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Von Milch und Wasser im alten Lennep

von Dr. Wilhelm R. Schmidt

Liebe Freunde des Bergischen Landes, liebe Lenneper,
lang, lang ist es her, dass diese beiden Fotos in Lennep gemacht werden konnten. Das Foto links stammt noch aus dem vorletzten Jahrhundert und zeigt eine volkstümliche „Partie“, wie man damals sagte, an der Lenneper Bocksgasse, die von der Pastoratstraße unterhalb von Wilhelm Conrad Röntgens Geburtshaus in Richtung Stadtkirche abzweigt. Heute sieht es dort (nach der Altstadtentkernung und/oder Sanierung) natürlich anders aus.

Noch nach dem Zweiten Weltkrieg ging man zum Milch holen zum Kaufmann, oft wurden die Kinder mit der hauseigenen Kanne dorthin geschickt, die allerdings wesentlich kleiner war als die auf unserem Foto abgebildeten Kannen. Mitunter sieht man derartige heute noch mit Blumenschmuck auf unseren Balkons oder in den Lenneper Vorgärten. Milch wurde seinerzeit übrigens auch ins Haus geliefert, gegen Aufschlag natürlich. Ebenso wie beim Wasser, sofern man keinen eigenen Brunnen im Haus hatte. Ferner das Petroleum für die Lampe und der Sand zum Reinigen der Fußböden und sonstiger Holzflächen.

Gemessen an "solchen Zuständen", die allerdings bis in letzte Drittel des 19. Jahrhunderts völlig normal waren, galt es natürlich als Fortschritt, als man am Bismarckplatz später ein Milch- und ein Wasserhäuschen anlegte, zeitweilig auch einen stattlichen Brunnen mit Fontäne und sogar eine meteorologische Station. Ich bin bei meinen Lennep-Führungen noch auf eine betagte Dame mit Gehwägelchen gestoßen, die davon erzählte, dass ihre Mutter am Bismarckplatz Wasser für das eigene Heim geholt habe. Das auf dem Foto abgebildete Milchhäuschen diente übrigens nicht nur der Lenneper Milchversorgung, sondern war letztlich Teil einer preußischen Kampagne gegen den damalig durchaus beachtlichen Alkoholmissbrauch der "unteren Schichten". Auch die Lenneper konnten damals mit dem "Fengersch" von der Kölner Straße und dem "Braselmanns" aus Beyenburg / Schwelm ein Lied davon singen. Bekannt war das Lenneper Original, genannt Bübchen, das mit seinen Mattkadetten (Marktkumpanen) kein Gläschen versäumte und es bis zur Verewigung auf einer Ansichtskarte brachte, auf der er schnapsselig auf sein altes Lennep hinunter blickte.

Milchverkaufsstellen waren sozusagen eine volkstümliche Variante der privaten Schweizerhäuser der reichen Industriellen, von denen es in Lennep am Westerholt übrigens auch eines gab, wo die Kühe im Stall aus Marmorkrippen fraßen. Der Eigentümer, Herr Hardt, pflegte seine Gäste zu fragen, ob sie lieber Champagner, Cognac oder Milch trinken wollten. "Es kostet mich alles dasselbe", soll er hinzugefügt haben.

Metzger Ernst Karthaus, einst Berliner Straße 10

von Dr. Wilhelm R. Schmidt

Liebe Lennepfreunde,
in meinen Materialien vom alten Lennep fand ich dieser Tage dieses Foto von der Berliner Straße. Es zeigt eine Lenneper Metzgersfamilie um das Jahr 1900. Selbstverständlich zeigten sich, als der bestellte Fotograf vor Ort eintraf, nicht nur die Damen des Hauses mit ihren Kindern, sondern auch die Bewohner der angrenzenden Doppelhaushälfte. Dieses Doppelhaus gibt es übrigens heute noch, wenn auch verändert. Es liegt direkt gegenüber der der Lenneper Zweigstelle der Remscheider Stadtbücherei.

Auf dem ausgehängten Firmenschild liest man, dass es sich um die Ochsen- und Schweine-Metzgerei von Ernst Karthaus handelt. Im Lenneper Adressbuch von 1903 ist er als ein solcher Metzger verzeichnet. Wo sind sie bloß alle hin, die Lenneper Metzger der vorletzten Jahrhundertwende? Ich meine das ja zunächst rein anzahlmäßig. Das Adressbuch verzeichnete 1903 nämlich 14, in Worten vierzehn Lenneper Metzger, und wir wollen sie hier einmal alphabetisch aufzählen, denn die Älteren unter uns haben die Geschäfte oder wenigstens die Namen der historischen Eigentümer ja noch gekannt. Sie hießen Dresbach, Drösser, Hasselkus, Hausmann, Hungenbach, Karthaus, Kühne, Lausberg, Rysges, Ruwiedel, Schürmann, Steinhaus, Weßler und Wüstenhager.

An einige Geschäfte kann selbst ich mich noch aus der Nachkriegszeit erinnern, an Steinhaus natürlich, wo es , aber teuer war, und an Fritz Drösser am Gänsemarkt in Röntgens Geburtshaus, wo ich immer gut abgehangenen rohen Schinken holen musste. Wenn es bei der arbeitenden Bevölkerung am Freitag die Lohntüten gab, dann ging es bei den Metzgern oft noch kurz vor Ladenschluss hoch her. Es wurden dann Koteletts fürs Abendessen gekauft, und wenn das Geld reichte, vielleicht sogar noch ein Sonntagsbraten zu Schmoren.

Neue Sonderausstellung im Deutschen Werkzeugmuseum

Märklin-Metallbaukasten von 1920.

