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Klärchen un de Wahl-o-mat

Bald ess ett wiar sowieat. De nieu Bundesdag wüard gewählt un mett emm en nieu Kanzler odder Kanzlerin. Dat Merkelsch, Angela hätt joo nu de beste Tied henger sech. Vleits giat ehre Mundwenkel in de Rente joo och wiar no owen.

Sie hätt joo och in letzter Tied enn schwierig Amt jehatt. So föll ess passiert. De Pandemie hüart nett opp, iane Welle no de angeren. De Impfmoral hätt joo och nohgeloten. Dann datt Huohwater im Julli  De armen Lütt die Hab und Gut verloren hangk. Unn de Ongerburg hätt ett och wiar erwischt, wie früher. Mian Ur-Großmuoder vam Hotel „Zur Post“ in Burg die och Klärchen hiat, hätt emer gesait, biam Huohwater mütten de Hippen opp en Uoler. Unn datt woar früher an de Ongerburg so tweimol emm Joar. Die woaren datt gewengkt.

Dann hätt datt Merkelsch noch dat Afganistan am Hengerschen. Datt hätt joo och nitt su akerat geklappt, wie sech de Poletiker datt füargestollt hann. Datt ess hütt en Weilt, do wüard ianem Angst und Bange. Ech hann schon gar kiane Lust en Fernseher aantemaaken un miar die Kalleroden van denn Tagesschau un Aktuelle Stongk aan te kieken.

Un öm vierel noh aite, do brengen see noch opp de Hüppe dropp en „Triell“ van de Kanzlerkandidaten un -Kandidatinnen. Ech hann iarscht gedeit, die hangk sech verschriewen. Nee, do sooten se, de Laschets Armin, de Schulzens Olaf un dat Baerbocks Annalena.

Watt makt man nu, wenn man sech nitt entscheiden kuan. Man frocht enn Wahl-o-mat. Datt han ech och gedonn. Fluks in datt Enternet un enn paar Frogen beantwortet un dann wiat ech, ja watt nu, datt ech de „Griesen“ wählen sual. Wer send dann de „Griesen“. Ech wuast garnech datt die och enn Partei hangk. Van de Hoor her küan ett jo passen, ewer ett giat joo nit no de Hoor sondern no de Poletik.

Noo joo, ett ess jo noch watt Tied. Kugelschriewer un sonn Tüch hangk ech joo nu schon reichlech. Enn allen Farwen, schwatt, ruoat, grüan usw.

De Kuvertswahl-Ongerlagen liagen och schon do. Wählen donn ech opp jeden Fall, och de Kaal. Man kann datt joo nech denn angern öwerloten wie datt en de Regierengk wigger gonn soll. Ewer ech wiat watt ech nitt wähl, ewer datt verrat ech önk nech. Datt muat jeder för sech selwer entscheiden.

Hauptsach man giat öwerhaupt wählen.

Bös Strackes önker Klärchen

In Deutschland wurde aus dem Hobby ein Beruf

Auf ihrer Homepage stellt sich die Firma Kramp & Kramp GmbH & Co. KG aus Lemgo-Lieme, Kreis Lippe, als „Altbauspezialist für innen und außen“ vor für innen und außen. Und „Haus Cleff“, das Rokkoko-Bürgerhaus neben dem Deutschen Werkzeugmuseum, wird als eines ihrer gegenwärtigen Projekte vorgestellt. Da gibt es für die Restaurateure für Fachwerk, Dachstühle, Fenster, Türen und Treppen in der Tat derzeit viel zu tun. Und einem Teil der Fassade sieht man heute schon nicht mehr an, dass das Doppelhaus schon 1778/79 errichtet wurde.

Beteiligt an der Sanierung Farhad Nazari (41). Der Iraner kam vor drei Jahren als politischer Flüchtling nach Deutschland. Auf die Anerkennung seines Asylantrages wartet er heute noch – im Gegensatz zu Ehefrau und Kindern; bei ihnen war die Justiz schneller. Was Farhad Nazari als Holzschnitzer an Haus Cleff geleistet hat, hat er dem Waterbölles gezeigt. An erster Stelle sind da die morschen Teile der hölzernen Elemente über den Eingangstüren zu nennen. Die ersetzte er durch exakte Nachbildungen aus gesundem Holz. Da kam es auf eine ruhige Hand und ein gutes Auge an. Ergebnis: Eindrucksvoll! Dabei ist Farhad Nazari gar kein gelernter Holzschnitzer, wie er dem Waterbölles erzählte, sondern das war in seiner Heimatstadt Teheran sein großes Hobby in der Freizeit. Tagsüber arbeitete er als Verkaufsleiter in einer Firma für Medizintechnik. Dass aus  dem Hobby in Deutschland ein Beruf wurde, wertet Farhad Nazari als gutes Zeichen für die Zukunft.

Aus der Jubiläumsschrift der Buchhandlung Schmitz 1950

von Dr. Wilhelm R. Schmidt

Liebe Lennepfreunde,
jeder von uns kennt noch die Lenneper Buchhandlung Schmitz; der Name existiert ja noch im Zusammenhang mit der jetzigen Bergischen Buchhandlung. Aber nicht alle Lenneper wissen, dass diese Buchhandlung in besonderer Weise zum alten Lennep gehört. Anfang der 1960er Jahre war Gertrud Schönenbach, geb. Schmitz oft mit einem Büchertisch bei Lenneper Veranstaltungen präsent, und ich erinnere mich noch, dass ich bei einer solchen Gelegenheit im heute nicht mehr vorhandenen evangelischen Gemeindehaus an der Hardtstraße das Buch "Der Mann im Fisch" des Schriftstellers Stefan Andres bei ihr erstanden habe. Das Buch steht noch heute in meinem Bücherschrank.

