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Ein Ziel: Neue Postkarten vom Honsberg in alle Welt

Am Projekt „Experiment Raum“ der Art-Gallery „Ins Blaue“ auf dem Honsberg beteiligte sich die Fotografin und Videokünstlerin Beate Gördes aus Köln mit Projektionen auf Hauswänden. Wie Menschen ihr direktes Umfeld sehen – seine schönen, aber auch seine hässlichen Seiten – interessiert sie schon lange. Für „Hier in Niehl – Besondere Orte, früher und heute“ erhielt sie den „Kinderkulturpreis“ im Rahmen des Jugend.Kultur.Preises NRW 2018 beim „See You“-Festival in Neuss. Und heute kommt sie auf den Honsberg zurück, um in den nächsten Tagen gemeinsam mit der Kölner Literatin Adrienne Brehmer und mit „Ins Blaue“ das Projekt „HIER_ am_Honsberg“ zu realisieren, finanziell gefördert vom „Heimat-Scheck NRW“, einer Initiative des Ministeriums für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung des Landes.

Die beiden Kölnerinnen wollen in den nächsten Tagen den Stadtteil gemeinsam mit AnwohnerInnen künstlerisch und interaktiv neu entdecken. Mit Fotoapparat, Handykamera, Notizbücher und verschiedenen Requisiten möchten sie Bild- und Textmotive für eine Postkartenedition entwickeln.  In Szene gesetzt werden sollen Lieblingsplätze, Erinnerungsorte, Alltagswege und Neuentdeckungen, aber auch der Anwohner / die Anwohnerin selbst mit seinen / ihren individuellen Sichtweisen über das Viertel, wenn sie mögen. Mal mit Ernst und Tiefgang, mal vielleicht auch lustig-verrückt.

“Das wird sich mal so und mal so entwickeln“, sagte Beate Gördes gestern bei einem ersten Kennenlern-Treffen mit Anwohnerinnern und Anwohnern im neuen, noch unfertigen „Nachbarschaftswohnzimmer“ der Art-Gallery im Haus Siemensstraße 23. Fest steht bislang, dass es neben zahlreichen neuen Postkarten vom Honsberg stets eine Kombination von Fotografie und Text, an gleicher Stelle am 29. Oktober auch eine Abschlusspräsentation von “HIER_am_Honsberg“, geben wird als Beitrag der Kölnerinnen / der Art-Gallery „Ins Blaue“ zur Remscheider Nacht der Kultur. Wer Lust hat, in das Projekt noch kurzfristig mit eigenen Ideen / Meinungsäußerungen einzusteigen, ist von Kaja Wickert dazu herzlich eingeladen (E-Mail: gemeinsam@ins-blaue.net">gemeinsam@ins-blaue.net).

Mit dabei war gestern schon Martin Korb. Der pensionierte evangelische Pfarrer, dessen Stelle auf dem Honsberg von der Kirchengemeinde nicht wieder besetzt wurde, verspricht für Beate Gördes und Adrienne Brehmer eine wahre Fundgrube an Geschichten über den Honsberg zu werden. Ein Stadtteil, in dem es einst 13 Kneipen gab, die allesamt gut florierten. Korb: „Früher war der Honsberg das Viertel der armen Leute, um das die Bürger einen Bogen machten. Dann galt er als Kommunisten-Hochburg mit der Besonderheit während der Nazi-Zeit, dass die Mitglieder des CVJM und der Bekennenden Kirche sich dort immer gerne trafen, weil sie dann von den Kommunisten vor den Nazi-Schlägern beschützt wurden. Später wurde aus ‚Klein-Moskau‘ ‚Klein-Istanbul‘. Und jetzt wird daraus ein Künstler-Viertel!“

Herbst-Highlights in der Stadtbibliothek

Pressemitteilung der Stadt Remscheid

Für den Herbst hat sich das Team der Öffentlichen Bibliothek im Kommunalen Bildungszentrum, Scharffstraße 4-6, einige Highlights überlegt, die den Bibliotheksbesuch für Groß und Klein zum Erlebnis machen. Nach der großen Nachfrage im vergangenen Herbst findet dort auch in diesem Jahr wieder eine Halloweenaktion statt – ebenso in den Zweigstellen Lennep und Lüttringhausen. Auch dieses Mal gibt es Taschen mit Spiel, Spaß, Süßigkeiten und gruseligen Bastelaktionen. Aufgrund der großen Beliebtheit wird für die Taschen um Voranmeldung unter Tel. RS16-2336 oder persönlich in der jeweiligen Bibliothek gebeten. Abgerundet wird die Halloweenaktion am 29. Oktober um 19.45 Uhr im Rahmen der Vaillant Nacht der Kultur und Kirchen mit einer gruseligen Lesung für mutige Kinder in der Kinder- und Jugendabteilung der Zentralbibliothek Remscheid.

