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Auf Erkundung mit einem Remscheider Stadtführer

Donnerstag, 19. September, 14 Uhr,
Lennep Neustadt, Gang durch die Lenneper Neustadt mit anschließender Bergischer Kaffeetafel,
drei Stunden. Lothar Vieler, Treffpunkt wird bekannt gegeben, 15 Euro.

Lars Johann. Foto: Lothar KaiserSamstag, 28. September, 15 Uhr,
Whisky-Wanderung, Hasten Inside – Hastener Bürger öffnen ihre Häuser zum "Gucken" und Whisky tasten,
drei bis vier Stunden, Lars Johann (Foto links), Treffpunkt wird bekannt gegeben, 40 Euro.

Samstag, 28. September, 13.30 Uhr,
Müngsten. Von einem verschwundenen Dorf zur Müngstener Brücke,
1,5 Stunden, Klaus Fickert, Parkplatz Brückenpark, fünf Euro.

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Carl und Ottilie im Archiv, bis Haus Cleff fertig ist

Remscheids ältester Werkzeughersteller, der sich mehrheitlich noch im Besitz der Gründerfamilie befindet, ist die ARNTZ GmbH + Co. KG. Das mittelständische Unternehmen mit Hauptsitz in Remscheid, Lenneper Straße 35, das auf 225 Jahre Firmengeschichte zurückblickt, hat sich auf Hochleistungssägebänder für die Zerspanung unterschiedlichster Metalle spezialisiert. Die werden in mehr als 80 Ländern nachgefragt. So wurden zum Beispiel auch die Doppel-T-Träger für das New Yorker „One World Trade Center“ in Manhattan mit Sägebändern von Arntz auf Maß gesägt. Geleitet wird das Unternehmen mit seinen 180 Mitarbeitern an vier Standorten in 7. Generation von Dipl.-Ing. Jan Wilhelm Arntz.

Dass Seniorchef Johann Wilhelm Arntz  zu den Remscheider „Fabrikanten“ gehört, die sich noch auf Remscheider Platt verstehen (und es mit ihrem Mitarbeitern auch noch gepflegt haben), wurde gestern im Deutschen Werkzeugmuseum deutlich. Dorthin war der 80-Jährige gekommen, um der Stadt Remscheid ein Geschenk zu machen: Zwei Öl-Gemälde aus der Mitte des 19. Jahrhundert. Stadtdirektor Sven Wiertz und Museumsleiter Dr. Andreas Wallbrecht nahmen die beiden Werke des Malers Johann Richard Seel („Düsseldorfer Schule“) dankend an. Sie sollen auf unbestimmte Zeit „unter guten klimatischen Bedingungen “im Archiv des Historischen Zentrums an der Hastener Straße zwischengelagert werden. Der endgültige Standort der Gemälde steht aber schon jetzt fest: „Haus Cleff“. Denn die Bilder zeigen das Ehepaar, das dort  einst gewohnt hat: Carl Cleff (1820 - 1876) und seine Frau Ottilie.

Die Gemälde gehörten früher Werner Arntz, dem Onkel von dem Onkel von Johann Wilhelm Arntz. Nachdem dieser im vergangenen Jahr gestorben war und von den direkten Nachfahren sich niemand für diesen Teil des Nachlasses interessierte, gingen die Porträts an Johann Wilhelm Arntz über. Und der fühlte sich schon immer seiner Heimatstadt Remscheid und ihrer Geschichte verbunden. Nichts lag also näher, als die Gemälde dorthin zurückzubringen, wo sie lange in der „guten Stube“ gehangen hatten. „Hoffentlich gelingt es, Fördermittel für die Sanierung von Haus Cleff einzusammeln!“, wünschte der Spender gestern Stadtdirektor Wiertz. „Das alte Patrizierhaus in neuem Glanz, das würde ich gerne noch erleben!“

Hintergrund: „In dem auf den Niedergang der Sensenherstellung um 1700 folgenden Aufschwung der Kleineisen- und Werkzeugindustrie in Remscheid und Umgebung mit etwa 300 Schmiedebetrieben um 1760 und den darauf gegründeten prächtigen Wohnhäusern der Kaufleute auf den Höfen rund um Remscheid, ist die von der Familie Hilger gegründete und dann im Wesentlichen von den Cleffs entwickelte Anlage in Remscheid-Hasten eines der bedeutendsten Zeugnisse. (...) 1847 übernahmen die Brüder Fritz und Carl Cleff Häuser und Grundstücke und verlegten ihr Exportgeschäft von Solingen nach Hasten. Einer in Remscheid und Umgebung verbreiteten Tendenz folgend wurde das Doppelhaus der Kaufleute in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts durch die Cleffs ergänzt um Büro- und Produktionsbauten. Zunächst entstand 1873 ein Bürobau, dann 1881 eine Fabrik zur Produktion von Werkzeuge mit Dampfmaschine und 1897 wurde eine Shedhalle errichtet.“ (Prof. Dr. Walter Buschmann, Aachen, Lehr- und Forschungsgebiet Denkmalpflege und Historische Bauforschung)