Aber auch an die Schwester Irmgard Schmitz kann ich mich noch erinnern. Sie verkaufte mir vor nunmehr mehr als sechzig Jahren im Geschäft an der Wetterauer Straße meine ersten Schulbleistifte. Damals war das Geschäft dort trotz der großen Schaufenster eher ein dunkles Verlies mit Theke und einer separaten Abteilung für Schreibwaren. Als ich im Jahre 1961 von Pfarrer Spengler konfirmiert wurde, erhielt ich selbstverständlich auch von der Buchhandlung Schmitz einen "Blumenstock" mit Gratulation. Weil das die Jüngeren unter uns u.U. nicht mehr so wissen: ein Blumenstock ist gemäß Duden eine Pflanze, die in einem Blumentopf wächst. Übrigens war für den Konfirmanden das Schlimmste an solchen Geschenken, dass man sich dafür persönlich bedanken musste.Später wurden in Buchhandlung Schmitz meine Lennep-Bücher vorgestellt und verkauft. Im Remscheider Generalanzeiger hieß es zum Schluss: Die seit 155 Jahren bestehende Buchhandlung R. Schmitz wird weitergeführt. Den Fortbestand des Traditionsgeschäfts in der Lenneper Altstadt sichert die Bergische Buchhandlung, die den Betrieb übernommen hat. Ihren 100. Geburtstag feierte die Buchhandlung Schmitz im Jahre 1950. In ihrer Jubiläumsschrift hieß es damals:

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Wasserrutschbahn am Bollerhammer war die Attraktion

Der große Obergraben an der Morsbachtalstraße in der Gerstau - seit Jahren zugeschüttet und inzwischen ein Gewerbegebiet. Sammlung: Paul Bulangvon Günther Schmidt

Der alte Pferdeteich in der Gerstau entlang der Morsbachtalstraße ist völlig verschwunden. Er war der Obergraben für die Gerstauer Mühle und die Gerstauer Hämmer. Da er so nah an der Morsbachtalstraße lag, wurden hier immer die Pferde getränkt. Gegenüber ist aber noch die Haltestelle mit Wartehäuschen der Ronsdorf-Müngstener-Eisen­bahn, Station Gerstau, zu erkennen. Frau Flüs, die noch am Bollenhammer wohnt, wusste als Zeitzeugin noch aller­hand zu erzählen: "1948 sind wir erst hier runter gezogen. Da war der Teich bereits zugeschüttet. Ich weiß aber noch, wie ich tagelang am Teich gesessen habe und von den Lkw-Fahrern, die dort abkippen wollten, die Gebühren kassierte. Denn ein gewisser Herr Lohmann als neuer Besitzer der Parzelle konnte nicht schwimmen, und deshalb war es ihm egal, ob der Teich zugeschüttet wurde oder nicht. Der erste Hammer wurde umgebaut zum Wohnhaus; der zweite Hammer stand nicht mehr.“

Unfall in der Gerstau: Eine Straßenbahn ist im Obergraben gelandet. Foto :Archiv Stadtwerke

1867 wird das Hammerwerk am großen Bach von Johann Peter Ibach mit 12 bis 15 PS erwähnt. In einer Katasterzeichnung, die sich im Besitz von Frau Flüs befindet, ist 1880 als Inhaber Carl August Picard genannt, der eine Lokomobile einbauen will. Es ist der gleiche Carl August Picard, der später in der Hasteraue seine große Firma aufbaute. Um 1900 wurde der Hammer in einen Schleifkotten umgebaut und später zum Wohnhaus umfunktioniert.

1824 wird zum ersten Mal der zweite Hammer, der "Bullerhammer", namentlich genannt. Die Schreib- und Sprachversion verändert sich um 1820 („Bullenhammer“),um 1829 als Bollerhammer seinen letzten Namen zu bekommen. Der kleinere Hammer stand bis 1925 und diente noch als Knochenmühle für die Gebrüder Müller in der Gerstau. In der Steuerliste 1895/98 erscheint Ferdinand Flüs als Fabrikant und Wirt, 1908 Heinrich Kronenberg als Restaurateur und Eigentümer, dann wieder 1915 Ferdi­nand Flüs zu Remscheid.

Gondelteich am Bollerhammer. Links die mit Segeltuch überspannte Schiffsrutschbahn, rechts der hölzerne 'Sichtschutz' gegen den Konkurrenten. Foto: Erich KahlDer Bollerhammer gewann seine Berühmtheit aber erst durch die Schiffsbahn und die anschließende Achterbahn, die von der Kratzberger Straße oberhalb des Teiches kommend eine einzigartige Attraktion darstellte. Siegfried Horstmann hat in seinem Buch "Von Bergischen Menschen und den Stätten ihrer Arbeit" sehr authen­isch geschrieben, was damals ablief. Damals, um 1900. hatte der Hammerschmied Ferdinand Flüs gerade den Bollerhammer gepachtet mitsamt Teichflächen und Umland. Er sinnierte schon lange, wie er schneller Geld verdienen könnte, als es mit dem Hammer möglich war. Auf der Industrie- und Gewerbeschau 1902 in Düsseldorf war dann die Idee geboren, denn es befand sich dort eine Wasserrutschbahn. Ein großes Schiff für 42 Personen, Drahtseile und Gerüste waren die Grundlage für das Vorhaben am Hammerteich. Die Voraussetzungen waren gut, denn der Waldhang unterhalb der Kratzberger Straße hatte die richtige Neigung, der Hammerteich war auch schon da, und nach dem Kauf mit 18 000 Goldmark (zu damaliger Zeit zwei Einfamilienhäuser!) konnte das Unternehmen starten. Eine Schneise gerodet, ein Motor mit Drahtwinde (Strom kam vom Wasserrad am Hammer), ein paar Treppen, ein Kassenhäuschen und die Schienenverlegung: Fertig war die bis dahin größte Attraktion im Bergischen Land. Es folgte die behördliche Abnahme, die Freigabe, und mit einem großen Fest startete die Bahn zum ersten Fahrvergnügen. Das Gartenrestaurant Flüs mit den angeblichen 2.000 Plätzen drinnen und draußen war an diesem Tag dank des herrlichen Wetters proppenvoll. Als der Schüttjunge das Wasser über das Wasserrad des Bollerhammers laufen ließ, regte sich die Elektrik. Das Seil spannte sich und zog das Schiff den Hang hinauf. Großes Gedränge war am Kassenhäuschen, denn jeder wollte der erste sein ...

