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Die Todesursache ist, dass er gestorben ist

Auszüge aus dem bergischen Krimi " Dunkle Geheimnisse " von Petra Pallandt mit freundlicher Genehmigung des Bergischen Verlages, Remscheid. 440 Seiten, kartoniert, ISBN 978-3-945763-98-8, 15 Euro.
Alte Naziseilschaften und aktuelle gesellschaftliche Strömungen beobachtet die Autorin mit professionell--psychologisch geschultem Auge und verwebt den Stoff auf spannende Art und Weise zu einem neuen Kriminalfall mit gleich mehreren Mordopfern.

„Ich kann nichts Ungewöhnliches entdecken“, sagte Bellers. „Er sieht für mich aus, als hätte sein Herz einfach aufgehört zu schlagen.“ „Natürlich hat es aufgehört zu schlagen, sonst wäre er ja nicht tot“, entgegnete die Frau. „Deswegen hat Dr. Quacksalber ja auch ,Herzversagen‘ auf den Totenschein schreiben wollen. Was in etwa so viel aussagt, wie wenn er geschrieben hätte, die Ursache für Herrn Hombachs Tod sei, dass er gestorben ist.“ „Aber ist das nicht manchmal so? Dass ein altes Herz einfach aufhört zu schlagen, ohne dass irgendwelche besonderen Krankheiten oder sonstige Umstände dazu beitragen?“

„Das gibt es, keine Frage, und das ist ein sehr schöner Tod. Nur bin ich mir sicher, dass das bei Herrn Hombach nicht so war. Und kommen Sie mir nicht mit irgendeinem unentdeckten Herzfehler. Herr Hombach ist der wahrscheinlich am besten untersuchte Mensch der Welt, weil seine Tochter mit einer wahren Affenliebe an ihm hängt und ihn ständig zu Ärzten schleppt.“ „Also? Was glauben Sie?“, fragte Sandra. „Ich glaube, es wurde nachgeholfen“, sagte Frau Komorski ohne Zögern. „Ob absichtlich oder unabsichtlich, weiß ich natürlich nicht. Auch nicht, ob er es selbst war oder jemand anderes, aber er ist nicht einfach so gestorben.“ Eine Weile herrschte Schweigen. Dann fragte die Pflegerin: „Was ist? Habe ich Sie schockiert?“

„Das ist schon eine schwerwiegende Behauptung“, antwortete Bellers .„Ich beschuldige ja niemanden direkt. Wie gesagt, könnte es sich auch um irgendein Versehen handeln.“ „Könnte er vielleicht die falschen Medikamente bekommen haben?“, fragte Sandra .„Das ist zu 99,9 Prozent ausgeschlossen. Ich habe ein System entwickelt, mit dem Fehler in der Medikamentengabe nahezu ausgeschlossen sind. “Sie erklärte, dass jede Bewohnerin und jeder Bewohner ein eigenes Fach besaßen, in denen ihre - und nur ihre Medikamente - sowie der Medikamentenplan verwahrt wurden. Wöchentlich wurden dann die Medikamente gestellt und in Boxen, die einzelne Fächer für jeden Wochentag sowie für morgens, mittags, abends und nachts besaßen, gefüllt. Eine zweite Pflegeperson kontrollierte anschließend, ob auch kein Fehler gemacht worden war.

„Und unsere verwirrten Bewohner, wie zum Beispiel Herr Hombach, bekommen ihre Medikamentenbox nicht etwa ins Zimmer gestellt, wo sie dann vielleicht die gesamte Wochenration auf einmal zu sich nehmen, sondern sie erhalten zu jeder Mahlzeit die entsprechenden Tabletten oder Tropfen in einem kleinen Gläschen. Wobei Herr Hombach allerdings außer einem Medikament für die Schilddrüse keinerlei Tabletten bekam.“ „Auch nichts für die Demenz? Oder genauer: gegen die Demenz?“, fragte Bellers. „Nicht mehr. Anfangs schon, aber nachdem die Demenz einmal vollständig entwickelt war, hatte seine Tochter das Gefühl, dass die Medikamente eher schadeten als nützten. Und ich stimme ihr zu. “

Bellers nickte und machte sich im Kopf wahrscheinlich eine Notiz, den Arzt seines Vaters auf dessen Medikamente anzusprechen. „Übrigens wird seine Tochter gleich hier sein. Möchten Sie mit ihr sprechen?“ „Das wäre gut“, stimmte Bellers zu. „Dann lassen Sie ihr doch erstmal einen Moment alleine mit ihrem Vater und kommen Sie, sagen wir, in einer Stunde wieder hierher? So lange können Sie gerne in unsere Cafeteria im Erdgeschoss gehen.“

Auch Hofschaft Hasten soll Info-Tafeln bekommen

Mit "Geschichte unserer Stadt - Remscheid Lennep Lüttringhausen" gelang dem katholische Theologe und ehemalige Gymnasiallehrer Hans-Jürgen Roth 2008 ein fesselndes Buch. Es liegt mittlerweile in der 2. aktualisierte Auflage vor (2017. 356 Seiten, Hardcover, ISBN 978-3-945763-43-8 © Bergischer Verlag), zusammen mit mehreren anderen Neuerscheinungen aus seiner Feder. Die jüngste, erschienen im Januar, ist „Die Hofschaft Hasten in Remscheid – Rund um die Alte Straße mit Geschichten aus alten Zeiten“. Und damit ist nicht der gesamte Stadtteil Hasten gemeint, sondern die enge aneinander stehenden Fachwerkhäusern an der Alte Straße, nicht weit vom Deutschen Werkzeugmuseum entfernt. Hans Jürgen Roth kennt sich in dem historischen Quartier sehr gut aus, schließlich wohnt er dort schon seit vielen Jahren – an der Alte Straße – und wie sollte es anders sein, in einem Fachwerkhaus.

Im Vorwort seines Buches schreibt er über die Alte Straße: „Mit ihren geschichtsträchtig gewachsenen Häusern hat sie einen besonderen Charme für Bewohner und Besucher. Viel Material konnte ich über Jahrzehnte hin sammeln: Viele Dokumente und Fotos, und viele Geschichten erzählen von Zeitzeugen aus ihren Kindertagen. All das ließ mich Hintergründe besser verstehen und hat mich ermutigt, eine Geschichte der Hofschaft zu schreiben. (…) Man geht einfach ganz anders durch einen Ort, wenn man etwas von seinem Werden weiß. (…) Viele Erlebnisse, Eindrücke und Erfahrungen sind zusammengekommen, die mich veranlasst haben, dieses Büchlein über die Hofschaft „Alte Straße" zu schreiben, und ihre bewegende und interessante Geschichte festzuhalten. Schließlich liegt hier die Keimzelle von ganz Hasten.“

