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Als das Lesen von Flugblättern noch tödlich sein konnte

Flugblätter der Alliierten im zweiten Weltkrieg.von Dr. Wilhelm R. Schmidt

In der Adventszeit kommen bei so manchem älteren Lenneper auch Erinnerungen an die gefährlichen und entbehrungsreichen Vorweihnachtszeiten während des Zweiten Weltkriegs auf. Über die Remscheider und speziell auch die Lenneper Bombardierungen ist schon Einiges geschrieben worden. Der folgende Beitrag widmet sich den Flugblättern dieser Zeit, die die allierten Streitkräfte auch über Lennep abwarfen, und den Gefahren, die allen Findern drohten, wenn sie die Flugblätter nicht gleich bei den offiziellen Stellen abgaben. Wegen "Begünstigung des Feindes" drohten seinerzeit schwere Strafen bis hin zur Todesstrafe.

Alles Gute kommt von oben. Dieses Sprichwort wird gemeinhin auf den Jakobusbrief des Neuen Testaments zurückgeführt und mit oben ist natürlich der allmächtige gütige Gott gemeint. In einer Großoktav-Ausgabe (für ältere Leser) des Neuen Testaments, die der langjährige Lenneper Pfarrer Roland Spengler meiner Großmutter zum 70. Geburtstag schenkte, heißt es etwas genauer: „Alle gute Gabe kommt von oben herab, von dem Vater des Lichts“.

Alles Gute kommt von oben – dies konnten die Lenneper im Verlaufe des Zweiten Weltkriegs natürlich nicht ohne weiteres sagen, gerade auch in den Jahren 1943 und 1944, in denen in der Advents- bzw. Weihnachtszeit so viele Bomben auf Lennep abgeworfen wurden. Die ersten Bomben fielen in Lennep schon am 7. September 1940. Insgesamt waren es über die Jahre ca. 1.500 Alarme, bis am 10. März 1945 bekanntlich ein dem Bahnhof zugedachter Bombenteppich über große Teile der Neustadt fiel.

Darüber und generell über die Bombardierung Remscheids ist schon viel geschrieben worden, und für den Stadtteil Lennep existiert sogar eine von privater Hand handgezeichnete Karte mit der Markierung der einzelnen Bombentreffer. Ein in der Nähe des Jahnplatzes aufgewachsener Lenneper erinnerte sich ca. 50 Jahre nach den Abwürfen, dass die damaligen Bomben für die Kinder aber auch Positives brachten. So berichtet er in schöner Lenneper Ausdrucksweise: „Als Kinder, ich war elf Jahre, war das für uns interessant. Nach den Angriffen ging es auf Splittersuche“. Ganz diesseits des Altmetallaspektes waren besonders die Geschosshülsen gefragt; sie wurden damals in der Schule genauso getauscht wurden wie heute Autogramme von Prominenten.

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Detlef Franzen, zehn Jahre Referent von OB Hartkopf

Im SPD-Parteibuch von Detlef Franzen (84) haben sich bekannte Politiker verewigt: Willy Brandt, Egon Bahr, Johannes Rau, Björn Engholm, Klaus Matthiesen, Walter Momper, Peer Steinbrück, Hannelore Kraft. Ein schönes Andenken an eine spannende Zeit! Pressemitteilung der SPD Remscheid

Besondere Umstände erfordern besondere Maßnahmen. So konnte aufgrund der Pandemie nur ein äußerst kleiner Kreis an der Kranzniederlegung zum 100. Geburtstag unseres ehemaligen Oberbürgermeisters Willi Hartkopf am 3. November 2020 teilnehmen. Gerne hätte die SPD Remscheid eine Feierstunde abgehalten und Erinnerungen auszutauschen mit Wegbegleitern ihres langjährigen SPD-Vorsitzenden und Ehrenbürger der Stadt Remscheid. Zu den Personen, die Willi Hartkopf besonders nahestanden, gehört Detlef Franzen. Er war dessen persönlicher Referent während der Zeit als von Hartkopf als Oberbürgermeister. Der Mann an dessen Seite lernte viele Prominente kennenlernen. Darunter 1979 auch Helmut Schmidt. Im SPD-Parteibuch von Detlef Franzen (84) haben sich bekannte Politiker verewigt: Willy Brandt, Egon Bahr, Johannes Rau, Björn Engholm, Klaus Matthiesen, Walter Momper, Peer Steinbrück, Hannelore Kraft. Ein schönes Andenken an eine spannende Zeit! Nach der aufregenden Zeit im OB Büro arbeitete Detlef Franzen bis zu seiner Pensionierung bei der Stadtverwaltung, zum Schluss als Leiter des Amtes für Wohnungswesen.

