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Wochenrückblick vom 20. bis 26. Juli 2020

Lüttringhauser Familien im 17. und 18. Jahrhundert (8)

Aus: „Bergische Wegbahner. Persönlichkeiten und Geschlechter aus Remscheid, Lennep und Lüttringhausen“. Herausgegeben 1951 vom Vorstand des Bergischen Geschichtsvereins e.V. Abteilung Remscheid.

von E. Erwin Stursberg

Die Familie Stursberg: Der namengebende Stammhof wird bereits um 1350 genannt. Rund 100 Jahre später erscheint als erster Namensträger ein Wynolt zu Stursberg, der offenbar als Fuhrmann zu den kleinen Leuten der Hanse gehörte und gelegentlich Geschäfte auf eigene Rechnung tätigte. Sein Sohn Sybel stand 1487 an der Spitze der wohlhabendsten Lüttringhauser, die zu einer Guldenanleihe des bergischen Herzogs beisteuerten. Außerdem stiftete er zum Gedächtnis seines Vaters eine Kirchenrente, die im 16. Jahrhundert durch seinen Nachfolger Bernd Stursberg abgelöst wurde. Dieser Bernd und seine Nachkommen waren Messerschmiede, und in ihren Händen befanden sich schon früh mehrere Schleifkotten, denen eine Reihe von Hammerwerken folgte. 1607 besaß Theiss zu Stursberg einen Schleifkotten unterhalb der Hermannsmühle, der später in einen Reckhammer umgebaut wurde und unter dem Namen Bärenhammer bekannt ist. 1623 wurde dieser von Allof zu Stursberg betrieben, dessen Vetter Franz Stursberg mit dem Beinamen Sirachs nicht viel später einen Kotten unterhalb Speisberg sein eigen nannte. Etwa gleichzeitig gelangte auch der ebenfalls unterhalb der Hermannsmühle gelegene Doppelkotten Goldenbergs in den Besitz dieses Stursbergschen Familienzweiges, wonach dann der Kotten den Namen Sirachskotten erhielt.

Im selben Zeitabschnitt hatte ein anderer Franz aus der Familie, der in Lennep ansässig geworden war und durch seine Heirat mit Anna von Hagen Anschluss an die dortige Ratsverwandtschaft und Kaufmannschaft gefunden hatte, sich dem Handel mit Tuchen zugewandt. Sein Sohn Engelbert zog nach Köln und erwarb 1643 dort das Großbürgerrecht. Als Großkaufmann zog er bald in den Rat der Stadt ein, wurde Gewaltrichter, heiratete in drei Ehen immer höher hinauf, ließ seine Söhne die Rechte studieren und erwarb große Reichtümer. Vier seiner Söhne waren Tuchkaufleute wie er, aber ein fünfter wurde Doktor beider Rechte, Apostolischer Protonotar und Dechant von St. Georg in Köln, von seinen Zeitgenossen bezeichnet als „großer und gelehrter Mann".

Die Familie blieb immer mit der Heimat in Verbindung, wo inzwischen die ehemaligen Messermacher und Kottenbesitzer ebenfalls zum großen Teil zur Kaufmannschaft übergegangen waren. Besonders die Brüder Johannes (1657—1730) und Peter Stursberg (1665—1703) waren durch ihren Ehen mit Töchtern aus den an­gesehenen Iserlohner Familien Schmolle und Wichmann mit den dortigen Wirtschaftskreisen in engste Verbindung gekommen. Da die Schmölles die Iserlohner Kratzendrahtindustrie begründet hatten und als Monopol betrieben, war es den Brüdern Stursberg nicht schwer, den Alleinverkauf des Kratzendrahtes für die Tuchmacher im Gebiet von Lüttringhausen, Lennep, Hückeswagen und Wipperfürth an sich zu ziehen und ebenfalls zu monopolisieren. Ihre Gewinne waren auch danach. Johannes Stursberg konnte mehrere Hausplätze erwerben und Wohnhäuser darauf errichten, dann nahm er das sogenannte Opfergut in Pacht, brachte den Felderhof in seine Hand, erwarb weiteres Gelände von der Kirchengemeinde und errichtete schließlich den „Neuenhof", der Gast- und Rasthaus für Fernfuhrleute und gleichzeitig Johanns Warenlager und Hanelskontor war.

