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Die Uhr der gizzigen Scheiberschen

von Alma Mühlhausen

In einem schönen altbergischen Schieferhause wohnte die vornehme Frau Scheiber mit ihrer halbtauben Magd Jettchen, die schon über fünfzig Jahre dort in Diensten stand. Als Vollwaise war Jettchen mit vierzehn Jahren dort­hin gekommen und hatte die Jahre hindurch Lasten und Entbehrungen mit rührender Geduld ertragen. Die alte Scheibersche, die sehr reich war, wurde im Umkreis nur „Die gizzige Scheibersche" genannt. Sogar die Kinder nützte sie aus, wo sie nur eben konnte. Mit dem Versprechen, sie reich zu belohnen, ließ sie die Kinder stundenlang in ihrem herrlichen Garten Unkraut jäten, um sie am Ende mit einer Krautbutter oder einem halbfaulen Apfel nach Hause zu schicken. Dafür rächten sich die gefoppten Blagen dann, indem sie abends ihren immer schmaitrigen Spitz an die Pumpe banden und den Schellenzug an der Haustür in Bewegung setzten.

Da Jettchens Kräfte nicht mehr ausreichten, das große Haus allein in Ordnung zu halten, sah sich die Scheibersche gezwungen, eine Hilfe hinzuzuziehen. Aber wer wollte schon zu dem alten Gizzdier? Außer Jettchen hatte es bisher noch keine Magd länger als vierzehn Tage bei ihr ausgehalten. Spärliches Essen und ein Übermaß an Arbeit trieb die Mädchen schon nach kurzer Zeit aus dem Haus.

So stand die Scheibersche eines Tages wieder einmal ohne Zweithilfe da. Als sie dem Milchmann ihre Not klagte, musste dieser Rat.

„Madamm, ech wi'et en Staats We'it, dat en denn Dahlluohn wäschen on schrubben gi'eht. Äwer Sie mot et guot behangeln on betahlen wie et sech gehüet."

„O", meinte die Alte, „ich gebe zwei Groschen Stundenlohn und gutes Essen. Ich denke, dass damit ein Mädchen zufrieden sein kann."„Ne, Madamm", erwiderte der Bauer, „dat batt nit. Entweder gött Sie demm We'iten en Kastemännschen, uder et bliet weg." Mit diesen Worten ergriff der Milchmann seine Kanne und entfernte sich.

 

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Bildung daheim und in Übersee

von Alma Mühlhausen

Der Feilenschmied Wilhelm Erlenkötter hatte es durch Fleiß und Tüchtigkeit zu einem bescheidenen Wohlstand gebracht. Der Erlenköttersch Welm war ein schollenverbundener Remscheider und Vater zweier prächtiger Jungen. Und dennoch waren diese oft die Ursache des Kummers der Mutter, da sie sich nicht nach ihrer ortsfremden Weise — Frau Albertine entstammte einer mitteldeutschen Beamtenfamilie — bilden ließen. Walter, sowie auch Friedrich, verleugneten ihre bergische Art nie, für die sich die Schmiedsfrau als Hergeluopene nicht erwärmen konnte.

Im Hause Erlenkötter wurden vier Sprachen geredet: Das reine Schrifthochdeutsch der Hausfrau, das Schollenplatt des Hausherrn, der Kinder und Gesellen, das Remscheider Hochdeutsch der Magd Emma und das Nationalsprachtum der Hessenli'ehrjüngker. Die köstlichste aber war Emmas Sprache, die ein Gemisch von Hochdeutsch und Platt war, und die von den Kindern genauso abgelehnt wurde wie das Hochdeutsch der Mutter. Und doch durfte Emma mit den Kindern auf Befehl der Hausfrau niemals platt sprechen, denn Frau Albertine hielt sehr auf Bildung.

