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Die Klosterkirche in Lennep hat eine wechselvolle Geschichte

Die Klosterkirche in Lennep. von Johannes Kessler

Die Klosterkirche in Lennep gilt als der älteste Sakralbau Remscheids. Der Bau wurde 1677 von den Minoriten begonnen und 1696 fertiggestellt. Bezogen wurde er bereits 1681. Bei einer Renovierung Mitte der 1980er Jahre wurde die originale Bodenfensterfassung am Nordfenster der Chorapsis freigelegt. Die Sanierungsmaßnahmen erfolgten, nachdem sich der Verein Klosterkirche RS-Lennep e.V. gegründet hatte, wodurch ein Abriss verhindert werden konnte. Die Klosterkirche hat eine wechselvolle Geschichte. Sie beginnt 1641 mit der Niederlassung weniger Minoriten in Lennep. Ziel der dem Franziskanerorden angehörenden Mönche ist die Ausbreitung der katholischen Gegenreformation in der Metropole des Bergischen Landes, die sich seit Ende des 16. Jahrhunderts nahezu vollständig zum Protestantismus bekennt. Einst als "Tuchstadt" zu Wohlstand und Ansehen gekommen, ist Lennep vom Dreißigjährigem Krieg schwer gezeichnet. (Fotos: Der Bau von Kellerräumen im Hof der Klosterkirche 2011).

Fotos: Claudia Hellwig / Fritz Figge Mit Unterstützung des Landesherrn und des Kölner Erzbischofs beginnen die Minoriten 1677 mit dem Bau einer Klosteranlage auf einem noch innerhalb der Stadtmauern gelegenen Gelände, genannt Bongartshof, das sie nach langwierigen Verhandlungen mit Eigentümer und Stadt erwerben können. Spenden und Stiftungen aus der Bevölkerung stellen die Finanzierung sicher. Das Klostergebäude wird bereits 1681 bezogen, während die Fertigstellung der Klosterkirche bis 1696 dauert. Der Abt des Klosters Altenberg nimmt 1700 die Einweihung vor. Das einschiffige Bauwerk im spätgotischen Stil misst etwa 30 Meter in der Länge,11 Meter in der Breite und 13 Meter in der Höhe. Der Kirchenbau besitzt keinen eigentlichen Turm sondern lediglich einen barocken Dachreiter.

In der 1. Hälfte des 18. Jahrhunderts wird die Klosteranlage durch ein Lagerhaus, das Ökonomiegebäude, und den 1732 fertiggestellten Schulbau erweitert. Wie die Klosterkirche selbst überstehen sie nahezu unbeschädigt den großen Stadtbrand von 1746, der ganz Lennep in Schutt und Asche legt, und fallen erst zwei Jahrhunderte später dem Abriss zum Opfer. Die Minoriten, historische Quellen sprechen von 12 Ordensbrüdern, betreiben nun den systematischen Aufbau ihrer Gemeinde. Rege Missionsarbeit über die Grenzen Lenneps hinaus, Seelsorge und schulische Lehrtätigkeit sorgen für ein stetes Anwachsen ihrer Gemeinde. Trotz anhaltender finanzieller Sorgen erlebt das Kloster bis zur Säkularisierung seine eigentliche Blütezeit.

Dier Lenneper Klosterkirche, Foto: Lothar KaiserDie Aufhebung der kirchlichen Besitztümer zugunsten der weltlichen Fürsten im Zuge der von Napoleon erzwungenen politischen Neuordnung Deutschlands bereitet im Jahre 1803 auch dem Klosterleben in Lennep ein jähes Ende. Auf Anordnung des Landesherrn wird das Minoritenkloster aufgelöst und sein bewegliches Eigentum versteigert. 1810 erwirbt der Lenneper Kaufmann J. D. Fuhrmann den größten Teil des Grundbesitzes. Die Klosterkirche bleibt als Pfarrkirche der katholischen Gemeinde erhalten, befindet sich aber jahrelang in schlechtem baulichen Zustand. Schließlich gelingt 1831 mit Hilfe staatlicher Finanzmittel der innere Ausbau zu einer Emporkirche, um mehr Platz zu schaffen. Wegen ihres ständigen Mitgliederzuwachses und fehlender Ausdehnungsmöglichkeiten in der ehemaligen Klosteranlage ist die Gemeinde in den folgenden Jahrzehnten jedoch gezwungen, den Neubau einer Pfarrkirche an einem anderen Standort voranzutreiben. 1868 wird die Klosterkirche aufgegeben - eine Epoche geht zu Ende.

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Das Verbindende soll am 10. August gefeiert werden

„Ab 1. August Groß-Remscheid“ prangte heute vor 90 Jahren auf der Titelseite des Remscheider General-Anzeigers. „Lennep und Lüttringhausen gehören von heute an zu Remscheid. Ebenso treten heute die verschiedenen Grenzregulierungen in Kraft. (...) In diesem Augenblick begrüßt Remscheid die 25.000 neuen Gemeindemitglieder ehrlich und herzlich und reicht ihnen die Hands zu gemeinsamer Arbeit. Mögen Lennep und Lüttringhausen sich mit der gleichen Unvoreingenommenheit und demselben Verantwortungsgefühl in den Dienst des neuen Gemeindewesens stellen, wie es Remscheid von sich mehrfach bekundet hat.“ Zitiert wird sodann aus dem Willkommensgruß des damaligen Remscheider Oberbürgermeister Dr. Hartmann: „Gewerbefleiß du Bürgersinn, die alle drei Städte groß gemacht hat, sollen auch die Stützen des Gemeindewesens werden. Möge unsere große Bergstadt ... stark werden und einer Zeit wirtschaftlicher Sicherheit und Wohlfahrt entgegensehen zum Segen unserer gesamten Bürgerschaft.“ Und der Artikel endet mit den Sätzen: „Nun zieht Remscheid Teile des Kreises, mit dem es einstmals verbunden war, an sich. Der lebenden Generation erwachsen damit größere Aufgaben als dereinst. Ihre Aufgabe ist es, den Vätern, die sich durch Weitblick und zugleich kluges Maßhalten, durch Fleiß und Sparsamkeit auszeichneten, nachzueifern, dann braucht uns trotz der Lastenschwere der Gegenwart um die Zukunft nicht bange zu sein, dann wird auch das g r ö ß e r e  R e m s c h e i d im Kranz der deutschen Städte einen a c h t u n g s g e b i e t e n d e n ,  e h r e n v o l l e n P l a t z  einnehmen.“

Wie es zu dieser Eingemeindung kam, beschreibt der Remscheider Journalist Dr. Gerd Courts in seinem  zweiten Buch „Remscheid so wie es war“, siehe Waterbölles vom 24. Juli 2019: „"Kulturelle Mitte" - von Eingemeindeten nicht bestritten“. Zitat: „Die städtebauliche Vision vom Zusammenwachsen der drei ehemals selbständigen Gebilde blieb Wunschtraum, wird heute, da Grünzonen längst den Vorzug vor lückenloser Flächenbebauung haben, wohl auch nicht mehr betrieben. Und doch kann man nicht sagen, dass die Zusammenlegung von Remscheid, Lennep und eines Teils von Lüttringhausen ein einziger großer Irrtum gewesen wäre.“

Nun also bald 90 Jahre Großstadt Remscheid! Für Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz kein „Dinner for One“ in Anspielung auf dem Silvester-Dauerbrenner im Fernsehen, sondern eine „Party für alle“, wie er gestern betonte. „Nichts gegen Qartiersidentitäten. Die gibt es auch in Hasten, Honsberg, Goldenberg, Hasenberg“, so der OB. Und natürlich gebe es auch Eifersüchteleien (etwa, wenn bei finanziellen Förderungen). Doch die Remscheider Stadtteile, auch Lennep und Lüttringhausen, hätten auch viel, was sie verbinde. Und das gelte es am 10. August zu feiern.

Abgesehen von der Ausstellung zur Stadtgeschichte, die von Jörg Holtschneider zusammengestellt wurde und die ab 10. August für mindestens zwei Wochen im Remscheider Rathaus zu sehen sein wird, geht das Programm des Jubiläumsfestes auf die Gebietsreform von 1029 nicht weiter ein („Weil sie schon so weit zurückliegt und es kaum noch Zeitzügen gibt“, so Andreas Meike, der Leiter des Stadtmarketing der Stadt). Ein Hauch der 1920-er Jahre wird allerdings am 10, August sehr wohl durchs Rathaus wehen, was Kleidung und Musik betrifft. Und im ersten und zweiten Stock werden die aktuellen Schilder an den Türen vorrübergehend ersetzt durch Repliken, die verraten, wer in den Amtsstuben vor 90 Jahren gearbeitet hat und welche Ämter es damals gab. Das Arbeitszimmer 43 wird dann den Assessor Dr. Borcherding (war später Bürgermeister von Wermelskirchen) als „Juristischen Hilfsarbeiter“ ausweisen, weil er nur eine befristete Stelle innehatte. Borcherding (alias Dr. Urs Diederichs, Museumsleiter a.D.) wird am Jubiläumstag interessierte Bürgerinnen und Bürgern die „Amtsstuben von einst“ in zwei halbstündigen Führungen näherbringen.

