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Wochenrückblick vom 4. bis 10. März 2019

Johanne Schäfer: „Denkt, ich sei in Amerika!"

Johanne Schäfer 1986.Unter den 59 Angeklagten des nach Hans Salz genannten Prozesses, der vom 11. bis 19.11.1935 vor dem Sondergericht Hamm in Wuppertal stattfand, waren zehn Frauen. Da in diesem Prozess neue Gesetze der Nationalsozialisten angewandt wurden, war das Strafmaß bedeutend höher. Auch einige Frauen erhielten mehrjährige Zuchthausstrafen. Nachstehend einige Lebensberichte, Kurzbiographien oder Briefe dieser Frauen:

Hanni Schäfer geborene Bosselmann wurde am 29.10.1899 in Remscheid geboren. Ihre Eltern kümmerten sich nicht um Politik. Der Vater war Schlosser, die Mutter Hausfrau. Hanni Schäfer ist aus eigenem Antrieb zur Politik gekommen: „1914 bin ich aus der Schule gekommen. Ich wurde in Wermelskirchen von Besitzern eines Textilgeschäftes eingestellt. Dort musste ich morgens als Hausmädchen arbeiten, und nachmittags wurde ich zur Textilverkäuferin ausgebildet. Als im August 1914 der Krieg ausbrach, musste die Bevölkerung zum Rathausplatz in Wermelskirchen zur Andacht kommen und dann wurde gesungen: ‚Wir treten zum Beten vor Gott den Allmächtigen!’ Manche Frauen weinten, weil ihre Männer eingezogen wurden. Die Besitzer des Geschäfts, in dem ich arbeitete, gaben aber ‘Gold für Eisen’ und bekamen dafür eine Nadel. Obwohl ich noch so jung war, hat mich ihre Begeisterung so entsetzt, dass ich in ihrem Geschäft kündigte. Ich habe dann bei Schürmann in Remscheid eine Lehre als Lebensmittelverkäuferin begonnen. Danach arbeitete ich im Konsum. Da war ich an der richtigen Stelle. Wir Verkäuferinnen der Konsumgenossenschaft nahmen an allen Demonstrationen der Arbeiterbewegung teil. Während meiner Tätigkeit im Konsum habe ich auch den Paul, meinen Mann kennengelernt, den ich einige Jahre darauf heiratete.

Während des Kapp-Putsches 1920 arbeitete ich in der Filiale in der Auguststraße. Meine Kollegin, die in der Haddenbacher Straße wohnte, konnte nicht mehr nach Hause, weil dort schon die Schießerei war, sie hat deshalb bei mir auf dem Rosenhügel geschlafen. Aber das war kein Schlafen. Mor­gens um 4 Uhr wurde schon wieder geschossen. Als wir beide ins Geschäft wollten, trafen wir den Fischer, einen Funktionär vom Konsum. Er sagte: ‘Heute geht ihr nicht in die Filiale, heute kocht ihr Suppe in der Mennighauser Schule!’ Ein Fahrer vom Konsum hatte große Büchsen von Cornedbeaf organisiert. Darin haben wir die Suppe für die Arbeiter, die gegen die Putschisten kämpften, gekocht. Viele Arbeiter sind zu uns zum Essen gekommen. Aber um 12 Uhr fiel der Schuß auf das Rathaus ( Arbeiter hatten mit einem Kanonenschuss den Rathausturm getroffen. Das Rathaus war bis dahin von den Putschisten besetzt gewesen). Da kam keiner mehr zum Essen. Der Rest der Suppe wurde in großen Behältern zum Ostbahnhof und ins Volkshaus gebracht. Dort wurde dann später die Suppe ausgeteilt.

Johanne Schäfer wurde 1921 Leiterin in der Filiale der Konsumgenossenschaft in der Freiheitstraße. Im Jahre 1922 wurden wieder mehr Männer als Filialleiter statt der Frauen eingesetzt. Sie musste einen Mann noch anleiten, der ihre Filiale übernehmen sollte, und hat dann gekündigt. Ihre nächste Arbeitsstelle war Andermann an der Neustraße. Das war ein kleines jüdisches Geschäft, das mit Eiern, Butter und Käse handelte. „Dort war ich in der Zeit der Inflation 1923“, berichtet sie. „Ich bekam dort jeden Tag mein Geld. Morgens, wenn der Kurs feststand, wurde ich entlohnt. Das gab es im Konsum nicht. Herr Andermann war da sehr entgegenkommend. Von diesem Geld habe ich meine Küche kaufen können, nachdem wir geheiratet hatten.

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Mehr Museumsbesucher über zwei Freizeitkarten?

Die beiden Deutschen Museen der Stadt Remscheid (Werkzeug- und Röntgen-Museum) wollen sich zur nachhaltigen Optimierung ihrer überregionalen Vermarktung zum baldmöglichst an den nordrhein-westfälischen Freizeitkartenprogrammen „RheinlandCard“ und „RUHR.TOPCARD“ beteiligen. Darüber informiert die Verwaltung den Kulturausschuss in der Sitzung am 12. März. Zitat:

„Die RheinlandCard bietet Käufer der Karte ein Jahr lang an, vergünstigt oder kostenfrei verschiedene Ausflugsziele im Rheinland besuchen. Im Bergischen Land gibt es derzeit insgesamt acht partizipierende Einrichtungen bzw.  Ausflugsziele, die Anzahl der Partner im Bergischen Land soll nach Angaben des Betreibers im kommenden Jahr gesteigert werden, weshalb das Produkt für die Marketingaktivitäten der Museen von großem Interesse ist  Die Reichweite der Karte ist groß, im Jahr 2018 wurden insgesamt mehr als19.000 RheinlandCards verkauft. Die RheinlandCard kooperiert mit verschiedenen Tageszeitungen und schaltet im Kölnisches Anzeiger, der Kölnischen Rundschau, der Express und ab 2019 auch im Solinger Tageblatt regelmäßig Anzeigen für verschiedene Häuser. Neue Partner werden immer besonders  beworben. (...) Die Projektleiterin empfiehlt für die Remscheider Museen einen einmaligen freien Eintritt – vergleichbar  mit dem LVR-Museum Gesenkschmiede Hendrichs in Solingen- zu gewähren. Zum Jahresende bekommen die Remscheider Museen dann eine Rückerstattung über rund 40 Prozent der Einnahmen bezogen auf die Anzahl der Museumsbesucher und den regulären Eintrittspreis seitens des Anbieters der Freizeitkarte erstattet. Es fallen keine Kosten weiteren für die Remscheider Museen an.“

Auch mit dem Kauf der RUHR.TOPCARD können Besucher vergünstigt oder kostenfrei verschiedene Einrichtungen  und Ausflugsziele in der Region sowie den benachbarten Niederlanden  besuchen. Im Bergischen Land gibt es derzeit drei Partner. Ab diesem Frühjahr  können sich die Remscheider Museen für eine Partnerschaft mit der RUHR.TOPCARD bewerben, da es pro Jahr nur eine limitierte Anzahl von Neuaufnahmen erfolgt. Hierfür gibt es einen Partnerbeirat, der die Aufnahmebedingungen prüft, und die Bewerbung um eine Partnerschaft bewertet. In Museen  bekommt ein Inhaber der RUHR.TOPCARD einmalig freien Eintritt in. Das Museum erhält dafür zum Jahresende eine finanzielle Rückvergütung. Kosten fallen für die Remscheider Museen nicht an. Auch die RuhrTopCard macht Werbung für die Partner, zum Beispiel über einen großflächig verschickten Newsletter. Ob die Bewerbung für das Jahr 2020 erfolgt war, wird sich voraussichtlich im Juli herausstellen. „Beide Freizeitkarten sind geeignet, die beiden städtischen Museen in der überregionalen Wahrnehmung mit einem vertretbaren Aufwand zu stärken“, so die Verwaltung.

