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Der Vertrieb der Sensen war klar geregelt (Teil I)

Die Ortschaft Platz in früheren Zeiten. Rechts Beitzel & Platte Foto: Historisches Zentrum Remscheid

Teil I

Die Geschichte des Bergischen Handels ist ebenso wie die des Gewerbes mit Irrtümern und schiefen Darstellungen belastet. Es bedeutet allerdings für verschiedene neuere Geschichtsschreiber eine gewisse Entschuldigung, dass die Bergischen Kaufleute selbst vor etwa 130 Jahren über die frühzeitige Entwicklung des Remscheider Handels schlecht unterrichtet waren. Ihre unzutreffenden Darstellungen sind später von namhaften Forschern übernommen worden und gehen noch heute aus einer Veröffentlichung in die andere über. Nicht nur die verschiedensten Fertigwaren, sondern auch Stahl- und Eisenstangen aus den Reckhämmern des Bergischen Landes sind bereits vor 1600 dem Ausland zugeführt worden. Denn die schon im 16. Jahrhundert im Betrieb befindlichen Wasserhämmer lieferten gerade im Anfang mehr Stahl und Eisen, als die Sensen- und Klingenschmiede aufnehmen konnten, wodurch der Weg der Ausfuhr schon gewiesen war. So erklärt es sich auch, dass die Hammerwerksbesitzer fast durchweg Kaufleute waren und dass gerade aus ihren Reihen die Pioniere des Überseehandels hervorgegangen sind.

Der Genossenschaftsgedanke, der den Zünften zugrunde lag, bedingte, dass nicht nur die Erzeugung, sondern auch der Vertrieb der Waren nach Möglichkeit den Mitgliedern vorbehalten blieb. Man wusste schon in alter Zeit, dass im Handel der Segen liegt, und man war nicht gewillt, Fernstehenden die Früchte des Fleißes unserer Schmiede und Schleifer zuzuwenden. Schon bei der Gründung der Sensenzunft wurden sieben Kaufleute in die Genossenschaft aufgenommen. Von diesen wohnten vier in Solingen, nämlich Theis Weyersberg, Clemens am Weyersberg, Peter Henckel und Johann Katterberg. Von den übrigen hatte Hans Klein seinen Sitz in Cronenberg, Arndt auf dem Westen im Lüttringhauser Gebiet und Johann Krämer in der Haddenbach im Kirchspiel Remscheid. ((Johann Klein, Arndt auf dem Westen und Johann Krämer trieben Handel nach Holland, andere wie Godhard Cronenberg, Johann Severins usw. nach Brabant (1604). Es stimmt also nicht, wenn Thun behauptet, dass die ersten Handelsbeziehungen mit Holland und Brabant von einem Remscheider Kaufmann im Jahre 1667 angeknüpft worden seien.))

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Hammerwerke und Schleifereien zum Stillstand verurteilt

Nach dem Bau der Bahnanlage (über die Müngstener Brücke), der die unmittelbare, billigere Kohlenzufuhr ermöglichte, stand endlich dem Dampfbetrieb nichts mehr im Wege. In rascher Folge wurden in Remscheid und seiner Umgegend Dampfanlagen errichtet. Während die Dampfmaschinen besonders die größeren Betriebe in ihrem Kampf gegen in- und ausländischen Wettbewerb unterstützten, förderten etwa seit den 1890er Jahren Gas- und Elektromotoren durch ihre billigeren Anschaffungskosten auch die kleineren Unternehmungen. Allein von 1898 bis 1908 stieg die Anzahl der Gasmotoren in der Industrie um 130, die der Pferdestärken um 210 Prozent. Von dieser Gesamtzahl entfielen 60 Prozent auf die Betriebe der Eisen- und Metallverarbeitung. Dazu kamen einige Benzin­motoren, deren Mehrzahl gleichfalls in Betrieben der Weiterverarbeitung arbeitete. Neben dem geringen Anschaffungspreis erklärt sich die rasch zunehmende Verwendung der Gasmotoren aus dem verhältnismäßig geringen Preis für Kraftgas. Noch billiger stellte sich der Elektromotor, den sich selbst Kleinmeister leisten konnten. Seine rasche Beliebtheit zeigt sich in Zahlen: in den ersten neun Jahren dieses Jahrhunderts wuchs die Zahl solcher Motoren um 83 Prozent, der entsprechenden PS um 70 Prozent. Der vom städtischen Elektrizitätswerk im gleichen Zeitraum an die Industrie abgegebene Kraftstrom stieg um über das Doppelte. Anfänglich hatte die Gasanstalt die Abgabe von Kraftstrom als Beeinträchtigung des Verbrauchs von Kraftgas angesehen, erkannte dann aber, dass der Elektromotor bei gleichen Betriebskosten wie der Gasmotor doch so große Vorteile für die Industrie bot (Fortfall jeder Wartung, ständige Bereitschaft), dass man ihr diese Entwicklungsmöglichkeit nicht vorenthalten dürfe.

