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Wochenrückblick vom 5 bis 12. Januar 2020

Januar 2010: Der Waterbölles blättert zurück

Einen mehr als 300 Seiten umfassenden Katalog mit insgesamt 276 Sparvorschlägen ("Giftliste") legte der Verwaltungsvorstand der Stadt Remscheid im Januar 2010 vor. Der Waterbölles vermutete damals: Das wird den Bürgern die Tränen in die Augen treiben. Mit einem Wagen voller Akten waren Oberbürgermeisterin Beate Wilding,  Stadtdirektor Burkhard Mast-Weisz, Stadtkämmerin Bärbel Schütte und der Beigeordnete Dr. Christian Henkelmann, Personalamtsleiter Roland Wagner, Kämmereileiter Bernd Lindmeyer und Sven Wiertz, damals persönlicher Referent der Oberbürgermeisterin, zu einer Pressekonferenz im kleinen Sitzungssaal des Rathauses erschienen, um die „Giftliste“ zu erläutern. Wegen „massiver Einschnitte in die Lebensqualität“ die Oberbürgermeisterin die Liste als „gruselig“. Doch eine Haushaltsverfügung des Regierungspräsidenten („Mangelnden Sparwillen müsste OB Wilding beanstanden“) ließ dem Verwaltungsvorstand keine andere Wahl.

Auch Sachbearbeiter müssen mit Geld sparsam umgehen“, meldete sich im Januar 2010 im Hauptausschuss der damalige SPD-Fraktionsvorsitzende  Hans Peter Meinecke zu Wort. Er empfahl der Verwaltungsspitze, sich mehr als bisher dafür zu interessieren, wofür Untergebene städtische Gelder ausgeben. Meinecke wörtlich: „Ich habe den Eindruck, auf der Sachbearbeiterebene ist der Sparzwang noch nicht in dem erforderlichen Maße angekommen." Ross und Reiter nannte er allerdings nicht.

Stadtführer Harald Neumann erinnerte vor zehn Jahren im damals gerade vier Jahre alten Waterbölles an die Ursprünge des Stadtteils Honsberg: “Praktisch, freundlich und behaglich sollten die Häuser sein“ Die große Siedlung sei nach den Plänen des Architekten Ernst Bast in den 1920er Jahren entstanden, ein Projekt der Städtischen Gemeinnützigen Bau-AG (heute GEWAG). Sie war 1918, gegen Ende des Ersten Weltkriegs, aus einem seit 1887 bestehenden, von Industriellen gegründeten gemeinnützigen Bauverein hervorgegangen. Besonderes Augenmerk legte Bast auf die künstlerische Ausgestaltung der Siedlung bis ins kleinste Detail hinein, wie z.B. kleiner Tierfiguren über Haustüren. Und noch weiter zurück, im 19. Jahrhundert? Da waren auf Honsberg Handwerk und Landwirtschaft in gleicher Ursprünglichkeit noch friedlich gemischt. Vom Honsberg kam sowohl der Meister mit dem “Liewermängken” und dem “Dragklöppel” “en det Dorp nom Kantor” des Kaufmanns, um ihm die gefertigten Werkzeuge zu bringen, als auch der Milchmann mit seiner Fuhre.

Nach dem Abbau von Weihnachtsmarkt und Eisbahn waren die Markthändler im Januar 2010 froh, ihre Verkaufsstände und –wagen auf dem Rathausplatz aufbauen zu können. Fünf Wochen lang waren sie, wie in den Vorjahren,  auf den Schützenplatz abgeschoben worden. Und waren darüber gar nicht glücklich. „In diesen vier Jahren auf dem Schützenplatz ging die Zahl der Kunden vor allem am Mittwoch stetig zurück“, berichtete Markthändler Hermann Kempe der Bezirksvertretung Alt-Remscheid. Vor allem ältere Kunden hätten sich, weil für sie der Weg zum Stadtpark zu mühsam war, nur samstags von ihren Kindern zum Markt fahren lassen. Oder sie hätten sich gänzlich umorientiert. Ein weiteres Problem: „Wir Marktbeschicker leben auch von der Laufkundschaft. Und die gibt es nur in der Innenstadt!“ Kein Wunder, dass die bis zu 60 Händler, die vor zehn Jahren normalerweise auf dem Wochenmarkt am Rathaus zu finden waren, nie mehr auf den Schützenplatz zurück wollten. Die Alleestraße sei aber kein geeigneter Standort für den Wochenmarkt, sagte damals auch Andreas Meike vom Stadtmarketing. Dafür seien die Verkaufsstände der Händler zu groß und die Abstände zwischen den Baumscheiben zu klein. Im Übrigen sei der Abbau der Stände um die Mittagszeit, also während des größten Fußgängerstroms, kaum machbar. Heute, zehn Jahre später, sieht der Wochenmarkt vor dem Rathaus manbchn al regelrecht mickrig aus. Zeit, noch einmal über die Alleestraße nachzudenken?!

