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Aus dem Stadtarchiv: Waldbesitzer beklagten Holzdiebstähle

Die alte Schwarzweiß-Aufnahme gehört zum Bestand des Remscheider Stadtarchivs.Am 30. April 1919 wandten sich Kremenholler Bürgerinnen und Bürger (Wwe. Wilhelm Zimmermann, Max Schmitz, Robert Klein, Albert Hakenberg, Albert Dahlmann, Otto Hager und Joh. Ferd. Courthen) an den Oberbürgermeister. Als Besitzer von mehr oder wenig großen Waldparzellen beschwerten sie sich  über „Holzraub und Waldfrevel, schon seit Jahren  eine traurige Tatsache“. Weiter ist in der 90 Jahre alten Eingabe, die sich heute im Stadtarchiv befindet, zu lesen:

In der Zeit seit vorigem Herbst hat der Holzdiebstahl erschreckend zugenommen, sodass der Holzbestand von Woche zu Woche mehr abnimmt. Wenn es so weiter geht, werden unsere Holzungen in absehbarer Zeit gänzlich verschwunden sein. Warnungen und Patrouillen seitens der Eigentümer bringen keinen Erfolg mehr. Ununterbrochen Tag und Nacht müssten ja bewaffnete Posten stehen, wollte man Einhalt gebieten und sein Eigentum schützen. So muss der kleine Besitzer zusehen, wie ihm das für Hof und Feld sehr benötigte Klein- und Nutzholz genommen wird. Wenn auch eine gewisse Brennstoffnot in vielen Familien nicht zu verkennen ist, so ist es doch am Platze, dem kleinen Manne nicht noch das Letzte weg zu nehmen, was er selbst nötig braucht. Wir wollen doch nicht die in Bayern laut gewordene Spartakisten-Parole unterstützen: Nehmt und holt euch was ihr braucht! Nicht, dass die Leute mit etwas Kleinholz zufrieden wären, nein, das beste und dickste Nutzholz wird herausgeholt unter Zurücklassung der Reisige, die Ihnen nicht gut genug sind. Eichenstämme von 10 – 30 cm Durchmesser und 5 – 12 m Länge sind die am liebsten genommenen. So sind den Unterzeichneten schon eine Menge Bäume gestohlen worden, die von Jahr zu Jahr einen zunehmenden Wert bekommen, einen Wert für die Aufrechterhaltung der Bewirtschaftung von Feld und Garten.

Die zunehmenden Diebstähle sind durchaus nicht allein auf die Brennstoffnot zurückzuführen. Die Leute glauben in Ansehung der heutigen Verhältnisse fast dazu berechtigt zu sein; am hellen Tage gehen sie mit Axt und Säge in den nächstgelegenen Wald und nehmen was das Beste ist. Vielfach glauben Leute berechtigt zu sein, in den der Stadt gehörenden Holzungen nehmen zu können, was ihnen beliebt und werden wir als Anlieger von solchem Besitz fast stets auf das schlimmste bestohlen. Duldet die Stadt indessen Abholzungen in ihrem Besitz, so bitten wir die Stellen öffentlich bekannt zu geben, wo bedürftige Bürger evtl. näheres über Grundstücke und Grenzen erfahren können. Zu einem großen Teil werden wir betroffen von den Bewohnern der nahe liegenden Häusergruppen des Gemeinnützigen Bauvereins. Von diesem Unternehmen aus scheinen öfter Leute die mündliche, höchstwahrscheinlich auch jeweils schriftlich Erlaubnis zu bekommen, sich aus in ihrem Besitz befindlichen Holzungen das Nötige zu holen, indess ohne jegliche Aufklärung über Lage und Grenze des dem Gemeinnützigen Bauvereins gehörigen Geländes. Solche Erfahrungen wurden bei Ertappten schon gemacht. Wir bitten erg., von dortiger Stelle aus auf die Leichtfertigkeit dieses Verfahrens hinzuweisen.

Weiterhin erbitten wir von der Stadtverwaltung unbedingten Schutz und Beistand in diesen uns dauernd schädigenden Diebstählen. Eine strenge und allgemeine Verwarnung seitens der Behörde in den Zeitungen könnte womöglich etwas Abhilfe bringen. Auch würde ein wachsameres Auge der Polizei- und Fortbeamten von Nutzen werden. Wir glauben diese berechtigte Beschwerde nicht allein für uns, sondern auch im Interesse aller Waldbesitzer gemacht zu haben und erwarten wir, dass die Stadtverwaltung mittel ergreift, um die unerhörten Walddiebstähle abzuschwächen.“

Von den „seltsamen Strohns“ und „däm Schlüffken“

von Dr. Wilhelm R. Schmidt

Unter den vielen historischen Lenneper Originalen findet sich auch eines, das um die Wende des 18. ins 19. Jahrhundert im Städtchen lebte. Der Lenneper Heimatforscher Kapitän a.D. Paul Windgassen schrieb dazu einmal in seinen im Remscheider Stadtarchiv erhaltenen Aufzeichnungen: Ein altes Original, das ich aber leider nicht mehr gekannt habe, war der unter den Erbauern des gemeinschaftlichen „Trockenhauses“ an der Wallstraße zu nennende Ambrosius Strohn, der den Spitznamen „Spey Ambros“ hatte. Aufgrund eines krankhaften Tics spuckte er hin und wieder die Leute an. Das heute nicht mehr existente Trockenhaus zwischen Wall- und unterer Poststraße, später als Johann-Daniel-Fuhrmanns-Lagerhaus bekannt, war für die gemeinsamen Zwecke von fünf Lenneper Tuchfabrikanten errichtet worden: Peter Schürmann & Schröder, Peter Caspar von Pollem, Wilhelm Hölterhoff, Johann Peter Wirths sowie Peter Wilhelm Strohn.