Ziel ist reizvolle gastronomische Location

Röntgens Geburtshaus in Lennep, das ehemalige Ärztecasino im Südbezirk, ein Wohnhaus in Ehringhausen, der Steffenshammer im Morsbachtal, der Bismarckturm im Stadtpark oder die alte Feilenfabrik Ehlis im Eschbachtal – beim gestrigen Tag des offenen Denkmals hatten interessierte Bürger/&innen die Qual der Wahl. Der Waterbölles entschied sich für letzteres, schon um bei fortschreitender Sanierung der historischen Fabrikanlage durch den „Förderverein zur Erhaltung der Feilenfabrik in Schlepenpohl e. V.“ (Thomas Abbas, Werner Wand, Walter Pricken) auf den neuen Stand zu kommen, nachdem er die bisherigen Arbeiten mit der Foto- und Videokamera begleitet hatte. Diesmal war der Architekt Detlef Jürgen aus Hemer der Gesprächspartner. Er berichtete von den umfangreichen Arbeiten am Dach und dem mühsamen Entfernen von diversen Farbschichten an den Innenwänden, um die schöne Struktur der gelben Klinkersteine wieder hervortreten zu lassen. Als nächstes werden dann Brandschutzmaßnahmen anstehen. Schließlich soll „Ehlis in Schlepenpohl“ nicht nur Museum und Wirkungsstätte für einen Handwerker oder Künstler werden, sondern auch eine besonders reizvolle gastronomische  „Location“. Aufgebaut wurde inzwischen der nostalgische Ehlis-Messestand mit vielen Originalteilen. Seit den 1950 Jahren genoss der Messestand Kultstatus auf der Eisenwarenmesse in Köln.

Die reifen Birnen kullerten die Gasse hinunter

von Dr. Wilhelm R. Schmidt

Liebe Freunde des Bergischen Landes, liebe Lenneper, gerade erst hatten wir die Pilgergasse. Wenige Meter oberhalb liegt in Lennep ein Teil des Gänsemarkts, der ebenso wie die Pilgergasse seinen Namen der fehlerhaften Übernahme eines historischen Familiennamens verdankt. Der Gänsemarkt, an dem es trotz des modernen Gänsebrunnens anno dunnemals allenfalls privat gehaltene Gänse gab, und der in diesem und im nächsten Jahr wegen der Röntgen-Jubelfeiern sogar weltweit bekannt gemacht wird, hieß übrigens zu Beginn des 19. Jahrhunderts noch Poststraße, denn in der Tat führte diese von der Schwelmer Straße vor das "Lüttringhauser Tor", später Kaiser- bzw. Mollplatz genannt. Dort befand sich ja die alte Lenneper Post mit ihren Pferdeställen.

Aber zurück zu dem heute hier abgebildeten Teil des Lenneper Gänsemarkts. Für mich ist der beeindruckendste Teil der alten Fotografie oben links der große Baum an der Ecke zur Pilgergasse. Können sich die Lenneper noch daran erinnern?!  Es war ein uralter großwüchsiger und breitstämmiger Birnbaum, der auf unserem Bild in voller Blüte steht. Nach der Aussage eines Anwohners in der Pilgergasse kullerten die reifen Birnen "gerne" die Gasse hinunter. Als das Foto Anfang der 1920er Jahre gemacht wurde, da war dieser Baum wie erwähnt schon alt, und er erinnert mich an die uralten Birnbäume meiner eigenen Familie am Mollplatz, oberhalb von "Jouhri´s Grill" heutzutage. In dessen jetziger Gaststube war bis 1970 sozusagen die Waschküche unseres alten Schieferhauses.

Das Foto wurde vor fast 100 Jahren von einem Lenneper Fotoamateur gemacht, Fritz Lüns, einem Oberlehrer, der mit Familie auf der Knusthöhe wohnte und mit weiteren Lenneper Fotografen befreundet war, u.a. mit Fritz Schurig, der am Alten Markt lange Zeit ein Fotogeschäft betrieb. Historische Schwarz-Weiß-Fotos aus dem alten Lennep habe ich ja viele, in verschiedenen überkommenen Sammlungen, aber bis jetzt hat sich kein Interessierter für die Mithilfe bei einer Ausstellung in Lennep gefunden. Es bringt aber nichts, mangelndes Interesse an der Orts- und Regionalgeschichte zu beschreien, die Fotos sind trotzdem schön und wichtig für unsere Lenneper Geschichte.

Diederichskotten: Um 1854 wohnten hier 13 Personen

Ältestes Bild vom Diederichskotten (1880). Sammlung: EhretAls ein sehr leistungsfähiger Kotten, dem nicht nur die Wasserkraft des Vieringhauser Baches, sondern auch das vom Kremenholler Steg abgeleitete Wasser des Lobaches zur Verfügung stand, ist der Diederichskotten überliefert. Als „Hens-Jans-Kotten“ hat er seine zweite Erwähnung um 1750, als auch der Neubau entstanden ist.  Als „Walkhäuschen unter Vieringhauser Hoff“ fand dieser Kotten seine nächste Erwähnung (1750). Als Schlebuschs Schleifkotten taucht er 1765 in den Unterlagen wieder auf. Schlebusch stammte aus Leverkusen und hatte zu seiner Zeit einige Tuchwalkmühlen im Remscheider Raum gekauft oder gepachtet. 1780 kauften J. P. Diederichs & Söhne von der  Schüttendelle die Walkmühle. Da das Wasser des oberen und unteren Bergerskotten nicht ausreichte, beschloss man, vom Lobacher Steg einen Obergraben zu ziehen und Wasser des Lobaches mit dem des Vieringhauser Baches zu vereinen, um eine große Schleiferei betreiben zu können.

1852 war der Kotten bereits seit sechs Jahren an den Feilenschmied August Pleiss vom Kremenholl vermietet. Er baute einen weiteren Schleifstein ein.  Pleiss war verheiratet mit Helena Rosina Borlinghaus und war von 1852 bis 1863 Stadtverordneter in Remscheid.  Man weiß nicht genau, ob es Pleiss war, der das Wohnhaus 1852 an der Stelle eines vorherigen Gebäudes erbaute. 1852 verpachtete er jedenfalls an den Schleifer Reinhard Becker.

