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Wochenrückblick vom 9. bis 15. September 2019

Wissenswertes zur Geschichte des Kremenholl

Die Kremenholler feiern morgen und übermorgen ihr Stadtteilfest und zugleich das 650. Bestehen des Kremenholl (1369 - 2019): Es sei ein Stadtteil mit „Ecken und Kanten", schreibt Gabi Leitzbach, die Vorsitzende des Initiativkreises Kremenholl e.V., in ihrem Grußwort in der aktuellen Festschrift. „“Ein Quartier, das heraufordert, aber dank der Menschen, die sich für und in ihm engagieren, ein Ort an dem seinen Bewohnern nicht langweilig werden muss!“ Stadtführer Lars Johann (Foto) hat sich in der Festschrift mit der Geschichte des Stadtteils eingehend befasst. Er schreibt: „Wer sagt eigentlich, dass es tatsächlich 650 Jahre Kremenholl gibt? Vielleicht sind es nur 600 Jahre, vielleicht sogar 700 Jahre. In Zeiten, in denen Fake-News Teil des Alltags geworden sind und soziale Medien Informationen in wenigen Zeichen zwitschern, ist es schön, auf diesem Weg einmal etwas ausführlicher die Richtigkeit der 650 Jahre Kremenholl beleuchten zu können.

Letztendlich kann nur anhand von alten Urkunden, Aufzeichnungen und Chroniken festgestellt werden, ab wann eine Stadt oder eine Ortschaft entstanden ist. Es werden also so lange Urkunden ausgewertet, bis der früheste Zeitpunkt der ersten Erwähnung festgestellt wird. Für Kremenholl ist dies tatsächlich das Jahr 1369. In einer Urkunde aus diesem Jahr wird erwähnt, dass ein Albrecht von Kremenholl zwei Malter Hafer als Abgabe zu entrichten hat. Da es um Geld ging, wurden entsprechende Unterlagen akribisch geführt, so dass man hier wohl auch bezüglich des Datums von der Richtigkeit ausgehen kann. Der Name selbst setzt sich aus zwei Teilen zusammen, nämlich dem ersten Teil Kriemen, heute Kremen, der wahrscheinlich auf einen Grimo oder Grimhard zurückzuführen ist.

Mit Holl oder Hol ist eine Bodenmulde gemeint, die sich besonders gut zu Siedlungszwecken geeignet hat, da diese etwas geschützter lag. Wenn also der Name der Siedlung auf einen Grimo zurückgeht, der Steuerschuldner für den Hafer jedoch ein Albrecht ist, so ist davon auszugehen, dass bereits vor 1369 ein Hof oder eine kleine Siedlung mit Namen Kriemenholl existiert hat. Tatsächlich dürfte somit die Siedlung Kremenholl älter als 650 Jahre sein. Wir wollen uns jedoch streng an die Belegbarkeit halten und ein genaueres Jahr als 1369, die erste urkundliche Erwähnung, existiert nicht. Also ist dieses Datum als erstes belegbares Jahr der Beginn der Zählung, so dass wir tatsächlich auf 650 Jahre kommen.

In den folgenden Jahren und Jahrzehnten geschah dann relativ wenig Aufsehenerregendes in der kleinen Siedlung Kremenholl. Es wurde wohl mal versucht Eisenerz abzubauen, was allerdings im Hinblick auf die schlechte Qualität nicht von Erfolg gekrönt war und teilweise dazu führte, dass Einwohner weggezogen sind, um woanders ihr Glück mit dem Eisenerz zu versuchen. So war Kremenholl eine kleine Siedlung im Bereich des Dorfes Remscheid.

Aus dieser Zeit gibt es leider kaum Unterlagen, die erhalten geblieben sind, so dass erst 1675 im Lagerbuch der Stadt Remscheid der Kremenholl dann wieder erwähnt wird. In diesem Lagerbuch werden vier Höfe erwähnt, namentlich die Familien Honsberg, Hermes, Dahlmann und Roster. Zu diesem Zeitpunkt, in vorindustrieller Zeit, dürfte es eine eher landwirtschaftliche Nutzung des Kremenholl gewesen sein, von der die Leute gelebt haben.

