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Ausstellung erinnert an den Ehrenbürger Richard von Hardt

Richard von Hardt. Foto um 1888:  Lambeck, Lennep.Am 2. Dezember 1890 wurde Richard von Hardt die Ehrenbürgerschaft der Stadt Remscheid verliehen. „Nach 120 Jahren ist viel in Vergessenheit geraten“,  weiß F. Werner von Wismar. Doch das, was er er über  Richard von Hardt zusammengetragen hat, reicht aus für eine interessante Ausstellung. AmFreitag,  3. Dezember, wird sie um 17 Uhr im Tuchmuseum in Lennep vor geladenen Gästen durch Oberbürgermeisterin Beate Wilding eröffnet, und abSonntag,  5. Dezember, 14 Uhr,  ist sie dann zu den üblichen Öffnungszeiten von jedermann zu besichtigen. "Was Peter Hasenclever im 18. Jahrhundert für Remscheid gewesen ist, war im 19. Jahrhundert Richard von Hardt für Lennep", schreibt Karl Blasberg in seinem 1901 erschienen Buch über die Kreise Lennep und Remscheid. In Lennep wurde Richard Hardt im Jahre 1824 als Sohn des Tuchfabrikanten Engelbert Hardt geboren. Er war noch nicht 23 Jahre alt, da schickte Vater Engelbert ihn (und den älteren Bruder Heinrich)  nach New York, um dort die Lenneper Tuche der Firma Johann Wülfing & Sohn zu vermarkten. Durch maßvolle Ruhe, frischen Unternehmungsgeist und Wagemut kam das Geschäft zu hoher Blüte. Dem Waterbölles stellte F. Werner von Wismar freundlicherweise den nachfolgenden Aufsatz von Heinrich von Hardt aus dem Jahre 1958 zur Verfügung, in dessen Mittelpunkt dieser seinen Großvater Richard von Hardt gestellt hat:

Richard Hardt.Elise Hardt.„Richard Hardt absolvierte seine kaufmännische Lehrzeit im Hamburger Kaufmannshaus Schemmann. Elise Schemmann wurde später seine Frau. Mit der Entsendung nach New York im Jahre 1846… beginnt seine erste selbständige kaufmännische Tätigkeit. Am 1. Juli 1847 gründete er zusammen mit seinem Bruder Heinrich in New York die Firma Hardt & Co. Die junge New Yorker Firma nahm nach den von ihm selbst geschilderten Anfangsschwierigkeiten bald eine günstige Entwicklung. Zwischen den Brüdern Richard und Heinrich Hardt wurde ein dreijähriger Turnus vereinbart in der Weise, dass einer von ihnen drei Jahre in New York und der andere drei Jahre in Europa ( zum Einkauf ) seinen Wohnsitz nehmen sollte. Zum letzten Mal war Richard Hardt in den Jahren 1856 -1859 in New York. Als Einkaufshaus für die New Yorker Firma wurde 1854 von Richard und Heinrich Hardt (gest. 1889 ) die Firma Hardt & Co., Berlin, gegründet. Zwischen den Firmen Hardt & Co. In Berlin und der elterlichen Firma Johann Wülfing & Sohn in Lennep bestand stets eine enge Zusammenarbeit. Die Firma Hardt & Co., Berlin, entwickelte sich im Lauf der Jahrzehnte zu einem bedeutenden Import- und Exporthaus mit vielseitigen Beziehungen zu Nord- und Südamerika, sowie Australien. Filialen wurden in Buenos Aires ( mit umfangreichem Wollhandel ), in Montevideo, Lima, Arequipa, Trujillo, Valparaiso, Conception, Santiago, La Paz und  Sidney ( mit ausgedehnter Wollabteilung ) unterhalten und brachten das Unternehmen zu hoher Blüte.

In der Firma Hardt & Co., die auch Niederlassungen in Verviers und Lyon errichtet hatte, leitete Heinrich Hardt speziell das New Yorker Geschäft, während Richard Hardt den finanziellen Dispositionen sowohl der Berliner wie auch der Lenneper Firma und dem allgemeinen Export Geschäft seine Tätigkeit widmete. (…)

Viele Ehrenämter wurden von Richard Hardt bekleidet, manche Wohltätigkeitsveran-staltungen von ihm ins Leben gerufen oder gefördert. Im Jahre 1888 wurde er von Kaiser Friedrich III in den preußischen Adelsstand erhoben. Auch Kaiser Wilhelm II hat ihn vielfach ausgezeichnet, so mit der Verleihung des Hohenzollernschen Hausordens und des Wilhelmordens. Letzterer war eine Stiftung von Kaiser Wilhelm II zum Gedächtnis an seinen Großvater Kaiser Wilhelm I. Der Orden bestand aus einer schweren goldenen Kette (ähnlich den Amtsketten der Bürgermeister) mit anhängender Medaille mit dem Bildnis Wilhelms I. Dieser Orden war nur für Zivilisten bestimmt für hervorragende Leistungen auf kulturellem, wirtschaftlichem und karitativem Gebiet. Der Wilhelmsorden wurde sehr selten verliehen.