Ein Heinrich Stursberg (1701—1775), wohnhaft am Kranen, bewirkte damals den Aufstieg eines anderen Familienzweiges. In drei Ehen war er verheiratet mit Töchtern der Hammerwerksbesitzer Motte, Steffens und Hilbertz und brachte dadurch ehemalige Besitztümer der Familien Motte, Reinshagen, Goldenberg, Luhn, Halbach und Hilbertz in seine Hand. Seine Nachkommen sind größtenteils Kaufleute und Fabrikanten geworden. Das Wahrzeichen dieser Linie ist der „Kranerhof", heute der Sammelpunkt der Gesamtfamilie. Der Erbauer dieses Hofes vereinigte drei Raffinierhämmer in seiner Hand, ein Vetter besaß gleichfalls drei, ein anderer zwei solcher Werke. Insgesamt sind mindestens zwölf Hammerwerke und sechs Schleifkotten für kürzere oder längere Zeit in Stursbergschem Besitz gewesen, ebenso die ersten, von Namensträgern errichteten Dampfschleifereien.

Lüttringhauser Familien im 17. und 18. Jahrhundert (7)

Aus: „Bergische Wegbahner. Persönlichkeiten und Geschlechter aus Remscheid, Lennep und Lüttringhausen“. Herausgegeben 1951 vom Vorstand des Bergischen Geschichtsvereins e.V. Abteilung Remscheid.

von E. Erwin Stursberg

Teil 7

Die Familie Reinshagen: Ihrem Namen nach stammt diese Familie aus Remscheid, aber schon im 17. Jahrhundert wohnten mehrere Stämme in Lüttringhausen auf den Höfen zu Westen, Nüdelshalbach und Hohenhagen. 1672 heiratete ein Wilhelm Reinshagen des Hammerherren und Hohegerichtsschöffen Peter Goldenberg Tochter Anna, und nach deren Ableben im Jahre 1683 Christine Luhn, Tochter des Hammerwerksbesitzer Peter Luhn. Mit seinen Schwägern Theiss und Franz Gördt Goldenberg betrieb Wilhelm gemeinsam mehrere Hämmer am Leyerbach. Sein Sohn Dietrich war mit einer Tochter des Peter Loos verehelicht, der im „Mühlchen" in der Nüdelshalbach eine Amboßschmiede betrieb. Seine Tochter Elisabeth heiratete den Hammerherren Johannes Motte im Far-renbracken und die Tochter Catharina den Industriellen Peter Hasenclever aus der Lobach. Johannes Reinshagen zu Nüdelshalbach (1635—1711) war mit einer Anna Katharina Goldenberg verehelicht, und sein Sohn Peter wurde durch Heirat mit Anna Christine Stursberg ein Schwager des Hammerherren Wilhelm Diederichs.

Zum Heiratsgut von Peters Frau gehörten außer einem Gutsanteil auf dem vordersten Stursberg auch Wiesen und Grundstücke am Diepmannsbach. Hier gedachten seine Söhne Johann Peter und Friedrich einen neuen Reckhammer anzulegen; da aber der Bach schon zu überlastet war, erwarben sie Grundstücke am Joistberg am linken Ufer der Wupper in der Nähe von Hückeswagen. Hier begründeten sie in den Jahren 1730 bis 1738 die „Reinshagenshämmer", nach welchen die dabei erwachsene Siedlung und spätere Eisenbahnhaltestelle den Namen „Hämmern" (an den Hämmern) erhielt. Zur Schwägerschaft der beiden Brüder gehörten Angehörige der Hammerherrenfamilie Motte, und Johann Peters Töchter gingen Ehen ein mit dem Lüttringhauser Tuchkaufmann und -fabrikanten Johann Anton Wülfing, und dem Stahlkommerzianten Melchior Clarenbach an der Kräwinklerbrücke. Die Familie Reinshagen auf dem Westen nahm nach ihrem Stammvater Manes (Tilmanus) auf Reinshagen den Namen Mannes an. Der bekannteste Vertreter dieser Linie ist der nach Remscheid abgewanderte Handelsherr Peter Mannes zu Haddenbrock geworden.