Ca. 160 Jahre später, im Jahr 1831 sieht dies dann schon anders aus. Die Kleinstaaterei im Gebiet des heutigen Deutschlands hat ein Ende, Remscheid und damit der Kremenholl gehören nun zu Preußen, und der wirtschaftliche Aufschwung in Remscheid wird erkennbar. Davon profitiert natürlich auch der Kremenholl. So sind 1831 zehn Häuser erwähnt, in denen insgesamt 131 Personen leben, inklusive Kinder. In diesem Einwohnerbuch sind auch die Geburtsorte der Bewohner angegeben. Auffallend ist hier, dass von den 131 Bewohnern neun in Hessen geboren wurden und schon in jungen Jahren nach Remscheid gekommen sind, wie z.B. der Knecht Conrad Schreiner, der mit 15 Jahren im Haus des Feilenhauers Krummenedel und seiner Familie lebt. Bereits zu diesem frühen Zeitpunkt wird deutlich, dass die Bewohner des Kremenholl ihr Einkommen in erster Linie durch Metallverarbeitung verdienen. Allein bei zwölf der Bewohner des Kremenholl wird als Beruf Feilenhauer angegeben. Auch wenn zu diesem Zeitpunkt viele noch zur Selbstversorgung einige Tiere halten ist der Trend klar erkennbar. Mit zunehmender Industrialisierung setzt sich dies dann fort.

Anfang des 20. Jahrhunderts ist die Wohnungsnot der Arbeiterfamilien das größte Problem. So titelt der RGA: „In der einzigen Stube hausen Sechse". In Remscheid führt dies dazu, dass unter Führung des Industriellen Moritz Böker — nachdem später dann die Moritzstraße auf dem Kremenholl benannt wird, der gemeinnützige Remscheider Bauverein gegründet wird, der immerhin bis 1906 111 Häuser baut, darunter auch viele auf dem Kremenholl. Hinzu kam noch, dass 1885 Alexander von der Nahmer nach Streitereien mit der Familie Böker aus der Bergischen Stahlindustrie AG (BSI) ausstieg und am Kremenholl mit dem Alexanderwerk sein eigenes Unternehmen gründete, das ebenfalls wirtschaftlich sehr erfolgreich war. Damit war der Kremenholl zu Beginn des 20. Jahrhunderts wirtschaftlich und infrastrukturell vollständig an die Stadt Remscheid angebunden. Fortan entwickelte sich auf dem Kremenholl das für Arbeitersiedlungen typische Vereins- und Gemeinschaftsleben, z.B. in Form von Gesangsvereinen.

Im 2. Weltkrieg wurde auch der Kremenholl dann schwer durch den Angriff auf Remscheid am 30.7.1943 getroffen. Große Teile des Alexanderwerks und des Kremenholl waren zerstört und auch die alte Hofschaft war nicht mehr zu retten. Nach dem Krieg begann natürlich der Wiederaufbau und infolge des Wirtschaftswunders wurde der Wohnraum erneut knapp, da nun auch für die Gastarbeiter Wohnraum benötigt wurde. Der Kremenholl veränderte dadurch seinen Charakter, da statt gemütlicher Hofschaft nun Hochhäuser den Kremenholler Kopf prägten. (...) Dies hat jedoch nichts daran geändert, dass der Kremenholl immer noch durch ein starkes Gemeinschaftsgefühl geprägt wird, das letztendlich dadurch zum Ausdruck gebracht wird, dass es heute möglich ist, das 650jährige Bestehen des Kremenholl in dieser Form zu feiern.“

Nachfolgend das Programm das Stadtteilfestes:

