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Zur bewegten Geschichte des Freibads Eschbachtal

Der Plan zur Errichtung eines Freibades ging auf die Initiative der Remscheider Wassersportfreunde zurück. Dr. Lüer trat damals an den Ehrenbürger Robert Böker mit dem Wunsch heran, sich für die Schaffung eines Freibades einzusetzen: Die technischen Voraussetzungen seien gegeben, das Bad unterhalb der Pumpstation anzulegen. Von der Pumpstation könne täglich eine ausreichende Menge heißes Wasser abgegeben werden. Es gelang Lüer, Robert Böker zu überzeugen – mehr als das: Böker kaufte die benötigten Grundstücke von seinem eigenen Geld und trat mit den fertigen Bauplänen vor die Öffentlichkeit. Oberbürgermeister Dr. Jarres, der ein eifriger Förderer des Schwimmsports war,  war sofort einverstanden; nach mehrjähriger Bauzeit konnte das städtische Strandbad am 29. Juni 1912 dem Betrieb übergeben werden. Die festliche Einweihung fand bei strömendem Regen statt. Der eigentliche Schöpfer des Strandbades, Robert Böker, konnte diesen Tag leider nicht mehr miterleben, denn er war wenige Wochen zuvor gestorben.

Das Strandbad bestand aus drei Schwimmbecken aus Beton,  und zwar je einem getrennten Bereich für Herren und Damen von 20 x 25 Metern, sowie einem Familienbecken von 135 x 25 Metern. Die trennenden Holzwände zwischen den Bereichen wurden erst Ende der 1930er Jahre entfernt. Das Strandbad verfügte über eine Sanitätswache und sogar über ein Restaurant mit Terrasse.

Es gab einen mit Sand aufgeschütteten Badestrand (daher „Strand“-Bad). Das Wasser für die Schwimmbecken wurde, wie geplant, von der Pumpstation im Eschbachtal zugeführt und konnte unter Benutzung der Dampfkesselanlage bei Bedarf erwärmt werden. Das war einzigartig in Deutschland und machte unser Remscheider Strandbad zum ersten Freibad Deutschlands mit künstlicher Wasserzufuhr. Ein Straßenbahnanschluss machte es der Remscheider Bevölkerung möglich, problemlos dorthin zu gelangen.

Im ersten Jahr seines Bestehens verzeichnete das Strandbad 116.960 Besucher, obwohl die Eröffnung erst Ende Juni erfolgte. Die Besucherzahlen verdoppelten sich im folgenden Jahr (1913) auf 244.895 Personen. Allein am 24. August 1913 kamen 9.337 Menschen ins Strandbad Eschbachtal. Zum Vergleich: Heutzutage kommen an starken Tagen etwa 3.000 Besucher. So viele wie 1913 würden aber auch gar nicht mehr hineinpassen, denn nach dem Neubau Anfang der 1960er Jahre wurde das Bad nur noch für 5.000 Personen (Normalauslastung) konzipiert.

Beim Bombenangriff auf Remscheid im Juli 1943 wurde das Strandbad teilweise zerstört und in der Folgezeit durch Diebstahl und Vandalismus zusätzlich geschädigt. 1947 wurde es geschlossen. Die Wiedereröffnung nach umfangreichenden Sanierungsmaßnahmen fand zu Pfingsten 1949 statt. Doch nur etwas mehr als zehn Jahre später stand das Freibad Eschbachtal wieder kurz vor dem „Aus“: Das Schwimmbecken war undicht, die Filteranlage überaltert, und auch aus hygienischen Gründen war ein Weiterbetrieb der Anlage nicht zu verantworten, so der damalige Beigeordnete Dr. Krug im Bauausschuss am 14. Juli 1960.

Ein Neubau stand an, und die Standortfrage wurde diskutiert. In Frage kam entweder der alte Standort im Eschbachtal oder ein Standort, der für alle drei Stadtteile leicht zu erreichen wäre – wie etwa das Diepmannsbachtal. Auch das Wiesental zwischen Greuel und Grenzwall war im Gespräch. Der Neubau, der schließlich für 1,7 Millionen D-Mark doch am alten Standort ausgeführt wurde, beruht auf Entwürfen des Architekten Dr. Limmer aus Düsseldorf, der den Ideenwettbewerb gewonnen hatte.

