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Februar 2011: Der Waterbölles blättert zurück

Remscheider Wirtschaftsjunioren (WiJu) stellten im Februar 2011 auf dem Friedrich-Ebert-Platz die Verkehrsschilder vor, die den Weg weisen sollten zu den befristet eingerichteten Kurzzeitparkplätzen auf der unteren Alleestraße. Aufgestellt wurden sie anschließend am Ebert-Platz gegenüber dem Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium bzw. beiderseits der Konrad-Adenauer-Straße. Ein Provisorium, das schon am 31. März zeitgleich mit der probeweisen Öffnung der Fußgängerzone für den Fahrzeugverkehr wieder endete.

In aller Stille stimmte die Politik Anfang Februar 2011 im nichtöffentlichen Teil der Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses dem Verkauf des städtischen Schullandheims zu, der bereits zum, 12. Januar 2009 geschlossen worden war. Ein Käufer fand sich erst 2010 gefunden: Die evangelische Gemeinde Freiburg erwarb die Häuser (Baukosten: rund 1,8 Millionen Euro) und das 11.000 Quadratmeter große Gelände für 155.000 Euro. Die Abfindung für die städtischen Mitarbeiter des Schullandheims betrug 136.000 Euro. Alles in allem für die Stadt also kein gutes Geschäft.

Wilding/Sonnenschein: Wenn das Private politisch wird“, war 2011 ein Waterbölles-Kommentar überschrieben. Er erschien am 5. Februar 2011. Tags zuvor hatte Oberbürgermeisterin Beate Wilding eine Verfügung unterschrieben, wonach der ihr seit April 2008 unterstellte Stadtplaner Hans Gerd Sonnenschein, damals Leiter des Zentraldienstes „Stadtentwicklung und Wirtschaft“, ab sofort wieder Dr. Christian Henkelmann, Dezernent für Bauen, Landschaftspflege und Kultur, unterstand.  Zur Vorgeschichte heißt es in dem Kommentar: „Seit wann Oberbürgermeisterin Beate Wilding und Stadtplaner Hans Gerd Sonnenschein… ein Paar sind, weiß außer den beiden niemand genau. Aber dass dem so ist, weiß in Remscheid jeder, der sich intensiver für die Lokalpolitik interessiert. Reine Privatsache, sollte man meinen, keinesfalls ein Politikum.“ Doch zunächst sei Wilding blieb Sonnenscheins Dienstvorgesetzte geblieben, als sei nichts geschehen.“

Die Seniorenwohnanlage "em Dorp" nahm vor zehn Jahren auf dem Gelände des ehemaligen Lüttringhauser Hallenbades Gestalt an: Die Rohbauten standen damals, kritisch gesehen vom Vorstand des Lüttringhauser Heimatbundes ob einer „dürftigen Architektur mit wenig Grünflächen und lichtarmen Wohnungen, wie es beim „Kottenbutteressen“ des Vereins im Februar 2011 hieß. Seitdem ist in dem Neubaugebiet so manches Bäumchen gewachsen.

„Elektronische Medien sind aus dem Alltag und dem Unterricht nicht mehr wegzudenken. Mittlerweile ist Medienkompetenz in allen Fächern gefordert. Das setzt selbstverständlich eine entsprechende Ausstattung voraus“, stellte vor zehn Jahren “ der damalige Vorsitzende des Ausschusses für Schule und Sport, Hans-Peter Meinecke, in einer Pressemitteilung von SPD, FDP und Grünen fest („Gestaltungsmehrheit erkennt EDV-Bedarf von Schulen an“). Vorgesehen sei, dass die Verwaltung in den nächsten fünf Jahren knapp 600.000 Euro im Jahr in die Ausstattung der Schulen mit modernen Medien investiere sowie 150.000 Euro in Wartung und Support. „Gut ausgebildete Kinder finden leichter Lehrstellen und Arbeitsplätze. Der selbstverständliche Umgang mit Laptop, Beamer und Power-Point sind mittlerweile unabdingbar“, betonte damals der Fraktionsvorsitzende der FDP, Wolf Lüttinger. Aber: Allen Beteiligten sei auch, dass damit noch nicht der wünschenswerte Stand der Technik in den Schulen erreicht sei. Doch die Haushaltslage erlaube es nicht, den Medienentwicklungsplan voll umzusetzen. Das änderte sich erst mit Corona…