Walter und Friedrich waren gutgeartete, gesunde Kinder, aufnahmefähig für jeden Lausbubenstreich, und auf vornehme Art ließen sie sich schon gar nicht drillen. Wenn Emma, die Perle, verzweifelt ob der Streiche der Beiden jammerte: „Wat soll eure Mutter gleich wieder schängen, wennse hört, dat ihr wieder sowat Gewöhnliches gemacht habt, wo ihr doch später mal feine Herren werden sollt", wurde sie Don den Rounüeseln ausgelacht.

Und wenn sich Frau Albertine ob der ungebildeten Art ihrer Sprößlinge beklagte, bekam sie von ihrem Mann folgende Antwort: „Sulang die Blagen geng Ondout donnt, lotse en Rouh. Sie lohten sech dien vüernehm Gedüehns nit entrechtern. Em üewregen hat en iehrlegen Remscheder noch emmer gefallen, wenn he uoch platt kallden. Mingen Frönk, dr Huonsbergs Pitter en Amereka, kallt fouf Sproken, am li'evsten äwwer sien Remscheder Platt. On dat derr Beldengk hat, kassde nit afstrieden."

Eines Tages fand der Schmied unter den Postsachen einen Brief aus Amerika. „Vam Pitter", rief der Welm und eilte mit dem Brief ins Haus. Nachdem der Schmied Kenntnis von dem Inhalt des Briefes genommen hatte, reichte er den Brief freudestrahlend seiner Frau. „Wat sehste dann nu, Frau, dat dr Pitter noh Remsched kömmt on us besüeken well?"

 

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Auf Erkundung mit einem Remscheider Stadtführer

Stadtführer Klaus R. SchmidtFreitag, 14. September,  15 Uhr
Bliedinghausen – Auf den Spuren der Feilenhauer
Der Stadtteil Bliedinghausen ist nicht nur die Wiege der Remscheider Feilenindustrie, sondern auch des Unternehmens Mannesmann. Auf dem spannenden, industriegeschichtlichen Rundgang hören Sie Geschichten von den „Mannesmännern“, von Kleinschmieden und Kaffeemühlenproduzenten und erfahren auch so manches Unbekanntes. Mit Besuch der Feilenfabrik Ehlis. Leitung: Klaus R. Schmidt, Preis: sechs €.           Treffpunkt : Grundschule Mannesmann – Burgerstraße. Dauer: 2,5 Std. Anmeldung: Klaus Schmidt, Tel. RS 3 04 31.

Samstag, 15. September, 14.45 Uhr
Müngsten – von einem verschwundenen Dorf zur Müngstener Brücke.
Tief unten im Tal der Wupper, zwischen Remscheid, Solingen und Wuppertal, liegt die Hofschaft Müngsten, bis ins 19. Jahrhundert Sitz der Sensenfabrikation Remscheids und Wohnsitz der Familie Halbach. Heute prägen die Müngstener Brücke, Deutschlands höchste Eisenbahnbrücke, der noch immer betriebene Schaltkotten und der Brückenpark diesen Ort. Tauchen Sie mit unserem Stadtführer in die Geschichte und Industriegeschichte dieses Ortes ein und erfahren, warum es dort auch um Napoleon und Tempelchen geht. Leitung: Klaus Fickert. Preis: fünf € . Treffpunkt: „SCHOTTER“Parkplatz Brückenpark, Solinger Straße (Remscheider Seite).  Anmeldung: C. Holtschneider, Tel. RS 79 13 052.

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Vom Ursprung unserer Heimatsprache

von Alma Mühlhausen

Wer Wesen und Art der bergischen Menschen spiegeln will, muss noch um die Charaktere des oorigen Jahrhunderts gewusst haben. Die technischen Er­rungenschaften der letzten sechzig Jahre haben hier uieles gewandelt. Und wenn das urwüchsige Wesen eines bergischen Menschen allzu sehr moderni­siert wird, bricht es damit der Scholle die Treue. Wie die Schluchten und Klüfte, so rauh und steinig ist der Menschenschlag früher gewesen. Wer aber nach verborgenen Schätzen sucht, findet nicht allein die eigenartigen Reize der Landschaft, sondern, wenn er sich der Mühe unterzieht, entdeckt er auch den goldenen Kern unter der rauhen Schale der bergischen Menschen und versteht auch ihre Sprache.

