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Zurück nach Madrid mit Merkzetteln und Notizen

Ein „Ideenbasar zur Zukunft des Honsbergs“ und die Aktion „Mach Dein Licht an!!!“, bei der viele blaue Lichter, die aus den bewohnten Wohnungen auf die Straßen schienen als Zeichen der Hoffnung und des Engagements für eine lebendige Zukunft des alten Remscheider Arbeiterviertels – das waren dort am Samstag der Höhepunkt einer „Quartierswerkstatt“. In ihr wollte das spanische Architektenbüro „Taller de Casqueria“ (Jorge Sobejano, Selina Feduchi und Álvaro Molins) gemeinsam mit interessierten Bewohnern des Stadtteils in den vergangenen Tagen „Ideen zu neuen, ergänzenden wirtschaftlichen, kulturellen und sozialen Aktivitäten und Nutzungen“ auf dem Honsberg entwickeln, die über das bisherige Stadtentwicklungskonzept hinausgehen. Ob das gelingen wird, muss sich erst noch zeigen. Wenn die drei jungen Architekten heute nach Madrid zurückfliegen, werden sie jedenfalls viele Merkzettel und Notizen im Gepäck haben für ihre „Honsberg-Strategie“ zur Zukunft des Stadtteils. Die will das spanische Team in den nächsten Wochen in Madrid erarbeiten. Bei stetiger Rückkopplung mit der Stadt Remscheid und der Wohnungsbaugesellschaft GEWAG per E-Mail und Videokonferenzen per Skype! Am Honsberg soll das Ergebnis dann am 6. Mai der Öffentlichkeit präsentiert werden. (Kamera im Video: Lothar Kaiser uns Hans Georg Müller)

Viele blaue Lichter für Honsbergs lebendige Zukunft

Taller de Casqueria hat mit dem Honsberg einiges vor“, kündige der Waterbölles am 18. Februar an. Durch Aktionen von Künstlergruppen wie dem Verein Kulturwerkstatt / Ins Blaue e. V. in bis dahin unbewohnten Häusern der GEWAG im Honsberger Süden waren die „Montag Stiftung Urbane Räume gAG“ (MUR) und das (vom Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes Nordrhein-Westfalen getragene) Büro Startklar „Initiative ergreifen“ auf den Remscheider Stadtteil Honsberg seine Potentiale aufmerksam geworden und hatten – nach einem Ausschreibungsverfahren das spanische Architektenbüro „Taller de Casqueria“ beauftragt, nach einer Quartierswerkstatt mit Akteuren / Bewohnern für den Ortsteil „Ideen zu neuen, ergänzenden wirtschaftlichen, kulturellen und sozialen Aktivitäten und Nutzungen“ zu entwickeln. Es geht gezielt um „besondere Impulse für die Entwicklung des Stadtteils..., die über das bisherige Stadtentwicklungskonzept hinausgehen“. Das Projekt ist zu 80 Prozent aus Stadtumbau-Fördermitteln finanziert. Die Stadt Remscheid mit 10.000 Euro beteiligt.

Am vergangenen Sonntagabend kamen die drei Planer von Taller de Casqueria ( Jorge Sobejano, Selina Feduchi und Álvaro Molins) auf dem Honsberg an, bezogen ihr Quartier und arbeiten seitdem in Ateliers der Künstlergruppe „Ins Blaue“ im Haus Halskestraße 26. Und gestern trafen sie sich dort mit dem Technischen Beigeordneten Peter Heinze, Dr. Robert Winterhager, Projektentwickler der Montagsstiftung Urbane Räume, Wiltrud Willing von der GEWAG und dem für die Montagsstiftung arbeitenden freien Stadtplaner Kai Dietrich, der schon seit sechs Monaten auf dem Honsberg unterwegs ist.

Bis zum 16. März wird das Planungsteam gemeinsam mit Bewohnerinnen und Bewohnern, Initiativen, Vereinen und Institutionen eine „Honsberg-Strategie“ für die Zukunft des Stadtteils erarbeiten. Initialzündungen? Sicher aber eine Zukunftsvision. Dafür will das spanische Team seiner Rückkehr in Madrid sorgen. Am Honsberg soll diese dann am 6. Mai der Öffentlichkeit präsentiert werden. Erfahrungen mit ähnlichen Projekten hatten die Stadtplaner zuvor bereits in Marl, Bottrop und Berlin gesammelt.

Von ihnen stammte auch die Idee zu der temporäre „Glühbirnenbörse“: In der Honsberger Straße 18b können alle Honsberger Haushalte seit Montag ein blaues LED-Leuchtmittel für eine große kollektive Lichtinstallation abholen, die für den kommenden Samstag, 16. März, geplant ist, und dabei mit dem Planungsteam Ideen austauschen. Davon sei bereits rege Gebrauch gemacht worden, berichtete gestern Dr. Robert Winterhager: „150 blaue Birnen als Botschaft, dass der Honsberg eine Zukunft hat, haben wir schon verteilt. 450 sind noch zu haben!“  Viele Bürger/innen, die sich offenbar schon früher Gedanken zur Zukunft  des Stadtteils gemacht hätten, seien mit Anregungen in die „Glühbirnenbörse“ gekommen. Das bestätigten auch die spanischen Planer und zeigten sich „überrascht über Spontaneität und Offenheit. Wir fühlen uns in diesem Gesprächen willkommen!“ Spürbar sei eine große Erwartungshaltung, die Hoffnung auf mehr junge Leute (Studenten der neuen Fachhochschul-Dependance?) im Viertel, aber auch die Sorge, nach Bäckerei, Metzgerei und Kneipen auch noch den letzten Arzt und Apotheker zu verlieren.

Interessierte können sich bis zum Samstag vor einer blauen Leinwand mit ihrer ganz persönlichen Zukunftsvision vom Honsberg auf Video aufnehmen lassen. Die Botschaften werden gesammelt und am Samstagnachmittag in der Quartiers-Werkstatt, einem großen Ideenbasar, in der Turnhalle der ehemaligen Grundschule Honsberg präsentiert. Bisheriger Eindruck der Fachleuteaus Spanien: „Für die Bewohner ist das Leben auf dem Honsberg jetzt schon besser aus des Image des Viertels außerhalb!“

Stadt will 104 Mitarbeiter des BAF e.V. übernehmen

Zu einer Sondersitzung kommt der Rat der Stadt Remscheid am kommenden Montag, 18. März, um 16.30 Uhr im großen Sitzungssaal des Rathauses zusammen. Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz hat die Sitzung auf Antrag der CDU-Fraktion einberufen. Begründung der CDU: Die Ratsfraktionen und -gruppen seien dringend über die strategische Ausrichtung der Unterbringung von Flüchtlingen in Remscheid zu informieren. Denn die Stadtverwaltung, die in den vergangenen Jahren aus Kostengründen mühsam Personal eingespart hat, soll auf einen Schlag um mehr als 100 Mitarbeiter größer werden. Derzeit sind sie noch beim BAF e.V. (Begegnen, Annehmen, Fördern) beschäftigt, der seit 1996 mit der Hausverwaltung der städtischen Übergangsheime und der Betreuung der Flüchtlinge betraut ist. Doch dem wirf die Stadt Strukturlosigkeit (um nicht zu sagen organisatorisches Chaos) vor und will ihm deshalb kündigen.

