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Als es noch das Bezirkskommando und die Reserve gab

Colorierte alte Postkarte: Blick vom Turm der Lenneper Stadtkirche Richtung Schwelmer Straße. Von Dr. Wilhelm R. Schmidt

So mancher Lenneper erinnert sich noch gut an ein uraltes Gebäude, das früher am heutigen Fritz-Figge-Weg lag, von der Schwelmer Straße aus gesehen auf der linken Seite. Es war ein langgestreckter Bau an der damals noch schmaleren Gasse, die seinerzeit keinen eigenen Namen trug. Wegen der beengten örtlichen Gegebenheiten zeigen historische Fotos den Bau meist nur von der hinteren Frontseite oder aber in der Schrägperspektive, und nur bei den sog. Totalaufnahmen der Stadt Lennep, die z.B. von den Dächern der oberen Kölner Straße oder aus der Luft aufgenommen wurden, ist er seiner ganzen Größe und Länge zu sehen. Besonders ist dies der Fall auf Fotografien, die vom Turm der evangelischen Stadtkirche aus über die Berliner und die Schwelmer Straße hinweg in Richtung der katholischen Kirche gemacht wurden, dieser Blick ist auch auf mehreren alten Postkarten und sogar koloriert erhalten.

In Büchern über das frühere Lennep wird der Bau oft im Zusammenhang mit der alten katholischen Schule an der Mühlenstraße gezeigt, in der 1848 auch die erste Klasse der höheren Bürgerschule untergebracht war, und die 1849 als Cholera-Lazarett diente. Das hat insofern seinen Sinn, als diese Höhere Bürgerschule 1851 in den genannten Bau am heutigen Fritz-Figge-Weg zog, der ebenfalls in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstanden war. Sie blieb dort bis ins Jahr 1868, als in der Hardtstraße der Neubau der Bürgerschule erfolgte, die heutige Freiherr-vom-Stein-Schule mitsamt Tuchmuseum.

In unserem Zusammenhang ist der langgestreckte Bau von ganz spezieller Bedeutung. Nach mancherlei historischer Umnutzung steht diesbezüglich im Lenneper Adressbuch von 1903 zu lesen, dass darin das sog. Königlich Preußische Bezirkskommando und sein Hauptmeldeamt untergebracht waren. Die schmale Gasse dorthin zählte seinerzeit zur Schwelmer Straße und das Gebäude trug die Hausnummer 29. Das Bezirkskommando gehörte damals der Kreisverwaltung an und war um die Wende ins 20. Jh. eine militärische Behörde, die in Verbindung mit den Landräten vor Ort das sog. Ersatzwesen und dabei u.a. die Musterungen besorgte. Ferner oblag ihm die Organisation der beurlaubten Offiziere und Mannschaften, die Einberufung bei den Reserveübungen und der Mobilmachung sowie die Aufbewahrung der Bekleidungs- und Ausrüstungsstücke der Landwehr und Reservebataillone. Der Bezirkskommandeur war in der Regel ein inaktiver Stabsoffizier.

Bereits im Lenneper Adressbuch von 1870 war eine Königliche Landwehrbehörde mit immerhin einem Bezirksfeldwebel als Leiter verzeichnet. Im Adressbuch von 1903 wurde als Zivilvorsitzender der Kreis-Ersatz-Kommission der Königliche Landrat Dr. Hentzen genannt, Nachfolger von Lambert Rospatt, Mitglied des Lenneper Landwehrvereins. Alte Lenneper Namen findet man dort wieder: Hager, Krautmann, vom Berg, Peipers, Girardet und Hammacher. Lennep besaß im Jahre 1903 übrigens diesen Landwehrverein immer noch in alter Frische, er tagte in der Poststraße 2, also im Berliner Hof, außerdem gab es damals einen Lenneper Krieger- und einen eigenen Kavallerieverein.

Die Musterungen in der Kreisstadt Lennep brachten damals allen Beteiligten nicht nur viel Aufwand. In einem zeitgenössischen Rückblick ins 19. Jahrhundert hieß es z.B.: Eine große Freude war es immer, wenn im Frühjahr die Burschen zur Aushebung zum Militär nach Lennep mussten. Meist sammelten sie sich, angetan mit einem blauen Brabanter Kittel bzw. einem besonderen Musterungsrock am früheren Stadttor, um dann geschlossen mit Gesang in Reih und Glied zum Aushebungslokal der Kreisstadt zu ziehen. Dieses war zunächst die Gaststätte König von Preußen am Alten Markt, später fanden die Musterungen Saal des Kölner Hofs statt, und die Jungens hatten das Vergnügen, vor dem Oberstabsarzt im Adamskostüm einen Parademarsch durchzuführen. Danach zogen sie singend, voll Freude und später auch voll Alkohol wieder ab und teilten ihren Verwandten und Freunden das Ergebnis der Musterung auf bunten Ansichtskarten mit, die übrigens oft nicht frei von antijüdischer „Belustigung“ waren, denn es wurden in der Kaiserzeit „ganz nebenbei“ jüdische Freiwillige als kleine, mickrige bzw. wehruntaugliche Figuren dargestellt. Die bekannten Motive Gruß von der Musterung zeigten meist ein Musterungslokal und fast immer ein Bild des Kaisers. Die partiell vorgedruckten Texte lauteten zum Beispiel so: „Liebe Angehörige, ich mache Mitteilung, dass ich heute zum Landsturm ausgehoben wurde.“ Die jungen Burschen kamen vielfach in die preußischen Stammregimenter der 16er, 39er, 53er und 57er, aber auch nach Ost- und Westpreußen, Elsass-Lothringen, Berlin, Spandau und Potsdam. Die bunten Bänder, die im Verkaufsraum des Musterungslokals käuflich zu erwerben waren, gaben bekannt, zu welchem Regiment und Truppenteil der Rekrut gezogen worden war. Wie schon erwähnt wurde das in den Lenneper Wirtschaften ausgiebig gefeiert. Die Aushebungen in den Bezirkskommandos gaben insgesamt Gelegenheit zu feuchtfröhlichen Feiern und der Andenkenhandel blühte. Oft legte man sich dann sog. Reservistenkrüge zu, manchmal mit Zinndeckeln, die einer Haubitzengranate nachgebildet waren, und z.B. mit der Beschriftung: Kanonendonner ist unser Gruß. Bis in den Krieg hinein erfreute sich die Mitgliedschaft in einer militärischen Organisationseinheit, man denke nur an Zuckmayers Hauptmann von Köpenick, hoher Wertschätzung und gab der gesamten Familie Anlass zur Freude.

