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Der Remscheider Hauptbahnhof, wie er früher aussah

Nebenstehend ein Bild aus alten Tagen: Der Remscheider Hauptbahnhof im Winter. Zusammen mit zahlreichen anderen Fotos diverser anderer Züge findet es sich wieder auf einer Seite von www.bahnen-wuppertal.de, die speziell der Eisenbahnstrecke von Wuppertal über Remscheid nach Solingen gewidmet ist.

Insgesamt ist die Foto- und Infosite eine Fundgrube  für alle Freunde der Eisenbahnen und des schienengebundenen Nahverkehrs im Bergischen. Sie wird von einem Arbeitskreis von Bahnkennern permanent ausgebaut, mit einer großen Fülle von Fotos und exakten Informationen zur Geschichte der ehemaligen Bundesbahndirektion Wuppertal. Zu sehen auf den historischen Fotos ist auch die Umgebung der Züge, Lokomotiven und Waggons, Bahnhöfe, Tunnel und Brücken.

Januar 2009: Der Waterbölles blättert zurück

Am 25. Oktober 2007 hatte der Rat der Stadt beschlossen, zum nächstmöglichen Zeitpunkt die Bücherei Lüttringhausen zu schließen. Doch im Januar 2009 kam die W.i.R.-Fraktion mit dem Vorschlag heraus, die geplante Einsparung in Höhe von 115.000 Euro/Jahr (103.000 Euro Personalkosten + 12.000 Euro Miete) durch andere Einsparungsmaßnahmen zu erwirtschaften so die Außenstelle zu erhalten, etwa durch bürgerliches Engagement der „Lütteraten“. So konnte die Stadtbücherei schließlich gerettet werden.

Eine neue Autobahn-Raststätte in der Nähe von Burscheid machte vor zehn Jahren Schlagzeilen. Damit die Autobahnraststätte Remscheid bestehen bleibe, müssten sich Verwaltung und Politik gemeinsam ins Zeug legen, hatte Stadtplaner Hans Gerd Sonnenschein bereits im Oktober 2007 betont. Merke: Der Landesbetrieb Straßenbau NRW suchte immer noch nach einem Gelände für einen neuen Rastplatz, speziell für Lkw. Denn aus der Tank- und Raststätte zwischen Leverkusen und Burscheid (Geilenbach/Oberlanscheid) wurde nichts.

Einen interessanten Beitrag zur Geschichte des Bahnhofs in Lennep schrieb im Januar 2009 der Lenneper Heimatforscher Wilhelm R. Schmidt für den Waterbölles. Am 1. September 1868 war die Teilstrecke der Bergisch-Märkischen Eisenbahn von Barmen-Rittershausen über Ronsdorf, Lüttringhausen und Lennep nach Remscheid in Betrieb genommen worden.

Im Januar 2009 wurde bekannt, dass die drei katholischen Pfarreien St. Andreas in Bergisch Born, St. Bonaventura in Lennep und Hl. Kreuz in Lüttringhausen zum 1.1.2010 zu fusionieren beabsichtigen und fortan den Doppelnamen „St. Bonaventura - Hl. Kreuz“ tragen werden. Und so geschah es denn auch. Von den 116.263 Einwohnern Remscheids war vor zehn Jahren jeder vierte (27.582) katholisch.

Zu einem Brand in der Hauptgeschäftsstelle der Stadtsparkasse wurde die Berufsfeuerwehr am 5. Januar 2009 gerufen. Bei Arbeiten mit einem Trennschneidgerät an Keller in Brand gesetzt einem Abfallschacht im 5. Obergeschoss hatte sich im Keller Papierabfall entzündet. Der Rauch dieses Feuers durchzog nahezu alle Etagen. Der Abfallschacht wurde von oben mit Schaum befüllt und das Papier im Keller so gelöscht.

Sein 30-jähriges Bestehen war dem Remscheider Behindertenbeirat im Januar 2009 eine Feier mit Gästen aus Politik, Verwaltung und Sozial- und Behindertenorganisationen. Bestandteil des Festaktes mit Flötengruppe der Lebenshilfe und Rollstuhltanzkreis war ein „Markt der Möglichkeiten“, an dem mehr als 20 Sozial- und Selbsthilfegruppen teilnahmen.

Dass sich der städtische Migrationsausschuss als Problemlöser verstehe, betonte im Januar 2009 der Vorsitzende Luigi Costanzo. Der „Ausschusses für Migrationsfragen“, so damals der offizielle Name, wolle den Dialog mit den Zuwandererfamilien und den Vereinen in den Stadtteilen intensivieren, kündigte er an. Insbesondere wolle er auf die Migrantenvereine zugehen. Auch den Umbau der Stadtteile mit hohem Migrantenanteil wolle der Ausschuss begleiten und fördern. Der Migrationsausschuss verstehe sich sowohl als politischer Ausschuss als auch als Kümmerer, als „Problementdecker und -löser“, betonten damals die Ausschussmitglieder Waltraud Bodenstedt (WiR) und Regine Frielingsdorf (FDP).