Dann löste sich die Kupplung, und 42 Touristen sausten den Abhang herunter. Das Schiff wurde immer schneller, bis es mit einer Riesenfontaine ins Wasser fuhr. Was nun kam, hatten weder Flüs noch die Terrassengäste erwartet, denn die Gischt verwandelte alle Schreckens-schreie in dumpfes Gurgeln. Es dauerte eine gewisse Zeit, bis die Jungfernfahrer und -fahrerinnen sich artikulieren konnten, denn es hatte keiner mehr etwas Trockenes am Körper. Die Beobachter des Szenarios hielten sich vor Lachen die Bäuche und kniffen verstärkt die Beine zusammen. Die Schlange der Kassensteher löste sich umgehend auf, als wenn nie jemand die Absicht gehabt hätte, einmal abzufahren.

Ferdinand Flüs reagierte schnell und baute einen großen Gartenschirm auf das Schiff, um das meiste abzuhalten. Er kam aber nicht umhin, das ganze Schiff mit Segeltuch einzupacken, um trockene Fahrgäste zu gewährleisten. Danach ging es viele Jahre blind den Hang herunter. Die Wasserrutschbahn wurde ein voller Erfolg und rechnete sich. Das Gartenrestaurant war an Wochenenden immer voll, nur hatte das Ganze einen Haken: Neider. Die Gastwirtschaft Schlieper direkt gegenüber auf der Cronenberger Seite wollte auch partizipieren an der Attraktion. Nach langen Überlegungen brachte der Wirt ein großes Schild an auf dem er "den besten Blick auf die Wasserrutschbahn" anpries, und setzte gleich­zeitig Gartenstühle und Tische vor seine Restauration.

Nach der Wasserrutsche  kam die Rodelbahn. Foto: Rudi ReneltDoch Flüs wollte keinen Kunden abgeben. Er stellte fest, dass sein Kontrahent die Stühle und Tische auf Flüs'schem Grund und Boden aufgebaut hatte und ließ sie sofort entfernen. Doch nun entbrannte ein Kleinkrieg, denn Schlieper bestellte Zimmerleute und ließ eine geräumige Veranda an seiner Gaststätte anbauen. Flüs wusste sich kurzerhand zu wehren und baute auf seinem Gelände am Schlieper'schen Ufer einen riesigen Bretterzaun (siehe vorige Postkarte) auf, um die Einsicht zu verwehren. Somit waren das Schild und die Aussicht für Schlieper bedeutungslos geworden.

Zehn Jahre war das Schiff die Attraktion im Tal, dann wurde es ruhiger. Flüs verpachtete, und sein Nachfolger machte sich Gedanken, wie er neues Leben ins Tal bringen kann. Sein Sohn brachte ihn auf den Gedanken, eine Rodelbahn am Berg zu bauen. Er kramte alle Ersparnisse zusammen, bestellte Zimmerleute und ließ eine abenteuerliche Rodelbahn bauen. Die Rodelfreude dauerte leider nur 14 Tage, denn die Polizei erklärte die Anlage für lebensgefährlich und ließ sie schließen. Der Nachfolger von Flüs war somit pleite und zog vom Clemenshammer weg. (Aus: Hämmer- und Kottenforschung in Remscheid – von Gerstau bis Haddenbach –, herausgegeben von Günther Schmidt.. Mit Textkürzungen)

Do song och molls en Naitegall em Bosche en den Strüüken

 

Die Moaschbeck

Et liét en Höffken an derr Beek
dat kann ech nit vergeten.
Wo ech ming Jugend hann verlewt,
oft an derr Beek geseeten;
do woaren vir binie´n
on hi´elen all opi´en.
Et liét en Höffken an der Beek,
dat kann ech nit vergeten.

Denn en demm Höffken wonnden ech
met miener guoden Muoder.
Ha nee,wat woar ech ömmer flöck,
wenn ech geng noam Uoler.
Ech schli´ep die ganze Nait
On hann an nix gedait.
Et liét en Höffken an der Beek,
dat kann ech nit vergeten.

Wenn ech an dat Schmettschen denk,
wo ech mien Bruod verdennden,
ech derekt ming Uogen senk
on denk an all die Li´eder,
die ech do emmer song,
wenn ech am Ammelt stong.
Et liét en Höffken an der Beek,
dat kann ech nit vergeten.

Wenn nu der Fasselowend kom,
dann woar märr emmer heiter.
Märr deär sech aan dat äulste Krom
On en papier´n Gese´ite.

Die Blagen schrouen dann:
"Nu kiekend es,wat´n Mann!".
Et liét en Höffken an der Beek,
dat kann ech nit vergeten.

Do en demm Höffken wuod geschmett
die Schöppen en demm Schmettschen
en denn Hemern wuod gebredd -
doch jetzt bloß noch en bettschen.
Wat di´et mir dat su wi´eh,
märr hüöt fast gar nix mi´eh.
Et liét en Höffken an der Beek,
dat kann ech nit vergeten.

Datt Höffken li´et su nett em Daal,
su friedlech on su heiter;
Wenn ech et senn van wiedem aan, wüöd trübe
mien Gese´ite.
Ming Fröng, die fall´n mir wiér enn,
die ech nit mi´eh kann senn.
Et liét en Höffken an der Beek,
dat kann ech nit vergeten.

Do song och molls en Naitegall
em Bosche en den Strüüken.
Märr leit sech dann oft an denn Damm
On huot die Naitegall tüten.
Tiu, tiu, tiu.
Nu segg es,wat macks du.
Tiu, tiu, tiu, tiu,
tiu, zig, piep, tiu.