All diese technischen Verbesserungen hatten schon 1888 die Mehrzahl der Hammerwerke und Wasserschleifereien an den Bächen zum Stillstand verurteilt. Fast alle bisher durch Wasserkraft betriebenen Werke wurden auf die Höhen verlegt. Aber auch dort machte sich in den Betrieben — wie auch in der ganzen Bevölkerung — zunächst starker Wassermangel störend bemerkbar, obwohl man für das Wasser als Antriebskraft Ersatz gefunden hatte. Diesem Mangel, der sich in trockenen Sommern zur Wassernot steigerte und den Bestand der ganzen Industrie bedrohte, wurde durch die Tat zweier Männer gesteuert. Gegen den uns heute ganz unverständlichen Widerstand eines Arztes, der gesundheitliche Schädigungen bei Ersatz des Brunnen- durch Lei­tungswasser befürchtete, setzten Oberbürgermeister von Bohlen und Robert Böker den Bau einer Wasserleitung durch (1881). Bald darauf wurde großzügig und bahnbrechend für andere deutsche Städte mit dem Bau der Remscheider Talsperre (1889/91) begonnen und so die Wasserversorgung verbessert. Dieses Werk fand seine Vollendung in der Anlage einer weiteren, größeren Talsperre im Neyetal. Nun konnten die Wasserberechtigten im Eschbachtal beinahe das ganze Jahr auf Kraftwasser rechnen, da die Verwaltung des Wasserwerks vertragsmäßig zur Wasserabgabe an die unterliegenden Werke verpflichtet wurde. Durch technische Verbesserungen der Wasserwerke (Turbinen) erzielte man möglichst große Kraftausnutzung. So vermochten sich bis heute einige leistungsfähige Anlagen in den Tälern bei Remscheid zu halten. Es arbeitet sogar noch ein alter Schwanzhammer, der freilich mehr der Sehenswürdigkeit und Tradition halber in Tätigkeit bleibt.

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Strom machte die Eisenherstellung deutlich preiswerter

Die Bergische Stahl-Industrie entwickelte sich aus einer Tiegelgussstahlschmelzerei zu einem Qualitäts-Großbetrieb, dessen Erzeugnisse heute Weltruf genießen. Als 1871 durch eine Kesselexplosion die Gussstahlhütte zerstört wurde, wurde das Werk aus der Nähe der alten Wasserbetriebsstellen an die Eisenbahnlinie verlegt. Damit war eine gesunde Grundlage geschaffen. Nachdem 1873 die Firma die Form einer Aktiengesellschaft unter dem Namen „Bergische Stahl-Industrie" angenommen hatte, begann nach anfänglichen Schwierigkeiten ein ununterbrochener Aufstieg, in dem das Ziel der ausschließlichen Herstellung von Qualitätsmaterial für bestimmte Zwecke voll und ganz erreicht wurde. 1875 wurde die Erzeugung von Stahlformguss und einige Zeit später die von schmiedbarem Eisenguss aufgenommen. Das Hammer- und Walzwerk wurde ausgebaut. Im Jahre 1894 erfolgte die Umwandlung der AG in eine (Familien) GmbH.

Das andere größere Werk, das Glockenstahlwerk, entstand aus einem der Werkzeugherstellung dienenden Betrieb („Gebrüder Lindenberg & Co."). Ein 1864 gebautes Tiegelgussstahlwerk stellt den eigentlichen Ausgangspunkt des heutigen Werkes dar. Da es, um dem neuen Stahlwerk Absatz für seine Erzeugnisse zu verschaffen, galt, eine Zersplitterung der Kräfte zu vermeiden, trat Richard Lindenberg aus der Firma aus und übernahm das Stahl-und Hammerwerk als gesonderte Anlage (Firma „Richard Lindenberg"). Durch rastlose Arbeit gelang es, den Stählen Dank ihrer Güte Absatz im In- und Auslande zu verschaffen. Großzügige Erweiterungspläne wurden ausgeführt. Durch Umwandlung in eine GmbH erhielt das Werk 1901 Mittel, die es gestatteten, der Erzeugung hochwertiger Edelstahle größere Aufmerksamkeit zuzuwenden.

Die älteste fabrikmäßige Elektrostahlanlage der Welt stand in Remscheid.Richard Lindenberg, der Sohn des Gründers, leitete 1904 nicht nur für das Werk, sondern für die gesamte Edelstahlindustrie eine neue Zeit ein. An Stelle des Tiegelschmelzverfahrens bediente er sich als erster Fabrikant der elektrischen Stahlschmelzung nach einem gänzlich neuen Verfahren, dem Lichtbogenverfahren (Lichtbogenofen Bauart Héroult-Lindenberg). Obwohl weite Kreise der Industrie seinen Plan recht misstrauisch beurteilten, baute Lindenberg 1905 ein Elektrostahlwerk, in dem 1906 die erste Charge Elektrostahl vergossen wurde. Somit entstand in Remscheid-Hasten die älteste fabrikmäßige Elektrostahlanlage der Welt. Von hier aus trat der Elektro-Ofen seinen Siegeszug über die Erde an, und die Entwicklung der Elektrostahlerzeugung gab dem Weitblick des Remscheider Fabrikanten recht. (Der Elektro-Ofen ähnelt einem kippbaren Martinofen. Durch die Decke des Ofens ragen zwei Elektroden in ihn hinein. Der Strom tritt durch die eine Elektrode unter Bildung eines Lichtbogens in die das Metallbad bedeckende dünne Schlackenschicht (die eine Verkohlung des Stahls verhindert), geht von dieser in das Metallbad und verlässt es durch die Schlackendecke, von der er unter Bildung eines zweiten Lichtbogens durch die andere Elektrode abgeführt wird. Bei Mehrphasenöfen gleicht sich der elektrische Strom innerhalb des Bades aus.)