Unglaublich schwere Arbeit im KZ Lauffen

Christine Wink.Unter den 59 Angeklagten des nach Hans Salz genannten Prozesses, der vom 11. bis 19.11.1935 vor dem Sondergericht Hamm in Wuppertal stattfand, waren zehn Frauen. Da in diesem Prozess neue Gesetze der Nationalsozialisten angewandt wurden, war das Strafmaß bedeutend höher. Auch einige Frauen erhielten mehrjährige Zuchthausstrafen. Nachstehend einige Lebensberichte, Kurzbiographien oder Briefe dieser Frauen:

Christine Wink wurde am 5.2.1898 geboren. Sie kam aus dem Arbeitersport. In der Widerstandsgruppe „Hans Salz“ war sie Hauptkassiererin für Lennep. Ihre Wohnung diente als Anlaufstelle für illegale Flugblätter und Zeitungen. Für diese Tätigkeit erhielt sie in dem Prozess „Hans Salz“, der in der Zeit vom 11.-19. November 1935 stattfand, eine Strafe von vier Jahren Zuchthaus. Sie war inhaftiert in dem Gefängnis Wuppertal-Elberfeld sowie in den Zuchthäusern Ziegenhain bei Kassel, Aichach und Lauffen. Vier Jahre Zuchthaus ist eine lange Zeit. In diesen Jahren mussten ihr Mann und ihr Sohn alleine auskommen. Nachstehend zwei Briefe, die Christine Wink aus der Haft geschrieben hat sowie ihre Aussage über die harten Arbeiten im Zuchthaus Lauffen vor dem Wiedergutmachungsausschuss in Remscheid:

Wuppertal-E., den 14. Juni 1935
Meine Lieben Alle!
Muss Euch mitteilen, dass ich am Donnerstag, dem 13. Juni, nach Elberfeld überführt worden bin. Ich bin im Gefängnis Bendahl. Macht Euch keine Sorge, wenn ihr diese Nachricht erhaltet. Die Besuche finden hier alle 14 Tage donnerstags statt, und zwar vormittags von 10 bis 1 Uhr. Wo die Besuchsscheine ausgegeben werden, musst Du Dich mal erkundigen. Ich nehme an, das könnt Ihr in Lennep oder Remscheid erfahren. Wenn Du nach hier kommst, bringe mir bitte das Kleid mit, was Oma von Hedwig geholt hat. Meine Pantoffel lasse mir Peter oder Hans etwas kleben und halte sie vor­läufig zu Hause. Wäsche bringe mir mal keine mit. Ich bin vorläufig noch in Untersuchungshaft. Wenn eine Änderung eintritt, werde ich Mitteilung davon machen. Bringe mir auch etwas Handarbeit mit; denn ich nehme an, dass ich handarbeiten darf. Sage Rosa, sie solle mal wegen Baumwolle sehen, aber dünne, ich will mir einen Pullover häkeln.

Dann musst Du mal im Küchenschrank nachsehen. In einer Schublade liegen zwei große Stricknadeln. Bestimmt weiß ich es nicht. Sonst kaufe mir ein paar neue Nr. 3 und bringe mir dieselben mit. Lieber Hans, sieh doch mal nach meinem Mantel. Der Pelz muss eingemottet werden. Am besten sage ich Dir das, wenn Du nach hier kommst. Dann bringe mir eine Zahnbürste mit und Zahnpaste. Lieber Hans, bringe Kurt nicht mit, wenn Du kommst. Es hat keinen Zweck, dass wir ihm das Herz schwer machen. Wie hat ihm der (Harz) Schwarzwaldausflug gefallen? Hoffentlich recht gut. Was macht Oma und Opa und alle anderen? Sind sie noch alle gesund? Von mir kann ich dasselbe berichten. Ich will nun schlie­ßen; denn wir wollen jetzt unsere Zelle sauber machen.
Es grüßt und küsst Euch vielmals Eure Mutter. Auf Wiedersehen.“

Mit dieser Broschüre hat die Stadt Remscheid den vielen Remscheider Frauen, die wegen ihrer politischen Überzeugung, menschlichen Verantwortung oder aus ganz persönlichen Gründen während der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt und inhaftiert wurden, ein Denkmal gesetzt. Die teilweise umfangreich geschilderten Lebensschicksale waren ganz unterschiedlich und haben mich sehr berührt. Ich lernte die politisch engagierten Frauen als starke, selbständig denkende und handelnde Persönlichkeiten kennen, die teilweise ihre männlichen Partner an Aktivität und Kreativität übertrafen. Viele hatten auch vor der Nazizeit wichtige politische Funktionen bekleidet. Nur wenige Frauen standen im Schatten ihrer männlichen Partner oder sonstigen Familienangehörigen. Ihren Beitrag zur Menschlichkeit in einer unmenschlichen Welt ans Licht treten zu lassen und sie nicht zu vergessen, ist die Absicht dieser Broschüre.
Die 2. Auflage dieser Broschüre aus dem Jahr 2007 hält die Erinnerung wach an die vielen Frauen und Männer, die in der Zeit des Nationalsozialismus litten und ermordet wurden.

(Christel Steylaers, Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte)

Strafanstalt Ziegenhain (Bezirk Kassel), den 8.12.1935
Meine beiden Lieben!
Heute ist Sonntag und ich freue mich, Euch meine Lieben endlich schreiben zu können. Ihr werdet denken, endlich ist nicht immer. Von Euch habe ich bis heute noch kein Schreiben erhalten, hoffentlich seid Ihr noch alle gesund und munter. Der Brief, worin ich Euch mein Urteil mitteilte, wird Euch sicher erschreckt haben, auf sowas Furchtbares wart Ihr sicher nicht gefasst; aber nichtsdestoweniger immer Kopf hoch und nicht zu schwarz in die Zukunft gesehen, kommt Zeit kommt Rat, Ihr kennt mich ja. Ich habe so vieles mitmachen müssen und werde auch dieses mitmachen, verwöhnt bin ich ja nicht, und ich habe den festen Willen, Euch meine Lieben gesund wie­derzusehen. Auch von Euch verlange ich, dass Ihr alles tut, um Euch gesund zu erhalten. Wir sind mit 8 Frauen am 25. November von Elberfeld abgefahren und waren abends um 8 1⁄2 Uhr in Kassel, unser Wunsch, einmal in Deine Heimat zu fahren, habe ich jetzt auf Staatskosten machen können. Sonst fehlten uns ja die Mittel dazu. Die Fahrt an sich war sehr schön. In Hagen hatten wir 1 1⁄2 Stunden Aufenthalt und haben im Polizeigefängnis zu Mittag gegessen. Das Essen war reichlich und gut, man fühlte sich so richtig zu Hause, es gab Sauerkraut, Bratensoße, Kartoffeln und ein schönes Stück Speck, mein Lieblingsgericht. Dann fuhren wir weiter und waren abends in Kassel. Hier sind wir geblieben bis Samstag, dem 30. November, dann gings weiter über Treysa, hier mussten wir umsteigen und die nächste Station war Ziegenhain. Vielleicht wissen Oma und Opa hier Bescheid. Auf dem Wege ins Zuchthaus begegneten uns Schwälmerinnen und Schwälmer (Der Schwälmer Grund = Region in Hessen) in ihren Trachten. Das Zuchthaus hier war früher ein Kloster. Überhaupt die Gegend hier ist sehr schön und gesund.

