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Zur Diskussion gestellt: Spaziergänge in Stakelhusen (4)

Herr Schmidt, Stakelhusen, hat das was mit Stachelbeere zu tun? Nein, Stakel hat man als Palisaden zur Befestigung benutzt. Angespitzte Holzpfähle oder Staken, die man auch bei Schiffen auf den Kanälen sieht. Daher kommt dieses Stakel, das hat mit Stachel nichts zu tun. Und Stakelhusen ist auch falsch, das muss Stakesen heissen. Stakesen, das ist richtig Remscheider Platt. Nicht Stakelhusen. Wurden die Palisaden hier auch aufgestellt? Das war die Befestigung des Hofes gegen Übergriffe. Vermutlich aus dem 30jährigen Krieg oder früher. Das Hofgut war befestigt mit einem Wall und da oben drauf dann die Palisaden, die Staken. Und Stakelhusen war eine Hofschaft, so wie Remscheid überhaupt aus lauter Hofschaften entstanden ist.

Stachelhausen, das waren drei Hofschaften. Richtung Bahnhof. Da wo auch die Stachelhauser Straße ist, da war Kleinstachelhausen. Dann gab es noch Schmalhausen, ganz klein zwischen Kleinstachelhausen und Großstachelhausen. Und unterhalb der Schienen, also der Sekundärbahn, war dann Honsberg. Und am Kremenholler Kopf, wo die Denkerschmette ist, da unterhalb ist Kremenholl. Da wo das Alexanderwerk war? Ja, noch ein bisschen weiter. Das ist Stachelhausen. Ja dann ist das ja endlich geklärt.

Herr Schmidt, wann ist Stachelhausen entstanden? 1369. Nicht entstanden, aber registriert. Wir haben Dokumente aus der Zeit, wo alle Höfe im Raum Remscheid erfasst wurden. Denn Remscheid ist ja nicht von innen nach außen gewachsen wie andere Städte, sondern durch die Hofschaften. Die Hofschaften breiteten sich immer weiter aus und sind dann bis hoch zum Frohnhof hingewachsen, da wo heute unsere Stadtkirche ist. Da gab es ein Ober- und ein Unterdorf. (…) Unterlagen und Dokumente darüber gibt es im Stadtarchiv. Das Besondere an Stachelhausen ist, dass hier alles zusammen kam. Hier hat man Gänge in die Berge gehauen und Erze geschürft. (…)

Wir sind hier an einem historischen Punkt auf der Trasse. Auf dem Gelände hier wo dieser türkische Supermarkt ist, war vorher Kaufpark. Und vorher war da das Stahl-Walzwerk Ibach. Einige hundert Jahre stand vorne an der Ecke ein kleines Fachwerkhaus, das gehörte zu dem Herrenhof Stachelhausen. Dieser Herrenhof war eine Stiftung des Grafen von Berg an die Johanniter und wurde dann Johanniterhof genannt. Und hier fand jährlich im Mai die Zusammenkunft aller umliegenden Höfe von Ehringhausen bis Westhausen und Reinshagen statt. Die kamen hierhin, mussten ihre Abgaben entrichten in Form von Pfennigen, Hühnern, Schweinen oder Schafen. Danach wurde ein großes Fest gefeiert, mit viel Alkohol. Und das fand genau an dieser Stelle statt. Hier war eine Hofschaft. Remscheid ist aus lauter Hofschaften entstanden, und die sind alle 1369 registriert worden.

(aus „Spurensicherung in Stakelhusen“, herausgegeben vom Caritasverband Remscheid e.V. im August 2019, 94 Seiten, Auflage: 500. Redaktion: Roland Brus, Ursula Lauterjung und Martina Richard. Nachdruck mit freundlicher Genehmigung der Caritas.)

Mittelalterfest und Ritterspiele auf Schloss Burg

Pressemitteilung des Schlossbauvereins Burg a/d Wupper e.V.

Christi Himmelfahrt und Pfingsten ist auf Schloss Burg traditionell die Zeit der Ritterspiele. Zum ersten Mal gibt es diese gemeinsam mit dem Mittelaltermarkt in einer großen Veranstaltung vereint. Da Renovierungsarbeiten ein Bespielen der Burghöfe nicht zulassen, nutzen wir die große Außenfläche des ehemaligen Sportplatzes Oberburg an der Talsperrenstraße, nur ca. 1000 Meter fußläufig von Schloss Burg entfernt. Der Eintritt ins Museum ist bereits im Veranstaltungsticket enthalten, so dass sich der Besuch gleich doppelt lohnt, und das Programm kann sich sehen lassen:

In alter Tradition werden die Georgs Ritter dreimal am Tag (ausgenommen freitags) ein eigens für Schloss Burg geschriebenes Theaterstück aufführen, bei dem natürlich auch die bei Groß und Klein beliebten Kampfszenen nicht fehlen dürfen. Aufführungen um 12, 14:30 und 17:15 Uhr.  Hoch zu Ross findet aber auch noch ein weiteres Schauspiel statt – das große Ritterturnier von Heimdalls Erben. Hierbei treten die Ritter täglich um 16 Uhr auf der großen Turnierbahn zum ritterlichen Lanzenkampf mit sechs bis sieben Pferden gegeneinander an. Das Lager der Turnierteilnehmer ist ganztägig zugänglich und zeigt neben Axtwurf und Bogenschießen auch eine große Ausstellung von mittelalterlichen Waffen, Kleidung und Schilden.

Auf dem mittelalterlichen Markt bieten Krämer und Händler ihre Waren an. Musik ertönt von verschiedenen Spielleuten und Feuerspucker, Artisten und Gaukler präsentieren ihr Können. Die Unterhaltung für unsere kleinen Besucher reicht vom handgedrehten Holzriesenrad über verschiedene Spiele bis hin zum Kinderschminken. Die jungen Knappen werden zudem von Ritter Jaruslav zum Ritter geschlagen, und im Lager der Wahren Bergischen Ritterschaft kann man mit den Rittern einmal auf Tuchfühlung gehen und in das Lagerleben der Rittersleute eintauchen. Zudem können noch Greifvögel bestaunt werden (nur 26.-29.5.).