In der Nacht zum 31. Juli 1943 war der Bombenangriff

Zu den Fotos oben:Die wegen Einsturzgefahr der Ruinen abgesperrte Alleestraße. - Die Rückfront der zerstörten Rathauses - Ruinen an der Hochstraße; im Hintergrund der Waterbölles.
Darunter: In der Baracke vor dem Hauptbahnhof wurden die Fahrkarten verkauft. - Beim Bombenangriff auf Remscheid in der Nacht zum 31. Juli 1943 wurde auch der Hauptbahn­hof zerstört.
Pioniere des 3. Eisenbahnpionier-Regiments bauten die Gleisanlagen wieder auf. - So sah der Bahnhofsvorplatz aus (mit Blick auf die ebenfalls zerstörte St. Suitbertus-Kirche).

Vor 76 Jahren, in der Nacht vom 30. auf den 31. Juli 1943, fiel Remscheid einem Bombenangriff zum Opfer. Große Teile Remscheids wurden innerhalb einer Stunde zerstört, die Innenstadt versank in Schutt und Asche. 1.063 Menschen verloren ihr Leben, und viele Remscheider standen nach diesem Bombenangriff vor dem Nichts; sie hatten Hab und Gut verloren und waren obdachlos.

„Sommer 1943! Die deutsche Wehrmacht ist in Russ­land, Nordafrika und Italien in die Defensive ge­drängt. Engländer, Truppen des Commonwealth, Amerikaner, Polen und Franzosen fassen Fuß auf dem Kontinent und erobern in Italien nach langem Kampf die ehrwürdige Mutterabtei der Benediktiner, Monte Cassino. Unter diesen Schlägen bricht das faschistische Italien zusammen, und die Armee zer­fällt. Mussolini wird gestürzt und verhaftet, und der König von Italien verhandelt mit den Gegnern, um den aussichtslosen Krieg zu beenden. Juli 1943! Eine neue Phase des Luftkrieges ist aus­gelöst! Unter Einbeziehung der amerikanischen 8. Luftflotte steigern sich die Angriffe auf deutsche Industriestädte und Verkehrsknotenpunkte. Zum ersten Mal werden ab diesem Zeitpunkt sogenannte „round the clock-bombings", d. h. sich abwech­selnde Nacht- und Tagesangriffe innerhalb von 24 Stunden, auf ein und dasselbe Objekt geflogen. Unter den täglich schwerer werdenden Bombardie­rungen durch die englisch-amerikanische Luftwaffe werden die Städte Berlin, München, Köln oder Ham­burg genau so schwer getroffen wie Objekte in den noch besetzten Ländern.

In der Zeit vom 27. Juli bis zum 3. August 1943 wird von den Alliierten eine Serie von Großangriffen auf Hamburg gestar­tet. Die bisher größten Schäden in einer Stadt mit den höchsten Verlusten unter der Zivilbevölkerung - ca. 40.000 Tote in Hamburg, davon etwa 5.600 Frauen und Kinder - waren die traurige Bilanz. Bei diesen Angriffen wurde die deutsche Abwehr, vor allem die Ortung durch Funkmessgeräte (Radar) durch den überraschenden Einsatz von Störmitteln (Stanniolfolien, die abgeregnet wurden) fast völlig ausgeschaltet. Unter der deutschen Bevölkerung ging die Mär, dass es sich bei den Stanniolfolien um vergiftete Streifen handele, die das Vieh auf den Weiden vernichten sollten. Es war die Zeit, als tagtäglich die Kondensstreifen am Himmel verrieten, dass riesige Bombenpulks landeinwärts flogen, um ihre tödliche Last abzuwerfen, man hatte sich an das ewige Heulen der Alarmsirenen schon gewöhnt, rannte in den nächsten Bunker oder in den Keller und wartete mit bangem Herzen auf die Entwar­nung.

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Onschöülege Menschen muossten sterwen

Zur Bombennacht in Remscheid (30./31. Juli 1943) schrieb damals Karl Zimmermann (geb. am 24.9. 1867 auf dem Büchel), auf Remscheider Platt das folgende Gedicht. Der Waterbölles veröffentlicht es als ein Dokument aus jener Zeit und ihrer Menschen.
 

O li’ev Remsched

O li’ev Remsched, du ming Hi’emetstadt,
wie li‘eschte müöd, wie bößte matt.
Vam Hankwieser bis üöwer denn Bergesröcken,
li’et alles tot on kleng en dusend Stöcken.
Vam Haumpe (hinter der Unterführung) bis tum aulen Matt
Li‘e t alles, alles pleisterplatt.
Wenkeswar, Schenken on Speck,
 lie’et üöwerall em di’epem Dreck.
Antiker Uhren on anger Gri’eden (Möbel)
Sind en Brocken unteri’en geri’eten.
Von dr Quaatschen ( Ecke Nord- und Freiheitsstraße, Wirtschaft  Angermund) bis no dr Schöttendelle
wor dr Satan am Chreßbüöm opstellen.
Von Stakekelsen bis  no dr decken J’et
Nohm he en ienem Stri’ek.
Em Stiänberg, Roth on Siepen
Huot mr uoch denn Döüwell pipen.
Em Salem on  dr Strohte vam Pitter
Tuog drüöwer hehjr dat forschbar Ongewitter.
En den Bezerken Medde, Süd on Nordren
Woren die Bi’ester dre’ivi’el Stoind am morden.
Üöwerall schmi’et dr englische Philister
sing Bomben on och noch Brangkanister.
All die Hüser woren am brennen,
jonk on ault soh dr duor de Strohten rennen.
Met rasender Wuot
Störmden dr Ostwenk uonch noch en de Gluot.
Manch i’ener, der alles on alles het verloren,
stong nack on barbes äs wör he gestern iäsch geboren.
Onschöülege Menschen muossten sterwen,
üöwer Dusend an der Tal,
he schmi’et Phosphor tum verderwen,
on mnach i’ener storv en gruoter Qual.
He li’et ki’enen Duoden am Kernhof schlopen,
he wor wie en Veröckden do am toben.
Alles schmi’et he krüz on quer duri’en,
Denkmöler, Büöm on och noch Gebi’en.
Met Geduold wellen vier us Schecksal dragen,
on och netr üöwer et Ilenk klagen,
We’il dat Lewen mot emmer widder gohn,
dförwen vier nit stell bliewen stohn,
On et de Tiet och jez nit guot,
dann ruopen vier doch met frechem Muot,
sulang et Hatte schli’et tröü ongerm Kamasohl,
haulen vier en Remscheid pohl,
bis uß nette Hiematstadt
wi’er erschingt in auler Pracht.

Schaltkotten liefert Strom für den eigenen Betrieb und RWE

Innen- und Außenkotten. Sammlung: Schmidt.Kahnpartie am Schaltkotten. Stadtarchiv SolingenDer Schaltkotten unterhalb der Müngstener Bücke stammt aus dem Jahr 1574, wobei die ersten Genehmigungen zum Bau der Anlage bereits 1572 vorliegen. Der Name kommt aus dem "Mittelhochdeutschen", denn dort bedeutet "schalten" stoßen. Die Schleifer konnten mittels einer Stange ein Schleusenbrett (Flutschütt) vor dem Wasserrad auf- und zustoßen und so die Menge des erforderlichen Wassers zwecks zu tätigender Arbeit Genau regulieren (**. Als Doppelkotten genehmigt (am 16.12.1543 durch Herzog von Jülich, Cleve und Berg) wurde er zwischen 1572 und 1574 gebaut. Herzog Wilhelm der Reiche von Jülich und Berg gab die Genehmigung folgendermaßen wieder: "Hotten Johan zu Schaberg auf der Wopperen in der Schald eine Schleifmühle zu bauen, und Johan Ebertz und Rütger zu Schabers in der Schald auf das verlorene Wasser des Johan zu Schaberg eine Schleifmühle zu bauen..." Hierfür wurden je ein Goldgulden Pachtzins festgelegt.