Als absurd bezeichnet im Januar 2009 die Fraktionssprecherin der Remscheider Grünen, Beatrice Schlieper, die Vorstellung von Ministerpräsident Rüttgers (CDU), Konjunkturhilfen nur für noch nicht geplante Projekte bereitzustellen. „Gerade Remscheid kann dieses Geld gut gebrauchen: für energetische Gebäudesanierung, für das Gewerbegebiet Remscheid-Lennep, für die Schulen, zur Verbesserung der Infrastruktur – also für die Verwirklichung geplanter Projekte, die auf der Prioritätenliste stehen und die bislang unter der prekären Finanzlage litten. Keinen Sinn macht es dagegen, „neue Projekte eigens für das Konjunkturpaket zu ersinnen“, empört sich die grüne Kommunalpolitikerin. „Wer solches fordert, sorgt letztlich dafür, dass die Kommunen ins Schwarzbuch des Bundes der Steuerzahler kommen. Um es auf den Punkt zu bringen: Die Sanierung der Schulen wird nicht gefördert, dafür absurde Ideen wie etwa eine Skihalle auf dem Hohenhagen.“

Ein Abbruchbagger wühlt sich im Januar 2009 in das alte Konsum-Gemäuer am Rosenhügel. Das Gebäude der Remscheider Genossenschaft „Einigkeit“ diente früher als Verkaufsraum, Lager und Versammlungssaal; es stand seit 15 Jahren leer. Eine weitere Aufwertung durch einen Drogeriemarkt erfuhr vor zehn Jahren die Königstraße in Hasten: Zwischen dem ehemaligen Discounter „Komet“ und der Zufahrt zum Parkplatz eines Getränkemarkts und der beiden Discounter von Lidl und Edeka wurde damals mit dem Bau eines „DM-Drogeriemarkt. Apotheker Günter Stromann sah darin allerdings keine Standortsicherung des örtlichen Einzelhandels. Der Grundstücksvermieter hatte sich gegen ihn und für DM entschieden. Stadtplaner Hans Gerd Sonnenschein machte damals klar: „Wenn dann Verdrängungswettbewerb stattfindet, ist das freie Marktwirtschaft!“

Einer Fälscherbande kam die Polizei im Januar 2009 bei einer Durchsuchungsaktion mit 60 Polizeibeamten in 18 Objekten in Remscheid (15), Hagen, Willich und Duisburg (jeweils 1) auf die Schliche. Dabei wurde u.a. in Remscheid eine „Fälscherwerkstatt“ gefunden, in der vorwiegend italienische Ausweispapiere hergestellt worden waren. Die 16 Mitglieder der Bande sollen die gefälschten Ausweise für Kaufverträge über Elektroartikel und Haushaltsgeräte genutzt haben bzw. zur Einrichtung von Bankkonten mit EC-Karten.

Dass die Verbindungsstraße zwischen der Papenberger Straße und der Bismarckstraße nach der slowakischen Partnerstadt Prešov benannt wird, entschied im Januar 2009 der Hauptausschuss.

Blausensen verhalfen Sensen-Industrie zu letzter Blüte (II)

Haus Halbach in Müngsten, links der Wohnsitz, rechts das Geschäftshaus der Firma Johann u. Caspar Halbach u. Söhne. Foto: Schmidt.Teil II

Die steirischen Sensen verdankten ihren Ruf in erster Linie dem ausgezeichneten Stahl, der dort zur Verwendung gelangte. Die Materialfrage spielte auch für die Bergischen Betriebe die Hauptrolle, und es ist deshalb kein Zufall, dass Gottlieb Halbach in Müngsten. der als Erzeuger eines vorzüglichen Stahles bekannt war, auch in der neuen Fabrikation zuerst zu einem befriedigenden Ergebnis gelangte. Während er sich noch mit einzelnen gepachteten und für die Sensenfabrikation eingerichteten Hämmern behalf, baute sein Sohn Johann Arnold im Jahre 1772 das erste zusammenhängende Sensenwerk. Viele Tausende von Stahlsensen sind hier im Laufe der folgenden Jahrzehnte, nicht weit von den Stätten entfernt, wo die Cronenberger ihre ersten Versuche machten, geschmiedet und in den noch vorhandenen Packräumen zum Versand fertig gemacht worden. Holzschnitzereien an der Haustür des ehemaligen Halbachschen Hauses mit ihren gekreuzten Sensen er­innern noch heute an die einst so blühende und lohnende Industrie.

Im Jahre 1804 waren nach den Angaben Eversmanns vier Blausensenfabriken im Bergischen vorhanden: 1. das Werk des Johann Arnold Halbach zu Müngsten, 2. die Gründerhämmer der Gebrüder Busch zu Remscheid, 3. die „Buschhämmer" an der Wupper oberhalb Beyenburg, Peter Busch sei. Witwe und Söhnen gehörig, und 4. die Sensenhämmer von Johann Bernhard Hasenclever und Söhnen zu Ehringhausen. Die letzteren hatten eine Reihe von früheren Stahl- und Eisenreckhämmern am Eschbach und dem untern Lobach in den Dienst der Sensenerzeugung gestellt.