Verpflegung aus Bratereien und Tavernen sowie Live-Konzerte von Klanginferno, de Speelüe und Dragol sorgen für die richtige Stimmung. Das Mittelalterfest mit Ritterspielen ist eine Veranstaltung für Groß und Klein und Alt und Jung und damit der ideale Tagesausflug für die ganze Familie. Eintritt (Tagestickets): zehn Euro (ab 16 Jahre), fünf Euro (3-15 Jahre), 30 Euro (Kleingruppe: 2 Erw.+ 3 Kd.), Kinder unter drei Jahren haben freien Eintritt.
(26.-29. Mai, DO 11-19 / FR 14-20 / SA 11-20 / SO 11-19 Uhr; 3.-06. Juni, FR 14-20 / SA 11-20 / SO 11-20 / MO 11-19 Uhr)

Zur Diskussion gestellt: Spaziergänge in Stakelhusen (3)

Eingangshalle Sona. Der Mann aus dem Vertrieb stellt uns vor: Das sind Bekannt von mir. Ja, wir suchen das Stadtviertel Stachelhausen. Auweia; ich komme aus Wuppertal. (…) Also, ich kenne wenige, die Stachelhausen wirklich benennen können. Bei Vieringhausen oder Honsberg ist es einfacher. Meinen Sie denn, dass das Viertel wirklich existiert? Also, es ist ne Bushaltestelle und ne Straße, die so heißt, weil Stachelhausen auf Remscheider Platt Stakelhusen ausgesprochen wird. Sprechen Sie Remscheider Platt? Ich versteh es noch einigermaßen, aber mein Vater spricht es noch. Ich kann noch „Krüenselstrüekelschen“ sagen. Das ist ein Stachelbeerstrauch. Kommt Stachelhauser Straße von Stachelbeeren? Keine Ahnung, es gibt vom Bergischen Geschichtsverein den „Bergischen Sprachschatz“, da stehen so Sachen drin. Ist aber schwierig zu kriegen. Haben Sie zufällig vom Städtebauprozess gehört? Ich weiß, dass hier vor Jahren mal so Bürgerbeteiligungssachen liefen, wie nennt sich das noch, wo dann ein paar Bürger sich hinsetzen, ja... Ideenwerkstatt. Mitgemacht? Ne, ich hab nur darauf aufgepasst, dass die Leute nicht ins Werk laufen. Das wurde hier gemacht, sogar in den Räumlichkeiten, da war Thyssen Krupp froh, dass sie mal das leere Gebäude kurzzeitig vermietet hatten.

Da ging es damals um den Stadtumbau Süd und da war Stachelhausen am Rande mit dabei. Aber was daraus geworden ist, weiß ich nicht. Stachelhausen nimmt man nie so als Stadtteil wahr. Der ist so dazwischen. Wenn ich mir den so vorstelle, dann ist er so zwischen Alexanderstraße und die Freiheitstraße gequetscht. Alexanderstraße, ist das schon Honsberg? Für mich ist die Grenze zu Honsberg die Bahnlinie, nicht die Trasse, die aktive Bahnlinie, das wäre für mich die Trennung. Das ist vor 150 Jahren technisch dahin gebaut worden. Da ist auch tatsächlich die Bebauung getrennt. Ich würde das als Trennlinie nehmen. Gibt es denn hier wirklich einen Tag der Offenen Tür? Es gibt teilweise sehr alte Maschinen hier, die arbeiten noch. Ist eigentlich eine Perle von Remscheid. Ist ja auch außerhalb von Remscheid gelegen. Die haben das hier gebaut, weil hier Platz war und weil hier die neue Bahnlinie langlief. Der Stadtkern war ja oben. Wir hatten früher auch Schlüssel von der anderen Werkseite. Und da stand drauf: Eingang Stachelhausen. Das heißt also, ein Teil des Werkes gehörte zu Stachelhausen. Und die Straße markierte eine Grenze und lief hier durch.

(aus „Spurensicherung in Stakelhusen“, herausgegeben vom Caritasverband Remscheid e.V. im August 2019, 94 Seiten, Auflage: 500. Redaktion: Roland Brus, Ursula Lauterjung und Martina Richard. Nachdruck mit freundlicher Genehmigung der Caritas.)

Zur Diskussion gestellt: Spaziergänge in Stakelhusen (2)

„Eine Schneiderei. Im Laden eine aus Afrika stammende Kundin. Die Schneiderin kommt aus Süditalien, sie lebt schon länger hier. Sehenswürdigkeiten? Ne. Remscheid hat nix. Wieso? Ne, Remscheid ist tot. Weil das Wetter so schlecht ist? Ne, auch sonst. Die ganze Einkaufsstraße ist tot. Nix Lebendiges. Und keine Arbeit. Das macht was mit den Menschen, macht alles so ernst, so traurig. Was sollte hier denn geschehen? Keine Ahnung! Hier kommen sicher viele Leute und erzählen von ihren Problemen. Sie sind bestimmt eine gute Psychologin! Was denken Sie, was die Menschen hier vielleicht brauchen? Keine Ahnung. Sie lächelt. Schneiderei braucht man immer...

Und dann kommt Mariella: Sie ist oben in der Praxis Arzthelferin. Sie kommt immer runter zum Rauchen. Auch sie ist Italienerin, hier geboren, vielleicht Ende Dreißig. Stachelhausen? Sie weiß, wo Stachelhausen ist. Gleich da vorne beginnt die Stachelhauser Straße. Wir fragen weiter: Was braucht man denn hier in Remscheid? Mariella: Früher, als wir kamen, da durfte man nicht ein Restaurant neben dem anderen machen, da musste immer Abstand dazwischen sein, heute ist kein Abstand mehr dazwischen. Wie meinst du das? Ja, auch in den Häusern müsste mehr durchmischt werden. Deutsche, Brasilianer, Italiener, aber hier ist alles gleich. Alles Döner hier.“

(aus „Spurensicherung in Stakelhusen“, herausgegeben vom Caritasverband Remscheid e.V. im August 2019, 94 Seiten, Auflage: 500. Redaktion: Roland Brus, Ursula Lauterjung und Martina Richard. Nachdruck mit freundlicher Genehmigung der Caritas.)