Im Deutschen Röntgen-Museums wurde im Januar 2010 der 2. Bauabschnitt feierlich eingeweiht. An den Kosten (1.671.000 Euro) hatten sich NRW-Stiftung (580.000 Euro), BKM (Beauftragter für Kultur und Medien der Bundesregierung, 270.000 Euro), Siemens Healthcare (450.000 Euro), Stadt Remscheid (196.000 Euro), LVR (150.000 Euro), Sana Klinikum Remscheid GmbH (25.000 Euro) beteiligt.

Der Raumplaner und Umweltschützer Haimo Bullmann, langjähriger Vorsitzender des Ortsvereins Wuppertal des Rheinischen Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz, Mitglied und Fachberater des Heimatbundes Lüttringhausen, wurde im Januar 2010 beim traditionellen „Kottenbutteressen“ mit dem „Ehrenbrief“ und der Heimatbund-Nadel in Gold ausgezeichnet. Vorsitzender Peter Maar sagte in seiner Laudatio, der gebürtige Österreicher habe viele Jahre lang den Heimatbund Lüttringhausen darin unterstützt, die aus Sicht des Heimatbundes unsinnigen Planungen der Stadt Remscheid für ein Gewerbegebiet an der Blume zu verhindern. „Ohne die fachmännische Unterstützung von Herrn Bullmann, der auf Grund seiner früheren langjährigen beruflichen Tätigkeiten über exzellente Kenntnisse im regionalen und kommunalen Planungsrecht verfügt, wäre der Kampf des Heimatbundes gegen die Blume-Planungen niemals so erfolgreich gewesen!“

Wochenrückblick vom 30. Dezember 2019 bis 4. Januar 2020

Als noch niemand an Karstadt oder Hertie dachte

Die Kölner Straße mit Blick in die Lenneper Altstadt um 1900.Die Kölner Straße mit Blick in die Lenneper Altstadt um 1900. Das imposante Gebäude (links), das noch bis in die 1960er Jahre dass Schuhhaus Flick beherbergte, steht an der Stelle, wo später dann die (inzwischen wieder demontierte) „Brunnenplastik" vor dem Schuhhaus Wegener und der Stadtsparkassenfiliale „sprudelte". Rechts steht das 1926 erbaute Kaufhaus Karstadt, später Hertie, inzwischen wieder teilweise mit „Innenleben“ (von EDEKA und ALDI). Ungefähr auf dem Gelände des Kaufhauses stand ehedem die Bauendahlsche Fabrik, später von Friedrich Hardt gekauft und 1907 abgebrochen. Ab 1913 stand gleicher Stelle das Bekleidungshaus Dörrenberg. (nach: „Remscheid. Ein verlorenes Stadtbild“, von Rolf Lotzmann, erschienen 1994 im Wartberg-Verlag)

Viel Schnee und Frost im Winter vor zehn Jahren

Distelfinken belagerten 2010 erstmals diese Futterstelle an der Fichtenstraße. Foto: Ulrike KaiserSperber mit erbeuteten Star. Foto: Lothar KaiserDer Winter 2010 hatte seinen Namen wirklich verdient.  Schon im Dezember 2009, kurz vor Weihnachten. kam der Schnee in Masse ins Bergische: Vom 16. bis zum 21. Dezember fielen an der Bever-Talsperre etwa 20 Zentimeter Schnee, berichtete der Wupperverband. Und das ging im Januar dann munter weiter. Sechzig Zentimeter Schnee wurden auf dem Hohenhagen gemessen; wann hatte es das zuletzt gegeben? Damals fiel dem Waterbölles erstmals ein großer Schwarm von Distelfinken auf, auch Stieglitze genannt, die sich an einer Futterstelle an der Fichtenstraße die angebotenen  Sonnenblumenkerne  schmecken ließen (seitdem dort ganzjährig zu beobachten). Dass die Futterstelle von Distel- und Bergfinken, Dompfaffen, Kernbeißer, Meisen und andere Vögeln gerne besucht wird, blieb leider einem Sperber nicht verborgen; auch Raubvögel haben im Winter Hunger.. Ein Star war wohl etwas unachtsam – und bezahlte es mit seinem Leben.