Diederichskotten beim Abriß (etwa 1920). Sammlung: Ehret1854 wohnte Becker mit 13 Personen, darunter Ehefrau, Kindern, Lehrling und Knecht, in dem Haus, was zu dieser Zeit durchaus üblich war, denn Kost und Logis wurden vielfach vom Hammerherrn gestellt,  natürlich gegen einen Obulus. Große Obstbäume sind noch auf alten Fotos zu erkennen und lassen auf einen großen Garten schließen. 1852 gab sich Pleiss nicht mit den eigenmächtigen Stauteichveränderungen der Besitzer des unterhalb gelegenen Ehlishammers zufrieden und beschwerte sich schriftlich beim Landrat „von Bernuth“ zu Lennep, dass diese Veränderung die Wasserregulierung für seinen Kotten negativ beeinträchtige. 1829 zog als Pächter Friedrich Wilhelm Pickert ein. Dieser betrieb den Kotten mit einem Wasserrad, das zwei Schleifsteine zum Schleifen von Stahl- und Eisenwaren und eine Polierscheibe einzeln oder zusammen antrieb. 1831 wohnte in dem naheliegenden Wohnhaus Friedrich Röber aus Lindlar mit seiner aus Dabringhausen stammenden Frau und einem Kind. Vor dem Ende der 1880er Jahre war in der Schleiferei eine große Drechselei und ein Kleinbetrieb des Isaak Ullrich untergebracht. Dieser arbeitete dort bis zum ersten Weltkrieg. Danach erwarb die Stadt Remscheid das gesamte Diederichskotten-Gelände. Pleius  verstarb 1895. Um 1920 pachtete die Firma Karsdorf & Braun den Kotten und fertigte Feilen, zuletzt unter dem Namen Paul Karsdorf. (aus: „Hämmer und Kottenforschung – Lobachtal (Hammertal), Bergbau in Remscheid“, 2007 herausgegeben von Günther Schmidt)

Lompenkeärl/Schruonenkeärl

Nöülich wo ett su warm woar, do muast ech ens oprümen emm Gaarden. Ett sammelt sech jo völl Müll aahn. Man kuan joo nich alles in den Affallemmer schmiaten, datt passt jo nitt.

Ech han noch van mieanem Vader enn sälwer jeschweisste Holliwuudschokkel uat nem aulem Beddjestell ut Isen emm Weege stonn. Die ess schon urault unn langksam rostereg. Kurzöm die muss wech.

Dann muass ech opp dat Piepenspell vam Lompenkeärl waaren, denn in den Affallemmer kräech ech die nitt.

Letzden Sooterschdaag do hüör ech enn. Wie van de Tarantel gepitscht, spring ech vam Meddagsdisch opp. De Kaal hätt sech su erschreckt, datt he sech am Meddacheeten verschluckt hätt. He woar am kröchen unn am schnoddern. Watt häst du dann opp ianmol, hätt dech ne Seckromelte gestochen odder watt, sait de Kaal. Ne de Lompenkeärl kömmt, ech muass runger, damet he us de aul Holliwuudschokkel mett nömmt, bevor der wiar verschöttgiat.

Ech staul mech an denn Gaarentuun un waar bess he kömmt.  De Kaal röppt mir noch hengerher, die Aul wüard och emmer wongerlecher. Ach watt der emmer hätt.

Do kuomen se joo, enn witten Liewerwagen mit twei jonge Keärls drenn. Ech zeich den datt gruote Diel un se fangen aahn te schruwen. Ett duart ne Tied lang bis se datt Diel uterrien geschruwt han, hengerher send se mem Haamer dran gegangen, weil de Schruwen festgerostered send.

Alles uterrien geschruwt mötten se datt schwere Diel jo nu noch en den Liewerwagen schleppen. Se woaren am schwetten, denn ett woar joo Meddach un weit öwer dressig Grad.

Wie dat letzte Gestell van dem jöngeren der Lompenkeärls uut dem Gaarden geschleppt wuard, seed der zu mir:  Darf ech sie um ein Glas Wasser bitten.

Joo secher, sach ech, unn da viel mir ein, datt ech för reterasch joo den Schlüotel för de Huusdüar vergeeten har.

Da fiel mir ein, datt ett joo emm Gaarden och fresches Water gött, emm Gaardenschlauch. Ech nemm enn molls mett unn dann maak ech emm dat Water aan.

Da har ech watt jemakt. Iarscht lött he sech datt fresche Water in de kotte Buxe luopen unn dann öwer den ganzen Balch. Jetzt fiel ett miar wie Schoppen van de Uogen, watt datt iegentlech för enn staats Keärlken woar. He woar plester naat unn datt Kamesol klewt emm am janzen Balch. Datt woar enn netten Aanbleck, dat sach ech önk, unn alles in mianem Füargaarden. Woangers mötten de Wiewer für sowat föll Geild betaalen. Ech hang datt ömsönst gekregen unn de Holliwuudschokkel ess och noch wech.

Wenn ech datt dem Kaal vertell, dann ess he wiar aangebranngkt, also halt ech miane Frete un genieße stell.

Ach gedronken hätt de Lompenkeärl och watt, ewer datt woar jo Nebensache.

Unn jetzt hann ech kian Tied miar, ech muass enn den Keller un söken, opp ech noch watt för den Lompenkeärl för nechste Weeke har. Ett soll och wiar ordentlech warm werden.

Bös strackes önker Klärchen

Die doppelte Schuldenlast war nur schwer abzutragen

Vorderer- und hinterer Kotten um 1890. Sammlung: Kahl

Der Anschlagkotten lag unterhalb der Müngstener Brücke, dort, wo heute die "Seilbahn" die Wupper quert. Er ist bereits auf einer Karte von 1715 verzeichnet und somit älter, als alle Historiker, die über diesen Kotten geschrieben haben, vermuten. Von der genauen Lage des Doppelkottens ist nichts mehr zu erkennen. Waren bis vor Jahren noch Reste der Mauern, Grabenanlagen oder Reste des Wasserrades zu sehen, ist im Laufe der Zeit, zuletzt aber bei der Umgestaltung zum Müngstener Brückenpark 2006, jegliches Zeugnis alter Historie verschwunden.

