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Zeichnungen aus 1891 fürs Architekturstudium in Berlin

von Dr. Wilhelm R. Schmidt

Liebe Lennep-Freunde,
hier sehen Sie zwei historische Zeichnungen, die der spätere Lenneper Architekt Arthur Schmidt (1867-1945) als Student im Jahre 1891 an der „Technischen Hochschule in Charlottenburg bei Berlin“, wie es damals hieß, zusammen mit einem Studienkollegen anfertigte.  Sie zeigen einen Grundriss und einen Längsschnitt der katholischen Kirche in Lennep. Dazu gehört auch ein Satz, der damals bei solchen Studienarbeiten üblich war: "Ich versichere an Eides statt, diese Kirche zusammen mit Herrn stud. arch. Emil Linden aufgenommen und eigenhändig gezeichnet zu haben".

Als Schüler hatten ich die beiden die Tafeln (66 x 50 cm, Papier auf Karton)  in unserem Haus am Mollplatz und später auch längere Zeit in meiner Studentenbude hängen, und ich schaue sie auch heute noch gern an. Die Zeichnungen gehören zu den zahlreichen "Lennepensien", die ich gerne an interessierte Lenneperinnen und Lenneper abgeben würde, die sich dafür interessieren.

Zuerst die Zinkbadewanne in der Küche, dann die Badeanstalt

Auszug aus
Lothar Vieler
"Tante Mary und das Wirtschaftswunder - Eine Jugend im Bergischen“

Bergischer Verlag, Kartoniert mit Klappen | 304 Seiten | 16 Euro | ISBN 978-3-96847-009-2 (Nachdruck mit freundlicher Genehmigung des Verlags)

Der größte Teil unserer Klasse konnte nicht schwimmen. Ich war also in guter Gesellschaft, denn viele hatten davor genau so viel Schiss wie ich. Aber es nützte nichts: An einem Tag in der Woche traf sich die ganze Klasse schon um acht Uhr in der Wallstraße vor der Lenneper Badeanstalt.

Schon 1886 war zum Zwecke der Volkserziehung zur Reinlichkeit von Lenneper Bürgern am Wassertor eine der ersten Badeanstalten des Bergischen Landes gebaut worden. In gleichem Maße wie das Schwimmern wurde die Reinlichkeit schon bei der Planung berücksichtigt, denn die Badeabteilung bestand aus sechs Badewannen, die in separaten Kabinen untergebracht waren und für die nach vorheriger Reservierung ein Obolus zu entrichten war. Das Hallenbad, der Zeit entsprechend im Jugendstil gehalten, wies im Zentrum ein Schwimmbecken auf, das anhand der unterschiedlichen Wassertiefe in Nichtschwimmer- und Schwimmer-Bereich unterteilt war. Darum herum waren für die weiblichen Badegäste Umkleidekabinen angeordnet. An der Kopfseite dieser Halle befand sich ein gemischt zu nutzender Duschbereich, von dem aus eine Doppeltreppe in das Schwimmbecken abging. Eine Empore, die an der Kopfseite offen zur Halle den Umkleidebereich für Schüler, und an den beiden Längsseiten Einzelkabinen für Männer bereithielt, rundete das Gesamtbild dieser dank großer Fensteranlagen zur Wallstraße hin hellen Badeanstalt ab. (1975 wurde dieser historische Bau zu dem heute noch sehr erfolgreich arbeitenden Jugendzentrum „Die Welle“ umgebaut.)

Das Ausziehen lief in Erwartung der gemeinsamen warmen Eingangsdusche unter den wachsamen Augen unserer Lehrer sehr diszipliniert ab. Dank des Ansporns, der ständig durch die mit erkennbar viel Freude schwimmenden Mitschüler auf die Nichtschwimmer überschwappte, verringerte sich die Zahl der Nichtschwimmer von Mal zu Mal. Selbst ich konnte nach geraumer Zeit und nach literweise Chlorwasserschlucken irgendwann die Schwimmerprüfung abgelegen. Hierzu musste ich eine Runde durch das Schwimmerbecken drehen und drei Gegenstände vom Nichtschwimmerboden durch freiwilliges Tauchen aufnehmen. Als schließlich sogar der Freischwimmer und der Fahrtenschwimmer mit entsprechendem Ausweispapier erfolgreich absolviert waren, fühlte ich mich einen bedeutenden Schritt weiter. Ab sofort durfte ich regelmäßig freitagabends am Schwimmtraining der LTG teilnehmen. Der Eintritt kostete zwar jeweils zwanzig Pfennig, aber das war es wert. Die Zeit der Zinkbadewanne in der heimischen Küche war hiermit ebenso endgültig vorbei; ich hatte meinen Frieden mit dem Element Wasser gemacht.

