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Auf Erkundung mit einem Remscheider Stadtführer

Lars Johann. Foto: Lothar KaiserSamstag, 20. Juli, 14 Uhr,
Wein-Wanderung. Vom Südbezirk zur Feilenfabrik Ehlis im Eschbachtal, inkl. Verkostung von sechs Weinen,
drei bis vier Stunden, Lars Johann, Treffpunkt wird bekannt gegeben,  37 Euro.

Samstag, 27. Juli, 13.30 Uhr,
Müngsten. Von einem verschwundenen Dorf zur Müngstener Brücke,
1,5 Stunden, Klaus Fickert, Parkplatz Brückenpark, fünf Euro.

Auf der folgenden Seite finden Sie das komplette Jahresprogramm:

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Wochenrückblick vom 8. bis 14. Juli 2019

Anlässlich 150 Jahren Freiherr-vom-Stein-Schule Lennep

Teil II

von Dr. Wilhelm R. Schmidt

Die Gemeinschaftsgrundschule Freiherr-vom-Stein feierte dieser Tage das 150. Bestehen ihres großen Gebäudes an der Hardtstraße in Lennep. Auch ich bin in den 1950er Jahren dort in die Volksschule gegangen, aber bereits nach dem 1. Schuljahr 1953 wurde ich mit einigen anderen Schülern aufgrund der Veränderung des Einzugsgebiets an die Volksschule "An der Glocke“ an der oberen Kölner Straße überwiesen. Dennoch ist das erste Schuljahr in der Hardtstraße vor meinem geistigen Auge noch sehr präsent, u.a. erinnere ich mich daran, dass man aus mir seinerzeit beim Schreiben einen Rechtshänder machte. Aber es verbindet mich mit dieser Schule auch etwas Familiäres, sie wurde nämlich wie mehrere andere Schulen in Lennep von meinem Urgroßvater Albert Schmidt erbaut.

Am Mollplatz aufgewachsen, habe ich einen erheblichen Teil meiner Kindheit und Jugend in der Lenneper Hardtstraße verbracht, zunächst im städtischen Kindergarten, heute „Kinderhaus Westerholt“, dann in der genannten Volksschule, später im darüber liegenden alten evangelischen Gemeindehaus beim Katechumenen- und Konfirmandenunterricht des Pfarrers Roland Spengler und natürlich in der angrenzenden Albrecht-Thaer-Straße im Hause des CVJM. Um die bauliche Entstehung der genannten Gebäude habe ich mich damals naturgemäß nicht gekümmert, und ich wusste lange Zeit nicht, dass sowohl das Kinderhaus Westerholt wie auch die spätere Freiherr-vom-Stein-Schule auf meinen Urgroßvater, den Lenneper Baumeister Albert Schmidt zurückgehen, und das heute nicht mehr existente Gemeindehaus auf dessen Sohn Arthur. Erst als ich mich später mit der Lenneper Geschichte beschäftigte, lernte ich auch, dass die heutige Hardtstraße (früher auch einmal Vicariestraße) einst ein einfacher, schmaler Gartenweg war und die abbiegende Straßenführung hinauf zum Gemeindehaus eine Zeit lang Schulstraße hieß. Und nach und nach wurde mir auch klar, welche Rolle dabei Albert Schmidt spielte, den später manche Lenneper einfach nur den „Baurat“ nannten.

Der Lenneper Baumeister Albert Schmidt (1841-1932) führt in seiner "Liste der ausgeführten Hochbauten in Lennep und Umgebung (1865-1902)" den Bau der heutigen Freiherr-vom-Stein-Schule als Höhere Bürgerschule für die Jahre 1868/1869 auf. Mit ihr wurde zunächst die Höhere Bürgerschule (zuvor u.a. Höhere Stadtschule) in der ehemaligen Lenneper Kunstgasse, später Knabenschule und Bezirkskommando (s.u.), fortgesetzt. Das seinerzeit neue Gebäude in der heutigen Hardtstraße, ehemals ein tiefliegender enger Fahrweg in "geräuschloser" Gartengegend, errichtete Albert Schmidt nach Entwürfen des mit den Lenneper Industriellenfamilien verbundenen Baumeisters Julius Thomas aus Neuss, mit dem er bereits zuvor beim Bau der Villa Poststraße 5 sowie später bei Fabriken der Wupperorte zusammen arbeitete. Der Neusser Architekt war vom Lenneper Baukomitee aufgrund seiner eingereichten Entwurfsskizzen ausgewählt worden und besaß das besondere Vertrauen auch der Kgl. Regierung.

