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Wochenrückblick vom 22. bis 28. April 2019

 

Papierfabrik Forstmann wurde 1930 vollständig abgerissen

Vorne die ev. Kirche, hinten Fa. Forstmann Richtung Wiesenkotten Sammlung: G. SchmidtZwischen Burg und Müngsten existierten einst zwischen drei und vier Brücken sowie zwei Fähren. Die erste nachgewiesene Fähre befand sich am Wiesenkotten, bevor dort die massive Brücke gebaut wurde. Die zweite Fähre, die die Verbindung zwischen Remscheid und Solingen gewährleistete, ist bei Müngsten einzuordnen. Ohne Fähre wird es aber auch in Burg nicht abgegangen sein, denn vor dem Brückenbau hat die Burger Industrie sicherlich auch das Bedürfnis gehabt, so schnell wie möglich die Waren nach Solingen zu vertreiben.  Bei Burg an der Wupper haben die Grafen von Berg vermutlich kurz nach ihrem Schlossbau um 1133 eine Holzbrücke geschaffen,  die allerdings erst im Jahre 1390 urkundliche Erwähnung findet. Das Holz zu den meist durch Hochfluten der Wupper bedingten Instandsetzungen mussten die Bewohner des Amtes Bornefeld auf Grund ihrer Verpflichtungen zu Hand- und Spanndiensten herbeischaffen. Das Brückengeld aber, das sich um 1692 auf einen Jahresbeitrag von sechs bis sieben Reichsthalern belief, floss in die Kasse der herzoglichen Kellnerei Burg. Die Einsicht in diese Ungerechtigkeit ließ die Kellnerei die Instandhaltung der Brücke irgendwann selbst übernehmen.

Wenn wir uns nun dem ersten Objekt an der Wupper Richtung Müngsten widmen, müssen wir in der Ortschaft Unterburg in Richtung der evangelischen Kirche rechts einen Weg nehmen, der zum Wiesenkotten weiterführt. Selbst alte Unterburger, die dort seit ewigen Zeiten wohnen, können sich nicht an die Fabrik erinnern, die dort stand. Und so war es ein schwieriges Unterfangen, an  Unterlagen hierüber zu kommen (hierzu auch Herrn Huffmann aus Wuppertal- Varresbeck als direktem Verwandten der Familie Forstmann herzlichen Dank).  Kurz hinter der alten evangelischen Kirche ist der Standort der ehemaligen Papierfabrik Forstmann an der "Donau". Die Forstmanns sind ein uraltes Burger Geschlecht, wobei Urgroßvater Jakob Forstmann als Deckenfabrikant in Oberburg noch nicht der älteste erwähnte Forstmann ist, den ich gefunden habe, sondern der 1550 geborene Heinrich Forstmann als lutherischer Pastor in Wetter an der Ruhr (Chronik Huffmann). Die Chronisten erzählen, dass Jakob Forstmann Weber und Spinner gewesen ist, und es wird erzählt, dass er seine Decken in der Ruine im Rittersaal des alten Schlosses ohne Dach getrocknet habe. Jakob Forstmann (25.4.1706 - 26.1.1779), zuletzt verheiratet mit Clara Dorothea Hösterey, war zu seiner Zeit als Kauf- und Handelsmann in Burg/Wupper eingetragen, war zeitweilig Bürgermeister von Burg und hatte die Firma Jakob Forstmann & Encke, Wolle und Decken, gegründet. Er baute interessanterweise in Oberburg das heutige Gebäude des Hotels "In der Straßen" und wohnte darin (natürlich im älteren Trakt an der Straßenseite). Von den acht Kindern aus zweiter Ehe sind die Söhne Jacob und Johann, beide verheiratet mit Töchtern der Familie Brand, am bekanntesten. Letzterer begründete in Werden an der Ruhr eine große Tuchfabrik. Der älteste Bruder Jakob (21.9.1761 - 25.11.1831) führte die Burger Linie der Stahl- und Eisenwaren unterhalb der Burger Brücke am ehemaligen Schwarzwaager Kotten weiter, hatte die Tuchfabrik am gleichen Standort, bekam am 4.11.1818 die Betriebsgenehmigung für seine hinzugebaute Fruchtmühle und bewohnte gleichwohl ein bescheidenes Häuschen in Oberburg. Er war in Eisensachen speziell auch fürs Ausland aktiv. Herr Huffmann aus Varresbeck berichtete mir, dass Jakob Forstmann ein historisch denkwürdiges Produkt herstellte: Sklavenketten! Hierzu lieferte er mir auch gleich das maßgebliche Schriftstück: In einem Brief vom 10. September 1814 an einen Monsieur Holagrey in Bordeaux offeriert die Firma Forstmann & Co.  für die in Bordeaux abgehenden Schiffe Neger- (Sklaven) Ketten „in den üblichen Längen“.

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Sensen geklippert, gebläut, geschmiedet und gerückt

Die Luhnshämmer I und II auf einem naiven Gemälde von 1920, Maler unbekannt. Gemälde bei G. SchmidtWieder sind es etwa 300 Meter, um von den Kellershämmern  zu den Luhnshämmern zu gelangen. Unterhalb Kellershammer nennt sich das Tal Burgtal. Hier grüßt älteste Zeit. Ganz unverändert, wie in Altvater Tagen, wird hier noch der alte Hammer betrieben am schmalen Weiher, hinter der steingewölbten Brücke über den Bach. Der Hammerplatz ist von Linden umfasst. Fast bis zur Erde reicht das Dach des verwitterten Balken- und Bretterwerks mit dem breitgeschaufelten Wasserrad und der gewaltigen, eichenen Hammerachse, die sich quer durch den dämmrigen Raum dreht. Funken und Feuerschein sprühen aus dunkler Höhle, weißglühendes Eisen dehnt sich und reckt sich unter dem pochenden Schlag des Hammers, der von meterdicken, zyklopischen Eichenstammen ("Säulen") gehalten wird.