Paul Windgassen berichtet weiter, dass er ein anderes Mitglied dieser Familie Strohn, deren Geschichte in Lennep Jahrhunderte zurückreicht, selbst noch gekannt habe. Es soll in Lennep bis ins hohe Alter unter dem sehr viel „hübscheren“ Namen „Der schöne Jüngling“ bekannt gewesen sein. Der Grund dafür war folgender: In seiner Jugend war dieser Mann einmal vom Nebenzimmer aus belauscht worden, wie er, vor dem Spiegel stehend, zu sich selbst sagte: „Bin ich nicht ein schöner Kerl?“ Der Herr war Junggeselle und wurde sehr alt, man konnte ihn später noch im Wollkontor Stoffe verkaufen sehen, als er kaum noch mit der Sprache herausrücken wollte. Ein trauriges Bild! Aber gerade solche Dinge prägen sich oft in das Bewusstsein ein und werden noch lange weiter erzählt.

Auch der langjährige Schriftleiter der des Lenneper Kreisblatts „Fritz aus dem Wieschen“ alias Richard Thielmann wusste von so manchem Lenneper Original und kolportierte so manches Vertällchen. So schrieb er einmal: In der Jägergasse am Markt wohnte „dat Schlüffken“, eine unsaubere Frau, die Haare wirr um den Kopf, die Kleidung schmutzig und zerrissen. Es hieß, sie sei ehemals eine sehr schöne, blitzsaubere Putzmacherin gewesen, die aber durch den übermäßigen Alkoholgenuss auf die schiefe Bahn gekommen war. Hatte sie ihr Fenster im Parterre auf, dann war es für die Jugend ein Vergnügen, einen Stein in ihr Zimmer zu werfen. So prompt, wie ein Geldstück im Automaten herunterfällt, schoss dann das „Schlüffken“ ans Fenster und schrie mit schriller Stimme: „Et Säue!“

„Strahlen Aussichten“ hat am 10. Dezember Premiere

Pressemitteilung der Stadt Remscheid

Im Rahmen der Feierlichkeiten zum 175. Geburtstag von Wilhelm Conrad Röntgen war die Entwicklung eines Theaterstücks speziell für junge Menschen im Sinne des Formats „junges Wissenschaftstheater“ geplant. Mit Unterstützung der Stadtsparkasse Remscheid hatte hierzu eine Förderung der Kulturstiftung des Rheinischen Sparkassen- und Giroverbandes eingeworben werden können. Mit der Planung, Konzeption und Durchführung war der Theaterpädagoge, Regisseur und Schauspieler Franz Mestre vom Kresch-Theater in Krefeld gewonnen worden. Er war über 20 Jahre lang dessen Musikalischer Leiter und komponierte für zahlreiche Produktionen an verschiedenen Theatern. Zudem ist er ein Meister des Improvisationstheaters und er begleitet sein Langem die Aktivitäten der Deutschen Röntgengesellschaft als Darsteller von Wilhelm Conrad Röntgen für das Einwerben von Fördermitteln für das Geburtshaus Röntgens. Sein Theaterstück „Strahlen Aussichten“, das am 10. Dezember in der Aula des Röntgen-Gymnasiums uraufgeführt werden soll, stellt den Forscher als Menschen ins Zentrum, gibt aber auch Einblicke in die Entdeckung der X-Strahlen. Erzählt wird in Rückblenden von wichtigen Stationen und Begegnungen Röntgens während seiner wissenschaftlichen Laufbahn.

Dr. Louis Himmelreich und das Gemüse

Dr. Louis Himmelreich.von Dr. Wilhelm R. Schmidt

Liebe Lennepfreunde,
ein Lenneper Original im besten Sinne war im vorletzten Jahrhundert Dr. med. Louis (Ludwig-Friedrich) Himmelreich  (1813-1888), seines Zeichens Kreiswundarzt und Vorsteher der Kreis-Chirurgen-Stelle zu Lennep. Er genoss damals großes fachliches Ansehen in Lennep und im ganzen Kreis. Zwar war er etwas derb, aber echt bergisch. Dr. Himmelreich duzte alle Patienten, egal welchen Standes, ob arm oder reich, und er unterhielt sich mit ihnen nur auf „platt“.

Zu seiner Zeit war in Lennep der „Bürgerverein“ gegründet worden. Dieser hatte es sich zu Aufgabe gemacht, seinen Mitgliedern gute Vorträge zu vermitteln und etwas für die Allgemeinbildung zu tun. U.a. wollte man auch das Thema „Gesundheit“ in die Reihe der Vorträge mit einbeziehen. Was lag hier näher, als Dr. Himmelreich um einen Vortrag über den hohen Wert des Gemüses zu bitten. Es lag jedoch ganz und gar nicht im Sinne des Dr. Himmelreich, große Reden zu schwingen. Dem Drängen des Vereins gab er aber schließlich nach und sagte zu. Ein Termin wurde ausgemacht, aber Dr. Himmelreich dachte nicht mehr an seine Aufgabe und erschien unvorbereitet zum Vereinstreffen. Dort komplimentierte man ihn erwartungsvoll zum Rednerpult. Schließlich kam es aus ihm heraus: „Jemös, Jemös, wer et freten will, der sall et freten, ick do et nich“!

