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Vor 100 Jahren zog am Kaiserplatz Militär ein

Repros Lenneparchiv Schmidtvon Dr. Wilhelm R. Schmidt

Liebe Freunde des Bergischen Landes, liebe Lenneper,
heute sehen wir wie Aufnahmen vom Mollplatz, die am Ende des Ersten Weltkrieges bzw. am Anfang der 1920er Jahre gemacht wurden, als der Platz noch Kaiserplatz hieß. Bildautor war der Lenneper Fritz Lüns, dessen Familie über viele Jahrzehnte oben auf der Knusthöhe wohnte. Das große vor 1830 entstandene Haus im Hintergrund, das im ersten Stockwerk 1848/49 auch Versammlungsort einer bürgerlich revolutionären Lenneper „Parlamentsgesellschaft“ war, stand bis 1970 gegenüber des Berliner Hofs und gehörte nacheinander mehreren Tuchfabrikanten und Lenneper Geschäftsleuten, bevor es 1910 vom Baumeister Arthur Schmidt (1867-1945) für seine immer größer werdende Familie angekauft wurde.

In Parterre sehen wir die großen Schaufensterscheiben des Geschäfts der „Gebrüder Bauerband“, die in Remscheid, Lennep und Opladen jeweils eine Handlung für Öfen und Herde betrieben, die man auf dem Foto bei näherer Betrachtung auch gut erkennen kann. „Das „führende Lenneper Spezialhaus“ empfahl sich damals für Nähmaschinen, Fahrräder, Wasch- und Wringmaschinen.

Rechts hinten auf dem Foto sieht man noch eine Stirnseite des damaligen preußischen Postamtes am Beginn der Lüttringhauser Straße, in dem später lange Zeit die Lenneper Polizeistation untergebracht war. Ich kann mich noch gut erinnern, dass ich nach dem Zweiten Weltkrieg -noch ein kleines Kind- von älteren Kameraden dorthin geschickt wurde, um den Fund eines toten Kindes auf dem Grundstück links neben Hagers Gässchen zu melden. Auf diesem Grundstück befand sich vormals die 1858 entstandene Villa Poststraße 5 des Fabrikanten Daniel Hilger, die damals schon der Familie Fritz Hardt gehörte und im Zweiten Weltkrieg bei einem Bombenangriff auf dem Lenneper Bahnhof ausradiert wurde. Übrigens: Der herbeigerufene Polizist, noch mit dem traditionellen Tschako auf dem Kopf, identifizierte die angebliche Kindesleiche glücklicherweise als verdreckte Puppe.

Repros Lenneparchiv SchmidtGegen Ende des Ersten Weltkrieges zogen größere Teile deutscher Truppen auch durch Lennep in ihre Heimat und Standorte zurück, später kamen dann die Franzosen im Jahre 1923 im Zusammenhang der Ruhrbesetzung. Gern übernachteten die Offiziere im beschlagnahmten Hotel "Berliner Hof", manche wurden aber auch in unserem Haus, damals mit der Straßenbezeichnung Poststraße 1, gegen den Willen der Bewohner einquartiert, woran die Kinder später noch gut erinnern konnten. Aus dem Französischunterricht fiel ihnen dabei noch der Eselsbrückenspruch ein: „Voulez vous Kartoffelsupp avec verbrannte Klöß? Non, monsieur, je danke vous, je n'ai pas appétit dazu.“ Die Schwierigkeiten bei der Einquartierung der Franzosen und die Kontakte zu ihnen waren in der Familie noch Jahrzehnte Gesprächsstoff und wurden u.a. in einem privaten Lenneper Erinnerungsbuch festgehalten. Die Deutschen durften damals nur den villenseitigen Bürgersteig der Poststraße benutzen und ihre Abneigung gegen „die Franzosen“ war natürlich groß.

Die heute gezeigten Gebäude an der nordwestlichen Seite des Mollplatzes sind jetzt schon ein halbes Jahrhundert nicht mehr existent, sie wurden im Zusammenhang der Verbreiterung der Lenneper Poststraße, der seit den 1930er Jahren geplanten Umgestaltung des Mollplatzes und der unteren Lüttringhauser Straße in den 1960-er bzw. 1970-er Jahren abgerissen und durch "moderne" Bauten ersetzt. Insgesamt wurde die architektonische Einheit "vor dem Lüttringhauser Tor", entstanden in den 1820-er und 1830-er Jahren, nach dem Zweiten Weltkrieg zerstört, auch ihre Verbindung zum historischen "Speckgürtel der Stadt" vom Kölner Tor über die Poststraße, den Thüringsberg bis zum Schwelmer Tor. Der geschichtliche Verlauf präsentiert sich auch in den veränderten Straßenbezeichnungen und ihren Hausnummern. Das Anwesen auf dem großen Grundstück gegenüber dem Berliner Hof wurde ursprünglich als  Poststraße 1 gerechnet und war damit Teil einer Kette von Fabrikantenvillen zum Kölner Tor hin, später firmierte es als Mollplatz 7 und heute als Lüttringhauser Straße 2. Erinnerungen an das alte Lennep vor 50 bzw. 100 Jahren.

Die Windmühle auf dem Lindenberg

Längst vergessen: Die Restauration "Zur Glocke".von Dr. Wilhelm R. Schmidt

Liebe Freunde des Bergischen Landes, liebe Lenneper, ich bin ja seit einiger Zeit dabei, in meinen Lennepmaterialien „klar Schiff zu machen“, das heißt, so langsam muss ich mich entscheiden, was es wohl wert ist, für die Zukunft ins Remscheider Stadtarchiv zu gehen, und auch, was eher verschenkt oder sogar fortgeworfen werden soll, weil sich in Zukunft kaum noch jemand dafür interessieren wird. Dieser Tage fiel mir dabei ein Zeitungsartikel („Die Windmühle auf dem Lindenberg“) meines Lenneper Jugendfreundes Rolf Lotzmann in die Hände, den ja die älteren unter uns noch als Lenneper Lokalreporter in Erinnerung haben. Als solcher schrieb er vor Jahrzehnten lange Zeit über die Gassen und Straßen im Alten Lennep und benutzte dafür u.a. die Materialien des Remscheider Stadtarchivs.

Beim Lesen dieses Artikels von Rolf Lotzmann fiel mir auch gleich wieder ein, dass es über die genannte Windmühle wenig Informationsmaterial erhalten geblieben ist, dass aber andererseits schon im Jahre 1922 unter genau derselben Überschrift ein gewisser Baurat Albert Schmidt darüber im Kreisblatt schrieb, geboren 1841, der diese Windmühle als Jugendlicher selbst noch gut gekannt hat. Auch der Beitrag Albert Schmidts war seinerzeit übrigens Teil einer Lennepserie, in der einige „Altvordere“ sich der guten alten Zeit erinnerten. In dessen nachfolgend wiedergegebenen Erinnerung fällt auf, dass er besonderen Wert auf die baulich-technischen Aspekte der legte, wodurch wir heute ein anschauliches Bild dieses Bauwerkes haben, das sonst nur auf  historischen Zeichnungen, vor allem  Lithographien aus dem 19. Jahrhundert, erhalten ist. Und hier nun der historische Text von Albert Schmidt:

"Die Wanderer, welche in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts der alten bergischen Kreisstadt Lennep zu pilgerten, konnten schon in großer Entfernung die Wahrzeichen ihres Reisezieles sehen. Von Norden her war es der Schornstein der Walterschen Tuchfabrik auf der Knusthöhe, von Süden und Osten her die große massiv erbaute Windmühle auf dem Lindenberg, die über ihre ganze Umgebung mächtig emporragten. Inmitten der Talmulde des Quellengebiets des Lenneperbaches tauchte alsdann beim Näherkommen der wundervolle Zwiebelhelm des Kirchturms der evangelischen Kirche aus dem engen Häusergewirr hervor. Die genannten Wahrzeichen sind Ende der fünfziger Jahre verschwunden. Die Tuchfabrik auf der Knusthöhe brannte am 19. September 1854 ab, der Schornstein blieb noch einige Jahre bis zum Anfang der sechziger Jahre, stehen. Die Windmühle auf dem Lindenberg war noch bis Mitte der fünfziger Jahre in Betrieb, dann musste sie der neuen Zeit weichen, sie konnte bei ihrem immer wieder unterbrochenen Betrieb mit den gleichmäßig arbeitenden Dampfmühlen nicht konkurrieren. Der Standort der Windmühle war an der höchsten Stelle der Friedrichstraße, dicht hinter der südlichen Häuserreihe zwischen Albert- und Leverkuser Straße. Das mächtige Gebäude bestand aus einem runden massiv aus Bruchsteinen erbauten Turm von etwa 8 Meter Durchmesser und 20 Meter Höhe, mit einem drehbaren Dach, aus welchem die Flügelwelle hervorragte. Der innere Turm war von einer ebenfalls runden Terrasse von etwa 18 Metern Durchmesser und 7 Metern Höhe umgeben. Auch diese Terrasse war massiv aus Bruchsteinen erbaut, sie war zweistöckig und enthielt die Wohnräume des Müllers, die Lagerräume und in der Mitte das Mühlengetriebe. An der Nordseite nach der Friedrichstraße hin, die damals noch ein Hohlweg war, ging eine breite Einfahrt in das Mühlengebäude. Die Wagen konnten quer durch das ganze Gebäude fahren und in der Mitte unter dem Mühlengetriebe ent- und beladen werden. An den dicken Mauern des inneren eigentlichen Mühlenturmes war eine massive Wendeltreppe angebracht, durch welche die sieben Stockwerke des Bauwerks erreichbar waren. Die Mahlgänge und das Lager des Königsbaums, der mittleren senkrechten Welle des Mühlengetriebes, lagen auf einem Gebälk von Eichenholz in einer solchen Höhe, dass die Wagen unten durchfahren konnten. In dem drehbaren Dachraum waren die konischen Triebräder angebracht, die die rotierende Bewegung der Flügelwelle auf die senkrechte Königswelle übertragen mussten. An der Flügelwelle waren vier große Flügel angebracht von etwa 10 Meter Länge und 1 Meter Breite, deren Spanntuch durch einen Zugmechanismus verbreitert oder schmaler gemacht werden konnte, so dass bei Sturm oder starkem Wind geringe Druckfläche und bei geringerer Windgeschwindigkeit größere Flächen wirksam waren. Die Flügel waren von der Terrasse aus erreichbar und wurden dort immer nach der Windrichtung hingedreht."

Auf Erkundung mit einem Remscheider Stadtführer

Weitere
Erlebnisführungen
in Remscheid

Donnerstag, 19. März, 14 Uhr,
Gang durch die Lenneper Neustadt mit anschließender Bergischer Kaffeetafel,
3 Stunden,  Lothar Vieler, Treffpunkt wird bekannt gegeben, 16 Euro. Abgesagt!

Donnerstag, 2. April, 19 Uhr,
Nachtschwärmer-Führung durch Lennep incl. Verkostung,
1,5 Stunden, Lothar Vieler, Treffpunkt wird bekannt gegeben, 16 Euro. Abgesagt!

Freitag, 3. April, 19 Uhr,
Mit dem Nachtwächter durch Lennep,
1,5 Stunden, Lothar Vieler, Röntgen-Museum, fünf Euro. Abgesagt!

 

Artikel vollständig lesen

Von einstigen Gastarbeitern wurden viele heimisch

Das frühere Heim der Textilarbeiterinnen der Firma Johann Wülfing & Sohn in Lennep, heute Flüchtlingsunterkunft.von Dr. Wilhelm R. Schmidt

Liebe Lennepfreunde, gestern entnahm ich der heimischen Presse, dass man sich in Remscheid auf weitere internationale Flüchtlingsbewegungen vorbereitet und in diesem Zusammenhang u.a. das frühere Mädchenheim der Lenneper „Kammgarn“  als Unterkunft ins Auge fasst. Ja, dieses große Gebäude zur Unterbringung von Menschen aus entfernten europäischen und jetzt außereuropäischen Ländern hat schon eine lange Geschichte hinter sich, und ich musste sofort an meine Kinder- und Jugendzeit denken, als die Textilarbeiterinnen der Firma Johann Wülfing & Sohn dort untergebracht waren. Das Foto zeigt das in Lennep sprichwörtliche „Mädchenheim“  in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, als es tatsächlich noch im Betrieb der Kammgarnspinnerei war. Auch damals kamen Flüchtlinge nach Lennep, Menschen, die vor den schlechten Verdienstmöglichkeiten und Lebensverhältnissen in ihren Mittelmeerländern flüchteten, von uns Deutschen sogar angeworben und für ihren Entschluss beglückwünscht.

Immer wieder werden im Fernsehen die Bilder der Ankommenden auf den deutschen Bahnhöfen gezeigt, mit den Willkommensgeschenken der Deutschen. Von diesen Gastarbeiterinnen und Gastarbeitern, so wurden sie zunächst genannt, weil sie auch aus unserer Sicht zunächst nur auf Zeit in Lennep arbeiten sollten, blieben dann vor Ort doch viele, sie heirateten und wurden heimisch, was man schon bei der Lektüre der späteren Telefonbücher und an den Klingelschildern der Lenneper Altstadt bis heute gut nachverfolgen kann.

Aber das Ganze hatte nicht nur erfreuliche Seiten. Als Vierzehnjähriger arbeitete ich damals in den Schulferien am Milchhof an der Schlachthofstraße. Dort waren die "Itakker" in Blechcontainern kaserniert und trauten sich am Wochenende kaum zu einem Spaziergang ins Städtchen, "Mütter holt die Mädchen rein", war damals die allgemeine Lenneper Auffassung ( "Triko trako in Baracko ..."). Die Angst vor dem Fremden gab es also damals schon.

Englisch ./. Remscheder Platt för Klärchen

Ech han wat ganz nöües oppjedonn. Dat Klärchen li‘ert jetzt englisch in där Volkshochschull.

Dat wual ech schon emmer. Ett ess su völl in englische Wörder, da kömmt ma ja nit mär druten. do stiart ma wie enn Dööskoop unn verstiart nix. Ech han ja nu dat Enternet am Gang, unn da ess ja su völl in Englisch wie Pauer, Welan, Pauerbenk, digitell, Beckapps, Zrienschott. Ech wieas jo nit watt datt all hitt. Domet muss jetzt Schluot sinn.

Aangemeldet han ech mich schier. Un vörige Weeke giat ett dann los. De Schuolmi’estersche legt füar, unn miar (stand the Hairs to the mountains), miar stong de Hoor te Berge.

