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Wochenrückblick vom 15. bis 21. Oktober 2018

 

Mit 63 wurde ich Pendler zwischen Remscheid und Spanien

 Jose Agustin Gamino Lanza, geboren 25.11.1942 in Badajoz in Spanien, seit 1968 in Remscheid:

„Badajoz ist die Hauptstadt der Provinz Badajoz in Extremadura (Spanien). Die Stadt liegt am Ufer des Flusses Guadiana. Badajoz ist Bischofssitz und Universitätsstadt. Die Einwohnerzahl betrug am 1. Januar 2007 149.137 Einwohner. Ich bin im Alter von 14 Jahren mit meiner Familie von Badajoz, nahe der Grenze zu Portugal nach Madrid umgezogen. Dort habe ich mein Abitur gemacht und meinen Militärdienst absolviert. An der technischen Hochschule in Madrid begann ich mit dem Studium der Aeronautik.

In dieser Studienzeit wollte ich einen Auslandsurlaub machen. Ich habe eine spanische Familie aus Linz am Rhein kennen gelernt. Da bin ich dann zum „Auslandsurlaub“ hingefahren. Auf der Fahrt mit dem Zug nach Linz schaute ich natürlich zum Fenster raus. Da sah ich morgens, gegen 5 Uhr eine Gruppe von sieben oder acht Personen auf dem Fahrrad. Ich fand das sehr verwunderlich. In Linz angekommen, habe ich davon erzählt. Meine spanischen Freunde erzählten mir dann, dass die Radfahrer auf dem Weg zur Arbeit waren. Das war neu für mich; in Spanien beginnt die Arbeit frühestens um 8 Uhr morgens, und nicht um 6 Uhr, oder noch früher, zumindest damals.

Der katholische Priester aus Linz, der auch für die spanische Familie sorgte, hat mir für drei Monate einen Job in Linz verschafft. Von diesen Menschen erfuhr ich auch über die Möglichkeit, in Deutschland zu studieren. Während dieser drei Monate habe ich die Stadt Berlin besichtigt und dort erfahren, dass es in Deutschland nur wenige technische Universitäten gibt, bekannt waren mir eine technische Universität in München und eine in Berlin. Für eine mögliche Aufnahme an der technische Universität sollte ich eine Sprachprüfung ablegen. Eine solche Sprachprüfung war mir zu diesem Zeitpunkt zu schwer. Deshalb habe ich davon Abstand genommen. Ich habe mich dann entschieden, einen anderen Beruf zu lernen.

Durch einen Freund bin ich nach Remscheid gekommen und habe direkt bei EDSCHA eine Anstellung gefunden. Kurze Zeit später wechselte ich zur BARMAG. Neben meiner täglichen Arbeit habe ich dann in Köln abends eine Berufsschule besucht, das Berufsbildungszentrum – BBZ. Parallel dazu besuchte ich die Volkshochschule hier in Remscheid zum Deutschkurs. Das dauerte ungefähr drei Jahre. In Köln habe ich dann meine Prüfung und Facharbeiterbrief als Starkstromelektriker, heute heißt das Anlagenelektronik, abgelegt. Meine Woche gestaltete sich in dieser Zeit so, dass ich in der Frühschicht gearbeitet habe, 4x wöchentlich nach Köln zum BBZ gefahren bin und dort von 15 Uhr bis 23 Uhr 3 x wöchentlich und samstags gelernt habe. Wir sind als eine Gruppe mit vier Personen, zwei Italiener und mit mir zwei Spanier, mit dem Auto nach Köln gefahren. Die Bücher, den Schulbesuch und Benzinkosten bzw. Fahrtkosten habe ich alles selbst bezahlen müssen; es gab keinerlei Unterstützung, ich hatte überall gefragt, weder vom Arbeitsamt noch vom spanischen Konsulat. Das war jeden Monat ein kleines Vermögen.