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Vor 80 Jahren: Gestapo nahm Remscheider fest

von Armin Breidenbach

In den letzten Tagen des August 1939, also nur wenige Tage vor dem Überfall der deutschen Wehrmacht auf Polen am 1. September 1939, wurden die ersten polnisch stämmigen Häftlinge in das Konzentrationslager Sachsenhausen verschleppt, weil sie als Angehörige der organisierten polnischen Minderheit in Deutschland von dem NS-Regime in dieser Situation als gefährlich eingestuft wurden. Von dieser Verhaftungsaktion war damals auch Adam B. betroffen, der 1892 in Alexanderruh/Kreis Jarotschin (preußische Provinz Posen) geboren wurde und später in Remscheid wohnhaft war. Er war Vorsitzender des polnischen Minderheitenvereins „Bund der Polen e. V.“, Ortsgruppe Remscheid, Vorsitzender des polnischen Kirchenvereins „St. Josef“ in Remscheid und Bundesleiter der polnischen kirchlichen Vereine von Rheinland und Westfalen. Adam B. wurde am 11. September 1939 festgenommen und zunächst in das Remscheider Polizeigefängnis in der Uhlandstraße eingeliefert.

Er berichtete nach dem Zweiten Weltkrieg über seine Festnahme: „Am 11. September 1939 wurden (sic!) von der Gestapo in meiner Wohnung Remscheid, Ernststr. 27, Haussuchung gehalten, da meine Tätigkeit als Verbandsvorsitzender der polnischen Minderheiten als staatsfeindlich angesehen wurde. Bücher, Akten, ein Geldbetrag und meine Schreibmaschine wurden beschlagnahmt und von der Gestapo sofort mitgenommen. Mir wurde zur Last gelegt, meine Schreibmaschine wäre auch staatsfeindlich gewesen.“

Ebenfalls damals festgenommen wurde der 1901 in Kosten (preußische Provinz Posen) geborene Stanislaus S., der vermutlich vor 1925 in Remscheid zugezogen war. Stanislaus S. erklärte 1946 im Zusammenhang mit dem Wiedergutmachungsantrag von Adam B., dass er Anfang September 1939 zusammen mit diesem verhaftet und in das Remscheider Polizeigefängnis eingeliefert worden sei.

Da das Aufnahmebuch des Polizeigefängnisses Remscheid für 1939 verschollen ist, lassen sich die Haftzeiten von Stanislaus S. und Adam B. nicht genau ermitteln. Während Stanislaus S. möglicherweise nach einigen Tagen wieder aus dem Remscheider Polizeigefängnis entlassen wurde, wurde Adam B. nach etwa 14 Tagen Haft in der Uhlandstraße in das Konzentrationslager Sachsenhausen eingeliefert. Dort erhielt er die Häftlingsnummer 002998. Anfang April 1940 wurde er von dort aus als „deutscher politischer Häftling“ in das KZ Flossenbürg überstellt, wo er am 6. April 1939 registriert wurde und die Häftlingsnummer 2227 zugewiesen bekam. Am 12. August 1940 wurde B. aus dem KZ Flossenbürg entlassen.

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Carl und Ottilie im Archiv, bis Haus Cleff fertig ist

Remscheids ältester Werkzeughersteller, der sich mehrheitlich noch im Besitz der Gründerfamilie befindet, ist die ARNTZ GmbH + Co. KG. Das mittelständische Unternehmen mit Hauptsitz in Remscheid, Lenneper Straße 35, das auf 225 Jahre Firmengeschichte zurückblickt, hat sich auf Hochleistungssägebänder für die Zerspanung unterschiedlichster Metalle spezialisiert. Die werden in mehr als 80 Ländern nachgefragt. So wurden zum Beispiel auch die Doppel-T-Träger für das New Yorker „One World Trade Center“ in Manhattan mit Sägebändern von Arntz auf Maß gesägt. Geleitet wird das Unternehmen mit seinen 180 Mitarbeitern an vier Standorten in 7. Generation von Dipl.-Ing. Jan Wilhelm Arntz.

Dass Seniorchef Johann Wilhelm Arntz  zu den Remscheider „Fabrikanten“ gehört, die sich noch auf Remscheider Platt verstehen (und es mit ihrem Mitarbeitern auch noch gepflegt haben), wurde gestern im Deutschen Werkzeugmuseum deutlich. Dorthin war der 80-Jährige gekommen, um der Stadt Remscheid ein Geschenk zu machen: Zwei Öl-Gemälde aus der Mitte des 19. Jahrhundert. Stadtdirektor Sven Wiertz und Museumsleiter Dr. Andreas Wallbrecht nahmen die beiden Werke des Malers Johann Richard Seel („Düsseldorfer Schule“) dankend an. Sie sollen auf unbestimmte Zeit „unter guten klimatischen Bedingungen “im Archiv des Historischen Zentrums an der Hastener Straße zwischengelagert werden. Der endgültige Standort der Gemälde steht aber schon jetzt fest: „Haus Cleff“. Denn die Bilder zeigen das Ehepaar, das dort  einst gewohnt hat: Carl Cleff (1820 - 1876) und seine Frau Ottilie.