Die heutige Grundschule an der Hardtstraße auf einer alten Postkarte. Foto: Sammlung Lempe.Die neue Bürgerschule hatte zunächst keine seitlichen Anbauten. Sie erhielt diese erst 1903 bzw. 1908 und durchlief  nach und nach mehrere Funktionsformen, u.a. als Realschule nebst Realgymnasium und Lyzeum, d.h. Höhere Mädchenschule (Foto links). Der Name der Hardtstraße und das Tuchmuseum im heutigen Gebäude verweisen auf die Wichtigkeit der Familie Hardt und ihrer Firmen für das Lenneper Wirtschafts-, Sozial- und Kulturwesen, das oft nur durch die Stiftertätigkeit der führenden Tuchfabrikanten ermöglicht wurde. Einzelne Jahreberichte der Höheren Bürgerschule sind außer in den Archiven auch im Internet dokumentiert, z.B. https://reader.digitale-sammlungen.de/de/fs1/object/display/bsb11367562_00001.html bzw. zur https://remscheid.de/leben/bauen/denkmalschutz/146380100000115782.php. Für das Jahr 1894 verzeichnet Albert Schmidt die Schule "An der Glocke" als einen Schulbau,"Volksschule, sechs Klassen, Kölner Straße, amtlich als die "Schule System 3" oder "Schule Bezirk 3" verzeichnet. Da sie an der Kölner Straße 94 etwas zurück lag, ist sie auf historischen Abbildungen der Straßenflucht oft nicht zu sehen.

Die einstige katholische Grundschule an der Mühlenstraßer neben dem Lenneper Feuerwehrgerätehaus. Foto: Sammlung Lempe.Die alte katholische Schule von 1844 an der Lenneper Mühlenstraße, die zeitweilig wegen des Schulraummangels auch die Grundklasse der evangelischen Volksschule aufnahm, ist unter unterschiedlichen Aspekten in der Lenneper Erinnerung präsent. 1848 war in ihr die erste Klasse der Höheren Bürgerschule untergebracht, 1849 diente sie bei der großen Choleraepidemie als Lazarett. Wie viele nach ihm warf auch Albert Schmidt die Frage auf, warum man eine solche Schule ausgerechnet an einem Ort entstehen ließ, an dem durch die hier zusammen fließenden Quellbäche der entstehenden Lennepe der gesamte Unrat der Stadt unabgedeckt versammelt wurde. Das hinderte aber auch ihn nicht daran, 1895/96 das historische Schiefergebäude durch einen großen, jetzt steinernen Neubau zwischen Mühlenstraße und Jahnplatz zu erweitern (Foto links, das Haus links neben der Feuerwehranlage).

Die allgemeine Schulgeschichte Lenneps wiederzugeben ist hier nicht der Ort, und eine umfassende Geschichte der im Jahre 2019 einhundertfünfzig Jahre alt werdenden Schule an der Hardtstraße kann ich gar nicht leisten. Sie wurde auch bereits in der „Geschichte des Röntgen-Realgymnasiums mit Realschule und Lyceum“ beschrieben, die im Jahre 1935 von dem Lenneper Kapitän a.d. Paul Windgassen, selbst Absolvent dieses Gymnasiums, verfasst wurde, und sie lebte in der späteren „Schulgeschichte des Röntgen-Gymnasiums in Remscheid-Lennep“, 1991 herausgeben von Oberstudienrat Dr. Michael Metschies, noch einmal auf.

Gedenken zum 76. Jahrestag des Luftangriffs

Pressemitteilung des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V., Landesverband Nordrhein-Westfalen

In Zusammenarbeit mit der Akademie der Kulturellen Bildung findet vom 22.  Juli bis 2. August 2019 in Remscheid eine internationale Jugendbegegnung  des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge statt. 25 Jugendliche und  junge Erwachsene aus Deutschland, Frankreich, Italien und der Türkei  nehmen daran teil. Am 26. und 31. Juli erinnert die Gruppe  an die Toten des Luftangriffs auf Remscheid am 31. Juli 1943.  Interessierte sind herzlich zu dem Gedenken auf dem Parkfriedhof  Bliedinghausen und in der Akademie der Kulturellen Bildung eingeladen.

Am 26. Juli ab 10 Uhr unterstützen die Jugendlichen die Technischen  Betriebe und legen aktiv Hand an bei der Pflege der Kriegsgräberstätten  auf dem Parkfriedhof Bliedinghausen. Dort sind unter anderem Menschen  bestattet, die beim Luftangriff auf Remscheid am 31. Juli 1943 gestorben  sind. Unter den Toten sind sowohl Opfer aus der Zivilbevölkerung als auch  Zwangsarbeitskräfte, die in Remscheider Betrieben eingesetzt waren. Die  Jugendlichen helfen dabei, die Kriegsgräberstätte als einen würdigen  Erinnerungs- und Gedenkort zu erhalten.

Anlässlich des 76. Jahrestages des Luftangriffs lädt die Gruppe für den 31.  Juli um 16 Uhr zu einer Gedenkveranstaltung auf dem Parkfriedhof  Bliedinghausen ein. Anschließend präsentieren die Jugendlichen ab 17 Uhr  ihre Ergebnisse aus verschiedenen Workshops, in denen sie zuvor  künstlerische Techniken erlernt und kreative Formen der Erinnerung  entwickelt haben. Die Präsentation findet in der Akademie der Kulturellen  Bildung statt.