Schon am 25. Juli 1778, also sechs Jahre nach Einrichtung des Müngstener Sensenwerkes, schrieb Johann Wilhelm Habernickel als Vertreter der Remscheider Kaufleute und Fabrikanten: „Die schwarzen Sensenfabriken, deren Einführung uns mit Verwerfung der zur Unterdrückung derselben so hartnäckig als widerrechtlich verfochtenen Monopoliengesuchen der auf weiße Sensen privilegierten Sensenschmiede und Schleifer im Jahre 177O nach vieljähriger Bemühung und erstatteter Relation des Handwerkskommissars erlaubt worden ist, haben wir schon binnen dieser kurzen Zeit von sieben Jahren bei der genossenen Freiheit in solche Aufnahme und solchen Flor gebracht, dass deren allein im Kirchspiel Remscheid an zweimal hunderttausend jährlich verfertigt werden und die gegründetste Hoffnung vorhanden ist, dass daselbst binnen zehn bis zwölf Jahren sechs- bis achtmal hunderttausend Stück werden gemacht werden."

Portal des Hauses Halbach in Müngsten mit gekreuzten Sensen in den Holzschnitzereien der Türfüllungen, erbaut von Johann Arnold Halbach (1745-1825), dem Besitzer des dortigen Blausensen-Werkes. Foto: Schmidt.

Nach der Schätzung Eversmanns war die Zahl der im Bergischen erzeugten Stahlsensen im Jahre 1804 ungefähr dreimal so groß als in der Grafschaft Mark. So bietet das Werden und überraschend schnelle Aufblühen der Bergischen Blausensenfabrikation eins der bemerkenswertesten Beispiele für die Ablösung alter absterbender Gewerbe durch neue lebenskräftige Industrien. Die Erklärung ist wohl in erster Linie darin zu suchen, dass auf Grund mehrhundertjähriger Erfahrungen in der Stahlerzeugung und -bearbeitung die besten Vorbedingungen für das Gelingen des Versuchs vorhanden waren. Zweifellos sind auch in dem Müngstener Werk außer den erkundeten Kunstgriffen des steirischen Sensenhandwerks die von den Cronenberger Meistern gesammelten Erfahrungen verwertet worden.

Die Vorzüge der Stahlsensen gegen die aus Eisen mit Stahleinlage bestehenden Weißsensen waren verschiedener Art. Vor allem konnten die aus reinem Stahl gefertigten Sensen infolge der Elastizität ihres Blattes dünner und leichter ausgeschmiedet werden. Sie fuhren deshalb beim Schnitt besser durch die Halme hindurch als die plumperen Eisensensen. Dazu waren die Stahlsensen im Gebrauch von bedeutend längerer Dauer, weil das Blatt fast bis zum Rücken abgenutzt werden kann, während die eisenverstählten Sensen nur soweit schnittfähig sind, als das nur ein Zentimeter breite Stahlplättchen reicht. Ist dieses abgeschlissen, so ist das Werkzeug wertlos und kann zum alten Eisen geworfen werden, weil es nicht mehr schneidet.

Wie wir bereits sahen, wandten sich die Stahlsensenfabrikanten, die der Reihe nach zu den alteinheimischen Hammerwerksbesitzern gehörten, sofort dem mechanischen Betriebe zu. Hatte doch die Geschichte des Sensenhandwerks den Beweis geliefert, dass nur auf diesem Wege noch der Wettbewerb mit anderen Gegenden aufzunehmen war. Die Sensenwerke der Busch, Halbach und Hasenclever verfügten über drei verschiedene Arten von Hämmern, die als Reck-, Breit- und Klipperhämmer unterschieden wurden. Unterm Reckhammer wurde der Stahlstab derart bearbeitet, dass Schneide und Rücken der werdenden Sense erkennbar und die der Befestigung dienenden Teile schon im Rohen vorhanden waren. Die „Hamme", das Verbindungsstück zwischen Sensenblatt und Stil und der „Bart", d. i. die Verbreiterung am Ende des Blattes, traten nach dem Recken schon deutlich hervor. Nachdem das Werkstück wieder erhitzt worden war, wanderte es unter den Breit­hammer, der das Ausschlagen des Blattes besorgte. Da der Sattel des Breithammers den Amboss nicht gleichmäßig berührt, sondern einen keilförmigen Abstand lässt, so erhielt das Sensenblatt hier die erforderliche Verdünnung nach der Schneide hin. Sowohl das Recken als das Breiten erforderte eine große Geschicklichkeit. Mit scharfem Blick und sicherer Hand musste der Schmied das Werkstück bald der Länge nach, bald quer in den verschiedenen Richtungen unter den Hammer bringen, wobei ein verfehlter Schlag alles verderben konnte.