(Aus „Die Morsbach, Hämmer- und Kottenforschung in Remscheid“ von Günther Schmidt, einem 1999 erschienenen Bildband zum 630-jährigen Bestehen einer der ältesten Remscheider Hofschaften. Mit freundlicher Genehmigung des Autors.)

"Peter zu den Hasten" betrieb die Mühle als erster

Gerstauer Mühle links (Sammlung Rudolf Renelt)

Von Günther Schmidt

Es geht zwar ein Wanderweg am Wuppertaler Hang vorbei Richtung Gerstau, aber auf diesem hat man keine Chance, die Hasterauer Hämmer und Kottenstandorte zu betrachten. Also bewegen wir uns vom Bergerskotten die letzten 200 Meter bis zur Gerstauer Mühle an der Morsbachtalstraße entlang. An der Kreuzung angekommen sind es dann nur noch ein paar Schritte nach links und schon ist der Blick frei zur ehemaligen Gerstauer Mühle. Die äußere Erscheinung des Hauses ist noch vollkommen erhalten und mit etwas Fantasie und zugehörigen historischen Bildern kann man schnell erkennen, dass hier in früheren Jahren ein Müller hart gearbeitet hat. Gerstau ist schon seit dem 15. Jahrhundert bekannt, denn gegen Ende des 15. Jhdt. hatte man auf dem rechten Morsbachufer durch Erbteilung ein Stück des Hofes Kuchhausen (Kirchspiel Cronenberg) abgesplissen und bebaut. Im 16. Jahrhundert befand sich hier die Wohnung und die Werkstatt eines Messermachermeisters, und im 17. Jahrhundert gehörte ein Wasserhammer dazu.

Der auf dem linken Ufer des Morsbachs gelegene Teil der Gerstau gehörte ursprünglich zum Hof Hasten, dem "Obersten Hasten". 1554 ist die erste Erwähnung der Gerstauer Mühle, die zu diesem Zeitpunkt von "Peter zu den Hasten" betrieben wird. Wahrscheinlich wohnt in der Mühle ein Mahlknecht. Dass die Mühle voraussichtlich wesentlich älter ist, sagt uns eine Rechnung von 1425, in der ein Mühlenbesitzer Peter Hasten erwähnt wird. 1507 wird die Aue auch erstmalig amtlich erwähnt, denn um diese Zeit zerfiel die Aue in einen Cronenberger und einen Remscheider Teil. Im Hofverzeichnis von 1369 wird der Ortsteil Aue oder Gerstau noch nicht genannt. Man geht davon aus, dass der Name Gerstau von einem ehemaligen Gerstenanbaugebiet herrührt. Als Wohnort wird die Gerstau jedenfalls erst 1666 erstmalig erwähnt.

Die Mühle und die späteren Hämmer bekamen das Wasser aus einem gemeinsamen Teich. Der begann etwas unterhalb des Bollenhammerteiches und zog sich als immer breiter werdender Obergraben unter der Straße nach Cronenberg hindurch bis zu den Hämmern hin. Überliefert ist in diesem Zusammenhang der Name "Pferdeteich", weil dort wohl die durchziehenden Liefergespanne getränkt wurden. Diese Mühle gilt als die wohl älteste "freie Mühle" im Remscheider Raum; frei deshalb, weil die meisten Mühlen als Zwangsmühlen einer Herrschaft geführt wurden und die Bauern nur dort mahlen lassen durften. Peter Hasten lieferte in den Jahren 1428 bis 1430 einem Kölner Pferdehändler "van Nuyß" Hafer und Stroh; so belegen es einige alte Rechnungen. Somit muss man davon ausgehen, dass der Ursprung der Mühle sicherlich um 1400 oder noch davor liegt. Die Mühle war zuletzt mit einem oberschlächtigen Wasserad und zwei Mahlgängen versehen und hatte besondere Wasserrechte, die wahrscheinlich auf das uralte Privileg zurückzuführen sind. Die Mahlgänge konnten aber nur wechselseitig betrieben werden. (Eine noch ältere Mühle stellt im Eschbachtal die Burger Kameralmühle dar, die als eine Zwangsmühle bereits ab 1100 n. Chr. geführt und nachgewiesen wird.) Die Bauern der Umgebung, selbst die von den Höfen Süd-Cronenbergs, ließen in der Gerstauer Mühle mahlen. Ihr gehörte vertraglich geregelt im Herbst sechs Wochen lang die gesamte Wassernutzung, wobei während dieser Zeit die Hämmer still lagen.

Gerstauer Mühle links als Fachwerkbau (Postkartenbörse)1554 gehörte die Mühle einem Peter zu den Hasten. Ein Jahr später ist Gerhard vom Hasten als neuer Besitzer benannt und zahlt eine jährliche Abgabe von einem Malter Roggen. 1618 wird als Pächter der Hans Müller zu den Hasten erwähnt. Als neuer Besitzer ist Hermann in den Hasten genannt, der 1623 angeblich auch den 1.Wasserhammer am Teich besitzt. Bis 1675 wechselt der Inhaber erneut, denn Jacob Pieper hat die Mühle an Clemens Böcker vom Büchen verpachtet. 1692 berichtet der Burger Kellner Francken von einer Mahlmühle zu Gerstauen. Die Erben Pieper (Pfeiffer) erscheinen 1703 in einer Elberfelder Aufzeichnung, wobei immer noch als Pächter der Clemens Böcker aufgeführt ist. Nach einer Erbteilung werden 1704 Friedrich und Johann Pfeiffer sowie Peter Halbach und Frau Elisabeth geb. Pfeiffer zu gleichen Teilen genannt. Pächter ist Böcker.