Zur Diskussion gestellt: Spaziergänge in Stakelhusen (1)

Ein Mann, Anfang 50, stoppt sein Auto auf der Stachelhauser Straße. Er möchte wissen, was ich fotografiere. Sehenswürdigkeiten? Hier ist es schon lange abgefahren, da ist nix mehr. Vielleicht mal eine Kneipe, wenn die überhaupt offen ist. Die meisten Leute leben von Hartz 4. Ehemalige Thyssenarbeiter. Damals war das anders, die haben gearbeitet, haben Geld gehabt, und dann lief das natürlich alles. Ich hab viel erlebt, wir haben ein Clubheim gehabt, da auf der Straße. Runter nach Honsberg, da geht die Straße runter bis zum Sportplatz. Das sind so Gebiete, da ist wirklich der Zug abgefahren, die Integration kann nicht stattfinden. Honsberg, Rosenhügel, Kremenholl. Damals, da waren die Politiker da. Und da haben wir ein Gespräch gehabt. Sie sagten so: Integration - die Kinder, die hier geboren sind, die können kein Deutsch. Ich sage: Natürlich ist das bitter, wenn Kinder nicht Deutsch können, die hier geboren sind. Wenn ein Kind hier geboren ist, dann ist das sein Land. Ist von Natur so. Das Problem: Das wollt ihr gar nicht.

Es kann nicht sein, wenn die Kinder nach der vierten Klasse zur Realschule oder zum Gymnasium gehen müssen, dann sammelt man den Rest in Albert Einstein (Anm.: Gesamtschule in Stachelhausen). Da sind in einer Klasse 25 Kinder, davon 20 türkische Kinder. Und dann noch ein Italiener und eine Deutsche. Welche Sprache gibt es da überhaupt? Mit welchem Recht sammelt ihr alles da? So kann die Integration nicht wachsen. Das haben sie mit Sicherheit mit Absicht gemacht. Und dann reden sie noch jetzt, dass die Kinder kein Deutsch können.

Das heißt - absichtlich, damit die Integration nicht erfolgt? Ja! Ich kann das nicht anders beurteilen. Ich hab ja früher auch da gewohnt. Bin extra ausgezogen, so Richtung Morsbach, damit die Kinder da in den Kindergarten und in die Schule kommen. Mit deutschsprachigen Kindern. Damit sie sich mehr integrieren können. So sind sie auch gut weiter gekommen.

Wann sind Sie hierher gezogen? Ich bin nach Remscheid gezogen 1985. Sechs Jahre habe ich in Saarbrücken gewohnt. Ursprünglich komme ich aus der Türkei, aus Nord-Ost. Zwischen Schwarzem Meer und Ost-Anatolien. Kurdisch-alevitisch bin ich. Ist ein Unterschied. Sie sind offener, nicht so religiös. Und weil ihr verfolgt seid, politisch sehr engagiert? Ja, das Volk ermordet, viel Elend. Heute ist es nicht anders. Mittelalterführung, so wollen die Amerikaner und die Europäer die Türkei. Und Afghanistan, was haben die da gemacht! So lange das nicht gestoppt wird, passiert immer Ähnliches. Was denken Sie, was müsste hier noch passieren? Was würden Sie sich wünschen? Für Remscheid, für Stachelhausen? Das ist 'ne gute Frage. Erstmal genügend Lehrstellen. Da hat man früher Thyssen und Mannesmann gehabt. Die Handwerker sterben aus. Remscheid ist eine Hand­werkerstadt. So viel Kenntnis, das stirbt alles aus. Mangelnde Arbeit, mangelnde Bezahlung, auch das Soziale. Und dann hat man natürlich die Lebensqualität hier nicht.

Im Zentrum zum Beispiel: Es hat lange gedauert, bis nochmal ein Kino kommt. Fünf oder sechs Jahre. Immer Klagen. Dann hieß es dies, dann das. Dann sollen sie doch sagen, dass sie das Kino nicht haben wollen. In der Einkaufszone, das kleine Kino, meinen Sie das? Ja, in der Mitte. Rex. Wenn man von der Alleestraße runter geht, auf der linken Seite. Und auf dem Markt war auch eines gewesen. Sind alle zu. Die haben jetzt ein Kino, Cinestar. Es ist nicht schlecht. Kino ist erstmal gut. Dann müssen die Leute nicht nach Wuppertal oder nach da und da fahren. Und in der Umgebung kann man was entwickeln, für die Jugend, was die so haben wollen, heutzutage. Überall nur ShishaBar. Und da wird die Polizei sehr aktiv. Mein Sohn geht da ab und zu hin, da mach ich mir Gedanken. Das bildet nur Kriminalität. Ich sammle Sehenswürdigkeiten. Von Stachelhausen, von Remscheid ... Was ist hier besonders? Was muss ich sehen? Stachelhausen hoch, ist ne Moschee. Auf der anderen Seite die ehemaligen Thyssenhäuser, so wie Ziegelsteine. Werden teilweise für Wohnwagen vermietet. Aha, Wohnwagenvermietung? Der vermietet den Platz, da ist ein großer Aufzug, da kommst du auf die Etage, da hast du deinen Platz, da hast du Strom. Und weiter auf der Stachelhauser Straße, da war lange Zeit ne Kneipe. Und ne Spielhalle. Ist zu. Besonderes gibt‘s nicht mehr in Stachelhausen, was man sehen kann. Das zieht sich bis oben in die Stadt.

Was haben Sie denn gelernt? Wo haben Sie vorher gearbeitet? Maschinen bedient im Betrieb, Sagemaschinen. Messen, auf Tausendstel! Ich weiß alles, und wenn ich jetzt in Metallbau reingehe, dann kann ich das. Dann weiß ich, welche Metalle ich nehme. Also, ich hab schon mal was gelernt, aber den Beruf nicht abgeschlossen. Weil früher im Saarland, da hab ich keine Lehrstelle gefunden, aber Arbeit. Bevor ich kein Geld hab, geh ich lieber arbeiten. Hier in Remscheid hab ich bei Thyssen gearbeitet, ehemalige BSI, Bergische Stahlindustrie. Was habt ihr da hergestellt? Autoachsen gegossen bei der BSI. Bei Thyssen Schaufeln, für Flugzeuge. Das sind so Schaufelhalterungen, für Propeller. Die Arbeit war gesundheitlich nicht gut. Einmal bin ich dann sehr schwer ausgerutscht, konnte den Beruf nicht mehr ausüben und hab dann gewechselt. 14 Jahre im Krankenhaus in Küche und Lager gearbeitet. Dann haben die das ausgegliedert. Jetzt arbeite ich in einem Projekt mit einer Künstlerin, da arbeiten Menschen mit Problemen, um wieder in Arbeit reinzukommen. Ich mach da alles mit Garten.