Das komplexe Rekrutierungssystem des Ersten Weltkrieges (1914-1918) ist bis heute Ursache größerer Missverständnisse. Diese beruhen größtenteils auf der Verschiedenartigkeit der Bezeichnungen wie "aktiv", "Reserve", "Ersatz- Reserve", "Landwehr" und "Landsturm“. Letzter bestand im Deutschen Reich ab 1888 im aus Wehrpflichtigen, sofern sie nicht im Heer oder in der Marine dienten. Im Ersten Weltkrieg wurde das Landsturmbataillon Lennep 1914 am 21.Tag der Mobilmachung gebildet, und die Mannschaften setzten sich aus den ältesten Jahrgängen der Landwehr und aus noch garnisonsdienstfähigen Mannschaften des ganzen Kreises zusammen. In den bei mir erhaltenen Archivbeständen zur Stadtgeschichte Lenneps sind insbesondere Originaldokumente zu den Einsatzgebieten in Lothringen bzw. der sog. Wallonie vorhanden, allesamt ausgehend vom Lenneper Bezirkskommando und seinem Hauptmeldeamt, das zur Vorstellung und Einberufung seine amtlichen Aufforderungen schrieb, mit den entsprechenden Vordrucken und Stempeln. So schickte es z.B. dem Herrn Friedrich Remmel aus der Lenneper Schriftsetzer- und Buchbinderfamilie, wohnhaft in der Botengasse 4, am 26. Juni 1918 eine ausgefüllte Vordruckkarte, deren Textseite lautete: „Gestellungsbefehl, Datum des Poststempels. Sie haben sich am 13. Juli 1918 morgens Punkt 8 Uhr – rein gewaschen - zur Nachmusterung der königlichen Ersatzkommission Lennep, in den Räumen der Wirtschaft Michels (Kölnerhof) zu stellen. Bei Nichtbefolgung dieses Befehls erfolgt strenge Bestrafung nach den bestehenden Kriegsgesetzen“. Bei Krankheit sollte der Empfänger der Karte ein ärztliches Attest vorlegen, dessen Unterschrift polizeilich beglaubigt sein musste.

Soldaten aus Lennep waren im 1. Weltkrieg in Lenneper Militäreinheiten in Dolhain-Limbourg in Belgien stationiert. Im Bild die dortige OrtskommandanturZu den Lenneper Zeugnissen im Zusammenhang des Ersten Weltkriegs gehören aber nicht nur die amtlichen Schreiben des Bezirkskommandos, sondern auch Postkarten und Briefe, welche die Lenneper Reservisten als Soldaten aus ihrem Einsatzort an ihre Familien in der Heimat sandten. In meinen Unterlagen kommen die meisten davon aus Limbourg-Dolhain, auf belgischem Gebiet südwestlich von Aachen. Dolhain oder früher auch Daelheim liegt als Teilgemeinde von Limbourg an der belgischen Weser (Vesdre), in deren Nähe auch die Gileppe Talsperre von 1878 liegt, die in gewisser Beziehung ein Vorbild der bergischen Talsperren ist. Ebenso liegt in der Nähe die Stadt Verviers, die wegen ihrer Wollhandels- und Tuchgeschichte ebenfalls eine besondere Beziehung zur Lenneper Vergangenheit hat. Und zu Verviers gehört auch der heutige Stadtteil Ensival, in dem ebenfalls mehrere Kriegsbriefe abgeschickt wurden. Sie hatte die Normgröße von 14 x 18 cm und eine Schriftbegrenzung mit Prägekleberand. Das Blatt mit der fertigen Nachricht wurde dann auf Briefgröße zusammengelegt und trug auf der einen Seite den Aufdruck Feldpostbrief sowie das auszufüllende Adressfeld. Auf der Rückseite waren für Absendername und Dienstgrad die Absenderangaben vorbereitet, weiterhin die Angaben zur militärischen Einheit und die Feldpostangaben. Die meisten erhaltenen Briefe kamen aus dem Landsturm-Bataillon-Lennep VII / 53 in die bergische Heimat. Sie sind gut erhalten und mit ihren Stempeln heute gefragte sowie recht teuer gehandelte Zeitzeugnisse. Die Stempel trugen z.B. den Text „Briefstempel – Kaiserliche Kommandantur Verviers“. Mit zunehmender Kriegsdauer waren der Herkunftsort und das Absendedatum der Briefe allerdings nicht mehr erkennbar.

Neben den dienstlich genormten Briefsendungen in die Heimat wurden wie schon erwähnt natürlich auch, sofern gestattet, private Briefe und Postkarten geschickt, etwa mit Stadtansichten aus Limbourg und Verviers sowie Geburtstags- und Weihnachtsgrüße mit französischsprachigen Beschriftungen wie bonne fête oder bonnes fêtes. Ende November dieses Jahres erhielt ich aus privater Hand für mein Archiv noch einen Satz Fotos und Postkarten, die den Bereich Cluse, Halle, Durchsholz und Frielinghausen betreffen. Darunter sind auch zwei Ansichtskarten aus dem Ersten Weltkrieg, die genau zu unserem heutigen Thema passen, da sie zwei heimatliche Soldaten, damals in Lothringen, betreffen. Es handelt sich um Carl und Otto Manser aus dem genannten dörflichen Bereich. Augenscheinlich dienten sie in der 47. Reserve-Division, die ab 25. August 1914 für die Westfront aufgestellt wurde, jedoch bereits Ende November an die Ostfront abgezogen wurde. Anfang Mai 1917 kehrte sie an die Westfront zurück, bis Anfang Juni wurde sie im Raum Toul eingesetzt. Am 2. August 1918 wurde die Division in Lothringen aufgelöst.

Zu diesen Daten passen Text und Stempel einer Ansichtskarte des Carl Manser an seine Nichte Erna Zapp an der Herbringhauser Cluse, postalisch per Feldpost über den Bahnhof Dahlhausen vom 16. Sept. 1917. Der Text lautete: „Liebe Erna, Nehme Veranlassung, auch Dir wieder einige Zeilen zu schreiben. Schicke Dir eine kleine Aufnahme von Otto u. mir und teile Dir noch mit, dass Otto bereits wieder aus dem Gewühl heraus ist und wohl vorläufig in Belgien weilt. Ich bin für drei Wochen nach Saon kommandiert und will mich hier mal wieder erholen. Herzlichen Gruß an Vater, Mutter und Erna. Dein Onkel Carl.“

Viele Erzählungen unserer Groß- und Urgroßeltern berichten von der heute kaum mehr vorstellbaren Kriegsbegeisterung zur Zeit der deutschen Mobilmachung zu Beginn des Ersten Weltkriegs, Frauen und Mädchen begleiteten nach den offiziellen Zeitungsberichten samt Fotos die Soldaten singend und jubelnd zur Bahn. Dann hieß es bald wie schon im Krieg von 1870/71 Raus aus Metz, Paris ist schöner, ein Ruf der gegen Ende des neuen Krieges allerdings eine gegenteilige Bedeutung erhielt, wenn es hieß Raus aus Metz, Toul und Verdun. Das Motto blieb seiner historischen Bedeutung entkleidet im Volksmund weiterhin präsent, und meine Mutter holte mich am Lenneper Mollplatz damit noch morgens aus den Federn, um mich in die Röntgenschule zu schicken.