Im Jahre 1711 verkaufen die Erben Pfeiffer die Mühle an Johann Schlieper in der Mebusmühle, wobei der Pächter immer noch Clemens Böcker ist. Ein sehr schneller Entschluss, oder nur Gewinnstreben bewegte den Johann Schlieper, bereits ein Jahr später die Mühle an Clemens Böcker zu verkaufen. Anton Böcker als Sohn wird 1740 als neuer Besitzer genannt. (…) 1764 erscheinen als Erben von Anton Böcker die minderjährigen Kinder. 1790 sind es die Erben des Engelbert Böcker. 1802 wird die Mühle von den Erben Engelbert Böcker an die Eheleute Wilhelm Benninghoven und A. Christa Krämers für 5050 Reichsthaler verkauft. 1810 ist sie in Alleinbesitz von Anton Benninghoff. Im Remscheider Mühlenkataster von 1829 wird die Mühle mit einem oberschlächtigem Wasserrad und zwei Mahlgängen erwähnt, die nur wechselseitig in Betrieb genommen werden können. 1853 wird ergänzend berichtet, dass dieser "Oberschläger" neun Fuß Gefälle hat. Die Getreidemühle des Wilhelm Benninghoven zu Gerstau mit 12 - 15 PS ist im Elberfel­der Lagerbuch 1867 verzeichnet.

1874 ist als neuer Besitzer ein Fritz Benninghoven eingetragen. Durch Heirat mit einer Benninghoven-Tochter kommt die Mühle in den Besitz von Justizrat Krey, dann durch Erbgang an Frl. A.Schlinkert, die sie um 1930 veräußerte. 1936 wurde die Mühle an eine Familie Brenning mittels eines Lotteriegewinnes abgegeben. Im heutigen Zustand präsentiert sich das alte Mühlengebäude als Wohnhaus. Der Teich ist zugeschüttet und wird als Wiese genutzt. Das Fachwerkgebäude ist mit Schiefer verkleidet und in einem recht guten Zustand. Der Name Benninghoven spiegelte sich noch bis in das Jahr 2000 am Ort wieder, denn die Wirtschaft an der Haltestelle wurde bis dahin von Frau Kofferschläger geb. Benninghoven geführt. (Aus: Hämmer- und Kottenforschung in Remscheid – von Gerstau bis Haddenbach –, herausgegeben von Günther Schmidt)

Zu Lenneps schrägen Typen gehörte auch das Bübchen

von Dr. Wilhelm R. Schmidt

Liebe Lennepfreunde,
die Lenneper Geschichte kennt neben mittelalterlichen Sagen auch zahlreiche Erzählchen von markanten Originalen oder schrägen Typen. Die Palette reicht von tragikomischen Schnapstrinkern, geschäftstüchtigen Fettsäcken und trickreichen Geldfälschern bis zu eigenartigen Söhnen aus gutem Hause und populären Ärzten: : der Apel-Apo, der Kutz-Jakob, der Ratten-Daniel, der Schnidder Halsöverkopp, der Mehl-Johann, Vatter Busatis, Bennad (Bernhard) Funnemann, Max und Moritz, Verleger Peter Hackenberg, die Mattkadetten (Marktkadetten), Wirt Käp Sackermann, Wirt Pe Zipp, der Spey-Ambros Strohn, der dicke Evertsbusch, der alte schöne Jüngling Strohn, der Polizeikommissar Frohnert, der Wirt Hermann (Plack) Windgassen, der Wirt Pimm Ruwiedel, der Geld fälschende Brezelbäcker, Kreiswundarzt Dr. Himmelreich, der ordentliche Fabrikant Grüderich, der Apen-Matthei, die "schönen" Leute aus der Splittergass, der Lehrer Knipp-Tacke, der alte Tacke von der Droatmühl, Dat Schlüffken, das Schneiderlein aus der Kronenstraße, die Fusel-Freunde, Adolf Hasselkus, der Finken-Johann, Oma Rös, der Schmettenknösel und die Räuberbraut, Heino der Drömer (Träumer) und der Musikvirtuose Rodenbusch vom Stahlfeld.

Zu den "Lenneper Originalen" zählt auch ein vor mehr als einem Jahrhundert in Lennep sehr bekannten Mann, man nannte ihn den „Bubi“ oder das „Bübchen“. Ihm hätte man es in seiner Jugend sicherlich nicht zugetraut, dass er sich in seinen reiferen Jahren zu einem stadtbekannten Unikum entwickeln würde. Er verpflichtete sich nach der Musterung im "Kölner Hof" für den Wehrdienst, für zwölf Jahre „bei den Preußen“ zu bleiben.

Als sog. „Zwölfender“ kam er danach Lennep stramm, kerzengerade und mit einem langen Schnurrbart versehen zurück. Weit hatte er es bei den Soldaten in den zwölf Jahren jedoch nicht gebracht, und so trat er in seiner Heimatsstadt nicht –wie damals üblich- eine kleine Beamtenstelle an, sondern er begann in Lennep mit der ihm zustehenden Abfindung ein Leben im Müßiggang. Das Abfindungsgeld hielt es dabei in seiner Tasche allerdings nicht lange aus. Durch den übergroßen Durst des „Bübchens“ wurde es vielmehr meist schnell in hochprozentige Flüssigkeiten wie den "Braselmanns" aus Beyenburg oder den "Fengersch" von der Kölner Straße umgesetzt. So hatte sich die Polizei mit ihm öfters zu befassen, und er übernachtete zur Ausnüchterung hin und wieder in den Zellen des Kreis- oder Ortsgefängnisses. Immerhin wurden „ihm zu Ehren“ später mehrere Ansichtskarten produziert, auf denen er als Lenneper Original abgebildet ist. Auf dem Bild oben ist  der "Bubi" als zweiter von links mit einer großen Schnapsflasche und einem Glas in der Hand über der Lenneper Altstadt. Sozusagen darüber erhoben und beflügelt sitzt er dort in einer Mondsichel und ist vielleicht von dort schon auf der Reise in die Ewigkeit.

