Skip to content

Anzeige

Bau-Innung Remscheid Innung für elektrotechnische Handwerke Remscheid Fachinnung für Metall- und Graviertechnik Innung für Sanitär- und Heizungstechnik Remscheid
Dachdecker-Innung Remscheid Friseur-Innung Remscheid Maler- und Lackierer-Innung Remscheid Kraftfahrzeughandwerk Remscheid

Im JHA dürfte die Diskussion weitergehen

Politik wünscht finanzielle Entlastung der Eltern“, titelte der Waterbölles am 5. Dezember 2020. Zur Sitzung des Rates am 10. Dezember hatten die Fraktionen von SPD, Bündnis‘90/DIE GRÜNEN, FDP und DIE LINKE den Antrag gestellt, Elternbeiträge zu Kindertageseinrichtungen, Kindertagespflege und Offenen Ganztagsgrundschulen (OGGS) für die Zeit einer vollständigen oder teilweisen Schließung während einer behördlich verfügter Corona-Quarantänen oder ähnliches auf Antrag zu erstatten. Und das beschloss der Rat dann auch mit 55 Ja-Stimmen bei einer Enthaltung (zählt nicht mit) einstimmig.

Doch für die CDU war das Thema damit nicht erledigt. Der Beschluss sei von der Verwaltung nicht vollumfänglich umgesetzt worden, meinte sie und verwies auf fünf Tage im Dezember, für die bisher keine Erstattung der Elternbeiträge vorgesehen sei. Die Stadt dürfe im Übrigen auch dann nicht den vollen Elternbeitrag einfordern, wenn die Kinder nur in einer Art Notbetreuung ohne qualitatives Betreuungsangebot untergebracht gewesen seien.  Das habe im Dezember für 35 Prozent der Kinder in den Kitas und OGS gegolten, hieß es am Donnerstag in der Sitzung des Hauptausschusses in der Aula der Albert-Einstein-Gesamtschule.

Der Antrag der CDU-Fraktion wurde dort von ihrem Fraktionsvorsitzenden Markus Kötter emotional vorgetragen („Auch für fünf Tage ist ein Erstattungsbetrag für manche Familien eine Menge Geld!“). Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz sprach sich nach längerer Diskussion dagegen aus: „Ich betrachte diesen Antrag als erledigt“, sagte er. Und niemand widersprach! Denn da war längst klar, dass der zuständige Fachausschuss, der Jugendhilfeausschuss (JHA), das Thema in seiner nächsten Sitzung aufgreifen wird. Den Weg dorthin hatte der OB bereits zu Beginn der Diskussion gewiesen: „Wenn aus fachlicher Sicht weiterer Beratungsbedarf besteht, ist dafür nicht der Hauptausschuss, sondern der Jugendhilfeausschuss das richtige Gremium!“

Strittig dürfte dann sein, ob die Betreuung in der OGS sich auf eine Notbetreuung von  geringerer Qualität minimiert hat, wie es am Donnerstag Markus Kötter beschrieb. Teilweise hätten Kinder ihr Spielzeug von Zuhause mitbringen müssen. David Schichel von den Grünen: „Da habe ich Besseres gehört!“ Einen finanziellen Ausgleich für die „fünf vergessenen Tage im Dezember“ (Brigitte Neff-Wetzel von den Linken) hielt Schichel allerdings für berechtigt.

DOC: Bekannte Positionen noch einmal zementiert

Ratsmitglied Bettina Stamm (echt.Remscheid e.V.), hatte zur gestrigen Sitzung des Hauptausschusses den Antrag gestellt, die Stadt möge die bestehenden Verträge mit dem DOC-Investor der weiteren Verfahrensentwicklung anpassen. Doch bei der Abstimmung bekam dieser Antrag nur eine Stimme, ihre eigene. Alle anderen Ausschussmitglieder waren dagegen. Auch David Schichel von den Grünen. Er bezeichnete den Antrag als „wenig durchdacht“, auch wenn er mit der Grundidee sympathisiere. Brigitte Neff Wetzel von den Linken wollte gar nicht erst ins Detail gegen und verwies auf das Grundsätzliche Nein ihrer Fraktion zum DOC-Projekt, während es Sven Wolf (SPD) und Sven Chudzinski befürworteten. Wolf: Die Verträge mit dem Investor McArthurGlen seien verbindlich; das sehe dieser nicht anders.