Im Februar 2011 feierte das Remscheider Allee-Center mit einer "Ü30 Exklusiv"-Party als „100-prozentig zahnspangenfreier Zone“ seinen 25. Geburtstag. Der 35. Geburtstag blieb in diesem Februar unerwähnt. Wie hätte es in diesen Corona-Geiten auch anders sein sollen…

Wochenrückblick vom 22 bis 26. Februar 2021

So sah die Lenneper Altstadt vor 1908 aus

von Dr. Wilhelm R. Schmidt

Liebe Lennepfreunde,
das ist Lennep von oben, genauer gesagt die Schwelmer Straße aufwärts gesehen von der ev. Stadtkirche aus. Die Ansichtskartenaufnahme stammt aus der Zeit vor 1908. So manches Gebäude auf dem Foto gibt es heute nicht mehr, wie z.B. das sog. Bezirkskommando, wo die jungen Männer sich zum Militärdienst melden mussten. Zuvor hatte sich in diesem Gebäude die alte Lenneper Bürgerschule befunden, bevor sie 1868 in die Hardtstraße verlegt wurde. Es handelt sich dabei um das langgestreckte große Gebäude auf dem Foto, das nach rechts von der Schwelmer Straße ausgeht. Die älteren von uns haben es ja vielleicht noch gekannt, heute gehört das Areal zu dem Neubaugebiet um die Klosterkirche herum, das nun auch schon rund fünfzig Jahre alt ist.

Oben links erblickt man zwar schon die sog. Tränenallee, die später offiziell zur Albert-Schmidt-Allee wurde, aber darunter noch nicht die Schillerstraße, die als vornehme Wohngegend in der Gartenstadt Lennep von der Knusthöhe her kommend im Jahre 1907 an der Schwelmer Straße anlangte. Sie verdrängte dort übrigens die "Reeperbahn" der dortigen Seilerei Neuhaus. Immerhin erkennt man noch das Wohnhaus der Familie Neuhaus an der späteren Straßenecke.

Die erste Stadtkirche ging im Jahre 1723 in Flammen auf

Historischer Blick auf die Stadtkirche am Markt.Die ev. Stadtkirche um 1920.Schon im 12. Jahrhundert legten die Grafen von Berg hier den Grundstein zu einer Kirche (Stadtkirche am Markt), die Engelbert I. um 1180 dem Orden der Johanniter übertrug. Sie wurde der Mittelpunkt für das spätere Dorf (Remscheid). Zäh hielten alle Generationen für den Bau späterer Kirchen an dieser Stelle fest. 1716 wurde durch Großfeuer fast das ganze Oberdorf in Schutt und Asche gelegt. Kirche und Schule blieben nach dem Bericht des Remscheider Pfarrers Albert Veitgen erhalten. Doch fielen dieselben bei einem neuen Brande im Jahre 1723 nebst den umliegenden Häusern des Oberdorfes dem wütenden Element zum Opfer. Nur das von dem da­maligen Pfarrer Wilhelm Georg Schragmüller bewohnte Haus, die „Crone" genannt, blieb „als ein Wunder des Allerhöchsten" stehen.

Es ist verständlich, dass damals in Zeiten des erstarkten Luthertums und des aufblühen­den Remscheider Eisengewerbes in kürzester Zeit für das zerstörte Gotteshaus ein Ersatz geschaffen wurde. 1723 erfolgte der Neubau des Kirchenschiffes, und 1726 wurde der Turm neuerrichtet, wie die Eisenanker an der Südseite des Langhauses und am Kirch­turm noch heute bezeugen. So stand die Kirche durch Jahrhunderte. Generationen knieten vor ihrem Altar, ver­nahmen den brausenden Ton der Orgel und sahen zum vertrauten Die heutige 'Citykirche' am Markt in den 1950-er Jahren. Foto: Alfred Lambeck.Zwiebelturm, dessen Glocken ihre metallene Stimme weit über das Bergische Land sandten. An vorfestlichen Abenden glänzte der Turm oft im strahlenden Licht friedlicher Scheinwerfer und zauberte mit den kleinen Bürgerhäusern der engsten Nachbarschaft ein unvergleichlich romantisches Bild der Remscheider Altstadt. Die Kirche war Sinnbild der Heimat. Sie stand gleich einem zeitlosen Wächter am Ein­gang des Dorfes, durch die Bausteine aus eigener Erde eng mit der bergischen Land­schaft verbunden.

