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Nach dem Attentat funktionierte der Schornstein viel besser

Seit wann die "Alte Wendung" als Ortschaft existiert, ist nirgendwo nachzuvollziehen. Als Industriestandort kommt man der Sache aber ganz nahe: Das geringe Quellwasser des Bornscheider Siefens ließ sich jedenfalls nutzen, und Heinrich Böker gründete dort auf Anraten des preußischen Handelsministers "von der Heydt" eine Dampfschleiferei. 1854 wurde ein mehrstöckiger Bau nebst verschiedenen Nebengebäuden auf einem Grundstück von 526 Ruten erbaut. „Quer unter der Fabrik geht ein gewölbter Kanal durch, welcher das Wasser aus dem hinter der Fabrik gelegenen Teich durch das Gebäude und unter der Chaussee her abführt", heißt es in einer alten Baubechreibung. Die Dampfmaschine mit 36 PS und zwei Dampfkesseln war optimal ausgelegt und kostete mit Montage 3900 Taler. Die Brüder Böker wussten, dass die Dampfkraft über das Wasser gesiegt hatte, dass der Fortschritt der Technik nicht aufzuhalten war. Der sture Remscheider wollte von dieser Neuerung aber ebenso wenig wissen wie einst von der Ablösung der schwersten Handarbeit durch die Wasserkraft.

 In diesem Sinne schrieb schon 1749 Friedrich der Große: "Wir halten es für einen dem gemeinen Wesen schädlichen .... "Handwerksmißbrauch, diejenigen Mittel, welche zur Erlangung eines wohlfeilen Preises gereichen, nicht zur Hand zu nehmen". Mit Einführung der Dampfkraft gab es zunehmend Auseinandersetzungen zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern. Sie gipfelte darin, dass die Handschleifer des Morsbachtales und die Solinger Schleifer, die ihre Schleifsteine mit Wasserkraft betrieben, um ihren Arbeitsplatz fürchteten. Die Stimmung war schließlich so angeheizt, dass einige verbissene Wasserschleifer in ihrer grenzenlosen Wut und ihrer Verzweiflung einen Gewaltakt in Erwägung zogen. Sie ließen sich dazu hinreißen, ein Faß Pulver bei Nacht in den Böker´schen Schornstein der Dampfschleiferei zu bringen, damit beim Anheizen des Kessels am nächsten Morgen die gesamte Anlage einschließlich der Dampfmaschine in die Luft ginge (ohne Rücksicht auf Menschenleben!). Es kam dann auch zur Explosion, aber zum Glück für die Gebrüder Böker erwies sich die Pulverladung als zu schwach, da der größte Teil der Gase durch die Einstiegsöffnung zum Schornstein entwich. 

Die Folge des mißglückten Sprengversuches war das Gegenteil des angestrebten Ziels, denn der Schornstein zog seitdem besser als vorher. Menschen kamen bei diesem Anschlag jedoch nicht zu Schaden.Wenig später war dann noch ein Schild an der Böker´schen Dampfschleiferei: "Ihr Schleifer freut Euch nicht so sehr, Der Kotten steht nicht lange mehr, Der erste Schuß ist nicht geraten, Der zweite wird den Böker braten!" Dieser zweite Anschlag wurde dann aber nicht mehr realisiert. Ein ungewöhnlich trockener Sommer zwang viele Schleifer, in der verhaßten Schleiferei Dienst zu nehmen. Sie taten es widerwillig und mit Auflehnung gegen die pünktliche und geregelte Arbeitszeit.

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Beim bergischen Gästeführer Daniel Sieper

Daniel Sieper hat sich in diesem Jahr diesem Jahr zum bergischen Gästeführer ausbilden lassen und hat auch schon einige Stadtführungen in Remscheid entwickelt und durchgeführt. Was das für eine tolle, aber auch umfangreiche Arbeit ist, darüber haten Maximilian Süss mit ihm gesprochen. Am moregigen Mittwoch veranstaltet Daniel eine virtuelle Stadtführung in der Remscheider Innenstadt. Mit Einblicken in die Freimaurer Johannisloge. Wer teilnehmen möchte kann sich über info@bergisch-erlebnis.de zur Zoom Führung anmelden. (Kamera und Schnitt: Jan Christoph Heinsch; Musik mit freundlicher Unterstützung von : https://www.musicfox.com)