Die älteste Urkunde über den Kotten ist in dem Buch der "Scholarchen" (Reformierte Gemeinde Solingen) von 1737 zu finden, wo die Eheleute Peter Moll und Anna Margaretha Ohlig zur Eick bei den Scholarchen ein Kapital „von 100 Talern kourant und 52 Albus kölnisch“ aufgenommen hatten, um es mit 3 1/2 % Verzinsung zurückzuzahlen. Ein halber Schleifkotten wird in den Gerichtsakten später wiedergegeben, "nach einer freundlichen Mitteilung von Herrn Rechtsanwalt K. Kriegsbaum, Solingen" zu gleichem Datum wie auch die Geldaufnahme. Rosenthal fand in den Akten, dass die Zinsen nur einmal am 25. Mai 1738 gezahlt wurden, bevor dann eine vierjährige Pause einsetzte. Bürgermeister Johann Knechtgen, - so nennt ihn das Scholarenbuch -, zahlte für die Eheleute ab.

Ableitung zum Obergraben. Foto: HIZ RemscheidDer Übergang der Zahlungsfrist beruhte auf einem Vertrag, den die Eheleute Peter Moll am 16. Juni 1742 mit Bürgermeister Johann Knecht jun. Abgeschlossen hatten. Sie übergaben Johann Knecht eine gerichtliche Obligation "sprechent auf meinem halben Schleifkotten am Anschlag" und empfingen dafür die Summe von „100 Thalern cr. zu je 52 Alb. Köln“. Außerdem erhielten sie von Knecht noch das Geld zum Wiederaufbau des vor "etwa paar Jahren durch feuer Volichs in die Asche" gelegten Kottens (Zwischen 1738 und 1741 war der Vorderkotten abgebrannt, ohne den Hinterkotten in Mitleidenschaft zu ziehen). Alles in allem nahmen sie bei Knecht ein Darlehen von 203 Reichstalern 8 Albus zu 3 1/2 % auf. Knecht übernahm die Zinszahlungen an die reformierte Gemeinde, die Eheleute Moll verpflichteten sich dagegen, das Leihkapital und die Zinsen dadurch abzuverdienen, dass sie für Knecht für den halben Lohn schleifen würden. Außerdem traten die Molls noch die Pacht ab, die sie von Albertus Clauberg empfingen, der die andere Hälfte des Kottens gemietet hatte. Solche Pachtverträge, die auf vier Jahre abgeschlossen wurden, liegen aus den Jahren 1746 und 1749 im Stadtarchiv Solingen vor.

Noch steht alles friedlich. Foto: HIZ RemscheidKnecht sicherte sich durch das Darlehen an Peter Moll einen Heimarbeiter, bei dem er vor überraschenden Lohnforderungen sicher war. Der Darlehensvertrag enthielt eine halbjährige Kündigungsklausel, und dadurch hatte der Kaufmann Knecht den Schleifer Moll in der Hand. Zugleich gewähren uns die Unterlagen für den Anschlagkotten einen Einblick in die damalige Finanzierung einer Kottenanlage. Die Kotten wurden aus Eigenmitteln unter Zuhilfenahme einer Hypothek errichtet. Man konnte gegen die Sicherheit eines halben Schleifkottens 100 Rtl. aufnehmen. Da Peter Moll durch die Vernichtung des Vorderkottens den Oberbau und die Einrichtung verloren hatte, musste er sich die gleiche Summe noch einmal beschaffen und so eine doppelte Schuldenlast auf sich nehmen, die nur schwer abzutragen war. Der Hauptwert eines Kottens steckte also nicht in dem Kottengebäude selbst, sondern in den dazugehörigen Anlagen." So weit die Ausführungen von Rosenthal. Franz Hendrichs berichtet noch, dass Schwertklingen und -scheiden, Tafelmesser als auch Sägen, Beitel, Hobeleisen und Schlittschuhe dort geschliffen wurden.

Die letzten Besitzer des Hinterkottens waren lt. Franz Hendrichs die Familien Meis und Abraham Picard. Diese Namen kommen in den Solinger Unterlagen leider nicht vor. Vielmehr suchten am 5.3.1750 die Erben Joh. Ascheuer um ein Darlehen nach. Als Sicherheit boten sie ein Erbgut, welches unter den Kindern aufgeteilt war und dessen dritter Teil 675 Taler an Wert darstellte. Hierzu ist geschrieben, dass das Erbgut mütterlicherseits von Hermann Moll selig "nebst halbem Kotten am Anschlag" komme. Das Gerichtsprotokoll sagt aus, dass die andere Hälfte des Anschlagkottens der Frau Ascheuer geb. Moll gehört und deren Vater Hermann Moll. (Wäre für die Historiker noch zu klären, ob Hermann Moll und Peter Moll Vater und Sohn waren oder Brüder.) Bürgermeister Knecht war der Neffe des Schleifers Peter Moll. So erklären sich auch die Darlehensverhandlungen in damaliger Zeit etwas besser.

 Bis zum Ableben Johann Knechts jun. (1762) sind die Zinsen bezahlt worden. Heinz Rosenthal schreibt: "Die Witwe Peter Moll lebte 1767 noch. Ihre Erben waren Johann Peter Moll auf der Höhe (Kranenhöhe) und der Schwertschmied Johann Wilhelm Ohliger zu Feld. Beide hatten je 1/2 Anteil am Anschlagkotten. Ohliger, der für die Firma Joh. Knecht Wittib und Söhne arbeitete - er schmiedete Hauer und Schwerter - verkaufte 1775 seinen Anteil am Kotten an Peter Krahe zu Schaberg. In einer Aufzeichnung aller Wupperkotten von 1853 sind die Besitzer des Vorderkotten die Witwe Elias Moll, Nathan Weis, Dl. Clauberg, die Gebrüder Schaaf und die Witwe Clauberg. Um 1775 sind die Eigentümer des Vorderkottens Joh. Peter Moll und Peter Krahe, und von einem Claubergischen Pachtanteil ist keine Rede mehr. Eine Erhebung des Wupperverbandes 1850 besagt, dass um diese Zeit ein Albert Pickardt und David Clauberg das Sagen in den beiden Kotten hatten. Es liefen zwei unterschlägige Wasserräder mit 3, 45 Metern Durchmesser bei 18 Umdrehungen pro Minute und einer Arbeitszeit von zwölf Stunden pro Tag.