Arbeit habe ich bis heute noch keine. Ich bin mit zwei Frauen aus Remscheid zusammen. Das Essen hier ist besser wie in Elberfeld, vor allem sauber und auch genügend. Also nochmals um mich macht Euch keine Sorgen. Nun zu Euch, was macht mein guter Junge, ist er auch tüchtig in seinem Fach? Er wird sicher viel an mich denken. Er hat eine Mutter und gewissermaßen auch keine. Ja, da wird nicht nachgefragt. Es ist gut, dass er so verständig ist und Du mein lieber Mann, verstehst, ihm alles zu ersetzen. Machst Du noch immer Notstandsarbeiten oder sind dieselben fertig? Ich bin in Sorgen um meinen Haushalt. Wie gedenkst Du denselben einzurichten? Wie wäre es, wenn Du die Wäsche ausgäbst? Schreibe mir doch bitte nach Erhalt dieses Briefes sofort wieder, damit ich wenigstens weiß, woran ich bin. Karten dürft Ihr mir nicht schreiben. Mit dem Besuchen ist schon so eine Sache, das werdet Ihr ja nicht können. Ich muss nun schließen und verbleibe mit vielen Grüßen und Küssen Eure Euch liebende Mutter.“ (Quelle: Original aus dem Stadtarchiv Remscheid)

Die Volkshochschule prägte Herta Gläß

In der Zeit vom 12. bis 17.11.1934 fand vor dem II. Strafsenat des Oberlandesgerichts Hamm in Wuppertal der Prozess „Andreas Pflüger“ statt. Von den 62 Angeklagten waren zwölf Frauen. Die Gestapo hatte zunächst gegen 91 Angeklagte, darunter 22 Frauen, ermittelt.

Herta Gläß geb. Berk: „Ich bin im Jahre 1900 geboren. Wir haben während des 1. Weltkrieges eine traurige Jugend gehabt. Als der Krieg ausbrach, war ich 14 Jahre alt, als er zu Ende war 18 Jahre. Ich habe mich da der Volkshochschulbewegung angeschlossen. Resch hatte sie in Remscheid gegründet. Wir machten Volkstänze, wanderten und sangen. Ich habe auch Kurse belegt, z. B. ‚Einführung in die Philosophie‘ und ‚Mo­derne Dramen‘. Das war eine Starthilfe für mein späteres Leben. Wir haben eine Gruppe gebildet, zu der meine Freundin Emmi Kubatz, Teo Otto, Ernst Kunst und mein späterer Mann gehörte. Wir strebten einen neuen Menschen an und wollten zurück zur Natur. Wir jungen Frauen trugen zwar noch lange Röcke, aber gingen ohne Strümpfe und mit Sandalen, so dass ein Stück unserer nackten Beine zu sehen war. Die Spießbürger entsetzten sich darüber, und manche Leute nannten uns die ‚Resch-Indianer‘. In den 20er Jahren wurde auch die Spielschule für die Kinder auf dem Honsberg und später die Reschhütte gebaut. Mit dem Blech der großen Corned-Beef - Dosen ist auf der Resch-Hütte das Dach gedeckt worden.

Emmi Kubatz wurde Ende der 20er Jahre Mitglied der KPD. Als die Nazis an der Macht waren, ist die Schreibmaschine, auf der die Emmi die Matrizen für die illegalen Flugschriften schreiben wollte, aus ihrem elterlichen Haus der Sicherheit halber zu mir in die Uhlandstraße gebracht worden. Unser Haus steht nicht weit von der Polizei. Als die Nazis Emmi verhaftet hatten, wollten sie wissen, wo die Schreibmaschine stand. Emmi ist durch die Polizei sehr misshandelt worden und hat eine Woche standgehalten. Als man aber ihr drohte, ihre Mutter zu holen, die alles wusste, hat sie meinen Namen genannt.

Sie kamen des Nachts zu uns und haben meinen Mann mitgenommen, mich nicht, ich hatte ja ein Kind von vier Jahren, das ich nicht alleine lassen konnte. Mir haben sie gesagt, ich sollte am nächsten Tag zum Verhör bei der Polizei in der Uhlandstraße kommen. Es war ein Sonntag, als sie mich verhört haben. Sie haben alles so niedergeschrieben, wie ich geschildert habe. Mein Mann und ich hatten einen Tag zuvor abgesprochen, was wir sagen würden, wenn die Gestapo kommt. So sagten wir beide dasselbe aus. Meinen Mann haben sie furchtbar misshandelt. Das wusste ich aber noch nicht bei meinem Verhör. Nach drei Tagen haben sie meinen Mann entlassen. Er hatte lauter blaue Flecken, und ich habe mich gewundert, dass sie ihn so entlassen haben. Sie hatten ihn mit Gewehrkolben und Fäusten bearbeitet. Mich haben sie nach dem Verhör gehen lassen und haben gesagt, das dicke Ende käme noch.

Ein Jahr später schellt es, und ich gehe an die Türe. Ein Polizist teilt mir mit, dass ich ins Amtsgericht kommen müsse. Ich habe gesagt, ich könne nicht mitkommen, da mein Kind draußen spiele. Da hat er geantwortet, ich müsste mich nachmittags stellen. Draußen sehe ich einen offenen Lastwagen mit Leuten, die sie zu unserem Prozess holten. Ich habe alles noch geregelt und mit meinem Mann besprochen. Dann bin ich nachmittags ins Amtsgericht gegangen. Da bin ich denn drei Monate geblieben. Ich kam in eine Zelle, da war die Liesbeth Stillger drin, die habe ich dort kennengelernt, und wir haben uns angefreundet. Sie litt sehr darunter, dass ihr Mann weg war und sie keine Nachricht von ihm bekam.

Meine Eltern wollten unbedingt, dass ich einen eigenen Rechtsanwalt nehme statt des Pflichtverteidigers. Das habe ich auch getan. Der Rechtsanwalt kam zu mir und hat sich alles erzählen lassen. Ich habe immer gesagt, ich hätte nicht gewusst, was Emmi geschrieben hätte. Und sie hat dasselbe gesagt. Sie hatte aber bei Schorsch, in seinem Speicherzimmer, über uns geschrieben, weil in unsere Wohnung manchmal noch eine Nachbarin kam, und das wäre zu gefährlich gewesen. Emmi und ich haben beide gesagt, bei mir in der Küche habe sie geschrieben, damit der Schorsch nicht noch mit hineingezogen wurde.Alle Remscheider Frauen kamen mit der grünen Minna nach Wuppertal zum Prozess. Mit Lieschen Henkel und Grete Alders kam ich in eine Zelle. Dann kam der Rechtsanwalt zu mir und sagte: ‘In Ihrem Protokoll steht aber etwas anderes, als Sie mir gesagt haben!‘ Ich habe gesagt: ‘Das ist alles nicht wahr. Das habe ich niemals gesagt!’ Er schaute sich das Protokoll noch einmal an und sagte: ‘Die Möglichkeit der Fälschung besteht; denn auf einem Blatt fehlt Ihre Unterschrift! Aber sagen Sie auf keinen Fall, dass das Protokoll gefälscht sei. Das dürfen Sie vor Gericht nicht sagen. Sehen Sie, wie Sie zurechtkommen!’ Die Gestapo hatte geschrieben, ich hätte gewusst, was Emmi getippt hat. Doch ich wurde mangels Beweisen freigesprochen. Das habe ich dem Rechtsanwalt zu danken, denn die Pflichtverteidiger haben überhaupt nicht mit uns gesprochen. Zeugen im Gerichtssaal haben gesehen, dass mein Rechtsanwalt lebhaft mit dem Gericht geredet hat.