Meine Frau habe ich in meinem Studium in Madrid kennen und lieben gelernt. Sie ist 1970 nach Deutschland gekommen, zu mir nach Remscheid und wir haben geheiratet. Wir haben damals in der Hindenburgstraße in einer Zwei-Zimmerwohnung gewohnt. Mein Verdienst war zu der Zeit ca. 1.000 DM netto, mit den Überstunden, die an den verbleibenden zwei Werktagen anfielen. (weiter auf der 2. Seite)

Klicken führt zum'Zeitstrahl' der Ausstellung Zur 200-Jahr-Feier der Stadt Remscheid stellte Heike Hildebrandt vom damaligen Migrationsbüro der Stadt eine Ausstellung („Zeitzeugen-Projekt“) zusammen mit Schilderungen zahlreicher „Zeitzeugen der Zuwanderung“, deren neue Heimat Remscheid geworden war. Das ist jetzt zehn Jahre her. Doch die Geschichten sind es wert, nach vorne gestellt zu werden. Denn darin erzählen die „Zugereisten“, warum sie ihre Heimat verlassen haben, wie sie hier in Remscheid ankamen, welche Erwartungen, welche Hoffnungen, welche Enttäuschungen sie erlebten und warum sie sich trotzdem mit Remscheid verbunden fühlen. Zuwanderung begann aber nicht erst mit den "Gastarbeitern", sondern schon Ende des 19. Jahrhunderts mit italienischen Straßenbauern. Und nach dem nach dem Zweiten Weltkrieg folgten Vertriebene, Flüchtlinge und Heimatlose.

 

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Veranstaltungen des Teo Otto Theaters im Oktober

Sonntag, 21. Oktober,  18 Uhr
ON FIRE! #4: "Wovon sollen wir träumen..."
Popkultur, diesen Begriff muss man sich einmal auf der Zunge zergehen lassen: Pop – Kultur! Da kombiniert man etwas, was man im ersten Moment nicht zusammen erwartet. Das Populäre mit dem Kulturellen. Frida Gold kann tatsächlich beides.
Sie sind einerseits populär, aber andererseits in ihrem Genre prägend, was den kulturellen Auftrag für eine ganze Generation anbelangt. Sie bringen Tiefe und Leichtigkeit gleichermaßen in ihre Songs ein. Und das machen sich die Bergischen Symphoniker zunutze und holen das Front-Duo Alina Süggeler und Andreas Weizel ins Bergische. Pop und Kultur par excellence …
Miki Kekenj, Leitung und Arrangements Karten ab 19 Euro; Jugendticket 50% (begrenztes Kontingent); Sonderveranstaltung: keine Ermäßigung.

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Unbekannte richten Schaden in Kiosk an

In der Zeit 17./18. Oktober zwischen 20 und 12.30 Uhr drangen unbekannte Randalierer in einen Kiosk am Carl-Grüber-Weg ein, indem sie eine Zugangstür aufhebelten. Im Inneren gossen sie vorgefundenes Speiseöl über den gesamten Fußboden und das Inventar. Außerdem schalteten sie sämtliche Sicherungen aus, so dass der Inhalt der Kühltruhen abtaute. Auf ihrer Flucht nahmen die Täter noch einige Süßigkeiten mit sich. Der Gesamtschaden wird auf circa 3.000 Euro geschätzt. Zeugen werden gebeten sich unter der Rufnummer 0202/284-0 beim zuständigen Kriminalkommissariat zu melden. (aus dem Polizeibericht)

Wir wohnten mit acht Frauen auf einem Zimmer

Celia Ruano Torres, geboren 22.5.1935 in Guadramino/ Spanien:

„Die Provinz Salamanca ist eine spanische Provinz im leonesischen Teil der Autonomen Region Kastilien und León. Die Hauptstadt ist Salamanca. Im Norden grenzt sie an die Provinzen Zamora und Valladolid, im Süden an Cáceres, im Osten an Ávila und im Westen an Portugal. Die Provinz Salamanca hat 353.110 Einwohner (2006), von denen 45 % in der Hauptstadt Salamanca leben. Die Provinz zählt 362 Gemeinden, wovon mehr als die Hälfte Dörfer mit unter 300 Einwohnern sind.

Ich bin eines von sechs Kindern (vier Mädchen und zwei Jungen), wir halfen meinem Vater in der Landwirtschaft. Bis zu meinem 14 Lebensjahr habe ich die Schule besucht, insgesamt acht Jahre. Später, als meine Schwester Modedesignerin wurde, haben wir in Salamanca meiner Schwester geholfen, die Kleidung zu schneidern, die sie entworfen hatte. Als mein jüngster Bruder sich damals entschlossen hatte nach Deutschland zu gehen, haben wir uns entschlossen mitzugehen.