77. Jahrestag des Luftangriffs auf Remscheid

Pressemitteilung der Stadt Remscheid

Alle Remscheiderinnen und Remscheider sind herzlich eingeladen, am Donnerstag, 30. Juli, um 18 Uhr im Ehrenhain Reinshagen gemeinsam mit Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz der Opfer des Luftangriffs auf Remscheid in Stille zu gedenken. Selbstverständlich werden vor Ort alle Corona-bedingten Regelungen im Sinne aller Anwesenden beachtet. Am 30. Juli 1943 war um 23.30 Uhr der Luftalarm für das Remscheider Stadtgebiet ausgelöst worden. Nach der Bombardierung der bergischen Nachbarstädte in den Wochen und Monaten zuvor sollte an diesem Tag Remscheid das Ziel der Bomberbände werden. Am frühen 31. Juli 1943 erreichten die Flugzeuge unsere Stadt. In knapp drei Stunden zerstörten 295 Tonnen Sprengbomben und 483 Tonnen Brandbomben das, was zuvor von Generationen erschaffen worden war.

Der von deutschem Boden durch das NS-Regime entfesselte Weltkrieg erreichte damit auch unsere Stadt. 1.063 Menschen verloren in dieser Nacht ihr Leben. Zahllose Verletzte waren zu beklagen. Zahllose Bürger verloren ihr Obdach, Hab und Gut. Als die Morgendämmerung anbrach, offenbarte sich in der Remscheider Innenstadt ein Bild der Zerstörung, des Schreckens und des Grauens.

Mehr als sieben Jahrzehnte sind seitdem vergangen. Frieden, Freundschaft und Freiheit sind heute scheinbar selbstverständlich. Aber die Erinnerung an die Nacht des 30. auf den 31. Juli 1943 hilft zu begreifen, dass scheinbar Selbstverständliches vergehen kann, wenn es nicht immer wieder bewusst bewahrt und erneuert wird. Die Opfer – unter ihnen Bürgerinnen und Bürger, verschleppte Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene – mahnen uns, für Frieden, für Toleranz und für Verständigung einzutreten.

Lüttringhauser Familien im 17. und 18. Jahrhundert (6)

Aus: „Bergische Wegbahner. Persönlichkeiten und Geschlechter aus Remscheid, Lennep und Lüttringhausen“. Herausgegeben 1951 vom Vorstand des Bergischen Geschichtsvereins e.V. Abteilung Remscheid.

von E. Erwin Stursberg

Teil 6

Die Familie Halbach: Die ersten Namensträger werden zu Anfang des 15. Jahrhunderts genannt, während im 16. Jahrhundert bereits mehrere Stämme gleichen Namens zu unterscheiden sind. Die Mehrzahl der heutigen Namensträger leiten sich ab von einem Peter Fohrmann, Foermann oder Vormann auf der Halbach, der 1575—1603 als Schöffe des Hohgerichts erscheint. Die herrschende Meinung will in diesem Peter den Vorsteher (Vormann) des Weilers Halbach sehen, die größere Wahrscheinlichkeit spricht aber dafür, dass er ein Fuhrmann und möglicherweise ein Spross der Familie von Hagen war, der die Erbtochter des Teilgutes auf der obersten Halbach geheiratet hatte und dort ansässig geworden war. Auf seine Nachkommen wurde dann der Name dieses Hofes übertragen. Peter hat lange Zeit die Kameral-Zwangsmühle am Leyerbach in Pacht gehabt und betrieben, ebenso auch eine Zeit lang die der Familie Fuhrmann bzw. von Hagen gehörende Hermannsmühle, und gleichzeitig damit eine Bäckerei.

