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Pfingsten zu Lennep in längst vergangenen Tagen

von Dr. Wilhelm R. Schmidt

Von alters her, wie man so sagt, ist es zu Pfingsten Sitte, ein Schützenfest und eine Pfingstkirmes zu veranstalten. So auch in Lennep, zu der Zeit, als Lennep bergisch-preußische Kreisstadt war, aber auch schon früher und dann später, in der Weimarer Zeit, in den 1930-er Jahren und bis heute. Natürlich wissen wir alle, ob katholisch oder evangelisch, dass das Pfingstfest und die damit zusammen hängenden Feierlichkeiten kirchlichen Ursprungs sind. Die frühere gesellschaftliche Bedeutung des Festes lässt sich noch an dem Ausspruch erkennen: „Dä hätt singen pingstbesten Antuch an“. Aber nicht nur für den Pfarrer machte man sich fein.

Der Name „Pfingsten§ leitet sich von dem griechischen Wort pentekoste, der Fünfzigste, ab. In seiner ursprünglichen Bedeutung verweist er auf den zeitlichen Abstand zu Ostern (50 Tage). Pfingsten folgt immer auch zehn Tage auf Christi Himmelfahrt, und mit Pfingsten endet insgesamt die österliche Zeit. Was an Pfingsten jedoch eigentlich gefeiert wird, weiß heutigen Umfragen zufolge nur noch eine kleine Minderheit der Deutschen. Im Neuen Testament wird in der Apostelgeschichte erzählt, dass der Heilige Geist auf die Apostel und Jünger herabkam, als sie zum jüdischen Fest Schawuot in Jerusalem versammelt waren. Dieses Ereignis wird in der christlichen Tradition auch als Gründung der Kirche verstanden.

Vor allem in ländlicheren Gegenden wurde Pfingsten in wesentlich größerem Umfang gefeiert als heute. Davon zeugen nicht nur die vielfältigen Bräuche, die heute z.T. verlorengegangen sind, sondern auch Jahrmarkts-Veranstaltungen mit Karussells, Buden und Ständen. Insbesondere im Rheinland und in Westfalen warten die Veranstaltungen immer wieder mit einer Fülle von Attraktionen auf. Im Rheinland veranstalten auch so genannte Pfingstreiter Aus- und Umritte sowie pittoreske Reiterspiele. Derartige Pfingstbräuche haben ihren Ursprung in früheren Heerschauen, die Volkskundlern zufolge sogar bis ins alte Rom zurückgehen. Mit dem Heiligen Geist haben sie weniger zu tun.

In meinem Lennep-Archiv stieß ich vor längerer Zeit auf ein paar Fotos aus der Zeit um 1927, die einen Schützenumzug am Kölner Tor vor dem damaligen Kaufhaus Karstadt zeigen. Ich selbst kann mich noch erinnern, dass meiner Familie in Lennep während der Kirmeszeit am Mollplatz das Trommler- und Pfeifer-Korps am sonntäglichen Morgen in aller Frühe den Schlaf raubte. Das Korps zog dann zunächst zum Ehrenmal auf der Knusthöhe, manchmal zogen wir Kinder auch mit durch die Stadt und sahen z.B. beim "König von Preußen" oder bei " Käse-Kuge" zu, wie sich die Musiker dort mit einem Klaren oder Bittern stärken ließen.

Das Marschieren auf den Straßen, die Ausmärsche der Vereine sind heute seltener als noch in der Nachkriegszeit und seltener vor allem als in der Zeit vor dem zweiten Weltkrieg. Wenn man bedenkt, was das "Kölner Tor" in Lennep allein in der Zeit der Weimarer Republik und der Hitlerzeit an Aufmärschen erlebt hat, so wird man dies vielleicht auch gut heißen. Gänzlich unpolitisch waren übrigens auch die Aufmärsche der Schützen und Turner nicht. Sie hatten in der Regel ebenfalls eine nationalpolitische Bedeutung, wenn auch versteckter als bei den Aufmärschen der Nationalsozialisten und Kommunisten, von denen es in Lennep in den 1920-er Jahren und bis 1933 bekannter Weise auch sehr viele gab. Damals gab es bei den Konfrontationen auch in Lennep Todesopfer.