Schneewehen bis hinter die Toilettenschüssel

Auszug aus
Lothar Vieler
"Tante Mary und das Wirtschaftswunder - Eine Jugend im Bergischen“

Bergischer Verlag, Kartoniert mit Klappen | 304 Seiten | 16 Euro | ISBN 978-3-96847-009-2 (Nachdruck mit freundlicher Genehmigung des Verlags)

Mein Bruder war 1945 kurz nach Kriegsende während der Internierung der jungen Familie meiner Eltern noch in Hessen im Elternhaus unserer Mutter geboren worden. Die Wohnung der Eltern meines Vaters in der Bahnhofstraße in Lennep war bei dem letzten Luftangriff im April 1945 zerstört worden. Erst 1947 zog die junge Familie in eine geräumige Wohnung mit angrenzendem Herrenschneideratelier, insgesamt einundsechzig Quadratmeter, in einem sehr kleinen bergischen Fachwerkhaus gegenüber dem alten Kreishaus.

Das Kreishaus wurde zwischen 1887 und 1889 im Stile des Historismus als Sitz des Landratsamtes von dem Berliner Regierungsbaumeister Franz Schwechten gebaut, der sich zuvor schon mit dem Bau der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche einen Namen gemacht hatte. Im Erdgeschoss waren nicht nur die Amtsstuben der Kreisverwaltung, sondern auch die Büros der Bergischen Handelskammer und der Rheinisch-Westfälischen Textilberufsgenossenschaft untergebracht. Die Privatwohnung des Landrates erstreckte sich über das gesamte erste Obergeschoss. Während der Zeit des Nationalsozialismus hieß dieses Gebäude, an der zur Hermann-Göring-Straße umbenannten Kölner Straße liegend, als Domizil der NSDAP Hermann-Göring- Haus. Nach Kriegsende zog 1953 die Realschule ein, bis sie 1974 in den Neubau am Hackenberg umzog.

Dieses anheimelnde Häuschen mit einer Gesamtgröße von rund hundert Quadratmetern teilten wir als vierköpfige Familie mit weiteren drei Mietparteien bestehend aus insgesamt vier Personen. Das Schneideratelier meines Vaters mit bis zu drei Gesellen fand dort ebenfalls Platz. In dieser räumlichen Enge herrschte eine erstaunliche Lebensqualität, die man sich heute nur schwer vorstellen kann. Man half sich nicht nur gegenseitig, wo man konnte, sondern wir teilten auch Freud und Leid miteinander. Im gesamten Haus gab es zwei Wasseranschlüsse, eine Toilette und eine Badewanne. Die Wasseranschlüsse befanden sich im Treppenflur im ersten Stock und in der Küche unserer Zweizimmerwohnung. Die Toilette lag hinter dem Haus, mit eigenem Wasserkran und darunter stehendem Eimer. Der Wasserhahn tropfte nämlich ständig. Einen Haken zum Verschließen der Tür gab es auch. Dieses WC war nicht nur für die acht Bewohner dieses Hauses plus die zu besten Zeiten drei Gesellen meines Vaters, sondern auch für den Geschäftsmann vorgesehen, der einen vor dem Haus an der Haltestelle liegenden Laden betrieb.

Ein nicht selbstverständlicher und deshalb besonderer Luxus war die Badewanne. Sie stand im Keller, war aus Zink und wartete die Woche über auf Freitag, den Tag, an dem sie beim großen Badevergnügen ihren wöchentlichen Auftritt hatte. Dazu benötigte man jede helfende Hand, denn eine lange Kellertreppe aus Stein galt es zu überwinden, die kleine Fehler beim Auftreten auf die meist etwas schlüpfrigen Stufen schneller als einem lieb war in freien Fall umwandeln konnte. Außerdem waren die Innenseiten dieses Abganges mit Regalen bestückt, in denen von allen Bewohnern unseres Hauses alle Dinge abgestellt werden konnten, die man nicht unbedingt in den Wohnungen benötigte, zum Beispiel gebrauchte Schuhe oder Regenschirme. Überall in diesem Haus war es so eng, dass ein jeder froh sein konnte, nicht so viele Dinge unterzubringen zu haben, wie wir heute meinen, unbedingt besitzen zu müssen. Deshalb tat sich unter allen Beteiligten große Freude auf, wenn der Transport dieser sehr sperrigen Badewanne sowohl nach oben als auch später wieder nach unten erfolgreich ohne Nachräumen der unglücklicherweise eventuell mit gezogenen Schirme und Schuhe abgeschlossen werden konnte.