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Trude Wybierala narrte erfolgreich die Gestapo

Trude Wybierala in der „roten Waldschule“ in Leichlingen im Jahre 1927; Trude Wybierala befindet sich ganz links auf dem Gruppenbild.In der Zeit vom 12. bis 17.11.1934 fand vor dem II. Strafsenat des Oberlandesgerichts Hamm in Wuppertal der Prozess „Andreas Pflüger“ statt. Von den 62 Angeklagten waren zwölf Frauen. Die Gestapo hatte zunächst gegen 91 Angeklagte, darunter 22 Frauen, ermittelt.

Trude Wybierala war vor der Nazizeit kommunistische Stadtverordnete in Remscheid und politische Leiterin der KPD im Bezirk Stadtmitte mit ca. 200 Mitgliedern. Sie war eine engagierte, schlagfertige und tatkräftige Frau. „Ich kannte fast alle Genossen“, sagte die damals 80-jährige in ihren Erinnerungen.

Der Osterbusch und das Blumental gehörten zu meinem Gebiet. Wenn wir nachts Plakate kleben gingen, klopfte ich an die Fenster und die Männer kamen. Aber ihre Frauen waren meistens eher wach. Sie haben ihre Männer aufmerksam gemacht und gesagt: ‘Die Trude ist draußen.’ Einmal haben die Genossen eine Fahne auf dem Kamin der Deutschen Edelstahlwerke befestigt. Ich habe so gezittert. Ich habe gesagt: ‘Das machen wir nicht noch einmal. Wenn da einer herunterfiele, würde ich des Lebens nicht mehr froh!’ Irgendwann - es war schon in der Nazizeit - habe ich den Genossen Kern getroffen. Er hat gesagt: ‘Wir haben alle unsere Waffen vergraben, Trude, was sollen wir machen?’ Ich habe gesagt: ‘Öle sie gut ein; aber wir können jetzt damit keinen Widerstand machen. Wenn wir einen Menschen in Remscheid töten würden, erschössen die Nazis Hunderte in den Lagern.’
Wir haben aber weiter unsere Flugblätter getippt, abgezogen und verteilt. Man hatte uns eingeschärft, nur in Dreiergruppen zu arbeiten. Wir sollten uns weder Gesichter noch Namen merken und auch nicht die Wohnungen, in denen wir arbeiteten. Am 11. April 1933 wurde ich verhaftet und in Schutzhaft genommen. Neun SS-Leute waren auf einmal in meinem Zimmer im Volkshaus. Ich habe später erfahren, dass sie vom Haus gegenüber das Zimmer beobachtet hatten. Ich war auch verantwortlich für den Literaturvertrieb; aber ich hatte vorher alles weggeschafft. Ich war nach meiner Verhaftung im Polizeigefängnis in der Uhlandstraße, im Amtsgericht Remscheid, in Düsseldorf, in Köln und im KZ Brauweiler.“

Trude Wybierala hatte nach ihrer Schutzhaft zwei Begegnungen mit dem berüchtigten Gestapo-Beamten Lendermann. Sie begegnete ihm das erste Mal, als sie für ihre Mutter eine Besuchserlaubnis bei ihren Eltern, die in Polen wohnten, beantragen wollte. Lendermann fragte sie: „Fräulein Wybierala, was sagen sie jetzt von der Lage?“ Sie erwiderte: „Ich sage nichts, sonst werde ich wieder dort sein, wo ich herkomme.“ Darauf kamen aus dem Nebenzimmer einige SS-Leute. Lendermann sagte: „Nun, Fräulein Wybierala, Sie können ruhig reden, wir versprechen, es geschieht Ihnen nichts.“ Sie sagte: „Ich bin ja erst seit gestern zurück; aber was ich gehört habe, ist nicht gut. Die Margarine ist von 29 Pfennig auf 65 Pfennig geklettert, das Öl von 39 Pfg. auf 1,35 Mark, das Salz von 6 Pfg. auf 13 Pfg.. Und das sind Grundnahrungsmittel. Diese Teuerung bekommen die Arbeiter und Erwerbslosen zu spüren.“

Lendermann drehte sich den SS-Leuten mit einem fragenden Blick zu. Die nickten mit dem Kopf und bestätigten das, was Trude Wybierala gesagt hatte. „Ja, wissen Sie, Fräulein Wybierala“, sagte er, „das kommt erst noch!“ Sie erwiderte: „Sie machen mir aber einen Spaß: Wenn jemand ertrinkt, dann lassen Sie ihn erst ersaufen und dann machen Sie Wiederbelebungsversuche!“ Er darauf: „Fräulein Wybierala, es passiert Ihnen jetzt nichts, aber hüten Sie sich, das draußen zu sagen!“

Trude Wybierala berichtet weiter: „Die haben dann von mir gefordert, dass ich mich dreimal täglich in der Uhlandstraße melde. Da habe ich gesagt: ‘Wenn Sie fragen, ob unten eine Zelle frei ist, können Sie mich hierhalten. Ich laufe auf deutschem Boden, meine Sohlen sind durch. Das ist unangenehm. Ich habe keine Schuhe mehr, und wenn ich mich jeden Tag dreimal melden soll, dann bin ich täglich sechs Stunden unterwegs. Ich habe kein Geld für die Straßenbahn’. Wir haben uns geeinigt, dass ich mich täglich einmal am zuständigen Polizeirevier melde. Dann bin ich gegangen. Ich war auch einige Male auf dem Polizeirevier, doch dann hat mich Dr. Sademann, mein Arzt, krankgeschrieben. Er war sehr für uns und hat mir viel geholfen. Dr. Sademann erzählte mir: Ich darf im Quartal für 100 Patienten nur für 300 Mark Medizin verschreiben. Was ich darüber verschreibe, muss ich aus eigener Tasche bezahlen. So haben die Nazis damals alles gekürzt, und ich sehe heute: es wiederholt sich ja alles.

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Grete und Fritz Wachhaus heirateten im Gefängnis

In der Zeit vom 12. bis 17.11.1934 fand vor dem II. Strafsenat des Oberlandesgerichts Hamm in Wuppertal der Prozess „Andreas Pflüger“ statt. Von den 62 Angeklagten waren zwölf Frauen. Die Gestapo hatte zunächst gegen 91 Angeklagte, darunter 22 Frauen, ermittelt.