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Schmelzofen für Tiegelgussstahl stand schon 1847

Um das Jahr 1850 wurde das Problem des billigeren Rohstoffs brennend. Der ungeahnte Aufschwung der Verkehrsmittel, die lebhaftere Gestaltung des Handels im In- und Ausland, die beginnende Verdrängung der Hand- durch die Maschinenarbeit und bessere Verarbeitungsmöglichkeiten des Materials drückten den Wert der Remscheider Erzeugnisse herab. Es war daher eine Lebensfrage für die ganze Remscheider Wirtschaft, den Preis der Rohstoffe zu senken. Der Transport des Materials blieb zeitraubend und kostspielig, da eine unmittelbare Eisenbahnverbindung für Remscheid erst gegen Ende der 60er Jahre geschaffen wurde. Die Produktionskosten konnten deshalb nur dadurch ermäßigt werden, dass man am Orte selbst den Stahl, der zum Hauptrohstoff gerade der Werkzeugindustrie wurde und das Eisen verdrängte, billiger herstellte. So entstanden, anknüpfend an die alte Tradition der Hütten- und Hammerwerke, auch in Remscheid, der Domäne der Weiterverarbeitung des Eisens, Gussstahlwerke.

Ausweislich alter Rechnungen bezog schon im Jahre 1847 J. A. Henckels in Solingen Gussstahl von einer Firma Lindenberg in Remscheid. Soweit sich feststellen ließ, betrieb die Firma Gebrüder Lindenberg & Co. wahrscheinlich in jenem Jahre versuchsweise am Hammesberg einen Schmelzofen für Tiegelgussstahl. Es war jedoch hierüber nicht mehr zu erfahren, als dass Henckels diesen Stahl ausprobierte. - Bei der bedeutungsvollen Tatsache der Aufnahme der fabrikmäßigen Herstellung von Gussstahl begegnet uns der Name Mannesmann, der im Laufe des 19. Jahrhunderts noch oft unter den Förderern der Remscheider Industrie auftaucht. Verschiedene Versuche anderer Remscheider Firmen, selbst einen für die Feilenfabrikation geeigneten Stahl zu erzeugen, waren fehlgeschlagen. Als 1853 die eisten Versuche der Firma A. Mannesmann, Gussstahl in Tiegeln herzustellen, glückten, nahm sie von 1856 ab den Bedarf des zur Herstellung von Qualitätswerkzeugen erforderlichen gleichmäßigen und fehlerfreien Materials in die Liste eigener Erzeugnisse auf.

Zwar wird noch in einem Bericht der Handelskammer Lennep aus dem Jahre 1864 ein ungünstiges Urteil über den heimischen Gussstahl, wohl aus der Einstellung einer Voreingenommenheit für ausländische Erzeugnisse heraus, geäußert. Eine derartige Kritik musste jedoch bald angesichts der Tatsache verstummen, dass sich, getragen von Unternehmergeist und Ingenieurkönnen und unterstützt durch einen altgeschulten Stamm tüchtiger Arbeiter, rasch der Umfang der Gussstahlherstellung in Remscheid vergrößerte und sich die Güte der Erzeugnisse hob.

Mit dem Aufkommen der neuen Stahlsorten und der Steigerung der Warenproduktion sah man sich indes gezwungen, zu neuen Arbeitsweisen zu greifen. Das Verfahren des Aushämmerns der Stahl- und Eisenstangen (des Rohmaterials der alten Kleinschmiederei und ihrer Verarbeitung zu Band- und Schlichteisen in den durch Wasserkraft betriebenen Reck- und Breithämmern war recht umständlich. An seine Stelle trat das Walzverfahren. Damit war das Schicksal auch jener Gruppe von Wasserhämmern besiegelt. Nur hier und da findet man noch heute in den Tälern des Remscheider, Cronenberger und Lüttringhauser Gebietes einen Reck oder Breithammer in Tätigkeit, in dem Feilen und andere Werkzeuge, Kuchenpfannen, Maurerkellen u. a. ausgeschlagen werden. Welche Verbilligung der Produktion durch den Walzprozess erreicht wurde, sehen wir aus einem Berichte Friedrich Harkorts, nach dem eine Walze an einem Tage mengenmäßig so viele Bleche und Bandeisen liefern konnte wie ein Bandhammer in einer Woche.

