diese Wunschliste zu finanzieren ist. Ist den Verfassern bekannt, dass die zuständige Aufsichtsbehörde über jede einzelne Maßnahme der Stadt Remscheid entscheidet, die Stadt aufgrund extremer Verschuldung (aktuell 580 Millionen Euro) längst nicht mehr handlungsfähig ist? Klar, die Bauruine "vom Stein" ist genau so ein Schandfleck wie die Häuser vis-à-vis vom Lindenhof. Aber immer nur zu fordern oder auf GEWAG abzuschieben, ist heute bei leeren Kassen "nicht mehr drin". Es gibt doch die hübsche Geschichte vom Baron Münchhausen, der sich an den eigenen Haaren aus dem Sumpf befreite. Was damit gesagt werden soll? Ganz einfach: Eigeninitiative und Eigenverantwortung sind bei leeren Kassen angesagt. Und das fehlt in der Wunschliste. Aber es fehlt noch mehr. Nämlich berechtigte Forderungen nach längst fälliger Verbesserung der Verkehrs-Infrastruktur. Anregung für eine ordentliche Verbindungsstraße "Oberes Lobachtal" mit Bliedinghausen, eine Verbindung vom oberen Honsberg zum Blumental, die parallel zur Bahnstrecke verläuft, und ein Naherholungsbereich "Heinrich Reinhold Park". Diese Maßnahmen haben bei überzeugender Projektgestaltung nicht nur Chancen auf Landesföderung, sondern sie enthalten auch eine nachhaltige und sinnvolle Aufwertung des Stadtteils Remscheid Honsberg.

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