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Wochenrückblick vom 14. bis 20. Januar 2019

 

Blausensen verhalfen Sensen-Industrie zu letzter Blüte (I)

Alte Gasse im Ortsteil Büchel. Zu beiden Seiten die eigenwillig und regellos zusammengeschachtelten Wohnungen und Werkstätten der Kleinschmiede. Im Hintergrund ein stattliches Kaufmannshaus, erbaut von Engelbert Luckhaus 1765. Foto: Schmidt.Teil I

Durch die Fabrikation von so genannten Blausensen sollte die Sensen-Industrie im Bergischen nochmals zu einer kurzen Blüte kommen. Aus der Verordnung des Kurfürsten Johann Wilhelm vom 20. März 1709 geht hervor, dass damals schon sogenannte Klopfsensen, das sind Stahlsensen, aus andern Gegenden bei uns eingeführt wurden. Da dieselben sich großer Beliebtheit erfreuten, gaben sich einige der Bergischen Sensenschmiede die größte Mühe, hinter das Geheimnis ihrer Herstellung zu kommen. Es sind also schon vor 1750, namentlich in Cronenberg, Versuche mit dieser neuen Fabrikation gemacht worden, die allerdings durch die Eifersucht der Schleifer und wahrscheinlich auch durch den Mangel an Mitteln stark behindert wurden. Im Jahre 1763 ließ die Düsseldorfer Regierung eine Erhebung darüber anstellen, ob und in welchem Umfange schwarze Sensen in den Ämtern Elberfeld, Bornefeld und Beyenburg hergestellt worden seien. Aus den verschiedenen Berichten geht hervor, dass einzelne Schmieden erhebliche Mengen von Stahlsensen geliefert hatten. In den Jahren 1750 bis 1752 waren 2.242 Stück für die Gebrüder Busch hergestellt worden. Peter Brink hatte im Jahre 1752 500 Stück, Johann Putsch 663 Stück anfertigen lassen, und die Gebrüder Brink versandten in den Jahren 1752 und 1753 1.500 Stück. Auch Johann Tilmans, Johann Ernenputsch, Engel Caspers, Kasper Hahn, Johann Rodt und Clemens Friedrichs, sämtlich in Cronenberg, werden als Hersteller von schwarzen Sensen genannt. Johann Rodt auf dem Sudberg und Clemens Friedrichs in der Kohlfurt sind an anderer Stelle ebanfalls als Erzeuger von schwarzen Sensen urkundlich erwiesen.

Hatte man sich in Düsseldorf vor lauter Erwägungen und Bedenken nicht zu einem Entschluss aufraffen können, so kam nun ein frischer Zug in den Gang der Verhandlungen. Trotz aller Proteste der um ihr Monopol besorgten Schleifer sollte jetzt der Versuch gemacht werden, an die Stelle der veralteten Weißsensenherstellung die Erzeugung der Stahlsensen zu setzen, um der Gewerbetätigkeit wieder aufzuhelfen. Natürlich interessierte man sich in Düsseldorf am meisten für die Frage, ob die bisher heimlicherweise und im Gegensatz zu den Handwerksbestimmungen gefertigten blauen oder schwarzen Sensen sich auf den verschiedenen Märkten als wettbewerbsfähig erwiesen hatten. Man veranlasste deshalb die betreffenden Kaufleute zu einer Äußerung, „ob die schwarzen Sensen so gut als die Steiermärker und Schmalkalder gewesen". (…) Aus den verschiedenen Antworten geht hervor, dass die Cronenberger Sensenschmiede sich eifrig bemüht hatten, die Ge­heimnisse der steierischen Sensen zu ergründen, dass sie aber bis zum Jahre 1763 noch nicht zur „Perfektion", d. h. zur Erzielung einer einwandfreien Ware gelangt waren. (… Zweifellos war aber eine ganze Reihe schätzenswerter Vorarbeiten vorhanden, als sich im Jahre 1769 zahlreiche Remscheider, Cronenberger und Lüttringhauser Kaufleute vereinigten, um die Stahlsensenerzeugung leistungs- und wettbewerbsfähig zu machen. Unter dem Vorsitz des Geheimrats von Buininck fanden sich folgende Kaufleute und Besitzer von Stahlhämmern zur Beratung ein: Johann Peter Hilger, Johann Peter Hasenclever, Peter Busch, Johann Müller für sich und namens Johann Busch, Wittib und Söhne, Gebrüder Honsberg, Peter Johann Arnold Clarenbach, Gebrüder Hilger, Johann Peter Hasenclever in Remscheid, Arnold Hasenclever, Peter Hasenclever, Ehringhausen, Johann Peter Bünger, Cronenberg, Gebrüder Müller jun., Luther Mannes, Johann Graber, Goldenberg, Johann Hasenclever und Söhne, Wilhelm Hasenclever und Söhne, Gebrüder von den Steinen, Johann und Caspar Halbach und Söhne, Johann Hasenclever, Peter Christoph Knipping, Johann Müller, Johann Dietrich Corras, Friedrich Caspar Herbertz, Wilhelm Grund, Gottfried Frantzen Wittib und Söhne, Peter Reinshagen und Gebrüder Berger.

