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Support für externe Festplatte selbst gemacht

Hallo in die Runde, hatte gerade beim Starten meines Laptops festgestellt, dass die externe Platte von Weststern Digital, Typ WD Book, den Geist aufgegeben hat. Daraufl liegt mein komplettes Foto-Archiv. Das wäre also ein herber Verlust für den Waterbölles, wenn ich den Inhalt dieser Platte nicht doch noch auf eine neue kopieren könnte. Denn das Archiv auf einem anderen Laufwerk war, wie sollte es anders sein, nicht aktuell (Ich weiß, ich weiß...). Der Hilferuf "Wer kennt jemanden, der mir da helfen könnte?" hat sich aber schon kurze Zeit später erledigt: Habe einfach mal das Laufwerk mit einer anderen Steckdose verbunden, und siehe da: Alles war gut.
Herzlichen Dank an alle, die mir ihre Hilfe angeboten haben.

Parteinachwuchs will Jugend für Politik begeistern

Die Aufgabe ist wichtig, dürfte aber nicht einfach werden: Die Vorsitzenden von drei politischen Nachwuchsorganisationen in Remscheid - Burhan Türken (27, SPD, Jungsozialisten), Sebastian Golletz (21, FDP, Junge Liberale) und Fabian Knott (21, CDU, Junge Union) wollen den „Ring politischer Jugend“ (RpJ) reaktivieren, oder um es so zu sagen: aus dem Dornröschenschlaf erwecken. Das kündigten sie gestern im Remscheider Rathaus in einer Pressekonferenz an. Der RpJ war vor zehn Jahren sanft eingenickt, nachdem er lange Zeit recht präsent gewesen war – auch in den lokalen Medien. Nun sollen öffentliche (Diskussions-)Veranstaltungen unter dem überparteilichen Dach des neuen RpJ die Remscheider Jugend wieder für die Politik begeistern. Zugleich will das Trio, das gestern die aktualisierte Satzung des RpJ unterschrieb, künftig durch gemeinsames Auftreten in der Öffentlichkeit ein Zeichen setzen gegen rechte Hetze und Demokratieverlust. Die Hoffnung, dass ihnen dies gelingen wird, schöpfen sie aus dem großen Zulauf, den am 22. März die Kundgebung „Fridays for Future“ auf dem Rathausplatz gefunden hatte. Dem Aufruf der Schülervertretungen von Gertrud-Bäumer- und Ernst-Moritz-Arndt Gymnasium waren damals mehr als 800 Schülerinnen und Schüler gefolgt (was die 1.Mai-Kundgebungen der vergangenen Jahre an gleicher Stelle in den Schatten gestellt hatte.

Die drei Jugendorganisationen in Remscheid (die bisherige vierte, die „Grüne Jugend“, sei inaktiv geworden, hieß es auf der gestrigen Pressekonferenz), haben sich laut neuer Satzung „zum Ring Politischer Jugend zusammengeschlossen, um die demokratische Beteiligung junger Menschen in Remscheid und deren politische Bildung zu fördern“. So steht es einleitend in der Präambel. Weiter heißt es dann: Der RPJ setzt sich für die Förderung und Wahrung des Gedankens der Freiheit, Demokratie und der Grundrechte ein. Er sieht seine Themen und Arbeitsschwerpunkte im Bereich der politischen Bildungsarbeit für Jugendliche (...), setzt sich unter anderem für eine jugendnahe und jugendfreundliche Kommunalpolitik, Transparenz und Toleranz im politischen Leben, verbesserte Ausbildungsmöglichkeiten und den Schutz der ökologischen Lebensgrundlage der Menschen ein (...) und strebt den Dialog mit anderen Jugendorganisationen, dem Jugendrat und jungen Vertretern anderer demokratischer politischer Organisationen an.“

Geburtshaus von W. C. Röntgen ist teilsaniert

von Dr. Wilhelm R. Schmidt

Am 27. März 2019 wäre Wilhelm Conrad Röntgen 174 Jahre alt geworden. Die Deutsche Röntgen-Gesellschaft und die Geburtshaus-Stiftung nutzten dieses Datum, um im jetzt fertiggestellten Erdgeschoss des Gebäudes eine Ausstellung über den Jubilar offiziell vorzustellen. Damit ist die etwa siebenjährige Geschichte des Umbaus aber noch nicht beendet. Im Obergeschoss geht die die Restaurierung des denkmalgeschützten Hauses weiter – übrigens ohne öffentliches Geld, vielmehr stammen sämtliche Mittel aus Spenden und Zuschüssen. Dies wurde nun gefeiert, nach den zahlreichen Reden auch mit einem Buffet und Sekt. Auch das Fernsehen war dabei, und die am Boden liegenden Zigarettenreste vor der Fensterfront wurden zweimal entfernt.

In meiner Kinder- und Schülerzeit bin ich, da ich ja nur ca. 50 bis70 Meter entfernt am Mollplatz wohnte, fast jeden Tag an Röntgens Geburtshaus am Gänsemarkt vorbeigekommen und natürlich auch hineingegangen, zumindest in den Teil des Gebäudes, der als Metzgerei der Familie Fritz Drösser öffentlich war. Ich erinnere mich nur zu gut, dass ich des Öfteren dort Schinken kaufen sollte, aber „gut abgehangen“, darauf legte man seinerzeit großen Wert.

Der Metzger Drösser galt in Lennep als Witzbold. Er hängte unter anderem ein Schild ins Schaufenster, auf dem geschrieben stand: „Gern schlage ich Ihnen Ihre Knochen ein“, eine Ausdrucksweise, die man im bergischen Lennep verstand, während man sie heute bei Stadtführungen des Öfteren erklären muss. Meist ging es dann noch ein paar Schritte weiter zum Bäcker Willmund, dessen Nachkriegs- „Amerikaner“ mit der Zucker- und Fettglasur sowie der stark gesüßte „Brotkuchen“ mir besonders schmeckten.