Darüber hatte der OB das am vergangenen Samstag in seinem Dienstzimmer Vertreter der Politik informiert und für die reguläre Ratssitzung am 28. März einen Beschlussvorlage angekündigt, die zu den 104 neuen Verwaltungsmitarbeiter/innen führen soll. Weil beim BAF e.V. ad hoc die Reißleine gezogen werden müsse. Der eigenständige Verein, gegenwärtig noch Arbeitgeber der104 Beschäftigten (davon 70 in Vollzeit, drei in Teilzeit und 31 geringfügig beschäftigt), ist in den vergangenen Jahren mit der Zahl der Flüchtlinge so groß geworden, „dass eine Fortführung der Aufgabenwahrnehmung nur unter erheblichen organisatorischen Veränderungen und einer grundsätzlichen Neuausrichtungen möglich ist“. Das hat eine „prozessorientierte Organisationsuntersuchung“ zu den Strukturen und Arbeitsabläufen innerhalb des BAF e. V. ergeben, um die die Stadt Remscheid im vergangenen Jahr die Stadt Solingen gebeten hatte unter Beteiligung des eigenen Rechnungsprüfungsamtes.

Der Vertrag zwischen Stadt Remscheid und BAF (“Heimleitungsvertrag“) zwecks Verwaltung der städtischen Übergangsheime für asylbegehrende Ausländer, Kriegsflüchtlinge sowie Aussiedler (ausländische Flüchtlinge) einschließlich deren sozialpädagogischer Betreuung datiert auf den 3. Januar 1996. Im Laufe der Jahre wurde der Vertrag mehrfach geändert und an die jeweils aktuelle Flüchtlingssituation in Remscheid angepasst. Parallel dazu besteht für die Notschlafstelle Schüttendelle ein gesonderter Vertrag. Zuletzt wurde der Heimleitungs- und Dienstleistungsvertrag am 8. August 2012 unter anwaltlicher Begleitung neu gefasst, mit Nachtrag vom 9. Januar 2015. 2012 registrierte die Stadt sinkende Flüchtlingszahlen. Damals beschäftigte der BAF e. V. gerade mal 37 Mitarbeitende. Die Personalkostenabrechnung wird durch einen Treuhänder über ein Treuhandkonto vorgenommen unter Einbeziehung eines Steuerberaters. Die Abrechnungen zur Überprüfung erhält die Stadt vom Verein quartalsweise.

Das alles blieb bis 2015 überschaubar. Doch ab dann weitete sich „das Auflagenvolumen des Vereins ... extrem aus. Bestehende Arbeitsprozesse ... konnten aufgrund der kontinuierlich steigenden Flüchtlingszuwanderung weniger systematisch entwickelt werden. Innerhalb kürzester Zeit mussten neben den drei bestehenden Übergangsheimen fünf zusätzliche Übergangsheime sowie Hunderte von Wohnungen betreut werden.“ So steht es in einer Presseerklärung, die Oberbürgermeister Mast-Weisz gestern Abend gegen 19.15 Uhr den anwesenden fünf Journalisten übergab. Mit diesem Termin hatte er kurzfristig auf die Ankündigung der CDU reagiert, am Donnerstagmorgen eigenständig die Presse über die geplanten Personalmaßnahmen informieren zu wollen. Seine Bitte, diesen Termin zu verschieben, da für Montag zunächst die BAF-Mitarbeiter von dem anstehenden Wechsel ihres Arbeitgebers erfahren sollten, habe der CDU-Fraktionsvorsitzende nach Rücksprache mit seinen Vertretern Markus Kötter und Tanja Kreimendahl abgelehnt, berichtete der OB gestern Abend – und zeigte sich verwundert. Schließlich habe beim Hintergrundgespräch mit der Politik am Samstag keiner der Anwesenden widersprochen, als er von der Absicht der Stadt berichtet habe (vorbehaltlich eines Ratsbeschlusses am 28.März), die Verträge mit dem BAF e. V. ordentlich zum 31.März zu kündigen, um den Vertrag zum 31. Dezember auslaufen lassen zu können. Und auch nicht der für diesen Termin geplanten Übernahme des BAF-Personals in den städtischen Stellenplan mit allen Rechten und Pflichten städtischer Mitarbeiter. Rechtsdezernentin Barbara Reul-Nocke dazu einschränkend: „Aber Schweigen heißt nicht immer Zustimmung!“

Und so musste der OB das Gespräch mit der BAF-Belegschaft auf morgen Abend vorverlegen und die Presse auf die Schnelle ins Bild setzen, um noch halbwegs Herr der Verfahrens zu bleiben und der CDU das Feld nicht allein zu überlassen. Obwohl die Beschlussvorlage für die Ratssitzung am 28. März noch gar nicht fertig geschrieben ist, die CDU darauf also heute nicht Bezug nehmen kann! Über deren Beweggründe wurde folglich gestern Abend spekuliert. Will sie aus der „Zwangsmaßnahme“ politisches Kapital schlagen oder diese gar gänzlich verhindern? Letzteres hält der OB nicht für möglich; er geht von einer deutlichen Ratsmehrheit aus für die Beschlussvorlage der Verwaltung. Zumal die Bezirksregierung Düsseldorf dagegen bei den anstehenden Haushaltsgesprächen keine Einwände erhoben habe. Und in einem Gespräch kurz vor der gestrigen Pressekonferenz habe er den Betriebsratsvorsitzenden der BAF, Mitglieder des Vorstands, die BAF-Geschäftsführerin Daniela Krein und einen Vertreter des Personalrates der Stadt Remscheid informiert, berichtete der OB, und diese hätten das geplante Vorgehen ausdrücklich begrüßt.