Der Schmied vom Luhnshammer. Foto: HIZ RemscheidBegründet wurde der erste Hammer durch Hans von Hagen 1646. Er kam von Reinshagen, Peter Honsberg, der den Hammer dann 1692 von als Stahlreckhammer betrieben, kam vom Honsberg. 1750 war Johannes Honsberg der Besitzer. Johann Wilhelm Luhns, dessen Namen der  Hammer 1776 trug, lies  ihn erneuern. 1800 ist dieser Hammer in Händen von Joan Franz Luhn. 1806 war er der Besitzer beider Hämmer.  1824 wird der Hammer von Abraham Luhn geführt.  1836 ist der Honsbergshammer als Stahlraffinierhammer der Firma Luhn & Comp. eingetragen. 1853 hat ihn ein Eduard Luhn übernommen. 1867 ist der Hammer im Besitz von Ernst Lindenberg. Später ging der Luhnshammer in den Besitz der Firma Steffens und danach in den der Firma Rasspe in Unterburg über. Nach 1900 lag der Hammer lange Zeit brach und verfiel.  Otto Knetsch schmiedete im ersten Weltkrieg Seitengewehre im Luhnshammer, bis dann die Stadt Burg den Hammer übernahm. 1858 wurde der erste Hammer durch Meister Franz Frintzel, einem gebürtigen Remscheider, wieder belebt. Gemeinsam mit seinem Schwiegersohn Willi Jenczenski schmiedete er unter einem modernen Blattfederhammer Florettklingen für Solinger Firmen. 1960 wurde die Schmiede renoviert. Neue Bretter ersetzten die morsche Außenverkleidung. Das Dach, das zusammenzufallen drohte, wurde gehoben und mit neuen Dachpfannen bestückt. Heute steht der Luhnshammer unter Denkmalschutz. Herr Weber von Reinshagen übernahm den Hammer 1970 und stellte dort bis 1993 Kunstschmiedeartikel  her. Danach verpachtete er den Hammer an Joachim Stritthoff, der die Kunstschmiedeproduktion weiterführt. 1995 wurde das Dach erneuert, aber das Wasserrad und die Hammerwelle verrotten.

Am Luhnshammer 1890.  Sammlung BulangDen Luhnshammer II,  1776 von  "Rutger Fischers erben zur Burgh“ mit dem "verlorenen Wasser" (des ersten Hammers am glkeoichen Teich) begründet,  übernahm 1800 Peter Hasenclever. Später gehörte er  W. Lihn, dann Daniel Wüsthoff. Dieser  Hammer wurde mit dem aufgebauten Wohnhaus kurz vor 1955 niedergelegt. Mauerreste sind dicht neben dem ersten Hammer im Dammbereich heute noch zu erkennen. In der ausgehenden Sensenzeit stand im Luhnshammer II Wilhelm Dörpfeld von Selscheid, der Vater des nachmaligen berühmten bergischen Schulmannes und Grosvater des Hellasforschers, als Meisterknecht (Hammermeister) am Hammer. Der Meister bereitete den rohen Stahl, der dann von den Gesellen gereckt und zu Sensenklingen gebreitet wurde. Alsdann wanderten die rohen Sensenklingen in die weitere Behandlung der Sensenfabrik. Geklippert, gebläut, die Hamen gebogen, glatt geschmiedet und gerückt (mit Rücken versehen), entstand die fertige Sense. Jährlich 770 Zentner Rohstahl wurden bei gutem Wasserzufluss in einem Hammer zu 630 Zentner fertiger Ware verarbeitet. Ein vollbeschäftigter Hammermeister brachte es auf rund 185 Taler, ein Knecht (Gehülfe) auf 110 Taler Jahreslohn. Wenn der Hammerherr, was häufig geschah, nur den Meister und dieser die Hilfskräfte annahm, konnte der Meister für sich durch geschickte Verwendung der Lehrlinge noch kleine Vorteile herausschlagen. Die fertige Ware wurde an Ort und Stelle versandfertig verpackt und verladen. Der Fuhrmann hielt mit der Ladung noch einmal am Comptoir des Hammerherrn, wo er Frachtbrief und Rechnung empfing. So wurden dem Hammerschmied Preis und Abnehmer der Sensen nicht bekannt. Später wanderten aus dem alten Hammer unzählige Fuhren geschmiedeter Schwerter und Seitengewehre in die Waffenstadt Solingen und wurden dort weiter verarbeitet.  (nach: Hämmer- und Kottenforschung in Remscheid. Herausgegeben von Günther Schmidt, Band 5 - Vom Blombach bis Eschbach)

Gelungene Restaurierungen am Lenneper Gänsemarkt

Von Dr. Wilhelm R. Schmidt

Huch, plötzlich ist am Gänsemarkt in Lennep der Osterhase im Bild. Der Gänsemarkt war, wie wir heute ja wissen, niemals ein solcher, denn selbst in der Zeit als bedeutende Kreisstadt war die altehrwürdige ehemalige Hauptstadt im Bergischen Land nicht groß genug, um mehrere einzelne Märkte zu haben, einen Kornmarkt, Fischmarkt oder Eisenmarkt z.B. Vielmehr erklärt sich  ja der Name Gänsemarkt durch den Namen einer frühen Familie, wie so oft in Lennep, etwa bei den Bezeichnungen Knusthöhe, Albert- oder Karlshöhe.

Der Gänsemarkt trug im frühen 19. Jahrhundert übrigens einen anderen Namen, nämlich Poststraße, und diese Straße führte von der Schwelmer Straße tatsächlich in die Richtung der Lenneper Poststation „vor dem Lüttringhauser Tor“ am späteren Kaiserplatz und Mollplatz bzw. zu den Anfängen der späteren „neuen Poststraße“ und Lüttringhauser Straße.

Der Gänsemarkt wurde in jüngster Zeit besonders wegen der bis jetzt nur teilweise erfolgten Instandsetzung von Röntgens Geburtshaus erwähnt, es gab dort aber in den letzten Jahrzehnten auch mehrere aufwendige und gelungene Restaurierungen weiterer Häuser, und bei geschichtsinteressierten Mitbürgern ist noch bekannt, dass es am Gänsemarkt ganz früher auch Bildungseinrichtungen für sog. „Höhere Töchter" gab, u.a. ein „Kreis-Lyzeum“.

In der nationalsozialistischen Zeit endete die Geschichte der Viehhändler- und Hausierer-Großfamilie Isaak (Gänsemarkt 24). Heute erinnern an sie vor dem Neubau ihres ehemaligen großen Wohnhauses nur noch so genannte Stolpersteine. Viele Lenneper kannten auch  den Metzger Drösser in Röntgens Geburtshaus und ein Stück weiter die Bäckerfamilie Willmund. Gegenüber gab es lange Zeit die uralte Restauration von Wilhelm Windgassen (zuvor Spiecker und Becker), in der es irgendwann auch mal eine Schießerei gegeben haben soll. Daher kam angeblich der Beiname der Wirtschaft „blutiger Teppich“. In den 1920er Jahren befand sich dort das Parteilokal der KPD.  