Für den 7. Oktober lädt die Bibliothek zur kostenfreien Lesung von Jo Schuttwolf und Miri Smith ein. Jo Schuttwolf studierte Philosophie und Pädagogik auf Lehramt und arbeitete später in der Werbebranche. Die exotischen Eindrücke aus der Werbewelt wurden in seinem Roman "U-Turn – Irgendwann kommt jeder an" verarbeitet. Und darum geht es: Manchmal gerät das Leben aus den Fugen und die Einkaufsfahrt zum nächsten MediaMarkt wird zu einem abenteuerlichen Trip nach Andalusien. Das ist die Geschichte von Tom. Und dann sind da noch Andy, der durchgeknallte Werbetexter, und Juana, die spanische Biologiestudentin. Alle drei werden gehörig vom Schicksal herausgefordert. Und am Ende treffen sie aufeinander – in der Wüste von Tabernas. Dort naht die Katastrophe, aber wie so oft im Leben kann man das auch anders sehen.

Hinter dem Pseudonym Miri Smith versteckt sich die Wuppertaler Autorin Miriam Schmidt. Nach ihrem Oecotrophologie-Studium war sie zunächst als Rezeptentwicklerin für Kochbücher und Magazine tätig. Miri Smith wird aus dem zweiten Band der Elsy-Moore-Reihe lesen. Inhalt: Nervenaufreibender hätte das neue Jahr für die Dorfbewohner von Stricktony nun wirklich nicht beginnen können. Ein Wasserschaden legt nicht nur die beliebte Leihbibliothek lahm, sondern das gesamte Gemeindezentrum gleich mit. Als dann der Sprössling eines reichen Bauunternehmers während der Renovierungsarbeiten bei einem Unfall ums Leben kommt, ist das kleine Dorf vollends in Aufregung.

Bergische Schmiede in Krupp-Film über den Raffinierstahl

Von rechts nach links: Krupp von Bohlen und Halbach, Schmied Dienes, Kommerzienrat Schneider, Herr Volberg, Frau Volberg. Repro: Rolf Zeisel

Als der Krupp-Clan 1935 seinen Film über Raffinierstahl fertig hatte, bekamen die Schmiede in Marscheider Bachtal bei Lüttringhausen - Max Austermühle, Hermann Dienes und andere - eine Einladung nach Essen, um sich den Film anzusehen. Am Bahnhof in Essen standen für sie die Maybach-Autos der Krupps zum Abholen bereit. Eine Werksbesichtigung ging dem Film voraus, und Hermann Dienes verstand die Welt nicht mehr. Noch nie hatte er eine so große Fabrik mit solchen modernen Maschinen gesehen.

Caroline und Hermann Dienes. Foto: Rolf ZeiselAls der Film dann fast abgelaufen war, erkannte Dienes auf der Leinwand seine Frau, wie sie ihm an seinem Hammer den Nachmittagskaffee brachte. Lautstark rief er: "Miene Olle, miene Olle". Krupps machten ihm das Angebot, den Film noch einmal ablaufen zu lassen, was Dienes dankend annahm. Auf diese Weise fielen Filmende und Schichtende zusammen. Auf der Straße stauten sich die Autos. Dienes blieb überwaltigt stehen: "Wo kommen all die Menschen her? Wenn ech dat gewost har, wor ech te hiemen gebliewen toscher dann bergeschen Eichen." nach "Hämmer- und Kottenforschung in Remscheid". Herausgegeben von Günther Schmidt, Band 5 - Vom Blombach bis Eschbach)

Entscheidungen der Behörden "betrüblich und irreparabel"

Rad vom Dieneshammer. Marscheider Bach, eEtwa um 1960. Repro: G. SchmidtAnfang September 1966 gab es Aufregung im Marscheider Bachtal bei Lüttringhausen: der Dienes-Teich und der Diederichs- Teich bekamen von der Wasseraufsichtsbehörde Aufstauverbot. Aufgrund angeblicher Mangel an den Wehren und Dämmen mussten die Teiche für immer abgelassen werden. Die Laaker Bevölkerung lief Sturm gegen diese recht unverständliche Entscheidung, denn es handelte sich schließlich nur um etwa 10.000 D-Mark Reparaturkosten, die keiner tragen wollte.  Hierzu stellte damals der letzte Eigentümer Falkenroth im Lüttringhauser Anzeiger klar:

"Nicht der notleidende Zustand der Stauwehre des alten Wasserhammers war die eigentliche Ursache für die Teichentleerung. Er ist nur die Folgeerscheinung einer Bürokratie, die unter Vorgabe von Wasserhaushalt und Landschaftsschutz einer der letzten Oasen bergischer Romantik Gewalt antut. Dem Verfall der Stauschutze ging ursachlich die Anfechtung der angestammten Staurechte durch die Wasserbehörde voraus. Dieses Stauprivileg - sanktioniert durch zwei Urkunden des Karl-Theodor, Herzog von Berg, vom 16. Januar 1754 - wurde der oberen Wasserbehörde im Original vorgelegt. Das Recht begründete sich auf unvordenklicher Verjährung und dem Titel des Ersitzens, weil es vor Inkrafttreten des Code civile schon bestand. Überdies bestätigte die Wasserbehörde selbst 1928,dass das fragliche Wasserrecht ein sogenanntes Eigentümerrecht sei, das nach § 184 WG vom 7.4.1913 im Wasserbuche nicht eingetragen zu werden brauche, und dass durch Nichteintragung das Recht in keiner Weise beschnitten wurde. Gewerblich können diese alten Wasserrechte infolge des landschaftsschützenden Industrieverbotes im Marscheider Tal nicht mehr ausgewertet werden. Deshalb ist deren prozessuale Verteidigung - nur und zwecks optischer Wirkung - uninteressant wegen der damit verbundenen Mühen und Kosten. Andererseits ist ohne die vorbehaltslose Anerkennung der alten Rechte die Unterhaltung der Stauteiche unzumutbar wegen der damit verbundenen strafrechtlichen Dammbruch-Risiken! So musste es - nach vielen Warnungen - zur Entleerung der Teiche kommen.

Ein ebenso betrübliches und darum gleich aktuelles Problem stellte der 300-jährige Kottehammer (Dienes) dar. Seine stilgerechte Restaurierung auf Kosten der Eigner wurde angeboten und betrieben, als der Bau noch ‚gesund’ war. Allein schon die Beantwortung der Bauanfrage musste im Beschwerdeverfahren erzwungen werden. Als sie nach verlorenen Jahren mit Vorbehalten erfolgte, wurde darin ein Dauerwohnrecht trotz hoher Baukosten grundsätzlich verweigert. Nun also stirbt der Wasserhammer, einer der letzten, noch in diesem Winter unter der zu erwartenden Schneelast, und es entsteht ein weiterer Schandfleck im Waldidyll. Nachdem die Wasserrechte angefeindet, die Teichentleerung gefordert, die Fischereirechte vom Fiskus beansprucht, die Wohnrechte im Hammergebäude verwehrt, die Re-Industrialisierung des alten Gewerbes verboten und jegliche Wohnbauvorhaben dort grundsätzlich abgelehnt werden, verbleibt ein Besitz, der keinen Ertrag, wohl aber verwaltungstechnische Unerfreulichkeiten sowie steuerliche und versicherungstechnische Lasten bringt. In vielen Jahren sind diese Probleme immer wieder aufgezeigt, angefasst und leider torpediert worden. Es liegt der Schluss nahe, das weniger menschliche Unzulänglichkeit, als vielleicht eine gezielte Handhabung federführend war und bleibt.

Aber kein Mensch - und auch eine Behörde nicht - kann auf die Dauer gegen jede wirtschaftliche Vernunft regieren, weder mit paraphierten Geboten, noch mit steuerrechtlichen oder strafrechtlichen Prügeln. Das läuft sich irgendwann fest. Und da liegt der Hase im Pfeffer, bzw. im Marscheider Bach. Es mag immerhin möglich sein, das die Behörden innerhalb ihres Geltungsbereiches glauben, das vertreten zu haben, was ihres Erachtens rechtens ist. Leider nur ist das Ergebnis aus dem Konzert der diversen Zuständigkeiten - mangels übergeordneter Konzeption - betrüblich und irreparabel. Mit der Allgemeinheit bedaure ich das aufrichtig!“ (Ende des Zitats von Hammerbesitzer Falkenroth)

Dieser Fall zeigt uns aus heutiger Sicht einmal authentisch, warum im Bergischen Land kaum noch ein historisches Wahrzeichen dieser Art steht. In Remscheid ist der gleiche Fall bekannt von den Auseinandersetzungen am Danielshammer im Diepmannsbachtal, wo der Besitzer Comuth den Hammer restaurieren, originalgetreu wieder aufbauen und darin wohnen wollte. Gescheitert an den Behörden und genervt gab er in den 1980-er Jahren auf. Nachdem der Dienes-Hammer bis in das Jahr 2002 ein elendes Dasein fristete und immer weniger erkennbar war, hat man 2002 die gut erhaltene Hammerwelle mit der Vierkantantriebsnabe herausgeholt und zum Manuelskotten in Cronenberg hingeschafft. (Aus: Hämmer- und Kottenforschung in Remscheid. Herausgegeben von Günther Schmidt, Band 5 - Vom Blombach bis Eschbach)