Der zweite Weltkrieg ließ nur die Umfassungsmauern stehen. Verschwunden war der malerische Dachaufbau des markanten Turmes. Durch die Fensterhöhlen des Kirchen­schiffes gähnte die trostlose Leere des ausgebrannten Inneren. Nur zögernd schritt der Wiederaufbau voran. Baumeister und Bürger diskutierten eine Zeitlang über einen neuen Standort. Trotz aller Bedenken behauptet die Kirche ihren alten Platz am Markt. (aus: „Remscheider Bilderbogen“ von Max Eulenhöfer aus dem Jahre 1950)

Auch Hofschaft Hasten soll Info-Tafeln bekommen

Mit "Geschichte unserer Stadt - Remscheid Lennep Lüttringhausen" gelang dem katholische Theologe und ehemalige Gymnasiallehrer Hans-Jürgen Roth 2008 ein fesselndes Buch. Es liegt mittlerweile in der 2. aktualisierte Auflage vor (2017. 356 Seiten, Hardcover, ISBN 978-3-945763-43-8 © Bergischer Verlag), zusammen mit mehreren anderen Neuerscheinungen aus seiner Feder. Die jüngste, erschienen im Januar, ist „Die Hofschaft Hasten in Remscheid – Rund um die Alte Straße mit Geschichten aus alten Zeiten“. Und damit ist nicht der gesamte Stadtteil Hasten gemeint, sondern die enge aneinander stehenden Fachwerkhäusern an der Alte Straße, nicht weit vom Deutschen Werkzeugmuseum entfernt. Hans Jürgen Roth kennt sich in dem historischen Quartier sehr gut aus, schließlich wohnt er dort schon seit vielen Jahren – an der Alte Straße – und wie sollte es anders sein, in einem Fachwerkhaus.

Im Vorwort seines Buches schreibt er über die Alte Straße: „Mit ihren geschichtsträchtig gewachsenen Häusern hat sie einen besonderen Charme für Bewohner und Besucher. Viel Material konnte ich über Jahrzehnte hin sammeln: Viele Dokumente und Fotos, und viele Geschichten erzählen von Zeitzeugen aus ihren Kindertagen. All das ließ mich Hintergründe besser verstehen und hat mich ermutigt, eine Geschichte der Hofschaft zu schreiben. (…) Man geht einfach ganz anders durch einen Ort, wenn man etwas von seinem Werden weiß. (…) Viele Erlebnisse, Eindrücke und Erfahrungen sind zusammengekommen, die mich veranlasst haben, dieses Büchlein über die Hofschaft „Alte Straße" zu schreiben, und ihre bewegende und interessante Geschichte festzuhalten. Schließlich liegt hier die Keimzelle von ganz Hasten.“

Über Roths jüngstes Buch wurde auch W. Jürgen Ackermann, der Vorsitzende des Vereins Hasten für Hasten e.V. auf die alte Hofschaft aufmerksam. Auch dort soll es künftig für Heimatfreunde einen   „historischen Rundgang“ geben Nach dem Beispiel von „Büchel“ und „Platz“, auch dies zwei zum Hasten gehörenden Hofschaften mit zahlreichen historischen Fachwerkhäusern. Initiiert vom Verein Hassten für Hasten e.V. Die „Info-Tafeln“ mit Fotos und Texten stehen vor denkmalgeschützten und historisch besonders interessanten Häusern.  Ein Heimatkunde-Projekt, bei dem Verein eng mit Renate Falkenberg von der Remscheider Denkmalschutzbehörde zusammenarbeitet. Und das soll nun auch beim dritten „historischen Rundgang durch die Hofschaft Hasten geschehen. „Wir befinden uns noch in der Anfangsphase“, bitten W. Jürgen Ackermann um Geduld. Über die Inhalte der voraussichtlich neun bis zehn Tafeln sei zusammen mit Ernst Günter Söhnchen und Hans-Jürgen Roth noch nicht entschieden worden die Gestaltung der Tafeln übernommen hat. Ackermann freut sich, dass auch diesmal wieder die Kölner Mediendesignerin Amelie Felde die Gestaltung der Tafeln übernommen hat.