Als in Lennep Pferdefuhrwerke den Müll abholten

von Dr. Wilhelm R. Schmidt

Liebe Lennepfreunde,
in den zahlreichen Unterlagen meiner Lennep-Sammlung fand ich dieser Tage ein historisches Foto der Lenneper Müllabfuhr. Es kam vor vielen Jahren an mich über den Lennep-Sammler Bernhard Koch. Er erinnerte sich damals: "Bis Ende der 1930er Jahre wurde der Lenneper Hausmüll samt der Asche, sehr oft noch in glühendem Zustand, in Blechbehältern gesammelt und dann mit dem Pferdefuhrwerk abgeholt. Die Pferdefuhrwerke waren damals im Dreieck Wupper- und Mühlenstraße untergebracht, wo sich heute die Druckerei Hartgen befindet".

Mich erinnert das Foto auch an meine Kinderzeit nach dem Zweiten Weltkrieg am Mollplatz gegenüber dem Berliner Hof, wo der Landwirtschafts- und Kohlenhändler Friedrich Kuhstoß von der unteren Schlachthofstraße immer in Säcken die Briketts und Eierkohlen anlieferte. Dazu mussten seine Fahrzeuge Hagers Gässchen zwischen Garten- und Poststraße zur Hälfte hinabfahren und sodann in unserem großen Garten zickzack bis nahe an das Haus am Mollplatz bugsieren. Von da gings mit den Säcken auf der Schulter bis zu einem Kellerfenster, wo man eine uralte Holzrutsche anlegte. Beim Hinabgleiten dort gab es natürlich viel, viel Dreck, und die Hausfrau in Kittelschürze und Kopftuch hatte viel zu wischen. Nicht viel sauberer ging es übrigens zu, wenn der Bauer Schmalbein vom Rotzkotten die Kartoffeln brachte. Sechs Zentner (!), so habe ich es in Erinnerung, brachte er damals für den Winter, für die Großfamilie, und als gekochter Abfall auch für die Kaninchen. Unvorstellbare Zahlen und unvorstellbare Zeiten. Aus heutiger Sicht....

Als es noch das Bezirkskommando und die Reserve gab

Colorierte alte Postkarte: Blick vom Turm der Lenneper Stadtkirche Richtung Schwelmer Straße. Von Dr. Wilhelm R. Schmidt

So mancher Lenneper erinnert sich noch gut an ein uraltes Gebäude, das früher am heutigen Fritz-Figge-Weg lag, von der Schwelmer Straße aus gesehen auf der linken Seite. Es war ein langgestreckter Bau an der damals noch schmaleren Gasse, die seinerzeit keinen eigenen Namen trug. Wegen der beengten örtlichen Gegebenheiten zeigen historische Fotos den Bau meist nur von der hinteren Frontseite oder aber in der Schrägperspektive, und nur bei den sog. Totalaufnahmen der Stadt Lennep, die z.B. von den Dächern der oberen Kölner Straße oder aus der Luft aufgenommen wurden, ist er seiner ganzen Größe und Länge zu sehen. Besonders ist dies der Fall auf Fotografien, die vom Turm der evangelischen Stadtkirche aus über die Berliner und die Schwelmer Straße hinweg in Richtung der katholischen Kirche gemacht wurden, dieser Blick ist auch auf mehreren alten Postkarten und sogar koloriert erhalten.

In Büchern über das frühere Lennep wird der Bau oft im Zusammenhang mit der alten katholischen Schule an der Mühlenstraße gezeigt, in der 1848 auch die erste Klasse der höheren Bürgerschule untergebracht war, und die 1849 als Cholera-Lazarett diente. Das hat insofern seinen Sinn, als diese Höhere Bürgerschule 1851 in den genannten Bau am heutigen Fritz-Figge-Weg zog, der ebenfalls in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstanden war. Sie blieb dort bis ins Jahr 1868, als in der Hardtstraße der Neubau der Bürgerschule erfolgte, die heutige Freiherr-vom-Stein-Schule mitsamt Tuchmuseum.