Mit Daniela Krein sprach der Waterbölles heute Morgen gegen 9.30 Uhr am Telefon. Für sie hatte sich die Arbeitssituation schon 2016 drastisch verändert: „Damals habe ich mich zum ersten Mal beim Vorstand wegen Arbeitsüberlastung gemeldet!“ Seitdem habe dieser an einer Änderung der Satzung gearbeitet mit dem Ziel, ihr mehr Handlungsspielraum zu geben. Mehrere Entwürfe habe es gegeben, die „viel Zeit und Kraft gekostet“ hätten, die aber alle als wenig zielführend verworfen worden seien. Hinzu kam offenbar, wie der Oberbürgermeister gestern berichtete, dass die Mitglieder des (von Norbert Horn geführten) Vorstands nicht alle an einem Strang gezogen und ein Teil von ihnen mit Daniela Krein nicht richtig zusammengearbeitet hätten. In der Presserklärung liest sich das so: „Aus der Struktur des aktuellen Vertrags ergeben sich erhebliche Defizite und Risiken für die Stadt Remscheid. (...) Die Geschäftsführung ist ... nicht entsprechend bevollmächtigt, die Geschäfte des Vereins zu führen. Dies hat erhebliche Auswirkungen auf die Aufgabenerledigung und die Funktion des Vereins als Arbeitgeber. (...) Es bestehen nur sehr eingeschränkte Kontrollmöglichkeiten und Möglichkeiten auf eine ordnungsgemäße und effektivere Aufgabenerfüllung Einfluss zu nehmen. (...)Aufgrund der derzeitigen Zusammensetzung des (am 24. November 2018 neu gewählt) Vorstandes bestehen seitens der Stadt Remscheid erhebliche Bedenken, dass der Vorstand seinen satzungskonformen Aufgaben nachkommen und die Geschäfte des Vereins ordnungsgemäß führen kann. Dies wurde von zwei Vorstandsmitgliedern bestätigt.“ Fazit der Verwaltung: „Die Aufgabe der Unterbringung und Betreuung ausländischer Flüchtlinge kann unter den bestehenden Voraussetzungen mit dem Vertragspartner BAF e. V. nicht mehr adäquat erbracht werden.“ Dafür gibt die Stadt pro Jahr entsprechend der vertraglichen Verpflichtung für Betriebsmittel und Personalaufwendungen ca. 3,5 Millionen Euro aus. Hierdurch entstünden ihr „erhebliche finanzielle Risiken“, räumte der OB ein. Den BAF-Mitarbeitern selbst machte er keine Vorwürfe. Die hätten "stets gute Arbeit geleistet".

Was also tun? Einen neuen Verein suchen? Bei dieser Auftragssumme hätte eine Ausschreibung europaweit erfolgen müssen - mit allen damit verbundenen Unwägbarkeiten. Das schied aus! Nachdem die Stadt Solingen im Februar ihren Prüfbericht abgegeben hatte, holte sich der Remscheider Verwaltungsvorstand Rat bei Anwälten. Und der lautete, die Stadt müsse die Pflichtaufgabe der Unterbringung und Betreuung ausländischer Flüchtlinge kurzfristig selbst sicherstellen, indem alle Mitarbeitenden des BAF e. V. zeitnah in die Organisationsstruktur der Stadt Remscheid integriert werden. Dies gilt auch für den Betreuungsvertrag zur Notschlafstelle Schüttendelle.  Der Oberbürgermeister: „Die Altersstruktur der Mitarbeitenden des BAF e. V. würde es der Stadt Remscheid ermöglichen, auf einen eventuell notwendigen Personalabbau (z. B. bei Schließung von Übergangsheimen) ausschließlich im Rahmen der Altersfluktuation zu reagieren. Kostensteigerungen werden sich aus den neuen städtischen Mitarbeitern nicht ergeben!“ Im Gegenteil: Aus einer einheitlichen IT und Nachrichtentechnik, Personalverwaltung, Materialbeschaffung, einheitlichem Rechnungswesen und  Controlling, klaren Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten und durch einen Abbau von Doppelstrukturen (Sicherheitsfachkraft, Betriebsarzt, Treuhänder, Datenschutzbeauftragter) würden sich Synergieeffekte ergeben. Im Übrigen, so Barbara Reul-Nocke ergänzend, sei demnächst die Gründung einer städtischen Tochter-GmbH oder eines städtischen Eigenbetriebes zur Betreuung der Flüchtlinge nicht ausgeschlossen. Letzter Satz des OB: „Hauptsache, wir bekommen klare Strukturen!“ Darauf hofft BAF-Geschäftsführerin Daniela Krein schon lange...

Wohnen und Pflege im Alter für Migranten

Pressemitteilung der Stadt Remscheid

Im Rahmen der kultursensiblen Seniorenarbeit hatten am Samstag das Kommunalen Integrationszentrum und der Integrationsrat der Stadt Remscheid Mitglieder des Integrationsrats und des Seniorenbeirats  sowie Mitarbeiter/innen von Pflege- und Seniorendiensten, Beratungsstellen und Migrantenselbstorganisationen u. a. zu der Fachtagung „Wohnen und Pflege im Alter für Menschen mit Zuwanderungsgeschichte“ ins Rathaus eingeladen. Nach den Grußworten von Moderator Ralf Noll, Sozialdezernenten Thomas Neuhaus, der Leiterin des Kommunalen Integrationszentrums Sevinc Brilling und der Vorsitzenden des Integrationsrats, Erden Ankay-Nachtwein, stellte die städtische Mitarbeiterin Sabine Schneider das vielfältige Angebot der Wohnberatung von Pflegebedürftigen vorin Bezug auf Ausstattung der Wohnung und auf Finanzierungsmöglichkeiten.

„Ambulant vor stationär“ ist auch das Motto der Pflegeberatung der Stadt Remscheid. Andrea Wild, ebenfalls Mitarbeiterin der Stadt Remscheid erläutere das kostenlose und unverbindliche Beratungsangebot für pflegebedürfte Menschen und deren Angehörige. Trägerunabhängig berät sie hinsichtlich der unterschiedlichen Hilfsangebote und hilft bei der Antragstellung. Und Gabriela Pires-Rodrigues von den AWO-Seniorendiensten erläuterte die genauen Pflegeleistungen und Pflegegrade und ging dabei auf die Unterscheide der ambulanten Pflege, der teilstationären Pflege und der stationären Pflege ein. So zeigte sich anhand vieler Beispiele, dass die kultursensible Beratung in Remscheid bereits sehr gut ausgebaut ist. Zahlreiche Interessenten nutzen die Angebote der Beratungsstellen bereits, trotzdem nehmen aber noch zu wenige Remscheiderinnen und Remscheider mit Zuwanderungsgeschichte diese Angebote wahr. Dies müsse nicht an Verständigungsproblemen liegen, wurde allseits betont.