Über Roths jüngstes Buch wurde auch W. Jürgen Ackermann, der Vorsitzende des Vereins Hasten für Hasten e.V. auf die alte Hofschaft aufmerksam. Auch dort soll es künftig für Heimatfreunde einen   „historischen Rundgang“ geben Nach dem Beispiel von „Büchel“ und „Platz“, auch dies zwei zum Hasten gehörenden Hofschaften mit zahlreichen historischen Fachwerkhäusern. Initiiert vom Verein Hassten für Hasten e.V. Die „Info-Tafeln“ mit Fotos und Texten stehen vor denkmalgeschützten und historisch besonders interessanten Häusern.  Ein Heimatkunde-Projekt, bei dem Verein eng mit Renate Falkenberg von der Remscheider Denkmalschutzbehörde zusammenarbeitet. Und das soll nun auch beim dritten „historischen Rundgang durch die Hofschaft Hasten geschehen. „Wir befinden uns noch in der Anfangsphase“, bitten W. Jürgen Ackermann um Geduld. Über die Inhalte der voraussichtlich neun bis zehn Tafeln sei zusammen mit Ernst Günter Söhnchen und Hans-Jürgen Roth noch nicht entschieden worden die Gestaltung der Tafeln übernommen hat. Ackermann freut sich, dass auch diesmal wieder die Kölner Mediendesignerin Amelie Felde die Gestaltung der Tafeln übernommen hat.

Heini Becker, der Fahrer vom Lenneper Gaswerk

Erinnerungen an Heini Becker.
von Dr. Wilhelm R. Schmidt

Liebe Lennepfreunde,
zu den Lenneper "Originalen" der vergangenen Jahrzehnte gehörte auch Heini Becker, der in seiner beruflichen Zeit als Fahrer des Lenneper Gaswerks arbeitete. Vielen Lennepern ist gar nicht mehr bewusst, dass es in Lennep überhaupt ein Gaswerk gab, aber die heute wirklich alten Lenneper sehen den großen schwarzen historischen Gasballon mit Sicherheit noch vor sich. Er stand ja an der Mühlenstraße hoch zur Albrecht-Thaer-Straße.

Der Fahrer beim Lenneper Gaswerk (im Foto rechts sehen wir ihn mit seinem Dienstfahrzeug auf seiner letzten Fahrt im Jahre 1974 am Kölner Tor vor der Gaststätte Kölner Hof) hatte gleich mehrere Hobbies, vor allem aber die Musik: Er war in seiner Freizeit Schlagzeuger. Heini Becker war Jahrzehnte lang als Stimmungskanone im Lenneper Vereinswesen präsent, als Schützenbruder nicht nur im Bereich der Schützen und und ihrer Feste, sondern auch beim Karneval. Dabei erfreute er die Lenneper in seiner liebenswürdigen Art, mit Fliege am Schlagzeug und korrektem Auftreten in der Öffentlichkeit.

Das Foto links zeigt ihn in der damaligen Gaststätte Kürten an der Ecke Mühlenstraße und Wallstraße anlässlich eines Krönungsballs der Schützen. Die Gaststätte, die es bereits vor mehr als einhundert Jahren gab, wird heute von vielen älteren Lennepern vermisst. Eine Zeit lang hieß sie "Zum Kaiser-Friedrich-Platz", bevor der genannte Platz zum Jahnplatz wurde. Die Gaststätte gibt es längst nicht mehr, denn die Zeiten, in denen der "anständige Lenneper" nach der Arbeit und vor dem Sonntagsessen seiner Stammkneipe (oder auch mehreren) einen Besuch abstattete, sind ja längst Geschichte geworden. Viele Lenneper können sich aber noch gut an den Wirt "Carl Meier" erinnern, der am Alten Markt seine Wirtschaft "Zum Bergischen Löwen" hatte. Dessen Frau Hildegard steht auf dem Foto in der Bildmitte zusammen mit Heini Becker (links) und einem Schützenbruder vor dem Eingang der Wirtschaft unter dem früheren Kino, in dem wir in unserer Jugend Westernfilme sahen. Der Ruf der Kinobesitzers und Filmvorführers "Ruhe auf den billigen Plätzen" – also dem "Rasiersitz" in den ersten drei Reihen direkt vor der Leinwand – war damals oft sehr berechtigt. Auch noch in den 1960er Jahren!

In Berlin logierten die Remscheider "em Grüönen Buom"

von Gustav Hermann Halbach

Der Greefe Kaal om Hasten woar kneddereg on knöttereg: alt lang flauden et bi emm metter Arbet. Märr bröckelscherswies kri'eg he Opdreeg eren. Van denn gruoteo Kuopmannshüsern op Eäkesen, Vi'ekesen, Feil on em Dorpe huote faß gar nix mi'eh. Maut der Döüwel wi'eten, wodranen dat log. Peädskaaren voll Segen kuone söß dohenn li'ewern. De Konden van denn en Argentinejen, Brasilejen, Mexeko, Nordammereka, Afreka, Indejen on China schi'enen gi'en Oleg mi'eh op ehrer Lüöten te hann on töckden deshalf wall mem Bestellen.

Demm Greefe Kaal sing Arbetslütt kroosden on longernden nu denn li'ewen langen Dag en derr Schmetten eröm on verdennden et Sault nit, wat för meddags on owes ennet Tonnengemüös on de gebroden Eäpel erennkom. „Donnerschlag!" flockden derr Greefe Kaal, „su kann dat op de lang Dur nit wiedergohn, do mott gätt geschi'ehn." „Du motts sälwer es op Ri'es trecken," ri'et emm sien Mi'estergesell, der Vuß Gustav. „Dat es'n Rot! Du mags reit hann," mengden derr Greefe Kaal. „Aewwer et Ri'esen well geli'et sinn - de Muul mottme do Schwaden können." „Jo," sait derr Vuß _Gustav, „dat stemmt. Am besten studierschde Dir dat vörrher en."

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Mit dem Bollerwagen auf Straßenbahnschienen

Der Remscheids Markt um 1895 mit Pferdefuhrwerk und neuer Straßenbahn

1893 kam die Straßenbahn nach Remscheid und verband die vielen Remscheider Höfe miteinander. Nicht einmal in den ebenen Nachbarstädten wagte man, das Wunder der elektrischen Bahn zu verwirklichen, als sich in Remscheid, ungeachtet der schier unüberwindlichen Knubben, Männer daran machten, eine Straßenbahn zu bauen. Eine wahrhaft große Tat! Man muss sich im Geiste in das Jahr 1890 zurückversetzen, um die Größe dieses Planes zu begreifen. Sicherlich wurde die Notwendigkeit eines Verkehrsmittels, das die Entfernungen zwischen den Höfen überbrücken könnte, von allen erkannt. Wer aber hätte es gewagt, in Zeiten des Pferdefuhrwerks ein Experiment mit vollkommen neuen, unerprobten elektrischen Bahnen zu starten? Dazu gehörte nicht nur Geld, sondern auch Mut. Ein Remscheider Bürger, Robert Böker, hatte diesen Mut. Vorzug dieser Männer waren ihre Erfahrungen, die sie in allen Teilen der Erde auf ihren Reisen gesammelt hatten. Sie brachten gereifte Erkenntnisse und unumstößliche Entschlüsse mit nach Hause, und die tausendfachen Bedenken der Daheimgebliebenen waren für sie das Summen eines Bienenschwarmes. In den Stadtratssitzungen hat es rumort und gedonnerkielt, bis schließlich doch der weltweite Blick und die ehrfurchtgebietende Erfahrung obsiegten.