Berichten älterer Lenneper zufolge hatte das Lokal im Bürgertum nicht den besten Leumund, was ich sogar als ganz in der Nähe aufgewachsenes Kind der 1950er Jahre noch bezeugen kann, und als „anständige Frau“ ging man da nicht hin. Vieles weitere könnte man noch vom Gänsemarkt erzählen. Unter anderem wohnte dort ursprünglich auch ein Zweig der Familie Mittelstenscheid bzw. Middelsten Scheid, die Gaslampen jeder Art, „messingene und bronce“, verkaufte. Sie war übrigens schon ein halbes Jahrzehnt vor Gründung der Buchhandlung Schmitz im Jahre 1850 auch in Sachen Buchbinderei und Buchbeschaffung tätig. Überregional handelte man sehr erfolgreich in der zweiten Generation mit den sog. Bergischen Gold- bzw. Münzwaagen.

Das erste originale Exemplar dieser Waagen sah ich übrigens nicht in unserer Heimatstadt Lennep, sondern im Heimatmuseum - und zwar im oberbayerischen Garmisch-Partenkirchen.  Natürlich war ich da auf einer Dienstreise in Sachen „Rettung historischer Buchbestände“. Der Weg der genannten Familie Middelsten Scheid bis zu den heutigen Kobold-Staubsaugern und Küchenmaschinen von Vorwerk, wäre schon wieder eine ganz eigene Geschichte. Aber wir wollen es an den Osterfeiertage gemächlich angehen und folgen deshalb unserem Osterhasen vom Gänsemarkt zurück in die schöne sonnige Natur.

Wochenrückblick vom 15. bis 21. April 2019

 

Kellershammer III, einst die modernste Schleiferei im Land

Ältestes Bild des Kellershammer III 1885 Foto: HIZ Remscheid

Der Untergraben des mittleren Kellershammers und der Eschbach selbst geben ihr Wasser direkt in den 200 Meter talwärts gelegenen Zulaufteich des unteren Kellershammers ab. Zunächst wurde er als Unterer Kellershammer, aber auch als Neuwerk oder 2. Schwarzenhammer angegeben. Francken war bereits 1698 als Hofkammerrat gestorben und es ist ungewiss, ob die drei Werke von seinem Sohn, dem 1720 in den Reichsadelstand erhobenen Johann Bernhard Francken d. Jüngeren, übernommen und verkauft wurden. Um 1720 bestand noch eine weitläufige Verwandtschaft zwischen Francken und den Hasenclevers. Die Ehefrau des Kellners Francken war Anna Margaretha, Tochter des katholischen Arnold Hasenclever, der von 1629 bis 1667 Rentmeister zu Beyenburg war. Vermutlich hat 1720 Johannes Hasenclever (1675 - 1755) alle drei Werke, von denen der dritte Kellershammer das jüngste war, besessen.  

1956 am Kellershammer III. Foto:WupperverbandSein Sohn Johann Bernhard Friedrich Hasenclever (1731- 1806) übernahm verschiedene Wassertriebwerke im Tal, während der jüngere Sohn Franz Arnold Hasenclever (1734-1802) offenbar der Erbe (zumindest Mitbesitzer) der Kellershammer wurde. Dessen Söhne waren Johann Franz (1773-1818) und Johann Ludwig Hasenclever (1780 - 1843). Letzterer wird 1806 als Besitzer aller drei Kellershämmer genannt. Er wohnte als Kaufmann zu Ehringhausen und war mit Johanna Helene Haddenbrock verheiratet. Im Mai 1813 waren im 3. Kellershammer drei Mann tätig. Eine Sensenschmiede, in der 26 Mann arbeiteten, war als Fabrik angegliedert. Daniel Hasenclever aus  der Haddenbach pachtete das Werk 1841. Er riss die alten Hammerwerke ab und baute Remscheids bis dato größtes Stahlwalzwerk. 1858 übernahm er die Firma alleine.

Emil Hasenclever, der Sohn Daniels, wurde 1826 geboren und heiratete Maria Theresia Böker. 1893 übertrug er seinem Sohn Daniel- Robert die Firma.  Der Sensenhammer (Faconschmiede) wurde in eine Schleiferei umgewandelt. Daraus erstand in den 1890er Jahren eine neue Industrie, die Maschinen- und Sägenfabrik, von deren Wachsen und Blühen die heutigen Bauten und Werksanlagen, vom schlichten Kotten am Teich über eine Reihe von Dächern bis zum hochstockigen Geschäftshause und der Villa gegenüber am Walde anschaulich zu erzählen wissen. Auch die mittleren Kellershämmer waren jetzt in derselben Hand, und das ehemalige Walzwerk galt mit Kellershammer III als die modernste Schleiferei in Deutschland. Erwähnenswert ist noch, dass mit der 1890 eröffneten Eisenbahn Eschbach-Wermelskirchen dieses Werk einen Bahnanschluss bekam. Im Jahre 1900 wurde aus dem Hammerwerk eine Faconschmiede der Fa. Ernst Albert Steffens, die Beitel, Hobeleisen und Feilen herstellte.

Auf Postkarten wurden die Firmen früher gerne viel größer dargestellt, als sie in Wirklichkeit waren. So auch auf dieser Karte von den Maschinenmesser-Fabriken Ernst Alb. Steffens GmbH. (Foto vom Mittleren Kellershammer II: Stadtarchiv Solingen)

Die Geschichte des Unteren Kellershammers war im 20. Jahrhundert wechselhaft Nach dem Verkauf durch die Erben Emil Hasenclever nach 1901 war zunächst die Firma Friedrich Wilhelm Lohmann, Sitz Witten an der Ruhr, Besitzer der historischen Betriebsstätte. Bald aber übernahm die Firma Ernst Albert Steffens (Foto links) das Werk (damals auch Steffenshammer genannt) und stellte darin zunehmend Messerfedern und Bohrerstahl her. Sie betrieb hier ihr Werk Kellershammer II, nachdem sie auch das Gelände an den oberen Kellnershämmern erworben und ausgebaut hatte. In den 1930er Jahren wurde hier das Alexanderwerk Remscheid tätig. Danach erwarb der Landmaschinenteilehersteller P.D. Rasspe Söhne die alte Betriebsstätte und übernahm bis 1951 auch die Anlagen an den oberen Kellershämmern sowie Neuwerk (bis 1995). Heute (2006) Ist Kellershammer II an eine Fenster- und Wintergartenbaufirma verpachtet und Kellershammer III an eine Stuckwarenfabrik. In den 1990er Jahren wurde das Bürohaus des Kellerhammer I interessanterweise durch eine Familie Kellner in ein schmuckes Wohnhaus umgebaut. Diese Familie hat aber nichts mit dem früheren Kellner zu Burg gemeinsam. (nach: Hämmer- und Kottenforschung in Remscheid. Herausgegeben von Günther Schmidt, Band 5 - Vom Blombach bis Eschbach)