In unserem Zusammenhang ist der langgestreckte Bau von ganz spezieller Bedeutung. Nach mancherlei historischer Umnutzung steht diesbezüglich im Lenneper Adressbuch von 1903 zu lesen, dass darin das sog. Königlich Preußische Bezirkskommando und sein Hauptmeldeamt untergebracht waren. Die schmale Gasse dorthin zählte seinerzeit zur Schwelmer Straße und das Gebäude trug die Hausnummer 29. Das Bezirkskommando gehörte damals der Kreisverwaltung an und war um die Wende ins 20. Jh. eine militärische Behörde, die in Verbindung mit den Landräten vor Ort das sog. Ersatzwesen und dabei u.a. die Musterungen besorgte. Ferner oblag ihm die Organisation der beurlaubten Offiziere und Mannschaften, die Einberufung bei den Reserveübungen und der Mobilmachung sowie die Aufbewahrung der Bekleidungs- und Ausrüstungsstücke der Landwehr und Reservebataillone. Der Bezirkskommandeur war in der Regel ein inaktiver Stabsoffizier.

Bereits im Lenneper Adressbuch von 1870 war eine Königliche Landwehrbehörde mit immerhin einem Bezirksfeldwebel als Leiter verzeichnet. Im Adressbuch von 1903 wurde als Zivilvorsitzender der Kreis-Ersatz-Kommission der Königliche Landrat Dr. Hentzen genannt, Nachfolger von Lambert Rospatt, Mitglied des Lenneper Landwehrvereins. Alte Lenneper Namen findet man dort wieder: Hager, Krautmann, vom Berg, Peipers, Girardet und Hammacher. Lennep besaß im Jahre 1903 übrigens diesen Landwehrverein immer noch in alter Frische, er tagte in der Poststraße 2, also im Berliner Hof, außerdem gab es damals einen Lenneper Krieger- und einen eigenen Kavallerieverein.

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"on drongk mek schier en kleenen Kloaren..."

von Dr. Wilhelm R. Schmidt

Liebe Freunde des Bergischen  Landes, liebe Lenneper,
zufällig fand ich in meinen Materialien termingerecht gerade „Weißer Dezember  - Gedichtbeitrag aus dem Lenneper Kreisblatt vom 5. Dezember 1925“. Damals gab es wohl in der ersten Dezemberwoche viel Schneefall und darüber hinaus durch einen besonders rauen Nordwind einen starken Frost. An den Lenneper Hausgiebeln entstanden Eiszapfen und wurden immer größer, schwerer und gefährlicher.

Dies veranlasste einen "ungenannten Lennep Jong" zu dem einem Gedicht (siehe Kasten unten). Einer, der es las und viele Jahrzehnte aufbewahrte, schrieb später dazu: "Ja, ja, mit den Eiszapfen ist das so eine Sache, es ist schon gefährlich, die Dinger abzuschlagen. Bleibt auch in unserer Zeit dem Fußgänger nur die Möglichkeit, wenn man schon einschlägig gefährdete Wege gehen muss, sich mittels Kopfkissen, Schlummerrolle oder Stahlhelm zu schützen.“ Der Gedichtbeitrag stammte von Richard Thielmann alias Fritz aus dem Wieschen, dem unvergessenen langjährigen Schriftleiter des Lenneper Kreisblatts.

Gestern si ek dörch Lemp maschiert, mein Gott, dach ek, wat es passiert! Die Stroaten sind mek jo so schmal, hant lenks an reits so'n hohen Wall! Die Lütt sehennt kuhm doröwer rut. Jongjong, et sog ganz spaßig ut! On „Freie Bahn dem Tüchtigen“, dat hätt hie woll met nichten Senn!

Die Autos konnten kuhm sek dreihen- on ob em Matt hört ek so'n Schreien. Do stongen Lütt bineen ob'm Tropp on keeken no so'n Daak herob. Ok ek keek eß on - na - do sog ek wie en Mann em Fenster log on mit em Bessen öm sek schlog, so emmer bower sek - paaf, paff! on dann, dann feil deck Ihs heraff.

On alle lütt, die luhrten woll, dat ok dä Mann noch fallen soll. Natürlich häff ek ok gestangen, doch si ek schließlich futtgegangen, on drongk mek schier en kleenen Kloaren...
weil dat ek bold tu Ihs gefroren. Ek spurten orntlich, ek wurdt dönn on frur rob no de Renne henn.