Richard Hardt gehörte ferner zu den Stiftern der Kaiser–Wilhelm–Gedächtniskirche in Berlin Charlottenburg, deren 1. Kurator er war. Im alten Turm der Kirche, die im zweiten Weltkrieg zerstört wurde, befindet sich noch heute ein Stifterrelief in Marmor mit der Unterschrift: „Gestiftet von Richard von Hardt“. Ferner war er Mitbegründer und Kurator des Lazarus–Krankenhauses in Berlin. Er war Ehrenbürger seiner Vaterstadt Lennep.

Zahlreichen wirtschaftlichen Gremien gehörte Richard von Hardt an. So war er 34 Jahre lang, von  1864 bis zu seinem Tode 1898 Mitglied des Aufsichtsrates der Discont –Gesellschaft, der ältesten der vier Berliner Großbanken. Richard Hardt erbaute 1882 zusammen mit seinem Bruder Heinrich an der Tiergartenstraße von Berlin ( Ecke Friedrich – Wilhelm – Straße und Hofjäger – Allee ) ein Haus, das mit seiner klaren Linienführung und seiner bedeutenden Größe vielleicht das schönste und markanteste der damals repräsentativsten Wohnstraße Berlins war. Im Berliner Volksmund wurde es die Hardtburg oder das rote Palais genannt.

In den 1860-er Jahren hatte Richard Hardt bei Nowy Tomysl (Neutomischel) in der Privinz Posen aus polnischem Besitz die (heruntergekommene) Herrschaft Wonsowo (3.700 ha) (Anm.: nach anderen Quellen ca. 1.500 ha) mit den Gütern Wonsowo (auch: Wasowo), Chraplewo und Glupon erworben. Rechard Hardt führte dort den Zuckerübenanbau ein und begründete in dem nicht weit von Wonsowo gelegenen Opalenitza eine Zuckerfabrik, die bis 1914 die zweitgrößte Zuckerfabrik des deutschen Ostens war. Im Zusammenhang damit war er einer der Mitbegründer einer Kleinbahngesellschaft, die für diesen Teil der Provinz nicht nur dem Rübentransport, sondern auch dem allgemeinen Güterverkehr und dem Personenverkehr diente. (…) [Wilhelm R. Schmidt ergänzend: "Wonsowo wurde zu einem der angesehensten Mustergüter mit einem bedeutenden Englischen Park. Das Gut, das seine Geschichte bis in die mittelalterliche Geschichte der Benediktiner zurückführt, ist heute ein Luxushotel. Es  war bis  in  den 2. Weltkrieg noch in Familienbersitz."]

Die Sommerferien verbrachten wir fast immer bei unserem Großvater in Wonsowo oder in dem benachbarten Chraplewo, wo unser Vater 1888 ein stattliches Gutshaus erbaut hatte. Unvergesslich die Mittagstafel in Wonsowo, der Richard Hardt wie ein Patriarch präsentierte. Nach alter Sitte tranchierte er stets den Braten selbst. Der Diener, der ihm die Teller reichte, musste ihm jedes Mal sagen, für wen das Stück bestimmt war. Danach richtete sich nicht nur die Art des Stückes, sondern es wurde auch stets begleitet von einer humorvollen Bemerkung an die Adresse des Empfängers. Sein stets bereiter Humor war eine der liebenswürdigsten Seiten seines Wesens.

Wenn das erste Frühstück, das stets pünktlich gemeinsam eingenommen wurde, beendet war, ertönte seine Stimme: “fetch the book.“ Dann sprang derjenige der Enkel, der gerade an der Reihe war, auf und holte „the book“, das Andachtsbuch. Und dann hielt Richard Hardt an der Frühstückstafel die in seiner Generation noch übliche Morgenandacht. Unvergesslich sein abschließendes Vaterunser mit seiner tiefen Stimme, die wie Orgelton klang.