Mit dem Erwerb des Geburtshauses von Wilhelm Conrad Röntgen im Herzen der Lenneper Altstadt hat die Deutsche Röntgengesellschaft dankenswerterweise auch den Weg bereitet, am Ursprungsort des Wissenschaftlers dem persönlichen Nachlass Röntgens einen würdigen Raum zu schaffen. Bislang fehlten ja Räumlichkeiten und Kontext, um die einzigartige Sammlung adäquat präsentieren zu können. Röntgens persönlicher Nachlass enthält Objekte, Möbel, Skizzen und Entwürfe zu einer Vielzahl wissenschaftlicher Themen und seltene Fachliteratur der frühen Radiologie. Es bietet somit ein reichhaltiges Spektrum, um den Wissenschaftler in einem biographisch authentischen Umfeld zu präsentieren. Das Röntgen-Geburtshaus bietet aber auch die Chance, gemeinsam mit dem Deutschen Röntgen-Museum Leben, Werk und Wirkung von Wilhelm Conrad Röntgen umfassend darzustellen.

Die Wiederherrichtung des Hauses bietet zugleich die Chance, ein denkmalgeschütztes Gebäude im Herzen der Altstadt einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. In enger Anbindung an das Deutsche Röntgen-Museum soll es als besonderer historischer Ort das geistige und materielle Erbe Wilhelm Conrad Röntgens in außergewöhnlicher Weise bewahren. Zugleich soll es Bildungs- und Weiterbildungszwecken dienen, nur so wird eine museale Einrichtung auch zu einem lebendigen Ort.

Natürlich hat das Geburtshaus auch eine Geschichte. Bekanntlich wurde im Oktober 1746 die Stadt Lennep bis auf sieben Häuser und das Minoritenkloster durch ein großes Feuer verwüstet. Wie es damals am Gänsemarkt aussah, das ist natürlich nicht bekannt. Durch Gutachten kann man nur sagen, dass das spätere Haus am Gänsemarkt 1 nach 1783/85 erbaut worden sein muss. Um 1811 erfolgte der Kauf des Hauses durch Johann Heinrich Röntgen und Anna Louise Frowein, die es später an Friedrich Carl Röntgen (Vater von W.C. Röntgen) und dessen Brüder Richard und Ferdinand vererbten.

Catharina von Pohlheim ist die letzte bekannte Vorbesitzerin vor den Röntgens. Ein genaues Kaufdatum lässt sich nicht mehr ermitteln. 1846 wurde das Haus dann an einen Metzgermeister Gustav Kühne veräußert, der es wiederum 1864 an Metzgermeister F.W. Drösser und dessen Sohn verkaufte.1860 wurde die Ansicht des Hauses durch die Veränderung der Schauseite durch den Einbau eines Ladenschaufensters verändert. Diese Schauseite ist im Prinzip bis heute erhalten und wird gerade restauriert. 1963 erfolgte die Schließung der Metzgerei, an die sich noch heute viele Lenneper erinnern, ein Jahr danach erwarb die Stadt Remscheid das Gebäude und entwickelte verschiedene Überlegungen zur städtischen Nutzung. Spätere Sanierungsarbeiten der Stadt wurden zunächst im Jahre 1980 abgeschlossen. Die Sanierungsarbeiten sollten endgültig ursprünglich bis 2015 abgeschlossen sein, jedoch ergaben sich nach und nach immer wieder neue Schwierigkeiten.

Während der Veranstaltung zur Eröffnung der Ausstellung im Geburtshaus von Röntgen konnte man sehen, dass bei der Renovierung von Röntgens Geburtshaus schon viel geschehen ist, dass aber noch viel getan werden muss. Alles ist abhängig von Spendengeldern.

Für die Lenneper ist es natürlich erfreulich, dass die architektonische und denkmalpflegerische Organisation und  Betreuung durch Ansässige geschieht. Sophie Welke von "Welke Architekten" dazu auf einer Webseite des Bundes Deutscher Architekten NRW: „Aktuell befassen wir uns mit dem Geburtshaus von Wilhelm Conrad Röntgen in Remscheid-Lennep. Das Museum, das dort entstehen wird, braucht zum Beispiel eine Alarmanlage und Heizung. Dort ist u.a. die Unsichtbarkeit von Technik ein Thema. Es bedarf sicher auch einiger Kunstgriffe für den geplanten Wintergartenanbau, dass es passt und aussieht, und dass man das Neue nicht als Störung wahrnimmt.“

Im nächsten Jahr, 2020, also zum 175. Geburtstag und Jubeljahr des berühmtesten Lennepers, soll Wilhelm Conrad Röntgen natürlich noch viel umfassender gefeiert werden, in Würzburg, in München, in Gießen, aber auch in Lennep natürlich.

Rhein-Brot-Fabrik weicht sechs Kita-Gruppen

Erinnern Sie sich noch an die alte Brotfabrik auf Hasten? Dort wurde „Rhein-Brot“ gebacken, bis die Firma in einen Neubau in Großhülsberg (Lüttringhausen) zog. Über Jahrzehnte stand die Fabrikanlage an der Arturstraße weitgehend leer. Jetzt wird sie abgerissen. Eine Art Brachen-Sanierung. Denn die Stadt Remscheid suchte händeringend Grundstücke für den Bau dringend benötigter Kindertagesstätten. Und eine solche Kita wird nun auf dem Grundstück Arturtraße 3 entstehen. Vom zügigen Fortgang der Abbrucharbeiten machte sich gestern Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz zusammen mit Sozialdezernent Thomas Neuhaus und Mitarbeitern ein Bild.

