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Dokumentation zu Zeitzeuginnen des 20. Jahrhunderts

Mit der zweiten Auflage der Broschüre „Zeitzeuginnen des 20. Jahrhunderts“ aus dem Jahre 2007 hat die Stadt Remscheid den vielen Remscheider Frauen, die wegen ihrer politischen Überzeugung, menschlichen Verantwortung oder aus ganz persönlichen Gründen während der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt und inhaftiert wurden, ein Denkmal gesetzt. Die Broschüre, herausgegeben von  Christel Steylaers, der Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte der Stadt, hält die Erinnerung wach an die vielen Frauen und Männer, die in der Zeit des Nationalsozialismus litten und ermordet wurden. Der Waterbölles hat die Texte vom 26. Februar bis 20. März dokumentiert.

 

 

Mit Herbert Wehner über den Roten Platz

Mit dieser Broschüre hat die Stadt Remscheid den vielen Remscheider Frauen, die wegen ihrer politischen Überzeugung, menschlichen Verantwortung oder aus ganz persönlichen Gründen während der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt und inhaftiert wurden, ein Denkmal gesetzt. Die teilweise umfangreich geschilderten Lebensschicksale waren ganz unterschiedlich und haben mich sehr berührt. Ich lernte die politisch engagierten Frauen als starke, selbständig denkende und handelnde Persönlichkeiten kennen, die teilweise ihre männlichen Partner an Aktivität und Kreativität übertrafen. Viele hatten auch vor der Nazizeit wichtige politische Funktionen bekleidet. Nur wenige Frauen standen im Schatten ihrer männlichen Partner oder sonstigen Familienangehörigen. Ihren Beitrag zur Menschlichkeit in einer unmenschlichen Welt ans Licht treten zu lassen und sie nicht zu vergessen, ist die Absicht dieser Broschüre.
Die 2. Auflage dieser Broschüre aus dem Jahr 2007 hält die Erinnerung wach an die vielen Frauen und Männer, die in der Zeit des Nationalsozialismus litten und ermordet wurden.

(Christel Steylaers, Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte)

Margarete Müller wurde am 7.8.1904 in Lennep, das 1929 nach Remscheid eingemeindet wurde, geboren. Sie kam aus einer Arbeiterfamilie: Die Mutter war von Beruf Köchin und der Vater Heizer und Maschinist. Sie und ihre Geschwister erlebten die schwere Zeit des 1. Weltkrieges als Heranwachsende. Der Vater war im Krieg und die Mutter musste die Familie ernähren und Feilen im Schraubstock bearbeiten. „Wir Kinder mussten mit hungrigem Magen den schweren Wagen voll beladen mit den Feilen zur Feilenfabrik Offermann in Lennep fahren“, berichtete Margarete Müller in ihren Aufzeichnungen. „Meine Mutter kämpfte wie ein Löwe um etwas Milch für meine kleine Schwester, die 1915 geboren wurde. Sie beschwerte sich am Rathausamt Lennep über schlechtes Brot, in dem Steine und Asche waren.

Margarete Müller hat schon mit 13 Jahren in der Granaten-Fabrik Haas in Lennep an einer Drehbank arbeiten müssen. Sie schreibt: „Im Winter bei bitterer Kälte mussten wir jungen Mädchen die Rohlinge, die auf dem Fabrikgelände aufgestapelt waren, von Hand zu Hand in den Betrieb bringen. Dabei klebten die Rohlinge an den erstarrten Händen und rissen die Haut ab.

Nach dem Krieg war sie als Spinnerin und als Zuschneiderin in Textilbetrieben tätig. Die Eltern waren zunächst Mitglieder der USPD. Die Mutter war später Mitbegründerin der KPD in Lennep. Auch Margarete Müller wurde Mitglied des Kommunistischen Jugendverbandes (KJVD) und der KPD. Sie arbeitete aber auch in einer Reihe anderer Arbeiterorganisationen mit: dem Arbeiter-Sportverein, den Naturfreunden, dem Freidenkerverband, dem Esperanto-Club und dem Arbeiter-Fotografenverein.

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Wer arbeitete, hatte bessere Überlebenschancen

Hermine Schmidt lebte und arbeitete ihr ganzes Leben (mit Ausnahme ihrer Haftzeit) in dem kleinen bergischen Haus an der Straße zwischen Remscheid-Lennep und Wuppertal-Beyenburg, in dem sie am 28. Juli 1905 geboren wurde. In diesem Häuschen haben der Vater, Hermine Schmidt und ihre beiden Brüder als Bandwirker gearbeitet. Nach dem ersten Weltkrieg war Hermine Schmidt aber auch in dem Nachbarörtchen Dahlerau als Weberin tätig. Hier beteiligte sie sich schon mit 18 Jahren an dem Generalstreik im Jahre 1923 zur Verbesserung der sozialen Lage der Arbeiterinnen und Arbeiter.

Mit dieser Broschüre hat die Stadt Remscheid den vielen Remscheider Frauen, die wegen ihrer politischen Überzeugung, menschlichen Verantwortung oder aus ganz persönlichen Gründen während der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt und inhaftiert wurden, ein Denkmal gesetzt. Die teilweise umfangreich geschilderten Lebensschicksale waren ganz unterschiedlich und haben mich sehr berührt. Ich lernte die politisch engagierten Frauen als starke, selbständig denkende und handelnde Persönlichkeiten kennen, die teilweise ihre männlichen Partner an Aktivität und Kreativität übertrafen. Viele hatten auch vor der Nazizeit wichtige politische Funktionen bekleidet. Nur wenige Frauen standen im Schatten ihrer männlichen Partner oder sonstigen Familienangehörigen. Ihren Beitrag zur Menschlichkeit in einer unmenschlichen Welt ans Licht treten zu lassen und sie nicht zu vergessen, ist die Absicht dieser Broschüre.
Die 2. Auflage dieser Broschüre aus dem Jahr 2007 hält die Erinnerung wach an die vielen Frauen und Männer, die in der Zeit des Nationalsozialismus litten und ermordet wurden.