Der Remscheider Straßenbahnwagen Nr. 1 im Jahre 1897 mit einem Fanggestell für unachtsame Passanten.Den letzten Zweifel der um ihr sauer verdientes Geld bangenden Mitbürger überwand der großzügige Einsatz des eigenen Geldbeutels der Wagemutigen. So kam denn die Remscheider Straßenbahn dennoch auf den Weg. Zunächst waren es nur zwei Linien, die von Wirtschaft Rudolf Halbach auf dem Scheid bis Bliedinghausen und von Feld über den Markt bis zur „Spreng" und später weiter bis Vieringhausen führten. Die Bilder verraten uns, dass es auch ohne Uniform klappte. Im hellen Anzug, weißem Binder und Strohhut steht der Fahrer von damals auf der offenen Plattform an der Kurbel. In Winterzeiten wird er oft „kaul Knuwen" (kalte Füße) gehabt haben.

Am Samstag, 1. Juli 1893, fand frühmorgens die erste Probefahrt der Remscheider Straßenbahn statt. „Ingenieure und Beamte der Gesellschaft sowie mehrere Interessenten, u. a. Kommerzienrat Böker, bestiegen das mit elektrischen Glühlampen beleuchtete, außerordentlich elegant und bequem eingerichtete Gefährt“, hieß es in der Lokalpresse. Die Fahrt ging von der Freiheitstraße bis zur Schüttendelle. Die zweite Fahrt, in einem anderen Wagen, führte über die Blumenstraße, den Marktplatz und die Elberfelder Straße bis zum Rathaus.  An der Stelle, wo Freiheit-, Blumen- und Honsbergerstraße zusammentreffen, wurde der Wagen durch Steine, die in den Schienen lagen, zum Entgleisen gebracht. Doch es gelang, ihn flott zu machen, ohne dass er irgendeinen Schaden nahm. Wenig Sorgen und Kopfzerbrechen um das technische Wunderwerk machten sich am Tag der Eröffnung die zu derben Späßen aufgelegten Remscheider Witzbolde. Davon erzählt mit unvergleichlichem bergischen Humor Gustav Hermann Halbach in seiner Anekdote auf Remscheider Platt:

Das riesige Eisengestell vor dem Wagen, der „Maulkorb", nahm in den Anfängen noch diejenigen unachtsamen Passanten „auf die „Schuppe“, die sich bis dahin an den Wagen ohne Pferd noch nicht gewöhnen hatten.

„Tu den äulsten en Dütschlangk gebouden elktreschen Strotenbahnen gehüöt de e, Remsched. Vör allem wogden märr et hie te alleri'esch, Wagen ohne Tangkreder sonne pielen Berg erop- on erongerluopen te loten äs et se hie gött. Em Joahr aiti'ehnhon-getdre'ionnüngzeg alt es döse Bahn engewe'iht woaren. Ussem verstorbenen I'ehrenbörger Robät Büöker köffe se en i'eschter Linnege verdanken. Nöüschiereg on gespannt hären de Remscheder op denn Dag gewatt, an demm die Bahn de i'eschte Kiehr fahren suol. Förr dösen Dag hären äwwer derr Siebens Ernst on derr Pi'etersch Hermann, genuomt Rassa, ut derr Bismarckstroten, enn netten Spaß utgeheckt. Enn gruoten Bollerwagen met derr Spurwidden vannen Strotenbahnschienen onnen schwoar Meiere'iklocke hären se opgedri'ewen on an de Hengerreder van demm Wagen enn Paar düchtege hüöltern Bremsklötze aangebrait. Alte Wagenhalle an der Hornberger Straße, erste Unterbringungsmöglichkeit für die Straßenbahnwagen Met dösem Bollerwagen trocken die twei Piffeküsse am Ewe'ihengsdag derr Bahn alt morges früö öm uhroffsässe bis noa derr Kerken am Matte erop, mackden do kehrt on lootsden enn met denn Redern en de Schienenrellen eren.   Dann stault sech der eng, ennen Wagen an de Lenkstang, li'et dat Gefährt langsam bergeraff luopen on beiernden dobie äs kusendoll met derr Schellen; derr anger satt sedi hengen obben Wagen on trock de Bremsklötze aan, dat et märr su buolernden, rappelnden on krietschden.

Van dösem Randalen, Fusen on Kraki'elen wuoden die noch en ehren vi'eti'ehn Eelen van Respels on Gereffeis süöt drüömenden Aanwohner derr Bismarckstrolen allbini'en wackereg. Sie glauten äwwer, derr i'eschte Strotenbahnwagen köm alt aangefahren on sprongen ut ehren Laken, Pölwen, Kössen on Kösti'eken op annet Fenster. Do goof et förr die twei löstegen Fröng dann üöwerall enn netten Aanbleck: Keäls bowenher em Hemden, Fraulütt on aul Wiewer em Naitsjack on met er Naitsmotschen öm de Uohren, jong staatse We'iter äs de Lorelei met opgelüöstem langem göülem on schwattem Hoar, mollegen bläcken Armen on spetzenömrahmden, alabasterwitten on prallen rongen Böäschten on Blagenpörke on -puten en Naitski'edelen. Su gong dat aan vam Zuckerbäcker Melchersch reits on louts vörrbie bim Hesse, Dannenberg, Kremersch Ernst, Duisbergs udder Pöppkes Weilern, Caasmanns Hermann, Rödersch Ernst an derr „Trennen", Kammerecker, Herbener, Hasencli'ewersch Ougust udder Papageno on su wieder bis ongen noa derr Quatschen bim Angermongks Kamesölschen, Leyersch Kaal on Ki'esersch Ernst, demm Kruonenwi'et. Su es aiti'ehnhong.etdre'ionnüngzeg de Eröffneng derr weiltberühmden Remscheder Strotenbahn vörr sech gegangen, on wecker do en aller Herrgottsfrüöh denn Bohei vam Siebens Ernst on Pi'etersch Rassa meterleeft heet, hätt düchteg dorüöwer on üöwer sienen i'egenen Refall gelacht. (nach: „Remscheider Bilderbogen“ von Max Eulenhöfer aus dem Jahre 1950)

"Wir müssen die Leute sofort da rausholen!"

Auszüge aus Bettina Lauers bergischem Krimi „Vergeltung“, 376 Seiten, kartoniert, ISBN 978-3-945763-95-7, 13 Euro, mit freundlicher Genehmigung des Bergischen Verlages, Remscheid, © Bergischer Verlag.
Inhalt: Im beschaulichen Lennep wird bei einer Übung radioaktive Strahlung gemessen und ein Paket mit ebensolchem Inhalt gefunden. Kommissarin Sonja Dicke ermittelt.