„In der Sprache derbem Worte hütet ihr der Ahnen Brauch. Und ihr Mahnen weht am Orte in der Scholle Atemhauch . . ."

Ein klarer Spiegel bergischer Wesensart ist auch der Schuhmacher Ben ge-wesen, der im Südbezirk eine gutgehende Schuhmacherei betrieb. Seine Frau Rosalchen hatte ihm sechs Kinder geschenkt. Da des Bens Ehegespons um einen Kopf größer als ihr Mann war, nannte er seine Frau, in zärtlicher Laune, „Mingen Buohnenstaaken". Armut kannten die Schuhmachersleute nicht. Zwei Hippen, ein Milchschaaf und ein stattliches Hühnervolk sorgten dafür, dass alle satt wurden. Außerdem mästete der Ben jedes Jahr zwei Schweine.

Während Ben die Woche hindurch fleißig arbeitete, wanderte er sonntags regelmäßig bei schönem Wetter mit seinen Trabanten in die Büsche. Und immer folgte dem beliebten Schuhmacher ein gutes Lächeln der Ortsbewohner, wenn sie ihn mit seinem Trupp losziehen sahen. Wer ihn aber begleitet hätte, wäre Zeuge gewesen, wie er seine Kinder auf die Schönheiten der Hei­mat aufmerksam machte. Alle Geheimnisse der versteckten Winkel kannte der Vater, und dank seiner weit und breit bekannten Erzählkunst wusste er sie ihnen verständlich zu machen. Und hier beginnt auch die eigentliche Geschichte vom Ben.

 

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Der Brezelbäcker Bastian

von Alma Mühlhausen

An einem blauen Augustmorgen war es, als auf dem Wege von Burg nach Müngsten der Brezelbäcker Sebastian fröhlich seines Weges schritt. Ein gar schmächtiger Mann, dessen Leinenrock schier bis an die Knie reichte. Auch die hohe Ballonmütze, die das Bäckerlein auf dem Kopf trug, machte sein Äußeres nicht gewichtiger. Doch leicht und froh trug Sebastian den mit Brezeln randvollgefüllten Tragkorb auf dem Rücken, und der derbe Eichenstock des Mannes stieß kräftig auf den Boden auf. Es war Sonnabend, der Tag, an dem Sebastian seine Kundschaft jenseits der Wupper mit dem knusperigen Gebäck versorgte. So schritt unser Brezelbäcker, ein Liedchen auf den Lippen, rüstig daher. Rechts vom Wege plätscherte die Wupper munter dahin, und in ihrem Wellenspiel vergnügten sich kleine Fischlein, deren Rücken im Sonnenlicht silbern aufglänzten.

Der größte Teil des Weges war zurückgelegt, als sich Sebastian am Saume des Waldes unter einer breitästigen Buche niederließ und seinen Tragkorb an den Felsen stellte. Ein zufriedenes Lächeln legte sich um den bärtigen Mund des Bäckers, als er an das Geld dachte, das ihm die zehn Schnüre Brezeln einbringen würden. Mit sich und der Welt zufrieden, holte Sebastian die mit Ziegenkäse belegten Brotschnitten aus einem roten Sacktuch hervor und begann mit gutem Appetit zu essen. Doch jäh blieb ihm der Bissen im Munde stecken, da er sah, wie zwei kleine Männchen aus dem Felsspalt schlüpften und sich des Korbes bemächtigten. „Meine Brezeln, meine Brezeln!" schrie Sebastian. „Ihr Tagediebe, gebt mir meine Kiepe zurück!" Und mit einem Satz sprang der Bäcker auf die kleinen Männlein zu und zupfte den einen an seinem langen, weißen Bart. Doch schon erschien ein dritter Zwerg, der den Felsspalt, als wäre der Stein aus Pappe, weit zurückschob. Es war Zwergenkönig Wupperich, der Sebastian an der Hand fasste und sagte: „Kommt mit uns in die Höhle, dort wollen wir verhandeln."