Die Jugendbegegnung wird organisiert vom Volksbund Deutsche  Kriegsgräberfürsorge e.V. in Kooperation mit der Akademie der Kulturellen  Bildung des Bundes und des Landes NRW. Erasmus+ Jugend in Aktion und das  Bundesministerium für Familien, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ)  fördern die Begegnung. Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge ist  anerkannter Träger der freien Jugendhilfe. Jugendliche und junge  Erwachsene aus ganz Europa zusammenzubringen und sie über die Folgen von  Krieg und Gewaltherrschaft zu informieren gehört zu den Kernaufgaben des  Volksbundes. (Jana Moers)

Sven Wolf berichtete in der EMA über NSU

Pressemitteilung des SPD-Landtagsabgeordneten Sven Wolf

„Sensibilität im Umgang mit den Angehörigen der Opfer – das ist etwas, auf das in Zukunft viel besser geachtet werden sollte,“ nannte der Landtagsabgeordnete Sven Wolf den Schülerinnen und Schülern eine der Empfehlungen, die aus den Erkenntnissen des Parlamentarischen Untersuchungssauschusses zum NSU hervorgegangen sind. Das Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium hatte den Abgeordneten, der in der letzten Landtagsperiode Vorsitzender zu den Attentaten des NSU war, zu einem Vortrag eingeladen. Von der 8.Stufe bis zur Oberstufe nahmen daran in der Aula rund 130 Schülerinnen und Schüler teil.

Schulleiter Rainer Schulz bedankte sich bei den Kolleginnen und Kollegen sowie den Schülerinnen und Schülern, die sich am Aufbau, der Organisation und als Guides in den Führungen durch die Ausstellung im Pferdestall zu den Opfern des NSU sehr engagieren. Dank ihrer hätten sich zahlreiche Jugendliche in den vergangenen Wochen intensiv mit diesem Thema auseinandersetzen konnten. „Zu lange wurde hauptsächlich im Umfeld der Angehörigen der Opfer ermittelt. Es wurden familiäre Auseinandersetzungen, Drogenhandel oder Gruppenfehden vermutet, bevor ein rechtsextremer Hintergrund klar erkannt wurde. Leider bleibt auch bei solchen Befragungen im Umfeld der diffuse Eindruck hängen, dass es da nicht mit rechten Dingen zugegangen sei,“ so Wolf. „Diesen Eindruck dann  geradezurücken, ist auch eine Aufgabe einer aufmerksamen Polizeiarbeit.“

Ein besserer Informationsfluss und das Einbeziehen von Erkenntnissen anderer Behörden und Wissenschaftler zu neuen Phänomenen des Extremismus könnten helfen, solche Attentate einzuordnen und nach Kriterien bestimmten Gruppen zuzuordnen. Hier stets auf der Höhe der Erkenntnisse zu sein, sei wichtig für eine erfolgreiche Ermittlungsarbeit. „Es wird in Zukunft in Nordrhein-Westfalen eine bessere Kooperation geben – auch zwischen Polizeikräften und Verfassungsschutz“, erläutert der Abgeordnete. „Wir brauchen Erkenntnisse, warum diese Opfer ausgewählt wurden und wie die Täter vorgegangen sind, um künftig schneller und besser potentiellen Tätern auf die Spur zu kommen.“

Die Befugnisse der Abgeordneten im Untersuchungsausschuss seien sehr weitgehend, sie ähnelten denen bei Gericht. Die Zeugen seien verpflichtet, zum Termin zu erscheinen und wahrheitsgemäß auszusagen. „Im Untersuchungsausschuss konnten nicht auf alle Fragen Antworten gefunden werden, aber die Empfehlungen sollen die künftige Arbeit verbessern. Für mich persönlich war die Leitung des PUA eine der interessantesten und spannendsten Aufgaben im Landtag.“ Zum Schluss mahnte Wolf: „Wir müssen wachsam bleiben, besonders gegenüber rechten Gruppen, die mit Hass und Gewalt unsere Gesellschaft spalten wollen.“

Auch Tag des Denkmals 2019 mit Feilenfabrik Ehlis

Beim bundesweiten „Tag des Denkmals“ am Sonntag, 9. September 2018, besuchten rund 1500 Remscheider/innen die ehemalige Feilenfabrik Ehlis im Eschbachtal und waren beeindruckt, was der am 10. Oktober 2016 gegründet "Förderverein zur Erhaltung der Feilenfabrik in Schlepenpohl e.V." seitdem schon alles getan, um aus dem historischen Gebäudekomplex ein zu machen. Dr. Angela Koch (4. v. li.) und Renate Falkenberg von der Remscheider Denkmalschutzbehörde begleiten die Mühlheimer Unternehmer (Hatec GmbH) Thomas Abbas (links im Bild), Volker Haag und Walter Pricken (3. von links) bei ihren ehrgeizigen Plan, seit sie das Anwesen gekauft hatte. Gemeinsam präsentierten sie gestern zusammen mit Architekt Detlef Juergens aus Hemer und Stadtführer Klaus R. Schmidt (2. von rechts) einigen Mitgliedern des städtischen Bauausschusses das neue Shed-Dach über der alten Fabrik. Deren Innenwände wurden von alten Farbresten (von Drehaufnahmen zu einem Kinofilm) befreit, alte Maschinen wieder zum Laufen gebracht. Die für die Restaurierung der Fabrik aufgebrachte Summe ist inzwischen sechsstellig.