Ewer mittlerweile (is my English onewallfree) datt Englisch iss einwandfrei. Töschendur denk ech bie miar (what for a juice shop), watt ess datt hier för enn Saftladen, ewer (sponge over), Schwamm dröwer, ech kann och nitt daför wenn (you understand only railway station), ihr nur Bahnhoff verstiart, (nothing for ungood) nix för ungut, ewer (that is me sausage), datt ess miar Wuarscht.

Ech liar emmer wenn ech Tied hann, besongersch morjens för dem Koffedrenken, denn (Morninghour has gold in the mouth), de Morgenstungk häs Gold emm Mongk unn (the life is not a pony-range), datt Lewen ess kian Ponyhoff, datt sach ech dem Pitter och emmer wiar, ever (don’t ask after Sunshine) froch mech nit nach Sonnenscheng.

Ech sach jetz zu emm do (you are on the woodway) do best opp dem Hualtwech, wenn du mingst ech verstongk dech nitt, denn (who digs other one, a hole will fall himself in) wer angern iene Gruwe gräwt, fällt selbst do drin. Fröher hätt de Pitter su schlau opp englisch henger mieanem Krütz gekallt ewer nu (I see black for him)  seh ech schwatt för enn, ech sait (tell me nothing from the horse), nu erzähl miar kieanem vam Perd, unn (you go me on the alarm clock), du giast miar opp denn Wecker.

(With me is not good cherry eating), den mit miar ess nit gut Kiesche’n eeten (my lovely Mr. Singingclub), mian liewer Herr Gesangsverein. Wenn he nitt si’eane Schuolarbedden maken wual (there steps the bear), dann steppt der Bär. Dann kümmt  datt Klärchen unn makkt (very big cinema) ganz gruet Kino, unn datt ess (not bad, Mr. Woodpecker) unn datt ess nech schlecht, Herr Specht.

Oppregen kann ech mech emmer guet. Datt ess (very first cream), aller erste Sahne. Dat wiat och de Kaal, datt ech datt kann. (he scratcht the curve) he kratz dann de Kurve, unn seet (I have much around the ears) he hätt völl um de Uohren.

Ewer nit datt se mech molls frogen (are you german), best du Dütsche? Wöröm (see I so out), see ech su uut?, Nä (you hear you so on), du hüarst dech su aahn. Dodropp gütt ett nur ian Antwoort (Yes, I am a whashreal german), ech bin enn waschechte Dütsche.

So, de Kaal will nu sienen (Business lunch), Meddacheeten.

(out the Mouse), aus die Maus odder bös Strackes

önker Klärchen

1. deutsche Königin Englands lebte auf Schloss Burg

Pressemitteilung der Universität Wuppertal

Im Spätherbst 1539 machten sich 263 Personen und 228 Pferde von Düsseldorf aus auf den Weg ins ferne England, um König Heinrich VIII. seine vierte Frau zu überbringen: Anna von Kleve. Hierzulande ist sie fast in Vergessenheit geraten. Doch die Herzogin von Jülich-Kleve-Berg war die erste Königin auf dem englischen Thron, die aus dem heutigen Deutschland stammte – und bis heute die einzige aus dem Bergischen Land. Dr. Georg Eckert, Historiker in der Fakultät für Geistes- und Kulturwissenschaften der Bergischen Universität, kennt ihre Geschichte. Von ihr und vor allem über die Umstände, die die bergische Tochter auf die Insel führten, berichtet er in der aktuellen Bergischen Transfergeschichte.

Viel ist über die Herzogin nicht überliefert. Aber: „Wir wissen, sie war für ein halbes Jahr englische Königin und sie war die zweitälteste Tochter eines im Reich und in ganz Europa wichtigen Akteurs – Johann III., Herzog von Jülich-Kleve-Berg. Die Herzöge von Jülich-Kleve-Berg hatten eine konfessionelle und politische Schlüsselposition im Heiligen Römischen Reich deutscher Nation. Das Herzogtum“, so Eckert, „rahmte das katholische Erzbistum Köln und grenzte an die reformierten späteren Niederlande. Und es lag am Rhein, also entlang eines strategisch wie ökonomisch zentralen Stromes.“ Erkenntnisse über Anna von Kleve würden auf einer spärlichen Quellenlage basieren – wie es auch bei vielen Herrschergattinnen der Fall sei, erklärt Eckert. Seiner Ansicht nach seien die wenigen erhaltenen Zeugnisse mit Vorsicht zu genießen, da sie aus innenpolitischen Auseinandersetzungen in England resultierten oder von zweckgebundenen ausländischen Wahrnehmungen geprägt seien. „Immerhin sind sich alle darin einig, dass sie eine freundliche und zugewandte Person gewesen ist, die sich um ihre Bediensteten offenkundig gut gekümmert hat.“ 

Aber von vorn: Geboren 1517 in Düsseldorf, verbrachte Anna von Kleve große Teile ihrer Kindheit und Jugend auf Schloss Burg in Solingen. Unter der Obhut ihrer Mutter, Maria von Berg, genoss sie eine eher konventionelle Erziehung, in die noch kaum Ideale der Renaissance eingeflossen waren: Sprachen, die Bildenden Künste oder Musik spielten dabei kaum eine Rolle, auch höfischer Tanz nicht. Umso erklärungsbedürftiger, warum ein so kunstsinniger und weltgewandter Monarch wie Heinrich VIII. sein Interesse an Anna anmeldete: „Da spielt die Herkunft wieder eine entscheidende Rolle. Wir bewegen uns“, klärt Eckert auf, „in der dynastischen Heiratspolitik. Politische Bündnisse wurden durch Heiraten zwischen großen europäischen Adelsfamilien arrangiert und bekräftigt. Das sieht man bei Anna von Kleve ganz gut.“

Die Heiratspläne zeigten die enorme Bedeutung des damaligen Herzogtums Jülich-Kleve-Berg: „Eigentlich war Anna von Kleve bereits im Kindesalter dem französischen Herzog Franz I. von Lothringen versprochen. Ihre ältere Schwester Sibylle war mit dem Kurfürsten Johann Friedrich I. von Sachsen verheiratet. Das ist gewissermaßen Champions League in den Heiratsverbindungen“, sagt Eckert, der als Privatdozent Neuere Geschichte an der Bergischen Uni lehrt. „Heinrich VIII. brauchte damals starke Verbündete, aber das war nach der Hinrichtung seiner zweiten Frau, Anne Boleyn, einigermaßen problematisch.“

Der englische König suchte nach mächtigen Bündnispartnern, um sich gegen die gerade entstehende Allianz zwischen dem König von Frankreich und den Habsburgern zu behaupten, die nach der Annullierung der Ehe mit Katharina von Aragon (erste Frau Heinrichs VIII., Anm. d. Red.) ohnehin schlecht auf Heinrich zu sprechen waren. Zeitgleich wollte Annas älterer Bruder, Herzog Wilhelm V., seinerseits das soeben ererbte Herzogtum Geldern gegen Kaiser Karl V. behaupten. Hier überschnitten sich die Interessen. Zudem spielten mitten im Zeitalter der Reformation auch konfessionelle Hintergründe eine Rolle. Eine katholische Hochzeit war kaum denkbar – Heinrich VIII. hatte sich mit der Anglikanischen Kirche von der Kurie losgesagt und war 1538 zudem exkommuniziert worden. Mit seiner einstigen Polemik gegen Martin Luther hatte er jedoch auch dessen Anhänger gegen sich aufgebracht. „Der Kreis europäischer Hochadelsdamen, die als Gattinnen denkbar waren, war also einigermaßen eng. Aber Jülich-Kleve-Berg passte nahezu perfekt, die dortigen Herzöge fuhren einen Mittelkurs zwischen den Extremen: nicht strikt gegen den Papst, aber eben auch nicht für die Reformatoren“, erklärt Eckert.