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Wochenrückblick vom 28. September bis 4. Oktober 2020

Artikel für die Landwirtschaft hatten eine lange Tradition

Alte bergische Sägenschmiude, rekonstruiert im Remscheider Heimatmuseum. Foto: Mende.Das wichtigste Remscheider Holzbearbeitungswerkzeug ist die Säge. Als man noch keine Walzwerke kannte, wurden alle Sägen in den Wasserhämmern aus Raffinierstahl gebreitet. Die „Sägenschmiede" schmiedeten sie dann auf dem Amboss in die richtige Form, Breite und Stärke. Danach wurden die Zähne auf einem Holzklotz mit Meißel und Hammer ausgeschlagen, später mit Hebeln ausgestanzt. Auf der nebenstehenden Abbildung einer alten Sägenschmiede erkennt der Leser im Hintergrund die Esse, den Blasebalg, der durch Zug an einer Kette in Tätigkeit gesetzt wird, und Geräte zum Ausschlagen der Zähne. Mit der Herstellung von Sägen aus Stahlblech wurde die Produktion umgestaltet, und geschmiedete Sägen wurden kaum mehr hergestellt. Es fehlte dazu auch an geschulten Arbeitern, das Rohmaterial war zu teuer und die Herstellungsweise schwieriger. Die Sägen wurden nunmehr aus den Blechen geschnitten. Die Säge entwickelte sich nächst der Feile zu einem der bedeutendsten Remscheider Artikel. Und zwar werden Sägen für Hand- und Maschinengebrauch verfertigt. Sägen dienen auch der Metallbearbeitung. Metallsägen wer­den gleichfalls in Remscheid hergestellt.

5. Ein anderer Industriezweig von ganz ausgeprägter Bergischer Bodenständigkeit ist die Herstellung gewerblicher Messer. In der Hauptsache handelt es sich um Maschinenmesser mit dem ausgesprochenen Standort in Remscheid; sie stehen im Gegensatz zum Hand- und Tafelmesser, das vor allem in Solingen heimisch ist.

Alle Versuche, die Remscheider Maschinenmesserindustrie in andere Gegenden Deutschlands oder das Ausland zu verpflanzen, sind gescheitert, so dass — sieht man von einigen schwedischen, englischen und nordamerikanischen Erzeugungsstätten ab — Remscheid unbestritten als Zentrale der Weltversorgung mit hochwertigen Maschinenmessern für die Holz-, Metall-, Papier-, Tabak­industrie usw. anzusehen ist. Die Fabrikation erlangte in dem Augenblick ihr eigentliches Übergewicht über den ausländischen Wettbewerb, als führende Betriebe dazu übergingen, mit Hilfe eigener Stahlhammerwerke, physikalisch-chemischer Laboratorien u. a. systematisch nach wissenschaftlichen Arbeitsmethoden die Güte der Erzeugnisse zu verbessern. Auf diese Weise gelang es ihnen, sich in einzelnen Industriezweigen und Messerarten durch überlegene Qualität gegen England, Schweden und Amerika sogar eine Monopol-Stellung zu erkämpfen.

In bemerkenswerter Weise entwickelte sich ein besonderer Zweig der Herstellung von Maschinenmessern: die Industrie landwirtschaftlicher Messer und Maschinenteile (Mähmesser, Häcksel-und Rübenmesser, Sägen verschiedener Art). Damit wurde die alte Tradition der Remscheider Industrie, Artikel für die Landwirtschaft zu verfertigen, fortgesetzt. Die eigentliche Aufgabe lag jedoch in der neuen Zeit darin, gegen einen übermächtigen amerikanischen Wettbewerb in zähem Vordringen Remscheid seine jetzige beachtenswerte Stellung erst zu erringen. Denn die Vereinigten Staaten von Nordamerika sind seit Jahrzehnten das Land der maschinellen Bodenbearbeitung; ihre überaus leistungsfähige Landmaschinen- und Ersatzteilindustrie überschwemmte alle Welt mit ihren Erzeugnissen.

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Neue Ausstellung im Wülfing-Museum in Dahlerau

Eine Fotoausstellung über „Frühes Bauen in Lennep und an der Wupper –  Vier Generationen Bauunternehmung Schmidt“ ist ab Sonntag, 4. Oktober, im Wülfingmuseum in Radevormwald-Dahlerau a. d. Wupper zu sehen (Tel. RS 6922851, E-Mail )info@wuelfing-museum.de">info@wuelfing-museum.de. Die Öffnungszeiten: Sonntag, 11 bis 17 Uhr, Dienstag und Samstag, 10 bis 12 Uhr. Der Aussteller, Dr. Wilhelm R. Schmidt M.A., geboren 1947 am Lenneper Mollplatz, bemüht sich seit 1989 um das Lebenswerk seines Lenneper Urgroßvaters Albert Schmidt (1841-1932). Im Tuchmuseum richtete er bislang acht Ausstellungen zu verschiedenen Lennep-Themen aus. Weitere Ausstellungen wurden in der e Lennep und im Rathaus Lüttringhausen realisiert. Die Ausstellung in Dahlerau läuft zunächst bis Ostern 2021

Traditionell ist vor allem der Lenneper Baumeister, Architekt, Ingenieur und Talsperrenbauer Albert Schmidt als wichtiger Partner der Lenneper Industrieherren Hardt, Schürmann, Hilger, Karsch, Schröder u.a. bekannt. Es finden sich aber seit einiger Zeit vermehrt auch Dokumente über seinen Vater Christian Schmidt (1805-1865), der bereits in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts an der Wupper und in Lennep ein großes Baugeschäft mit Zimmerei und Ziegelei betrieb. Die Ausstellung in Dahlerau umfasst 20 Tafeln mit Bild- und Textinformationen, die dem Lenneparchiv Schmidt, dem Tuch- und dem Wülfing-Museum sowie neueren Aufsätzen aus einem 2016 veröffentlichten Sammelband zur Bergischen Industriekultur entstammen. Außer Christian Schmidt gilt die Ausstellung vor allem dessen Sohn Albert Schmidt, der in seiner Jugend über eine längere Zeit die Geschäfte mit seinem Vater zusammen betrieb, sowie Arthur Schmidt, der ab 1903 seinen Vater Albert Schmidt im Lenneper Baugeschäft ablöste. Die Zusammenarbeit der Lenneper Bauunternehmung mit den Wupperfabriken erstreckte sich insgesamt bis in die 1960er Jahre.