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Ein Taufschuh plumpste in die Erbsensuppe

Auszug aus
Lothar Vieler
"Tante Mary und das Wirtschaftswunder - Eine Jugend im Bergischen“

Bergischer Verlag, Kartoniert mit Klappen | 304 Seiten | 16 Euro | ISBN 978-3-96847-009-2 (Nachdruck mit freundlicher Genehmigung des Verlags)

An den Tag meiner Taufe kann ich mich, wenig überraschend, nicht mehr erinnern. Es muss für mich ein großes Ereignis gewesen sein. In der Lenneper Stadtkirche, der größten Predigtkirche im Bergischen Land, die gleichzeitig eine der ältesten ist, im Mittelpunkt zu stehen und dabei auf Händen getragen zu werden, kommt ja nicht alle Tage vor. Tante Gretel, eine Schwester meiner Mutter, durfte mich als eine meiner Taufpaten während der Taufe halten. Sie war mit ihrem Mann mit dem Zug aus Bochum gekommen. Zu der Zeit arbeitete Onkel Gustav noch unter Tage, also tief unter der Erde als Bergmann in einer Zeche. So war es auch für ihn ein großes Erlebnis, zur Feier des Tages seinen schwarzen Hochzeitsanzug zu tragen. Dass der Anzug auch nach vielen Jahren noch in Mode war und passte, war nicht außergewöhnlich. Schließlich waren die vier Jahre nach einem verlorenen Krieg nicht die richtige Zeit zum Zunehmen und auch nicht die Zeit für modische Finessen.

Die Geschwister meines Vaters, die zum Teil in Lennep wohnten, waren ebenso festlich gekleidet zur Feier gekommen. Es muss eine sehr große Taufgemeinschaft gewesen sein, die sich um das Baptisterium herum versammelt hatte, dessen Sockel von einem Pelikan, der an seiner Brust seine Jungen füttert, gebildet wurde. Inzwischen weiß ich, dass dieser Sockel der Taufschale eine Stiftung der Familie Hardt ist. Als Mahnmal christlichen Denkens steht eine Skulptur mit gleichem Motiv noch heute in der Mitte des Burghofes der Marienburg, der Heimburg des Deutschen Ritterordens.

Als das Taufwasser meine Stirn befeuchtete, muss ich den Erzählungen nach sehr unwillig geschrien haben. Heute weiß ich, dass dieser spontane Unwille nicht etwa gegen das Sakrament der Taufe gerichtet war, sondern meiner frühen und lang anhaltenden Abneigung gegen Wasser galt. Auf die Kirchendecke, die zu dieser Zeit noch mit ausfüllenden Darstellungen der zwölf Apostel bemalt war, habe ich in dem Moment wohl kaum geachtet. Bei späteren Besuchen des Kindergottesdienstes konnte ich das dafür umso ausgiebiger nachholen und mich an den großen Freskenmalereien mit den verschiedenen Gesichtern und Gewändern hoch oben an der Kirchendecke erfreuen.

Leider hat uns niemand aufklären können, in welcher Reihenfolge die Apostel hier abgebildet waren. Als zu einer späteren Zeit die Decke restauriert wurde, waren die einzigen Deckengemälde, die ich je in einer evangelischen Kirche erleben durfte, schließlich Geschichte. Nach diesem Erlebnis in einer so großen Kirche muss der gemeinsame Spaziergang der Taufgemeinschaft zum Kreishaus eine Erholung gewesen sein. Gegenüber diesem geschichtsträchtigen roten Backsteingebäude lag mein Elternhaus. Die Wohnküche war an diesem Tag sicherlich mit Blumen geschmückt, denn im Leben meiner Mutter spielten Blumen eine sehr große Rolle. Trotzdem konnte diese Dekoration nicht darüber hinwegtäuschen, dass es für eine so große Gemeinschaft in unserer kleinen Wohnküche sehr eng gewesen sein muss.

Zum Mittagessen soll es einen großen Topf Erbsensuppe gegeben haben. Aus Platzgründen war er unter den Tisch gestellt worden. Man hat mich dann als munter strampelnden Täufling so herumgereicht, dass einer meiner Taufschuhe dabei in die Erbsensuppe gefallen ist. Diese Geschichte musste ich mir immer dann anhören, wenn meine Mutter ihre kostbaren Erinnerungsstücke wieder einmal durchschaute. Sehr liebevoll in Seidenpapier gehüllt, in einer kostbaren Schachtel aufbewahrt, kamen dabei stets meine Taufschuhe zum Vorschein, von denen einer von der Suppe für alle 15 Zeiten nachhaltig grünlich verfärbt war. Aber Grün ist bekanntlich die Farbe der Hoffnung und das war schon immer Grundhaltung unserer Familie, geprägt durch die Zeiten, die man hinter sich hatte.