Ob die Lenneper ihn aber ewig in ihrem Gedächtnis haben werden, das ist eher ungewiss. Bei meinen Stadtführungen zum Thema "Lenneper Originale" traf ich durchaus selten auf Zeitgenossen, die sich noch an ihn erinnern konnten.

Broschüre über ungewöhnliche Freundschaften

Pressemitteilung des Caritasverbandes Remscheid e.V.

Zum Internationalen Tag der Freundschaft am Freitag, 30. Juli, veröffentlicht die Kampagne Vielfalt. viel wert. des Caritasverbands Remscheid die Broschüre „Wir sind ziemlich beste Freunde“. Remscheid bietet Menschen aus über 100 Nationen eine Heimat. Mit 39 Prozent migrantischer Bevölkerung ist sie eine der Städte, die sich vom landesweiten Durchschnitt absetzt. In den vergangenen 70 Jahren zogen Vertriebene aus Ostpommern und Schlesien ebenso nach Remscheid wie Italiener, Spanier und Türken, als es darum ging, die absehbaren Arbeitskraftlücken zu schließen. Flüchtlinge aus der Zeit der Balkankriege fanden in Remscheid ebenso Schutz wie in jüngster Zeit Menschen aus Afghanistan, Syrien oder Eritrea.

Eine Freundin, einen Freund zu haben, ist ein großes Glück, da waren sich alle Freundschaftspaare einig. Wir sollten mehr Freundschaft wagen im Miteinander, dazu will das Projekt „Ziemlich beste Freunde“ ermutigen. Es gibt dabei viel zu entdecken. Dass dann Vorurteile verschwinden, ist eine beabsichtigte Nebenwirkung.

Für das Projekt wurden Freundinnen und Freunde gesucht, die bereit waren, ihre Geschichten zu teilen. Im Fokus standen dabei vor allen Dingen Menschen, die sich durch Unterschiede nicht davon abhalten ließen, mit dem/der Anderen in Kontakt zu treten, sich zu interessieren, zu öffnen. Nicht selten wurden aus anfangs asymmetrischen Konstellationen Beziehungen auf Augenhöhe und daraus schließlich Freundschaften.

Dass das Zusammenleben in Remscheid, aller kleiner Störfeuer zum Trotz, recht gut funktioniert und Verwerfungen, wie wir sie aus anderen Städten kennen, nicht vorkommen, deutet darauf hin, dass die Menschen in der Stadt nicht nur nebeneinander leben, sondern auch miteinander, und dass viele Menschen einander Freund oder Freundin geworden sind.
Die Broschüren liegen ab Freitag, 30. Juli, an folgenden Orten in Remscheid zur kostenfreien Abholung im Caritasverband Remscheid e.V., Blumenstr. 9; Lotsenpunkt Lennep, Kölner Str. 3; Neuen Lindenhof, Honsberger Straße 38; Kaufhaus, Markt 17, bereit.

Von einem Zwicker und der Uhr, die 13 schlug

Dewr Zwicker oder auich Kneifer. Foto: Wilhelm R. Schmidtvon Dr. Wilhelm R. Schmidt

Liebe Lennepfreunde,
gerade habe ich bei Apollo-Optik rund zehn alte Brillen für Afrika abgegeben. Die meisten Optiker machen das ja nicht mehr, weil es ihnen zu viel Aufwand bedeutet. In der Kommode fand ich dabei noch eine alte "Lennepensie", nämlich einen "Kneifer" oder "Zwicker", wie man vor hundert Jahren sagte. Das optische Stück behufs besseren Lesens befand sich in einer kleinen Lederschatulle von "Uhren Koll". Das Geschäft gibt es ja heute noch am Alter Markt in Lennep, und ich erinnere mich, in meiner Jugend oft das Fenster der Werkstatt geschaut zu haben.

Auf der Saffian-Leder-Schatulle, die innen mit blauem Samt ausgeschlagen ist, steht geschrieben, dass das Geschäft im Jahre 1820 gegründet wurde. Den "Kneifer" trug ich übrigens zum letzten Mal in der alten Lenneper Gaststätte "Dorp" an der Kölner Straße, wo meine älteste Cousine einmal in der Karnevalszeit ihrem 85. Geburtstag feierte. Dass ist nun auch schon wieder eine Zeit her.

Aus dem Hause Rudolf Koll gibt es übrigens auch noch eine alte Standuhr in meinem Haushalt, auf deren Rückseite die Uhrmacherzeichen mehrerer Meistergenerationen mit dickem Bleistiftstrich vermerkt sind. In meiner Familie erzählt man sich, dass diese Uhr vor vielen, vielen Jahrzehnten um Mitternacht plötzlich dreizehn Mal schlug, um dann beim nächsten Mal gar nicht mehr aufzuhören. Der aufgebrachte Großvater half sich nach der Überlieferung damals damit, dass er mit dem Küchenmesser das Uhrengewicht von sieben Kilo abschnitt, was im großen Eichengestell der Uhr dann entsprechende Folgen hatte. Also musste damals Uhrmacher Rudolf Koll zum Mollplatz kommen… Geschichte, Geschichten, die Lenneper Geschichten gehen nicht aus.

