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Auf Erkundung mit einem Remscheider Stadtführer

Weitere
Erlebnisführungen
in Remscheid

FDer Stadtführer "Nachtwächter" Lothar Vieler.reitag, 6. März, 19 Uhr,
Mit dem Nachtwächter durch Lennep,
1,5 Stunden,  Lothar Vieler, Röntgen-Museum, fünf Euro.

Donnerstag, 12. März, 19 Uhr,
Essen und Erzählen in Lennep                                                                                          
Nach einer kleinen Runde durch Lennep (ca. 45 Min.) wird nur eine Gaststätte,bei der eine festgelegte Speise mit Getränk im Preis inkludiert ist besucht, um hier neben Essen und Trinken weitere Informationen und Geschichten über Lennep zu erfahren.
1,5 Stunden,  Lothar Vieler, Treffpunkt wird bekannt gegeben, 16 Euro.

Donnerstag, 19. März, 14 Uhr,
Gang durch die Lenneper Neustadt mit anschließender Bergischer Kaffeetafel,
3 Stunden,  Lothar Vieler, Treffpunkt wird bekannt gegeben, 16 Euro.

Donnerstag, 2. April, 19 Uhr,
Nachtschwärmer-Führung durch Lennep incl. Verkostung,
1,5 Stunden, Lothar Vieler, Treffpunkt wird bekannt gegeben, 16 Euro.

Freitag, 3. April, 19 Uhr,
Mit dem Nachtwächter durch Lennep,
1,5 Stunden, Lothar Vieler, Röntgen-Museum, fünf Euro.

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Wochenrückblick vom 10. bis 16. Februar 2020

 

Vor 75 Jahren: Remscheider floh aus Arnsberger Knast

von Armin Breidenbach

Nach einer 1935 vom Reichsjustizministerium herausgegebenen Broschüre mit dem Titel „Das Gefängniswesen in Deutschland“ gab es am 29. Juni 1935 im Deutschen Reich 1.143 Vollzugsanstalten aller Arten und Größen, die insgesamt über eine Belegungsfähigkeit für etwa 107.000 Gefangene verfügten. Einige dieser Strafanstalten werden auch in einer vermutlich in den 1960er Jahren von der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN), Kreisvereinigung Remscheid, erstellten „Liste mit den Namen von - meist aus Remscheid stammenden - NS-Verfolgten bzw. -Opfern“ genannt. Diese Liste ist jedoch nicht vollständig, wie Recherchen der letzten Jahre eindeutig ergeben haben, dies gilt sowohl für die Zahl der verfolgten Remscheider Bürgerinnen und Bürger als auch für die Zahl der Haftorte.

Nicht aufgeführt in der VVN-Liste ist beispielsweise das Landgerichtsgefängnis in Arnsberg, dessen Grundstein bereits am 3. August 1833 gelegt worden war. Im Hof dieses Gebäudes, das am 21. Juli 1836 in Dienst gestellt wurde, wurden auch Hinrichtungen vollstreckt, die letzte im Jahre 1934 „wegen Vergiftung der Ehefrau“. In dem Gefängnis, das bis 1970 genutzt wurde, waren bis zu 70 Gefangene untergebracht.

Im „Dritten Reich“ waren im Landgerichtsgefängnis Arnsberg auch zahlreiche politische Gefangene inhaftiert, darunter nach derzeitigem Forschungsstand auch mindestens vier Remscheider: Willi Busch, Carl Albert Freidhof, Paul Schumacher und Walter Frielingsdorf. Zumindest bei den drei Erstgenannten steht fest, dass sie am 12. Januar 1945 vom Gerichtsgefängnis Wuppertal aus in das Gefängnis Arnsberg eingeliefert wurden.

Der Schleifer Willi Busch, 1907 in Detmold geboren und nach eigenen Angaben ehemaliges Mitglied der SPD, war am 16. August 1944 wegen Wehrkraftzersetzung festgenommen und in das Polizeigefängnis Remscheid eingeliefert worden. Sieben Tage später wurde er von dort in die Untersuchungshaftanstalt Wuppertal überstellt. Anschließend wurde er am 12. Januar 1945 in das Landgerichtsgefängnis Arnsberg überführt. Nachdem der Haftbefehl gegen ihn aufgehoben worden war, wurde Willi Busch am 22. Januar 1945 von dort entlassen.

Als am 9. Februar 1945 bei dem Luftangriff auf Arnsberg zahlreiche Personen getötet wurden, befanden sich unter diesen Opfern auch mindestens fünf Häftlinge des dortigen Landgerichtsgefängnisses. Neben den Wuppertalern Wolfgang Weyl und Georg Emil Wiegand zählten unter anderem auch zwei Remscheider, Carl Albert Freidhof und Paul Schumacher, zu diesen Opfern.

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Eine alte Postkarte von Wirt August Kopf?

Repro Lenneparchiv Schmidt

von Dr. Wilhelm R. Schmidt

Unter meinen historischen Fotos zum Alten Markt in Lennep und fand ich die die nebenstehende Ansichtskarte, deren Original seit mehreren Jahren im Remscheider Stadtarchiv aufbewahrt wird. Im Jahre 2002 erstand ich, wie vielen interessierten Lennepern noch bekannt ist, von dem altvorderen und inzwischen verstorbenen Lennepsammler Bernhard Koch für mehrere tausend Euro ein großes, vielschichtiges Lennepkonvolut mit den unterschiedlichsten Einheiten an originalen Dokumenten, darunter eine Ansichtskartensammlung, die mit der finanziellen Hilfe der damaligen Lenneper Altstadtfreunde, die sich gerade auflösten, an das Remscheider Historische Zentrum / Stadtarchiv gespendet werden konnte.

Als Mitglied der nunmehr ebenfalls historischen Lenneper Altstadtfreunde hatte ich diesen Teil meiner Lennepbestände zuvor digitalisieren lassen, nicht etwa nur die schönen Bildseiten der Ansichtskarten, sondern auch deren Adressseite, und zwar für spätere Forschungszwecke. In der Tat lassen sich ja auch den Adressseiten jede Menge historischer Informationen entnehmen: solche über die Absender, solche über die Adressaten, ggf. wer wann die Ansichtskarte produzierte, vielleicht sogar in Lennep, ob es sich um einen besonderen, evtl. heute wertvollen Spezialdruck handelte usw. Und nicht zu vergessen: in vielen Fällen kann man ja auch am Stempel erkennen, wann eine solche Ansichtskarte abgeschickt wurde, in früheren Zeiten wurde ja sogar die Ankunft am Postamt des Bestimmungsortes per Stempel beglaubigt und ein schuldhaft verzögertes Austragen der Post durch den Postboten mit Strafen seitens der hohen Postbehörde geahndet.