Über nachfolgenden Besitzer des Kottens sind nicht alle Unterlagen komplett.1853 finden sich im Wassertriebwerksverzeichnis der Bürgermeisterei Dorp für den oberen Kotten der Name Carl K. Kirschbaum und für den unteren Kotten die Besitzer Nath. Lauterjung, Wilhelm Grah, C.R. Lauterjung, Js. August Lauterjung und Abraham Aschäuer. Carl.K. Kirschbaum war ein besonders tüchtiger Schleifermeister. Er schliff große Taschenmesserklingen (Kniepe), was besonderer Genauigkeit und Erfahrung bedurfte.

Der Schaltkotten unterhalb der Müngstener Brücke in früheren Jahren. Foto: HIZ RemscheidIn dem Doppelkotten, gebaut im Fachwerkstil, brach am 1.August 1893 ein Feuer aus; der (dem Wasser am naheliegendste) Innenkotten wurde danach abgerissen. Der Außenkotten war irgendwann vorher als einstöckiger Ziegelbau entstanden. Er wurde mit einer Turbinenanlage ausgestattet, lieferte Strom für die Anlage sowie zur Einspeisung in das Netz der RWE und ist als Produktionsstätte von 1574 bis 1967 verzeichnet. Die ersten Besitzer hatten den mehr als 100 Meter langen Obergraben ausgehoben und mit einem Wehr versehen. Nach dem Brand und dem dazugekommenen Umbau (ein Unglück kommt selten allein, und so hatte ein Hochwasser kurz vorher das gesamte alte Wehr weggerissen) bekam der Obergraben eine Sperrschleuse, das Gewaltschütt, um je nach Wasserstand mehr oder weniger Wasser zuzuleiten. Ist es geschlossen, kann man im trockenen Obergraben Reparaturen vornehmen. Schlamm und Eis konnten ebenso abgeleitet werden, was vorher nicht möglich war. Jeder Kotten hatte seine eigene Schlacht und die Produktion ging über die Jahre quer durch die aktuellen Produkte, überwiegend aus Remscheid, die geschliffen werden sollten.

Der Schaltkotten im Frühstadium des Brückenbaus. Stadtarchiv Solingen1882 heißt es, dass die Gebrüder Pinell den Kotten erworben haben. Zwei unterschlägige Wasserräder mit 3, 65 Netern Durchmesserund 20 Umdrehungen pro Minute bei einer täglichen Arbeitszeit von zwölf Stunden hatte er an seinen beiden zwei Kotten zur Verfügung. Denn nach dem Brand mit Totalschaden des an der Wupper stehenden Fachwerkkottens konnte dennoch im Außenkotten weitergearbeitet werden. (Wann der vordere Kotten in Massivziegelbauweise entstand, ist nicht näher bekannt; so ist er jedenfalls nicht schon 1574 entstanden.) Die Gebrüder Pinell und deren Nachkommen richteten den Betrieb mit zwei Rutschen zum Schleifen von Gatter- und Bauchsägen ein, hatten drei Scheiben zum Pliesten von Kreissägen, zwei Rutschen zum Schleifen von Kreissägen, zwei Rutschen zum Pliesten (Feinbearbeitung), zwei lose Schleifsteine zum Schleifen der Häckselmesser, Kreismesser und Hauer, sowie zwei Plieststellen für Bügelsägen.

Belegschaft der Firma Pinell. Stadtarchiv Solingen.Die Produktion lief bei Pinells bis 1967. Als sie aus Altersgründen aufhörten, erwarb ein Klaus Triesch als Angehöriger der Familie Pinell den Schaltkotten. Er erkannte schnell, dass mit den bisherigen Produkten kein Geld mehr zu verdienen war, räumte alle Schleifstellen ab, stellte Spindeldrehautomaten auf und richtete im Kotten eine Schraubenfabrikation ein. Diese Produktion lief bis zu seinem Tod 1985. Danach erwarb Kurt Winkler aus Amberg 986 als Sägewerksbesitzer den Kotten, errichtete an alter Stelle ein neues Stauwehr aus Beton mit einem neuen Gewaltschütt und setzte mittels einer Turbine den von Klaus Triesch installierten Generator wieder in Betrieb. Der im Kotten erzeugte Strom wird bis heute in das Netz der RWE gespeist und versorgt den jetzigen Betrieb. Es folgte der Solinger Unternehmer Mähren, der Tankreinigungen vornahm und nebenbei Oldies reparierte. Sein Sohn Stefan Mähren führt das Unternehmen momentan weiter. Er verarbeitet Stahl in allen Variationen, macht nach wie vor Tankreinigungen und versteht sich auf Edelstahlverarbeitung. Im hinteren Bereich ist die Kunstschmiede von Michael Bauer Brandes eingezogen. Ich bin immer wieder begeistert bei Tagen der offenen Tür, wie diese Schmiede aus vorher "Nichts" eine kunstvolle Gestalt wie eine Schlange oder eine Blume herstellt.

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Pressemitteilungen 2019 der Verwaltung u.a. im Archiv (3)

SPD-Unterbezirk Remscheid / Solidarität quer durch Deutschland. Am 1. September wird in Sachsen ein neuer Landtag gewählt. Das nahmen drei Remscheider SPD-Mitglieder zum Anlass, am letzten Juli-Wochenende in die Partnerstadt von Remscheid zu fahren, um den SPD-Mitgliedern in Pirna im Landtagswahlkampf aktiv zu unterstützen. „2017 besuchte uns im Landtagswahlkampf eine Gruppe junger SPD-Mitglieder aus unserer sächsischen Partnerstadt Pirna und marschierte beim 1. Mai an unserer Seite. Da Solidarität für uns in der SPD keine Einbahnstraße ist, werden wir uns am kommenden Wochenenden zum Gegenbesuch aufmachen.“ so der stv. Vorsitzende der Remscheider SPD, Ralf Gassen.
Obwohl sowohl Pirna als auch der umliegende Landkreis Sächsische Schweiz landschaftlich sehr reizvoll ist, wird es auch ein Arbeitsbesuch werden. „Wir werden aktiv bei der Plakatierung mithelfen und reisen daher mit Arbeits- und nicht mit Samthandschuhen an.“ so der Geschäftsführer der Remscheider SPD, Antonio Scarpino. Vor, während und nach der Plakatierung wird auch Zeit zum geselligen Austausch und zu politischen Diskussionen sein. „Leider sind unsere Genossinnen und Genossen in Sachsen schon länger mit Rechtsextremismus konfrontiert. Wir werden uns über deren Erfahrungen im Umgang mit rechtsextremen Kräften austauschen und über geeignete Strategien dagegen austauschen“ so Nadine Gaede, Mitglied des Unterbezirksvorstandes der Remscheider SPD.

SommerUni zu Besuch bei der Vaillant Group. Die Vaillant Group hat im Rahmen der SommerUni 2019 einen Tag lang ihre Türen für 25 Schülerinnen ab der zehnten Klasse geöffnet und Einblick in den Arbeitsalltag von Ingenieurinnen im Unternehmen ermöglicht. Die Schülerinnen konnten die Bereiche Produktentwicklung, Prüfstandsentwicklung und Nachhaltigkeitsmanagement kennenlernen. Eine Präsentation der Studienangebote und Ausbildungsberufe des Unternehmens und eine Werksbesichtigung rundeten das Programm ab. „Die Vorstellung der einzelnen Berufsfelder hat den Schülerinnen einen authentischen Einblick in den Alltag unserer Ingenieurinnen gegeben. Wir freuen uns, wenn wir die Teilnehmerinnen damit für einen naturwissenschaftlichen oder technischen Ausbildungsweg begeistern konnten und sie vielleicht sogar später im Unternehmen wiedersehen“, so Marion Storch, Diplom-Ingenieurin und Nachhaltigkeits-Managerin bei der Vaillant Group. Die SommerUni ist eine Initiative der Bergischen Universität Wuppertal. Das einwöchige Programm richtet sich speziell an junge Frauen, die sich für die Aufnahme eines Studiums in den MINT-Fächern, also in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft oder Technik, interessieren. Neben dem Alltag an der Universität erleben Teilnehmerinnen am Exkursionstag die Arbeitswelt in einem Unternehmen. (Pressemitteilung vom 8.7.2019)