Wochenrückblick vom 15 bis 21. Februar 2021

Mit dem Bollerwagen auf Straßenbahnschienen

Der Remscheids Markt um 1895 mit Pferdefuhrwerk und neuer Straßenbahn

1893 kam die Straßenbahn nach Remscheid und verband die vielen Remscheider Höfe miteinander. Nicht einmal in den ebenen Nachbarstädten wagte man, das Wunder der elektrischen Bahn zu verwirklichen, als sich in Remscheid, ungeachtet der schier unüberwindlichen Knubben, Männer daran machten, eine Straßenbahn zu bauen. Eine wahrhaft große Tat! Man muss sich im Geiste in das Jahr 1890 zurückversetzen, um die Größe dieses Planes zu begreifen. Sicherlich wurde die Notwendigkeit eines Verkehrsmittels, das die Entfernungen zwischen den Höfen überbrücken könnte, von allen erkannt. Wer aber hätte es gewagt, in Zeiten des Pferdefuhrwerks ein Experiment mit vollkommen neuen, unerprobten elektrischen Bahnen zu starten? Dazu gehörte nicht nur Geld, sondern auch Mut. Ein Remscheider Bürger, Robert Böker, hatte diesen Mut. Vorzug dieser Männer waren ihre Erfahrungen, die sie in allen Teilen der Erde auf ihren Reisen gesammelt hatten. Sie brachten gereifte Erkenntnisse und unumstößliche Entschlüsse mit nach Hause, und die tausendfachen Bedenken der Daheimgebliebenen waren für sie das Summen eines Bienenschwarmes. In den Stadtratssitzungen hat es rumort und gedonnerkielt, bis schließlich doch der weltweite Blick und die ehrfurchtgebietende Erfahrung obsiegten.

Der Remscheider Straßenbahnwagen Nr. 1 im Jahre 1897 mit einem Fanggestell für unachtsame Passanten.Den letzten Zweifel der um ihr sauer verdientes Geld bangenden Mitbürger überwand der großzügige Einsatz des eigenen Geldbeutels der Wagemutigen. So kam denn die Remscheider Straßenbahn dennoch auf den Weg. Zunächst waren es nur zwei Linien, die von Wirtschaft Rudolf Halbach auf dem Scheid bis Bliedinghausen und von Feld über den Markt bis zur „Spreng" und später weiter bis Vieringhausen führten. Die Bilder verraten uns, dass es auch ohne Uniform klappte. Im hellen Anzug, weißem Binder und Strohhut steht der Fahrer von damals auf der offenen Plattform an der Kurbel. In Winterzeiten wird er oft „kaul Knuwen" (kalte Füße) gehabt haben.

Am Samstag, 1. Juli 1893, fand frühmorgens die erste Probefahrt der Remscheider Straßenbahn statt. „Ingenieure und Beamte der Gesellschaft sowie mehrere Interessenten, u. a. Kommerzienrat Böker, bestiegen das mit elektrischen Glühlampen beleuchtete, außerordentlich elegant und bequem eingerichtete Gefährt“, hieß es in der Lokalpresse. Die Fahrt ging von der Freiheitstraße bis zur Schüttendelle. Die zweite Fahrt, in einem anderen Wagen, führte über die Blumenstraße, den Marktplatz und die Elberfelder Straße bis zum Rathaus.  An der Stelle, wo Freiheit-, Blumen- und Honsbergerstraße zusammentreffen, wurde der Wagen durch Steine, die in den Schienen lagen, zum Entgleisen gebracht. Doch es gelang, ihn flott zu machen, ohne dass er irgendeinen Schaden nahm. Wenig Sorgen und Kopfzerbrechen um das technische Wunderwerk machten sich am Tag der Eröffnung die zu derben Späßen aufgelegten Remscheider Witzbolde. Davon erzählt mit unvergleichlichem bergischen Humor Gustav Hermann Halbach in seiner Anekdote auf Remscheider Platt:

Das riesige Eisengestell vor dem Wagen, der „Maulkorb", nahm in den Anfängen noch diejenigen unachtsamen Passanten „auf die „Schuppe“, die sich bis dahin an den Wagen ohne Pferd noch nicht gewöhnen hatten.

