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In Groß-Remscheid gibt es zehn Kinos

Aufwärts

Es geht aufwärts in der jungen Bundesrepublik Deutschland. Die Wirtschaft wächst rasant. Die Soziale Marktwirtschaft wird eingeführt. Das deutsche Wirtschaftswunder beginnt. In Remscheid sind am Anfang des Jahrzehnts die Spuren des Krieges noch nicht verschwunden. Ein Rathaus ohne neuen Turm und Behelfsbaracken wechseln ab mit Trümmerhaufen. Weithin sichtbar herrscht Wohnungsnot. Doch der Blick der Bürger ist nach vorne gerichtet. Auch in Remscheid sieht man Baugerüste, neue Straßenzüge und schwungvolle Neubauten. Aber noch immer sind nicht alle deutschen Kriegsgefangenen heimgekehrt. Und ein neuer, „kalter“ Krieg droht.

Stimmen aus der Remscheider Politik und Wirtschaft

„Eine schwierige Ehe, mehr als einmal hilft der Rechtsanwalt, auch der Gedanke an Scheidung kommt auf.“ „Geschlossen wurde die Verbindung angefüllt mit bestem Wollen, begleitet wird sie von enttäuschten Hoffnungen.“

„Die Vernunft ist vorhanden – für das Herz bleibt es schwierig.“ „Beherrschend bleibt der Gesichtspunkt, dass zum Gedeihen der drei vereinigten Städte gegenseitiges Vertrauen notwendig ist. Hingabe an die gemeinsame Aufgabe. Die Gesamtstadt muss gefördert werden. Hier sind Pflichten von allen drei Seiten zu erfüllen.“

„Nicht, wie ursprünglich gedacht, wird das Zusammenwachsen durch die Bebauung der leeren Zwischenflächen erreicht, sondern durch gute und direkte Verkehrsverbindungen.“

„Die Wahrung und Förderung des Eigenlebens der drei Städte ergibt einen lebendigen Organismus, in dem die einzelnen historisch gewachsenen Teile in ihrer Eigenart wie Perlen hervorglänzen.“

Stadtleben

Obwohl der Lüttringhauser Heimatbund 1953 beim Landtag NRW einen, später abgelehnten, Antrag auf Ausgemeindung stellt, stehen in diesem Jahrzehnt vielfältige gemeinsame Aktivitäten zur Förderung des Gemeinwesens im Vordergrund. 1951 schließen sich Verkehrsvereine Lennep und Alt-Remscheid zum Remscheider Verkehrsverein zusammen.

In Groß-Remscheid gibt es zehn Kinos. Ein Besuch von Hardy Krüger löst einen Massenansturm junger Mädchen aus. Als erste Schülerlotsen Deutschlands werden 1953 drei Mädchen und 56 Jungen ausgebildet. Die Landwirtschafts-, Industrie-, Handels- und Gewerbeausstellung (LIGHA) lockt 1954 mehr als 45.000 Besucher in die Pavillons auf dem Schützenplatz. Neben dem jährlich stattfindenden Reit- und Fahrturnier des „Ländlichen Reit-und Fahrvereins“ in Lennep, das von Auto- und Modenschauen begleitet wird, erlebt 1955 die Bergische Landwirtschaftsschau in Lennep einen großen Andrang. Im gleichen Jahr eröffnet in Lennep der Industriehof Trecknase, in dem sich Firmen aus allen Stadtteilen ansiedeln.

Die Stadt richtet für Lennep und Lüttringhausen Bezirksausschüsse ein, die die Interessen der Bezirke gegenüber der Stadt vertreten sollen. Unterstützung sollen sie durch Heimat- und Verkehrsvereine erhalten. 1954 gründet sich die Lüttringhauser Volksbühne, 1956 gibt es dort wieder Heimatspiele. Der Luftsportclub Remscheid wählt den Galgenberg in Lennep als Trainingsort. „RS“ ist das neue Autokennzeichen der Stadt. Auf große Begeisterung treffen 1957 das Radrennen um den Ehrenpreis der Stadt Remscheid und der Große Gedore-Preis in Lüttringhausen. Das Städtische Verkehrsamt lässt in Lennep Hinweisschilder mit der Beschriftung „Röntgenstadt Remscheid-Lennep“ aufstellen.

Der Text der Ausstellung „90 Jahre Großstadt Remscheid“ zur Remscheider Stadtgeschichte und speziell zur kommunalen Neugliederung vor 90 Jahren, zu sehen im Remscheider Rathaus im Rahmen des Stadtjubiläums, stammt von Jörg Holtschneider von der Agentur „Via Temporis“. Das Layout gestaltete die rsn-Medienagentur GmbH, Hindenburgstraße  78, www.rsn-medienagentur.de. Der Waterbölles veröffentlicht die einzelnen Kapitel der Ausstellung mit freundlicher Genehmigung des Autors und der Agentur.

Als Betriebe als kriegsentscheidend galten

Krieg und Frieden

Zwei scharfe Gegensätze, Krieg und Wiederaufbau, diktieren das Leben der Deutschen in dieser Dekade. Am 16. Mai 1940 erreichen die Zerstörungen des Krieges Remscheid. Erste Bomben fallen auf Überfeld. In der Nacht vom 30. auf den 31. Juli 1943 erfolgt der große Angriff alliierter Bomberverbände auf die Stadt. 1063 Tote sind zu beklagen. 3418 von 14276 Häusern werden zerstört. Am 10. März 1945 fällt noch ein Bombenteppich auf Lennep, aber schon am 15. April besetzen amerikanische Truppen die Stadt. Wenig später werden sie von den Engländern abgelöst, die bis 1952 bleiben.

Die Stadtverwaltung wird neu geordnet. Im Oktober 1946 folgt die erste demokratische Wahl der Stadtverordnetenversammlung. Remscheid ist bereit. Mit der 1. Bundestagswahl am 14. August 1949 und der Wahl des ersten Bundespräsidenten Theodor Heuss durch die Bundesversammlung wenig später, beginnt der Weg der Bundesrepublik Deutschland in eine demokratische Zukunft.