"on drongk mek schier en kleenen Kloaren..."

von Dr. Wilhelm R. Schmidt

Liebe Freunde des Bergischen  Landes, liebe Lenneper,
zufällig fand ich in meinen Materialien termingerecht gerade „Weißer Dezember  - Gedichtbeitrag aus dem Lenneper Kreisblatt vom 5. Dezember 1925“. Damals gab es wohl in der ersten Dezemberwoche viel Schneefall und darüber hinaus durch einen besonders rauen Nordwind einen starken Frost. An den Lenneper Hausgiebeln entstanden Eiszapfen und wurden immer größer, schwerer und gefährlicher.

Dies veranlasste einen "ungenannten Lennep Jong" zu dem einem Gedicht (siehe Kasten unten). Einer, der es las und viele Jahrzehnte aufbewahrte, schrieb später dazu: "Ja, ja, mit den Eiszapfen ist das so eine Sache, es ist schon gefährlich, die Dinger abzuschlagen. Bleibt auch in unserer Zeit dem Fußgänger nur die Möglichkeit, wenn man schon einschlägig gefährdete Wege gehen muss, sich mittels Kopfkissen, Schlummerrolle oder Stahlhelm zu schützen.“ Der Gedichtbeitrag stammte von Richard Thielmann alias Fritz aus dem Wieschen, dem unvergessenen langjährigen Schriftleiter des Lenneper Kreisblatts.

Gestern si ek dörch Lemp maschiert, mein Gott, dach ek, wat es passiert! Die Stroaten sind mek jo so schmal, hant lenks an reits so'n hohen Wall! Die Lütt sehennt kuhm doröwer rut. Jongjong, et sog ganz spaßig ut! On „Freie Bahn dem Tüchtigen“, dat hätt hie woll met nichten Senn!

Die Autos konnten kuhm sek dreihen- on ob em Matt hört ek so'n Schreien. Do stongen Lütt bineen ob'm Tropp on keeken no so'n Daak herob. Ok ek keek eß on - na - do sog ek wie en Mann em Fenster log on mit em Bessen öm sek schlog, so emmer bower sek - paaf, paff! on dann, dann feil deck Ihs heraff.

On alle lütt, die luhrten woll, dat ok dä Mann noch fallen soll. Natürlich häff ek ok gestangen, doch si ek schließlich futtgegangen, on drongk mek schier en kleenen Kloaren...
weil dat ek bold tu Ihs gefroren. Ek spurten orntlich, ek wurdt dönn on frur rob no de Renne henn.

Wör ek noch länger stonn geblewen, hätt ek verdummt 'n Ihspill gegewen, die dann verwimst dä Bessenmann... on dat kann me tu Hus jo hann.

 

Als das Lesen von Flugblättern noch tödlich sein konnte

Flugblätter der Alliierten im zweiten Weltkrieg.von Dr. Wilhelm R. Schmidt

In der Adventszeit kommen bei so manchem älteren Lenneper auch Erinnerungen an die gefährlichen und entbehrungsreichen Vorweihnachtszeiten während des Zweiten Weltkriegs auf. Über die Remscheider und speziell auch die Lenneper Bombardierungen ist schon Einiges geschrieben worden. Der folgende Beitrag widmet sich den Flugblättern dieser Zeit, die die allierten Streitkräfte auch über Lennep abwarfen, und den Gefahren, die allen Findern drohten, wenn sie die Flugblätter nicht gleich bei den offiziellen Stellen abgaben. Wegen "Begünstigung des Feindes" drohten seinerzeit schwere Strafen bis hin zur Todesstrafe.

Alles Gute kommt von oben. Dieses Sprichwort wird gemeinhin auf den Jakobusbrief des Neuen Testaments zurückgeführt und mit oben ist natürlich der allmächtige gütige Gott gemeint. In einer Großoktav-Ausgabe (für ältere Leser) des Neuen Testaments, die der langjährige Lenneper Pfarrer Roland Spengler meiner Großmutter zum 70. Geburtstag schenkte, heißt es etwas genauer: „Alle gute Gabe kommt von oben herab, von dem Vater des Lichts“.

Alles Gute kommt von oben – dies konnten die Lenneper im Verlaufe des Zweiten Weltkriegs natürlich nicht ohne weiteres sagen, gerade auch in den Jahren 1943 und 1944, in denen in der Advents- bzw. Weihnachtszeit so viele Bomben auf Lennep abgeworfen wurden. Die ersten Bomben fielen in Lennep schon am 7. September 1940. Insgesamt waren es über die Jahre ca. 1.500 Alarme, bis am 10. März 1945 bekanntlich ein dem Bahnhof zugedachter Bombenteppich über große Teile der Neustadt fiel.

Darüber und generell über die Bombardierung Remscheids ist schon viel geschrieben worden, und für den Stadtteil Lennep existiert sogar eine von privater Hand handgezeichnete Karte mit der Markierung der einzelnen Bombentreffer. Ein in der Nähe des Jahnplatzes aufgewachsener Lenneper erinnerte sich ca. 50 Jahre nach den Abwürfen, dass die damaligen Bomben für die Kinder aber auch Positives brachten. So berichtet er in schöner Lenneper Ausdrucksweise: „Als Kinder, ich war elf Jahre, war das für uns interessant. Nach den Angriffen ging es auf Splittersuche“. Ganz diesseits des Altmetallaspektes waren besonders die Geschosshülsen gefragt; sie wurden damals in der Schule genauso getauscht wurden wie heute Autogramme von Prominenten.