So endete etwa 1908 der Anschlagkotten. Sammlung: ReneltAm 14. April1855 erscheint im Solinger „Kreis-Intelligenzblatt“ eine Mitteilung: "Die Besitzer des Anschlagkottens beabsichtigen, die Wasserräder an demselben zu erneuern und zu verbreitern.“ Ein Jahr später, am 22.2.1856, haben die Vandalen zugeschlagen, wie es zu der Zeit an vielen einsamen Kotten üblich war. Das geht aus einer Anzeige im Bergischen Volksblatt hervor: "Wir Unterzeichneten warnen hierdurch Jeden, sich fernerhin an unserm Kotten, am Anschlag genannt, jeder muthwilligen Beschädigung, sei es an Fenstern, Steinen oder sonst irgendwo zu enthalten, widrigenfalls wir Jeden so wie auch Eltern (da wahrscheinlich solche Frevel von böswilligen Knaben verursacht) zur unnachsichtigen Bestrafung ziehen werden. Dorp den 20. Februar 1856 Carl Clauberg, August Moll.” Gustav Hermann Halbach als Heimatforscher schreibt 1951 im RGA, dass laut mündlichen Überlieferungen seine Vorfahren ursprünglich Bauern, dann Hammerschmiede, Kleinschmiede und Schleifer und daneben auch leidenschaftliche Fischer und Jäger gewesen seien, wobei sein Urgroßvater Franz Arnold Halbach (1808 -1869), wohnhaft in Reinshagen, eine Zeitlang den Anschlagkotten in Müngsten betrieben habe.

Als 1880 der obere Kotten abbrannte, konnte man sich nicht über den Neubau einigen, weil die Beschaffung der Mittel auf Schwierigkeiten stieß. Man hatte die Brandstellen offensichtlich vorsorglich provisorisch repariert, aber als im November 1890 ein außerordentliches Hochwasser einsetzte, fielen der vordere und der hintere Kotten mit allem Inventar den Fluten zum Opfer. Schlimme Hochwasser waren schon1846 und 1888 zu verzeichnen gewesen, ebenfalls mit nicht unerheblichen Zerstörungen. Die schlimmste Hochflut seit Menschengedenken soll allerdings die Flut von 1856 gewesen sein, worüber ich in Bezug auf den Anschlagkotten aber nichts gelesen habe. 1895 brannte auch der Rest des wiederaufgebauten hinteren Kottens ab. Danach wurden beide Kottenteile nicht wieder aufgebaut. (nach: „Hämmer und Kottenforschung – Lobachtal (Hammertal), Bergbau in Remscheid“, 2007 herausgegeben von Günther Schmidt)

Der Lobach bediente einst zwölf Wassertriebwerke

Ältestes Bild vom Diederichskotten (1880), oben im Bild der Untere Bergerskotten. Sammlung: EhretEin uralter Standort innerhalb Alt-Remscheids, der auch schon bei der Verleihung der Stadtrechte (1369) Bestand hatte, war Lobach. Schon die Johanniter forderten in damaliger Zeit von den Anwohnern nach einer Erbverpachtung den „Zehnten“ als Zins. Der Ursprung des Namens Lobach ist nicht mehr festzustellen. Hieß es 1369 noch Lobech, wurde daraus 1469 Loebeck, 1487 Loebech und 1634 Lobach. Karl Wilhelm Heuser als Verfasser der Schrift „Das Hammertal“ vertritt die Ansicht, dass er von einem damaligen Bewohner Johann Wolter van Loburne übernommen worden ist. Ich meine, dass die mittelalterliche Eisenschmelzerei und die damit verbundene Lohe den Namen geprägt hat.

Der Lobacher Bach wird gebildet aus dem ursprünglichen (großen) und dem kleinen Burgbach. Der eine wurde im Laufe der Jahre in Lobach und der kleine Burgbach in Vieringhauser Bach (Vierkeser Beek) umbenannt. Der Lobach als Hauptbach ist im unteren Bereich mit 1, 5 Kilometern und im oberen Bereich bis zum Vieringhauser Bach mit 1,1 Kilometern angegeben. Somit ist der Lobach selbst 2, 6 Kilometer lang. Der Vieringhauser Bach ist etwa 1, 3 Kilometer lang und hat seinen Ursprung in zwei Quellgebieten, einmal am Amtsgericht, früher „Spreng“ genannt, und zum anderen am Bruch, früher Schlachthof. Beide Quellgründe waren früher sumpfig und recht wasserreich. Die oberen Bereiche des Vieringhauser Baches sind längst bis an die Waldesgrenze kanalisiert und entsumpft. Seit altersher nennt man den Vieringhauser Siepen auch den Mühlenteichsiepen, weil unterhalb des Mühlenteiches die Arbeit begann.