1.500 Goldmark Jahreslohn für den Schmied im Voraus

Dienes-Hammer im Marscheider Bachtal, 1925 gemalt von Carl Benning,Wuppertal. Gemälde bei Rolf ZeiselDer Dienes-Hammer im Marscheider Bachtal bei Lüttringhausen ist älteren Bürgern noch als Hammer C.G. Kotte in Erinnerung, jedoch war ein Dienes der letzte langjährige Hammerschmied in diesem Hammer. Der wird 1669 zum ersten Mal erwähnt, 1734 als Rohstahlhammer des Arnold Haddenbrock, 1800 als "Stahl- und Eisenhammer Gebr. Motte". Bereits 1804 liest man von einem "Reckstahlhammer des Johann Friedrich Motte zu Sporkert, der kürzlich diesen Hammer aus einem Rohstahlhammer umgebaut hat".

1824 wird Peter Friedrich Motte (Ronsdorf) der Besitzer, ein selbstständiger Lohnschmied. 1829 ist dann etwas genauer beschrieben, womit er sein Geld verdient: "Der Eigentümer verarbeitet allein eigenes Material zum Handeln und ist somit von der Gewerbesteuer befreit." 1838 arbeitet Motte in der Regel auf Bestellungen. Fehlen diese, so verarbeitet er zuweilen altes aufgekauftes Schrotteisen für eigene Rechnung. Es sind drei Wasserräder installiert, die oberschlächtig betrieben werden. Sie treiben den Hammer und zwei Gebläse für die Feuerstellen. 1846 tritt die Firma Erbslöh als Pächter auf. Sie arbeitet mit zwei Feuerherden, drei Arbeitern und einem Amboss. 1869 kaufte die Firma C.G. Kotte aus dem Herbringhauser Bachtal den mittleren Hammer auf. Kotte selbst zog aus dem Motte-Hammer dort ein und schmiedete auf eigene Rechnung.

Dienes-Hammer 1930, Stadtarchiv Wuttertal.1898 kam dann Franz Carl Diederichs aus dem Nachbartal Herbringhausen und schmiedete in diesem Hammer Flachstahl. Das geschah nur etwa ein halbes Jahr, weil Diederichs den oberen Hammer von der Familie Schmidt 1899 gepachtet und 1902 gekauft hatte. Üblicherweise arbeiteten in diesen Kotten oder Schmieden zunächst zwei Mann, der Schmied mit seinem Knecht. Gunter Diederichs wusste 2002 zu berichten, dass in der ältesten Form nicht nur die Gebäude Eigentum der Firma Kotte waren, sondern Kotte  auch für die Auftrage und das Material sorgte. Dafur bekam der Schmied am ersten Januar in einer kleinen feierlichen Zeremonie "im schwarzen Anzug" seinen Jahreslohn von 1.500 Goldmark als Vorauszahlung für das ganze Jahr. Dieses musste er sich nicht nur gut einteilen, sondern er musste davon auch noch seinen Knecht bezahlen.

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Die Lenneper Altstadt war früher wesentlich enger

von Dr. Wilhelm R. Schmidt

Als ich dieser Tage wieder einmal durchs Städtchen schritt, da genoss ich erneut das schöne alte Lennep, oder besser: seinen Stadtkern innerhalb der Wallstraße. Dieses Zentrum - in der Mitte der Alter Markt und drum herum die kleinen Gässchen - ist trotz des Wegfalls so manches historischen Gebäudes vielerorts immer noch überaus  eng, und die heutige Straßenführung folgt  im Prinzip  nach wie vor dem mittelalterlichen Vorbild. Vor ca.80 Jahren war es in der Altstadt aber vielerorts noch weitaus enger. Man kann sich das gut vorstellen, wenn man z.B. bedenkt, dass bis 1945 auf dem oberen Alten Markt nicht nur das 1791 erbaute Steinerne Rathaus stand, das lange Zeit auch als Lenneper Amtsgericht diente und die Stadtverwaltung sowie  die erste Lenneper Sparkasse beherbergte, sondern schräg dahinter auch noch das sog. Nattermüllersche Haus, in dem u.a. eine Tapeten-, Wachstuch- und Glashandlung residierte. Das im Krieg stark beschädigte Bauwerk wurde erst 1961 abgerissen.

In den  Gassen rund um den Alter Markt war und ist es bis heute so eng, dass man von Fenster zu Fenster kommunizieren und sich das Neueste erzählen kann, wovon früher auch täglich Gebrauch gemacht wurde, so dass die Lenneper Neuigkeiten keine spezielle Gerüchteküche brauchten, weil ganz Lennep sowieso ein solche war. 

