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Remscheids Täler verändern sich nachhaltig negativ

Dass die Zahl der Landwirte in Remscheid von Jahr zu Jahr weiter abnimmt, kann aufmerksamen Spaziergängern nicht entgehen: Die Zahl der Brachflächen in den Randzonen der Stadt wächst. Sehr zum Leidwesen der Unteren Naturschutzbehörde. Baudezernent Helmut Kennepohl: „Ohne Pflege würden sich die Brachflächen weiter verschlechtern: Vermüllung, Artenschwund und negative Landschaftveränderung beeinträchtigen erheblich den Erholungswert des Remscheider Freiraums.“ Die Brachflächenpflege - auch außerhalb der Remscheider Naturschutzgebiete, heute Thema im städtischen Umweltausschuss – hält der städtische Beigeordnete deshalb für eine „Zukunftsaufgabe für die kommenden Jahre“. Dafür werden zweckgebundene Ersatz- und Fördergelder verwendet. Die Pflegemaßnahmen betreffen in den nächsten Jahren mehrjährig ungenutzte Brachflächen, insbesondere Feucht- und Magerbrachen, bzw. solche, die bereits seit 2003 in Pflege sind mit dem Ziel, den Flächen-Charakter und seltene Pflanzenarten zu erhalten bzw. zu optimiert. Diese Flächen liegen überwiegend in Naturschutzgebieten.

Der Unteren Landschaftsbehörde der Stadt Remscheid gelingt es kaum noch, Landwirte für diesen so genannten „Vertragsnaturschutz“ zu gewinnen. Das liegt nicht nur am mangelnden Interesse, sondern auch daran, dass es sich zumeist um steile und nasse Flächen handelt. Vor allem aber liegt es an der rückläufigen Zahl von Landwirten selbst. Zum Beispiel der Bereich  des Landschaftsplans RS-West mit immerhin 1.900 Hektar: Dort wirtschaften inzwischen nur noch drei Landwirte. Und im Morsbachtal gab es lediglich einen einzigen Landwirt - bis ca. 1950. Die Stadtverwaltung in einer Vorlage für den Rat: „Die kleinteilige, vielfältige Landschaft im Remscheider Westen wurde durch die vielen Familien der bis in die 1960er Jahre dort arbeitenden Schleifer und Schmiede im Nebenerwerb und zur Selbstversorgung bewirtschaftet (Weideflächen für Ziegen und Schafe). Die Größe der Wiesen betrug in der Regel nur 0,25 bis 1 ha. Mit dem Niedergang der Kotten und der Aufgabe der Selbstversorgung fielen diese Grünlandflächen bis auf wenige Ausnahmen brach.“

Die Stadt Remscheid wirbt offensiv für die Dauergrünlandzulage und den Vertragsnaturschutz und nimmt gezielt Kontakt zu Nutzern auf. Die Werbung von Interessenten ist allerdings schwierig, da in Remscheid lediglich zwei größere Schafhalter existieren, die in begrenztem Umfang Flächen nutzen können. Gerne stellt die Untere Landschaftsbehörde den Kontakt zwischen Brachflächenbesitzern und interessierten Landnutzern her nach dem Prinzip "Vom Bürger - für Bürger". (Bei Detailfragen: Untere Landschaftsbehörde, Herrn Stiller, Tel. 16-2838).

Auch im traditionell landwirtschaftlich geprägten Remscheider Osten fallen Grünlandflächen seit Jahren brach, die Landwirtschaft hat auch dort bereits vor rund 20 Jahren viele Feuchtwiesen und Steilhänge aufgegeben. Heute pflegt die Untere Landschaftsbehörde Remscheid lediglich punktuell die letzten wertvollen Flächen in den jeweiligen Talräumen bzw. Biotopkomplexen, um zumindest einen Bruchteil des Remscheider Naturerbes in den ehemals offenen, artenreichen Tälern zu erhalten. Zitat: „Die Pflege der letzten Offenlandflächen ist für den Natur- und Artenschutz in Remscheid unverzichtbar. Die Pflege der Naturdenkmale ist erforderlich, hierbei handelt es sich überwiegend um zu pflegende Gehölze im Bereich von Hohlwegen, die auf den Stock gesetzt werden müssen bzw. einer dringenden Kronenpflege bedürfen, um weitere Hohlweg-Ausbrüche zu vermeiden. Ferner müssen mehrere geschützte Heckensystem gepflegt und ergänzt werden, um sie erhalten zu können.“

Fragen an Baudezernent Helmut Kennepohl:

  1. Welche finanziellen Anreize sind mit dem Vertragsnaturschutz verbunden? Antwort: Für Maßnahmen des Vertragsnaturschutzes ist z.Zt. das Amt für Agrarordnung Mönchengladbach in Verbindung mit der Unteren Landschaftsbehörde Remscheid zuständig. Für Vertragsnaturschutzmaßnahmen werden in Remscheid an Landwirte bis zu 511 € pro Jahr und Hektar u.a. bei naturnaher Nutzung von Wiesenflächen in Naturschutzgebieten ausgezahlt. Alle Details enthält der Link des Ministeriums)
  2. Wie stellt die Stadt auf den Flächen, für die sich keine Landwirte finden, die notwendigen Maßnahmen sicher? Antwort: Die Finanzierung der Pflege auf Flächen ohne landwirtschaftliche Bewirtschaftung erfolgt ausschließlich mit zweckgebundenen Ersatzgeldern ("vom Bürger - für Bürger") und Fördermitteln des Landes, es werden keine Eigenmittel verwendet. Seit dem Jahr 2003 werden regelmäßig Förderanträge bei der Bezirksregierung gestellt. Der Eigenanteil bei der Förderung steht in Form der zweckgebundenen landschaftsrechtlichen Ersatzgeldern zur Verfügung. Die Umsetzung der Pflegemaßnahmen - vorrangig in den Naturschutzgebieten - ist in den drei Remscheider Landschaftsplänen festgesetzt. (Zur Landschaftspflege in Remscheid weitere Details auf einer städtischen Internetseite.)
  3. Gibt es Flächen, die - aus Kostengründen - sich selbst überlassen werden. Nehmen diese Flächen zu? Antwort: In den vielen Remscheider Bachtälern wurde die landwirtschaftliche Nutzung eingestellt. Bedingt durch die Nutzungsaufgabe verwandelten sich artenreiche, offene Feuchtwiesen und magere Steilhänge in verfilzte, artenarme Brachen. Die Täler veränderten sich nachhaltig negativ. Nach Rechtskraft der Landschaftspläne wird von der Landschaftsbehörde, nach Naturschutz- und Erholungsprioritäten gewichtet, die Brachflächenpflege in den Naturschutzgebieten (NSG) an landwirtschaftliche Lohnunternehmen und Landschaftspfleunternehmen vergeben bzw. vertraglich mit Landwirten vereinbart. Grob geschätzt ist in den Naturschutzgebieten seit einigen Jahren rund ein Drittel der Brachflächen wieder in Pflege bzw. wird wieder naturnah von Landwirten genutzt.

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