„Auch wir stehen zu unserem Wort!", betonte für die CDU Markus Kötter. Das schließe auch den vereinbarten Kaufpreis ein. Die CDU verspreche sich von  dem neuen DOC nach wie vor eine Belebung des Lenneper Innenstadt. Dass der Investor vertragstreu sei, habe er erst vor wenigen Stunden in einen Gespräch versichert, ergänzte Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz. Waltraud Bodenstedt (W.-i.R.) meinte, es sei Zeit für eine (nichtöffentliche) Videokonferenz mit Henning Balzer, Develpoment-Director der McArthurGlen-Group, damit ihm die Kommunalpolitiker ihre Fragen direkt stellen könnten. 

Gewählt für die Dauer der 16. Wahlperiode

Für die Dauer der 16. Wahlperiode hat der Rat in seiner konstituierenden Sitzung im Dezember gemäß §113 GO NRW die folgenden Positionen (n teilweise geheimer Wahl) besetzt:

  • Vertreter der Stadt Remscheid in der Gesellschafterversammlung und im Aufsichtsrat (Vorsitzender) der Bergischen Symphoniker, Orchester der Städte Remscheid und Solingen GmbH, in der Gesellschafterversammlung der Lokalfunk Remscheid-Solingen Betriebsgesellschaft mbH & Co. KG sowie in der Gesellschafterversammlung der Bergischen Struktur- und Wirtschaftsförderungsgesellschaft mbH: Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz.
  • Vertreter der Stadt Remscheid in der Gesellschafterversammlung der Evangelischen Jugendhilfe Bergisch Land gemeinnützige GmbH, in der Gesellschafterversammlung der Arbeit Remscheid gGmbH, Gesellschaft für Beschäftigungsförderung und Qualifikation, und in der Gesellschafterversammlung der der Sana-Klinikum Remscheid GmbH: Beigeordneter Thomas Neuhaus.
  • Vertreter der Stadt Remscheid in der Kommunalen Arbeitsgemeinschaft Bergisch Land e. V.: Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz (Vorstand) sowie Christine Krupp (SPD), Karl-Heinz Humpert (CDU) und Jutta Velte für die Mitgliederversammlung.
  • Vertreter der Stadt Remscheid in der Gesellschafterversammlung der Stadtwerke Remscheid GmbH: Stadtdirektor/Stadtkämmerer Sven Wiertz.
  • Ratsmitglieder im Verwaltungsrat der Stadtsparkasse Remscheid: York Edelhoff, Thomas Kase und Sven Wolf für die SPD, Wolf Lüttinger für die FDP, Ilka Brehmer für die Grünen, Jens Nettekoven und Kurt-Peter Friese für die CDU, Brigitte Neff-Wetzel für die LINKE und Thorsten Michael Pohl für Pro Remscheid.
  • Stimmberechtigtes Mitglied im Regionalrat des Regierungsbezirks Düsseldorf: York Edelhoff (SPD).
  • Vertreter/innen der Stadt Remscheid in der Konferenz der Ratsmitglieder beim Städtetag Nordrhein-Westfalen: Christine Krupp (SPD), Bernd Quinting (CDU), Jutta Velte (Grüne).
  • Vertreter/innen der Stadt Remscheid in den Polizeibeirat bei der Kreispolizeibehörde: Ernst-Peter Wolf (SPD), Tanja Kreimendahl (CDU).
  • Delegierter in der Verbandsversammlung des Wupperverbandes: Stefan Grote.
  • Mitglieder der Verbandsversammlung des Zweckverbandes Naturpark Bergisches Land: Peter-Edmund Uibel (SPD), Kurt-Peter Friese (CDU).