Für den Investor, die SIGNa aus Köln, war Matthias Neeser, Generalbevollmächtigter der SIGNA-Tochtergesellschaft KidINVEST Management GmbH erschienen, und für den künftigen Kita-Betreiber, die Step Kids KiTas gGmbH, deren Geschäftsführer Dr. Kurt Berlin. Markus Dorgerloh, Prokurist und Mitglied der Geschäftsführer der Hagedorn GmbH aus Gütersloh, schilderte den Gästen, darunter auch Remscheider Kommunalpolitiker, wie schwierig es gewesen sei, bei den beengten Straßenverhältnissen überhaupt mit den Abbrucharbeiten beginnen zu können. Übrigens: Mit sechs Gruppen - einer U3-Gruppe, einer Gruppe für Drei- bis Sechsjährige und vier Gruppen für zwei bis Sechsjährige - wird die neue Kita auf dem Hasten die größte in ganz Remscheid werden. Sie soll „Waldkrönchen“ heißen. Zum Ortstermin erschienen war auch Remscheids Kita-Entwickler Werner Grimm (im Bild 2. v. li.) - nach einer Meniskus-Operation auf zwei Krücken, aber wohlgemut.

Neuer Bronzevogel lässt Brunnen sprudeln

Die Gans speit bald wieder Wasser“, kündigte am 1. April Lennep Offensiv e.V. in einer Pressemitteilung an, und das war kein Aprilscherz. Die vom Lenneper Gänsebrunnen gestohlene Gans aus Bronze ist zwar nach wie vor unauffindbar, aber mit finanzieller Hilfe der Stadt Remscheid konnte rechtzeitig zur Brunnensaison eine neue Gans beschafft und montiert werden. Das neue „gute Stück“ war nach Maß sehr formschön konzipiert und dann gegossen worden. Sehr zur Freude von Thomas Schmittkamp (im Video), Vorsitzender nicht nur von Lennep Offensiv, sondern auch von Lenneper Brunnen e.V. Werkzeugmachermeister Eberhard Sprenger montierte den neuen Wasserspender  fachgerecht und (hoffentlich) diebstahlssicher. Und gestern wurde der Brunnen in seiner neuen Schönheit von Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz, Stadtführer („Nachtwächter) Lothar Vieler und seinen Kollegen Harald Blondrath („Herr Röntgen“) und Bürgermeister Markus Kötter fröhlich eingeweiht. Denn der Lenneper Gänsemarkt ohne Gans – das ging gar nicht!

Anglerclub wird Löwenteich wohl aufgeben müssen

Die Europäische Wasserrahmenrichtlinie verpflichtet die Bundesrepublik Deutschland, allen Gewässern  – Grundwasser und Oberflächengewässer – spätestens bis 2017 zu  einem "guten Zustand" zu verhelfen, chemisch wie ökologisch. Als Folge der EU-Gebote sind künstlich angelegte Teiche, die den natürlichen Lauf eines Baches unterbrechen, den Behörden, darunter der Wupperverband, ein Dorn im Auge. Folglich wurde zum Beispiel die alte Teichanlage am Klauserner Bach zurückgebaut, ebenso eine Betonschwelle im Morsbach. Und im Focus der Behörden steht jetzt auch der Löwenteich an der Heintjesmühle (Eschbachtal) im Grenzgebiet zwischen Wermelskirchen und Remscheid). Geplant ist, den Damm des Löwenteichs zu „schlitzen“ und den Teich auslaufen zu lassen, so Stadtförster Markus Wolff (TBR). Mit dem Wupperverband sei vor zwei Wochen vereinbart worden, nach Ostern einen Fahrplan aufzustellen für den naturnahen Rückbau des Löwenteichs und diesen dann dem Rheinisch-.Bergischen Kreis (RBK) als  der zuständigen Wasserbehörde zur Genehmigung vorzulegen. Denn der Teich befindet sich zwar seit mehr als 130 Jahren im Besitz der Stadt, liegt aber im Stadtgebiet von Wermelskirchen und somit im Zuständigkeitsbereich des RBK. Die Absicht der TBR sei dem Vorstand des AC Rotauge sowie der Politik (hier: über den TBR-Betriebsausschuss) schon seit geraumer Zeit bekannt, erklärte Wolff.

Blick zurück: Bei Inkrafttreten des Wasserhaushaltsgesetzes beantragte die Stadt Remscheid beim RBK im Jahr 1984 das Aufstauen des Löwenteichs. Der führte zwar schon damals Wasser, aber schließlich muss ja alles seine „Behördenordnung“ haben. Die Wasserrechtliche Genehmigung wurde der Stadt damals für 20 Jahre erteilt. Sie lief also 2004 aus. Schon 2002, mit zweijährigem Vorlauf, forderte die Obere Wasserbehörde bei der Bezirksregierung in Köln die Stadt Remscheid auf, das erteilte Wasserrecht verlängern zu lassen. Doch im Remscheider Rathaus war das Wissen über den genehmigten Antrag von 1984 offenbar bei aller Behördenordnung verloren gegangen. Anscheinend nahm man an, es handele sich bei dem Brief um einen Irrläufer, und irgendwie werde der wohl noch in der Nachbarkommune Wermelskirchen landen (die damit nun gar nichts hätte anfangen können). Jedenfalls schmorte das Schreiben aus Köln wegen „unklarer Zuständigkeit“ zunächst bei der damaligen Oberbürgermeisterin Beate Wilding und dann beim städtischen Umweltamt. Vier Jahre lang hielt die Bezirksregierung das aus, dann löschte sie mit Datum vom 1. Mai 2006 das Wasserrecht. Und am 5. Juni 2006 teilte sie das der Stadt Remscheid auch mit. Pech, dass dieses Schreiben wiederum beim nicht zuständigen Umweltamt einging. Dort legte man den scheinbaren zweiten Irrläufer wiederum zu den Akten und – tat nichts.