Wör ek noch länger stonn geblewen, hätt ek verdummt 'n Ihspill gegewen, die dann verwimst dä Bessenmann... on dat kann me tu Hus jo hann.

 

Als das Lesen von Flugblättern noch tödlich sein konnte

Flugblätter der Alliierten im zweiten Weltkrieg.von Dr. Wilhelm R. Schmidt

In der Adventszeit kommen bei so manchem älteren Lenneper auch Erinnerungen an die gefährlichen und entbehrungsreichen Vorweihnachtszeiten während des Zweiten Weltkriegs auf. Über die Remscheider und speziell auch die Lenneper Bombardierungen ist schon Einiges geschrieben worden. Der folgende Beitrag widmet sich den Flugblättern dieser Zeit, die die allierten Streitkräfte auch über Lennep abwarfen, und den Gefahren, die allen Findern drohten, wenn sie die Flugblätter nicht gleich bei den offiziellen Stellen abgaben. Wegen "Begünstigung des Feindes" drohten seinerzeit schwere Strafen bis hin zur Todesstrafe.

Alles Gute kommt von oben. Dieses Sprichwort wird gemeinhin auf den Jakobusbrief des Neuen Testaments zurückgeführt und mit oben ist natürlich der allmächtige gütige Gott gemeint. In einer Großoktav-Ausgabe (für ältere Leser) des Neuen Testaments, die der langjährige Lenneper Pfarrer Roland Spengler meiner Großmutter zum 70. Geburtstag schenkte, heißt es etwas genauer: „Alle gute Gabe kommt von oben herab, von dem Vater des Lichts“.

Alles Gute kommt von oben – dies konnten die Lenneper im Verlaufe des Zweiten Weltkriegs natürlich nicht ohne weiteres sagen, gerade auch in den Jahren 1943 und 1944, in denen in der Advents- bzw. Weihnachtszeit so viele Bomben auf Lennep abgeworfen wurden. Die ersten Bomben fielen in Lennep schon am 7. September 1940. Insgesamt waren es über die Jahre ca. 1.500 Alarme, bis am 10. März 1945 bekanntlich ein dem Bahnhof zugedachter Bombenteppich über große Teile der Neustadt fiel.

Darüber und generell über die Bombardierung Remscheids ist schon viel geschrieben worden, und für den Stadtteil Lennep existiert sogar eine von privater Hand handgezeichnete Karte mit der Markierung der einzelnen Bombentreffer. Ein in der Nähe des Jahnplatzes aufgewachsener Lenneper erinnerte sich ca. 50 Jahre nach den Abwürfen, dass die damaligen Bomben für die Kinder aber auch Positives brachten. So berichtet er in schöner Lenneper Ausdrucksweise: „Als Kinder, ich war elf Jahre, war das für uns interessant. Nach den Angriffen ging es auf Splittersuche“. Ganz diesseits des Altmetallaspektes waren besonders die Geschosshülsen gefragt; sie wurden damals in der Schule genauso getauscht wurden wie heute Autogramme von Prominenten.

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Detlef Franzen, zehn Jahre Referent von OB Hartkopf

Im SPD-Parteibuch von Detlef Franzen (84) haben sich bekannte Politiker verewigt: Willy Brandt, Egon Bahr, Johannes Rau, Björn Engholm, Klaus Matthiesen, Walter Momper, Peer Steinbrück, Hannelore Kraft. Ein schönes Andenken an eine spannende Zeit! Pressemitteilung der SPD Remscheid

Besondere Umstände erfordern besondere Maßnahmen. So konnte aufgrund der Pandemie nur ein äußerst kleiner Kreis an der Kranzniederlegung zum 100. Geburtstag unseres ehemaligen Oberbürgermeisters Willi Hartkopf am 3. November 2020 teilnehmen. Gerne hätte die SPD Remscheid eine Feierstunde abgehalten und Erinnerungen auszutauschen mit Wegbegleitern ihres langjährigen SPD-Vorsitzenden und Ehrenbürger der Stadt Remscheid. Zu den Personen, die Willi Hartkopf besonders nahestanden, gehört Detlef Franzen. Er war dessen persönlicher Referent während der Zeit als von Hartkopf als Oberbürgermeister. Der Mann an dessen Seite lernte viele Prominente kennenlernen. Darunter 1979 auch Helmut Schmidt. Im SPD-Parteibuch von Detlef Franzen (84) haben sich bekannte Politiker verewigt: Willy Brandt, Egon Bahr, Johannes Rau, Björn Engholm, Klaus Matthiesen, Walter Momper, Peer Steinbrück, Hannelore Kraft. Ein schönes Andenken an eine spannende Zeit! Nach der aufregenden Zeit im OB Büro arbeitete Detlef Franzen bis zu seiner Pensionierung bei der Stadtverwaltung, zum Schluss als Leiter des Amtes für Wohnungswesen.

