Skip to content

Anzeige

Bau-Innung Remscheid Innung für elektrotechnische Handwerke Remscheid Fachinnung für Metall- und Graviertechnik Innung für Sanitär- und Heizungstechnik Remscheid
Dachdecker-Innung Remscheid Friseur-Innung Remscheid Maler- und Lackierer-Innung Remscheid Kraftfahrzeughandwerk Remscheid

Die 1950-er in RS: Die Stadtkirche am Markt, nur eine Ruine

Die heutige 'Citykirche' am Markt in den 1950-er Jahren. Foto: Alfred Lambeck.Ausgebrannt und ohne ihre charakteristische Haube, umgeben von Bauruinen mit Behelfsdächern über dem Erdgeschoss – für sieben Jahre blieb die Ruine der 1726 erbauten Stadtkirche das beherrschende Bild am Remscheider Markt. Ein Bauzaun umgab die Reste. Ein Kran wurde gerade aufgerichtet, als dieses Bild entstand. Im August 1952 fielen die Baugerüste, war das Gotteshaus in alter Schönheit wiedererstanden. (aus: „Remscheid. Bewegte Zeiten – Die 50er Jahre“, von Alfred Lambeck (Text und Fotos), erschienen 1999 im Wartberg-Verlag)

Die 1950-er in RS: Die neue Bismarckstraße entsteht

Großflächige Zerstörungen im alten Remscheider Stadtkern ermöglichten an einigen Stellen eine völ­lig neue Straßen- und Verkehrsführung. An die Stelle der alten, extrem steilen Bismarckstraße, jetzt „Alte Bismarckstraße"  (übrigens mit der stärksten Steigung, die je eine Straßenbahn ohne Zahnradantrieb befuhr), trat in den 1950-er Jah­ren die neue Bismarckstraße (Foto rechts) mit einer moderaten Steigung in eleganter Kurvenführung. Im Bild sind die Bord­steine der Bürgersteige sind bereits gesetzt, Straßendecke und Straßenbahnschienen fehlen noch. Foto links: Die Straßenbauarbeiten asm Markt; im Hintergrund die Suitbertus-Kirche.  (aus: „Remscheid. Bewegte Zeiten – Die 50er Jahre“, von Alfred Lambeck (Text und Fotos), erschienen 1999 im Wartberg-Verlag)

An der Schulmauer genossen die Alten den "Platten Kaal"

Die alte Vereinsschule am Rathausplatz entging mehrfach dem Abriss.von Max Eulenhöfer

Man kann verstehen, dass sich die alte Vereinsschule (Foto rechts) in ihrem ärmlichen Kleid, den finsteren Räumen, mit ausgetretenen Treppenstufen und morschen Dielen im Schatten des „neuen Rathauses“ nicht mehr recht wohlfühlte. Sie hatte schon des Öfteren auf der Abbruchliste gestanden, aber erst 1934 schlug ihr letztes Stündlein. Dann räumte sie ihren Platz aber nicht etwa einer modernen Schule, sondern dem Bau der Städtischen Sparkasse und Stadtwerke. Generationen sind durch diese Schule gegangen. Nur der äußerst pfleglichen Behand­lung ihres letzten Schulleiters, Rektor Simon, verdankt sie die Überschreitung der Altersgrenze. Ich selbst stand als junger Lehrer noch einige Jahre auf ihren wackeligen Fußböden und plagte mich mit Kindern und rauchenden Öfen. Neben dem Schulgebäude lief als Grenze zur „Concordia“ eine Ziegelsteinmauer, und an manchem Tage nahmen hier im stillen Winkel biedere, alte Remscheider auf ihrem Morgenspaziergang in brüderlicher Einigkeit einen belebenden Schluck aus dem gemeinsamen  „Platten Kaal".