Die Gemälde gehörten früher Werner Arntz, dem Onkel von dem Onkel von Johann Wilhelm Arntz. Nachdem dieser im vergangenen Jahr gestorben war und von den direkten Nachfahren sich niemand für diesen Teil des Nachlasses interessierte, gingen die Porträts an Johann Wilhelm Arntz über. Und der fühlte sich schon immer seiner Heimatstadt Remscheid und ihrer Geschichte verbunden. Nichts lag also näher, als die Gemälde dorthin zurückzubringen, wo sie lange in der „guten Stube“ gehangen hatten. „Hoffentlich gelingt es, Fördermittel für die Sanierung von Haus Cleff einzusammeln!“, wünschte der Spender gestern Stadtdirektor Wiertz. „Das alte Patrizierhaus in neuem Glanz, das würde ich gerne noch erleben!“

Hintergrund: „In dem auf den Niedergang der Sensenherstellung um 1700 folgenden Aufschwung der Kleineisen- und Werkzeugindustrie in Remscheid und Umgebung mit etwa 300 Schmiedebetrieben um 1760 und den darauf gegründeten prächtigen Wohnhäusern der Kaufleute auf den Höfen rund um Remscheid, ist die von der Familie Hilger gegründete und dann im Wesentlichen von den Cleffs entwickelte Anlage in Remscheid-Hasten eines der bedeutendsten Zeugnisse. (...) 1847 übernahmen die Brüder Fritz und Carl Cleff Häuser und Grundstücke und verlegten ihr Exportgeschäft von Solingen nach Hasten. Einer in Remscheid und Umgebung verbreiteten Tendenz folgend wurde das Doppelhaus der Kaufleute in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts durch die Cleffs ergänzt um Büro- und Produktionsbauten. Zunächst entstand 1873 ein Bürobau, dann 1881 eine Fabrik zur Produktion von Werkzeuge mit Dampfmaschine und 1897 wurde eine Shedhalle errichtet.“ (Prof. Dr. Walter Buschmann, Aachen, Lehr- und Forschungsgebiet Denkmalpflege und Historische Bauforschung)

Ziel ist reizvolle gastronomische Location

Röntgens Geburtshaus in Lennep, das ehemalige Ärztecasino im Südbezirk, ein Wohnhaus in Ehringhausen, der Steffenshammer im Morsbachtal, der Bismarckturm im Stadtpark oder die alte Feilenfabrik Ehlis im Eschbachtal – beim gestrigen Tag des offenen Denkmals hatten interessierte Bürger/&innen die Qual der Wahl. Der Waterbölles entschied sich für letzteres, schon um bei fortschreitender Sanierung der historischen Fabrikanlage durch den „Förderverein zur Erhaltung der Feilenfabrik in Schlepenpohl e. V.“ (Thomas Abbas, Werner Wand, Walter Pricken) auf den neuen Stand zu kommen, nachdem er die bisherigen Arbeiten mit der Foto- und Videokamera begleitet hatte. Diesmal war der Architekt Detlef Jürgen aus Hemer der Gesprächspartner. Er berichtete von den umfangreichen Arbeiten am Dach und dem mühsamen Entfernen von diversen Farbschichten an den Innenwänden, um die schöne Struktur der gelben Klinkersteine wieder hervortreten zu lassen. Als nächstes werden dann Brandschutzmaßnahmen anstehen. Schließlich soll „Ehlis in Schlepenpohl“ nicht nur Museum und Wirkungsstätte für einen Handwerker oder Künstler werden, sondern auch eine besonders reizvolle gastronomische  „Location“. Aufgebaut wurde inzwischen der nostalgische Ehlis-Messestand mit vielen Originalteilen. Seit den 1950 Jahren genoss der Messestand Kultstatus auf der Eisenwarenmesse in Köln.