Mit dem notwendigen Corona-Abstand besuchte die stv. Vorsitzende des SPD-Ortsvereins Stadtmitte / Hasten, Ursula Wilberg, vor einigen Wochen den langjährigen Weggefährten von Willi Hartkopf, den sie aus der gemeinsamen Zeiten in der Alt-Gewerkschaft Öffentliche Dienste, Transport & Verkehr (ÖTV) kennt, in seiner gemütlichen Altbauwohnung an der Hindenburgstraße. Dort lebt der Pensionär und Witwer seit mehr als 40 Jahren. An den Wänden hängen signierte Fotos, Zeitungsausschnitte und andere Erinnerungen aus seiner aktiven Zeit als persönlicher Referent von Willi Hartkopf.

Detlef Franzen (84).Detlef Franzen wurde 1936 in Kiel in einen sozialdemokratischen Haushalt hineingeboren. Nach der Schule absolvierte er eine Ausbildung bei der Post und trat schon früh in die Deutsche Postgewerkschaft ein. Viele Jahre besuchte er gewerkschafts- und bildungspolitische Seminare, wodurch er neben dem Beruf eine umfassende Bildung erlangte und auf vielen Themengebieten geschult wurde. So lernte er Rhetorik und das politische Handwerk von der Pike auf. Willi Hartkopf traf Detlef Franzen auf einem der vielen gemeinsamen Gewerkschaftslehrgänge. Als Willi Hartkopf Oberbürgermeister der Stadt Remscheid wurde, holte er Detlef Franzen als persönlichen Referenten in sein Büro, dort war er dann zehn Jahre lang, von 1970 – 1980, als Organisator und Ghost Writer tätig. Nach der damaligen Gemeindeverfassung war der Oberstadtdirektor Chef der Verwaltung und das Amt des Oberbürgermeisters ehrenamtlich. Hauptberuflich war Willi Hartkopf Kreis-Geschäftsführer der Gewerkschaft Öffentliche Dienste, Transport und Verkehr (ÖTV heute ver.di).

Detlef Franzen hat zwei Leidenschaften: Die Musik und das Bergwandern. Lange spielte er die Es-Klarinette im Hilgener Orchesterverein, aber auch in diversen anderen Musikvereinen, wie in der Remscheider Schützenkapelle. Heute widmet er sich seiner 1000 Schallplatten umfassenden Sammlung, vor allem dem Jazz. (Antonio Scarpino)

Wochenrückblick vom 23. bis 29. November 2020

Als der Lennepe Bach noch den Schellenberg hinunter floss

von Dr. Wilhelm R. Schmidt

Liebe Freunde des Bergischen Landes, liebe Lenneper,
Nach dem Lindenberg und dem Gartenberg in Lennep wenden wir uns heute dem Lenneper Schellenberg zu. Der Begriff ist den Lennepern bekannt, da zwischen dem Alter Markt und dem Mollplatz eine Straße "Am Schellenberg" heißt.

In den Niederschriften des Heimatforschers Paul Windgassen heißt es: Der Lennepe Bach  lief früher als offener Bachlauf den Berg hinunter durch den Garten des Rats- und Gerichtsschöffen Johann Wilhelm Paas (später Arnold Hardt) in einen hinter dem Wohnhaus Poststraße 9 liegenden Sammelteich. Der Überlauf dieses Teiches, der später zugeschüttet wurde, führte über die heutige Poststraße in den so genannten Pörtzches Teich, der unter dem 1927 abgebrochenen Spritzenhaus lag. Eine kleine Grünfläche ist heute darüber angelegt. Seinen Namen hatte der Teich von einer kleinen Pforte oder Pförtgen in der alten Stadtmauer.