Als es im Knast noch prächtige Reibekuchen gab

Die historische Ansichtskarte zeigt die Poststraße der damaligen Kreisstadt Lennep im letzten Drittel des 19. Jh. Das ursprüngliche Kreisgefängnis ist dort Mitte rechts an der Straßenkrümmung zu sehen, gegenüber den Hardt-Villen auf der linken Seite. Die Gefangenen hatten übrigens im Keller des Gefängnisses ihr eigenes Brunnenwasser. Noch heute wird dieser Brunnen hin und wieder anlässlich von Stadtfesten öffentlich gezeigt. Foto: Sammlung Lempe.

von Dr. Wilhelm R. Schmidt

Liebe Lennep-Freunde,
Ein Lenneper Original im besten Sinne war der so genannte „Vatter Busatis“. Um 1849 war er die einzige obrigkeitliche Persönlichkeit in unserer Kreisstadt Lennep. Außer ihm gab es allerdings nur noch zwei gestrenge Nachtwächter. Vatter Busatis überwachte die öffentliche Ordnung und wohnte mit seiner Frau im alten Gefangenenhaus Poststraße 10, links neben dem heute nicht mehr existenten Feuerwehrhäuschen mit Löschteich. Das Gefängnis war damals noch für den ganzen Kreis bestimmt und reichte augenscheinlich dafür auch aus.

Vatter Busatis übte sein Amt mit nicht geringer Würde und noch umfassenderer Körperfülle aus. Wenn ein Diebstahl angezeigt wurde, eilte er schnellstens zum Tatort, maß mit einem Zollstock die Fußspuren aus, sofern es solche gab, und sprach dann bedeutungsvoll: „Die wollen wir schon kriegen!“ Waren die Übeltäter einmal bei ihm „eingesponnen“, so erging es ihnen nach der damaligen Überlieferung nicht schlecht: Die Gefangenen profitierten im Kreisgefängnis von den prächtigen Reibekuchen der Hausfrau.
Der Name „Vatter“ war Herrn Busatis wohl wegen seiner Behäbigkeit und Gutmütigkeit zugelegt worden. Aber insbesondere die Jugend erlebte in ihm auch die Respektsperson. Im Winter durfte auf der Knusthöhe eigentlich nur auf der hinteren Seite, nach Lüttringhausen hin, Schlitten gefahren werden. Aber nach der Stadtseite ging es viel flotter hinunter, und mit drei Schlitten hintereinander und einem darauf gelegten langen Brett konnte man den Schellenberg oder die Neugasse über den Markt bis hinunter zur Mühlenstraße sausen. Dann bestand allerdings die Gefahr, von der hohen Obrigkeit, d.h. dem Vatter Busatis, unten „verhaftet“ zu werden.

Klärchen un de Wahl-o-mat

Bald ess ett wiar sowieat. De nieu Bundesdag wüard gewählt un mett emm en nieu Kanzler odder Kanzlerin. Dat Merkelsch, Angela hätt joo nu de beste Tied henger sech. Vleits giat ehre Mundwenkel in de Rente joo och wiar no owen.

Sie hätt joo och in letzter Tied enn schwierig Amt jehatt. So föll ess passiert. De Pandemie hüart nett opp, iane Welle no de angeren. De Impfmoral hätt joo och nohgeloten. Dann datt Huohwater im Julli  De armen Lütt die Hab und Gut verloren hangk. Unn de Ongerburg hätt ett och wiar erwischt, wie früher. Mian Ur-Großmuoder vam Hotel „Zur Post“ in Burg die och Klärchen hiat, hätt emer gesait, biam Huohwater mütten de Hippen opp en Uoler. Unn datt woar früher an de Ongerburg so tweimol emm Joar. Die woaren datt gewengkt.

Dann hätt datt Merkelsch noch dat Afganistan am Hengerschen. Datt hätt joo och nitt su akerat geklappt, wie sech de Poletiker datt füargestollt hann. Datt ess hütt en Weilt, do wüard ianem Angst und Bange. Ech hann schon gar kiane Lust en Fernseher aantemaaken un miar die Kalleroden van denn Tagesschau un Aktuelle Stongk aan te kieken.

Un öm vierel noh aite, do brengen see noch opp de Hüppe dropp en „Triell“ van de Kanzlerkandidaten un -Kandidatinnen. Ech hann iarscht gedeit, die hangk sech verschriewen. Nee, do sooten se, de Laschets Armin, de Schulzens Olaf un dat Baerbocks Annalena.

Watt makt man nu, wenn man sech nitt entscheiden kuan. Man frocht enn Wahl-o-mat. Datt han ech och gedonn. Fluks in datt Enternet un enn paar Frogen beantwortet un dann wiat ech, ja watt nu, datt ech de „Griesen“ wählen sual. Wer send dann de „Griesen“. Ech wuast garnech datt die och enn Partei hangk. Van de Hoor her küan ett jo passen, ewer ett giat joo nit no de Hoor sondern no de Poletik.

Noo joo, ett ess jo noch watt Tied. Kugelschriewer un sonn Tüch hangk ech joo nu schon reichlech. Enn allen Farwen, schwatt, ruoat, grüan usw.