Die Kellershämmer hatten eine wechselvolle Geschichte

Durchbruch am Kellershammer. Foto: MeierVom Johanneshammer gehen wir wieder durch den Wald am Eschbach vorbei und kommen nach etwa 500 Metern in der Region Kellershammer an. Historische Bausubstanz sieht man schon von weitem, denn die gesprengte Staumauer und die Steinbrücke der ehemaligen Eisenbahntrasse sind nicht zu übersehen. Als die Eisenbahntrasse der Wermelskirchen-Burger-Eisenbahn gebaut wurde, musste sie bei Kellershammer I erneut den Eschbach überqueren. Dafür wurde eine schone Steinbogenbrücke gebaut und der dahinterliegende Felsen durchbrochen. Bei dieser Maßnahme fand Dr. Julius Spriestersbach in den geologischen Schichten des Felsens die Versteinerungen des Urmeeres, das vor x-Millionen Jahren das Bergische Land überflutet hatte. Dieser Nachweis war eine historische Sensation und wurde in der ganzen Welt beachtet. Zusammenhängend sind diese Funde von Spriestersbach leider nirgendwo zu betrachten, da die Stadt Remscheid … diesem Thema nicht die nötige Gewichtung zukommen lässt.  Geschichtlich fangen wir auch hier wieder bei den Ursprüngen an. Bis zum Eingang in das Hammertal unterhalb Tyrol bildet der Eschbach die Grenze zwischen Wermelskirchen und Remscheid. Am Zusammenfluss von Eschbach und Lobach beginnt das Gebiet der (Stadt) Burg. Hier zeigt sich die Ausnutzung der Wasserkräfte aufs Höchstmögliche gesteigert. Dicht gedrängt und nur durch die mächtigen Stauweiher getrennt, folgt in der Talenge Werk an Werk, jedes von besonderer Bedeutung und mit mehrhundertjähriger Vergangenheit. Es ist das Gebiet der "Kellershämmer", ursprünglich Kellnershämmer "auf dem großen Steeg" nach ihrem Erbauer, dem herzoglich Bergischen Kellner Johann Bernhard Francken, der hier "auf der Eiffischen Bach" (wie der Eschbach früher hieß) einen doppelten Eisenhammer anlegte.

Oberer Kellershammer. Sammlung: Reinhard BaadeAm 29. Februar 1686 verpachtete der Komtur des Johanniterordens zu Herrenstrunden, Freiherr Bernhard Gisbert von Capell, Herr zu Wittering, dem Kellner die zur Kommende Burg gehörige fünf Viertel Morgen große Wiese am Teufelsteich  auf 29 Jahre.  Gleichzeitig erhielt der Kellner die Genehmigung, auf dem "wüßten Plätzchen über gemelter Wiesen gegenüber dem Teufelsteich an die eiffische Bach" einen Reckhammer zu setzen. Wie der Ordenskomtur zur Begründung bemerkte, hatte der Vater des Kellners den Johannitern wertvolle Dienste geleistet. Da auch der Herzog Johann Wilhelm (Jan Wellem) seine Zustimmung gab, konnte der Bau beginnen. Wie der Kellner selbst in seiner Jahresrechnung von 1692 ausführt, errichtete er am großen Steg (in der Nähe des Überganges über den Eschbach) einen doppelten Eisenhammer. Als jährliche Abgabe für die Nutzung des Wassergefälles musste er 1/2 Goldgulden an den Landesherrn abführen. Später fügte er noch ein drittes Werk unterhalb der Lobachmühle hinzu, das man als den untersten Kellnershammer (ich nenne ihn den mittleren) bezeichnete.

Das Wehr am oberen Kellershammer. Sammlung: Reinhard BaadeKellner veröffentlichte sein Vorhaben in der Kirche: "Ihre Hochfürstliche Durchlaucht Haben mir, dero Kellnern hochgnädigst erlaubt, daß ich zu mein und meiner Erben behuff auf meinem eigenen erb an das große Stegh oben der Burg an die Eiffische Bäche einen doppelten eisenhammer erbawen und darauf das nötige Wasser auss dem Bach führen möge, orth Goldg". Wie es in dem Pachtvertrag heißt, sollte der Inhaber der betreffenden Reckhammer nach 29 Jahren "bei einem zeitlichen Komtur neue Werbung tun und in der Werbung um Pachtung andern vorgezogen werden", d.h. nach Ablauf der Pachtzeit hatte der Orden das Recht, über das Gelände wieder frei zu verfügen; er konnte also unter Umstanden selbst die Kellershämmer in Besitz nehmen.

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Blaupolierte Gewehrläufe aus Burg wurden frech imitiert

Nach 1600 und zum Teil noch früher entsandte die Remscheider und Solinger Eisenindustrie ihre Vorposten ins Burger Gebiet. Erstere durch ihre Eisen- und Stahlhammer, die sich vom Remscheider Hammertal und aus dem mittleren Eschbachgebiet immer weiter ins Burgtal vorschoben, letztere durch ihre Schleifkotten an der Wupper. Wie die späteren pfälzischen Regenten bemüht waren, die Entwicklung der Burger Eisenindustrie zu fördern, geht aus verschiedenen Verordnungen und Verleihungen des 17. Jahrhunderts hervor. Der glänzende Aufschwung der märkischen Drahterzeugung veranlasste sie zu dem Versuch der Verpflanzung dieses einträglichen Gewerbes ins eigene Gebiet. Das Burgtal, das durch seine alten Beziehungen zur Remscheider Eisen- und Stahlerzeugung und durch seine starken Wasserkräfte die besten Vorbedingungen aufwies, wurde zur Versuchsstätte ausersehen. In einer kleinen Walkmühle am Eschbach ließ der Herzog Johann Wilhelm II., den der Volksmund später mit dem Namen "Jan Wellem" beehrte, um 1680 eine Feindrahtmühle einrichten, und in der stillstehenden Öl- und Walkmühle an der Wupper wurde auf seinen Befehl hin um 1690 ein Versuch mit der Herstellung gröberer Drahtsorten gemacht. Beide Unternehmungen misslangen, wahrscheinlich, weil es an geübten Arbeitern mangelte und der Bezug des zur Drahtbereitung erforderlichen märkischen Eisens auf Schwierigkeiten stieß.