Remscheider Flüchlingsheime werden 'zurückgefahren'

Zur Sitzung des Integrationsrates am 7. März hat der Fachdienst Zuwanderung der Stadt den derzeitigen Sachstand zum Thema Flüchtlinge in Remscheid mitgeteilt. Demnach waren es Ende Januar 1.619 Flüchtlinge mit Bleiberecht (humanitäre Aufenthalte), 586 Personen Flüchtlinge im laufenden Asylverfahren und 405 Flüchtlinge mit abgelehntem Asylverfahren (Duldung), zusammen 2.610 Personen.  

Personen, die als Asylberechtigte anerkannt  bzw. denen die Flüchtlingseigenschaft zuerkannt wurde, sind grundsätzlich berechtigt, Familienangehörige (Ehepartner und Kinder) im Wege der Familienzusammenführung nach Deutschland zu holen. Im Jahr 2019 zog bisher ein Ehegatte eines Flüchtlings im Rahmen der Familienzusammenführung nach Remscheid. In diesem Jahr liegen bisher Anträge von zwei Familien zum Nachzug zu dem in Remscheid lebenden minderjährigen Kind (jeweils 17 Jahre alt) vor. Insgesamt haben somit seit Inkrafttreten des Familiennachzugsneuregelungsgesetz seit August 2018 sieben Familien den Nachzug zu dem hier lebenden Schutzberechtigten beantragt. Bundesweit wurden in den Monaten August 2018 bis Dezember 2018 insgesamt 6.132 Visa nach dem Familiennachzugsneuregelungsgesetz beantragt und im gleichen Zeitraum insgesamt 2.612 Visa erteilt, wie das Bundesministerium des Inneren mitteilte. In 2019 leitete die Stadt Remscheid bislang fünf Rückführungsverfahren ein und schon vier Ausländer ab. Weitere fünf reisten freiwillig aus. Seit Anfang des Jahres  sind bisher 25 neue Flüchtlinge nach Remscheid zugewiesen worden; sie kamen aus dem Iran, Syrien, der Türkei, Pakistan, China, Afghanistan, dem Irak und Schwarzafrika.

In den sieben städtischen Übergangsheimen und einer Wohnanlage leben zurzeit 469 Personen, in Wohnungen weitere 485, zusammen 954. „Sowohl für die Unterbringung der vom Land zugewiesenen Flüchtlinge als auch für die Flüchtlinge, die nach erfolgreichem Asylverfahren ein Bleiberecht erlangt haben und sich eine eigene Wohnung suchen müssen, stehen weiterhin ausreichende Kapazitäten zur Verfügung“, teilt die Verwaltung mit. „Aufgrund der geringeren Zuweisungen in den Jahren 2017 und 2018 im Vergleich zu den Jahren 2015/2016 werden die Kapazitäten in den städtischen Unterkünften unter Berücksichtigung eines ausreichenden Puffers sukzessive (insbesondere durch Abmietungen von Wohnungen) verringert. Der Mietvertrag des Übergangsheimes Alleestr. 64 (Frauen und minderjährige Kinder) läuft Mitte April aus und wird nicht verlängert. Alleinreisende geflüchtete Frauen mit ihren Kindern werden künftig adäquat in einer Flüchtlingsunterkunft an der Stockder Straße untergebracht (mit eine Rund-um-die-Uhr Betreuung).“

Utopien zur Integration waren wenig hilfreich

Nach dem heiteren Auftakt mit einem Stand-Up Comedian von „RebellComedy“ (gerne mehr davon) wurde es gestern Abend im gut besetzten Vaßbendersaal am Markt ernst: Gezeigt wurde der Film „Bleibeperspektive, eine machtvolle Praxis!“. Er beschreibt anhand der Erfahrungen von drei (Neu-)Zugewanderten sowie Interviews mit Entscheidungsträgern der beruflichen Integration und Expert*innen, welche Einflussmöglichkeiten und Auswirkungen die jeweilige Bleibeperspektive auf die berufliche Integration von drei Migranten hatte und welche Herausforderung für Akteur*innen der beruflichen Integration damit verbunden ist. Der Dokumentarfilm entstand in Zusammenarbeit von Souad El Hasnaoui, Stabsstelle Integration der Stadt Bonn, mit dem „Medienprojekt Wuppertal“. Wenngleich etwas zu breit angelegt in puncto Behörden, entlarvte der Film doch die bürokratischen Hindernisse der beruflichen Integration von Migranten. Souad El Hasnaoui hatte dafür schon in der ankündigenden Pressekonferenz ein Beispiel genannt: Natürlich werde keinem Migranten, auch denen ohne Bleibestatus, eine Ausbildung in Deutschland von den Behörden versagt. Aber wer diesen Status noch nicht besitze, habe keine berufliche Perspektive, weil er an keinem Deutschkurs teilnehmen dürfe. Eine Ausbildung ohne Deutschkenntnisse sei jedoch nur schwer vorstellbar.

Dass die Kommunen den Rahmen von Gesetzen und Verordnungen nicht ändern könnten, die die Integration von Flüchtlingen regeln (bzw. einschränken), betonte gestern Sozialdezernent Thomas Neuhaus. Der Anteil der Mitbürger mit Migrationshintergrund liege in Remscheid bei 38 Prozent – „und damit an der Spitze in NRW und sicherlich auch über NRW hinaus“. Das Miteinander sei in Remscheid konfliktarm – „und das bei niedriger Kriminalitätsrate!“ Das müsse man jenen immer wieder aufs Neue sagen, die in der Öffentlichkeit Ängste schüren wollten. Das Zusammenleben funktioniere gut. Das habe gerade erst wieder die Technische Universität Remscheid im Rahmen ihres MOSAIK-Projektes vor Ort bestätigt. Das zeige sich aber auch bei der Entwicklung der rückläufigen Anzahl der Bedarfsgemeinschaften bzw. der Transferleistungen im SGB II in Remscheid. Zahlreiche Migranten hätten den Weg in die Arbeitswelt gefunden.

