Skip to content

Anzeige

Bau-Innung Remscheid Innung für elektrotechnische Handwerke Remscheid Fachinnung für Metall- und Graviertechnik Innung für Sanitär- und Heizungstechnik Remscheid
Dachdecker-Innung Remscheid Friseur-Innung Remscheid Maler- und Lackierer-Innung Remscheid Kraftfahrzeughandwerk Remscheid

Remscheids einziger Streetworker hat Arbeit in Hülle und Fülle

Ob sich Remscheids einziger Streetworker Hans-Gerd Zimmer wie Sisyphos vorkommt, der Held der griechischen Mythologie, der dazu verdammt ist einen Felsblock einen steilen Hang hinaufzurollen, dem aber kurz vor dem Gipfel der Stein immer wieder entgleitet, - ich weiß es nicht. Aber ich bin sicher, dass er Sisyphus-Arbeit leistet. Denn er kümmert sich in Remscheid um Jugendliche im Alter von 12 bis 20 Jahren, die sozial benachteiligt, in besonderen Notlagen oder schwierigen Lebensverhältnissen/Krisensituationen und die von den herkömmlichen Angeboten nicht erreicht werden. Und davon gibt es in Lennep, Lüttringhausen und Alt-Remscheid etliche. Der Streetworker ergänzt und erweitert so die bestehenden Angebote der Jugendhilfe und Jugendsozialarbeit.  Ein „Einzelkämpfer“, sagt Sozialkdezernent Burkhard Mast-Weisz, könne jedoch nur ein Problem nach dem anderen angehen. Und dass er jedes auf Anhieb löst,  wäre  von den Anwohnerinnen und Anwohnern zuviel erwartet gewesen, die sich in den vergangenen zwei Jahren an ihn wandten. Weil sie sich durch Jugendliche gestört fühlten. Auf der Straße, in Parks. Durch Lärm, Verschmutzungen oder Sach­beschädigungen. Der Bericht der Stadtverwaltung über die Arbeit des Streetworkers spricht in Soziologendeutsch von „Konfliktkonstellationen bei der Nutzung öffentlicher Plätze, in denen Jugendliche als Störung erlebt wurden.“  Im vergangenen und im Laufe dieses Jahres war das in den Ortsteilen Rosenhügel, Bergisch Born, Kremenholl und Hasenberg besonders häufig und meist über einen längeren Zeitraum der Fall. Insgesamt hatte es der Jugend-Streetworker in dieser Zeit mit dreißig Konflikten zu tun. Und einige davon löste er unter Einbeziehung der Jugendlichen, indem er ihnen alternative, weniger störende Freizeitmöglichkeiten aufzeigte, meist in Zusammenarbeit mit Einrichtungen und Vereinen im jeweiligen Stadtteil. Denn gerade „Einzelkämpfer“ brauchen Unterstützung.

Ein Streetworker ist ein  Moderator, ein Vermittler zwischen den Beteiligten, kein einseitiger Ermittler/Fahnder. „Auf der Grundlage einer gemeinsamen Einschätzung der Problemlage vereinbart er mit den Jugendlichen in einer konstruktiven Atmosphäre möglichst früh Ziele, um eine weitere Eskalation zu vermeiden“, heißt es in den Bericht der Verwaltung, der Anfang November auf der Tagesordnung des Jugendhilfeausschusses stand. Beispiele für erfolgreiche Moderation:

  • In Reinshagen wurde das Areal an der Sporthalle West mit einem Unterstand und der Skatefläche regelmäßig von einer Gruppe Jugendlicher gereinigt. Die gemeinsam mit den Jugendlichen geplante Skatefläche wurde mit Skate-Elementen ausgestattet. Der gesamte Prozess von der Planung des Geländes, der baulichen Umsetzung und der Regelung von Nutzungen und Konflikten wurde von Jugend-Streetwork in Zusammenarbeit mit dem Reinshagener Tunerbund 1910 e.V. begleitet.
  • Als herauskam, dass eine Gruppe Jugendlicher illegal eine BMX-Strecke im Wald errichtet hatte, begleitete der Streetworker die Gruppe bei der Schadensbehebung, der Klärung mit den Ordnungsbehörden und bei der Suche nach legalen Möglichkeiten für die Ausübung ihres Sports begleitet. So entstand durch die Jugendlichen selbst in 5.000 Arbeitsstunden auf dem Sportplatz Holz innerhalb von zwei Jahren eine attraktive BMX-Strecke. Die Jugendlichen gründeten den Verein „Sprungsucht e.V.", und im Mai 2006 konnte die Anlage eingeweiht werden (der Waterbölles berichtete).
  • Im Rahmen des Angebots „Fußball um Mitternacht" betreute der Streetworker in Zusammenarbeit mit dem Sportamt 2005 und 2006 bisher insgesamt 15 nächtliche offene Wochenend-Turniere für Jugendliche mit jeweils 100 bis 200 Jugendlichen die nicht in Vereine eingebunden sind. Auch war er an „Basketball-Nacht", „Mädchen-Fußball-Turnier" und „Anti-Drogen-Disco" beteiligt.
  • Für Jugendliche in der Innenstadt hat der Streetworker in Zusammenarbeit mit der Sportjugend das Angebot „Indoor-Fußball in der City" initiiert: In der Sporthalle der Daniel-Schürmann-Schule können Jugendliche ohne Voranmeldung oder Vereinsmitgliedschaft einen Abend in der Woche Fußball spielen. Mit mehr als 20 Jugendlichen je Abend ist die Nachfrage gut.
  • Bei den wöchentlichen Spielaktionen im Bökerspark und im Rosenhügel sowie großen Jugend-Veranstaltungen (AGOT-Party, Jugendkulturfestival, Open RS) ist der Streetworker dabei; eine gute Gelegenheit, Kontakte zu Jugendlichen im öffentli­chen Raum zu pflegen mit dem Ziel der Konfliktvermei­dung.

Die Aufgaben von Jugend-Streetwork:

  1. Das regelmäßige Aufsuchen junger Menschen an ihren Treffpunkten und die Pflege des möglichst dauerhaften Kontaktangebotes.
  2. Die Beratung und Einzelfallhilfe mit dem Ziel der Entwicklung oder Vermittlung praktischer Hilfen, die konkret auf die individuelle Situation der jungen Menschen zugeschnitten sind.
  3. Die Begleitung von Gruppen und Cliquen junger Menschen in ihrem Sozialraum. Die Gruppe vermittelt jungen Menschen das Gefühl von Sicherheit, Zugehörigkeit und Stärke. Die Chancen der Gruppe als positive Sozialisationsinstanz sollen gestärkt und die Möglichkeiten der Selbstorganisation gefördert werden. Gemeinsam mit den Gruppen und mit hoher Beteiligung der jungen Menschen werden Konflikte ausgehandelt, Lösungen gesucht und Angebote entwickelt.
  4. In Kooperation und gemeinsamer Anstrengung mit Bürgerinnen und Bürgern, Einrichtungen, Vereinen und Initiativen sollen die Lebenssituation junger Menschen verbessert, bestehende Konflikte entschärft und passende Angebote entwickelt werden.

Die Ziele von Jugend-Streetwork:

  • Die Vorbeugung und Vermeidung von sozialer Ausgrenzung, von Benachteiligungen und Gefährdungen junger Menschen in ihrem Alltagsleben und die Verbesserung ihrer Lebenssituation
  • Die Erweiterung der sozialen Handlungskompetenz junger Menschen und das Eröffnen von Chancen zur Le­bensbewältigung
  • Die Vermittlung von Orientierungshilfen bei verschiedenen Lebensfragen
  • Die Vermittlung des Zugangs junger Menschen zu den bestehenden Hilfsangeboten und Freizeitmöglichkeiten und die Initiierung neuer und bedarfsgerechter Angebote
  • Die Vertretung der Interessen von Gruppen, Cliquen und Szenen
  • Die Erhaltung, Sicherung und Schaffung öffentlicher Räume und Treffpunkte für junge Menschen unter Beteili­gung der Jugendlichen
  • Die möglichst frühzeitige Deeskalation von Konflikten mit jungen Menschen im öffentlichen Raum