De Kuvertswahl-Ongerlagen liagen och schon do. Wählen donn ech opp jeden Fall, och de Kaal. Man kann datt joo nech denn angern öwerloten wie datt en de Regierengk wigger gonn soll. Ewer ech wiat watt ech nitt wähl, ewer datt verrat ech önk nech. Datt muat jeder för sech selwer entscheiden.

Hauptsach man giat öwerhaupt wählen.

Bös Strackes önker Klärchen

In Deutschland wurde aus dem Hobby ein Beruf

Auf ihrer Homepage stellt sich die Firma Kramp & Kramp GmbH & Co. KG aus Lemgo-Lieme, Kreis Lippe, als „Altbauspezialist für innen und außen“ vor für innen und außen. Und „Haus Cleff“, das Rokkoko-Bürgerhaus neben dem Deutschen Werkzeugmuseum, wird als eines ihrer gegenwärtigen Projekte vorgestellt. Da gibt es für die Restaurateure für Fachwerk, Dachstühle, Fenster, Türen und Treppen in der Tat derzeit viel zu tun. Und einem Teil der Fassade sieht man heute schon nicht mehr an, dass das Doppelhaus schon 1778/79 errichtet wurde.

Beteiligt an der Sanierung Farhad Nazari (41). Der Iraner kam vor drei Jahren als politischer Flüchtling nach Deutschland. Auf die Anerkennung seines Asylantrages wartet er heute noch – im Gegensatz zu Ehefrau und Kindern; bei ihnen war die Justiz schneller. Was Farhad Nazari als Holzschnitzer an Haus Cleff geleistet hat, hat er dem Waterbölles gezeigt. An erster Stelle sind da die morschen Teile der hölzernen Elemente über den Eingangstüren zu nennen. Die ersetzte er durch exakte Nachbildungen aus gesundem Holz. Da kam es auf eine ruhige Hand und ein gutes Auge an. Ergebnis: Eindrucksvoll! Dabei ist Farhad Nazari gar kein gelernter Holzschnitzer, wie er dem Waterbölles erzählte, sondern das war in seiner Heimatstadt Teheran sein großes Hobby in der Freizeit. Tagsüber arbeitete er als Verkaufsleiter in einer Firma für Medizintechnik. Dass aus  dem Hobby in Deutschland ein Beruf wurde, wertet Farhad Nazari als gutes Zeichen für die Zukunft.

Aus der Jubiläumsschrift der Buchhandlung Schmitz 1950

von Dr. Wilhelm R. Schmidt

Liebe Lennepfreunde,
jeder von uns kennt noch die Lenneper Buchhandlung Schmitz; der Name existiert ja noch im Zusammenhang mit der jetzigen Bergischen Buchhandlung. Aber nicht alle Lenneper wissen, dass diese Buchhandlung in besonderer Weise zum alten Lennep gehört. Anfang der 1960er Jahre war Gertrud Schönenbach, geb. Schmitz oft mit einem Büchertisch bei Lenneper Veranstaltungen präsent, und ich erinnere mich noch, dass ich bei einer solchen Gelegenheit im heute nicht mehr vorhandenen evangelischen Gemeindehaus an der Hardtstraße das Buch "Der Mann im Fisch" des Schriftstellers Stefan Andres bei ihr erstanden habe. Das Buch steht noch heute in meinem Bücherschrank.

Aber auch an die Schwester Irmgard Schmitz kann ich mich noch erinnern. Sie verkaufte mir vor nunmehr mehr als sechzig Jahren im Geschäft an der Wetterauer Straße meine ersten Schulbleistifte. Damals war das Geschäft dort trotz der großen Schaufenster eher ein dunkles Verlies mit Theke und einer separaten Abteilung für Schreibwaren. Als ich im Jahre 1961 von Pfarrer Spengler konfirmiert wurde, erhielt ich selbstverständlich auch von der Buchhandlung Schmitz einen "Blumenstock" mit Gratulation. Weil das die Jüngeren unter uns u.U. nicht mehr so wissen: ein Blumenstock ist gemäß Duden eine Pflanze, die in einem Blumentopf wächst. Übrigens war für den Konfirmanden das Schlimmste an solchen Geschenken, dass man sich dafür persönlich bedanken musste.Später wurden in Buchhandlung Schmitz meine Lennep-Bücher vorgestellt und verkauft. Im Remscheider Generalanzeiger hieß es zum Schluss: Die seit 155 Jahren bestehende Buchhandlung R. Schmitz wird weitergeführt. Den Fortbestand des Traditionsgeschäfts in der Lenneper Altstadt sichert die Bergische Buchhandlung, die den Betrieb übernommen hat. Ihren 100. Geburtstag feierte die Buchhandlung Schmitz im Jahre 1950. In ihrer Jubiläumsschrift hieß es damals:

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Wasserrutschbahn am Bollerhammer war die Attraktion

Der große Obergraben an der Morsbachtalstraße in der Gerstau - seit Jahren zugeschüttet und inzwischen ein Gewerbegebiet. Sammlung: Paul Bulangvon Günther Schmidt