Manches landete aber auch auf dem Schrott. Denn der verstorbene Feilenfabrikant Ernst Ehlis hatte „alles, aber auch alles aufgehoben“, wie Thomas Abbas erzählte, der Vorsitzende des Fördervereins. Die unzähligen Feilen, von einer Filmcrew leider völlig durcheinandergewürfelt, habe man jedoch aufgehoben: „Sie lagern heute tonnenweise auf unseren Fabrikgelände in Mühlheim“.

Ein Industriemuseum mit regelmäßigen Führungen, etwa für Schulklassen, soll aus dem Industriedenkmal nicht werden. Aber „für ernsthaft interessierte Gruppen“ werde der historische Teil des Gebäudes mit den funktionstüchtigen Maschinen auf Anfrage doch geöffnet werden. In eine andere, von alten Maschinen weitgehend befreiten Halle sollen künftig Privatleute, Firmen und Vereine zu Veranstaltungen und Feiern einladen können. In der ehemaligen Packstube sollen künftig Lesungen und Konzerte möglich sein. Und ein dritter Teil ist für Künstler reserviert. All dies lässt sich nicht von heute auf morgen realisieren. Denn darauf hat nicht nur die örtliche Denkmalschutzbehörde, sondern auch die Bauaufsicht (wegen des Brandschutzes) ein waches Auge. Gleichwohl geht es weiter voran. Davon werden sich Besucher des „Tag des Denkmals“ im September überzeugen können. Da macht der "Förderverein zur Erhaltung der Feilenfabrik in Schlepenpohl e.V." wieder mit.

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Vor 80 Jahren: Remscheider auf Gestapo-Liste

Adolf Benscheid. Foto: Historisches Zentrum Remscheid.von Armin Breidenbach

Im Juni 1939, also vor 80 Jahren, wurde von der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) eine als „Geheim!“ eingestufte Übersicht mit dem Titel „Erfassung führender Männer der Systemzeit“ erstellt. Erfasst wurden damals, so Winfried Meyer, „insgesamt 533 Repräsentanten von Politik, Kultur, Wissenschaft und Publizistik der Weimarer Republik wie Siegmund Freund und Albert Einstein, Otto Dix und George Grosz, Bertolt Brecht und Erwin Piscator und natürlich Heinrich, Thomas und Klaus Mann.“ Von diesen 533 Personen befanden sich damals aber bereits mehr als ein Drittel (204) im Ausland, darunter auch 92 Sozialdemokraten und Kommunisten.

Zur Gruppe der gelisteten „Marxisten und Kommunisten“ gehörte – vermutlich als einziger Remscheider – auch der ehemalige Funktionär der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD), Adolf Benscheid. Nach der „Erfassung führender Männer der Systemzeit“ war Benscheid vor 1933 für die KPD Mitglied des Preußischen Landtags und in Remscheid Stadtverordneter und außerdem Redakteur der „Roten Hilfe“. Für die Zeit nach 1933 hieß es darin knapp: „Betätigt sich heute als Heimarbeiter und wohnt in Remscheid.“

Diese spärlichen Angaben zu Benscheid sind jedoch teilweise falsch: So wurde dieser nicht 1898 in Remscheid geboren (wie der Übersicht zu entnehmen ist), sondern bereits 1888. Auch war er nicht „Redakteur der Roten Hilfe“, sondern der Remscheider KPD-Tageszeitung „Bergische Volksstimme“.

Überhaupt scheinen die Kenntnisse der Gestapo über Adolf Benscheid recht gering gewesen zu sein, wie die „Erfassung führender Männer der Systemzeit“ vermuten lässt. Während die Gestapo über etwa 500 Remscheider Bürgerinnen und Bürger Personenakten anlegte, scheint dies bei Benscheid nicht der Fall gewesen zu sein, jedenfalls ist keine Gestapo-Akte über ihn beim Landesarchiv NRW in Duisburg archiviert.

Mittlerweile stehen jedoch noch andere Quellen zur Verfügung, die das Verfolgungsschicksals des Remscheider Kommunisten aufzeigen. Im Historischen Zentrum Remscheid ist beispielsweise eine Wiedergutmachungsakte für Adolf Benscheid archiviert, der zufolge er aus politischen Gründen bereits im November 1933 für etwa eine Woche im Remscheider Polizeigefängnis an der Uhlandstraße in „Schutzhaft“ war. Anschließend war er noch bis zum 20. Dezember 1933 im Polizeigefängnis Wuppertal-Barmen, Bachstraße, in „Schutzhaft“.

