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Wochenrückblick vom 13. bis 19. Mai 2019

 

EMA-Schüler Dirk Kuhl, Sohn eines NS-Täters

In Kooperation mit dem Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium erwartet der Verein Gedenk- und Bildungsstätte Pferdestall Remscheid e.V. am 20. und 21. Mai den Besuch von Dirk Kuhl, eines ehemaligen Schülers der EMA. Sein Vater Dr. Günther Kuhl war in der Nazi-Zeit SS-Obersturmbannführer und Mitarbeiter der Gestapo. Er leitete die Staatspolizeistelle Braunschweig von Anfang Januar 1943  bis zum Kriegsende Durch ein britisches Militärgericht wurde er 1948 wegen Kriegsverbrechen zum Tode verurteilt. Das Urteil wurde am 9. Dezember 1948 im Zuchthaus Hameln vollstreckt.

Dirk Kuhl machte seine Geschichte als Sohn eines NS-Täters immer wieder in Zeitungs- und Fernsehberichten öffentlich und stellte sich schon oft den Fragen von Schülergruppen. Am Montag, 20. Mai, wird er um 10 Uhr mit den Mitgliedern der Geschichts-AG des Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasiums zusammentreffen und die Möglichkeit erhalten, seine ehemalige Schule bei einem Rundgang neu zu entdecken. Am folgenden Dienstag wird Dirk Kuhl um 9.40 Uhr in der Aula der Schule vor Schülerinnen und Schülern einen  Vortrag halten. Für 14 Uhr ist ein Besuch in der Gedenkstätte „Pferdestall“ vorgesehen. Und für 16 Uhr hat Stadtdirektor Sven Wiertz Kuhl eingeladen, sich in das Goldene Buch der Stadt Remscheid einzutragen. Begleitet wird Dirk Kuhl ins Rathaus von Hans Heinz Schumacher, Klaus Blumberg und Francesco Lo Pinto vom Vorstand des Gedenk- und Bildungsstätte Pferdestall Remscheid e.V.

Die Geschichte Dirk Kuhls erzählt der Dokumentarfilm „Eine unmögliche Freundschaft“ von Michael Richter und Bernd Wiedemann - die Freundschaft zwischen Kuhl als Kind eines Täters und dem Bostoner Mediziner Samson Munn, Sohn einer Auschwitz-Überlebenden. Kennengelernt hatten sie sich in der Gruppe „To Reflect and Trust“ des israelischen Psychologen Dan Bar-On. Dieser brachte Nachkommen von Opfern und Tätern zusammen, damit diese beim gegenseitigen Erzählen ihrer Familiengeschichte mit dieser besser zurechtkommen sollten. Dirk Kuhl war später selbst mit einer Jüdin verheiratet und pflegt bis heute zahlreiche jüdische Freundschaften.

Wochenrückblick vom 6. bis 12. Mai 2019

Auf Erkundung mit einem Remscheider Stadtführer

Samstag, 11. Mai,
My Viertel Fest in RS,
Kurzführungen rund um die ev. Stadtkirche am Markt, Lars Johann, frei.

Claudia Holtschneider. Foto: Lothar Kaiser.Samstag, 11. Mai, 14 Uhr,
Innenstadt: Vom Wasserturm zur Polizei,
eine Stunde, Claudia Holtschneider und Ute Freihoff, Wasserturm / Hochstr., fünf Euro.

Sonntag. 12. Mai, 14 Uhr,
Büchel, Spaziergang durch den Büchel zu den Infotafeln des Vereins Hasten für Hasten.
Kooperation Stadtführer / Hasten f. Hasten,
eine Stunde, Claudia Holtschneider, Hasten-Feld, Lindenberg-Denkmal, fünf Euro.