Quellen: REM 5.3 VRS Verwaltungsbericht Remscheid 1912-1914; Rhein. Landeszeitung v. 28.6.1942; Hans-Jürgen Roth: Geschichte unserer Stadt Remscheid; Sportamt Remscheid, RGA v. 7.1.1949, 15.7.1960 und , RGA v. 6.1.1961;  RP v. 4.6.1949 und 30.6.1960. (aus: Vorlage zur Sportausschusssitzung am 20. November)

Zeitplan hängt von Museumskonzept ab

Die Handwerkerarbeiten an der Fassade des Hauses Cleff im Historischen Zentrum in Hasten sollen in den nächsten Tagen ausgeschrieben werden; hier sind echte „Künstler“ gefragt. Spätestens in zwei Jahren will Architekt Bramlage das Haus von außen wiederhergestellt haben - – vom Dach, wo man beginnen will, bis zum Kellersockel, Parallel will sich die Stadt Remscheid um weitere Fördergelder bemühen, um den Innenausbau vorantreiben zu können. Hiermit bis Ende 2023 fertig sein zu wollen, erscheint überaus ambitioniert und dürfte, wenn überhaupt, nur bei großzügigem Geldzufluss (auch mit Hilfe von Sponsoren?) und der baldigen Vorlage eines neuen Museumskonzeptes gelingen. Bleibt das erforderliche Geld aus, träfe der Satz von Volker Leitzbach, kulturpolitischer Sprecher der SPD, aus der Juni-Sitzung des Kulturausschusses zu: „Eine neue Fassade mit nichts dahinter!" Der Waterbölles sprach mit Architekt Bernhard Bramlage und Stadtdirektor Sven Wiertz.

Gedenkstunde zum Volkstrauertag im Ehrenhain

Die gestrige Gedenkfeier im Reinshagener Ehrenhain. Fotos: Francesco Lo Pinto.

Seit 1952 gedenkt die Bundesrepublik Deutschland am zweiten Sonntag vor dem Ersten Advent der Toten der Kriege und der Opfer der Gewaltherrschaft aller Nationen. Die Stadt Remscheid, der Verkehrs- und Förderverein Lennep e.V. und der Heimatbund Lüttringhausen e.V. hatten auch diesmal wieder gemeinsam zu der zentralen Gedenkstunde zum Volkstrauertag in den Ehrenhain Reinshagen, Wallburgstraße, eingeladen, verbunden mit dem traditionellen gemeinsamen Gang vom Parkplatz der Sportanlage Reinshagen zur Gedenkstätte. Die diesjährige Veranstaltung wurde musikalisch umrahmt vom Blechbläser-Ensemble der Bergischen Symphoniker und dem Remscheider Männerchor Germania e.V. Die Gedenkansprachehielt Stadtdechant Msgr. Thomas Kaster.

Wochenrückblick vom 11. bis 17. November 2019

Langjährige Recherchen zu Flugzeugabsturz

Pressemitteilung von Radio RSG

Radio RSG-Redakteurin Tania Janke hat den diesjährigen Hörfunkpreis der Medienanstalt NRW gewonnen. In der Kategorie Information / Recherche ist sie für ihre Beitragsreihe „30. Jahrestag Remscheider Flugzeugabsturz – Die Akten werden geschlossen“ ausgezeichnet worden. Der NRW-Hörfunkpreis der Medienanstalt in Düsseldorf  ist die höchste Auszeichnung für Lokalradio-Macher in NRW und wird in insgesamt zwölf Kategorien vergeben. Der Preis in der Kategorie Information / Recherche wurde vom Deutschen Journalisten-Verband (DJV NRW) gestiftet. Die Verleihung fand gestern Abend im Düsseldorfer Medienhafen statt.

Die Jury lobte unter anderem die behutsame Herangehensweise und die langjährige Recherchearbeit. Bei dem Absturz eines amerikanischen Kampfjets im Dezember 1988 waren sieben Menschen ums Leben gekommen. Die genauen Umstände und Hintergründe sind jedoch bis heute nicht vollständig aufgeklärt.

Schon seit Anfang der 2000er Jahre beschäftigt sich Tania Janke mit dem Thema. Zusammen mit dem damaligen SPD-Bundestagsabgeordneten Hans-Werner Bertl recherchierte sie in dem Fall und sprach mit Augenzeugen und Betroffenen: „Wir haben uns teilweise nachts mit den Menschen getroffen, die etwas zu sagen hatten, aber unbedingt anonym bleiben wollten“. Die Vermutung, dass der Jet möglicherweise uranhaltige Munition an Bord hatte, konnte bis heute nicht bewiesen werden. Aber: „Es ist ein Thema, das mich nicht loslässt“, sagt Tania Janke.