Seine Nachkommen sind dem Mühlengewerbe aber nicht treu geblieben, sondern wandten sich der Eisen- und Stahlschmiederei zu. Doch haben noch mehrere von ihnen das Schöffenamt bekleidet. Besonders hervorgetreten ist Johannes Halbach (1614—1696), ein Enkel Peters, der mehrere Hammerwerke am Leyerbach errichtet hat, so in der „Schmieds-Halbach" und im Kradenholl. Verheiratet war er mit einer Katharina Goldenberg, und zu seinen Schwiegersöhnen gehörten die Hammerherren Dietrich Goldenberg, Peter Jakobs von Westen und Caspar Clarenbach vom hintersten Stursberg, der gleichzeitig einen ausgedehnten Eisenhandel betrieb. Aber auch Nebenzweige der Familie waren von Bedeutung. So war um die Mitte des 17. Jahrhunderts ein Johannes Halbach Besitzer des halben Bottlenbergischen Manngutes „oben der Kirchen" im Dorf Lüttringhausen, und er bekleidete lange Zeit das Amt des Vogtes oder Geldernebers in der zugehörigen Lehnsherrschaft. Ein anderer Johannes Halbach (1640 bis 1696) war Licentiat der Rechte und wurde Syndikus des heimischen Konsistoriums. Sein Sohn Johann Theodor (1669 bis 1706) studierte ebenfalls und erreichte denselben akademischen Grad wie sein Vater; doch setzte ihm eine tückische Krankheit ein frühes Ende. Mehrere Namensträger ergaben sich auch der Theologie und sind Pastoren in verschiedenen rheinischen Gemeinden geworden.

Zum Ausbau des Dorfes Lüttringhausen haben Träger des Namens Halbach nicht wenig beigetragen, indem sie hier mehrere Wohnhäuser errichteten, in denen sie meist Kaufmannschaft betrieben. Aber trotz vieler Abspleißungen von dem Halbachschen Hauptgut blieb dasselbe noch lange Zeit die größte und bedeutendste bäuerliche Wirtschaft im Dorfe selbst. Dass der Name Halbach laufend unter den Konsistorialen vertreten war, versteht sich dabei von selbst. Es würde auch zu weit führen, die gewerblichen Unternehmungen der Familie alle einzeln aufzuzählen; es genüge die Feststellung, dass der Name Halbach noch heute der weitverbreiteste in Lüttringhausen ist und nach wie vor auf den Firmenschildern von Handwerks-, Textil- und eisenverarbeitenden Betrieben zu finden ist. Die namhafteste Firma der Heimatgemeinde ist wohl die Werkzeug- und Beschlagteilefabrik von Ferdinand Halbach & Co. zu Goldenberg; der hervorragendste Vertreter der Gesamtfamilie aber ist Dr. Gustav von Bohlen und Halbach, der durch seine Ehe mit Bertha Krupp das Essener Weltunternehmen dieses Namens in seine Hand brachte und seit 1906 den Namen Krupp von Bohlen und Halbach führt.

Häuser an der Hermannstraße entstanden um 1900

Die Hermannstraße in Lennep in früheren Zeiten.

von Dr. Wilhelm R. Schmidt

Liebe Lennepfreunde, Fotos von der Ecke der Hermannstraße / Friedrichstraße in Lennep gibt es ja eine Menge, aber wohl nicht viele historische in Farbe. Hier hatte der "Lenneper Gemeinnützige Bauverein" vor mehr als 120 Jahren ganze Arbeit geleistet, sehr sozial und auch sehr ansprechend. Vorne rechts erblickt man das Firmenschild einer Niederlassung des Hageners Lebensmittelgroßhändlers "Koch und Mann", dieser war schon im Jahre 1903 in Lennep als Kolonialwarengeschäft in der Martinsgasse 4 ansässig und später auch als Produzent des regional verbreiteten KOMA-Kaffees. "KOMA-Kaffee - ein Genuss", hieß es damals auch in Lennep.

Lüttringhauser Familien im 17. und 18. Jahrhundert (5)

Aus: „Bergische Wegbahner. Persönlichkeiten und Geschlechter aus Remscheid, Lennep und Lüttringhausen“. Herausgegeben 1951 vom Vorstand des Bergischen Geschichtsvereins e.V. Abteilung Remscheid.