Mehr Erfolg hatten die landesherrlichen Bemühungen um die Einführung der Gewehrfabrikation, die zuerst im Büchsenschmiedskotten des unteren Burgtales am Burger Bahnhof, später auch in der verlassenen Drahtmühle an der Wupper und an anderen Stellen betrieben wurde und sich bis ins 19. Jahrhundert hinein als lebensfähig erwies. Werfen wir auch hier einen etwas tieferen Blick in die Geschichte: Die Burger Büchsenschmiederei hatte ihre Grundlagen in dem Remscheider Eisengewerbe, wurde aber durch das Eingreifen der Landesregierung gestützt und gefördert. Herzog Wilhelm III. (1539-1592) veranlasste um die Mitte des 16. Jahrhunderts die Errichtung einer Schleif- und Bohrmühle und gewährte den Burger Buchsenschmieden ein Privilegium. Im Jahre 1692 besaßen dann Johann Schmidt zu Burg und Heinrich Schmidt zu Westhausen am Eschbachsteg beim späteren E-Werk einen Kotten, worin sie die Buchsenläufe bohrten und schliffen. Das Remscheider Lagerbuch von 1675 nennt in Westhausen Heinrich und Hans Büchsenschmidt als Hofbesitzer. Im Jahre 1747 besichtigte der Kurfürst Karl Theodor, der in den ersten Jahrzehnten seiner langen Regierungszeit der bergischen Industrie ein lebhaftes Interesse entgegenbrachte, auch die Burger Büchsen- und Laufschmiede. Zeitweilig hatte die Burger Büchsenschmiederei, teils infolge mangelnden Absatzes, teils durch unlauteren Wettbewerb auswärtiger Schmiede und Kaufleute, die ihre minderwertigen Waren mit den angesehenen Burger Zeichen, besonders dem "Wilden Mann" versahen, mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen. Besonders traurig war die Lage in den Jahren 1768 bis 1770. In der Burger Gewehrlauffabrik waren nur noch drei Meister vorhanden. Die Beamten des Kurfürsten Karl Theodor befürchteten den Untergang des alten Gewerbes, weshalb sie die Unterstutzung desselben durch geeignete Verordnungen und die besondere Berücksichtigung der Burger Werkstatten bei der Gewehrbeschaffung für das jülich-bergische Militär empfahlen.

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Das Fischerei-Recht hatten Familien aus Burg

Romantisches Eschbachtal: Der Johanneshammer im Jahr 2005. Foto: G. SchmidtNachdem die Bergischen Grafen um 1118 die Burg an der Wupper zum Mittelpunkt ihrer Herrschaft erhoben hatten, entstanden auf der Höhe des Burgberges und im Tal des Eschbachs bald eine Reihe von Ansiedelungen, so das das neue Gemeinwesen schon früh zu einer "Freiheit" erhoben werden konnte, während die benachbarten älteren Siedlungen Wermelskirchen und Remscheid sich noch mit der Bezeichnung von Dörfern zufrieden geben mussten.  Im Norden schneidet die quer über den Westhauser Berg gezogene Grenze die Südspitze der Honschaft Remscheid ab. Im Westen musste das Solinger Gebiet den Zipfel des Jagenbergs hergeben, und im Suden und Osten steuerte die Dorfhonschaft Wermelskirchen den Löwenanteil zur Burger Gemeinde bei. Hierzu gehörte auch das einzige Gebiet, das eine landwirtschaftliche Nutzung lohnte und dadurch zur Ernährung der Burger Bewohner beitragen konnte.

Doch die meisten Insassen der neuen „Freiheit“ waren damals Fischer und Handwerker, die zum Hof des Grafen in engerer Beziehung standen. Die Wupper wie auch der Eschbach lieferten damals eine Menge der köstlichsten Fische, die nicht nur den Schlossbewohnern, sondern auch den Landsleuten im weiteren Umkreis eine beliebte Speise boten. Die Ausübung der Fischerei in den benachbarten Gewässern war aber bis ins 18. Jahrhundert hinein Burger Familien vorbehalten. Es ist daher verständlich, das man bei der Abgrenzung des Burger Gemeinwesens einen erheblichen Teil des Eschbachs zu erfassen suchte und die Grenze am Hang des Westhauser Berges entlang bis in die Gegend des späteren Kellershammers hinauf und ebenso auf der Wermelskirchener Seite über die Sellscheider Höhen hinüberzog, so dass das Burger Gebiet hier einen schmalen Zipfel den Eschbach entlang nach Norden entsandte. Die Strecke von der Einmündung des Lobachs bis zur Wupper wurde daher "die Burger Bach" und die Landschaft "das Burgtal" genannt.

Aber noch auf andere Weise versuchten die Bergischen Regenten ihrer neuen Gründung Leben einzuflößen. Zwar diente die Errichtung der Kameralmühle zu Unterburg in erster Linie eigenen Zwecken, da sie den herzoglichen Hof mit feinem Mehl zu versorgen hatte. Um dem Müller aber seinen Unterhalt zu sichern, wurden neben den Burger Bewohnern auch die Besitzer der benachbarten Remscheider und Wermelskirchener Hofe dem Mahlzwang der herzoglichen Mühle unterworfen. Den Bergischen Landesherren schien damals schon bald die Einsicht gekommen zu sein, dass die Burger Freiheit nicht allein von der Gnade des Hofes gedeihen könne, sondern dass dazu vor allem die Pflege der Industrie vonnöten sei. So wurde von ihnen die Einführung der Tuchweberei im 15. Jahrhundert oder noch früher unterstutzt und ihre weitere Entwicklung durch verschiedene Privilegien gefördert. In den Dienst der Tuchweberei wurde nun auch der Unterlauf des Eschbachs gezwungen, der im Burgtal die zur weiteren Behandlung der Gewebe erforderlichen Walkmühlen zu treiben hatte. Durch die Gewährung der Zollfreiheit für die Wolleneinfuhr im Jahre 1490 sowie durch die Zunftordnung von 1546 erhielt die Burger Tuchweberei kräftigen Aufwind. Als sie später in Verfall geriet, zögerte der Kurfurst Johann Wilhelm II nicht, die alten Privilegien des Burger Wollenhandwerks im Jahre 1706 auf die Deckenweberei zu übertragen. Das neue Gewerbe entfaltete sich derart kräftig, dass im Jahre 1710 schon 122 Deckenfabrikanten in Burg vorhanden waren. Auch dieser Industrie mussten der Eschbach und die Wupper zum Betrieb von Öl- und Walkmühlen ihre Kräfte leihen. Die Burger Deckenindustrie ist längst erloschen. Das laute Dröhnen der Hämmer und das Kreischen des Stahles unter den Händen der Schleifer gehört ebenso der Vergangenheit an, doch vieles deutet auch heute noch darauf hin, dass im Eschbachtal eine der ältesten bergischen Industriestätten heimisch war. (nach: Hämmer- und Kottenforschung in Remscheid. Herausgegeben von Günther Schmidt, Band 5 - Vom Blombach bis Eschbach)

Als Eichhörnchen im Johanneshammer im Kochtopf landeten

Johanneshammer-Belegschaft. Foto: Hubert Felder300 Meter unterhalb des Altenhammer steht im Eschbachtal der Johanneshammer. Johannes Bertrams II war Besitzer eines Reckhammers im Mukkenbachtal. Dieser Hammer war jedoch zu Klein, und der Muckenbach führte zu wenig Wasser, so das er sich Bertram im Jahre 1677 entschloss, auf dem Farrenblech im Eschbachtal ("auf die Eiffische Forellenbach") den Johanneshammer zu bauen, und zwar auf einem zuvor zerfallenen. "1625" steht als Jahreszahl über der Ture, und diese Jahreszahl ist auch in einer Chronik der Stadt Wermelskirchen genannt. Vielleicht stammt dieser Balken aus dem Vorgängerhammer?