Töchterschule an der Schützenstraße im Hause des väterlichen Leiters Pfaffenbach um 1892 .1853 zählte Remscheid 13.500 Einwohner. In diesem Jahr entstand die erste „Privattöch­terschule“, die Schule der „höheren Töchter“. Allgemein war man von der Notwendigkeit, einer Erziehung der Mädchen in höheren Schulen noch nicht überzeugt. Schrieb doch Professor Schwarze, einer der führenden Pädagogen in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, in seinen „Grundsätzen der Töchtererziehung für die Gebildeten": „. . . unter der gebildeten Klasse herrscht die Meinung, dass öffentliche Schulen der weiblichen Natur nicht zuträglich seien, und dass schon durch das alltägliche Hin- und Hergehen der Mädchen auf der Straße das Gefühl für  Sittsamkeit geschwächt werde ..." Als erstes Schullokal mietete man im Korff'schen Hause an der Elberfelder Straße (heute Nr. 4) ein Zimmer, das durch eine dünne Bretterwand in zwei kleine Räume ge­teilt wurde. Für Miete, Heizung und Reinigung wurden jährlich 90 Taler entrichtet. Diese Schule zählte 14 Schülerinnen.

Städtisches Lyzeum - Oberlyzeum – Frauenoberschule.Im Jahre 1861 erhielt die Anstalt ein geräumigeres Haus an der Ecke Elberfelder- und Mittelstraße. 1872 entstand an der Ecke Schützen- und Hochstraße das bekannte Pfaffenbach'sche Schulgebäude. 1885 wurde die Privatschule zur „Städtischen Höheren Töchterschule". Die Stadtverordneten waren jedoch auch jetzt noch nicht einstimmig von den neuen Erziehungsmethoden überzeugt. Ein Stadtvater brachte das in einer Sitzung deutlich zum Ausdruck, indem er meinte: „De Fraulütt hüören an dän Zoppenpott!"

Bei der Übernahme durch die Stadt zählte die Töchterschule (ohne Vorschule) 92 Schülerinnen. Ostern 1892 war die Zahl bereits auf 151 angewachsen, so dass die Räume im Pfaffenbach'schen Hause (Foto links)  sich als unzureichend erwiesen. Im Herbst desselben Jahres beschloss daher das Stadtverordnetenkollegium einen Neubau an der Bauluststraße (Stuttgarter Straße), und am 2. März 1893 konnte bereits die Einweihung des neuen Schulgebäudes erfolgen (Foto rechts). (nach: „Remscheider Bilderbogen“ von Max Eulenhöfer aus dem Jahre 1950)

Wochenrückblick vom 9. bis 15. Juli 2018

Die 1950-er in RS: Kein Investor für ein Rathaus-Café

Fotos: Alfred Lambeck

Neun Jahre nach Kriegsen­de, 1954, ist der ausgeglühte Stumpf des Rathausturmes bis auf die intakte Sub­stanz abgetragen. Spekulationen bewe­gen die Gemüter. Ein Rathausturmcafe mit weitem Blick über Stadt und Land wäre doch eine tolle Sache, schreibt die lokale Presse. Aber daraus wird nichts. Es findet sich kein Investor. Wie der Turm ist auch das Rathaus selbst 1943 schwer beschädigt worden. Über dem prächtigen Hauptportal klafft eine riesige Lücke im Dach (kleines Bild unten). Auch hier beginnt der Wiederaufbau erst 1954 am Turm (kleines Bild oben). Vor­her hat das Geld gefehlt, und der Wohnungsbau hatte Vorrang.  (aus: „Remscheid. Bewegte Zeiten – Die 50er Jahre“, von Alfred Lambeck (Text und Fotos), erschienen 1999 im Wartberg-Verlag)

Als sich die Kirmesvögel auf dem "Schöttenfeild" trafen

Der Rathausplatz vor 1900. Damals hieß er noch ‚Schöttenfeild' (Schützenfeld). Links  die Schüttenhalle, im Hintergrund Remscheids erster Wasserturm. Vom Rathaus noch keine Spur.

von Gustav Hermann Halbach

„Nu haffe hell wi'e Kermße em Dorpe", sait derr aul Sti'enmetz Luddewig förr mech on goof sech van früöher an et Vertällen. „Em Dorpe?" verbessernden he sech tereck drop, „ne, dat stemmt jo alt lang nit mi'eh, dat seet märr äwwer emmer noch su ut auler Gewännde. Em Holschedsberg es jetzonger derr Kormel. Doch loffe rechteg noch es van derr Kermßen em Dorpe on om aulen Schöttenfeild newer derr aulen Schöttenhall kauen! Su verschiedene achzeg Jöährker hann ech alt op miem Puckel - Remscheder Kermße mackt mech äwwer alle Kiehren wi'e jong äs'n Knuots en derr Klappenboxe. Dofür sinn ech doch'n aulen Schöttenbruor on Schöttenküönek.