Erst im Nachhinein erfuhr ich, dass die mir immer noch aus meiner Erinnerung als Apostel vorschwebenden Figuren an der alten Kirchendecke in Wirklichkeit Engel waren. Wie Prof. Dr. Hensen in seinem Buch „Die Stadtkirche von Lennep. Ihre Bedeutung in Vergangenheit und Gegenwart“ schreibt, hatte der in Bradford/UK lebende Ur-Lenneper Arthur Hentzen, Kaufmann für Wolle und Lenneper Tuche, 1925 während eines Besuches in seiner Heimatstadt den schlechten Zustand des Innenraumes dieser Kirche reklamiert. Als Mann der Tat mahnte er die Renovierung seiner Kirche, in der er getauft und konfirmiert worden war, sofort an. Er erkundigte sich auch nach den erforderlichen Kosten, die eine Ausmalung des Innenraumes nach reich bebildertem englischem Vorbild verursachen würde und stiftete hierzu 15.000 Mark. Davon wurde diese Kirche nicht nur nach bestem Wissen und Gewissen renoviert. Zudem wurde der Düsseldorfer Kirchenmaler Rüter, zu damaliger Zeit ein sehr bekannter Künstler für die Wandbemalung von Kirchenräumen, beauftragt, den Innenraum zu verschönern. Für die rückseitige Wand, an der zu diesem Zwecke sowohl die Fenster zugemauert als auch die Uhr entfernt wurde, sah er die Szene der Himmelfahrt Christi vor. Die gesamte Deckenfläche widmete er den Zehn Geboten. Je eins war auf einer Gesetzestafel künstlerisch dargestellt und jede Gesetzestafel wurde von einem Engel gehalten. Die noch erkennbaren Fresken-Reste wurden durch eine große Renovierung 1954 der Nachwelt für immer genommen.

Als noch ganz Lennep eine Gerüchteküche war

von Dr. Wilhelm R. Schmidt

Liebe Lennepfreunde,

als ich dieser Tage wieder einmal durchs Städtchen schritt, da genoss ich erneut das schöne alte Lennep, oder besser: seinen Stadtkern innerhalb der Wallstraße. Nur die Älteren von uns haben vielleicht noch in persönlicher Erinnerung, dass die heutige Straßenführung im Prinzip zwar nach wie vor dem mittelalterlichen Vorbild folgt, dass es aber Mitte des vorigen Jahrhunderts vielerorts noch viel enger war. Man kann sich das gut vorstellen, wenn man z.B. bedenkt, dass bis 1945 auf dem oberen Alten Markt nicht nur das 1791 erbaute Steinerne Rathaus stand, das lange Zeit auch als Lenneper Amtsgericht diente und die Stadtverwaltung sowie die erste Lenneper Sparkasse beherbergte, sondern schräg dahinter auch noch das so genannte Nattermüllersche Haus, das u.a. eine Tapeten-, Wachstuch- und Glashandlung beherbergte. Das im Krieg stark beschädigte Bauwerk wurde erst 1961 abgerissen.

In den umliegenden Gassen war und ist es auch heute noch so eng, dass man von Fenster zu Fenster kommunizieren und sich das Neueste erzählen kann, wovon in historischer Zeit auch täglich Gebrauch gemacht wurde. Die Lenneper Neuigkeiten brauchten also keine spezielle Gerüchteküche –weil ganz Lennep ein solche war. Davon handelt auch unser heutiger Beitrag in Platt, der auf Erinnerungen einer „alten“ Lenneperin beruht, die lange Zeit in der Wetterauer Straße wohnte, und die deshalb über ihr Umfeld wahrheitsgetreu viel aussagen konnte. Aus diesem Grund kommen bei ihr außer der Wetterauer Straße auch die Brandgasse, die Steeggasse, die Peters- und die Paulsgasse sowie die Poststraße und die Wallstraße vor. Sie werden zwar nicht immer beim wirklichen Namen genannt, sind aber doch erkennbar durch die Beschreibung und Benennung der historischen Persönlichkeiten, die man in den alten Adressbüchern der ehemalig Bergischen Haupt- und Kreisstadt wiederfinden kann.