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Enn kuomischen Käerl

Ech hand schon lang nix miär von miär hüaren looten. Ett ess ever och te warm för us. Överall es ett am verdrüegen, de Wieas es en Wüaste un de Büam looten schon de Bläder fallen wie em Hervst. Ech woar desse Dag im Rothuas unn do woar ett warm wie enne gruote Sauna. Do kuam mir ianer in ner kotten Buxe entgegen. Hengen hät he noch ett Driethüskespapier kläwen. Ech sach verschamt zu emm, datt he watt hengen ruut hängen har, doo seet de Raderdoll doch, och da kümmt enn Fax aan, un bedankt sech bie mir. Datt mutt de Hetzde sin.

De Kaarl hätt us nieuerdengs en Soda Sträm jehollt, damet he nech alle fottlangs een enn Getränkeladen ieankoopen muss. Doo mut man nur noch de Gasspatroan wehseln. Zappen muss man am Waterpött. Kian Krützschmerzen miar vam schleppen. Schloopen kann man joo och nit miar biear de Hetzde. De Miefquirl löppt sech hett unn ett wüard doch nech kaulder. Ett ess nitt plasierlech.

Ett wüard Tied datt ett wiar anstängig räähnt im Remscheed, denn dann füalt sech de Remscheder wedder rechteg in sianem Element. Drai Dag Regen, dann ess he wiar am mekkeren, datt wiar doch en schleiten Suomer hand desse Joar.

Vörige Weeke send de Kaarl un ech opp de Alleestroote un wualen en besken Kledaasch huolen. Wiar wooren emm Alleecenter un doo soogen wiar emm. Sonn kuomeschen Käerl. De Ongerlippe hätt he watt füarstonn unn kiaken düart he dann de Melk gremmeln där. De Kaarl seet datt he denn kennt, denn nennt man in Remschedd ianfach „miar räähnt ett in de Mual“.

Ech muat emmer widder hin kieken, ett ess ja doch en armen Kearl de „miar räähnt ett in de Mual“. De Kaarl seet, he ess als Keng utt em Kengerbett jefallen unn hätt ianen am Timmelten. Joo so soch he och uut.

Wiar send dann in den C.A. jegangen unn hand nach enn nieue Kledaasch för denn Kaarl jekieken. Opp ianmohl stand de „miar räähnt ett in de Mual“ nevem dem Kaarl unn sabbelt un sabbelt. De Kaarl wiat ja nitt wie emm jeschieat. He es reihts öm de Kledaasch Ständer unn de „miar räähnt ett in de Mual“ hengerher. De Kaarl krecht ett zuvöll un ess dann lenks öm de Kledaasch Ständer. Unn he wedder hinger dem her. Verstangen har he denn nech. Jo Jo seet de Kaarl emmer unn woar wedder opp die Flocht. De hätt denn Kaarl dur den janzen C.A. gejacht. Datt kömmt davon, wenn man sech över arme Lütt lustich makt. Ech kuan mech för lachen kaum noch haulen.

De Kaarl konnt an dem Dag gar nix miar ieankoopen, he woar fix un feddich, unn kenn nu jeden Wenkel emm C.A. Dat woar de gereihte Strofe för sian Schengerei över den „miar räähnt ett in de Mual“. 

Bös Strackes, önker Klärchen

Der Gedankenleser

von Alma Mühlhausen

Richard Pass, der mit 93 Jahren verstorbene hochgeachtete Seniorchef der Feilenfabrik Gebrüder Pass, pflegte die Angewohnheit zu haben, als sein Betrieb noch „De Pass Schmette" hieß, sich um das Wohl und Wehe jedes einzelnen Belegschaftsmitgliedes persönlich zu kümmern. Die hohe Figur und der schlohweiße Bart gaben dem alten Herrn etwas Gebietendes und Vertrauenerweckendes. Auch sein patriarchalisches Verhalten, das vom einfachsten Dropschleger bis hinauf zum ersten Angestellten das gleiche war, stempelten ihn als ein Vorbild bergischen Kaufmannstums. Und doch hatte der Pass Richard gelegentlich seine Mucken. Da kursiert noch heute manch nett Vertellschen ...