Geld reicht nur aus für die Sanierung der Fassade

Haus Cleff: Rückfall auf den harten Boden der Realität“, titelte der Waterbölles am 13. Juni. Im Kulturausschuss hatte sich herausgestellt, dass das vorhandene Geld für die Sanierung des in den Jahren 1778 und 1779 im Stil des bergischen Rokoko von den Gebrüdern Hilger erbauten Patrizierhauses „Haus Cleff“ bislang lediglich ausreicht, um die äußere Hülle des Hauses – bestehend aus vielen Holzbalken, diversen Holzarbeiten (an den Fenstern), Ziegeln und Schiefer – vom Mansardendach bis zum steinernen Sockel instand zu setzen. Mehr aber auch nicht.

Mit der äußere Restaurierung des Hauses wird jetzt begonnen. Ein Teil des Gebäudes ist bereits eingerüstet; die noch fehlenden Gerüste sollen in der kommenden Woche folgen. Ein  Bauzaun verhindert das Betreten der Baustelle durch Unbefugte. Mit Pressevertretern begaben sich der Düsseldorfer Architekt Bernhard Bramlage, anerkannter Fachmann für Denkmalsanierungen, und die städtische Architektin Anja Klein gestern auf das Gerüst, um sich die Die Ruine gegenüber von Haus Cleff. Dass die gelbe Ruine einem größeren Parkplatz im Wege ist, stört gewaltig. Foto: Lothar Kaiserverwitterten Holzteile der Fenster aus der Nähe anzusehen. Für die Sanierung des Denkmals stehen derzeit insgesamt 3.545.551 Euro  zur Verfügung:

  • Eingeplante Haushaltsmittel der Stadt Remscheid (Investitionsplan): 1.200.000 Euro
  • Wert der Instandhaltungsrückstellungen zum 31.12.2018: 1.715.551 Euro
  • Förderung aus dem Denkmalschutzsonderprogramm der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien aufgrund eines Beschlusses des Haushaltsausschusses des Deutschen Bundestages: 490.000 Euro
  • Fördergelder der Stiftung Deutsche Denkmalpflege: 120.000 Euro

Die Handwerkerarbeiten an der Fassade sollen in den nächsten Tagen ausgeschrieben werden; hier sind echte „Künstler“ gefragt. Spätestens in zwei Jahren will Architekt Bramlage das Haus von außen wiederhergestellt haben - – vom Dach, wo man beginnen will, bis zum Kellersockel, Parallel will sich die Stadt Remscheid um weitere Fördergelder bemühen, um den Innenausbau vorantreiben zu können. Hiermit bis Ende 2023 fertig zu sein, erscheint überaus ambitioniert und dürfte, wenn überhaupt, nur bei großzügigem Geldzufluss (auch mit Hilfe von Sponsoren?) und der baldigen Vorlage eines neuen Museumskonzeptes gelingen. Bleibt das erforderliche Geld aus, träfe der Satz von Volker Leitzbach, kulturpolitischer Sprecher der SPD, aus der Juni-Sitzung des Kulturausschusses zu: „Eine neue Fassade mit nichts dahinter!"

Bisher sind seit 2015 für vorbereitende Sanierungsuntersuchungen und Sicherungsmaßnahmen 383.505,07 Euro verausgabt worden. Auf Grundlage der aktuellen Kostenschätzung ergibt sich ein Gesamtaufwand in Höhe von 2.217.000 Euro (brutto) für die Sanierung der Gebäudehülle (erster Bauabschnitt). Auf dieser Grundlage wurde zwischenzeitlich ein Antrag auf Gewährung einer Landeszuwendung aus der Denkmalförderung gestellt, der folgende Maßnahmen umfasst:

  • statische Ertüchtigung der Außenwände und der flankierenden Bauteile innen
  • Austausch bzw. Ergänzung von nicht mehr tragfähigem Holzwerk und Fachwerkverbindungen, Ertüchtigung der Sparren und Pfetten der Dachkonstruktion;
  • Wiederherstellung der Auflager Decke / Außenwand;
  • Instandsetzung der Fassaden und der Dachhaut
  • Abbruch und Erneuerung der Schieferflächen unter Berücksichtigung des historischen Schieferbildes;
  • Abbruch und Erneuerung der Bedachungen und der alten Bleianschlüsse an den Übergängen zum Gesims, den
  • Restaurierung bzw. Rekonstruktion des Holzwerks Fassade
  • Restauratorische Bearbeitung der historischen Fensterelemente, Gesimse, Lisenen, Läden und Gauben;
  • Rekonstruktion von vier fehlenden Fensterelementen;
  • Anstrich des gesamten Holzwerks in den Außenwänden mittels Leinöl.