Als die Kirmes noch auf dem Rathausplatz stattfand.Vier Houpsfeste goof et eckesch en mienen jongen Joahren em Remsched. Et woaren Pooschen, Pengßen, Chresdag on Kermße. Kermße woar äwwer enn reit Volksfest. Arm on riek deären do de ganzen Kermsdag duo gi'enen Schlag Arbet on li'eten ehr Penneker, Groschen on Daler sprengen. Uoch de Schuolblagen hären an denn Dagen Feregen. Ech wi'et noch guot, äs ech sälwer noch sonnen Dotz woar. Ai Dag vörr derr Kermßen kribbelnden us Pörken alt derr Steät vörr lutter Orouh. Do wuoden alt förr Stangkplätze van denn Partiewagen, Komi'edegen -, Wofelten- on Schnorrbuden de Grenzpöhl en de Eäd geschlagen. Et fong bim Schedd om Kerkenlangk aan - su hedden nämmlech dotemolen et Schöttenfeild noch. Dann gong et derr ganzen Alleestroten eraff bis noam Matt on huot i'esch en derr Bergderkaumper Stroten onger derr Kerken bim Stockder on Hesse op.

Et Kerkenlangk woar enn gruote Wi'es. Rongseröm stong Boschwerk on Gestrüpps. Et Feild woar gruot on doch woar et Kermße vörr lutter Komi'edegenwagen on Buden te kleng. On duo et ganze Dorp stongen reits on louts vam Wäg Bude an Bude. O, watt goof et. do förr us Blagengekrüös nit alles te senn! Do, wo nu et Rothus sti'eht, stong i'ehr de Schöttenhall, dat wett Ihr jo noch. De Matthall goof et äwwer noch nit. An ehrer Stellen schluog märr molls Bierzelte op. Et i'eschte gehuoden demm Schneiders Jusewa. Et woar tweistöckeg. Van bowenopen kuon märr de ganze Kermße üöwerkieken. Hie soten uoch fouf Mann Musik. Obber Bühnen ongenennen mackden Komiker on anger Komi'edigenvüögel löstige Brocken.

Am Engang vam Kerkenlangk goof et reits on louts je enn Wi'etschäp. Louts op derr Kangkten an derr Stellen van derr jetzegen Tapi'etenzentral woannden de Müöhnkaling - ehr Familegennam woar Pe'iseler - on do, wo jetzonger derr Adolf Schürmann sien Geschäft heet, derr Striebecks Pitter. Derr har enn gruoten Garen henger siener Wi'etschäp. De'ite dobie en derr Alleestroten har molls derr Lompen-Julius sing Schokkel opgebaut.

'Kirmesvögel' bringen sich für den Fotografen in Position...Van derr Müöhnkaling hedden et molls, dat se an denn Kermßdagen förret ganze Joahr genog verdennt här. On et wüöd gestemmt hann, denn der aul Bierbrouer Kipper kuon do van des Morges bis des Owes speet i'en Faat Bier noam angeren affli'eweren — sonnen Duosch hären de Remscheger op Remscheder Kermße. Derr aul Kipper woar domols bi us em Dorpe grad sonnen aangesi'ehen Mann äs jetzonger sien Jong,   derr C. W. Kipper. (…) Wenn ech denn su rösteg met siem gruoten Schlapphuot üöwer de Strotee kuomen senn, meng ech emmer,   us Bismarck em Sachsenbosch leefden   noch   -   demm guckte nämmlich obbet Hoar.

Oem et aul Matt eröm hätt et sech arg verängert.   Am Egang an derr Alleestroten har derr Dahls Weilern enn Schlaitere'i on Wi'etschäp.    Derr har es'n Eährenpoate ut lutter Fli'eschwüöschten gemackt on se üöwer de Strote van siem Huße noam angeren geenüöwer opgehangen. Su nett  appetitlech tum Aanbieten sog  se  ut,  eckesch kuon märr nit  därrbie.  Naits  äwwer mackden  sech  sonn  Stock  off saß  jong  Jongen  on  löstege Trabanten   denn  Spaß,   am  Dahl   siem   Huße   eropteklötern   on de   Eährenpoate   kaputteschnieden. De Wüöschte fi'elen op de Strote. Aes de Ströppe äwwer en de Wüöschte drenbi'eten, do mackden se enn lang Gese'ite: lutter Seegmehl hären se en ehiem Mongk.