Als Richard Pass einmal einen Häuer ob seiner schlechten Arbeit tadelte, sah ihn dieser mit einem Blick an, in dem der Arbeitgeber deutlich die Antwort des Getadelten las. „Wat", schrie der alte Pass, „wat ongerstonndse sech do te denken? Sie onverschammde Keäl. Wennse dat noch es denken, könnense sech de Papi'eren om Kontuor holen." (aus: „Der Heimat zur Ehre. Bergischen Anekdoten und Geschichten“, 1960, von Alma Mühlhausen. Mit freundlicher Nachdruckgenehmigung der Erbin Erika Kleuser)

Fast hätte Dienstmann Pitter die Wette gewonnen ...

Recht unscheinbar wirkt Remscheids erster Bahnhof (Bildmitte), zurecht im Volksmund 'Zigarrenkiste' genannt.von Max Eulenhöfer

Dankbar nahm ich die kleine Radierung in Empfang, die mir eines Tages eine Remscheiderin überreichte. Ja, hier ist er wieder, der frühere Remscheider Bahnhof, klein und bescheiden und doch auf alle Dienste eingerichtet. Links der Ausgang für die Reisenden, anschließend Wartesäle, Fahrkartenausgabe und Gepäckabfertigung. Was könnte diese enge Sperre uns erzählen von denen, die da kamen und gingen! Wie viele gute Geschäfte sind durch sie gehuscht! Hier standen die alten Dienstmänner, die mit Gepäck und bergischem Humor sich manchen blanken Taler verdienten. Längst hat der kleine Bahnhof seinem großen Nachfolger, der außerdem einen „Ruck nach rechts" machte, weichen müssen. Den kleinen Bahnhof aber umspielen noch in mancher Anekdote die guten, alten Zeiten. Wer sie gerne hört, dem erzähle ich die Geschichte vom Dienstmann - nennen wir ihn Pitter - so wahr ich sie hörte.

Es war an einem warmen Sommertag. Nur dann und wann störte ein einlaufendes Züglein die frühmittägliche Ruhe. Versonnen und nachdenklich stand d'r Pitter mit dem Rücken zum Ausgang der Sperre und zählte „blind" die Groschen und Fünfziger in seiner Hosentasche unter der grünen Dienstmannschürze. Nur in Gedanken ließ er ein eisgekühltes „Kipper Pils" durch seine trockene Kehle rinnen. Bekannte Stimmen weck­ten ihn aus durstigen Träumen. Hoffnungen auf gewohnte Teilnahme an althergebrachten Frühschoppen mit zahlungskräftigen Remscheidern ließen ihn plötzlich hellwach werden. Gewiss, es waren nicht nur freigebige Zecher, sondern auch derbe Spaßvögel. Man nahm auch nicht leicht etwas übel, wenn es nichts kostete. Und schon stand die erste Runde „Stakelser Kloren" in alter Frische auf dem Tisch des Wartesaales. Pitter schlürfte mit Behagen. Vom Knobeln um die Runde blieb er ausgenommen. Zwinkernd prostete er dem Verlierer dreier Runden zu. Dann aber . . . war er gemeint. Eine Wette! Ver­dammte Leidenschaft der Grobschmiede!

„Du kaß eng Stond eten on drenken suvöll de woß, äwwer du darfs ki'en Woat dobie kallen, söß mots du dän ganzen Schmär befahlen," krächzte der rüstige „Kaal vam Matte".  Da gab's kein Kneifen,  und  die  Sache  schien  an  sich  nicht  bedenklich. „Bestellen darfs de, wat de woß, äwwer ki'en Woart mi'ehr kallen", und Pitter aß und trank. Kein Versuch der lustigen Runde vermochte ein zusätzliches Wort aus vielbeschäftigtem Munde zu locken. Vergnügt und überlegen zwinkerte unser Dienstmann den Herausforderer zuweilen zwischen zwei fetten Bissen und einem silberklaren „Stakelser"  an.