„Hoch die Tassen“, bevor 1866 der Kirchbau begann

Albert Schmidt: Skizze des Kleinen Johannisberg auf dem Bauplatz der Katholischen Kirche in Lennep. 1864/1865. Der Gründer des kurzlebigen Restaurationsbetriebes mit Tanzsaal und Kegelbahn war Franz Egon Plöttner, wie Albert Schmidt ein Schwiegersohn des Firmengründers Friedrich Haas. Schneller als von Plöttner erwartet kam das Geld für die Errichtung einer Kirche auf dem Grundstück seines Schwiegervaters zusammen und das Etablissement musste weichen. Zeichnung: Privatbesitz. von Dr. Wilhelm R. Schmidt

Liebe Lennepfreunde,
Am Anfang der sechziger Jahre des 19. Jahrhunderts war am politischen Himmel ein neuer Stern aufgegangen, ein gewaltiger Geistesheros hatte die Zügel der Regierung erfasst, er hatte sich die Aufgabe gestellt, Deutschland durch eine Politik von Blut und Eisen auf die eigenen Beine zu stellen. Der dänische Krieg war der Anfang einer beispiellosen Epoche von Kämpfen gegen alle, die der Einigkeit Deutschlands widerstrebten, sie endete mit dem wieder erstandenen Deutschen Reiche nach den großartigen Siegen von 1870-1871. Im Frühling des Jahres 1864, nach der Beendigung des dänischen Krieges, war auch in Lennep ein neuer Geist erwacht, man fühlte auch dort das Herannahen einer neuen Zeit. Ein gewisser siegreicher Optimismus ergriff die Gemüter, und der Unternehmungsgeist erwachte. Die katholische Kirchengemeinde wollte eine neue Kirche erbauen, man hatte einen Bauplatz erworben am Schwelmertor, es war der Thüringsche Garten, der auf einem Hochplateau etwa fünf Meter über der Straße lag. Ein schmaler Weg führte von der jetzigen Hardtstraßenecke an der Straßenböschung hinauf zum Gartentor. Es war ein schöner herrschaftlicher Garten mit großen Bäumen, Rasenplätzen, Gemüse- und Blumenbeeten, verschiedene Naturlauben boten lauschige Sitzplätze.

Da noch nicht genügendes Baukapital vorhanden war, so wurde der Garten vorläufig an den Besitzer der oberhalb liegenden Maschinenfabrik Haas vermietet. Eine Tochter des Anmieters hatte den Apothekengehilfen F. Plöttner geheiratet, und da das Gehalt für die Gründung einer Familie nicht ausreichte, wurde eine Wirtschaft mit Bäckerei angekauft. Der Apotheker wurde Bäcker und Wirt und gründete in dem alten Lokal vor der damaligen Bürgerschule, dem späteren Bezirkskommando, das „Gemütliche Hüttchen“, in Dem bald ein reger Verkehr herrschte, da der frühere Apotheker es verstand, jedes Unbehagen durch ein paar Tropfen in das Likörgläschen zu beseitigen. Der Optimismus war ein Hauptcharakterzug unseres Apothekerwirts, er hatte eines Tages von den Kirchengrößen gehört, es würde noch zehn Jahre dauern, bis die Kirche erbaut werden könnte, und daher fasste er den genialen Plan, den Garten des zukünftigen Kirchenbauplatzes, der sehr schön gelegen war, zu einer Sommerwirtschaft einzurichten. Die Einrichtungen würden sich dort so gut rentieren, dass bis zum Kirchenbau ein Vermögen verdient werden könne.

Zwei befreundete junge Bautechniker, die im Gemütlichen Hüttchen verkehrten, wurden zur Ausführung des Planes gewonnen und erbauten einen kleinen Gartensaal mit Veranda und Kegelbahn, eine Theaterbühne, im Garten einen Springbrunnen und einen Scheibenschießstand. Wein- und Bierkeller sowie ein kleiner Küchenraum wurden in einer dicht neben dem Gartensalon sich hinziehenden Böschung aus Erde und Rasen von unserem eifrigen Wirt persönlich hergestellt. Diese Räume waren in sehr einfacher Weise gestaltet, sie waren kühl und gleichmäßig temperiert, so dass Speisen und Getränke sich recht gut darin aufbewahren ließen. 

Mitte Juli 1864 war alles hergestellt, und die neue Gartenwirtschaft wurde unter dem Namen »Der kleine Johannisberg« eröffnet. An dem Eröffnungstage hatte die früher jährlich am Bonaventuratage stattfindende Prozession die Gemüter vorbereitet und viel Publikum aus der Umgegend herbeigeführt. Infolgedessen war der Garten am Nachmittag vollständig mit einheimischen und fremden Gästen gefüllt, es ging hoch her auf dem zukünftigen Kirchenbauplatz, und der Apothekerwirt strahlte vor Vergnügen. Er hatte unter einem großen Kirschbaum inmitten des Gartens einen Springbrunnen angelegt. Das Becken bestand aus der Hälfte eines großen Ölfasses, schön eingefasst mit Kohlenschlacken als Grottensteinen und mit Blumen. In der Spitze des Baumes war ein Wasserfass angebracht, aus dem ein dünner, doch genügend schöner Wasserstrahl in der Sonne prächtige Regenbogenfarben erzeugte. Ein Scheibenschießstand war eingerichtet worden. Zwei kleine Zündnadelbüchsen knallten den ganzen Nachmittag, und da jeder Schuss fünf Pfennige kostete, so konnte man eifrige Schützen hören, die mehrere Taler verknallten.

Aber es dauerte nicht lange, dass der Untergang des schönen Unternehmens kam, bevor die Anlagen überhaupt rentabel wurden. Die eifrigen Sammlungen der Lenneper Katholiken hatten bald so viel Geld zusammengebracht, dass im Herbst 1865 beschlossen wurde, mit dem Kirchenbau im Herbst 1866 zu beginnen, wie es dann auch geschah.
Nachdem die neue katholische Kirche errichtet war und schon einige Zeit bestand, zerbarst eines Tages mit einem Knall eines der Kirchenfenster zur Hackenberger Straße hin, und als der Pfarrer die Folgen des sogleich vermuteten Schusses näher untersuchte, entdeckte er am Altar in der hölzernen Figur eines Heiligen eine Luftgewehrkugel. Um den Urheber des Schadens zu ermitteln, verfolgte der Pfarrer nun aus der Sicht des getroffenen Heiligen den Weg der Kugel zurück und fand bald heraus, dass der Schuss im Kinderzimmer des Maschinenbauers Friedrich Haas gefallen sein musste. Bei dieser detektivischen Meisterleistung des Pfarrers half kein Leugnen, und die Täter waren entdeckt.