Schneehauben im Winter 2010 auf dem Hohenjhagen. Foto: Lothar KaiserDie Bernhardstraße in Kremenholl im Winter 2010. Foto: Harald Neumann.Die starken Schneefälle vor zehn Jahren ließen an Remscheider Straßen den Parkraum rar werden, etwa an der der Bernhardstraße auf dem Kremenholl (links  im Bild) und sorgten für ganz unterschiedliche "weiße Mützen" in den Gärten (rechts ).

Auf einer Weide unterhalb der Birkenstraße im Januar 2010 Foto: Lothar Kaiser"Zieht EucWinterwald auf dem Hohenhagenvor zehn Jahren. Foto: Lothar Kaiserh warm an. Diese Nacht werden's elf Grad minus!", titelte der Waterbölles am 26. Januar 2010 nach einem Wetterbericht und stellte dazu das Foto von einem in eine Decke gehüllten Haflinger und Shetland-Ponies mit dichten Winterfell  von einer Weide unterhalb der Birkenstraße ins Netz. Strahlend blauer Himmel hatte damals zu einem Spaziergang durch den verschneiten Winterwald auf dem Brodtberg  verlockt.

Ohne Winterreifen läuft nichts im Januar 2010 mehr auf dem Krem,enholl.. Foto: Harald NeumannDer Januar 2010 endete dann in einem Schneechaos: Ohne Winterreifen lief nichts mehr (/m Bild links die Karl-Michel-Straße auf dem Kremenholl). Dder Räumdienst der Remscheider Entsorgungsbetriebe kam nicht mehr nach. Auf der Wansbeckstraße bildete sich am Vormittag ein langer Stau, weil Richtung Ebert-Platz ein Lastwagen und ein überholender Gelenkbus hängengeblieben waren. Und als dann auch noch ein anderes Transportfahrzeug beim Überholmanöver auf der Gegenfahrbahn (!) im Schnee steckenblieb, hatten auch die abwärts fahrenden Autofahrer ihre „helle Freude“.

 

Wochenrückblick vom 23. bis 29. Dezember 2019

 

Aufzeichnungen des Kaufmanns Peter Hasenclever

Hammer im Eschbachtal. Gemälde bei G. SchmidtWilhelm Engels hat aufgrund eines Geschäftsbuches aus der Zeit von 1632 bis 1648 den Bezug und Vertrieb Hasenclevers Stahlwaren aus dem Lobach- und Eschbachtal niedergeschrieben: „Bei der Seltenheit urkundlicher und industriegeschichtlicher Mitteilungen aus alter Zeit ist jeder neue Beitrag erwünscht. Eine solche stellt das äußerlich recht bescheidene, aber inhaltsreiche Buch dar, das Peter Hasenclever in der Lobach in den Jahren 1632 – 1648 zur Eintragung geschäftlicher und anderer Vorfälle benutzte. Es führt uns mitten hinein in das Leben und Leiden der bergischen Bewohner zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges. Peter Hasenclever war ein Spross des bekannten Remscheider Geschlechts, das auf dem Hofe Hasenclev (Haddenbacherstraße) im oberen Morsbachgebiet seinen Ursprung hat. Nach einem Bericht des Beyenburger Rentmeisters Johannes Karsch vom 6. Dezember 1607 betrieb der alte Hasenclever mit seinen Söhnen im Goldenberger Grund einen Klopfhammer und eine Pulvermühle. Schon früh fanden die Vertreter dieses Geschlechtes, die sich als Erzeuger des für das Remscheider und Solinger Eisengewerbe außerordentlich wichtigen Raffinierstahles betätigten, den Weg ins Lobach-, Eschbach- und untere Morsbachtal, wo sie freie Wassergefälle vorfanden und ihre Stahlhämmer errichteten.