Ich bin Ende 1964 als Textilarbeiterin aus Salamanca ausgereist. Es gab in Salamanca ein Büro. Dort wurde alles geregelt, damit die Ausreise nach Deutschland reibungslos abläuft. Ich habe in einer Textilfabrik, Kammgarn in Dahlhausen in Radevormwald, gearbeitet, später dann in Lennep. Ich hatte „nur“ einen Arbeitsvertrag von täglich acht Stunden. Der Verdienst für diese acht Arbeitsstunden war mehr als bei einem 14-Stundentag in Spanien.

Die ganze Organisation von Unterbringung und Arbeitsstelle wurde 1964 vom Büro in Salamanca erledigt. Ich brauchte mich um nichts kümmern. Als ich hier ankam erfolgte die Unterbringung in einer Residenz in Dahlhausen, die nur für 30 spanische Frauen gedacht war. Wir hatten auch eine Betreuerin, das war eine spanische Nonne, namens Sabina. Später kam eine andere Nonne mit Namen Rufina.

Wir hatten Etagenbetten und wohnten mit acht Frauen auf einem Zimmer. Wir hatten eine große Gemeinschaftsküche, Kochgelegenheiten und auch eine Kantine. Ebenso gab es große Räume für Sanitär, Duschen und Toiletten für alle. Die Duschen hatten aber auch Türen, ähnlich wie in einem Schwimmbad. Die eigenen Zimmer und die Küche – wenn sie selbst genutzt wurde, mussten wir selbst sauber halten, die Sanitärräume wurden fremdgereinigt. Die Bettwäsche wurde uns von Kammgarn gestellt.

In der Fabrik wurden wir in Gruppen eingeteilt und haben die Arbeit durch zugucken gelernt. Wir sprachen kein deutsch. Es gab im Büro von Kammgarn eine Frau namens Maria, die als Dolmetscherin diente, wenn etwas geklärt werden musste. Wir sind aber sowohl in der Fabrik als auch privat unter uns spanischen Frauen geblieben. Die Notwendigkeit deutsch zu lernen haben wir nicht gesehen. Das war ein Fehler. Auch später nicht, weil mein Mann die deutsche Sprache beherrschte. Bei Geburtstagen, Weihnachtsfeiern oder Betriebsfeiern wurden trotz fehlender Deutschkenntnisse zu den deutschen Kollegen immer wieder gute Kontakte geknüpft, manchmal auch Freundschaften geschlossen. Später kamen in die Fabrik auch andere Arbeitskräfte aus Italien, Portugal und Jugoslawien. (weiter auf der 2. Seite)

Klicken führt zum'Zeitstrahl' der Ausstellung Zur 200-Jahr-Feier der Stadt Remscheid stellte Heike Hildebrandt vom damaligen Migrationsbüro der Stadt eine Ausstellung („Zeitzeugen-Projekt“) zusammen mit Schilderungen zahlreicher „Zeitzeugen der Zuwanderung“, deren neue Heimat Remscheid geworden war. Das ist jetzt zehn Jahre her. Doch die Geschichten sind es wert, nach vorne gestellt zu werden. Denn darin erzählen die „Zugereisten“, warum sie ihre Heimat verlassen haben, wie sie hier in Remscheid ankamen, welche Erwartungen, welche Hoffnungen, welche Enttäuschungen sie erlebten und warum sie sich trotzdem mit Remscheid verbunden fühlen. Zuwanderung begann aber nicht erst mit den "Gastarbeitern", sondern schon Ende des 19. Jahrhunderts mit italienischen Straßenbauern. Und nach dem nach dem Zweiten Weltkrieg folgten Vertriebene, Flüchtlinge und Heimatlose.