Gleichwohl bleibe es für die Akteure aus Ehrenamt, Wohlfahrtsverbänden und anderen Institutionen sowie Verwaltung (im Saal stark vertreten) wichtig, Integration auch aus der Perspektive der Betroffenen zu sehen. In diesem Zusammenhang zitierte Neuhaus (geboren am 26.7.1967 in Dortmund) aus der Antirassismuskonvention von 1966. Institutionell und strukturell habe sich seit 2015 in Deutschland „sicherlich schon einiges verbessert“; mit dieser Veranstaltung biete sich nun  „die Gelegenheit, „Wege, Ermessensspielräume und neue Visionen für unsere Stadt zu entwickeln, damit alle Menschen in Remscheid in Würde leben und die Interessen der Gesamtgesellschaft gewahrt bleiben.“

Eine Gelegenheit, die leider in der Diskussion nach Film und kleiner Pause weitgehend ungenutzt blieb. Denn statt beispielsweise das Problem „Ohne Bleibestatus keine Ausbildung" zu vertiefen und nach Lösungen zu suchen, arbeiteten sich die Diskussionsteilnehmer an Utopien ab, was viele „Praktiker“ im Saal als unbefriedigend empfunden haben mögen. So propagierte etwa Prof. Dr. Paul Mecheril auf Nachfrage aus dem Plenum akedemisch die „europaweite Freizügigkeit“ – ein Ideal, dem Philosophen sicherlich ebenso zustimmen würden wie dem christlichen Gebot „Liebe Deinem Nächsten!“ Die gegenwärtig notwendige Integration für Geflüchteten bringt das aber keinen Schritt weiter!  Und auch die pauschale Forderung von Souad El Hasnaoui, Geflüchteten den Weg in die deutsche Arbeitswelt ungeachtet des dualen Ausbildungssystems zu erleichtern, um das uns viele andere Länder beneiden, war wenig hilfreich. Zumal Mecheril die Auffassung vertrat, das duale Ausbildungssystem werde sich ohnehin auf Dauer nicht halten lassen. Warum eigentlich nicht?! Zu Recht kam daher Widerspruch von Thomas Neuhaus und Martin Klebe (Agentur für Arbeit).

Vielleicht wäre es besser gewesen, den bis zum Film interessanten Abend mit Gesprächen bei Häppchen und alkoholfreien Getränken ausklingen zu lassen. So wurde die fast dreistündige Veranstaltung insgesamt leider der hochtönenden Ankündigung in der Pressekonferenz vom 15. Januar (Impulse zur besseren Integration von Zugewanderten) nicht gerecht.

Schulsozialarbeiter brauchen ein feines Gespür

Was wissen wir über Jugendliche, die empfänglich sind für salafistisches, ultra-nationalistisches, rechtsradikales oder antisemitisches Gedankengut? Wie können Lehrerinnen und Lehrer, Schulen, Einrichtungen des offenen Ganztags oder Schulsozialarbeiterinnen und Schulsozialarbeiter den extremistischen Risiken frühzeitig begegnen? Um Antworten Auf diese Fragen bemühte sich die Fachnachmittag „Extremismusprävention bei Jugendlichen“, zu der die die schulpsychologischen Beratungsstellen Remscheid und Wuppertal mit Unterstützung der Landesstelle Schulpsychologie und Schulpsychologisches Krisenmanagement (LASP) am vergangenen Dienstag ins Leibniz-Gymnasium in Lüttringhausen eingeladen hatte. Hauptreferent war Dr. Ahmet Toprak, Professor für Erziehungswissenschaften an der Fachhochschule Dortmund. Er forscht unter anderem zu interkulturellem Konfliktmanagement, Migrations- und Integrationsthemen sowie Gewalt unter türkeistämmigen Jungen. Der Waterbölles sprach nach der Tagung mit dem Remscheider Schulpsychologen Dr. Andreas Schulz.

Syrischer Goldschmied: Facharbeiter in 18 Monaten

Die berufliche und gesellschaftliche Integration von geflüchteten Menschen in die Gesellschaft ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die unter anderem intensive Bemühungen zur Eingliederung in Ausbildung und Beschäftigung erforderlich macht. Integration funktioniert am besten über Arbeit und Ausbildung. Die Motivation vieler Geflüchteter ist hoch -mit entsprechender Unterstützung und Deutschkenntnissen kann die betriebliche Ausbildung gelingen - die Sprache ist der Schlüssel. Ein besonders anschauliches und gelungenes Beispiel dafür wurde der lokalen Presse gestern bei der Firma ELORA-Werkzeugtechnik GmbH in Remscheid am Blaffertsberg präsentiert. Dort war der Syrer Youssef Chawa (43) in verkürzter Ausbildung (18 Monate) zur Fachkraft für Metalltechnik ausgebildet wurden, und Firmenchef Andreas Rauch hatte ihn anschließend in eine Festanstellung übernommen, total beeindruckt davon, wie schnell der gelernte Goldschmied aus Aleppo, im Januar 2016 binnen 14 Tagen ohne jede Deutschkenntnisse in die Bundesrepublik geflüchtet war, Deutsch lernte. „Durch seinen kulturellen Hintergrund und mit seiner offenen Art ist er eine Bereicherung für uns!"

Nach Remscheid war Youssef Chawa damals mit Unterstützung von Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz gekommen und dank der ehrenamtlichen Betreuerin Annelie Schwierz, der Qualifizierungsberaterin der Agentur für Arbeit Solingen-Wuppertal, Martina Wildförster, und Gerda Becker, Mitarbeiterin des Bildungszentrums der Industrie (BZI). Mit dem Angebot „Willkommenslotsen" des BZI hatte sie Youssef Chawa bekannt gemacht. So fand er einen Arbeitgeber, der ihm zunächst ein Praktikum ermöglichte. Und dieses verlief für dem Goldschmied aus Syrien so erfolgreich, dass darauf eine Ausbildung, sprich: Umschulung wurde, gefördert von der Arbeitsagentur. (Durch das seit Jahresbeginn geltende Qualifizierungschancengesetz sollen Arbeitnehmer gefördert werden und so gute Chancen haben, sich durch Umschulung auf den Arbeitsmarktwandel einzustellen. Unternehmen, die das Angebot nutzen oder mehr dazu wissen wollen, können sich direkt mit den Qualifizierungsberaterinnen der Agentur für Arbeit Solingen-Wuppertal in Verbindung setzen.)

