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Bildungsakteure sind vor Ort vernetzt

Regionales Bildungsnetzwerk soll Schulen unterstützen“, titelte der Waterbölles am 8. Juni 2009, nachdem Staatssekretär Günter Wienands vom Ministerium für Schule und Weiterbildung des Landes Nordrhein-Westfalen, Oberbürgermeisterin Beate Wilding und Stadtdirektor Burkhard Mast-Weisz im Forum des Schulzentrums Klausen einen Kooperationsvertrag zur Gründung eines Regionalen Bildungsnetzwerk unterzeichnet hatten. Damals fiel zum ersten Mal der Name „Bildungsbüro“, das dem Fachdienst Schule und Bildung wurde. 2013 wurde das Bildungsbüro mit der neu eingerichteten kommunalen Koordinierungsstelle „Übergang Schule – Beruf“.  Woraus sich ab 2015 „neue Handlungsfelder und der Bedarf einer Neustrukturierung herauskristallisierten“. So steht es in dem aktuellen Sachstandsbericht zum „Bildungsbüro“, den die Verwaltung zur Sitzung des Schulausschusses am  14. November vorgelegt hat.

„Wichtige Neuerung ist eine Verschiebung der Aufgaben des Bildungsbüros von Dienstleistungen für Schulen hin zur Koordination aller Remscheider Bildungsakteure“, heißt es darin. Die Aufgabe: Aufbau und Pflege der Remscheider Bildungslandschaft. Zitat: „Im Bildungsbereich haben wir es mit einem sehr vielfältigen Arbeitsgebiet zu tun, das durch das Bild einer Bildungslandschaft symbolisiert wird. Es gibt Anbieter formaler Bildung mit gesetzlichem Auftrag in unterschiedlicher Trägerschaft wie z.B. Schulen als Pflicht-Institutionen des Landes oder Kitas als freiwillige Einrichtungen verschiedener Träger. Es gibt kommunal verankerte Akteure wie Jugendhilfeeinrichtungen mit pädagogischem Auftrag oder die Weiterbildung als Angebot des lebenslangen Lernens. Berufliche Bildung und Familienbildung, Kulturinstitutionen und freie Szene, Einrichtungen, die sich selber gar nicht als Bildungsakteure verstehen, wie z.B. städtische Fachdienste oder Unternehmen: sie alle sind Teil der Remscheider Bildungslandschaft. Dem Bildungsbüro obliegt die Aufgabe der planerischen und gartenbaulichen Unterstützung dieses Biotops.“

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Mein Bruder wurde 1982 von der „Cap Anamur“ gerettet

Liem van Tran, geboren 1.12.1977 in Ho Nai Bien Hoa / Vietnam, seit 1988 in Remscheid

Die erste „Cap Anamur“ war ein deutsches Frachtschiff, mit dem von 1979 bis 1986 insgesamt 10.375 vietnamesische Flüchtlinge (die sogenannten "boat people") auf dem Chinesischen Meer gerettet und nach Deutschland gebracht wurden. Die Flüchtlinge trieben zuvor auf überladenen, altersschwachen Booten auf dem Meer. Die meisten von ihnen fielen vor einer Rettung den Stürmen, den Piraten oder dem Hungertod zum Opfer. Die Rettungsaktion „Deutsches Komitee. Ein Schiff für Vietnam“ wurde 1979 vom deutschen Journalisten Rupert Neudeck initiiert.

Der Begriff „Boat People“ wurde in den 1970-er Jahren aus dem amerikanischen Sprachgebrauch übernommen. Er bezog sich ursprünglich auf Bootsflüchtlinge in der Folge des Vietnamkrieges in Südostasien Die meisten dieser Flüchtlinge leben heute noch in Deutschland, viele durften im Laufe der Jahre ihre Familienangehörigen nachholen. Eine Minderheit von sechs Millionen Einwohnern, also etwa sieben Prozent der Bevölkerung Vietnams, bekennen sich zum katholischen Glauben.

Mein Bruder wurde bei seiner Flucht 1982 von „Cap Anamur“ gerettet. Hier in Deutschland wollten wir im Rahmen der Familienzusammenführung zum mittlerweile als Flüchtling anerkannten Bruder. Die Ausreise aus Vietnam erfolgte 1987. Mit meinen Eltern und meinen zwei Schwestern bin ich in Frankfurt gelandet. Von dort ging es nach Düsseldorf und dann weiter nach Unna Massen. In Unna war mir alles fremd, es war kalt, es gab Schnee, es war lautlos im Vergleich zu Vietnam. Es war so ruhig in Deutschland. Die Menschen blieben unter sich, nicht die gegenseitigen Besuche auch auf der Straße, so wie in Vietnam. Freundliche Begrüßungen als Ritual wie in Vietnam fehlten, hier war das anders, nur die Menschen die man kennt werden gegrüßt, insbesondere am Morgen.