Der Tag, an dem die freiwillige Feuerwehr Lennep ihr 125-jähriges Bestehen feierte, war ein schöner sonniger Samstagmorgen. Es war zu kühl für die Jahreszeit, aber die Luft war herrlich frisch. Auf dem eigens dafür freigehaltenen großen Parkplatz vor der Wache standen historische Feuerwehrfahrzeuge vom 19. Jahrhundert bis in die 1970er Jahre neben den heutigen modernen ABC-Fahrzeugen. Zwischen diesen modernen Wagen mit ihren großen Tanks, Spezialwerkzeugen und Drehleitern waren zwei hoch spezialisierte Fahrzeuge zu bestaunen, die ebenfalls zur Feuerwehr gehören, aber nicht zu normalen Einsätzen gerufen werden. Beide, ein Mess- und ein Analysewagen, waren Fahrzeuge der Analytischen Task Force, der ATF, einer Spezialeinheit, die für das Aufspüren von chemischen, biologischen und radioaktiven Stoffen und die Beratung der Einsatzleitung vor Ort zuständig ist.

Die ATF, so erklärte einer der Fachmänner vor Ort seinen Zuhörern, werde zum Beispiel zur Luftanalyse bei einem Großbrand oder zu Einsätzen, bei denen es die Feuerwehr mit unbekannten Stoffen oder vergifteten Personen zu tun habe, gerufen. Ein Messwagen sammle während der Fahrt Daten, zeichne sie auf und werte sie aus. »Ein Einsatzwagen«, so der Feuerwehrmann, »ist ein mobiles Labor, in dem die verschiedensten Gerätschaften zur Probenentnahme und Analyse, Schutzanzüge und Messgeräte aller Art enthalten sind.« Der Analysewagen war für die Besucher entladen worden, und der umfangreiche Inhalt auf dem Platz zu besichtigen.

Am späten Vormittag machte sich die Besatzung des Messwagens auf den Weg in die Lenneper Altstadt. Sie wollte Daten im und um den historischen Stadtkern sammeln, die sie später den interessierten Besuchern des Festes präsentieren würde. Da die Männer nicht damit rechneten, bei der Fahrt durch die Altstadt irgendwelche chemischen oder biologischen Stoffe aufzuspüren, hatten sie sich das Naheliegende zur Messung ausgesucht: radioaktive Strahlung. Die Straßen und Gassen der Lenneper Altstadt waren mit Kopfsteinpflaster bedeckt, das sich mit seiner erhöhten natürlichen radioaktiven Strahlung gut für eine Messung eignen würde. Kai, der Fahrer, und die Besatzungsmitglieder Tobi und Chris im hinteren Wagenteil, freuten sich auf die Fahrt durch Lennep. Alle drei waren jung, begeistert und vom Fach, Feuerwehrleute mit Spezialausbildung für die Arbeit der ATF. Wie die Kollegen des Einsatzwagens liebten sie ihren Job bei der ATF und freuten sich auf jeden Einsatz und die damit verbundenen Herausforderungen. Alle drei waren noch nie in Lennep gewesen. Sie bogen von der Poststraße in die Altstadt ein und fanden sich in einer urigen kleinen Welt aus engen Straßen, aneinander gereihten Fachwerkhäusern, winzigen Läden und Restaurants wieder. Das Messfahrzeug holperte über das Kopfsteinpflaster hinter anderen Fahrzeugen her. Hier war einiges los. Zwei Straßen waren wegen des Wochenmarktes zwar nicht oder nur eingeschränkt befahrbar, in den übrigen Straßen und Gassen war dafür um so mehr Betrieb. Offenbar kannte man sich hier, auffällig viele Menschen standen zusammen und unterhielten sich.

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Einstige Kronenstraße: rechts katholisch, links evangelisch

Die Kronenstraße am Remscheider Markt um 1900. Später nannte man sie Johanniterstraße. Das höhere Haus im Hintergrund wurde um 1890 erbaut: Der „große, vor­nehme Spiegelsaal" im „Salamander" ist alten Remscheidern noch in Erinnerung. (Foto links). Foto rechts: Die   bekannte Gaststätte   von  Philipp Arntz,   genannt „Arntz Libbes", an der Kronenstraße, ebenfalls um 1900.

Joseph Brüssermann und Adolf Schulte - Feinkostgeschäfte für jede Konfession! Nie­mand hätte bessere Eingangspforten für diese lebendige Straße finden können. In der Kronenstraße hatten sich alle Bauweisen ein Denkmal gesetzt, und trotzig behauptet selbst der kleinste beschieferte Geselle mit nur drei Fensteraugen zur Straße und einer altbergischen Tür seinen Platz an der Sonne neben dem großen, vieläugigen Bruder. Kronenstraße! Ein- und Ausfalltor zum alten Markt! Deine besten, gemütvollsten Er­innerungen hast du unter Trümmern begraben. Später dann Johanniterstraße. Wandlungen der Namengebung! Es ist verständlich, dass man den ehemaligen Herren und Schutzpatronen der alten Kirche ein ehrenvolles Andenken sichern wollte.

Gute Quellen können versiegen, doch die Erinnerungen an sie bleiben wach. Ob Kronen- ­oder Johanniterstraße, zu ihnen gehörte damals Philipp Arntz, sagen wir besser „Arntz Libbes". Die Parade seiner Fenster lud unumgänglich zu köst­lichem Mittags- und Abendtrunk und ausgedehntem Skat ein. Wohl mancher konnte den „Dreh" nicht finden (das liegt wohl in dem Charakter der „Umgehungsstraße"). „Arntz Libbes" wird unvergesslich in der Erinnerung gemütlicher Männerrunden fortleben. Betrübte und ärgerliche Hausfrauen, heute hochbetagt, werden längst ihren Groll gegen „Libbes" und seine Dauergäste begraben haben.

Da lobt der Abstinenzler das Gegenteil und Gegenüber, „Hansa-Cafe" Ernst Kierdorf, Gaststätte für alkoholfreie Getränke. Hier ging es zweifellos ruhiger zu, ob aber auch fröhlicher? Im Bilde ist „Hansa" kaum zu sehen. Dagegen stellt sich breit und behäbig das ge­pflegte Bürgerhaus von Ernst Gottlieb Hasenclever, Stahlgroßhandlung, in den Vorder­grund. Querstehend im Hintergrund die einstige Wirtschaft von Aßmann, zuletzt Graveur Hermann Gastav Rasch.