Auf der folgenden Seite finden Sie das komplette Jahresprogramm:

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Die Linke: 8. Mai muss Gedenk- und Feiertag werden

Pressemitteilung des Kreisverbandes DIE LINKE.Remscheid

Zum 74. Jahrestag der Befreiung vom Faschismus erklärt Axel Behrend, Sprecher DIE LINKE. Remscheid: „Heute ist Tag der Befreiung. Das ist der Tag, an dem wir feiern können, dass der Faschismus besiegt wurde und ein Tag, der uns mahnt, uns menschenfeindlichen Ideologien entgegenzustellen. In Europa formieren sich wieder rechte Kräfte, die für all jene zur Gefahr werden, die nicht in das Weltbild dieser rückwärtsgewandten Ideologien passen. Umso wichtiger ist es, dass wir die Erinnerung an das Elend wachhalten, welches das faschistische Deutschland zwischen 1933 und 1945 über die Menschen gebracht hat. Der 8. Mai als bundesweiter Gedenk- und Feiertag kann Raum für das gemeinsame Gedenken bieten. Erinnerung bleibt nur lebendig, wenn sie als Teil heutiger gesellschaftlicher Diskussion erhalten bleibt.“

Wochenrückblick vom 29 April bis 5. Mai 2019

Wiesenkotten: Karl und Hulda Kemper, die ersten Wirte

Wiesenkotten um 1900. Sammlung: BaadeAuf der ältesten existierenden Karte der Industriestandorte, die der Geograph Plönnies 1715 anlegte, ist der Wiesenkotten zwischen Müngsten und Burg nicht eingezeichnet. Auf meiner Suche nach seiner Entstehung fand ich eine Versteigerungsanzeige von 1772, wonach der Hammer damals veräußert werden sollte. Somit sortiere ich den Wiesenkotten in seiner Entstehung etwa nach 1715/20 ein. Erstmalig taucht der Wiesenkotten auf einer Karte von Wiebeking um 1790 auf; auch auf dem Urmesstischblatt von Solingen ist er erstmals Jahr 1824 erwähnt. 1829 ist der Kotten als gemeinsamer Kotten von Abraham Meis, Abraham Lauterjung, Daniel Clauberg und Abraham Kaimer zu Lauterjung ausgewiesen.

Wiesenkotten zur Zeit der Fähre. Postkarte aus der Sammlung: Renelt1839 ist als Besitzer Gustav Lauterjung nachzulesen. Ursprünglich wurden im Wiesenkotten ausschließlich Tisch- und große Messer geschliffen, und zwar liefen im Vorderkotten vier und im Hinterkotten sechs große Schleifsteine. 1842 Erwarb der Schleifermeister Kemper das ganze Anwesen; überwiegend wurden Sägen geschliffen. 1845 ist in den amtlichen Bekanntmachungen zu lesen: "Die Besitzer des … Wiesenkottens beabsichtigen, die sehr alte und baufällige Schlagt oder Wehre … abzubrechen und etwa 35 Ruthen unterhalb … eine neue anzulegen, ohne in ihrer bisherigen berechtigten Stauhöhe etwas zu verändern.“

In einer Aufzeichnung aller Wassertriebwerke an der Wupper von 1853 erscheinen für den hinteren Wiesenkotten die Eigentümer Leopold Theegarten, Geschwister Kirschbaum, C.W. Clauberg, Hermann Kaimer und Nathan Witte. In der Nacht vom 15. auf den 16. Oktober 1847 brannte der Kotten vollständig ab, wurde aber von dem damaligen Besitzer Karl Kemper und seiner Ehefrau Hulda geb. Schumacher wieder aufgebaut. Zimmermann Schreiber setzte am Innenkotten Ende der 1870er Jahre ein neues Wasserrad. Somit war der Außenkotten mit sechs und der Innenkotten mit vier Schleifsteinen eingerichtet.

Kempers waren es auch, die früh erkannten, dass an dem beliebten Wanderweg zwischen Müngsten und Burg neben der Schleiferei mit einer kleinen Restauration Geld zu verdienen war. Anfang der 1880er Jahre wurde bereits der Innenkotten im oberen Stockwerk zur Restauration umgebaut. Schließlich war es die Zeit, als die legendäre Müngstener Brücke gebaut wurde und Heerscharen wissbegieriger Anwohner sich das Spektakel an freien Tagen nicht entgehen lassen wollten.