Es war z.B. ungewohnt, mit Messer und Gabel zu essen und nicht mit Stäbchen. Meine Eltern waren in Vietnam Bauern, hatten Ahnung von Getreide und Vieh, aber nicht, wie Kuchen gebacken wird. Socken anziehen war ungewohnt.

Eigentlich wollten wir nicht nach Remscheid, sondern in die großen Städte, wo viele Vietnamesen lebten. Aber der Bruder war in Remscheid, deshalb mussten wir nach Remscheid. Die Ankunft in Remscheid war Ende 1988. Die Unterbringung durch die Stadt erfolgte im Übergangsheim Bergfrieder Weg mit der ganzen Familie für ca. ein Jahr. Erst hier in Remscheid besuchte ich die Schule Mannesmann. Aber nur kurze Zeit. Für mich war ein Internatsbesuch vorgesehen.  Im Internat St. Michaelheim, ein Caritasheim mit Förderschule, war ich dann drei Jahre lang zum deutsch lernen -intensiv. Ebenso meine beiden Schwestern. Die sind älter und waren nur ein Jahr im Internat. Meine Eltern haben in Solingen eine Sprachschule besucht. Meine Klasse im Internat bestand aus ca. 25 Schülerinnen und Schüler aus Russland, Polen, Vietnam, Kambodscha, Laos, Thailand. Da mussten wir eine gemeinsame Sprache sprechen, das war dann deutsch. Nach den drei Jahren im Internat bekam ich ein gutes Zeugnis mit der Empfehlung zur Realschule.

Neben deutsch intensiv und dem „normalen“ Unterrichtsstoff habe ich im Internat alles an Regeln und mitmenschlichem Umgang gelernt. Nach dem Internat besuchte ich die Klasse 7 der Alexander von Humboldt Realschule.

1990 haben wir endlich gemeinsam mit den Eltern eine Wohnung gefunden, die Wohnungssuche war schwierig, es gab nicht viele freie Wohnungen, obwohl die Pfarrgemeinde geholfen hat. Wir hatten mit fünf Personen eine 75 qm große Wohnung in der Burger Straße gefunden. Später kam dann noch eine kleine Wohnung hinzu, so wie ein paar Familienangehörige. Jetzt hatten wir 120 Quadratmeter.

Ich habe an der Alexander von Humboldt Schule meine Realschulabschluss gemacht, 1995 habe ich meine Ausbildung bei Elektrotechnik Müller als Elektroinstallateur begonnen. 1998 habe ich die Ausbildung erfolgreich mit meinem Gesellenbrief abgeschlossen. Einige Zeit nach der Ausbildung habe ich meinen Arbeitgeber gewechselt und hatte inzwischen verschiedene Arbeitgeber. Es lag eigentlich immer am Verdienst, es gab Firmen die nur über Zeitverträge anstellen oder sogar versuchen unter dem Tariflohn zu zahlen.(weiter auf der 2. Seite)

Klicken führt zum'Zeitstrahl' der Ausstellung Zur 200-Jahr-Feier der Stadt Remscheid stellte Heike Hildebrandt vom damaligen Migrationsbüro der Stadt eine Ausstellung („Zeitzeugen-Projekt“) zusammen mit Schilderungen zahlreicher „Zeitzeugen der Zuwanderung“, deren neue Heimat Remscheid geworden war. Das ist jetzt zehn Jahre her. Doch die Geschichten sind es wert, nach vorne gestellt zu werden. Denn darin erzählen die „Zugereisten“, warum sie ihre Heimat verlassen haben, wie sie hier in Remscheid ankamen, welche Erwartungen, welche Hoffnungen, welche Enttäuschungen sie erlebten und warum sie sich trotzdem mit Remscheid verbunden fühlen. Zuwanderung begann aber nicht erst mit den "Gastarbeitern", sondern schon Ende des 19. Jahrhunderts mit italienischen Straßenbauern. Und nach dem nach dem Zweiten Weltkrieg folgten Vertriebene, Flüchtlinge und Heimatlose. Die Serie endet mit diesem Beitrag
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Eine Wohnung zu finden war fast unmöglich

Miladinka Bozicic, geboren 18.3.1972 in Javorani im heutigen Bosnien Herzegowina, seit 1991 in Remscheid:

Kneževo ist eine Verbandsgemeinde im Zentrum von Bosnien und Herzegowina. Sie liegt etwa 40 km südöstlich von Banja Luka und gehört zur Republika Srpska, einer von zwei Entitäten des Landes. Seit dem Bosnienkrieg trägt die Gemeinde den Namen Kneževo, der soviel wie „Ort des Fürsten“ bedeutet. Zur Gemeinde gehören 18 Siedlungen, die den acht Lokalgemeinschaften Javorani (im Norden), Bastaji, Kneževo, Živinice (im Zentrum), Imljani, Vlatkovi (im Süden) sowie Mokri Lug und Šolaji (im Westen) zugeordnet werden.