Wie der angegraute Vorgang schließlich am 12. Januar 2011, fünfeinhalb Jahre später, bei Markus Wolff vom Forstamt und damit an der richtigen Stelle landete, lässt sich heute offenbar nicht mehr rekonstruieren. Jedenfalls bestätigte der damalige Fischereiberater, dass das Wasserrecht für den Löwenteich im "Wasserbuch" nicht mehr existierte. Daraufhin beantragte das Forstamt (mittlerweile bei den Technischen Betrieben Remscheid angesiedelt) am 12. August 2014 ein neues Wasserrecht für den Löwenteich.

Hierfür waren mehrere Gutachten fällig, die die Stadt Remscheid eine fünfstellige Summe kosteten. Das gewässerökologische Gutachten, erstellt im Rahmen einer Bachelor-Arbeit eines Studenten der Universität Lübeck, ergab für den Bach ober-. Und unterhalb der Teichanlage eine gleichwertige Wassergüte. Wenn es also nur darum gegangen wäre, hätte die Obere Wasserbehörde das beantragte Wasserrecht bis spätestens 2027 erteilen können.  Doch der Löwenteich, ein potenzielles Laichgewässer, fällt als Stauanlage auch unter die DIN-Norm 19700 bzw. die vereinheitlichen Sicherheitsanforderungen an Staudämme und Staumauern, etwa bei extremen Wetterereignissen wie Starkregen.

Mit dem Standsicherheitsgutachten für den Staudamm wurde das Ingenieurbüro Beck aus Wuppertal beauftragt. Es stellte fest, dass auf dem Damm im Laufe der Jahre Bäume gewachsen waren und an den technischen Anlagen (am eisernen Rechen und am so genannten Mönch, dem regulierbaren Ablaufbauwerk) der Zahn der Zeit genagt hatte. Hinzu kommen anscheinend noch einige ungenehmigte Umbauten (eine Hütte und Abgrabungen, um besser Angeln zu können), wie Michael Zirngiebl andeutete.

Die Angaben über die im Gutachten genannten Reparaturkosten gehen weit auseinander. Während der AC Rotauge erklärt, ihm liege eine Kostenschätzung des Ingenieurbüros von August 2018 über 85.000 Euro vor, spricht Markus Wolff gegenüber dem Waterbölles von einer Kostenschätzung in Höhe von 350.000 Euro netto. Ohne diese Reparaturen sei mit keiner bis 2027 befristeten fischereilichen Genehmigung durch den RBK zu rechnen. Aber egal, ob 85.000, 120.000 Euro, wie gestern von TBR-Chef Michael Zirngiebl genannt, oder 350.000 Euro – sämtliche Investitionen rechnen sich für die Stadt für eine höchstens acht Jahre dauernde Erlaubnis nicht. Zumal der AC Rotauge für seinen vor zwei Jahren ausgelaufenen Fischereipachtvertrages lediglich einen jährlichen Pachtbetrag von 150 € zu zahlen hatte.

Bereits nach dem Auslaufen des Wasserrechtes war der Pachtvertrag ruhend gestellt worden, da damit die Vertragsgrundlage entfallen war; merke: ohne Wasserrecht keine Genehmigung für eine fischereilichen Nutzung. Deshalb winkte der Vorstand des Anglervereins auch dankend ab, als ihm die Stadt das Gelände für einen Euro zum Kauf anbot. Die Vereinsvorsitzende Cornelia Schmidt: „Was sollte ein gemeinnütziger Angelverein mit einer Teichanlage ohne Wasserrechte?!“ Zumal ihm das Geld fehlt, um die vom Gutachter geforderten Reparaturen am Staudamm selbst bezahlen zu können. Konkret hätte der Verein die Wahl zwischen einem Ausbaggern des Teiches und einer Erhöhung des Staudamms, damit bei Starkregen plötzliche Wassermassen angestaut werden könnten, um nicht auf die unterhalb der Staumauer liegende Straße oder in ein nahes Wohnhaus zu fließen. Derzeit fehlt es dem ca. 5.000 Quadratmeter großen Teich bei einer Wassertiefe von einem bis 1.20 Metern an freiem Stauvolumen.

„Mehrere Teichanlagen in Remscheid sind den Anglern aus Ausweichquartier angeboten worden“, berichtete Markus Wolff. Etwa der Neue Hammerteich im Eschbachtal, Teiche in Tocksiepen und sogar die Panzertalsperre. Doch dem Verein sei neben dem Angeln auch das gesellige Vereinsleben wichtig. Und das setzt, wie am Löwenteich, eine Unterkunft voraus.

Staudammprojekt aus Lennep für Deutsch-Südwestafrika

Baurat Albert Schmidt (1841-1932). Fotografie aus dem Jahre 1903.

Von Wilhelm R. Schmidt

Im Jahre 1907 veröffentliche der Lenneper Baurat Albert Schmidt (1841-1932), der bereits auf eine bedeutende Karriere im Bereich des bergischen Industrie- und Talsperrenbaus zurückblicken konnte (mit dem Aachener Prof. Intze und gilt er bis heute als ein Vater der deutschen Talsperrenbewegung) eine Denkschrift.  Sie trug den  Titel: „Eine Talsperre im Kwandotal, Deutsch-Südwestafrika“. In dieser Denkschrift skizzierte er ein Staudammprojekt im östlichen Teil des sog. Caprivizipfels (Caprivi strip) in der damaligen Kolonie „Deutsch-Südwest“. Das in Frage kommende Gebiet grenzt im heutigen Namibia an die Staaten Sambia, Simbabwe und Botswana. Was hat den Wasserbauer aus dem Bergischen Land veranlasst, sich einem solchen Thema zu widmen, und was ist daraus geworden?