Stimmen aus der Remscheider Politik und Wirtschaft:

„Es ist Pflicht der Selbsterhaltung einer Großstadt, ihr Gemeinschaftsleben so ein- und auszurichten, daß der Arbeitsertrag seiner Eigenbevölkerung ... durch Leistungen des Verkehrs, der Wirtschaft sowie der Hochleistungen in Kulturdarbietungen und Sport ….begünstigt … allen Beteiligten dienstbar wird.“

Stadtlebeben

Zu Beginn des Jahrzehnts wird auch die Remscheider Wirtschaft auf Kriegsproduktion umgestellt. Zur Beschaffung von Arbeitskräften für rüstungswichtige Betriebe wird „ausgekämmt“; die Zivilproduktion wird zurückgefahren, die freiwerdenden Arbeitskräfte gehen in Rüstungsbetriebe. Schon kurz nach dem Polenfeldzug kommen erste Zwangsarbeiter. Zunächst nur für die Landwirtschaft.

Remscheid und seine Nachbarstädte gehören im 2. Weltkrieg zu den Hauptgebieten der Luftwaffenfertigung im Westen. DEW und BSI gelten als „kriegsentscheidende Betriebe“. 1940 verschönern 100.000 blühende Blumen nicht nur das Stadtbild in allen drei Stadtteilen, sondern erfreuen in den schweren Zeiten auch die Herzen der Remscheider. In Lennep und Remscheid werden Großbunker gebaut. Doch nur 13% der Stadtbevölkerung finden dort Schutz.

Ende Juli 1943 geht das alte Remscheid unter. Lennep und Lüttringhausen überstehen den Krieg weitgehend unbeschädigt. Das Röntgen- und das Heimatmuseum werden im August 1945 wiedereröffnet. 1947 findet die Remscheider Kulturwoche statt, im September das 1. Rheinische Turn- und Spielfest. Die Wohnungsbauförderung zur Behebung der Wohnungsnot trägt erste Früchte. 1949 lockt das Reit- und Fahrturnier des „Ländlichen Reit- und Fahrvereins Lennep e.V.“ bei schönstem Wetter 20.000 Besucher ins Stadion Lennep.

Die große Modenschau des Remscheider Einzelhandels lässt „ob des vielen Schönen und Neuen namentlich die Herzen der Damen höher schlagen“. Endlich wieder Kirmes. Zum Feuerwerk auf dem Rathausplatz gibt es im Sparkassengebäude Fensterplätze mit bestem Ausblick für nur 3 DM. Das Städtische Verkehrsamt bittet alle sportfreudigen Jungen am Seifenkistenrennen um den „Großen Preis von Remscheid“ teilzunehmen. Die kurvenreiche Strecke von der Fichtenhöhe zur Unterführung bringt so manchen „Rennwagen“ an seine Grenzen.

Das Städtische Kulturamt lädt den NWDR Köln für die Sendung „Froher Samstagnachmittag“ nach Remscheid ein. Höhepunkt ist das Fußballspiel der NWDR Mitarbeiter gegen Mitarbeiter der Stadt. Den NWDR vertreten u.a. Sepp Herberger, Rene Deltgen, Hans Bertram und Kurt Brumme. Auch in Remscheid gibt es Heimatspiele. Die Spielschar Schirmer aus Lüttringhausen und der Haddenbacher Turn- und Ballspielverein von 1890 e.V. laden im Sommer zur Uraufführung des „Bergeschen Schelm“ ein. Veranstaltungsort ist die Bühne der Turnplatzanlage Rath. Als Geschenk der Stadt an die Lenneper und Lüttringhauser Bevölkerung wird die Schauspielbühne in Aula des Röntgen Gymnasiums neu aufgerüstet.

Bei der Großübung der Remscheider Feuerwehr auf dem Rathausplatz ist die ganze Stadt auf den Beinen. Die Vorführungen von Rettungsübungen und Wasserkanonen werden von der Realität eingeholt. Zwei „echte“ Brände legen in Lennep zwei Häuser in Schutt und Asche – obwohl die Feuerwehr bereits nach zehn Minuten vor Ort ist. Am Samstag, den 29. Oktober 1949 erscheint auch endlich der seit 1945 verbotene RGA wieder.

Der Text der Ausstellung „90 Jahre Großstadt Remscheid“ zur Remscheider Stadtgeschichte und speziell zur kommunalen Neugliederung vor 90 Jahren, zu sehen im Remscheider Rathaus im Rahmen des Stadtjubiläums, stammt von Jörg Holtschneider von der Agentur „Via Temporis“. Das Layout gestaltete die rsn-Medienagentur GmbH, Hindenburgstraße  78, www.rsn-medienagentur.de. Der Waterbölles veröffentlicht die einzelnen Kapitel der Ausstellung mit freundlicher Genehmigung des Autors und der Agentur.

Eine Zeit wirtschaftlicher Sicherheit und Wohlfahrt?

Schwere Zeiten werfen ihre Schatten voraus

Die Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise – Massenarbeitslosigkeit, Bankenzusammenbrüche, Not – bestimmen das Leben der Menschen jener Zeit. Schon bei der Reichstagswahl von 1930 erhält die NSDAP in Remscheid mit 24,35 %, fast das Zwanzigfache an Stimmen der Kommunalwahl von 1929. Zum Höhepunkt der Weltwirtschaftskrise 1932 erklärt der Landtag Remscheid zum Notstandsgebiet: Die Arbeitslosenquote liegt bei 34 % und ist damit ca. 80 % über dem Durchschnitt im Deutschen Reich.