Wiesenkotten zur Zeit der Fähre. Sammlung: ReneltAls Otto Jörgens (Firma Forstmann) am 11.6.1898 den Wiesenkotten kaufte, ließ er als Pächter die Eheleute Kemper weiter wirtschaften. 1917 ging das Anwesen auf die Fabrik "Elektrischer Zünder" und 1928 auf die Stadtgemeinde Solingen über, die kurz vor dem Krieg den Außenkotten abgerissen hatte. In den 1950er Jahren wurde das Wehr der Kottenanlage im Zuge der Wupperregulierung als letztes abgebaut. [Der Innenkotten ist als Gastwirtschaft noch heute ein sehr beliebtes Ausflugsziel zwischen Burg und Müngsten.] (Waterbölles: Dieser Satz gilt  icht mehr, siehe Anhang) (nach: Hämmer und Kottenforschung – Lobachtal (Hammertal), Bergbau in Remscheid, 2007 herausgegeben von Günther Schmidt)

April 2009: Der Waterbölles blättert zurück

Droht eine zweite "leere Hülle" an der Alleestraße?“, fragte der Waterbölles am 14. April 2009. Weiß verklebte Schaufensterscheiben prägen damals das Bild des einstigen Textilkaufhauses Sinn/Leffers an der Alleestraße, am 25. Februar 2009  im Rahmen eines Insolvenzverfahrens geschlossen wurde. „Ein Bild, an das man sich gewöhnen muss“, hieß es im April 2009. Für den Leerstand gilt das heute, auch wenn die Scheiben inzwischen nicht mehr komplett verklebt sind.

Projekt für "modernes Remscheid" bleibt in der Schublade“, titelte der Waterbölles am  28. April 2009. Eine Machbarkeitsstudie zur Umgestaltung des ZOB Friedrich-Ebert-Platz, die der Bauausschuss im September 2006 (für 25.868,00 €) in Auftrag gegeben hatte, hatte ergeben, dass Planung, Grunderwerb und Erschließung 2,2 Millionen Euro kosten würden, der spätere Grundstücksverkauf aber nur 1.668.420 Euro einbringen würde. Ein Verlustgeschäft von 531.265 Euro. Fazit der Verwaltung damals: „Eine Realisierung der Planung wäre grundsätzlich wünschenswert. Derzeit werden jedoch keine Umsetzungsmöglichkeiten gesehen, da die Finanzierung nicht gesichert ist. (…) Der Fehlbetrag kann von der Stadt Remscheid nicht übernommen werden.“ Im September 2006 hatte Stadtplaner Hans Gerd Sonnenschein dem Projekt noch „oberste Priorität“ eingeräumt. Und Rosemarie Stippekohl (CDU) sprach vom „teuersten Parkplatz, den man sich denken kann“. Ein Jahr zuvor, 2005, hatten fünf Teams aus Stadtplanern, Architekten, Verkehrsplanern und Landschafts-/ Freiraumplanern im Rahmen eines Wettbewerbs, den das Land NRW finanziell unterstützte, „Visionen und Perspektiven“ für die Innenstadt entwickelt. Motto: „Für ein modernes Remscheid - Strategien gegen die Stadtflucht“. 2009 teilte die Verwaltung mit: „Die Planung soll wieder aufgenommen oder fortgeführt werden, wenn absehbar ist, dass Fördermittel eingeworben werden können.“ Die Sinnhaftigkeit des Vorhabens, die Bushaltestellen neu zu ordnen und mehr „Aufenthaltsfläche“ zu schaffen, darf allerdings auch heute noch bezweifelt werden angesichts der weiterhin dahinsiechenden Fußgängerzone der Alleestraße.