Vor ca. 45 Jahren, anlässlich der anstehenden 750-Jahrfeier, hatte „Alt-Lennep“ Konjunktur, und kostenlose Postwurfzeitungen überboten sich nicht nur in geschichtlicher, sondern auch in sprachlicher Hinsicht. Die beiden Fotos vom alten Lennep verdeutlichen das damalige Ambiente. An der Poststraße (Foto links) wohnten die „vürnähmen“ Leute:  Zu Beginn des 19. Jh. siedelten sich dort die reichen Fabrikanten und Kaufleute an mit ihren Villen, Geschäftshäusern, manche damals  auch noch mit den Lagerhäusern. An der Wetterauer Straße (Foto trechts) gab es in einem um 1800 erbauten Fachwerkhaus (links) eine Wirtschaft, die im Volksmund als „Schmerige Pann“ bezeichnet wurde. Unter Umständen kam der Name aber vom eher vom rutschigen Untergrund...

Von der Liebe zum Meer und dem Schutz der Ozeane

Pressemitteilung der Volksbank im Bergischen Land

Ihre Liebe zum Meer hat sie zu einer Kämpferin für den Schutz der Ozeane gemacht – und mit beiden Aspekten traf Dr. Frauke Bagusche den Nerv ihrer Zuhörerinnen. Die Meeresbiologin und Bestseller-Autorin („Das blaue Wunder“), die im Oberbergischen aufgewachsen ist, war als Rednerin zu Gast beim „Damensymposium“ der Volksbank im Bergischen Land. Rund 120 Kundinnen ließen sich in der Klosterkirche in Lennep von ihr mitnehmen in die Unterwasserwelten – die voller Schönheiten stecken und zugleich so gefährdet sind, weil die Temperaturen steigen und der Plastikmüll der Menschheit inzwischen bis in die Tiefen des Marianengrabens – 11.000 Meter unter dem Meeresspiegel – gelangt ist.

Frauke Bagusche machte deutlich, dass der Schutz der Meere im Inland anfangen muss – und dass jeder Mensch unmittelbar von gesunden Ozeanen abhängig ist. „Wir atmen Meeresluft, egal wo wir sind.“ Sie sprach mit Leidenschaft, mit Händen und Füßen und voller Überzeugungskraft. Die Meeresforscherin brachte erschreckende Videos mit, von Schildkröten, die sich im schwimmenden Müll heillos verheddern, faszinierende von wunderhübschen Kleinstlebewesen und Haien, die friedlich neben ihr schwammen, aber auch Mut machende von Aufforstungsprojekten in Korallenriffen.
Langer Applaus war der Rednerin sicher – und die Fragen der Volksbank-Kundinnen. Viele beantwortete Frauke Bagusche auch noch nach dem offiziellen Teil im Innenhof der Klosterkirche.

Als der Bürgermeister von Remscheid noch Maire hieß

„Im Jahre eintausend achthundert und dreizehn den fünften November morgens um ein Uhr wurde uns, Georg Heinrich Sonntag, Maire der Mairie Remscheid, von dem Ludwig Schmidt, Gesell des in Remscheid wohnenden Sägenschmied Gottlieb aus dem Dahl, dem Peter Arnold Luchtenberg, Tagelöhner auf Reinshagen wohnhaft und dem Kupferschmied Johann Wilhelm Lihn, ebenfalls auf Reinshagen wohnhaft, welche zufolge des uns von dem Herrn Präfekten des Bezirks Elberfeld zugegangenen Auftrages vom vierten dieses [Monats], beordert waren, bei dem Feilenschmied Peter Engels aufm Bruch ein Pferd zum Vorspann für die durch Elberfeld passierenden kaiserlich-französischen Truppen, zu requirieren, folgende Anzeige gemacht: "Als sie an dem Hause des Engels geklopft, habe derselbe die Fenster eröffnet und sie gefragt, was sie wollten; nachdem sie demselben bedeutet, dass sie ihm ein Aufforderungsschreiben des Herrn Maire zur Stellung eines Pferdes zu übergeben hätten, habe derselbe ihm zugerufen: der Maire könne ihn im Arsche lecken. Kurz herauf sei auch der Friederich Engels, Sohn des Peter Engels ans Fenster gekommen und habe zu ihm gesagt: wenn sie noch einmal kämen, dann wolle er sie auf eine andere Art ordonnanzen. Vorgelesen genehmigt und unterschrieben, Sonntag, Ludwig Schmidt, Johann Wilhelm Lihn, Peter Arnold Luchtenberg für gleichlautende Abschrift, der Maire.“ (Nachlesen kann man den Text in der Akte „A VII H/1, Politische Umtriebe (Miszellen), Konspirationen gegen die französiche Staatsmacht und die Armee aus der Zeit von 1811 – 1814“, im Historischen Zentrum der Stadt Remscheid, Archiv, dort „ausgegraben“ von Viola Meike.)