Chytridpilz bedroht heimische Feuersalamander

Gemeinsame Pressemitteilung der Unteren Naturschutzbehörden Remscheid, Solingen und Wuppertal sowie der Biologischen Station Mittlere Wupper

Bereits erste Todfunde von Feuersalamandern in Kohlfurth an der Stadtgrenze von Wuppertal und Solingen im Frühjahr 2020 ließen Ungutes erahnen. Die Beprobung der toten Tiere brachte die Bestätigung: Die Tiere waren durch den aggressiv wirkenden Amphibien-Hautpilz Batrachochytrium salamandrivorans (kurz BSal) gestorben.  Zum Jahreswechsel 2020/2021 trafen nun mehrere Fundmeldungen von zahlreichen toten Feuersalamandern an den Wupperhängen zwischen Burg und Müngsten ein – sowohl auf Remscheider wie auf Solinger Seite. Auch hier erbrachte die labortechnische Untersuchung von Hautabstrichen die Bestätigung, dass die Tiere durch BSal befallen wurden. Dies war allerdings auch bereits an den großflächigen Hautnekrosen der toten Tiere vor Ort unmittelbar erkennbar. In Wuppertal waren noch im Dezember 2020 an verschiedenen Stellen so u.a. auch im Burgholz Feuersalamander gezielt auf Pilzbefall beprobt worden und alle Ergebnisse negativ. Auch hier ist nun die Angst groß, dass der Pilz eingetragen wird. 

Die aktuelle Situation erfordert erhöhte Aufmerksamkeit, und die Städte Remscheid, Solingen und Wuppertal werden mit fachlicher Unterstützung der Biologischen Station Mittlere Wupper die Entwicklung der Feuersalamander-Populationen künftig genau im Auge behalten. Kurzfristig sollen in den bereits betroffenen Gebieten Hinweisschilder zur In-formation der Bevölkerung aufgestellt werden.Zum Erhalt der heimischen Amphibienbestände kann jeder einzelne Bürger beitragen:

  • Fassen Sie keine toten oder lebendigen Feuersalamander an. Die Tiere stehen unter Artenschutz und dürfen der Natur nicht ohne behördliche Genehmigung entnommen werden.
  • Bitte betreten Sie keine Land- und Wasserlebensräume von Amphibien –bleiben Sie bitte auf den vorgegebenen Wegen.
  • Führen Sie insbesondere in Waldlandschaften Ihren Hund an der Leine. Bäche, Uferbereiche, Teiche, Tümpel und wassergefüllte Wagenspuren im Wald sollten nicht betreten werden.
  • Reinigen Sie ihr Schuhwerk gründlich und desinfizieren es mit z.B. Spiritus, 70% Ethanol, bevor Sie ein anderes Waldgebiet betreten, um eine Verbreitung der Sporen des tödlichen Pilzes zu verhindern.
  • Bitte melden Sie schnellstmöglich tote und tagaktive Salamander, möglichst mit Foto und genauen Fundpunktkoordinaten über das Fundmeldesystem der Biostation Mittlere Wupper (https://www.bsmw.de/fundmeldesystem/FMS_2018/schritt_1.php) bzuw. An die Unteren Naturschutzbehörden der Städte Remscheid, Solingen und Wuppertal melden:Stadt Remscheid, Oliver Hofmann, E-Mail Oliver.Hofmann@remscheid.de, Tel. RS 162449).
Artikel vollständig lesen

Die Hasenclevers kamen aus dem Lobachtal

II

Ernst Hasenclevers politische Tätigkeit fand in seinen persönlichen Aufzeichnungen leider kaum Niederschlag. Lediglich ein Brief aus dem Jahr 1866 – während seiner Zeit als Mitglied des Preußischen Abgeordnetenhauses geschrieben – gewährt einen kurzen Einblick in seine politische Gedankenwelt.9 Als Mitglied der altliberalen Fraktion setzte er sich dort besonders für den Anschluss seiner Heimatstadt Remscheid an das Eisenbahnnetz ein.