Mit dem notwendigen Corona-Abstand besuchte die stv. Vorsitzende des SPD-Ortsvereins Stadtmitte / Hasten, Ursula Wilberg, vor einigen Wochen den langjährigen Weggefährten von Willi Hartkopf, den sie aus der gemeinsamen Zeiten in der Alt-Gewerkschaft Öffentliche Dienste, Transport & Verkehr (ÖTV) kennt, in seiner gemütlichen Altbauwohnung an der Hindenburgstraße. Dort lebt der Pensionär und Witwer seit mehr als 40 Jahren. An den Wänden hängen signierte Fotos, Zeitungsausschnitte und andere Erinnerungen aus seiner aktiven Zeit als persönlicher Referent von Willi Hartkopf.

Detlef Franzen (84).Detlef Franzen wurde 1936 in Kiel in einen sozialdemokratischen Haushalt hineingeboren. Nach der Schule absolvierte er eine Ausbildung bei der Post und trat schon früh in die Deutsche Postgewerkschaft ein. Viele Jahre besuchte er gewerkschafts- und bildungspolitische Seminare, wodurch er neben dem Beruf eine umfassende Bildung erlangte und auf vielen Themengebieten geschult wurde. So lernte er Rhetorik und das politische Handwerk von der Pike auf. Willi Hartkopf traf Detlef Franzen auf einem der vielen gemeinsamen Gewerkschaftslehrgänge. Als Willi Hartkopf Oberbürgermeister der Stadt Remscheid wurde, holte er Detlef Franzen als persönlichen Referenten in sein Büro, dort war er dann zehn Jahre lang, von 1970 – 1980, als Organisator und Ghost Writer tätig. Nach der damaligen Gemeindeverfassung war der Oberstadtdirektor Chef der Verwaltung und das Amt des Oberbürgermeisters ehrenamtlich. Hauptberuflich war Willi Hartkopf Kreis-Geschäftsführer der Gewerkschaft Öffentliche Dienste, Transport und Verkehr (ÖTV heute ver.di).

Detlef Franzen hat zwei Leidenschaften: Die Musik und das Bergwandern. Lange spielte er die Es-Klarinette im Hilgener Orchesterverein, aber auch in diversen anderen Musikvereinen, wie in der Remscheider Schützenkapelle. Heute widmet er sich seiner 1000 Schallplatten umfassenden Sammlung, vor allem dem Jazz. (Antonio Scarpino)

Als der Lennepe Bach noch den Schellenberg hinunter floss

von Dr. Wilhelm R. Schmidt

Liebe Freunde des Bergischen Landes, liebe Lenneper,
Nach dem Lindenberg und dem Gartenberg in Lennep wenden wir uns heute dem Lenneper Schellenberg zu. Der Begriff ist den Lennepern bekannt, da zwischen dem Alter Markt und dem Mollplatz eine Straße "Am Schellenberg" heißt.

In den Niederschriften des Heimatforschers Paul Windgassen heißt es: Der Lennepe Bach  lief früher als offener Bachlauf den Berg hinunter durch den Garten des Rats- und Gerichtsschöffen Johann Wilhelm Paas (später Arnold Hardt) in einen hinter dem Wohnhaus Poststraße 9 liegenden Sammelteich. Der Überlauf dieses Teiches, der später zugeschüttet wurde, führte über die heutige Poststraße in den so genannten Pörtzches Teich, der unter dem 1927 abgebrochenen Spritzenhaus lag. Eine kleine Grünfläche ist heute darüber angelegt. Seinen Namen hatte der Teich von einer kleinen Pforte oder Pförtgen in der alten Stadtmauer.