Caritasverband d Remscheid e.V. / Workshopreihe „Ich | Du | Wir | Gemeinsam wertvoll!“ Im Rahmen des Asyl-, Migrations- und Integrationsfonds bietet der Fachdienst für Integration und Migration in 2019 und 2020 mehrere Workshops rund um das Thema Theater an. Im Fokus steht dabei der Theater-Workshop „Ich | Du | Wir | Gemeinsam wertvoll!“, der unter Anleitung des Kulturpädagogen Jacob Matthias für Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 16 und 30 Jahren geplant ist. Er soll auf der Theaterbühne einen Austausch zwischen Menschen verschiedener Herkunft fördern. In dem wöchentlich stattfindenden Workshop soll den Teilnehmenden das Spiel auf der Bühne nähergebracht und  der Dialog sowie die Stärkung individueller Fähigkeiten gefördert werden. Als Grundlage dienen dabei die Methoden des brasilianischen Theaterpädagogen Augosto Boal (Forumtheater). Die Proben finden immer donnerstags von 17 bis 19.30 Uhr in Johannessaal der Kirchengemeinde St. Suitbertus, Papenberger Str. 14B, statt. Interessierte junge Menschen sind jederzeit herzlich willkommen! Begleitend zum Theaterworkshop wird es Workshops zu den Themen Maskenbildnerei, Nähen und Schneidern, Bühnenbild sowie Stimme und Körperhaltung geben. Diese Workshops können von Teilnehmenden der Theatergruppe sowie von anderen Interessierten besucht werden. (Bei Rückfragen können Sie sich gerne an uns wenden: Frau Skowronek, Tel. RS / 694470 27, E-Mail a.skowronek@caritasverbandremscheid.de">a.skowronek@caritasverbandremscheid.de, Herr Matthias, E-Mail .j.matthias@caritasverbandremscheid.de">j.matthias@caritasverbandremscheid.de.

Bürgerhaus Süd / Party mit DJ Antonio Elices. Am Vorabend zur Europawahl hatte der Bürgerhaus Süd e.V. zu sich in die gute Stube geladen, um die ersten "Bürgerhaus Beats" zu feiern. Es sollte keine langweilige Wahlparty, sondern ein echtes Fest für Bürger und Bürgerinnen werden. Dazu hatte man sich DJ Antonio Elices als Verstärkung ins Bürgerhaus geholt. Mit den Hits aus den letzten 30 Jahren brachte er den Saal zum Brodeln. Bei bester Beschallung und ausgelassener Stimmung wurde bis weit nach Mitternacht gefeiert. Auch das neue Konzept zur Wahrung der Nachtruhe wurde positiv aufgenommen und funktionierte einwandfrei. Es gab eine kleine Cocktailkarte und sogar Snacks für die Stärkung zwischendurch. Die nächsten Bürgerhaus Beats sind für November 2019 geplant. (Erik Simon)

Caritas-Verband Remscheid / PC-Café für Senioren am Hasenberg. Immer mehr Senioren nutzen Smartphones oder Tablets, surfen, chatten und skypen. Doch wie installiere ich eigentlich eine App? Wie finde ich die beste Route von A nach B? Wie verschicke ich ein digitales Foto? Im neuen Computer-Café für Senioren am Hasenberg werden solche und viele weitere Fragen beantwortet und praktisch an Smartphone und Tablet vorgeführt. Dabei handelt es sich nicht um einen klassischen Computer-Kurs, sondern jeder kann flexibel und unverbindlich vorbeikommen, Laptop, Smartphone oder Tablet mitbringen und sich auch mit den übrigen Teilnehmern austauschen. Das Angebot ist kostenfrei und wird fachmännisch durch einen ehrenamtlichen Computer-Experten begleitet. Das Computer-Café findet statt an jedem 3. Dienstag im Monat in der Zeit von 18 bis 19.30 Uhr im Begegnungs- und Beratungszentrum am Hasenberg, Hasenberger Weg 13a. Das Angebot wird initiiert im Rahmen der Kooperation des Caritasverbandes mit der Interessengemeinschaft Hasenberg, die seit Ende 2017 besteht.

Sana-Klinikum Remscheid / Radtour-pro-Organspende 2019. Rund 30 Teilnehmer der Radtour-pro-Organspende besuchten am 26. Juli das Sana-Klinikum Remscheid. Unter der Schirmherrschaft von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn startet die 13. Auflage der Radtour-pro-Organspende, bei der betroffene Transplantierte und Dialysepatienten während ihrer Tour zahlreiche Kliniken besuchen, um den Angehörigen von Organspendern, den Transplantationsbeauftragten und den in den Ablauf der Organspende eingebunden Beschäftigen „Danke“ zu sagen für deren Engagement, ohne das keine lebensrettende Transplantation zustande kommt. Rund eine Stunde verweilen die Sportler im Forum Ovale des Sana Klinikums Remscheid, bevor es zur nächsten Etappe geht. Diese Zeit nutzen sie unter anderem auch, um auf ihre Aktion und das wichtige Thema Organspende aufmerksam zu machen.
Die Radtour-pro-Organspende startete am Sonntag, 21. Juli, mit einer Stadtrundfahrt in Köln und endet am 27. Juli in Leverkusen. Täglich werden rund 60 bis 100 Kilometer zurückgelegt und dabei Kliniken in zahlreichen Städten entlang der rund 600 Kilometer langen Strecke besucht. Mit dabei auch Günter Hamann, der seit 2007 mit einem Spender-Herz lebt, sowie Klaus Zinnecker, seit 36 Jahren mit einer Spenderniere unterwegs. Zusammen mit etwa 30 weiteren Teilnehmern möchten sie darauf aufmerksam machen, dass Organspende funktioniert und maßgeblich wieder zu einer hohen Lebensqualität beitragen kann.

IG Hasenberg mit neuem Vorstand. In einer mit 33 Mitgliedern außerordentlich gut besuchten Jahreshauptversammlung der ist der neue Vorstand einstimmig gewählt worden: Ralf Genniges (1. Vorsitzender), Marcus Holthaus (2. Vorsitzender), Annette Hundhausen (1. Kassiererin), Sven Henke (2. Kassierer), Heinz-Eberhard Boden (1. Schriftführer), Astrid Niemeyer (2. Schriftführerin) sowie die Beisitzer/innen Nada Dittrich, Bastian Garweg, Rainer Hoffmann, Michael Heussner und Marlene Kelch. Sie freuen sich auf eine lebendige Zusammenarbeit. Die Kassenprüfer Martina Lehmann und Udo Hellmann wurden im Amt bestätigt. Ein besonderer Dank geht an Rainer Hoffmann, der nach sechs Jahren sehr fruchtbarer Arbeit als erster Vorsitzender aus gesundheitlichen Gründen nicht wieder für dieses Amt kandidierte- Sein Rückblick auf die zahlreichen Projekte der IG-Hasenberg in 2018 und der Ausblick von Ralf Genniges auf Planung und Ziele für 2019 wurden von der Versammlung mit lebhaftem Beifall aufgenommen. Die IG-Hasenberg hat inzwischen mehr als 160 Mitglieder und freut sich ganz besonders darüber, dass vermehrt auch jüngere Menschen den Weg in die Interessengemeinschaft finden.

Paul-Volkmann-Chor / Vorsitzende im Amt bestätigt. Auf seiner Jahreshauptversammlung hat der Paul-Volkmann-Chor seine 1. Vorsitzende blieb Birgit Schochow im Amt bestätigt. 2. Vorsitzende ist jetzt Elfi Scherer, 1.Kassiererin blieb Erika Pohle, ebenso blieben als 2. KassiererinInge Picks, die 1. Schriftführerin Marga Burkert und die 2.Schriftführerin Erika Osenberg im Amt.

Ersatz für wegfallende Parkplätze. Die Ratsgruppe der W.i.R. hatte in der Bezirksvertretung Alt-Remscheid beantragt, die Verwaltung möge prüfen, ob vor dem derzeitigen Geschäft „Kleiner Laden“ an der Hindenburgstraße ein oder zwei weitere Parkplätze geschaffen werden könnten. Begründung: Die Verkehrsbesprechung habe am 22.11.2018 beschlossen, an der Ausfahrt der Hindenburgstraße in die Wilhelmstraße rechtseitig 2 Parkplätze wegfallen zu lassen, damit der Kreuzungsbereich besser eingesehen werden könne. Dadurch aber werde die Parksituation auf der Hindenburgstraße und der näheren Umgebung noch angespannter als sie zum jetzigen Zeitpunkt schon ist. Wie in der gestrigen Sitzung bekannt wurde, hat die Prüfung ergeben, dass die beantragten Parkplätze möglich sind. Alexander Ernst von der WiR freute sich.