 Die Familie Hasenclever aus Remscheid-Ehringhausen konnte zur Zeit der Geburt von Ernst Hasenclever im Jahr 1814 auf eine lange Geschichte zurückblicken. Forschungen und Untersuchungen der Familie, in den 1930er Jahren von Bernhard Hasenclever (1873 – 1953) und Hermann Hasenclever (1852 – 1939) durchgeführt, legen die Wurzeln in das Remscheider Lobachtal. In der Leichenrede für ihren Vorfahren Johannes Hasenclever (1678 – 1755), gehalten am 26. Juni 1755 in der Stadtkirche Remscheid, sprach der Pfarrer Johann Peter Mähler über die Vorfahren des Verstorbenen. Die gedruckte Version dieser Rede enthält folgenden Absatz: „Der Großvater, väterlicher Seite, war Peter Hasenclever / in der Lobach; Die Grosmutter Eva Honsberg. . Daß so wol diese, als auch die, in folgenden Anmerkungen benente alte Vorfaren, der hiesigen Gemeine und Kirche in öffentlichen Aemtern vorgestanden und über dem von undenklichen Jahren gesegnete Handlungen gefüret,“10

Peter Hasenclever ist vermutlich im Jahre 1610 im Lobachtal geboren. Ein altes Geschäftsbuch aus dem Jahr 1632 nennt noch zwei weitere Vorfahren. Den Vater von Peter Hasenclever, Lutter, gestorben 1629, und seinen Großvater Wilhelm Hasenclever, welcher zwischen 1525 und 1600 zu Siepen gelebt haben soll.

In diesem Abschnitt der Totenrede findet sich auch ein Hinweis auf die Betätigung der Familie Hasenclever als Handelstreibende. So liegen die Anfänge des Exporthauses Hasenclever möglicherweise schon im 16. Jahrhundert. Schriftliche Unterlagen existieren erst aus dem 17. Jahrhundert. Das älteste Geschäftsbuch, noch heute im Besitz einiger Nachfahren in Argentinien, beginnt mit dem 14. Mai 1632.

Das Unternehmen Johann Bernhard Hasenclever & Söhne, in dem Ernst Hasenclever 1832 seine Laufbahn als Kaufmann antrat, entstand erst rund 150 Jahre später. Johann Bernhard Friedrich Hasenclever (1731 – 1806), ein Sohn des 1755 zu Grabe getragenen Johannes, hatte sich zunächst mit seinen Brüdern Johann Peter und Franz Arnold geschäftlich verbunden. Sie führten die väterliche Handlung mit den Erzeugnissen der heimischen Kleineisenindustrie – raffinierter Stahl, Eisen und Sensen - fort. Nach der Trennung der Brüder gründete er gemeinsam mit seinen Söhnen Johann Bernhard Friedrich – 1830), David (1781 – 1850) und Josua (1783 – 1853) am 1. Mai 1786 das später weltbekannte Handelshaus.

Artikel vollständig lesen

Da lugte gar die Sonne hinter den Wolken hervor

Wie es auf den halbwegs verschneiten Wiesen auf dem Hohenhagen gestern aussah, als die meisten Autofahrer aus Köln, Düsseldorf, dem Kreis Mettmann, Solingen, Wuppertal und dem Ruhrgebiet dort nach Parkplätzen für ihre Pkw suchten, um Rodeln zu gehen, kann ich nicht sagen. Ich habe mich erst auf den Weg gemacht, nachdem ich erfahren hatte, die Polizei habe die Fichtenstraße und die Hohenhagener Straße für den Verkehr gesperrt. Gegen 15.30 Uhr, als ich den Skihang erreichte, war der größte Ansturm jedenfalls schon verebbt. Oder verteilten sich die großen und kleinen Rodler nur so weit über die weißen Flächen, dass zwischen ihnen keine Gefahr zu bestehen schien, sich mit dem Corona-Virus anzustecken? Die vielen Schneemänner, die am Abend übrig blieben, zeugen davon, dass es Alt und Jung Spaß gemacht hat. Da lugte gar die Sonne hinter den Wolken hervor.