Der König ließ seinen Hofmaler Hans Holbein den Jüngeren nach Düren reisen, um die Herzogstöchter Anna und Amalia zu portraitieren, beide potenzielle Ehepartnerinnen. Das Gemälde Annas, aufgrund dessen er sich für sie entschied, ist heute im Pariser Louvre zu bewundern. Doch wie es scheint hatte der Maler Annas Antlitz zu schmeichelhaft dargestellt. Vor allem aber dürften fehlende Kenntnisse der Herzogin über Rituale des englischen Tudor-Hofs zu einer zeremoniellen Panne geführt haben: „Heinrich war ein Mensch der Renaissance, der mit raffinierten Inszenierungen arbeitete. Er hat sich“, erzählt Eckert, „Anna nur verkleidet genähert. Er wusste, wen er umtänzelte – sie aber nicht. Vermutlich hat er eine andere Reaktion erwartet. Man muss sich die Szene wie eine kleine Theateraufführung vorstellen, deren Text alle Beteiligten kannten: nur eben Anna nicht.“ Die konnte ihren künftigen Gatten wohl gar nicht identifizieren und wandte ihm nach der Übergabe seines Geschenks den Rücken zu. Der König soll davon entsetzt gewesen sein, dass Anna längst nicht so schön war, wie auf Holbeins Porträt, und zog sich zurück, um sogleich die Eheschließung aufzuschieben.

Dieses Hadern dürfe man sich aber keinesfalls nur als männliche Laune vorstellen, gibt der Wissenschaftler zu bedenken: „Heinrich war schon Machtpolitiker genug, um zu wissen, dass man hochpolitische Vermählungsfragen nicht allein mit Blick auf hübsche Gesichter beantworten konnte. Auch seine folgende Abwendung von der künftigen Gattin dürfte eine Inszenierung gewesen sein. Zu deren Adressaten gehörten manche Engländer, die lieber erneut eine Engländerin als Königin gesehen hätten – wie Annas hingerichtete Vorgängerin –, gewiss aber auch das Ausland. Frei nach dem Prinzip ,Schaut mal, was ich so alles machen und mir erlauben kann‘.“

Aber ein kompletter Rückzug wäre politisch unklug, wenn nicht unmöglich gewesen. Also wurde die Ehe schließlich am 6. Januar 1540 in Greenwich geschlossen. Sie hielt ein halbes Jahr, nicht länger – wesentliche Ausgangsbedingungen der Ehe waren hinfällig geworden: Die bedrohliche Allianz zwischen dem habsburgischen Kaiser und dem König von Frankreich war geplatzt, in England hatten sich die Gewichte zu Ungunsten Annas verschoben – Thomas Cromwell, Mastermind der Eheschließung, wurde geköpft. Was passierte nun mit der ersten deutschen Königin auf dem englischen Thron? „Das Wichtigste zuerst: Sie wurde nicht hingerichtet“, berichtet Eckert schmunzelnd und weist auf die Erkenntnisse der Forschung hin: „Heinrich VIII. hat seine Gattinnen nicht seriell hingerichtet. Für die Exekution Anne Boleyns und Catherine Howards hatte er seine relativ zwingenden politischen Gründe; obendrein waren sie Engländerinnen, bei denen keine internationalen Verwicklungen drohten. Nach einvernehmlicher Annullierung der Ehe hat Heinrich deshalb Anna sehr gut ausgestattet, um die Verbindung zu Jülich-Kleve-Berg zu halten. Außerdem hatte ein Ehevertrag bestimmt, was ihr zustand. Diese gütliche Lösung signalisierte weiteren potenziellen Gattinnen: ,Vor mir muss man keine Angst haben‘. Heinrich wollte nach wie vor seine Dynastie absichern, durch weitere männliche Erben“, sagt Eckert. 

Anna zog sich auf ihren Landsitz zurück, blieb aber am Tudor-Hof hochgeachtet. „Bei der Krönung von Mary Tudor hat sie gemeinsam mit Elisabeth I. eine hervorgehobene Rolle gespielt: Für alle sichtbar, und sie war ja – von Heinrich selbst als ,beloved sister‘ (geliebte Schwester, Anm. d. Red.) bezeichnet – in eine sehr ehrenvolle Stellung gebracht.“ Anne of Cleves, wie sie in England genannt wurde, starb eines natürlichen Todes, und das lag Eckert zufolge auch an ihrem wohlüberlegten Verhalten. „Sie hat geschickt agiert, indem sie sich in unüberschaubare Intrigen der englischen Politik gerade nicht einmischte, und so auch die kritischen Herrschaftswechsel ganz gut überstand – erst zu König Edward VI., dann zu Mary Tudor. Sie war klug genug, keine kompromittierenden Schriftstücke zu hinterlassen, die gegen sie hätten genutzt werden können. Die Rolle, in der sie nun stand, hat sie gut gespielt.“

Einfluss auf die Erziehung der späteren Königin Elisabeth I. hatte sie freilich nicht: „Was am englischen Hof gewünscht und schick war, das beherrschte Anna von Kleve einfach nicht: weder zeitgenössische oder klassische Fremdsprachen noch Musik und Tanz – alles Elemente, die für das Hofleben der Tudors ganz charakteristisch waren.“

Als einzige Person aus dem Bergischen Land ruht sie bis heute in Westminster Abbey, der englischen Königskirche, in der die meisten englischen Herrscher bestattet sind. Das „Anne-of-Cleves-House“ nahe Lewes in der Grafschaft East Sussex zeigt Mobiliar und Ausstattung der Zeit. „In Großbritannien ist die Erinnerung an diese Frau präsent. Überall da, wo Heinrich und seine sechs Frauen vorkommen, da denkt man eben auch sofort an Anna von Kleve. So hat sich der Name im kulturellen Gedächtnis gehalten.“ Bleibt noch zu erwähnen: Der Hofmaler Hans Holbein der Jüngere durfte nie wieder ein Mitglied der königlichen Familie malen. (UWE BLASS)
***) Dr. Georg Eckert studierte Geschichte und Philosophie in Tübingen, wo er mit einer Studie über die Frühaufklärung um 1700 mit britischem Schwerpunkt promoviert wurde, und habilitierte sich in Wuppertal. 2009 begann er als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Fach Geschichte und lehrt heute als Privatdozent in der Neueren Geschichte.