Peter Hasenclever besaß nicht nur den Stahlhammer in der Nähe des Lobacher Hofes, sondern er hatte auch am Eschbach bei Zurmühle einen Reckhammer anstelle eines verfallenen Schleifkottens errichtet. Neben der Stahlerzeugung betrieb er einen umfangreichen Stahlhandel. Er bezog seinen Werkstoff den Rohstahl teils aus dem Siegerland und seinen Nachbargebieten, teils vom unteren Westerwald. Offenbar war er zeitweilig nicht in der Lage, aus seinen eigenen Hämmern alle Besteller zu befriedigen, so dass er auf andere Lieferanten zurückgreifen musste. So bezog er im Jahre 1634 ein „Bord“ Beilstahl und zwei „Borden“ Messerstahl im Gesamtgewicht von 1294 Pfund von Johann Becker zu Olpe.

Zum Verständnis der alten Bezeichnungen sei bemerkt, dass der Beilstahl eine geringere Qualität darstellt, die durch ein- bis zweimaliges Recken und Zusammenschweißen schmaler Rohstahl- und Eisenrippen erzeugt und vornehmlich zur Herstellung von Beilen und Äxten verwendet wurde. Dagegen erfuhr der Messerstahl eine dreimalige Raffinierung, wodurch er die zur Herstellung der Schwertklingen und Messer verschiedenster Art erforderliche Feinheit erhielt. Das Erzeugnis seiner eigenen Hämmer, das sich anscheinend besonderer Beliebtheit erfreute, bezeichnet Peter Hasenclever als „Solischen Metzerstael“ (Solinger Messerstahl). Die Bezeichnung „Bord“ für eine gewisse Stahlmenge ist heute nicht mehr bekannt. Anscheinend handelt es sich nicht um ein festes Gewicht, denn in dem betreffenden Geschäftsbuch wird einmal ein „Bord“ Solinger Messerstahl zu 310 Pfund erwähnt, während an anderer Stelle ein „Bord“ Beilstahl und zwei „Borden“ Messerstahl im Gesamtgewicht von 1294 Pfund, also im Durchschnitt 428 Pfund erscheinen. Vermutlich bildet „Bord“ (Bürde) die Bezeichnung für eine Fuhre, da auf den kleinen zweirädrigen „Hessenkarren“ bei den schlechten bergischen Wegen kaum mehr als drei bis fünf Zentner befördert werden konnten.

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Als es in Lennep noch viele gesellschaftliche Clubs gab

Am Pavillon des Hardtparkteils unterhalb der Wupperstraße gab es noch lange nach dem 2. Weltkrieg beliebte Sommerkonzerte.von Dr. Wilhelm R. Schmidt

Wenn wir heutzutage die Zeitungen aufschlagen, dann sehen wir öfters Hinweise auf so manchen Lenneper Verein, der eine Geschichte von einhundert Jahren oder noch länger aufweisen kann. Es wäre deshalb sicherlich sehr interessant, einmal  eine umfassende Lenneper Vereinsgeschichte zu schreiben. Heute aber soll es speziell um diejenigen historischen Gesellschaften gehen, die sich eher als „gesellschaftliche Clubs“ verstanden haben und die meinten, mit einem Radfahrerverein z.B. oder dem Hahnenverein von Fünfzehnhöfe wenig gemein zu haben, erst recht nicht mit der Vorstellung eines „großartigen Ringkampfes mit einem Neger“, so 1878 im Saal des F.W. Keil, dem Vorgänger Hermann Windgassens im Kölner Hofs.