(Christel Steylaers, Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte)

Obwohl sie nie einer Partei angehörte, nahm sie doch an der politischen Entwicklung von Jugend an regen Anteil, denn sie kam aus einer politisch engagierten Familie. Ihr Vater war bis zur kommunalen Neugliederung kommunistischer Stadtverordneter in dem Städtchen Lüttringhausen, das 1929 nach Remscheid eingemeindet wurde.

Gleich nach der Machtübernahme der Nazis war in dem Schmidt’schen Haus eine Durchsuchung. Die SS suchte eine Schreibmaschine und einen Vervielfältigungsapparat. Der Vater und die beiden Brüder wurden zum Verhör in das berüchtigte „Hermann-Göring-Haus“ (heute Kreishaus) in Remscheid-Lennep gebracht.

Während der Zeit des Faschismus haben sich in ihrem Haus von Anfang an Widerstandskämpfer und Widerstandskämpferinnen verborgen. Zu Beginn des Jahres 1943 kam es dann zu der großen Verhaftungswelle, der auch Hermann und Hermine Schmidt zum Opfer fielen.

Hermann und Hermine Schmidt kamen nach ihrer Inhaftierung zur Untersuchungshaft in das Polizeipräsidium Wuppertal, auch viele andere ihrer Leidensgefährten. Hermine Schmidt berichtete, dass sie zehn Wochen in Einzelhaft gewesen sei und die ganze Untersuchungshaft neun Monate gedauert hätte. Es wurde Hermann und Hermine Schmidt zur Last gelegt, die beiden kommunistischen Funktionäre Wilhelm Knöchel und Willi Seng in ihrem Haus versteckt zu haben. In den Verhören habe sie sich dumm gestellt, berichtete Hermine Schmidt. Auf die Frage, warum Willi Seng bei ihnen gewesen sei, habe sie geantwortet, sie habe gedacht, er wolle sie heiraten. Geheime Nachrichten aus dem Gefängnis habe sie in die Säume ihrer Schlüpfer eingenäht. Ihre Schwester habe sie beim Besuch gebeten, neues Gummi einzuziehen. Das habe immer wieder funktioniert.

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Auf Erkundung mit einem Remscheider Stadtführer

23. März, 18 bis 19.30 Uhr
Schlemmertour
Begleiten Sie unseren Stadtführer auf seinem Weg vom Zentrum der modernen Stadt, dem Rathaus bis zum Entstehungsort der Stadt rund um die Stadtkirche. Mit Hilfe von Geschichtchen und Bildern lässt er die vergangene Schönheit des historischen Stadtkerns wieder auferstehen. Und für Ihr Wohl wird auch gesorgt – mit anschließender Verkostung bergischer Köstlichkeiten, teilweise im neuen Gewand, in der Erlebbar. Leitung: Lars Johann. Treffpunkt: Erlebbar, Hindenburgstraße. 29 Euro. Anmeldungen unter Tel. RS 666861 oder E-Mail IGStadtfuehrer.RS@T-online.de.

Lars Johann. Foto: Lothar KaiserSamstag, 30. März, 13.30 bis 15 Uhr
Von einem verschwundenen Dorf zur Müngstener Brücke
Tief unten im Tal der Wupper, zwischen Remscheid, Solingen und Wuppertal, liegt die Hofschaft Müngsten, bis ins 19. Jahrhundert Sitz der Sensenfabrikation Remscheids und Wohnsitz der Familie Halbach. Heute prägen die Müngstener Brücke, Deutschlands höchste Eisenbahnbrücke, der noch immer betriebene Schaltkotten und der Brückenpark diesen Ort.
Tauchen Sie mit unserem Stadtführer in die Geschichte und Industriegeschichte dieses Ortes ein und erfahren, warum es dort auch um Napoleon und Tempelchen geht.
Leitung: Klaus Fickert. Treffpunkt: Schotterparkplatz Brückenpark, Solinger Straße. Fünf Euro. Anmeldungen erbeten unterTel. RS 666861 oder E-Mail IGStadtfuehrer.RS@T-online.de. Es  sind noch einige Plätze frei.

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Auf der folgenden Seite finden Sie das komplette Jahresprogramm:
 

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Die Opfer der Knöchelorganisation

Willi Seng.Mit Beginn des 2. Weltkrieges 1939, insbesondere aber nach dem vertragsbrüchigen Überfall der Hitler-Armeen auf die Sowjetunion verstärkten sich die antifaschistischen Aktivitäten in Deutschland. So wurde versucht, von Amsterdam aus Kontakt zu den Widerstandsgruppen im Rheinruhrgebiet herzustellen. Diese Bemühungen fügten sich in den Plan des Zentralkomitees der KPD in Moskau, regionale illegale Leitungen und eine operative Leitung der KPD für ganz Deutschland zu schaffen. Als ersten Instrukteur ließ die Abschnittleitung West in Amsterdam Willi Seng im August 1940 ins Rhein-Ruhr-Gebiet reisen. Er kam aus Berlin und war von Beruf Schneider.

Willi Seng verfügte über große Erfahrungen in der illegalen Arbeit und umfangreiche Verbindungen im Bergischen Land, am Niederrhein und im Ruhrgebiet. Im Juli 1941 kam Alfons Kaps aus Wuppertal als Instrukteur ins Rheinland. Die­ser verfügte über Verbindungen insbesondere in Wuppertal und Düsseldorf. Im Herbst 1941 reiste Alfred Kowalke über das Venloer Flugfeld zunächst nach Köln. Da Köln schon stark bombardiert war und er keine Verbindung zur Parteiorganisation fand, reiste er nach Berlin weiter. Hier bekam er über den Arbeitersportler Werner Seelenbinder Kontakt zur Bezirksleitung der KPD und nahm ab November 1941 an der Arbeit der operativen Leitung der KPD für Deutschland teil.