Nach bergischer Schmiedekunst wurden Im Johanneshammer Sensen hergestellt. Johannes Bertram war Sohn des gleichnamigen Vaters, der die Tochter Maria des Wilhelm Hasenclever I heiratete. Wilhelm Hasenclever I war Gründer des Hasenclever Clans.  Bertram II stammte vom Hof Hasenclever zu Ehringhausen. Er wurde im Jahre 1633 geboren. Und er war 43 Jahre alt, als er den Johanneshammer errichtete. Nur 15 Jahre hat Bertram II dort der Erzeugung von Raffinierstahl seine Kräfte widmen können. Auf einer Reise ist er am 29. Januar 1692 "ohngefähr um 4 Uhr nachmittags zu Düsseldorf auf öffentlicher Straße niedergestochen und kurz darauf verschieden", berichtet Beltgen in seinem Kirchenbuch. Johannes Bertram ist auf dem Kirchhof zu Remscheid begraben.

Johanneshämmer 1942 Foto: Klaus Gieß1771 bis 1830 gehörte der Johanneshammer dem Bernhard Hasenclever zu Ehringhausen. Um 1780 wird er von Peter Caspar Hasenclever bestellt. 1841 wird lt. Wermelskirchener Mühlenkataster der Sensen-Breithammer von Joh. Bernhard Hasenclever & Söhne zu Ehringhausen geführt. Diese Firma stellte Sensen her. Die Herstellung erfolgte fabrikmäßig, da die der Fa. Hasenclever gehörenden Hämmer ihre Arbeitsvorgänge aufeinander Abgestimmt hatten. 1853 werden in der Regierungsliste "beide Johanneshämmer" genannt. Sie sind als Stahlhämmer ausgerichtet. 1867 ist der erste Hammer zwar noch aufgeführt, aber in desolatem Zustand des ersten Hammers um etwa 1925.

Ein Hammer stirbt: Johanneshammer II. Foto: Osthoff 1951Hammer II wurde 1845 am gleichen Teich durch Johannes Bernhard Hasenclever & Söhne errichtet. Er hat einen Bruchsteinunterbau und steht heute noch. 1853 ist der Sensenbreithammer mit einer Schlacht und 12-15 PS angegeben. Im Jahre 1912 zog der Hammerschmiedemeister Karl Menn in den damals zur Firma Gottlieb Ernst Hasenclever gehörenden Johanneshammer ein und machte sich selbständig. 1920 erwarb er den Hammer und stellte dort mit seinen Söhnen Kurt und Hans unter anderem "ausgeschlagene Gewichtsfeilen" her. 1923 gab die Stadt Remscheid einen Geldschein mit dem Johanneshammer (500.000,- RM als Inflationsgeld) heraus.

Johanneshammer I und II. Sammlung: Reinhard Baade.Die Gebrüder Menn führten nach dem Tod ihres Vaters den Hammer bis März 1962 als Lohnschmiede fort. Sie waren aber auch eifrige Angler, und so mancher Karpfen und so manche Forelle wurde aus dem Teich gezogen. Die Fischzucht lag beiden am Herzen. In dem kleinen Kontor, nahe bei den Glühofen, den Transmissionen und Werkzeugen, wurde auch so mancher Schnaps ausgeschenkt, wenn Förster, Jäger oder Remscheider Freunde kamen. Aber auch wenn schon mal einen gemütlichen Tag gab, so wurden doch im Monat bis zu 25 Tonnen Feilenrohlinge an die Feilenhauereien geliefert. In den letzten Jahren ihrer Arbeit sagten die Brüder übereinstimmend, das sie zwar ihr Auskommen hätten und die Wasserkraft recht billig sei, dass aber das Wirtschaftswunder an ihnen vorbeigegangen sei („Kein Vorwarts und kein Zurück!“).  Zeitweilig gesellte sich der Kunstschmied Kurt Jorzyk vom Bergfrieder Weg im Johanneshammer hinzu, um verschiedene Kunstobjekte zu schmieden. Unter anderem hat er einige Damaszener Schwerter nach alter Tradition geschmiedet.  In einem der beiden Hämmer arbeitete auch Fritz Jogan, der als Junggeselle in einer Dachkammer über dem Hammer wohnte. Er war nicht nur ein fachkundiger Schmied, sondern hatte sich auch der Kunst und dem Waidwerk verschrieben, wenn auch auf eine besondere Art und Weise. Wie dem alten Rauhaus am Neuenhammer neben seiner Arbeit noch Goethe, Schiller, Shakespeare Lebensinhalt waren, so waren es dem Fritz Jogan das Klavier und das Schnitzmesser, mit dem er aus Eichenstumpfen allerlei Tierkopfe schnitt mit denen er die Zaunpfähle zierte. Das "Weidwerk" betrieb er an seinem Dachkammerfenster, von wo aus er mit seiner Flinte manches Eichhorn in den nahen Haselnusstauden traf und es dann in seinen Kochtopf wandern ließ.

Jenseits ihres 60. Lebensjahres und aus gesundheitlichen Gründen gaben die Gebrüder Menn 1969 auf. Der Hammer war ihnen mehr als nur Arbeitsstätte, und so war es ihnen auch nicht egal, wer diesen Hammer übernehmen sollte. Ein glücklicher Zufall bescherte den Verkauf an den Bergischen Kreis der Alt- Nerother Wandervogel; siue bauten den Hammer zu einem Wochenendwanderhaus mit Schlafgelegenheit aus. Eine alte Francis-Turbine, die für den Hammer das Licht erzeugte, ist heute noch intakt und wird von den Nerothern gepflegt. (Ein verbliebener Einmannbunker erinnert auf dem Gelände an den zweiten Weltkrieg, der selbst das so friedliche Eschbachtal nicht verschonte.)