Bereits in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts gab es ein stark entwickeltes Gesellschaftsleben in der damaligen Kreisstadt Lennep. An Fernsehen, Internet und Spielkonsolen konnte damals noch niemand denken, und so bestand ein großes Bedürfnis nach Geselligkeiten im öffentlichen Raum, vor allem in den Wirtschaften, die damals mehr als heute auch zusätzliche Gesellschaftsräume umfassten. Ganze Generationen hatten Tanzstunde im Berliner Hof und feierten im Garten des Kölner Hofs auf dem Grund des späteren Modernen (Lichtspiel-)Theaters. Da es noch kein Kino gab, nutzte man die größeren Räume mit Bühne ausgiebig für Vorstellungen lokaler und auswärtiger Theatergruppen, für Versammlungen und für Konzerte. Auch Freilichtbühnen gab es, z.B. am Lenneper Stadtgarten, und noch lange nach 1945 gab es Konzerte im Lenneper Hardtpark. Sicherlich wurden Szenen aus Shakespeares Sommernachtstraum aufgeführt, und manchmal der „Raub der Sabinerinnen“ der Wiener Brüder Schönthan. Wie in dieser skurril-tragischen Komödie musste wohl auch in Lennep oftmals das Drehbuch an die defizitären Lokalverhältnisse angepasst werden. Am ehesten wurde die Tradition theatralischer Aufführungen später noch in den großen Schulen und ihren großen Aulen beibehalten. (Dass man nach dem Zweiten Weltkrieg für die Abwicklung der Vorstellung brennbares Heizmaterial mitbringen musste, gehört zu einem anderen Thema.) Ich selbst erinnere mich noch sehr genau an die Schüleraufführungen der 1960er Jahre, als im Lenneper Röntgengymnasium „Des Die Kaufmannsgesellschaft an der Bergstraße unterhalb des Lenneper Bahnhofs verstand sich als Club und Treff für Geschäftsleute und Politiker.Kaisers neue Kleider“ aufgeführt wurden. Einer meiner Mitschüler war der „Kaiser“, der mit langen weißen Unterhosen auf der Bühne seine von der Regie geforderte Nacktheit simulierte. Ich selbst probte eine Zeit lang am Sonntagmorgen im Saal des „Königs von Preussen“ am Lenneper Alten Markt; zu einer Aufführung kam es jedoch nie.

Die öffentlichen Aufführungen reichen in Lennep zurück bis in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts. Ganz anders als heute jedoch versuchte man damals, die Interessenten möglichst nur in der eigenen Gesellschaftsschicht zu finden. „Gleich und gleich gesellt sich gern“, heißt es das passende Sprichwort, und es versteht sich von selbst, dass sich die Kaufleute und ihre Spitzenkräfte, die man damals Beamte nannte, nicht gern mit den einfachen Handwerkern an einen Tisch setzten. Vielmehr traf sich die sog. „Kaufmannsgesellschaft“, ein Klub begüterter Familien, lieber in den oberen Räumen des Amtsgerichts am Alten Markt und ließ sich später an der heutigen Bergstraße ein eigenes prunkvolles Gebäude errichten, das spätere „Hotel zu Post“, sogar mit eigenem großem Weinkeller, denn historischen Berichten zufolge war man sehr trinkfreudig und machte nebenbei „bergische Politik“.

Natürlich konnte damals nicht jedermann  einfach in eine solche Gesellschaft eintreten, sondern es wurde jeweils über neue Mitgliedschaften erst entschieden. So wie dies heute noch in der Freimaurerei vielleicht oder bei den „Schlaraffen“ üblich ist, wurde auch in manchen Lenneper Vereinigungen im 19. Jahrhundert dazu die sog. Ballotage, oder dt.: Kugelung angewendet. In geheimer Abstimmung wurde über die Aufnahme des Aspiranten mit einer weißen bzw. schwarzen Kugel entschieden. Die soziale Zugehörigkeit war dabei in der Regel entscheidender als die persönliche Leistung des Beitrittswilligen.

Das sog. Vereinshaus (später RWE) an der Bahnhofstraße unterhalb des ‚Kaiserhof‘diente u.a. als Treffunkt der ‚Loge zur Bergischen Bruderkette - Orient Lennep 1912‘.Natürlich gab es auch politisch ausgerichtete Vereinigungen, neben den konservativen bzw. royalistischen nach und nach immer mehr auch liberale, sozialdemokratische und revolutionäre. Eine Gesellschaft mit der Bezeichnung  Das Parlament“ hatte ihr Lokal zunächst an der Berliner Straße und wechselte dann in das heute nicht mehr existente große Haus gegenüber dem „Berliner Hof“, das seit den 1830er Jahren als Geschäfts- und Vereinshaus bestand. Die Gesellschaft huldigte wohl den Idealen der bürgerlichen Revolution von 1848 und dem Parlament der Frankfurter Paulskirche. Zum Mollplatz hin hatten die Räume im ersten Stock einen saalmäßigen Charakter mit großen Verbindungsklapptüren der einzelnen Räume. Bei seinem Abriss 1971 fand man im Keller noch Gewölbe vor, die einst als Bierkeller gedient hatten, und es ist bekannt, dass in einem Anbau im Park in Richtung Gartenstraße im frühen 19. Jahrhundert Kegelbahnen bestanden. Im Jahre 1849 scheint diese Gesellschaft erloschen zu sein, denn die damaligen Zeitungen berichten über die Versteigerung ihres gesamten Mobiliars.