Pressemitteilung der Stadt Remscheid

„(K)ein Kinderspiel …“ ist der Titel der neuen Sonderausstellung im Deutschen Werkzeugmuseum. Sie wird Anfang Dezember eröffnet und gibt passend zur Weihnachtszeit einen Einblick in die Welt der technischen Spielzeuge. Vielleicht haben Sie ein besonderes Spielzeug, mit dem Sie sich beteiligen möchten!

Doch worum soll es gehen? Als Werkzeugmuseum werden wir die technischen Spielzeuge in den Vordergrund rücken. Klassischerweise werden diese auch gerne als „Jungensspielzeug“ tituliert. Daher auch unser Titel, denn dies sind nicht nur Spielzeuge, sondern natürlich sollten die Jungen an Technik, Metallbearbeitung, Bauen oder Autos herangeführt werden, um später dann auch in diesen Bereichen ihren Beruf zu ergreifen. Im Gegenzug gab es die typischen „Mädchenspielzeuge“ wie Puppen, Küchen, Puppenhäuser oder Kaufmannsläden. Diesem Bereich werden wir nur einen kleinen Bereich widmen, um diesen Gegensatz darzustellen.

Unabhängig von der gesellschaftlichen Bedeutung gibt es wunderschöne und perfekt verarbeitete Spielzeuge, so dass es häufig ein richtiger Augenschmaus ist, diese zu betrachten. Weiterhin hat jeder Erinnerungen an seine Kindheit und seine eigenen Spielzeuge. Besonderen Schwerpunkt möchten wir auf die 1920er bis 1960er Jahre legen, aber auch jüngere Spielzeuge sind gerne gesehen.

Und da kommen Sie ins Spiel! Wir möchten gerne weitere Spielzeuge für das halbe Jahr Ausstellungsdauer von Ihnen bekommen. Vielleicht ist es Ihr Lieblingsspielzeug gewesen oder es ist etwas ganz Außergewöhnliches oder es ist eine inhaltliche Ergänzung. Hier einige Beispiele, an was wir gedacht haben: typisches Jungenspielzeug zu Technik, Bauen, Stecken und Schrauben; Blauklötze; Anker-Steinbaukästen; Stabilbaukästen; Fischer-Technik; Märklin Metallbaukästen, Märklin-MiniClub-Eisenbahn; Lego-Technik; Kosmos-Experimentierkästen; aufziehbares Blechspielzeug oder Spielzeugautos.

Selbstverständlich freuen wir uns auch über interessantes Mädchenspielzeug wie zum Beispiel eine außergewöhnliche Puppe oder einen Spielzeugherd, aber benötigen da deutlich weniger. Weiterhin würden zeittypische Werbung, Originalverpackungen, Bauanleitungen oder Werbegeschenke die Ausstellung komplettieren. Wenn Sie uns etwas anzubieten haben, melden Sie sich bitte unter Tel. RS 162519 oder E-Mail werkzeugmuseum-hiz@remscheid.de">werkzeugmuseum-hiz@remscheid.de, gerne auch mit Foto. Natürlich sind Sie schon jetzt zur Ausstellungseröffnung eingeladen.

Leiter des KInderheims musste zehn Jahre ins Zuchthaus

von Dr. Wilhelm R. Schmidt

Liebe Freunde des Bergischen Landes, liebe Lenneper,
neulich sahen meine Frau und ich im Fernsehen zu später Stunde einen Beitrag zu den Kinderverschickungen in unserer Jugend, also in den 1950er und 1960er Jahren. Ich selbst kann mich daran noch gut erinnern, da auch ich seinerzeit „verschickt“ wurde, und zwar im Jahre 1957; damals war ich zehn Jahre alt. Im Onlinelexikon Wikipedia, in dem sich das Thema z.Zt. augenscheinlich immens entwickelt, heißt es am Anfang des Artikels: Als Verschickung bezeichnete man das Verbringen von Klein- und Schulkindern aufgrund gesundheitlicher Probleme in Kur- oder Erholungsheime. Mindestens acht Millionen bis sogar zwölf Millionen Kinder, die unterernährt oder wegen Krankheit erholungsbedürftig waren, wurden von der Nachkriegszeit bis in die 1990er Jahre in der Bundesrepublik für meist sechswöchige Aufenthalte in Heime an der See oder in den Bergen verschickt.

So etwas gab es natürlich auch in Lennep, und beim Anschauen des Fernsehberichts kam mir in den Sinn, dass ich im Jahre 1957 ca. sechs Wochen im Rahmen einer solchen Verschickung auf der Nordseeinsel Borkum zubrachte. Wahrscheinlich hatte meine Lenneper Kinderärztin den Anstoß dazu gegeben, da ich seit meiner Geburt unter asthmatischen Beschwerden litt. Allgemein galt ja, dass da ein Aufenthalt an der See oder in den Bergen für Besserung sorgen könne. Ich nehme heute an, dass die Beantragung und Abwicklung der Verschickung seinerzeit über die einschlägige Krankenkasse erfolgten, anders als in vielen Fällen handelte es sich hier um keine Sozial- oder Wohlfahrtsmaßnahme, denn meine Eltern waren damals gut verdienende Lenneper Unternehmer.  

Die bunten maritimen Wandbemalungen aus dem Speise- und Spielsaal mit großen Segelschiffen kehren in mein Bewusstsein zurück. Bei mir „hängen geblieben“ ist u.a. auch, dass es bei den Mahlzeiten viele Suppen gab, meist eine Art Milchsuppe mit brauner Zuckereinbrenne ("Karamellsuppe"). Immer gab es dazu dunkles Brot mit gesalzener Butter, vielleicht war es ab er auch Margarine. Die Tage verbrachten wir mit ausgedehnten Spaziergängen an der frischen Seeluft an den verschiedenen Stränden und im Innern der Insel, z.B. in der Nähe der Sanddornwälder, wobei viel gesungen wurde, um die Lungen zu stärken. Ich erinnere mich noch bruchstückhaft an das Kinderlied, in dem sich eine olle Flunder in einen jungen Hering verliebt, zwo, drei, vier, tirallala. Und natürlich hatten wir Kinder auch Sonnenbrand.  