„Tu den äulsten en Dütschlangk gebouden elktreschen Strotenbahnen gehüöt de e, Remsched. Vör allem wogden märr et hie te alleri'esch, Wagen ohne Tangkreder sonne pielen Berg erop- on erongerluopen te loten äs et se hie gött. Em Joahr aiti'ehnhon-getdre'ionnüngzeg alt es döse Bahn engewe'iht woaren. Ussem verstorbenen I'ehrenbörger Robät Büöker köffe se en i'eschter Linnege verdanken. Nöüschiereg on gespannt hären de Remscheder op denn Dag gewatt, an demm die Bahn de i'eschte Kiehr fahren suol. Förr dösen Dag hären äwwer derr Siebens Ernst on derr Pi'etersch Hermann, genuomt Rassa, ut derr Bismarckstroten, enn netten Spaß utgeheckt. Enn gruoten Bollerwagen met derr Spurwidden vannen Strotenbahnschienen onnen schwoar Meiere'iklocke hären se opgedri'ewen on an de Hengerreder van demm Wagen enn Paar düchtege hüöltern Bremsklötze aangebrait. Alte Wagenhalle an der Hornberger Straße, erste Unterbringungsmöglichkeit für die Straßenbahnwagen Met dösem Bollerwagen trocken die twei Piffeküsse am Ewe'ihengsdag derr Bahn alt morges früö öm uhroffsässe bis noa derr Kerken am Matte erop, mackden do kehrt on lootsden enn met denn Redern en de Schienenrellen eren.   Dann stault sech der eng, ennen Wagen an de Lenkstang, li'et dat Gefährt langsam bergeraff luopen on beiernden dobie äs kusendoll met derr Schellen; derr anger satt sedi hengen obben Wagen on trock de Bremsklötze aan, dat et märr su buolernden, rappelnden on krietschden.

Van dösem Randalen, Fusen on Kraki'elen wuoden die noch en ehren vi'eti'ehn Eelen van Respels on Gereffeis süöt drüömenden Aanwohner derr Bismarckstrolen allbini'en wackereg. Sie glauten äwwer, derr i'eschte Strotenbahnwagen köm alt aangefahren on sprongen ut ehren Laken, Pölwen, Kössen on Kösti'eken op annet Fenster. Do goof et förr die twei löstegen Fröng dann üöwerall enn netten Aanbleck: Keäls bowenher em Hemden, Fraulütt on aul Wiewer em Naitsjack on met er Naitsmotschen öm de Uohren, jong staatse We'iter äs de Lorelei met opgelüöstem langem göülem on schwattem Hoar, mollegen bläcken Armen on spetzenömrahmden, alabasterwitten on prallen rongen Böäschten on Blagenpörke on -puten en Naitski'edelen. Su gong dat aan vam Zuckerbäcker Melchersch reits on louts vörrbie bim Hesse, Dannenberg, Kremersch Ernst, Duisbergs udder Pöppkes Weilern, Caasmanns Hermann, Rödersch Ernst an derr „Trennen", Kammerecker, Herbener, Hasencli'ewersch Ougust udder Papageno on su wieder bis ongen noa derr Quatschen bim Angermongks Kamesölschen, Leyersch Kaal on Ki'esersch Ernst, demm Kruonenwi'et. Su es aiti'ehnhong.etdre'ionnüngzeg de Eröffneng derr weiltberühmden Remscheder Strotenbahn vörr sech gegangen, on wecker do en aller Herrgottsfrüöh denn Bohei vam Siebens Ernst on Pi'etersch Rassa meterleeft heet, hätt düchteg dorüöwer on üöwer sienen i'egenen Refall gelacht. (nach: „Remscheider Bilderbogen“ von Max Eulenhöfer aus dem Jahre 1950)

Einstige Kronenstraße: rechts katholisch, links evangelisch

Die Kronenstraße am Remscheider Markt um 1900. Später nannte man sie Johanniterstraße. Das höhere Haus im Hintergrund wurde um 1890 erbaut: Der „große, vor­nehme Spiegelsaal" im „Salamander" ist alten Remscheidern noch in Erinnerung. (Foto links). Foto rechts: Die   bekannte Gaststätte   von  Philipp Arntz,   genannt „Arntz Libbes", an der Kronenstraße, ebenfalls um 1900.

Joseph Brüssermann und Adolf Schulte - Feinkostgeschäfte für jede Konfession! Nie­mand hätte bessere Eingangspforten für diese lebendige Straße finden können. In der Kronenstraße hatten sich alle Bauweisen ein Denkmal gesetzt, und trotzig behauptet selbst der kleinste beschieferte Geselle mit nur drei Fensteraugen zur Straße und einer altbergischen Tür seinen Platz an der Sonne neben dem großen, vieläugigen Bruder. Kronenstraße! Ein- und Ausfalltor zum alten Markt! Deine besten, gemütvollsten Er­innerungen hast du unter Trümmern begraben. Später dann Johanniterstraße. Wandlungen der Namengebung! Es ist verständlich, dass man den ehemaligen Herren und Schutzpatronen der alten Kirche ein ehrenvolles Andenken sichern wollte.