Aber nicht alles war bei den Umzügen und Aufmärschen nur politisch. „Bolle reiste jüngst zu Pfingsten...“, das gab es auch im Bergischen Land, und man verlor oft nicht nur seinen Jüngsten im Gewühl. Im Gegensatz zur geordneten Marschform zu Beginn der Festlichkeiten verhalfen die Produkte der Kornbrennerei Finger an der Kölner Straße oder der Beyenburger Schnapsbrennerei Braselmann nicht nur zur gehobenen Stimmung, und so manche "Alte" hat, wie im Berliner Volkslied, auf ihrem nächtlich heimkehrenden "Helden" ne volle halbe Stunde herum "poliert".

Die Eschbach-Elfen

von Alma Mühlhausen

Ein schöner Tag war vergangen. Die Sonne hatte ihr Leuchten vom wolkenlosen Himmel über die grünen Hänge der Wupperberge gestreut. Nun lag noch der Duft der Wiesenblumen über der schlaftrunkenen Landschaft, und der Wind trieb Wellen in das Blütenmeer der Margaretenwiese, die nahe der Burg der Grafen von Berg zur Höhe hinaufkletterte. Hinter den Kronen der alten Eichen stieg der runde Mond hervor. Er schaute auf die Stätte, an der sich in Vollmondnächten die Eschbachelfchen mit den Müngstener Zwergen ein Stelldichein gaben, um über das Wohl und Wehe der Bergischen Heimat zu beraten.

Heute war es ein besonderes Geschehen, das die Zwerge von Müngsten durch den unterirdischen Gang unterhalb der alten Grafenburg hierher geführt hatte. Aus dem Felsspalt schlüpften sie auf die Margaretenwiese und schwenkten ihre Silberbeilchen. Eine Weile schauten sie still dem Schleiertanz der Elfchen zu. Dann rief Zwergkönig Wupperich mit grollender Stimme: „Genug, ihr Elfchen.' Beendet euren Tanz! Ihr wißt, mas uns heute zusammenführt. Es gilt, das schändliche Treiben des liederlichen Müllers zu vereiteln, damit den braven Schmiedleuten Hammer und Heim erhalten bleibt." Schnell ließen die Elfchen ihre zarten Schleiergespinste sinken und umringten die Zwerge. Und nun begann ein eifriges Beratschlagen.

Während noch die Stimmen der kleinen Leute über die Wiese schwirrten, trat plötzlich eine lichte Gestalt aus dem Dunkel des Waldes. Es war die Waldraune, die Königin der bergischen Wälder. Ehrerbietig verneigten sich alle und ließen die Fee in ihre Mitte treten. Es war, als säusele der Wind in den Blättern des Bergwaldes, als die Waldraune sagte: „Ich weiß, was euch heute zusammenführt und bin gekommen, um euch zu sagen, dass ich den Schmiedsleuten helfen will. Den bösen Müller aber wird seine Strafe erreichen. Morgen, zur selbigen Stunde, findet euch wieder an dieser Stätte ein, dann werden Bärbel und Peter, die Hammerschmiedskinder, unter euch sein." Verwundert riefen die Elfchen: „Bärbel und Peter? Wie ist es möglich, dass Menschenkinder unser Märchenreich betreten können?" Die Waldraune lächelte: „Die Heimatliebe wird sie zu euch führen."

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Vor Ausstellung betroffen über Amokfahrt

In der Stadtbibliothek Remscheid wurde gestern Nachmittag von Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz die Ausstellung „verschieden | gleich | zusammen“ eröffnet, ein Foto-Projekt des Jugendzentrums „Die Kraftstation“, Freie Jugendarbeit Remscheid-Mitte e.V., der Albert-Einstein-Gesamtschule (AES) und des Berufskollegs Wirtschaft und Verwaltung der Stadt Remscheid, das Befindlichkeiten und Sichtweisen einer Gruppe junger Menschen in dieser Stadt sichtbar und greifbar machen will. Schüler und Schülerinnen der Jahrgangsstufe 12 der AES zeigen in unterschiedlichen Arbeiten, inszenierten Fotos und Porträts mit eigenen Textzeilen Reflexionen über sich selbst in dieser Stadt mit Menschen aus rund 140 Nationen. Und die Internationale Flüchtlingsklasse des Berufskollegs verknüpfte farbige Fotos aus der Heimat der Schüler*innen mit aktuellen Fotos von ihnen. Bei den Betrachtern sollen die Fotos eigene Reflexionen auslösen über Verschiedenheit, Gleichheit und Zusammengehörigkeit. Die künstlerische Leitung hatte der bekannte Remscheider Fotograf Thomas E. Wunsch. Das Projekt wurde vom Ministerium für Familie, Kinder, Jugend und Sport des Landes NRW durch die Landesarbeitsgemeinschaft Soziokultureller Zentren NW gefördert. Bevor der Oberbürgermeister auf die Ausstellung zu sprechen kam, äußerte er seine Betroffenheit über den gestrigen Anschlag im kanadischen Toronto, die Amokfahrt eines 25-Jährigen mit bislang zehn Toten und mehreren Schwerverletzten.