Die Qualifizierungsberaterin Martina Wildförster berichtet begeistert: „Ohne aktives Mitwirken der Arbeitgeber können unsere Förderprogramme zur Fachkräftesicherung nicht erfolgreich ihr Ziel erreichen. Herr Chawa hat großes Glück mit der Firma ELORA gehabt, wo ihn alle so gut unterstützt haben. Die Gesamtkonstellation ist ein Musterbeispiel für gelungene Integration. Ich wünsche mir, dass dieses Beispiel viele Unternehmen motiviert, eventuell vorhandene Vorbehalte zu überwinden und die Fördermöglichkeiten zu nutzen. Gleichzeitig sehen wir hier, dass mit Motivation, Unterstützung und durch Zusammenarbeit vieles möglich ist, was zunächst unerreichbar scheint."

Seine Ausbildung bei der Firma ELORA-Werkzeugfabrik GmbH in Remscheid zur Fachkraft für Metalltechnik mit Schwerpunkt Zerspanungstechnik begann Youssef Chawa mit Beginn des Ausbildungsjahres 2017. Anfangs bereiteten ihm die mangelnden Sprachkenntnisse große Schwierigkeiten. Diese Hürde hat längst überwunden. Obwohl es anfangs keiner für möglich hielt, hat er seine Ausbildung als Fachkraft für Metalltechnik mit Schwerpunkt Zerspanungstechnik erfolgreich abgeschlossen – mit unbedingtem Willen und starker Motivation. Youssef Chawa sei bestens in den Betrieb integriert und eine Bereicherung für seine Kolleginnen und Kollegen, die ihn mit Freude und Engagement auf seinem Weg unterstützt hätten, betonte Dipl. Ing. Andreas Rauch. „Sie gaben ihm zum Beispiel Nachhilfe in Maschinenkunde!“ – „Ohne die enorme Unterstützung seines Umfeldes wäre diese Erfolgsgeschichte nicht möglich gewesen“, bestätigte Martin Klebe, Chef der Arbeitsagentur in Wuppertal. Die Agentur war daran beteiligt durch Beratung und Förderung des Praktikums und der Ausbildung.

Youssef Chawa hat längst den Antrag bei den Behörden gestellt, seine Ehefrau und seine beiden Töchter, die in den Irak geflüchtet waren, nach Deutschland holen zu dürfen.

Mohammed muss mit seinen Eltern leben dürfen

von Dr. Axel Ziemke*

Seit drei Jahren besuchen vier syrische Flüchtlingskinder die Rudolf-Steiner-Schule in Bergisch-Born. Einer von ihnen, Mohammed, ist ein „unbegleiteter minderjähriger Flüchtling“. Seine Eltern und seine Geschwister leben bis heute in Syrien. Die Lehrer der Steiner-Schule, die Eltern der Schülerinnen und Schüler, die Mitschüler, sie alle haben erlebt, wie die vier die deutsche Sprache erlernten und erleben, wie sie Freunde fanden und finden und einen festen Platz in ihrer Klassengemeinschaft eingenommen haben.

Sie haben das Leben aller Beteiligten und den Schulalltag unglaublich bereichert. Auch ihre Sehnsucht nach der Heimat ist immer deutlich zu spüren. Und bei Mohammed natürlich auch der tiefe Schmerz eines Kindes, das seit drei Jahren ohne Vater, ohne Mutter und ohne Geschwister leben muss.

Im Rahmen des „Familiennachzugsneuregelungsgesetzes“ dürfen seine Eltern nun endlich nach Deutschland kommen. Eine lange überfällige humane Geste Deutschlands. Doch diese Humanität reicht leider nicht sehr weit: Die beiden kleinen Brüder Mohammeds, 13 und 7 Jahre alt, bleiben von dieser Regelung ausgeschlossen. Wie tausende Eltern von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge werden auch die Eltern Mohammeds vor die fatale Entscheidung gestellt, entweder ihre Kinder im Heimatland oder jene in Deutschland allein zu lassen.

Diese Regelung ist nicht nur unmenschlich, sie verstößt nicht nur gegen das Menschenrecht auf Familie und die UN-Kinderrechtskonvention, sondern ist auch ein denkbar schlechter Beitrag zur Integration von Flüchtlingen in Deutschland. Die Familie ist einer der wichtigsten Werte der arabisch-muslimischen und der christlich-europäischen Kultur. Ausgerechnet diesen Wert, der unsere Kulturen miteinander verbindet, mit Füßen zu treten, ist eine denkbar schlechte Voraussetzung, Flüchtlingen aus der arabischen Welt die Werte unserer Kultur nahezubringen. Aus diesem Grunde habe ich eine Petition beim Deutschen Bundestag eingereicht, auch minderjährigen Geschwisterkindern von minderjährigen Flüchtlingen eine Aufenthaltserlaubnis aus humanitären Gründen zu ermöglichen. Bitte unterstützen Sie unsere Petition, die Flüchtlingskindern ihre Familie zurückgeben will! Bitte teilen Sie unsere Botschaft mit allen Menschen, die die Migrationspolitik in Deutschland nicht von PEGIDA-Demonstranten und AfD-Wählern diktieren lassen will! Bitte gewinnen Sie Menschen für dieses Anliegen!

Mit der Petition wird gefordert, dass den minderjährigen Geschwistern minderjähriger Flüchtlinge mit subsidiärem Schutz ebenso eine Aufenthaltserlaubnis aus humanitären Gründen (nach § 36 a Familiennachzugsneuregelungsgesetz) erteilt werden kann wie den Eltern minderjähriger Flüchtlinge. Begründung: Im Gefolge der Neuregelung des Familiennachzuges kann den Eltern von in Deutschland lebenden minderjährigen Flüchtlingen eine Aufenthaltserlaubnis aus humanitären Gründen erteilt werden. Die noch im Ausland lebenden minderjährigen Geschwister profitieren nicht von dieser Neuregelung. Für ihren Nachzug bestehen derzeit so erhebliche rechtliche Hürden, dass die Erteilung einer Aufenthaltserlaubnis in den meisten Fällen unmöglich oder nur in einem getrennten Verfahren mit erheblichem Zeitaufwand möglich sein wird. Konsequenz dieser Rechtslage ist, dass die im Ausland lebenden Eltern von minderjährigen Flüchtlingen vor die Entscheidung gestellt werden, entweder mit ihren in Deutschland oder mit ihren im Heimatland lebenden Kindern zusammen zu leben. Da die in Deutschland lebenden minderjährigen Kinder in der Regel älter sein werden als die minderjährigen Kinder im Heimatland, wird diese Regelung den Nachzug der Eltern unmöglich machen oder die Eltern zu einer Trennung zwingen, damit ein Elternteil nach Deutschland kommen und einer in Syrien bleiben kann. Beide Alternativen bedeuten weiteres seelisches Leid für die in Deutschland lebenden minderjährigen Flüchtlinge und ihre Familien und behindern erheblich die individuelle Entwicklung und Integration der Jugendlichen. Die derzeitige Regelung ist herzlos, unmoralisch und widerspricht dem Grund und Menschenrecht auf Familie ebenso wie der UN-Kinderrechtskonvention.