„Waterbölles“ tauchte im Vorwort eines Romans auf

Bernd Kleuser und sein Roman.Wenn das nicht ungewöhnlich ist: Der Waterbölles gab die Initialzündung zu einem Roman. Sein Titel: „Villa Goldenberg“. Erschienen ist er Anfang Januar 2010, und geschrieben hat ihn Bernd Kleuser. Der Name der Familie, deren Stammbaum bis ins Jahr 1487 zurückreicht, ist mit der alten Villa im Ortsteil Goldenberg eng verbunden. Und Bernd Kleuser ist der letzte noch lebende Kleuser, der dort selbst gewohnt hat. Seit 1978 lebt er in Unkel bei Bonn. Als er dort am 23. August am PC im Waterbölles-Bericht „Kleines Neubauprojekt am Singerberg erhitzt die Gemüter“ den Namen „Villa Goldenberg“ las, die 1840 erbaut und 1964 von der Erbengemeinschaft Kleuser an die Stadt Remscheid verkauft wurde, fiel ihm „alles wieder ein. Die die Erzählungen meines Vaters und seine Notizen über meine Vorfahren. Dazu die Fotos, der Absturz des britischen Bombers, das Versteck der Besatzung im unterirdischen Geheim­gang, der Kaffee-Schmuggel, der Prozess in Köln.“

Die Villa Goldenberg, zeitweilig ein Restaurant, auf einer alten Postkarte.Nie sei in der Familie die eigene Geschichte ein Thema gewesen, schreibt Bernd Kleuser. „Man schwieg und fragte nicht, auch ich nicht. Erst 46 Jahre später erfuhr ich die letzten Details bei einem Besuch in Australien.“ Die Notiz im Waterbölles habe den Anstoß gegeben, alles zu Papier zu bringen. Entstanden ist ein in Ich-Form geschriebener historischer Familienroman, der in einem Zeitfenster von mehr als 500 Jahren spielt - am Beispiel seiner direkten Vorfahren „auch ein Zeugnis der Industrialisierung und ein Spiegel der Gesellschaft im Rheinland und im Bergischen Land.“ Eine Geschichte von ritterlichen Herolden, Kottenbetreibern und Hammerschmieden in den Remscheider Tälern und dem Niedergang des Familienunternehmens im Zweiten Weltkrieg.

Die Basisgegebenheiten seien weitgehend authentisch, aber durchsetzt „mit einem starken Schuss Fiktion“, so der Autor. So führt er im Roman etwa mit seinem eigenen Ururahn ein Zweigespräch. „Denn fragen konn­te ich keinen mehr, was ja nicht von Nachteil sein muss. Dazu ein Schuss Leben, mit seinen nicht vor­hersehbaren Ereignissen, seinen Glücksfällen und sei­nen Dummheiten - damit es unterhaltend bleibt. Die Schwierigkeit mit dem Leben ist ja, dass man nicht wirklich weiß, ob es sich jetzt um einen in den Abgrund führenden Prozess handelt. Die Schwierigkeit mit dem Leben ist, dass man nicht wirklich weiß, in welcher Phase man sich befindet. Man weiß eben nicht, ob es in Zukunft besser oder schlechter wird, man weiß nur, dass es so sein wird wie es dann ist. Wie sagt man in Köln: Et kütt wie et kütt.“      („Villa Goldenberg“, 207 Seiten mit Fotos und Stammbaum, Verlag Der Rheinländer, ISBN 978-3-942035-04-0, © Bernd Kleuser, Auf Jägert 1, 53572 Unkel.) (Im Waterbölles wurde dieser Beitrag ertmals heute vor zehn Jahren veröffentlicht)

 

Vom jahrzehntelangen Traum von einer Festhalle für Lennep

Auf dem Jahnplatz, zwischendurch Kaiser-Friedrich-Platz, sollte einmal ein multifunktionales Vereinsgebäude entstehen. Lenneparchiv Schmidt.von Dr. Wilhelm R. Schmidt

Mitte des 19. Jahrhunderts wurde in Lennep das Bedürfnis empfunden, einen großen Versammlungs- und Festsaal zu errichten, weil die vorhandenen Säle, die mit Gastwirtschaften verbunden waren, für größere Veranstaltungen oder Feste nicht genügten.  Die Vereine mussten für ihre Feste jedesmal Zelte oder mobile Hallen errichten, obwohl eine einfache Kalkulation genügt hätte, um festzustellen, dass eine bleibende Lösung kostengünstiger gewesen wäre. Die Schützenvereine vieler Städte in Rheinland und Westfalen hatten damals schon solide Schützenhäuser erbaut, die dann auch zu weiteren Zwecken benutzt werden konnten, aber in Lennep konnten sich die maßgeblichen Persönlichkeiten nicht zu der Überzeugung durchringen, dass eine großzügige kommunal errichtete Anlage rentabel sei. Natürlich hätte man auch eine Menge gemeinnütziger Einrichtungen mit einer solchen Anlage bedienen können.

Als man um 1870 in Lennep von einer großen Gemeinschaftshalle träumte, spielte die Frage des Bauplatzes eine große Rolle. Eine solide, große Festhalle auf dem prachtvollen, aber den Witterungseinflüssen außerordentlich ausgesetzten und hochgelegenen Schützenfeld empfand man als sehr schön. Sie würde als neues Wahrzeichen Lenneps bis zur weithin in der Ferne wahrnehmbaren Wasserscheide des oberen Wuppergebiets bemerkbar gewesen sein; allerdings wären die Baukosten unverhältnismäßig hoch gewesen. Wenn also eine solche Lage der Festhalle für Schützenfeste, große Gauturnfeste, landwirtschaftliche Feste und dergleichen nicht unpassend gewesen wäre, so wäre eine Benutzung der Festhalle für Vereine und Versammlungen doch wegen der großen Entfernung vom Stadtinnern nicht zweckmäßig, so war die Meinung.

Der Hohenzollernplatz an der Ringstraße nahm Mitte der 1930er Jahre den alten Kaiser Wilhelm I. auf. Aus ‚kriegswichtigen Gründen‘ wurde das Denkmal dann später verschrottet.. Lenneparchiv Schmidt.Einige Jahre vor dem Bau der Eisenbahn Remscheid-Lennep-Barmen-Rittershausen unternahm ein früherer Lenneper Bürger namens Richard Kombruch eine große Grundstückspekulation. Er brachte alle käuflichen Grundstücke in der näheren Umgebung der Stadt in seinen Besitz, weil er sich vorgestellt hatte, durch die Eisenbahnanlage würde eine immense Bautätigkeit entstehen und seine Grundstücke würden ihm große Gewinne bringen. Das war allerdings ein Irrtum. 30 Jahre später gestand der Herr dann ein, dass sich die Spekulationssumme nicht einmal normal verzinst habe.

Damit nun aber Grundstücke, die bei der voraussichtlichen Entwicklung der Stadt für öffentliche Gebäude nötig waren, nicht durch Spekulation verteuert wurden, veranlasste der damalige Bürgermeister Rudolf Trip seine Verwandten Gebr. Hilger, das Grundstück des späteren Kreishauses und Umgebung zwischen Kölner- und Leverkuser Straße bzw. zwischen dem Hardtschen Garten und der späteren Hermannstraße anzukaufen. Es sollte für gemeinnützige Zwecke bereitgehalten werden. Da eine baldige Verwertung dieser Art noch nicht in Aussicht stand, wurde dort eine Feldbrandziegelei  angelegt, aber bald wieder aufgegeben, weil es sich herausstellte, dass durch die primitive Fabrikation in der regenreichsten Gegend Deutschlands eine Rentabilität nicht zu erzielen war. Der unbrauchbare Abfall der Meileröfen war einfach zu groß. Auf diesem Teil des Grundstücks ist alsdann später im Jahre 1889 das Kreishaus erbaut worden, nachdem es in den Besitz der Stadt übergegangen war.