Vom Leben und Treiben im alten Remscheid

Der Remscheider Markt um 1890.Alle Welt traf sich am Remscheider Markt. Stellen wir uns den Markt des Dorfes Remscheid vor, das gerade zur Stadt geworden ist. Er ist umrahmt von Schieferhäusern und wird überragt vom Zwiebelturm der Stadtkirche. Hohe, schwer beladene Pferdekarren transportieren Eisen und Kohle, dazwischen fahren Postwagen und vornehme Kutschen. Schmiede in blauleinenem Kamisol mit hohen Schirmkappen kommen daher, manche haben, mit einem Tragknüppel gehalten, einen länglichen Lieferkorb geschultert. Vereinzelt tauchen Bandwirker aus Lüttringhausen auf; man kann sie an ihren leinenen Liefersäcken erkennen. Bauern aus dem Umland bis Dabringhausen liefern in Kiepen Gemüse für den Wochenmarkt. Marktfrauen in Kattunkleidern, blauleinenen Schürzen und Kopftüchern preisen ihre Waren an. Betuchte Bürgerfrauen in schwarzseidenen Schürzen und modischen Haubenmützen flanieren über den Markt. Schulbuben aus der Schule gleich neben dem Markt schlängeln sich durch die Reihen. Und dazwischen schreitet mit wichtiger Miene ein Gendarm mit Pickelhaube und langem Säbel.

Das Foto rechts oben zeigt den Markt um 1900. Gaslaternen (1863) haben Einzug gehalten. Das erste hochgeschossige, mit einem Turm gekrönte Geschäftshaus (1890) stört das einheitliche Bild. Die Straßenbahn fährt (1893). Dazwischen postiert sich für den Fotografen noch etwas von der „guten alten Zeit“ mit Postkutsche und „Trachtenschau“. Der letzte Markt wurde hier 1886 abgehalten, dann auf dem Schützenplatz (heute Theodor-Heuss-Platz).

Foto links unten: Was Frauen so tragen… Sie tragen lange Röcke und Hauben, kurze, bestickte Jacken sind beliebt. Für verschlammte Wege sind Kniestiefel nötig, sonntags werden sie durch vornehmere Schnürstiefel ersetzt. Um die Mitte des 19. Jh. kommen Reifröcke wieder in Mode bei Frauen aller Stände. Dann wird der kreisrunde Damenrock schmaler, aber dafür nach hinten ausgepolstert („Kö“ genannt). Ein Remscheider Witzbold trägt den Spruch zu Markte: „Da braucht man keine Pferdebahn und auch kein Felzepee. Man schafft sich eine Dame an und reitet auf dem Kö.“

Foto rechts: Was bei Männern Mode ist. Die übliche Alltagskleidung ist einfach. Da genügten ein blauer Kittel und ein farbiges Wolltuch, das um den Hals geknotet ist, dazu eine Seidenmütze. Ansonsten trägt man dunkelfarbige Jacken, kurze Kniehosen, lange Wadenstrümpfe, hohe Schuhe, dazu einen schön geschnitzten Prengel als Spazierstock. Wer das nötige Geld hat, leistet sich eine Samthose, ein schwarzseidenes, manchmal bunt besticktes Oberhemd, darüber eine vornehme Weste. Dazu kommt er daher mit einer silbernen Kette, einer wohlgepflegten Tabakspfeife und einem beeindruckend polierten Spazierstock, der mit Silber beschlagen ist und einen Knauf aus Edelmetall oder Elfenbein hat. Den Vatermörder (Stehkragen, Schleife und Binde) überließ man den vornehmen Handelsherren. (Mit freundlicher Genehmigung des Bergischen Verlages, Remscheid. Hans Jürgen Roth: "Geschichte unserer Stadt - Remscheid Lennep Lüttringhausen", 2. aktualisierte Auflage 2017. 356 Seiten, Hardcover, ISBN 978-3-945763-43-8 © Bergischer Verlag)

Winterzauber auf dem Hohenhagen

Es braucht nicht viel, um eine Landschaft im Winter zu verzaubern. Das beweist dieses Foto, das Hans Georg Müller am Silvesternachmittag bei wolkenverhangenem Himmel an der Hohenhagener Straße machte. In der Nacht zuvor und den Tag über hatte es ein wenig geschneit. Aber diese drei, vier Zentimeter Schnee reichten schon, um der Landschaft zu einem winterlichen Zauber zu verhelfen. Fast wie eine 70 Jahre alte  Schwarz-Weiß-Aufnahme.