Kindergesundheit waren ein respektabler Wirtschaftsfaktor in der Nachkriegszeit. Der Erfolg der Kuraufenthalte wurde oft einzig und allein daran gemessen, dass das Heimkind in seinen vier bis sechs Wochen deutlich an Gewicht zunahm, ein nach dem Krieg sicherlich notweniger, aber aus heutiger Sicht nicht hinreichender Aspekt. Ich erinnere mich noch gut, dass wir bei der Ankunft und vor der Heimreise auf die Waage mussten, und natürlich kam auch die Messung des Lungenvolumens dazu. Ich sehe noch den sich aufblähenden Gummiball der Apparatur vor mir und erinnere mich an meine schwindenden Sinne in der Endphase der Anstrengung beim Aufblasen.

Das Borkumer Erholungsheim, hieß übrigens „Mövennest“. Wie meine Eltern in Lennep später der Presse entnehmen konnten, war der Leiter und Eigentümer Dr. med. Werner Scheu in der NS-Zeit Mitglied der NSDAP und der Waffen-SS. 1941 beteiligte er sich als Offizier aktiv an einem Massenmord an 220 litauischen Juden und wurde deshalb 1964 rechtskräftig zu zehn Jahren Zuchthaus verurteilt.

Zu Recht stehen die Nachkriegsverschickungen von Kindern heute in erheblicher Kritik, denn sie wurden von den Betroffenen im Rückblick häufig als traumatisierend wahrgenommen. In den Heinen herrschte noch lange Zeit ein strenger, vereinzelt noch von NS-Ideologien geprägter Umgang mit den Kindern,  verbunden mit vielen Fällen mit psychischer und körperlicher Gewalt. Ich kann dies für meinen Borkumer Aufenthalt 1957 natürlich nur aus kindlicher Sicht bestätigen, von Nationalsozialismus wusste ich als Zehnjähriger naturgemäß nichts. Aber aus heutiger Sicht empfinde ich manche der damaligen Strafmaßnahmen keinesfalls als kindgerecht. Beispielsweise mussten wir auch bei kleineren Vergehen gegen die Heimordnung auf dem Flur des Heimes zur Strafe lange Zeit mit nackten Knien auf dem dortigen Sisalläufer verbringen; ich sehe die roten Striemen auf der Haut noch deutlich vor mir.

Gottseidank war der geschilderte Aufenthalt in Borkum nicht mein letzter. Bereits drei Jahre später, also im Jahre 1960, ging es mit dem Lenneper CVJM die dortige CVJM-Jugendherberge „Waterdelle“. Daran erinnere ich mich gern, aber dies ist schon wieder eine andere Lenneper Geschichte.

Kommerzienrat ließ Gang unter der Straße anlegen

von Dr. Wilhelm R. Schmidt

Liebe Lennepfreunde,
wissen Sie, wo dieses Villa stand? Wahrscheinlich nicht. Aus eigener Anschauung kann dies nur wissen, wer das Ende des Zweiten Weltkriegs bzw. die ersten Jahre danach miterlebt hat. Wir sehen hier die Ecke Rotdornallee/Leverkuser Straße, früher Leverkuser Gasse oder auch Kinns (Kinds) Gässchen. Das Gebäude wurde vom Lenneper Architekten Arthur Schmidt noch vor der vorletzten Jahrhundertwende entworfen und von der Baufirma Albert Schmidt für Hermann Hardt Junior errichtet. Weil der Herr Kommerzienrat bei seinem Weg zum Kontor an der Kölner Straße / Nähe Wupperstraße nicht gerne irgendwelchen Leuten begegnete, ließ er unter der Rotdornallee, früher Mittelstraße, noch einen privaten unterirdischen Gang bauen. In den 1930er Jahren war diese Villa u.a. Sitz der NS-Frauenschaft. Nach dem Krieg wurde auf dem Grundstück zur Ringelstraße hin die neue Gemeinschaftsschule erbaut. Übrigens sieht man auf dem historischen Foto auch die "Rotdörner" der Lenneper Rotdornallee, die aus Kostengründen später kaum noch adäquat ersetzt wurden.

Sein eigenwilliger Humor war gewöhnungsbedürftig

von Dr. Wilhelm R. Schmidt

Liebe Freunde des Bergischen Landes, liebe Lenneper,
dieser Tage war ich wieder einmal „am Ausmisten“ historischer Bestände, die ich vor knapp zwanzig Jahren u.a. vom „Lemper Koch“ übernommen hatte. Der Genannte bezeichnete sich ja selbst bewusst immer wieder als „Lennepsammler“, womit er ausdrücken wollte, dass das Sammeln und Besitzen von Lennep betreffenden Dokumenten und Gegenständen ihm weit mehr am Herzen lag als die fachhistorische Beschäftigung damit. Über Jahrzehnte stand dieser Herr in der ganzen Bundesrepublik mit Anbietern von „Lennepensien“ in Verbindung und gab beim Erwerb tausender Einzelstücke dafür viel Geld aus.