 

Die Fabrik von Mannesmann, Pionier einer neuen Betriebsform

Reinhard Mannesmann schuf mit seinem Bruder Arnold die erste fabrikmäßige Anlage in Remscheid.geschäftshausAls Napoleon 1809 dem Herzogtum Berg die Gewerbefreiheit schenkte, war bereits durch die Bergischen Kaufleute tatkräftig eine neue Betriebsform geschaffen und dem in den Zunftschranken erstarrten Handwerk entgegengestellt worden: Die Hausindustrie. Mit dieser Organisation hatten sie sich zu Herren eines Teiles der Produktion gemacht und waren so erfolgreich der Gefahr begegnet, dass sich auch die nicht einer Zunft angehörenden Handwerker zusammenschlössen oder gar dem der freien Gewerbetätigkeit feindlichen Lande den Rücken kehrten. (Zahlreiche Remscheider Unternehmer und Arbeiter wanderten noch in der Zeit der Zunftherrschaft, erst recht aber nach deren Ende in fremde Staaten aus, hoben deren Industrie und machten ihrer alten Heimat Wettbewerb. Im 18. Jahrhundert gründete Peter Hasenclever z. B. bedeutende Eisenwerke in Nordamerika und versuchte, Remscheider Schmiede nach dort zu ziehen.)

Der auch hier (in der Hausindustrie) zum Ausdruck kommende Unternehmungsgeist der Kaufmannschaft hat fraglos einer großen Zahl kleiner Betriebe in die moderne Zeit hineingeholfen. Die Träger der Hausindustrie waren zwei äußerlich getrennte und unabhängige Personengruppen: Kaufleute (Kommissionäre) und Schmiedemeister sowie andere Handwerker. Neben Betrieben dieser Art bestanden anfangs des 19. Jahrhunderts Handwerksbetriebe der sogenannten Kleinschmiede, beide im Wesentlichen unterschieden durch die Gestaltung des Absatzes. Im einen Falle setzten die Meister ihre Waren selbst an die Verbraucher ab. Sobald der Absatz an Großabnehmer (Kaufleute) geht, die ihrerseits die Erzeugnisse weiter vertreiben, haben wir im Allgemeinen einen hausindustriellen Betrieb vor uns. Der wesentliche Vorteil lag für den Kaufmann darin, dass er ein Konjunkturrisiko beliebig auf den Hersteller abwälzen konnte, denn die Betriebsstätten und -einrichtungen gehörten ihm. Später trat eine andere Form der Hausindustrie, die Miete der Arbeitsräume, hinzu. In dieser Beherrschung des Absatzes lag die Überlegenheit des Verlegers — auch „Fabrikkaufmann" genannt" — über den Handwerker, der rasch an Boden verlor. Die Grenzen beider Betriebsarten waren fließend. Ein mächtiger Gegner entstand dem Verlag in der Fabrik, die bis heute die alte Betriebsform fast ganz verdrängte, wenn auch noch immer eine Reihe von kleinen Betrieben für kaufmännische Firmen arbeitet und von ihnen abhängig ist, bzw. noch einige andere Reste hausindustrieller Tätigkeit sich erhalten haben. Die moderne Fabrik kam auf als organisierter Betrieb, der in der Lage war, sich den wachsenden Forderungen des Marktes nach Ware anzupassen und zugleich, weil er die verschiedenen, bisher örtlich getrennten Produktionsstufen eines Erzeugnisses an einem Orte vereinigen konnte, rationeller zu arbeiten.

Vorstufen einer Fabrik begegneten uns in der Sensenfabrikation und der Klingenindustrie. Die Sensen wurden in „Fabriken" (Sensenhämmern) verfertigt, die Handelshäusern gehörten. Die in ihnen Beschäftigten waren von den Besitzern abhängig. Im anderen Fall hatten Robert und Hermann Böker sämtliche Produktionsglieder zu einer einheitlichen, wenn auch örtlich getrennten Erzeugung zusammengefasst. Die erste Fabrik schuf Reinhard Mannesmann (Foto) zusammen mit seinem Bruder Arnold, indem er (etwa 1840) Feilenschmiede, Ausglüher, Härter und Packer in einer Feilenfabrik vereinigte. Schleifer und Hauer leisteten zunächst noch Heimarbeit, wurden aber bald auch in den Betrieb eingegliedert (1850—52). „Die Fabrik von Mannesmann ... ist für Remscheid das, was Henckels für Solingen ist — der Pionier einer neuen Betriebsform," schrieb die Firma damals selbst. Andere Fabriken folgten. Sie waren etwa bis 1860 größtenteils Manufakturen. Dann trat die moderne Form der Fabrik (Maschinenarbeit) in den Vordergrund.