An dem gestrigen Ortstermin nahmen auch  Bezirksbürgermeister Otto Mähler, Karl Heinz Humpert, der Vorsitzende des Kulturausschusses, und natürlich auch Museumsleiter Dr. Andreas Walbrecht  teil.

Das Umfeld des Lenneper Kreishauses 1909

von Dr. Wilhelm R. Schmidt

Jetzt kann man in den Zeitungen lesen, dass die Haltestelle am Lenneper Kreishaus verschönert werden soll. Ja, das hat sie wohl nötig. Meine Erinnerungen an diese Haltestelle gehen bis in die 1950er Jahre zurück, als ich eine Zeit die nahe "Schule zur Glocke" besuchte. Das Gebäude  des ehemaligen Kreishauses, Kölner Straße 82, entstand 1887–1889. Bis zur Eingemeindung 1929 nach Remscheid war das später als Schule genutzte Gebäude Sitz des Landratsamtes Lennep. Eine Sanierung des Baudenkmals erfolgte nach den Angaben der Stadt Remscheid in den Jahren 1998 – 2000.

Heute weiß kaum noch jemand in Lennep, dass das Gebäude seinerzeit von einem bis heute berühmten und überregional bekannten Baumeister errichtet wurde. Es handelt sich um den Geheimrat Schwechten, der über den damaligen Landrat des Kreises Lennep den Auftrag erhielt. Franz Heinrich Schwechten (* 12. August 1841 in Köln; † 11. August 1924 in Berlin) war ein deutscher Architekt des Historismus, der im gesamten Deutschen Reich und besonders in Berlin mit seinen Bauten berühmt wurde.

Als das Lenneper Kreishaus eröffnet wurde, gab es natürlich ein großes Fest. Der Lenneper Baumeister Albert Schmidt schildert in seinen privaten Lebenserinnerungen, dass seine Ehefrau Maria, geb. Haas, damals eine große Tombola veranstalten musste, und dass die Fotos, die seinerzeit gemacht wurden, leider verloren gingen. Nicht verloren ging allerdings obige Ansichtskarte aus dem Jahre 1909, also heute 110 Jahre alt. Sie lässt das damalige Umfeld des Kreishauses lebendig werden (mit Blick Richtung Trecknase). Aber so schön und ruhig (!) wie damals wird es dort auch nach der Verschönerung wohl nicht mehr werden. Auf der Straße zu stehen, das ist heutzutage niemandem mehr zu empfehlen...

 

Eine Gesellschaft braucht Ziele und Maßstäbe

„Der Monat November erweist sich in der Rückschau auf unsere Geschichte als ein Monat tiefgreifender Ereignisse. Insbesondere dürfen die schrecklichen Geschehnisse der Pogromnacht (9. November 1938) nicht in Vergessenheit geraten!“, betonte der  Verein Gedenk- und Bildungsstätte Pferdestall Remscheid e.V. und lud für Samstagabend zu einer Gedenkveranstaltung anlässlich des 81. Jahrestages der Reichspogromnacht in „seine“ Gedenk- und Bildungsstätte ein, den ehemaligen Pferdestall der Remscheider Polizei. Auch der Wuppertaler Polizeipräsident Markus Röhrl und Atouri Gourari als Vertreter der Jüdischen Kultusgemeinde nahmen an der Gedenkfeier teil. Nachkommen der Familie Mandelbaum schilderten in dem bis auf den letzten Platz besetzten Saal das Schicksal ihrer Familie, und in Vertretung von Oberbürgermeister Burkhard Mast-sprach Bürgermeister Kai Kaltwasser.