Der alte Pferdeteich in der Gerstau entlang der Morsbachtalstraße ist völlig verschwunden. Er war der Obergraben für die Gerstauer Mühle und die Gerstauer Hämmer. Da er so nah an der Morsbachtalstraße lag, wurden hier immer die Pferde getränkt. Gegenüber ist aber noch die Haltestelle mit Wartehäuschen der Ronsdorf-Müngstener-Eisen­bahn, Station Gerstau, zu erkennen. Frau Flüs, die noch am Bollenhammer wohnt, wusste als Zeitzeugin noch aller­hand zu erzählen: "1948 sind wir erst hier runter gezogen. Da war der Teich bereits zugeschüttet. Ich weiß aber noch, wie ich tagelang am Teich gesessen habe und von den Lkw-Fahrern, die dort abkippen wollten, die Gebühren kassierte. Denn ein gewisser Herr Lohmann als neuer Besitzer der Parzelle konnte nicht schwimmen, und deshalb war es ihm egal, ob der Teich zugeschüttet wurde oder nicht. Der erste Hammer wurde umgebaut zum Wohnhaus; der zweite Hammer stand nicht mehr.“

Unfall in der Gerstau: Eine Straßenbahn ist im Obergraben gelandet. Foto :Archiv Stadtwerke

1867 wird das Hammerwerk am großen Bach von Johann Peter Ibach mit 12 bis 15 PS erwähnt. In einer Katasterzeichnung, die sich im Besitz von Frau Flüs befindet, ist 1880 als Inhaber Carl August Picard genannt, der eine Lokomobile einbauen will. Es ist der gleiche Carl August Picard, der später in der Hasteraue seine große Firma aufbaute. Um 1900 wurde der Hammer in einen Schleifkotten umgebaut und später zum Wohnhaus umfunktioniert.

1824 wird zum ersten Mal der zweite Hammer, der "Bullerhammer", namentlich genannt. Die Schreib- und Sprachversion verändert sich um 1820 („Bullenhammer“),um 1829 als Bollerhammer seinen letzten Namen zu bekommen. Der kleinere Hammer stand bis 1925 und diente noch als Knochenmühle für die Gebrüder Müller in der Gerstau. In der Steuerliste 1895/98 erscheint Ferdinand Flüs als Fabrikant und Wirt, 1908 Heinrich Kronenberg als Restaurateur und Eigentümer, dann wieder 1915 Ferdi­nand Flüs zu Remscheid.

Gondelteich am Bollerhammer. Links die mit Segeltuch überspannte Schiffsrutschbahn, rechts der hölzerne 'Sichtschutz' gegen den Konkurrenten. Foto: Erich KahlDer Bollerhammer gewann seine Berühmtheit aber erst durch die Schiffsbahn und die anschließende Achterbahn, die von der Kratzberger Straße oberhalb des Teiches kommend eine einzigartige Attraktion darstellte. Siegfried Horstmann hat in seinem Buch "Von Bergischen Menschen und den Stätten ihrer Arbeit" sehr authen­isch geschrieben, was damals ablief. Damals, um 1900. hatte der Hammerschmied Ferdinand Flüs gerade den Bollerhammer gepachtet mitsamt Teichflächen und Umland. Er sinnierte schon lange, wie er schneller Geld verdienen könnte, als es mit dem Hammer möglich war. Auf der Industrie- und Gewerbeschau 1902 in Düsseldorf war dann die Idee geboren, denn es befand sich dort eine Wasserrutschbahn. Ein großes Schiff für 42 Personen, Drahtseile und Gerüste waren die Grundlage für das Vorhaben am Hammerteich. Die Voraussetzungen waren gut, denn der Waldhang unterhalb der Kratzberger Straße hatte die richtige Neigung, der Hammerteich war auch schon da, und nach dem Kauf mit 18 000 Goldmark (zu damaliger Zeit zwei Einfamilienhäuser!) konnte das Unternehmen starten. Eine Schneise gerodet, ein Motor mit Drahtwinde (Strom kam vom Wasserrad am Hammer), ein paar Treppen, ein Kassenhäuschen und die Schienenverlegung: Fertig war die bis dahin größte Attraktion im Bergischen Land. Es folgte die behördliche Abnahme, die Freigabe, und mit einem großen Fest startete die Bahn zum ersten Fahrvergnügen. Das Gartenrestaurant Flüs mit den angeblichen 2.000 Plätzen drinnen und draußen war an diesem Tag dank des herrlichen Wetters proppenvoll. Als der Schüttjunge das Wasser über das Wasserrad des Bollerhammers laufen ließ, regte sich die Elektrik. Das Seil spannte sich und zog das Schiff den Hang hinauf. Großes Gedränge war am Kassenhäuschen, denn jeder wollte der erste sein ...

Dann löste sich die Kupplung, und 42 Touristen sausten den Abhang herunter. Das Schiff wurde immer schneller, bis es mit einer Riesenfontaine ins Wasser fuhr. Was nun kam, hatten weder Flüs noch die Terrassengäste erwartet, denn die Gischt verwandelte alle Schreckens-schreie in dumpfes Gurgeln. Es dauerte eine gewisse Zeit, bis die Jungfernfahrer und -fahrerinnen sich artikulieren konnten, denn es hatte keiner mehr etwas Trockenes am Körper. Die Beobachter des Szenarios hielten sich vor Lachen die Bäuche und kniffen verstärkt die Beine zusammen. Die Schlange der Kassensteher löste sich umgehend auf, als wenn nie jemand die Absicht gehabt hätte, einmal abzufahren.