Rundgang klang aus im ersten Denkmal Remscheids

von Hans Jürgen Roth

Wir hatten relativ gutes Wetter, als wir uns am vergangenen Freitag, 27. Mai, um 15 Uhr am Werkzeugmuseum zur Eröffnung des Historischen Rundwegs durch die „Keimzelle Hastens“ trafen. Von dort aus ist schließlich der Stadtteil Hasten zu seinem heutigen Stand emporgewachsen. Wir waren froh, dass wir alles – nach der plötzlichen Aufgabe des Projekts durch den Verein „Hasten für Hasten“ – in eigener Regie hinbekommen hatten mit einem Team von zwei ehemaligen und bis heute noch sehr mit der Hofschaft verbunden Bewohnern (Heinz Stets und Ralf Kühndahl) und den beiden, die jetzt am längsten hier wohnen (Marlene Schwalbe und ich). So wurde die Aufgabe des Projekts durch den Verein Hasten für Hasten am Ende gar noch ein Geschenk an den Initiativkreis der Hofschaft, der alles eigenständig vollenden durfte und konnte.

Wir waren überrascht, dass über 50 Interessierte zur Eröffnung des Historischen Rundwegs gekommen waren. Die Führung begann oberhalb der ehemaligen Endhaltestelle der Straßenbahnen an der Hastener Straße, die, von Remscheid und Wuppertal kommend, einst dort zusammenfanden. Der Weg ging dann vom Werkzeugmuseum vorbei an der alten Handelsvilla Haus Cleff und von dort durch die Alte Straße, die ehemalige Durchgangsstraße von Remscheid nach Wuppertal.

Zu der einstündigen Führung hatte sich Andreas Frie von „Bergisch Erlebnis“ angeboten, mit dem der „Initiativkries der Hofschaft“ eng zusammenarbeitet. Begleitet und ergänzt wurde er von Heinz Stets und mir. Die Gäste waren sehr beeindruckt von den Hintergrund-Geschichten zu Straße und Häusern.  Das Foto zeigt die Bild vor Haus Nr. 9, dem ersten in Remscheid eingetragenen Denkmal. Gerne hätten wir uns mit der Gruppe am Ende zusammengesetzt oben im Werkzeugmuseum, eine gewisse Symbolik von Zusammengehörigkeit im Blick auf die unterhalb einst gelegene Siedlung von Handwerkern mit Schlossereien und Werkzeugbetrieben. Doch allein um dort oben zu sitzen, hätte uns das Werkzugmuseum 350 Euro abverlangt. Deshalb haben wir uns lieber unten im Zentrum der Hofschaft in Haus Nr. 9 zusammengesetzt, wo dreißig Plätze allein im unteren Teil des Hauses zum Kaffeetrinken bereitstanden. Und genauso viele Gäste kamen denn auch. Eigentlich viel gemütlicher und irgendwie dann noch symbolischer als im Werkzeugmuseum. Insgesamt ein beeindruckender Nachmittag.

Ein Schüler von mir, ABI-Jahrgang 1988 (Joachim Althoff), hat eine Menge Bilder von der Führung gemacht, die er schon tags per E-Mail an viele Teilnehmende verschickte. Übrigens: über die Hälfte der entstandenen Unkosten sind bereits aus Spenden zusammengekommen. Sogar der ABI-Jahrgang 1988 hat eine Tafel gespendet, die vor meinem Haus Nr. 9 steht. Hier, wo der ABI-Jahrgang sich oft getroffen hat, werden wir auch in zwei Wochen wieder zusammenkommen. Anlass: Eine Schülerin von mir, heute Professorin in Lissabon, kommt und zu den Hasenberger Gesprächen mit einen Vortrag zum Thema „Frieden“. Ein guter Anlass zu einem Jahrgangstreffen. Alle freuen sich schon.

Zur Diskussion gestellt: Spaziergänge in Stakelhusen (4)

Herr Schmidt, Stakelhusen, hat das was mit Stachelbeere zu tun? Nein, Stakel hat man als Palisaden zur Befestigung benutzt. Angespitzte Holzpfähle oder Staken, die man auch bei Schiffen auf den Kanälen sieht. Daher kommt dieses Stakel, das hat mit Stachel nichts zu tun. Und Stakelhusen ist auch falsch, das muss Stakesen heissen. Stakesen, das ist richtig Remscheider Platt. Nicht Stakelhusen. Wurden die Palisaden hier auch aufgestellt? Das war die Befestigung des Hofes gegen Übergriffe. Vermutlich aus dem 30jährigen Krieg oder früher. Das Hofgut war befestigt mit einem Wall und da oben drauf dann die Palisaden, die Staken. Und Stakelhusen war eine Hofschaft, so wie Remscheid überhaupt aus lauter Hofschaften entstanden ist.