1933 beruft Hindenburg Hitler zum Reichskanzler. Die folgenden Jahre sind geprägt von der nationalsozialistischen Politik, von Aufmärschen, Terror, Hass und Unterdrückung von Minderheiten. Auch in Remscheid werden in der Reichspogromnacht am 9. November 1938 jüdische Geschäfte, Häuser und Einrichtungen zerstört.

Am 1. September 1939 überfällt Hitler Polen, der 2. Weltkrieg beginnt.

Stimmen aus der Remscheider Politik und Wirtschaft:

„Gewerbefleiß und Bürgersinn, der alle drei Städte groß gemacht hat, sollen auch die Stützen des Gemeinwesens werden. Möge unsere große Bergstadt sich im Kranze der deutschen Städte behaupten, möge sie stark werden und einer Zeit wirtschaftlicher Sicherheit und Wohlfahrt entgegengehen zum Segen unserer gesamten Bürgerschaft“, so begrüßt Remscheids Oberbürgermeister Hartmann 1929 die neuen Gemeindeglieder. Nun gilt es zusammenzuwachsen. „Eine Arbeit für viele Jahrzehnte.“, wie so mancher meint. „Pläne, die mit Weisheit und Erfahrung als Marschroute wegweisend sein sollen.“ „Befähigte Köpfe, die das neue Werk erschaffen sollen“, wünschen sich die Bürger.

Stadtleben

Schritt für Schritt geht es in den nächsten Jahren in allen Bereichen voran. Nicht nur Behörden müssen zusammengefügt und verlegt werden. 1929/30 wird das Streckennetz der Straßenbahn über Lennep - Lüttringhausen bis zum Tannenhof erweitert. Trotz Fahrpreissteigerung von 15 auf 20 Pfennig nutzen 1930 8 Millionen Fahrgäste die Bahn.

1930 bilden die Sanitätskolonnen der drei Städte einen gemeinsamen Stadtverband.

1931 schließen sich die Feuerwehren zur Großfeuerwehr zusammen. Im Juni 1932 eröffnet in Lennep das Röntgen Museum. Schon 2 Jahre vorher entstand das Denkmal für Wilhelm Conrad Röntgen.

1934 begeistert der Großflugtag auf dem Hohenhagen Alt und Jung. Die Reichsbahn verbindet die Großstadt Remscheid mit Köln.

1935 erfolgt aus Feuerschutzgründen und trotz Geldmangels der Umbau des Stadttheaters.

1936 holt die Remscheiderin Ulla Krumm den Deutschen Meisterschaftstitel im Rollkunstlauf.

1937 leben in Remscheid 6.533 Menschen, die älter als 65 Jahre sind.

1938/39 erhält der Platz vor dem Rathaus ein neues Gesicht. Dem Rathaus gegenüber steht nun das neue Sparkassengebäude. Ein Jahr später ziert der „Bergische Löwe“ die Mitte der nun „Adolf-Hitler-Platz“ genannten Fläche. In Vorbereitung auf den Krieg werden Luftschutzübungen durchgeführt und Bunker gebaut.

Der Text der Ausstellung „90 Jahre Großstadt Remscheid“ zur Remscheider Stadtgeschichte und speziell zur kommunalen Neugliederung vor 90 Jahren, zu sehen im Remscheider Rathaus im Rahmen des Stadtjubiläums, stammt von Jörg Holtschneider von der Agentur „Via Temporis“. Das Layout gestaltete die rsn-Medienagentur GmbH, Hindenburgstraße  78, www.rsn-medienagentur.de. Der Waterbölles veröffentlicht die einzelnen Kapitel der Ausstellung mit freundlicher Genehmigung des Autors und der Agentur.

Abstimmung in Berlin bleibt bis zum Ende unklar

Die heiße Phase

Januar 1929: Eine Eingabe folgt der anderen, Gutachten auf Gutachten, der Landkreis Lennep gibt eine eigene Denkschrift heraus, die Remscheider einen Nachtragsband. Mit allen Mittel wird gekämpft. In der Stadtverordnetenversammlung in Lüttringhausen empört sich Bürgermeister Suthoff-Groß über den „glatten Akt der Willkür“ und fragt laut, ob „eine Zwangseingemeindung rechtlich überhaupt zulässig sei“? In Lennep rufen der Bürgermeister Emil Nohl und die Wirtschaftsverbände zu öffentlichem Protest auf. Mit hitzigen Aufrufen unterstützt die Presse die Stimmungsmache.

5. Februar 1929: Die neue Vorlage des preußischen Innenministers Grzesinski vom Dezember 1928 wird genehmigt. Lennep und Lüttringhausen sollen zu Remscheid gehören.

13. März 1929: Der Gemeindeausschuss des preußischen Staatsrats bereist das Bergische Land. In Lennep werden sie von aufgebrachten Bürgern empfangen. Transparente mit den Überschriften „Hände weg von Lennep“ oder „Remscheid hat genügend Land“ begleiten ihren Weg.

21./23. März 1929: Der Gemeindeausschuss des Staatsrats stimmt nun für den alten Referentenentwurf Victor von Leydens und damit für den Bestand des Landkreises Lennep, der Stadt Lennep und des größten Teils von Lüttringhausen. Auch die Vollversammlung des Staatsrates erklärt sich einverstanden.

5. April 1929: Der preußische Innenministers Grzesinski ist anderer Meinung. Er besteht auf seiner Gesetzesvorlage vom 5. Februar.

Mai 1929: Die Mitglieder des Gemeindeausschusses des Landtags fahren durch Lennep, um sich ein eigenes Bild zu verschaffen.

