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Waldhof: Heimgruppen und Forstamt werden Nachbarn

Foto: Lothar Kaiser

Im Dezember 2010 wurde der Plan bekannt, das städtische Forstamt von der Intzestraße zum „Waldhof“ in den Wupperbergen bei Reinhagen/Küppelstein zu verlegen. Wie konkret dieses „laufende Geschäft der Verwaltung“ inzwischen geworden und was damit sonst noch verbunden ist, erläuterte am Samstag Oberforstrat Markus Wolff, der Leiter des Remscheider Forstamtes, Kommunalpolitikern, Verwaltungsmitarbeitern und Mitgliedern von Naturschutzverbänden aus Remscheid und Solingen bei einem teilweise recht feuchten Waldspaziergang. Damit wollte Wolff für das ehrgeizige Vorhaben werben, die bereits kooperierenden Forstämter von Solingen und Remscheid  auf dem Gelände des "Waldhofs" zu fusionieren („Das Haus, das wird dort bis Jahresende herrichten, wäre auch mit den Solinger Kollegen noch groß genug!“). Nach Möglichkeit sollen auf dem weitläufigen Gelände aber auch noch andere „waldaffine“ Einrichtungen angesiedelt werden.

Der „Waldhof“ war einst das Kinderheim der Stadt Remscheid. Es fusionierte am 1.9.2005 mit dem Evangelischen Kreiskinderheim Wermelskirchen. Träger ist seitdem  die Evangelische Jugendhilfe Bergisch Land gGmbH (EJBL), und damit zogen in den „Waldhof“ auch neue pädagogische Ideen ein. Die abgeschiedene Lage eines Kinderheims am Stadtrand, in den 1950er Jahren noch hoch gelobt, ist heutzutage nicht mehr zeitgemäß: Die Jugendliche fühlten sich dort abgeschoben, und so entschied sich die Heimleitung mit EJBL-Geschäftsführer Günter H. Jäckle schon Ende 2006 zur Verlagerung der einzelnen Gruppen in „normale Wohngebiete“. Beim Spaziergang am Samstag war die EJBL durch Verwaltungsleiter Jörg Löwe vertreten:

„Von unseren zwölf Gruppen, Wermelskirchen eingeschlossen, sind in Remscheid inzwischen zwei in Wohnhäusern an der Eberhardstraße untergebracht, andere in Bergisch Born und in einem ehemaligen Hotel Garni!“ Vom ursprünglichen Plan eines gänzlichen Auszugs aus dem Waldhof – dort bestehen derzeit noch zwei Gruppen – hat sich die EJBL inzwischen jedoch wieder verabschiedet. Löwe: „Ein Aufnahme- und Clearing-Zentrum in dieser ruhigen Lage macht für Kinder und Jugendliche, die kurzfristig in Obhut genommen werden müssen, durchaus Sinn!“ Nachdem feststand, dass das Forstamt zum Waldhof zieht, entschied sich die EJBL dafür, dort eine Gruppe für Sechs- bis 14-Jährige und eine weitere für 17- bis 17-Jähre zu belassen. Jörg Löwe: „Für uns war wichtig, dass es für das Gelände ein Gesamtkonzept gibt, dass es nicht verwahrlost!“ In der Hoffnung, dass sich neben dem Forstamt am Waldhof noch weitere dem Wald verbundene Einrichtungen ansiedeln, werden zwei Gebäude teilweise abgerissen und neu errichten. Denn zum einen ist deren Raumaufteilung nicht mehr zeitgemäß: Gerade Kinder und Jugendlichen, die in ihren Familien teilweise Schreckliches erlebt haben und womöglich noch unter Schock stehen, brauchen einen eigenen Raum, in den sie sich auch einmal zurückziehen können. Und zum anderen sind die Häuser derart schlecht isoliert, dass „die Heizkosten in Monat das Doppelte der Miete ausmachen“ (Löwe). Die notwendigen energetischen Maßnahmen lassen sich durch einen Teilabriss- bzw. Neubau kostengünstiger realisieren als durch eine Kompettsanierung.

Vom Waldhof zu aktuellen forstlichen Maßnahmen des Waldumbaus zur Förderung der Biologischen Vielfalt. Auch damit machte Markus Wolff am Samstag seine geladenen Gäste bekannt. Entsprechend dem Ziel desInternationalen Jahr der Wälder“, den Wald als faszinierenden Naturraum und  lebendigen Wirtschaftszweig zu präsentieren – in diesem Fall einen gut 100 Jahre alten Buchenwald, der um die Zeit des Baus der Müngstener Brücke entstanden ist. Die dichten Kronen der Buchen verhindern, dass am Boden auch andere, sonnenhungrigere Laubbäume nachwachsen können. Damit auch Kirsche, Ahorn und Esche etc. sich zwischen den hohen Buchen ansiedeln können, werden hier und da schwächere Buchen zu Gunsten kleiner Lichtungen gefällt. Mehr junges Grün zwischen den Buchenstämmen mache den Wald nicht nur für Spaziergänger interessanter, sondern auch für das Rehwild, erläuterte Wolff. Denn mit dem Unterholz wachse auch dessen Futterangebot und damit letztlich auch der Wildbestand. In diesen so regelnd einzugreifen, dass der Wildverbiss die Intentionen der Förster nicht zunichte mache, sei Aufgabe der Jäger. Nicht weit vom Waldhof entfernt zeigte Wolff der Gruppe ein kleines, mit einen Drahtzaun vor den Rehen geschütztes Areal, in dem es weitaus üppiger grünt als außerhalb. Der Forstamtsleiter: „Davon wird es in den Remscheider Wäldern bald 100 geben. Damit wollen wir den Jägern zeigen, wie nötig der Schutz kleiner Baumschösslinge von hungrigem Wild ist!“

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