Das Remscheider Platt verschwindet

von Cornelia Schmidt

Ja, das Remscheider Platt ist ein Teil meiner Vergangenheit, aber auch meiner Gegenwart und hoffentlich Zukunft. Gerne möchte ich meinen Teil dazu tun um es der Nachwelt zu erhalten, denn es ist erhaltenswert und der regionale Dialekt ist in anderen Kulturkreisen wie z.B. dem bayrischen oder dem kölschen tief verwurzelt und beliebt. Warum hier nicht auch.

Auch unser Dialekt in Remscheid hat eine Authentizität und ist kaum mit anderem „Platt“ zu vergleichen, obwohl natürlich innerhalb Remscheids z.B. in Lennep oder Lüttringhausen kleinere Unterschiede in der Aussprache durchaus zu bemerken sind. Einzelne Wörter in Mundart werden zu Schmuckstücken in einer Alltagssprache, die immer weiter vermischt und verzerrt wird. Modewörter wechseln mittlerweile so häufig wie manche Menschen ihre Unterwäsche. Wir kommen kaum noch mit. Am Anfang sind sie lustig und zum Schluss lästig und unnötig.

Die Regionalen Anteile im allgemeinen „Wortschatz“ gehen seit Jahren spürbar zurück. Immer weniger Menschen sprechen im Alltag regionalen Dialekt. Leider ist das Platt keine lebendige Sprache mehr, die Mundart schwindet und warum, weil sie nicht genutzt wird. Die Fähigkeit „Platt“ zu reden, geht allmählich verloren, weil man eben niemanden mehr hat, mit dem man sie sprechen kann.

Aber wenn zwei „plattsprechende“ Menschen aufeinandertreffen, kann diese „Sprache“ auch Herzen öffnen. Es ist keine Fremdsprache, sondern eine Bekanntsprache. Erinnerungen werden wach, Oma und Opa haben so doch immer gesprochen. Überall höre ich „ja lesen kann ich es noch und freue mich über jeden Beitrag, aber sprechen geht leider gar nicht mehr“ Gut dass es Leute gibt, die sich redlich bemühen, das Remscheider Platt, soweit als möglich, für die Nachwelt zu erhalten. Da gebührt den Plattkallern vom Steffenshammer und der Lüttringhauser Heimatbühne meinen Dank.

Jahrelang hieß es, Mundart steht für wenig Intellekt. Es ist völlig anders. Ich spreche hier bewusst von einer gewissen Zweisprachigkeit, mit der auch ich aufgewachsen bin. Hochdeutsch und Mundart klingen einfach anders. Man entwickelt ein genaueres Sprachverständnis und ist durchaus in der Lage, einen Blick von außen auf die sprachlichen Strukturen des sogenannten „Hochdeutschen“ und seinen Ablegern zu werfen. Die innere Zweisprachigkeit trainiert die Auffassungsgabe und das abstrakte Denken. Nicht umsonst wird es in anderen Regionen z.B. im Münsterland schon in der Grundschule gefördert.

Die Kritiker mögen jetzt einwerfen, es gibt wichtigere Dinge als den Erhalt des Plattdeutschen als lebendige Sprache. Die gibt es sicherlich. Aber versuchen dürfen wir es doch, meinen Sie nicht auch?
Bös strackes.

Alte Jungfer, oder: Alins Gelübde

von Alma Mühlhausen

Feierabendruhe lag über der Ortschaft, die ihre Schieferhäuschen wie Spielzeug an die Landstraße gestellt hatte. Vom Tal klang gedämpft das Rauschen der Wehre herauf und schläferte wie ein sanftes Wiegenlied die Blumen in den Gärten ein.