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September 2010: Der Waterbölles blättert zurück

Ein siebentägiger Veranstaltungsreigen war im September 2010 das Bergische Jugendkulturfestival, veranstaltet von den Städten Solingen, Wuppertal und Remscheid mit mehr als 40 Musik- und Tanzgruppen. So gab’s etwa auf der Konrad-Adenauer-Straße ein  siebenstündiges „Open-Air-Konzert“, u.- a. mit der Gruppe „Luxuslärm“. Kooperationspartner waren Teo Otto Theater, Bücherei und Städt. Galerie.

„In Remscheid drohen nicht nur die Brunnen in der Innenstadt zu versiegen, weil die finanzschwache Stadt ihnen das Wasser abdreht, sondern es droht auch die Verlandung des Stadtparkteichs“, berichtete der Waterbölles vor zehn Jahren. Die Verwaltung reagierte damals auf Kritik der CDU wie folgt: „Der schlechte Zustand des Teiches ist schon seit Jahren bekannt. Dieser Zustand wird sich noch über mehrere Jahre hinziehen, bis die vollständige Verlandung des Teiches erfolgt ist. Das ursächliche Problem an der derzeitigen Situation ist der fehlende natürliche Zufluss. Grundsätzlich ändern ließe sich der Zustand nur, wenn die Schlämme des Teiches ausgekoffert würden, so dass eine Wassertiefe, zumindest in Teilbereichen, von ca. 100 cm erreicht würde. Grob überschlägig wären dies etwa 1.000 Kubikmeter Schlämme. Eine Erhöhung des Wasserspiegels um etwa 15 bis 20 cm bis zur Überlaufkante des vorhandenen Ablaufes, wäre die kostengünstigere Variante, um die Situation zu verbessern. Durch eine Erhöhung des Spiegels könnte während längerer Trockenzeit das Trockenfallen hinausgezögert, möglicherweise sogar gänzlich ausgeschlossen werden. Leider ist eine Erhöhung des Wasserspiegels aber nicht möglich, da der Damm offenbar Undichtigkeiten aufweist, die keine höhere Anstauhöhe zulassen, als sie derzeit erreicht ist.“

Ampelanlage auf Vieringhausen ist verzichtbar“, teilte im September 1210 die Straßenverkehrsbehörde mit und revidierte damit Pläne von 2007. Auf eine Ampelanlage aufheben. Eine entsprechende Empfehlung hatte bereits am 29zu verzichten, hatte zuvor die Unfallkommission empfohlen, nachdem die die Kreispolizeibehörde Wuppertal bestätigt hatte, dass es sich „bereits seit einigen Jahren“ um keinen Unfallschwerpunkt mehr handele.

Wie man sich täuschen kann: Die Sanierung von "Haus Cleff" sei machbar, teilte vor zehn Jahren der Aachener Architekten Achim Wolf den Mitgliedern der Bezirksvertretung Alt-Remscheid mit. eine gute und eine schlechte Nachricht. Die schlechte: Das alte Patrizierhaus aus Fachwerk muss saniert werden. Die Schäden seien nicht so schwerwiegend, wie zunächst befürchtet. Da sei ihm „ein Stein vom Herzen gefallen“, sagte dazu damals Thomas Judt, der Chef des städtischen Gebäudemanagements, vor der laufen Fernsehkamera eines WDR-Lokalzeit-Reporters. Die Instandsetzung werde voraussichtlich einen mittleren sechsstelligen Betrag erfordert. Historisches Zentrum braucht 12,8 Millionen Euro hieß es dann im Mai 2018.

Die Forderung der Wählergemeinschaft W.i.R. vom 18. August 2010 nach einem „Ordnungs- und Reinigungskonzept  bezog sich auf Vandalismus am Remscheider Hauptbahnhof. Am 1. September 2010 berichtete Ordnungsamtsleiter Jürgen Beckmann in der Bezirksvertretung Alt-Remscheid dann von Sachbeschädigungen im P&-R-Parkhaus. Die Frage nach Videokameras hatte die Verwaltung da bereits geklärt: Im P&R-Parkhaus (Privatbesitz, wenngleich der Öffentlichkeit gewidmet) seien Videokameras erlaubt, im öffentlichen Raum (unter freiem Himmel) könne aber nur die Polizei eine derartige Überwachung veranlassen.

In der ehemaligen IHK-Villa an der Elberfelder Straße eröffnete vor zehn Jahren eine  "Kinderwunschklinik". Dass sich für das Gebäude der IHK-Geschäftsstelle Remscheid, das schon 2001 nach dem Auszug der letzten Mieter für einen Hausmeister und eine IHK-Mitarbeiter viel zu groß geworden war, endlich ein Käufer gefunden habe, die „M+MI Grundstücksverwaltung KG“ in Himmelpforten bei Stade, und ein neuer „Ankermieter", Dr. Johannes Luckhaus, ein bekannter Remscheider Frauenarzt und ausgewiesener Spezialisten für Endokrinologie und Reproduktionsmedizin, teilte damals die IHK erleichtert mit. Im Jahr 1977, bei der Fusion der bis dahin selbstständigen Industrie- und Handelskammern Wuppertal, Solingen und Remscheid zur Drei-Städte-Kammer, war festgelegt worden, dass in Remscheid noch bis 1983 „ein leibhaftiger Hauptgeschäftsführer" residieren sollte. Noch 2002 hatten an der Elberfelder Straße zwölf IHK-Mitarbeiter/innen ihren festen Arbeitsplatz gehabt, ab 2006 dann nur noch eine kleine Geschäftsstelle mit einer Mitarbeiterin und einem Hausmeister.