Beim Bau der Remscheider Talsperre wurde mit den Schmieden des Eschbachtales ein Vertrag abgeschlossen, in dem die Pumpstation, die damals noch mit Wasserturbinen arbeitete, verpflichtet wurde, täglich zur Versorgung der Wasserräder der zahlreichen Hammer eine bestimmte Menge Wasser an den Eschbach abzugeben. Als nach und nach einige Schmieden aufgaben, hielten sich die Stadtwerke nicht mehr an die Abgabemengen, so dass das Wasser in den übrigen Hämmern und Kotten rar wurde. Trotz vieler Proteste der Anlieger hielten sich die Stadtwerke aber nicht an die vertraglichen Abgabemengen, somit war das "nasse Gut" ein seltenes Element in den Hammerteichen. (nach: Hämmer- und Kottenforschung in Remscheid. Herausgegeben von Günther Schmidt, Band 5 - Vom Blombach bis Eschbach) (Foto ganz oben aus: „Remscheid“ von Hans Funke, erschienen 2002 im Sutton-Verlag in Erfurt in der Reihe „Archivbilder“)

Als die Lenneper Oberschüler noch Mützen trugen

von Dr. Wilhelm R. Schmidt

Das Osterfest naht, und ein Gruß aus Lennep mit einer historischen Postkarte ist da nicht unangebracht. Das Gasthaus am Alten Markt namens "König von Preußen" gibt es heute noch. Die Geschichte dieses Lokals, später zum Hotel ausgebaut und mit einem großen Saal auf der Rückseite, in dem ich mich in meiner Jugend noch an Theaterproben beteiligte, geht weit ins 19. Jahrhundert und noch weiter zurück. Zahlreiche Lenneper Traditionsvereine, wie z.B. die Freiwillige Feuerwehr oder die Schützen, feierten früher dort ihre Feste. Wie viele Wirte werden da wohl Eigentümer und Pächter gewesen sein? Auf verschiedenen historischen Ansichtskarten kann man mindestens fünf oder sechs ausmachen.

Auf unserem heutigen Bild liest man den Namen von Robert Hildebrandt, den man z.B. im Lenneper Adressbuch von 1902 wiederfindet. Die Ansichtskarte zeigt auch das alte Amtsgericht, 1791 erbaut und 1945 durch Kriegseinwirkung zerstört, das von 1836 bis 1891 als Rathaus und anderen Verwaltungszwecken diente. Als massives Steinhaus und auch in der architektonischen Form passte es von Anfang an nur schwer zur Lenneper Altstadt mit seinen Fachwerkhäusern.

Eine weitere bis heute eindrucksvolle Örtlichkeit in Lennep ist natürlich die Wetterauer Straße (auf der zweiten "colorierten" Abbildung links in der Zeit kurz nach 1900 zu sehen). Worauf der Anfang des 19. Jahrhunderts entstandene Name der Straße zurückzuführen ist, ist  unbekannt. Auch die Buchhändlerfamilie Schmitz aus der Wetterauer Straße, in Lennep seit 1850, einst auch mit Verlag und Druckerei, ansässig, machte sich darüber Gedanken, so steht es in einem alten Zeitungsartikel, und sie fand auf alten Karten in Richtung Siegen und Hessen den Namen Wetterau, bei Geografen und auch bei Matthäus Merian natürlich in der altertümlichen Form "Wetteravia".

Wetterauer Straßen gab es früher übrigens häufiger im Bergischen Land, und sie hatten wohl mit den uralten Handelswegen zu tun, die beispielsweise von Solingen und Remscheid über Hückeswagen, Wipperfürth und Rönsahl, also über das eisenfördernde Siegerland nach Hessen führten, wo es bekanntlich bis heute die Region der "Wetterau" gibt, die mit ihren Grenzen im 19. Jahrhundert anders als heute weit in das Preußische Gebiet hinein ragte.

Aber wie dem auch sei, uns Heutige sollen jetzt eher die Bewohner und Geschäfte in der Wetterauer Straße interessieren, so wie sie auf unserer ca. 120 Jahre alten Ansichtskarte verewigt sind. Geschichtsinteressierten Lennepern ist natürlich die ehemalige Buchhandlung Richard Schmitz bekannt, vielen wohl auch das Kaufhaus Dörrenberg, das nach und nach in der Wetterauer Straße, später dann in der Kölner Straße unterhalb des Kölner Tors am Kraspütt und zuletzt als Vorläufer von Karstadt/Hertie an der Ecke Kölner und Wupperstraße residierte. Dort ist der Altbau vom Beginn der 1910-er Jahre mit mannigfaltigen Veränderungen  noch heute präsent.

Auch das ehemalige Café Grah kennen wir. Als Röntgen-Schüler gingen wir samstags nach dem Unterricht immer dorthin, nachmittags oft auch in die dazugehörige Milchbar mit ihrer Music Box. Ich höre es noch wie heute: Connie Francis sang 1964 "Schöner fremder Mann". Allerdings war das Café Grah auf dem vorliegenden Bild aus der Zeit um 1900 so noch nicht vorhanden. Vielmehr hatte dort längere Zeit der Conditor und "Cafetier" Richard Isenburg sein Geschäft, ein sehr geschichtsinteressierter Lenneper.

Die ursprüngliche "Markt-Apotheke", deren spätere Form manche von uns noch mit dem Namen Kreth verbinden, lag mit ihrem Verkaufsraum seinerzeit nicht an der Hausecke gegenüber von Schmitz` Buchhandlung, sondern links daneben in dem großen bergischen Haus. Dessen Besitzer Emil Halbach verdiente wohl gut, er ließ sich später in der nach ca. 1904 neu angelegten Schillerstraße von der Lenneper Firma Wender & Dürholt eine großzügige private Villa im "altbergischen Styl" errichten. An der Straßenecke auf unserem Bild gab es vielmehr die "Huthhandlung" von Karl Isken jr., was auf unserem Bild sehr gut zu erkennen ist. Links neben dem Kaufhaus Dörrenberg sehen wir noch das Schuhwarengeschäft von Wilhelm Bremicker und ganz, ganz hinten links die am Schieferhaus angebrachte Werbung der Firma Hermann Platte. Im Adressbuch wurde 1902 dazu auch "Uniformmützenfabrik" angegeben. In diesem Geschäft wurden fast bis in unsere Zeit Hüte, Zylinder, Mützen und Schirme verkauft, manches davon habe ich noch zuhause, einen wesentlichen Anteil am Verkauf hatten in früher Zeit auch die Schülermützen der Höheren Schüler, also der Lenneper Oberrealschüler und Gymnasiasten.

Allen Freunden Lenneps und des Bergischen Landes nunmehr eine besinnliche Karwoche und ein schönes Osterfest.