Stachelhausen, das waren drei Hofschaften. Richtung Bahnhof. Da wo auch die Stachelhauser Straße ist, da war Kleinstachelhausen. Dann gab es noch Schmalhausen, ganz klein zwischen Kleinstachelhausen und Großstachelhausen. Und unterhalb der Schienen, also der Sekundärbahn, war dann Honsberg. Und am Kremenholler Kopf, wo die Denkerschmette ist, da unterhalb ist Kremenholl. Da wo das Alexanderwerk war? Ja, noch ein bisschen weiter. Das ist Stachelhausen. Ja dann ist das ja endlich geklärt.

Herr Schmidt, wann ist Stachelhausen entstanden? 1369. Nicht entstanden, aber registriert. Wir haben Dokumente aus der Zeit, wo alle Höfe im Raum Remscheid erfasst wurden. Denn Remscheid ist ja nicht von innen nach außen gewachsen wie andere Städte, sondern durch die Hofschaften. Die Hofschaften breiteten sich immer weiter aus und sind dann bis hoch zum Frohnhof hingewachsen, da wo heute unsere Stadtkirche ist. Da gab es ein Ober- und ein Unterdorf. (…) Unterlagen und Dokumente darüber gibt es im Stadtarchiv. Das Besondere an Stachelhausen ist, dass hier alles zusammen kam. Hier hat man Gänge in die Berge gehauen und Erze geschürft. (…)

Wir sind hier an einem historischen Punkt auf der Trasse. Auf dem Gelände hier wo dieser türkische Supermarkt ist, war vorher Kaufpark. Und vorher war da das Stahl-Walzwerk Ibach. Einige hundert Jahre stand vorne an der Ecke ein kleines Fachwerkhaus, das gehörte zu dem Herrenhof Stachelhausen. Dieser Herrenhof war eine Stiftung des Grafen von Berg an die Johanniter und wurde dann Johanniterhof genannt. Und hier fand jährlich im Mai die Zusammenkunft aller umliegenden Höfe von Ehringhausen bis Westhausen und Reinshagen statt. Die kamen hierhin, mussten ihre Abgaben entrichten in Form von Pfennigen, Hühnern, Schweinen oder Schafen. Danach wurde ein großes Fest gefeiert, mit viel Alkohol. Und das fand genau an dieser Stelle statt. Hier war eine Hofschaft. Remscheid ist aus lauter Hofschaften entstanden, und die sind alle 1369 registriert worden.

(aus „Spurensicherung in Stakelhusen“, herausgegeben vom Caritasverband Remscheid e.V. im August 2019, 94 Seiten, Auflage: 500. Redaktion: Roland Brus, Ursula Lauterjung und Martina Richard. Nachdruck mit freundlicher Genehmigung der Caritas.)

Mittelalterfest und Ritterspiele auf Schloss Burg

Pressemitteilung des Schlossbauvereins Burg a/d Wupper e.V.

Christi Himmelfahrt und Pfingsten ist auf Schloss Burg traditionell die Zeit der Ritterspiele. Zum ersten Mal gibt es diese gemeinsam mit dem Mittelaltermarkt in einer großen Veranstaltung vereint. Da Renovierungsarbeiten ein Bespielen der Burghöfe nicht zulassen, nutzen wir die große Außenfläche des ehemaligen Sportplatzes Oberburg an der Talsperrenstraße, nur ca. 1000 Meter fußläufig von Schloss Burg entfernt. Der Eintritt ins Museum ist bereits im Veranstaltungsticket enthalten, so dass sich der Besuch gleich doppelt lohnt, und das Programm kann sich sehen lassen:

In alter Tradition werden die Georgs Ritter dreimal am Tag (ausgenommen freitags) ein eigens für Schloss Burg geschriebenes Theaterstück aufführen, bei dem natürlich auch die bei Groß und Klein beliebten Kampfszenen nicht fehlen dürfen. Aufführungen um 12, 14:30 und 17:15 Uhr.  Hoch zu Ross findet aber auch noch ein weiteres Schauspiel statt – das große Ritterturnier von Heimdalls Erben. Hierbei treten die Ritter täglich um 16 Uhr auf der großen Turnierbahn zum ritterlichen Lanzenkampf mit sechs bis sieben Pferden gegeneinander an. Das Lager der Turnierteilnehmer ist ganztägig zugänglich und zeigt neben Axtwurf und Bogenschießen auch eine große Ausstellung von mittelalterlichen Waffen, Kleidung und Schilden.