Ferdinand Flüs reagierte schnell und baute einen großen Gartenschirm auf das Schiff, um das meiste abzuhalten. Er kam aber nicht umhin, das ganze Schiff mit Segeltuch einzupacken, um trockene Fahrgäste zu gewährleisten. Danach ging es viele Jahre blind den Hang herunter. Die Wasserrutschbahn wurde ein voller Erfolg und rechnete sich. Das Gartenrestaurant war an Wochenenden immer voll, nur hatte das Ganze einen Haken: Neider. Die Gastwirtschaft Schlieper direkt gegenüber auf der Cronenberger Seite wollte auch partizipieren an der Attraktion. Nach langen Überlegungen brachte der Wirt ein großes Schild an auf dem er "den besten Blick auf die Wasserrutschbahn" anpries, und setzte gleich­zeitig Gartenstühle und Tische vor seine Restauration.

Nach der Wasserrutsche  kam die Rodelbahn. Foto: Rudi ReneltDoch Flüs wollte keinen Kunden abgeben. Er stellte fest, dass sein Kontrahent die Stühle und Tische auf Flüs'schem Grund und Boden aufgebaut hatte und ließ sie sofort entfernen. Doch nun entbrannte ein Kleinkrieg, denn Schlieper bestellte Zimmerleute und ließ eine geräumige Veranda an seiner Gaststätte anbauen. Flüs wusste sich kurzerhand zu wehren und baute auf seinem Gelände am Schlieper'schen Ufer einen riesigen Bretterzaun (siehe vorige Postkarte) auf, um die Einsicht zu verwehren. Somit waren das Schild und die Aussicht für Schlieper bedeutungslos geworden.

Zehn Jahre war das Schiff die Attraktion im Tal, dann wurde es ruhiger. Flüs verpachtete, und sein Nachfolger machte sich Gedanken, wie er neues Leben ins Tal bringen kann. Sein Sohn brachte ihn auf den Gedanken, eine Rodelbahn am Berg zu bauen. Er kramte alle Ersparnisse zusammen, bestellte Zimmerleute und ließ eine abenteuerliche Rodelbahn bauen. Die Rodelfreude dauerte leider nur 14 Tage, denn die Polizei erklärte die Anlage für lebensgefährlich und ließ sie schließen. Der Nachfolger von Flüs war somit pleite und zog vom Clemenshammer weg. (Aus: Hämmer- und Kottenforschung in Remscheid – von Gerstau bis Haddenbach –, herausgegeben von Günther Schmidt.. Mit Textkürzungen)

Do song och molls en Naitegall em Bosche en den Strüüken

 

Die Moaschbeck

Et liét en Höffken an derr Beek
dat kann ech nit vergeten.
Wo ech ming Jugend hann verlewt,
oft an derr Beek geseeten;
do woaren vir binie´n
on hi´elen all opi´en.
Et liét en Höffken an der Beek,
dat kann ech nit vergeten.

Denn en demm Höffken wonnden ech
met miener guoden Muoder.
Ha nee,wat woar ech ömmer flöck,
wenn ech geng noam Uoler.
Ech schli´ep die ganze Nait
On hann an nix gedait.
Et liét en Höffken an der Beek,
dat kann ech nit vergeten.

Wenn ech an dat Schmettschen denk,
wo ech mien Bruod verdennden,
ech derekt ming Uogen senk
on denk an all die Li´eder,
die ech do emmer song,
wenn ech am Ammelt stong.
Et liét en Höffken an der Beek,
dat kann ech nit vergeten.

Wenn nu der Fasselowend kom,
dann woar märr emmer heiter.
Märr deär sech aan dat äulste Krom
On en papier´n Gese´ite.

Die Blagen schrouen dann:
"Nu kiekend es,wat´n Mann!".
Et liét en Höffken an der Beek,
dat kann ech nit vergeten.

Do en demm Höffken wuod geschmett
die Schöppen en demm Schmettschen
en denn Hemern wuod gebredd -
doch jetzt bloß noch en bettschen.
Wat di´et mir dat su wi´eh,
märr hüöt fast gar nix mi´eh.
Et liét en Höffken an der Beek,
dat kann ech nit vergeten.

Datt Höffken li´et su nett em Daal,
su friedlech on su heiter;
Wenn ech et senn van wiedem aan, wüöd trübe
mien Gese´ite.
Ming Fröng, die fall´n mir wiér enn,
die ech nit mi´eh kann senn.
Et liét en Höffken an der Beek,
dat kann ech nit vergeten.

Do song och molls en Naitegall
em Bosche en den Strüüken.
Märr leit sech dann oft an denn Damm
On huot die Naitegall tüten.
Tiu, tiu, tiu.
Nu segg es,wat macks du.
Tiu, tiu, tiu, tiu,
tiu, zig, piep, tiu.

(Aus „Die Morsbach, Hämmer- und Kottenforschung in Remscheid“ von Günther Schmidt, einem 1999 erschienenen Bildband zum 630-jährigen Bestehen einer der ältesten Remscheider Hofschaften. Mit freundlicher Genehmigung des Autors.)

"Peter zu den Hasten" betrieb die Mühle als erster

Gerstauer Mühle links (Sammlung Rudolf Renelt)

Von Günther Schmidt

Es geht zwar ein Wanderweg am Wuppertaler Hang vorbei Richtung Gerstau, aber auf diesem hat man keine Chance, die Hasterauer Hämmer und Kottenstandorte zu betrachten. Also bewegen wir uns vom Bergerskotten die letzten 200 Meter bis zur Gerstauer Mühle an der Morsbachtalstraße entlang. An der Kreuzung angekommen sind es dann nur noch ein paar Schritte nach links und schon ist der Blick frei zur ehemaligen Gerstauer Mühle. Die äußere Erscheinung des Hauses ist noch vollkommen erhalten und mit etwas Fantasie und zugehörigen historischen Bildern kann man schnell erkennen, dass hier in früheren Jahren ein Müller hart gearbeitet hat. Gerstau ist schon seit dem 15. Jahrhundert bekannt, denn gegen Ende des 15. Jhdt. hatte man auf dem rechten Morsbachufer durch Erbteilung ein Stück des Hofes Kuchhausen (Kirchspiel Cronenberg) abgesplissen und bebaut. Im 16. Jahrhundert befand sich hier die Wohnung und die Werkstatt eines Messermachermeisters, und im 17. Jahrhundert gehörte ein Wasserhammer dazu.