In einer Pressemitteilung begrüßte der Heimatbundes Lüttringhausen e.V. vor zehn Jahren den Vorschlag der städtischen Bauverwaltung, für den Bereich des sogenannten Gleisdreiecks Bergisch Born (Am Borner Feld) ein Bebauungsplanverfahren einzuleiten zwecks Ergänzung des Gewerbeflächenangebots. Das habe man schon zehn Jahre früher gefordert. Zitat: „Der Grunderwerb an der ... ist gescheitert. Wichtige Eigentümer weigern sich seit Jahren, ihren Grundbesitz für das Gewerbegebiet zu verkaufen. Die Entwicklung von Alternativen ist daher zur Sicherung des Wirtschaftsstandortes Remscheid überfällig.“ Und sie ist schwierig und schwerfällig, kann heute, zehn Jahre später, hinzugefügt werden.

Ausbildungsmarkt im Sog der Krise“, hieß es vor zehn Jahren von Seiten der bergischen Agentur für Arbeit. Sie sprach im Zu7sammenhzang mit der damaligen Wirtschafts- und Finanzkrise von einem erschreckenden Rückgang an Ausbildungsstellen. Ute Ackerschott, damals Leiterin der Arbeitsagentur: „Ich sehe natürlich die Schwierigkeiten, mit denen unsere Unternehmen kämpfen, aber dass die “Ausbildung von Fachkräften“ gleich um ein Viertel gedrosselt wird, macht mich doch sehr betroffen.“

Remscheids Freiwilligenzentrale „Die Brücke“ e.V., offiziell vorgestellt schon vier Wochen zuvor, eröffnete am 2. April 2009 ihr kleines Büro an der Alten Bismarckstraße gegenüber dem Diakonischen Werk. Und schon am ersten Bürotag hatte Melanie Clemens (links im Bild) gut zu tun. 15 Stunden in der Woche werde sie in den nächsten zwei Jahren die Ansprechpartnerin sein für alle Remscheider Bürgerinnen und Bürger, die gerne ein Ehrenamt übernehmen möchten, und für die gemeinnützigen Vereine und Institutionen, die unentgeltliche Hilfe suchen, war die Vereinbarung zwischen Diakonischem Werk und Freiwilligenzentrale. Ihre übrige Arbeitszeit gelte weiterhin der Drogenberatung auf der anderen Straßenseite.

„Großer Bahnhof“ am Remscheider Hauptbahnhof im April 2009: Geöffnet wurde das P+R Parkhaus  an der neuen Presover Straße, nachdem diese dem Verkehr übergeben worden war, fast zeitgleich mit dem  neuen "Brücken-Center" und seinem größten Mieter „Kaufland“ (Foto rechts). Der Waterbölles lieferte dazu Zahlen, Daten, Fakten.

Auf moderne, kostensparende LED-Technik umgestellt wurde vor zehn Jahren die Ampelanlage an der  Kreuzung Trecknase (Foto links). Vorteil der neuen Technik: Die Ampeln werden vollautomatisch verkehrsabhängig geschaltet. Staus sollten damit künftig an der Trecknase die Ausnahme bleiben, jedenfalls außerhalb der Hauptverkehrszeiten, hieß es damals. Ob das in der Folgezeit gelang? Die einen sagen so, die anderen so. Richtig gut läuft der Verkehr auf der Kreuzung erst seit ihrem kompletten Ausbau, finde ich.

Remscheids neue Stadtkämmerin ist seit heute im Amt“, titelte der Waterbölles am 1. April 2009, und das war keineswegs ein Aprilscherz. Einstimmig hatte der Rat der Stadt Bärbel Schütte am 12. Februar für acht Jahre zur Beigeordneten für Finanzen, Ordnung und Umwelt der Stadt Remscheid gewählt. „Wir können nicht nur bei den Indianern sparen, sondern müssen auch bei den Häuptlingen sparen!“, sagte sie damals bei Kaffee und Kuchen, dem Einstand aus eigener Geldbörse, „ihren“ zwölf Fachdienstleitern. Und drei Jahre später sparte sie sich selbst ein und ging in den (bezahlten) Ruhestand – aus gesundheitlichen Gründen, wie der damals 49-Jährigen ein Amtsarzt bescheinigte.