von E. Erwin Stursberg

Teil 5

Die Familie von Hagen (Hohenhagen): 1277 wird als erster Träger dieses Namens ein Wilhelm von Hohenhagen genannt, dessen Güter zu Bürgergütern erklärt und mit der Stadt Lennep verbunden wurden. 1348 wurde einem Franz von Endringhausen, genannt von Hagen, dieses Privileg bestätigt, und ebenso wieder 1573 den Nachkommen Franz, Ambrosius, Adolf sowie einem alten und einem jungen Bertram, die allesamt auf dem Hohenhagen wohnten. Mit dem dortigen Bürgergut war seit altersher die Hermannsmühle verbunden, aber 1579 erhielt Peter auf dem Hohenhagen, der auch Vorsteher der Lenneper Außenbürger im Kirchspiel Lüttringhausen war, die Genehmigung, eine weitere Korn- und Oelmühle, die heutige Hägener Mühle und die nicht weit davon entfernte Oelmühle, zu errichten. 1615 wurde durch Peter vom Hohenhagen den Jüngeren noch ein „Schälgeläuf" in die Getreidemühle eingebaut, „um Hafer darauf zu schälen und von der Kaff zu fegen". Aber auch die Halbacher oder Leyer Mühle wurde 1601 von dem jungen Peter auf dem Hagen in Pacht genommen, 1636 erhielt Engel vom Hagen die Erlaubnis, die am Mückenbach liegende Dorfmühle wieder aufzubauen, aber um die gleiche Zeit legte auch ein Namensträger ein Hammerwerk am Eschbach an. Enge Verwandte all dieser Personen wohnten in der Stadt Lennep, wo sie zur Ratsverwandtschaft zählten und sich mit den Tuchkaufleuten verschwägerten, u. a. auch mit einem Zweig der Familie Stursberg, der später im Kölner Großbürgertum aufging.

Das Stammgut der Mühlenbesitzer auf dem Hohenhagen wurde als „Müllers Gut" bezeichnet; im 17. Jahrhundert ging es mitsamt der Hermannsmühle ganz in den Besitz der Familie Fuhrmann über, die aber nur als ein Zweig der Familie von Hagen angesehen werden kann und nach dem Gewerbe benannt wurde, das sie neben der Müllerei noch ausübte. Die Besitzer der Hägener Mühle haben dann ihren Wohnsitz in diese verlegt, wo noch im hohen 18. Jahrhundert Träger des Namens wohnten. Von dem Wohlstand der Familie legt das beste Zeugnis das Haus selbst ab, und mehrere Stiftungen für die Armen der Lüttringhauser Gemeinde bestätigen im Verein mit den auftretenden Konsistorialen dieses Namens die Geltung dieser Familie.

Zur späten Aufarbeitung der Stadtgeschichte

Foto von der Deportation Remscheider Sinti und durch die Freiheitstraße.

von Armin Breidenbach

Bei einem Vergleich mit anderen Städten fällt auf, dass eine systematische Aufarbeitung der Geschichte Remscheids in den Jahren 1933 bis 1945 erst relativ spät begann. Erste Ansätze dazu sind in dem 1978 veröffentlichten Band 2 des Buches „Remscheid so wie es war“ des Remscheider Fernsehjournalisten Gerd Courts zu finden. Erst viele Jahre später wurde ermittelt, dass die Remscheider Sinti und Roma durch die Freiheitstraße - an dem Haus Freiheitstraße 71 vorbei - abtransportiert wurden und dass das Foto unten etwa im Bereich Freiheitstraße / Ecke Stachelhauser Straße aufgenommen worden war. Seit 2006 erinnert ein „Stolperstein gegen das Vergessen“ vor dem Haus Freiheitstraße 71 an diesen Abtransport, der im KZ Auschwitz enden sollte. Dieses einzigartige, wahrscheinlich erstmals von Gerd Courts veröffentlichte Foto und teilweise auch drei weitere Fotos aus den Beständen des Remscheider Stadtarchivs, die ebenfalls die Deportation von Remscheider Sinti und Roma am 3. März 1943 dokumentieren, sind mittlerweile häufig in Buch- oder Internet-Beiträgen veröffentlicht worden.

Im Jahre 1978, kurz vor dem bevorstehenden 40. Jahrestages des Pogroms vom 9./10. November 1938, das im damaligen Deutschen Reich bzw. auch in Remscheid einen vorläufigen neuen Höhepunkt bei der Verfolgung der Juden darstellte, wurde offensichtlich, wie wenig bis dahin die Remscheider Stadtgeschichte während der NS-Diktatur bzw. die Themenbereiche Verfolgung und Widerstand aufgearbeitet waren bzw. Archivmaterial dazu gesammelt und gesichtet war. Der damalige Leiter des Remscheider Stadtarchivs, Dr. Walter Lorenz, wandte sich deshalb in einem Aufruf vom Juli 1978 an die Remscheider Öffentlichkeit: „Dem Archiv fehlen vor allem Nachrichten über Parteien und Organisationen in der Weimarer Republik, über Widerstand und Verfolgung im Dritten Reich, über den Einmarsch der Alliierten, den Wiederaufbau, das Wiederingangkommen von Verwaltung, Versorgung, Verkehr, Industrie, Parteien, Organisationen, Vereinen und kulturellem Leben nach dem Kriege. Jeder einzelne Bürger ist hiermit angesprochen, sein Wissen, Nachrichten oder Dokumente zur Geschichte Remscheids und seiner Bürger aus den letzten 50 oder 60 Jahren dem Archiv mitzuteilen.“