Wochenrückblick vom 2. bis 8. September 2019

 

Tag des offenen Denkmals am 8. September in RS

Objekte

Öffnungszeiten

Teilnehmerzahl / Hinweise

Burger Str. 211b,
ehem. Ärztecasino
RS – Süd

11.00 – 13.00 Uhr

keine Teilnehmerbeschränkung. Führungen nach Bedarf

Schlepenpohl 5
ehem. Feilenfabrik Ehlis
RS – Eschbachtal

10.00 – 17.00 Uhr

keine Teilnehmerbeschränkung, Führungen nach Bedarf, Maschinenvorführungen, 
Kaffee, Kuchen, Würstchen

Königstraße 188 Wohnhaus
RS – Hasten

10.00 – 16.00 Uhr

keine Teilnehmerbeschränkung, Führungen nach Bedarf 

Vieringhausen 135
Wohnhaus
RS – West

12.00 – 17.00 Uhr

keine Teilnehmerbeschränkung, Führungen nach Bedarf

Gänsemarkt 1
Röntgen-Geburtshaus
RS – Lennep

11.00 – 16.00 Uhr

keine Teilnehmerbeschränkung, Führungen nach Bedarf

Steffenshammer
Clemenshammer 5
RS – Gelpetal

11.00 – 18.00 Uhr

keine Teilnehmerbeschränkung,
Schmiedevorführungen

Bismarckturm
Stadtpark
RS – Mitte

12.00 – 17.00 Uhr

keine Teilnehmerbeschränkung,
Führungen nach Bedarf, Sonnenbeobachtung, Vorträge

Haus Cleff
Cleffstraße 2-4
RS – Hasten

10.00 – 17.00 Uhr

keine Teilnehmerbeschränkung, Führungen nach Bedarf

Pressemitteilung der Stadt Remscheid

Die Denkmalbehörde weist auf den „Tag des offenen Denkmals“ am Sonntag, 8. September, hin. Das bundesweite Motto in diesem Jahr lautet "Modern(e): Umbrüche in Kunst und Architektur". Schon seit der späten Antike findet sich der Begriff „modern“ im Sprachgebrauch. Verwendet wird er dann, wenn sich das Selbstverständnis einer Epoche oder der Gesellschaft verändert und sich vom vorherigen absetzt. Ein Umbruch bricht mit tradierten Vorstellungsweisen, Techniken, Erklärungsmodellen und praktischen Umsetzungen. In jedem Umbruch steckt etwas Neues, Revolutionäres, Fortschrittliches – und etwas Modernes.

Anlässlich des 100-jährigen Jubiläums des Bauhauses wird dazu eingeladen, den Blick auf revolutionäre Ideen oder technische Fortschritte über die Jahrhunderte hinweg zu richten. Nicht nur die Kunst und Architektur des frühen 20. Jahrhunderts können als modern bezeichnet werden. In nahezu jeder Epoche der Kunst-, Architektur- und Kulturgeschichte zeigen sich Umbrüche, die – in enger Verzahnung mit der Technik- und Wissenschaftsgeschichte – ein neuzeitliches Verständnis begründen. Umbrüche und moderne Charakteristika sind überall zu finden, in historischen Bauten, Parks und archäologischen Stätten, von der Antike bis zur Klassischen Moderne und darüber hinaus.  

Für das Remscheider Stadtgebiet konnten wieder engagierte Denkmaleigentümerinnen und Denkmaleigentümer gewonnen werden, die ihre Gebäude der Öffentlichkeit zu­gänglich machen. Das komplette Programm der Stadt Remscheid zum „Tag des offenen Denkmals“ kann im Internet unter www.remscheid.de abgerufen werden. Nebenstehend in Stichworten die Liste der Objekte, die am „Tag des offenen Denkmals“ am 8. September geöffnet sind.