„Der 9. November ist ein entscheidender Tag in der neueren deutschen Geschichte: ein schicksalhafter Tag 1918 (vor 101 Jahren): Ausrufung der Republik und Ende der Monarchie, ein glücklicher Tag 1989 (vor 30 Jahren): Öffnung der innerdeutschen Grenze, und ein grauenhafter Tag 1938 (vor 81 Jahren): die Pogromnacht“, betonte Kai Kaltwasser. „Die Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 gehört zu den schlimmsten Momenten der deutschen Geschichte. Am 9. November 1938 gingen Hass und Gewalt gegen Juden vom Staat aus. Im Jahre 1938 waren Hass und Gewalt vor aller Augen. Die Diskriminierung führte schließlich zu Vernichtung. Unter der nationalsozialistischen Herrschaft wurden Millionen von Menschen jüdischer Herkunft entrechtet, entwürdigt, aus ihrer Heimat vertrieben und ermordet.“

Der 9. November 1938 sei ein Vorbote der späteren Verfolgung und Ausgrenzung gewesen, die zu den Massenmorden in den Ghettos und in den Lagern geführt habe, fuhr Kaltwasser fort. Auch in Remscheid wurden am 9. November 1938 Geschäfte und Wohnungen von Juden zerstört und Juden misshandelt!“

Wie der Remscheider Jochen Bilstein herausgearbeitet habe, sei in jener Nacht kaum eine jüdische Familie in von der Gewalt verschont geblieben. Einige jüdische Familien seien damals aus dem Polizeigefängnis mit einem Sonderzug in das Konzentrationslager Dachau deportiert worden. „Es grenzt daher fast an ein Wunder, dass nach dieser Vertreibung und diesem Massenmord wieder Juden in Deutschland heimisch wurden!“

Und dennoch sei es aktuelle Wirklichkeit, so Kai Kaltwasser, dass es in Deutschland offenen und latenten Antisemitismus gebe und die Anzahl der rechtsextremistisch motivierten Gewalttaten ansteige. Aber: „Fremdenfeindlichkeit und Rassismus haben keinen Platz in unserer Gesellschaft! Jeder Mann und jede Frau müssen sicher sein vor Diskriminierung und Gewalt! Der frühere Bundespräsident Johannes Rau hat einmal gesagt: ‚Wer Minderheiten angreift, der legt einen Sprengsatz an das Fundament unserer demokratischen Gesellschaft! ‘ Vor diesem Hintergrund ist es eine besondere Verpflichtung, die Erinnerung an den grausamen Versuch, jüdisches Leben in Deutschland und in Europa auszulöschen, wach zu halten. Wir müssen wissen, was damals geschah, und die Lehren daraus immer vor Augen halten. Denn: Jüdisches Leben in Deutschland ist eine Selbstverständlichkeit, ist eine Normalität, die nicht extra betont werden muss!“

Keine Gemeinschaft, keine Gesellschaft, auch kein Staat könne ohne Gedächtnis leben, so Kaltwasser weiter.  Denn ohne Erinnerung zu leben würde bedeuten, ohne Identität und damit ohne Orientierung zu leben. „Wenn wir nicht blind in die Zukunft gehen, sondern Ziele und Maßstäbe haben wollen, müssen wir wissen, woher wir kommen“, zitierte der Bürgermeister den früheren Bundespräsident Roman Herzog. Und: „Das Undenkbare ist einmal Wirklichkeit geworden, und damit bleibt es historische Möglichkeit – überall auf der Welt.“

„Mit großem Respekt“ dankte Kai Kaltwasser abschließend „allen, die die Gedenk- und Bildungsstätte Pferdestall in Remscheid auf den Weg gebracht haben und mit Leben füllen. Ihr Tun ist ein entscheidender und wichtiger Baustein gegen das Vergessen und für das Erinnern in unserer Stadt! Ihre Tätigkeit kann man gar nicht hoch genug wertschätzen. Bitte machen Sie weiter so!“

Wochenrückblick vom 4. bis 10. November 2019

Als noch mit Standkamera und Glasplatte fotografiert wurde

Die einstige Kaufmanngesellschaft am Lenneper Bahnhof. Foto: Sammlung Lempe.

von Dr. Wilhelm Schmidt

Das Foto zeigt die Bergstraße / Ecke Gartenstraße in Lennep am Bahnhof in einer Blütezeit der damaligen Kreisstadt. Der Krieg 1870/71 war da schon rund ein Dritteljahrhundert. An den erinnert in Lennep bis heute die sog. Friedeneiche, die als solche heutzutage aber kaum noch einer kennt, die aber auf dem Foto aus der Zeit der vorletzten Jahrhundertwende bereits stattlich angewachsen ist, umgeben von einer kleinen Wiese mit Buchsbaumumrandung, die unbefugt zu übersteigen seinerzeit "bei Preußens" natürlich „bei Strafe verboten“ war.