Beim Pilawa-Quiz in der ARD waren vor zehn Jahren der in Remscheid geborene Jurist Michael Balke, damals Richter im 7. Senat des Niedersächsischen Finanzgerichts, und sein in Solingen geborener Bruder Dirk, Grafiker und Maler, die letzten Kandidaten in der 1.500 Ausgabe der Quiz-Sendung mit Jörg Pilawa und gingen mit 15.000 Euro nach Hause, nachdem sie an der 50.000-Euro-Frage gescheitert waren. Aber besser als gar nicht, oder?!

Vor zehn Jahren starb CDU-Ratsmitglied Fritz Heuser. . Er gehörte dem Rat der Stadt seit 1989 an (anfangs noch als Mitglied der SPD), der Bezirksvertretung Alt-Remscheid seit 1994. In politischen Diskussionen scheute Fritz Heuser die Konfrontation nicht; da liebte der kantige Remscheider auch schon mal das derbe Wort. Im November 2004 wurde Heuser das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen. „Mit Fritz Heuser verliert die Remscheider Politik ein „Urgestein“, sagte damals Oberbürgermeisterin Beate Wilding.

Wochenrückblick vom 22. bis 28. April 2019

 

Papierfabrik Forstmann wurde 1930 vollständig abgerissen

Vorne die ev. Kirche, hinten Fa. Forstmann Richtung Wiesenkotten Sammlung: G. SchmidtZwischen Burg und Müngsten existierten einst zwischen drei und vier Brücken sowie zwei Fähren. Die erste nachgewiesene Fähre befand sich am Wiesenkotten, bevor dort die massive Brücke gebaut wurde. Die zweite Fähre, die die Verbindung zwischen Remscheid und Solingen gewährleistete, ist bei Müngsten einzuordnen. Ohne Fähre wird es aber auch in Burg nicht abgegangen sein, denn vor dem Brückenbau hat die Burger Industrie sicherlich auch das Bedürfnis gehabt, so schnell wie möglich die Waren nach Solingen zu vertreiben.  Bei Burg an der Wupper haben die Grafen von Berg vermutlich kurz nach ihrem Schlossbau um 1133 eine Holzbrücke geschaffen,  die allerdings erst im Jahre 1390 urkundliche Erwähnung findet. Das Holz zu den meist durch Hochfluten der Wupper bedingten Instandsetzungen mussten die Bewohner des Amtes Bornefeld auf Grund ihrer Verpflichtungen zu Hand- und Spanndiensten herbeischaffen. Das Brückengeld aber, das sich um 1692 auf einen Jahresbeitrag von sechs bis sieben Reichsthalern belief, floss in die Kasse der herzoglichen Kellnerei Burg. Die Einsicht in diese Ungerechtigkeit ließ die Kellnerei die Instandhaltung der Brücke irgendwann selbst übernehmen.