Auf der Bank, die um den hohen Nussbaum lief, saßen drei alte Frauen. Hin und wieder drang ein Kichern in die blaue Abendschönheit, wenn so ein Altchen etwas drastisch seine Jugenderlebnisse schilderte. Doch eine der Frauen, die sich nicht an dem Gespräch beteiligte, schaute mit stillen Augen in das goldene Blinken der Sterne. „Aline", sagte die Hagere, „du ewiges Jüngferchen ,schweigst. Aber was weißt du auch schon von der Liebe? Dir sind die Männer zeitlebens eine Null gewesen."

Ein Schweigen folgte diesen Worten, in das nun leise, wie tastend, die Stimme der Silberhaarigen fiel: „Und doch, Paula, als man damals den jungen Hammerschmied erschossen am Kottenweg fand, hat es Aline schwer getroffen. Ganz so jeglicher Frauenliebe bar ist sie doch nicht. Was meinst du, Aline?"

Die Angeredete fuhr aus ihrer Versunkenheit auf und ein bitteres Lächeln, das nur dem Mond sichtbar war, legte sich um ihren Mund, als sie sagte: „Was wisst ihr schon von mir? Ich lebte mein Leben so, wie ich es leben musste."

„In diesen Tagen jährt sich die Geschichte von dem Hammerschmiedegesellen zum sechzigsten Mal", bemerkte die Silberhaarige und zog fröstelnd ihr Umschlagtuch fester um ihre Schultern. Wieder spann das Schweigen um die Frauen. Da erklangen vom Nachbargehöft die Weisen eines Akkordeons herüber. Es war ein schwermütiges Lied, das von Liebe, Glück und Leid sang. Nun schwieg das Lied und der köstliche Abendfrieden lag wieder leise atmend über der Landschaft. Plötzlich zerriss ein schluchzender Laut die Stille, und Aline, den Kopf an den Stamm des Nussbaums gelehnt, weinte bitterlich. „Aline", bat Paula, „ich habe es schon immer gefühlt, dass dich etwas drückt, kannst du uns nicht sagen, was es ist?" ,,Ja", erwiderte Aline, „ich will euch meine Geschichte erzählen, das Lied hat mich weich gestimmt. Und wenn ihr sie erfahren habt, werdet ihr verstehen, warum ich einsam blieb . . .

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Die Rechnung des Kälkers

von Alma Mühlhausen

Vor der Jahrhundertwende wohnte im Hatzelangk der Maurer Wilhelm W., der sich aufs Kalken spezialisiert hatte. Als er einmal den Auftrag erhielt, einem kleinen Fachwerkhaus ein sauberes Kleid zu pinseln, wünschte der Auftraggeber, der in Elberfeld wohnte, ihm die Rechnung nach dort zu schicken. Als das Haus im frischen Gewand prangte, kratzte sich der Welm den angetrockneten Kalk von seinem Schädel, und ein Donnerkiel nach dem andern flog über die bärtigen Lippen des Spezialisten. Eine Rechnung schreiben . . .? Ne, das hatte unser Alter noch nie gemacht. Er wusste wohl mit dem Wittquast umzugehen, aber mit der Feder? Und mit der Formulierung kam der braue Müerer schon gar nicht zu Recht. Hoch und heilig schwor der Welm, niemals mehr einen Auftrag entgegenzunehmen, nach dessen Vollführung er eine Rechnung schreiben müsse.

Doch als der Welm noch einige Dutzend Donnerkiele vom Stapel gelassen hatte, kam ihm ein Einfall. Er setzte sich an die wurmstichige Kommode und schrieb mit ungelenker Hand: „46 Quadratmeter weiß geweißt und 12 Quadratmeter schwarz geweißt." (aus: „Der Heimat zur Ehre. Bergischen Anekdoten und Geschichten“, 1960, von  Alma Mühlhausen. Mit freundlicher Nachdruckgenehmigung der Erbin Erika Kleuser)