Ein Überlauf dieses Teiches führte sein Wasser durch die Sackgasse über den Markt und die Kronenstraße. In der Kölner Straße vereinigte er sich mit dem östlichen Lennepe-Quellbach, und beide liefen weiter in den alten Schlammteich unterhalb des späteren Hallenschwimmbads, der außerhalb der alten Stadtmauer lag. Ein zweiter Überlauf des Pörtzches Teiches lief über die heutige Poststraße in den später überwölbten Brandteich auf dem heutigen Bismarckplatz, der auch "Schürmanns Teich" oder "Brandteich vor dem Cölner Tor" genannt wurde. Von hier aus lief das Wasser längs der heutigen Wupperstraße (früher lange Zeit Steinstraße)  in die Wiesen, die vor Anlage der Wupperstraße nahe dem späteren Holzplatz der Firma Wender & Dürholt lagen.

In der Mitte des Schellenberges lag der große „Platz vor dem Lüttringhauser Tor“ (heute Mollplatz). Der östliche Teil war schon früh bebaut. An der Stelle des späteren Denkmals von 1889 standen dort in alten Zeiten mehrere Wohnhäuser und kleine Fabriken. Der Fahrweg um die Stadt, heute "Am Thüringsberg", war damals tiefliegend und sehr schmal. Gegenüber des Lebensmittelgroßhandels von Thomas an der Ecke zur heutigen Lüttringhauser Straße stand das Anwesen von Martin Käsmacher, der dort eine Badeanstalt betrieb. Er empfahl sich mit kalten, warmen, Dusch-, Stahl-, Salz- und anderen Bädern. Später war dort die Wirtschaft von Tacke mit Nebenhaus und Hofraum, dahinter ein kleines Wohnhaus mit Färberei und ein Wolllager. Das Wirtshaus mit angebautem Nebenhaus lag in der heutigen Straßenfläche, so dass der Eingang zum Thüringsberg damals nuir halb so breit war wie heute. Anfang der 1860er Jahre brannte das Wirtshaus mit Nebenhaus ab; da konnte die Straße dann verbreitert werden. Die Färbereianlage und das Wolllager wurden für die Anlage des Kaiserdenkmals im Jahre 1888 angekauft und abgebrochen, ebenfalls das daran anschließende Wohnhaus von Johann Wilhelm Strohn, der unterhalb zum Gänsemarkt hin seine Fabrik hatte.

Die heutige Poststraße war ebenfalls ein ausgetretener Hohlweg, der sich bis zum Kölner Tor (heutige Bismarckplatz) hinzog. Das Hotel Berliner Hof entstand wie auch die weiteren alten Gebäude am heutigen Mollpatz um 1830. Auf dem großen Platz vor dem Lüttringhauser Tor soll im Mittelalter das sogenannte Tirvelshäuschen gestanden haben, später auch Drieselhäuschen genannt, in dem Schwerverbrecher öffentlich ausgestellt wurden. Das Häuschen, ein Käfig aus Eisen oder Holzstäben gebaut, konnte nach allen Himmelsrichtungen gedreht werden. Der Verbrecher konnte sich deshalb nicht verstecken, er konnte von allen Seiten gesehen werden.  Nach den Aufzeichnungen des Baumeisters Albert Schmidt entstanden alle direkt am heutigen Mollplatz liegenden Gebäude in den 1820er Jahren bis 1830.

Mit den Steinen der alten Stadtmauer und des Lüttringhauser Tors pflasterte man die "Cöln-Berliner–Staatsstraße", die zuvor nur aus einem schmalen ausgefahrenen Weg bestanden hatte. Auch im Berliner Hof zur Neugasse hin sollen derartige Steine verarbeitet sein. Gegenüber dem Berliner Hof entstand damals das Haus Poststraße 1 (später Mollplatz 7), das im 19. Jh. nacheinander mehreren Industriellen und Kaufleuten wie Luckhaus und Springmann, u.a. auch dem  Spinnereibesitzer Albert Karsch (1810-1868) gehörte. Im Revolutionsjahr 1848 tagte hier in den Sälen im ersten Stock eine bürgerliche Revolutionsgesellschaft. Im Jahre 1910 erwarb der Reg.-Baumeister a.D. und Lenneper Baumeister Arthur Schmidt das große Anwesen für seine Familie.