Im Laufe des Jahres 1942 fuhren noch die Instrukteure Lissi Rieke, Wilhelm Beuttel und Jakob Welter von Amsterdam nach Deutschland. Am 8.1.1942 verließ das Mitglied des ZK der KPD Wilhelm Knöchel Amsterdam, nach­dem ihm der Mitropakellner Traugott Lazina eine „Stelle“ als Silberputzer in seinem Speisewagen besorgt hatte. Im Laufe des Jahres 1942 teilten die Instrukteure Knöchel und Kowalke der Leitung der KPD in Moskau mit, dass sie Verbindungen nach Berlin, Düsseldorf, ins Ruhrgebiet, ins Bergi­sche Land und andere Gebiete hätten. Illegale, im Ausland und im Inland gedruckte Schriften wurden verteilt, Berichte aus dem Inland über Ams­terdam nach Moskau gegeben. Diese rege Tätigkeit entsprach zwar nicht dem Umfang der Widerstandstätigkeit zu Beginn des Faschismus, doch er war schon beachtlich, wenn man bedenkt, unter welchen Bedingungen die Illegalen leben mussten. Viele waren schon seit 1933 illegal, immer verfolgt und in wechselnden Quartieren, ohne Lebensmittelkarten. (Sehr tragisch war das Schicksal von Wilhelm Knöchel, der an Tuberkulose erkrankte und dringend gute Nahrung und eine ruhige Wohnung brauchte. So haben seine Genossen hochwertige Nahrungsmittel für ihn besorgt, wie Fleisch, Zitronen, Milch und Butter).

In Wuppertal wurde die Widerstandsgruppe von Walter Böhne geleitet. Im Raum Solingen - Remscheid sammelte sich um Hugo Paul eine Gruppe von Kommunisten, die mit gemeinsamen ausgedehnten Wanderungen einen intensiven persönlichen Kontakt pflegten, der es ihnen erlaubte, relativ un­verdächtig politische Informationen auszutauschen.

Mit dieser Broschüre hat die Stadt Remscheid den vielen Remscheider Frauen, die wegen ihrer politischen Überzeugung, menschlichen Verantwortung oder aus ganz persönlichen Gründen während der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt und inhaftiert wurden, ein Denkmal gesetzt. Die teilweise umfangreich geschilderten Lebensschicksale waren ganz unterschiedlich und haben mich sehr berührt. Ich lernte die politisch engagierten Frauen als starke, selbständig denkende und handelnde Persönlichkeiten kennen, die teilweise ihre männlichen Partner an Aktivität und Kreativität übertrafen. Viele hatten auch vor der Nazizeit wichtige politische Funktionen bekleidet. Nur wenige Frauen standen im Schatten ihrer männlichen Partner oder sonstigen Familienangehörigen. Ihren Beitrag zur Menschlichkeit in einer unmenschlichen Welt ans Licht treten zu lassen und sie nicht zu vergessen, ist die Absicht dieser Broschüre.
Die 2. Auflage dieser Broschüre aus dem Jahr 2007 hält die Erinnerung wach an die vielen Frauen und Männer, die in der Zeit des Nationalsozialismus litten und ermordet wurden.

(Christel Steylaers, Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte)

Zu Beginn des Jahres 1943 begann eine große Verhaftungswelle in Berlin, Düsseldorf, dem Ruhrgebiet und dem Bergischen Land, um die Knöchel-organisation zu zerschlagen. Mehr als 200 Frauen und Männer wurden verhaftet, davon ca. 40 aus dem Bergischen Land. Ganze Familien wur­den geholt. Fast die Hälfte der Verhafteten waren Frauen. 52 Männer und Frauen fanden den Tod, davon wurden 23 hingerichtet, unter ihnen Wilhelm Knöchel und Willi Seng, 9 wurden in der Untersuchungshaft ermordet oder haben sich selbst das Leben genommen, einer nahm sich bei der Verhaf­tung das Leben, 11 starben im Zuchthaus oder KZ, vier wurden im April 1945 in der Wenzelnbergschlucht umgebracht, vier sind an den Folgen der Haft 1945/46 gestorben.

Unter den 51 Todesopfern waren fünf Frauen:

  • Charlotte Garske, Berlin, Quartierswirtin von Wilhelm Knöchel wurde in Berlin-Plötzensee hingerichtet.
  • Anna Forterie, eine Holländerin, setzte im Zuchthaus Celle selbst ihrem Leben ein Ende.
  • Elisabeth Kaps aus Wuppertal starb 53-jährig kurz nach der Einlieferung in das KZ Ravensbrück.
  • Luise Rieke aus Duisburg, illegale Instrukteurin der KPD, wurde am 5.1.1945 in Dortmund, dreißigjährig, hingerichtet.
  • Hildegard Ebbinghaus aus Wuppertal-Ronsdorf starb 54-jährig an den Folgen der Haft kurz nach dem Krieg zu Hause.

Die Familie Kaps aus Wuppertal traf die Nazi-Barbarei besonders hart: Drei Brüder Kaps, alle um die Jahrhundertwende geboren, verloren ihr Leben: Paul Kaps wurde hingerichtet, Alois und Alfons Kaps starben durch Mord oder Selbstmord in der Untersuchungshaft. Alle drei Lebensgefährtinnen bzw. Ehefrauen wurden in Haft genommen, ebenso Schwiegersohn und Tochter von Alois Kaps sowie ein Schwager.