(aus „Spurensicherung in Stakelhusen“, herausgegeben vom Caritasverband Remscheid e.V. im August 2019, 94 Seiten, Auflage: 500. Redaktion: Roland Brus, Ursula Lauterjung und Martina Richard. Nachdruck mit freundlicher Genehmigung der Caritas.)

Historischer Rundgang durch die Hofschaft Hasten

Der neue historische Rundweg auf dem Hasten.Auch Hofschaft Hasten soll Info-Tafeln bekommen“, titelte der Waterbölles am 23. Februar 2021. Und das ist nun konkret: Die Eröffnung bzw. „Einweihung“ des Rundweges soll am Freitag, 27. Mai, dem „Brückentag“ nach Christi Himmelfahrt  um 15 Uhr stattfinden. Der Verein „Bergisch Erleben“ hat sich angeboten, dann auf der Basis von Unterlagen des Heimatforschers Hans-Jürgen Roth die traditionsreiche Hofschaft als Stadtführer vorzustellen. Im Anschluss an die Führung besteht die Möglichkeit zu einem gemeinsamen „Kaffeeplausch“; ausgerichtet in dem denkmalgeschützten Haus (9)  mit Garten im Zentrum der Hofschaft.

Im Vorwort seines Buches über die Hofschaft, das im Dezember 2020 herauskam, schreibt Hans-Jürgen Roth: „Mit ihren geschichtsträchtig gewachsenen Häusern hat sie einen besonderen Charme für Bewohner und Besucher. Viel Material konnte ich über Jahrzehnte hin sammeln: Viele Dokumente und Fotos, und viele Geschichten erzählen von Zeitzeugen aus ihren Kindertagen. All das ließ mich Hintergründe besser verstehen und hat mich ermutigt, eine Geschichte der Hofschaft zu schreiben.“

Das Projekt eines beschilderten Rundwegs war zunächst auch von W. Jürgen Ackermann, der bisherige, inzwischen verabschiedeten und zum Ehrenvorsitzenden gewählte Vorsitzende des Vereins Hasten für Hasten e.V., unterstützt worden, dem Beispiel der Rundwege „Büchel“ und „Platz“ folgend. Dort stehen „Info-Tafeln“ mit Fotos und Texten s vor etlichen denkmalgeschützten und historisch besonders interessanten Häusern.  In der Hofschaft „Alte Straße“ ergaben sich jedoch überraschend Probleme. Roth: „Ich konnte dem Verein schon bald die bereits nahezu fertigen Entwürfe zu den Schildern vorstellen. Da sah man sich aus vereinsinternen Gründen plötzlich nicht mehr in der Lage, das Projekt zu Ende zu bringen. Schließlich, nach längerer Ruhezeit, übergab der Verein mir und meinem Team das ganze Werk, um es zu vollenden.“ Das hat sich nun ein privater „„Initiativkreis der Hofschaft Hasten““ zur Aufgabe gemacht, auch wenn er vor der Schwierigkeit steht, keine Spendenquittungen für das Finanzamt ausstellen zu können, anders als der „abhanden gekommene“ Verein Hasten für Hasten e.V.  Roth: „Nun sind wir so gut wie fertig mit allem. Auf dem neuen Rundweg wird es elf Stationen geben. Da und dort hat man uns auch eine Spende zugesagt.“

Dreharbeiten in der Lenneper Altstadt

Pressemitteilung der Stadt Remscheid

Am Freitag, 29. April, wird die Firma Bantry Bay Productions GmbH in der Lenneper Altstadt für Dreharbeiten erwartet. Sie betreffen den 8. Teil der ARD-Spielfilmreihe „Meine Mutter“ mit Diana Amft als Tochter „Toni" und Margarita Broich als Mutter „Heidi“ in den Hauptrollen. Im Zuge des Drehs kommt es zu kurzen Vollsperrungen. Außerdem fällt der öffentliche Parkraum auf dem Jahnplatz an diesem Tag kleiner aus. Auf einem Teil der Fläche kommen der Versorgungsfuhrpark und technische Fahrzeuge der Produktionsfirma unter.

Für die Dreharbeiten werden am 29. April an verschiedenen Stellen der Lenneper Altstadt Vollsperrungen in Intervallen von jeweils circa fünf Minuten eingerichtet. Während dieser Zeiten kann der vollgesperrte Bereich weder vom Fahrzeug- noch vom Rad- oder Fußverkehr genutzt werden. Ausgewählte Drehorte liegen beispielsweise auf der Kölner Straße, der Schwelmer Straße, der Kronenstraße sowie der Mühlenstraße. Und auch einzelne Bereiche der Splittergasse, der Klostergasse, der Marktgasse, der Jägergasse und der Gasse Kraspütt werden zeitweise gesperrt.

Erinnerungen an Röntgenstadion und Jahnplatz

Von Dr. Wilhelm R. Schmidt

Auf der städtischen „Giftliste“ der Einsparpositionen tauchte 2010  auch das Lenneper Röntgenstadion auf. Es könnte an eine Baumarkt-Kette verkauft werden, hieß es damals (Anm.: von Seiten des Stadtplaners Hans-Gerd Sonnenschein, während Stadtdirektor Burkhard Mast-Weisz Vorbehalte anmeldete). Das 1925 eingeweihte Stadion hatte von Anfang an nie nur Lenneper, sondern auch eine gesamtbergische und überregionale Bedeutung. Selbst in Frankfurt traf ich vor Jahren jemanden, der in seiner Jugend Ende der 1920er Jahre im Lenneper Stadion um einen der 30 besten Reichstitel etwa beim Speer- oder Diskuswerfen gekämpft hatte und bis heute noch eine gute Erinnerung an die Anlage hat.