Forschungsgemeinschaft übernimmt Thyssen-Gelände“, teilte vor zehn Jahren die Forschungsgemeinschaft Werkzeuge und Werkstoffe (FGW) mit. Der Kauf des knapp 11.000 Quadratmeter großen Grundstücks an der Papenberger Straße sei. Ein Jahr später begann dort der Bau neuer Büro- und Lagerflächen (ca. 2.500 Quadratmeter).

Das Remscheider Umweltamt (Fachdienst Umwelt) riet vor zehn Jahren davon ab, Pilze unter der Müngstener Brücke zu sammeln. Denn diese hätten einen  hohen Bleigehalt. Der sei zurückzuführen auf diverse bleihaltige Anstriche der Brücke, wie Bodenuntersuchungen der Deutsche Bahn AG ergeben hatten.

Im September 2010 kündigte der Reit- und Fahrverein Remscheid e.V.  in der Hofschaft Buscherhof (Blume) den Neubau einer zweiten Reithalle (62 mal 21,5 Meter groß)  mit 15 Pferdeboxen an. Vereinssprecher Uwe Kloß erläuterte das Projekt damals im Kleinen Sitzungssaal des Rathauses den Mitgliedern des Schul- und Sportausschusses. Einstimmig bewilligten diese einen Investitionsausschuss von 10.000 Euro. Der Verein zählt vor zehn Jahren 214 Mitglieder. In den Stallungen standen 27 Vereins- und sieben Schulpferde. Erst durch die zusätzlichen 15 Boxen, so Uwe Kloß gestern, rechne sich für den Verein ein fest angestellter Pferdewirt. Der Schulbetrieb für Kinder, Jugendliche und Erwachsene werde mit der neuen Halle von zwei auf drei Stunden täglich ausgedehnt werden.

Mit einem Sport- und Spielfest wurden vor zehn Jahren die Konsumterrassen am Rosenhügel offiziell von Oberbürgermeisterin Beate Wilding eröffnet. Im Anschluss startet das 2. am Rosenhügel. Ein Arbeitskreis und das Stadtteilbüro Rosenhügel hatten die Veranstaltung vorbereitet. Ebenfalls im September 2010 eröffnete Wilding den neuen Bahnhof Lennep.  Mit Fördermitteln aus der Gemeindeverkehrsfinanzierung und der Modernisierungsoffensive NRW waren damals der Bahnhof Lennep ebenso wie die übrigen drei Remscheider Haltepunkte der Deutschen Bahn umgebaut worden. Dabei wurde das Aussehen des Haltepunktes Remscheid-Lennep am grundlegendsten verändert. „Das Gelände drohte zur Schmuddelecke zu werden“, erinnerte Wilding damals an den Anfang des Projektes im Rahmen der Regionale 2006.

Über die Autobahn angeliefert wurde vor zehn Jahren das erste Bauteil des Nordstegs. Es war 24 Meter lang und rund 40 Tonnen schwer ; der nächtliche Schwerlasttransport habe bei der Einfahrt auf den speziell geschützten Bahnhofsvorplatz aber nur zu kurzen Verkehrsbehinderungen geführt, teilte die Verwaltung damals mit.

 

1944 wegen „Wehrkraftzersetzung“ festgenommen

von Armin Breidenbach

Wie das 2018 wiederaufgetauchte „Aufnahmebuch des Polizeigefängnisses Remscheid von 1944/45“ dokumentiert, wurden am 23. Oktober 1944 drei Remscheider in das hiesige Polizeigefängnis in der Uhlandstraße eingeliefert, darunter der Autoschlosser Hans Dürhager und der Packer Albert Schumacher. Beide waren wegen Zersetzung der deutschen Wehrkraft festgenommen worden; zwei Tage später wurden sie in das Amtsgerichtsgefängnis Remscheid überstellt. Nachdem am 28. Oktober 1944 gegen beide ein Haftbefehl erlassen worden war, wurden sie zunächst wieder in das Polizeigefängnis Remscheid zurückgebracht. Zwei Tage später erfolgte ihre Überstellung in das Gerichtsgefängnis Wuppertal.

In der über Hans Dürhager nach dem Zweiten Weltkrieg angelegten Wiedergutmachungsakte befindet sich ein längerer Bericht von Albert Schumacher, in dem es unter anderem heißt: „Hans Dürhager und ich wurden gemeinsam am 23.10.1944 von der Gestapo Remscheid verhaftet und wegen Vorbereitung zum Hochverrat unter Anklage gestellt. Nachdem wir zunächst in das Gefängnis Wuppertal-Bendahl überführt wurden, kamen wir anschließend in das Gefängnis Berlin-Plötzensee […].“