Ein Überlauf dieses Teiches führte sein Wasser durch die Sackgasse über den Markt und die Kronenstraße. In der Kölner Straße vereinigte er sich mit dem östlichen Lennepe-Quellbach, und beide liefen weiter in den alten Schlammteich unterhalb des späteren Hallenschwimmbads, der außerhalb der alten Stadtmauer lag. Ein zweiter Überlauf des Pörtzches Teiches lief über die heutige Poststraße in den später überwölbten Brandteich auf dem heutigen Bismarckplatz, der auch "Schürmanns Teich" oder "Brandteich vor dem Cölner Tor" genannt wurde. Von hier aus lief das Wasser längs der heutigen Wupperstraße (früher lange Zeit Steinstraße)  in die Wiesen, die vor Anlage der Wupperstraße nahe dem späteren Holzplatz der Firma Wender & Dürholt lagen.

In der Mitte des Schellenberges lag der große „Platz vor dem Lüttringhauser Tor“ (heute Mollplatz). Der östliche Teil war schon früh bebaut. An der Stelle des späteren Denkmals von 1889 standen dort in alten Zeiten mehrere Wohnhäuser und kleine Fabriken. Der Fahrweg um die Stadt, heute "Am Thüringsberg", war damals tiefliegend und sehr schmal. Gegenüber des Lebensmittelgroßhandels von Thomas an der Ecke zur heutigen Lüttringhauser Straße stand das Anwesen von Martin Käsmacher, der dort eine Badeanstalt betrieb. Er empfahl sich mit kalten, warmen, Dusch-, Stahl-, Salz- und anderen Bädern. Später war dort die Wirtschaft von Tacke mit Nebenhaus und Hofraum, dahinter ein kleines Wohnhaus mit Färberei und ein Wolllager. Das Wirtshaus mit angebautem Nebenhaus lag in der heutigen Straßenfläche, so dass der Eingang zum Thüringsberg damals nuir halb so breit war wie heute. Anfang der 1860er Jahre brannte das Wirtshaus mit Nebenhaus ab; da konnte die Straße dann verbreitert werden. Die Färbereianlage und das Wolllager wurden für die Anlage des Kaiserdenkmals im Jahre 1888 angekauft und abgebrochen, ebenfalls das daran anschließende Wohnhaus von Johann Wilhelm Strohn, der unterhalb zum Gänsemarkt hin seine Fabrik hatte.

Die heutige Poststraße war ebenfalls ein ausgetretener Hohlweg, der sich bis zum Kölner Tor (heutige Bismarckplatz) hinzog. Das Hotel Berliner Hof entstand wie auch die weiteren alten Gebäude am heutigen Mollpatz um 1830. Auf dem großen Platz vor dem Lüttringhauser Tor soll im Mittelalter das sogenannte Tirvelshäuschen gestanden haben, später auch Drieselhäuschen genannt, in dem Schwerverbrecher öffentlich ausgestellt wurden. Das Häuschen, ein Käfig aus Eisen oder Holzstäben gebaut, konnte nach allen Himmelsrichtungen gedreht werden. Der Verbrecher konnte sich deshalb nicht verstecken, er konnte von allen Seiten gesehen werden.  Nach den Aufzeichnungen des Baumeisters Albert Schmidt entstanden alle direkt am heutigen Mollplatz liegenden Gebäude in den 1820er Jahren bis 1830.

Mit den Steinen der alten Stadtmauer und des Lüttringhauser Tors pflasterte man die "Cöln-Berliner–Staatsstraße", die zuvor nur aus einem schmalen ausgefahrenen Weg bestanden hatte. Auch im Berliner Hof zur Neugasse hin sollen derartige Steine verarbeitet sein. Gegenüber dem Berliner Hof entstand damals das Haus Poststraße 1 (später Mollplatz 7), das im 19. Jh. nacheinander mehreren Industriellen und Kaufleuten wie Luckhaus und Springmann, u.a. auch dem  Spinnereibesitzer Albert Karsch (1810-1868) gehörte. Im Revolutionsjahr 1848 tagte hier in den Sälen im ersten Stock eine bürgerliche Revolutionsgesellschaft. Im Jahre 1910 erwarb der Reg.-Baumeister a.D. und Lenneper Baumeister Arthur Schmidt das große Anwesen für seine Familie.