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Detlef Franzen, zehn Jahre Referent von OB Hartkopf

Im SPD-Parteibuch von Detlef Franzen (84) haben sich bekannte Politiker verewigt: Willy Brandt, Egon Bahr, Johannes Rau, Björn Engholm, Klaus Matthiesen, Walter Momper, Peer Steinbrück, Hannelore Kraft. Ein schönes Andenken an eine spannende Zeit! Pressemitteilung der SPD Remscheid

Besondere Umstände erfordern besondere Maßnahmen. So konnte aufgrund der Pandemie nur ein äußerst kleiner Kreis an der Kranzniederlegung zum 100. Geburtstag unseres ehemaligen Oberbürgermeisters Willi Hartkopf am 3. November 2020 teilnehmen. Gerne hätte die SPD Remscheid eine Feierstunde abgehalten und Erinnerungen auszutauschen mit Wegbegleitern ihres langjährigen SPD-Vorsitzenden und Ehrenbürger der Stadt Remscheid. Zu den Personen, die Willi Hartkopf besonders nahestanden, gehört Detlef Franzen. Er war dessen persönlicher Referent während der Zeit als von Hartkopf als Oberbürgermeister. Der Mann an dessen Seite lernte viele Prominente kennenlernen. Darunter 1979 auch Helmut Schmidt. Im SPD-Parteibuch von Detlef Franzen (84) haben sich bekannte Politiker verewigt: Willy Brandt, Egon Bahr, Johannes Rau, Björn Engholm, Klaus Matthiesen, Walter Momper, Peer Steinbrück, Hannelore Kraft. Ein schönes Andenken an eine spannende Zeit! Nach der aufregenden Zeit im OB Büro arbeitete Detlef Franzen bis zu seiner Pensionierung bei der Stadtverwaltung, zum Schluss als Leiter des Amtes für Wohnungswesen.

Mit dem notwendigen Corona-Abstand besuchte die stv. Vorsitzende des SPD-Ortsvereins Stadtmitte / Hasten, Ursula Wilberg, vor einigen Wochen den langjährigen Weggefährten von Willi Hartkopf, den sie aus der gemeinsamen Zeiten in der Alt-Gewerkschaft Öffentliche Dienste, Transport & Verkehr (ÖTV) kennt, in seiner gemütlichen Altbauwohnung an der Hindenburgstraße. Dort lebt der Pensionär und Witwer seit mehr als 40 Jahren. An den Wänden hängen signierte Fotos, Zeitungsausschnitte und andere Erinnerungen aus seiner aktiven Zeit als persönlicher Referent von Willi Hartkopf.

Detlef Franzen (84).Detlef Franzen wurde 1936 in Kiel in einen sozialdemokratischen Haushalt hineingeboren. Nach der Schule absolvierte er eine Ausbildung bei der Post und trat schon früh in die Deutsche Postgewerkschaft ein. Viele Jahre besuchte er gewerkschafts- und bildungspolitische Seminare, wodurch er neben dem Beruf eine umfassende Bildung erlangte und auf vielen Themengebieten geschult wurde. So lernte er Rhetorik und das politische Handwerk von der Pike auf. Willi Hartkopf traf Detlef Franzen auf einem der vielen gemeinsamen Gewerkschaftslehrgänge. Als Willi Hartkopf Oberbürgermeister der Stadt Remscheid wurde, holte er Detlef Franzen als persönlichen Referenten in sein Büro, dort war er dann zehn Jahre lang, von 1970 – 1980, als Organisator und Ghost Writer tätig. Nach der damaligen Gemeindeverfassung war der Oberstadtdirektor Chef der Verwaltung und das Amt des Oberbürgermeisters ehrenamtlich. Hauptberuflich war Willi Hartkopf Kreis-Geschäftsführer der Gewerkschaft Öffentliche Dienste, Transport und Verkehr (ÖTV heute ver.di).

Detlef Franzen hat zwei Leidenschaften: Die Musik und das Bergwandern. Lange spielte er die Es-Klarinette im Hilgener Orchesterverein, aber auch in diversen anderen Musikvereinen, wie in der Remscheider Schützenkapelle. Heute widmet er sich seiner 1000 Schallplatten umfassenden Sammlung, vor allem dem Jazz. (Antonio Scarpino)

Als der Lennepe Bach noch den Schellenberg hinunter floss

von Dr. Wilhelm R. Schmidt

Liebe Freunde des Bergischen Landes, liebe Lenneper,
Nach dem Lindenberg und dem Gartenberg in Lennep wenden wir uns heute dem Lenneper Schellenberg zu. Der Begriff ist den Lennepern bekannt, da zwischen dem Alter Markt und dem Mollplatz eine Straße "Am Schellenberg" heißt.

In den Niederschriften des Heimatforschers Paul Windgassen heißt es: Der Lennepe Bach  lief früher als offener Bachlauf den Berg hinunter durch den Garten des Rats- und Gerichtsschöffen Johann Wilhelm Paas (später Arnold Hardt) in einen hinter dem Wohnhaus Poststraße 9 liegenden Sammelteich. Der Überlauf dieses Teiches, der später zugeschüttet wurde, führte über die heutige Poststraße in den so genannten Pörtzches Teich, der unter dem 1927 abgebrochenen Spritzenhaus lag. Eine kleine Grünfläche ist heute darüber angelegt. Seinen Namen hatte der Teich von einer kleinen Pforte oder Pförtgen in der alten Stadtmauer.

Ein Überlauf dieses Teiches führte sein Wasser durch die Sackgasse über den Markt und die Kronenstraße. In der Kölner Straße vereinigte er sich mit dem östlichen Lennepe-Quellbach, und beide liefen weiter in den alten Schlammteich unterhalb des späteren Hallenschwimmbads, der außerhalb der alten Stadtmauer lag. Ein zweiter Überlauf des Pörtzches Teiches lief über die heutige Poststraße in den später überwölbten Brandteich auf dem heutigen Bismarckplatz, der auch "Schürmanns Teich" oder "Brandteich vor dem Cölner Tor" genannt wurde. Von hier aus lief das Wasser längs der heutigen Wupperstraße (früher lange Zeit Steinstraße)  in die Wiesen, die vor Anlage der Wupperstraße nahe dem späteren Holzplatz der Firma Wender & Dürholt lagen.

In der Mitte des Schellenberges lag der große „Platz vor dem Lüttringhauser Tor“ (heute Mollplatz). Der östliche Teil war schon früh bebaut. An der Stelle des späteren Denkmals von 1889 standen dort in alten Zeiten mehrere Wohnhäuser und kleine Fabriken. Der Fahrweg um die Stadt, heute "Am Thüringsberg", war damals tiefliegend und sehr schmal. Gegenüber des Lebensmittelgroßhandels von Thomas an der Ecke zur heutigen Lüttringhauser Straße stand das Anwesen von Martin Käsmacher, der dort eine Badeanstalt betrieb. Er empfahl sich mit kalten, warmen, Dusch-, Stahl-, Salz- und anderen Bädern. Später war dort die Wirtschaft von Tacke mit Nebenhaus und Hofraum, dahinter ein kleines Wohnhaus mit Färberei und ein Wolllager. Das Wirtshaus mit angebautem Nebenhaus lag in der heutigen Straßenfläche, so dass der Eingang zum Thüringsberg damals nuir halb so breit war wie heute. Anfang der 1860er Jahre brannte das Wirtshaus mit Nebenhaus ab; da konnte die Straße dann verbreitert werden. Die Färbereianlage und das Wolllager wurden für die Anlage des Kaiserdenkmals im Jahre 1888 angekauft und abgebrochen, ebenfalls das daran anschließende Wohnhaus von Johann Wilhelm Strohn, der unterhalb zum Gänsemarkt hin seine Fabrik hatte.