In meiner Schülerzeit am Röntgen-Gymnasium waren übrigens immer wieder Schüler in den Schulferien bei der Lenneper Post als Aushilfskräfte tätig. So auch ich, der Weg zum "Dienst" war für mich ja nicht weit, weil ich direkt gegenüber der damaligen Poststation wohnte, in dem uralten Haus der Familie gegenüber dem Berliner Hof. In den 1960er Jahren war das alte Postgebäude gegenüber dem Lenneper Bahnhof, in das ich als Kind oftmals an der Hand meines Vaters zum geschäftlichen Postfach mit genommen wurde, aufgrund seiner kriegsbedingten Baufälligkeit aufgegeben worden, man zog in den ehemals sog. Großen Saal des Berliner Hofs, und ich erinnere mich noch, dass an dem kleinen Nebeneingang vor dem Steinernen Haus an der Poststraße 8 vom Lenneper Bahnhof her über ein Treppchen die Geldkassetten angeliefert wurden. Die eigentlichen Postler machten sich dabei einen Spaß daraus, die dabei mitzuführende Pistole an die Aushilfen, also die Schüler oder jungen Studenten, zu geben. Stolz waren wir eigentlich nicht darauf, eher war es ein Witz, und gottseidank kam es seinerzeit zu keinem Überfall.

Auf der historischen Ansichtskarte sehen wir das ein schöne altbergische Haus, in dem in Parterre eine Wirtschaft untergebracht war. Ich erinnere mich noch gut, dass mitten in der Wirtsstube hinter dem treppenbewährten Eingang ein Billardtisch stand, man konnte da auch gegen Gebühr spielen, jedoch schärfte der damalige Wirt den nicht geübten Interessenten immer wieder ein, doch ja nicht den grünen Bezug mit dem Queue zu verletzen, dem langen, vorne leicht gerundeten Spielstock beim Billard. Es schien aber damals schon mehrere ungeübte Spieler vor Ort gegeben zu haben, denn meiner Erinnerung nach war der grüne Billardtischbezug niemals gänzlich unbeschadet.

Die Ansichtskarte zeigt das Gebäude um 1900, ganz genau kann man das nicht sagen, immerhin ist der auf der Adressseite angegebene Besitzer des Etablissements, Herr August Kopf, im Lenneper Adressbuch von 1903 verzeichnet, und zwar für das Haus Markt 4. Weiterhin wohnte dort der Kommis Berghaus. Links daneben, Markt Nr. 3, gab es damals die Drogen-, Farb- und Kolonialwarenhandlung Kuhn, die auf unserem heutigen Ansichtskartenfoto auch gut zu sehen ist, und rechts an der Marktecke zur Berliner Straße erkennt man das damalige Schuhgeschäft des Remscheider Schuhwarenhändlers Paul Hesse. Der "Gruß vom Berg. Hof, Lennep", wurde übrigens, wie es auf der Adressseite der Ansichtskarte heißt, am 19. 12. des Jahres 1913 in Lennep abgeschickt, und zwar an eine Frau Elly Jorgas in Köln-Ehrenfeld. Verfasst wurde sie von einem August ..., der außer herzlichen Grüßen auch fröhliche Weihnachtsfeiertage wünschte. Ob der Absender der damalige Wirt August Kopf war, wissen wir nicht, aber es könnte durchaus sein.

Wochenrückblick vom 3. bis 9. Februar 2020

 

1. deutsche Königin Englands lebte auf Schloss Burg

Pressemitteilung der Universität Wuppertal

Im Spätherbst 1539 machten sich 263 Personen und 228 Pferde von Düsseldorf aus auf den Weg ins ferne England, um König Heinrich VIII. seine vierte Frau zu überbringen: Anna von Kleve. Hierzulande ist sie fast in Vergessenheit geraten. Doch die Herzogin von Jülich-Kleve-Berg war die erste Königin auf dem englischen Thron, die aus dem heutigen Deutschland stammte – und bis heute die einzige aus dem Bergischen Land. Dr. Georg Eckert, Historiker in der Fakultät für Geistes- und Kulturwissenschaften der Bergischen Universität, kennt ihre Geschichte. Von ihr und vor allem über die Umstände, die die bergische Tochter auf die Insel führten, berichtet er in der aktuellen Bergischen Transfergeschichte.

Viel ist über die Herzogin nicht überliefert. Aber: „Wir wissen, sie war für ein halbes Jahr englische Königin und sie war die zweitälteste Tochter eines im Reich und in ganz Europa wichtigen Akteurs – Johann III., Herzog von Jülich-Kleve-Berg. Die Herzöge von Jülich-Kleve-Berg hatten eine konfessionelle und politische Schlüsselposition im Heiligen Römischen Reich deutscher Nation. Das Herzogtum“, so Eckert, „rahmte das katholische Erzbistum Köln und grenzte an die reformierten späteren Niederlande. Und es lag am Rhein, also entlang eines strategisch wie ökonomisch zentralen Stromes.“ Erkenntnisse über Anna von Kleve würden auf einer spärlichen Quellenlage basieren – wie es auch bei vielen Herrschergattinnen der Fall sei, erklärt Eckert. Seiner Ansicht nach seien die wenigen erhaltenen Zeugnisse mit Vorsicht zu genießen, da sie aus innenpolitischen Auseinandersetzungen in England resultierten oder von zweckgebundenen ausländischen Wahrnehmungen geprägt seien. „Immerhin sind sich alle darin einig, dass sie eine freundliche und zugewandte Person gewesen ist, die sich um ihre Bediensteten offenkundig gut gekümmert hat.“ 

Aber von vorn: Geboren 1517 in Düsseldorf, verbrachte Anna von Kleve große Teile ihrer Kindheit und Jugend auf Schloss Burg in Solingen. Unter der Obhut ihrer Mutter, Maria von Berg, genoss sie eine eher konventionelle Erziehung, in die noch kaum Ideale der Renaissance eingeflossen waren: Sprachen, die Bildenden Künste oder Musik spielten dabei kaum eine Rolle, auch höfischer Tanz nicht. Umso erklärungsbedürftiger, warum ein so kunstsinniger und weltgewandter Monarch wie Heinrich VIII. sein Interesse an Anna anmeldete: „Da spielt die Herkunft wieder eine entscheidende Rolle. Wir bewegen uns“, klärt Eckert auf, „in der dynastischen Heiratspolitik. Politische Bündnisse wurden durch Heiraten zwischen großen europäischen Adelsfamilien arrangiert und bekräftigt. Das sieht man bei Anna von Kleve ganz gut.“