11. Juni 1929: Der Gemeindeausschuss des preußischen Landtags beginnt mit seiner Aussprache zur Gesetzesvorlage und den Änderungsanträgen und stimmt am

15. Juni 1929: mit 15 gegen 14 Stimmen für die Eingemeindung Lenneps und Lüttringhausens nach Remscheid.

10. Juli 1929: Schlussabstimmung im Landtag. Bis zum Ende bleibt es unklar. Die Fraktionen beraten getrennt. Neun Stunden lang wird debattiert. Dann geht es zur Abstimmung per Aufstehen. Da die Mehrheiten unsicher bleiben, kommt es zum „Hammelsprung“. Die Abgeordneten betreten den Saal durch eine von drei Türen, die jeweils für „Ja“, „Nein“ oder „Enthaltung“ stehen. Am Ende der Zählung heißt es 174 zu 170 für Remscheid. Der Zusammenschluss der drei Städte zur Großstadt Remscheid ist nun endgültig entschieden. Die „Mörder von Lennep“ hätten „die einzelnen Abgeordneten an den Rockschößen durch die Tür gezogen oder sogar Kollegen in den Toiletten eingesperrt“, heißt es.

16. Juli 1929: „Lennep selbst kocht vor Wut“. Es kommt zum letzten und größten Aufschrei. Auf dem Jahnplatz in Lennep versammeln sich die Massen. Verzweifelte, kämpferische Reden werden begleitet von dem Geläut der Sturmglocken und dem Heulen der Brandsirenen. „Lennep wird leben und nicht untergehen“ lauten die Schlussworte des Bürgermeisters Nohl. Letzte Klagen und Eingaben beim Staatsrat können die Eingemeindung nicht mehr verhindern. Am 1. August 1929 tritt das Gesetz über die kommunale Neugliederung im rheinisch-westfälischen Industriegebiet in Kraft. Der Weg zur Großstadt Remscheid ist frei.

1929 leben in Lennep auf ca. 1737 ha Fläche ca. 14.463 Einwohner. 1929 leben in Lüttringhausen auf etwa 1445 ha Fläche 9.277 Einwohner. 1929 leben in Remscheid auf 3164 ha 79.055 Einwohner. 1929 kommen von Ronsdorf, Cronenberg und Wermelskirchen ca. 115 ha Fläche und von Cronenberg noch 104 Personen hinzu. Nach den Eingemeindungen ist das Stadtgebiet auf fast 6461 ha angewachsen. 102.899 Menschen wohnen in der jungen Großstadt.

Der Text der Ausstellung „90 Jahre Großstadt Remscheid“ zur Remscheider Stadtgeschichte und speziell zur kommunalen Neugliederung vor 90 Jahren, zu sehen im Remscheider Rathaus im Rahmen des Stadtjubiläums, stammt von Jörg Holtschneider von der Agentur „Via Temporis“. Das Layout gestaltete die rsn-Medienagentur GmbH, Hindenburgstraße  78, www.rsn-medienagentur.de. Der Waterbölles veröffentlicht die einzelnen Kapitel der Ausstellung mit freundlicher Genehmigung des Autors und der Agentur.

Eine von rund rund 750 Postkarten über Lennep

Historische Postkarte.von Dr. Wilhelm R. Schmidt

Liebe Freunde des Bergischen Landes. liebe Lenneper,
„ Was macht der Vater – wie geht’s der Mutter?“ heißt es auf dieser schönen Ansichtskarte, die im Juni 1899 in Remscheid abgesandt wurde, und zwar nach Neheim an der Ruhr, später Neheim-Hüsten und heute Stadtteil von Arnsberg. Die Adressatin war eine Louise Heinemann. Natürlich kam damals die Ansichtskarte auch einen Tag später an und erhielt auf der Post den entsprechenden Eingangsstempel.

„Gruß aus dem Bergischen Lande und Lennep“ – so steht es schön bunt gedruckt auf der Bildseite. Dort wurden die damaligen Wahrzeichen des Bergischen Landes abgebildet, und überwiegend sind sie es ja heute noch: das Schloss Burg an der Wupper, die Müngstener Riesenbrücke, ja so hieß sie damals, und die in dieser Zeit entstehenden bergischen Talsperren. Als Beispiel ist hier die neue Remscheider Intze-Talsperre wiedergegeben. Die Ansichtskarte gab es wohl auch schon vor deren Vollendung, denn auf einer früheren Version ist stattdessen eine „Partie an der Wupper“ abgebildet.

Auch das  „Hotel Kaiserhof“ gegenüber dem alten Lenneper Bahnhof war seinerzeit ein solches bergisches Wahrzeichen oder sollte zumindest eines werden. Es krönte das obere Stück der damaligen Kaiserstraße in Lennep, die heute Bahnhofstraße heißt. Direkt nach unten daran angebaut sieht man, ebenfalls mit einem Türmchen oben drauf, das sog. Vereinshaus, in dem die evangelische Gemeinde u.a. das „Bergische Alumnat“ unterhielt, das kurz vor 1910 an der Gabelung von Teichstraße und Hackenbergerstraße einen repräsentativen Neubau bezog, der heute noch besteht.

Vieles in dem einstigen Prachtareal zwischen der Kölner Straße und dem Lenneper Bahnhof wurde im Zweiten Weltkrieg ein Opfer der alliierten Bomben, aber in den Resten des Hotels Kaiserhof war noch längere Zeit die Lenneper Sparkasse untergebracht. Das Hotel war seinerzeit vom Lenneper Bürgermeister Sauerbronn angeregt worden. Wie so manches der Gebäude und die Anlagen drum herum sollte es von einem Anleger auf eigene Kosten und Risiko gebaut werden. Ein Lenneper Baulöwe baute es denn auch so und stieß es später wieder ab. Heute erinnert vor Ort nur noch ein Portikus, Teile des ehemals pompösen Hoteleingangs, an die glanzvolle Vergangenheit der wilhelminischen Prachtstraße zum Lenneper Bahnhof hin, und natürlich die unzähligen, oft auch farbig gestalteten, Ansichtsarten, die im Remscheider Stadtarchiv auch als Originale erhalten sind.