Im Alter von acht Jahren bin ich mit meinen Eltern von Bosnien nach Kroatien gegangen. Früher war das alles Jugoslawien. In Kroatien habe ich nach dem dortigen Schulrecht bis zum Ende der Klasse 8 die normale Schule besucht. Nach der 8. Klasse musste man sich entscheiden zwischen Berufsausbildung oder Gymnasium.

Ich habe mich zur Köchin ausbilden lassen. Mit 18 Jahren hatte ich die Idee, nach Sonthofen in Bayern zu gehen. Ich wollte dort ein paar Monate arbeiten. Nach zehn Tagen verstarb plötzlich meine Mutter und ich kehrte nach Kroatien zurück. Zu der Zeit begannen die ersten Unruhen im ehemaligen Jugoslawien. Mein Mann - wir waren damals noch nicht verheiratet – hatte in Deutschland, in Remscheid Familie. Also haben wir Jugoslawien verlassen und uns auf den Weg gemacht.

Wir waren zunächst in Bayern bei einer Freundin. Wir haben uns dort knapp ein Jahr aufgehalten. Dann sind wir nach Remscheid gekommen. Zwischenzeitlich war beim Schwiegervater in Remscheid auch die Schwiegermutter aus dem Unruheherd Jugoslawien angekommen. Der Schwiegervater hatte eine kleine Wohnung, nur 40 Quadratmeter. Wir haben dann zu viert beim Schwiegervater gewohnt, ab März 1991.

Mein Mann und ich haben versucht, eine eigene Wohnung zu finden, aber das war fast unmöglich. Wir hatten ausländerrechtlich keinen Aufenthalt, also bekamen wir auch keine Wohnung. Dann wurde ich schwanger. Im Juni 1993 wurde unser Sohn geboren. Erst kurz vor der Geburt des Kindes konnten wir eine Wohnung in der Nüdelshalbach beziehen.

Vom Ausländeramt erhielten wir aufgrund des Krieges ausländerrechtlich eine Duldung, immer nur für drei Monate, erst ab 1995 wurde die Duldung für sechs Monate erteilt. Diese Duldungen alle paar Monate kosteten jeweils 15 DM pro Person, Kinder die Hälfte. Hinzu kamen die Kosten für immer neue Reispässe; ich habe allein in zwölf Jahren schon fünf Pässe gebraucht. Diese Kosten beliefen sich auch regelmäßig auf 100 Euro pro Person. Die Duldungen wurden uns bis 2001 erteilt, erst dann bestand für uns die Möglichkeit, eine Aufenthaltsbefugnis für zwei Jahre zu erhalten. Es gab einen Erlass des Innenministeriums, der dies ermöglichte. Die Kriterien nach dem Erlass waren bei uns erfüllt. Im Juni 2003 wurde die Aufenthaltsbefugnis noch einmal um zwei Jahre verlängert, bis Juli 2005. Im Juli 2005 endlich wurde uns unbefristet die Niederlassungserlaubnis erteilt, nach 14 Jahren! (weiter auf der 2. Seite)

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Ich bin ein Optimist, ein Kämpfer, ich gebe nicht auf

Jerry Duopou, geboren am 22.5.1965 in Monrovia / Liberia, seit 10.4.1992 in Remscheid:

„Die Republik Liberia ist ein Staat in Westafrika und grenzt an die Elfenbeinküste, Guinea, Sierra Leone sowie an den Atlantik. Liberia war zunächst ein Projekt zur Ansiedlung ehemaliger afroamerikanischer Sklaven aus den Vereinigten Staaten und einer der ersten unabhängigen Staaten auf dem afrikanischen Kontinent. Konflikte zwischen den Nachkommen ehemaliger afroamerikanischer Sklaven und länger ansässiger Ethnien prägen das Land bis heute. Im Jahr 1822 kaufte die American Colonization Society, eine Gesellschaft von weißen US-amerikanischen Abolitionisten, den Küstenstreifen, um dort freigelassene ehemalige Sklaven anzusiedeln und gleichzeitig selbst Kolonialherren zu werden. Zu Beginn des amerikanischen Bürgerkrieges lebten dort rund 12.000 Afroamerikaner. Die daraus entstandene Herrschaft einer schwarzen Elite wurde erst im April 1980 durch einen Putsch durch Samuel K. Doe gebrochen. Doe wurde 1989 abgesetzt, gefoltert und ermordet. Danach herrschte 14 Jahre lang Bürgerkrieg.