Der berühmteste Frankfurter Abgeordnete unserer Region war übrigens Eduard Hülsmann. Im Jahre 1848 vertrat er den Wahlkreis 27, Provinz Rheinland, im Paulskirchen-Parlament. Er hatte evangelische Theologie in Bonn studiert und sich dort der Alten Bonner Burschenschaft angeschlossen. Ab 1837 wirkte er als Prediger, Schulpfleger und Pfarrer in Lennep. Er war sehr beliebt, und um ihn rankt sich so manche Lenneper Geschichte. Als es um seinen Nachfolger ging, entstand der Spruch: „Ach, hätten wir doch einen Hülsmann wieder.“

Über viele Lenneper Generationen war der ‚Berliner Hof‘ mit mehreren Sälen (z.B. oben rechts) Clubhaus, Vereins- und Tanzstundenlokal. Gegenüber tagte bis 1849 die ‚Gesellschaft Parlament‘.Eine weitere Gesellschaft war in Lennep die „Zum Roten Ochsen“. Sie soll in einer damals gleichnamigen Gaststätte an der unteren Kölner Straße zusammen gekommen sein. Eine „Loge zur Bergischen Bruderkette im Orient Lennep“ residierte ab 1912 im ursprünglich evang. Vereinshaus an der oberen Bahnhofstraße unterhalb des „Kaiserhofs“, später Zentrale des RWE. (Teile des Geschirrs mit Schriftzug verwahre ich noch heute in meinem Lenneparchiv.)

Bekannter als die bisher genannten Gesellschaften ist im heutigen Lennep sicherlich die „Gesellschaft Union“. Deren Räumlichkeiten befanden sich an der Kreuzung Kölner Straße/Wupperstraße. Der Lenneper Baumeister Albert Schmidt beschäftigte sich mit ihr seinerzeit in einem Zeitungsartikel, weil er dort in seiner Jugend Mitglied gewesen war, und weil er dem Betreiber des Etablissements,  Carl Wilhelm Vollmer, samt seiner Familie ein Denkmal setzen wollte. Die Gesellschaft wurde am 28. Februar 1829 von Bürgern des Lenneper Mittelstandes gegründet, während die oberen Stände lieber in der Kaufmannsgesellschaft verkehrten. Bis Anfang der 1860er Jahre kamen die Mitglieder im Winter am Alten Markt zusammen, und für den Sommer war an der Wupperstraße zunächst nur ein kleiner Kegelsaal mit Bahn im Garten vorhanden, der allerdings laufend vergrößert und umgestaltet wurde, so dass man dort  sehr angenehme Stunden zubringen konnte. Später wurde noch ein Konzertsaal mit Erker für das damalige Freimaurerkränzchen geschaffen.

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Wochenrückblick vom 16. bis 22. Dezember 2019

Die Besitzer wechselten fast so oft wie die Namen

Einige 100 Meter unterhalb des Lobacher Schleifkottens lag am Lobach im romantischen Hammertal einst der Kremenholler Hammer oberhalb des Kremenholler Steges (Weg von Kremenholl nach Ehringhause). Verschiedene Teichformen auf verschiedenen Katasterkarten lassen einige Umbauten und Veränderungen ahnen. Auch sind verschiedene Namen erhalten: Cremelholder Hammer, Kremelholler Hammer,  Platerhammer, Kremenholler Hammer, wie auf den Karten zu ersehen ist.  1622 hatte ein Henssen Kremenholtz diesen Reckhammer auf den „Burger Bach“ gesetzt. 1753 nennt er sich „Stahlraffinierhammer des Johann Wilhelm Hasenclever“ zu Ehringhausen. 1773 finden wir diesen Hammer unter den neun von Jacobi gezählten Hämmern am Lobach wieder. 1800 erkennt man einen erneuten Besitzerwechsel, denn nun zahlt ein „Wilhelm Schmitt, jetzt Bertram des Schmitts Eidam Hammer“ einen Reichstaler Pachtzins an den Burger Kellner. Bereits 1810 ist es der Bockmüllers Hammer eines Bockmüller zu Reinshagen. 1824 betreibt Johann Plate den Hammer, der dann 1829  mit drei oberschlächtigen Wasserrädern,  einem Hammer und zwei Gebläsen sowie zwei Feuern und zwei Arbeitern als Raffinierstahlhammer geführt wird. 1842 sind als Besitzer Reinhard und David Engels eingetragen,  die dort eine Amboss-Schmiede betreiben. Der letzte Besitzer vom Kremenholler Hammer und dem darüber liegenden Schleifkotten war der Wirt Adolf Herberg. (aus: „Hämmer und Kottenforschung – Lobachtal (Hammertal), Bergbau in Remscheid“, 2007 herausgegeben von Günther Schmidt)