Wochenrückblick vom 11. bis 17. März 2019

Zunächst mit Politik gar nicht beschäftigt

Mit dieser Broschüre hat die Stadt Remscheid den vielen Remscheider Frauen, die wegen ihrer politischen Überzeugung, menschlichen Verantwortung oder aus ganz persönlichen Gründen während der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt und inhaftiert wurden, ein Denkmal gesetzt. Die teilweise umfangreich geschilderten Lebensschicksale waren ganz unterschiedlich und haben mich sehr berührt. Ich lernte die politisch engagierten Frauen als starke, selbständig denkende und handelnde Persönlichkeiten kennen, die teilweise ihre männlichen Partner an Aktivität und Kreativität übertrafen. Viele hatten auch vor der Nazizeit wichtige politische Funktionen bekleidet. Nur wenige Frauen standen im Schatten ihrer männlichen Partner oder sonstigen Familienangehörigen. Ihren Beitrag zur Menschlichkeit in einer unmenschlichen Welt ans Licht treten zu lassen und sie nicht zu vergessen, ist die Absicht dieser Broschüre.
Die 2. Auflage dieser Broschüre aus dem Jahr 2007 hält die Erinnerung wach an die vielen Frauen und Männer, die in der Zeit des Nationalsozialismus litten und ermordet wurden.

(Christel Steylaers, Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte)

Elfriede Bohlen wurde am 30.12.1903 in Remscheid geboren. Sie besuchte vier Jahre die evangelische Volksschule im Eschbachtal und anschließend vier Jahre die katholische Volksschule in Menninghausen. Da die Mutter früh gestorben ist, musste sie schon mit 18 Jahren den Haushalt des Vaters mit 6 Geschwistern führen. Von 1930-1933 war sie als Helferin im Röntgen-Licht- und -Heilinstitut in Remscheid-Lennep tätig.

Im Januar 1931 lernte sie ihren ersten Mann Otto Gilde kennen, der in Wuppertal-Elberfeld ein Lebensmittel-, Obst- und Gemüsegeschäft hatte und Mitglied der Kommunistischen Partei war. „Bis dahin hatte ich mich nie mit Politik beschäftigt“, schreibt sie in einem handgeschriebenen Lebenslauf 1945. „Wohl sind der Weltkrieg und die Nachkriegsjahre nicht ohne Einfluss auf mich geblieben. Schon während des Krieges entfernten sich meine Eltern, die beide katholisch, aber schon nie eifrige Kirchgänger waren, immer mehr von der Kirche. Nach dem Kriege war mein Vater seiner politischen Einstel­lung nach Kommunist. Mitglied der KPD ist er nie gewesen. Er besuchte die öffentlichen Versammlungen der KPD und war abonniert auf die Bergische Volksstimme. Er hat uns Kinder auch später, als wir wahl­berechtigt waren, immer dazu angehalten, die Liste der KPD zu wählen ...

Mit meinem Mann führte ich stundenlange Diskussionen über politische Probleme. Ich las damals ein paar Elementarbücher und mein Mann sorgte auch für entsprechende Unterhaltungslektüre. Wir heirateten am 21. No­vember 1933. Damals fühlte ich mich innerlich schon mit der KPD verbun­den. Im Laufe des Sommers 1933 war mein Mann schon dreimal verhaftet wor­den. Das erste Mal wollte man ihn in einen Prozess einbeziehen, er wurde aber, Dank sei der geschickten Haltung der Genossen, mit verschiedenen anderen Genossen nach einer Woche in Freiheit gestellt. Das zweite Mal war er nur für einen Tag in Haft, das dritte Mal 14 Tage vor unserer Verheiratung wegen angeblicher Greuelpropaganda 1 1/2 Tag. Dazu kam noch Haussuchung, die von einer ganzen Horde SA durchge­führt wurde, wo man ihn ins Gesicht schlug und ihn dauernd mit Revolvern bedrohte. Danach hatten wir eine Zeitlang Ruhe. Mein Mann machte nach wie vor seine Parteiarbeit. Ich selbst war vom frühen Morgen bis zum späten Abend in Geschäft und Haushalt tätig. Der Widerstand Remscheider Frauen 84 Zum Lesen blieb mir wenig Zeit, ebenso wenig zur Parteiarbeit. Ich muss noch bemerken, dass unsere Wohnung Zentralstelle war für das Einkassieren von Beiträgen für die KPD und die Rote Hilfe sowie für die Verteilung von Material. Anfang Februar 1934 erfolgten in unserem Viertel die ersten Verhaftungen zu dem großen Wuppertaler Prozess. Sie erfolgten im Ab stand von fünf Tagen.

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Maria und Fritz Briel halfen einer Jüdin

von Jochen Bilstein

Wenn Maria Briel von ihrer Hilfe für eine bedrohte Jüdin in den letzten Jahren des Zweiten Weltkriegs sprach, machte es den Eindruck, als habe es sich dabei um einen kaum erwähnenswerten, völlig normalen Vorgang gehandelt. Dabei gehörten sie und ihr Mann Fritz zu den wenigen Menschen in Deutschland, die bereit gewesen waren, den von Deportation und Ermordung bedrohten Juden zu helfen, obgleich dies für sie selbst und ihre Angehörigen - zu dem Zeitpunkt hatten sie einen kleinen Sohn - lebensgefährlich war. Die Ideen und die Gemeinschaft der Gruppe „Bund“ hatten die Briels gegen den Nationalsozialismus immun gemacht. Von dem Essener Artur Jacobs war die Gruppe in den 20er Jahren gegründet worden mit dem Ziel einer ganzheitlichen Menschenbildung auf der Grundlage sozialistischer Ideen. Wiewohl nach 1933 als Organisation verboten, blieb der Kontakt innerhalb der Gruppe erhalten. In Remscheid waren auch der Sportlehrer Heinz Jost und Grete Dreibholz, die Schwägerin von Friedrich Wolf, Mitglieder des Bundes. Auch sie sollten bereit sein zu humanitärer Hilfe für Juden in Remscheid, als diese zunehmend ausgegrenzt, diskriminiert, schließlich deportiert und ermordet wurden.