 

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Brand in Industriebetrieb an der Ringstraße

In den frühen Morgenstunden lief bei der Leitstelle der Feuerwehr die Brandmeldeanlage eines Industriebetriebes an der Ringstraße auf. Diese entsandte daraufhin eine Gruppe der Berufsfeuerwehr sowie den C-Dienst. Vor Ort stellten sie fest, dass eine Lagerhalle vollständig verraucht war. Nachgefordert wurden wurde eine weitere Gruppe der Berufsfeuerwehr, ein Abrollbehälter, Sonderlöschmittel sowie die Freiwillige Feuerwehr. Der Brandherd im Bereich einer Fräsmaschine wurde schnell gefunden und unter Einsatz von Sonderlöschmitteln wie Schaum und Pulver gelöscht. Da große Teile der Lagerhalle und der angrenzenden Fertigungshalle verraucht waren, wurden Überdruckbelüftungsgeräte zur Entrauchung und weitere Trupps unter Atemschutz zum Schaffen von Abluftöffnungen eingesetzt. Nach Abschluss der Arbeiten wurden die Bereiche wieder für die Arbeiter freigegeben. Für den Zeitraum der Löscharbeiten war die Ringstraße voll gesperrt. (aus dem Bericht der Feuerwehr)

Im Viehwagen auf eine Fahrt ins Ungewisse

Johanna Schleicher, geboren 11.4.1935 in Wölfelsdorf/ Habelschwerdt, seit 1951 in Remscheid:

„Wilkanów (deutsch Wölfelsdorf) ist ein Dorf in der Gemeinde Bystrzyca K?odzka im polnischen Powiat K?odzki, Wojewodschaft Niederschlesien. Es liegt sechs Kilometer südöstlich von Bystrzyca K?odzka und zieht sich neun Kilometer am Wölfelbach (Wilczka) entlang. Habelschwerdt( heute: Wilkanow) ist eine Stadt in der Woiwodschaft Niederschlesien in Polen. Sie liegt 20 km südlich der Kreisstadt an der Einmündung der Weistritz (Bystrzyca) in die Glatzer Neiße (Nysa K?odzka). Als Folge des Zweiten Weltkrieges fiel Wölfelsdorf 1945 und ganz Schlesien an Polen und wurde in Wilkanów umbenannt. Die deutsche Bevölkerung wurde vertrieben.

Ich wurde als junges Mädchen im Alter von zehn Jahren gemeinsam mit meiner Familie aus Habelschwerdt in Schlesien am 21.3.1946 vertrieben. In Viehwagen wurden wir abtransportiert. Die Fahrt ging ins Ungewisse. In Kohlfurt wurden wir von Engländern übernommen. Daher wussten wir, dass wir in die britische Besatzungszone kamen. Wir kamen dann nach Twiehausen im Kreis Lübecke in Ostwestfalen. Wir waren auf einem entlegenen Bauernhof untergebracht. Hier gab es keine höhere Schule, die Volksschule war fünf km weit entfernt.

Mein Vater war Bauleiter in einem chemisch- keramischen Industriebetrieb für Porzellan mit Firmensitz in Dresden und war häufig im Ausland tätig. Er hat immer gutes Geld verdient, uns hat es an nichts gefehlt. In Habelschwerdt galt mein Vater als der reiche Schleicher. (weiter auf der 2. Seite)

Klicken führt zum'Zeitstrahl' der Ausstellung Zur 200-Jahr-Feier der Stadt Remscheid stellte Heike Hildebrandt vom damaligen Migrationsbüro der Stadt eine Ausstellung („Zeitzeugen-Projekt“) zusammen mit Schilderungen zahlreicher „Zeitzeugen der Zuwanderung“, deren neue Heimat Remscheid geworden war. Das ist jetzt zehn Jahre her. Doch die Geschichten sind es wert, nach vorne gestellt zu werden. Denn darin erzählen die „Zugereisten“, warum sie ihre Heimat verlassen haben, wie sie hier in Remscheid ankamen, welche Erwartungen, welche Hoffnungen, welche Enttäuschungen sie erlebten und warum sie sich trotzdem mit Remscheid verbunden fühlen. Zuwanderung begann aber nicht erst mit den "Gastarbeitern", sondern schon Ende des 19. Jahrhunderts mit italienischen Straßenbauern. Und nach dem nach dem Zweiten Weltkrieg folgten Vertriebene, Flüchtlinge und Heimatlose.