Über den Lenneper Schellenberg ging ein uralter Weg von Lennep zum Hohenhagen. Die heutige Schlachthofstraße und die Gartenstraße wurden erst beim Bau der Eisenbahn von Rittershausen über Lennep nach Remscheid angelegt. Die meisten Wohnhäuser in dieser Gegend entstanden erst nach dem fast gänzlichen Fall der Stadtmauern um 1815 und nach der Anlage der Eisenbahn ab 1867 (Eröffnung 1. September 1868).

Zwei irische Missionare sollen erschlagen worden sein

Links sieht man die drei Gockelshämmer im Morsbachtal. Sammlung Erich Kahl

Vor 375 Jahren, 1639, wurde im Heberegister die Morsbach mit zwölf weiteren Höfen "binnen Remscheid dem Brausholz (Bruscheid)" zugeordnet. Das alte Weistum des Remscheider Hofegerichtes wurde zweieinhalb Jahre nach der Parzellierung des Brausholzes durch eine "Erneuerte Rolle und Ordnung des Hofgerichts zu Remscheidt de anno 1564" abgelöst. Die neue Rolle des Remscheider Hofegerichtes stellt eine ausgesprochene Waldordnung dar, die in 47 Paragraphen die Waldbenutzung neu regelte und - neben allgemeinen Bestimmungen über die Entnahme von Bauholz, das Eintreiben von Vieh, das Laubstreifen, Heidhacken, Loheschälen, die Anlage von Saatkämpen usw.- vor allem genaue und einschränkende Vorschriften über den Köhlereibetrieb enthielt: Es sollten nur noch Stubben und Astholz zur Verkohlung kommen. Hier wurde also eindeutig ein Riegel vor den Raubbau der Köhlereien geschoben, die die Wälder nach und nach abholzten, um die Schmieden mit Holzkohle zu beliefern.

Dennoch waren Verstöße tagtäglich an der Tagesordnung. Es entstanden auch in der Morsbach illegale Äcker, Wiesen und Felder, deren Vorhandensein entgegen den Bestimmungen des Erbpachtbriefes von 1562 der Burger Kellner lediglich noch feststellen und zur Erhebung des Rottenzehnten registrieren konnte. Die Herzöge räumten den Morsbachern das Recht ein, "Brauseholz" aus dem Kirchspiel "Kronenberg" zu nutzen. Die Jahrespacht betrug vier Gulden und drei Albus.

Nach Forschungen über fränkische Siedlungen und Wanderungen, gestützt auf römische und griechische Geschichtsschreiber, bewohnten die Gebiete und Orte auf "scheid" und "auel (Ohl)" die Wanderer und Siedler des niederdeutschen Volksstammes der Ampsivarier (siehe Prof.Vogt "Die Ortsnamen auf scheid und auel", Neuwied 1895, sowie Autor Arnold "Die Ansiedelungen und Wanderungen deutscher Stämme", Marburg 1881). Danach sollen um das Jahr 100 n. Chr. im Gebiet der Wupper die Ampsivarier (Emsmänner) gewohnt haben. Sie waren ursprünglich Bundesgenossen der Römer, sind jedoch wegen ihrer Teilnahme am Befreiungskampf unter Arminus im Jahre 9 n.Chr. von dem römischen Feldherrn Germanius hart gezüchtigt, dann um 59 n.Chr. von den Chauken aus ihrer Heimat an der Ems vertrieben worden. (Amisia = Ems = Ampsivarier). Nach langem Umherirren von den Römern, den germanischen Stämmen der Usipeter und Tencterer am rechten Rheinufer zurückgedrängt, hatten sie dann auf den waldigen Höhen des bergischen Landes und namentlich des Sauerlandes eine neue Heimat gefunden. Die gewaltige Völkerbewegung im 4.und 5. Jahrhundert trieb sie indes wieder in die Ferne und so traten sie nun ihrerseits das Erbe des römischen Weltreiches an. Ihre kriegerischen Züge sind von den bergisch-sauerländischen Gauen aus die Agger und Sieg hinuntergegangen, dann über den Rhein in die Gebiete der Eifel. Die alte Heimat war an die nachdrängenden Scharen der Sachsen verlorengegangen.