Sicher ist, dass Albert Schmidt zunächst der technische, wasserbauliche Aspekt reizte. Augenscheinlich wollte er dem Deutschen Reich seine lange theoretische und praktische Erfahrung für die neuen überseeischen Besitzungen zur Verfügung stellen. Als er sich mit dem Thema zu Wort meldete, war er bereits 66 Jahre alt. Sicher ist auch, dass Albert Schmidt im Rahmen der damaligen Möglichkeiten aktuellen Entwicklungen nachging und sich Fachliteratur aus der Reichshauptstadt Berlin besorgte. Man muss davon ausgehen, dass er über die wasserbaulichen Entwicklungen in den Kolonien ausgesprochen gut informiert war. Schon früh wurden, wie beispielsweise aus Artikeln im Deutschen Kolonialblatt hervorgeht, in Deutsch-Südwestafrika Dämme und Regenrückhalteanlagen in Privatinitiative errichtet, so z.B. im Gebiet von Keetmanshoop oder in Mariental. Auch gab es Pläne der Bildung einer Gesellschaft zur Erschließung des Schutzgebietes durch die Anlage von Staudämmen. In den Jahren 1896 und 1897 reiste bereits ein Regierungsbaumeister Theodor Rehbock ins südliche Afrika, um ein Konzept für die landwirtschaftliche Erschließung des Schutzgebietes zu erarbeiten. 1901 begaben sich zwei Ingenieure der Firma Philipp Holzmann nach Deutsch-Südwestafrika, um eines der sechs von Rehbock vorgeschlagenen Staudammprojekte insbesondere auch hinsichtlich der Kosten zu evaluieren (vgl. dazu: Jäschke, S.125 ff.)

Der bergische Talsperrenbauer hatte Kenntnis der Frankfurter Firma Philipp Holzmann, mit der er im Zusammenhang anderer großer Bauprojekte auch konkurrierte. In den Jahren 1906 und 1907 widmete er sich neben seiner Alltagsarbeit dem Thema Deutsch-Südwestafrika, weil, wie er in seinen Lebenserinnerungen feststellt, in „der zweiten Hälfte des Jahres 1906 in kolonialpolitischer Beziehung eine neue Ära angebrochen“ war, „welche durch den neuen Kolonialdirektor eingeleitet wurde“. In der Tat wird auch heute noch mit dem Namen Bernhard Dernburg (1865-1937) ein grundlegender Reformkurs in der deutschen Kolonialpolitik verbunden. „Die Kolonien sollten mehr kaufmännisch, wissenschaftlich und technisch verwaltet werden“. „Wenn es dem neuen Kolonialdirektor gelingt, die Verwaltung unserer Kolonien in neue Bahnen zu leiten, in denen Wissenschaft und Technik sich zur rationellen Umgestaltung der Länder vereinigen, so kann man annehmen, dass die Morgenröte einer neuen Zeit angebrochen ist, in der für die immer mehr anwachsende Bevölkerung Gebiete geschaffen werden, die eine Überproduktion der Menschen in solche Bahnen leiten, dass sie für die Zukunft des Deutschen Reiches in nationaler Beziehung von großer Bedeutung sind“.

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Ungeregelter Brexit wäre die schlimmste Variante

Um den Brexit und seine möglichen Auswirkungen auf die heimische Wirtschaft ging es gestern Abend bei einer Podiumsdiskussion des SPD-Ortsvereins Stadtmitte / Hasten, zu der Bezirksbürgermeister Ernst-Otto Mähler Interessierte ins Deutsche Werkzeugmuseum eingeladen hatte. Ein komplexes Thema, für das anderthalb Stunden angesetzt waren. Die ersten 15 Minuten der von Axel Richter (RGA) moderierten Diskussion mit Andreas Otto (Vorstandsvorsitzender der Volksbank im Bergischen Land eG), dem Unternehmern Peter Völkel (Geschäftsführer der Völkel GmbH, Remscheid) und Jakob Steffen (Geschäftsführer der J.S. Research KG, Wuppertal) zeichnete der Waterbölles im Video auf. Kleine Lichtschimmer im ungewissen Dunkel des Brexit.

Kompetenzgerangel zwischen Stadt und Bezirksregierung

219 Flüchtlinge bezogen die alte Schule Hölterfeld“, berichtete der Waterbölles am 9. September 2015. Am Vorabend waren die Busse aus Unna mit den Flüchtlinge, darunter mehrere Familien mit Kindern, in der Notunterkunft an der Unterhölterfelder Straße eingetroffen – begrüßt auch von zahlreichen freiwilligen Helferinnen und Helfern mit „Welcome“-Schildern. Im Video zeigte der Waterbölles damals eine neu aufgestellte Baracke, in der das Essen für die Asylsuchenden ausgegeben wurde. Allerdings nur kurze Zeit. Dann war die „Flüchtlingsheim“-Episode der für Schulzwecke nicht mehr benötigten Hastener Grundschule auch schon wieder beendet. Seitdem befindet sich der Holzbau auf dem Schulhof quasi in einem Dornröschenschlaf. Anscheinend wegen eines anhaltendem Kompetenzgerangels zwischen der Stadt Remscheid und der Bezirksregierung! Dass Kinder inzwischen das Dach der Baracke als (gefährlichen) Spielplatz entdeckt haben, stört nicht nur Heinrich Kuchner als Anwohner sondern auch Otto Mähler als Bezirksbürgermeister (SPD). Der Waterbölles sprach mit beiden (siehe Video).