Gong märr wieder öm et Matt eröm, dann kom märr noam aulen Duisbergs Albät.   An derr  Stellen   es   nu  de Buokhanglengk    vam    Kroumen    Hermann    (nöüerdengs    enn Schlaitere'i van Huckenbeck). Em Fri'edrech Kluthe siem Huße woar de Wi'etschäp vam Duisbergs Kaal,  on em Auwe'iler demm sienem an derr Kerken goof et noch  gätt te drenken bim Flanhardts Fennand  (dat Hus stong op demm nu fre'ien Pläck vörr derr Kerken).

Om   Matte   stong   emmer   derr   Pott   ut   Hüökeshoven   met  siener   Wofeltenbude.   Derr mackden sech alle Joahrsch reit früöh bi de Bahn on kom alt ai Dag vor derr Tiet met siem Komi'edegenwagen aangetrocken. Bim Stockder an der Kerken, wo speder Bald on Vater woannden, stong demm Hattkopp sien Partiewagen.  Denn  muoßen  vir Blagen  drehen  hölpen.   Dofür kuonen  vir  alt  es ömmesöß metfahren.   Newer demm Partiewagen hong annem Gestell enn decke Ohßenbier ut Huolt met'm Reng draanen.  Bim Fahren gri'ep märr donoh.  Kri'eg märr denn Reng te packen, dann har märr dofür i'emol fre'i Faht.

Die letzte Kirmes in der Innenstadt 1901.Kermssoterschdag kom der Sangk-Strühleng   op   siener   Kaaren   met   freschen Berken utten Böschen  aantefahren.  Die wuoden vörr de  Hüser gesatt, de Husdüren on  Fensteren met  grüönen  Riesern  bekrängst  on  Fahnen  erutgehangen. Owes gong et dann met derr Kermßen loaß. Met Kanonnendonner fong se aan.   Kanonnen hat märr wall geng hie, äwwer derr Schölten Weilern schuot Kattenköppe äff, on die deären et uoch. Dann woar gruoter Tappenstri'ek. Vörrop gongen derr Tambur Wiebosch on fouf Mann met Trommen.

Et Glanzstöck van derr Kermßen woar emmer derr Schöttentog met Miletärmusik. Denn wuol jedwedderi'ener  siehn.  De Lütt  stongen  an derr Stroten udder logen  en  ehren Fensteren on schmi'eten denn Schotten Bluomen eraff. Arg Staats sogen de Schotten en ehren netten Uneformen ut. Huot met gruotem wittern Federbosch on Rock woaren grüön, de Boxe schni'ewitt, de Boascht hären se voll Orden hangen, on enn Schärpe onnen langen Schleppzabel öm.

Wann der Tog om Schöttenfeild aangekuomen woar, dann   gong   et   Küöneksschi'eten loaß.  Derr Tambur  Wiebosch stong  de ganze Tiet  därrbie. Wann derr Vuogel eraffgeschoten woar, goofe sech düchteg annet Trommen. Om Feild woar ongertöschen et half Remsched bini'n, on gruot on kleng mackden sech gätt on woar äs uttem Hüsken. Ueöwerall woar et pennevoll äs ennem Fürdüösken: obben Partiewagen, em Zerkus, wo märr englesche Rütterei förr Saiden, em Köllschen Hännesken, bim Dierbändeger met sienen Löwen, Bären, Apen on Si'eschlangen, bim Hauenden Lukas on annen Wofelten-, Berliner Ballen- on Kremersdibuden. Sackluopen wuoden gedonn on am Klemmbuom eropgeklötert. Uoch goof et molls alle Joahrsch enn gruoten Koump met Woarbeltenzoppe. Do schmi'eten de Schotten enn Dalerstöck eren. Wecker et met siem Mongk erutkri'eg, derr kuon denn Daler behaulen. Sien Gese'ite sog jo dann allerdengs därrnoh ut, äwwer dat woar emm derr Dahler wert, onnen Wäschkoump met Water har märr bi derr Hangk, datte sech wie reng maken kuon.