Die Spaziergänger des jungen 20. Jahrhunderts kommen im Sonntagsstaat jedem Remscheider Wetter entgegen. Neben dem Vater mit „stiewem Huot" stolziert der Knirps mit Marinejacke, Strohhut und Regenschirm, und es ist kein Bürgersteig so schmal, als dass man nicht zu dreien in kleiner Gesellschaft unter großen, blumenüberladenen Sommerhüten ein Schwätzchen halten könnte. (nach: „Remscheider Bilderbogen“ von Max Eulenhöfer aus dem Jahre 1950)

Nahversorgung mit Dreirad und Liewermängken

Mit dem 'Liewermängken' im Hof Morsbach. Sammlung Reifenrath im Historischen Zentrum Remscheid

Die Hofschaft Morsbach wäre keine Hofschaft gewesen, wenn es nicht auch Lebensmittelläden gegeben hätte. Da war zum einen die Milli Diederichs, die mitten im Hof einen Laden hatte, wo man das Wichtigste (auch Schulsachen) erwerben konnte. Lina Wesel in Höhe der Löher Siedlung auf der Morsbacher Straße hatte den zweiten Laden, wo man fast alles Lebensnotwendige kaufen konnte. Ihr kam zugute, dass die Schulkinder der Morsbacher Schule gerne naschten... Als dritter im Bunde ist Gustav Mähler mit seinem Laden zu nennen, der über den Milchverkauf immer größer wurde. Gustav Mähler hatte eine für damalige Zeiten mittelgroße Landwirtschaft. Gerne erinnere ich mich, wie ich mich als Kind im Heu der Scheune tummelte, beim Heueinfahren half, beim Schlachten zusah und hier und da aus dem Wurstkessel naschen durfte.

Mählers Lieferwagen: Ein Dreirad, Marke Tempo Repro von Fritz MählerEs sind auch berühmte Männer aus der Morsbach hervorgegangen: Da ist zum einen der Maler Johann Peter Hasenclever zu nennen, der (den Morsbachern eher als Kloebbe-Haus bekannt) in der Morsbach seine Jugend bis zum 16. Lebensjahr verbrachte, dann in Düsseldorf seine Ausbildung zum Maler begann und später über München, Tirol, Schweiz und Italien seine Karriere vertiefte. Das Historische Zentrum der Stadt Remscheid ist im Besitz von 45 Zeichnungen und Gemälden des Malers. Leider ist Johann Peter Hasenclever mit seinen 43 Jahren viel zu früh gestorben.

Elternhaus des Malers Johann Peter Hasenclever. Sein Vater war Bohrschmied in einem der Morsbacher Hämmer. Foto : im Hist. Zentrum RemscheidEin weiterer berühmter Zeitgenosse war der Mundartdichter und -sänger Caspar Wittkop, der ab dem 12. Lebensjahr im Hof aufgewachsen ist. Mit 14 war er beim Sägenschmied Ferdinand Melchers tätig und lernte das Handwerk des Sägenschmiedes. Zu Fuß wurden damals die fertigen Sägen auf den Stadtkegel zum Kaufmann getragen. Auf diesen Wegen entstand so mancher Reim. Caspar Wittkop liebte die Musik und schloss sich schon früh dem Gesangverein an, der in der Alten Wendung hatte in der Wirtschaft König (Restaurant Waldesheim) sein Domizil hatte. 1910 gründete er den Plattdeutschen Gesangverein "Guot Fröng".  In die Geschichte ging er als Texter und Komponist der "Beeklieder" ein. Hier eines davon:

Die Moaschbecker Jongen van 1880

Die Hohr kot geschoren, die Piepe em Mong Su geng mols för Johren der Moaschbecker Jong, he kangt kienen Kragen, kein Schlips, kienen Huet, en hur Sieden Kappe, die stong em mols guot. En iener Hangk en Schmickelschen, su geng he emmer uht. He geng der Beek herob, on saut die Weiter ob bis owen hur nom Subereg, doch emmer kreuzfidel, bim Tesche Kahl, do kien he en, do liet he sech terdehl. He dronk sech en Kloren, on stock dann es ahn, drob geng he nom Weiten,wohen wor egal. He het die am liefsten, die net kugelrongk, en Fürken em Kenschen, on söß kehngesongkt. He geng dann met dem Schmickelschen, su net der Düren heren on sat sech op die Bank, äs wör he guot bekangt. Dann kom die Frau, on och dat Weit, sie froden hen on her, dat frogen dat huot gar nit op, sie froden krütz die kwer. Wer kalden vam Katen, vam Fusel, vam Bett, van decken Kolraben, van Ferken, vam Speck, van Küehen, van Hippen, van Aeppeln, die müer, mer plenk dann dat Weit an, on wies op die Düer. Mer geng dann met dem Schmickelschen, on seit der Frau geneit, dat Weit et kom herut, su wie et wor Gebruk, die Aul kick dann su af on ahn noch alt es durch dat Retz, mer gof sech dan en fetten Kuß, dann sait et , geneit Fretz. ((Aus „Die Morsbach, Hämmer- und Kottenforschung in Remscheid“ von Günther Schmidt, einem 1999 erschienenen Bildband zum 630-jährigen Bestehen einer der ältesten Remscheider Hofschaften.)

Beim Schanzenrekord 1959 war das Fernsehen mit dabei

Paul Mehling bei seinem Schanzenrekord  im Gelpetal 1959Wo sich der Gelpebach mit dem Saalbach vereinigt, war im Gelpetal ein Skigebiet für Alpin- und Langläufer. Selbst eine Skischanze war vorhanden. Die „Cronenberger Skischanze“ war die einzige in einer deutschen Großstadt. 1929 war die historische Gründung des "Ski Club Cronenberg"; er setzte sich aus 22 Mitgliedern zusammen. Es war ein elitärer Kreis, denn wer hatte  damals schon Ski oder konnte sie sich leisten? Nach erheblichen Schwierigkeiten bei der Grundstückssuche für den Bau einer Skischanze war es der Hammerschmied Ernst Jöker, der hinter seinem 1904 erbauten Restaurant „Zillertal“ mit Kahnteich den Hang zur Verfügung stellte. Somit war der Weg zum Bau der Schanze frei. Am 28. Februar 1933, also vor fast 76 Jahren, wurde sie mit einem Schauspringen eröffnet. Knapp ein halbes Jahr war in 4.000 Arbeitsstunden an der Schanze gearbeitet worden. Sie ließ Sprünge um 22 Meter zu und war die Attraktion im Gelpetal. 1959 war auch das Fernsehen dabei, als Paul Mehling ein neuer Schanzenrekord von 33 Metern gelang. Er wird ewig Bestand haben, da die Schanze nicht mehr existiert. (Aus: Hämmer- und Kottenforschung in Remscheid – von Gerstau bis Haddenbach –, herausgegeben von Günther Schmidt, Druck und Vertrieb Paul Hartgen GmbH + Co. KG, Lennep. Mit Textkürzungen)

Vor 60 Jahren: Dieter Borsche in Lennep festgenommen

Margot Trooger, Dieter Borsche und Horst Tappert waren die Hauptdarsteller im Fernsehklassiker "Das Halstuch>" aus dem Jahre 1961, der in Lennep gedreht wurde.von Dr. Wilhelm R. Schmidt

Vor zehn Jahren kam ein Kamerateam des WDR nach Lennep, um einen kurzen Film zur Erinnerung an den Fernsehkrimi „Das Halstuch“ zu drehen, der vor 60 Jahren in Lennep entstanden ist. Dabei wurden Lenneper Bürger interviewt, die bei den damaligen Dreharbeiten mit dabei waren.