Bergische Industrie- und Handelskammer. IHK-Azubis drehten Film über ihre Ausbildung. Wer könnte besser erklären, wie gut eine Ausbildung bei der Bergischen IHK ist, als die Azubis selbst? Das war der Hintergrund für den Film „Ausbildungsplatz gesucht? – Bewirb Dich bei uns!“, der von den IHK-Auszubildenden mit konzipiert wurde und in dem sie nun als Hauptdarsteller auftreten. Marcel Lingscheidt, Maurice Maurer und Nina Höller, alle Auszubildende zum Kaufmann/frau für Büromanagement, sowie Abdolfazl Ghanbari und Nils Hansen, Auszubildende zum Fachinformatiker für Systemintegration, zeigen, warum eine Ausbildung bei der Bergischen IHK eine gute Grundlage für eine erfolgreiche Berufskarriere ist. Der Film ist auf dem YouTube-Kanal der Bergischen IHK unter https://www.youtube.com/user/BergischeIHK und auf der Webseite www.bergische.ihk.de, Dokumentennummer 4459042 abrufbar. Die IHK freut sich immer über Bewerbungen. Ansprechpartnerin für die kaufmännische Ausbildung ist Pamela Aleksijew, p.aleksijew@bergische.ihk.de, Tel. 02022490 202, für die technische Ausbildung ist es Thorsten Werz t.werz@bergische.ihk.de, Tel. 0202 2490 222.

Bergische IHK / Neuer IHK-Ausbildungsatlas erschienen. „Hier ist einiges für dich drin“ heißt es zurecht im neuen Ausbildungsatlas 2019/20 der Bergischen IHK. Die druckfrische Publikation enthält mehr als 500 Adressen von Ausbildungsbetrieben in Wuppertal, Solingen und Remscheid. Auf mehr als 160 Seiten werden außerdem circa 160 Berufe kurz und knapp, aber eingängig vorgestellt. Um neugierig zu machen, erhielt jede Berufsbeschreibung eine augenzwinkernde Zusatzüberschrift – da wird etwa der Änderungsschneider zum „#Scherenhändchen“ und der Zweiradmechatroniker zum „#Easyrider“. Jede Beschreibung enthält zudem einen QR-Code, der direkt zu einer ausführlichen Berufsbeschreibung im Internet führt. Im Atlas bekommen die Schulabgänger außerdem viele wichtige Tipps für ihren Weg zum Ausbildungsplatz. Die Druckversion kann bei der Bergischen IHK unter Telefon 0202 2490-801 (Gabriele Eikholz), E-Mail: g.eikholz@bergische.ihk.de">g.eikholz@bergische.ihk.de bestellt werden. Eine PDF- und eine Datenbank-Version gibt es unter https://www.bergische.ihk.de/aus_weiterbildung/Azubi-Finder/Ausbildungsatlas/3445192.

Führung durch den Pferdestall, Martin-Luther-Straße 61, im Innenhof der Polizeiwache. Vielen Remscheiderinnen und Remscheidern ist nicht bewusst, welche Geschichte sich hinter dem unscheinbaren Pferdestall im Innenhof der Polizeiwache am Qimpert Platz (Uhlandstraße) verbirgt. Während des zweiten Weltkrieges wurde der Pferdestall vom NS Regime für seine Zwecke missbraucht. Daher hat sich eine Gruppe junger Menschen entschieden, die Geschichte des Gebäudes aufzuarbeiten und als Gedenk- und Bildungsstätte diesen Ort als Mahnmal zu nutzen. Um in Erinnerung zu halten was nicht vergessen werden darf und ein Bewusstsein für die Geschichte der eigenen Stadt zu stärken. Interessierte Personengruppen ab fünf Personen können sich gerne zur Absprache eines Termins für eine Führung im Pferdestall durch die von den Schülern des EMA Gymnasiums erstellten Ausstellungen per E-Mail an die Schule (emagym@gmx.de) wenden. Wenn eine Telefonnummer oder eine Mailadresse bei der Anfrage angegeben wird, so wird sich ein Guide zur Vereinbarung eines geführten Besuchstermins bei den interessierten Personen melden.

Wupperverband / Sanierung von Straße und Gehweg auf dem Staudamm der Wuppertalsperre abgeschlossen. Im Auftrag des Wupperverbandes wurden auf dem rund 320 Meter langen Staudamm der Wupper-Talsperre die Straße und der Gehweg saniert. Die Arbeiten konnten nun abgeschlossen und die Straße wieder freigegeben werden. Der Bus fährt wieder die normale Route. Es handelt sich um eine Anliegerstraße, die nur von Anliegern und Bussen befahren werden darf. Die Arbeiten hatten im November begonnen. Die Fahrbahndecke hatte einige Schadstellen und wurde daher stellenweise instand gesetzt. Der Gehweg auf der Wasserseite des Staudamms wurde auf der gesamten Länge komplett erneuert

Wochenrückblick vom 22. bis 28. Juli 2019

 

Die Wupperfischerei in der Zeit der Bergischen Grafen (2)

Das alte Amtshaus zu Bornefeld, langjährige Gerichtsbarkeit für die Remscheider Schmiede und Schleifer Foto: Sammlung SchmidtTeil II 

Von dem Kameralfischteich ist heute in der Wupper keine Spur mehr vorhanden. Ehemals war es ein gewaltiges Bollwerk aus Holz und Stein mit zwei mächtigen Steindämmen, auf der Solinger Seite 210 Fuß, auf der Burger Seite 73 Fuß lang und unten 16, oben 6 Fuß breit. Die Steindämme hatten in der Mitte des Flusses einen Durchlass von 11 Fuss Breite. Dahinter stand die Hurth (Hüde), ebenfalls ein mächtiger Bau, 73 Fuß lang, 11 Fuss breit, auf schweren, 10 Fuß hohen Eichensäulen mit Lehnen an beiden Seiten. Diese hohe und breite Hurth konnten die Lachse nicht überspringen, sie nahmen dann "automatisch" ihren Weg in den Selbstfang, zwei sogenannte Lachskarren von 20 Fuß Länge und 10 Fuß Breite.

Produktion von Beilen. Foto: HIZ RemscheidQuer über den Fluß zur Hurth lief eine Brücke, 94 Fuß lang, ein Fuß breit, auf festen Eisbalken und Eisböden. Am Burger Ufer stand das Fischhäuschen, mit Schindeln bekleidet. Für den Lachsfang hatten die Einwohner des Amtes Bornefeld Hand- und Spanndienste zu leisten. Burger selbst brauchten dafür ohne Lohn keine Hand zu rühren, denn die Freiheit Burg war von allen Hand- und Spanndiensten befreit.  Trotz des starken Baues riss im Januar 1795 ein schwerer Eisgang die beiden Lachsfänge, einen Teil der Hürde, Brücke und sogar 50 Fuß Mauerwerk hinweg. Allein zur Wiederherstellung des Mauerwerks waren 550 Karren Steine notwendig. Im Juli 1795 konnte der nebenbei betriebene Aalfang und im September der Lachsfang noch nicht wieder benutzt werden.  Ober- und unterhalb des Lachsfanges lagen die mit Rasen abgedämmten Fließe, in denen die kleinsten Wupperfische, die sogenannten Rümpchen, Ellritzen oder Maipieren, mit dem Netz gefangen wurden. Manchmal brachte auch die Wupper selbst durch das Aufwerfen von Sandbänken solche Fließe hervor, wie der starke Sandgehalt des Wupperbettes auch die besten Laichstellen für den Lachs hergab.

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10.8.: Großstadt Remscheid wird 90 und feiert

Pressemitteilung der Stadt Remscheid

Auf 90 Jahre Großstadt Remscheid können wir stolz sein! Am Samstag, 10. August, möchten wir dieses Jubiläum deshalb gemeinsam mit Ihnen gebührend feiern. Unter der Schirmherrschaft von Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz möchten wir das Zusammengehörigkeitsgefühl von 2014 wieder aufleben lassen und laden daher alle Remscheider Bürgerinnen und Bürger zu diesem Ereignis herzlich ein! Von 12 bis 22 Uhr erwartet Sie ein buntes und vielfältiges Bühnenprogramm für die ganze Familie sowie viele weitere Attraktionen auf dem Theodor-Heuss-Platz und im Remscheider Rathaus. Auch für das kulinarische Wohl der Besucherinnen und Besucher ist mit einem abwechslungsreichen Produktangebot von herzhaft bis süß gesorgt.