Das Ehepaar Briel war Ende der 30er Jahre bereits wegen regimefeindlicher Einstellung kurzzeitig inhaftiert gewesen und musste sich nach seiner Entlassung regelmäßig bei der Gestapo melden. Das hinderte sie nicht daran, Juden in Not ihre Hilfe anzubieten. Privaten Kontakt mit jüdischen Personen in Remscheid hatte es bis dahin nicht gegeben, man kaufte in jüdischen Geschäften, dies war der einzige Berührungspunkt gewesen. So bot Maria Briel Remscheider Juden nach dem Pogrom vom November 1938 ihre Unterstützung an. Für die jüdische Familie Sternberg, die in der Stephanstraße wohnte, war diese Geste so unvorstellbar angesichts des Verhaltens der übrigen Bevölkerung, dass sie das Angebot Frau Briels ablehnten.

Es war der frühere Leiter des „Bund“, dessen Frau selbst Jüdin war, der mit Beginn der Deportationen Ende 1941 eine Hilfsorganisation für Jüdinnen und Juden ins Leben rief, die auf dem Netzwerk ehemaliger Bund-Mitglieder beruhte. Es war das Ziel dieser Gruppe, die über das Gebiet Rheinlands und Westfalens verstreut waren, Juden, die der Deportation zuvorgekommen und in den Untergrund gegangen war, Lebensmittelkarten und Unterkünfte zur Verfügung zu stellen. Dies taten auch Maria und Fritz Briel, die damals in einer kleinen Wohnung „Am Grafenwald“ wohnten.

Ortswechsel: Im August 1943 begann für die damals 20-jährige Marianne Strauß das Leben in der Illegalität. Zu spät hatte die Familie Strauß aus Essen den Entschluss gefasst, nach Schweden zu fliehen. Wohl einer wohlwollenden Persönlichkeit hatten sie es zu verdanken gehabt, immer wieder von den Transporten in die Ghettos und Vernichtungslager im Osten verschont zu werden, bis es auch sie traf:„An einem Montagmorgen im August 1943, um 10 Uhr, kamen die zwei gefürchtetsten leitenden Gestapo-Beamten in Essen in unser Haus, Ladenspelderstr. 47, und befahlen uns, innerhalb von 2 Stunden für den Abtrans­port nach dem Osten fertig zu sein. Zu diesem Zeitpunkt waren wir fast die letzte volljüdische Familie in Essen. Schon im Jahr 1941 waren wir einem Transport zugeteilt worden, wurden aber im letzten Augenblick vom Sam­melpunkt am Haumannplatz im Anblick all der anderen Hunderte, die einem unbekannten und gefürchteten Schicksal entgegengingen, in unser, von der Gestapo versiegeltes Haus, zurückgeschickt. Dieses Mal kam der Befehl ohne Warnung und wie ein Donnerschlag. Die beiden Gestapobeamten ließen uns nicht aus den Augen. (....) Mein Augenblick der Flucht aus dem bewachten Haus kam, als beide Be­amte in unserem Keller verschwanden, wahrscheinlich um Beute zu ma­chen,... Ohne von meinen Eltern, meinem Bruder und meinen Verwandten Abschied nehmen zu können, folgte ich dem Impuls dieses Moments des Unbewachtseins und lief aus dem Haus, sowie ich war - in meinem Skianzug - mit einigen Hundertmarkscheinen in der Hosentasche, die mein Vater mir noch wenige Minuten vorher zugesteckt hatte.“ (Erinnerungen von Marianne Ellenbogen geb. Strauß: Flucht und illegales Leben während der Nazi-Verfolgungsjahre 1943 - 1945)

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Röntgen-Museum macht mit bei Google Arts & Culture

„Once Upon a Try“ - Google Arts & Culture - Erfindungen, die die Menschheit prägten Google Arts & Culture hat die größte Online-Ausstellung über Erfindungen und Entdeckungen aller Zeiten zusammengestellt. Sammlungen, Geschichten und Wissen von über 110 renommierten Institutionen in 23 Ländern, wurden zusammengebracht, um Jahrtausende großer Durchbrüche und ihre großen Denker zu feiern. So sind nun 400 interaktive Ausstellungen frei zugänglich, die die größten Fortschritte der Menschheit in Wissenschaft und Technologie sowie die Visionäre, die unsere Welt geprägt haben, würdigen und Geschichten epischer Misserfolge und glücklicher Unfälle beleuchten.

Der offizielle Name des Projekts lautet „Once Upon a Try“. Dies spiegelt die beispielhaften Geschichten aller am Projekt beteiligten Partner und den kreativen Prozess hinter Erfindungen und Entdeckungen wider. Auch 14 deutsche Partner haben sich daran mit 43 Ausstellungen beteiligt. Darunter das Deutsche Museum in München, das Deutsche Röntgen- Museum in Remscheid, das Deutsche Technikmuseum in Berlin, das Heinz-Nixdorf Museumsforum in Paderborn, das Museum für Kommunikation Berlin, das Museum für Industriekultur in Nürnberg, die Röntgen-Gedächtnisstätte in Würzburg, das Senckenberg Forschungsinstitut Frankfurt, das Technosum in Mannheim, das Zeppelin-Museum in Friedrichshafen. Mit Once Upon A Try kann man auch in Street View eintauchen, um die Stätten großer Entdeckungen zu erkunden. Das Deutsche Röntgen-Museum in Remscheid-Lennep hat hierzu ebenfalls einen virtuellen Rundgang online gestellt. (Stadt Remscheid)