Einige Wochen nach dem Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 wurden im gesamten Deutschen Reich Tausende von Männern und Frauen festgenommen, die während der Weimarer Republik als Parlamentarier, Partei- und Gewerkschaftsfunktionäre aktiv waren und von den Nationalsozialisten immer noch als gefährlich betrachtet wurden. Auch Adolf Benscheid gehörte dazu. Wie unter anderem das 2018 wiederaufgetauchte Aufnahmebuch des Polizeigefängnisses Remscheid von 1944/45 belegt, wurde Benscheid am 22. August 1944 festgenommen und zunächst für sieben Tage ins Polizeigefängnis an der Uhlandstraße eingeliefert. Anschließend wurde er von dort in das Polizeigefängnis Wuppertal und später - wahrscheinlich zusammen mit dem ehemaligen, 1899 in Remscheid geborenen Wermelskirchener KPD-Funktionär Ernst Fastenrath - in das KZ Flossenbürg überstellt, wo beide am 6. November 1944 als „reichsdeutsche Schutzhäftlinge“ registriert wurden. Benscheid erhielt die Häftlingsnummer 32441, Fastenrath die Häftlingsnummer 32446.

Alois Staller aus Merten, Kreis Bonn, ebenfalls Häftling im KZ Flossenbürg, gab 1949 folgende eidesstattliche Versicherung ab (Rechtschreibfehler im folgenden Text wurden vom Autor nicht korrigiert!): „[…] Adolf Benscheid […] war in den Jahren 1944 und 1945 mit mir im Konzentrationslager Flossenburg inhaftiert. […] In Folge der ungünstigen Lage des K.L. Flossenburg (im Hochgebirge der bayrischen Oberpfalz nahezu 1500 m über dem Meeresspiegel) bei grimmiger Kälte im Winter 1944/45, schwerster körperlicher Arbeit, vollkommen ungenügender und schlechter Ernährung, menschenunwürdigen, unhygienischen Zuständen, erkrankte Benscheid und lag wochenlang im sogenannten Krankenbau. Eine schwere Ruhr und eingetretene Herzschwäche wurde dort festgestellt. Nach seiner Entlassung aus dem Revier habe ich mich als Kamerad seiner ganz besonders angenommen und dafür Sorge getragen, dass er so weit wie möglich von schwerster Arbeit verschont blieb. Aus diesem Grunde veranlasste ich seine Überführung nach Block IV, woselbst ich als Blockältester war. Hier wurde er die ersten Wochen verborgen, sodass er die Möglichkeit hatte, sich soweit das im KL überhaupt möglich war zu erholen. Benscheid gehörte der im Lager vorhandenen illegalen Gruppe politischer Häftlinge an und fand hierdurch weitere Unterstützung. Diese Gruppe brachte es auch zuwege, dass er später als Vorarbeiter der Verwaltungswerkstättenarbeiter eingesetzt wurde. […] Benscheid wäre ausser jedem Zweifel schon in Flossenburg zu Grunde gegangen, wenn ihm nicht seine Kameradschaftlichkeit und vor allem seine politische Vergangenheit die Hilfe der Kameraden gesichert hätte. […]“

Als Anfang April 1945 die Auflösung des KZ Flossenbürg und seiner Außenlager begann, gehörte auch Adolf Benscheid zu denjenigen, die in Richtung Dachau in Marsch gesetzt wurden. Seiner Wiedergutmachungsakte zufolge war er ab 11. April 1945 im KZ Dachau in „Schutzhaft“. Aus diesem KZ wurde er am 29. April 1945 von amerikanischen Truppen befreit.

Gesundheitlich durch die Haft im KZ schwer geschädigt, kehrte Adolf Benscheid im Sommer 1945 nach Remscheid zurück, wo er zunächst wieder Mitglied der KPD wurde und eine kleine Fabrik eröffnete. Der ehemaliger Remscheider KPD-Reichstagsabgeordnete Otto Weber, im „Dritten Reich“ ebenfalls aus politischen Gründen verfolgt, versicherte 1949 an Eides statt: „Ich sah Benscheid zum ersten Male wieder, als er im Juni 1945 nach der Befreiung durch die Amerikaner zurückkehrte. Zu einem Skelett abgemagert, völlig entkräftet, war er wochenlang nicht im Stande seine Wohnung zu verlassen. Sein Zustand war die Folge übermenschlicher Anstrengungen und monatelangem Hungern.“

Bei der Gemeindewahl in Remscheid vom 13. Oktober 1946 kandidierte Benscheid für die KPD, wurde jedoch nicht gewählt. Später wurde er aus der KPD ausgeschlossen. Adolf Benscheid, der ab 1950 1. Vorsitzender des Bundes der Verfolgten des Naziregimes in Remscheid war, starb dort am 26. Oktober 1961.   