Die Heiratspläne zeigten die enorme Bedeutung des damaligen Herzogtums Jülich-Kleve-Berg: „Eigentlich war Anna von Kleve bereits im Kindesalter dem französischen Herzog Franz I. von Lothringen versprochen. Ihre ältere Schwester Sibylle war mit dem Kurfürsten Johann Friedrich I. von Sachsen verheiratet. Das ist gewissermaßen Champions League in den Heiratsverbindungen“, sagt Eckert, der als Privatdozent Neuere Geschichte an der Bergischen Uni lehrt. „Heinrich VIII. brauchte damals starke Verbündete, aber das war nach der Hinrichtung seiner zweiten Frau, Anne Boleyn, einigermaßen problematisch.“

Der englische König suchte nach mächtigen Bündnispartnern, um sich gegen die gerade entstehende Allianz zwischen dem König von Frankreich und den Habsburgern zu behaupten, die nach der Annullierung der Ehe mit Katharina von Aragon (erste Frau Heinrichs VIII., Anm. d. Red.) ohnehin schlecht auf Heinrich zu sprechen waren. Zeitgleich wollte Annas älterer Bruder, Herzog Wilhelm V., seinerseits das soeben ererbte Herzogtum Geldern gegen Kaiser Karl V. behaupten. Hier überschnitten sich die Interessen. Zudem spielten mitten im Zeitalter der Reformation auch konfessionelle Hintergründe eine Rolle. Eine katholische Hochzeit war kaum denkbar – Heinrich VIII. hatte sich mit der Anglikanischen Kirche von der Kurie losgesagt und war 1538 zudem exkommuniziert worden. Mit seiner einstigen Polemik gegen Martin Luther hatte er jedoch auch dessen Anhänger gegen sich aufgebracht. „Der Kreis europäischer Hochadelsdamen, die als Gattinnen denkbar waren, war also einigermaßen eng. Aber Jülich-Kleve-Berg passte nahezu perfekt, die dortigen Herzöge fuhren einen Mittelkurs zwischen den Extremen: nicht strikt gegen den Papst, aber eben auch nicht für die Reformatoren“, erklärt Eckert.

Der König ließ seinen Hofmaler Hans Holbein den Jüngeren nach Düren reisen, um die Herzogstöchter Anna und Amalia zu portraitieren, beide potenzielle Ehepartnerinnen. Das Gemälde Annas, aufgrund dessen er sich für sie entschied, ist heute im Pariser Louvre zu bewundern. Doch wie es scheint hatte der Maler Annas Antlitz zu schmeichelhaft dargestellt. Vor allem aber dürften fehlende Kenntnisse der Herzogin über Rituale des englischen Tudor-Hofs zu einer zeremoniellen Panne geführt haben: „Heinrich war ein Mensch der Renaissance, der mit raffinierten Inszenierungen arbeitete. Er hat sich“, erzählt Eckert, „Anna nur verkleidet genähert. Er wusste, wen er umtänzelte – sie aber nicht. Vermutlich hat er eine andere Reaktion erwartet. Man muss sich die Szene wie eine kleine Theateraufführung vorstellen, deren Text alle Beteiligten kannten: nur eben Anna nicht.“ Die konnte ihren künftigen Gatten wohl gar nicht identifizieren und wandte ihm nach der Übergabe seines Geschenks den Rücken zu. Der König soll davon entsetzt gewesen sein, dass Anna längst nicht so schön war, wie auf Holbeins Porträt, und zog sich zurück, um sogleich die Eheschließung aufzuschieben.

Dieses Hadern dürfe man sich aber keinesfalls nur als männliche Laune vorstellen, gibt der Wissenschaftler zu bedenken: „Heinrich war schon Machtpolitiker genug, um zu wissen, dass man hochpolitische Vermählungsfragen nicht allein mit Blick auf hübsche Gesichter beantworten konnte. Auch seine folgende Abwendung von der künftigen Gattin dürfte eine Inszenierung gewesen sein. Zu deren Adressaten gehörten manche Engländer, die lieber erneut eine Engländerin als Königin gesehen hätten – wie Annas hingerichtete Vorgängerin –, gewiss aber auch das Ausland. Frei nach dem Prinzip ,Schaut mal, was ich so alles machen und mir erlauben kann‘.“

Aber ein kompletter Rückzug wäre politisch unklug, wenn nicht unmöglich gewesen. Also wurde die Ehe schließlich am 6. Januar 1540 in Greenwich geschlossen. Sie hielt ein halbes Jahr, nicht länger – wesentliche Ausgangsbedingungen der Ehe waren hinfällig geworden: Die bedrohliche Allianz zwischen dem habsburgischen Kaiser und dem König von Frankreich war geplatzt, in England hatten sich die Gewichte zu Ungunsten Annas verschoben – Thomas Cromwell, Mastermind der Eheschließung, wurde geköpft. Was passierte nun mit der ersten deutschen Königin auf dem englischen Thron? „Das Wichtigste zuerst: Sie wurde nicht hingerichtet“, berichtet Eckert schmunzelnd und weist auf die Erkenntnisse der Forschung hin: „Heinrich VIII. hat seine Gattinnen nicht seriell hingerichtet. Für die Exekution Anne Boleyns und Catherine Howards hatte er seine relativ zwingenden politischen Gründe; obendrein waren sie Engländerinnen, bei denen keine internationalen Verwicklungen drohten. Nach einvernehmlicher Annullierung der Ehe hat Heinrich deshalb Anna sehr gut ausgestattet, um die Verbindung zu Jülich-Kleve-Berg zu halten. Außerdem hatte ein Ehevertrag bestimmt, was ihr zustand. Diese gütliche Lösung signalisierte weiteren potenziellen Gattinnen: ,Vor mir muss man keine Angst haben‘. Heinrich wollte nach wie vor seine Dynastie absichern, durch weitere männliche Erben“, sagt Eckert. 