Er sammelte allerdings auch zunächst Wertloses, z.B. Einzelstücke historischer und zeitgenössischer Presseprodukte. Man weiß ja nie, welche Erkenntnisse man daraus irgendwann einmal gewinnen kann. Beim Ausmisten von Kochs alten Kartons stieß ich jetzt auf eine Extraausgabe der Bergischen Morgenpost aus dem Jahre 1993, in der ein Artikel über ein lange Zeit sehr bekanntes „Lenneper Original“ enthalten war. Ich selbst hatte in meinem Text- und Bildband „Aus dem Alten Lennep“ (2004, 2007 u. weiter) das Thema „Lenneper Originale“ behandelt und zahlreiche Beispiele aus früherer Zeit dargestellt. Ein ausgesprochener Renner waren über Jahre hinweg auch meine dazu gehörigen Lenneper Stadtführungen.

Der gennannte Artikel aus der Extraausgabe der Bergischen Morgenpost im Jahre 1993 schilderte ein „Lenneper Original“, das ich bisher nicht berücksichtigt hatte, obwohl mir dessen Familie aus der Kindheit bekannt war. Dies wollen wir hier und heute nachholen, gerne auch deshalb, weil es sich bei dem schildernden Autor „Kurt vom Drieselshäuschen“ um einen Jugendfreund von mir handelt, den viele Remscheider Leser eher unter seinem wirklichen Namen Rolf Lotzmann kannten. Er war lange Zeit vor Ort als Lokalreporter tätig und verfasste u.a. eine Unmenge kleinerer Arbeiten zum Thema „Lenneper Straßen“. Bei unserem heutigen Thema war sozusagen die untere Kölner Straße dran, da wo die Splittergasse auf sie trifft und sich seit 1976 die Lenneper Altstadtgalerie Wroblowski befindet. Die dick gedruckte Überschrift in der Extraausgabe der Bergischen Morgenpost lautete damals: „Wer mit großen Scheinen bezahlte, bekam von „Alli” haufenweise Kleingeld zurück“.

Folgen wir nun dem Text von Kurt vom Drieselshäuschen alias Rolf Lotzmann, der sich übrigens sein Pseudonym nach dem Ort seiner Kindheit ausgesucht hatte. Er wohnte nämlich wie auch ich am heutigen Mollplatz, vor dem früheren „Lüttringhauser Tor“, wo der Lenneper Überlieferung nach einst ein drehbarer Pranger gestanden haben soll, das Drieselshäuschen.

„Wer hat nicht schon vom „Schnidder Halsöverkopp", vom „Schlüffken" aus der Jägergasse und von dem Girlanden-Verkäufer „Aapen-Matthias" aus der Splittergasse gehört, der seine verkauften Girlanden nachts wieder abnahm und sie am nächsten Tag erneut anbot. Zu den „Typen”, die jeder kannte, gehörte auch Ernstfred Allmacher, der meist „Alli" genannt wurde. „Alli” betrieb ein Lotto/Toto- und Zigarrengeschäft in der Lenneper Altstadt an der Ecke Splittergasse/Kölner Straße. Sein eigenwilliger Humor wurde nicht von jedem geteilt; aber alle, die den Lenneper, der seine Heimatstadt über alles liebte, näher kannten, hatten ihn „einfach gern". Von und über „Alli" gibt es viele Geschichten; sie alle zeugen von seiner Fähigkeit, spontan zu handeln, gepaart mit urigem „Mutterwitz". An einige Episoden soll hier erinnert werden; vielleicht erkennt sich der eine oder die andere hier wieder.

Und nun die Erzählchen:

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Dat Klärchen un de Bofrost Kearl

Man wüard jo äuler un manchmol han ech kianen Fumm miar, middachs un ovens te kooken. Mian Nohbersche sait, sie hätt för su Dage emmer wat vam Bofrost em I’es. Dat ess Ruckizucki färdich, un schmaaken düart et och. Nech su fian wie selbstgekookt ever in de Drou do frett de Düwel Fli’egen.

Ech han dann em Enternet denn Katalog van dem Bofrost aanjekieken. Die hangk jo alles. Van I’escreme öwer Gemüas, Oabst bös no Brüötschen un färdiche Mooltieden. Dann han ech wat tesamen gestault. Van allem wat, man muat et jo alles ens koaren. Nu noch en Termin uutjesökt un affjeschickt. Nu bin ech ens gespannt, off datt klappt. Ett giat jo hütt dat betalen alles kontaktlos. Dat verleitet jo och, datt man wat mehr bestäult.

Ech han miar füarsechtshalver en paar Mängker tem dragen parat gestault.

Der Dag kam un ech waren henger de Gading bös de bungkte Wagen vam Bofrost kömmt. Ech schier no de Düar, domet de Kaal nech metkriagt, datt de demnächst nix sälwstjemaktest kriagen dor. Ech mak de Düar open un opp demm Dörpel stangk en krütz bungktes Kearlken, nech gruoter als mian Krüönselstruak emm Gaaren.

„Hallo, ich bin der Denny Schmitz, sie können mich Denny nennen“ brüllt he. Füar lauter Schreck, blievt miar de Mual open stongk. He stürmt in mian Deel un  frogkt anschließend, „kann ich mich hier ausbreiten“. Jo sait ech, dont se datt. Op der Trappe ess genug Platz. Opp ianmol springt datt kliane Kearlken en halwen Meter zuröck, ritt sech den ruoten Schmadderlappen vam Geseite un sait „un so seh ich richtig aus“. Noh jo, dait ech, ett gütt schlemmeres. He ess jo nit schäbbeg, ewer wat kliean. Sian Muader hätt enn besser bitieden ess opp enn Mestehuapen gestäult.

Un watt hangk se dann nu füarn Meschmasch för mech.

„Moment, ich hol ihn mal aus dem Wagen, haben sie noch zusätzlich einen besonderen Wunsch“

Nö, sach ech, iarschmol kieken opp datt Tüach watt ess un opp datt mianem Kaal schmeckt.