Der nördliche Teil dieses Grundstücks war nach dem Ankauf durch Friedrich Wilhelm Hilger für eine Festhalle, die gemeinnützigen Zwecken dienen und für alle Vereine benutzbar sein sollte, zur Verfügung gestellt worden. Bürgermeister Rudolf Trip war Artillerieoffizier gewesen und ein guter Mathematiker; er liebte es, einigen jungen Bautechnikern, die sein besonderes Wohlwollen besaßen, mathematische Probleme aufzugeben, die dann in der Stammkneipe besprochen und meistens auch gelöst wurden. Eines Tages wurden nun diese Bautechniker, die inzwischen als selbständige Bauunternehmer fungierten, von Bürgermeister Trip scheinbar offiziell mit einer großen Aufgabe betraut. Sie sollten einen modernen Plan mit Kostenanschlag für eine große Festhalle für alle möglichen Zwecke liefern, da man nun auf dem verfügbaren Grundstück den schon jahrelang schwebenden Plan verwirklichen wolle. Damit sie sich über die zweckmäßigsten Anlagen auf diesem Gebiet unterrichten und einen nach allen Seiten hin modernen Plan liefern konnten, wurde ihnen eine Informationsreise durch Rheinland und Westfalen empfohlen, um Anlagen ähnlicher Art zu studieren.

Die beiden jungen Männer widmeten sich mit großem Eifer der Aufgabe, die ihnen mit einer offizieller Miene aufgegeben worden war, und legten dem Bürgermeister eines Tages einen feinen Plan mit Kostenanschlag im Betrage von 60.000 Talern vor. Der  fand alles großartig, wunderbar, auch nicht zu teuer, es müsse sofort mit dem Bau begonnen werden. Auf die schüchterne Frage der beiden Glücklichen - es handelte sich hier um die Jungunternehmer Albert Schmidt und Louis Dürholt -, wie es denn mit der Verdingung und der geschäftlichen Ausführung des Planes werden sollte, wurde lächelnd erwidert: Alles unnötig, Sie bauen die Anlage auf Ihre Kosten, das Grundstück erhalten Sie umsonst, reichlich Hypotheken gibt die Sportkasse, und für eine rentable Verwertung der Anlage wird Sorge getragen! Merke: Die beiden Baugewerksabsolventen hatten ohne jedes Kapital, wenn auch mit viel Mut und Kraft ihre Selbständigkeit gegründet und sollten jetzt die Funktionen von Kapitalisten übernehmen. Sie dankten dem Herrn Bürgermeister für seine gute Meinung – und versenkten das schöne Himmelsbild in den Orkus. Jedenfalls wurde das Festhallenprojekt so dauerhaft begraben, dass es viele Jahre dauerte, bis es wieder auftauchte.

Dann kam die Zeit der Denkmalüberflutung nach den siegreichen Kämpfen, die zur Gründung des Deutschen Reichs geführt hatten. Jedes Städtchen wollte sein Krieger- und Kaiserdenkmal haben, es wurden viele Millionen dafür ausgegeben. Pate stand hier außer der dankbaren Anerkennung der für das Vaterland Gefallenen auch die Erinnerung an große Führer des Volkes und die Förderung der Kunst, verbunden mit lohnende Arbeit für Handwerker. In dieser Zeit entstand in den liberal-bürgerlichen Kreisen Lenneps der Gedanke, ein Kaiser-Friedrich-Denkmal zu schaffen, obwohl in den noch höheren Gesellschaftsschichten dieser Idee wenig Sympathie entgegen gebracht wurde. Denn dort fürchtete man die Grundsätze des zwischenzeitlichen Kaisers, die er als freimaurerischer Logenbruder in Straßburg im Jahre 1886 proklamiert hatte, nämlich Gewissensfreiheit und allumfassende Liberalität. Lieber hielt man sich an seine Verwandten Wilhelm I. und später Wilhelm II.

Liberale Lenneper Kreisen gründeten damals einen Kaiser-Friedrich-Denkmal-Fonds. Da tauchte der Gedanke auf, der beim Volk beliebte Mitbegründer des Reiches würde es auf Grund seiner Weltanschauung gern gesehen haben, wenn die gesammelten Gelder für Einrichtungen verwendet würden, die dauernd das Allgemeinwohl förderten - eine Kaiser-Friedrich-Halle, die geeignet wäre, allen Einrichtungen zur Förderung des Volkswohls und der Volksbildung zu dienen. Es fehlte ein genügend großes und würdig ausgestattetes Gebäude mit Einrichtungen zur Pflege der Turnerei, für politische und sonstige Volksabstimmungen und für die  Vorträge des allgemeinen Bürgervereins. Auch fehlte Raum für Volksbibliothek und Lesehalle, durch die die „Schundliteratur“ bekämpft werden konnte. Durch ein großes Kino hätten die schädlichen, aufregenden Produktionen der Privatkinos bekämpft werden können usw. Wenn die Stadtverwaltung und die Vereine zusammenwirkten, dann müsste es ein solcher Plan doch gelingen…

Auch die Bauplatzfrage für eine große Festhalle schien gelöst. Der durch Schuttanschüttungen entstandene Kaiser-Friedrich-Platz (später Jahnplatz) hätte eine große Halle für alle Zwecke aufnehmen können, ohne im Geringsten die sportlichen Einrichtungen zu behindern. In der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg, also vor 1914, als sich Weltkrieg Handel und Industrie auch und gerade in Lennep fieberhaft entwickelten, hätte sich die Idee realisieren lassen. Danach aber ging die Zeit darüber hinweg.

Der Musikvirtuose Rodenbusch vom Stahlfeld

von Dr. Wilhelm R. Schmidt

Liebe Lenneper, Ja, diesen Lenneper Herrn gab es wirklich, bei meinen Führungen zum Thema "Schräge Typen im alten Lennep" hatte ich den Musikvirtuosen Rodenbusch vom Stahlfeld immer dabei. Er wohnte um die vorletzte Jahrhundertwende "Am Stahlfeld 2" in Lennep. Bei seiner Eigenbezeichnung, nicht nur auf dieser Werbekarte, haute er immer ein wenig "auf den Putz". Im Adressverzeichnis von 1903 wurde er – seriöser – als Musiklehrer geführt. 

De Schlüffkes

Ech küant de Kattenmüter in de Fott treden, ne wat hangk ech nen rechtegen Frack op die Drecksäcke.

Ett riant un riant un dann dacht ech bie mir, datt ech de Katten nich füar die Düar lott, damet se mir nech malad wöaren.

Do kuam ech owens uat dem Dorpe. Ech woar ens ewen wiar iankoopen, damet de Kaal ens

enn ordentlechen Peards-Suarbroden kregt, do wual ech in miane Schlüffkes. Die hangk ech vorne an de Husdüar stongk, domet ech met de nasse Schuohe nit dur de Bude luapen muass.

Ech deit, datt es ewer enn kuomisch Gefühl so nate. Ech kieak noh unn dann hangk se mir doch tatsechlech für lauter Buoshi‘et in de Schlüffkes gepisst, weil ech se nit ruat gelooten hangk. Kianer van denn Drecksäcken woar te senn. Alle vier haren sech verstoppt. Do hätt man doch drai Kattendriethüsken unn dann pissen se emmer noch hin wo se wualen. Ech wias jo nit wer datt woar.

Ech bin strackes mett denn Schlüffkes füarsechtig in die Köche gegangen. Ech hand se im Spülstian uutjeschött und ordentlech jeschruppt. Opp dem Owen tem drüjen oppjestault. Dann muasst ech de Suomerschlüffkes uut demm Schaap hollen. Mett decke Socken muss datt molls gonn, biss die angern wider drüech send.