Grete Wachhaus geb. Alders ist am 3.9.1910 in Remscheid geboren und wurde im Herbst 1933 zusammen mit ihrer Mutter Maria Alders und ihrem Bruder Otto Alders in sogenannte Schutzhaft genommen. Mutter und Tochter kamen in das KZ Brauweiler. In dem Prozess „Andreas Pflüger“ wurde sie am 17.11.1934 zu 15 Monaten Gefängnis verurteilt, weil ihre Familie einem illegalen Funktionär der KPD Unterkunft gewährt hatte. Von den Misshandlungen bei den Vernehmungen der Gestapo hat sie bleibende gesundheitliche Schäden behalten.

Mit dieser Broschüre hat die Stadt Remscheid den vielen Remscheider Frauen, die wegen ihrer politischen Überzeugung, menschlichen Verantwortung oder aus ganz persönlichen Gründen während der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt und inhaftiert wurden, ein Denkmal gesetzt. Die teilweise umfangreich geschilderten Lebensschicksale waren ganz unterschiedlich und haben mich sehr berührt. Ich lernte die politisch engagierten Frauen als starke, selbständig denkende und handelnde Persönlichkeiten kennen, die teilweise ihre männlichen Partner an Aktivität und Kreativität übertrafen. Viele hatten auch vor der Nazizeit wichtige politische Funktionen bekleidet. Nur wenige Frauen standen im Schatten ihrer männlichen Partner oder sonstigen Familienangehörigen. Ihren Beitrag zur Menschlichkeit in einer unmenschlichen Welt ans Licht treten zu lassen und sie nicht zu vergessen, ist die Absicht dieser Broschüre.
Die 2. Auflage dieser Broschüre aus dem Jahr 2007 hält die Erinnerung wach an die vielen Frauen und Männer, die in der Zeit des Nationalsozialismus litten und ermordet wurden.

(Christel Steylaers, Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte)

Sie heiratete während ihrer Haft Fritz Wachhaus, der nach ihrer Freilassung selbst für viele Jahre in Haft war. Er war in dem Prozess „Hans Salz“ am 19.11.1935 wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ zu sieben Jahren Zuchthaus verurteilt worden. Nach dieser Zeit wurde er aber nicht freigelassen, son­dern kam in sogenannte Schutzhaft in das KZ Sachsenhausen und von dort in das Strafbataillon „SS Dirlewanger“. Bei den Kämpfen im Osten geriet er schließlich in sowjetische Kriegsgefangenschaft, aus der er erst am 23.3.1946 entlassen wurde. Da er auch schon vor dem Prozess „Hans Salz“ inhaftiert war, betrugen Haft und Gefangenschaft 13 lange Jahre.

In einem verzweifelten Brief schrieb Grete Wachhaus geb. Alders an das Städtische Besatzungsamt Remscheid: „Hiermit teile ich Ihnen mit, dass mein Mann Fritz Wachhaus, geb. 16.2.1909 in Remscheid, wohnhaft: Remscheid, Stöckenbergstraße 12, von März 1933 bis April 1934 wegen Vorbereitung zum Hochverrat (antifaschistische Tätigkeit) mit Gefängnis bestraft worden ist. Danach, und zwar von Dezember 1934 bis Februar 1943, wurde er aufgrund eines Indizienbeweises mit Zuchthausstrafe belegt, angeblich wegen Vorbereitung zum Hochverrat, obwohl ihm auch während der Gerichtsverhandlung nichts irgendwie Strafbares nachgewiesen wurde. Nur aufgrund von Verdacht und weil er schon politisch vorbestraft war, verhängten die Nazirichter die unglaublich hohe Strafe. Nach Verbüßung dieser Strafe schaffte man ihn in das Konzentrationslager Oranienburg bei Berlin. Kurz vor Kriegsende presste man ihn gewaltsam in die Waffen-SS. Seit 12.12.44 ist mein Mann bei Cithau (Ungarn) als vermisst gemeldet, und ich habe bis heute keine Nachricht, ob er lebt oder in Gefangenschaft geraten ist.“

(Quellen: Liste der VVN Remscheid von Remscheider Inhaftierten in der Nazizeit; Armin Breidenbach: „Widerstand und Verfolgung in Remscheid 1933 - 1945“; „Remscheid in der Zeit des Nationalsozialismus“, Beitrag von Ilse Faeskorn über die Gruppe „Hans Salz“; Hauptstaatsarchiv Düsseldorf, Gestapoakten 27168 und RW 58-29375; Wiedergutmachungsakten Stadtarchiv Remscheid)

März 2009: Der Waterbölles blättert zurück

In vollem Gang waren im März 2009 die Bauarbeiten auf dem Südstadtplatz. Absperrungen, ein Abfallcontainer, eine Baustellentoilette und Maschinen prägten das Bild: Noch war nicht zu erkennen, wie der Südstadtplatz an der Bismarckstraße künftig aussehen würde. Dafür stand aber schon fest, dass die Umgestaltung des Platzes 1.006.650 Euro kosten werde. Davon kämen 766.896 Euro aus der Landeskasse, hieß es damals.

"ISAR" vermarktet die Immobilienangebote der Stadt seit März 2009. Darauf machte die Stadtverwaltung damals aufmerksam. „ISAR“, die zehn Jahre alte Internetseite der Stadt, steht für „ImmobilienSuchAnfragenRemscheid“. Anhand verschiedener Kriterien (Preis, Stadtteil) können sich Interessenten seitdem die Immobilienangeboten der Stadt individuell darstellen lassen.
Ein weiteres Internetangebot der Stadt Remscheid: Das „Geodaten-Portal“; hierüber finden sich beispielsweise alle in der Stadt eingesetzten Stolpersteine.

Remscheid ist sicherste Stadt in einer sicheren Region“, war vor zehn Jahren die Botschaft der Polizei Wuppertal bei der Präsentation ihrer Kriminalstatistik 2008. An dieser guten Nachricht hat sich bis heute nichts geändert. Als die Bausteine dieser positiven Bilanz für Wuppertal, Remscheid und Solingen nannte die Kreispolizeibehörde Wuppertal damals gefestigte Sozialstrukturen im sozialen Umfeld sowie ein solides Maß an Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger in die Leistungsfähigkeit und die durchweg gute Polizeiarbeit.

Mehr Betreuung für die ganz Kleinen in den Kitas versprach die Stadtverwaltung bereits im März 2009. In einer Pressemitteilung hieß es damals, „in einem breiten Beteiligungsverfahren“ sei es der örtlichen Jugendhilfeplanung gemeinsam mit den freien Trägern der Jugendhilfe gelungen, die Betreuung von unter dreijährigen Kindern weiter auszubauen. Ab dem 1. August 2009 könnten 410 Kleinkinder in Remscheid einen Kindergarten besuchen, fast 200 mehr als 2007. Damit hat sich die Anzahl der Plätze in den 58 Remscheider Kitas fast verdoppelt. Wie groß der Bedarf an Kita-Plätzen insgesamt war, stellte sich erst später heraus.

Zur Pflegereform des Jahres 2007 äußerte sich der Marathonläufer Arndt Bader, damals stellvertretender Leiter des Willi-Hartkopf-Hauses an der Bliedinghauser Straße und Vorsitzender der AWO Demenzinitiative Remscheid kritisch (Die Zahl der Schwerstkranken in Altenheimen steigt). Diese Reform habe auf der einen Seite zwar mehr Personal für Schwerdemente gebracht (im Verhältnis eine Pflegekraft für 25 Erkrankte), auf der anderen Seite seien aber auch Stellen weggefallen. Bader: „Ergebnis gleich null. Keine Rede von einer nachhaltigen Reform!“ Weiterhin orientiere sich die Pflege „nach Minutenwerten“, ohne die Frage zu beantworten, wie viele Menschen man wirklich für die Pflege von Demenzkranken benötige.