Was Sie tun müssen, wenn Sie die Petition unterstützen wollen:

  • Registrieren Sie sich auf der Homepage des Petitionsausschusses mit ihren persönlichen Daten und der Emailadresse
  • Bestätigen Sie die Registrierung, indem Sie die den Bestätigungslink auf der bei Ihnen eingehende Email des Petitionsausschusses klicken
  • Melden Sie sich mit ihren Zugangsdaten an und treten Sie der Petition bei

Was die Petition bewirken kann Bei Erreichen eines Quorums von 50.000 Stimmen sollte der Petitionsausschuss die Petition in Zusammenarbeit mit den zuständigen Organen des Bundestages und der Bundesregierung bearbeiten. Der Bundestag könnte daraufhin eine Gesetzesänderung beschließen. Sollte dies nicht der Fall sein, könnte die Petition dennoch ein deutliches Signal gegenüber Bundestag und Bundesregierung sein, dass es in Deutschland viele Menschen gibt, denen das Schicksal von Flüchtlingen aus den Krisenregionen dieser Welt am Herzen liegt – besonders dann, wenn es Kinder sind.

Die Petition ist vier Wochen online: vom 11. Februar bis zum 11. März. Während dieser Zeit 50.000 Stimmen zusammenzubringen, ist sehr schwierig. Es kann nur dann gelingen, wenn Sie als Unterstützer auch Menschen im Bekanntenkreis oder in Netzwerken aller Art zum Beitritt motivieren. Bitte, engagieren Sie sich für junge Menschen aus Krisengebieten!

*Dr. Axel Ziemke ist Lehrer an der Rudolf-Steiner-Schule, Remscheid

Theater-Workshop nicht nur für junge Migranten

Pressemitteilung des Caritasverbandes Remscheid e. V.

Im Rahmen des Asyl-, Migrations- und Integrationsfonds bietet der Fachdienst für Integration und Migration des Caritasverbandes Remscheid e. V in 2019 mehrere Workshops rund um das Thema Theater an. Im Fokus steht dabei der Theater-Workshop „Ich | Du | Wir | Gemeinsam Wertvoll“. Damit möchte der Fachdienst Jugendliche und junge Erwachsene, zwischen 16 und 30 Jahren, mit und ohne Fluchthintergrund, auf die Theaterbühne bringen und so auf kreative Weise den Austausch zwischen Menschen verschiedener Herkunft fördern. Denn Theater ist weit mehr als nur künstlerische Unterhaltung. So kann es für Laien, wie für Profis, eine Möglichkeit bieten, den persönlichen und gesellschaftlichen Problemen entgegen zu treten und im geschützten Rahmen, kreative Lösungen zu finden.

In dem wöchentlich stattfindenden Workshop soll über einen mehrmonatigen Zeitraum den jungen Teilnehmenden das Spiel auf der Bühne nähergebracht und der gemeinsame Dialog sowie die Stärkung individueller Fähigkeiten der Teilnehmenden gefördert werden. Als Grundlage dienen dabei die Methoden des brasilianischen Theaterpädagogen Augusto Boal. Zudem werden begleitende Workshops zu Themen wie Maskenbildnerei, Nähen und Schneidern, Bühnenbild sowie Stimme und Körperhaltung angeboten.

Es werden noch interessierte Teilnehmende gesucht. Vorkenntnisse im Bereich Schauspiel und Theater sind nicht notwendig. Bei Interesse melden Sie sich gerne bei uns oder besuchen Sie die Proben donnerstags, 17 bis ca. 19.30 Uhr , im Johannessaal der Kirchengemeinde St. Suitbertus, Papenberger Str. 14B. Für Rückfragen können Sie sich unter Tel. RS 69447027 oder E-Mail (j.matthias@cartiasverbandremscheid.de">j.matthias@cartiasverbandremscheid.de, a.skowronek@caritasverbandremscheid.de">a.skowronek@caritasverbandremscheid.de) an uns wenden.

VHS verhilft Erwachsenen zum fehlenden Schulabschluss

Dass das Angebot der Volkshochschule Remscheid vielfältig ist, beweisen deren Programmhefte seit Jahren. Weniger bekannt ist dagegen, dass die VHS Erwachsenen auch die Möglichkeit bietet, einen – aus welchen Gründen  in jungen Jahren auch immer versäumten – Schulabschluss nachzuholen. Darüber informierte am Mittwoch Nicole Grüdl-Jakobs, die Leiterin des städtischen Bildungszentrums, den städtischen Schulausschuss: „Der Bereich der schulischen Abschlüsse hat in der VHS Remscheid eine Jahrzehnte lange Tradition!“ Das begann schon 1982 mit diversen Maßnahmen zur Berufsvorbereitung und sozialen Eingliederung junger Ausländer*innen (MBSE). Die Grundlage für dieses VHS-Angebot bildet das Weiterbildungsgesetz (WbG) NRW. Dort heißt es in Paragraf 3, Absatz 1: „Das Bildungsangebot der Einrichtungen der Weiterbildung umfasst […] die Bereiche der allgemeinen, politischen, beruflichen und kulturellen Weiterbildung und schließt den Erwerb von Schulabschlüssen und Eltern- und Familienbildung ein.“

Konkret: Die VHS Remscheid bietet Lehrgänge zum Erwerb der Hauptschulabschlüsse Klasse 9 und Klasse 10 A sowie zum Erwerb des Mittleren Bildungsabschlusses an. Ursprünglich waren es zeitgleich sechs Lehrgänge; seit 2002 sind es noch vier, nachdem zugunsten der Abendrealschule auf die zwei Lehrgänge am Abend verzichtet worden war, weil die Konkurrenzsituation als unbefriedigend empfunden wurde. )

Pro Jahr nehmen im Durchschnitt zwischen 100 und 120 Schüler*innen an den VHS-Schulabschlusskursen teil. Davon erwerben im Durchschnittlich 65 bis 70 Prozent den angestrebten Abschluss. Und in den Lehrgängen der Klasse 10B sind jedes Jahr sogar etliche Schüler*innen, die mit ihrer Durchschnittsnote 3 oder besser einen Qualifikationsvermerk erhalten, der ihnen den Weg zum Fachabitur frei macht.