Die Zahl der Sensenschmiede bei der Begründung ihrer Zunft betrug übrigens 72, davon arbeiteten vier im Lobachtal. Sie stellten jährlich ungefähr 54.000 Sensen her. Im Jahre 1604 wurden davon nach Brabant 17.000, nach Holland 8.000, 14.000 nach Dänemark und in den Ostseeraum über Lübeck abgesetzt, also 39.000 Stück exportiert, der Rest von 15.000 Stück größtenteils in Deutschland verkauft. Der Lobach bediente zwölf Wassertriebwerke als Hämmer oder Kotten, hinzu kommt noch die Loosenhütte als Schmelzhütte, die ebenfalls mit Wasserkraft ihre Blasebälge versorgte. Das erste Triebwerk am Vieringhauser Bach ist der ehemalige obere Bergerskotten. Er wurde gegründet 1785 als 1. Bergers Schleifkotten. Für 1800 fand ich die Eintragung eines „Müller“ von dem „auf dem Müllenteichsiefen zwischen Reinshagen und Kremenholler Höfen gelegenen Grund gebauten Schleifkotten“. Etwa 1810 gehört der Bergerskotten einem Pickert und den Gebrüdern Berger. 1829 nennt er sich „Bergers Schleifkotten“ und ist im Besitz von Benjamin Berger. 1852 hat die Schleiferei Friedrich aus dem Dahl gepachtet. 1853 ist einer Eintragung zu entnehmen, dass ein oberschlächtiges Wasserrad zwei Steine und eine Polierscheibe treibt und 14 Fuß Gefälle herrschen. 1867 besagt eine weitere Eintragung, dass die Schleiferei Carl August Berger gehört. Der Kotten arbeitet von Johanni bis Michaeli (24. Juni bis 29. September) nur ein Drittel der Zeit. In dem Fachwerkhaus wohnte ein Tagelöhner (Peter Päuler aus Wermelskirchen); er arbeitete im Hammer als Schleifer mit. Gustav Berger ist als letzter Besitzer 1867 verzeichnet. Er wohnte zu Schüttendelle. Mit dem Bau der Kläranlage verschwand der obere Bergerskotten, nachdem er in seinen letzten Jahren zweckentfremdet nur noch als Lagerhaus gedient hatte.

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988 Jahre alte Münze jetzt auf Schloss Burg

Pressemitteilung des Schlossbauvereins Burg a/d Wupper e.V.

.Die Geschäftsführung und die Museumsleitung sind erfreut und stolz, dass es ihnen gelungen ist, die bisher älteste bekannte Münze aus der Familie der Grafen von Berg für das Museum zu erwerben. Sie ist rund 988 Jahre alt. Es handelt sich um einen Denar Bruno II. von Berg als Erzbischof von Köln (1131 – 1137). Die Münze konnte jetzt vom Schlossbauverein durch Vermittlung des Münzzentrums Rheinland in Solingen-Ohligs erworben werden.

Die Münze ist erstklassig erhalten und hat beste Referenzen. Sie gehörte ursprünglich dem Kölner Stadtbaumeister Karl Band, dessen große Köln-Sammlung wurde 1986 im Münzzentrum (damals noch in Köln) versteigert und das Stück wanderte in die Sammlung der Privatbank Sal-Oppenheimer. Diese Sammlung wurde im Rahmen der Liquidation Oktober 2018 in einer Auktion aufgelöst, wo Heinz-W. Müller die Münze erwarb und jetzt Schloss Burg zum Einkaufspreis unter Hinzufügung einer Spende überlässt. Sie soll in der Ausstellung schon im Vorgriff auf das neue Museumskonzept einen Ehrenplatz bekommen. Das Museum besitzt eine umfangreiche Münzsammlung, die wieder zur Geltung kommen soll. Alle frühen bergischen Münzen sind äußerst selten und kommen nur bei Auflösung alter Sammlungen auf den Markt. Die meisten liegen in Fachmuseen in Deutschland und Europa.

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Schaltkotten liefert Strom für den eigenen Betrieb und RWE

Innen- und Außenkotten. Sammlung: Schmidt.Kahnpartie am Schaltkotten. Stadtarchiv SolingenDer Schaltkotten unterhalb der Müngstener Bücke stammt aus dem Jahr 1574, wobei die ersten Genehmigungen zum Bau der Anlage bereits 1572 vorliegen. Der Name kommt aus dem "Mittelhochdeutschen", denn dort bedeutet "schalten" stoßen. Die Schleifer konnten mittels einer Stange ein Schleusenbrett (Flutschütt) vor dem Wasserrad auf- und zustoßen und so die Menge des erforderlichen Wassers zwecks zu tätigender Arbeit Genau regulieren (**. Als Doppelkotten genehmigt (am 16.12.1543 durch Herzog von Jülich, Cleve und Berg) wurde er zwischen 1572 und 1574 gebaut. Herzog Wilhelm der Reiche von Jülich und Berg gab die Genehmigung folgendermaßen wieder: "Hotten Johan zu Schaberg auf der Wopperen in der Schald eine Schleifmühle zu bauen, und Johan Ebertz und Rütger zu Schabers in der Schald auf das verlorene Wasser des Johan zu Schaberg eine Schleifmühle zu bauen..." Hierfür wurden je ein Goldgulden Pachtzins festgelegt.

Über nachfolgenden Besitzer des Kottens sind nicht alle Unterlagen komplett.1853 finden sich im Wassertriebwerksverzeichnis der Bürgermeisterei Dorp für den oberen Kotten der Name Carl K. Kirschbaum und für den unteren Kotten die Besitzer Nath. Lauterjung, Wilhelm Grah, C.R. Lauterjung, Js. August Lauterjung und Abraham Aschäuer. Carl.K. Kirschbaum war ein besonders tüchtiger Schleifermeister. Er schliff große Taschenmesserklingen (Kniepe), was besonderer Genauigkeit und Erfahrung bedurfte.