Das respektable Gebäude, dessen Baukörper in veränderter Form heute noch besteht, und an das sich die älteren Lenneper noch unter dem Namen „Hotel zur Post“ erinnern, war damals die sog. „Kaufmannsgesellschaft“. Diese gab es, wenn auch anderenorts in Lennep, damals schon über ein Jahrhundert, aber man hatte sich dann in der Nähe des Bahnhofs durch den Baumeister Schmidt ein neues Versammlungsgebäude errichten lassen. Dort trafen sich die Eigentümer der Lenneper Industriebetriebe, aber mehr noch ihre "Beamten", wie man damals sagte, also die Direktoren, Prokuristen und Verkaufsagenten, hier wurden also Verkaufsstrategien und Geschäfte vorbereitet. Natürlich wurde aber auch gefeiert. Die Gesellschaft verfügte z.B. über u.a. über zwei Weinkeller und mehrere Säle.

Die schöne Ansichtskarte hatte die örtliche Buchhandlung Richard Schmitz bei der damals sehr bekannten Kunstanstalt Rosenblatt in Frankfurt a.M.  in Frankfurt initiiert und umsetzen lassen. Die Buchhandlung war seinerzeit auch Verlag und gab Bücher zum Bergischen Land sowie regionale Drucksachen und Ansichtskarten heraus, deren Lenneper Motive seit den 1870er Jahren oft durch den Buchhändler höchst selbst mit einer Standkamera auf ein Glasplattennegativ gebannt worden waren. Adressiert war „unsere“  Ansichtskarte übrigens an eine Elli Fischer in Linde bei Lüttringhausen, und auf der Bildseite kann man bis heute einen herzlichen Glückwunsch der „Tante Julie“ zum Geburtstag erkennen, natürlich in historischer Sütterlinschrift, die sicherlich so mancher von uns nur noch schwer oder auch gar nicht entziffern kann.

Es ist schön, dass über derartige Ansichtskarten die Welt von früher für uns erhalten bleibt, denn das Original unseres heutigen Beispiels aus der „Sammlung Lempe“ ist inzwischen im Stadtarchiv Remscheid auf Dauer archiviert und man findet das Motiv  sogar im Internet.

Die Lenneper Kaufmannsgesellschaft ist in Zeitungsbeiträgen schon öfters mal beschrieben worden. Eine ausführliche Zusammenfassung wäre deshalb durchaus wünschenswert; ich arbeite daran. Bisherige Onlinebeiträge von mir findet man u.a. hier:

Attentat vor 80 Jahren – Festnahmen auch in Remscheid

von Armin Breidenbach

Insgesamt mehr 40 Attentatsversuche bzw. Attentatspläne hatten die Beseitigung Adolf Hitlers zum Ziel. Sie scheiterten jedoch meist an technischen Schwierigkeiten, den strengen Sicherheitsvorkehrungen, dem auffälligen Verhalten der Attentäter oder auch am unvorhersehbaren Verhalten Hitlers. Beispielsweise versuchte der württembergische Schreiner Georg Elser, ein Einzelgänger, der Mitglied des kommunistischen Roten Frontkämpferbundes war, Hitler am 8. November 1939 während seiner Rede im Münchener Bürgerbräukeller durch eine Bombe mit Zeitzünder zu töten. Hitler entging dem Attentat, weil er die Veranstaltung früher als geplant verlassen hatte. Elser wurde noch am Abend desselben Tages - ohne Zusammenhang mit den Fahndungsmaßnahmen – festgenommen und später im KZ Dachau inhaftiert, bis er im April 1945 erschossen wurde. Auch der gleichgeschaltete Remscheider General-Anzeiger berichtete ab dem 9. November 1939 ausführlich über das Attentat.