Die heutige Poststraße war ebenfalls ein ausgetretener Hohlweg, der sich bis zum Kölner Tor (heutige Bismarckplatz) hinzog. Das Hotel Berliner Hof entstand wie auch die weiteren alten Gebäude am heutigen Mollpatz um 1830. Auf dem großen Platz vor dem Lüttringhauser Tor soll im Mittelalter das sogenannte Tirvelshäuschen gestanden haben, später auch Drieselhäuschen genannt, in dem Schwerverbrecher öffentlich ausgestellt wurden. Das Häuschen, ein Käfig aus Eisen oder Holzstäben gebaut, konnte nach allen Himmelsrichtungen gedreht werden. Der Verbrecher konnte sich deshalb nicht verstecken, er konnte von allen Seiten gesehen werden.  Nach den Aufzeichnungen des Baumeisters Albert Schmidt entstanden alle direkt am heutigen Mollplatz liegenden Gebäude in den 1820er Jahren bis 1830.

Mit den Steinen der alten Stadtmauer und des Lüttringhauser Tors pflasterte man die "Cöln-Berliner–Staatsstraße", die zuvor nur aus einem schmalen ausgefahrenen Weg bestanden hatte. Auch im Berliner Hof zur Neugasse hin sollen derartige Steine verarbeitet sein. Gegenüber dem Berliner Hof entstand damals das Haus Poststraße 1 (später Mollplatz 7), das im 19. Jh. nacheinander mehreren Industriellen und Kaufleuten wie Luckhaus und Springmann, u.a. auch dem  Spinnereibesitzer Albert Karsch (1810-1868) gehörte. Im Revolutionsjahr 1848 tagte hier in den Sälen im ersten Stock eine bürgerliche Revolutionsgesellschaft. Im Jahre 1910 erwarb der Reg.-Baumeister a.D. und Lenneper Baumeister Arthur Schmidt das große Anwesen für seine Familie.

Über den Lenneper Schellenberg ging ein uralter Weg von Lennep zum Hohenhagen. Die heutige Schlachthofstraße und die Gartenstraße wurden erst beim Bau der Eisenbahn von Rittershausen über Lennep nach Remscheid angelegt. Die meisten Wohnhäuser in dieser Gegend entstanden erst nach dem fast gänzlichen Fall der Stadtmauern um 1815 und nach der Anlage der Eisenbahn ab 1867 (Eröffnung 1. September 1868).

Klärchen un Joachim, der Stüöwsuger

Man wüard em Auler schonmal en büsken fuol mengt de Kaal. Denn ech han miar döckes en automatischen Stüöwsuger als Roboter bim Discounter ienjegeilt.  Ech han jo kianen Soustall, ewer man merkt ett döckes. He sust allengk dur die Bude un sugt und sugt, alles wat he fängt: Wollmüas, Schnodderlappen, Papierkes von de Schokelad usw. He bruust ongerm Schäselong, ongerm Disch, ongerm Bett, in der Köche un öwerall wo ech en uutsaat. He har en Fernbedienengk wie biem Feänsenn, dat ess praktesch. Do kann man enn dur de ganze Bude jagen, ohne dat man oppstongk muat.

Schonmal schuwt he denn klianen Müllemmer vor lauder Wut dur de Gegend für sech her, oder bollert emmer widder für die Balkondür bis die zu ess. Ewer datt ess nit schlemm. Irgendwann merkt he datt he mit Wut nit widder kümmt unn fährt drümherüm. Sonst ess he fließeg und schafft wat wech.

De Müter kieken enn aan, watt datt für enn kuomischen Apparat ess. Ewer im gruoten und ganzen hand se enn akzeptiert unn looten enn in Rouhe arben.

Biem Kaal ess datt nit su. Wenn ech sach, bring mal en Müll ruut sait he: Ne, später, ett ess too kauld, ett ess too warm, ech bin alt uutgetrocken, datt mach ech morgen odder üwermorgen usw.

Emmer wat angersch. Bis man ett als selwer tut.

Biem Stüöwsuger ess datt nit su. De schuftet bess he müad ess und wenn he müat es, dann makt he tau, datt he in sian Bedde kümmt. Ohne Mucks haut he dann aff, fährt in siene Ecke un läd sech opp. Am neksten Dag dat glieke wiar.

Brav esse. Un weil he so brav ess hätt he och en Nam jekrait. He hitt „Joachim“. Enn paar Uogen hann ech emm och droffjeklevt.

Ett ess schad datt Joachim nitt noch mehr kann als sugen.

Wenn ett en Roboter givt der bügelt odder ett Bedde makt, dann sacht miar Besche’id, den kuop ech mir och noch.

Bös strackes önker Klärchen

Ferienlager für Jungen und Mädchen immer getrennt

von Dr. Wilhelm R. Schmidt

Liebe Freunde des Bergischen Landes, liebe Lenneper,

beim vorweihnachtlichen Kehraus meiner Lenneper Materialien, beim Großreinemachen vor dem Jahresende stieß ich dieser Tage auf Unterlagen aus der Nachkriegszeit, die ich vor rund zwanzig Jahren von einem meiner Archivvorgänger übernommen hatte. Der inzwischen Verstorbene war ein echter Lenneper Jung und zeichnete neben manch anderen historischen Begebenheiten auch eigene Erlebnisse aus der Nachkriegszeit auf, oft auch aus dem katholischen Bereich Lenneps, dem er angehörte. Gerade, weil er wenn immer möglich seinen Erinnerungen Bildmaterial zufügte, ist so manches, was auf uns heute überkommen ist, immer noch interessant, für die Archive natürlich, aber auch für uns Jüngere, die wir an der Geschichte Lenneps und des Bergischen Landes interessiert sind. Gerade in einer Zeit, in der uns gezwungenermaßen der Weg in die Öffentlichkeit oft versperrt ist, hat ja das Lesen wieder ein neue Dimension bekommen, auch am PC-Bildschirm oder über das Handy. In der letzten Zeit höre ich aber öfters, dass vielerorts unsere Lennep-Geschichten auch ausgedruckt und in Ruhe im Sessel gelesen oder vorgelesen werden, um sich zu vergegenwärtigen, wie es früher war.

Kaplan Schneider verstand es, die Jugend zu motivieren und zusammenzuhalten. Schon in den Kriegsjahren war dies der Fall. Er war ein Hirte im wahrsten Sinne des Wortes, dem jeder am Herzen lag. Ein Beispiel dafür, wenngleich es für mich persönlich nicht gerade schmeichelhaft ist: Anfang der vierziger Jahre hatte ich in Latein auf dem Zeugnis eine fünf. Kaplan Schneider erfuhr davon und „büffelte“ mit mir so lange, bis es saß. Und ich bin sicher, dass ich nicht sein einziger „Fall" war.