Su mackden märr sech i'ehr gätt op derr Remscheder Kermßen. Do woar se noch nit su düer äs nu. Dat di'et hüdegesdaas de Technik met ehren Maschinen. Met Kofferlappen on Groschen kuon märr sech i'ehr gätt maken. Sonn Fluot van Le'it goof et domols vannen Petrolejumslöüten noch nit; üöwer de Dusenden van elektreschen Lampen wüöden sech de Aulen arg wongern on kranatendoll drenkieken. Su ängert sech äwwer alles metter Tiet, on werr wi'et, wie us Kermße noa wiederen fofzeg bis achzeg Joahren utsenn wüöd." „Do haat Ihr reit, Herr Sti'enmetz," sait ech. „Owes em Kormel es us Kermße äwwer emmer noch nett, on wann vir twei us en demm Menschenspell treffen süölen, dann fahren vir es tesamen op derr gruoten Aihterbahn." (aus: „Remscheider Bilderbogen“ von Max Eulenhöfer aus dem Jahre 1950)

Die 1950-er in RS: Das waren sehr bewegte Zeiten

Der Schutt ist weggeräumt. Geblieben sind bis weit in die 50er Jahre hinein die Ruinen der typischen Gründerzeithäuser mit ihren gespenstisch leeren Fensterhöhlen, die es in Remscheid an jeder Ecke gab. Der nächtliche Gang durch solche Straßenzüge war nichts für zartbesaitete Gemüter.Remscheid erlebte in den 1950-er Jahren bewegte Zeiten - bewegte und be­wegende Jahre. Die lähmende Starre nach dem alles mit sich reißenden Untergang des Regimes, des Reiches, einer ganzen Epoche begann sich zu lösen. Die Straßen, gesäumt von zerbombten, ausgeglühten Ruinen, waren frei geräumt von den Trümmerbergen. Erste bescheidene Neubau­ten, eingeschossig, mit materialsparenden flachen Dächern wurden er­richtet - von den Bürgern begrüßt als Zeichen des Neubeginns, verstan­den als Zeichen der Ermutigung. Es waren - längst vergessen - die Jahre der sehnsüchtig erwarteten Sonderzüge, die ausgemergelte Kriegsgefan­gene aus Russland zurück in ihre Heimat brachten, die Tage des glückli­chen Wiedersehens und der neuen Tragödien, denen Borchert mit „Draußen vor der Tür" Ausdruck gegeben hatte.

Schneller als der materielle Wiederaufbau, der das ganze Jahrzehnt präg­te, begann die Erneuerung des kulturellen Lebens, die Wiederentdeckung jener internationalen Vielfalt, die von 1933 bis 1945 gnadenlos konse­quent unterdrückt war. Jede Begegnung mit den Dramen von Thornton Wilder, Tennessee Williams, Jean Paul Sartre oder Jean Anouilh, Wolf­gang Borchert und Carl Zuckmayer, gespielt auf Behelfsbühnen in zufäl­lig erhalten gebliebenen Schulaulen, wurde zum Ereignis - erlebt mit ei­ner Intensität, die sich 60 Jahre später kaum noch nachvollziehen lässt. Werner Bergengruens Lesung in der Evangelischen Kulturgemeinde, Vor­träge im Remscheider Kunstverein - das alles fand eine später nie wieder erreichte Aufmerksamkeit - trotz oder gerade wegen aller Existenz- und Zukunftssorgen, trotz der unglaublichen Härte des täglichen Lebens unter oft primitivsten Bedingungen.

Der verheerende Luftangriff auf Remscheid mit der tödlichen Mischung von schweren Sprengbomben, Luftminen, Brandbomben und Phosphor­kanistern hatte in der Nacht zum 31. Juli 1943 eine breite Schneise der Vernichtung durch das Stadtzentrum gezogen. Die westlichen Wohnge­biete, zum Stadtpark hin und in den weit verstreuten Außenbezirken blie­ben ebenso wie die schönen historischen Stadtkerne von Lennep und Lüt­tringhausen zum großen Teil unversehrt.