Nur wenige Plätze waren noch frei, als Reinhard Ulbrich beim Presseclub in der Denkerschmette im März 2009 mit Blick auf die Kommunalwahl 2009 die Frage stellte „Wie wird sich Remscheid entwickeln?“ Unterzeile: "Die Parteien stellen ihre Ideen für die Zukunft Remscheids vor". Weder das eine noch das andere wurde so beantwortet, dass die Bürgerinnen und Bürger zwei Stunden später mit einem „Aha-Erlebnis“ nach Hause gehen konnten. In der Rückschau ist also nur der Besucherandrang bemerkenswert. Nach längerer „Auszehrung“ scheint der Presseclub der Denkerschmette inzwischen leider an Desinteresse gestorben zu sein.

Bei einem Einbruch in ein Schmuckgeschäft  am Markt in Remscheid machten unbekannte Täter am 4. Mai 2009 gegen 3.40 Uhr reiche Beute: Aus den offenen Auslagen des Tresens entwendeten sie Gold- und Silberschmuck im Gesamtwert von mehr als 300.000 Euro.

Für 50.000 Euro bot die Deutsche Bahn (DB Station&Service AG) vor zehn Jahren der Stadt Remscheid die Installation einer Videoüberwachung des Bahnsteigs auf dem Remscheider Hauptbahnhof an (zwei Kamera). Bei Übernahme dieser Kosten durch die Stadt sei die Bahn bereit, die Anlage zehn Jahre lang zu betreiben und das Videosignal auf eine Sicherheitszentrale aufzuschalten. Die jährlichen Kosten dafür gab die Bahn mit 5.000 Euro an. Doch die Politiker im Hauptausschuss lehnten dankend ab: Ed reiche, dass die Stadt schon den neuen Aufzug am Bahnhof bezahle müsse.

Nachfolger von Michael Hagemann als Geschäftsführer der Arbeit Remscheid gGmbH wurde zum 1. Juni 2009 Ralf Barsties. Das wurde im März 2009 bekannt.

Im Bauausschuss beantwortete im März 2009 die Verwaltung die Frage der Grünen, ob sich das Gelände der Deponie Solinger Straße für die Errichtung einer großflächigen Solarenergieanlage eignet, abschlägig: Aufgrund der geringen Sonneneinstrahlung in Remscheid und des immensen Kostendruckes durch die hohe Degression der Vergütung für Freiflächenanlagen in den kommenden Jahren sei ein „aus wirtschaftlicher Sicht fragwürdig.“ Und: „Die EWR können im Wettbewerbsmarkt einfach und zu günstigen Marktpreisen regenerativ erzeugte Stromkontingente erwerben“, bräuchten dabei also kein Betreiberrisiko zu tragen.

Denkbar sei aber auch, dass eine GbR, GmbH, Genossenschaft oder ein Verein eine „Bürger-Solar-Anlage“ errichte. Hierbei werde zuvor die Investitionssumme durch den Verkauf von „Wertpapieren“ aufgebracht. „Dieses Modell erfordert eine hohes Engagement und wurde beispielsweise in den Gemeinden St. Ingbert oder Bürstadt umgesetzt. Nach Aussage des Fachunternehmens wäre – je nach Nutzung des restlichen Deponiegeländes – auch eine Kombination mit anderen erneuerbaren Energien denkbar. Eine solche Erweiterung sei jedoch nur sinnvoll, wenn die Energie direkt genutzt oder ebenfalls in das öffentliche Netz eingespeist werden könne.“ - Im Rahmen des Wettbewerbs zur Folgenutzung des Deponiegeländes hatte die Verwaltung vorgegeben, ein bis zwei Hektar für die Einrichtung eines Solarparks einzuplanen.Für angedrohten Amoklauf zehn Tage in den Jugendarrest musste vor zehn Jahren ein Schüler der damals noch existierenden Hauptschule Bökerhöhe. Der 16jährige hatte gegenüber einem Lehrer mit einem Amoklauf in seiner Schule gedroht; dort wolle er mit einer Panzerfaust (Bazooka) „kämpfen“. Der Lehrer hatte den Schüler zuvor zur Rede gestellt, weil er einen Mathematiklehrer beleidigt hatte ("Nazi", "Hurensohn"). Die Staatsanwaltschaft ließ den Jugendlichen festnehmen; und der Jugendrichter am Amtsgericht Remscheid machte wegen Störung des öffentlichen Friedens „kurzen Prozess“, gestand dem Jugendlichen aber zu, die zehn Tagen Jugendarrest nicht sofort, sondern erst in den Schulferien antreten zu müssen.

Mit viel städtischer „Manpower“ gelang im März 2009 an einem einzigen Arbeitstag die Wiederaufforstung der 14.832 Quadratmeter großen Parzelle des Starkparks zwischen „Konzertmuschel“ und Herderstraße, auf der wegen Sturmschäden 2008 240 Bäume hatten abgeholzt werden müssen. Bis aus den vielen Jungppflanten ein echter Wald geworden ist, werden wohl noch viele Jahre vergehen.

Sie verlor alle drei Söhne durch die Nazis

Mit dieser Broschüre hat die Stadt Remscheid den vielen Remscheider Frauen, die wegen ihrer politischen Überzeugung, menschlichen Verantwortung oder aus ganz persönlichen Gründen während der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt und inhaftiert wurden, ein Denkmal gesetzt. Die teilweise umfangreich geschilderten Lebensschicksale waren ganz unterschiedlich und haben mich sehr berührt. Ich lernte die politisch engagierten Frauen als starke, selbständig denkende und handelnde Persönlichkeiten kennen, die teilweise ihre männlichen Partner an Aktivität und Kreativität übertrafen. Viele hatten auch vor der Nazizeit wichtige politische Funktionen bekleidet. Nur wenige Frauen standen im Schatten ihrer männlichen Partner oder sonstigen Familienangehörigen. Ihren Beitrag zur Menschlichkeit in einer unmenschlichen Welt ans Licht treten zu lassen und sie nicht zu vergessen, ist die Absicht dieser Broschüre.
Die 2. Auflage dieser Broschüre aus dem Jahr 2007 hält die Erinnerung wach an die vielen Frauen und Männer, die in der Zeit des Nationalsozialismus litten und ermordet wurden.

(Christel Steylaers, Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte)

In der Zeit vom 12. bis 17.11.1934 fand vor dem II. Strafsenat des Oberlandesgerichts Hamm in Wuppertal der Prozess „Andreas Pflüger“ statt. Von den 62 Angeklagten waren zwölf Frauen. Die Gestapo hatte zunächst gegen 91 Angeklagte, darunter 22 Frauen, ermittelt.