Anna zog sich auf ihren Landsitz zurück, blieb aber am Tudor-Hof hochgeachtet. „Bei der Krönung von Mary Tudor hat sie gemeinsam mit Elisabeth I. eine hervorgehobene Rolle gespielt: Für alle sichtbar, und sie war ja – von Heinrich selbst als ,beloved sister‘ (geliebte Schwester, Anm. d. Red.) bezeichnet – in eine sehr ehrenvolle Stellung gebracht.“ Anne of Cleves, wie sie in England genannt wurde, starb eines natürlichen Todes, und das lag Eckert zufolge auch an ihrem wohlüberlegten Verhalten. „Sie hat geschickt agiert, indem sie sich in unüberschaubare Intrigen der englischen Politik gerade nicht einmischte, und so auch die kritischen Herrschaftswechsel ganz gut überstand – erst zu König Edward VI., dann zu Mary Tudor. Sie war klug genug, keine kompromittierenden Schriftstücke zu hinterlassen, die gegen sie hätten genutzt werden können. Die Rolle, in der sie nun stand, hat sie gut gespielt.“

Einfluss auf die Erziehung der späteren Königin Elisabeth I. hatte sie freilich nicht: „Was am englischen Hof gewünscht und schick war, das beherrschte Anna von Kleve einfach nicht: weder zeitgenössische oder klassische Fremdsprachen noch Musik und Tanz – alles Elemente, die für das Hofleben der Tudors ganz charakteristisch waren.“

Als einzige Person aus dem Bergischen Land ruht sie bis heute in Westminster Abbey, der englischen Königskirche, in der die meisten englischen Herrscher bestattet sind. Das „Anne-of-Cleves-House“ nahe Lewes in der Grafschaft East Sussex zeigt Mobiliar und Ausstattung der Zeit. „In Großbritannien ist die Erinnerung an diese Frau präsent. Überall da, wo Heinrich und seine sechs Frauen vorkommen, da denkt man eben auch sofort an Anna von Kleve. So hat sich der Name im kulturellen Gedächtnis gehalten.“ Bleibt noch zu erwähnen: Der Hofmaler Hans Holbein der Jüngere durfte nie wieder ein Mitglied der königlichen Familie malen. (UWE BLASS)
***) Dr. Georg Eckert studierte Geschichte und Philosophie in Tübingen, wo er mit einer Studie über die Frühaufklärung um 1700 mit britischem Schwerpunkt promoviert wurde, und habilitierte sich in Wuppertal. 2009 begann er als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Fach Geschichte und lehrt heute als Privatdozent in der Neueren Geschichte.

Februar 2010: Der Waterbölles blättert zurück

Der Deutsche Wetterdienst verschickte im Februar 2010 eine Unwetterwarnung und „versprach“ dem Bergischen Land ergiebige Schneefälle und Sturmböen. Und so kam es denn auch. Entsprechend sahen dann auf dem Hohenhagen Vogelhäuschen, „Kinderhaus“ und Gartenmöbeln aus, deren Schneehauben wurden immer höher. Ebenso wie die Schneeberge an den Straßen. Auf vielen ging bei Gegenverkehr gar nichts mehr, da wäre auch Einbahnverkehr angesagt gewesen, wie ihn die Stadt für die Emil-Nohl-Straße anordnete. Und den Schnee einfach abtransportieren? Zu teuer!! Der Schnee beschäftigt auch die Remscheider Feuerwehr, unterstützt durch das THW. Sie musste gestern neben zahlreichen Rettungsdiensteinsätzen auch mehr als 30 Einsätze abarbeiten, die überwiegend mit der Schneelage (umgestürzte Bäume, herunterfallende Eiszapfen, Verkehrsstörungen durch festgefahrene Fahrzeuge) zu tun hatten. Bei der Firma Röntgen (Metallsägen), Auf dem Knapp 44, drohte unter der Schneelast ein Hallendach einzustürzen, bei Landwirt Wette, Endringhauser Str., ein Stalldach. Auch das Dach des Teo-Otto-Theaters musste vom Schnee befreit werden. Auf der 1.000 Quadratmeter großen Dachfläche lag er teilweise 70 Zentimeter hoch - zu viel für die Statik. "Schnee for free! Aber nur für  Selbstabholer“ stand damals auf einem Schild im Industriegebiet an der Trecknase, aufgestellt von Martin Gerhardts. Heftige Orkanböen verursachten mehr als 70 Unwettereinsätze der und der Freiwilligen Feuerwehren. Sie mussten sich um heruntergefallene Dachziegel, lose Dachteile, umgestürzte Bäume, abgebrochene Äste, herausgerissene Plakatwände und Werbetafeln kümmern. Die Böen waren so stark, dass bei Lüdorf ein Pkw samt Anhänger auf die Seite kippte.

132 von knapp über 500 Mitgliedern der CDU Remscheid kamen im Februar 2010 trotz Eis und Schnee zum Kreisparteitag ins Schützenhaus gekommen, um einen neuen Vorstand zu wählen. 121 und damit 93 Prozent der Stimmen entfielen auf Jens Nettekoven. Nur neun Mitglieder stimmten mit „Nein“, ein Mitglied enthielt sich der Stimme.

Zwölf Jahre lang war Edwin Behrens der Behindertenbeauftragter der Stadt Remscheid. Vor zehn Jahren ging er in den Ruhestand, und den Abschied aus den Amt im Saal der Volkshochschule richtete der „Beirat für die Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen“ aus. Mit dabei der Beigeordnete Dr. Christian Henkelmann. Er ergriff nicht das Wort, war ja auch nicht der Gastgeber… Als Fachbereichsleiter für Pädagogik, Psychologie, Eltern & Familie war Behrens am 1.1.1978 von Braunschweig nach Remscheid gekommen. Im Juli 1996 wechselte Behrens auf eigenen Wunsch dann in den Bereich der städtischen Altenhilfeplanung.

Die Nachricht, dass das Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium und das Gertrud-Bäumer-Gymnasiumaus Kostengründen „an einem zentralen Standort zusammengelegt würden, sorgte im Februar 2010 unter SchülerInnen, Eltern und LehrerInnen Unruhe und Unverständnis aus. In Absprache mit dem damaligen Stadtdirektor Burkhard Mast-Weisz stellte Oberstudiendirektor Michael Birker damals öffentlich klar, “die Schulverwaltung im Rahmen der Haushaltssanierung lediglich den Auftrag erhalten hat, bis zum Jahre 2015 zu prüfen, welche Einsparungen sich mit der Zusammenlegung der beiden Gymnasien erzielen ließen“. Die Gymnasien seien  mittelfristig in keiner Weise in Frage gestellt.  Schon kurz danach war das Thema vom Tisch.