Ja, „was macht der Vater, wie geht´s der Mutter?“ Die Adressseite unserer Ansichtskarte war seinerzeit ausschließlich für die postalischen Angaben nutzbar, und auf der Bildseite findet sich neben den bereits erwähnten Bildmotiven nicht viel Platz. Dennoch wurde er ausgenutzt. Der Absender platzierte hier ein damals in Abwandlungen häufig benutztes Gedicht. Wir lesen: Liebe Louise, ich bin Dir böse!  Und schreibst Du bald nicht – Ein Unglück dann geschieht – Besten Gruss allerseits & für Dich einen Kuss Dein …“

Übrigens, liebe Lennepfreunde, vor nicht allzu langer Zeit erst hatten wir den Internationalen Weltpostkartentag. Diesen gibt es noch nicht lange, und er fällt nach der Auffassung mancher Leute eher unter die Rubrik "Kurioses". Unser heutiges Beispiel einer Ansichtskarte aus dem vorletzten Jahrhundert ist sozusagen auch ein Beitrag dazu. Es stammt aus meiner rund 750 Einheiten umfassenden Ansichtskartensammlung von Lennep, deren Originale sich inzwischen im Remscheider Stadtarchiv befinden. Man sieht, dass das Bergische Land und die damalige Stadt Lennep wunderbare Seiten und viel zu bieten hatten, und dies ist auch heute noch geschichtlich interessant und beileibe nicht nur kurios. Im Internet findet man die Ansichtskartensammlung hier:    http://publikationen.ub.uni-frankfurt.de/frontdoor/index/index/year/2008/docId/19626.

Wochenrückblick vom 23. bis 29. September 2019

 

Protest kommt von Bürgermeister und Landrat

Die Anfänge des Protests

Schnell formiert sich in Lennep und Lüttringhausen Widerstand gegen den Entwurf des Regierungspräsidenten Bergemann für ein „Remscheid von morgen“. In Lennep protestieren der Bürgermeister Emil Nohl, der Landrat Dr. Beckhaus und der Einzelhandels- und der Arbeitgeberverband. In Lüttringhausen kämpft Bürgermeister Suthoff-Groß gegen einen „Eingriff von der Schwere, wie man es sich nicht schlimmer vorstellen kann“ und meint, „man solle lieber alle Städte Wuppertal zuschlagen, ehe man seine Gemeinde nach Remscheid eingemeindet“. Entschließungen, Stellungnahmen, Gutachten und Denkschriften aller drei Städte reihen sich in den folgenden Monaten aneinander.

Es geht Schlag auf Schlag:

15./16. Mai 1928: Beamte der Landesregierung bereisen das Bergische Land, unter ihnen Regierungspräsident Bergemann und sein Referent Victor von Leyden.

Juni 1928: Remscheid legt eine Denkschrift vor, die den Wunsch zum Ausdruck bringt, auch „noch Cronenberg, Wermelskirchen und Burg mit Remscheid zu einem Gemeinwesen zusammenzufassen“.

1. November 1928: Der Preußische Innenminister Grzesinski veröffentlicht den Referentenentwurf Victor von Leydens. Dieser sieht keinen Bedarf einer Gebietserweiterung für Remscheid und schlägt nur eine geringfügige Grenzkorrektur an der Bökerhöhe vor. Remscheids Kontrahenten jubeln, aber die Remscheider und ihr Oberbürgermeister Walther Hartmann geben sich nicht geschlagen.

November 1928: Um den Remscheider Standpunkt klarzumachen, schickt Oberbürgermeister Hartmann die Denkschrift der Stadt Remscheid an den preußischen Innenminister und an den Präsidenten des Deutschen Städtetages. Auch die Stadtverordnetenversammlung votiert offiziell für „Remscheids Wille zum Leben“.

5. - 22. Dezember 1928:  Der preußische Innenminister kommt auf seiner Reise durch die Region nach Remscheid. Nach einer leidenschaftlichen Unterhaltung mit dem Remscheider Oberbürgermeister Hartmann wird am 22.12. der Referentenentwurf Victor von Leydens durch eine neue Gesetzesvorlage des preußischen Innenministers Grzesinski revidiert. Lennep und Lüttringhausen (ohne Beyenburg) werden wieder Remscheid zugeschlagen. Die heiße Phase des Widerstandes beginnt.

Der Text der Ausstellung „90 Jahre Großstadt Remscheid“ zur Remscheider Stadtgeschichte und speziell zur kommunalen Neugliederung vor 90 Jahren, zu sehen im Remscheider Rathaus im Rahmen des Stadtjubiläums, stammt von Jörg Holtschneider von der Agentur „Via Temporis“. Das Layout gestaltete die rsn-Medienagentur GmbH, Hindenburgstraße  78, www.rsn-medienagentur.de. Der Waterbölles veröffentlicht die einzelnen Kapitel der Ausstellung mit freundlicher Genehmigung des Autors und der Agentur.

Mehr Raum für wirtschaftliche Entwicklung

Wirtschaftsnot

Die Folgen des Ersten Weltkrieges stellen die junge Weimarer Republik vor neue Aufgaben. Der Friedensvertrag von Versailles spricht dem Deutschen Reich und seinen Verbündeten die alleinige Schuld und Verantwortung am Ausbruch des ersten Weltkrieges zu. Dies hat hohe Reparationszahlungen zur Folge, die in Goldmark, Devisen und Sachgütern geleistet werden müssen. Um die Schulden bei den Siegermächten tilgen zu können, muss der deutsche Staat Auslandsanleihen aufnehmen. So bezahlt man Schulden mit Schulden.

Hinzu kommt die hohe Staatsverschuldung durch die Finanzierung des Ersten Weltkrieges und dessen Folgekosten. Um das für den Krieg benötigte Kapital zu beschaffen, war die Geldvermehrung durch rückzahlbare Kriegsanleihen anstatt durch Steuern erfolgt. Die aus beidem resultierende Inflation findet 1923 ihren Höhepunkt. Massenarbeitslosigkeit, Armut und Hunger prägen das Deutschland jener Zeit.