Auf das „Fürberger Land“ fiel im Krieg nur eine Bombe

Der Fürberg, fotografiert von Paul Reifenrath. Sammlung im Historischen Zentrum RemscheidAuf alten Fotos ist die Ackerstraße nur als Schotterweg zum Fürberg zu erkennen. Das änderte sich heftig, als die Stadt Remscheid 1938 beschloss, 24 Grundstücksparzellen an die Rheinische Kleinsiedlung GmbH zu verkaufen. Diese wurden nach den Bestimmungen des Reichsarbeitsministeriums wiederum an die Siedlungsbewerber verlost, und so konnte dann alles losgehen. Die Erstellung der Siedlungshäuser erwies sich als äußerst schwierig, da die umfangreichen Eigenleistungen dadurch beeinflusst wurden, dass die spärlich fließenden Baumaterialien teilweise von S -Leuten, die ebenfalls eine Siedlung bauten, wieder abgenommen wurden. Der Baustoffklau hatte also Hochkonjunktur.

Mitte 1938 begannen die Bauarbeiten. Das heutige Siedlungsgebiet stellte sich als große Weide mit teilweisem Baumbestand dar, an deren Rand die Ortschaft Fürberg und die Häuser Wilms und Bornemann standen. Im Frühjahr 1939 wurde mit den Häusern auf dem Fürberger Land begonnen, während die ersten Häuser an der Ackerstraße schon fast bezugsfertig waren.

Anders als in vielen anderen Remscheider Siedlungen wurden die einzelnen Baulose den Siedlern schon vor Ausschachtungsbeginn zugeteilt, so dass jeder Bauherr sein eigenes Haus baute, während anderswo Siedlungen in Gemeinschaftsarbeit erstellt und dann erst verlost wurden. In der ersten Siedlergeneration wurden vor allem kinderreiche Familien berücksichtigt, und es waren überwiegend Sägenrichter, Sägenschmiede, Gießer, Schlosser, Dreher Schleifer, Former, Dampfkranführer und zu guter Letzt ein Geflügelzüchter vertreten.

Blick vom Volkeshaus zum Fürberg um 1935. Ein ,’Volkwin auf dem Bruch’ (1469) oder ein ‚Volkern zom Hytz" (1513) soll der Namensgeber dieser alten Ortschaft gewesen sein. Hingegen ist der Namensursprung von Fürberg einleuchtend. Fürberg, im Verbund der ‚13 Hastener Höfe’ wurde schon 1369 als Vurberch erwähnt, was nichts anderes als ‚vor dem Berg’ bedeutet. Das Foto setzt diesen Namen schön ins Bild. (aus: ‚Remscheid. Ein verlorenes Stadtbild’, von Rolf Lotzmann, erschienen 1994 im Wartberg-Verlag)Jeder Siedler hatte an seinem Bau Eigenleistungen zu erbringen, die ihm als Anzahlung auf die Bausumme gutgeschrieben wurden. Über die pünktliche Erfüllung der Eigenleistungen wachte der Siedlungsobmann Erich Koch. Aufgrund der damaligen 48-Stunden-Woche und notwendiger Überstunden war die Pünktlichkeit nicht immer zu gewährleisten, denn die Anfahrt mit der Straßenbahn wurde Opfer der Sparmaßnahmen. Viele Siedler kamen mit dem Fahrrad, bauten am Haus und übernachteten (was verboten war) teilweise in den Rohbauten, um am anderen Morgen früh weitermachen zu können.

Insgesamt konnten die Kriegswirren dem Bautrieb der Siedler nichts anhaben. Ein großes Problem entstand, als die Stadt Remscheid den Siedlern 1945 auferlegte, den Schutt der Ausschachtungsarbeiten (ca. 50 Kubik eter) wegzuräumen, um mit dem Ausbau der Ackerstraße beginnen zu können. Ein Lkw seitens der Stadt war nicht zu bekommen, und per Handkarren und Schubkarre war es ein hoffnungsloses Unterfangen, da die Kippe Solingerstraße 1,5 Kilometer weg war. Welche Lösung letztlich gefunden wurde, ist nicht überliefert.