Unrecht und Willkür der NS-Militärjustiz

In Kooperation mit der Stiftung „Denkmal für die ermordeten Juden Europas“, dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V., Landesverband Nordrhein-Westfalen, sowie der Stiftung „Gedenken und Frieden“ lädt der Verein Gedenk- und Bildungsstätte Pferdestall Remscheid e.V. zur Eröffnung der Ausstellung „Was damals Recht war ... – Soldaten und Zivilisten vor Gerichten der Wehrmacht“ für den 6. September um 12 Uhr in die Gedenk- und Bildungsstätte Pferdestall. (Bitte nutzen Sie den Zugang über die Treppe gegenüber der Hausnummer 61 der Martin-Luther-Straße, Parkmöglichkeit auf dem Schützenplatz)

Die Wanderausstellung informiert über Unrecht und Willkür der NS-Militärjustiz und dient der gesellschaftlichen Verankerung der erst zwischen 2002 und 2009 erfolgten rechtlichen Rehabilitierung ihrer Opfer. Im Zentrum stehen Fallgeschichten, bei denen es nicht nur um Personen geht, die als Deserteure abgeurteilt wurden, sondern auch um so genannte Wehrkraftzersetzer und Volksschädlinge. Darüber hinaus werden Biografien von Angehörigen des Widerstandes in besetzten europäischen Ländern dargestellt. Insgesamt wurden mindestens 22.000 Menschen hingerichtet, unzählige andere starben in Lagern oder in Strafeinheiten. Die Fallgeschichten (auch aus unserer Region) werden in Überblicksdarstellungen zur Geschichte der deutschen Militärjustiz zwischen 1871 bis 1939 eingebettet. Auch nimmt die Ausstellung die Ausgrenzung und Nichtachtung überlebender Justizopfer in den deutschen Nachkriegsstaaten in den Blick.

Zur Eröffnung der Ausstellung werden neben einem Vertreter des Remscheider Vereins auch Thomas Kutschaty (MdL, SPD), Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz, der Stadt Remscheid und Dr. Ulrich Baumann, stellvertretender Direktor der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas und Kurator der Ausstellung, das Wort ergreifen.

Remscheider bei Kriegsbeginn 1939 festgenommen

von Armin Breidenbach

Mit dem Überfall der deutschen Wehrmacht auf Polen am 1. September 1939 begann der Zweite Weltkrieg. Gleichzeitig wurde im gesamten Deutschen Reich eine Verhaftungsaktion durchgeführt, die seit Mitte der 1930er Jahre mittels der „A-Kartei“ für den Kriegsfall vorbereitet worden war, um gefährliche politische Gegner des NS-Regimes, vor allem kommunistische und sozialdemokratische Funktionäre, festnehmen zu können. Das Geheime Staatspolizeiamt in Berlin hatte in den Nachtstunden des 31. August 1939 mit einem Blitztelegramm angeordnet, dass am nächsten Morgen ab 7 Uhr die unter der Chiffre AI Verzeichneten festzunehmen seien. Bei dieser reichsweiten Festnahmeaktion wurden schätzungsweise mehrere tausend „Reichsdeutsche“, das heißt, deutsche und österreichische NS-Gegner festgenommen. Die Häftlinge aus dem Bereich der Staatspolizei(leit)stelle Düsseldorf – dazu gehörte auch Remscheid – sollten in das Konzentrationslager Sachsenhausen überführt werden.

Zu den damals Festgenommenen gehörte auch Walter Opitz, der am 28. März 1910 in Berlin geboren wurde und mit seiner Familie nach Duisburg-Meiderich verzogen war. Von Beruf Polsterer, war er im „Verband der Sattler und Polsterer“ gewerkschaftlich organisiert; außerdem gehörte er zunächst der SPD an. Wann sich Opitz den Kommunisten angeschlossen hatte, ließ sich bisher nicht ermitteln. Fest steht jedoch, dass er vor der Machtübernahme der Nationalsozialisten am 30. Januar 1933 Leiter der Ortsgruppe Duisburg-Nord des Kommunistischen Jugendverbandes Deutschlands war. Im November 1933 wurde er vor dem Oberlandesgericht Breslau wegen Vorbereitung zum Hochverrat zunächst zu einer Gefängnisstrafe von 18 Monaten verurteilt. Am 1. Oktober 1934 wurde er vor dem Landgericht Breslau zu einer Gefängnisstrafe von neun Monaten verurteilt; diese Strafe und die vom Oberlandesgericht Breslau verhängte Strafe wurden zu einer Gesamtgefängnisstrafe von zwei Jahren zusammengezogen. Nach Strafverbüßung im Strafgefängnis Breslau wurde Opitz in „Schutzhaft“ genommen und in das KZ Buchenwald eingeliefert, aus dem er im August 1937 entlassen wurde. Anschließend war er bis zum 13. Juni 1939 wieder in Duisburg-Meiderich wohnhaft.