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Erinnerung an Eisstockschießen auf der Eislaufbahn

Ein Freizeitvergnügen, dem man einst auf zugefrorenen Seen nachging und das in der Alpenregion auch heute noch sehr beliebt ist, wurde heute vor zehn Jahren erstmalig auf dem Remscheider Weihnachtsmarkt (Eislaufbahn) angeboten: Eine Eisstockbahn. Selbstverständlich sei das Eisstockschießen auch im Rahmen einer Weihnachtsfeier im neuen Cateringzelt an der Bahn  möglich, teilte damals das Stadtmarketing mit. Und seitdem erfreute sich dieser Wintersport in Remscheid allährlich während des "Weihnachtsdorfs" auf dem Rathausplatz großer Beliebtheit. Bleibt zu hoffen, dass Corona in zwölf Monaten der Vergangenheit angehört...

Zwei historische Fotos waren schnell lokalisiert

In der vergangenen Woche veröffentlichte der Waterbölles 46 Fotos von Kotten der bergischen Kleineisenindustrie, die der Krefelder Fotograf Volker Döhne vor mehr als 40 Jahren als Student gemacht hatte. Ein Kölner Verlag möchte die Fotos nun im Rahmen des vom Heimatministerium NRW geförderten Projektes "Heimat im Wandel" der Irene und Sigurd Greven-Stiftung voröffentlichen. Volker Döhne : „Leider kann ich von meinen 147 Objekte etliche nicht mehr eindeutig lokalisieren, weil meine Aufzeichnungen dazu nicht mehr auffindbar sind.“

Döhne hoffte für sein Buchprojekt auf die Ortskenntnis Remscheider ( oder bergischer) Heimatfreunde, doch die Reaktion per E-Mail (doehneinkr@t-online.de">doehneinkr@t-online.de) war bisher gering. Der Waterbölles hat sich die Fotos noch einmal genauer angesehen. Zwei Fotos konnte er eindeutig lokalisieren:

Foto Nr. 44 zeigt die Feilenfabrik Ehlis im Eschbachtal, Ortsteil Schlepenpohl. Ihr hat der Waterbölles schon eine ganze Reihe von Berichten und Videos gewidmet. (Siehe z. B. Feilenfabrik Ehlis wird Museum und Manufaktur am 27. Juni 2016)

Foto Nr. 45: Viele Jahre war dieser alte Kotten neben dem Morsbach in der Ortschaft Gründerhammer nicht mehr in Betrieb. Dann wurde er instandgesetzt als Teil der Firma Wurm GmbH & Co. KG, die 2003 ihren Stammsitz von der Kratzberger Straße – dort wurde die Firma 1872 als Sägenfabrik gegründet – auf das 6.500 große Industriegelände Morsbachtalstraße 30 verlegt hatte. Den 2006 auf der anderen Straßenseite errichteten Neubau (gleich neben dem historischen Kotten) verband die Firma mit dem Fabrikgebäude durch eine Brücke in sechs Meter Höhe. Der alte Backsteinbau, der früher der Galvanik-Firme Oetelshoven gehörte, enthält heute, im Inneren modern renoviert, Lager- und Laborräume der Firma Wurm.

Als Senf noch mit der Pferdekarre geliefert wurde

Die Senffabrik Thomas in Lennep.

von Dr. Wilhelm R. Schmidt

Liebe Lennepfreunde,
neulich erhielt ich dieses schöne historische Foto zugeschickt, es zeigt das Anwesen an der Lenneper Knusthöhe 14 vor mehr als 100 Jahren. Auf dem Verkaufskarren, der damals noch von Pferden gezogen wurde, steht "Senffabrik Hugo Thomas Lennep". Später wurde das Geschäft von dessen Sohn Ernst weiter geführt.