Artikel vollständig lesen

Knapp 37 Prozent der Impfdosen galten Pflegekräften

Impfmüdes Pflegepersonal auch in Remscheid?“, fragte der Waterbölles gestern um 11:29 Uhr, nachdem er bei der Pressestelle der Stadt Remscheid angefragt hatte, zu wie viel Prozent sich die Mitarbeitenden der Remscheider Altenheime impfen ließen, in denen bisher Impfungen vorgenommen worden sind. Die Antwort von Sabine Räck, der persönlichen Referentin von Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz, die per E-Mail um 18.38 Uhr einging, war leider nur die eine Hälfte der Wahrheit: „Was wir als Stadt Remscheid bzw. Impfteam Ihnen nennen können, ist der prozentuale Anteil der Impfdosen für Beschäftigte an der Gesamtanzahl der gelieferten Impfdosen, das waren heute 173 von 470 (= 36,81 Prozent). Wenn Sie mit Ihrer Frage den prozentualen Anteil der geimpften Mitarbeitenden an der Gesamtbeschäftigenzahl pro Einrichtung erfahren möchten, können wir diese Angaben leider nicht liefern! (…) Sorry, dass ich Ihnen hier nicht weiterhelfen kann!“

Begründung: Den Impfteams bzw. der Stadt Remscheid sei die tatsächliche Zahl der Mitarbeitenden in den jeweiligen Altenheimen bzw. die daraus resultierende Anzahl der Vollzeitäquivalente (Vollzeitstellen), als Basiswert für eine Vergleichbarkeit nicht bekannt. Auch wüssten die Impfteams nicht, in welchem Beschäftigungsstatus die Impflinge stehen (Vollzeit/Teilzeit). Insofern könnten verlässliche Aussagen über die Impfquote unter den Mitarbeitenden, bezogen auf die Beschäftigtenzahl, nur von den jeweiligen Einrichtungen selber gemacht werden. Sabine Räck: „Insofern denke ich, dass Sie sich mit Ihrer Anfrage am besten auch direkt an die Einrichtungen wenden, in denen bereits geimpft wurde: Alloheim, Haus Clarenbach, Diakoniezentrum Hohenhagen, Haus Herder Straße, Diakoniezentrum Hasten.“

Waterbölles: Die Heime, in denen die Impfwilligkeit des Pflegepersonals augenfällig ist, dürften die gewünschte Prozentzahl vielleicht nennen. Die anderen mit eher impfunwilligen Pflegekräften werden sich auf den Datenschutz berufen. Aber den Versuch war es wert!!

Impfmüdes Pflegepersonal auch in Remscheid?

Zwei Meldungen von heute: „Die Zahl der gemeldeten Todesfälle in Zusammenhang mit dem Coronavirus hat einen Rekordwert erreicht. Binnen einem Tag übermittelten die deutschen Gesundheitsämter dem Robert Koch-Institut (RKI) 1129 neue Todesfälle“, meldet SPIEGL Online- . Und das „Morgenecho“ berichtete auf WDR 5, von Impfskepsis bei Pflegekräften: Viele Pflegekräfte wollten sich nicht gegen Corona impfen lassen, sagte Im Interview Michael Lork, Leiter eines Caritas-Altenzentrums in Gelsenkirchen. Er versuche, sein Personal aufzuklären. Mehr könne er nicht tun. "Da ist die Politik gefordert."

In diesem Zusammengang: Die Antwort der Stadtverwaltung auf die Frage des Waterbölles, zu wie viel Prozent sich am ersten Impftag die Mitarbeitenden des „Alloheims“ impfen ließen, steht noch aus. Nur ein Versehen? Die Frage kann inzwischen erweitert werden: Zu wie viel Prozent ließen sich die Mitarbeitenden der Remscheider Altenheime impfen, in denen bisher Impfungen vorgenommen  worden sind?