 

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Wiedersehen mit Tanze Fihnchens Plüschmöbeln

von Alma Mühlhausen

Wer um die Verhältnisse der alten Zeit im Bergischen weiß, wird verstehen, dass die Erbschaft Tante Finchens, die in einer grünen Plüschgarnitur bestand, berechtigtes Aufsehen im Ort hervorrief. Gehörte doch schon damals der­jenige, der in seiner „Staatsstuov" ein mit Leder bezogenes Sofa stehen hatte, zu den „besseren" Leuten. Und mit welcher Ehrfurcht setzte man sich — sofern man dazu aufgefordert wurde — auf solch ein Möbelmonstrum.

Tante Finchen besaß ein Plüschsofa mit zwei dazu passenden Plüschsesseln. Zu dieser Pracht gehörte auch noch ein beplüschtes Fußbänkchen, das allerdings auf dem Gipfel des Vertikos thronte, damit ihm nichts geschah. Wer aber nun denkt, dass Tante Finchen ihr Prunkzimmer für ihre Kaffeevisiten benutzte, der irrt gewaltig. Lieber wäre sie gestorben, als sich ihr Plüscherbe abnutzen zu lassen. Vor dem Abendmahlsbild, auch ein Erbstück Tante Finchens, hingen Sommer und Winter die Fliegenfänger. Damit aber die nichtsnutzigen Sonnenstrahlen die grünen Plüschfarben nicht verwuschen, blieben die Fensterläden dicht geschlossen. Nur wenn Tante Finchen, was jeden Monat geschah, in ihrem Plüschzimmer hausputzte, wurde gelüftet und die Schonbezüge ausgeklopft. Da ist sie dann einmal von Pastor Thümmel überrascht worden, als er einen kranken Mieter im Hause besuchen wollte. Als der Pfarrer durch die offene Tür das Abendmahlsbild sah, schritt er, zum Entsetzen Tante Finchens, über den seiner Schrubtuchhollen entblößten Teppich, um das Bild aus der Nähe in Augenschein zu nehmen. Doch als sich Pfarrer Thümmel anschickte, auf dem Plüschsessel Platz zu nehmen, schrie Tante Finchen auf: „Waitense, Herr Pastor, ich tu eher wat drauf, sonst leidet dat all so". Und ungeachtet der geistlichen Würde des Bildinteressierten, drängte sie ihn zurück und schob ihm rasch ein Tuch unter den Hosenboden. Der Pfarrer, der den nicht zu überbietenden Putzfimmel Tante Finchens kannte, lächelte finnig: „Aber, liebe Frau Schmitz, das ist nicht schlimm, wenn meine Hose schmutzig wird; sie ist sowieso kein Glanzstück mehr." Und lachend entfernte sich der geistliche Herr, Tante Finchen in begreiflicher Empörung zurücklassend.

Da das Staatszimmer selten gelüftet wurde, herrschte eine Luft darin wie in einer Grabkammer. Dass aber Onkel Theo, Tante Finchens Ehepartner, das Plüschzimmer wie nichts auf der Welt hasste, hatte seinen berechtigten Grund. Seit seine Gattin die Erbschaft angetreten hatte, befand sich das eheliche Schlafgemach auf dem „Uohler", unter den Dachpfannen. Und das verzieh sich Onkel Theo nie, dass er um des lieben Friedens willen dem Umzug zugestimmt hatte. „Fröten die verd . .. Brocken doch de Motten op" war Abend für Abend der fromme Wunsch Onkel Theos, des armen Ausquartierten, wenn er auf den „Uohler" kletterte, nicht begreifend, dass seine Gattin ihr Plüscherbe unmöglich unter den Dachpfannen placieren konnte. Anscheinend aber hatten die Motten keinen Appetit auf grünen Plüsch, oder sie hatten, was noch wahrscheinlicher sein konnte, viel zu viel Respekt vor Tante Finchens Erbe.

Sooft ich einen Blick in Tante Finchens Prunkzimmer tun konnte, hielt ich einen Augenblick den Atem an. Waren wir doch zu Hause nur im Besitz einer hölzernen Lehnebank und eines Holzkastens, der sich und auch uns in der Ofennähe wärmte; eine „Staatsstuov" hatten wir nicht. So ging dann mein Kinderverstand durchaus mit Tante Finchens Auffassung einig: dass so eine geplüschte Pracht nicht abgenutzt werden durfte.