WDR-Moderator „Frank Plasberg warb vor zehn Jahren bei der RemscheidLandstreckenbläufer brachten heute die Pleitegeierfahne von Wuppertal nach Remscheid. Foto: Lothar Kaiserer Berufsfeuerwehr für ein Fundraisingprojekt  des Evangelischen Kirchenkreises Lennep, die Unfallseelsorge , deren Kosten damals bei 60.000 Euro lagen. Im Bild von li. n. re. Oberbürgermeisterin Beate Wilding, Frank Plasberg, Feuerwehrchef Guido Eul-Jordan, Pfarrer Ulrich Geiler und Superintendent Hartmut Demski. Geld, das fehlt, wurde im Februar 2010 gleich mehrfach im Remscheid thematisiert.  „Wenn im Theater die Lichter ausgehen, die Freibäder austrocknen, der freiwilligen Jugendfeuerwehr der Hahn zugedreht wird, auf den Sportplätzen der Ball nicht mehr rollt, Schaufenster blind werden und Fassaden bröckeln, Straßen Löcher haben, Schülermägen mittags knurren, in der Stadtverwaltung die Telefone still stehen, … dann ist Ebbe an der Wupper“, stand auf dem Flugblatt, das damals Mitglieder der Aktion „Wuppertal wehrt sich“ im Deutschen Werkzeugmuseum auf Hasten verteilten. Anlass: Die Übergabe einer Protestfahne an Vertreter des „Bündnis für Remscheid“ (Foto rechts). Nach einem PrFoto: Lothar Kaiserotestmarsch wurde  die Pleitegeierfahne wenig später  von Stadtdirektor Burkhard Mast-Weisz vor dem Rathaus gehisst. Eine gute Gelegenheit für den Sozialdezernenten, die Finanzsituation der Stadt noch einmal deutlich zu machen und Hilfe von Bund und Land einzufordern. 100 Milliarden Euro seien für die Verluste der HypoReal vom Bund sofort und ohne lange Diskussion bereitgestellt worden. Die Kassenkredite aller NRW-Städte betrügen derzeit 15 Mrd. Euro. Darum kümmere sich leider niemand.

Auf ihr 20-jähriges Bestehen verwies Mitte Februar 2010 die Ärztliche Beratungsstelle Bergisch Land e.V. mit Sitz am Sana Klinikum. Die Initiative von Kinderärzten ist eine spezialisierte Fachstelle für Kinder und Jugendliche, die von körperlicher Misshandlung, Vernachlässigung und/oder sexuellem Missbrauch betroffen sind. Die Mitarbeit der Kinderärzte erfolgt ehrenamtlich. Kinder, Jugendliche und ihre Familien werden häufig über Jugendämter, Justiz und niedergelassene Kinderärzte mit der Auftragsstellung einer Psychodiagnostik oft in Kombination mit einer ärztlichen Diagnostik im Zusammenhang von Gewalterfahrungen überwiesen.

In Offenburg nahm die Kriminalpolizei im Februar 2010 einen 71-jährigen Mann und eine 41-jährigen Frau fest, denen mindestens 33 Diebstähle und Betrügereien zum Nachteil älterer Menschen zur Last gelegt wurden. Die Trickbetrüger waren unter anderem auch Wuppertal, Remscheid und Solingen aktiv, drängten älteren Menschen mit Migrationshintergrund an der Haustür ein Kochtopfset zum überhöhten Preis von 2.000 Euro auf, dessen Einkaufspreis lediglich bei 50 Euro lag.

„Waterbölles“ tauchte im Vorwort eines Romans auf

Bernd Kleuser und sein Roman.Wenn das nicht ungewöhnlich ist: Der Waterbölles gab die Initialzündung zu einem Roman. Sein Titel: „Villa Goldenberg“. Erschienen ist er Anfang Januar 2010, und geschrieben hat ihn Bernd Kleuser. Der Name der Familie, deren Stammbaum bis ins Jahr 1487 zurückreicht, ist mit der alten Villa im Ortsteil Goldenberg eng verbunden. Und Bernd Kleuser ist der letzte noch lebende Kleuser, der dort selbst gewohnt hat. Seit 1978 lebt er in Unkel bei Bonn. Als er dort am 23. August am PC im Waterbölles-Bericht „Kleines Neubauprojekt am Singerberg erhitzt die Gemüter“ den Namen „Villa Goldenberg“ las, die 1840 erbaut und 1964 von der Erbengemeinschaft Kleuser an die Stadt Remscheid verkauft wurde, fiel ihm „alles wieder ein. Die die Erzählungen meines Vaters und seine Notizen über meine Vorfahren. Dazu die Fotos, der Absturz des britischen Bombers, das Versteck der Besatzung im unterirdischen Geheim­gang, der Kaffee-Schmuggel, der Prozess in Köln.“

Die Villa Goldenberg, zeitweilig ein Restaurant, auf einer alten Postkarte.Nie sei in der Familie die eigene Geschichte ein Thema gewesen, schreibt Bernd Kleuser. „Man schwieg und fragte nicht, auch ich nicht. Erst 46 Jahre später erfuhr ich die letzten Details bei einem Besuch in Australien.“ Die Notiz im Waterbölles habe den Anstoß gegeben, alles zu Papier zu bringen. Entstanden ist ein in Ich-Form geschriebener historischer Familienroman, der in einem Zeitfenster von mehr als 500 Jahren spielt - am Beispiel seiner direkten Vorfahren „auch ein Zeugnis der Industrialisierung und ein Spiegel der Gesellschaft im Rheinland und im Bergischen Land.“ Eine Geschichte von ritterlichen Herolden, Kottenbetreibern und Hammerschmieden in den Remscheider Tälern und dem Niedergang des Familienunternehmens im Zweiten Weltkrieg.

Die Basisgegebenheiten seien weitgehend authentisch, aber durchsetzt „mit einem starken Schuss Fiktion“, so der Autor. So führt er im Roman etwa mit seinem eigenen Ururahn ein Zweigespräch. „Denn fragen konn­te ich keinen mehr, was ja nicht von Nachteil sein muss. Dazu ein Schuss Leben, mit seinen nicht vor­hersehbaren Ereignissen, seinen Glücksfällen und sei­nen Dummheiten - damit es unterhaltend bleibt. Die Schwierigkeit mit dem Leben ist ja, dass man nicht wirklich weiß, ob es sich jetzt um einen in den Abgrund führenden Prozess handelt. Die Schwierigkeit mit dem Leben ist, dass man nicht wirklich weiß, in welcher Phase man sich befindet. Man weiß eben nicht, ob es in Zukunft besser oder schlechter wird, man weiß nur, dass es so sein wird wie es dann ist. Wie sagt man in Köln: Et kütt wie et kütt.“      („Villa Goldenberg“, 207 Seiten mit Fotos und Stammbaum, Verlag Der Rheinländer, ISBN 978-3-942035-04-0, © Bernd Kleuser, Auf Jägert 1, 53572 Unkel.) (Im Waterbölles wurde dieser Beitrag ertmals heute vor zehn Jahren veröffentlicht)

 