Ich habe in Monrovia die Schule besucht und mit dem Studium – international Relation – begonnen. Das war die Voraussetzung, um meinen Berufswunsch, Mitarbeiter im Außenministerium, zu verwirklichen. Bevor ich mit dem Studium begann, habe ich mich neun Monate im Ausland – Elfenbeinküste - aufgehalten. Ich habe dort die französische Sprache erlernt. . Als ich nach den neun Monaten nach Monrovia zurück kehrte, war der Bürgerkrieg in vollem Gang. Ich habe trotzdem 3 ½ Jahre studiert, so gut das ging.

1989 musste ich das Studium abbrechen. Der Bürgerkrieg l machte es unmöglich, weiter zu studieren. Als einzige Alternative blieb die Ausreise aus Liberia. Es gab zu der Zeit dort keine Zukunft, keine Perspektive. Am 6.6.1988 habe ich geheiratet. Meine Frau war schwanger, die Zukunft unseres Kindes galt es zu gestalten. Das war im Krieg nicht machbar. Mein Vater als Abkömmling der Afroamerikaner schlug vor, nach Amerika zu gehen. Dort könnte ich dann auch weiter studieren. Das ging aber nur vom benachbarten Ausland aus.

Wir sind dann alle zusammen, meine Mutter, meine Frau und meine Tochter, die im März 1989 geboren wurde, so wie 70.000 andere Liberianer ins Nachbarland Elfenbeinküste geflogen. Von dort wollten wir mit dem Schiff nach Amerika. Ich habe mit meiner Frau das falsche Schiff genommen und bin in Deutschland, in Hamburg angekommen, Anfang 1991.

Von Hamburg sind wir mit dem Zug nach Münster und haben dort bei der Polizei vorgesprochen. Die Polizei von Münster schickte uns nach Dortmund. Dort kamen wir dann in ein Lager für Asylbewerber. Bis Mai 1991 lebten wir im Lager in Dortmund. Wir sprachen kein deutsch. Zweimal wöchentlich waren wir beim Bundesamt zu Befragungen. Es war bei den Befragungen immer ein Dolmetscher dabei.

Im Lager gab es auch so etwas wie einen „Hausmeister“. Er sprach ein bisschen englisch und erzählte uns eines Tages, dass wir nächste Woche in eine andere Stadt verbracht werden; mehr nicht, keine Details, noch nicht einmal den Namen der Stadt! Wir wurden nervös, hatten Angst, nach Hamburg gebracht zu werden, auf ein Schiff verfrachtet zu werden und wieder nach Liberia fahren zu müssen.

In der Nacht, bevor wir von Dortmund wegfuhren hatte ich trotz aller Nervosität einen schönen Traum über unsere Zukunft. Ich hatte ein gutes Gefühl! Ich hatte eine positive Einstellung. Ich habe das meiner Frau auf der Fahrt hierhin erzählt, sie konnte meine Auffassung zu der Zeit aber nicht teilen.

Am Tag der Abreise aus Dortmund wurden wir in einen Bus gesetzt. Wir erhielten die Mitteilung, dass wir nun in eine Stadt ca. 60 bis 65 Km weit entfernt gebracht wurden. Immer noch nicht wurde uns der Name der Stadt genannt. Aber jetzt wussten wir, dass es nicht Hamburg sein konnte. Hamburg war weiter weg. Die Busfahrt ging dann auch durch das Bergische Land. Das gefiel mir. Und mir fiel mein Traum wieder ein. Der Bus hielt dann hier in Remscheid, beim Sozialamt. Dort erhielten wir sogleich alles Erforderliche. (weiter auf der 2. Seite)