Wenn wir uns nun dem ersten Objekt an der Wupper Richtung Müngsten widmen, müssen wir in der Ortschaft Unterburg in Richtung der evangelischen Kirche rechts einen Weg nehmen, der zum Wiesenkotten weiterführt. Selbst alte Unterburger, die dort seit ewigen Zeiten wohnen, können sich nicht an die Fabrik erinnern, die dort stand. Und so war es ein schwieriges Unterfangen, an  Unterlagen hierüber zu kommen (hierzu auch Herrn Huffmann aus Wuppertal- Varresbeck als direktem Verwandten der Familie Forstmann herzlichen Dank).  Kurz hinter der alten evangelischen Kirche ist der Standort der ehemaligen Papierfabrik Forstmann an der "Donau". Die Forstmanns sind ein uraltes Burger Geschlecht, wobei Urgroßvater Jakob Forstmann als Deckenfabrikant in Oberburg noch nicht der älteste erwähnte Forstmann ist, den ich gefunden habe, sondern der 1550 geborene Heinrich Forstmann als lutherischer Pastor in Wetter an der Ruhr (Chronik Huffmann). Die Chronisten erzählen, dass Jakob Forstmann Weber und Spinner gewesen ist, und es wird erzählt, dass er seine Decken in der Ruine im Rittersaal des alten Schlosses ohne Dach getrocknet habe. Jakob Forstmann (25.4.1706 - 26.1.1779), zuletzt verheiratet mit Clara Dorothea Hösterey, war zu seiner Zeit als Kauf- und Handelsmann in Burg/Wupper eingetragen, war zeitweilig Bürgermeister von Burg und hatte die Firma Jakob Forstmann & Encke, Wolle und Decken, gegründet. Er baute interessanterweise in Oberburg das heutige Gebäude des Hotels "In der Straßen" und wohnte darin (natürlich im älteren Trakt an der Straßenseite). Von den acht Kindern aus zweiter Ehe sind die Söhne Jacob und Johann, beide verheiratet mit Töchtern der Familie Brand, am bekanntesten. Letzterer begründete in Werden an der Ruhr eine große Tuchfabrik. Der älteste Bruder Jakob (21.9.1761 - 25.11.1831) führte die Burger Linie der Stahl- und Eisenwaren unterhalb der Burger Brücke am ehemaligen Schwarzwaager Kotten weiter, hatte die Tuchfabrik am gleichen Standort, bekam am 4.11.1818 die Betriebsgenehmigung für seine hinzugebaute Fruchtmühle und bewohnte gleichwohl ein bescheidenes Häuschen in Oberburg. Er war in Eisensachen speziell auch fürs Ausland aktiv. Herr Huffmann aus Varresbeck berichtete mir, dass Jakob Forstmann ein historisch denkwürdiges Produkt herstellte: Sklavenketten! Hierzu lieferte er mir auch gleich das maßgebliche Schriftstück: In einem Brief vom 10. September 1814 an einen Monsieur Holagrey in Bordeaux offeriert die Firma Forstmann & Co.  für die in Bordeaux abgehenden Schiffe Neger- (Sklaven) Ketten „in den üblichen Längen“.

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Sensen geklippert, gebläut, geschmiedet und gerückt

Die Luhnshämmer I und II auf einem naiven Gemälde von 1920, Maler unbekannt. Gemälde bei G. SchmidtWieder sind es etwa 300 Meter, um von den Kellershämmern  zu den Luhnshämmern zu gelangen. Unterhalb Kellershammer nennt sich das Tal Burgtal. Hier grüßt älteste Zeit. Ganz unverändert, wie in Altvater Tagen, wird hier noch der alte Hammer betrieben am schmalen Weiher, hinter der steingewölbten Brücke über den Bach. Der Hammerplatz ist von Linden umfasst. Fast bis zur Erde reicht das Dach des verwitterten Balken- und Bretterwerks mit dem breitgeschaufelten Wasserrad und der gewaltigen, eichenen Hammerachse, die sich quer durch den dämmrigen Raum dreht. Funken und Feuerschein sprühen aus dunkler Höhle, weißglühendes Eisen dehnt sich und reckt sich unter dem pochenden Schlag des Hammers, der von meterdicken, zyklopischen Eichenstammen ("Säulen") gehalten wird.