Vom jahrzehntelangen Traum von einer Festhalle für Lennep

Auf dem Jahnplatz, zwischendurch Kaiser-Friedrich-Platz, sollte einmal ein multifunktionales Vereinsgebäude entstehen. Lenneparchiv Schmidt.von Dr. Wilhelm R. Schmidt

Mitte des 19. Jahrhunderts wurde in Lennep das Bedürfnis empfunden, einen großen Versammlungs- und Festsaal zu errichten, weil die vorhandenen Säle, die mit Gastwirtschaften verbunden waren, für größere Veranstaltungen oder Feste nicht genügten.  Die Vereine mussten für ihre Feste jedesmal Zelte oder mobile Hallen errichten, obwohl eine einfache Kalkulation genügt hätte, um festzustellen, dass eine bleibende Lösung kostengünstiger gewesen wäre. Die Schützenvereine vieler Städte in Rheinland und Westfalen hatten damals schon solide Schützenhäuser erbaut, die dann auch zu weiteren Zwecken benutzt werden konnten, aber in Lennep konnten sich die maßgeblichen Persönlichkeiten nicht zu der Überzeugung durchringen, dass eine großzügige kommunal errichtete Anlage rentabel sei. Natürlich hätte man auch eine Menge gemeinnütziger Einrichtungen mit einer solchen Anlage bedienen können.

Als man um 1870 in Lennep von einer großen Gemeinschaftshalle träumte, spielte die Frage des Bauplatzes eine große Rolle. Eine solide, große Festhalle auf dem prachtvollen, aber den Witterungseinflüssen außerordentlich ausgesetzten und hochgelegenen Schützenfeld empfand man als sehr schön. Sie würde als neues Wahrzeichen Lenneps bis zur weithin in der Ferne wahrnehmbaren Wasserscheide des oberen Wuppergebiets bemerkbar gewesen sein; allerdings wären die Baukosten unverhältnismäßig hoch gewesen. Wenn also eine solche Lage der Festhalle für Schützenfeste, große Gauturnfeste, landwirtschaftliche Feste und dergleichen nicht unpassend gewesen wäre, so wäre eine Benutzung der Festhalle für Vereine und Versammlungen doch wegen der großen Entfernung vom Stadtinnern nicht zweckmäßig, so war die Meinung.

Der Hohenzollernplatz an der Ringstraße nahm Mitte der 1930er Jahre den alten Kaiser Wilhelm I. auf. Aus ‚kriegswichtigen Gründen‘ wurde das Denkmal dann später verschrottet.. Lenneparchiv Schmidt.Einige Jahre vor dem Bau der Eisenbahn Remscheid-Lennep-Barmen-Rittershausen unternahm ein früherer Lenneper Bürger namens Richard Kombruch eine große Grundstückspekulation. Er brachte alle käuflichen Grundstücke in der näheren Umgebung der Stadt in seinen Besitz, weil er sich vorgestellt hatte, durch die Eisenbahnanlage würde eine immense Bautätigkeit entstehen und seine Grundstücke würden ihm große Gewinne bringen. Das war allerdings ein Irrtum. 30 Jahre später gestand der Herr dann ein, dass sich die Spekulationssumme nicht einmal normal verzinst habe.

Damit nun aber Grundstücke, die bei der voraussichtlichen Entwicklung der Stadt für öffentliche Gebäude nötig waren, nicht durch Spekulation verteuert wurden, veranlasste der damalige Bürgermeister Rudolf Trip seine Verwandten Gebr. Hilger, das Grundstück des späteren Kreishauses und Umgebung zwischen Kölner- und Leverkuser Straße bzw. zwischen dem Hardtschen Garten und der späteren Hermannstraße anzukaufen. Es sollte für gemeinnützige Zwecke bereitgehalten werden. Da eine baldige Verwertung dieser Art noch nicht in Aussicht stand, wurde dort eine Feldbrandziegelei  angelegt, aber bald wieder aufgegeben, weil es sich herausstellte, dass durch die primitive Fabrikation in der regenreichsten Gegend Deutschlands eine Rentabilität nicht zu erzielen war. Der unbrauchbare Abfall der Meileröfen war einfach zu groß. Auf diesem Teil des Grundstücks ist alsdann später im Jahre 1889 das Kreishaus erbaut worden, nachdem es in den Besitz der Stadt übergegangen war.

Der nördliche Teil dieses Grundstücks war nach dem Ankauf durch Friedrich Wilhelm Hilger für eine Festhalle, die gemeinnützigen Zwecken dienen und für alle Vereine benutzbar sein sollte, zur Verfügung gestellt worden. Bürgermeister Rudolf Trip war Artillerieoffizier gewesen und ein guter Mathematiker; er liebte es, einigen jungen Bautechnikern, die sein besonderes Wohlwollen besaßen, mathematische Probleme aufzugeben, die dann in der Stammkneipe besprochen und meistens auch gelöst wurden. Eines Tages wurden nun diese Bautechniker, die inzwischen als selbständige Bauunternehmer fungierten, von Bürgermeister Trip scheinbar offiziell mit einer großen Aufgabe betraut. Sie sollten einen modernen Plan mit Kostenanschlag für eine große Festhalle für alle möglichen Zwecke liefern, da man nun auf dem verfügbaren Grundstück den schon jahrelang schwebenden Plan verwirklichen wolle. Damit sie sich über die zweckmäßigsten Anlagen auf diesem Gebiet unterrichten und einen nach allen Seiten hin modernen Plan liefern konnten, wurde ihnen eine Informationsreise durch Rheinland und Westfalen empfohlen, um Anlagen ähnlicher Art zu studieren.

Die beiden jungen Männer widmeten sich mit großem Eifer der Aufgabe, die ihnen mit einer offizieller Miene aufgegeben worden war, und legten dem Bürgermeister eines Tages einen feinen Plan mit Kostenanschlag im Betrage von 60.000 Talern vor. Der  fand alles großartig, wunderbar, auch nicht zu teuer, es müsse sofort mit dem Bau begonnen werden. Auf die schüchterne Frage der beiden Glücklichen - es handelte sich hier um die Jungunternehmer Albert Schmidt und Louis Dürholt -, wie es denn mit der Verdingung und der geschäftlichen Ausführung des Planes werden sollte, wurde lächelnd erwidert: Alles unnötig, Sie bauen die Anlage auf Ihre Kosten, das Grundstück erhalten Sie umsonst, reichlich Hypotheken gibt die Sportkasse, und für eine rentable Verwertung der Anlage wird Sorge getragen! Merke: Die beiden Baugewerksabsolventen hatten ohne jedes Kapital, wenn auch mit viel Mut und Kraft ihre Selbständigkeit gegründet und sollten jetzt die Funktionen von Kapitalisten übernehmen. Sie dankten dem Herrn Bürgermeister für seine gute Meinung – und versenkten das schöne Himmelsbild in den Orkus. Jedenfalls wurde das Festhallenprojekt so dauerhaft begraben, dass es viele Jahre dauerte, bis es wieder auftauchte.