Über den Lenneper Schellenberg ging ein uralter Weg von Lennep zum Hohenhagen. Die heutige Schlachthofstraße und die Gartenstraße wurden erst beim Bau der Eisenbahn von Rittershausen über Lennep nach Remscheid angelegt. Die meisten Wohnhäuser in dieser Gegend entstanden erst nach dem fast gänzlichen Fall der Stadtmauern um 1815 und nach der Anlage der Eisenbahn ab 1867 (Eröffnung 1. September 1868).

Klärchen un Joachim, der Stüöwsuger

Man wüard em Auler schonmal en büsken fuol mengt de Kaal. Denn ech han miar döckes en automatischen Stüöwsuger als Roboter bim Discounter ienjegeilt.  Ech han jo kianen Soustall, ewer man merkt ett döckes. He sust allengk dur die Bude un sugt und sugt, alles wat he fängt: Wollmüas, Schnodderlappen, Papierkes von de Schokelad usw. He bruust ongerm Schäselong, ongerm Disch, ongerm Bett, in der Köche un öwerall wo ech en uutsaat. He har en Fernbedienengk wie biem Feänsenn, dat ess praktesch. Do kann man enn dur de ganze Bude jagen, ohne dat man oppstongk muat.

Schonmal schuwt he denn klianen Müllemmer vor lauder Wut dur de Gegend für sech her, oder bollert emmer widder für die Balkondür bis die zu ess. Ewer datt ess nit schlemm. Irgendwann merkt he datt he mit Wut nit widder kümmt unn fährt drümherüm. Sonst ess he fließeg und schafft wat wech.

De Müter kieken enn aan, watt datt für enn kuomischen Apparat ess. Ewer im gruoten und ganzen hand se enn akzeptiert unn looten enn in Rouhe arben.

Biem Kaal ess datt nit su. Wenn ech sach, bring mal en Müll ruut sait he: Ne, später, ett ess too kauld, ett ess too warm, ech bin alt uutgetrocken, datt mach ech morgen odder üwermorgen usw.

Emmer wat angersch. Bis man ett als selwer tut.

Biem Stüöwsuger ess datt nit su. De schuftet bess he müad ess und wenn he müat es, dann makt he tau, datt he in sian Bedde kümmt. Ohne Mucks haut he dann aff, fährt in siene Ecke un läd sech opp. Am neksten Dag dat glieke wiar.

Brav esse. Un weil he so brav ess hätt he och en Nam jekrait. He hitt „Joachim“. Enn paar Uogen hann ech emm och droffjeklevt.

Ett ess schad datt Joachim nitt noch mehr kann als sugen.

Wenn ett en Roboter givt der bügelt odder ett Bedde makt, dann sacht miar Besche’id, den kuop ech mir och noch.

Bös strackes önker Klärchen

Ferienlager für Jungen und Mädchen immer getrennt

von Dr. Wilhelm R. Schmidt

Liebe Freunde des Bergischen Landes, liebe Lenneper,

beim vorweihnachtlichen Kehraus meiner Lenneper Materialien, beim Großreinemachen vor dem Jahresende stieß ich dieser Tage auf Unterlagen aus der Nachkriegszeit, die ich vor rund zwanzig Jahren von einem meiner Archivvorgänger übernommen hatte. Der inzwischen Verstorbene war ein echter Lenneper Jung und zeichnete neben manch anderen historischen Begebenheiten auch eigene Erlebnisse aus der Nachkriegszeit auf, oft auch aus dem katholischen Bereich Lenneps, dem er angehörte. Gerade, weil er wenn immer möglich seinen Erinnerungen Bildmaterial zufügte, ist so manches, was auf uns heute überkommen ist, immer noch interessant, für die Archive natürlich, aber auch für uns Jüngere, die wir an der Geschichte Lenneps und des Bergischen Landes interessiert sind. Gerade in einer Zeit, in der uns gezwungenermaßen der Weg in die Öffentlichkeit oft versperrt ist, hat ja das Lesen wieder ein neue Dimension bekommen, auch am PC-Bildschirm oder über das Handy. In der letzten Zeit höre ich aber öfters, dass vielerorts unsere Lennep-Geschichten auch ausgedruckt und in Ruhe im Sessel gelesen oder vorgelesen werden, um sich zu vergegenwärtigen, wie es früher war.