Klicken führt zum'Zeitstrahl' der Ausstellung Zur 200-Jahr-Feier der Stadt Remscheid stellte Heike Hildebrandt vom damaligen Migrationsbüro der Stadt eine Ausstellung („Zeitzeugen-Projekt“) zusammen mit Schilderungen zahlreicher „Zeitzeugen der Zuwanderung“, deren neue Heimat Remscheid geworden war. Das ist jetzt zehn Jahre her. Doch die Geschichten sind es wert, nach vorne gestellt zu werden. Denn darin erzählen die „Zugereisten“, warum sie ihre Heimat verlassen haben, wie sie hier in Remscheid ankamen, welche Erwartungen, welche Hoffnungen, welche Enttäuschungen sie erlebten und warum sie sich trotzdem mit Remscheid verbunden fühlen. Zuwanderung begann aber nicht erst mit den "Gastarbeitern", sondern schon Ende des 19. Jahrhunderts mit italienischen Straßenbauern. Und nach dem nach dem Zweiten Weltkrieg folgten Vertriebene, Flüchtlinge und Heimatlose.
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Wir sind auf andere zugegangen

Seyed Raouf Reissi, geboren 1948 in Ardebil / Iran und Ehefrau Sakineh Mohebbi, beide seit November 1985 in Remscheid:

„Ardabil ist eine im Nordwesten des Iran in der gleichnamigen Provinz gelegene Stadt. Sie ist bekannt für ihre traditionelle Seiden- und Teppichherstellung, Honig sowie Heilwasser vulkanischen Ursprungs. In der Umgebung wird ferner Bewässerungsfeldbau betrieben. Ardabil ist eine der 30 Provinzen des Iran. Hauptstadt ist die gleichnamige Stadt Ardabil. Die Provinz liegt im Nordwesten des Landes an der Grenze zur Republik Aserbaidschan und dem Kaspischen Meer. Die Bevölkerungsmehrheit stellen mit Abstand die Aserbaidschaner. Mehrheitssprache ist die mit dem Türkischen verwandte aserbaidschanische Sprache.

Ich bin 1948 in Ardabil geboren. Ich bin dort zur Schule gegangen und habe in Tebritz mit dem Studium begonnen. 1973 bin ich aus dem Iran ausgereist, mit dem Ziel in Deutschland zu studieren. An der Universität in Bochum habe ich zunächst Deutsch gelernt. In Köln habe ich dann Maschinenbau studiert, und ein Jahr lang ein Praktikum in einer Maschinenfabrik absolviert.  Ich hatte im Iran einen deutschen Lehrer, drei Jahre lang. Der hatte mir sehr viel beigebracht. 1978 habe ich mein Studium als Diplom-Ingenieur abgeschlossen. Inzwischen waren sechs Jahre seit meiner Ausreise aus dem Iran vergangen.

Ich bin nach dem Studium zurück in den Iran. Dort war ich in Tebritz technischer Leiter einer Maschinenfabrik. Meine Frau war Landwirtschaftsingenieurin in Tebritz /Aserbaidschan und beim Umweltamt tätig. Nach der Revolution - wir waren junge Leute – wollten wir unsere Heimat aufbauen, aber das Regime Khomeni machte es unmöglich; Menschenrechte wurden verletzt, Regimegegner und Hunderte Andersdenkender festgenommen. Das war der Grund, warum wir überlegen mussten, unsere Heimat zu verlassen. Dann sind wir, meine Frau, mein Sohn und ich nach Deutschland ausgereist.

Am Anfang war es schwer. Als Ingenieur gab es für mich keine Anstellung. Ich habe dann drei oder vier Jahre als Maschinenarbeiter gearbeitet, danach habe ich bei einer Wermelskirchener Firma vier oder fünf Jahre gearbeitet, bis die Firma schließen musste.

Meine Frau hat an der Uni Wuppertal deutsch intensiv gelernt. Danach wollte sie eigentlich Biochemie studieren. Am Ende des 2. Semesters wurde aber unser Sohn im Alter von sieben Jahren schwer krank. Da hat sie aufgehört. Unserem Sohn geht es seit einigen Jahren wieder gut.

Die Wohnungssuche damals war schwer. Wir haben zunächst fünf Jahre im Stadtteil Rosenhügel gewohnt. Wir haben sparsam gelebt und uns dann eine kleine Wohnung gekauft. 2004 haben wir uns ein kleines Haus gekauft. Die Renovierung machen wir selbst, das ist auch noch nicht fertig.