So um 1955-1960 hielt ich mich selbst oft im oder am Stadion auf, die Röntgenschule machte dort ihre Sportfeste, erinnerlich sind mir noch die Volleyballspiele gegen die Mannschaft „Rote Tinte“ - das waren die Lehrer. Weiterhin erinnere ich mich lebhaft an Leichtathletikkämpfe, Fußballspiele mit Eintritt, Polizeisportschauen, Reit- und Fahrturniere sowie „Military Tattoos“ der Belgier und Engländer, die ein wenig Abwechslung und Farbe ins Städtchen brachten. Am Fuße der großzügigen Stadiontreppe zogen wir uns um, auf der anderen Seite hatte das Rote Kreuz sein Domizil, und die Schwestern wachten in ihrer Tracht mit Häubchen und dem Notfallkoffer über das Geschehen.

In meinem Arbeitszimmer zuhause hängt an der Wand eine historische Lennep-Karte aus der Mitte der 1920er Jahre, in die das (seinerzeit neue) Lenneper Stadion bereits eingezeichnet ist. Durch die Wupperstraße getrennt, wo wir früher am Kiosk gerne nach dem Sport eine Flasche Afri Cola oder Bluna zischten, liegt der ehemalige Kirmesplatz, der über eine längere Zeit Kaiser-Friedrich-Platz hieß (nach dem Preußenkaiser Friedrich III.). 1888 musste der Platz allerdings seinen Namen zugunsten des national-kämpferischen Turnvaters Jahn wieder hergegeben.

Wie das spätere Lenneper Stadion bot der Kaiser-Friedrich-Platz nicht nur sportlichen, sondern auch gesellschaftlichen Veranstaltungen einen geeigneten Raum, zum Beispiel den landwirtschaftlichen Festen. Dazu finde ich in meinem Archiv z.B. einen alten Zeitungsausschnitt aus der Bergischen Volkszeitung von 1878. Darin weist der Direktor der landwirtschaftlichen Lokalabteilung Elberfeld-Barmen-Lennep, Herr Rospatt, auf die Sonderzüge hin, die der landwirtschaftlichen Ausstellung in der Kreisstadt das Publikum bringen sollen, und aus dem Jahr 1910 ist eine Plakette für verdienstvolle Leistungen während der Veranstaltung erhalten. Sie zeigt neben den Fleißsymbolen wie Ährenbund, Bienenkorb und Füllhorn auf der einen Seite auch landwirtschaftliche Werkzeuge und Maschinen, so wie sie damals üblich waren. Natürlich waren diese Ereignisse auch mit Militärkonzerten, Tierschauen und Verlosungen verbunden. Ein Zeitungsinserat aus dem Jahre 1911 kündigt darüber hinaus Festessen im Berliner Hof und Tanzvergnügungen an, das Ganze über mehrere Tage. Landrat Hentzen und Bürgermeister Stosberg luden damals zur „zahlreichen Beschickung der Ausstellung mit schönen Erzeugnissen der Land- und Forstwirtschaft, mit Maschinen und Geräten und zu fleißigem Besuche“ ein!

Die jungen Mädchen waren aufgerufen, freiwillig beim Losverkauf mitzuwirken, die Lenneper Bevölkerung sollte ihre Häuser selbstständig schmücken, und für Samstag war angesagt, dass das auf der Ausstellung vorzuführende Vieh nur über die Wupperstraße zum Festplatz getrieben werden durfte, damit die anderen Zuwege nicht verdreckt wurden. Natürlich kostete der Besuch der Ausstellungen auch ein Eintrittsgeld, und das gesamte Areal war deshalb abgezäunt bzw. mit Bretterverschlägen abgeschirmt. Daran erinnert eine Postkarte

Bis zum zweiten Weltkrieg hatten die in der Regel zweijährlich stattfindenden Landwirtschaftlichen Feste auf dem Kaiser-Friedrich- bzw. Jahnplatz ihre feste Tradition, zumal ja in der Röntgenstraße auch die Landwirtschaftsschule beheimatet war. Der Stadionbereich wurde dabei gerne mitbenutzt, zumal auf der Freitreppe von unten wunderschöne Gruppenaufnahmen gemacht werden konnten. Diese galten durchaus nicht durchgängig nur dem Vereinsleben und  dem Sport, sondern immer auch der Politik. So gibt es zahlreiche Fotos natürlich auch mit Hakenkreuzen, nicht nur auf den Turnhemden, sondern auch auf mitgebrachten Fahnen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden dann die Landwirtschaftsschauen möglichst mit den sog. Reit-, Spring- und Fahrturnieren zusammengelegt, die vielen von uns noch gut in Erinnerung sind. Besonders erwähnenswert ist auch das große Lenneper Polizeisportfest aus dem Jahre 1955, das Ende Juli des Jahres bei strahlendem Wetter viel Sportliches und Akrobatisches bot, zum Entzücken der Lenneper, die damals in ihrer Freizeit  noch nicht vorm Computer hockten und zu den Fernsehübertragungen der Fußballspiele in die Wirtschaft gingen. Die Kinder erhielten dabei oft zehn Pfennig für den Erdnussautomaten auf dem Tresen.

Die Bergstraße in Lennep, wie sie früher war

Von Dr. Wilhelm R. Schmidt

Das alte Jahr vergangen ist, das neue Jahr beginnt. Wir danken Gott zu dieser Frist, wohl uns, dass wir noch sind - dieses Lied des Dichters Hoffmann von Fallersleben, den der junge Lenneper Albert Schmidt bei seinen Baugewerksstudien in Holzminden noch als alten weißhaarigen Mann in Corvey erlebte, dieses Lied blies vor mehr als hundert Jahren der Lenneper Gastwirt Hermann Windgassen auf der Trompete von seiner Wohnung auf der Karlshöhe aus. Das war seinerzeit die Bezeichnung für den oberen Teil der heutigen Karlstraße, über das alte Lennep. Der Trompeter mit dem Spitznamen Plack bewirtschaftete bis kurz nach 1900 unter der Bezeichnung „Restauration Windgassen“ den späteren „Kölner Hof“ auf dem Grund des historischen Kölner Tors und galt wie sein bester Freund Emil (Pimm) Ruwiedel als Lenneper Original. Immer in der Neujahrsnacht erschallte nach den Aufzeichnungen seiner Zeit- und Vereinsgenossen (man war z. B. im Bürgerverein und bei der Feuerwehr, für die Windgassen die Kapelle gründete) die Melodie über das Areal des Lenneper Bahnhofs die Berg- und Poststraße hinunter zur Altstadt.