Ab 21 Uhr lädt das Rathaus zu einer Reise in die Vergangenheit ein! Feiern Sie mit uns zur Musik der 1920-er Jahre und lassen den Abend bei lebhafter Stimmung sowie der ein oder anderen Getränkespezialität ausklingen! Das Programm nach Orten chronologisch:

RATHAUS REMSCHEID
11:30 bis 24 Uhr: Jubiläumsausstellung 90 Jahre Großstadt Remscheid
13 bis 18 Uhr: Turmführungen
14 bis 14.45 Uhr:& 17 bis 17.45 Uhr: Rathausführung mit Dr. Urs Diederichs
21 bis 24 Uhr: 20er-Jahre Party mit DJ Chris (Rathausfoyer)

BÜHNE THEODOR-HEUSS-PLATZ
12 bis 12.15 Uhr: Kindertanzgruppe der LTG
12:30 - 13.15 Uhr: Kindermusical „Leo, der König von Remscheid“
13:30 - 13.45 Uhr: Grußwort Herr Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz (Foto)
13.45 Uhr:- 14 Uhr: Kindertanzgruppe der LTG
14 bis 14.45 Uhr: Stand Up Comedy mit Sascha Korf
15 bis 15.45 Uhr: Konzert „Kinder- und Filmmusik“
17 bis 19 Uhr: The Jim Rockford Band
20 bis 22 Uhr: YouWho

THEODOR-HEUSS-PLATZ
12 bis 20 Uhr: Feuerwehrwagen der Feuerwehr RS und Müllfahrzeuge der TBR, verschiedene Spielgeräte für die ganze Familie, Fotoaktion „Sie in 1929“
13.15 Uhr:- 13:30 & 15.45 Uhr:- 16 Uhr: Zauberei für die Kleinen
16 bis 16.30 Uhr:  #5630

BÜHNE THEODOR-HEUSS-PLATZ
12 bis 12.15 Uhr:&13.45 Uhr bis 14 Uhr: Kindertanzgruppe der LTG Auf die Bühne, fertig, los! Die Kindertanzgruppe der LTG tanzen wie die Stars auf der großen Bühne. Der Verein bietet von Tanz, Yoga, Zumba über Cycling, Nordic-Walking, Capoeira und Babyschwimmen Kurse für jeden Geschmack. Leidenschaft, Ehrgeiz, Freude, Offenheit, Gemeinschaft. All dies sind Attribute des Sports bei der Lenneper Turngemeinde 1860 e.V. www.ltg-sport.de
12:30 - 13.15 Uhr: Kindermusical „Leo, der König von Remscheid“ Es war einmal in Remscheid zur Zeit eines großen Jubiläums. Alle freuten sich auf das Fest, planten, fieberten, organisierten… Alle? Nein nicht alle. Im Zirkus langweilte sich Leo, der Löwe. Er wollte lieber nach New York, um dort ein gefeierter Star zu werden. Aber die garstige Zoodirektorin, Hera Röntgen, hätte so etwas natürlich niemals erlaubt... Lassen sie sich entführen und erleben sie eine spannende Geschichte um Leo, unseren König von Remscheid!
14 bis 14.45 Uhr: Stand Up Comedy mit Sascha Korf Das passiert. Das entsteht. Das verzückt. Aus der Hüfte, fertig, los! Nach dem Motto „alles ist möglich“ zaubert Sascha Korf aus jedem Auftritt ein neues Ereignis. Seine unglaubliche Schnelligkeit, Energie und Sympathie sind der Motor der Show, gepaart mit grandioser Situationskomik, pointierten Alltagsbetrachtungen und wilden Improvisationen. www.sascha-korf.de
15 bis 15.45 Uhr: Konzert „Kinder- und Filmmusik“ Manche Filme kann man sich ohne Musik gar nicht vorstellen. Balu der Bär ohne sein Lied über Gemütlichkeit? Oder Timon und Pumbaa ohne Hakuna Matata? Die Sängerinnen Verena Itze und Meike Pöther euch mit auf eine Reise durch die Geschichte der Filmmusik und Kinderlieder zum Mitsingen.
17 bis 19 Uhr: The Jim Rockford Band Die Jim Rockford Band erweckt Emotionen – in jedem Song. Das facettenreiche Repertoire der Jim Rockford Band reicht von Modern, Standard, Dinner, Lounge, Jazz und Easylistening bis hin zu Pop, Soul, Gala, aktueller Chart und Party-Musik. Wenn sich eine eingespielte Profi Band auf wechselnde Solisten (Gesang, Saxophon) einlässt, entstehen einzigartige Interpretationen bekannter Songs, die das Publikum verzaubern. www.jim-rockford-band.de
20 bis 22 Uhr: YouWho Sechs Musiker der regionalen Band spielen ausschließlich Live-Musik mit einer hochexplosiven Mischung aus Rockklassikern, Partykrachern aus vier Jahrzehnten und aktuellen hartst rmer. ou ho bieten ein musikalisches Feuer erk auf höchstem Niveau mit perfekter Licht- und Soundtechnik und ist damit zu Recht eine der beliebtesten Coverbands in NRW. www.youwho.de

 

Die Wupperfischerei in der Zeit der Bergischen Grafen (1)

Alte Postkarte von Schloss Burg.

Teil I

Wer kennt noch Begriffe wie Baatmüser, Gi´et oder Maipier?  Baatmüser ist eine Bartgrundel oder Schmerle (cobitis barbatula), ein etwa elf cm langes wohlschmeckendes Bachfischlein. Es wurde mit einer Gi`et (spitzwinklige Fischgabel) beim Schein einer Leuchte gestochen. Die Maipier war eine Ellritze oder Pfrille oder Pfelle (phoxinus laevis) mit etwa 13 cm Länge und war neben Forelle und Lachs eine beliebte Ergänzung zum täglichen Speiseplan der Grafen von Berg. Zitat aus einerUrkunde  von 1684: "Auf der Wupper haben ihre Hochfürstliche Durchlaucht eine fischerey, das Donawer wasser genant,  gehet an dem Krahdendahler Wasser ahn,  langs die Burgh vnd forters hinab biss an das Strohner Wasser, in welchem Donawer wasser oder fischereyen der fischdeich gelegen vnd die Eiffische Forellenbach in der Burgh ihren aussgang nimmet (..), gehet zur Burgh auf der Wupper zum ende, auf welcher Bache nechst Ihrer Hochfürstlichen Durchlaucht Mahlmüllen dero Forellen Weyer gelegen.“ Das Strohner Wasser. Das Gludener Wasser nechst dem Strohner Wasser gelegen. Der Eiffkerbach fangt oben bey Wermelskirchen ahn vnd endet sich in Dabringhausen an der Marxmüllen am Otter Müllenflussdeich. Die Morsbacher Fischerey, wie dieselbe zeit meiner vnderthenigsten Bedienung zum Hausse vnd Kellnereyen Burgh gehörig vnd verpachtet gewessen, gehet zu Müngsten in die Wupper und fanget ahn oben die alte Bach.Diese vorgemelte fischereyen sind am 23. Octobris 1684 bey der kertzen auf zwölff jahr, jedoch zu sechssen dem beliebenden theil abzustehen, an Johannes Vischern zur Burgh mit gewissen conditionen,  wie in der Jahr rechnung mehreres zu ersehen, verpfachtet, jährlichs halb auf Martini vnd halb auf Maytag zu bezahlen. Ein hundert sechtzig vnd sechs Reichsthaler, jeden zu achtzig alb.Collnisch gerechnet."

Diese Fischerei wurde parzellenweise von den Grafen von Berg an den Wupperfischer für jeweils zwölf Jahre verpachtet. Eine Urkunde vom 14.12.1437 besagt, dass Ritter Johann von Landsberg an diesem Tage für sich und seine Nachkommen seine Fischerei auf der Wupper für eine jährliche Abgabe von sechs Mark kölnischen Geldes an Peter von Eulswag und dessen Erben in Erbpacht abgab.  Die Urkunde liegt im Stadtarchiv Remscheid  und kann, falls man der alten Schrift mächtig ist, dort eingesehen werden. Eine weitere Urschrift mit anhängendem Siegel führt uns ins Müngstener Fischereigebiet.