Es ist nun schon bereits rund vierzig Jahre her, dass diese Erinnerungen anlässlich der seinerzeit anstehenden 750-Jahrfeier den Weg in verschiedene Publikationen fanden. Alt-Lennep hatte damals besondere Konjunktur, und auch die kostenlosen Postwurfzeitungen überboten sich in dieser Zeit nicht nur in geschichtlicher, sondern auch in sprachlicher Hinsicht. Das Lenneper Platt hatte seinerzeit viele, damals im Vergleich zu heute noch kundigere Leser, nach dem Motto: Mundart ist lebendige Heimatgeschichte. Ganz bewusst wollen wir den Originaltext heute nicht im Einzelnen kommentieren; betrachten wir es vielmehr als Denksportaufgabe, den alten Text zu entschlüsseln, so wie man ein Kreuzworträtsel oder eine Sudoku-Aufgabe löst, auch wenn heute nicht ohne weiteres mehr bekannt ist, was Wenkelswaren sind, und dass das entsprechend genannte Geschäft in der Petersgasse lag…

Vertällchen am Fenster

Jans freuer heil man oft bi openem Fenster en Vertällchen. So geschoh et ock en där Wallstrote, wo de Famelje Piepenbosch jemeutlich bim Meddageten tesamen sot, de Anton, et Läuerken un deren sess Kenger. Am Kökenfenster vörbie kohm et Nonnenbruchs Minneken un hadde enen jroten Korf bie Klein Diedrichs Wenkelswar enjekoft. Et tuppde op die Rutte. Jodden Dag tesahmen. wie jeht et önk noch, wat meken de Kenger? - Och danke där Nachfrog Minneken, komm ens op Stell ren, vie mötten dek ens ene janz wichtige Neuigkeit vertällen. Denk ens ahn, däm August sinn Emma hat en stazen Jongen jekregen. De Hebamme, de Frau Schmetz hät en te Hus jeholt. Kik ahn Läuerken, wie sall hei dann hetten? - Jo de August hät en op Kal dopen lohten. Do hät hei awer in wieser Vörussecht jehangelt, Kal sall hei hotten, hei well en bruken en där Schmetten. Wolls du en Spierken met eten Minneken? Et jött Reuwenmaus ongeren. Et wohr mek zwar en wennig stiew jewuhren dürch die völlen mehligen Erpel. Äwer dat es nech de Welt, ek schnie van däm Rest hütt owend Schiewen en de Pann un broh die op de Führung. — Hie hässe ok en Müffken Flehsch dobie. Ek wohr äwen bim Perdsschlächter un häw mek alt fottens Wurschtenbräu metjebracht. Weil ek morjen Pannasch koken well. Dann eten se noch ens wier all wie de Schürendrescher.

Jo wat seih ek dann dobutten op där Strote? Jrade lött dat Perd, wat däm Buhr vam Rotzkotten hört, öntlich wat Perdsköttel fallen. Fritzken, lop schwank op et Hüsken un hohl dän alen Emailleehmer un de Dreckschöppe, un lop fottens op de Strote. Wehsse Minneken. dat es Jold för em Anton sinnen Jahren. Dat jött em Herfst mols staze Kappesköhl. Die schab ek op där jroten Schabe un de Blagen mötten dän alle met ehren Feuten en die jroten Steendoppen endrampeln. Dat jöt dösen Wengkter manche Mohltiet. Wolls du noch en Spierken Jemäus Minneken? - Nä danke Läuerken, ek hadde noch van jestern Pillekeskauken öwer, dann mötten vie fottens noch eten. Ek mak op Stell en jott Pöttschen Koffe. Emilken, hie hässe drei Penning, nömm dan alen Waterkeetel un lop ens schier en de schmerige Pann un hohl Koffewater. Fall dek nech Jong. Pass op. Jo Läuerken, du häss wohljerohene Kenger. Dat Kleinste es jo en leiw Stüppken, et hät so jleunige ögskes. jenau wie de Anton. 