Pünktlich zur Einweihung kam der Wolkenbruch

Stiftung spendierte zum Richtspruch Apfelschorle“, titelte der Waterbölles am 3. August 2018. Tags zuvor war die Fertigstellung des Rohbaus einer neuen Wohnstätte der Evangelischen Stiftung Tannenhof (Fachkrankenhaus für Psychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik und Neurologie) an der Remscheider Straße in Lüttringhausen gefeiert worden. Bei strahlend blauem Himmel. Pech: gestern, während der Einweihung, und kurz bevor zwei kleine Bäumchen gepflanzt werden sollten, ging über dem Areal ein Wolkenbruch nieder. Das schmälerte aber die Freude des Stiftungsvorstands – Prof. Eugen Davids (Ärztlicher Direktor), Uwe Leicht (Geistlicher Vorsteher) und Dietmar Volk (Kaufmännischer Direktor) – sowie der Mitarbeiter/innen und der künftigen Bewohner/&innen über den Neubau keineswegs.

„Der Weg bis zur Übergabe der Wohnstätte an den Bauherrn war lang, strapaziös und teilweise nervenaufreibend für alle Beteiligten. Umso schöner ist es jetzt, das Ergebnis aller Anstrengungen sehen zu können und für die Bewohnerinnen und Bewohner, die ja schon gespannt in Wartestellung stehen, den Startschuss zum Kofferpacken und Umziehen geben zu können", freute sich Dietmar Volk. Mit Fördermitteln vom Landschaftsverband Rheinland (LVR), der Stiftung Wohlfahrtspflege Nordrhein-Westfalen und der NRW.Bank Förderdarlehen Wohnraum für Menschen mit Behinderungen sowie Eigenmitteln der Stiftung war das neue, ebenerdige Gebäude finanziert worden. Es trage zu einer Weiterentwicklung des Stadtteils Lüttringhausen bei, ließ die Stiftung verlauten. Zumal in unmittelbarer Nähe der jetzt fertiggestellten Wohnstätte noch eine zweite im Bau ist, die im Laufe dieses Jahres noch fertig werden soll. Für beide Bauprojekte wurden Investitionen von gut 7,5 Millionen Euro aufgebracht.

Das neue Gebäude Remscheider Straße 80 ist Teil des Masterplans "Remscheid-Tannenhof 2025". Es beherbergte zwei Wohngruppen für je acht Personen, die zur Überwindung ihrer schwersten Beeinträchtigungen und Behinderungen besonders viel Unterstützung, Hilfestellung und Anleitung benötigen. Alle Bausteine des Betreuungskonzepts haben zum Ziel, den Bewohnerinnen und Bewohnern - trotz des Lebens in einer Wohnstätte - ein hohes Maß an Selbstbestimmtheit und Teilhabe zu ermöglichen. Alle Bewohnerinnen und Bewohner werden in Einzelzimmern mit eigenem Sanitärbereich leben. Der ungehinderte Zugang zum Garten, der Möglichkeiten zu leichter sportlicher Betätigung und zur Erholung bietet, sowie die Barrierefreiheit im gesamten Gebäude sind selbstverständlich. Weitere Vorteile für die Bewohner/innen und Bewohner ist die kurze Distanz zu den Arbeits- und Beschäftigungsangebote auf dem Gelände der Stiftung Tannenhof sowie die gute Erreichbarkeit des öffentlichen Nahverkehrs.

An der gestrigen Einweihungsfeier mit der Live-Band „Crazy Rollers" nahmen neben dem Vorstand der Evangelischen Stiftung Tannenhof auch Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz, Karsten Porcher vom Landschaftsverband Rheinland (LVR), Lars Kuper und Viktor Lorentz vom Architekturbüro BFT Planung GmbH aus Aachen sowie die Einrichtungsleitung des Bereichs Integration-Wohnverbund, Sieglinde Rühl-Schulz und Günter Fuchs, teil.

8000 Euro für die Ärztliche Kinderschutzambulanz

Der Lions Club Remscheid wird seinem Ruf als fleißiger Spendensammler und Sponsor auch in diesem Jahr wieder gerecht: Einen symbolischen Scheck über 8.000 Euro übergab Arndt Halbach in seiner Funktion als Präsident des Lions Club Remscheid an das Team der Ärztlichen Kinderschutzambulanz, Burger Str. 211:  Birgit Köppe-Gaisendrees (Leiterin), Martin Roggenkamp (stellv. Leiter) und Dorothea Schauf (Öffentlichkeitarbeit). Das Geld ist der Erlös des Bücherbazars 2018.

Kleine und größere Spenden sind bei der Kinderschutzambulanz immer willkommen, denn die Arbeit reißt nicht ab. Das wissen die Remscheider Lions Clubs. Der Lions Club Remscheid „Wilhelm Conrad Röntgen“ spendete dem Verein vor zwei Jahren 12.000 Euro; so viel war im Mai 2017 bei der „Lions Lounge“ in der Volksbank im Bergischen Land zusammengekommen, einem Benefizkonzert, bei dem die „Katia Belley Band“im Casino der Bank am Tenter Weg 200 Gäste begeistert hatte.

Zur Geschichte des Bahnhofs in Lennep

Lenneps erster Bahnhof war noch aus Holz.

Von Wilhelm R. Schmidt

Seit geraumer Zeit, verstärkt aber in den letzten Wochen des Jahres 2008, wird in den bergischen Medien die Entwicklung der Versuche beobachtet, Anlage und Gelände des  historischen Lenneper Bahnhofs umzugestalten. Auch das Bahnhofsgebäude selber gehört in diese Planungen, und es wird ein privater Investor für die künftige Nutzung gesucht. Das Aussehen dieses Gebäudes ist sicherlich zurzeit nicht positiv zu beurteilen, zweifelhaft und eher unbedeutsam ist auch die heutige Funktion des erhaltenen Bahnhofsensembles, das allerdings eine respektable Geschichte hinter sich hat. Schließlich waren dieser Bahnhof und die ihn umgebende Anlagen einmal einer der wichtigsten Eisenbahnknotenpunkte im ganzen Bergischen Land bzw. im Kreis Lennep, der bis 1929 bestand.