Sie erklärten sich sämtlich bereit, „an der einzuführenden schwarzen Sensenfabrique" teilzunehmen. Es wurde als notwendig erachtet, ein Kapital von 1500 Reichstalern zusammen zu bringen. Dann sollten einige Kaufleute versuchen, in der Steiermark Meister zu werben, die die schwarzen Sensen zu machen verständen. Diese Leute sollten dann die einheimischen Meister und „Fabrikanten" mit den Geheimnissen der steirischen Sensenherstellung bekannt machen. (Schließlich gelang es, den Märkischen Sensenschmied Karl Röntgen nach Remscheid zu ziehen und mit seiner Hilfe das Müngstener Sensenwerk in Gang zu bringen. Letzterer soll einem österreichischen Soldaten, der nach dem Siebenjährigen Kriege in der Mark zurückgeblieben war, das Geheimnis der Stahlsensenbereitung abgelauscht haben. Auch ein sächsischer Bergmann namens Schildbach, wahrscheinlich derselbe, der im Jahre 1765 sich in dem Reinshagener Bergwerk des Jacob Grothaus und der Gebrüder Busch als Steiger betätigte, wird als Mithelfer genannt.)

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Als die Sensenschmiede ins Märkische abwanderten (Teil II)

Das oberste Werk am Clemenshammer im Besitz von August Rottsieper. Foto: Schmidt. Ein ‚Clemens aus dem Hammer‘ war dort schon um die Mitte des 16. Jahrhunderts tätig. Foto: Schmidt.Teil II

Wie man in jener kritischen Zeit den Wettbewerb der Märkischen Sensenhändler mit allen Mitteln zu bekämpfen versuchte, beweist eine Mitteilung aus dem Jahre 1671. Danach hatten einige Bewohner des Herzogtums Berg durch Vermittlung eines Lübecker Kaufmanns mit der dänischen Regierung ein Abkommen getroffen, dass die Märkischen Sensen in Dänemark mit einem besonderen Zoll belegt werden sollten. Im Jahre 1679 kam es in Cronenberg zu einer erregten Sitzung. Als die Vertreter der alten Richtung wieder das allgemeine Verbot des Hammerschmiedens beantragten und auch eine Mehrheit dafür fanden, erhob sich ein solcher Sturm des Unwillens, dass der Beschluss noch in derselben Sitzung umgestoßen wurde und man sich zu einer Milderung herbeiließ. Die schweren Strohmesser von sechs bis sieben Pfund und die holländischen Schneidmesser von vier Pfund sollten den Sensenhämmern zugewiesen werden. Dieser Beschluss wurde 1683 bestätigt, und in den folgenden Jahren kam man den Besitzern der Sensenhämmer noch weiter entgegen. Eine Verhandlung im Jahre 1700 führte zu dem Ergebnis, dass sämtliche Sorten von Sensen, Sichten und Strohmessern von 3,25 Pfund an aufwärts in den Wasserhämmern geschmiedet werden durften, während die kleineren Sorten ausschließlich den Handschmieden verbleiben sollten.

Dann gab es wieder einen Rückschlag. Im Jahre 1708 überreichten die Sensenschmiede Peter Hartkop, Peter Rodt, Peter Tilmans, Peter Ernenputsch und Peter Hartkop, der Jüngere, eine Bittschrift, dass man das Ausschmieden aller nach Ostland gehenden Sensen und Schneidmesser, also auch der leichteren Sorten, unter dem Wasserhammer gestatten möge. Zur Begründung führten sie aus, dass im Märkischen zwei Leute unter dem Hammer täglich 30 bis 40 Stück und, wenn sie wollten, noch mehr schmieden könnten, während hier drei Leute unter der Hand nur zehn bis elf Stück fertig brächten. Ferner wiesen sie noch auf die Vorteile hin, die die Mär­kischen Schmiede in der besseren Verbindung mit den Ostländern, in dem wohlfeileren Kohlen- und Materialbezug und den geringeren Zöllen genössen. Der Beschluss fiel aber nicht im Sinne der Antragsteller aus. Nur die nach Ostland gehenden Sensen und Schneidmesser von 3,25 Pfund und darüber sollten den Sensenhämmern zustehen; alle leichteren ostländischen Waren und sämtliche nach Holland, Brabant, Frankreich usw. gehenden Güter aber durften nur von den Handschmieden angefertigt werden.

Im Jahre 1713 hatten die Inhaber der Sensenhämmer insofern einen weiteren Erfolg zu verzeichnen, als den Handschmieden nur noch das „kleine Gut", nämlich die kleinen laländischen Sensen sowie die nach den Westländern gehenden kleinen Sensen und Sichten ausschließlich zugebilligt wurden, alle anderen Güter, also auch die für den Westen bestimmten größeren Sorten aber auch in den Sensenhämmern bearbeitet werden durften.