Un dann kömmt he met enn gruaten Mang voll mett dieafjefrorene Saken.

„Soll ich Ihnen die bis zum Eisschrank tragen“ fröcht he. Ne sach ech, datt mak ech molls alleng. Enn miane Köche wual ech enn jo nit looten, denn Krukenstoppen. Dont se datt in miane Mängker die ech do opp de Trappe hingestault han.

Datt hätt he och fianst jedonn. Am Labern ess he och dobie. Ech wiat garnech watt ett all te labern gütt. De halw tied hangk ech enn och nitt verstonn. Nur datt he in tweienhalw Weeken widder kömmt, wenn ech watt bruuk. Ech hangk noch wat ungerschriewen müaten unn dann woar datt klieane Kearlken och schon widder in sianem Verkoopswaagen verschwungen. So schier wie de Fuarz emm Wengk.

Ech hangk nu och schon döckes watt van dem Jefrorenen probiert. Nech alles ess su wie man ett sönst gewengkt ess, ewer man kann ett eeten. Dem Kaal ess ett jo nitt oppgefallen, datt he wat füargefertigtes als Meddacheeten kriagen där. Un datt ess de Houpsake.

Bös strackes, önker Klärchen

Omnibus schrammte Haus in Lennep und fuhr weiter

von Dr. Wilhelm R. Schmidt

Liebe Lennepfreunde, können Sie sich noch an das hier abgebildete Haus an der Lüttringhauser Straße 10 erinnern? Es existiert ja jetzt im Jahre 2020 schon rund fünfzig Jahre nicht mehr, denn es wurde im Zusammenhang der Veränderungen an der Poststraße, am Mollplatz und der unteren Lüttringhauser Straße abgerissen. Das lang gestreckte Haus ging noch zurück auf die alte Lenneper Posthalterei, aber schon um 1900 gab es hier die Spezereihandlung Julius Heyer (vormals Familie Carl vom Berg), die noch nach dem Zweiten Weltkrieg von Walter Heyer als Lebensmittelgeschäft weiter geführt wurde. In dem Gebäude waren unten ursprünglich eine Wagenremise und eine Schmiede für den Hufbeschlag der Postpferde untergebracht, weiterhin eine Reparaturwerkstatt für die Postwagen, oben im ersten Stockwerk gab es von alters her den Heu- und Strohboden.

Ich kann mich noch sehr gut erinnern, dass ich in den 1950er Jahren im Heyerschen Laden für fünfzig Pfennig einen massiven Würfel dunkle bittere Blockschokolade bekam, eine „echte, richtige“ Tafel Markenschokolade kostete damals 1,30 DM oder mehr, weil die Preisbindung dafür noch nicht aufgehoben war. Heyers Laden lag zwei Minuten von unserem heute nicht mehr existenten Haus am Mollplatz entfernt, und unser Kater Kasimir begleitete meine Oma oft zu den Einkäufen. Wollte man Spirituosen kaufen, dann griff sich Herr Heyer, immer im blütenweißen Kittel, einen langgezogenen Stockgreifer und fischte damit die entsprechende Flasche aus einem hohen Wandregal, der Verkaufsraum war durchaus beengt, und man musste die Höhe der ehemaligen Stallung ausnutzen.

Unter den mannigfaltigen Lenneper Texten, die im Laufe der Zeit von den verschiedensten Seiten an mich und mein Lenneparchiv übergingen, befindet sich auch eine Erzählung, oder sagen wir besser gleich ein „Erzählchen“, das angeblich auf die Erinnerungen der ehemalig dortigen Kaufmannsfamilie Heyer zurückgeht. Es handelt von einer „Fahrerflucht der Wupper-Sieg-Kraftverkehr-AG." Kennt man denn in Lennep diese Verkehrsgesellschaft noch? In Wikipedia heißt es dazu: „Das Busunternehmen Wupsi GmbH, ehemals Kraftverkehr Wupper-Sieg AG wurde am 3. März 1924 vom Kreistag des ehemaligen Kreises Wipperfürth gegründet …“. An die Busse dieser Verkehrsgesellschaft können sich viele Lenneper noch erinnern, einer ihrer Haupthaltepunkte zum Ein- und Umsteigen war der Bismarckplatz.

Unser Foto zeigt den bewussten Lebensmittelladen der Eheleute Walter Heyer an Lüttringhauser Straße 10 in den 1960er Jahren. Die Lüttringhauser Straße in Lennep war damals mittig sehr stark gewölbt, sie fiel also sowohl nach links als auch nach rechts ab, um die Regenmassen in die Gossen abzuleiten, was dazu führte, dass insbesondere höhere Wagen manchmal in Schräglage gerieten. Schon bei einer früheren Straßenverbreiterung hatte man, wie auch bei der darunter liegenden Posthalterei, das uralte Gebäude Lüttringhauser Straße 10 nur retten können, indem man sein Parterre an einer Ecke abschrägte und damit verkürzte. Dies reichte zwar für die Anlage eines modernen Bürgersteiges, jedoch stand das Obergeschoß darüber weiterhin hervor. Ältere Lenneper können sich daran sicherlich noch gut erinnern oder haben von ihren Eltern davon gehört. Die Lüttringhauser Straße war von alters her sehr stark frequentiert. Sie wurde in den 1960er Jahren auch vom Schwerlastverkehr und vielen Bussen genutzt.

Über dem Heyerschen Geschäft war seinerzeit das Wohnzimmer der Familie mit einem Gläserschrank in der Nähe der überstehenden Ecke. Irgendwann wurde die Familie spätabends durch ein Rappeln der Gläser aufgeweckt. Man sprang auf, konnte aber in den Wohnräumen nichts entdecken, was auf den Grund des Rappelns hätte schließen lassen können. Am nächsten Morgen jedoch erkannten die Eheleute Heyer an der überstehenden äußeren Hauswand Lackspuren von roter Farbe, die nur von einem Fahrzeug der „Wupper-Sieg AG“ (Wupsi) herrühren konnten.