Das Sorpe-Zeltlager 1949. Wenn ein Zeltlager sich dem Ende näherte war es üblich, den „Donnerbalken“ nicht mehr zu benutzen. Er wurde angesägt, das hieß, dass der Benutzer unter Umständen unsanft in der Kuhle landete. Ich vergesse nie: Rektor Even muss wohl dieses Unglück widerfahren sein. Es war die Sensation im Lager. Das Donnerwetter des Kaplans war aber auch nicht von schlechten Eltern.

Seinerzeit wurden die Ferienlager für Jungen und Mädchen immer getrennt veranstaltet. In der Regel bekamen die Mädchen feste Unterkünfte wie Scheunen oder  Klöster und die Jungen Zelte. Teilweise waren es alte Zwei-Mann-Wehrmachtszelte, die aus zwei Planen aus mehr oder weniger imprägniertem Tarnstoff bestanden. Oder es waren grün-graue Zelte der Amerikaner. Die Großzelte wurden uns in der Regel vom Stadtjugendbund geliehen, erst später besaß die kath. Jugend eigene Zelte.

Alle Zelte waren übrigens ohne Boden. Wir schliefen auf Stroh. Darüber war eine Wolldecke ausgebreitet. Als Kopfkissen diente ein „Affen“, zumeist aus der Hinterlassenschaft der aufgelösten deutschen Wehrmacht. Ungemütlich wurde es in den Zelten nur bei Regen. Vorsichtshalber mussten von außen rund um die Zelte ca.20 cm tiefe Gräben gezogen werden, in die das Wasser von den Zeltdächern ablaufen konnte.

Zum Zeltplatz gehörte immer ein Feldaltar, denn die tägliche hl. Messe nach dem Waschen war unumstößlich, genau wie das Lagerkreuz, das spätestens am zweiten Tag stand, wenn es nicht schon vorher von der „Vorhut“ aufgebaut worden war. Für uns war es später, als wir schon zu den älteren Teilnehmern gehörten, das schönste, zur Nachhut zu gehören. Dann gab es für uns noch ein paar Tage richtiges Zigeunerleben, ohne Zwang (auch ohne Waschen und hl. Messe), bis der Zeltplatz wieder aufgeräumt war. Am letzten Abend, bevor wir nach Hause fuhren,  wurde das Lagerkreuz und das Stroh abzufackeln. In der Glut des erlöschenden Feuers garten wir dann die restlichen Kartoffeln. Am nächsten Morgen stand dann der Fuhrunternehmer Hackenberg auf dem Platz, lud uns mitsamt Zelt und sonstigem Material auf die offene Ladenfläche seines Lkw und brachte uns zurück nach Lennep.

Meätensengen op Remschedder Platt

Meäten, Meäten,
Meäten es enn guoden Mann,
de us guot gätt gewen kann,
de Äppel on de Biären,
de Nüöte goannt uoch met.

De Frau, die gi'eht derr Trappen erop
on brängt enn Schuot voll met eraff;
Oh watt enn guode Frau es dat!
Meäten rut, Meäten rut, Meäten rut.

Bowen en demm Schoansi'en
do hangen de langen Wüöschte:
Frau, göff us de langen,
loot de kotten hangen!
Meäten rut, Meäten rut, Meäten rut.

Frau, lot us nit te lang mi'eh stoann,  
vir motten noch en Hüsken widder goann,  
hie vandännen bis üöwern Rhien,  
moan motten vir tehi'emen sinn!

Bowen en demm Hemmel,  
do sti'eht enn witten Schemmel
on droppen es geschri'ewen:  
.„Gitzhals, Gitzhals, Gitzhals!“

(sog. Sieper-Version nach "Remscheider Sprachfibel" von Siegfried und Jürgen Horstmann)

„Tien Penning“ für ein frisches Kaninchenfell

von Dr. Wilhelm R. Schmidt

Liebe Lennepfreunde,
schon mehrfach haben Originale vorgestellt, die z.T. auch schon im 19. Jahrhundert in der Kreisstadt Lennep von sich reden machten, wie das schnapsversessene "Bübchen“ oder "Bennad Funnemann" und der "Apen-Matthei". Aber auch im 20. Jahrhundert gab es in Lennep Sonderlinge und eigenartige Gestalten. Mir ist z.B. noch ein abgerissen wirkender Bettler mit Bollerwagen in Erinnerung, der in Solingen drei Häuser besessen haben soll. Und der in den 1950er Jahren bekannte „Kämme Karl“, der auf dem Wochenmarkt gegenüber dem Obst- und Feinkostgeschäft von Johnen Kräuterbonbons und eben auch Kämme verkaufte, die angeblich nicht zerbrachen, es aber bei der Vorführung trotzdem taten. Unzerbrechliche Nylonkämme waren damals ganz modern.

Die heutige Anekdote betrifft einen Fellhändler, der angeblich Antek Lose hieß. Dieser soll an der alten Kölner Straße gewohnt haben, bis er aus Altersgründen in das Lenneper Katharinenstift übersiedelte. Auf dem Bahngelände gegenüber vom Kreishaus hatte er wohl im Parterre eines Hauses einen Fellankauf. In der so genannten „schlechten Zeit“ nach dem zweiten Weltkrieg wurden in Lennep neben Hühnern oft auch Kaninchen zur Eigenversorgung gehalten. So wie die Kinder mit Bleirohren aus zerstörten Häuser zum Schrotthändler gingen, brachten sie ihm auch die Felle der geschlachteten Kaninchen, um sich ein wenig Geld zu verdienen. Antek Lose nahm die Felle, , hielt sie sich unter der Nase und beschnüffelte sie lange. Er sagte dann jedes Mal: „Tien Penning“, und damit war der Kauf abgeschlossen.

Der Geruch der frischen Schlachtfelle, man kann auch sagen der Gestank, war erheblich und setzte sich im Hause des Fellhändlers und natürlich auch auf ihm selbst fest. Man kann sich vorstellen, dass er von den Nonnen des Katharinenstifts erst einige Male „eingeweicht“ werden musste, bevor er dorthin tatsächlich umziehen konnte.