Kaplan Schneider verstand es, die Jugend zu motivieren und zusammenzuhalten. Schon in den Kriegsjahren war dies der Fall. Er war ein Hirte im wahrsten Sinne des Wortes, dem jeder am Herzen lag. Ein Beispiel dafür, wenngleich es für mich persönlich nicht gerade schmeichelhaft ist: Anfang der vierziger Jahre hatte ich in Latein auf dem Zeugnis eine fünf. Kaplan Schneider erfuhr davon und „büffelte“ mit mir so lange, bis es saß. Und ich bin sicher, dass ich nicht sein einziger „Fall" war.

Das Sorpe-Zeltlager 1949. Wenn ein Zeltlager sich dem Ende näherte war es üblich, den „Donnerbalken“ nicht mehr zu benutzen. Er wurde angesägt, das hieß, dass der Benutzer unter Umständen unsanft in der Kuhle landete. Ich vergesse nie: Rektor Even muss wohl dieses Unglück widerfahren sein. Es war die Sensation im Lager. Das Donnerwetter des Kaplans war aber auch nicht von schlechten Eltern.

Seinerzeit wurden die Ferienlager für Jungen und Mädchen immer getrennt veranstaltet. In der Regel bekamen die Mädchen feste Unterkünfte wie Scheunen oder  Klöster und die Jungen Zelte. Teilweise waren es alte Zwei-Mann-Wehrmachtszelte, die aus zwei Planen aus mehr oder weniger imprägniertem Tarnstoff bestanden. Oder es waren grün-graue Zelte der Amerikaner. Die Großzelte wurden uns in der Regel vom Stadtjugendbund geliehen, erst später besaß die kath. Jugend eigene Zelte.

Alle Zelte waren übrigens ohne Boden. Wir schliefen auf Stroh. Darüber war eine Wolldecke ausgebreitet. Als Kopfkissen diente ein „Affen“, zumeist aus der Hinterlassenschaft der aufgelösten deutschen Wehrmacht. Ungemütlich wurde es in den Zelten nur bei Regen. Vorsichtshalber mussten von außen rund um die Zelte ca.20 cm tiefe Gräben gezogen werden, in die das Wasser von den Zeltdächern ablaufen konnte.

Zum Zeltplatz gehörte immer ein Feldaltar, denn die tägliche hl. Messe nach dem Waschen war unumstößlich, genau wie das Lagerkreuz, das spätestens am zweiten Tag stand, wenn es nicht schon vorher von der „Vorhut“ aufgebaut worden war. Für uns war es später, als wir schon zu den älteren Teilnehmern gehörten, das schönste, zur Nachhut zu gehören. Dann gab es für uns noch ein paar Tage richtiges Zigeunerleben, ohne Zwang (auch ohne Waschen und hl. Messe), bis der Zeltplatz wieder aufgeräumt war. Am letzten Abend, bevor wir nach Hause fuhren,  wurde das Lagerkreuz und das Stroh abzufackeln. In der Glut des erlöschenden Feuers garten wir dann die restlichen Kartoffeln. Am nächsten Morgen stand dann der Fuhrunternehmer Hackenberg auf dem Platz, lud uns mitsamt Zelt und sonstigem Material auf die offene Ladenfläche seines Lkw und brachte uns zurück nach Lennep.

Meätensengen op Remschedder Platt

Meäten, Meäten,
Meäten es enn guoden Mann,
de us guot gätt gewen kann,
de Äppel on de Biären,
de Nüöte goannt uoch met.

De Frau, die gi'eht derr Trappen erop
on brängt enn Schuot voll met eraff;
Oh watt enn guode Frau es dat!
Meäten rut, Meäten rut, Meäten rut.

Bowen en demm Schoansi'en
do hangen de langen Wüöschte:
Frau, göff us de langen,
loot de kotten hangen!
Meäten rut, Meäten rut, Meäten rut.

Frau, lot us nit te lang mi'eh stoann,  
vir motten noch en Hüsken widder goann,  
hie vandännen bis üöwern Rhien,  
moan motten vir tehi'emen sinn!

Bowen en demm Hemmel,  
do sti'eht enn witten Schemmel
on droppen es geschri'ewen:  
.„Gitzhals, Gitzhals, Gitzhals!“

(sog. Sieper-Version nach "Remscheider Sprachfibel" von Siegfried und Jürgen Horstmann)