Zeuginnen Jehovas im Kania-Prozess 1936

Mit dieser Broschüre hat die Stadt Remscheid den vielen Remscheider Frauen, die wegen ihrer politischen Überzeugung, menschlichen Verantwortung oder aus ganz persönlichen Gründen während der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt und inhaftiert wurden, ein Denkmal gesetzt. Die teilweise umfangreich geschilderten Lebensschicksale waren ganz unterschiedlich und haben mich sehr berührt. Ich lernte die politisch engagierten Frauen als starke, selbständig denkende und handelnde Persönlichkeiten kennen, die teilweise ihre männlichen Partner an Aktivität und Kreativität übertrafen. Viele hatten auch vor der Nazizeit wichtige politische Funktionen bekleidet. Nur wenige Frauen standen im Schatten ihrer männlichen Partner oder sonstigen Familienangehörigen. Ihren Beitrag zur Menschlichkeit in einer unmenschlichen Welt ans Licht treten zu lassen und sie nicht zu vergessen, ist die Absicht dieser Broschüre.
Die 2. Auflage dieser Broschüre aus dem Jahr 2007 hält die Erinnerung wach an die vielen Frauen und Männer, die in der Zeit des Nationalsozialismus litten und ermordet wurden.

(Christel Steylaers, Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte)

Folgende Frauen waren in den Prozess gegen Hermann Kania am 7.2.1936 wegen Betätigung für die verbotene Internationale Bibelforscher Vereinigung (IBV) einbezogen worden:

  • Baus, Elfriede, geb. Jung: Geb. am 16.5.1898; als Zeugin Jehovas im Mai 1935 festgenommen; im Februar 1936 im Prozess gegen Hermann Kania freigesprochen.
  • Blanke, Alma: Geb. am 11.12.1881; 1935 festgenommen; im Februar 1936 im Prozess gegen Hermann Kania zu einer Geldstrafe verurteilt.
  • Frese, Emma, geb. Wagener: Am 2.7.1890 geboren; 1935 (?) festgenommen; am 7.2.1936 im Prozess gegen Hermann Kania zu einer Geldstrafe verurteilt.
  • Hack, Berta, geb. Schmidt: Geb. am 11.1.1884; im Mai 1935 festgenommen; im Prozess gegen Hermann Kania im Februar 1936 zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt; inhaftiert in den Gefängnissen Remscheid und Wuppertal.
  • Haussel, Mart(h)a, geb. Wagener: Geb. am 21.4.1893 oder 21.4.1895 in Elberfeld; 1935 (?) festgenommen; im Prozess am 7.2.1936 zu einer Geldstrafe verurteilt.
  • Kania, Johanne, geb. Ladde: Geb. am 19.1.1882; im Prozess am 7.2.1936 zu 2 Monaten Gefängnis verurteilt; inhaftiert im Gefängnis Wuppertal und im KZ Moringen.
  • Klein, Elfriede, geb. Fleischmann: Geb. am 24.7.1895; 1935 (?) festge­nommen; in dem Prozess am 7.2.1936 freigesprochen oder zu einer Geldstrafe verurteilt.
  • Kollwitz, Adele, geb. Fischer: Geb. am 7.2.1894; 1935 (?) festgenommen; in dem Prozess am 7.2.1936 freigesprochen.
  • Krauskopf, Klara, geb. Müller: Geb. am 3.8.1889; 1935 (?) festgenommen; in dem Prozess am 7.2.1936 freigesprochen.
  • Lorbeer, Anna, geb. Wolfertz: Geb. am 11.11.1879; 1935 (?) festgenommen; in dem Prozess am 7.2.1936 zu einer Geldstrafe verurteilt.
  • Neumann, Selma, geb. Rotkamm: Geb. am 27.9.1889; 1935 (?) festge­nommen; im Prozess am 7.2.1936 zu einer Geldstrafe verurteilt.
  • Oberberg, Martha, geb. Gottwald: Geb. am 1.10.1881; in dem Prozess am 7. 2. 1936 zu einer Geldstrafe verurteilt.
  • Pahnke, Mathilde, geb. Gesink: Geb. am 29.3.1887; im Mai 1935 festgenommen; in dem Prozess am 7.2.1936 zu 2 Monaten Gefängnis verurteilt.
  • Reinstädtler, Laura, geb. Schäfer: Geb. am 19.10.1864; im Mai 1935 festgenommen; später Einstellung des Verfahrens.
  • Röhrig, Martha, geb. Rotkamm: geb. am 16.1.1884; 1935 (?) festgenommen; in dem Prozess am 7.2.1936 zu einer Geldstrafe verurteilt; inhaftiert im Gefängnis Wuppertal.
  • Rommel, Elisabeth: Geb. am 15.7.1894; 1935 (?) festgenommen; im Prozess am 7.2.1936 freigesprochen.
  • Rommel, Emilie, geb. Hartmann: Geb. am 24.7.1874; 1935 (?) festgenommen; in dem Prozess am 7.2.1936 freigesprochen.
  • Schiemann, Emma, geb. Hesse: Geb. am 16.12.1889 in Remscheid; nach dem 30.1.1933 „Schutzhaft“ vom 1.8. - 9.10.1935 u. a. im KZ Moringen; in dem Prozess am 7.2.1936 zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt.
  • Schmidt, Elfriede, geb. Agatz: Geb. am 16.5.1898; im Mai 1935 festgenommen.
  • Steinberg, Elisabeth, geb. Weitershagen: Geb. am 12.4.1864; 1935 (?) festgenommen; in dem Prozess am 7.2.1936 zu einer Geldstrafe verurteilt.
  • Strassmann, Anna, geb. Groll: Geb. am 9.7.1872; in dem Prozess am 7.2. 1936 zu einer Geldstrafe verurteilt.
  • Weigand, Wilhelmine, geb. Sippel: Geb. am 2.1.1894; 1935 (?) festgenommen; im Prozess am 7.2.1936 zu einer Geldstrafe verurteilt.