Der auf dem linken Ufer des Morsbachs gelegene Teil der Gerstau gehörte ursprünglich zum Hof Hasten, dem "Obersten Hasten". 1554 ist die erste Erwähnung der Gerstauer Mühle, die zu diesem Zeitpunkt von "Peter zu den Hasten" betrieben wird. Wahrscheinlich wohnt in der Mühle ein Mahlknecht. Dass die Mühle voraussichtlich wesentlich älter ist, sagt uns eine Rechnung von 1425, in der ein Mühlenbesitzer Peter Hasten erwähnt wird. 1507 wird die Aue auch erstmalig amtlich erwähnt, denn um diese Zeit zerfiel die Aue in einen Cronenberger und einen Remscheider Teil. Im Hofverzeichnis von 1369 wird der Ortsteil Aue oder Gerstau noch nicht genannt. Man geht davon aus, dass der Name Gerstau von einem ehemaligen Gerstenanbaugebiet herrührt. Als Wohnort wird die Gerstau jedenfalls erst 1666 erstmalig erwähnt.

Die Mühle und die späteren Hämmer bekamen das Wasser aus einem gemeinsamen Teich. Der begann etwas unterhalb des Bollenhammerteiches und zog sich als immer breiter werdender Obergraben unter der Straße nach Cronenberg hindurch bis zu den Hämmern hin. Überliefert ist in diesem Zusammenhang der Name "Pferdeteich", weil dort wohl die durchziehenden Liefergespanne getränkt wurden. Diese Mühle gilt als die wohl älteste "freie Mühle" im Remscheider Raum; frei deshalb, weil die meisten Mühlen als Zwangsmühlen einer Herrschaft geführt wurden und die Bauern nur dort mahlen lassen durften. Peter Hasten lieferte in den Jahren 1428 bis 1430 einem Kölner Pferdehändler "van Nuyß" Hafer und Stroh; so belegen es einige alte Rechnungen. Somit muss man davon ausgehen, dass der Ursprung der Mühle sicherlich um 1400 oder noch davor liegt. Die Mühle war zuletzt mit einem oberschlächtigen Wasserad und zwei Mahlgängen versehen und hatte besondere Wasserrechte, die wahrscheinlich auf das uralte Privileg zurückzuführen sind. Die Mahlgänge konnten aber nur wechselseitig betrieben werden. (Eine noch ältere Mühle stellt im Eschbachtal die Burger Kameralmühle dar, die als eine Zwangsmühle bereits ab 1100 n. Chr. geführt und nachgewiesen wird.) Die Bauern der Umgebung, selbst die von den Höfen Süd-Cronenbergs, ließen in der Gerstauer Mühle mahlen. Ihr gehörte vertraglich geregelt im Herbst sechs Wochen lang die gesamte Wassernutzung, wobei während dieser Zeit die Hämmer still lagen.

Gerstauer Mühle links als Fachwerkbau (Postkartenbörse)1554 gehörte die Mühle einem Peter zu den Hasten. Ein Jahr später ist Gerhard vom Hasten als neuer Besitzer benannt und zahlt eine jährliche Abgabe von einem Malter Roggen. 1618 wird als Pächter der Hans Müller zu den Hasten erwähnt. Als neuer Besitzer ist Hermann in den Hasten genannt, der 1623 angeblich auch den 1.Wasserhammer am Teich besitzt. Bis 1675 wechselt der Inhaber erneut, denn Jacob Pieper hat die Mühle an Clemens Böcker vom Büchen verpachtet. 1692 berichtet der Burger Kellner Francken von einer Mahlmühle zu Gerstauen. Die Erben Pieper (Pfeiffer) erscheinen 1703 in einer Elberfelder Aufzeichnung, wobei immer noch als Pächter der Clemens Böcker aufgeführt ist. Nach einer Erbteilung werden 1704 Friedrich und Johann Pfeiffer sowie Peter Halbach und Frau Elisabeth geb. Pfeiffer zu gleichen Teilen genannt. Pächter ist Böcker.

Im Jahre 1711 verkaufen die Erben Pfeiffer die Mühle an Johann Schlieper in der Mebusmühle, wobei der Pächter immer noch Clemens Böcker ist. Ein sehr schneller Entschluss, oder nur Gewinnstreben bewegte den Johann Schlieper, bereits ein Jahr später die Mühle an Clemens Böcker zu verkaufen. Anton Böcker als Sohn wird 1740 als neuer Besitzer genannt. (…) 1764 erscheinen als Erben von Anton Böcker die minderjährigen Kinder. 1790 sind es die Erben des Engelbert Böcker. 1802 wird die Mühle von den Erben Engelbert Böcker an die Eheleute Wilhelm Benninghoven und A. Christa Krämers für 5050 Reichsthaler verkauft. 1810 ist sie in Alleinbesitz von Anton Benninghoff. Im Remscheider Mühlenkataster von 1829 wird die Mühle mit einem oberschlächtigem Wasserrad und zwei Mahlgängen erwähnt, die nur wechselseitig in Betrieb genommen werden können. 1853 wird ergänzend berichtet, dass dieser "Oberschläger" neun Fuß Gefälle hat. Die Getreidemühle des Wilhelm Benninghoven zu Gerstau mit 12 - 15 PS ist im Elberfel­der Lagerbuch 1867 verzeichnet.

