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Nacht der Kultur 2019 im Teo-Otto-Theater

Samstag gegen 18.30 Uhr vor dem Teo-Otto Theater eingetroffen, gesellten wir uns zu einer größeren Menschtraube, die erwartungsvoll die Öffnung der Türen erwartete. Die Traube wurde größer und größer. Nach links und rechts ergaben sich kurze Gespräche, bis schließlich um 19 Uhr die Türen geöffnet wurden. Drinnen vor den Eingangstüren zum Konzertsaal war zunächst weiteres Warten angesagt, bis um 19.30 Uhr der Zutritt zum Saal freigegeben wurde. Die Sitze waren innerhalb kurzer Zeit vollständig belegt, und die sonst nicht erlaubten Stehplätze an den Seiten füllten sich ebenfalls.

Das Konzert begann um 20 Uhr. Auf dem Programm stand italienische Klassik, die von den Bergischen Symphonikern unter Leitung von Generalmusikdirektor  Daniel Huppert präsentiert wurde. Die Leichtigkeit der italienischen Lebensart war in der Musik spürbar. Für mich, nicht unbedingt ein Fan von klassischer Musik, waren die Musikstücke seltsam vertraut. Das liegt vielleicht an meiner Vorliebe für die Aufnahmen von Luciano Pavarotti & Friends, die auch verschiedene Arien italienischer Komponisten enthalten. Das Konzert hat den Besucherinnen und Besuchern sehr gefallen. Die Sopranistin Elizabeth Moran rundete das Konzert mit wundervollen Arien ab. Der Applaus war überwältigend, und eine Zugabe musste sein. Das Konzert endete ca. 21.15 Uhr. Vielen Dank für diesen wunderbaren Musikgenuss.

Nach Verlassen des Theaters stellte sich die Frage, wo meine Frau und ich die Nacht der Kultur weiter genießen sollten. Wir haben uns für den Gang nach Hause entschieden. An diesem Abend spürten wir: Weniger ist manchmal Mehr.

Nettekoven: Mannschaftssport bleibt auf der Strecke

von Dr. Bernd Kuznik

„Kommerz olé! – Ehrenamt in der Krise?“ , Talkrunde des Kulturkreises Lüttringhausen gestern Abend im Lüttringhauser Rathaus.  Bei der Ankunft waren einige Besucher überrascht, dass das RS1-TV mit großer Mannschaft (drei Kameras) die Diskussion dokumentierte. Das Gespräch vor ca. 20 Gästen kam nach der Begrüßung durch Thorsten Greuling schnell in Gang, wobei das Ehrenamt in allen Sportarten im Fokus stand, nicht nur im Fußball: Denn die Sportvereine im Allgemeinen leiden unter einem Mangel an ehrenamtlichen Freiwilligen. Es geht dabei nicht direkt um  spezielles Trainerwissen, sondern um die Beaufsichtigung von Kinder- und Jugendgruppen.

Da ließ die Frage nach monetären Anreizen nicht lange auf sich warten. In den meisten Fällen ist das aber nicht das Problem. Die mangelhaften und über Jahre vernachlässigten Sportstätten seien das eigentliche Problem, hieß es. Wer spielt schon gerne auf einem Aschenplatz, wenn es woanders wesentlich bessere Trainingsbedingungen gibt? Die Ausstattung des Platzes, der Sportanlage und die hygienischen Bedingungen von Duschen und Toiletten sind heutzutage entscheidend. Fußballstadien und andere Sporteinrichtungen waren früher zu Fuß oder per Fahrrad zu erreichen. Die Vernachlässigung mancher Sportstätten führt dazu, dass wesentlich weitere Wege (zu anderen Trainingsstätten) gefahren werden müssen.

Peter Frymuth (DFB) machte den Vorschlag, alle Ehrenamtler im Sport sollten doch mal für vier Wochen die Arbeit einstellen. Vielleicht wache die Politik dann auf und realisiere, wie wichtig Sport für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene sei. Gäbe es keine Sportvereine, müsse die Kinder- und Jugendarbeit wesentlich intensiviert werden, um eine sinnvolle Tagesgestaltung anbieten zu können. Die Kosten für die Unterstützung von Sportvereinen, Sportanlagen und Ehrenamtlern sei demgegenüber mit Sicherheit wesentlich geringer. Der MdL und Präsident des Ringerverbandes Nordrhein-Westfalen e.V., der Remscheider CDU-Fraktions- und Kreisvorsitzende Jens Peter Nettekoven brachte auch die wachsende Zahl von Fitness Anlagen („rund um die Uhr“) ins Gespräch. Mannschaftssport bleibe dabei auf der Strecke; jeder trainierte für sich.

Ein Zuhörer regte an, die Top-Fußballvereine an den Kosten der kleinen Vereine zu beteiligen. Frymuth wandte ein, dass von den großen Vereinen bereits Gelder zu den kleinen Vereinen flössen, auch für die Nachwuchsförderung. Von Gerd Kirchhoff (1. FC Klausen) kam der Hinweis, eine ehrenamtliche Tätigkeit sei für einen Selbständigen gleichbedeutend mit „Einkommensverlust aus Idealismus“. Wenn zum Beispiel ein Gespräch mit der Verwaltung für 14 Uhr angesetzt werde, könne ein Selbständiger mindestens drei Stunden Arbeitszeit „abschreiben“.