1940 kaufte die Stadt den Ibachshammer und riss ihn ab

Foto: Hans Georg Müller

 

Diederichshammer mit Wohnhaus (Foto rechts: Otto Brüne) und Blick über den Teich (Sammlung: Bulang)Nur wenige Meter unterhalb der Vereinigung des Vieringhauser Bachs mit dem Lobach lag der Teich des Diederichshammers. „Mal wieder Diederichs“ könnte man sagen, aber irgendwie passt dieser Hammer in das Gesamtkonzept des Diederichs-Clans, der nicht umsonst die teure Zuführung des Lobachwassers durch den Fels zum Diederichskotten vorgenommen hatte (es beeindruckt heute noch, wenn man davor steht). Auch in diesem Fall sind für den Hammer wieder verschiedene Namen überliefert: „Hammer an der Hütten“, Schliepers Hammer, Diederichs Hammer und zuletzt Ibachshammer. Erbaut wurde er zwischen 1731 und 1738 von Caspar Schlieper (verheiratet mit A. M. Heuscher) in der Morsbach. 1753, nach SchliepersTod, ging der Hammer je zur Hälfte an die beiden Söhne Engelbert und Johann Daniel über. Am 27.3.1760 verkaufte der eben mündig gewordene Johann Daniel seinen Anteil an Peter Johann Diederichs. Dagegen protestierte Engelbert Schlieper, da der Hammer väterliches Erbe sei und er einem Verkauf an Fremde nicht zustimmen könne, denn schließlich sei er es gewesen, der in den ganzen Jahren die notwendigen Reparaturarbeiten bezahlt habe. Ein abschließendes Urteil ist nicht bekannt, aber 1762 kaufte Peter Johann Diederichs auch die zweite Hammerhälfte „ samt der Gereidschaft und den dazugehörenden Wiesen und Büschen“. 1800 liest man „Stahlhammer von Pet. Joh. Diederichs & Söhne“ zu Remscheid-Schüttendelle, und 1824 erscheint die Eintragung „Stahlraffinier- und Eisenhammer von Joh. Diederichs, verpachtet an Gottlieb Diederichs und von diesem betrieben“ (übrigens Remscheids erster Bürgermeister).

Ibachhammer (Foto oben: Stadtarchiv Solingen, Foto unten: Hubert Felder)Der Diederichshammer oder Ibachshammer war das letzte Refugium der Diederichs, die alle anderen Hammeranlagen bis dahin verkauft hatten. 1829 wird der Hammer als Breithammer für Stahl und Eisen von Joh. Diederichs Erben an J. W. Ibach verpachtet, der den Hammer später kaufte. Er arbeitet mit drei oberschlächtigen Wasserrädern, einem Hammer und Amboss, zwei Feuern und zwei Gebläsen. Als weiterer Besitz taucht in unmittelbarer Nähe des Hammers 1831 ein Wohnhaus auf, das erst 1960 abgebrochen wurde. Zu dieser Zeit (1862) wohnten dort zwölf Personen, und zwar ein Kleinschmied Eickelberg mit acht Personen und ein Schuster Heinrich Stahl mit vier Personen.

1834 ist erstmals Johann Peter Ibach als Inhaber des Hammers genannt. Er betreibt den Stahlraffinier- und Stahl- und Eisenbreithammer selbst mit einem Knecht und einem Lehrling für andere im Lohn. Zu dieser Zeit besitzt er bereits auch den darunter liegenden Bücheler Hammer. 1842, als berichtet wird, dass der Hammer etwa 20.000 bis 30.000 Pfund Stahl pro Jahr liefert, ist bereits Joh. Pet. Ibach sen. als Inhaber verzeichnet. Ihm folgt1869 sein Sohn August. Er und seine nachfolgenden Generationen betrieben den Hammer bis zum Abriss durch die Stadt Remscheid 1940, die den Hammer kurz zuvor gekauft hatte. Noch in dem Jahr des Kaufes durch die Stadt Remscheid wurde dieser abgebrochen. (nach: „Hämmer und Kottenforschung – Lobachtal (Hammertal), Bergbau in Remscheid“, 2007 herausgegeben von Günther Schmidt)