Den Unterricht in den Fächern Deutsch, Mathe, Englisch, Biologie, Geschichte sowie Arbeits- und Wirtschaftslehre bestreiten derzeit drei bei der VHS festangestellte Lehrer*innen (auf 2,25 Vollzeitstellen) sowie vier Honorarkräfte; letztere haben eine wöchentliche Lehrverpflichtung von insgesamt 18 Unterrichtsstunden.

Dass die Remscheider VHS diese Kurse anbieten kann, wäre ohne die finanzielle Unterstützung durch das Land NRW nicht möglich: Aus der Landeskasse fließen pro Jahr rund 95.000 Euro in den Bereich der Schulabschlusskurse. Und mit weiteren 51.130 Euro im Jahr fördert das Land die Stelle der Bereichsleitung. Macht zusammen knapp 150.000 Euro im Jahr.

Die VHS als Arbeitsvermittler? Auch das ist keine Neuerung. „Die Praktika zur Berufsorientierung sind sehr erfolgreich“, berichtete Nicole Grüdl-Jakobs den Mitgliedern des Schulausschusses. „Im Durchschnitt werden pro Jahr zehn Schüler*innen, davon zwei bis drei mit Abschluss Klasse 9, auf nach ihrem Praktikums in Ausbildung bzw. Beruf vermittelt!“ Dabei helfe ein „sehr persönlicher Kontakt zu den Schüler*innen“. Überhaupt gebe es „trotz fehlender Sozialpädagog*innen viele Beispiele für gelungene Integration und Inklusion“. Die Weiterempfehlungsraten seien entsprechend hoch und die Anmeldezahlen seit Jahren stabil.

Ab 2008 fanden die Kurse im Schulgebäude Hölterfeld statt. Dort standen drei Unterrichtsräume, ein funktionsfähiger EDV-Raum sowie je ein Physik-, Beratungs-, Aufenthalts- und Lehrerraum zur Verfügung sowie ein Büro. Und weil sowohl Pausenhof als auch Unterrichtsräume vom Lehrerzimmer und vom Büro aus einsehbar waren, seien die Aufsichtsmöglichkeiten dort „grundsätzlich gut“ gewesen, so Grüdl-Jakobs.

Im Jahr 2015 wurde die alte Schule Hölterfeld am Hasten dann kurzfristig zur Notunterkunft für Flüchtlinge, und die VHS musste ausziehen. Seitdem finden die Schulabschlusslehrgänge der VHS im Souterrain der früheren Hauptschule Bökerhöhe. Eine Etage darüber befindet sich übrigens auch die Abendrealschule.

Im Schulgebäude Bökerhöhe kann die VHS über zwei Unterrichtsräume, einen EDV-Raum (allerdings ohne funktionsfähiges WLAN), einen Fachraum für Naturwissenschaften, ein Lehrerzimmer und einen Büroraum verfügen. Als positiv hob Grüdl-Jakobs am Mittwoch hervor, dass alle Räume auf einer Ebene liegen, was einen intensiven durchgehenden Kontakt zu den Schüler*innen ermögliche. Während der Pausen gebe es allerdings kaum Aufsichtsmöglichkeiten. Insgesamt werde von den Lehrenden als auch von den Schüler*innen die derzeitige räumliche Unterbringung „als nicht unbedingt zufriedenstellend Empfunden“. Wünschenswert wäre, perspektivisch gesehen, eine Unterbringung der VHS-Schulabschlusslehrgänge gemeinsam mit den VHS-Integrations-und Orientierungskursen, um bei deren Teilnehmer*innen Hemmschwellen abzubauen und „Kontinuität sowie Nachhaltigkeit im Lernprozess sicherzustellen“, sprich: ihnen Mut zu machen für einen weiteren Gang auf dem für Migranten ohnehin nicht einfachen Bildungsweg.

Remscheider Jugendrat wirbt mit Flyer und Aufkleber

Das Titelbild des neuen Jugendrat-Flyers. Der Remscheider Jugendblatt macht mit einem neuen Faltblatt (Flyer) auf sich aufmerksam – und auf das, was er tut. Die Absicht: miteinander ins Gespräch zu kommen und sich über verschiedene Themen auszutauschen. Auch ein neuer Aufkleber mit der Instagram-Adresse (jugendrat_remscheid) und der Web-Adresse des Jugendrates (www.jugendrat-remscheid.de) wurde aufgelegt. Der Waterbölles dokumentiert den Text des Flyers nachfolgend:

  • „DER JUGENDRAT ist die politische Vertretung der Kinder und Jugendlichen in Remscheid. Er ist nicht an Parteien gebunden und vertritt die Interessen der Jugendlichen gegenüber Politik und Verwaltung.
  • DER JUGENDRAT besteht aus  15 stimmberechtigten  Jugendlichen und fünf Nachrücker/innen im Alter von 14 bis 17 Jahren.  Alle  Remscheider Jugendlichen können den Jugendrat alle zwei Jahre wählen,  egal  welche  Nationalität  sie haben. Sie müssen nur in Remscheid gemeldet sein. Gewählt wird an den weiterführenden  und  berufsbildenden Schulen.
  • DER JUGENDRAT beschäftigt sich mit Themen, die Kinder und Jugendliche angehen. Egal ob Spielplätze, Schulen, Freizeiteinrichtungen, Schulbusverkehr oder ÖPNV allgemein ... der Jugendrat bestimmt mit!
  • DER JUGENDRAT kann zu bestimmten Themen Projektgruppen gründen. Die Themen suchen sich die Jugendlichen selber aus. Beispiele: Integration, Rassismus, Aufwertung des Stadtbildes, Moderne Schule, Jobbörse... Der Jugendrat plant auch mit bei Festivals und nimmt Einfluss auf das Line-Up und die Aktionen. Bei jugendrelevanten Entscheidungen des Rates und der Ausschüsse muss der Jugendrat laut Satzung der Stadt vorher angehört werden.
  • DER JUGENDRAT tagt monatlich im Plenum. Dort werden Dinge besprochen, die die Jugendlichen interessieren und ändern wollen. Sie nehmen Einfluss auf die Gestaltung der Stadt z. B. weil sie bei der Planung von Baumaßnahmen beteiligt werden (Friedrich-Ebert-Platz, Skateanlagen, Parkour-Anlage) oder sie fordern Änderungen ein.“