Quellen:
Historisches Zentrum Remscheid: verschiedene Bestände
Meyer, Winfried: Aktion „Gewitter“. Menschenopfer für Macht und Mythos der Gestapo, in: Dachauer Hefte. Studien und Dokumente zur Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager, Jg. 2005, S. 3 - 20
Weber, Hermann und Herbst, Andreas: Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945, 2. Aufl., Berlin 2008

Remscheider wird Direktor der Stasiopfer-Gedenkstätte

Dr. Helge Heidemeyer. Abteilungsleiter Bildung und Forschung bei dem Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen in Berlin, wird Direktor der Stasiopfer-Gedenkstätte in Berlin-Hohenschönhausen. Eine spannende Aufgabe für den gebürtigen Remscheider, dessen Verbindungen zu seiner Heimatstadt nach wie vor bestehen: „Mein Vater lebt noch dort, und meine enge Bindung an die Freunde der Jungenschaft Hohenstaufen im Deutschen Pfadfinderbund ist ebenfalls über die Jahre erhalten geblieben.“

Der studierte Historiker werde sein neues Amt als Direktor der Stiftung Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen im Herbst antreten, teilte der Stiftungsrat mit, nachdem er Dr. Helge Heidemeyer eiunstimmig gewählt hatte. Der Vorsitzende des Stiftungsrates, der Berliner Kultursenator Klaus Lederer (Linke), freute sich über  Heidemeyers Wahl. Mit ihm gewinne die Stiftung eine Persönlichkeit, die sich auf Gedenkstättenarbeit ebenso verstehe wie auf die wissenschaftliche Aufarbeitung des SED-Regimes. Mit Heidemeyer werde in der Gedenkstätte die inhaltliche Entwicklung und der notwendige Kulturwandel gelingen. Und Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) sprach von einer „sehr guten Entscheidung“. Heidemeyer stehe für ein Führungsverständnis, „das den besonders hohen Ansprüchen einer Gedenkeinrichtung entspricht, die sich der Bekämpfung des Unrechts und der Wahrung der Menschenrechte verpflichtet sieht“.

Helge Heidemeyer wurde 1963 in Remscheid geboren. E studierte nach der Schulzeit in Passau und München Neuere und Mittlere Geschichte, Politikwissenschaft und Wirtschaftswissenschaften. Von 2003 bis 2005 war er (erster) wissenschaftlicher Leiter die Erinnerungsstätte Notaufnahmelager Marienfelde, die er mit aufgebaut hatte. Bis 2012 war er Mitglied der Kommission für Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien.

25. Juli: Diskussion mit Bundesminister Hubertus Heil

Pressemitteilung des SPD-Unterbezirk Remscheid und der Arbeiterwohlfahrt (AWO). Remscheid

Für Donnerstag, 25. Juli, um 14 Uhr laden die Arbeiterwohlfahrt und die Remscheider SPD ins Deutsche Werkzeugmuseum, Cleffstraße 2 – 6, ein. Hubertus Heil, Bundsesminister für Arbeit und Soziales, wird dort nach einer kurzen Führung von Museumsleiter Dr. Andreas Wallbrecht durch das Museum in einem Vortrag der Frage nachgehen, was SPD und AWO als „Brüder und Schwestern im Geiste“ heute noch zum Zusammenhalt unserer Gesellschaft beitragen können. An den Vortrag wird sich eine Diskussion anschließen mit Christine Krupp, Vorsitzende der Remscheider SPD; Rainer Bannert, Geschäftsführer der Arbeiterwohlfahrt Remscheid; Anne Marie Faßbender, Vorsitzende von „Remscheid Tolerant“; Burkhard Mast-Weisz, Oberbürgermeister der Stadt Remscheid, und Gabriela Pires-Rodrigues, Leiterin einer AWO-Einrichtung. Die Moderation übernimmt Axel Mersmann, Pfarrer der ev. Auferstehungsgemeinde. Die Veranstaltung ist offen für Interessierte. Anmeldungen sind erbeten unter Tel. RS 4600622 oder E-Mail UB.Remscheid.NRW@spd.de">UB.Remscheid.NRW@spd.de.

Hintergrund: Die Gründung der Arbeiterwohlfahrt jährt sich am 13. Dezember diesen Jahres zum 100. Mal. Damit nimmt die AWO unter den Wohlfahrtsverbänden in Deutschland gleich in mehrerer Hinsicht eine Sonderstellung ein. Unter dem Leitgedanken „Hilfe zur Selbsthilfe“ verficht die „AWO“ seit ihrer Gründung aktiv den Gedanken der Solidarität, wonach Menschen, die vorübergehend in Not geraten sind, dabei geholfen werden soll wieder ein selbstbestimmtes Leben führen zu können. Dieser Gedanke war für die Arbeiterwohlfahrt von den verwandten Werten wie Demokratie, Toleranz, Gleichberechtigung und Vielfalt nicht zu trennen. So kam es nicht von ungefähr, dass die Initiative zur Gründung der Arbeiterwohlfahrt von einer Frau ausging: der Sozialdemokratin Marie Juchacz, die am 19. Februar 1919 als erste Frau in einem deutschen Parlament sprechen konnte (Zu Beginn der Veranstaltung am 25. Juli wird Ursula Wilberg Texte von und über Marie Juchacz lesen). Die Einführung des Wahlrechts für Frauen, am 30. November 1918 beschlossen und bei der Wahl zur Weimarer Nationalversammlung am 19. Januar 1919 erstmals praktiziert, war ein wichtiger Meilenstein zur Etablierung der Demokratie in Deutschland und auf dem Weg zur Gleichberechtigung von Frauen und Männern.