Auf verschiedene Beispiele für den Arbeiterwiderstand in Remscheid während des „Dritten Reiches“ ging Karl Schabrod in seinem bereits 1969 veröffentlichten Buch „Widerstand an Rhein und Ruhr 1933 - 1945“ ein. Und unter anderem auf dieses Buch hatte sich Dr. Walter Lorenz bezogen, als er im November 1978 einen Beitrag „Der vierte Stand in Remscheid. Neue Literatur zur Geschichte der Arbeiterschaft“ veröffentlichte.

Seit dem sind zahlreiche Publikationen über unterschiedliche Aspekte des Nationalsozialismus in Remscheid erschienen, unter anderem die von der Ronsdorfer Zeitung 1983 bzw. 1986 herausgegebenen Bände „Widerstand und Verfolgung in Remscheid 1933 – 1945“, sowie das von Jochen Bilstein und Frieder Backhaus 1992 herausgegebene Buch über die Verfolgung der jüdischen Bevölkerung Remscheids und das von Michael Mahlke 1995 herausgegebene Buch „Remscheid in der Zeit des Nationalsozialismus“. Wichtig für die Aufarbeitung der Remscheider Stadtgeschichte der Jahre 1933 bis 1945 sind beispielsweise auch die Publikationen von Ilse Faeskorn, Olaf Wunder, Armin Schulte und Werner Lauff.Mittlerweile liegen über die meisten der Remscheider NS-Verfolgten nicht nur mehr oder weniger ausführliche biographische Skizzen vor, sondern auch bisher insgesamt 180 „Stolpersteine gegen das Vergessen“, die an verschiedenen Stellen in Remscheid an die zahlreichen hiesigen NS-Opfer erinnern.

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Lüttringhauser Familien im 17. und 18. Jahrhundert (4)

Aus: „Bergische Wegbahner. Persönlichkeiten und Geschlechter aus Remscheid, Lennep und Lüttringhausen“. Herausgegeben 1951 vom Vorstand des Bergischen Geschichtsvereins e.V. Abteilung Remscheid.

von E. Erwin Stursberg

Teil 4

Die Familie Grund: Als Erster der Familie erscheint ein Luther im Grund, der 1554 als Besitzer eines Reckhammers unter dem Büchel und einer Eisenhütte in der Grundaue im Kirchspiel Lüttringhausen namhaft gemacht wird. In dem genannten Jahre schloss er mit Wyrnke in dem Siepen einen Vertrag über die Benutzung eines Wassergrabens zum Betrieb seiner eben genannten Werke, wobei die Zahlung einer jährlichen Rente von „achtzig pont gout Isers wohlgeschmeedt" an Wyrnke vereinbart wurde. Luthers Sohn Hens im Grund wird 1580 als Erbe seines inzwischen verstorbenen Vaters erwähnt und weiterhin auch als Sensenschmied und -kaufmann bezeichnet. Dessen Sohn Friedrich im Grund erscheint 1607 als Besitzer eines Klopfhammers, dreier Schleifkotten und zweier Heuhäuser daselbst. Unter seinen Söhnen spaltete sich das Geschlecht in zwei Hauptlinien, von denen die ältere noch längere Zeit in der Grundaue, die jüngere dagegen in der Clarenbach angesessen war. Der Begründer der älteren Linie, Peter im Grund, besaß 1623 die väterlichen Werke und den Hof im Grund, und 1646 noch dazu eine Eisenschmelzhütte in der Gerstau. Einer seiner Söhne, Dietrich mit Namen, wird 1680 als Fuhrmann und Sensenkaufmann bezeichnet, während ein anderer Sohn, wiederum Peter geheißen, um 1670 auf Rem-scheider Gebiet in der Haddenbach ansässig wurde, wo er neben einem ererbten Reckhammer, wohl durch seine Ehe mit Katha­rina Hasenclever, auch noch eine Eisenschmelzhütte in seinen Besitz brachte. Von Dietrichs Kindern übernahm sein Sohn Peter das Gewerbe des Fuhrmanns, das ihn oft nach Holland und dann regelmäßig nach Frankfurt a. M. führte. Hier ließ er sich auch schließlich als Gastwirt und Fuhrmann nieder und begründete endlich ein namhaftes Handelshaus.