Die alte Wupperbrücke Burg-Solingen. Alter Stich von 1790, als noch kräftig gefischt wurde. Stadtarchiv SolingenAm 14. Mai 1620 verkauften Eberhard von Bodlenberg, genannt Kessel, zu Hackhausen bei Ohligs, Amtmann zu Elberfeld, und seine Frau Agnes, geb. von Galen, "zur Abgütung ihrer lieben Mitschwester" dem ehrenhaften, frommen, vornehmen Rutger von Schoeler (Schuller) und seiner Gattin Katharina von Mhum (Mumm) ihre Fischerei und Wassergerechtigkeit auf der Wupper zwischen den Weidenhainen zu Solingen und der Dorper Fischerei unten an dem Eltenstein samt dazugehörigen Gerechtigkeiten an zwei Schleifkotten daselbst. Der Verkaufsvertrag wurde in gütlicher Abmachung auf die bescheidene Summe von 350 Talern kölnischer Währung festgesetzt und bar bezahlt. Besonders wichtig war den Grafen,  dass bei der Anlage von Schleifkotten oder Mühlen der Wasserdurchfluss gewährleistet war und die Fische ungehindert an ihre Laichplätze gelangen konnten.  Die Berufsfischer zählten zu den ersten Bewohnern von Burg, und das erste Siegel der Freiheit Burgh hatte einen Fisch im Wappen. Das Siegel der Tuchmacherzunft von 1546 zeigte einen Krebs neben zwei Sparren (aus dem alten bergischen Sparrenschild) unter einem Limburger Löwen. Die eigentliche Fischerei unterlag dem Burger Kellner, welcher die Pachten vergab. Sie erstreckte sich außer der Wupper auch auf alle Nebenbäche im Bereich der Grafen von Berg, so z.B. den Morsbach, die Dhünn oder den Sengbach bei Glüder.  Dieser letztgenannte war übrigens so ergiebig, dass er von den Fischern als "goldener Forellenbach" bezeichnet wurde. Zur Herbstzeit wurden dort in der Flut oft 400 bis 500 Pfund Forellen gefangen.

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"Kulturelle Mitte" - von Eingemeindeten nicht bestritten

Was sind 20 Jahre im Leben einer Stadt? Ein Nichts? Vielleicht dann, wenn es 2000 Jahre Geschichte zu betrach­ten gilt. Aber in Remscheid? Auch hier hat sich mensch­liches Miteinander seit den Tagen der Sachsen und Franken ereignet. Mehr als 1.200 Jahre liegt das zurück. Aber von Remscheid als Stadt darf doch erst die Rede sein, seit Napoleon auf die Idee kam, seine Vorstellungen von kom­munaler Ordnung auch hier zu praktizieren: Anno 1808. Und von damals bis zur Gegenwart ist es kein unüberschau­bares Stück Weges durch die Zeiten. So gesehen sind 20 Jahre schon mehr. Inhaltsschwer aber werden zwei Jahrzehnte erst, wenn man sie beim Namen nennt, wenn man sagt, welche man meint. In unserem Falle sind es die Jahre zwischen 1929 und 1949. Am einen Ende steht der Schritt Remscheids aus dem beschaulichen Dasein einer bergischen Mittelstadt hin zur Großstadt, durch Eingemeindung von Lennep und Lütt­ringhausen. Das war ein Verwaltungsakt auf dem Papier, und von Großstadt konnten nur jene Arithmetiker reden, denen allein die 100.000-Einwohner-Grenze maßgeblich für die Vergabe solcher Prädikate ist. Aber ob dies vom Selbstgefühl her gerechtfertigt war oder nicht: Remscheid wurde im Jahre 1929 Großstadt und ist dies bis heute geblieben.

Am anderen Ende unseres Betrachtungszeitraums, dem Jahre 1949, steht die Rückgewinnung jener demokratischen Lebensformen, die dem deutschen Volke mit der Heraufkunft des Nationalsozialismus abhanden gekommen waren, und an die sich, mit allen anderen Deutschen in den westlichen Provinzen, auch die Remscheider wieder langsam herantasten, die zu schätzen sie wieder lernen mussten. 1949, das Jahr der Gründung der Bundesrepublik Deutschland, markiert in der Nachkriegszeit Remscheids einen ersten Einschnitt. Die wilden Nachkriegs jähre waren vorbei, die Jahre, in denen Recht und Gesetz oft wenig galten, in denen an einen geplanten Wiederaufbau des 1943 Zerstörten aus mancherlei Gründen noch nicht gedacht werden konnte. 1949 ist das Jahr, in dem nach der Wahl Walter Freys zum Oberbürgermeister das kommunalpolitische Leben in Rem­scheid Kontinuität gewinnt. Zum ersten Male wird wieder Aussicht auf eine bessere Zukunft sichtbar. Und zwischen diesen beiden Polen, dem Jahr 1929 mit dem von Remscheid erstrebten Ergebnis der Eingemeindung der alten Stadt Lennep und eines großen Teils Lüttringhausens und dem mählichen Wiedererstehen aus Lethargie und Trümmern, liegt die Zeit des Nationalsozialismus, mit ihrem anfänglichen Jubel über die Befreiung aus lähmender Ar­beitslosigkeit und ihrem schließlichen Entsetzen über die Zerstörung der Stadt und den Untergang einer auch von vielen Remscheider bejubelten oder doch zumindest gutge­heißenen Schimäre, des Traumes vom vermeintlich 1000jährigen Reich, in dem allem, was deutsch und arisch war, eine sorgenfreie Zukunft winkte für eine schier endlose Folge von Generationen. (…)

Unser Bericht also beginnt in jenem Jahr, in dem sich der Preußische Landtag mit dem Umgemeindungsgesetz zu beschäftigen hatte, das vom Regierungspräsidenten in Düs­seldorf für den Regierungsbezirk vertreten wurde und die Eingemeindung des Landkreises Lennep sowie bedeutender Teile der Stadt Lüttringhausen vorsah. In diesem Jahre 1929 geht Otto Schmidt mit seiner Kamera durch Remscheid und nimmt den baulichen Bestand der Stadt, namentlich ihrer öffentlichen Gebäude und Einrichtungen, auf. Wir lassen auf den folgenden Seiten seine Arbeitsergebnisse vorüberziehen, beschäftigen uns im Text aber mit dem dramatischen Ringen um die Eingemeindung.

Sitzungssaal des Remscheider Rathauses im Jahr der Eingemeindung Lenneps.Lennep erhob zuerst Einspruch, nannte die Neufestsetzung von Gebietsgrenzen im mittelbergischen Raum überflüssig, da es hier noch keine Auseinandersetzung um dieses Thema gegeben habe. Es begann ein Krieg der Gutachter und Denkschriftverfasser. Dann: Jubel in Lennep, als am 1. November 1928 der preußische Innenminister wissen ließ: »Ich erkenne einen zwingenden Grund für die Erweiterung der Stadt Rem­scheid nicht an. Es kommt höchstens eine Grenzberichtigung hinsichtlich der Kolonie Bökerhöhe in Betracht.« Doch die scheinbar glückliche Wende für die alte Kreisstadt war nicht von Dauer. Sechs Wochen später befürwortete dasselbe Ministerium die Eingemeindung. Jetzt plötzlich wurde den Remscheidern bescheinigt, daß sie dringend mehr Land für den Wohnungsbau und neues Industriegelände brauchten. Für die Stimmung in der Bevöl­kerung waren solche Wechselbäder nicht gut. Namentlich in Lennep wuchs die Empörung über die Urteilsunsicherheit derer »da oben«, und der Remscheider, der sich in den Monaten vor der endgültigen Entscheidung in Lennep sehen ließ und lockere Reden führte, der die Eingemeindung als längst beschlossene Sache bezeichnete und vom herzlichen Willkommen in Groß-Remscheid sprach, mußte Grobheiten gewärtigen, wenn nicht gar eine Tracht Prügel. Der Krieg der Gutachter ging weiter. An ihm beteiligte sich auch Lüttringhausen. Doch längst schien es so, als komme es nicht mehr auf den redlichen Austausch sachlicher Argu­mente an, sondern nur noch auf Polemik. Die Denkschriften verdienten eher die Bezeichnung Pamphlete, und der Lütt-ringhauser Bürgermeister Dr. Suthoff-Groß sagte in einem hellsichtigen Augenblick: »Diese Denkschriften sind Stati­stiken vergleichbar, mit denen man alles und nichts beweisen kann.«

Der Preußische Landtag beschäftigte sich in erster Lesung am 26. und 27. April 1929 mit der Vorlage. Dabei zeigte sich, dass Sozialdemokraten, Demokraten und Zentrum, die da­maligen Regierungsparteien, für die Forderung der Städte nach Erweiterung ihres Gebietes waren. Dagegen votierten Deutsch-Nationale, Kommunisten, die Deutsche Volkspar­tei, die Wirtschaftspartei und die sechs damals im Preußi­schen Landtag vertretenen Nationalsozialisten. Der weitere Weg des Gesetzes wäre bei der klaren Mehrheit der Regierungspartei nicht weiter zweifelhaft gewesen. Da aber intervenierte der Landgemeindeverband beim Staatsge­richtshof und wollte festgestellt wissen, dass der Staat ohne Einvernehmen mit den Selbstverwaltungskörperschaften, den Kreisen und Gemeinden, überhaupt nicht eingemeinden dürfe. Diese plötzlich aufgebrochene Diskrepanz zwischen Gesichtspunkten politischer Opportunität und ganz grund­sätzlichen Erwägungen verunsicherte die Politiker zutiefst, und wo vorher klare Fronten waren, zogen sich nun Risse quer durch die Fraktionen. Der Ausgang war wieder unge­wiss. Die Eingemeindungsgegner witterten noch eine Chance.