Als bei einem schweren US-Luftangriff auf Berlin am 3. Februar 1945 unter anderem auch das Gebäude des berüchtigten Volksgerichtshofs zerstört und dabei dessen Präsident Roland Freisler getötet worden war, ordnete Hitler zwei Tage später an, den Volksgerichtshof nach Potsdam auszulagern und die für Hoch- und Landesverrat zuständigen Senate nach Bayreuth zu verlegen. Einen weiteren Tag später, am 6. Februar 1945, „wurden aus den Berliner Haftanstalten ca. 300 Untersuchungs- und Strafgefangene zusammengezogen, um sie ins Zuchthaus St. Georgen nach Bayreuth zu bringen. […] Die Gefangenen wurden am Berliner Westhafen in geschlossene Frachträume von Lastkähnen gepfercht und sechs Tage spreeabwärts transportiert. Am 11. Februar 1945 wurde die Fahrt von Coswig in überfüllten Güterwaggons nach Bayern fortgesetzt. In Erinnerungsberichten schildern Überlebende die katastrophalen Bedingungen dieser Fahrt: die völlig unzulängliche Versorgung mit Lebensmitteln, die Enge, die unmenschliche Behandlung durch die begleitenden Wachmannschaften und schließlich die Fliegerangriffe. Als der Transport am 17. Februar in Bayreuth ankam, wurden die erschöpften Häftlinge nach einem Fußmarsch in das überfüllte Zuchthaus eingeliefert.“Wie das im Nationalarchiv Prag verwahrte „Gefangenenbuch des früheren Zucht- und Arbeitshauses St. Georgen-Bayreuth“ dokumentiert, befanden sich unter diesen Gefangenen auch Hans Dürhager und Albert Schumacher; sie wurden unter den Nummern U 1298/44 und U 1329/1944 in dieses Gefangenenbuch eingetragen. Die Gefangenenanstalt St. Georgen-Bayreuth hatte 1935 eine Belegungsfähigkeit für insgesamt 750 Männer gehabt. Später war sie für 1.200 Häftlinge vorgesehen; gegen Kriegsende, als sie „zu einer Schwerpunktanstalt für Gefangene aus dem heutigen Tschechien“ geworden war, war sie mit etwa 5.000 Häftlingen völlig überbelegt.

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Wochenrückblick vom 21. bis 27. September 2020

Organisation war die Sache der kleinen Fabrikanten nicht

Teil II, Paul Legers: Die Remscheider Werkzeug- und Eisenindustrie von der Einführung der Gewerbefreiheit bis zum Ausbruch des Weltkriegs

In der Natur des „kollektivistisch" eingestellten Staates der Gegenwart liegt es erst recht, dass er auf die „Kleinen" im Wirtschaftsgefüge keine Rücksicht nimmt, weil ihnen die sinnfällige Wirkung mit Menschenmasse und Betriebsgröße versagt ist. Ihre Lage muss sich daher umso gefahrvoller gestalten, weil die gesetzlichen Maßnahmen, besonders auf dem Gebiete der Festsetzung und Erhebung der staatlichen Gefälle und Steuern, schematisch aufgebaut sind und diesen Zwischenstufen zwischen Industrie und Handwerk keine Rechnung tragen. In wachsendem Umfange werden für alle industriellen Betriebe, unabhängig von ihrer Größe, gleiche Grundsätze aufgestellt. So wird es unmöglich, einzelnen Gruppen Sonderregelungen zuzuerkennen, wo es deren Natur angemessen und der allgemeinen Rechtsgleichheit nicht zuwider ist.

Die soziale Gesetzgebung umspannt die „Kleinen" mit den gleichen Auflagen wie die größeren Unternehmungen. Kapital- und Kreditnot wirken sich für jene schärfer aus. Zugleich findet eine steigende Syndizierung aller Vor- und Hilfserzeugnisse statt, durch die gleiche Zahlungsbedingungen für jeden Abnehmer geschaffen werden. So sieht sich die Schicht kleiner Betriebe in einen Verwaltungs- und Organisations-Apparat hineingestellt, dem weder der Umfang der Arbeitsstätten noch Denkungsart und Vorbildung der Inhaber im allgemeinen entsprechen. Damit wird ihnen ihre Überlegenheit über den größeren Fabrikbetrieb genommen, die in ihrer Arbeitszeit, ihrer spesenlosen Absatzweise und den daraus entstehenden billigen Gestehungskosten begründet war.

13. Die größeren Fabrikanten, deren Daseinskampf sich in der Gegenwart gleichfalls verschärfte, hätten den Stamm der Führer stellen können, um die sich leichter die große Masse der kleineren Betriebsinhaber vereinigt hätte. Die ihrer Wirtschaftskraft nach bedeutenderen Betriebe der Werkzeugindustrie des Bergischen Landes sind jedoch in ihrer Organisationskraft schon deshalb gehemmt, weil ein Teil von ihnen an den deutschen Großhandel, der andere an den letzten Verbraucher unmittelbar liefert, wodurch sich manche Unterschiedlichkeit in der Beurteilung wirtschaftlicher Faktoren erklärt. Ihr Streben blieb vor allem eingeengt durch die Einstellung der Mehrzahl der kleineren Unternehmer. Da diese fast ausschließlich auf den Absatz ihrer Waren an den ortsansässigen Handel angewiesen sind, ist eine Einheitlichkeit der Betrachtung wirtschafts- und verbandspolitischer Aufgaben in hohem Maße in Frage gestellt.

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