Fehlende Direktverbindung ganz persönlich gespürt

Die Diskutanten im alten Bahnhof Lüttringhausen. Foto: Bernd Kuznik.Im Rahmen ihrer Klimaschutzwochen hatte die Remscheider SPD in den Bahnhof Lüttringhausen, um mit Susana dos Santos Herrmann (MdL), Helmut Ruppert (VCD), Michael Munkler (Ver.di) und Axel Sindram „Pro Bahn“ die Frage „Mobilität in unserer Gesellschaft – Pflicht oder Kür?“ zu erörtern. Sie wurden begrüßt von Ulla Wilberg, Koordinatorin der Klimaschutzwochen.  Moderator Thorsten Kabitz von Radio RSG eröffnete das Gespräch mit einer Anekdote: Warum fahren die lippischen Mitglieder des Landtages NRW nur bis zur vorletzten Station des Landtages? Gerüchte besagen, dass dies aus gesundheitlichen Gründen erfolgt und um sich gut mental auf die bevorstehenden Sitzungen vorzubereiten. Ein anderer Grund könnte sein, dass die Fahrt bis zum Landtag eine weitere Tarifzone beinhaltet und damit teurer ist. Zwei Seiten einer Medaille namens Mobilität. Für Susana dos Santos Herrmann war auch der Zeitfaktor wichtig: Für die Bahnfahrt von Köln nach Lüttringhausen hatte sie 1,5 Stunden gebraucht. Das lag zwar auch an einem verpassten Anschluss, aber die Fahrzeit war ihr dennoch zu lang: „Das müsste eigentlich besser gehen, etwa durch eine Direktverbindung nach Köln!“

Die SPD-Landtagsabgeordnete erinnerte an den Zustand des Rheins vor ca. 30 Jahren: „Kein Fisch war zu sehen. Seitdem hat sich viel verbessert. Heute laichen wieder Lachse im Rhein.“ Gleichzeitig sei das Bedürfnis nach Mobilität gewachsen. Könnten da noch die Klimaziele erreicht werden? In Köln seien die Straßen, die Bahnen und die Busse stark frequentiert. Ca. 45 Prozent der Verkehrsteilnehmer (ohne die Güterverkehre) nutzen das Auto, 43 Prozent andere Möglichkeiten, und zwölf Prozent seien Fußgänger. An dieser Aufteilung habe sich seit 1990 faktisch nichts verändert. Wichtig sei der Ausbau des ÖPNV mit Mitteln aus dem Verkehrswegeplan 2030. Ziel müsse es dabei sein, die Kosten für die Nutzer niedrig zu halten. Denn sonst könnten sie zum Umsteigen auf Busse und Bahn nicht bewogen werden. „Der Zug-Takt zwischen Dortmund und Köln sollte idealerweise 15 Minuten betragen!“

Der Bund befördert die Infrastruktur der Bahn jährlich mit ca. einer Milliarde Euro/ Jahr.  Das betrifft auch Investitionen in moderne Antriebstechniken und eine bessere Verknüpfung der Verkehrsmittel untereinander. Diskutiert werde das 365-€-Jahresticket. Aber trotz eine solchen Tickets habe in Stadt Wien der Individualverkehr leicht auf 39 Prozent zugenommen. Eine andere Möglichkeit seien neue oder modernisierte Bahnstrecken sowie die Digitalisierung der Stellwerke. Doch zügige Planverfahren würden häufig durch Klagen von Anwohnern verzögert.

In der Diskussion mit den Teilnehmern und den Besucher/innen und Besuchern der Veranstaltung wurde darauf verwiesen, dass sich seit 1930 die meisten Verkehrsplanungen auf das Auto ausgerichtet seien. Es müsse darauf ankommen, Flächen für Verkehrswege anders zu verteilen, mit größeren Anteilen für Fahrrad und Fußgänger, die Fahrwege zu verkürzen (wohnortnahe  Beschäftigung, nahegelegene Kindergärten und Schule, Pflegedienste im Quartier). Auch mehr Car Sharing könne den Individualverkehr verringern, hieß es. Abschließend wollte Thorsten Kabitz je zwei Thesen oder Forderungen hören. Das Ergebnis:  

  • Helmut Ruppert: Ausbau Fahrrad Infrastruktur, Förderung des ÖPNV.
  • Axel Sindram: Reaktivierung der Strecke Remscheid- Köln; Förderung von Bus on Demand-Systemen.
  • Michael Munkler: Höhere Finanzierung und Förderung.
  • Susana dos Santos Herrmann: Den ÖPNV ausbauen und „eine starke Stimme in Berlin  für den Bahnumbau in Köln“. Denn Köln sei ein Nadelöhr für den Schienenverkehr. Und der Zuschuss des Bundes für den Ausbau der vier großen Bahnhöfe sei zu gering.

Das Fazit dieses Abends: „Mobilität“ ist ein hochkomplexes Thema. Angemessene Bezahlung spielt dabei genauso eine Rolle wie Fahrradtrassen, gute Schienenverbindungen, schnell Taktzeiten usw. Umweltschutz fängt bei jedem Einzelnen an. Muss man wirklich am Sonntagmorgen mit dem Auto zum Bäcker fahren? Geht das eventuell auch mit dem Fahrrad oder zu Fuß? Muss ich in Köln oder Düsseldorf arbeiten? Geht es eventuell auch wohnortnah?