Fast fünfzig Jahre zuvor, nämlich am 1. September 1868, war die Teilstrecke der Bergisch-Märkischen Eisenbahn von Barmen-Rittershausen über Ronsdorf, Lüttringhausen und Lennep nach Remscheid in Betrieb genommen worden, der erste Bahnhofsbau war durchaus repräsentativ und auf eine durch die positive Wirtschaftsentwicklung zu erwartende Erweiterung angelegt. Schon 1869 wurden in Lennep mehr als 290.000 Fahrgäste gezählt. Der Lenneper Albert Schmidt, der Baumeister der Industriellen in Lennep und an der Wupper, spielte dabei nicht nur eine große Rolle, sondern er ließ sich vom damaligen Bürgermeister Sauerbronn später auch überreden, im Jahre 1890 direkt gegenüber dem Bahnhof das Hotel Kaiserhof auf eigene Kosten zu bauen, es herrschte damals das Wirtschaftwunder, das wir heute im nachhinein „Gründerzeit“ nennen. Manche von uns erinnern sich noch an dieses Hotelgebäude, vom dem, sozusagen ersatzweise, heute nur noch der Portikus steht, in dem später die Sparkasse residierte (und wo der Schreiber dieser Zeilen in den 1950er Jahren am Weltspartag beim Sparkassenleiter Pick den Inhalt seines Sparschweins auf das Sparbuch buchen ließ. Damals gab es noch zehn Prozent Zinsen. Zur Belohnung erhielt man dann Gaben, z.B. einen Schraubendrehersatz, der allerdings der Werkzeugtradition der Region nicht unbedingt Ehre machte).

Der „erste“ Lenneper Bahnhof wurde, oft unter Rückgriff auf die Erinnerungen Albert Schmidts, der die damalige Konstruktion selbst auch in einer Bleistiftzeichnung verewigte, schon oft thematisiert. Weniger bekannt ist, dass über lange Jahre dort der „Restaurateur“ Oskar Groß sein Etablissement betrieb. Er stammte aus einer Lenneper Familie, die über Jahrzehnte vorher die alte Poststation inne hatte, dort, wo die heutige Lüttringhauser Straße von der Knusthöhe abzweigt. Weitere Mitglieder der Familie gingen seinerzeit für das Berliner Handelshaus Hardt & Co., also letztlich für die Lenneper Tuchindustrie, nach Südamerika. Aber nicht nur dort, auch in den Wartesälen des Lenneper Bahnhofsgebäudes ging es seinerzeit „tropisch“ oder „subtropisch“ zu. Den Berichten Albert Schmidts zufolge legte nämlich der Restaurateur Oskar Groß (auch Grohs oder Gross), der das Etablissement seit seiner Fertigstellung mit Geschick bewirtschaftete, besonderen Wert auf die Ausstattung mit zahlreichen seltenen Pflanzen und Gummibäumen. Den hinteren Teil des Wartesaals gestaltete er als Palmengarten.

Bereits um 1900 war die Gesamtanlage des Lenneper Bahnhofs viel zu klein geworden, man versuchte deshalb, das Gelände zu erweitern. Ausdruck dafür war im Jahre 1905 beispielsweise die Versetzung eines ganzen Hauses im Bereich Schlachthof- und Karlstraße. Ohne dass eine Scheibe zu Bruch ging, wurde das Haus auf Stelzen gehoben und 18 Meter verschoben. Von der Gleisseite des Bahnhofs aus sieht man es heute noch stehen. Ob es wohl bei den für die Zukunft geplanten Veränderungen des Areals endgültig weichen muss oder nur nochmals verschoben wird?

Am 8. Juni 1911 veröffentlichte das Lenneper Kreisblatt -  Amtliches Organ auch für die Gemeinde Lüttringhausen“ einen Artikel „Zur Eröffnung des neuen Bahnhofsgebäudes in Lennep. Hierbei ist auffällig, dass der nur teilweise miteinbezogene Vorgängerbau als seinerzeit bewusst intendiertes „Provisorium“ bezeichnet wird. In Tat gleicht er ja auf den wenigen erhaltenen Darstellungen manchmal einer überdimensionierten Bretterbude, da sein Äußeres in Holz gearbeitet war. Darüber kann man nun denken wie man will, richtig ist jedenfalls, dass der „erste“ Lenneper Bahnhof sicherlich unter dem Eindruck einer drängenden Wirtschaftsentwicklung entstand, und dass er später den Repräsentationsansprüchen der Wilhelminischen Epoche um 1910 nicht mehr genügte. Auch entsprach er nicht der zwischenzeitlichen Entwicklung der damaligen Kaiserstraße, der heutigen Bahnhofstraße. Blickte man um die Jahrhundertwende von der Kölner Straße in Richtung Bahnhof, so sah man im mittleren Abschnitt nicht nur das von Albert Schmidt im Jahre 1889 errichtete Rathaus bzw. Amtsgericht, sondern  links an der „düsteren Gasse“ auch das repräsentative Stammhaus der Fabrik für Öfen & Herde Hugo Heuck und die Bergische Licht- und Kraftwerke A.-G. (später RWE), weiter oben links dann auch das bereits erwähnte Hotel Kaiserhof, in dessen Räumen ab 1920 dann der Barmer Bank-Verein oder noch später die Lenneper Sparkasse residierte.

