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"Guerilla-Knitting" macht Remscheid weich, flauschig & bunt

Strickwerk im öffentlichen Raum. Seit kurzem auch in Remscheid.

Von Ute Lennartz-Lembeck

Anlässlich der 'Nacht der Kultur 2010’ wurde in der Musik- und Kunstschule das Projekt Gruppe "Guerrilla Knitting" gestartet. Und inzwischen sind weitere bunte Strickarbeiten im Remscheider Stadtbild aufgetaucht. Guerilla-Kntting wird in zwischen schon in vielen Städten betrieben. Alles begann 2005, als Magda Sayeg ihre Stadt Houston in  Texas zu verschönern begann. Laternenpfähle, Statuen, Fahrradsättel und alles was nicht bei fünf auf den Bäumen ist, wird mit zu Hause oder schnell vor Ort gestrickten Überzügen dekoriert. Den Strickerinnen geht es darum, ihre Stadt ansehnlicher zu machen und die durch männliche Street-Art dominierten Straßen mit weiblich anmutender Kunst zu bereichern. Selbst an die chinesische Mauer haben sie schon Hand angelegt.

Zu Aktionen unter freiem Himmel lud das Remscheider Wetter nun gerade nicht ein, als der 'harte Kern’  der Gruppe am vergangenen Samstag ein Strick-/Häkelwerk am Friedrich-Ebert-Platz anbrachte. Sobald das Wetter besser wird, werden wir die anderen fertigen 'Werke' annähen. Die Körbe sind voll, nachdem wir, neun Personen,  im Kunstschul'keller' gesessen und selbst gehäkelt oder Etiketten an bereits fertige, abgegebene Wollwerke angebracht haben.  Die fertigen Werke wurden/werden fotografiert und zeitnah auf der facebook-Seite "B-Arbeiten" veröffentlicht. So stehen sie Interessierten weltweit zur Verfügung.  Andere Wollwerke werden und wurden in andere Länder oder Städte versendet und finden als Foto "vernetzt" wieder zurück. Man kann sagen: "Remscheid vernetzt sich mit der Welt"! Schon jetzt ist Remscheid die vermutlich meist bestrickte Stadt im Verhältnis zu ihrer Größe - weich, flauschig, bunt. Viele Remscheider - auch ehemalige - erkennen ihre Stadt wieder... oder sehen sie mit anderen Augen. Guerilla-Knitting ist eben nur auf den ersten Blick sinnfrei.

Sinnfrei, weil das, was bestrickt wird, das Strickstück nicht braucht, ebenso wenig wie der Betrachter oder der, der es hergestellt hat. Doch bietet gerade ein bunter Lappen an einem Geländer, farbige Kordeln an Pfosten oder gestrickte Kieselsteine in Popfarben einen ungewohnten Anblick, der auch Menschen staunen lässt, die glauben schon alles gesehen zu  haben. Es ist auch eine deutliche Absage an das Konzept, dass alles einen Sinn habe oder wenigstens Profit bringen muss.

Das Anbringen gestrickter Objekte im öffentlichen Raum ist auch eine Lektion im Loslassen: Man prökelt etwas irgendwo ran, idealerweise mit einem Etikett, das die Absicht dahinter kundtut (nicht in der freien Natur!), macht noch ein Foto ... und geht einfach weg. Man überlässt das Strickstück nicht nur den Elementen, sondern auch den Mitmenschen, die vielleicht so viel Gefallen an dem Teil finden, dass sie es mitnehmen. Denn das Stickwerk wird immer so angebracht, dass es leicht entfernt werden kann: Ein kurzer Schnitt mit der Schere, und das Teil ist rückstandsfrei verschwunden. Gestricktes Graffiti ist somit sanfter und hat außerdem den Vorteil, dass es nicht verboten ist. Die Methode ist weniger aggressiv als das klassische Graffiti, das nur mühsam und unter erheblichen Kosten entfernt werden kann. Und selbst wenn sich niemand daran stört und das Strickwerk an seinem Platz bleibt, sorgen doch die Witterungseinflüsse dafür, dass es nicht ewig hält. Doch das ist Teil des Prozesses. Was bleibt, ist nur das Bild. Und Bilder mit Guerilla-Knitting gibt es im Internet schon viele - von komplett bestrickten Telefonzellen und bekleideten Denkmälern über umhäkelte Busse und Motorräder bis hinzu großformatigen Landschaftsinstallationen, bei denen die Grenze zu Landart und künstlerischer Installation verfließt.

Die 'Vernetzungen' der Remscheider Gruppe haben gerade erst angefangen.  Unsere Woll-Arbeiten möchten zur Reflexion anregen, wir werden uns diesbezüglich auch visuell mit beiden Kunstschulen vernetzten, sind gespannt, welche Eindrücke dadurch gewonnen werden können. Die Kunstschule steht bereits in Kooperation mit der Kunstschule ARKI in Helsinki und der Kunstschule In Reykjavik. Wir sind gespannt, was noch kommt.

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