Von Peters des Älteren Söhnen aus der Ehe mit Katharina Hasenclever sind noch mehrere als Kaufleute in Eisenwaren hervorgetreten, ebenso seine Enkel, und das ganze 18. Jahrhundert hindurch sind einige von ihnen in den verschiedensten kirchlichen Ehrenämtern tätig gewesen. Der Begründer der Clarenbacher Linie, wieder ein Luther Grund, besaß 1624 zwei Schleifkotten daselbst. Er war ebenfalls Kirchmeister in Lüttringhausen und verheiratet mit Anna Soter aus der bekannten Drucker- und Papiermacherfamilie. Sein Sohn Friedrich erscheint 1676 als Sensenkaufmann, der im darauffolgenden Jahre einen Reckhammer in der Gerstau erbaute. Seine drei Söhne Luther, Friedrich und Wilhelm besaßen 1692 als Erben Friedrichs einen Hammer in der Leyen, den also bereits der Vater erworben haben muss. In den Jahren 1727/28 werden auch die drei Brüder Grund als Kaufleute, oder, wie man damals sagte, als Kaufhändler, be­zeichnet, und ebenso erscheinen ihre und ihrer Söhne Namen wie bei den Vettern aus der Grunder Linie mehrfach in den Amtslisten des heimischen Konsistoriums.

Lüttringhauser Familien im 17. und 18. Jahrhundert (3)

Aus: „Bergische Wegbahner. Persönlichkeiten und Geschlechter aus Remscheid, Lennep und Lüttringhausen“. Herausgegeben 1951 vom Vorstand des Bergischen Geschichtsvereins e.V. Abteilung Remscheid.

von E. Erwin Stursberg

Teil 3

Die Familie Goldenberg: Der Name selbst wird bereits 1365 genannt, aber die Stammreihe eröffnet ein Peter am Guldenberg, der 1607 als Besitzer eines Wasserhammers und eines unterhalb der Hermannsmühle gelegenen Schleifkottens mit zwei Gelaufen erscheint. 1623 war ein Dietrich auf Goldtberg, wohl sein Sohn, im Besitz dieser Werke, dem dann ein Peter Goldenberg nachfolgte, der auch das Amt eines Hohgerichtsschöffen bekleidete und, als er im Jahre 1670 nach einer auszehrenden Krankheit das Zeitliche segnete, „in volkreicher Begleitung" beerdigt wurde, „dem Kirspel ein beliebter und nützlicher mann."

Von Peters zahlreichen Söhnen war einer, Dietrich mit Namen (1653—1734), in erster Ehe mit Katharina Halbach verheiratet. Er wohnte zunächst im Hause seines Schwiegervaters, des Hammerherren Johannes Halbach auf der obersten Halbach, dann auf dem vordersten Stursberg und betrieb zusammen mit seinem Schwager Peter Jakobs vom Westen zwei Reckhämmer, von denen einer im Leyerbachtal, der andere im Diepmannsbachtal lag. Von Dietrichs Brüdern betrieben der ältere Theiss (1642—1710) und der jüngere Franz Gördt (1658—1720) gemeinsam mit ihrem Schwager Wilhelm Reinshagen im Farrenbracken mehrere Hämmer unterhalb Kradenholl am Leyerbach. Dazu besaß Theiss noch einen Teil des Goldenberger Stammgutes sowie Hof und Wiesen des Kradenholls, während Franz Gördt zunächst den restlichen Teil des Goldenberger Stammgutes innehatte und außerdem von seiner Frau Katharina, einer. Tochter des Remscheider Kaufmanns und Schöffen Peter Jäger zu Birgden, eine reiche Mitgift erhielt. Später ist Franz Gördt nach Dabringhausen verzogen. Den Doppelkotten unter der Hermannsmühle betrieb die Familie damals nicht mehr; vielmehr war derselbe inzwischen an einen Zweig der Familie Stursberg mit dem Beinamen Sirachs übergegangen, wonach der Kotten den Namen Sirachskotten erhielt.