Die Bergstraße sah damals ganz anders aus als heute. Ursprünglich war sie einer der schmalen Wege hinauf zum Westerholt, die es vielleicht schon seit dem Mittelalter gab. Als dann die Eisenbahn im Jahre 1868 gebaut wurde, wurde ein Teil des früheren Weges unter der heute noch existenten Unterführung an der Gartenstraße zur Schlachthofstraße geführt, und die Bergstraße hieß dann bis 1922 Bahnhofstraße. Es gibt noch Zeichnungen von Albert Schmidt zu diesem Areal, die er für die Familien Hardt anfertigte, die wie die Familien Hölterhoff und Schröder in dieser Gegend große Grundstücke besaßen. Die heutige Bahnhofstraße wurde erst später gebaut und hieß zunächst zeitgemäß Kaiserstraße. Alle neuen und besonders schönen und wichtigen Straßen wurden seinerzeit dem Kaiser Wilhelm bzw. Personen seiner Dynastie gewidmet, aber die Bergstraße, heute eher funktional anzuschauen, gehörte im oberen Teil eine Zeit lang auch zu den besonders ansehnlichen Bereichen der Kreisstadt Lennep, zumal hier auch die nationalen Feiern abgehalten wurden, denn das Kaiserdenkmal am Mollplatz gab es da noch nicht. Noch im Jahre1903 begann der bebaute Teil allerdings erst beim Gesellschaftshaus der sog. Kaufmannsgesellschaft, später Hotel zur Post, also dort, wo die Bergstraße heute oben endet. In der ursprünglichen Form zog sie sich wie erwähnt als Bahnhofsstraße (heute „Am Bahnhof“ und „Robert-Schumacher-Straße“) von der Kaufmannsgesellschaft über das Bahnhofsrestaurant von Oskar Groß und den eigentlichen Bahnhof bis zum ehemaligen Güterbahnhof und den Gebr. Busatis hin.

Die Kaufmannsgesellschaft, die von Baumeister Albert Schmidt 1875 erbaut und mehrfach erweitert wurde, war also das erste repräsentative Gebäude am oberen Ende der heutigen Bergstraße. Im Jahre 1899 lud sie ihre zahlungskräftigen Mitglieder, zu denen außer den reichen Kaufleuten allenfalls noch ihre Teilhaber, die hochgestellten Direktoren und die Honoratioren wie z.B. der Landrat gehörten, zu einem Festmahl anlässlich des hundertjährigen Bestehens der Gesellschaft ein. Früher hatte man u.a. im steinernen Rathaus am Alten Markt getagt und gefeiert. Das für heutige Verhältnisse pompös ausgestatte Etablissement der Kaufmannsgesellschaft servierte damals Frühlingssuppe, Zander, Mailänder Pastete mit Halbmöndchen, Rehbraten, Spargel und Schinken, Junge Hahnen mit Salat sowie als einen der Nachtische Reispudding mit Aprikosenguss. Die Weine kosteten zwei bis sechs Mark die Flasche, für den Champagner „Witwe Cliquot“ musste man allerdings zehn gute Reichsmark ausgeben. Dafür gab es aber Lifemusik der Werke von Komponisten wie Bach, Bizet, Flotow, Strauss, Waldteufel, Wagner und Zeller.

Das Anwesen nannte sich auch Restaurant zur Friedenseiche, womit an die (damals noch „glorreiche“) Kriegsvergangenheit und die Reichsgründung von 1871 erinnert wurde. Die Friedenseiche steht übrigens noch heute an ihrem ursprünglichen Ort, und wenn sie tatsächlich nach der Reichsgründung gepflanzt worden sein sollte, dann wäre sie heute 138 Jahre alt. Jedenfalls gehört sie nach der Bekundung von Spezialisten zu den ältesten Bäumen auf  Remscheider Stadtgebiet. Ich selbst sammelte dort in meiner Kindheit Eicheln (sowie die Bucheckern im Hardtschen Park nebenan), und ich habe an die Gaststätte zur Post noch die Nachkriegserinnerung (vor 1955), dass sich dort die Vertriebenen der „Schlesier“ zu Veranstaltungen trafen, z.B. zum Wellfleischessen. Neulich sagte eine Lenneperin zu mir: Ach so, Du meinst den Gasthof zur Post. In der Tat erinnert nur noch wenig an die einstige Glanzzeit des Gebäudes, allenfalls ein paar sehr schöne Stuckarbeiten zum Bahnhof  hin. Dort entstand wohl der Ausspruch sic transit gloria mundi, was für Lennep heißt: die glorreichen Tage der Tuchindustrie und ihre weltweiten Beziehungen sind dahin. Die Friedenseiche kennt wohl unter dieser Bezeichnung kaum noch jemand, sie fügt sich harmonisch jetzt in einen nachgewachsenen Schilderwald ein, darum auch heißt wohl die Gastsstätte nunmehr Harmony.

Im oberen Bereich der Bergstraße war also die Kaufmannsgesellschaft das erste große und moderne Gebäude. Es war aber sogleich zusammen mit der Friedenseiche als Motiv für Postkartenkünstler äußerst beliebt. Über das gärtnerisch schön gestaltete kleine Dreieck vor der Gesellschaft hinweg erblickte man dann die großen Gebäude an der Poststraße, aus der Ferne grüßten die Lenneper Kirchen, die beide gut auszumachen waren. So hatte man sowohl vorn wie auch weiter weg ein sehr ansehnliches Lennep. Dutzende unterschiedlicher Postkarten sind heute davon erhalten, und viele dabei handkoloriert. Immer mit von der Partie waren auch die aufwendigen Begrenzungsmauern zum großen Park der Familie Hardt zwischen Garten-, Berg- und Poststraße.