Von September bis November 1939 wurden im gesamten Deutschen Reich „nur wenig mehr als 3.000 Personen“ von der Gestapo festgenommen, darunter eine unbekannte Anzahl von Personen, die im Zusammenhang mit dem Attentat von Georg Elser festgenommen worden waren. Zu diesem Personenkreis gehörten nicht nur sämtliche Mitglieder der Familie von Georg Elser, sondern beispielsweise auch mehr als 100 Leipziger und zwölf stadtbekannte Kommunisten und Sozialdemokraten aus Celle. Mit der Gestapo-Sonderaktion vom 9. November 1939 sollten nach Georg Wilhelm „vor allem Juden und politisch ‚Unzuverlässige‘ als Geiseln für das Attentat genommen werden.“

Auch in Remscheid wurden im Rahmen dieser Gestapo-Sonderaktion am 9. bzw. 10. November 1939 mehrere Kommunisten festgenommen und für bis zu etwa einem Monat im Polizeigefängnis Remscheid in „Schutzhaft“ gehalten. An Hand des Aufnahmebuchs des Polizeigefängnisses Remscheid von 1939 hätte sich zweifelsfrei feststellen lassen, wie viele Personen damals festgenommen worden waren und wie lange sie im Polizeigefängnis Remscheid eingesperrt waren. Da aber die Aufnahmebücher des Polizeigefängnisses Remscheid für den Zeitraum von Januar 1933 bis Februar 1944 verschollen sind, musste auf andere Quellen, vor allem auf die im Historischen Zentrum Remscheid archivierten Wiedergutmachungsakten zurückgegriffen werden.

Der Remscheider Funktionär der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) Wilhelm Redlich, der zu den damals Festgenommenen gehörte, erklärte 1949 an Eides statt: „Ich bestätige hiermit, dass ich am 10.11.39 zusammen mit Otto Hardenbruch im Polizeigefängnis Remscheid bis zum 12.12.39 in Schutzhaft gewesen bin. Anlass zu dieser Verhaftung, wo u.a. auch Wilhelm Paulowski, Remscheid-Lennep, Hermann Stange, früher Remscheid, Willi Göbel, Remscheid, Langestr. verhaftet wurden, war das Attentat in München auf Hitler. Es waren zusammen etwa 1o Mann, die mit uns in Schutzhaft waren. Ich kann mich aber nicht mehr genau an die einzelnen Personen erinnern.“

Otto Hardenbruch, als KPD-Mitglied ebenfalls damals festgenommen, erklärte 1949: „Im Zuge der Reichsaktion am 9.11.1939 wurde ich wieder verhaftet und traf hier auch wieder Willi Karthaus, welchen man ebenfalls verhaftet hatte. Während ich am 12.12.1939 entlassen wurde, verblieben Karthaus sowie die meisten Inhaftierten noch in Gewahrsam im Polizeigefängnis Remscheid. Ich kann mich deshalb genau entsinnen, weil ich mit Karthaus und Redlich in einer Zelle zusammen war.“

Nach derzeitigem Forschungsstand waren folgende sechs Remscheider Kommunisten im Zusammenhang mit dem Elser-Attentat festgenommen worden: Wilhelm Göbel, Otto Hardenbruch, Wilhelm Karthaus, Wilhelm Paulowski, Wilhelm Redlich und Hermann Stange. Gemeinsam ist ihnen, dass sie alle bereits in früheren Jahren mindestens schon einmal aus politischen Gründen inhaftiert waren. Während Wilhelm Göbel und Otto Hardenbruch bereits 1924 bzw. 1933 wegen Sprengstoffverbrechens verurteilt worden waren, wurden Wilhelm Paulowski und Wilhelm Karthaus am 21. Juni 1934 in einem Prozess mit insgesamt neun Angeklagten aus Remscheid wegen dieses Delikts zu Zuchthausstrafen verurteilt. Der Remscheider General-Anzeiger berichtete in seiner Ausgabe vom 23./24. Juni 1934 ausführlich über diesen Prozess vor dem Düsseldorfer Sondergericht.

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MyViertel gedenkt der Opfer des Nationalsozialismus

Für den kommenden Samstag plant der Verein MyViertel e.V., im Rahmen des Jahrestags des Novemberpogroms ein Zeichen zu setzen gegen Fremdenhass, Intoleranz, Rassismus und Antisemitismus: An den gesäuberten und aufpolierten Stolpersteinen im Viertel sollen Rosen niederlegt und Kerzen entzündet werden. Hinzu an den Türen der Gastronomiebetriebe, den Eingängen von Kirche und Diakonie und an den Türen von Häusern, in denen Mitglieder von „MyViertel“ wohnen, ein selbstverfasster Text zum Gedenken an die Opfer des Nazi-Regimes. Auf den Plakaten steht:

Die Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 schreibt die grauenvolle Geschichte über den Beginn des größten Völkermordes, den es in Europa jemals gegeben hat. Es ist die Nacht, in der im gesamten Deutschen Reich die Synagogen und jüdischen Geschäfte brennen. Es ist die Nacht, in der Wohnungen von Menschen mit jüdischem Glauben verwüstet und vollständig zerstört werden. Eine Nacht, in der jüdische Familien in ganz Europa gewaltsam auseinandergerissen und für immer getrennt werden. Die Nacht, in der sich liebende Menschen nicht mehr verabschieden können, bevor sie sich nie wieder sehen.