Auf dem mittelalterlichen Markt bieten Krämer und Händler ihre Waren an. Musik ertönt von verschiedenen Spielleuten und Feuerspucker, Artisten und Gaukler präsentieren ihr Können. Die Unterhaltung für unsere kleinen Besucher reicht vom handgedrehten Holzriesenrad über verschiedene Spiele bis hin zum Kinderschminken. Die jungen Knappen werden zudem von Ritter Jaruslav zum Ritter geschlagen, und im Lager der Wahren Bergischen Ritterschaft kann man mit den Rittern einmal auf Tuchfühlung gehen und in das Lagerleben der Rittersleute eintauchen. Zudem können noch Greifvögel bestaunt werden (nur 26.-29.5.).

Verpflegung aus Bratereien und Tavernen sowie Live-Konzerte von Klanginferno, de Speelüe und Dragol sorgen für die richtige Stimmung. Das Mittelalterfest mit Ritterspielen ist eine Veranstaltung für Groß und Klein und Alt und Jung und damit der ideale Tagesausflug für die ganze Familie. Eintritt (Tagestickets): zehn Euro (ab 16 Jahre), fünf Euro (3-15 Jahre), 30 Euro (Kleingruppe: 2 Erw.+ 3 Kd.), Kinder unter drei Jahren haben freien Eintritt.
(26.-29. Mai, DO 11-19 / FR 14-20 / SA 11-20 / SO 11-19 Uhr; 3.-06. Juni, FR 14-20 / SA 11-20 / SO 11-20 / MO 11-19 Uhr)

Zur Diskussion gestellt: Spaziergänge in Stakelhusen (3)

Eingangshalle Sona. Der Mann aus dem Vertrieb stellt uns vor: Das sind Bekannt von mir. Ja, wir suchen das Stadtviertel Stachelhausen. Auweia; ich komme aus Wuppertal. (…) Also, ich kenne wenige, die Stachelhausen wirklich benennen können. Bei Vieringhausen oder Honsberg ist es einfacher. Meinen Sie denn, dass das Viertel wirklich existiert? Also, es ist ne Bushaltestelle und ne Straße, die so heißt, weil Stachelhausen auf Remscheider Platt Stakelhusen ausgesprochen wird. Sprechen Sie Remscheider Platt? Ich versteh es noch einigermaßen, aber mein Vater spricht es noch. Ich kann noch „Krüenselstrüekelschen“ sagen. Das ist ein Stachelbeerstrauch. Kommt Stachelhauser Straße von Stachelbeeren? Keine Ahnung, es gibt vom Bergischen Geschichtsverein den „Bergischen Sprachschatz“, da stehen so Sachen drin. Ist aber schwierig zu kriegen. Haben Sie zufällig vom Städtebauprozess gehört? Ich weiß, dass hier vor Jahren mal so Bürgerbeteiligungssachen liefen, wie nennt sich das noch, wo dann ein paar Bürger sich hinsetzen, ja... Ideenwerkstatt. Mitgemacht? Ne, ich hab nur darauf aufgepasst, dass die Leute nicht ins Werk laufen. Das wurde hier gemacht, sogar in den Räumlichkeiten, da war Thyssen Krupp froh, dass sie mal das leere Gebäude kurzzeitig vermietet hatten.

Da ging es damals um den Stadtumbau Süd und da war Stachelhausen am Rande mit dabei. Aber was daraus geworden ist, weiß ich nicht. Stachelhausen nimmt man nie so als Stadtteil wahr. Der ist so dazwischen. Wenn ich mir den so vorstelle, dann ist er so zwischen Alexanderstraße und die Freiheitstraße gequetscht. Alexanderstraße, ist das schon Honsberg? Für mich ist die Grenze zu Honsberg die Bahnlinie, nicht die Trasse, die aktive Bahnlinie, das wäre für mich die Trennung. Das ist vor 150 Jahren technisch dahin gebaut worden. Da ist auch tatsächlich die Bebauung getrennt. Ich würde das als Trennlinie nehmen. Gibt es denn hier wirklich einen Tag der Offenen Tür? Es gibt teilweise sehr alte Maschinen hier, die arbeiten noch. Ist eigentlich eine Perle von Remscheid. Ist ja auch außerhalb von Remscheid gelegen. Die haben das hier gebaut, weil hier Platz war und weil hier die neue Bahnlinie langlief. Der Stadtkern war ja oben. Wir hatten früher auch Schlüssel von der anderen Werkseite. Und da stand drauf: Eingang Stachelhausen. Das heißt also, ein Teil des Werkes gehörte zu Stachelhausen. Und die Straße markierte eine Grenze und lief hier durch.

(aus „Spurensicherung in Stakelhusen“, herausgegeben vom Caritasverband Remscheid e.V. im August 2019, 94 Seiten, Auflage: 500. Redaktion: Roland Brus, Ursula Lauterjung und Martina Richard. Nachdruck mit freundlicher Genehmigung der Caritas.)