Wie Fritz aus dem Wieschen zur Zeitung kam

Ehrung für Richard Thielmann, den "Fritz aus dem Wieschen".von Dr. Wilhelm R. Schmidt

Liebe Lennepfreunde, gestern erst hatten wir uns hier an den legendären Schriftleiter des Lenneper Kreisblatts erinnert: Richard Thielmann hieß er mit bürgerlichem Namen, die Lenneper jedoch kannten ihn Jahrzehnte lang besser unter seinem Zeitungpseudonym. Es lautete: "Fritz aus dem Wieschen". Obwohl ein "Hergeluopener" aus dem späteren Wuppertal, eroberte er sich die Herzen seiner Leser in Stadt und Kreis und wirkte in Lennep als Schriftleiter über vierzig Jahre. Als Reaktion auf die vorigen Beitrag zu Fritz aus dem Wieschen, bei dem es um die "Herbstgedanken" eine kleinen Lenneper Jungen ging, erhielt ich einige Zuschriften, u.a. sandte mir Klaus Kreutzer vom  heutigen Verkehrs- und Förderverein Lennep e.V. einen Zeitungsausriss aus den 1950er Jahren, der anlässlich des 75. Geburtstages des Schriftleiters Richard Thielmann über dessen Ernennung zum Ehrenmitglied des Vereins berichtet. Der Verkehrsverein Lennep würdigte damals damit die langjährigen Verdienste eines treuen Heimatfreundes. Aber wie kam der denn überhaupt in seinen Beruf? Nachfolgend kann man lesen, was er zu diesem Thema von fast 100 Jahre selber schrieb, nämlich im Lenneper Kreisblatt im Jahre 1925.

Dort hieß unter der Überschrift "Fritz": „‘Fritz‘ zu heißen ist nicht schlimm. Einen Namen muss doch jeder Mensch haben. Aber gerade der Fritz zu sein, der unabänderlich bestimmte, gewisse Fritz - das ist nicht ohne. Denn er ist eine Marke! Schon sehr früh hatte ich eine Beziehung zur Presse; denn Beziehungen muss man haben, wenn man ernst genommen werden will. Meine reichen zurück bis in die Zeit, in der mir die Zeitung als Butterbrotpapier diente. Die Festigung der Beziehungen zur Presse vollzog sich nur langsam. Mein Lehrer nämlich ahnte nichts von der Intelligenz, die in mir schlummerte, obgleich er sich eifrig bemühte, sie wach zu "klopfen". Die Folge dieser verkehrten Erziehung war, dass ich häufiger das Vergnügen hatte, zur Stärkung meines Fassungsvermögens 60 mal ein und denselben Satz zu schreiben. Meine Beziehungen zur Presse gestalteten sich fester, als ich mit Lieschen bekannt wurde. Ich las die Romanfortsetzungen "unterm Strich", um dadurch zu erfahren, wie ein Bräutigam sich einer Braut gegenüber zu benehmen hat. Da trat ein Ereignis ein, durch das ich zu der Zeitung in ein persönliches Verhältnis trat. Mein Freund Heinrich hatte mir nämlich mein Lieschen durch Fischers Schneckenhäuschen abspenstig gemacht. Ich riss die Liebe zu Lieschen aus dem Herzen und verprügelte meinen Freund Heinrich nach Strich und Faden.

Der Redakteur der Lokalzeitung verarbeitete die Prügelei zu einer Lokalnotiz, und so hatte ich das Vergnügen, mich am anderen Tag zum ersten Mal in meinem Leben gedruckt zu sehen. In der ersten Erregung über die öffentliche Behandlung einer privaten Angelegenheit beschloss ich, auch den Redakteur zu verprügeln. Als ich die geheiligten Räume der Redaktion betrat und im Begriff war, mir die Hemdsärmel aufzukrempeln, kam der Herr Redakteur freundlich auf mich zu, drückte mich sanft in einen Klubsessel und gab mir einen Kognak mit den Worten: „Mensch, Sie sind  der Mann, den wir schon lange suchen. Sie haben unzweifelhaft Mut. Das Verhauen können Sie unternehmen, wenn wir den geschäftlichen Teil erledigt haben. Also, Sie heißen Fritz? Das ist ja prachtvoll! Guter Mann, Mut haben Sie auch; Sie können also wöchentlich samstags die Wochenplauderei schreiben. Allerdings – hier stockte der Redakteur - Sie müssen sich auf einiges gefasst machen. Wenn Sie über eine Sache schreiben, die recht, sagen wir mal kitzlich ist, dann freuen sich die einen, aber der Mann, den es angeht, der könnte Sie dann noch mal gelegentlich .... Sie müssen überhaupt die Seele der Leser kennen: ein Teil sagt, dass es Quatsch ist, was Sie schreiben, na, und der andere ... ". „Ich weiß“, schaltete ich geknickt ein. „Also, Sie müssen eine Elefantenhaut haben; wenn Sie einer mit dem Vorschlaghammer vor den Kopf haut, das muss Sie nicht weiter genieren; auch muss alles, was für Sie unangenehm ist, auf Ihrem Rücken herabrutschen wie auf der Shimmy-Bahn —“. „Ist das nun alles, oder kommt noch was?“ warf ich ein. „Na später mehr“, sagte der Federgewaltige und entließ mich, indem er mir zur Stärkung für den schweren Beruf noch einen Kognak mit auf den Weg gab. Seitdem bin ich Fritz aus dem Wieschen.

Bleibt nachzutragen , liebe Lennepfreunde, dass "Shimmy" ein aus dem Foxtrott entstandener Gesellschaftstanz ist, der etwa um 1918 in den USA kreiert wurde und 1920 nach Europa kam.

Der Lenneper Gartenberg

von Dr. Wilhelm R. Schmidt

Liebe Freunde des Bergischen Landes, liebe Lenneper,

Das Gebiet zwischen der ehemaligen Köln-Berliner Straße, der heutigen Schwelmer Straße und der Knusthöhe, nannte man in alten Zeiten den „Gartenberg“. Das Areal war begrenzt vom Markt, der Berliner und Schwelmer Straße aufwärts bis zur sogenannten Tränenallee (heute Albert-Schmidt-Allee) und vom Markt und der Barmer Straße (heute Am Schellenberg) aufwärts bis auf die Knusthöhe. Der östliche Quellbach des Lennepebachs nimmt dort im Keller des Wohnhauses Schillerstraße (Foto rechts) Nr. 14 und im Keller des Hauses Wiesenstraße Nr. 2 seinen Anfang. Diese beiden Quellbäche, die vor Anlage der Kanalisation im Jahre 1883 in Flutzeiten offen zu Tage traten, sickerten in trockenen Zeiten unterirdisch talabwärts und sammelten sich im sog. Engelsschen Teich an der Wiesenstraße, der östlich des Wohnhauses Nr. 3 lag. Die überlaufenden Wassermengen wurden als offener Bachlauf durch die unterhalb gelegene Engelssche Wiese zum Brandteich auf dem Thüringsberg geleitet. Der Engelssche Teich hat seinen Namen von dem Textilfabrikanten Johann Daniel Engels, der Eigentümer des Hauses Wiesenstraße Nr. 3 war. Joh. Dan. Engels, Kaufmann und Tuchfabrikant, war der Inhaber der Firma Engels & Ölbermann, Tuchfabrik und Handlung zu Lennep. Engels war Mitglied der Bergischen Industrie- und Handelskammer zu Lennep und deren Präsident von 1849-1856.