Diese Annahme sollte sich dann auch bald bestätigen. Einige Tage später kam ein Brief der Wupsi, in dem mitgeteilt wurde, dass einer ihrer Busse vor Ort durch die Gebäudeecke beschädigt worden sei. Es war ja bekannt, dass vor Ort bei Gegenverkehr höhere Fahrzeuge, je näher sie an die Bordsteinkante heranfuhren, rechtslastig in eine gefährliche Nähe der überstehenden Hausecke kamen und diese manchmal streiften. Jedenfalls fragte die Wupsi AG an, wie sich die Hauseigentümer Heyer die Regulierung des Schadens denken würden, da das Dach des Busses aufgeschlitzt sei. Die Eheleute antworteten damals, man solle ruhig kommen, ihr guter Anwalt werde das schon alles erledigen, denn jetzt kenne man ja den Verursacher der Hauswandbeschädigung, der Fahrerflucht begangen hätte. Danach war die Angelegenheit der Erzählung nach beendet. Ob dieses "Erzählchen" zur Gänze stimmt, oder nur teilweise, wie auch immer, in jedem Fall ist es geeignet, uns einen Aspekt des früheren Lennep wieder einmal nahe zu bringen, denn das Gebäude und die Kaufleute gibt es nicht mehr, und das Areal sieht seit den 1970er Jahren gänzlich anders aus, aber Verkehr gibt es dort immer noch.

Geschichte und Blütezeit der "Mannesmänner" (V)

Aus: „Bergische Wegbahner. Persönlichkeiten und Geschlechter aus Remscheid, Lennep und Lüttringhausen“.
Herausgegeben 1951 vom Vorstand des Bergischen Geschichtsvereins e.V. Abteilung Remscheid.

von Gustav Hermann Halbach

Teil 5
Schon vor dem nahtlosen Rohr hatten die Mannesmanns ihre ersten Erfindungen gemacht. Wie der Vater schon verbesserten Gussstahl herstellte, so erfanden die Söhne Max und Reinhard zusammen den sogenannten Weichkernstahl. Ihr erstes Erfinderschutzrecht erwarben die Brüder Reinhard und Max in einem deutschen Reichspatent vom 3. Juli 1878 auf einen Schallverstärker für Fernsprecher. Auch gestalteten sie eine Seemine, die sie dem preußischen Staate anboten. An der Ausarbeitung des Röhrenverfahrens beteiligten sich vorwiegend die Brüder Alfred und Karl. Ein neuer Höhepunkt in ihrem Schaffen war die Erfindung des hängenden Gasglühlichts in einer gemeinsam 1900 in Remscheid eingerichteten Versuchsstätte. 1901 erzielten Max, Karl und Otto Mannesmann mit ihrem Licht eine Gasersparnis von 60 v. H. Weiter beteiligte sich dann noch Reinhard an der Lichtvervollkommnung.

Unablässig sannen und planten die Mannesmann auf den mannigfachsten Gebieten. (...) Eine Gebrauchsmustereintragung vom 8. Mai 1908 bezieht sich überraschenderweise auf ein Wein-Thermometer, um die für die verschiedenen Weinsorten geeigneten Trinkwärmegrade zu erzielen, wenn sie den höchsten Wohlgeschmack haben sollen. Bordeaux- und Burgunderweine müssen bekanntlich erheblich wärmer sein als die Rhein-, Mosel- und Saarweine. Am kältesten müssen Schaumweine getrunken werden.

Reinhard d. J. erwies sich nicht nur als weitblickender Werkwalt und tiefsinniger Erfinder im deutschen Großgewerbe, sondern auch als Entdecker und Kaufmann durch und durch, dessen Name und ebenfalls der seiner Brüder mit der auswärtigen Politik des einstigen deutschen Kaiserreichs eng verknüpft worden ist. Von 1906 an bis zum Ausbruche des ersten Weltkriegs 1914 widmete Reinhard einen großen Teil seiner Zeit der Erschließung des bis dahin fast unbekannten Marokko. Er hat damals eine ganze Reihe von Kundfahrten in das Innere und in vielfach noch nie von Europäern betretene Gebiete von Marokko unternommen und damit eine ungeheure mannhafte, wagemutige und kühne europäische Wegbahnerarbeit und Gipfelleistung vollbracht. Er wollte die von ihm entdeckten unendlichen Erz- und Bodenschätze des Landes der deutschen Eisenwirtschaft nutzbar machen. Es gelang ihm, von zwei Sultanen über zweitausend Bergwerksberechtsamen zu erhalten. Wie wichtig diese waren, bezeugt ein von den damaligen Großmächten einberufenes überstaatliches Schiedsgericht, um möglichst die deutschen Bergfreiheiten und Begünstigungen zu beschneiden und den überragenden Anteil des Bergbaus nicht in deutschen Händen zu belassen. Die größten Rechtslehrer der europäischen Völker haben sich damals einstimmig für die Rechtsgültigkeit dieser an Mannesmann erteilten Berechtsamen ausgesprochen, so außer denen von Deutschland England, Frankreich, Österreich, Italien und Spanien. Unter dem Namen Marokko-Mannesmann-Kompanie schuf Reinhard Mannesmann 1909 mit seinen Brüdern ein ausgedehntes Unternehmen, in dem Karl Mannesmann Vorsitzer des Aufsichtsrats wurde. Große Werke und 14 Handelshäuser errichtete man. An Ländereien und Ackerland erwarb die Gesellschaft ein Gebiet von etwa 90.000 Hektar. 2.000 Erzberechtigungen besaß sie. Vor allem förderte man die Landwirtschaft.