„Doch mit des Geschickes Mächten ist kein ew'ger Bund zu flechten, und das Unglück schreitet schnell . . ." Pitters angetrautem Weib, wohlvorbereitet durch viele „Schick­salsschläge", trug man die Kunde zu, „ähr Keärl wöär üewergeschnappt, he söht em Bahnhoff, süöp on frööt on küön ki'en Woart mi'ehr kallen . . . He fuchdelnden märr noch met denn Armen en derr Weiltgeschechden eröm." Und die erschrockene Frau rannte spornstreichs zum Bahnhof . - Ech kann et nit glüöwen . . . bös de wörklech üöwergeschnappt . . . Sag doch i'en Woart . . . Mann, hüör mech ahn . . . ech glüöw et baul selwer, dat de doll bös . . . nu kall doch . . . jammerte sie. Die Grienlacher versanken vor Lachen unter den Tisch. Zwanzig Minuten stopfte Pitter und fuchtelte vor seinem „Wief" herum. . . Dann platzte ihm der Kragen und er schrie: „Gottverdammich, nu mott ech dann ganzen Schmär selwer betahlen!“ (nach: „Remscheider Bilderbogen“ von Max Eulenhöfer aus dem Jahre 1950)

Us Dröppelkann Dröppelmina

 

von Gustav Hermann Halbach

Sie stammt noch vannen Aulen
On sti'eht lang buter Di'enst,
Doch donn ech en I'Ehren se haulen,
De Koffekann van i'enst.


Märr nüömt se Dröppelmina
Em Bergeschen allgemeng.
Besouten us Ueöhm Kapp, Müöhn Stina,
Dann festlech her et geng.

Enn Koffedesch.wuoden beladen

Met Eten, datte faß brok:
Met Twieback on Brezeln, fresch-haden,
Noa denn dann de Stuf arg gruot rok.

Met Schwabruot on Kräntestuten,
Met Fienbruot on Burenplatz;
Met Botter on Mattekeeskluten
On Appelkrut, sürlech, nit gatz.


Met fettleckern Muzen, Wofelten
On Riesbre'i met Zucker on Kni'el

Wahrafteg, nit lang märr grofelten,
De Utwahl te schwoar gar nit fi'el.


En Pronk äwwer löüden on blängden
Dröppelmina, de Koffekann.
Manch Köppken Truost tappden on schängden
Onger Dawern sech en ji'edermann.

Do bi er Koffefisitte
Et goof gi'enen Muckefuck,
Met derr engen Kannentüte
De Koffemott kom molls en Tuck.

 

 Foto: Lothar Kaiser

Zipp - ronn märr enn Dröppel vam Hännschen,
On pottern märr i'esch muoß me'm Droht,
Bis Koffe wi'e li'ep ut demm Krännschen
On ji'eder sech nöü follt sing Mot.


Em Auler vam Schnupp de Müöhn Stina
Har emmer enn Dröppelnas -
Us Dröppelkann Dröppelmina
Hätt verdennt ehren Namen dröm baas.

(Waterbölles: Für „Hergeluopene“: Das ist Remscheider Platt aus: „Remscheider Bilderbogen“ von Max Eulenhöfer aus dem Jahre 1950)