Der Schmied vom Luhnshammer. Foto: HIZ RemscheidBegründet wurde der erste Hammer durch Hans von Hagen 1646. Er kam von Reinshagen, Peter Honsberg, der den Hammer dann 1692 von als Stahlreckhammer betrieben, kam vom Honsberg. 1750 war Johannes Honsberg der Besitzer. Johann Wilhelm Luhns, dessen Namen der  Hammer 1776 trug, lies  ihn erneuern. 1800 ist dieser Hammer in Händen von Joan Franz Luhn. 1806 war er der Besitzer beider Hämmer.  1824 wird der Hammer von Abraham Luhn geführt.  1836 ist der Honsbergshammer als Stahlraffinierhammer der Firma Luhn & Comp. eingetragen. 1853 hat ihn ein Eduard Luhn übernommen. 1867 ist der Hammer im Besitz von Ernst Lindenberg. Später ging der Luhnshammer in den Besitz der Firma Steffens und danach in den der Firma Rasspe in Unterburg über. Nach 1900 lag der Hammer lange Zeit brach und verfiel.  Otto Knetsch schmiedete im ersten Weltkrieg Seitengewehre im Luhnshammer, bis dann die Stadt Burg den Hammer übernahm. 1858 wurde der erste Hammer durch Meister Franz Frintzel, einem gebürtigen Remscheider, wieder belebt. Gemeinsam mit seinem Schwiegersohn Willi Jenczenski schmiedete er unter einem modernen Blattfederhammer Florettklingen für Solinger Firmen. 1960 wurde die Schmiede renoviert. Neue Bretter ersetzten die morsche Außenverkleidung. Das Dach, das zusammenzufallen drohte, wurde gehoben und mit neuen Dachpfannen bestückt. Heute steht der Luhnshammer unter Denkmalschutz. Herr Weber von Reinshagen übernahm den Hammer 1970 und stellte dort bis 1993 Kunstschmiedeartikel  her. Danach verpachtete er den Hammer an Joachim Stritthoff, der die Kunstschmiedeproduktion weiterführt. 1995 wurde das Dach erneuert, aber das Wasserrad und die Hammerwelle verrotten.

Am Luhnshammer 1890.  Sammlung BulangDen Luhnshammer II,  1776 von  "Rutger Fischers erben zur Burgh“ mit dem "verlorenen Wasser" (des ersten Hammers am glkeoichen Teich) begründet,  übernahm 1800 Peter Hasenclever. Später gehörte er  W. Lihn, dann Daniel Wüsthoff. Dieser  Hammer wurde mit dem aufgebauten Wohnhaus kurz vor 1955 niedergelegt. Mauerreste sind dicht neben dem ersten Hammer im Dammbereich heute noch zu erkennen. In der ausgehenden Sensenzeit stand im Luhnshammer II Wilhelm Dörpfeld von Selscheid, der Vater des nachmaligen berühmten bergischen Schulmannes und Grosvater des Hellasforschers, als Meisterknecht (Hammermeister) am Hammer. Der Meister bereitete den rohen Stahl, der dann von den Gesellen gereckt und zu Sensenklingen gebreitet wurde. Alsdann wanderten die rohen Sensenklingen in die weitere Behandlung der Sensenfabrik. Geklippert, gebläut, die Hamen gebogen, glatt geschmiedet und gerückt (mit Rücken versehen), entstand die fertige Sense. Jährlich 770 Zentner Rohstahl wurden bei gutem Wasserzufluss in einem Hammer zu 630 Zentner fertiger Ware verarbeitet. Ein vollbeschäftigter Hammermeister brachte es auf rund 185 Taler, ein Knecht (Gehülfe) auf 110 Taler Jahreslohn. Wenn der Hammerherr, was häufig geschah, nur den Meister und dieser die Hilfskräfte annahm, konnte der Meister für sich durch geschickte Verwendung der Lehrlinge noch kleine Vorteile herausschlagen. Die fertige Ware wurde an Ort und Stelle versandfertig verpackt und verladen. Der Fuhrmann hielt mit der Ladung noch einmal am Comptoir des Hammerherrn, wo er Frachtbrief und Rechnung empfing. So wurden dem Hammerschmied Preis und Abnehmer der Sensen nicht bekannt. Später wanderten aus dem alten Hammer unzählige Fuhren geschmiedeter Schwerter und Seitengewehre in die Waffenstadt Solingen und wurden dort weiter verarbeitet.  (nach: Hämmer- und Kottenforschung in Remscheid. Herausgegeben von Günther Schmidt, Band 5 - Vom Blombach bis Eschbach)