Die Kaiser- bzw. Bahnhofstraße, zunächst als Teillösung zum zügigen Transport der über den Bahnhof gelieferten Materialien gedacht, war zur Zeit der Entstehung des „neuen“ Bahnhofs schon zu einer Prachtstraße geworden, die nicht umsonst namentlich dem Kaiser gewidmet war, sozusagen ein Ensemble mit Identitätspräsentationsfunktion, wie der Mollplatz mit seinem Kaiserdenkmal ein Ausdruck Preußischer Herrlichkeit im Bergischen Land. Zum „neuen“ Lenneper Bahnhof schrieb das  Kreisblatt  im Jahre 1911: „Nun erhebt sich anstelle des alten ein stattliches Empfangsgebäude, wie es der Bedeutung Lenneps als Verkehrsknotenpunkt entspricht. Schon in der Kaiserstraße fesselt das Auge der in schönen architektonischen Formen gehaltene und lebendig gegliederte Neubau“. Der ausführlichen Artikel am Vorabend der offiziellen Bahnhofseinweihung betonte den vornehmen und gediegenen Eindruck und die Verwendung hochwertiger Materialien.

Neben den bahnfunktionalen Einheiten wie Schalterhalle und Gepäckaufgabe enthielt das neue Gebäude u.a. auch zwei unterschiedliche Wartesäle, einen für die 1. und 2. Klasse sowie einen für die 3. und 4. Klasse. Der bessere Wartesaal wartete nicht nur mit einem vornehmeren „Büffett“ auf, sondern führte auch zu einem kleinem „Nichtraucherzimmer“ (heute wäre es vielleicht umgekehrt, und die Raucher bekämen ein geschlossenes „Clubzimmer“). Das Gebäude enthielt zudem Dienstwohnungen, u.a. auch eine für die Familie des Bahnhofsrestaurateurs samt Wirtschaftsräumen. Von dem zur Straße liegenden Wartesaal des langjährigen Restaurateurs Hans Kraemer, seine Witwe führte das Geschäft später fort, ist sogar mindestens eine Postkarte erhalten. Sie zeigt den zum Bahnhofsvorplatz gelegenen Saal mit den großen bleiverglasten Außenfenstern und dem Buffet im Hintergrund, der Palmengarten des Vorgängers Groß wurde allerdings hier auf eine Einzelpalme reduziert. Die rückseitige Inschrift der Postkarte lautet: Bahnhofs-Wirtschaft-Lennep, das gepflegte Haus, Inh.: Hans Kraemer Wwe. Ein Exemplar dieser Karte liegt noch aus dem Jahre 1941 vor, abgestempelt durch die damalige Feldpost.

Entwurf, Planung und interne Bauaufsicht des seinerzeit „neuen“ Lenneper Bahnhofsgebäudes wurden übrigens durch die Eisenbahnbauabteilungen in Elberfeld und Lennep selbst bewerkstelligt, die Bauausführung dagegen wurde weit überwiegend Lenneper Handwerksmeistern übergeben. Dabei tauchen Namen auf, die heutigen Lennepern u.U. noch etwas sagen können, wie die Firma Wender & Dürholt (Schreinerarbeiten), Kuby (Möbelherstellung) oder auch Lohmann (Dachdeckerei). Der Artikel aus dem Jahre 1911 schließt mit dem Hinweis, dass einige Arbeiten noch erst geleistet werden müssen, z.B. die von der Stadt Lennep versprochene Pflasterung vor dem neuen Bahnhofseingang mit dem durch Kupferblech bedeckten halbrunden Vorbau. Die ersten Postkarten des neuen Lenneper Bahnhofsgebäudes zeigen denn auch den Zustand, in dem die Versprechen noch nicht völlig abgearbeitet sind, so sieht man z.B. im Eingangsbereich noch Pflastersteinhaufen, und die Anstreicher gehen im ersten Stockwerk ihrem Handwerk nach.

Die einstige Bahnhofsgaststätte ähnelte einem Palmengarten.Fotografien vom „neuen“ Lenneper Bahnhof gibt es, über die Jahrzehnte verstreut, viele. Die oft nur sehr äußerliche Veränderung richtet sich dabei nach dem Geschmack der jeweiligen Zeit, manchmal aber gelingt eine Datierung auch nur über die mit abgebildeten, inzwischen „historischen“ Fahrzeugtypen, die vor den Gebäude abgestellt sind. Eine einschneidende Veränderung erfuhr das Bauwerk 1945 durch das alliierte Bombardement, wodurch es insgesamt schwer beschädigt wurde. Der nach Norden liegende letzte Flügel wurde später nicht wieder aufgebaut. Auch hier könnte natürlich noch so manche Geschichte erzählt werden, etwa vom Kohlenklau in den 1940er Jahren, wo die heute mehr als siebzigjährigen „Pimpfe“, oft auch unterstützt durch ihre auf sich gestellten Mütter, in der Dämmerung verbotenerweise die Kohlewaggons plünderten und die herab fallenden Stücke hastig in die mitgebrachten Säcke stopften. Nach dem Motto Not kennt kein Gebot drückten damals die selbst bedürftigen (Hilfs-)Beamten der Eisenbahn und Polizei so manches Auge zu.

Es wäre schön, wenn die Vergangenheit des Bahnhofs von Lennep bei den anstehenden baulichen Veränderungen nicht nur für praktizierende Historiker zugänglich bliebe. Vielleicht gibt es ja bei der weiteren Verwendung Möglichkeiten, sich der durchaus honorigen Vergangenheit zu erinnern.

Apropos Erinnerung: nach den Erinnerungen von Albert Schmidt pflegte der seinerzeit alte Windgassen, also der Vater des späteren „Kapitäns“ und weiterer Mitglieder der Familie, deren einer es zum Opernsänger und ein anderer zum Kammersänger brachte, zur Jahreswende just von oberhalb des Lenneper Bahnhofs, der Karlshöhe nämlich, mit der Trompete zu blasen: „Das alte Jahr vergangen ist…“.