Auf der Höhe des Gartenberges lag in der Mitte des 19. Jahrhunderts (bis 1854) die Tuchfabrik von August Walter. Diese Fabrikanlage bestand aus einem massiven Erdgeschoss, in der die Rauferei und Walkerei sowie die Appretur untergebracht waren. Die Anlage war zweistöckig aus Fachwerk mit Schieferbekleidung und einem Pfannendach. In dem oberen Stockwerk waren die Spinnerei und Schererei und einige Webstühle untergebracht. Die Handwerker in der Stadt und Umgegend lieferten ihre gewebten Tuche für die Appretur in die Fabrik. Ein hoher viereckiger Schornstein, den man vom Lichtenplatz in Barmen und vom Winterberg bei Schwelm, von Cronenberg und aus den dazwischen liegenden Ortschaften aus hoch emporragen sah, zierte die Anlage.

Die eigenartigen Wasserverhältnisse des Bergrückens, die in den geologischen Verhältnissen des Berges seine Ursache hatten, und eine sehr ergiebige Brunnenanlage ermöglichten die Fabrikanlage trotz des erheblichen Wasserverbrauchs. Die sehr ergiebigen Quellen des westlichen Bergabhanges mündeten in einem alten Hohlweg der früheren Landstraße nach Elberfeld (später Knusthöhe). An dem nördlichen Abhang war deshalb ein Wollwaschteich für die Fabrik angelegt worden.

Am 12. September 1854 wurde die Fabrikanlage durch einen großen Brand zerstört. Nur der Schornstein blieb noch 15 Jahre stehen und bildete das Wahrzeichen für die von Norden kommenden Besucher der Stadt. Die Fabrikfenster hatten nach der Westseite hin Schlagläden, die beim Ausbruch des großen Fabrikbrandes von den Arbeitern abgehängt wurden, um sie zu retten. Aber der Eigentümer ließ sie wieder ins Feuer werfen, damit sie ihm bei der Versicherungssumme nicht abgezogen wurden. Von dem abgebrochenen bzw. umgeworfenen Schornstein baute sich der damalige Brunnenmacher Hess im Jahre 1869 vor Ort ein Wohnhaus. Der Brunnen wurde mit einem Brunnenhäuschen versehen und lange Zeit, bis ins 20 Jahrhundert sogar, noch benutzt.

In der Mitte des Gartenberges liegt der heutige Thüringsberg. Früher hieß dieser Straßenzug „Weg um die Stadt“, danach ,,Alleestraße‘, später eine Zeit lang auch „Hindenburgwall“. In alten Zeiten war es ein tief ausgetretener Treibweg, über den die Postpferde der nahegelegenen Posthalterei in die Schwemme des alten Brandteiches getrieben wurden. An der Südseite des Thüringsbergs lag an der Stelle der späteren Trikotagenfabrik von Hermann Mühlinghaus eine Fabrikanlage, ein dreistöckiger Fachwerkbau mit Schieferbekleidung. Sie gehörte dem Augenarzt Dr. Blasberg, dessen Wohnhaus hinter der Fabrik am Gänsemarkt lag. In der Mitte des 19. Jahrhunderts waren diese Fabrikräume an die damals noch vielfach bestehenden kleineren Lenneper Tuchfabriken vermietet. Eine Dampfmaschine ältester Konstruktion lag im Erdgeschoss. Die Dampfkesselanlage war die Westgrenze des Grundstückes angebaut. Der Schornstein lag an der nordwestlichen Ecke des Gebäudes am Thüringsberg, der einen Aufsatz von ca. 8 Meter Höhe hatte. Der Zugang zur Fabrik geschah vom Gänsemarkt aus.

In den 1860er Jahren kam ein ganz moderner Geschäftsmann mit neuen Ideen nach Lennep. Es war eine für die etwas spießbürgerliche kleinstädtische Bevölkerung fremdartige Erscheinung: der Fabrikant und Erfinder der nach ihm benannten Wasch- und Wringmaschine Jacob Hilgers. Er mietete die Blasbergsche Fabrik und hatte bald das ganze Werk für seine Fabrikation, die er immer mehr vervollkommnete, eingerichtet. Später widmete er sich dem damals im Baubetrieb aufkommenden verzinkten Eisenblech, dessen Fabrikation er einführte und verbesserte. Er begründete eine Fabrik in verzinkten Blechen, gerades und kombiniertes Wellblech, sowie Eisenkonstruktionen für Bahnhofshallen und andere Fabrik- und Lagerhallen in Rheinbrohl (Kreis Neuwied).

Das Werk wurde immer mehr vergrößert und in modernster Weise ausgebaut. Sein Wahlspruch war: "Verzinktes Eisen rostet nicht". Dafür hatte er in der ganzen Welt Reklame gemacht. Hilgers spielte längere Zeit in Lennep durch sein lebhaftes Wesen und seinen großen Geschäftsbetrieb eine große Rolle. Da die Lenneper Fabrikation der Wasch- und Wringmaschinen nur eine unbedeutende Abteilung des späteren großen Betriebes darstellte, wurde sie aufgegeben und die Fabrik auf dem Thüringsberg nebst Wohnhaus verkauft.In einem Wikipedia-Artikel  zum "Stahlbau Hilgers" heißt es u.a. "In den ersten Jahren fertigte Jacob Hilgers neben den Türschließern auch hauswirtschaftliche Geräte in seiner Schlosserei in Lennep. Während einer Rheinreise entdeckte er in Rheinbrohl das zum Verkauf stehende Klostergut Die Maas und erwarb es am 20. Februar 1867. Zwei Jahre später ließ er den ersten Neubau errichten und eröffnete die erste Verzinkerei in Deutschland." In Lennep ist dieser Jacob Hilgers, nicht zu verwechseln mit Personen der Lenneper Tuchfabrikantenfamilie Hilger, heute völlig vergessen. Die ganze Anlage wurde von dem Spinnereibesitzer und Junggesellen Albert Keller aufgekauft. Keller hatte 1876 die große Fabrikanlage der Firma Daniel Engels & Co. in Hammerstein bei Kräwinklerbrücke erworben. Er ließ sie nun zu einer modernen Spinnerei und später zu einer Filzfabrik umbauen. Die Fabrik am Thüringsberg diente als Lager und Kontor bis zum Tode Albert Kellers. Zeitweise war hier auch das Königliche Bezirkskommando untergebracht. Die Fabrikanlage wurde dann von Hermann Mühlinghaus aufgekauft.

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