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Et Klärchen prakesiert

  • Schwetten Zebras unger de schwatten Striepen iegentlech mehr als unger de witten?
  • Wöröm langden Meteoriten iegentlech emmer in Kratern?
  • Vleits send Pandas för de Pandemie verantwortlech.
  • Wenn ech mech selbst eete, bin ech dann wech oder dubbelt so schwor?
  • Send männleche Flamingos iegentlech Hellblau?
  • En Flammenwerfer schi’et Flammen. Also mut en Schienwerfer iegentlech Schiene schi’eten.
  • Hetten Teigwaren iegentlech Teigwaren, weil se förher Teig woren.
  • Wenn ech um kott nach Meddernacht iearscht int Bedde geh, nehme ech do iegentlech Elmex odder Aronal?
  • Stell dir für, du giehst in dech und kieaner ess do.
  • Darf man iegentlech en Rungkschrieven in em eckigen Kuwert verschicken.  
  • Wöröm wüard dat Bier van allengk warm, un de Koffee van allengk kault?
  • Wöröm gütt ett zwar Nordpol un Südpol, ewer Polen liagt em Osten?
  • Wenn Mandelöl ut Mandeln gemakt wüard, worut makt man denn Babyöl?
  • Wöröm schmaken de Glöckskeksfüllungen biam Chinesen iegentlech emmer nach Papier.
  • Wöröm bestaulen wir rungde Pizzen in eckigen Schachteln un eeten se dann als Dreiecke?
  • Wöröm passiert jeden Dag genausovöll, datt ett in ieanen Tüpitter passt?
  • Wöröm es dat Bier gel und die Schaum witt?
  • Wenn Hafermelk ut Hafer ess, wat es dann mett Scheuermelk?
  • Wöröm sind Reifen emmer ungen platt?
  • Wat passiert iegentlech wenn man sech tweimol halwtot gelacht hätt?
  • Es enn Raumschiff in dem nur Wiewer fliagen iegentlech bemannt?
  • Wöröm stenken Fesche, obwohl se de ganze Tied baden?
  • Wöröm gütt ett Papageien ewer nit Mamageien?

Wiederholt auif Facebook gesehen. Urheber unbekannt.

Bös Strackes
önker Klärchen

Neu: "Tante Mary und das Wirtschaftswunder"

Neu in der Reihe „Mein Bergisches Land“ ist im Bergischen Verlag „Tante Mary und das Wirtschaftswunder -Eine Jugend im Bergischen“ des bekannten Lenneper Stadtführers Lothar Vieler. Jedes Jahr schickte ihm seine Patentante Mary aus Amerika einen langen Geburtstagsbrief, dem immer ein Zehn-Dollar-Schein beilag! Weihnachten erhielt die Familie Vieler zusätzlich Care-Pakete mit „exotischen“ Lebensmitteln wie Erdnussbutter und Dosensuppen. Mit großer Begeisterung wurden diese Pakete im Nachkriegsdeutschland ausgepackt!

Lothar Vieler
"Tante Mary und das Wirtschaftswunder -Eine Jugend im Bergischen“
Kartoniert mit Klappen | 304 Seiten | 16 Euro | ISBN 978-3-96847-009-2.

Auf unterhaltsame Art nimmt Lothar Vieler die Leser mit zurück in seine Kindheit und Jugend in Lennep. Lässt die Leer/innen seine Abenteuer in den Trümmern und seine Tanzschulzeit miterleben, lässt sie bei seinen Streichen und den Dreharbeiten zu „Das Halstuch“ dabei sein. Was wäre nur aus diesem Fernseh-Straßenfeger geworden, wäre Lothar Vieler nicht zur richtigen Zeit am richtigen Ort gewesen?

Detailliert schildert das Lenneper Original sein Umfeld und das Lennep der 50er- und 60er-Jahre. Gewürzt mit (vertrauten) bergischen Ausdrücken und ergänzt durch Wissenswertes über Lennep, schildert er verschiedene sehr persönliche Episoden, die mal spaßig sind, aber auch nachdenklich stimmen und berühren – die ganze Palette des Heranwachsens in der noch jungen Bundesrepublik eben. (Christiane Rahrbach)

De Postmann

Wir hangk en netten Postboten op dem Kriemeln, ewer hä hätt döckes och mal Feregen un dat stongk em och tu.

Nu woar mal widder en Feregensverdreder te gangk. Ech woar grad em Vüörgarden uns och en kuomen. He schwengten och op den Kuwertskasten aan un he hätt en Kuwert in de Hangk. De woar bestemmt van dem Else , do waaren ech schon wat länger droff. Datt hätt emmer suan zartrosa Kuwertpapier.

De Postbote kiekt opp denn Kuwertskasten, schüttelt den Kopp und stoppt dat Kuwert wedder in sieane Posttesche. Dat gütt ett jo garnech.

Ech do hen.

Hürense Herr DHL. Watt sual datt dann, de Brief ess doch vam Else, hätt datt den falschen Nam dropp geschriewen odder waröm schmieaten se denn nech in mieanen Kuwertskasten.