Als man das Wasser noch aus dem "Potthüsken" holte

Ein Pötthüsken und Omas große Sorge: „Kenger, gönnt merr vam Pött . . . !" „Bliewent merr vam Schwengel . . .!"Wenn wir heute auf dem Stadtkegel die Wasserhähne aufdrehen und das nasse Element in Kanne und Eimer strömt, machen wir uns wohl kaum noch eine Vorstellung von den Sorgen unserer Vorfahren, das Wasser vom Tal auf den Kegel zu bringen. Brunnen, überdacht mit „Pötthüskern", Zisternen, Hauspumpen und Regentonnen sind den ältesten unserer Generation noch lebendige Begriffe, auch Eselskarren und „Drag­schwengel" gehören dazu. Welche Not, wenn in heißen Sommern die Brunnen versiegten! Immer dichter wurde das Häusermeer des Kegels, immer größer die Gefahr eines alles vernichtenden Brandes. Immer heftiger wurden auch die Debatten der besorgten Stadt­väter. Doch sie zauberten mit langen Reden kein Wasser auf den Berg. Schließlich sprudelt ein hoffnungsvoller Name aus den Diskussionen kleinbürgerlicher, konserva­tiver Geister: Robert Böker. „Gatt setten merr op derr Beek noch es enn Denkmol!" rief er einst erbost seinen Mit­bürgern zu. Jedoch es war ein weiter Weg über die ersten Lenkung der Quellen im Eschbachtal  bis zur wirklichen  Lösung des  Wasserproblems.

Im Eschbachtal erhoffte man in den achtziger Jahren so ergiebige Quellen zu erschließen, dass der Bedarf der Stadt auf dem Berg gedeckt würde. Nicht falsche Kalkulationen waren die Ursache, dass die erschlossenen Quellen nicht reichten, sondern die Sturheit gewisser Mitbürger. Anfangs meldeten sich auf Nachfrage etwa 700 bis 800 Wasser­abnehmer. Nach Vollendung von Pumpstation, Wasserturm und Kanalnetz wuchs die Zahl der geforderten Anschlüsse auf ungefähr 2.000. Da gab es Debatten und Donner­kiele, aber der Boden gab trotzdem nicht mehr Wasser.

1888 entwickelte Professor Intze aus Aachen im Saale Alberty (später Weinberg) … den sen­sationellen Plan, überirdisches Wasser im Eschbachtal durch eine Sperrmauer zu stauen. Wir können uns vorstellen, wie viele bedenkliche und spöttische, zustimmende und ab­lehnende Meinungen kleinbürgerlicher Biertischstrategen laut wurden. Robert Böker und Intze überwanden alle Bedenken, die sicherlich nicht jeder Berechti­gung entbehrten, da für das Experiment, eine Million Kubikmeter Wasser hinter einer Mauer festzuhalten, kein Vorbild in Deutschland vorhanden war.

Und doch erkämpfte man 1889 die Grundsteinlegung zur ersten Talsperre Deutschlands im Eschbachtal. Mit wachsender Teilnahme verfolgte man den Bau und die schließliche Vollendung der Sperre im Jahre 1891. Trotz der verhältnismäßig großen Fläche brauch­ten keine Wohnhäuser oder wertvolle Anlagen beseitigt zu werden. Lediglich der kleine Pickardts Kotten musste der neuen Sperre geopfert werden. (…) Nach alten Berichten vereinigte eine Kaffeetafel Gäste und Pioniere des imposanten Baues. Oberbürgermeister von Bohlen hielt eine Ansprache und erklärte Professor Intze zum Ehrenbürger der Stadt Remscheid. Ein Spaziergang um die Sperre vereinigte Stadt­verordnete und geladene Gäste. Oberbürgermeister von Bohlen erhielt jenseits der Sperre einen kleinen Pavillon, die „Ludwigslust", als Geschenk des Stadtverordneten­kollegiums. (…) Die später notwendige Erweiterung der Remscheider Wasserversorgung durch die Ver­bindung der Neye-Talsperre mit der des  Eschbachs stieß auf keinen nennenswerten Widerspruch. Wer jedoch in unseren Tagen noch einmal den Weg vom „Pötthüsken" bis zum Wasser­kranen besinnend rückwärts geht, erkennt ehrfurchtsvoll die ungeheure Leistung ein­zelner Männer. (aus: „Remscheider Bilderbogen“ von Max Eulenhöfer aus dem Jahre 1950)