Endlich, im Jahre 1715, hatten sich die Handwerksvertreter zu der Erkenntnis durchgerungen, dass ein weiterer Widerstand gegen die Neuerungen vergeblich und für die Entwicklung des Sensenhandwerks äußerst schädlich war. Ja, sie fühlten sich sogar bewogen, die Handwerksgenossen zur Errichtung von Sensenhämmern zu ermuntern und ihnen die Heranziehung tüchtiger Kräfte aus dem Märkischen zu empfehlen. Es sollte sogar der Versuch gemacht werden, ausgewanderte Sensenschmiede, also die eidbrüchigen ehemaligen Handwerksgenossen aus dem Märkischen zurückzuberufen, damit sie die Bergischen Schmiede in ihre Kunst einweihen sollten. Diese Beschlüsse sind den alten Sensenschmieden sicher nicht leicht geworden. Manche unter ihnen standen grollend beiseite. Doch nach dem hoffnungsvollen Frühlingswehen folgte auch noch ein Rückschlag. Im Jahre 1736 hatten die Vertreter der alten Richtung wieder die Oberhand gewonnen und setzten den Beschluss durch, dass das kleine Gut in den Handschmieden verfertigt werden sollte. Allerdings hatte man die Grenze von 3,25 auf 2,25 Pfund herabgesetzt. Zur Begründung wurde angeführt, dass die alten Schmiede nicht brotlos gemacht und zur Abkehr vom Handwerk gezwungen werden sollten.

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Als die Sensenschmiede ins Märkische abwanderten (Teil I)

Der Ortsteil Büchel, Beispiel einer alten Bergischen 'Industrie'-Siedlung. Die Wohnungen und Werkstätten der Schmiede scharen sich um die Handelshäuser der Kaufleute. Photo: Schmidt

Teil I

Trotz der Schaffung einer straffen Zunftordnung erwuchs den Bergischen Sensenherstellern in der benachbarten Mark ein gefährlicher Konkurrent, und im 18. Jahrhundert gelang es diesem tatsächlich, das Gewerbe zu sich hinüberzuziehen. Die Frage, ob das Bergische oder das Märkische Sensenhandwerk zuerst bestanden hat, ist noch unentschieden und wird es bei dem Mangel älterer Urkunden auch wohl bleiben. Die Zollrollen der Hansa werden sowohl für Berg als auch für die Mark als Beweis herangezogen, dass an beiden Stellen schon im 13. Jahrhundert Sensen gefertigt wurden. Als Berg und Mark (das Herzogtum Berg erhielt seinen Namen von der Burg „Berg" a. d. Dhünn, die Grafschaft Mark von der Burg „Mark" bei Hamm in Westfalen) nach 1521 unter einem Herrscher vereinigt waren, lag kein Grund vor, die gegenseitigen Beziehungen dieser alten Gewerbe, die unzweifelhaft vorhanden waren, zu unterbinden. Das Verhältnis änderte sich aber, als nach dem Aussterben des Bergischen Herrschergeschlechts im Jahre 1609 der Jülich-Clevische Erbfolgestreit einsetzte und durch den Vergleich zu Xanten (1614) das Gebiet der Mark an die Hohenzollern, das Bergische Land aber an die Pfälzer fiel. Das Privileg der Bergischen Sensenschmiede und -Schleifer rührt zwar noch aus der Zeit Johann Wilhelms des Ersten her; aber seine Schutzbestimmungen kamen erst voll und ganz zur Geltung zur Zeit des Großen Kurfürsten, der das Märkische Gewerbe durch Heranziehung tüchtiger Kräfte aus den Nachbarländern zu fördern suchte. So berief er die Hammerschmiede Bertram und Ibach aus der Remscheider Gegend nach der Mark, und im Mai 1661 schloss er einen Vertrag mit dem Solinger Klingenschmied Friedrich Engels, der sich in Eilpe bei Hagen niederließ. Durch Gewährung von zahlreichen Vergünstigungen - Zoll- und Steuerfreiheit für fünf Jahre, Zehntfreiheit für Kohlen, Anweisung von Hausplätzen, Hergabe von Bauholz usw. - wurden noch andere Klingenschmiede herbeigezogen.

Dass auch Bergische Sensenschmiede und -Schleifer sich durch die günstigen Angebote verlocken ließen, ihren „Verbleibungseid" zu brechen und ins Märkische abzuwandern, ist ebenfalls erwiesen. So wird berichtet, dass Peter, Heintges Sohn am Berg (bei Cronenberg) im Jahre 1615 „außerhalb des hiesigen Handwerks dem Schultheißen auf der Volme" verbotenerweise Sensen geschliffen hatte. Es wurden also zu Anfang des 17. Jahrhunderts im Volmetal Sensen geschmiedet, und es kam vor, dass Bergische Schleifer trotz der angedrohten Strafen ihre Handwerksgeheimnisse der Märkischen Industrie preisgaben.

Im Jahre 1618 beschloss das Cronenberger Handwerksgericht, „der ausgewichenen Schmiede wegen" keine bestimmte Zahl der Warenerzeugung vorzuschreiben, sondern den Schmieden anheimzustellen, so viele Waren anzufertigen, als sie abzusetzen vermöchten. Wir erfahren zwar nicht, wohin die Bergischen Sensenschmiede ausgewandert sind, aber es ist anzunehmen, dass sie sich meistens ins benachbarte Gebiet der Mark begeben haben, wo sie von allen zünftischen Bindungen befreit waren und so viele Güter herstellen durften als ihnen beliebte.

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Wochenrückblick vom 7. bis 13. Januar 2019

 

Der Vertrieb der Sensen war klar geregelt (Teil II)

Blick über die Häuser von Engelskotten zum Gockelshammer. Man erkennt den Bachverlauf und den Abzweig zum Obergraben Gockelshammer (links).Vorne rechts die Bärenkuhle.