Gute Quellen können versiegen, doch die Erinnerungen an sie bleiben wach. Ob Kronen- ­oder Johanniterstraße, zu ihnen gehörte damals Philipp Arntz, sagen wir besser „Arntz Libbes". Die Parade seiner Fenster lud unumgänglich zu köst­lichem Mittags- und Abendtrunk und ausgedehntem Skat ein. Wohl mancher konnte den „Dreh" nicht finden (das liegt wohl in dem Charakter der „Umgehungsstraße"). „Arntz Libbes" wird unvergesslich in der Erinnerung gemütlicher Männerrunden fortleben. Betrübte und ärgerliche Hausfrauen, heute hochbetagt, werden längst ihren Groll gegen „Libbes" und seine Dauergäste begraben haben.

Da lobt der Abstinenzler das Gegenteil und Gegenüber, „Hansa-Cafe" Ernst Kierdorf, Gaststätte für alkoholfreie Getränke. Hier ging es zweifellos ruhiger zu, ob aber auch fröhlicher? Im Bilde ist „Hansa" kaum zu sehen. Dagegen stellt sich breit und behäbig das ge­pflegte Bürgerhaus von Ernst Gottlieb Hasenclever, Stahlgroßhandlung, in den Vorder­grund. Querstehend im Hintergrund die einstige Wirtschaft von Aßmann, zuletzt Graveur Hermann Gastav Rasch.

Die Spaziergänger des jungen 20. Jahrhunderts kommen im Sonntagsstaat jedem Remscheider Wetter entgegen. Neben dem Vater mit „stiewem Huot" stolziert der Knirps mit Marinejacke, Strohhut und Regenschirm, und es ist kein Bürgersteig so schmal, als dass man nicht zu dreien in kleiner Gesellschaft unter großen, blumenüberladenen Sommerhüten ein Schwätzchen halten könnte. (nach: „Remscheider Bilderbogen“ von Max Eulenhöfer aus dem Jahre 1950)

"Hägener Mühle" geht auf 1579 zurück

Die Hägener Mühle.  Repro: G. SchmidtAm 18. März 1579 erhielt „Peter uffm Hohenhagen“ die Erlaubnis, eine Kornmühle und eine Ölmühle zu errichten. Die Kornmühle ist der Standort der jetzigen Hägener Mühle; sie wurde für die Belange der Lenneper „Außenbürgerschaft“ auf dem Hohenhagen errichtet. Älter waren nur noch die Heintzen-, spätere Tacken- oder Tackermühle am Diepmannsbach, die Hermannsmühle am Walkbach (Diepmannsbach) und die Gerstauer Mühle am Morsbach. 1615 erhielt Peter auf dem Hohenhagen die Erlaubnis, in seiner Mühle zusätzlich ein "Schälgeläuf" für Hafer einzubauen, das aber nur für das Hohenhagener "Hausgesinde" bestimmt sein sollte. Bis 1677 liest man nichts mehr von dieser Mühle, und es wird vermutet, dass sie dem 30jährigen Krieg zum Opfer fiel. 1673 wird Hamman Krasch als Schwiegersohn des Remscheider Kronenwirts Engel vom Hagen als Besitzer der verfallenen Mühle genannt. 1677 wird sie wieder aufgebaut und dann von den Nachkommen Engelbert von Hagen (1653-1727) und Johann Wilhelm von Hagen (1692-1758) als Müller und zugleich Bäcker betrieben.  1787 wird die alte Mühle abgerissen und durch einen Neubau ersetzt, der heute noch steht. Franz Adolf vom Hagen (1743- 1816), war der Erbauer der neuen Mühle. Sein Sohn Ferdinand (1779-1843) entsagte dem Müller- und Bäckerhandwerk, wurde Kaufmann, verkaufte die Mühle, erwarb in Evertsaue an der Wupper ein Hammerwerk und stellte Schlösser her.

1853 wurde die "Hägenermühle am Hägenerbach" von Friedrich Kratz mit einem mächtigen oberschlächtigen Wasserrad von 23 Fuß Höhe versehen. Es nahm  im Inneren der Mühle zwei Stockwerke ein und wurde von dem höhergelegenen Teich durch ein 60 Zentimeter dickes Rohr mit Wasser versorgt. 1861 wird die Mühle als Fruchtmahlmühle von Mühlmann gezählt. 1866 erwirbt der neue Müller Ferdinand Leysieffen die Konzession zur Aufstellung einer Dampfmaschine. 1887 ist ein  Besitzerwechsel vermerkt; ein Emil Hammes ("Müller und Becker") hatte die Mühle übernommen. Er arbeitete bis 1895 in Vollzeit, danach immer weniger, um dann 1901 den Betrieb ganz einzustellen. Bis dahin waren auch nur noch die Knet- und Häckselmaschinen durch Wasserkraft betrieben worden. Danach erfolgte ein großzügiger Umbau der Hägener Mühle in ein Wohnhaus. Der letzte Hammes zog vor vielen Jahren mit seiner Großbäckerei in das Industriegebiet Großhülsberg und produzierte dort weiter. (Aus: Hämmer- und Kottenforschung in Remscheid Herausgegeben von Günther Schmidt Band 4 - Leyerbach, Diepmannsbach, Mückenbach)