Beim Betrachten der Postkarten dieses Areals aus dem genannten Blickwinkel sucht man als älterer Lenneper unwillkürlich nach dem im Volksmund so genannten Pferdestall. Der vom Lenneper Architekturbüro Wender & Dürholt erstellte Stallneubau von Frau Kommerzienrat Arnold Wilhelm Hardt war in dieser Zeit allerdings noch gar nicht vorhanden. Es handelte sich um einen der Neubauten im Altbergischen Styl, die für Familien wie Hardt bzw. deren Unternehmen erstellt wurden, zeitlich allerdings erst ab 1908. Die Schreibweise „Styl“ war übrigens damals auch was „Besonderes“ und sollte den Neubauten zu einer besonderen Wertanmutung verhelfen.

Der Pferdestall war in Wirklichkeit sehr funktional ein ausgedehntes zweistöckiges Wirtschaftsgebäude mit mehreren Ställen, einer Wagenhalle, Hafer-, Putz- und Geschirrkammern, aber auch Zimmern für die Kutscher und Bediensteten und sogar Gästezimmern. Natürlich wurde auch dieses Anwesen bald zu einem beliebten Postkartenmotiv, insbesondere die architektonisch besonders schöne Westseite in Richtung Bahnhof. Als Kind kam es mir nicht in den Sinn, dass dieses  heute nicht mehr existierende Gebäude nur knapp vierzig Jahre älter war als ich selber. Zwischen der oberen Seite der Bergstraße und der Poststraße war dann baulich eigentlich weiter nichts, d.h. die dortigen großen Gärten, die schon früh als großzügige Parks mit Gartenhäusern gestaltet waren, gehörten zu den Villen bzw. Wirtschaftsgebäuden der Poststraße. Auch davon sind heute noch Fotos erhalten, darunter einer seltene Aufnahme aus der Sammlung Schröder im Lenneper Tuchmuseum mit dem Rathaus an der damaligen Kaiserstraße (später Bahnhofstraße) von hinten.

Bleiben zum Thema Bergstraße die untersten Bauten, die zur Poststraße gehörten. Erhalten ist bis heute das ehemals Arnold Hardtsche Haus, in dem sich jetzt die Apotheke am Bismarckplatz befindet. Auf der anderen Seite der Bergstraße befand sich früher das hohe große Wolllager der Fabrikanten Hölterhoff, allerdings im Verhältnis zur links nebenstehenden Villa der Eigentümer und den umliegenden Poststraßenhäusern etwas zurückgesetzt, so dass man es auf vielen historischen Fotografien gar nicht oder nur seine Schornsteine erblickt. Auf dem ehemaligen Areal der Familie Hölterhoff  liegt heute das Parkdeck, das nun einem Ärztehaus Platz machen soll. Nach den stadtgeschichtlichen Aufzeichnungen von Albert Schmidt und Paul Windgassen im Remscheider Stadtarchiv waren am unteren Ende der Poststraße alle frühen Fabrikantenareale im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts so aufgebaut: der repräsentative Teil der Privat- und Geschäftsbauten stand direkt an der Straße, die Produktions- bzw. die Lagerstätten, baulich wie im vorliegenden Falle oft direkt angebunden, etwas dahinter. Erst in der nächsten Bauphase an der Poststraße waren die heute nicht mehr existierenden Hardtvillen unterhalb des Mollplatzes reine Wohnhäuser mit Park und Tee- oder Gartenhaus. 

An das Gebäude des Wolllagers übrigens hat so mancher Lenneper noch eine Erinnerung. Es befand sich darin nämlich lange Zeit das Finanzamt der Stadt. Im Februar 1939 z.B. wurde es baulich verändert, und es hieß in der Zeitung: Im Laufe der Jahre sind die Aufgaben des Finanzamtes ständig gewachsen. Die Räume in dem alten Wolllager von Hölterhoff genügen schon lange nicht mehr den gesteigerten Ansprüchen, so dass vor etwa zwei Jahren ein Durchbruch in die erste Etage des angrenzenden Hauses der Commerz- und Privatbank hingenommen werden musste. Später, nachdem das Lenneper Finanzamt an der Wupperstraße 10 auf dem Grundstück der ehemaligen Villa Emil Schröder errichtet war, wurden die Fabrikantenvilla Hölterhoff und das Wolllager im Jahre 1962 abgerissen, und die später errichtete  Parkanlage stellt –zur Zeit noch- einen modernen Augenschmaus dar, errichtet von einem Meister des ausgehenden 20. Jahrhunderts. Die Reaktion vieler Lenneper seinerzeit bei der Entstehung dieses Betonbauwerks erinnert übrigens an die durchaus ähnliche Reaktion um 1912, als nicht weit entfernt das Kaufhaus Dörrenberg entstand. Heute gilt das vormalige Karstadt-Hertie-Gebäude als antik und schön, auch wenn es gerade erst so unschön rutschig davor war, und wir würden uns eine Wiederbelebung des zurzeit unbenutzten Bauwerks sehr wünschen. Vielleicht ist ja an der Bergstraße das geplante Ärztezentrum auch ein Schönheit, und wenn nicht gleich, vielleicht dann in hundert Jahren.

Führung für Frauen im Deutschen Röntgen-Museum

Pressemitteilung der Stadt Remscheid

Das Frauenbüro der Stadt Remscheid und das Deutsche Röntgen-Museum laden Frauen zu einer Führung „Frauen. Technik. Wissenschaft.“ für Samstag, 5. März, um 15 Uhr ein. Dabei wird die Naturwissenschaftlerin und Museumspädagogin Birgit Dömling mit „weiblichem“ Blick die Geschichte der Röntgenstrahlen beleuchten. Begeben Sie sich mit ihr auf die Spuren von Röntgenforscherinnen und –pionierinnen, ihrer Entdeckungen und Verdienste. Anfang des 20. Jahrhunderts erschlossen die Röntgenstrahlen Frauen in Arztpraxen und Krankenhäusern ein ganz neues technisches Berufsfeld abseits der sonst klassischen Frauenberufe wie Sekretärin oder Lehrerin. Auch Frau Röntgen hatte eine entscheidende Rolle bei der Entdeckung der Röntgenstrahlen. Weil Frauen weniger Lohn für ihre Erwerbsarbeit erhalten als Männer, zahlen sie bei dieser Führung auch 20 Prozent weniger Eintritt (6,40 Euro statt acht Euro). Die Führung findet in Kooperation mit dem Frauenbüro der Stadt Remscheid statt.