Übrig geblieben sind nur einige alte Natursteinmauern

Ehlishammer am Fußweg Hammertal-Kremenholl. Sammlung: ReneltWenige Meter unterhalb des Diederichskotten arbeiteten einst die vereinigten Gewässer vom Vieringhauser Bach und Teile des Lobachs für den Ehlishammer. Dieser stand vor der Mündung des Vieringhauser Baches in den Lobach. Er wurde von dem „verlorenen Wasser des Diederichskotten“ betrieben. Gegründet wurde er 1671 durch Friedrich Honsberg vom Volkeshaus mit einer Konzession vom 7.12.1671. Friedrich Honsberg besaß einen der vier Kremenholler Höfe und war 1671 etwa 52 Jahre alt. Er war Ratmann für die Sensenschmiedezunft (1665) und stieg bis 1667/68 zum Vogt derselben auf. Diederichs fertigte in dem Hammer bis zur napoleonischen Kontinentalsperre 1805 hauptsächlich Sensen. Die drei Produktionsstätten, die ihm gehörten (Diederichskotten, Ehlishammer und Diederichshammer) lagen unmittelbar zusammen. Das erklärt auch, weshalb er vom Kremenholler Steg entlang des Brandenberges einen so aufwändigen Obergraben zog. Effizienter mit der Wasserkraft arbeiten zu können, war sein Ziel. Aber ab 1805 ging die Diederichs-Dynastie gerade so steil bergab, wie sie empor gekommen war.

Ehlishammer im Lobachtal. Foto: Otto Brüne1806 ging der Besitz an Caspar Herbertz über, 1829 an Friedrich Ehlis. Die Namen Herbertz und Herberg verwischen sich in dieser Zeit. 1834 nennt sich der Hammer immer noch Diederichshammer. Gearbeitet wird dort Mit einem Knecht und einem Lehrling, verarbeitet wird roher Stahl für hiesige Schmieden. 1852 erscheint ein neuer Hammerschmied: C. Wilms. Offenbar ist der Hammer unterverpachtet, denn 1852 ist ebenfalls der Feilenschmied Abraham Nicolas genannt, der mit zwei Feuern und einem Gehilfen im Jahr etwa 30.000 bis 35.000 Pfund Raffinierstahl produziert. Im Mai 1852werden Nicolas zu Scheidt und Wilms zu Ehringhausen die gemeinsamen Besitzer des Hammers. 1867 ist nur noch die Schleiferei von Karl Wilms aufgeführt Mit drei oberschlächtigen Wasserrädern, einen Hammer und zwei Gebläsen.

Gegenüber am Hang stand das Wohnhaus, und es ist bekannt, dass dort Jacob Jöker als Feilenhauer mit seiner sechsköpfigen Familie wohnte. 1875 ist überliefert, dass Hammer und Wohnhaus an Alex Rottsieper aus Lüttringhausen verkauft wurden. Dieser war Inhaber bis 1902. 1885 wurde die Gaststätte Herberg gebaut. Um diese Zeit wurde auch am Hang das neue Wohngebäude gebaut, wo zuletzt eine Familie Wengelnick (2007) wohnte. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts übernahm der Remscheider Bäcker Adolf Herberg den Gesamtbesitz. Er erkannte die Zeichen der Zeit, baute einen Biergarten an, richtete sich eine Bäckerei ein, betrieb die Gastwirtschaft und hatte Erfolg mit seinem neuen Ausflugsziel.

Auf einigen alten Bildern ist noch ein großer Schornstein zu erkennen. Er ist ein Zeugnis dafür, dass im Hammer im Laufe der Zeit auch eine kleine Gießerei Einzug gehalten hatte. Nach dem Tod des letzten Sohnes Adolf Herberg jun. wurde 1960 mit dem Abriss des Hammers begonnen. Heute kann man nur noch ahnen, was im Bereich alter Natursteinmauern einmal gestanden haben mag.  (nach: „Hämmer und Kottenforschung – Lobachtal (Hammertal), Bergbau in Remscheid“, 2007 herausgegeben von Günther Schmidt)