(Quellen: Armin Breidenbach: „Widerstand und Verfolgung in Remscheid 1933 - 1945“; Liste der VVN Remscheid über Verfolgte in der Nazizeit in Remscheid; Hauptstaatsarchiv Düsseldorf, Gestapoakte 53527.)

Güte und Weichheit, Willenskraft und Stärke

Unter den 59 Angeklagten des nach Hans Salz genannten Prozesses, der vom 11. bis 19.11.1935 vor dem Sondergericht Hamm in Wuppertal stattfand, waren zehn Frauen. Da in diesem Prozess neue Gesetze der Nationalsozialisten angewandt wurden, war das Strafmaß bedeutend höher. Auch einige Frauen erhielten mehrjährige Zuchthausstrafen. Nachstehend einige Lebensberichte, Kurzbiographien oder Briefe dieser Frauen:

Cläre Stölting geb. Engels wurde am 1.5.1892 geboren. Ihr Vater war Remscheider Schlittschuhfabrikant, der jedoch nach dem Ersten Weltkrieg und der Inflation in Konkurs ging. Cläre Engels hat in diesen Jahren ein Studium als Englischsprachlehrerin absolviert und danach zusammen mit einem Kollegen eine private Sprachschule in Remscheid, Grafenwald, geführt. Die Geldentwertung und das Elend der Arbeiter bewog sie Mitte der 20er Jahre, Mitglied der KPD zu werden. Auch wurde sie in dieser Zeit Mitglied der Remscheider Naturfreunde. Im Jahre 1930 hat sie an einem Internationalen Kongress der Naturfreunde in England teilgenommen.

Nach dem Beginn des Faschismus war sie weiterhin in der jetzt illegalen KPD organisiert, hat Beiträge entrichtet und Flugblätter entgegengenommen, die sie auch an ihren Verlobten Hans Stölting weiterreichte. Hierfür wurde sie in dem Prozess „Hans Salz“ zu zwei Jahren und zehn Monaten Zuchthaus verurteilt, die sie in den Zuchthäusern Ziegenhain, Aichach und Lauffen mit fünf anderen Leidensgefährtinnen aus Remscheid verbringen musste. Ihr damaliger Verlobter Hans Stölting war in dem Prozess „Hans Salz“ freigesprochen worden. Die Gestapo hat ihn aber in Schutzhaft genommen und er war mehr als zwei Jahre in Haft, u. a. in den Konzentrationslagern Esterwegen und Sachsenhausen.

Als Cläre Engels und Hans Stölting wieder frei waren, haben sie 1938 geheiratet und sind nach Ratingen gezogen. Nach dem Krieg haben sich beide den Quäkern angeschlossen. Cläre Stölting starb im hohen Alter von fast 94 Jahren am 21. 4. 1986. Die jüdische Emigrantin Ilse Karger berichtet im Januar 1998 (Ilse Karger, geb. 1902, ist jüdische Emigrantin und lebt in York, England. Sie hat während der Nazizeit einen jüdischen Kindertransport aus Deutschland nach England begleitet. Cläre Stölting und Ilse Karger haben sich 1969 in der Quäker-Organisation kennengelernt und wurden Freundinnen):  

Cläre Stölting war damals schon 77 Jahre und Ilse Karger 67 Jahre alt.Der Widerstand Remscheider Frauen 51: „Cläre Stölting geb. Engels war im wahrsten Sinne des Wortes ein Engel. Für mich war es ein großes Glück, dass ich sie kennengelernt habe, leider erst im Alter von 77 Jahren. Ich kam nach 37jähriger Abwesenheit zum ersten Mal wieder nach Deutschland. Als Quäkerin sah ich es als einen Akt des guten Willens an, möglichst viele Deutsche zu besuchen. So auch Cläre. Auf dem Weg vom Autobus zu ihrem Haus kam sie mir schon entgegen. Das erste Wort, das zwischen uns fiel, kam von ihr, es war bestimmt, klar, herzlich und warm, noch heute klingt es in meinen Ohren: ‘Ich glaube, wir zwei suchen einander’. Das war der Auftakt zu unserer Freundschaft, 16 Jahre lang, bis zu ihrem Tod.

Unter der zwölfjährigen Naziherrschaft, von der sie drei Jahre lang als politische Gefangene inhaftiert war, hat Cläre seelisch sehr gelitten. Sie hat nicht viel über die Grausamkeiten der Behandlung während der Haft gesprochen, aber sie sagte mir, dass sie Tag und Nacht in Todesangst gelebt hat. Jedes Mal, wenn man Schritte im Korridor hörte, dachte sie: ‘Jetzt holen sie mich ab und erschießen mich.’ Die Auswirkungen dieser seelischen Angst ist sie nie losgeworden, sehr oft ist sie aus furchtbaren Träumen in der Nacht aufgewacht, in Schweiß gebadet. Verzweifelt stieg sie dann aus dem Bett und rannte aus dem Zimmer um Hilfe zu suchen.