Wochenrückblick vom 8 bis 14. Februar 2021

Nahversorgung mit Dreirad und Liewermängken

Mit dem 'Liewermängken' im Hof Morsbach. Sammlung Reifenrath im Historischen Zentrum Remscheid

Die Hofschaft Morsbach wäre keine Hofschaft gewesen, wenn es nicht auch Lebensmittelläden gegeben hätte. Da war zum einen die Milli Diederichs, die mitten im Hof einen Laden hatte, wo man das Wichtigste (auch Schulsachen) erwerben konnte. Lina Wesel in Höhe der Löher Siedlung auf der Morsbacher Straße hatte den zweiten Laden, wo man fast alles Lebensnotwendige kaufen konnte. Ihr kam zugute, dass die Schulkinder der Morsbacher Schule gerne naschten... Als dritter im Bunde ist Gustav Mähler mit seinem Laden zu nennen, der über den Milchverkauf immer größer wurde. Gustav Mähler hatte eine für damalige Zeiten mittelgroße Landwirtschaft. Gerne erinnere ich mich, wie ich mich als Kind im Heu der Scheune tummelte, beim Heueinfahren half, beim Schlachten zusah und hier und da aus dem Wurstkessel naschen durfte.

Mählers Lieferwagen: Ein Dreirad, Marke Tempo Repro von Fritz MählerEs sind auch berühmte Männer aus der Morsbach hervorgegangen: Da ist zum einen der Maler Johann Peter Hasenclever zu nennen, der (den Morsbachern eher als Kloebbe-Haus bekannt) in der Morsbach seine Jugend bis zum 16. Lebensjahr verbrachte, dann in Düsseldorf seine Ausbildung zum Maler begann und später über München, Tirol, Schweiz und Italien seine Karriere vertiefte. Das Historische Zentrum der Stadt Remscheid ist im Besitz von 45 Zeichnungen und Gemälden des Malers. Leider ist Johann Peter Hasenclever mit seinen 43 Jahren viel zu früh gestorben.

Elternhaus des Malers Johann Peter Hasenclever. Sein Vater war Bohrschmied in einem der Morsbacher Hämmer. Foto : im Hist. Zentrum RemscheidEin weiterer berühmter Zeitgenosse war der Mundartdichter und -sänger Caspar Wittkop, der ab dem 12. Lebensjahr im Hof aufgewachsen ist. Mit 14 war er beim Sägenschmied Ferdinand Melchers tätig und lernte das Handwerk des Sägenschmiedes. Zu Fuß wurden damals die fertigen Sägen auf den Stadtkegel zum Kaufmann getragen. Auf diesen Wegen entstand so mancher Reim. Caspar Wittkop liebte die Musik und schloss sich schon früh dem Gesangverein an, der in der Alten Wendung hatte in der Wirtschaft König (Restaurant Waldesheim) sein Domizil hatte. 1910 gründete er den Plattdeutschen Gesangverein "Guot Fröng".  In die Geschichte ging er als Texter und Komponist der "Beeklieder" ein. Hier eines davon:

Die Moaschbecker Jongen van 1880

Die Hohr kot geschoren, die Piepe em Mong Su geng mols för Johren der Moaschbecker Jong, he kangt kienen Kragen, kein Schlips, kienen Huet, en hur Sieden Kappe, die stong em mols guot. En iener Hangk en Schmickelschen, su geng he emmer uht. He geng der Beek herob, on saut die Weiter ob bis owen hur nom Subereg, doch emmer kreuzfidel, bim Tesche Kahl, do kien he en, do liet he sech terdehl. He dronk sech en Kloren, on stock dann es ahn, drob geng he nom Weiten,wohen wor egal. He het die am liefsten, die net kugelrongk, en Fürken em Kenschen, on söß kehngesongkt. He geng dann met dem Schmickelschen, su net der Düren heren on sat sech op die Bank, äs wör he guot bekangt. Dann kom die Frau, on och dat Weit, sie froden hen on her, dat frogen dat huot gar nit op, sie froden krütz die kwer. Wer kalden vam Katen, vam Fusel, vam Bett, van decken Kolraben, van Ferken, vam Speck, van Küehen, van Hippen, van Aeppeln, die müer, mer plenk dann dat Weit an, on wies op die Düer. Mer geng dann met dem Schmickelschen, on seit der Frau geneit, dat Weit et kom herut, su wie et wor Gebruk, die Aul kick dann su af on ahn noch alt es durch dat Retz, mer gof sech dan en fetten Kuß, dann sait et , geneit Fretz. ((Aus „Die Morsbach, Hämmer- und Kottenforschung in Remscheid“ von Günther Schmidt, einem 1999 erschienenen Bildband zum 630-jährigen Bestehen einer der ältesten Remscheider Hofschaften.)