Gerne weitere Beitrage auf Platt im Waterbölles

Wer Lust hat, Remscheider Platt „te kallen“, ist am Dienstag, 24. April, 18.30 Uhr, in der Denkerschmette an der Kippdorfstraße herzlich willkommen, Denn das Durchschnittsalter dortige Kreis der Plattkaller wird unvermeidbar größer und der Kreis gleichzeitig kleiner. Ein biologischer Automatismus. Stadtführer Klaus Schmidt dürfte daher mit seiner Prophezeiung „Wir können das Platt unter uns pflegen, aber nicht in die nächste Generation retten" durchaus recht haben. Vergangenen Dienstag traf sich ein gutes Dutzend Plattkaller in der Denkerschmette, um einen Weg gegen die sprachliche Auszehrung zu finden. Keine leichte Aufgabe, auch wenn sich Susanne Marquardt vom Schmetten-Team der Denkerschmette, die zu dem Treffen eingeladen hatte (ein weiteres soll es am 26. Juni ab 19 Uhr geben) optimistisch gab. Interesse für das Remscheider Platt in den Schulen wecken? Klaus Schmidt meldete Zweifel an: „Die Lehrer, die selbst kein Platt mehr sprechen, können dafür auch Schüler interessieren!“

Christian Wüster, Vorsitzender der Lüttringhauser Volksbühne, war da optimistischer und verwies auf die jungen Leute, die zu den Theateraufführungen nach Lüttringhausen kommen. „Wenn wir unsere schöne Mundart nicht jetzt professionell weitergegeben, hat sich das Thema in ein paar Jahren erledigt!“, meinte er." Da fand der Bericht von Sabine Marquardt Anklang, die Stadtbibliothek habe den Mundartfreunden Lesestunden „op Platt" angeboten. Zugleich wünschte sich Sabine Marquardt einen Nachfolger für den verstorbenen Plattkaller Bernhard Hütt als Verfasser mundartlicher Geschichten und Dönekes in der Lokalzeitung. Und auch über ein Kochbuch mit bergischen Rezepten auf Remscheider Platt soll nachgedacht werden.

Unter den Gästen war am Dienstag in der Denkerschmette auch. Cornelia Schmidt, den Leserinnen und Lesern des Waterbölles besser bekannt als „Et Klärchen“ (Zeichnung links), das sie ihrer Urgroßmutter gewidmet hat. Ihr aktueller Beitrag im Waterbölles ist vom vergangenen Mittwoch. Der lädt auch andere Plattkaller zu heiteren oder besinnlichen Beiträgen auf Platt herzlich ein.

De Güös vam Klärchen

Dat Klärchen hat wiar wat jemakt. Für en paar Weeken har ech enn Aanruop vam Angelverein jekregen. De Güös han am Water drei Eier affjeleit, evver jenau do wo die Angeln wuolen. Ob ech die affhollen wual, för enn ordentleche Portion Schmeerbrei för den Kaal. Jo datt han ech dann och jemakt.

Datt woaren Eier van de Kanada-Guos. Staatse Dier sind datt, evver em Bergesche nit tehiemen. För de Brodpann woaren de Eier völl te schad. Ech han joo in de Katekomben en Inkubator tum utbruoden. Ech han se ess do drin jedonn unn bin seit enn paar Weeken am bruoten. Ech mut se drehen un wässern un och moals affküahlen looten. Ob ett jett gitt, datt glüaf ech nit, bim durchleuchten, datt hitt schieren, sin ech nix. Am 28. Dag suolen se schlüppen. Na ja wenn ett nix geit, dann es ett su wie ett ess. Obwohl datt wür för mianen Gaaren nett, dann gütt ett nich miar so föll Schneelen emm Schloot.  Ess affwaaren watt datt gütt.

Mett ussern nieuen Nachbarn ess och jett schwierig. Die dälwen türkisch unn hand völl Besüök am Weekenend. Jetzt woaren see bie demm Weeder och emm Gaaren und wuolen grellen. Datt woar enn Gedüöns, do hand se iarschtemol enn paar Deckenpaneelen verstookt und später dodrob jegrillt. Ech wuol grad watt röberruopen, ob se och noch de aulen Socken vam Kaal mett verstooken wuolen, datt jütt noch miar Qualm und Galm noo Stenkkees. De Möschen fallen jetzt schon duot vam Buam bie demm Daump denn se maaken. Evver de mian Jong de Pitter seet, sinn still, lott se in Ruah, datt hüart och gliek opp. Sinn nitt so büos zu de nieuen Nachbarn, die müaten sech noch einfinden, die mianen datt nech schleit.

Ech bin evver och in letzter Tied arch nerwös. Ech schloop schleit, hann völl Kopp-Piene unn binn am kräntefießen. De Kaal hätt dodrunger de liaden. Wenn ech wiar rechteg in Fahrt bönn, dann seet he emmer,  wenn dee „Darth Vader“ de schwatte Keärl vam Starwars owens een ett Bedde giat, dann kiekt he iarschtmol noo, opp du doo drunger liass.