Der Schaltkotten unterhalb der Müngstener Brücke in früheren Jahren. Foto: HIZ RemscheidIn dem Doppelkotten, gebaut im Fachwerkstil, brach am 1.August 1893 ein Feuer aus; der (dem Wasser am naheliegendste) Innenkotten wurde danach abgerissen. Der Außenkotten war irgendwann vorher als einstöckiger Ziegelbau entstanden. Er wurde mit einer Turbinenanlage ausgestattet, lieferte Strom für die Anlage sowie zur Einspeisung in das Netz der RWE und ist als Produktionsstätte von 1574 bis 1967 verzeichnet. Die ersten Besitzer hatten den mehr als 100 Meter langen Obergraben ausgehoben und mit einem Wehr versehen. Nach dem Brand und dem dazugekommenen Umbau (ein Unglück kommt selten allein, und so hatte ein Hochwasser kurz vorher das gesamte alte Wehr weggerissen) bekam der Obergraben eine Sperrschleuse, das Gewaltschütt, um je nach Wasserstand mehr oder weniger Wasser zuzuleiten. Ist es geschlossen, kann man im trockenen Obergraben Reparaturen vornehmen. Schlamm und Eis konnten ebenso abgeleitet werden, was vorher nicht möglich war. Jeder Kotten hatte seine eigene Schlacht und die Produktion ging über die Jahre quer durch die aktuellen Produkte, überwiegend aus Remscheid, die geschliffen werden sollten.

Der Schaltkotten im Frühstadium des Brückenbaus. Stadtarchiv Solingen1882 heißt es, dass die Gebrüder Pinell den Kotten erworben haben. Zwei unterschlägige Wasserräder mit 3, 65 Netern Durchmesserund 20 Umdrehungen pro Minute bei einer täglichen Arbeitszeit von zwölf Stunden hatte er an seinen beiden zwei Kotten zur Verfügung. Denn nach dem Brand mit Totalschaden des an der Wupper stehenden Fachwerkkottens konnte dennoch im Außenkotten weitergearbeitet werden. (Wann der vordere Kotten in Massivziegelbauweise entstand, ist nicht näher bekannt; so ist er jedenfalls nicht schon 1574 entstanden.) Die Gebrüder Pinell und deren Nachkommen richteten den Betrieb mit zwei Rutschen zum Schleifen von Gatter- und Bauchsägen ein, hatten drei Scheiben zum Pliesten von Kreissägen, zwei Rutschen zum Schleifen von Kreissägen, zwei Rutschen zum Pliesten (Feinbearbeitung), zwei lose Schleifsteine zum Schleifen der Häckselmesser, Kreismesser und Hauer, sowie zwei Plieststellen für Bügelsägen.

Belegschaft der Firma Pinell. Stadtarchiv Solingen.Die Produktion lief bei Pinells bis 1967. Als sie aus Altersgründen aufhörten, erwarb ein Klaus Triesch als Angehöriger der Familie Pinell den Schaltkotten. Er erkannte schnell, dass mit den bisherigen Produkten kein Geld mehr zu verdienen war, räumte alle Schleifstellen ab, stellte Spindeldrehautomaten auf und richtete im Kotten eine Schraubenfabrikation ein. Diese Produktion lief bis zu seinem Tod 1985. Danach erwarb Kurt Winkler aus Amberg 986 als Sägewerksbesitzer den Kotten, errichtete an alter Stelle ein neues Stauwehr aus Beton mit einem neuen Gewaltschütt und setzte mittels einer Turbine den von Klaus Triesch installierten Generator wieder in Betrieb. Der im Kotten erzeugte Strom wird bis heute in das Netz der RWE gespeist und versorgt den jetzigen Betrieb. Es folgte der Solinger Unternehmer Mähren, der Tankreinigungen vornahm und nebenbei Oldies reparierte. Sein Sohn Stefan Mähren führt das Unternehmen momentan weiter. Er verarbeitet Stahl in allen Variationen, macht nach wie vor Tankreinigungen und versteht sich auf Edelstahlverarbeitung. Im hinteren Bereich ist die Kunstschmiede von Michael Bauer Brandes eingezogen. Ich bin immer wieder begeistert bei Tagen der offenen Tür, wie diese Schmiede aus vorher "Nichts" eine kunstvolle Gestalt wie eine Schlange oder eine Blume herstellt.

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Die Wupperfischerei in der Zeit der Bergischen Grafen (2)

Das alte Amtshaus zu Bornefeld, langjährige Gerichtsbarkeit für die Remscheider Schmiede und Schleifer Foto: Sammlung SchmidtTeil II 

Von dem Kameralfischteich ist heute in der Wupper keine Spur mehr vorhanden. Ehemals war es ein gewaltiges Bollwerk aus Holz und Stein mit zwei mächtigen Steindämmen, auf der Solinger Seite 210 Fuß, auf der Burger Seite 73 Fuß lang und unten 16, oben 6 Fuß breit. Die Steindämme hatten in der Mitte des Flusses einen Durchlass von 11 Fuss Breite. Dahinter stand die Hurth (Hüde), ebenfalls ein mächtiger Bau, 73 Fuß lang, 11 Fuss breit, auf schweren, 10 Fuß hohen Eichensäulen mit Lehnen an beiden Seiten. Diese hohe und breite Hurth konnten die Lachse nicht überspringen, sie nahmen dann "automatisch" ihren Weg in den Selbstfang, zwei sogenannte Lachskarren von 20 Fuß Länge und 10 Fuß Breite.

Produktion von Beilen. Foto: HIZ RemscheidQuer über den Fluß zur Hurth lief eine Brücke, 94 Fuß lang, ein Fuß breit, auf festen Eisbalken und Eisböden. Am Burger Ufer stand das Fischhäuschen, mit Schindeln bekleidet. Für den Lachsfang hatten die Einwohner des Amtes Bornefeld Hand- und Spanndienste zu leisten. Burger selbst brauchten dafür ohne Lohn keine Hand zu rühren, denn die Freiheit Burg war von allen Hand- und Spanndiensten befreit.  Trotz des starken Baues riss im Januar 1795 ein schwerer Eisgang die beiden Lachsfänge, einen Teil der Hürde, Brücke und sogar 50 Fuß Mauerwerk hinweg. Allein zur Wiederherstellung des Mauerwerks waren 550 Karren Steine notwendig. Im Juli 1795 konnte der nebenbei betriebene Aalfang und im September der Lachsfang noch nicht wieder benutzt werden.  Ober- und unterhalb des Lachsfanges lagen die mit Rasen abgedämmten Fließe, in denen die kleinsten Wupperfische, die sogenannten Rümpchen, Ellritzen oder Maipieren, mit dem Netz gefangen wurden. Manchmal brachte auch die Wupper selbst durch das Aufwerfen von Sandbänken solche Fließe hervor, wie der starke Sandgehalt des Wupperbettes auch die besten Laichstellen für den Lachs hergab.