Dann wechselten wir die Wohnung, und meine Besuche bei Tante Finchen wurden seltener. Und mit den Jahren verblasste die Erinnerung an sie und ihr Plüschzimmer immer mehr. Doch da brachte mir nach vielen Jahren ein Erlebnis Tante Finchen und ihr Plüschzimmer wieder in Erinnerung.

Wir saßen in der Nachbarstadt in einem hellen, saalartigen Raum, in dem mir eine Ecke durch ihre hübsche Ausstattung besonders auffiel. Ein grünes Plüschsofa und zwei grüne Plüschsessel, die einer vergangenen Zeitepoche angehörten, fesselten meinen Blick. Irgendwie kamen mir die Möbel bekannt vor. Ich hatte sie bestimmt schon einmal gesehen. Aber wo? Während ich noch in meiner Erinnerung kramte, umgaukelte mich plötzlich eine Vision: Ich sah mich als Kind in der offenen Zimmertür Tante Finchens stehen und mit kindlicher Ehrfurcht die Plüschherrlichkeiten bestaunen. Doch meine kindliche Bewunderung kam mir heute so komisch vor, dass ich darüber laut lachen musste. Und dann erzählte ich den Anwesenden von Tante Finchen. Doch es sollte anders kommen. Mein Lachen kehrte sich in Erstaunen, als ich sah, wie die Gesichter ringsum mich verblüfft anblickten. Was ich dann zu hören bekam, verschlug mir schier die Sprache. Es waren tatsächlich Tante Finchens Plüschmöbel, und Tante Finchens Verwandte waren es, in deren Gaststätte ich weilte. Nun war ich die Lauschende, die sich von Tante Finchens letzten Lebensjahren erzählen ließ.

Nach ihrem Tode hatte Onkel Theo die Plüschmöbel einem Schwesternkind geschenkt, das damit den Erker der Gaststätte möblierte, nachdem die Bombennacht die eigenen Möbel zertrümmert hatte. Hübsch sah nun der Erker aus mit den geplüschten Möbeln, die vor dem auf dem Speicher untergebracht waren. Und wie gut hatten sie sich durch bald sechs Jahrzehnte erhalten.' Die Federn waren noch stabil, und das Mahagoniholz spiegelte noch in unverblasstem Glanz. Und, so versicherten die Gaststättenbesitzer, sie seien eine weiche, warme Sitzgelegenheit, die von alt und jung gerne benutzt würde. Dann aber musste ich wieder lachen und dachte: „Tante Finchen, du würdest dich im Grabe umdrehen, wenn du sehen könntest, wie sich alle in deinen einstigen, wohlbehüteten Plüschmöbeln breit machen, und — das würde dich am meisten treffen — sogar ohne Schutzhüllen!“ Auch für mich war Wirklichkeit geworden, was ich in meinen kühnsten Kinderträumen nicht zu träumen gewagt hätte: ich saß in einem der grünen Plüschsessel und schmunzelte in mich hinein. (aus: „Der Heimat zur Ehre. Bergischen Anekdoten und Geschichten“, 1960, von Alma Mühlhausen. Mit freundlicher Nachdruckgenehmigung der Erbin Erika Kleuser)

 

Dreigeteiltes Erinnern im Schicksalsmonat November

In der deutschen Geschichte war der November mehrfach ein „Schicksalsmonat“ für das damalige Deutsche Reich, aber auch für Remscheid. Im November 1918 wurde mit dem Matrosenaufstand in Wilhelmshaven und den unmittelbar folgenden revolutionären Umwälzungen in Kiel, die sich mit der Bildung von Arbeiter- und Soldatenräten schnell im gesamten Deutschen Reich verbreiteten, der Grundstein für die Weimarer Republik gelegt, der ersten parlamentarischen Republik auf deutschem Boden.