Die Arbeitsprinzipien von Jugend-Streetwork:

  • Sie arbeitet lebensweltorientiert, alltagsbegleitend und akzeptierend.
  • Niederschwelliqkeit und Lebensweltorientierunq: Jugend-Streetwork  sucht die jungen Menschen an ihren Treffpunkten in ihrem sozialen Lebensraum auf. 
  • Ressourcenorientierunq: Jugend-Streetwork setzt an den Stärken, Talenten und Ressourcen junger Menschen an.
  • Freiwilligkeit und Vertrauen: Die jungen Menschen entscheiden über Art und Umfang des Kontakts. Jugend-Streetwork versteht ihre Arbeit als Angebot an die jungen Menschen. Zum Aufbau einer tragfähigen Beziehung ist Vertrauen sehr wichtig, so werden persönliche Informationen vertraulich behandelt und alle weiteren Schrit­te in Abstimmung mit den Jugendlichen durchgeführt. Der Aufbau einer tragfähigen Vertrauensbeziehung ist gerade auch für eine kritische pädagogische Auseinandersetzung mit den Jugendlichen von hoher Bedeutung.
  • Transparenz: Jugend-Streetwork verhält sich den jungen Menschen gegenüber offen und authentisch. Sie macht im Umgang mit den Jugendlichen die Absichten, Möglichkeiten und die Grenzen des eigenen Handelns deutlich.
  • Partizipation: Die jungen Menschen werden in hohem Maß an den sie betreffenden Gestaltungs- und Ent­scheidungsprozessen beteiligt. Beteiligungsformen und Mitwirkungsmöglichkeiten junger Menschen werden gefördert und weiter entwickelt.
  • Gender Mainstreaminq: Die geschlechtsspezifischen Belange von Mädchen und Jungen werden berücksich­tigt.
  • Sozialraum-Orientierunq und Kooperation: Bei der Arbeit mit jungen Menschen werden die Ressourcen und die Akteure im betreffenden Stadtteil mit einbezogen. Es werden Kontakte genutzt und Verbindungen geschaf­fen, um zur Verbesserung der Lebenssituation junger Menschen beizutragen.
  • Einmischung: Jugend-Streetwork versteht sich als Lobby junger Menschen und gestaltet die soziale Infrastruk­tur mit.

Die Partner von Jugend-Streetwork:

Jugend-Streetwork kooperiert mit vielen Partnern und ist eingebunden in ein Netzwerk der gemeinsamen Ver­besserung der Lebenssituation junger Menschen in Remscheid. Diese Zusammenarbeit ist unerlässlich. Streetwork selbst verfügt nur über begrenz­te Ressourcen, die wichtigste Ressource neben der eigenen fachlichen und personalen Kompetenz sind die Kontakte und die Möglichkeiten der Vermittlung und Einbindung engagierter Menschen und der notwendigen Stellen zur Lösung von Problemen, der Vermittlung von Hilfen und des Zugangs zu weiteren Angeboten für junge Men­schen,                                                                                                            

Jugend-Streetwork arbeitet …

  • … sehr eng zusammen mit Polizei und Ordnungsamt, Sportvereine, Sportjugend, Jugendeinrichtungen, Soziale Dienste und Jugendgerichtshilfe, BaF e.V. (Betreuung von Flüchtlingen und Asylsuchenden), Suchtberatung, Schulen, ARGE, Jugend in Arbeit, Internationaler Bund, Arbeit Remscheid, Limes, Interessengemeinschaften in den Stadtteilen und Spielplatzpaten,
  •  … arbeitet in folgenden Gremien kontinuierlich mit: AG Offene Kinder- und Jugendarbeit, AG Jugendsozialarbeit, Runder Tisch Aussiedler, Arbeitskreis Kinder und Jugendliche in der City und Gesundheitskonferenz,
  • … in den Stadtteilkonferenzen temporär mit, wenn in den betreffenden Stadtteilen Konflik­te mit Jugendlichen mit Abstimmungsbedarf bestehen.