Protestversammlung auf dem Lenneper Jahnplatz gegen die Eingemeindung der ehemals selbständigen Stadt nach Remscheid am 16. Juli 1929. Tausende kamen, gerufen von Brandsirenen und Kirchenglocken, um gegen die Entscheidung des Preußischen Landtages zu demonstrieren.In Remscheid und in Lennep wurde mit nahezu allen Mitteln gekämpft. Bevor die Politiker in Berlin das Schluss­wort sprachen, sollte nichts unversucht geblieben sein. Durch Lennep rollte in jenen Tagen ein Karren mit Mist und einem Schild darauf »Für Remscheid«. Die Emotion be­herrschte die Stunde, und in der Tat war für Lennep zu diesem Zeitpunkt, Wochen vor der entscheidenden Abstim­mung im Preußischen Landtag, noch nicht alles verloren. Lüttringhausen dagegen war vom Gemeindeausschuss als »zur Auflösung reif« bezeichnet worden. In den Fraktionen des Landtags rumorte es. Es kam zu immer neuen Kräftegruppierungen. Aber auch die zweite Lesung bestätigte den Paragraphen 37 des Eingemeindungsgesetzes, die Vereini­gung Lenneps und eines großen Teil Lüttringhausens mit Remscheid betreffend.

Dennoch sind auch am Tage der Schlussabstimmung, am 10. Juli 1929, die Verhältnisse keineswegs klar. Die Deutsch-Nationalen sind sich nicht einig. Professor Hoffmann, Vorsitzender des Gemeindeausschusses, will unter allen Umständen die Stadt Lennep erhalten. Nur dann will er dem ganzen Gesetz zustimmen. Er hat mit dem Zentrum verhan­delt. Man sagt ihm, dass er das nicht habe tun dürfen. Dr. Weisemann (Deutsch-Nationale Partei), ein Remscheider, signalisiert dem Zentrum, dass kein Antrag mehr komme. Die Abstimmung beginnt. Dabei zeigt sich, dass es für eine Stadt Lüttringhausen keine Chance mehr gibt. Doch, als das Handzeichen für das Schicksal Lenneps gefordert wird, ist die Lage für den Landtagspräsidenten völlig undurchsichtig. Es kommt zum Hammelsprung. An den Türen, die über Ja, Nein und Stimmenthaltung entscheiden, spielen sich unbe­schreibliche Szenen ab. Abgeordnete, denen das Schicksal Remscheids und Lenneps völlig gleichgültig ist, sollen in letzter Sekunde umgestimmt, durch eine Tür komplimen­tiert, wenn nicht gestoßen werden, die ihrem vorher gefass­ten Entschluss nicht entspricht. Doch alle Anstrengungen der Lenneper und ihrer Helfer bleiben fruchtlos. Mit 174 zu 170 Stimmen fällt Lennep an Remscheid.

Bei der Abstimmung des Landtages über die gesamte Gesetzesvorlage beträgt die Mehrheit 44 Stimmen. Der Kampf ist zu Ende. Einsprüche und Klagen erzwingen keine Änderung mehr. Auch nicht eine Protestversammlung, zu der am 16. Juli 1929 Tausende auf dem Lenneper Jahn-Platz zusammenströmen, gerufen von den Glocken der Kirchen und den Brandsirenen. Sprecher der Bürgerschaft erteilen dem Parlamentarismus eine Absage. Ein Papier mit dem Lennep betreffenden Paragraphen 37 des Eingemeindungs­gesetzes wird verbrannt. Anschließend überreicht der Zug der Kundgebungsteilnehmer dem Bürgermeister Nohl eine Entschließung, nach der Staatsrat und Staatsgerichtshof anzurufen seien. Das Ergebnis: Null.

Das Klima zwischen Remscheid und Lennep ist auf lange Zeit vergiftet. Alte Freundschaften sind zerschlagen, die Großstadt Remscheid hat keinen guten Start, auch nicht in Lüttringhausen. Erschwerend kam hinzu, dass die weltweite Wirtschaftskrise Remscheid in den ersten Jahren nach der Eingemeindung daran hinderte, den Beweis für aufgestellte Behauptungen anzutreten: dass nämlich die Wirtschaft Lenneps und Lütt­ringhausens angekurbelt würde. Auch andere Erwartungen erfüllten sich nicht oder erst wesentlich später. Die städtebauliche Vision vom Zusam­menwachsen der drei ehemals selbständigen Gebilde blieb Wunschtraum, wird heute, da Grünzonen längst den Vor­zug vor lückenloser Flächenbebauung haben, wohl auch nicht mehr betrieben. Und doch kann man nicht sagen, daß die Zusammenlegung von Remscheid, Lennep und eines Teils von Lüttringhausen ein einziger großer Irrtum gewe­sen wäre. So hat beispielsweise die Maschinenindustrie in den fünfzi­ger Jahren einen großen Aufschwung genommen, weil durch die Eingemeindung Industriegebiete an der Trecknase und am Blaffertsberg, später noch an anderen Stellen Lütt­ringhausens, ausgewiesen werden konnten. Insgesamt hat die Eingemeindung den Abstand zu den Nachbarstädten Wuppertal und Solingen verringert. Sie hat auch die Entwicklung von Lennep und Lüttringhausen gefördert. Die Zerschlagung des Kreises Lennep war wohl das kleinere Übel, auch wenn dies in Lennep bis auf den heutigen Tag anders gesehen wird.

1929 hatte Remscheid 102.899 Einwohner, darunter 14.400 Lenneper und 9.277 Lüttringhauser. Der bis vor dem Ersten Weltkrieg steile Bevölkerungsanstieg hielt wegen der politi­schen und ökonomischen Krise nicht an. Die Einwohner­zahl sank sogar vorübergehend und erreichte erst 1939 wieder die Höhe des Jahres 1929. Aber zu diesem Zeitpunkt mag sich der propagandistische Effekt bereits ausgewirkt haben, den die Nationalsozialisten mit ihrer Lobpreisung kinderreicher Familien erstrebten: das Mutterkreuz als Mit­tel der Bevölkerungspolitik.

Dr. Wilhelm Rees, seit den zwanziger Jahren bis in die Zeit nach dem Kriege kulturelles Gewissen der Stadt Remscheid, in vielen Funktionen tätig, so als Stadtarchivar, Direktor der Remscheider Museen, bekannt auch als Autor vieler heimat­geschichtlicher Arbeiten.Eines wurde von den Eingemeindeten nie bestritten: dass Remscheid die kulturelle Mitte des zur Diskussion stehenden Gebietes sei. Remscheid hatte zur damaligen Zeit ein Heimatmuseum im Hause Hilger in Hasten, einem alten Patrizierhaus, ein Stadtarchiv mit Bücherei, ein Städtisches Orchester und ein Städtisches Schauspielhaus. Heimatmu­seum und Stadtarchiv, beide im Jahre 1925 gegründet, standen unter der Leitung von Dr. Wilhelm Rees. Das war ein Mann, der sich um Kulturarbeit in Remscheid auch noch an manch anderer Stelle verdient machte, bis er 1945 in den Ruhestand trat und 1953 auch die ehrenamtlich weiterge­führte Leitung des Museums niederlegte. Das Remscheider Heimatmuseum wurde ein im Rheinland bekanntes und beachtetes Haus, leistete vorbildliche Arbeit, machte mit seinen bergischen Zimmern, später auch mit seinen tech­nisch-historischen Darstellungen, den Menschen der Stadt und ihrer Umgebung Geschichte greifbar, erfahrbar. Die Spendenfreudigkeit der Remscheider half, den anfänglich kargen Etat wirksam aufzubessern. (aus: „Remscheid so wie es war 2“, von Dr. Gerd Courts, erschienen im Droste Verlag, Düsseldorf, im Jahre 1978.)

Wochenrückblick vom 15. bis 21. Juli 2019