Im Zentrum der Stadt, rings um die evangelische Stadtkirche, ste¬hen in den frühen Nachkriegsjahren nur ausgebrannte Ruinen wie hier am alten Marktplatz. In den Erdgeschossen haben Ladengeschäfte notdürfti¬ge Unterkunft gefunden. Links, zur Blumenstraße hin, ist ein erster zwei¬geschossiger Ladenneubau entstanden.Remscheid wurde vom Zweiten Weltkrieg dreifach getroffen. Das Zen­trum der Stadt sank in Schutt und Asche. Die Bevölkerung zahlte einen ungeheuren Blutzoll - beim Luftangriff und auf den Schlachtfeldern. Und - das sollte sich vor allem noch viele Jahre nach der totalen Niederlage, die dem totalen Krieg folgte, zeigen - Remscheid verlor das weltumspannende Netz seiner Exportverbindungen, das ihm den Namen „See­stadt auf dem Berge" eingetragen hatte. Nicht nur die Remscheider Werk­zeugindustrie war in hohem Maße exportorientiert und musste nun erle­ben, wie die alten Beziehungen abgeschnitten waren. Mehr noch galt das für die großen Exporthäuser, die einst ihre Geschäfte über eigene Nieder­lassungen in Fernost und in Russland, in Lateinamerika und in Nordame­rika betrieben hatten und nun in der Stunde Null neu beginnen - oder auf­geben mussten.

Es hat deshalb sehr lange gedauert, bis die Industrie wieder auf die Beine kam, obwohl sie früh, sehr früh begann, alte Verbindungen neu zu knüp­fen, neue Geschäftsbeziehungen anzubahnen. Die Exportmessen in Han­nover boten dazu hervorragende Möglichkeiten. Remscheid war dort außerordentlich stark vertreten. Und jeder Auftrag bedeutete ein Stück Zukunft. So mühsam wie der Wiederbeginn des industriellen Auf­schwungs, so dauerhaft wie das bedrückend hohe Niveau der Arbeitslo­sigkeit in den frühen Nachkriegsjahren, so schwierig gestaltete sich auch der Wiederaufbau der Stadt. Dennoch: es waren auch und in immer stärkerem Maße die Jahre des Auf­bruchs, des langsam wiederkehrenden Glaubens an die Zukunft, des neu­en unternehmerischen Muts. In den 50er Jahren ist jeder neue Wohnblock, jede wiederhergestellte Hausruine, jedes neue Geschäftshaus an der Al­leestraße oder am Markt ein Ereignis, aus dem die Bürger Kraft schöpfen für den nächsten Schritt. Neue Werkshallen entstehen, manche großen Projekte - sehr zum Ärger von Rat und Verwaltung - außerhalb der eige­nen Stadtgrenzen. Standortpolitik wird zu einem neuen Begriff, dessen Inhalte mühsam erlernt werden müssen.

Viele Gebäude der Innenstadt wie hier an der Scheider Straße brannten beim großen Luftangriff auf Remscheid völlig aus. Ihre Mauerwerkssubstanz aber war stabil genug für einen Wiederaufbau. So entstand an vielen Stellen der Stadt schnell neuer Wohn- und Geschäftsraum. In das untere Ladenlokal zogen später die Grünen ein.Noch bevor von der Normalisierung der Lebensumstände die Rede sein kann, versuchen die Menschen, die Grauen des Krieges zu vergessen, sich von ihren traumatischen Erlebnissen zu befreien. Die Remscheider Kir­mes, schon immer ein klassenloses Volksfest, zieht schon 1950 wieder Besucher zu Tausenden an. Große Chorfeste der bergischen Männerge­sangvereine, mit denen Traditionen neu belebt werden, das Kreisturnfest, das Lenneps alte Kreisstadtfunktionen noch einmal für Tage lebendig werden lässt, das große Reit-, Spring- und Fahrturnier in Lennep, das sich zum großen Volksfest mit 15.000 Zuschauern entwickelt - es werden vie­le Feste gefeiert in dieser Zeit. Und nicht wenige wurzeln in Vorkriegs­traditionen, von denen man sich erst sehr viel später lösen kann.