Dreigeteilt ist die Veranstaltung, zu der der Bergische Geschichtsverein, Abteilung Remscheid e.V., für Freitag,  9. November, einlädt zum Gedenken an 80 Jahre Reichspogromnacht (und die Opfer des Nationalsozialismus) sowie und 100 Jahre Matrosenaufstand in Kiel (und die Ereignisse in Remscheid). Die Veranstaltung beginnt um 16 Uhr in der Gedenk-und Bildungsstätte Pferdestall mit einer Führung durch die Ausstellung „Die Verbrechen im Westen“. Anschließend führt der Historiker Jochen Bilstein die Teilnehmer über den „Weg der Stolpersteine“ zum Ernst-Moritz-Arndt Gymnaisum, wo sie in der Aula ab 18.30 Uhr zwei Vorträge hören werden: In Bezug auf die Novemberrevolution1918 konnte der Verein einen namhaften wissenschaftlichen Experten aus Schleswig-Holstein gewinnen: Prof. Dr. Robert Bohn von der Universität Flensburg. Der Historiker ist seit 2001 einer der beiden Direktoren des Instituts für schleswig-holsteinische Zeit- und Regionalgeschichte sowie Professor für mittlere und neuere Geschichte  an der Universität Flensburg. Er wird die Ereignisse in Kiel und ihre Auswirkungen für Deutschland in seinem Vortrag am Abend des 9. November anschaulich vorstellen. Im Anschluss daran referiert Dr. Urs Diederichs, Museumsdirektor im Ruhestand und ehemaliger Leiter des Historischen Zentrums Remscheid, an Hand der einschlägigen Literatur und Remscheider Archivquellen die Auswirkungen der Kieler Ereignisse in der damaligen Stadt Remscheid. Gestreift werden dabei auch die Entwicklungen in den 1918 noch selbstständigen Städten Lennep und Lüttringhausen.

Mitmenschen äußerten: „Da kommen die Polacken!“

Manfred Stremlow, geboren am 15.6.1937 in Rummelsburg / Pommern, seit 1947 in Remscheid:

„Miastko (deutsch Rummelsburg, kaschubisch Miastkò) ist eine Stadt mit 11.900 Einwohnern in Polen. Sie liegt an dem Fluss Stüdnitz (Studnica) und gehört dem Powiat Bytowski, Woiwodschaft Pommern an. Nach Kriegsende kam die Stadt zu Polen, bekam den Namen Miastko und die verbliebene deutsche Bevölkerung wurde vertrieben. Rummelsburg war damals Kreisstadt und hatte 8.900 Einwohner, der Kreis Rummelsburg hatte 49.000 Einwohner.

Mit dem Ende des zweiten Weltkrieges hat die russische Armee meinen Heimatort Rummelsburg besetzt. Innerhalb kürzester Zeit wurde die Ortschaft an Polen übergeben. Am 5. Mai 1947 wurden wir von den polnischen Behörden ausgewiesen. Wir hatten zwölf Stunden Zeit, Rummelsburg zu verlassen. Mit dem Zug sind wir über Stettin nach Thüringen in den Ort Schmölln gefahren. Hier wurde uns, meiner Mutter und uns drei Kinder, eine kleine Wohnung zugewiesen.

Mein Vater war zu dieser Zeit bereits hier in Remscheid, in einem Lager in Tocksiepen. Wir wussten zu diesem Zeitpunkt nicht, dass Deutschland in Sektionen aufgeteilt war. Meine Mutter hat mit Hilfe des Roten Kreuzes meinen Vater hier in Remscheid gefunden und ihm per Telegramm mitgeteilt, wo wir waren. Er hat in weiser Voraussicht die „Einreisepapiere“ für die britische Zone hier besorgt. Er hat uns dann in Schmölln besucht und wir sind dann gemeinsam „schwarz“ über die Grenze mit Hilfe eines älteren Herrn für 20 Reichsmark.

Am 10. Juni 1947 sind wir hier in Remscheid angekommen, alle zusammen. Wir hatten nur mitgenommen, was wir tragen konnten bzw. was wir am Körper hatten. Wir mussten uns im Laufe der Zeit alles neu beschaffen.

Bis August oder September 1947 haben wir im Lager Tocksiepen in Lennep gewohnt. Das Lager Tocksiepen wurde dann aufgelöst. Wir wurden dann im Lager der Turnhalle in der Hardtstraße untergebracht. Dort lebten wir mit ca. 140 Personen bis zum 8. Juli 1949. In der Turnhalle gab es einen Waschraum, neben der zu Halle gehörenden „Bühne“ gab es einen Raum. Dort hatten wir, wie auch die anderen Kochgelegenheiten; jede Familie hatte eine Kochplatte. Es gab damals nur Eintopf. Wir fünf Personen hatten zwei Etagenbetten. (weiter auf der 2. Seite)

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