Maria Katzenberger geb. Koch wurde am 1.3.1894 geboren, war verheiratet und hatte eine Tochter und drei Söhne. Sie leitete vor der Nazi-Herrschaft die Frauenarbeit der KPD im Remscheider Stadtteil Honsberg und war Kandidatin für die Stadtverordnetenversammlung in Remscheid vom März 1933. Sie wurde 1933 festgenommen und neun Monate in sogenannte Schutzhaft genommen und in folgenden Haftanstalten inhaftiert: Gefängnis Remscheid, Gefängnis Düsseldorf und KZ Brauweiler. Im Zusammenhang mit den Ereignissen am 20. Juli wurde sie 1944 erneut verhaftet. Sie wurde 1945 wieder Mitglied der KPD und starb am 10.1.1955. Maria Katzenberger hatte ein besonders schweres Schicksal und verlor durch die Nazis drei Söhne.

Sohn Arthur war 1942 zu zwei Jahren Zuchthaus und drei Jahren Ehrverlust verurteilt worden, weil er sich mit einem französischen Kriegsgefangenen unterhalten und sich negativ über das Nazi-Regime geäußert hatte. Er wurde noch in das Strafbataillon SS-Dirlewanger gesteckt und ist dort umge­kommen.

Sohn Hans war politischer Leiter der KPD im Stadtteil Honsberg und Mitglied ihrer Unterbezirksleitung in Remscheid auch zu Beginn des Faschismus. Er wurde im März 1933 bis Juli 1934 in sogenannte Schutzhaft genommen und war in dieser Zeit im Zuchthaus Lüttringhausen und in den Konzentrationslagern Kemna, Börgermoor und Esterwegen. Am 19.11.1935 wurde er in dem Prozess „Hans Salz“ wegen erneuter politischer Betätigung zu 5 1/2 Jahren Zuchthaus verurteilt, die er in den Zuchthäusern Lüttringhausen, Butzbach und in dem KZ Aschendorfer Moor verbüßte. Nach seiner Entlassung im Jahre 1941 kam er unter Polizeiaufsicht und wurde im Zusammenhang mit den Ereignissen des 20. Juli im August 1944 erneut inhaftiert. Anschließend kam er in das Strafbataillon SS-Dirlewanger und kehrte im Oktober 1945 aus russischer Kriegsgefangenschaft nach Remscheid zurück. Seine Gesundheit war ruiniert, obwohl er erst 40 Jahre alt war. Er starb zwei Jahre später an den Folgen der Haft.

Sohn Karl war ebenso Funktionär der KPD und anderer Arbeiterorganisationen. Im April 1933 gelang ihm die Flucht in das Saargebiet. Ab 1936 nahm er als Freiwilliger am Kampf der Internationalen Brigaden gegen Franco-Spanien teil. Im 2. Weltkrieg gewann er Anschluss an die französische Widerstandsbewegung und wurde am 11.6.1944 in Lyon von einer Streife der deutschen Feldgendarmerie aufgegriffen und der Gestapo übergeben. Er ist wahrscheinlich im berüchtigten Gefängnis Monluc unter der Herrschaft von Klaus Barbie zu Tode gefoltert worden.

(Quellen: Hauptstaatsarchiv Düsseldorf, Gestapo Akte 61434 von Arthur Katzen-berger; Armin Breidenbach: Widerstand und Verfolgung in Remscheid 1933 - 1945; Liste der VVN über Remscheider Verfolgte in der Nazizeit; „Remscheid in der Zeit des Nationalsozialismus“ - darin Beitrag über die Gruppe „Hans Salz“, von Ilse Faeskorn)

Wochenrückblick vom 25. Februar bis 3. März 2019

Unglaublich verhöhnt und provoziert

In der Zeit vom 12. bis 17.11.1934 fand vor dem II. Strafsenat des Oberlandesgerichts Hamm in Wuppertal der Prozess „Andreas Pflüger“ statt. Von den 62 Angeklagten waren zwölf Frauen. Die Gestapo hatte zunächst gegen 91 Angeklagte, darunter 22 Frauen, ermittelt.

von Werner Faeskorn

Sophie Elisabeth Henkel geb. Lange wurde am 10.4.1883 im Kreis Frankenberg in Hessen geboren. Sie kam nach Wermelskirchen und später nach Remscheid. 1907 hat sie den Arbeiter Otto Henkel geheiratet. Lieschen (wie sie von Freunden und Verwandten genannt wurde) und Otto Henkel hatten zwei Söhne: Erwin, geb. am 24.3.1908 und Gerhard, geb. am 27.4.1913.

Wie viele Menschen in den Jahren nach dem 1. Weltkrieg waren Elisabeth Henkel und ihr Mann politisch interessiert. 1925 wurde Elisabeth Henkel Mitglied der Kommunistischen Partei Deutschlands. Sie kandidierte 1929 bei den Gemeindewahlen für den Remscheider Stadtrat, wurde jedoch noch nicht Stadtverordnete. Sie rückte 1930 für einen ausgeschiedenen Abgeordneten ins Stadtparlament nach. Am 12.3.1933 kandidierte sie erneut für die KPD bei den Gemeindewahlen, gehörte aber nicht zu den 14 gewählten Kandidaten.

Auch ihre Söhne und ihr Mann waren konsequente Gegner der Nazis. Die Söhne waren aktiv in der Remscheider KPD tätig. Die Familie Henkel war 1933 bereits kurz nach der Machtübergabe an die Nazis Schikanen und Verfolgungen ausgesetzt. Elisabeth Henkel hat über die Leiden ihrer Familie schon 1945 und in späteren Jahren mehrmals schriftlich berichtet. Diese Berichte befinden sich zum Teil im Stadtarchiv Remscheid oder im Archiv der Landesvereinigung der VVN - Bund der Antifaschisten in Wuppertal.

Im April 1933 wurde der damals 20-jährige Sohn Gerhard auf offener Straße von einer Schlägertruppe der Nazis zusammengeschlagen und verhaftet. Danach fand in der Wohnung der Familie Henkel die erste Hausdurchsuchung statt. Elisabeth Henkel berichtet (Bericht v. 22.5.1948): „Anschließend fuhr ein Überfallwagen bei uns vor, mehrere Polizeibeamte drangen in unsere Wohnung ein, richteten ihre Gewehre auf uns, während wir bei der Durchsuchung unserer Wohnung auf den Befehl mit Hände hoch! verharren mussten. Gefunden wurde nichts!

Die zweite Haussuchung, welche Anfang Mai 1933 durch den Kriminalbeamten K. und zwei Hilfsbeamte durchgeführt wurde, verlief wieder ergebnislos. Am 18.8.1933 fand die nächste Hausdurchsuchung statt. Sie schreibt in ihrem oben genannten Bericht dazu: „Im August 1933 überfielen uns früh morgens fünf Gestapobeamte. Es waren Reuber, Lendermann, K., M. und H. Sie alle waren ziemlich rabiat und versuchten, uns auf allerlei Art herauszufordern.“ Da die Gestapo-Leute auch bei dieser Hausdurchsuchung nichts fanden, haben sie ein von ihnen mitgebrachtes Flugblatt als „Beweisstück“ genommen. Elisabeth Henkel, ihr Mann Otto und der Sohn Gerhard wurden verhaftet. Sie schreibt dazu in ihrem Bericht vom 17.5.1948:

Mein Mann, mein Sohn Gerhard und ich kamen in das Polizeigefängnis in der Uhlandstraße. Nach mehreren Hungertagen wurde ich nachts um zwei Uhr aus der Zelle zum Verhör geholt. Ich war zurzeit fünfzig Jahre alt, aber noch nie in meinem Leben bin ich mit solch‘ brutalen Menschen in Verbindung gewesen. Mit den unflätigsten Ausdrücken wurde ich beschimpft und auf das Unglaublichste verhöhnt und provoziert. Da man aus mir nicht die von ihnen gewollten Aussagen herauspressen konnte, wurde Reuber so wütend, dass er mich mit geballter Faust voller Wucht in das Gesicht schlug. Der Beamte M., welcher während des Verhörs auf einem Stuhl dicht hinter mir saß, hatte seine rechte Hand auf meiner Schulter liegen und knipste seine Pistole vor meinem Ohr ständig auf und zu und drohte mir fortwährend mit der Kemna. Lendermann tobte in Wutausbrüchen um mich her, so dass ich sein ganzes Gebaren nicht für normal halten oder ihn für betrunken halten musste. Später erst wurde ich gewahr, dass Reuber in derselben Nacht auch meinem Manne mehrere Zähne eingeschlagen hatte.