Kaum hat die „Kleiderkarte" zum rationierten Bezug von Kleidungs­stücken ausgedient, wird die Mode wieder zum Thema der Damenwelt. Modenschauen erfreuen sich lebhaften Zuspruchs. Jedes Modell wird ge­feiert, so bieder und „tragbar" es auch sein mag - sei es in den Räumen der wiedererstandenen Textilhäuser, sei es im Stadtpark, wo strahlender Sonnenschein und flotter Jazz für die richtige Stimmung sorgen. Der Warenhunger ist ungeheuer groß. Jedermann braucht neuen Hausrat, neue Möbel, neue Leuchten und Wohntextilien. Es ist die Zeit der Ver­braucherausstellungen in großen Zelthallen, auf dem Schützenplatz in Remscheid, im Stadiongelände von Lennep, wo eine Landwirtschafts­ausstellung vor allem die Menschen aus dem bäuerlich geprägten Umland anlockt. Motorroller, Kabinenroller mit berühmten Namen wie Messer­schmitt, Heinkel und die BMW-Isetta, die berühmte „Knutschkugel", sind die Fortbewegungsmittel auf den Kopfsteinpflasterstraßen der Stadt. Goggomobil und NSU-Prinz läuten zusammen mit Goliath aus Bremen und dem Volkswagen jene Welle der Motorisierung ein, deren künftige Dimensionen sich noch niemand vorstellen kann. Allenthalben schießen die Autohäuser aus dem Boden - und die Tankstellen mit ihren zeittypi­schen, kühn konstruierten dünnen Stahlbetondächern.

Mit dem Verkehr, der lange noch Züge der Beschaulichkeit zeigt, aber doch stetig und zum Ende des Jahrzehnts lawinenartig zunimmt, wachsen die Verkehrsprobleme. Die Behörden reagieren. An wichtigen Kreuzun­gen wie am Amtsgericht oder an der Ecke Nordstraße/Bismarckstraße/ Freiheitstraße, auch an der Trecknase in Lennep, werden Verkehrsampeln installiert. Eine verstärkte Verkehrsüberwachung setzt ein, und die Polizei beginnt, Schülerlotsen auszubilden - mit großem Erfolg, denn die Zahl der Verkehrsunfälle mit Kindern sinkt deutlich.

1949 wurde an der oberen Alleestraße mit dem Bau des so genannten Stadthofs begonnen (im Bild die Ecke Scharffstraße). Auch eine Milchbar zog dort ein und erfreute sich großer Beliebtheit.Die Erholung der Wirtschaft macht Mitte der 1950-er Jahre spür- und sicht­bare Fortschritte. Ludwig Erhards „Wirtschaftswunder", die Befreiung von der Plan- und Mangelwirtschaft, beginnt Wirkung zu zeigen. Beim Remscheider Arbeitsamt werden die Schlangen der Arbeitslosen immer kleiner. Die Remscheider entdecken ihre Reiselust wieder; die Reisebüros bekommen Konjunktur. Der Stadtkämmerer sieht das Gewerbesteuerauf­kommen wachsen. Immer mehr große Infrastrukturmaßnahmen können finanziert werden. So ist endlich Geld vorhanden, um ein neues Stadt­theater an der damaligen Villenstraße, der heutigen Konrad-Adenauer-Straße, zu errichten, das im Herbst 1954 glanzvoll eröffnet wird. Die Städtische Badeanstalt an der Freiheitstraße wird größer und schöner als zuvor wieder aufgebaut. Schulen wie die große Daniel-Schürmann-Schu­le, Kindergärten, Freibäder wie das Sonnenbad am Lüttringhausener Hal­lenbad entstehen neu oder werden gründlich überholt. Das Röntgenmuseum in Lennep bekommt einen großen Anbau.

Aber auch gegen Ende der 1950-er Jahre ist der Wiederaufbau nicht abgeschlossen. Noch immer klaffen Lücken in der Bebauung. Noch immer steht der Wohnungsbau vor großen Aufgaben. Doch das Lebensgefühl der Bürger hat sich in diesen zehn Jahren ebenso gründlich gewandelt wie das Bild der Innenstadt, der Wirtschaft, der Kultur, der Freizeit. (…) Rauchgeschwärzte Trümmer hinter rosti­gen Toren, der ausgeglühte Mauerstumpf des einst stolzen Rathausturms als Sym­bol der Zerstörung im Hintergrund -über weiten Teilen der Innenstadt (wie oben rechts im Bild an der Elberfelder Straße) liegt noch nach vielen Jahren ein Hauch der Trauer und Melancholie. Letztlich aber siegt in den 50er Jahren der Aufbauwille. (aus: „Remscheid. Bewegte Zeiten – Die 50er Jahre“, von Alfred Lambeck (Text und Fotos), erschienen 1999 im Wartberg-Verlag)