De Postbote kiekt opp dat Kuwert un sacht in Seelenrouh. Joo da hangk se Reiht, der ess van nem Else Flickenschmidt, ewer der ess an en Klärchen Müller gegangen. De Anschrift stimmt joo, ewer opp dem Kuwertskasten da stochet nech Müller.

So sach ech, watt stiart denn doo und zeig opp datt Scheld. Ne sacht de Postbote kieken se mol doo, un zeicht opp den gruoten Kuwertschlitz. Do stiart hier wönnt en Familich Letters. Do muoast ech emm Reiht geven, datt stongk do tatsächlech. De guote Mann kuont anscheinend kian Englisch wie datt Klärchen un nu deiht he, dat wöar usser Nohnahmen.

Jo seiht ech, datt ess en englisch Modell der Kuwertskasten, unn Letters ess opp Englisch joo Kuwerts.

Datt glöewt he miar nitt. Un woal miar den Brief vam Else nech gewen. In mianer Drou sach ech datt ech Klärchen Müller-Letters hett. Ach su sait de Postmann, dann kann ech ianen jo dat Kuwert gewen.

Joo sach ech, datt Else ess miane Cousine, un ech waren schon döckes opp den Brief.

Die Postmann ging dann zu en angerm Hus. Ech möchte molls wiaten opp he och noch völl Verwangkschäp der Familich Letters opp dem Kriemeln gefongen har, bestemmt.

Datt kümmt davon, wenn man nech anständig englesch kann. Datt Klärchen datt kann. My english is not the yellow from the egg, but it goes.

Bös strackes
önker Klärchen

RS-Platt: Schlieperstriäke en dänn aulen Wahterkotten

Se´it langen Johren hant fier nit son drüg Johrestied gehat, wie grad döt Johr. Die jöngere Generatzijuonen können sech dat gar nit vürstellen, wie de Stadtbewohner en früöhren Johren , bie sonem drügen Suomer, ohne Waterle´iteng feädeg sind woren. En dr Tied, wo Remsched noch keng Waterle´iteng har, bedär sech jeäder su guot wie et gong.Wenn die Pötte op dänn Bergen drüg woren, dan tuogen se alt en aller Herrgottsfrüöh mem Schwängel on Wahtereimern en de Berg, wo noch son Wahterspröngken wor, öm sech do ehren nüörgen Vürot te´ holen. Et kom och döckes vür, dat alt guoden Tied et Spröngken ledeg geschöppt wor, on sie muoßen dann su lang wahren,bis dat sech wiä Wahter ahngesammelt har. Am schlemmsten wor et et Sohterschdags, wenn geschruppt werden muoß. Dann kom et uoch alt es für, dat met dämm Schrubben ap´geschowen muoß werden, bis op en angern Dag. Aewer die Frauen woßden sech dann doch tu behölpen, et wuod en Kann witten Sangk dur de Stuow gestraut, on vüren am Engang van de Stuowendür wurd gewöhnlech mem Hangkstüöwer en Figur en dänn Sangk gekehrt. Met dämm Sangkstreuen har jo zwar och noch söß sin Gröng,dänn mr hat en dr Tied noch die witt geschrubbde Breder. Aewer nit alleng en dr Hushauleng spell­den die Wahternuot en Roll, och die ganze Industrie hong vam Wahter af. En dänn Johren, wo die Daumpkraft en dänn Schliepkotten noch nit wohr,on jieä­der Fabrikant op de Wahterkotten ahn´gewiäsen  wor, do sall et döckes vür sin kuomen, dat se wegen dämm Schlie­pen metonger Wehken lang nit hant liäwern können, on dodur log dat ganze Geschäft brach. Dr´wegen hedden et uoch emmer, die Schlieper on Hamer­schmiäd dat sind die Herren dr Welt, die können dat ganze en Stellstangk setten.

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De Blotschenschlieper vam Ispills-Kotten

Do ongen an demm gruoten Dieke,
do stong en Kotten, ault on kleng.
Et wueden Fielen drenn geschlie'pen,
twei gruote Schliepsteng hongen dren.
Förr mech wor dat de Ispillskotten,
wie döckes stong ech an dä Düer,
die twei, die vüör den Sti'enen hockden,
do sait ech nuer "de Ispills" für.
Sie haren Blotschen an den Bi'enen,
on decke Breder voe den Kni'en,
dann woaren do sonn decke Hüölter,
do le'iten se de Fielen ren.
On hengendran, do woaren Breder,
do wüöd de Röcken dran geleit.
On dann wüöd met den decken Hüöltern
De Fiel bes an den Sti'en gebrait.
Dä Sti'en de muet em Water luopen,
do drüwer hong en naaten Sack.