Dann kam die Zeit der Denkmalüberflutung nach den siegreichen Kämpfen, die zur Gründung des Deutschen Reichs geführt hatten. Jedes Städtchen wollte sein Krieger- und Kaiserdenkmal haben, es wurden viele Millionen dafür ausgegeben. Pate stand hier außer der dankbaren Anerkennung der für das Vaterland Gefallenen auch die Erinnerung an große Führer des Volkes und die Förderung der Kunst, verbunden mit lohnende Arbeit für Handwerker. In dieser Zeit entstand in den liberal-bürgerlichen Kreisen Lenneps der Gedanke, ein Kaiser-Friedrich-Denkmal zu schaffen, obwohl in den noch höheren Gesellschaftsschichten dieser Idee wenig Sympathie entgegen gebracht wurde. Denn dort fürchtete man die Grundsätze des zwischenzeitlichen Kaisers, die er als freimaurerischer Logenbruder in Straßburg im Jahre 1886 proklamiert hatte, nämlich Gewissensfreiheit und allumfassende Liberalität. Lieber hielt man sich an seine Verwandten Wilhelm I. und später Wilhelm II.

Liberale Lenneper Kreisen gründeten damals einen Kaiser-Friedrich-Denkmal-Fonds. Da tauchte der Gedanke auf, der beim Volk beliebte Mitbegründer des Reiches würde es auf Grund seiner Weltanschauung gern gesehen haben, wenn die gesammelten Gelder für Einrichtungen verwendet würden, die dauernd das Allgemeinwohl förderten - eine Kaiser-Friedrich-Halle, die geeignet wäre, allen Einrichtungen zur Förderung des Volkswohls und der Volksbildung zu dienen. Es fehlte ein genügend großes und würdig ausgestattetes Gebäude mit Einrichtungen zur Pflege der Turnerei, für politische und sonstige Volksabstimmungen und für die  Vorträge des allgemeinen Bürgervereins. Auch fehlte Raum für Volksbibliothek und Lesehalle, durch die die „Schundliteratur“ bekämpft werden konnte. Durch ein großes Kino hätten die schädlichen, aufregenden Produktionen der Privatkinos bekämpft werden können usw. Wenn die Stadtverwaltung und die Vereine zusammenwirkten, dann müsste es ein solcher Plan doch gelingen…

Auch die Bauplatzfrage für eine große Festhalle schien gelöst. Der durch Schuttanschüttungen entstandene Kaiser-Friedrich-Platz (später Jahnplatz) hätte eine große Halle für alle Zwecke aufnehmen können, ohne im Geringsten die sportlichen Einrichtungen zu behindern. In der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg, also vor 1914, als sich Weltkrieg Handel und Industrie auch und gerade in Lennep fieberhaft entwickelten, hätte sich die Idee realisieren lassen. Danach aber ging die Zeit darüber hinweg.

Wochenrückblick vom 27. Januar bis 2. Februar 2020

Auf einem Eisenträger eine Zahl aus dem 14. Jahrhundert

Hammer im Lobachtal von Joh. Peter Ibach, Raffinierstahlschmied und Breiter

Direkt unterhalb des einstigen Diederichshammers im Lobachtal vermuten Experten die ehemalige Loosenhütte. Sie wurde erstmalig 1622 als Bücheler Hütte genannt und hatte ihre Erbauung der Erzförderung im Kremenholler und im Reinshagener Gebiet zu verdanken. Unterhalt der Loosenhütte bauten die Brüder Engel und Peter Loos irgendwann nach 1650 den sogenannten Bücheler Hammer. Nun wird sich jeder Kenner der Szene fragen, wo wohl die immensen Schlackenreste aus diesen beiden Hütten geblieben sind. Die Frage ist schnell beantwortet: Aufgrund moderner Eisenschmelzöfen und neuerer Technologien wurden im 19. Jahrhundert die Schlackenreste des 16. und 17. Jahrhunderts so wertvoll als Rohstoff, dass sie allen Erzlieferungen ihrer Zeit an Eisengehalt überlegen waren und dazu recht einfach abzutransportieren. Allerdings kann man auch heute noch Schlackenreste im Lobach finden. Jede Menge befindet sich auch in der Umgebung. Die Loosens hatten vielerlei Besitztümer in der Region, etwa im Schimmelbusch oberhalb der Alten Wendung und im Dellenbusch. Die Loosenhütte war im Jahre 1675 noch aktiv und hielt dank ihrer Wasserkraft die Blasebälge in Bewegung. 1692 wird sie zwar vom Burger Kellner zwar noch als Steuerzahler gezählt, lag damals aber schon in den letzten Zügen. Die Hütte am Altenhammer hatte die gesamte Produktion übernommen.

Etwa 160 Meter bergab kommen wir an die Mauerreste des Bücheler Hammers. Der Reckhammer Wurde vor 1670 erbaut durch Engel Loos und Peter Loos zu Losenbüchel und wird erstmalig genannt vom Burger Kellner Francken, der dort 1692 einen Reichstaler als Steuer eintrieb. 1675 berichtet das Remscheider Lagerbuch, dass dieser Hammer „Deich und Dähme“ besitze. Am 19. Mai 1715 erscheint ein Schriftstück mit folgendem Inhalt: „Die zeitigen Inhaber des Bücheler Hammers, der Hammes Hammer genannt, nämlich Anton Arntz und Lutter Ibach, bescheinigen mit ihrer eigenhändigen Unterschrift, dass sie das örtgen Wiesen boven unserer Hammerschlacht gelegen von der Wiese abgenommen und mit zu ihrem Teich genommen haben, und ist die Mehur binnen den pailsteinen beynahe aufs Mahl geleget, ausgenommen rond um die Maur wir auf unserm Grund einen Wassergrafen gestochen, und ist dieses geschehen im Jahre 1709, als der Hammer zum Reckhammer gemacht worden. Gezeichnet Abraham Rottsieper, Peter Caspar Platte und Consorten contra Arnold Paas aufm Platze.“

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Ibach: Vom Stahlhammer zur Eisenhandelsfirma (II)

Am 8. Juni 1995 bekam Buchautor Günther Schmidt von Hermann Pelshenke, Stursberg 1/8, aufschlussreiche Unterlagen, die aufzeigen, wie aus dem Ibach-Hammer im Hammertal ein bedeutsames Unternehmen der Nachkriegsjahre wurde. Johann-Peter Ibach war der Ur-Urgroßvater, Gustav Ibach der Urgroßvater von Hermann Pelshenke. In dem Wasserhammer seines Vaters Johann Peter Ibach schmiedete Gustav Ibach bis 1873 Raffinierstahl. 1873 begann er den Eisenhandel. In dem 2007 erschienenen Buch : „Hämmer und Kottenforschung – Lobachtal (Hammertal), Bergbau in Remscheid“ von Günther Schmidt finden sich die von Hermann Leshenke zur Verfügung gestellten Erinnerungen seines Großvaters Carl Ibach über die Entwicklung der „Eisenhandlung Ibach” und des „Remscheider Stahlwerks”.