Außer dem bisher berührten Hauptstamm der Familie saßen aber auch andere Träger des Namens Goldenberg bereits im 17. Jahrhundert auf Gütern, zu denen Hammerwerke gehörten, so 1671 ein Engel Goldenberg auf dem Clemenshammer, gleichzeitig ein Peter Goldenberg in der „Schmieds-Halbach" und kurz vor 1700 ein Peter Goldenberg am Salscheider Hammer. Ein anderer Zweig aber wurde begründet von einem Peter Goldenberg auf dem Hohenhagen, der 1676 im Alter von 48 Jahren unter Hinterlassung von sieben Kindern und der Witwe starb und „seines handels ein Fuhrmann" war. Der bedeutendste seiner Söhne war Tilman Goldenberg (1674—1736), der 1705 Margarete Mannes, die Tochter des Schöffen Peter Reinshagen, genannt Mannes auf dem Westen, heiratete, 1714 im Dörpetal anstelle einer ehemaligen Oel- und Walkmühle einen Eisenhammer, den heutigen Goldenbergshammer, errichtete und außerdem einen Stahlhammer in der Gerstau betrieb. Durch das Fuhrmannsgewerbe, das bereits sein Vater ausgeübt hatte, ganz mit dem Handel mit Siegerländer Eisen und Rohstahl vertraut, suchte er hierin eine Monopolstellung zu erringen, und er fand einen gleichgesinnten Partner in seinem Nachbarn, dem Eisenhändler und späteren Hammerherren Peter Clarenbach, der nachher zur Kräwinklerbrücke zog. Dass bei der außerodentlich erfolgreichen und engen Partnerschaft Eheverbindungen zwischen den beiderseitigen Kindern und Enkeln zustande kamen, ist selbstverständlich. Das ganze 18. Jahrhundert hindurch hat die Familie Goldenberg, die sich größtenteils der Kaufmannschaft zugewandt hatte, eine ansehnliche Rolle in Lüttringhausen gespielt, vor allem in der Bottlenbergischen Lehnsherrschaft, in der sie laufend die Gemeinsmänner oder Bürgermeister stellte, zuletzt, bei Einführung der französischen Verwaltungsordnung, sogar den Statthalter des Lehnsherrn, der auch zugleich in den neuen Munizipalrat einzog.

Wochenrückblick vom 13. bis 19. Juli 2020

Als es Frauenfußball noch nicht geben durfte

von Ursula Wilberg

Der DFB hatte im Juli 1955 den Damenfußball für sich bundeweit verboten. Laut DFB Archiv lautete die Begründung: "Im Kampf um den Ball verschwindet die weibliche Anmut, Körper und Seele erleiden unweigerlich Schaden und das Zurschaustellen des Körpers verletzt Schicklichkeit und Anstand." Erst Ende 1970 wurde dieses Verbot aufgehoben.

Das „Damen“ wohl kicken können, zeigten die jungen Frauen von Stadtverwaltung und Sparkasse in Remscheid bei einem gemeinsamen Turnier mit Mannschaften aus Remscheid, Solingen und Opladen am 18. Juli 1970. Eine lange Vorbereitungszeit gab es nicht und war auch nicht nötig, weil alle Mitspielerinnen in ihrem Lieblingssport aktiv waren und eine gute Grundkondition besaßen.

Der RGA-Fotograf schoss ein paar wunderbare Fotos, auf denen die Fußballerinnen einmal nicht im Röckchen hinter dem Schreibtisch zu sehen sind, sondern als knallharte Kickerinnen.  Nach 50 Jahren haben sich die Damen kaum verändert und einige treffen sich noch heute von Zeit zu Zeit. (Das Foto findet sich auf Facebook unter https://www.facebook.com/photo?fbid=1502726813392753&set=a.128107117521403; es kann an dieser Stelle aus urheberrechtlichen Gründen nicht veröffentlicht werden.)