Richard Hardt ging gern über den Gutshof. Und die Dorfstraße nach dem für seine Gutsarbeiter von ihm ins Leben gerufenen Konsum–Kaufhaus. Wenn er auf der Dorfstraße auftauchte, heftete sich sofort ein Schwarm von Kindern an seine Fersen. Und wenn er die wenigen Stufen, die zum Laden hinaufführten, hinaufgestiegen war, dann erwartete ihn oben der Ladenverwalter mit Armen voll Brot, die Richard Hardt an die Kinder verteilte. Zum Schluss kamen noch einige Hände voll Bonbons (…).

Ich werde es nie vergessen, wie ich ihn einmal friedlich durch den wundervollen Wonsower Park mit seinem uralten Baumbestand schreiten sah. Seine große Gestalt hoch aufgerichtet, in seinem der damaligen Sitte gemäßen langen schwarzen Rock und dem großen schwarzen Schlapphut: Es war wohl in seinem letzten Lebensjahr. Damals schien er mir eine fast legendäre Persönlichkeit zu sein. Heute weiß ich, dass, als er meinen Blicken im Schatten der Bäume entschwand, mit ihm ein Zeitalter in die Vergangenheit eingegangen ist. (…) Er schloss die Augen am 29. September 1898 in Berlin und fand seine letzte Ruhestätte im Park von Wonsowo." (Berchtesgaden–Königsee,1958, Heinrich von Hardt)

Wilhelm R. Schmidt ergänzend: „Am 5. 2. 1891 fuhr eine Deputation der Stadt Lennep nach Berlin, um den Ehrenbürgerbrief zu überreichen. Aus dem Dankschreiben Richard von Hardts geht hervor, wie sehr er seine Heimatstadt liebte. Es heißt dort wörtlich: “Mit meinem ganzen Herzen und inniger Liebe hänge ich an meiner Heimatstadt Lennep.“ Dies bewies er mit einer Reihe von Stiftungen in den Jahren 1894 bis 1897, und zwar spendete er: 10.000 Mark für den evangelischen Frauenverein, „in welche meine unvergessliche Mutter stets mit Liebe gearbeitet hat“; 10.000 Mark dem evangelischen Vereinshaus; 10.000, Mark der Unterstützungskasse und Pensionskasse für Fabrikarbeiter; 10.000 Mark für den Stadtgarten in Lennep (später Kommunalfriedhof). Am 29. 9. 1898 erlag Richard von Hardt einem Herzschlag in Berlin und wurde später auf seinem Gut Wonsowo (heute Polen) beigesetzt. Zu seinem Begräbnis entsandte die Stadt Lennep eine Deputation von drei Herren: Bürgermeister Stosberg, die Stadtverordneten Franz Heinrich Müller und Hammacher. Seine Erben spendeten aus Anlass seines Ablebens aus seinem Nachlass 7.000 Mark der Stadt Lennep für die arme Bevölkerung. Sein Porträt – ebenfalls eine Stiftung der Erben – hing lange Zeit im Lenneper Rathaus. Seine Vaterstadt  Lennep, heute zu Remscheid gehörend, ehrte ihn dadurch, dass sie ihn zu ihrem ersten Ehrenbürger ernannte.“

Waterbölles: Die Firma H&Co wurde ab 1936 auf Beschluss der Konsortiums Hard -Wülfing zurückgefahren und bis 1941 mit den überseeischen Besitzungen liquidiert. Der Wollhandel Hardt & Co wurde aber nach dem Weltkrieg II fortgeführt.

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Kommentare

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Franz Werner von Wismar am :

Wasowo bei Posnan, das Schloss des Remscheider Ehrenbürgers Richard von Hardt, wurde in der Nacht von Samstag zu Sonntag ein Raub der Flammen. Der Schaden scheint beträchtlich zu sein. Weitere Informationen liegen bisher nicht vor. Wonsowo wird auch im Tuchmuseum Lennep in der Sonderausstellung zu Richard von Hardt gezeigt. (Waterbölles: Fotos und YouTube-Filme vom Brand auf http://tinyurl.com/6envtuj)

Chronist am :

In der gestrigen Sitzung der Bezirksvertretung Lennep übergab Werner von Wismar Bezirksbürgermeister Rohrweck in Buchform eine Dokumentation der Ausstellung über den Lenneper Ehrenbürger Richard von Hardt mit der Bitte um Weiterleitung an das Stadtarchiv.

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