Wie eine Meldekarte belegt, wohnte Walter Opitz ab 15. Juni 1939 in der Scheider Straße in Remscheid, zumindest war er dort gemeldet. Die Gründe für diesen Ortswechsel sind nicht bekannt. Am 1. September 1939 wurde er erneut festgenommen; ob dies in Remscheid oder woanders geschah, ist nicht belegt. Zunächst im Landgerichtsgefängnis Duisburg in „Schutzhaft“, wurde er wenige Tage später in das Konzentrationslager Sachsenhausen überstellt, wo er die Häftlingsnummer 008037 zugeteilt bekam.

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Wochenrückblick vom 26. August bis 1. September 2019

Die reifen Birnen kullerten die Gasse hinunter

von Dr. Wilhelm R. Schmidt

Liebe Freunde des Bergischen Landes, liebe Lenneper, gerade erst hatten wir die Pilgergasse. Wenige Meter oberhalb liegt in Lennep ein Teil des Gänsemarkts, der ebenso wie die Pilgergasse seinen Namen der fehlerhaften Übernahme eines historischen Familiennamens verdankt. Der Gänsemarkt, an dem es trotz des modernen Gänsebrunnens anno dunnemals allenfalls privat gehaltene Gänse gab, und der in diesem und im nächsten Jahr wegen der Röntgen-Jubelfeiern sogar weltweit bekannt gemacht wird, hieß übrigens zu Beginn des 19. Jahrhunderts noch Poststraße, denn in der Tat führte diese von der Schwelmer Straße vor das "Lüttringhauser Tor", später Kaiser- bzw. Mollplatz genannt. Dort befand sich ja die alte Lenneper Post mit ihren Pferdeställen.

Aber zurück zu dem heute hier abgebildeten Teil des Lenneper Gänsemarkts. Für mich ist der beeindruckendste Teil der alten Fotografie oben links der große Baum an der Ecke zur Pilgergasse. Können sich die Lenneper noch daran erinnern?!  Es war ein uralter großwüchsiger und breitstämmiger Birnbaum, der auf unserem Bild in voller Blüte steht. Nach der Aussage eines Anwohners in der Pilgergasse kullerten die reifen Birnen "gerne" die Gasse hinunter. Als das Foto Anfang der 1920er Jahre gemacht wurde, da war dieser Baum wie erwähnt schon alt, und er erinnert mich an die uralten Birnbäume meiner eigenen Familie am Mollplatz, oberhalb von "Jouhri´s Grill" heutzutage. In dessen jetziger Gaststube war bis 1970 sozusagen die Waschküche unseres alten Schieferhauses.

Das Foto wurde vor fast 100 Jahren von einem Lenneper Fotoamateur gemacht, Fritz Lüns, einem Oberlehrer, der mit Familie auf der Knusthöhe wohnte und mit weiteren Lenneper Fotografen befreundet war, u.a. mit Fritz Schurig, der am Alten Markt lange Zeit ein Fotogeschäft betrieb. Historische Schwarz-Weiß-Fotos aus dem alten Lennep habe ich ja viele, in verschiedenen überkommenen Sammlungen, aber bis jetzt hat sich kein Interessierter für die Mithilfe bei einer Ausstellung in Lennep gefunden. Es bringt aber nichts, mangelndes Interesse an der Orts- und Regionalgeschichte zu beschreien, die Fotos sind trotzdem schön und wichtig für unsere Lenneper Geschichte.

Wochenrückblick vom 19. bis 25. August 2019

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