Wochenrückblick vom 1. bis 7. Juli 2019

 

Anlässlich 150 Jahren Freiherr-vom-Stein-Schule Lennep

von Dr. Wilhelm R. Schmidt

Für uns erscheint es heute oft schwierig, sich in das Schulleben vergangener Zeiten zurück zu versetzen. Im Vergleich zu früher hat sich so manches verändert: die Schulen als Gebäude, die Bildungsideale, die Erziehungsmethoden, die Lehrerausbildung, die Lehrmaterialen und natürlich die Menschen in unserer Welt überhaupt. Darum ist es vielleicht sinnvoll, einmal ein paar historische Zeugnisse kennen zu lernen, die uns die vergangene Zeit, hier insbesondere das 19. Jahrhundert, näher bringen, und dies natürlich am Beispiel unserer Heimatstadt Remscheid-Lennep. Mehrfach hat z.B. der Lenneper Baumeister Albert Schmidt (1841-1932), der ja in Lennep mehrere Schulen erbaute, auch über seine eigene Lenneper Kinder- und Schulzeit berichtet.

Foto oben: Im Lennep des 19. Jahrhunderts gab es auch spezielle Mädchenschulen. Auf dem linken Foto sieht man die Höhere Private Töchterschule am Lenneper Gänsemarkt 7. Sie war hier zwischen 1856 und 1865 untergebracht, später dann ein Stück weiter im Anwesen Nr. 30 in der Nähe des späteren Röntgenmuseums. Das Foto rechts betrifft die Höhere Töchterschule im Jahre 1875 mit Rektor Dr. Fischer und Lehrkraft Magdalena Reichel. Anders als in der Elementarschule entstammten die Mädchen hier fast ausschließlich bürgerlichen bzw. wohlhabenden Familien, z.B. Kühner, Steinhaus, Lambeck, Böse, Lausberg, Ringel, Weskott, Christians, Hager und Leysieffer.

Die Erinnerungen Albert Schmidts an das Schulwesen im 19. Jahrhundert wurden, und dies nicht unbedingt unter dem Beifall der Schulbehörde, im Rahmen einer Serie von  Berichten „Aus dem alten Lennep“ im Lenneper Kreisblatt von 1922/23 weiter gepflegt, wobei immer wieder die Nähe der alten katholischen Schule zu den Abwässern der Stadt thematisiert wird. Denn die Schule lag „unmittelbar an dem Teich der sog. Drahtmühle am späteren Jahnplatz, (...) in dem sich die Abwässer der Stadt zu einem dicken Brei vereinigten, um von hier den unterhalb liegenden Wiesen als Dünger zugeführt zu werden. Alles was an sterblichen Überresten der Hunde und Katzen nicht untergebracht werden konnte, wurde diesen Erdkuhlen anvertraut, unbeschadet der pestilenzartigen Ausdünstungen, die die ganze Nachbarschaft belästigten.“

Albert Schmidt über seine Schulzeit 1846 -1856: „Seit 1846 hatte ich die Schule besucht und zwar zuerst bei dem Unterlehrer Pfaffenbach, der die kleinsten Kinder der Ungewitterschen Schule zu unterrichten hatte. Diese unterste Klasse der evangelischen Volksschule war in dem katholischen Schulgebäude in der Mühlenstraße untergebracht worden, da die evangelische Schule überfüllt war. Die Lehrer erhielten so wenig festes Gehalt, dass sie sich durch Privatstunden und Zuwendungen der Schüler bei festlichen Gelegenheiten und ihren Geburtstagen erhalten mussten. Es war selbstverständlich, dass die Kinder der reichsten elterlichen Spender vom Lehrer bevorzugt wurden. Das Privatstundenwesen war ein Unfug und ohne Nutzen für den Schüler, da der Lehrer meist weder Zeit noch Lust hatte, sich um die Menge der Privatschüler gleichzeitig zu bekümmern. Um den Herrn Ungewitter für die Kinder zu interessieren, lud ihn meine Mutter jeden Mittwochnachmittag zum Kaffee auf die Knusthöhe ein. Es wurde dann seine Lieblingsspeise, ein sogenannter Napfkuchen gebacken, und wir Kinder sahen neidvoll zu, wie derselbe von dem Herrn Lehrer vertilgt wurde; für uns blieb meistens nur ein schäbiger Rest übrig."

Foto unten: 1849 während der Cholera spielte die heute nicht mehr existente alte katholische Volksschule am späteren Jahnplatz eine wichtige Rolle in der Lenneper Schulgeschichte. Als sie zu klein wurde, baute man daneben größer und moderner. Alles dies ist vergangen. Wichtig war auch das schräg gegenüber liegende Gebäude der dort von 1873-1916 untergebrachten Höheren Töchterschule an der Ecke Hardt- und Mühlenstraße. Ursprünglich eine Fabrikantenvilla der Lenneper Familie Karsch, wurde diese später der Stadt Lennep von der Firma Johann Wülfing & Sohn der Familien Hardt zur Verfügung gestellt, diente verschiedenen sozialen Zwecken und ist heute Sitz des Ortsvereins Lennep des Deutschen Roten Kreuzes.