Die extremen wirtschaftlichen Belastungen bringen das noch nicht auf festen Füßen stehende demokratische System ins Wanken. Die innenpolitische Lage verschlechtert sich. Unterschiedlichste politische Kräfte lehnen das parlamentarische System ab und lassen sich nicht demokratisch einbinden. Noch immer vorherrschendes monarchistisches Denken blockiert Erneuerungen. Langsam radikalisiert sich die politische Lage.

Länder und Kommunen

Die hohen Schuldenlasten erdrücken auch die Länder und Kommunen. Die Verwaltungsspitzen, noch in den Strukturen des 19. Jahrhunderts verharrend, stehen der negativen Entwicklung hilflos gegenüber. Verstärkt kommen Forderungen nach einer durchgreifenden Verwaltungsreform auf. Bereits seit Anfang der 1920er Jahre beschäftigt sich auch die preußische Landesregierung mit dem Gedanken einer Neuordnung der kommunalen Grenzen und der Verwaltung. Oberstes Gebot ist die Zukunftsfähigkeit des rheinisch-westfälischen Industriegebietes. So gilt es einheitliche Wirtschaftsräume zusammen zu legen, bestehende Gemeinden durch Eingemeindungen zu vergrößern, zu stärken und Raum für ihre zukünftige wirtschaftliche Entwicklung zu geben. Die Zusammenlegung von Kommunalverwaltungen soll Einsparungen fördern und ihre Effizienz steigern.

Im November 1925 bringt der Preußische Innenminister Carl Severing einen Gesetzentwurf „Über die Neuregelung der kommunalen Grenzen im rheinisch-westfälischen Industriebezirk“ in den Düsseldorfer Landtag ein. Noch findet sein Anliegen dort wenig Anklang. Als der neue Preußische Innenminister Albert Grzesinski am 6. Dezember 1927 die Regierungspräsidenten des „rheinisch-westfälischen Industriebezirks“ beauftragt, die Vorarbeiten zu einer kommunalen Neugliederung in die Wege zu leiten, beginnen sich die Rädchen langsam zu drehen. Betroffen sind die Stadtgemeinden Gladbach-Rheydt, Duisburg-Hamborn, Oberhausen, Bottrop, Mü!heim, Essen, Barmen-Elberfeld, Remscheid, Solingen, Gelsenkirchen-Buer, Bochum, Wattenscheid, Wanne-Eickel, Herne, Castrop-Rauxel, Dortmund, Recklinghausen, Gladbeck, Bottrop, Hagen und zahlreiche Landkreise, so auch der Landkreis Lennep.

Auch der Düsseldorfer Regierungspräsident Bergemann nimmt das Projekt nach den Vorgaben des Innenministers in Angriff. Am 12. Januar 1928 legt er ein erstes Konzept vor. Lennep und Lüttringhausen (ohne Beyenburg) sollen zu Remscheid, Barmen und Elberfeld werden eine Stadt. Über Cronenberg wird noch gestritten. In Remscheid ist man sehr erfreut, denn „jeder Laie kann erkennen, dass die vorhandene Fläche für eine durchgehende Bebauung nicht ausreicht und zu wenig Fläche für die Industrie zur Verfügung steht.“ In Lennep, Lüttringhausen und Wermelskirchen fühlt man sich „wie erschlagen“. Die Proteste nehmen ihren Lauf.

Der Text der Ausstellung „90 Jahre Großstadt Remscheid“ zur Remscheider Stadtgeschichte und speziell zur kommunalen Neugliederung vor 90 Jahren, zu sehen im Remscheider Rathaus im Rahmen des Stadtjubiläums, stammt von Jörg Holtschneider von der Agentur „Via Temporis“. Das Layout gestaltete die rsn-Medienagentur GmbH, Hindenburgstraße  78, www.rsn-medienagentur.de. Der Waterbölles veröffentlicht die einzelnen Kapitel der Ausstellung mit freundlicher Genehmigung des Autors und der Agentur.

September 2009: Der Waterbölles blättert zurück

Jürgen Kucharczyk (SPD) musste im September 2009 sein Berliner Büro räumen; er hatte die Bundestagswahl verloren. Sieger war Jürgen Hardt (CDU). Er vertritt den bergischen Wahlkreis auch heute noch in Berlin, und das mit wachsenden Aufgaben. Bedenkenswert sind die damaligen Stimmergebnisse für Remscheid: 39 Prozent für die CDU und 34,3 Prozent für die SPD. „Die SPD erzielt im Wahlkreis ihr bisher schlechtes Ergebnis; für die Partei ein Desaster“, schrieb damals der Waterbölles. Heute wird „Destaster“ noch ganz anders definiert...

Den ersten bundesweiten Heizspiegel auf Türkisch gab im September 2009 der  Fachdienst Umwelt der Stadt Remscheid heraus. Den Heizspiegel gibt es auch heute noch, teilte auf Anfrage die Verwaltung mit. Allerdings nur auf Deutsch. Der Waterbölles fragte nach, ob  das damals eine einmalige Aktion gewesen sei. Antwort: Der Heizspiegel ist ein Angebot der CO2online Beratungsgesellschaft gGmbH in Berlin. Die Gesellschaft erhält entsprechende Fördermittel und erstellt damit bundesweit gültige Heizspiegel. In den Jahren 2009 und 2010 hat die Gesellschaft auch einen Heizspiegel in türkischer Sprache mit bundesdeutschen Werten für die Jahre 2008 und 2009 herausgebracht.