Viele ältere Lenneper verbinden mit dem Namen Thomas in der Tat noch eine frühere Senffabrik. Meist jedoch wird der Name mit den früheren Besitzern des Eckhauses an der Lüttringhauser Straße zum Thüringsberg in Verbindung gebracht, das auf vielen historischen Fotografien des früheren Kaiserplatzes (später Mollplatz) zunächst als Restauration zur gegenüber liegenden Postanstalt zu sehen ist und auch heute noch existiert. So ganz falsch ist die Vermutung aber nicht, denn die dortige Familie Thomas war verwandt. Allerdings führte der Unternehmer Karl Thomas an der Lüttringhauser Straße 1 einen Lebensmittelgroßhandel, bei dem es sicherlich auch den Thomas-Senf zu kaufen gab.

Wochenrückblick vom 16. bis 22. November 2020

 

Die Schmiede und Schleifer waren äußerst begehrt

Der letzte Kotten in der Beckerau, der Biedebachskotten, wurde 1657 von Drieß Pickart als Schleifkotten gebaut. Sein Sohn Johannes setzte einen Kotten daneben, und ein Breithammer des Caspar Honsberg zu Cronenberg gesellte sich hinzu. Möglicherweise setzte im Laufe des 17. Jahrhunderts Johannes Pickart noch einen Schleifkotten hinzu, denn es wird von vier Kotten in historischer Zeit gesprochen. Jeder Kotten hatte ein unterschlächtiges Wasserrad, der Breithammer jedoch wurde durch drei Wasserräder bedient, wobei ein Kraftrad zum Antrieb der Hammerwelle und zwei Räder für die Blasebälge fungierten. 1901 erscheint Wiegand Biedebach als neuer Besitzer in der Steuerliste. Mündlich ist überliefert, dass der vorige Besitzer den Kotten buchstäblich "versoffen" hatte, was in damaligen Zeiten nicht außergewöhnlich war. Hierzu das alte Sprichwort der damaligen Arbeiter: „Schrecklich ist´s, den Leu´ zu wecken, schrecklich schlechte Leberwurst, doch der schrecklichste der Schrecken, ist der Hammerschmiede Durst...“

Der Enkel von Wiegand Biedebach betrieb 1998 in Cronenberg noch ein Schreibwarengeschäft; er erklärte folgendes: Sein Opa lebte von 1860 bis 1929 und war mit ca. 20 Jahren aus dem Hessischen gekommen. Dort hatte dem Bauernsohn ein Handelsvertreter aus Sudberg die Schleiferei und die guten Verdienstmöglichkeiten schmackhaft gemacht. Wiegand Biedebach riskierte den Wechsel und wurde weiterhin durch diesen Handelsvertreter betreut. Er wurde im Kirschbaumskotten nahe Müngsten ausgebildet und fand sich schnell in dem Schleifermetier zurecht. Sein Pferd stellte er in Sudberg unter und lernte in den Jahren bei Kohlfurth seine spätere Frau kennen. Mit 24 Jahren heiratete er und kaufte in Hintersudberg ein Haus mit Stallungen und landwirtschaftlichen Grundstücken.

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Die Gebehochzeit kam vor der "Hieling" und brachte Geld

Bis etwa 1780 nahm der Arbeiter in Remscheid statt des Kaffees morgens einen Brei aus Hafermehl und aß Kuchen von demselben (...ist der berg. Schmierbrei nicht ähnlich?). Brot wurde halb aus Roggen und halb aus Hafer gebacken, da 1750 nur wenig Korn oder gar keins im bergischen Land angebaut wurde. Auf frohen Festen ging es dann hoch her: Bei Hochzeiten wurden "Bohnen mit Schinken und Riesbräi met Prumen" gereicht und der Hochzeiter (Hielingsbitter) amtierte als Küchenmeister auf dem großen Holzfeuer im Freien mit kupfernen Kesseln. In älteren Zeiten wurden Messer und Gabel mitgebracht. In der Einladungsformel heißt es weiter neben der Aufzählung des Gerichtes: "Dann en kaulen Dronk on en löstgen Spronk (Tanz). Früö kuomen on lang dobliewen! Et Metzken on et Gäffelken nit vergeten, et Büelschen met dem Geil gar nit!"

Die "Hieling" wurde nach der kirchlichen Verkündigung des Brautpaares gefeiert; die Gebehochzeit war ein willkürlich angesetzter Termin, an dem sich die jungen Leute oftmals noch nicht über einen Hochzeitstag einig waren. Zudem war die Gebehochzeit zweckgebunden. Einladungen erfolgten ausschließlich der Geschenke - und zwar bloßer Geldbeträge wegen. Deshalb wurden Listen erstellt, die einzusehen waren.