Teil II

Wie die Produktion, so war auch der Vertrieb der Sensen durch die Bestimmungen des Privilegiums und zahlreicher Gerichtsbeschlüsse genau geregelt. Das Wintergut durfte nicht vor dem vom Handwerksvorstand bestimmten Zeitpunkt ausgeführt werden. Es war die Aufgabe des Handwerksboten, die Ausfuhrtermine recht­zeitig bekannt zu machen. Als im Jahre 1611 dieserhalb Streitigkeiten entstanden, musste sich der Zunftbote Hamman im Dahl verantworten, ob er seiner Verpflichtung nachgekommen sei. Nach seinem Bericht hatte er am 17. April ausgerufen, „dass das dänische und lübsche Gut zuerst auf Maitag und das letzte zu Pfingsten" aus­zuführen sei. Für die „brabändischen" und „holländischen" Waren waren die Ausfuhrzeiten früher angesetzt und kürzer bemessen, jedenfalls aus dem Grunde, weil im Westen die Heu- und Getreideernte eher eintritt als in den nördlichen und östlichen Gegenden. Die ersten nach Brabant bestimmten Waren sollten nämlich auf „Maitag" und die letzten 14 Tage darnach, die ersten holländischen Güter 12 Tage vor dem ersten Mai und die letzten zwei Tage nach demselben hinausgehen, so dass die gesamten Waren dieser Art innerhalb 14 Tagen versandt waren.

Um 1700 wurde der Absatz der Bergischen Sensen immer schwieriger. Wir hören viele Klagen der Kaufleute über den Rückgang des Handels, über den scharfen Wettbewerb der Märkischen Kaufleute, namentlich aber über die lästigen Vorschriften, die ihnen nur den Handel nach bestimmten Ländern erlaubten. Im Jahre 1712 stellten die Kaufleute beim Handwerksgericht den Antrag, ihnen freizustellen, wo und wie sie am besten ihre Waren vertreiben könnten, was ihnen dann auch „aus erheblichen Ursachen" zugestanden wurde. Trotzdem haben sich in der Folgezeit nur noch einzelne Kaufleute und dann meist unter heftigem Widerstreben in die Sensenzunft aufnehmen lassen. Gördt und Herbert Kraus weigerten sich im Jahre 1722, den Kaufmannseid zu leisten. Sie wurden darauf vom Handwerk gänzlich ausgeschlossen, unter der Androhung, dass sie bestraft werden sollten, „falls sie beim Handel mit fremden und ausländischen Sensen und sonstigen privilegierten schneidbaren Waren in den Jülich'schen und Bergischen Landen angetroffen würden." Vier Jahre später ließen sie sich dann notgedrungen aufnehmen. Auch Johann und Peter Melchers in der Morsbach, die mit Sensen handelten, mussten unter Strafandrohungen zur Eidesleistung gezwungen werden (1726 und 1729). Man legte offenbar in den Kreisen der Kaufmannschaft kein Gewicht mehr darauf, engere Bindungen mit dem Sensenhandwerk einzugehen, weil man sich in der Hauptsache bereits dem Vertrieb von Kleinschmiedewaren zugewandt hatte.

Über die Preise der im Sensenhandwerk gefertigten Waren finden wir nur eine einzige Angabe aus dem Jahre 1650. Damals war es vorgekommen, dass einige „Sommerhändler" die selbstgeschmiedeten Waren auf den Jahrmärkten billiger verkauft hatten als die Kaufleute. Deshalb wurde bestimmt, dass diejenigen, „die ihre Güter selbst zu Markte führten", sie nicht unter den vereinbarten Handelspreisen abgeben dürften. (…)

Nach einem Verzeichnis vom Jahre 1604 handelten die Remscheider Sensenkaufleute teils nach Holland, teils nach Brabant, während die Cronenberger und Lüttringhauser meist nach Brabant und die Solinger nach Lübeck und Dänemark die Sensenausfuhr betrieben. Es bestand also auch hier eine gewisse Arbeitseinteilung, so dass die einzelnen Gruppen in der Lage waren, sich mit den besonderen Verhältnissen ihrer Absatzgebiete gründlich vertraut zu machen. Obgleich mit diesem System auch noch eine Ersparnis an Geschäftsunkosten verbunden war, so wurde es doch später von den Beteiligten als recht drückend empfunden, so dass gerade aus den Reihen der zünftigen Sensenkaufleute einige eifrige Streiter für die neuzeitliche Idee des freien Handels hervorgingen.

Die Zahl der an der Sensenzunft beteiligten Kaufmannsgeschlechter erscheint größer, als sie in Wirklichkeit ist, weil die Namen wechseln und häufig verschiedene Namen ein- und dieselbe Familie bezeichnen. So ist Peter Arndts auf dem Westen zweifellos ein Sohn des schon 1600 genannten Amt auf dem Westen. Peter auf dem Westen (1695) dürfte derselben Familie angehören. Wie sich hier auf dem einsamen Hof die Namen verwandelten, geht aus der Bezeichnung des Peter Westen als „Johann Zensis von dem Westen Sohn" hervor (1695). Die „Grote" und „de Grote" auf dem Büchel, ein uraltes Remscheider Schmiede- und Kaufmannsgeschlecht, dürfen wir ebenfalls als eine Familie ansprechen.