16 Seniorensicherheitsberater/innen stellten sich vor zehn Jahren im großen Sitzungssaal des Rathauses den Pressefotografen. Die neun Frauen und sechs Männer hatten sich zu ehrenamtlichen „Seniorensicherheitsberatern“ ausbilden lassen, um in Remscheid das Kommissariat „Kriminalprävention / Opferschutz“ der Polizei unterstützen zu können. Zunächst in Form von Einzelberatungen im Familien- und Bekanntenkreis, und dann auch in Form von Vorträgen in größeren Seniorenkreisen. Gibt es diese Einrichtung eigentlich heute noch? Die neun ehrenamtlichen Remscheider Sicherheitsberater und Sicherheitsberaterinnen („Sesis“) sind tatsächlich auch nach zehn Jahren noch sehr aktiv und beraten erfolgreich Senioren und Seniorinnen in Fragen von Kriminalitätsprävention – beispielsweise in den Begegnungs- und Beratungszentren. Aus diesem Anlass sollen sie am 13. Dezember im Rathaus offiziell geehrt werden.

Ins Geoportal der Stadt nahm die Verwaltung vor zehn Jahren den Dienst "Stolpersteine in Remscheid" auf. Er präsentiert übersichtlich die im Remscheider Stadtgebiet von dem Kölner Künstler Gunter Demnig verlegten "Stolpersteine gegen das Vergessen“. Sie sollen an die Wohn- und Lebensorte von Bürgerinnen und Bürgern erinnern, die zwischen 1933 und 1945 von den Nazis verfolgt und ermordet wurden.

Philipp Veit Philipp Veit, CDU-Fraktionsvorsitzender, legte im September 2009 sein Ratsmandat für die Wahlperiode 2009 bis 2014 nieder. Vorausgegangen war ein intensives Gespräch zwischen Philipp Veit und Jochen Siegfried. Veit kündigte an jenem Tag an, bei der konstituierenden Sitzung der Fraktion am folgenden Dienstag Jochen Siegfried als neuen Fraktionsvorsitzenden vorschlagen. Er sei der richtige Mann, um der CDU-Fraktion und unserer Partei neue Impulse zu geben. „Ich gehe davon aus, dass Jochen Siegfried eine geschlossene CDU-Fraktion hinter sich hat, die einen Neuanfang wagt“, so Veit damals.

Für einen Rahmenplan für den Ostbahnhof samt Anschluss der verlängerten Prešover Straße an die B 229 in Höhe Stadtwerke/Knappstein gab die Politik vor zehn Jahren grünes Licht. Daraus wurde dann später ein rechtverbindlicher Bebauungsplan. An den Verhältnissen vor Ort hat sich bislang allerdings noch nichts geändert.

Die ehemaligen 'Halle Osterbusch' oberhalb der gleichnamigen Straße, inzwischen teilweise nur noch Bauschutt. Foto: Lothar Kaiser Symbol für den Niedergang eines großen Industriegebietes war vor zehn Jahre der Abbruch der ehemaligen "Halle Osterbusch" auf dem Gelände der Firma Thyssen Krupp Real Estate GmbH. Das Industriegebiet war über viele Jahre mit dem Namen „Bergische Stahlindustrie“ (BSI) verbunden.

Zum 30. September 2009 legte Thomas Holland-Moritz die Leitung der der Musik- und Kunstschule Remscheid nieder und wurde Musik-Professor in Osnabrück. Es sei ihm stets gelungen, die junge Generation zu begeistern und seinen Schülerinnen und Schülern die Freude am Musizieren nahe zu bringen, gratulierte damals Fraktionssprecherin Beatrice Schlieper.

Wegen Überfüllung zog der damals zwei Jahre alte "Citybrunch" aus dem „Café Marktlücke“ an der evangelischen Stadtkirche aus und in den Ambrosius-Vaßbender-Saal gegenüber ein. Weil der kleine Saal 40 Besucherinnern und Besuchern nicht fassen konnte. Danach berichtete dann die Diplom-Sozialarbeiterin Jutta Becker nicht ohne Stolz von 60 regelmäßigen Besucherinnen und Besuchern.

Die neue Unterführung am Bahnhof Lennep erhält eine Überdachung, aufgehängt an zwei Pylonen. Heute wurden sie montiert. Foto: Lothar Kaiser Ein 200-Tonnen-Kran kommt in Remscheid nicht alle Tage zum Einsatz. Der war vor zehn Jahren erforderlich, um am Lenneper Bahnhof zwei stählerne Pylonen auf ihr Betonfundament zu setzen für die neue Überdachung der Treppe zur neuen Unterführung und weiter zum Bahnsteig an Gleis 1. Die beiden Pylonen wogen jeweils zehn Tonnen.

Den Erhalt der Bücherei in Lüttringhausen beschloss vor zehn Jahren der Rat der Stadt sehr zur Freude des Verein „Die Lütteraten e.V.". Wenige Tage später wurde im Rahmen eines Stadtteilfestes das 100-jährige Bestehen der (Stadtteil-)Bücherei gefeiert. Sie stelle eine wahre Fundgrube und ein Tor zur weiten Welt des Wissens dar, sagte damals Bürgermeister Lothar Krebs. Die Kinder- und Jugendarbeit habe in den Räumen an der Gertenbachstraße eine lange, eine gute Tradition. „Und was noch wichtiger sei: gute Aussichten für die Zukunft.“ Damals stand das alte Feuerwehrgerätehaus noch nicht leer...

Die Mitglieder der Gruppe 'Werkhaus", die seit heute im Remscheider Rathaus ausstellen. Foto: Lothar Kaiser Auf Wunsch besorgter Eltern kontrollierten Beamte des Wuppertaler Verkehrsdienstes am 21. September 2009 den Bus eines Unternehmers aus dem Raum Aachen, mit dem ihre Kinder zu einer Klassenfahrt in die Eifel starten sollten. Bei der Überprüfung des 20 Jahre alten Gefährts stellte sich heraus, dass alle Reifen mangelhaft waren. Die hinteren Türen ließen sich nicht durch den Notöffnungshebel manuell öffnen. Eine Genehmigung für den Personenverkehr lag nicht vor. Außerdem konnte der 49-jährige Fahrer seine Fahrzeiten der letzten vier Wochen nicht vorweisen.