Neun neue Museumsprofis bekamen ihre Diplome

Foto: Lothar Kaiser

Die neuen Mitglieder des „Mini-Clubs junger Museumsprofis“ im Deutschen Röntgen-Museum in Remscheid-Lennep haben gestern Nachmittag ihre Abschlussdiplome bekommen  und können sich künftig „Museumsprofis“ nennen. Als solche führten sie sodann – ein wenig aufgeregt ob dieser Premiere – ihre Familien und Freunde durch das Museum. Der Waterbölles bekam eine Sonderführung von Vivien Pilarski und Lea Meyer.

Die neuen „Museumsprofis“ Vivien Pilarski und Lea Meyer führten gestern durch das Deutsche Röntgen-Museum. Birgit Dömling (Foto) hatte die insgesamt neun Jungen und Mädchenauf ihre künftige Aufgabe vorbereitet.

Die neun Kinder zwischen neun und zehn Jahren trafen sich ein knappes Jahr lang einmal die Woche im Deutschen Röntgen-Museum mit Birgit Dömling, um mehr über die faszinierende Welt der Röntgenstrahlen und ihres Entdeckers Wilhelm Conrad Röntgen zu erfahren und zu lernen, wie sie selber spannende Führungen durch das Museum machen können. Sie lernten, wie Birgit Dömling (Foto) im Video berichtet, unterschiedlichste Themen eigenständig zu erarbeiten, bekamen einen Eindruck davon, wie Wissenschaftler an Probleme herangehen und sie lösen können, und stärkten ganz nebenbei ihr Selbstbewusstsein.

Der Sinn einer Museumsführung von Kindern für Kinder, so das Konzept des Röntgen-Museums, ist eine Führung auf Augenhöhe: Kinder haben einen ganz anderen Blick auf verschiedene Themen als Erwachsene, sprechen die gleiche Sprache wie ihre Altersgenossen und wissen, was diese wirklich interessiert.

Museumsführungen von Kindern für Kinder finden regelmäßig im Röntgen-Museum jeden ersten Sonntag im Monat um 14 Uhr statt. Auch Privatgruppen, Feriengruppen oder OGS-Gruppen von maximal zwölf Kindern können diese Veranstaltung buchen. Ab Herbst 2018 stehen die neuen jungen Museumsprofis bereit und freuen sich auf Ihren Besuch. Buchungen nimmt das Deutschen Röntgen-Museum unter Tel. 02191 -16 - 3384 oder E-Mail info@roentgenmuseum.de">info@roentgenmuseum.de entgegen.

Die 1950-er in RS: Schießbuden waren verboten

Vorstand und Team der Remscheider Freiwilligenzentrale 'Die Brücke'. Foto: Lothar KaiserEs ist in Remscheid wie überall im Lande: Die Bürger wollen die Schrecken des Zweiten Weltkrieges vergessen. Sie wollen endlich wieder fröhlich sein. Also strömen sie in Scharen zur traditionellen Kirmes, als der Rem-scheider Schützenverein 1950 wieder sein großes Schützenfest feiert. Die Fahrgeschäfte dieser Tage sind nicht aufregend oder gar atemberaubend. Zeppelingondeln, die sich ein paar Meter in die Lüfte erheben, sind schon eine Sensation. Auch auf der Achterbahn geht es eher gemächlich zu (Waterbölles: Und der Hut bleibt auf dem Kopf) -  ge­nau wie auf dem Autoscooter. Wie zu allen Zeiten gehört die Losbude zu den Attraktionen. Die kleinen Kerle davor scheinen eher zaghaft zu sein. Nur die Schießbude, die hätte man damals vergeblich gesucht. Sie war verboten. (aus: „Remscheid. Bewegte Zeiten – Die 50er Jahre“, von Alfred Lambeck,Text und Fotos, erschienen 1999 im Wartberg-Verlag)

Wochenrückblick vom 2. bis 8. Juli 2018