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Die Beziehungen der Hasenclevers zu J. W. von Goethe

Aus: „Bergische Wegbahner. Persönlichkeiten und Geschlechter aus Remscheid, Lennep und Lüttringhausen“.
Herausgegeben 1951 vom Vorstand des Bergischen Geschichtsvereins e.V. Abteilung Remscheid.

von Dr. Wilhelm Rees

Während die Beziehungen der Pempelforter Jacobi zu Goethe allgemein bekannt sind, sind die der Ehringhauser Hasenclever nur wenig über den Bereich unserer Stadt hinaus gewürdigt worden. Josua Hasenclever kam erstmalig 1808 in Frankfurt mit dem Freundeskreis Goethes in Berührung, und zwar mit den Brüdern Fritz und Christian Schlosser, den Söhnen des Schöffen Hieronymus Peter Schlosser, mit deren Tante, der Geheimrätin Georg Schlosser, und ihrer Tochter Henriette. Er schloss sich mit herzlicher Liebe den beiden Brüdern an, die ihn, wenn sie ihn auch an Geist und Kenntnissen übertrafen, doch wegen seines praktisch-tüchtigen Sinns und der Gradheit seines Urteils schätzten. Christian Schlosser weilte mehrmals, 1808 und 1823, in Ehringhausen und wurde — seine zahlreichen Briefe lehren es — der Mentor Josua Hasenclevers in der Befriedigung seines Bildungsbedürfnisses.

Eine zweite Brücke hin zu Goethe wurde 1809 geschlagen, als David Hasenclever sich mit Henriette Schlosser, der Tochter Georg Schlossers und Johanna Fahlmers, vermählte. Johanna Fahlmers, die in ihrer Jugend dem Pempelforter Kreise angehörte, wurde die zweite Gattin Schlossers, als ihm Goethes Schwester Cornelia durch einen frühen Tod entrissen worden war. Sie hatte Goethe 1772 in Frankfurt kennengelernt, und der junge Dichter stand sehr bald unter dem Einfluss dieser stillen Frau, von der er in „Wahrheit und Dichtung" sagt, dass sie durch die große Zartheit ihres Gemüts und die ungemeine Bildung des Geistes Zeugnis gab von dem Wert der Gesellschaft, in der sie herangewachsen war. „Sie lehrte uns Schonung, indem sie uns fühlen ließ, dass wir derselben auch wohl bedürften". Im März des Jahres 1773 begann der Briefwechsel Goethes mit Johanna, der bis zum Jahre 1778 mit der gleichen Herzlichkeit andauerte und uns tiefe Einblicke gewährt in Goethes äußeres Leben und die Verhältnisse am Weimarer Hofe, wie in sein dichterisches Schaffen und die intimen Herzensangelegenheiten des Liebenden.

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Enn kapitalen Schaden

Nu mott ech es öwerlegen wat es in der Tied all so ni’eues gövt bie us tehieme odder in Remsched.

Dat ess jo nit su völl, dat Driet-Pandemie löppt jo emmer noch. Opp dat die Dollen send ut Majorka, die fieren bös de Dokter kümmt, ohne Schnodderlappen und Affstangk. Jo ett ess arch lästeg emmer mit dem Duak för de Schnute, besongersch wenn ett opp de dressig Grad aangiat. Manchmol, wenn ett kianer süat, donn ech wennigstens de Gorke druuten. Evver nur kott. Dann pack ech se wedder in denn Schnodderlappen.

Ett jütt jo noch emmer genug Lütt die nit ruut goang. De send emmer noch bang sech aan te stecken. Ewer dat kuam be mir nit füar. Tehieme fällt ianem jo alles opp den Kappes, nit nur de Decke. Dat gemüatleche Ingeilen in dem Alleecenter un donoh en Köppken Koffee drenken, dat ess iarschmol vorbie. Vörige Weeke wual ech bie mieaner Nohbersche en Koffee drenken, da har ech bauld vergeten, datt Schnodderduak afftenehmen. Datt hätt bauld enn ordentliche Sauerei gegeven. Hätt datt Berta nech gesait, du Klärchen, de Koffee ess doch schon dur en Felter geluapen, datt musst du nech nochens dur datt Schnodderduak feltern, hätt ech mech dökkes drekkeg gemacht.

Am Sonndag vörige Weeke, do wor doch enn ordentlechen Storm. Opp ianmol düart ett enn Knall. Verdekkes dait ech, do ess bie uss de Möllemmer umgefallen. Ech ruut, um te kieken watt loss ess. Do kummt miar an de Husdüar en äulere Frouw entgegen. „gehört Ihnen das blaue Auto vor der Tür“. Joo sait ech. Datt ess dat Ottomobil van mieanem Mann Kaal. Watt ess domet. „da bin ich gerade rückwärts rein gefahren“. Och, seit ech, dann will ech en enns ruapen. Unn tatsächlech en woar enn kapitalen Schaden an seinem Prunkstöck. Sogar de Pollze’i ess jekuamen un hatt den Schaden oppjenommen. Ech sait noch zu dem Pollzisten, nu hangk wiar ennen denn Sonndag noch verdorwen. Ne sait de Pollzist, datt hätt hütt morjen schon de Wäcker erledigt.

Se hangk ehre Arbett jemakt unn am Mondag ess der Kaal mett sianem Schrotthuapen dann no de Werkstatt gefahren. Ett wüard repariert unn he kregt för die Tied jo molls enn Leihwagen. Emmer föll Ärger un Lüöperei. Watt well mar maken. Kloppen un bletzeg weären muss man jo nitt. Sonst gövt ett ewer nit föll ni’eues.