Geburtshaus von W. C. Röntgen ist teilsaniert

von Dr. Wilhelm R. Schmidt

Am 27. März 2019 wäre Wilhelm Conrad Röntgen 174 Jahre alt geworden. Die Deutsche Röntgen-Gesellschaft und die Geburtshaus-Stiftung nutzten dieses Datum, um im jetzt fertiggestellten Erdgeschoss des Gebäudes eine Ausstellung über den Jubilar offiziell vorzustellen. Damit ist die etwa siebenjährige Geschichte des Umbaus aber noch nicht beendet. Im Obergeschoss geht die die Restaurierung des denkmalgeschützten Hauses weiter – übrigens ohne öffentliches Geld, vielmehr stammen sämtliche Mittel aus Spenden und Zuschüssen. Dies wurde nun gefeiert, nach den zahlreichen Reden auch mit einem Buffet und Sekt. Auch das Fernsehen war dabei, und die am Boden liegenden Zigarettenreste vor der Fensterfront wurden zweimal entfernt.

In meiner Kinder- und Schülerzeit bin ich, da ich ja nur ca. 50 bis70 Meter entfernt am Mollplatz wohnte, fast jeden Tag an Röntgens Geburtshaus am Gänsemarkt vorbeigekommen und natürlich auch hineingegangen, zumindest in den Teil des Gebäudes, der als Metzgerei der Familie Fritz Drösser öffentlich war. Ich erinnere mich nur zu gut, dass ich des Öfteren dort Schinken kaufen sollte, aber „gut abgehangen“, darauf legte man seinerzeit großen Wert.

Der Metzger Drösser galt in Lennep als Witzbold. Er hängte unter anderem ein Schild ins Schaufenster, auf dem geschrieben stand: „Gern schlage ich Ihnen Ihre Knochen ein“, eine Ausdrucksweise, die man im bergischen Lennep verstand, während man sie heute bei Stadtführungen des Öfteren erklären muss. Meist ging es dann noch ein paar Schritte weiter zum Bäcker Willmund, dessen Nachkriegs- „Amerikaner“ mit der Zucker- und Fettglasur sowie der stark gesüßte „Brotkuchen“ mir besonders schmeckten.

Mit dem Erwerb des Geburtshauses von Wilhelm Conrad Röntgen im Herzen der Lenneper Altstadt hat die Deutsche Röntgengesellschaft dankenswerterweise auch den Weg bereitet, am Ursprungsort des Wissenschaftlers dem persönlichen Nachlass Röntgens einen würdigen Raum zu schaffen. Bislang fehlten ja Räumlichkeiten und Kontext, um die einzigartige Sammlung adäquat präsentieren zu können. Röntgens persönlicher Nachlass enthält Objekte, Möbel, Skizzen und Entwürfe zu einer Vielzahl wissenschaftlicher Themen und seltene Fachliteratur der frühen Radiologie. Es bietet somit ein reichhaltiges Spektrum, um den Wissenschaftler in einem biographisch authentischen Umfeld zu präsentieren. Das Röntgen-Geburtshaus bietet aber auch die Chance, gemeinsam mit dem Deutschen Röntgen-Museum Leben, Werk und Wirkung von Wilhelm Conrad Röntgen umfassend darzustellen.

Die Wiederherrichtung des Hauses bietet zugleich die Chance, ein denkmalgeschütztes Gebäude im Herzen der Altstadt einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. In enger Anbindung an das Deutsche Röntgen-Museum soll es als besonderer historischer Ort das geistige und materielle Erbe Wilhelm Conrad Röntgens in außergewöhnlicher Weise bewahren. Zugleich soll es Bildungs- und Weiterbildungszwecken dienen, nur so wird eine museale Einrichtung auch zu einem lebendigen Ort.

Natürlich hat das Geburtshaus auch eine Geschichte. Bekanntlich wurde im Oktober 1746 die Stadt Lennep bis auf sieben Häuser und das Minoritenkloster durch ein großes Feuer verwüstet. Wie es damals am Gänsemarkt aussah, das ist natürlich nicht bekannt. Durch Gutachten kann man nur sagen, dass das spätere Haus am Gänsemarkt 1 nach 1783/85 erbaut worden sein muss. Um 1811 erfolgte der Kauf des Hauses durch Johann Heinrich Röntgen und Anna Louise Frowein, die es später an Friedrich Carl Röntgen (Vater von W.C. Röntgen) und dessen Brüder Richard und Ferdinand vererbten.

Catharina von Pohlheim ist die letzte bekannte Vorbesitzerin vor den Röntgens. Ein genaues Kaufdatum lässt sich nicht mehr ermitteln. 1846 wurde das Haus dann an einen Metzgermeister Gustav Kühne veräußert, der es wiederum 1864 an Metzgermeister F.W. Drösser und dessen Sohn verkaufte.1860 wurde die Ansicht des Hauses durch die Veränderung der Schauseite durch den Einbau eines Ladenschaufensters verändert. Diese Schauseite ist im Prinzip bis heute erhalten und wird gerade restauriert. 1963 erfolgte die Schließung der Metzgerei, an die sich noch heute viele Lenneper erinnern, ein Jahr danach erwarb die Stadt Remscheid das Gebäude und entwickelte verschiedene Überlegungen zur städtischen Nutzung. Spätere Sanierungsarbeiten der Stadt wurden zunächst im Jahre 1980 abgeschlossen. Die Sanierungsarbeiten sollten endgültig ursprünglich bis 2015 abgeschlossen sein, jedoch ergaben sich nach und nach immer wieder neue Schwierigkeiten.

Während der Veranstaltung zur Eröffnung der Ausstellung im Geburtshaus von Röntgen konnte man sehen, dass bei der Renovierung von Röntgens Geburtshaus schon viel geschehen ist, dass aber noch viel getan werden muss. Alles ist abhängig von Spendengeldern.

Für die Lenneper ist es natürlich erfreulich, dass die architektonische und denkmalpflegerische Organisation und  Betreuung durch Ansässige geschieht. Sophie Welke von "Welke Architekten" dazu auf einer Webseite des Bundes Deutscher Architekten NRW: „Aktuell befassen wir uns mit dem Geburtshaus von Wilhelm Conrad Röntgen in Remscheid-Lennep. Das Museum, das dort entstehen wird, braucht zum Beispiel eine Alarmanlage und Heizung. Dort ist u.a. die Unsichtbarkeit von Technik ein Thema. Es bedarf sicher auch einiger Kunstgriffe für den geplanten Wintergartenanbau, dass es passt und aussieht, und dass man das Neue nicht als Störung wahrnimmt.“

Im nächsten Jahr, 2020, also zum 175. Geburtstag und Jubeljahr des berühmtesten Lennepers, soll Wilhelm Conrad Röntgen natürlich noch viel umfassender gefeiert werden, in Würzburg, in München, in Gießen, aber auch in Lennep natürlich.