Teil II

"Im Jahre 1917 kauften wir für das Walzwerk das große Grundstück Güldenwerth mit Bahnanschlussmöglichkeit (stark 3.000 Ruten) für rund 220.000 Papiermark von Hermann Koch Erben mit der Absicht, darauf ein neues Walzwerk zu errichten. Durch die Beschaffungsschwierigkeiten sind wir leider nur zu einer großen Planierung und zum Bahnanschlussbau gekommen. Diese Arbeiten fielen zum Schluss noch in die Stabilisierungszeit. Der Gedanke des erweiterten, neuen Walzwerkes mit Verlegung des alten musste der unsicheren Zeit wegen zurückgestellt und vorläufig aufgegeben werden. Im Juli 1918 lösten wir die Eisenhandlung wieder von unserer Firma ab, weil wir wegen Materialmangel den Kommanditvertrag mit den Rheinischen Stahlwerken in Ruhrort -Meidrich abgeschlossen hatten. Damit hatten wir aber einen Teil unserer Selbständigkeit bei der Eisenhandlung gegen Alleinverkaufsrecht dieses Werkes in unserem bestimmten Verkaufsbezirk abgegeben. Es war für uns eine schwerwiegende Entscheidung, aber unter den gegebenen Verhältnissen der richtige Weg. Neben guten Gehaltsbezügen hatten wir in der Folgezeit das damals bevorzugte Stahlmaterial nicht nur für die Eisenhandlung, sondern auch für die selbständig gebliebene Walzwerkfirma zur Verfügung.

Eisenhandlung Ibach, Kronprinzenstraße. HIZ RemscheidDie Direktoren von Rheinstahl, Esser und Filius, bauten damals für ihre Werke den Werkhandel aus und wollten auch in Remscheid eine Verkaufstelle errichten. Durch unsere Zusage wurde eine neue Konkurenz vermieden, durch die wir bei Fehlen des Reinstahlmaterials sonst fast lahmgelegt worden wären. Die neue Firma wurde unter “Eisenhandlung Ibach Kommanditgesellschaft” unter Mitwirkung von Th. Wuppermann GmbH., Schlebusch, begründet und eingetragen. Lagergrundstück mit Gebäulichkeiten waren vorerst an die neue Gesellschaft vermietet und wurde nachher an diese übertragen. Dadurch, dass wir mit den Rheinstahlmaterialbeziehern Julius Greis in Cronenberg und Pandel Söhne in Küllenhahn Unterverträge abschlossen, blieben auch diese guten Abnahmebezirke erhalten. Der Absatz stieg denn auch allgemein bald recht stark und die Personalvermehrung war eine Notwendigkeit. Wenn auch in der Besatzungszeit und später in der großen Inflationszeit zeitweise Stockungen eintraten, wurden doch immer wieder Wege gefunden, größere Mengen Material heranzuschaffen. So bezogen wir z.B. in der Besatzungszeit durch die Franzosen und Engländer ganze Rheinkähne von 800 bis 1000 Tonnen von Ruhrort nach Köln-Deutz und Wesseling. Das Material wurde dort auf die Bahnwagen verladen und kam nach Remscheid. Ein toller Betrieb, wenn Ladungen in großer Anzahl in Remscheid-Vieringhausen ankamen, fast den ganzen Bahnhof verstopften, und die großen Mengen abgefahren und eingelagert werden mussten.

Vaillant-Geräte im einstigen 'neuen' Verkaufsraum von Ibach.Ein unruhige Nacht gab es, als eines Abends die telefonische Nachricht kam, ein Kahn für uns sei von den Franzosen beschlagnahmt worden. Das wäre eine schöne Pleite gewesen. Ich wollte schon hinfahren um zu sehen, was zu machen sei, da kam der nächste Bescheid, dass der Kahn freigegeben und alles in Ordnung sei. Unser Angestellter Messerschmidt ist tagelang bei jedesmaliger Kahnankunft in Wesseling geblieben, um die Entladung zu überwachen. Wir hatten in dieser Zeit viel Material zur Verfügung, wogegen unsere Konkurrenten ohne Anschluss fast brach lagen. Käufer kamen aus allen Gegenden, doch wurde stark rationiert, um die ansässige Kundschaft nicht zu vernachlässigen. Inzwischen wurde die Geldentwertung immer schlimmer und der Drang zum Kauf von Sachwerten toll. Da nur gegen Mark im Inland gehandelt werden durfte, war der Ausverkauf sehr stark. Die Fabrikanten, die exportierten, bekamen fremde wertbeständige Geldsorten (Devisen) für ihre Ware, und uns wurde das niederwertigste deutsche Papiergeld angeboten. Die ganz schlimmen Geldräuber fuhren morgens zur sogenannten “schwarzen Börse” nach Köln usw. und bekamen für ein paar englische Pfund oder amerikanische Dollar ganze Haufen Papiergeld. Nun war der Zweck, bevor die nächste Kursentwertung, vielleicht schon am nächsten Tage da war, noch am selben Nachmittag Warenwerte zu erstehen, und die Fabrikanten gingen natürlich auf das ihnen so fehlende Material ein. Um diesen Ausverkauf wenigstens teilweise zu entgehen, entschloss ich mich, das Geschäft wenigstens nachmittags zu schließen, um erst den neuen Kurs der Papiermark abzuwarten. Wenn auch mein Bruder diesen Entschluss vorerst nicht billigte und wir dadurch, als einzigen Fall, fast in Uneinigkeit geraten wären, sah er doch bald ein, dass keine andere Rettung war, die Verluste möglichst zu beschränken. Man kaufte für das wertlos gewordene Papiergeld selbst wieder an Material, was zu fassen war, und sehr spät, als man sich nicht mehr an den Regierungsvorschriften störte, gab es auch für uns Devisen. Selbst diejenigen Fabrikanten, die vorher immer behauptet hatten, keine Devisen zu haben, kamen mit ihren Angeboten heraus und kauften dafür Material.

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