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Der lange Atem von Milli Hilbert

Milli Hilbert im mittleren Alte.In der Zeit vom 12. bis 17.11.1934 fand vor dem II. Strafsenat des Oberlandesgerichts Hamm in Wuppertal der Prozess „Andreas Pflüger“ statt. Von den 62 Angeklagten waren zwölf Frauen. Die Gestapo hatte zunächst gegen 91 Angeklagte, darunter 22 Frauen, ermittelt.
Milli Hilbert stammt aus einer alten sozialistischen Familie. Schon ihr Großvater, der Feilenhauer Karl Leverberg, war lange Jahre sozialdemokratischer Stadtverordneter und Vertrauensmann der Remscheider Feilenhauer. Er hat noch das Verbot der SPD in den Jahren 1878-1890 durch das Bismarck’sche Sozialistengesetz erlebt und wurde als eifriger Agitator durch die kaiserliche Polizei bespitzelt. Nach dem Sozialistengesetz wurde er 2. Vorsitzender der örtlichen SPD. Die Mutter von Milli Hilbert, Anna Wetzel geb. Leverberg, nahm schon als junge Frau an den Lesezirkeln der SPD teil. Ihr Vater, Julius Wetzel, kam aus Pommern. Dort hatten seine Eltern einen Bauernhof. Er war gelernter Gärtner. Wie damals üblich, durchwanderte er als Handwerker viele Städte. Unter den Linden in Berlin hat er täglich den Rasen mähen müssen. „Wo er hinkam, überall hatte er Kontakt zu Sozialisten“, erzählt Milli Hilbert. In Remscheid, wo damals schon eine starke Arbeiterbewegung war, lernte er seine Frau kennen.

Milli Wetzel wurde am 1. August 1904 in Remscheid geboren. Sie hatte drei Schwestern und einen Bruder. Milli Hilbert berichtet:

Mein Vater war selbständiger Gärtner. Bei ihm waren zwei Gesellen angestellt. Sie gehörten mit zu unserer Familie. Ich war ein richtiger Junge. Man nannte mich „et schwatte Mill“. Der Gehilfe Grütz hat mir in unserem Garten in der Nordstraße ein Gerüst mit Stangen und Ringen gebaut. Ich habe mich beim Turnen verletzt. Davon habe ich heute noch eine Narbe. Mit fünf Jahren bekam ich mein erstes Fahrrad. Das war ein italienisches Modell. Mit zehn bekam ich ein Mädchenfahrrad. Das war 1914. In der Wohnung meiner Eltern versammelten sich immer viele junge Leute, auch als der Krieg begonnen hatte und die Männer eingezogen wurden. Als die große Hungersnot war, hat mich mein Vater nach Pommern zu sei­nen Eltern auf den Bauernhof gebracht.“

1917 stirbt die Mutter an Krebs. 1918 holt der Vater Milli aus Pommern zurück, damit sie den Haushalt führen kann. (Sie hat noch zwei jüngere Geschwister zu versorgen). Da sie aber gern einen Beruf erlernen möchte, übernimmt Schwester Lotte den Haushalt und sie geht zur Handelsschule.

Der Vater ist ein entschiedener Kriegsgegner. Da er nicht verstehen konnte, dass die SPD den Kriegskrediten zugestimmt hat, wendet er sich dem von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht gegründeten Spartakusbund zu. In der Wohnung Wetzel finden mehrmals während des Krieges Durchsuchungen statt. Später wird Julius Wetzel Mitglied der USPD und dann der KPD. Die Kinder folgen dem politischen Weg des Vaters.

Auch Tochter Milli wird in den zwanziger Jahren Mitglied der KPD und arbeitet bald auf deren Büro hinter dem Remscheider Volkshaus. Sie wird Mitglied und Vorsitzende des „Roten Frauen- und Mädchenbundes“. Ende 1929 wählt sie die Remscheider Bevölkerung als KPD-Abgeordnete ins Stadtparlament.

Mittlerweile ist sie mit Leo Hilbert verheiratet, den sie in der Arbeiterbewe­gung kennengelernt hat. Er nimmt ihr viel Arbeit ab, so dass sie ihre Funktionen wahrnehmen kann, obwohl 1930 ihr Sohn Frank geboren wird. Die kleine Familie hat eine Wohnung in der Oststraße. 1933 aber zieht sie, was viele erstaunt, in das Volkshaus, weil dort eine Wohnung frei geworden ist. Bei der Wahl am 12.3.1933 wird Milli Hilbert mit weiteren 13 Frauen und Männern der KPD noch einmal ins Stadtparlament gewählt. An dessen Sitzungen aber können sie nicht mehr teilnehmen. Die Nazis hatten auch in Remscheid die Macht übernommen.

Die Nazizeit

Julius Wetzel und seine Kinder beteiligten sich am Widerstand. Darum wird im Sommer 1933 Julius Wetzel verhaftet und Ende 1933 Milli Hilbert. Julius Wetzel kommt 66-jährig in das KZ Kemna, wo er schwer misshandelt wird, Milli Hilbert in das KZ Brauweiler. Bei dem Prozess vor dem Oberlandes­gericht Hamm in Wuppertal im November 1934 wird sie zu einem Jahr und sieben Monaten Gefängnis verurteilt. Bruder Fritz Wetzel wird in dem Prozess gegen Hans Salz und Genossen im November 1935 freigesprochen, jedoch durch die SS für 10 Monate in die Konzentrationslager Esterwegen und Sachsenhausen gesperrt.

Auch Schwester Lieschen Issel wird verhaftet und kommt ins Gefängnis. Der Vater kehrt krank aus dem KZ Kemna zurück. Er stirbt 1936. Die „Schutzhaft“ von Fritz Wetzel wird zur Beerdigung seines Vaters unterbrochen. In Handschellen kommt er zur Beerdigung. Danach lässt man ihn aber doch frei, vermutlich damit er die Gärtnerei des Vaters weiterführen kann.

Drei Jahre später beginnt der 2. Weltkrieg. Bruder Fritz Wetzel wird zur Wehrmacht eingezogen, Leo Hilbert später zum Volkssturm. Bald fallen Bomben in Remscheid. Milli Hilbert ist Luftschutzwart im Volkshaus. Bei dem großen Angriff auf Remscheid 1943 wird das Dach des Volkshauses zerstört. 1945 liegt die Stadt in Schutt und Asche.

 

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