Es gibt eine interessante Begebenheit zur Hochzeit des Peter Hütz mit Maria Cornelia Engels zu Morsbach am 18.1.1820: (…) Der kirchliche Trautag und der Tauftag des Sohnes Nathanael sind identisch, was aus den Kirchenbüchern der alten ev. Gemeinde Remscheid hervorgeht. Bereits am 28.August 1819 hatte das Paar im Brautstande die "Gebehochzeit" veranstaltete. (…) Diese gab es zwar schon seit vielen Generationen (schon im 16. und 17. Jhdt. wandte sich die herzoglich bergische Regierung gegen solche Erscheinungen), doch nahmen solche Gepflogenheiten in jener Zeit zu, als altes Brauchtum durch Bevölkerungszuwanderung, sowie säkulare Tendenzen (nach 1770 bzw. nach der Französischen Revolution) verändert, gar aufgehoben wurde. (…)

Die Remscheider … hatten vor etwa 200 Jahren eine besondere Tracht. Man trug lange Röcke, Kniehosen, Wadenstrümpfe und Schnallenschuhe. Die besser gestellte Gesellschaft trug ein "Schleppenkamisol" mit blanken kupfernen Knöpfen. Ein schwerer Spazierstock aus braun poliertem spanischen Rohr mit Silberbeschlag, Elfenbein oder Silberknopf und eine wohlgepflegte Tabakspfeife mit einem silberbeschlagenen Ölkopf und silbernen Ketten und Ringen am Rohr … vervollständigte das Bild des in guten Verhältnissen lebenden Meisters oder Handelsherrn. (Aus „Die Morsbach, Hämmer- und Kottenforschung in Remscheid“ von Günther Schmidt, einem 1999 erschienenen Bildband zum 630-jährigen Bestehen einer der ältesten Remscheider Hofschaften.)

Wo in Remscheid stehen oder standen diese Kotten? (5)

Aus Krefeld hat den Waterbölles ein ungewöhnliches Hilfesuchen erreicht: Der Fotograf Volker Döhne möchte gerne wissen, ob es diese Bauten der Kleineisenindustrie noch gibt und wo sie stehen: „Vor mehr als 40 Jahren habe ich als Student die Aufnahmen gemacht und dann zu Semesterausstellungen in der Kunstakademie mehrere Motive vergrößert. Danach ist das Material dann in einen Schrank gewandert. 2017 habe ich im Städel-Museum in Frankfurt und 2018 im Kaiser-Wilhelm-Museum in Krefeld einige Motive ausgestellt, woraufhin nun ein Kölner Verlag Interesse zeigt, die Fotos im Rahmen des vom Heimatministerium NRW geförderten Projektes "Heimat im Wandel" der Irene und Sigurd Greven-Stiftung zu zeigen. Leider kann ich von meinen 147 Objekte etliche nicht mehr eindeutig lokalisieren, weil meine Aufzeichnungen dazu nicht mehr auffindbar sind.“ (Im Bild die Fotos Nr. 37 bis 45)

Mit anderen Worten: Volker Döhne ist auf die Ortskenntnis Remscheider ( oder bergischer) Heimatfreunde angewiesen, soll aus dem Buchprojekt etwas werden. Da hilft natürlich der Waterbölles gerne und veröffentlich heute und in den nächsten Tagen all jene Bauten der Kleineisenindustrie, deren (einstigen?) Standort der Krefelder gerne wüsste. Gut möglich, dass ein Teil davon schon gar nicht mehr existiert oder grundlegend umgebaut worden ist.
Angaben zu den Fotos 37, links oben, bis 46, links unten einzeln, bitte an E-Mail doehneinkr@t-online.de">doehneinkr@t-online.de). Sollten Heimatfreunde zu den alten Kotten noch mehr zu erzählen haben als den Standort, würde sich der Waterbölles über eine zweite E-Mail an 1@kailo.de">1@kailo.de freuen für eine spätere separate Veröffentlichung.