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Als im Bergischen die Schleifer die Schmiede verdrängten

Der Brucher Kotten bei Müngsten im unteren Morsbachtal. Besitzer war der Schleifermeister Julius Picard auf dem Sudberg bei Cronenberg. Zwei Schleifkotten im ‚Pickerts-Bruch‘ werden schon 1598 genannt. Später standen dort drei Kotten, von denen der Brucher Kotten übrig geblieben ist. Foto: SchmidtZu ihrer Fertigstellung bedurften die geschmiedeten Waren des Schliffs. Deshalb spielten die Schleifer eine wichtige Rolle innerhalb der Sensenzunft. Weil man sich früher die Entstehung und die schnelle Entwicklung der Industrie in den abgelegenen Tälern des Bergischen Landes schlecht erklären konnte, hat man versucht, die Einwanderung des Eisengewerbes oder wenigstens seine Beeinflussung von außen her nachzuweisen. In erster Linie hatte man es dabei auf die Schleifer abgesehen, bei denen die Namen Pickardt, Tesche, Berger und Jasper die Vermutung der französischen Abstammung nahelegten. Der erste, der diese Behauptung aufstellte, war der von Reinshagen bei Remscheid stammende Prediger und Schriftsteller Wilhelm Aschenberg, der in seinen zahlreichen Veröffentlichungen, wie später namentlich durch den Elberfelder Geschichtsforscher Crecelius nachgewiesen wurde, Wahrheit und Dichtung wahllos miteinander vermengte.

Die Pickert saßen schon 1549 auf dem „Pickertz-Subberch." Die Bezeichnung „Tesche" (Tasche), eine Abkürzung des Handwerkernamens Teschenmacher, war schon früh im Wuppertal, sowie in Lennep und Solingen verbreitet, da die Lederbereitung und die -Verarbeitung schon in alter Zeit hier ihre Stätten gefunden hatte. Die „Berger" stammen wahrscheinlich von dem Hofe Berg bei Cronenberg, wo noch in den Jahren 1777 und 1778 die Schleifer Abraham und Johann Berger wohnten, und der Name Jasper oder Casper war neben Melchior oder Melcher früher im Bergischen eine der beliebtesten (von den ersten der heiligen drei Könige entlehnten) Personenbezeichnungen. In den Cronenberger Gerichtsprotokollen tritt ein Schleifer Jasper schon im Jahre 1613 als Ratmann auf, und im Jahre 1614 wird sein Sohn Johann als Meisterknecht vereidigt. Als die ersten von den Pickert erscheinen 1617 in den genannten Niederschriften gleich drei: Herbert, Drieß (Andreas) und Engel (Engelbert) Pickert, die als Schleifer eingetragen wurden. Ein Gördt Berger aus der Gerstau wurde 1663 zum Ratmann erwählt, und aus dem Schleifergeschlecht der „Tesche" wird Rütger im Jahre 1685 als Schleifermeister und zehn Jahre später als Ratmann in die Handwerksrolle eingetragen. Doch kommt der Name Tesche unter den Solinger Kaufleuten, die der Sensenzunft beigetreten waren, schon im Jahre 1600 vor.

Wenn diese Schleifer im Laufe des 17. Jahrhunderts aus Frankreich oder Belgien zugewandert wären, so müsste in den Niederschriften des Cronenberger Handwerksgerichts, die mit dem Jahre 1601 einsetzen, etwas davon erwähnt sein. Es ist undenkbar, dass man Fremden ohne weiteres den Zugang zum Handwerk gestattete, während man es für Einheimische, deren Vorväter nicht von Anfang an dabei gewesen waren, streng verschlossen hielt. Wären die genannten Schleiferfamilien aber schon früher hier eingewandert und im Jahre 1600 der neugegründeten Bruderschaft beigetreten, so müssten ihre Namen eher in den Gerichtsprotokollen erscheinen, als es tatsächlich der Fall ist. Wir müssen daher die Erzählung von der Einwanderung französischer Schleifer in das Reich der Sage verweisen. Wenn, wie der Beyenburger Rentmeister Karsch berichtet, schon zu Anfang des 17. Jahrhunderts Schleifkotten in erheblicher Zahl an unseren Bächen lagen, so dürfen wir annehmen, dass auch die Kunst des Schleifens ebenso wie die des Schmiedens in unseren Bergen alteinheimisch gewesen ist.

Wie aus dem Heberegister des Burger Kellners Johann Bernhard Francken (1692), aus dem Remscheider Lagerbuch (1675) und aus den Karten der Ämter Elberfeld, Bornefeld und Beyenburg (1715) hervorgeht, lagen die meisten Schleifkotten am unteren Morsbach von der Gerstau bis Müngsten. Als ihre Besitzer erscheinen außer einer Reihe von Sensenschleifern mehrere Kaufleute des Sensenhandwerks. Folgende Schleifer der Sensenzunft waren hier am Morsbach Inhaber eigener Werkstätten:

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