Mit platter Brust und in gebückter Haltung...

von Dr. Wilhelm R. Schmidt

Liebe Freunde des Bergischen Landes und liebe Lennper, In einer der Hauswurfzeitungen kümmerte vor einigen Jahren auch um das "Image" der Bergischen Menschen. Darin fand ich einen Text aus dem Jahre 1854, in dem die bergischen Menschen wie folgt charakterisiert wurden (entscheiden Sie selbst, ob diese fast 170 Jahre zurückliegende Charakerisierung noch zutrifft):

"Die körperliche Konstitution der Einwohner ist zwar im Allgemeinen, wie bei den Gebirgsbewohnern überhaupt, stark und kräftig. Indes haben die anstrengende und der körperlichen Entwicklung nachteilige Fabrikarbeit sowie der häufige Genuss des Branntweins der physischen Beschaffenheit der männlichen Bevölkerung sehr geschadet. Die zunehmende Schwäche des männlichen Geschlechts stellt sich am traurigsten bei den jährlichen Aushebungen für den Militärdienst heraus, wo unter 100 jungen Leuten im dienstpflichtigen Alter zwei Drittel wegen körperlicher Schwäche oder Fehlern als untauglich zum Dienst erklärt werden müssen. Hochgewachsener, kräftiger und abgehärteter sind im Gegensatz zu den Webern und Fabrikarbeitern in Manufakturen die Arbeiter der Eisen- und Stahlwarenfabrikationen.Die Arbeiter dieser Gewerbe haben in der Regel eine platte Brust und gebückte Haltung, dabei derbe volle Arme im Kontrast zu ihrem übrigen mageren Körper. Bei diesem Gewerbe wird die Muskelkraft merkwürdig ausgebildet, so dass sie imstande sind, mit den schwersten Lasten die steilsten Berge auf- und abzuwandern.
Doch ist eine betrübende Erscheinung, dass zu dieser schweren Beschäftigung die Lehrlinge häufig in einem Alter angenommen werden, wo die körperliche Entwicklung noch weit zurück ist und bei der langen Arbeitszeit notwendig gehemmt, wenn nicht unterdrückt werden muss. Das weibliche Geschlecht ist durchgehend wohlgebaut. Die erwachsenen Mädchen zeichnen sich häufig durch volle, blühende und häufig schöne Gesichter und Körperfülle, selbst in den einfachen Ständen. vorteilhaft aus." Über den Charakter des Volkes im Bergischen Land heißt es: Man findet noch viel Einfachheit und Biederkeit und bei dem verbreiteten, angeborenen industriellen Handelsgeiste noch manche andere gute Eigenschaft wie Unternehmensgeist und Rührigkeit, aber auch manche schlimme, als Misstrauen und Eigennutz.Bei den reicheren Klassen findet sich im Allgemeinen nicht viel Bildung, häufig aber Anmaßung und Überheblichkeit, und in den Fabrikgegenden bei der ärmeren Klasse viel Gemeinheit der Gesinnung. Leichtsinn und Verschwendungssucht."

Bei meinen Recherchen fand ich noch: Der frühere Bundespräsident und Solinger Walter Scheel soll einmal die typischen Eigenschaften der Bergischen - wenn es sie denn wirklich geben sollte - folgendermaßen beschrieben haben: "Querköpfigkeit. Widerspruchsgeist. Unausrottbarer Hang zum Individualismus. Neigung, den Dingen auf den Grund zu gehen. Bereitschaft, die persönliche Freiheit und die eigene Meinung in jedem Moment und notfalls verbissen zu verteidigen. Eine gewisse Neigung zum Mystizismus." Inwieweit dies zutreffend ist, mag jeder Bergische und jeder, der einen solchen kennt, selbst beurteilen. Ganz von der Hand zu weisen ist diese Charakterisierung wohl nicht.

Zuletzt eine Schnapspinte an der alten Kohlenstraße

Kranenholler Hammer Foto: G. Schmidt

Der oberhalb des Birgder Hammers gelegene Kradenholler Hammer ist nur noch als große Wiese zu erkennen. Eine Handskizze von 1803 lässt den Hammer praktisch mitten in der Wiese erscheinen. Oberhalb etwa am Wegesrand geht der Lauf des Leyerbaches weiter, um in den Teich des Birgder Hammer zu führen.

Dies alles ist heute nicht mehr zu erkennen. Ein großes Hammergebäude mit drei Wasserädern, ein Nebengebäude und ein kleinen Wohnhaus sind auf der Karte zu erkennen, alles heute nicht mehr zu erahnen.  Überlieferungen zufolge ist er 1500 gebaut worden und 1607 verfallen. 1597 heißt es Cradenholl, später Kradenholl und erst in den Jahren nach 1900 schreibt man Kranenholl. Seine Namen waren folgende:Kradenholler Hammer, Kranenholler Hammer, Jarres Hammer, Schrotthammer, Schruoden Hammer.

Reste des Kradenholler Hammers, gezeichnet von Berdrow. Bild: Krupp ArchivAm 30.August 1677 erhielt "Joann auf der Halbach" die Bewilligung, "einen Eysenhammer auf seyn guth im Kradenholl auf die Halbacher Bach zu setzen".  Geschmiedet wurde Raffinierstahl. Seit 1671 wohnte Sohn Peter Halbach an dem vom Vater erworbenen Gut Kradenholl. Von 1680 bis 1686 war Peter Halbach als Geselle in diesem Kradenholler Eisen- Reckhammer (Raffinierstahlhammer) tätig. Welch berühmtes Imperium diese Halbachs später einmal innehatten, wagte damals keiner zu träumen (Krupp von Bohlen und Halbach).

Zerfallen war der Hammer bereits ab 1910;  1913 brach er ganz zusammen. Danach konnte man lange Zeit noch die Grundmauern sehen. Überlieferungen zufolge hat 1913 das baufällige Fachwerkhäuschen (als Wohnhaus) eine kleine Schnapspinte beherbergt. An diesem Standort geht auch die ehemalige Kohlenstraße vorbei (Kohlen und Roheisen aus dem Märkischen). (Aus: Hämmer- und Kottenforschung in Remscheid Herausgegeben von Günther Schmidt Band 4 - Leyerbach, Diepmannsbach, Mückenbach)