De Kriemelner Denkerschmette makkt am iarschten August wiar open. De Tüpitter wüard ett desse Weeke noch verkünden. Am 04. August ess Treffen der Streckgruppe draan. Dann küanem wennegstens de Strecktanten in ussere Streckgruppe wiar tesamen töttern. Natürlech opp Abstangk, sowiat ett giat. Wiar hangk uss joo Monate nit gesenn. Da gütt ett föll to vertellen. 

Bös strackes, önker Klärchen

Wilhelm Conrad Röntgen war niemals ein Musterknabe

Aus: „Bergische Wegbahner. Persönlichkeiten und Geschlechter aus Remscheid, Lennep und Lüttringhausen“.
Herausgegeben 1951 vom Vorstand des Bergischen Geschichtsvereins e.V. Abteilung Remscheid.

von Dr. Wilhelm Rees

Während die Gestalt eines Dichters in seinem Werke aufsteht, bleibt das Bild des exakten Wissenschaftlers und Entdeckers nur zu oft im Dunkeln und bedarf der besonderen direkten Belichtung, dass es strahlkräftig wird über seine Zeit hinaus. Die Erinnerung an die weltweite Entdeckung Röntgens, die bis in unsere Tage der Atomphysik nachwirkt, wachzuhalten, ist nicht not. Aber allein schon die Dankbarkeit gebietet, der Persönlichkeit des großen, eng mit unserer Stadt verbundenen Gelehrten zu gedenken, dessen Geisteshaltung und Lebensführung in ihren Grundzügen exemplarisch erscheint für die Menschen des Bergischen Landes und einen Appell bedeutet für die kommenden Geschlechter. Es nimmt bei der Grundbegabung des bergischen Menschen für ein pionierhaftes praktisches Schöpfertum, das mancherlei Bausteine; zu unserem Zeitalter der Technik beigesteuert hat, nicht weiter wunder, dass die Maschinenlandschaft des Wuppervierecks in W. C. Röntgen auch einen Klassiker der Physik hervorgebracht hat.

W. C. Röntgen erblickte am 27. März 1845 in der alten Stadt Lennep als Sohn des Kaufmanns Friedrich Conrad Röntgen und seiner Ehefrau Constanze, geb. Frowein das Licht der Welt. Da seine Eltern bereits im Jahre 1848 unsere Hügellandschaft mit den Niederlanden tauschten und in Apeldoorn ansässig wurden, könnte der Gedanke wachwerden, dass der spätere Gelehrte in gar keinem innerlichen Verhältnis zu seiner Vaterstadt gestanden hätte. Aber Röntgen war viel zu sehr durch eine lange Kette von Ahnen, die schon im 17. Jahrhundert die bergische Scholle bei Dabringhausen umbrachen, mit dem Heimatboden verwachsen, als dass er sich nicht stets und freudig seines Ursprungs erinnert hätte. Es ist uns überliefert, wie sehr er sich des Ehrenbürgerbriefes seiner Vaterstadt freute, dass er 1911 auf einer Reise nach Holland auch die Stätten seiner frühesten Jugend aufsuchte, dass der im Süden des Vaterlandes heimisch Gewordene schon am Klang der Stimme den Landsmann erkannte. Und sicherlich zeugt es von einer besonders tiefen Verbundenheit mit der Vaterstadt, wenn er ihr in seinem Testament Wertpapiere als Röntgenstiftung zu Erziehungsbeihilfen hinterlassen hat.

Wilhelm Conrad Röntgen, 1854 - 1923, Entdecker der Röntgenstrahlen.Was ihn aber mehr noch zu einem der Unsrigen macht, ist seine wesenhafte Verwurzeltheit in dieser Landschaft, jene eigenartige Mischung sächsisch-fränkischen Stammesgutes: des Ernstes, der Verschlossenheit, des praktischen Denkens und doch hinwiederum der Aufgeschlossenheit für rheinischen Froh­sinn und Humor, eine Mischung, die diesen Mann geradezu zu einer Inkarnation bergischen Menschentums werden lässt.

Die Dürftigkeit der Nachrichten über das Elternhaus verbietet es uns, das Erbteil von Vater und Mutter, wie Goethe es vermochte, reinlich zu sondern. Der mütterlichen Seite, die in den Niederlanden Wurzel geschlagen hatte, wiewohl auch sie in unseren Bergen die Heimat hatte, scheint nach Hausrat und Bildbesitz ein gewisser Kunstsinn eigen gewesen zu sein. Er gab dem Leben Röntgens nicht das besondere Gepräge.

W. C. Röntgen ging nicht den üblichen Weg zur Professur. Er war schon in seinem Werdegang ein Eigener und bezeichnet es einmal als befriedigendes Gefühl, dass seine Eltern keine Gelegenheit hatten, ihm durch Protektionen im Leben weiter zu helfen. Schon seiner Jugend blieben die kummervollen Nächte nicht erspart, die den Menschen reifen, als man ihn in Utrecht von einer technischen Lehranstalt (nicht einem Gymnasium) verwies, weil er einen karikaturfreudigen Mitschüler nicht angeben wollte, als man ihn, den Externer, über dem immer noch das Damoklesschwert jener Schuld schwebte, durchs Examen fallen ließ, und als ihm, der die Reife nicht staatlich verbrieft vorzuweisen vermochte, die Habilitation an der Universität Würzburg versagt wurde. Aber gerade dieses Werden und Wachsen abseits des vorgezirkelten Bildungsganges wird ihn zu jener Gründlichkeit und Selbständigkeit erzogen haben, die dem späteren Gelehrten eigen sind.

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