Die ehemalige Kreisstadt Lennep ist  - trotz der Sanierungen in den vergangenen 50 Jahren – noch immer schön und wird auch als Rothenburg des Bergischen Landes bezeichnet. Warum sollte man hier also nicht einen Film drehen? Im Juni 1961 rückte der WDR an, und Regisseur Hans Quest kam an verschiedenen Drehorten in Lennep zur Sache. Allerdings war Lennep nicht wegen seiner Schönheit ausgesucht worden, sondern weil Außenaufnahmen in England zu teuer gewesen wären. Deshalb suchte man im Bergischen nach einem passenden Drehort, der kleinstädtisch und beschaulich wirken sollte. Und wurde in Lennep fündig, im Film das kleine Örtchen Littleshore in der Nähe Londons. Die baulichen Schönheiten des alten Lennep waren gar nicht gefragt.

englische Ladenschildef am Alten Maekt; nur das Enblem der Fa. Schürmann (an der Tür hinter dem Pkw) durfte bleiben.Im Mittelpunkt des Films, der heute als Fernsehklassiker gilt, stand Inspektor Yates (Heinz Drache). Er hatte sich im Film mit einer Reihe von Morden zu befassen, die mit einem Halstuch verübt worden waren. Eine schwierige Aufgabe, aus dem Kreis mehrerer hochgradig Verdächtiger den Mörder herauszufinden und zu überführen. Verfilmt wurde der 1960 von dem englischen Autor Francis Durbridge verfassten Roman Das Halstuch (engl. the scarf). Im Juni 1961 gedreht, wurde der Sechsteiler (jeweils zwischen 35 und 40 Minuten lang) dann im Januar 1962 ausgestrahlt. Die Folgen 1 bis 5 endeten jeweils mit einer spannenden oder überraschenden Szene, einem sog. Cliffhanger, an die sich viele Zuschauer auch heute noch erinnern können. So entdeckt am Ende der ersten Folge ein Musikschüler in seinem Geigenkasten das Halstuch, mit dem das erste Opfer ermordet wurde.

Der Alter Markt in Lennep um 1930.Bei der Ausstrahlung des Films entstand übrigens der heute geläufige Ausdruck „Straßenfeger“ angesichts der wie leer gefegt wirkenden Straßen während der Sendetermine. Theater, Kinos, Volkshochschulen und andere öffentliche Einrichtungen blieben an den sechs Sendeabenden praktisch leer, auch Wahlkampfveranstaltungen der politischen Parteien fanden kein Interesse. Sogar die Nachtschichten in vielen Fabriken mussten ausfallen. Wer damals noch keinen Fernseher hatte, besuchte befreundete Familien oder sah die Filme vorm Fernsehgeschäft, wobei der Ton mit einem Lautsprecher nach außen übertragen wurde. Die bereits mit Fernsehgeräten ausgerüsteten Wirtschaften verzeichneten noch mehr Gäste als bei Fußballspielen. Die durchschnittliche Sehbeteiligung lag bei 89 %, was allerdings mit der nächsten Durbridgereihe Tim Frazer noch überboten wurde.

Interesse und Begeisterung, oder sagen wir einfach Neugier, waren schon bei den Dreharbeiten zu spüren. Hausfrauen ließen die Betten ungemacht, die Ehemänner gingen nicht zur Arbeit, und die Schulkinder hatten frei. So auch ich. Ich war (im Jahr meiner Konfirmation) mit dabei, zumindest an den innerstädtischen Drehorten, am unteren Alten Markt und am Munsterplatz. Die eigentlichen Drehareale umfassten im Grunde jeweils nur wenige Quadratmeter, unmittelbar davor die Kameras und die Beleuchtungstechnik, für die Zuschauer blieb wenig Platz, sie „stapelten“ sich sozusagen auf Kisten und Stühlen am Alten Markt vor dem damaligen Reichshof, dem heutigen spanischen Restaurant, und auf dem damals noch nicht entkernten oberen Munsterplatz, denn dort wurde nicht gedreht. Die von der Wetterauerstraße zum Munsterplatz führenden Gässchen waren mit Zuschauern völlig verstopft. Ich kann mich noch gut an Horst Tappert und Dieter Borsche erinnern, wenn sie in das große Haus Munsterplatz 11 gingen, das man mit geringem Aufwand zu einer englischen Polizeistation umfunktioniert hatte. Immerhin hatte man noch einen englischen Briefkasten aufgestellt. Die Kamera verfolgte mehrfach Autos, die aus Richtung Marktkino auf den Munsterplatz fuhren oder sich von dort wieder entfernten. Der Blick fiel dann wirklich auf Alt-Lennep, die südliche Seite des unteren Munsterplatzes östlich der Steeggasse. Dass man dabei keine Einzelheiten erkannte, war gewollt.

Die für die Lenneper spektakulärste Szene des sechsteiligen Films wurde am Alten Markt realisiert. Im RGA hieß es damals: „Auf dem Alten Markt wurde scharf geschossen.“ In Wirklichkeit war damals gar keinen Schuss zu hören, und für die Schusslöcher im Pkw der Darstellerin hatten vorher die Techniker gesorgt. Als Kamera und Mikrofon einsetzten, war der Schuss laut Regie gerade gefallen und Hauptdarstellerin Margot Trooger stand, von herbei eilenden Passanten umringt, einen Augenblick wie erstarrt, um dann, nur an der Hand geringfügig verletzt (Filmblut), in Ohnmacht zu fallen. Die Szene gestaltete sich allerdings schwieriger als zunächst gedacht, weil mehrere Personen gleichzeitig in Bewegung sein mussten, und so musste Margot Trooger mehrere Male in Ohnmacht fallen, bis die Szene „im Kasten“ war. Auch andere Szenen mussten mehrfach gedreht werden:  Mal störten Kinder- oder Zuschauerstimmen, mal läutete die nahe Stadtkirche zur Beerdigung, mal stand im Gesicht einer Darstellerin der Schatten des Mikrofons, das an einer langen Stange befestigt in unmittelbarer Nähe den Sprechton aufnehmen sollte, mal störte ein Flugzeug.

Natürlich mussten die Filmleute in den Filmpausen, in denen die Makeups  der Schauspieler „restauriert“ und noch mehr  Zigaretten konsumiert wurden als im Film selber (aus heutiger Sicht eine reife Leistung), viele Autogramme geben. Gefordert war hier jedermann, auch wenn es nur die ortsansässigen Zeitungsreporter waren. Wer was war, war kaum zu erkennen, von den Hauptdarstellern mal abgesehen. Im Film zu sehen waren später auch mehrere Lenneper Statisten. Die Aufnahmeleitung äußerte sich später positiv, Lennep sei eine ideale Filmstadt und  bauchpinselte damit nicht nur die Mitwirkenden. Der Aufnahmeleiter meinte noch, dies sei sicher nicht das letzte Mal gewesen, dass man in Lennep gedreht habe. Na ja.