Denn owend goff ett molls kian lecker Kattenowendeeten. Nu kuament se ruut opp ett riant, schni’et, odder de Weiltungergang kümmt. Noch ens mak ech datt nich mett. So ne Quaasere’i, wie datt woar, ewwer datt sind kiane Katten, sondern rechtege Dreckmüter.

Ett jütt en ni’eue Zeitengk för dat Bergesche „Dat bergsche Woart“. Do drenn jütt ett nur Berichte in bergeschem Platt. Nech nur vam Remsched. Datt Bergesche ess gruat. Am Soterschdag denn 25. Jannewar wüard datt „Blatt opp Platt“ füargestault im Niederbergischem Museum in Wülfrath aff nommendags 15 Uhr. Ech han watt dofür jeschrewen und bin och bie der Fürstellengk dobie, mett dem Kaal. Enn paar Exemplare der ni’euen Zeitengk, breng ech mett noh Remsched und wer Interesse hätt, kann sech an mech wenden z.B. öwer Fazzebook bie die Gruppe: Vertellkes opp Platt. In de Denkerschmette lege ech för önk och en paar Exemplare parat. Vle’ist och en paar in ett Roothus bie de Flyer. Ett kost nix, alles ömmesöß.

So, nu muass ech ens kieken, op mieane Schlüffkes widder drüg send. Ech kann kaule Quanten.  Ett ess jo Wengkter, auch wenn de Temperatur nich donoh uutsüüt.

Bös Strackes
 önker Klärchen

Als es in Lennep noch viele gesellschaftliche Clubs gab

Am Pavillon des Hardtparkteils unterhalb der Wupperstraße gab es noch lange nach dem 2. Weltkrieg beliebte Sommerkonzerte.von Dr. Wilhelm R. Schmidt

Wenn wir heutzutage die Zeitungen aufschlagen, dann sehen wir öfters Hinweise auf so manchen Lenneper Verein, der eine Geschichte von einhundert Jahren oder noch länger aufweisen kann. Es wäre deshalb sicherlich sehr interessant, einmal  eine umfassende Lenneper Vereinsgeschichte zu schreiben. Heute aber soll es speziell um diejenigen historischen Gesellschaften gehen, die sich eher als „gesellschaftliche Clubs“ verstanden haben und die meinten, mit einem Radfahrerverein z.B. oder dem Hahnenverein von Fünfzehnhöfe wenig gemein zu haben, erst recht nicht mit der Vorstellung eines „großartigen Ringkampfes mit einem Neger“, so 1878 im Saal des F.W. Keil, dem Vorgänger Hermann Windgassens im Kölner Hofs.

Bereits in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts gab es ein stark entwickeltes Gesellschaftsleben in der damaligen Kreisstadt Lennep. An Fernsehen, Internet und Spielkonsolen konnte damals noch niemand denken, und so bestand ein großes Bedürfnis nach Geselligkeiten im öffentlichen Raum, vor allem in den Wirtschaften, die damals mehr als heute auch zusätzliche Gesellschaftsräume umfassten. Ganze Generationen hatten Tanzstunde im Berliner Hof und feierten im Garten des Kölner Hofs auf dem Grund des späteren Modernen (Lichtspiel-)Theaters. Da es noch kein Kino gab, nutzte man die größeren Räume mit Bühne ausgiebig für Vorstellungen lokaler und auswärtiger Theatergruppen, für Versammlungen und für Konzerte. Auch Freilichtbühnen gab es, z.B. am Lenneper Stadtgarten, und noch lange nach 1945 gab es Konzerte im Lenneper Hardtpark. Sicherlich wurden Szenen aus Shakespeares Sommernachtstraum aufgeführt, und manchmal der „Raub der Sabinerinnen“ der Wiener Brüder Schönthan. Wie in dieser skurril-tragischen Komödie musste wohl auch in Lennep oftmals das Drehbuch an die defizitären Lokalverhältnisse angepasst werden. Am ehesten wurde die Tradition theatralischer Aufführungen später noch in den großen Schulen und ihren großen Aulen beibehalten. (Dass man nach dem Zweiten Weltkrieg für die Abwicklung der Vorstellung brennbares Heizmaterial mitbringen musste, gehört zu einem anderen Thema.) Ich selbst erinnere mich noch sehr genau an die Schüleraufführungen der 1960er Jahre, als im Lenneper Röntgengymnasium „Des Die Kaufmannsgesellschaft an der Bergstraße unterhalb des Lenneper Bahnhofs verstand sich als Club und Treff für Geschäftsleute und Politiker.Kaisers neue Kleider“ aufgeführt wurden. Einer meiner Mitschüler war der „Kaiser“, der mit langen weißen Unterhosen auf der Bühne seine von der Regie geforderte Nacktheit simulierte. Ich selbst probte eine Zeit lang am Sonntagmorgen im Saal des „Königs von Preussen“ am Lenneper Alten Markt; zu einer Aufführung kam es jedoch nie.

Die öffentlichen Aufführungen reichen in Lennep zurück bis in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts. Ganz anders als heute jedoch versuchte man damals, die Interessenten möglichst nur in der eigenen Gesellschaftsschicht zu finden. „Gleich und gleich gesellt sich gern“, heißt es das passende Sprichwort, und es versteht sich von selbst, dass sich die Kaufleute und ihre Spitzenkräfte, die man damals Beamte nannte, nicht gern mit den einfachen Handwerkern an einen Tisch setzten. Vielmehr traf sich die sog. „Kaufmannsgesellschaft“, ein Klub begüterter Familien, lieber in den oberen Räumen des Amtsgerichts am Alten Markt und ließ sich später an der heutigen Bergstraße ein eigenes prunkvolles Gebäude errichten, das spätere „Hotel zu Post“, sogar mit eigenem großem Weinkeller, denn historischen Berichten zufolge war man sehr trinkfreudig und machte nebenbei „bergische Politik“.

Natürlich konnte damals nicht jedermann  einfach in eine solche Gesellschaft eintreten, sondern es wurde jeweils über neue Mitgliedschaften erst entschieden. So wie dies heute noch in der Freimaurerei vielleicht oder bei den „Schlaraffen“ üblich ist, wurde auch in manchen Lenneper Vereinigungen im 19. Jahrhundert dazu die sog. Ballotage, oder dt.: Kugelung angewendet. In geheimer Abstimmung wurde über die Aufnahme des Aspiranten mit einer weißen bzw. schwarzen Kugel entschieden. Die soziale Zugehörigkeit war dabei in der Regel entscheidender als die persönliche Leistung des Beitrittswilligen.

Das sog. Vereinshaus (später RWE) an der Bahnhofstraße unterhalb des ‚Kaiserhof‘diente u.a. als Treffunkt der ‚Loge zur Bergischen Bruderkette - Orient Lennep 1912‘.Natürlich gab es auch politisch ausgerichtete Vereinigungen, neben den konservativen bzw. royalistischen nach und nach immer mehr auch liberale, sozialdemokratische und revolutionäre. Eine Gesellschaft mit der Bezeichnung  Das Parlament“ hatte ihr Lokal zunächst an der Berliner Straße und wechselte dann in das heute nicht mehr existente große Haus gegenüber dem „Berliner Hof“, das seit den 1830er Jahren als Geschäfts- und Vereinshaus bestand. Die Gesellschaft huldigte wohl den Idealen der bürgerlichen Revolution von 1848 und dem Parlament der Frankfurter Paulskirche. Zum Mollplatz hin hatten die Räume im ersten Stock einen saalmäßigen Charakter mit großen Verbindungsklapptüren der einzelnen Räume. Bei seinem Abriss 1971 fand man im Keller noch Gewölbe vor, die einst als Bierkeller gedient hatten, und es ist bekannt, dass in einem Anbau im Park in Richtung Gartenstraße im frühen 19. Jahrhundert Kegelbahnen bestanden. Im Jahre 1849 scheint diese Gesellschaft erloschen zu sein, denn die damaligen Zeitungen berichten über die Versteigerung ihres gesamten Mobiliars.