Meine Frau hat im September 1993 hier unser Geschäft, unseren Bioladen eröffnet. Wir hatten schon arge Bedenken, es nicht zu schaffen. Aber mit der Unterstützung von deutschen Freunden und Kunden hatten wir doch Erfolg. In schweren Zeiten haben unsere deutschen Freunde mit uns geweint, in guten Zeiten mit uns gefeiert. Wir hatten viel Hilfe und menschliche Wärme. (weiter auf der 2. Seite)

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Die Ostberliner Polizei schickte uns nach Westberlin

Subramaniam Anandarajah, geboren am 20. Mai 1951 in Jaffna / Sri Lanka, seit 1982 in Remscheid:

Jaffna liegt auf einer Halbinsel nördlich von Sri Lanka und „grenzt an die Palkstraße. Der Bürgerkrieg in Sri Lanka ist ein andauernder bewaffneter Konflikt zwischen tamilischen Separatisten, auf der einen und dem srilankischen Militär auf der anderen Seite. 1948–49 werden Gesetze zur Ausbürgerung der seit über 100 Jahren im Land ansässigen Indien- Tamilen beschlossen, die zu Uneinigkeit innerhalb der Regierung führen. Es gibt Abspaltungen und Parteigründungen. Die SLFP gewinnt die Parlamentswahl im Jahr 1956, wobei sie von einer Welle des singhalesischen Nationalgefühls getragen wird. Die SLFP-Regierung versucht, mit ihrer Politik die „Singhalisierung“ der Insel zu bewirken. In den folgenden Jahren und Jahrzehnten kommt es immer wieder zu Ausschreitungen gegen Tamilen, bei denen die Armee ein Massaker an der tamilische Bevölkerung anrichtete.

Vor allem in den 70er Jahren verschärft sich der Konflikt zwischen den beiden Volksgruppen weiter; er wird durch die Verfassungsreform von 1972 zementiert. Die UNP, bestehend aus Singhalesen, Tamilen und Muslimen, siegte 1977 mit verfassungsändernder Mehrheit. Der Präsident verweigerte den tamilischen Abgeordneten ihre quotenmäßig garantierten Parlamentssitze unter dem generalisierten Vorwurf des Separatismus und erklärte sie sämtlich zu Staatsfeinden. Ferner veränderte er die Verfassung und setzte sich an die Spitze eines Präsidialsystems nach französischem Vorbild. Dadurch eskalierte der Konflikt zwischen Tamilen und Singhalesen ab 1983.

Als Anfangsdatum des Bürgerkriegs wird meist der 23. Juli 1983 angenommen. Von 2001 bis 2004 entspannte sich die Lage erstmals seit 20 Jahren, jedoch liegt eine politische Lösung noch immer in weiter Ferne, da beide Seiten hartnäckig an ihren Positionen festhalten.

Ich bin Tamile. Ich bin in Jaffna acht Jahre lang zur Schule gegangen. Danach habe ich angefangen zu arbeiten, eine Ausbildung habe ich nicht gemacht, zumindest nicht so wie das in Deutschland verstanden wird. Ich habe Zigarren gefertigt und Lebensmittel verkauft. Ich habe fünf Geschwister, einen Bruder und vier Schwestern. Es war nicht immer einfach, der Konflikt der Singalesen und Tamilen schwelte auf Sri Lanka bereits seit 1956. Aber ich bin bis 1981 meiner Arbeit nachgegangen.

1979 habe ich geheiratet. 1980 wurde unser erster Sohn geboren, 1982 der zweite Sohn. Da war ich aber nicht mehr zuhause. In diesen Jahren war der Beginn der Eskalation des Bürgerkrieges. Jeden Tag mussten Männer damit rechnen, rekrutiert oder von Singalesen bedroht zu werden. Auch ich hatte jeden Tag Angst. Da habe ich mich entschlossen, das Land zu verlassen. Ich wollte nach Dubai. Dort lebten viele Tamilen. Dort arbeiteten auch viele Tamilen. Aber es gab auch Meldungen, dass in Dubai keine Arbeitsmöglichkeiten mehr für Tamilen sind.(weiter auf der 2. Seite)

 

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Zwei Koffer mit Kleidung waren alles, was wir hatten

Johannes Natschke, geboren 04.03.1933 in Danzig, seit 1980 in Remscheid:

„Danzig (polnisch Gdansk ) ist eine Hafenstadt und ehemalige Hansestadt in Polen. Sie liegt westlich der Weichselmündung in der historischen Landschaft Pommerellen und ist Hauptstadt der Woiwodschaft Pommern. Die Stadt hat über 450.000 Einwohner (Stand 2007) Ende März 1945 wurde Danzig von der Roten Armee im Zuge der Schlacht um Ostpommern eingeschlossen und erobert. Während und nach dem Einmarsch wurden die noch erhaltenen Häuser der Innenstadt von den sowjetischen Soldaten geplündert und in Brand gesteckt. Insgesamt wurde ein sehr hoher Anteil der Bebauung zerstört.