Der Lenneper Munsterplatz heute.Anders als am Munsterplatz, wo nur altertümliche Fassaden und ein leicht zu verwandelndes Fachwerkhaus als Kulisse benötigt wurde, richtete sich die Kamera am unteren Alten Markt auch längere Zeit auf die dortigen Geschäfte, die natürlich zu diesem Zweck einer intensiveren Verwandlung bedurften. Über Nacht wurde die Zeitschriftenhandlung Schreiber an der Ecke zur Jägergasse zu einer englischen Buchhandlung, und das benachbarte ehemalige Reisebüro Schneiderhöhn zu einem englischen Modesalon. Links davon erblickt man mehrfach ein Blumengeschäft, was einen damaligen Lenneper nicht verwundern konnte, war doch dort traditionell das Lenneper Blumenhaus von Wüstermann ansässig. Man sieht in mehreren Folgen, wie Autos von der Marktgasse auf die damals auch wirklich so eingezeichneten Parkplätze vor den genannten Geschäften einbiegen. Dabei gerät auch die damalige Filiale der traditionsreichen regionalen Lebensmittelkette Adolph Schürmann in den Blick. Beim genauen Betrachten des Films erkennt man das Firmenzeichen, das aus einer dampfenden Tasse bestand, oval umschlossen von einer Art Ehrenkranz, der u. U. auf das seinerzeit genau fünf Jahre zurückliegende fünfundsiebzigste Firmenjubiläum zurückzuführen war. Das Firmenzeichen erklärt sich aus dem Umstand, dass die Remscheider Firma Adolph Schürmann auch eine bedeutende Kaffeerösterei war. (Man sieht also im Film, dass die bergische Wirtschaft Anfang der 1960-er Jahre auch in Littleshore, England, vertreten war. J ).

Der letzte Teil des Films spielt im Diepomannsbachtal. Vor dem Jagdschlösschen kam Inspektor Heinz Drache mit dem Wagen angebraust und fuhr beim ersten Versuch regiewidrig den Weidezaun an. Die eigentliche Schwierigkeit aber waren die Lichtverhältnissen. Die Beleuchtungsmaschinerie war weit schwergewichtiger als heute. Die voluminösen Großscheinwerfer brauchten auch viel Strom, den spezielle Aggregate lieferten. Als eines davon ausfiel, stellten die Bergischen Licht- und Kraftwerke ein Ersatzaggregat zur Verfügung, das man „gerade da hatte“.

Soweit die Dreharbeiten, aber wer war eigentlich der Mörder? Großer Rätselratel beim Fernsehpublikum. Doch dann, am 15. Januar 1962, zwei Tage vor Ausstrahlung der letzten Halstuch-Folge, veröffentlichte der Berliner Kabarettist Wolfgang Neuss in einer Zeitungsannonce für seinen Kinofilm „Genosse Münchhausen“ den Namen des Halstuchmörders, um auf diese Weise mehr Zuschauer in seinen Kinofilm zu locken. Das löste einen regelrechten Skandal aus. Neuss erhielt Morddrohungen, und die Bild-Zeitung bezeichnete ihn als Vaterlandsverräter. Später gab Neuss an, den Mörder lediglich richtig erraten zu haben.

Geschäfte in Frankreich sicherten das Überleben

VII

Bereits 1791 behinderten erste Schutzzölle der französischen Regierung den freien Warenverkehr und hatten Auswirkungen auf das Wirtschaftsleben des Bergischen Landes. Die wachsende Kriegsgefahr führte zu Störungen der Handelsbeziehungen mit den linksrheinischen Gebieten. Preußen, das habsburgische Österreich und weitere Länder verbündeten sich vordergründig zum Schutz des französischen Königtums und stellten Truppen zum Einmarsch nach Frankreich bereit. 1792 begann mit einer französischen Kriegserklärung der 1. Koalitionskrieg, von dessen Auswirkungen auch die spätere Schwiegermutter von Ernst Hasenclever, Johanna Schlosser, in ihren Annalen berichtet. Im Laufe des Jahres 1794 gelang es den französischen Truppen zunächst Kurköln, die habsburgischen Niederlande und später weitere linksrheinische Gebiete zu besetzen, sodass Ende 1794 der Rhein die Grenze des französischen Einflussbereiches markierte. Damit verlor das Bergische Land große Teile seines bisherigen Handels- und Absatzgebietes. Der Handel mit Nordamerika, der auch von den Hasenclevers über in Holland sitzende Zwischenhändler abgewickelt wurde, kam fast gänzlich zum Erliegen.21 Im Frieden von Basel 1795.

Am Anfang des 19. Jahrhundert verzichtete Preußen praktisch auf alle linksrheinischen Gebiete und schied aus dem Krieg aus. Im September desselben Jahres überschritten französische Truppen bei Düsseldorf den Rhein und drangen in das Gebiet zwischen Wupper und Sieg vor. Das französische Revolutionsheer versorgte sich zum Großteil aus dem Land. Geforderte Kontributionen, Plünderungen und Einquartierungen behinderten das gewerbliche Leben. Ein geregeltes Wirtschaftsleben fand kaum noch statt. Die Folgen waren steigende Arbeitslosigkeit und daraus resultierende Abwanderungen. Bis 1801 war das Bergische Land besetzt. Etliche Handelshäuser gingen bankrott, darunter auch die Handlung der Gebrüder Hilger, deren ehemaliges Wohn- und Handelshaus heute als Haus Cleff Teil des Historischen Zentrums Remscheid ist. Von 88 Handelshäusern überlebten nur 53 die gesamte Zeit der französischen Herrschaft im Bergischen Land.

Das Handelshaus Johann Hasenclever & Söhne versuchte, trotz der Schwierigkeiten, weiterhin Geschäfte zu machen und seine Handelsbeziehungen auch auf neue Märkte auszudehnen. 1791 reiste Christian Hasenclever auf die Iberische Halbinsel, um dort Kontakte zu knüpfen. Die umfangreichen Kolonien Spaniens und Portugals lockten als zukünftige Absatzmärkte. Ihm folgte 1797 – 1799 sein jüngerer Bruder David Hasenclever, ohne durchschlagende Erfolge zu erzielen. Wie wichtig frühzeitige Sondierungen sein konnten, zeigte die spätere Entwicklung des Südamerikahandels der Familie.