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De Kaal un de Hüöhner

Nieulech seet de Kaal: lott us wacker nom Köppelsti’en gong, do kann mer doch su schön dur den Bosch luoapen, un donoh kiaren wiar nom Göllenweäter Hoff in för enn anstendeg Meddacheeten in. Datt küanen wiar joo kuomden Sooterschdag maken, do soll dat Weeder fe’in werden. Te warm ess driete, te kauld och.

Watt wualst du noh demm Köppelsti’en, riekt datt nech dur denn Kriemelner Bosch te luopen. Datt Kiels, Klara hätt geschlooten. Bös man van do, nam Göllenweät geluopen ess, schreien de Huohneruogen Trara. Nä lott uss döckes nom  Möllersch, Attur goan. De hätt doch Huöhner un die hann Kückelschen un Tückelschen. Ech har doch su geärn enn paar Hüöhner för en anstendeg Früöhstöckseierker. Unn enn ordentlech Zoppenhuohn küönen wiar och noch mettnehmen. Enn Hüöhnerstall ess och schier tesamengeboaut.

Ming Muoder häss emmer Hüöhner jehatt. Sie seet emmer: Ett Kackeln alleng batt nit, et Huohn mott och Eierker legen.Unn schwatte Hüöhner legen uoch witte Eier. Kreht et Huohn on schwiegt derr Hahn, es märr em Huße uöwel draan.

Joo ist guat, sait de Kaal, dann huolen wiar ens en paar Hüöhner in denn Gaaren.

Am Sooterschag goan wiar nom Attur un holen vouf Kückelscher. Enn Zoppenhuohn hätt he och för uss, ganz belleg, ewer noch am lewen. Och datt makt de Kaal teheme färdech, sach ech zum Attur. Dat wüal he doch noch henkregen. 

Wiar teheme anjekuomen schick ech den Kaal in den Keller mett dem Hackmetz, damet ech hütt ovend noch enn ordentleche Hüöhnerzoppe ansetten kuan.

Ech kümmere mech dotüschen um die Kückelschen, damet die schier gruot werden un ordentlech Eierkes legen.

Ech woar schon langk wiar emm Huuße, do röppt de Kaal: Klärchen breng miar ess en Kloaren, ech kann datt Huohn nech duotmaken. Datt düart miar so liad. Ech kann demm nech strackes denn Hals affschnieaden.

Enn Stund hätt ett geduart, do kömmt de Kaarl peädsbesopen de Kellertrappe roppgeschooten.

Klärchen, datt Zoppenhuohn hängt ungen an de Wäscheling. Datt muss du dir selwer ropp huolen. Ech leg mech jetzt int Bedde. De halwe Pulle Kloaren han ech gebrukkt bes ech datt Dier gefangen har, un die anger halwe Pulle, bess ich ett duot har. Demnächst hollen wiar van dem Attur nur noch färdech geschlaitete Hüöhner. Ech bin doch kian Metzger, sagt he, un zoch aff ent Bedde.  

Nu stand ech do, emm kotten Hemd. Dat Huohn heng duot opp de Wäscheling und ech muot ett dann noch färdech makken. De Keller sog uut, als hätt de Stephan King in mianen Keller denn „Rasenmähermann“ nieu verfilmt. Bess ech datt wiar sauber han, duart ett bess ovends. Unn bess ech de Hüöhnerzoppe färdech har bess spätovends.

Ewer de Kückelscher hangk sech gut entwickelt un legen ordentlech Eierkes.

Bös Strackes önker Klärchen

„Mama, darf ich den Teller ablecken?“

Katharina Orbach:
 „Mama, darf ich den Teller ablecken?“
Bergischer Verlag, Taschenbuch, kartoniert mit Klappen | 172 Seiten | 15 Euro | ISBN 978-3-96847-011-5. (Nachdruck mit freundlicher Genehmigung des Verlags)

In der Reihe „Mein Bergisches Land“ ist im Bergischen Verlag ein weiterer Band erschienen. Darin erzählt Katharina Orbach von „einer Kindheit im Schatten des 2. Weltkriegs“: Anfang der 1930er Jahre kommt Hannelore im Kölner Stadtteil Humboldt zur Welt. Sie wächst wohlbehütet in einer liebevollen Umgebung auf. So gut es geht, versuchen die Eltern, die stetig anwachsende Gefahr, die vom Nationalsozialismus ausgeht, von den Kindern fernzuhalten.

Die unbekümmerte Kindheit endet jäh, als der 2. Weltkrieg ausbricht und das Leben am Rande der Großstadt immer gefährlicher wird. Hannelore und ihre Schwester kommen bei Verwandten in Gummersbach unter, wo die Welt scheinbar noch in Ordnung ist. Doch der Krieg verschont auch das idyllische Landleben nicht, und so brechen bange Zeiten für Hannelore und ihre Lieben an.

„Mama, darf ich den Teller ablecken?“ verknüpft die Erlebnisse des Mädchens Hannelore mit geschichtlichen Ereignissen. Inhalt: Im Jahr 2020 stellt die Corona-Krise die Welt auf den Kopf. Im Altersheim herrscht Ausgangssperre und auch Hannelore ist davon betroffen. Das allabendliche Telefonieren mit ihrer Tochter bringt den Stein ins Rollen: Hannelore erzählt, eins fügt sich zum anderen und wird zu einem Stück Lebensgeschichte. Aber auch zu einem Stück Zeitgeschichte, die vieles in ein anderes Licht rückt, als ihre Tochter sich jemals vorgestellt hätte. Eine Geschichte, an deren Anfang ein rätselhafter Unfall steht und die mit der Hommage an einen alten Herrn endet, der sich nach langen Irrwegen durch ein halbes Jahrhundert endlich in Deutschland „Monsieur Henri Haute“ nennen darf.