On met demm Sack wüöt dann
biem Luopen
De Sti'en rongseröm naatgemackt.
Dat Schliepen mueß alt iener kennen,
sue i'efach wor datt nämlech nitt.
Die Fielen kuonen och verbrennen,
dann woren se ganz blou - statt witt.
Doch die twei Ispills kuonen schliepen,
do ongen en de Hasterau.
Ech han sue döckes tuegekieken,
deswegen wi'et ech dat genau!

(Der Ispills-Kotten stand in der Hasteraue. Aus: „Von Müngsten bis Gerstau - Hämmer- und Kottenforschung in Remscheid“ von Günther Schmidt, im Jahr 2000 im Verlag: Buchhandlung R. Schmitz, Remscheid-Lennep, erschienen.)

Von einem der ersten Lenneper Discount-Läden

von Dr. Wilhelm R. Schmidt

Liebe Lennepfreunde,
Wo mag das in Lennep gewesen sein? Aber auf der Abbildung steht ja gleich die Antwort! Und wenn man in der heutigen Bahnhofstraße mit dem Rücken an der Ecke des ehemaligen Rathauses bzw. Amtsgerichts steht, dann sieht man leicht wiedererkennbar Teile des Gebäudes schräg unterhalb heute noch. In dem dortigen Eckhaus befand sich In der früheren Kaiserstraße 10 das um die Ecke zur oberen Düstergasse führende Geschäft von Hugo Heuck d.Ä. bzw. seinen familiären Nachfolgern. Dieses Privat- und Geschäftsanwesen mit großen Schaufenstern in beiden Straßenzügen wurde 1886 Im Zusammenhang der Entstehung der Kaiserstraße vom damaligen Generalunternehmer Albert Schmidt gebaut. Und nach der Erinnerung des Schreibers dieser Zeilen entstand dort Anfang der 1960er Jahre von der Düstergasse her auf engstem Raum einer der ersten Lenneper Discount Läden. An die schmalen Regalreihen mit den nur notdürftig aufgerissenen Pappkisten der Billigangebote kann ich mich noch gut erinnern.

Neu in der Liste des Immateriellen Kulturerbes

Maximilian Süss und  Martin und Sieglinde Haase von Haases Papierheater Remscheid.

Pressemitteilung von Sieglinde und Martin Haase, Haases Papierheater Remscheid

Gerne informieren wir Sie darüber, dass auf Initiative von Haases Papiertheater die Kulturform des Papiertheaters in die Liste des Immateriellen Kulturerbes Deutschlands aufgenommen wurde. Wir freuen uns sehr darüber und werden sicherlich, sobald es wieder möglich ist, mit Aufführungen, Ausstellungen und Workshops das Papiertheater weiter bekanntmachen. Anbei die offizielle Information der Kultusministerkonferenz:

Sehr geehrte Frau Haase,

wir freuen uns, Ihnen mitteilen zu können, dass das „Papiertheater" in das Bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen wurde. Dazu gratulieren wir Ihnen auch im Namen aller Mitglieder des Expertenkomitees Immaterielles Kulturerbe bei der Deutschen UNESCO-Kommission ganz herzlich. Das Expertenkomitee würdigt die kulturelle Ausdrucksform des Papiertheaters, welche in der Regel aus Tischbühnen besteht, die mit Figuren und Szenen aus Papier bespielt werden. Es handelt sich hierbei um eine darstellende Kunst mit langanhaltender Tradition in öffentlichen und privaten Räumen. Sie wird geprägt durch eine Mischung aus Darstellun­gen mit Nachdrucken sowohl historischer als auch moderner ästhetischer Formen und Geschichten.

Das Expertenkomitee hebt besonders hervor, dass die Trägergruppe einer Weiterentwicklung ihres Erbes in Reaktion auf gesellschaftliche Veränderungen und Herausforderungen grundsätzlich offen gegenübersteht. Workshops, Festivals und ein internationales Papier­theatertreffen bringen Spielende regelmäßig zusammen und fördern den Austausch des gemeinsamen immateriellen Kulturerbes.

Mit der Aufnahme in das Bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes wird das „Papiertheater" unterwww.unesco.de/ike mit Text und Bild dargestellt. Die genannte Bezeichnung der Kulturform wird als verbindlich erklärt. Sie haben die Möglichkeit, für Ihre eigene Öffentlichkeitsarbeit unter bestimmten Bedingungen das Logo „Immaterielles Kulturerbe-Wissen. Können. Weitergeben" zu nutzen. Hierzu finden Sie in der Anlage einen Nutzungsleitfaden.

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