1874 ist als neuer Besitzer ein Fritz Benninghoven eingetragen. Durch Heirat mit einer Benninghoven-Tochter kommt die Mühle in den Besitz von Justizrat Krey, dann durch Erbgang an Frl. A.Schlinkert, die sie um 1930 veräußerte. 1936 wurde die Mühle an eine Familie Brenning mittels eines Lotteriegewinnes abgegeben. Im heutigen Zustand präsentiert sich das alte Mühlengebäude als Wohnhaus. Der Teich ist zugeschüttet und wird als Wiese genutzt. Das Fachwerkgebäude ist mit Schiefer verkleidet und in einem recht guten Zustand. Der Name Benninghoven spiegelte sich noch bis in das Jahr 2000 am Ort wieder, denn die Wirtschaft an der Haltestelle wurde bis dahin von Frau Kofferschläger geb. Benninghoven geführt. (Aus: Hämmer- und Kottenforschung in Remscheid – von Gerstau bis Haddenbach –, herausgegeben von Günther Schmidt)

Zu Lenneps schrägen Typen gehörte auch das Bübchen

von Dr. Wilhelm R. Schmidt

Liebe Lennepfreunde,
die Lenneper Geschichte kennt neben mittelalterlichen Sagen auch zahlreiche Erzählchen von markanten Originalen oder schrägen Typen. Die Palette reicht von tragikomischen Schnapstrinkern, geschäftstüchtigen Fettsäcken und trickreichen Geldfälschern bis zu eigenartigen Söhnen aus gutem Hause und populären Ärzten: : der Apel-Apo, der Kutz-Jakob, der Ratten-Daniel, der Schnidder Halsöverkopp, der Mehl-Johann, Vatter Busatis, Bennad (Bernhard) Funnemann, Max und Moritz, Verleger Peter Hackenberg, die Mattkadetten (Marktkadetten), Wirt Käp Sackermann, Wirt Pe Zipp, der Spey-Ambros Strohn, der dicke Evertsbusch, der alte schöne Jüngling Strohn, der Polizeikommissar Frohnert, der Wirt Hermann (Plack) Windgassen, der Wirt Pimm Ruwiedel, der Geld fälschende Brezelbäcker, Kreiswundarzt Dr. Himmelreich, der ordentliche Fabrikant Grüderich, der Apen-Matthei, die "schönen" Leute aus der Splittergass, der Lehrer Knipp-Tacke, der alte Tacke von der Droatmühl, Dat Schlüffken, das Schneiderlein aus der Kronenstraße, die Fusel-Freunde, Adolf Hasselkus, der Finken-Johann, Oma Rös, der Schmettenknösel und die Räuberbraut, Heino der Drömer (Träumer) und der Musikvirtuose Rodenbusch vom Stahlfeld.

Zu den "Lenneper Originalen" zählt auch ein vor mehr als einem Jahrhundert in Lennep sehr bekannten Mann, man nannte ihn den „Bubi“ oder das „Bübchen“. Ihm hätte man es in seiner Jugend sicherlich nicht zugetraut, dass er sich in seinen reiferen Jahren zu einem stadtbekannten Unikum entwickeln würde. Er verpflichtete sich nach der Musterung im "Kölner Hof" für den Wehrdienst, für zwölf Jahre „bei den Preußen“ zu bleiben.

Als sog. „Zwölfender“ kam er danach Lennep stramm, kerzengerade und mit einem langen Schnurrbart versehen zurück. Weit hatte er es bei den Soldaten in den zwölf Jahren jedoch nicht gebracht, und so trat er in seiner Heimatsstadt nicht –wie damals üblich- eine kleine Beamtenstelle an, sondern er begann in Lennep mit der ihm zustehenden Abfindung ein Leben im Müßiggang. Das Abfindungsgeld hielt es dabei in seiner Tasche allerdings nicht lange aus. Durch den übergroßen Durst des „Bübchens“ wurde es vielmehr meist schnell in hochprozentige Flüssigkeiten wie den "Braselmanns" aus Beyenburg oder den "Fengersch" von der Kölner Straße umgesetzt. So hatte sich die Polizei mit ihm öfters zu befassen, und er übernachtete zur Ausnüchterung hin und wieder in den Zellen des Kreis- oder Ortsgefängnisses. Immerhin wurden „ihm zu Ehren“ später mehrere Ansichtskarten produziert, auf denen er als Lenneper Original abgebildet ist. Auf dem Bild oben ist  der "Bubi" als zweiter von links mit einer großen Schnapsflasche und einem Glas in der Hand über der Lenneper Altstadt. Sozusagen darüber erhoben und beflügelt sitzt er dort in einer Mondsichel und ist vielleicht von dort schon auf der Reise in die Ewigkeit.

Ob die Lenneper ihn aber ewig in ihrem Gedächtnis haben werden, das ist eher ungewiss. Bei meinen Stadtführungen zum Thema "Lenneper Originale" traf ich durchaus selten auf Zeitgenossen, die sich noch an ihn erinnern konnten.