Bereits in den ersten Nachkriegsmonaten wurden die meisten in Danzig verbliebenen Deutschen von den sowjetischen Besatzern und polnischen Behörden vertrieben. Zurück blieb eine Minderheit von etwa fünf Prozent der ursprünglichen Stadtbevölkerung mit zumeist auch polnischen Vorfahren. Die Vertreibung wurde von den polnischen Behörden geduldet und nicht wie oft fälschlicherweise angenommen "systematisch" vorbereitet. Aufgrund des Bierut-Dekretes wurde das Eigentum von Personen deutscher Nationalität und Herkunft enteignet. Straftaten, die gegen die deutsche Zivilbevölkerung begangen wurden hat man juristisch nur bedingt verfolgt.

Ich bin in Danzig geboren und bis 1947 aufgewachsen. Mein Vater verstarb 1942, meine Mutter 1947. Damals, in Danzig, war ich Mitglied vom Jungvolk und nach den mir bekannten Informationen auch richtig stolz, dort Mitglied zu sein. Nach dem Tod meiner Mutter bin ich zu meiner Tante (Schwester meiner Mutter) aufs Land nach Zuckau gezogen; Zuckau war damals bereits polnisch. In Danzig erging wie überall der Aufruf, dass die Deutschen ihre Wohnungen verlassen sollten. Da ich zu der Zeit erst 14 Jahre alt war, verblieb ich bei meiner Tante. Dort habe ich dann auch erst polnisch gelernt. Mit 18 Jahren erhielt ich automatisch einen polnischen Pass.

Ich habe eine Tischlerlehre und 1951 meinen Gesellenbrief gemacht, 1953 habe ich geheiratet. Ich bin zu meiner Frau nach Kalbude gezogen, das gehörte zur Freistadt Danzig. Über eine Ausreise haben wir uns zunächst keine Gedanken gemacht. Ich hatte in Gelsenkirchen eine Tante und einen Onkel sowie eine Tante in Remscheid. Wir haben uns immer Briefe geschrieben und Päckchen geschickt. Eine Nachbarin aus Kalbude, die selbst nach Deutschland ausgereist war, hatte uns versprochen, uns nach Deutschland einzuladen. Sie wollte uns ein Visum schicken, damit wir in Deutschland bleiben könnten. Das war 1978 oder 1979.

Natürlich hatten wir davon gehört, dass man unter gewissen Bedingungen ausreisen konnte; die Bedingungen kannten wir aber nicht. Wir wussten auch nicht, was uns erwarten würde. Es gab Äußerungen, dass insbesondere Westdeutsche Kapitalisten und /oder Nazis wären. Außerdem hatten viele Bekannte Absagen für die Ausreise erhalten. Ich habe dann doch einen Ausreiseantrag gestellt. Im Januar 1980 bekam ich für mich und meine Familie mit der Post die Ausreiseerlaubnis. In der Deutschen Botschaft in Warschau erhielten wir dann das Visum für die Ausreise in unsere polnischen Pässe.(weiter auf der 2. Seite)

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Mit den Behörden machte ich nicht die besten Erfahrungen

Kazem Safarli, geboren 13.1.1945 in Maschhed / Iran, seit 1982 in Remscheid:

„Maschhad ist die Hauptstadt des iranischen Bundesstaates Razavi-Chorasan und die zweitgrößte Stadt Irans. Sie liegt 850 km östlich von Teheran auf einer Höhe von rund 985 m am Fluss Kashaf. Maschhad hat über 2,5 Millionen Einwohner hauptsächlich iranischer, arabischer und afghanischer Herkunft sowie ein große kurdische Minderheit.

Die Vorfahren meiner Eltern stammen aus der damaligen sowjetischen Republik Aserbaidschan, aus Bergkarabach. 1925 sind meine Eltern dann als Flüchtlinge in den Iran gereist. Ich bin nach meinem Abitur im Iran 1967 nach Deutschland eingereist. Ich habe zunächst einen Sprachkurs besucht, damit ich deutsch lerne. Dann habe ich das deutsche Abitur absolviert. In Bonn habe ich Medizin studiert und dort auch promoviert, Juli 1976. 1974 habe ich meine deutsche Frau geheiratet. Wir haben uns im Studium kennen gelernt. Sie ist Lehrerin.