(Die Absätze zu Aufgaben, Zielen, Prinzipien und Partnern stammen aus der Verwaltungsvorlage für den Jugendhilfeausschuss. Wie ein einzelner Streetworker dies alles berücksichtigen soll, ist mir schleierhaft.)

Trackbacks

Waterbölles am : Bei Randale auf dem Schulhof hilft die 110 der Polizei

Vorschau anzeigen
Im Waterbölles kann man auch recherchieren (Suchfeld oben links). Und das habe ich heute mal getan. Suchwort war „Schulhöfe“. Ergebnis: BV Lennep für Videoüberwachung gegen Einbrecher, Siebzig leere Bierflaschen auf dem GBS-Schulhof, RTV und Gertrud-Bäume

Waterbölles am : Solche Sprayer sind dem Rektor der EMA sehr willkommen

Vorschau anzeigen
„Für Graffitis ist an dieser Betonmauer noch viel Platz“, titelte der Waterbölles am 14. Oktober. „Stimmt“, sagte am Donnerstag bei einem „Ortstermin“ Hans Heinz Schumacher, Rektor des Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasiums (EMA). Und bezeichnete die von der „gr

Waterbölles am : Graffiti: Triste Häuserfassaden warten auf fröhliche Farben

Vorschau anzeigen
Ein Klick auf das Foto oben, und Sie sehen es in einem neuen Fenster in voller Größe. (Tipp, falls nicht: Im neuen Fenster Ansicht+Zoom anklicken!) Es sah nach einer „unendlichen Geschichte“ aus, und der Waterbölles berichtete mehrfach darüber. Doch

Kommentare

Ansicht der Kommentare: Linear | Verschachtelt

Chronist am :

Streetworker Hans-Gerd Zimmer geht die Arbeit nicht aus. Auf dem Spielplatz Klauser Feld in Lüttringhausen wird er sich demnächst öfter mal sehen lassen müssen. Das hat jetzt Sozialdezernent Burkhard Mast-Weisz der Bezirksvertretung Lüttringhausen zugesagt. Dort hatten sich Anwohner über (unter Alkoholeinfluss) randalierende Jugendliche beschwert, die von dem Spielplatz zu vertreiben selbst der Polizei nur vorrübergehend gelingen würde.

Kommentar schreiben

Die angegebene E-Mail-Adresse wird nicht dargestellt, sondern nur für eventuelle Benachrichtigungen verwendet.

Um maschinelle und automatische Übertragung von Spamkommentaren zu verhindern, bitte die Zeichenfolge im dargestellten Bild in der Eingabemaske eintragen. Nur wenn die Zeichenfolge richtig eingegeben wurde, kann der Kommentar angenommen werden. Bitte beachten Sie, dass Ihr Browser Cookies unterstützen muss, um dieses Verfahren anzuwenden.
CAPTCHA

Standard-Text Smilies wie :-) und ;-) werden zu Bildern konvertiert.
Formular-Optionen

Die einzelnen Beiträge im "Waterbölles" geben allein die Meinung des Autors / der Autorin wieder. Enthalten eingeschickte Texte verleumderische, diskriminierende oder rassistische Äußerungen oder Werbung oder verstoßen sie gegen das Urheberrecht oder gegen andere rechtliche Bestimmungen oder sind sie nicht namentlich gekennzeichnet nebst E-Mail-Adresse, werden sie nicht veröffentlicht. Das gilt auch für substanzlose Bemerkungen ("Find ich gut/schlecht/blöd...etc."). Aus den oben genannten juristischen Gründen sowie bei längeren Texten sind auch Kürzungen nicht ausgeschlossen.

Kommentare werden erst nach redaktioneller Prüfung freigeschaltet!