In ihrer Jugend hat Cläre keine gute Schulausbildung haben können, denn durch die schwere Erkrankung ihrer Mutter musste sie diese sechs Jahre lang pflegen. Nebenher hat sie es trotzdem fertiggebracht, sich weiterzubilden. Sie war eine diplomierte Sprachlehrerin, als nach dem ersten Weltkrieg und der Inflation das väterliche Geschäft bankrott ging. Ganz allein hielt sie die Familie über Wasser. Dies ist auch die Zeit, dass sie in die kommunistische Partei eintrat. Bei ihrer Vernehmung vor den Nazis sagte sie später aus, sie habe den Menschen auch durch bessere Ausbildung helfen wollen. Cläres Persönlichkeit? Sie verband eine unglaubliche Güte und Weichheit mit einer unerhörten Willenskraft und Stärke. Praktisch veranlagt, war sie immer bereit, schnell entschlossen zu helfen. Diskriminierung war ihr fremd, jedoch hatte sie eine Abneigung gegen reiche Leute. Sie betonte immer: ‘Ich bin vom Arbeiter­stand’. Nicht einmal im Alter von 93 Jahren ließ sie sich überreden, in der ersten Klasse zu reisen: ‘Da gehöre ich nicht hin’, sagte sie energisch, ‘und da sind auch keine netten Leute, mit denen man sich unterhalten kann.’

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Gertrud Tillmanns musste fünf Jahre ins Zuchthaus

Mit dieser Broschüre hat die Stadt Remscheid den vielen Remscheider Frauen, die wegen ihrer politischen Überzeugung, menschlichen Verantwortung oder aus ganz persönlichen Gründen während der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt und inhaftiert wurden, ein Denkmal gesetzt. Die teilweise umfangreich geschilderten Lebensschicksale waren ganz unterschiedlich und haben mich sehr berührt. Ich lernte die politisch engagierten Frauen als starke, selbständig denkende und handelnde Persönlichkeiten kennen, die teilweise ihre männlichen Partner an Aktivität und Kreativität übertrafen. Viele hatten auch vor der Nazizeit wichtige politische Funktionen bekleidet. Nur wenige Frauen standen im Schatten ihrer männlichen Partner oder sonstigen Familienangehörigen. Ihren Beitrag zur Menschlichkeit in einer unmenschlichen Welt ans Licht treten zu lassen und sie nicht zu vergessen, ist die Absicht dieser Broschüre.
Die 2. Auflage dieser Broschüre aus dem Jahr 2007 hält die Erinnerung wach an die vielen Frauen und Männer, die in der Zeit des Nationalsozialismus litten und ermordet wurden.

(Christel Steylaers, Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte)

Unter den 59 Angeklagten des nach Hans Salz genannten Prozesses, der vom 11. bis 19.11.1935 vor dem Sondergericht Hamm in Wuppertal stattfand, waren zehn Frauen. Da in diesem Prozess neue Gesetze der Nationalsozialisten angewandt wurden, war das Strafmaß bedeutend höher. Auch einige Frauen erhielten mehrjährige Zuchthausstrafen. Nachstehend einige Lebensberichte, Kurzbiographien oder Briefe dieser Frauen:

Gertrud Tillmanns geb. Hennes wurde am 14.3.1889 in Köln geboren. Sie war Mitglied des Arbeiter-Samariterbundes und seit 1925 der KPD. Gertrud Tillmanns wurde am 17.11.1929 in den Rat der Stadt gewählt. Auch bei der Kommunalwahl vom 12.3.1933 war sie erneut gewählt worden, konnte aber das Mandat wegen des KPD-Verbots nicht ausüben.

In der Nazizeit beteiligte sich Gertrud Tillmanns gleich am Widerstand. Im Stadtteil Rosenhügel wurde sie Hauptkassiererin der illegalen KPD, und ihre Wohnung war Anlaufstelle für illegale Flugschriften. 1934 hat sie versucht, auf dem Anger eine Widerstandsgruppe zu bilden und bat zu diesem Zweck W. Hegemann, den sie vom Arbeiter-Samariterbund kannte, seine Wohnung für illegale Zusammenkünfte zur Verfügung zu stellen. W. Hegemann sagte zu. Es war vereinbart worden, dass alle Teilnehmer der Versammlung sich durch die Losung auswiesen: „Zeigen Sie mir mal den Radioapparat!“ Diese Abmachung ist auch eingehalten worden, und es haben drei Besprechungen stattgefunden. Dann aber hat ein Spitzel die Zusammenkünfte verraten und alle Teilnehmer wurden verhaftet und später wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ verurteilt.

Gertrud Tillmanns wurde in dem Prozess „Hans Salz“ zu fünf Jahren Zuchthaus verurteilt. Sie war in jener Zeit in den Zuchthäusern Ziegenhain, Aichach und Lauffen. Ihr Mann Hermann Tillmanns war im Prozess „Hans Salz“ freigesprochen worden. Doch er wurde auf Veranlassung der Gestapo nach dem Prozess in das Moorlager Esterwegen verschleppt und anschließend in das KZ Sachsenhausen. Diese „Schutzhaft“ dauerte drei Jahre.

Anfang der vierziger Jahre beteiligten sich Gertrud und Hermann Tillmanns an der Widerstandstätigkeit in der Gruppe um Hugo Paul. Im Zusammenhang mit den Ereignissen am 20. Juli 1944 wurde Gertrud Tillmanns 1944 erneut vorübergehend in Haft genommen. 1945 beteiligten sich Gertrud und Hermann Tillmanns am Wiederaufbau des zerstörten Landes und waren wieder Mitglied der KPD. (Quellen: Liste der VVN Remscheid über Inhaftierte in der Nazizeit; Armin Breidenbach: „Widerstand und Verfolgung in Remscheid 1933 - 1945“; Hauptstaatsarchiv Düsseldorf, Gestapoakte RW 58-29375; Ilse Faeskorn: „Es ging um Kopf und Kragen - Leben und Widerstand von Hugo und Luise Paul“; „Remscheid in der Zeit des Nationalsozialismus“, darin Beitrag „Es erblüht eine weiße Rose...“)