Es war meines Wissens bis heute die letzte Ausstellung der Künstlergruppe "Werkhaus", die vor zehn Jahren im Remscheider Rathaus eröffnet wurde (Foto links). „Werkhaus“ bestand damals seit gut 30 Jahren, allerdings durchaus mit wechselnder Intensität. Gegründet wurde die Gruppe 1979, um professionelle Künstlerinnen und Künstler und Autodidakten unter einem „Dach“ zu vereinen und zu gemeinsamem Schaffen zu motivieren. Und das war durchaus nicht nur künstlerisch gemeint, sondern auch ganz praktisch. von Anfang an  dabei war die Malerin Christa Schwandrau.

Von fleißigen Kaufleuten und Tuchmachern

Lennep - Stadt der strahlenden Tuche

Wer sich mit der Geschichte Lenneps beschäftigt, hat es schwer. Drei große Brände legten die Stadt in Schutt und Asche. Und im Feuer verbrannten die wichtigen Urkunden zur Stadtwerdung. Sicher ist: An einem alten Handelsweg von Köln nach Dortmund entstand, vermutlich im 12. Jahrhundert, eine erste Ansiedlung. Im Zentrum des Ortes lagen ein Haupthof, der Bongartzhof im Bereich der heutigen Klosterkirche, eine Kapelle und mehrere Höfe. Hinzu kamen der Weiherhof, der in der Nähe des heutigen Röntgengymnasiums stand, und weitere Höfe im nahen Umkreis.

Zwischen 1260 und 1276 erhielt die gewachsene Siedlung von den Grafen von Berg die Stadtrechte. Bald schützten Mauer und Graben die Bewohner. Vier Tore sicherten die Zugänge. Letzte Reste der Stadtmauer wurden Ende des 18. Jahrhunderts niedergelegt. Die geschützte Lage an der Handelsstraße begünstigte den wirtschaftlichen Aufstieg der Stadt. Handwerker ließen sich nieder, unter ihnen die Tuchmacher. Nicht nur Händler nutzten die wichtige Straße, sondern auch Pilger auf ihrem Weg nach Santiago di Compostella. Herberge fanden sie im Minoritenkloster, das seit dem 17. Jahrhundert, an Stelle des alten Bongartzhofes, mitten in der Stadt stand. Aus der mittelalterlichen Kapelle war in der Zwischenzeit die lutherische Stadtkirche erwachsen.

1806 bis 1813 regierte Napoleon das Bergische Land. Eine Verwaltung nach französischem Vorbild wurde eingeführt. Franz Hasselkus war 1808 der erste Bürgermeister der Munizipalität. Mit ihm wurde Lennep 1815 auch preußische Kreisstadt im Regierungsbezirk Düsseldorf. 1857 erhielt Lennep preußische Stadtrechte und war bis 1929 Sitz des gleichnamigen Landkreises. Trotz vieler Proteste erfolgte 1929 die Eingemeindung von 14.463 Einwohnern in das größere Remscheid.

Von fleißigen Kaufleuten und Tuchmachern

Die günstige Lage an einer Fernhandelsstraße und das Recht, Wochen- und Jahrmarkt abhalten zu dürfen, förderten früh das Wachstum und den wirtschaftlichen Erfolg Lenneps. Schon im 14. Jahrhundert pflegten Lenneper Kaufleute europaweite Handelsbeziehungen zu den Kaufmannshäusern der großen Hansestädte und waren dem Hansebund angegliedert. Aus der Mitte des 14. Jahrhunderts stammen erste Hinweise auf Weber, die in Lennep ihr Gewerbe betrieben und sich bald auf Leinen- und Wollweberei spezialisierten. Um sich von der Konkurrenz im Umland abzusetzen und die Qualität ihrer Tuche zu sichern, schlossen sich die Weber in Zünften zusammen.

1571 erhielten nur die Lenneper Weber vom Herzog von Berg das alleinige Recht, Lammwolle zu groben Tuchen verarbeiten zu dürfen. Nur gut 100 Jahre später, 1695, gründeten die Kaufleute Wülfing, Hardt, Frielinghaus, Moll und Melchior die „feine Gewandschaft“. Von nun an ließen diese Kaufleute in Auftragsarbeit spanische Wolle zu feinen Tuchen weben. Die Tuchfabrikation und der Handel verhalfen Lennep zu großem Wohlstand. Der dritte Stadtbrand 1746 und die nachfolgende französische Herrschaft beendeten die Blüte der Stadt. Viele Tuchfabrikanten verließen den Ort und zogen nach Eupen oder Verviers. 1813, nach dem Ende der napoleonischen Herrschaft, kehrten sie zurück. Einige nahmen ihre Produktion innerhalb der Stadt wieder auf. Doch die meisten Familien verlagerten ihre Fabriken zur Nutzung der Wasserkraft in das Tal der Wupper. Die Kontore und Wohnhäuser verblieben in der Altstadt.  Unternehmen der Textilindustrie dominierten das städtische Wirtschaftsleben bis weit in das 20. Jahrhundert. Die Tuchproduktion fiel der Globalisierung zum Opfer. Das Nachfolgeunternehmen eines Herstellers für Textilmaschinen, die Oerlikon-Barmag, ist jedoch noch heute Weltmarktführer im Bereich der Filamentspinnanlagen für Chemiefasern.

Der Text der Ausstellung „90 Jahre Großstadt Remscheid“ zur Remscheider Stadtgeschichte und speziell zur kommunalen Neugliederung vor 90 Jahren, zu sehen im Remscheider Rathaus im Rahmen des Stadtjubiläums, stammt von Jörg Holtschneider von der Agentur „Via Temporis“. Das Layout gestaltete die rsn-Medienagentur GmbH, Hindenburgstraße  78, www.rsn-medienagentur.de. Der Waterbölles veröffentlicht die einzelnen Kapitel der Ausstellung mit freundlicher Genehmigung des Autors und der Agentur.

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