Lennep hat so manche Helfer bei der Ahnenforschung

von Dr. Wilhelm R. Schmidt

Kennen Sie diese Häuser noch? Dieser Tage suchte ein genealogisch interessierter Herr danach, weil Vorfahren der Familie in früheren Zeiten dort ein Haus besessen hatten.  Er schrieb mir: „Im Rahmen unserer Ahnenforschung waren wir in der vergangenen Woche in Lennep, wo der Großvater meiner Frau geboren ist: Hugo Otto Burghoff (1879-1942). Sein Vater war August Burghoff (1845-1915), der Schumacher war und verheiratet mit Emma Ackermann. Wir haben das Stadtarchiv  in Remscheid besucht. Auch haben wir mit Willi Oberlis vom Pilgerbüro gesprochen. Anbei ein Bild des Elternhauses aus unserem Familienarchiv, datiert 1910. Auf dem Foto steht geschrieben, dass die Adresse Hindenburgwall ist. Im Adressbuch von 1903 haben wir gesehen, dass die Familie im Haus Alleestraße 5 lebte. Es gab zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine Namensänderung der Straße. 1922 wurde der Name der Straße wiederum geändert und hieß dann Thüringsberg. Eines der Kinder, Hugo Burghoff (1879-1942) ist der Großvater meiner Frau. Im Alter von 15 Jahren begann er bei der Firma Schlieper zu arbeiten, und 1898 ging er für die Firma nach Niederländisch-Ostindien.  1909 gründete er ein eigenes Unternehmen: die Borneo Industrie Maatschappij. Er war auch Vorsitzender des Deutschen Vereins in Surabaya. Möglicherweise wurde er  durch die Unternehmer in der Alleestraße inspiriert, selbst Unternehmer zu werden. Vielen Dank für Ihre Hilfe."

Gern geschehen, kann man da nur sagen. Das Remscheider Stadtarchiv, das Lennepbüro von Lennep Offensiv und das Lenneparchiv Schmidt arbeiten halt gut zusammen. So erhielt der Herr bzw. seine Familie Namen, Daten, Fakten und Fotos. Gestern schrieb ich ihm zurück: „Die in Frage stehenden alten Häuser standen direkt an der heutigen Straße "Am Thüringsberg". Hinter ihnen, vor dem späteren Fabrikgebäude von 1910, gab es noch einen Durchgang zum Kaiserplatz, dem heutigen Mollplatz. Heute befinden sich auf dem Areal der beiden alten Häuser nur Parkmöglichkeiten. Das Areal wurde zu diesem Zweck in den 1960er Jahren aufgeschüttet. Die beiden alten bergischen Fachwerkhäuser stammten noch aus dem ersten Drittel des 19. Jahrhunderts, aus der Zeit vor dem ersten Lenneper Ur-Kataster. Damals war das Areal angrenzend zum heutigen Mollplatz industriell genutzt, d.h. es gab kleinere Fabrikwerkstätten mit Wohnhäusern dazu. Dass alles das tiefer gelegen war, dies erklärt sich daraus, dass sich hier ursprünglich ein Ausläufer der beiden Teiche befand, die sich heute überwölbt über den ganzen Thüringsberg hinziehen. Hier wurden noch zu Beginn des 19. Jahrhunderts die Postpferde getränkt oder wie man sagt "in die Schwemme geritten".

Ich habe die beiden alten Häuser noch gekannt, ich bin 1947 geboren und kam zum Kindergarten und zur Volkschule bzw. Gymnasium an dieser Stelle immer vorbei (1951-1966), da ich am Mollplatz wohnte. Die im Jahre 1960 abgerissenen Häuser waren zuvor schon längere Zeit unbewohnt, wir Schüler warfen dort mit Steinen die alten Fenster ein. Nach dem zweiten Weltkrieg haben dort aber noch Leute gewohnt. Meine älteren Cousins erinnern sich, dort im Winter "Klingelmännchen" gespielt zu haben, indem sie Schneebälle auf  einen in einer Vertiefung befindlichen Klingelknopf warfen. Wahrscheinlich würde man heutzutage die beiden Häuser nicht mehr so ohne weiteres beseitigen können wie in den 1960er Jahren, als man  in Lennep begann, "Stadtsanierung" zu betreiben. Ich habe übrigens über die Entstehung der Straße "Am Thüringsberg" schon öfters mal was geschrieben, weil vieles dort mit meiner Familie zusammenhängt. Schauen Sie doch mal in diesen Aufsatz rein: https://www.lennep.eu/lenneps-unterwelt-baeche-teiche-und-kanaele/. Dort finden Sie u.a. eine Zeichnung meines Urgroßvaters Albert Schmidt, auf der die gesuchten alten Häuser eingezeichnet sind. Übrigens taucht in diesem Zusammenhang der Name Wülfing auf, das war eine frühe Familie der Lenneper Tuchproduktion, ein Teil davon wurde später zur Weltfirma.“