Mit dem Frieden von Lunéville 1801 endete der Kriegszustand im Bergischen Land. Die französischen Besatzungstruppen zogen ab, doch gleichzeitig wurde der Rhein offizielle Zollgrenze. Damit war die Trennung von den alten Handelspartnern im Westen nun auch rechtlich vollzogen. Ein weiterer schwerer Schlag für den Handelsverkehr. Durch die hohen Zollsätze waren ihre traditionellen Waren nun nicht mehr konkurrenzfähig. Ein Teil der Tuchhändler, vor allem aus dem Lenneper Gebiet, zog Konsequenzen und verlagerte seinen Tätigkeitsschwerpunkt auf die französische Seite des Rheins. Das eisenverarbeitende Gewerbe, durch die notwendige Wasserkraft stärker ortsgebunden, lag in vielen Bereichen brach. Die Handelshäuser versuchten durch die Ausdehnung ihres Warensortimentes trotzdem lukrative Geschäfte zu machen. Aber auch der Seehandel war von den kriegerischen Auseinandersetzungen betroffen. Der Kaperkrieg der jeweils verfeindeten Kontrahenten führte zum Verlust von Ladungen und Schiffen.

1804 krönte sich Napoleon zum Kaiser der Franzosen. Im 3. Koalitionskrieg stand der bergische Landesherr, Maximilian IV. Joseph Kurfürst von Bayern, auf Seiten Napoleons und im Dezember des Jahres 1805 trat der bayrische Kurfürst das Herzogtum Berg im Rahmen der Rheinbundakte an Napoleon ab. Das aus dem Herzogtum und einigen bedeutenden Erweiterungen 1806 entstandene Großherzogtum Berg wurde so zu einem Anhängsel Frankreichs, welches bis 1808 eine straffe Organisation und Zentralverwaltung nach französischem Muster erhielt. Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten seiner Einwohner wurden durch diesen Akt allerdings nicht behoben. De facto wurde das Großherzogtum Berg von den Franzosen regiert, war aber de jure kein Bestandteil Frankreichs und somit weiterhin Zollausland. Erschwerend kam hinzu, dass von 1806 bis 1808 die östlich angrenzenden Länder Mark und Westfalen als Teile Preußens ebenfalls Zollausland waren und der Handel und Warenverkehr auch nach Osten bedeutend erschwert wurde.

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Der preußische Kronprinz im Handelshaus Hasenclever

V

In der preußischen Heeresreform hatte Gerhard von Scharnhorst unter dem Eindruck der Niederlage gegen Napoleon ab 1807 das Militärwesen neu organisiert. Seit 1813 galt deshalb in Preußen die allgemeine Wehrpflicht, die mit dem „Gesetz über die Verpflichtung zum Kriegsdienst“ vom September 1814 gesetzlich verankert wurde. Damit waren alle preußischen Untertanen ab dem vollendeten 20. Lebensjahr zum Dienst in Heer oder Marine verpflichtet. Die aktive Dienstzeit betrug drei Jahre. Dieser Verpflichtung musste sich auch Ernst Hasenclever stellen und so verzeichnete seine Mutter in ihrer „Epochentabelle“ unter dem 5. August 1832: „Vormittags reisten David und Ernst nach Düsseldorf, der Militär-Pflichten von ihm und Richard wegen.“ 41

David Hasenclever kümmerte sich frühzeitig um die Militärbelange seiner beiden Söhne Ernst und Richard (1813 – 1876), denn es gab für sie die Option, ihre Dienstzeit bedeutend zu verringern. Diese sollten sie auf jeden Fall nutzen, denn so standen sie schneller wieder für den „Dienst“ im Familienunternehmen zur Verfügung. „Jungen Leuten von Bildung“, wie es die „Deutsche Wehrordnung“ von 1822 formulierte, stand die Möglichkeit einer Verkürzung der aktiven Dienstzeit zu. Sie dienten dann als sogenannte „Einjährig- Freiwillige“. Wobei der Ausdruck „Freiwillige“ irreführend war, den auch sie waren zur Leistung des Dienstes verpflichtet. Um diese Verkürzungsangebot in Anspruch nehmen zu können, mussten bestimmte Bedingungen erfüllt sein. Erforderlich waren die freiwillige Meldung zwischen dem 17. und 20. Lebensjahr und der Nachweis der „wissenschaftlichen Befähigung“. Diese konnte entweder mit Hilfe von Schulzeugnissen oder in einer besonderen Prüfung nachgewiesen werden. Die Prüfung erstreckte sich auf drei Sprachen (Deutsch und zwei Fremdsprachen) sowie Geographie, Geschichte, Literatur, Mathematik, Physik und Chemie.

Als weitere Voraussetzung musste der jeweilige Vormund eine Erklärung abgeben, dass er für die Ausrüstung, Einkleidung und den Unterhalt während der Dienstzeit des Kandidaten selber aufkommen würde. Je nach Truppenteil waren diese Kosten unterschiedlich hoch und lagen 1814 zwischen 58 und 214 Talern. Diese Kosten für Ausstattung und Unterkunft stellten den Gegenwert des Jahresverdienstes eines Handwerkers dar. Die Entscheidung, bei welchem Truppenteil die Dienstpflicht zu leisten war, lag in der Regel beim Einjährig-Freiwilligen. Die vielen Voraussetzungen für den Antritt als Einjährig-Freiwilliger erfüllten in der Regel nur die Söhne des wohlhabenden Bürgertums und somit war Ernst für diese Form der Wehrpflicht natürlich besonders „geeignet“. Da sich Ernst für den Dienst bei den prestigeträchtigen Husaren entschied, lagen seine Kosten eher im oberen Bereich der oben genannten Summe. Die Angelegenheiten der „Militärpflicht“ müssen an diesem 5. August 1832 zur allseitigen Zufriedenheit gelöst worden sein, denn Ernst führte bis zu seinem Eintritt in das aktive Militär sein normales Leben in Ehringhausen im Dienst des Familienunternehmens weiter.

Im Jahr 1833 bewegte ein besonderes Ereignis die Gemüter in Ehringhausen. Auch Ernst war bei dieser Begegnung zu Hause und als junger Mann von gerade 19 Jahren sicherlich davon beeindruckt. Am 17. Oktober 1833 beehrte der Kronprinz und spätere preußische König Friedrich Wilhelm IV. das Handelshaus Hasenclever mit seiner huldvollen Anwesenheit. Schon seit langem pflegte vor allem der Onkel von Ernst, Josua Hasenclever, Beziehungen zu preußischen Regierungskreisen und der Aristokratie des Königreiches. Dieser Besuch adelte die Bemühungen der Familie Anschluss an die feine, bessere Gesellschaft zu finden und war gleichzeitig Zeichen ihres Aufstiegs in ein neues Groß- und Bildungsbürgertum. Selbstverständlich stand dieses wichtige Geschehen auch in den „Epochentabellen“: „Am 17. Abends kam unser Kronprinz hier an. Logierte bei Josua. Wir waren alle dort versammelt. Alles geriet gut. Am 18. Morgens besuchte der Prinz unser Stammhaus, nahm hier im Hause ein Dejeuner und fuhr nach Remscheid zu Herrn Scharf wo die Behörden und Prediger versammelt waren. Von dort nach Lennep.“

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