Gelungene Restaurierungen am Lenneper Gänsemarkt

Von Dr. Wilhelm R. Schmidt

Huch, plötzlich ist am Gänsemarkt in Lennep der Osterhase im Bild. Der Gänsemarkt war, wie wir heute ja wissen, niemals ein solcher, denn selbst in der Zeit als bedeutende Kreisstadt war die altehrwürdige ehemalige Hauptstadt im Bergischen Land nicht groß genug, um mehrere einzelne Märkte zu haben, einen Kornmarkt, Fischmarkt oder Eisenmarkt z.B. Vielmehr erklärt sich  ja der Name Gänsemarkt durch den Namen einer frühen Familie, wie so oft in Lennep, etwa bei den Bezeichnungen Knusthöhe, Albert- oder Karlshöhe.

Der Gänsemarkt trug im frühen 19. Jahrhundert übrigens einen anderen Namen, nämlich Poststraße, und diese Straße führte von der Schwelmer Straße tatsächlich in die Richtung der Lenneper Poststation „vor dem Lüttringhauser Tor“ am späteren Kaiserplatz und Mollplatz bzw. zu den Anfängen der späteren „neuen Poststraße“ und Lüttringhauser Straße.

Der Gänsemarkt wurde in jüngster Zeit besonders wegen der bis jetzt nur teilweise erfolgten Instandsetzung von Röntgens Geburtshaus erwähnt, es gab dort aber in den letzten Jahrzehnten auch mehrere aufwendige und gelungene Restaurierungen weiterer Häuser, und bei geschichtsinteressierten Mitbürgern ist noch bekannt, dass es am Gänsemarkt ganz früher auch Bildungseinrichtungen für sog. „Höhere Töchter" gab, u.a. ein „Kreis-Lyzeum“.

In der nationalsozialistischen Zeit endete die Geschichte der Viehhändler- und Hausierer-Großfamilie Isaak (Gänsemarkt 24). Heute erinnern an sie vor dem Neubau ihres ehemaligen großen Wohnhauses nur noch so genannte Stolpersteine. Viele Lenneper kannten auch  den Metzger Drösser in Röntgens Geburtshaus und ein Stück weiter die Bäckerfamilie Willmund. Gegenüber gab es lange Zeit die uralte Restauration von Wilhelm Windgassen (zuvor Spiecker und Becker), in der es irgendwann auch mal eine Schießerei gegeben haben soll. Daher kam angeblich der Beiname der Wirtschaft „blutiger Teppich“. In den 1920er Jahren befand sich dort das Parteilokal der KPD.  

Berichten älterer Lenneper zufolge hatte das Lokal im Bürgertum nicht den besten Leumund, was ich sogar als ganz in der Nähe aufgewachsenes Kind der 1950er Jahre noch bezeugen kann, und als „anständige Frau“ ging man da nicht hin. Vieles weitere könnte man noch vom Gänsemarkt erzählen. Unter anderem wohnte dort ursprünglich auch ein Zweig der Familie Mittelstenscheid bzw. Middelsten Scheid, die Gaslampen jeder Art, „messingene und bronce“, verkaufte. Sie war übrigens schon ein halbes Jahrzehnt vor Gründung der Buchhandlung Schmitz im Jahre 1850 auch in Sachen Buchbinderei und Buchbeschaffung tätig. Überregional handelte man sehr erfolgreich in der zweiten Generation mit den sog. Bergischen Gold- bzw. Münzwaagen.

Das erste originale Exemplar dieser Waagen sah ich übrigens nicht in unserer Heimatstadt Lennep, sondern im Heimatmuseum - und zwar im oberbayerischen Garmisch-Partenkirchen.  Natürlich war ich da auf einer Dienstreise in Sachen „Rettung historischer Buchbestände“. Der Weg der genannten Familie Middelsten Scheid bis zu den heutigen Kobold-Staubsaugern und Küchenmaschinen von Vorwerk, wäre schon wieder eine ganz eigene Geschichte. Aber wir wollen es an den Osterfeiertage gemächlich angehen und folgen deshalb unserem Osterhasen vom Gänsemarkt zurück in die schöne sonnige Natur.