November 2016:
Erstmals gemeinsame Gedenkfeier am Ehrenhain

Seit 1952 gedenkt die Bundesrepublik Deutschland am zweiten Sonntag vor dem Ersten Advent der Toten der Kriege und der Opfer der Gewaltherrschaft aller Nationen. Die Stadt Remscheid, der Verkehrs- und Förderverein Lennep e.V. und der Heimatbund Lüttringhausen e.V. laden gemeinsam zu einer zentralen Gedenkstunde zum Volkstrauertag am Sonntag, 17. November, um 11 Uhr im Ehrenhain Reinshagen, Wallburgstraße, ein.
Alle Remscheiderinnen und Remscheider sind herzlich dazu eingeladen, sich dem traditionellen gemeinsamen Gang zur Gedenkstätte anzuschließen. Er beginnt um 10.45 Uhr vom Parkplatz der Sportanlage Reinshagen aus. Die diesjährige Veranstaltung wird musikalisch umrahmt von dem Blechbläser-Ensemble der Bergischen Symphoniker und dem Remscheider Männerchor Germania e.V.. Die Gedenkansprache hält Stadtdechant Msgr. Thomas Kaster.

Die Nacht, in der Hunderte Juden ermordet, Tausende missbraucht und Zehntausende in die Konzentrationslager Dachau, Buchenwald und Sachsenhausen deportiert werden, um dort einen von den Nazis geplanten qualvollen und langsamen Tod zu sterben. 

Die Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 markiert den Übergang von der Diskriminierung deutscher Juden seit 1933 zur systematischen Verfolgung, die wenige Jahre später in den Holocaust mündet.

Auch in Remscheid werden in dieser Nacht jüdische Geschäfte angezündet und Wohnungen zerstört. Menschen werden misshandelt, geschlagen und ermordet, weil sie jüdischen Glaubens sind. Einige nehmen sich in dieser Nacht selbst das Leben, um vor den unerträglichen Qualen der Nazis zu fliehen. Markus Lenneberg, damals wohnhaft in einem Haus in der Alten Bismarckstraße, an dessen Stelle heute die Hausnummer 16 zu finden ist, vergiftet sich in dieser Nacht.

Wir gedenken der ehemaligen Bewohner des Viertels und aller Menschen, die dem Nationalsozialismus zum Opfer gefallen sind.

  • MARKUS LENNEBERG, JG. 1864, ENTRECHTET/GEDEMÜTIGT, FLUCHT IN DEN TOD 1938
  • ERNST ROLF LENNEBERG, JG. 1930, DEPORTIERT 1941, ERMORDET IN LODZ
  • ELSE KOPPEL, GEB. LUSTIG, JG. 1884, DEPORTIERT 1941, ERMORDET IN RIGA
  • ROSA HEUSLER, GEB. VOGEL, JG. 1887, DEPORTIERT 1942, ERMORDET 1943 IN AUSCHWITZ
  • MARTA DANNENBERG, GEB. GÄRTNER, JG. 1889, DEPORTIERT 1941, ERMORDET IN MINSK
  • ARTUR DANNENBERG, JG. 1884, DEPORTIERT 1941, ERMORDET IN MINSK
  • MATHILDE DANNENBERG, GEB. ROSENBAUM, JG. 1859, DEPORTIERT 1942, ERMORDET IN TREBLINKA
  • HUGO ARENZ, JG. 1896, VERHAFTET IN NEUENGAMME, EINGEWIESEN 'HEILANSTALT' BERNBURG, ERMORDET JUNI 1942

Dieses dunkle Kapitel der deutschen und europäischen Geschichte darf niemals vergessen werden. Erhebt eure Stimme gegen Antisemitismus, Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Intoleranz!

Liebe. Toleranz. Weltoffenheit. MyViertel.
Vielen Dank für die Aufmerksamkeit!