Der berühmteste Frankfurter Abgeordnete unserer Region war übrigens Eduard Hülsmann. Im Jahre 1848 vertrat er den Wahlkreis 27, Provinz Rheinland, im Paulskirchen-Parlament. Er hatte evangelische Theologie in Bonn studiert und sich dort der Alten Bonner Burschenschaft angeschlossen. Ab 1837 wirkte er als Prediger, Schulpfleger und Pfarrer in Lennep. Er war sehr beliebt, und um ihn rankt sich so manche Lenneper Geschichte. Als es um seinen Nachfolger ging, entstand der Spruch: „Ach, hätten wir doch einen Hülsmann wieder.“

Über viele Lenneper Generationen war der ‚Berliner Hof‘ mit mehreren Sälen (z.B. oben rechts) Clubhaus, Vereins- und Tanzstundenlokal. Gegenüber tagte bis 1849 die ‚Gesellschaft Parlament‘.Eine weitere Gesellschaft war in Lennep die „Zum Roten Ochsen“. Sie soll in einer damals gleichnamigen Gaststätte an der unteren Kölner Straße zusammen gekommen sein. Eine „Loge zur Bergischen Bruderkette im Orient Lennep“ residierte ab 1912 im ursprünglich evang. Vereinshaus an der oberen Bahnhofstraße unterhalb des „Kaiserhofs“, später Zentrale des RWE. (Teile des Geschirrs mit Schriftzug verwahre ich noch heute in meinem Lenneparchiv.)

Bekannter als die bisher genannten Gesellschaften ist im heutigen Lennep sicherlich die „Gesellschaft Union“. Deren Räumlichkeiten befanden sich an der Kreuzung Kölner Straße/Wupperstraße. Der Lenneper Baumeister Albert Schmidt beschäftigte sich mit ihr seinerzeit in einem Zeitungsartikel, weil er dort in seiner Jugend Mitglied gewesen war, und weil er dem Betreiber des Etablissements,  Carl Wilhelm Vollmer, samt seiner Familie ein Denkmal setzen wollte. Die Gesellschaft wurde am 28. Februar 1829 von Bürgern des Lenneper Mittelstandes gegründet, während die oberen Stände lieber in der Kaufmannsgesellschaft verkehrten. Bis Anfang der 1860er Jahre kamen die Mitglieder im Winter am Alten Markt zusammen, und für den Sommer war an der Wupperstraße zunächst nur ein kleiner Kegelsaal mit Bahn im Garten vorhanden, der allerdings laufend vergrößert und umgestaltet wurde, so dass man dort  sehr angenehme Stunden zubringen konnte. Später wurde noch ein Konzertsaal mit Erker für das damalige Freimaurerkränzchen geschaffen.

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Dat es de Geschechte vam Jupp un dem Maria

Nu wual ech ens de Geschechte vertellen, die de Lukas emm Kapitel 1, Vers 1-19 vörr völlen Joahren oppgeschriewen hätt.

Also, die ess nit van mir.

Su vörr tweidusend Joahren woar in Rom de Augustus Kaiser van völl Volk op der Weilt.

On een Syrien, dat es do wo sech de Araber on de Israelis nit verknusen küanen, do woar de Quirinus, de Behölpsmann vam Augustus, an de Regierengk.

De Augustus goff domols en Gesetzt ruut, dat jiederiener getault wären süal. dat woar et ierste Kiar, dat en ganz Volk getault wuord. Äwwer de rechtege Grongk woar dat Inschriewen in de Stüerbüöker, denn die bruckden domols uoch Geild, wie hüedigen Dags uoch.

So muos uoch die Jupp van Nazareth met siener Verlowten, demm Maria op Bethlehem aan schlappen, de do woar ihr Herkuomes.

Äwwer dat Maria druog jett unger dem Schottelduok. De Jupp woar dat äwwer nit gewesen, da woar de hielige Giest. Du Jupp wual sech alt do duor doann. Sonnen Engel har dem Jupp äwwer gesait, he süll doch bie dem Weäten bliewen.

(Äwwer dat heet nit de Lukas geschriewen, demm woar dat secher to schienannt, dat hätt de Mattes em Kapitel 1, Vers. 19-20 geschriewen)

De Jupp woar en armen Keärl, he woar Schreiner. De har wall nen Liempott, twei odder drei Seegen (wo hee die her hät, wiet eech nit, ut dem Remsched woaren die äwwer nit). He har uoch nen Hubbel (de woar uoch nit vam Emmerich ut der Herderstroote).

Äs he op den Stip lostrekken muoß, do hätt he sech en gebrukden Esel (son Secondhand Esel) beim Noahber gelehnt. Domit send die Twei op Bethlehem aan klabastert. Äs die do ankuomen, woar et alt temlech düster gewoaren. On Ongerkuomes fongen die Twei äwwer nit. Förr son Viersteänen-Hötte haren se kein Geild on sonn Jugendherberge goof et noch niet. Tuom guoden Eng kuonen se noch en nem Stall unger kuomen. On op ienmol geng dat met dem Maria los. On em ruppdiwupp woar de kleng Bönsel do! Äwwer wohenn domet? Do kuom de Pork en de Kreppe, denn ne Bettstaat haren se jo nit. Domet de Kleng niet so peßpullnackeg woar, kreg he nen paar guode Klöngeln aan. De Jupp stong dobie on bekiek sech den Jongen. He woar jo nu de Stiefvader. On dat kleng Jüppken woar uoch owwendrinn noch uniehlich, weil de Jupp on dat Maria jo noch net bestatt woaren. De Diersch en dem Stall bekieken sech uoch dat Speelwerk on woaren plester baff.

Wat do nu geschon woar, dat suol nu alle Weilt gewahr wäeren, äwwer wie sall dat goan? Denn Tüpitter on dat Lenneper Kriesblatt goof et uoch noch nit. Äwwer us Herrgott wuoß sech te helpen. He scheckden en paar guote Engel met nem Trööthorn dur de Gegend. Die makden tämlichen Radau, dat de Schööper op dem Feild de Boxen bewten. Iener van der Engelsschwitte riep die Schööper aan un sait: Jet brukend keenen Schiß tu han, önk is der Hielangk geboren. Makend önk op de Hosensocken on gonnt no Bethlehem, do köchet dat Kengk fengen, dat lieht en nem Stall ener Kreppe. En gruoten Steän sall önk den Weg wiesen.

Do trokken de Schööper los und lieten de Dier alleng op de Wedd. Äs se sech dat Kengk besiehn hatten, vertaulten se dat allen Lüden, ault und jongk.

Hüdegendags wierd dat üöwerall op de Weilt äs „Chressdag“ gefiert. Vörr den Dagen wüerd dann int Dorp gebusselt on völl Geild utgegewen, uoch vörr völl Onnüödig Tueg, dat ma nit es bruken kann. On no den Dagen wierd wier in dat Dorp geschlappt, un völles wier ömgetuscht.

Bös strackes un nechstes Joar

Önker Klärchen