Evver bald sin Feregen för dat Klärchen un den Kaal. Es giat an de See. Irgendwo bie Cuxhaven ech har ett vergieaten wie ett hitt. Unn wenn de Güös schon do sinn,  nemm wiar se ienfach mett.

Bös strackes önker Klärchen

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 Güös/Gänse, Brodpann/Bratpfanne, Schneelen/Schnecken, Schloot/Salat, dälwen/schwätzen, verstooken/verbrennen, Möschen/Spatzen, Daump/Dampf/Qualm, kräntefießen/nörgeln, Feregen/Urlaub,

Lisettes Standpunkt zur Vornehmheit

von Alma Mühlhausen

Lisette, eine Magd vom alten bergischen Schlag, diente bereits fünf Jahre im Hause eines Exportkaufmanns, als sie erklärte, sich verändern zu wollen. Da man Lisettes Dickschädel kannte und wusste, dass es vergeblich war, das tüchtige Mädchen umzustimmen, musste man es wohl oder übel gehen lassen. Bekannte hatten Lisette auf eine „Stelle" im Hause eines Sägenfabrikanten aufmerksam gemacht und den gediegenen, echt bergisch geführten Haushalt in höchsten Tönen gepriesen. So stellte sich die „Perle" eines Tages dann vor. Die Frau des Hauses, der Lisettes Personalakten hinreichend bekannt waren, besann sich keinen Augenblick, das Mädchen einzustellen. Und was die Lohnfrage betraf, zeigte sich die Fabrikantenfrau großzügiger als die vorige Herrschaft. Schon wurde der Mietstaler bereitgehalten, um, der damaligen Sitte gemäß, den Mietvertrag abzuschließen. Da fragte Lisette: „Madamm, wie is et dann mit dem Ausgang? Auf der vorigen Stelle hatte ich jeden zweiten Sonntag frei."

„Bei uns haben Sie jeden Sonntagnachmittag frei, Lisette. Aber Sie dürfen mich nicht mit Madamm anreden. Das sind vornehme Fisematenten, die bei uns nicht üblich sind. Bei uns geht es ordentlich, aber einfach zu. Die Mädchen werden bei uns zur Familie gerechnet und nehmen auch mit uns die Mahlzeiten ein."

Bei den letzten Worten der Fabrikantenfrau hob Lisette den Kopf mit der schweren Flechtkrone und schaute ihr Gegenüber mit einem undefinierbaren Blick an. „Ne, Madamm, dann is dat nix for mich", erklärte das Mädchen mit einem geringschätzigen Lächeln um den Mund. „Wo et so gewöhnlich hergeht, zieh ich nit hin."

Und bevor die Dame recht verstanden hatte, war Lisette mit einem „Adjöh un nix for ungut" verschwunden. (aus: „Der Heimat zur Ehre. Bergischen Anekdoten und Geschichten“, 1960, von  Alma Mühlhausen. Mit freundlicher Nachdruckgenehmigung der Erbin Erika Kleuser)

Die Granatbrosche, eine Ostergeschichte

von Alma Mühlhausen

„Doris", sagte die alte Frau, mährend sie der Enkelin eine Schmuckkassette hinschob, „suche dir zum morgigen Ostertag etwas Hübsches aus". Freudig überrascht schaute das junge Mädchen auf. „Wenn ich schon wünschen darf, Großmutter, dann möchte ich die Brosche gerne haben, die du am Kleid trägst."

Ein Schatten glitt bei den Worten des jungen Mädchens über das Altfrauengesicht. „Warum muss es dann ausgerechnet die Granatbrosche sein, Doris? Du weißt doch, wie ich an ihr hänge." „Deshalb wird sie mir als Andenken umso teurer sein", sagte Doris und schmiegte ihren blonden Wuschelkopf an die Schulter der Greisin. Doch die alte Frau wehrte ab. „Von dieser Brosche, die ein Ostergeschenk deines verstorbenen Großvaters ist, werde ich mich vor meinem Tode niemals trennen. Sie ist mir mehr als nur ein Schmuckstück". „Dann hat die Brosche vielleicht ihre Geschichte, Großmutter?" „Ja, Kind, die hat sie..."

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