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Die Wupperfischerei in der Zeit der Bergischen Grafen (1)

Alte Postkarte von Schloss Burg.

Teil I

Wer kennt noch Begriffe wie Baatmüser, Gi´et oder Maipier?  Baatmüser ist eine Bartgrundel oder Schmerle (cobitis barbatula), ein etwa elf cm langes wohlschmeckendes Bachfischlein. Es wurde mit einer Gi`et (spitzwinklige Fischgabel) beim Schein einer Leuchte gestochen. Die Maipier war eine Ellritze oder Pfrille oder Pfelle (phoxinus laevis) mit etwa 13 cm Länge und war neben Forelle und Lachs eine beliebte Ergänzung zum täglichen Speiseplan der Grafen von Berg. Zitat aus einerUrkunde  von 1684: "Auf der Wupper haben ihre Hochfürstliche Durchlaucht eine fischerey, das Donawer wasser genant,  gehet an dem Krahdendahler Wasser ahn,  langs die Burgh vnd forters hinab biss an das Strohner Wasser, in welchem Donawer wasser oder fischereyen der fischdeich gelegen vnd die Eiffische Forellenbach in der Burgh ihren aussgang nimmet (..), gehet zur Burgh auf der Wupper zum ende, auf welcher Bache nechst Ihrer Hochfürstlichen Durchlaucht Mahlmüllen dero Forellen Weyer gelegen.“ Das Strohner Wasser. Das Gludener Wasser nechst dem Strohner Wasser gelegen. Der Eiffkerbach fangt oben bey Wermelskirchen ahn vnd endet sich in Dabringhausen an der Marxmüllen am Otter Müllenflussdeich. Die Morsbacher Fischerey, wie dieselbe zeit meiner vnderthenigsten Bedienung zum Hausse vnd Kellnereyen Burgh gehörig vnd verpachtet gewessen, gehet zu Müngsten in die Wupper und fanget ahn oben die alte Bach.Diese vorgemelte fischereyen sind am 23. Octobris 1684 bey der kertzen auf zwölff jahr, jedoch zu sechssen dem beliebenden theil abzustehen, an Johannes Vischern zur Burgh mit gewissen conditionen,  wie in der Jahr rechnung mehreres zu ersehen, verpfachtet, jährlichs halb auf Martini vnd halb auf Maytag zu bezahlen. Ein hundert sechtzig vnd sechs Reichsthaler, jeden zu achtzig alb.Collnisch gerechnet."

Diese Fischerei wurde parzellenweise von den Grafen von Berg an den Wupperfischer für jeweils zwölf Jahre verpachtet. Eine Urkunde vom 14.12.1437 besagt, dass Ritter Johann von Landsberg an diesem Tage für sich und seine Nachkommen seine Fischerei auf der Wupper für eine jährliche Abgabe von sechs Mark kölnischen Geldes an Peter von Eulswag und dessen Erben in Erbpacht abgab.  Die Urkunde liegt im Stadtarchiv Remscheid  und kann, falls man der alten Schrift mächtig ist, dort eingesehen werden. Eine weitere Urschrift mit anhängendem Siegel führt uns ins Müngstener Fischereigebiet.

Die alte Wupperbrücke Burg-Solingen. Alter Stich von 1790, als noch kräftig gefischt wurde. Stadtarchiv SolingenAm 14. Mai 1620 verkauften Eberhard von Bodlenberg, genannt Kessel, zu Hackhausen bei Ohligs, Amtmann zu Elberfeld, und seine Frau Agnes, geb. von Galen, "zur Abgütung ihrer lieben Mitschwester" dem ehrenhaften, frommen, vornehmen Rutger von Schoeler (Schuller) und seiner Gattin Katharina von Mhum (Mumm) ihre Fischerei und Wassergerechtigkeit auf der Wupper zwischen den Weidenhainen zu Solingen und der Dorper Fischerei unten an dem Eltenstein samt dazugehörigen Gerechtigkeiten an zwei Schleifkotten daselbst. Der Verkaufsvertrag wurde in gütlicher Abmachung auf die bescheidene Summe von 350 Talern kölnischer Währung festgesetzt und bar bezahlt. Besonders wichtig war den Grafen,  dass bei der Anlage von Schleifkotten oder Mühlen der Wasserdurchfluss gewährleistet war und die Fische ungehindert an ihre Laichplätze gelangen konnten.  Die Berufsfischer zählten zu den ersten Bewohnern von Burg, und das erste Siegel der Freiheit Burgh hatte einen Fisch im Wappen. Das Siegel der Tuchmacherzunft von 1546 zeigte einen Krebs neben zwei Sparren (aus dem alten bergischen Sparrenschild) unter einem Limburger Löwen. Die eigentliche Fischerei unterlag dem Burger Kellner, welcher die Pachten vergab. Sie erstreckte sich außer der Wupper auch auf alle Nebenbäche im Bereich der Grafen von Berg, so z.B. den Morsbach, die Dhünn oder den Sengbach bei Glüder.  Dieser letztgenannte war übrigens so ergiebig, dass er von den Fischern als "goldener Forellenbach" bezeichnet wurde. Zur Herbstzeit wurden dort in der Flut oft 400 bis 500 Pfund Forellen gefangen.

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