Von den alten Kirmesplätzen in Lennep

von Dr. Wilhelm R. Schmidt

Liebe Lennepfreunde, in diesen Tagen hörte man mal wieder Klagen zum so genannten Kirmesplatz, über den Matsch dort und die ungewisse Zukunft im Blick auch das geplante Lenneper Outlet Center (DOC). Den Matsch dort gab es schon vor ca. 60 Jahren, als junge Liebespaare in der dortigen „Wildnis“ erste Küsse austauschten (das weiß ich natürlich nur vom Hörensagen). Dafür, dass es dort damals feucht und matschig war, lag an den "Drei Teichen" im Eck von Teich- und Röntgenstraße, von denen ich immerhin noch zwei erlebt habe. Am ersten Teich fingen wir in den 1950er Jahren mit einem aus Draht und einem alten Nylonstrumpf gebastelten Kescher Kaulquappen fürs heimische Aquarium, und der zweite wurde dann zur Grünfläche mit Spielplatz, wo nachmittags die Mütter mit ihren Babywagen flanierten, Reste des dritten Teichs im rechten Winkel dazu erblickt man nur auf sehr alten Ansichtskarten des Röntgengymnasiums, immerhin noch aus den 1930er Jahren, als dieser Teich schon teils versandet war.

Viele ältere Lenneper wissen sicher noch, dass die Barackenhäuserzeile längs des späteren Kirmesplatzes, längerfristige Notunterkünfte, nach dem Zweiten Weltkrieg nicht als die „allerbeste Wohngegend“ von Lenneps galt. Die Schüler des Röntgengymnasiums, die dort damals in den Ferien die Post austrugen, erlebten eine Nachkriegswelt, die sie von zuhause und aus der Schule nicht kannten.

Der hier kurz skizzierte Kirmesplatz, an dem auch ich mit meinen Eltern die erste echt Thüringer Bratwurst verzehrte, war durchaus nicht der erste in Lennep. Zuvor wurde nämlich die Kirmes auf dem Jahnplatz, dem vormaligen Kaiser-Friedrich-Platz, abgehalten, wo auch der Zirkus turnusmäßig seine Gastspiele anbot. Auch ich ging in den 1950er Jahren mit meiner Oma dorthin. Und insbesondere der Türkische Honig und die Zuckerwatte kommen mir da in den Sinn. Auf- und Abbau des großen Zirkuszeltes und das Herumführen der Tiere waren für uns Kinder auch außerhalb der Vorstellungen eine willkommene Abwechslung. An das Problem einer artgerechten Tierhaltung dachten wir damals noch nicht.

Unser zweites Foto zeigt ein Karussell bei einer Kirmes auf dem Jahnplatz in den1930er Jahre. Ein kleineres Karussell mit Gondeln unter Zeppelinattrappen, die einen großen Globus umkreisten. Der Graf Zeppelin war damals in aller Munde, und das nach ihm benannte Luftschiff wurde selbstverständlich auch über Lennep fotografiert. Und auf dem Jahnplatz dann die kleinere Ausgabe? Na ja, für Lennep war auch diese Version schon ganz schön groß! Das gut lesbare Firmenschild nennt "Hugo Haase – Hannover“. Im Internet erfährt man dazu heutzutage, dass Hugo Haase (1857-1922) ein erfolgreicher und berühmter deutscher Karussellbauer war. Er habe in den Jahrzehnten um 1900 die Vergnügungsindustrie auf den Jahrmärkten ganz Mitteleuropas revolutioniert und gelte als Schöpfer von Attraktionen bei Karussells, Autoscootern und  Achterbahnen. Seine größeren Produkte standen u.a. in München, Leipzig, New York, Osaka und Tokyo. Und manchmal halt auch in in Lennep .