In den Jahren, in denen ich bereits in Deutschland lebte, zeichneten sich die Unruhen im Iran unter dem Regime Khomeni ab, so dass es überhaupt keine Überlegungen einer Rückreise in den Iran gab. Ich habe an verschiedenen Kliniken und Krankenhäusern gearbeitet. 1982 habe ich meine Facharztprüfung abgelegt. Zu dieser Zeit, 1982, war Remscheid aus Sicht der Kassenärztlichen Versorgung ein Notstandsgebiet. In diesem „Notstandsgebiet“ mussten Arztpraxen besetzt werden. Vom damaligen Regierungspräsident wurden Ärzte in diese „Notstandsgebiete“ geschickt. So bin ich nach Remscheid gekommen und seitdem bin ich hier. Mittlerweile ist meine Tochter auch Ärztin. Ab September dieses Jahres betreiben wir die Praxis gemeinsam.

Ich habe den Vorteil, mehrere Sprachen zu sprechen: deutsch, farsi (das ist persisch), aserbaidschanisch und türkisch. Hinzu kommt etwas englisch und ein paar Grundkenntnisse in ein paar europäischen Sprachen.

Als ich 1982 als Arzt nach Remscheid kam, war es schwer, auch eine geeignete Wohnung zu finden. Die Mieten waren sehr hoch. Manchmal äußerte ein Vermieter, das kleine Kind, unsere Tochter, würde stören. Ich war ca. drei Monate lang fast täglich auf Wohnungssuche. Erst als ich dann eine Wohnung gefunden hatte, habe ich mir die Praxis eingerichtet.

Das erste Problem hier in Remscheid hatte ich beim Ausländer– und Einwohnermeldeamt. Die Sachbearbeiterin hat mich bereits bei meiner ersten Vorsprache geduzt. Das hinterließ keinen guten Eindruck. Teilweise passiert so etwas heute noch; erst wenn ich meinen Doktortitel nenne, erlebe ich mehr Respekt.

Meine persönlichen Erfahrungen mit den Remscheider Behörden sind nicht die besten. Es beschränkt sich zwar nur auf einige Vorsprachen, aber die haben meinen Eindruck geprägt. Ich schicke lieber meine Frau oder frage jemanden, den ich kenne. Es wäre wünschenswert, etwas mehr Freundlichkeit und Höflichkeit zu erfahren; schließlich ist die Verwaltung für die Einwohner da und nicht die Einwohner für die Verwaltung.

Ich habe z.B. beim Umzug der Arztpraxis für Umbaumaßnahmen 13 Monate auf eine Baugenehmigung gewartet. Erst als der damalige Oberbürgermeister Reinhard Ulbrich sich meiner Sache angenommen hat, bekam ich die Baugenehmigung.

Allerdings gibt es auch positive Eindrücke, das sind die Mitarbeiter im Gesundheitsamt. Dr. Neveling und sein Team sind immer sehr zuvorkommend, immer sehr hilfsbereit. Dr. Neveling selbst ist ein hervorragender Kollege und ein hervorragender Mensch.

In Remscheid muss eine bessere Zusammenarbeit in der Politik stattfinden. Kulturangebote in Remscheid sind rar, außerdem liegt in Remscheid überall Dreck. Die Trasse des Werkzeugs z.B. ist eine Hundekotweg. Da kommt aber keiner kontrollieren und verteilt Knöllchen. Als ich 1967 nach Deutschland kam, habe ich mich gewundert, wie sauber Deutschland ist, heute liegt überall nur Dreck, Bierflaschen, Schnapsflaschen usw. Es fehlt Respekt und Verantwortungsbewusstsein.

Aber es gibt auch sehr Schönes und Positives in Remscheid: Das ist zunächst natürlich das Röntgenmuseum, in dem das Leben und Arbeiten des wohl bekanntesten Remscheiders anschaulich dargestellt ist,  das ist das Werkzeugmuseum, durch das mich Herr Orth sach- und fachkundig geführt hat, das ist die Müngstener Brücke, die alle meine auswärtigen Besucher bestaunen oder bewundern, • die vielen schönen Wanderwege durch Felder und Wälder, vorbei an der Talsperre oder den zahlreichen alten „Kotten“, und nicht zu vergessen: die köstliche „:Bergische Kaffeetafel“.

Direkt am Anfang der Zeit hier in Remscheid, 1982 oder 1983, habe ich Erfahrung gemacht mit dem typischen Remscheider Sturkopf. Ich habe schnell gelernt. Ich gehe dann zu einer lockeren Art über. Manchmal ist es allerdings erforderlich, auch mal die sture Art anzuwenden, das funktioniert! (weiter auf der 2. Seite)

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Alle Freunde in Remscheid sind mir wie eine Familie

Tamer Turgut, geboren am 6. August 1968 in Kayseri / Küpeli in der Türkei, seit 1979 im Alter in Remscheid:

„Ich bin 1979 im Alter von elf Jahren zusammen mit meiner Mutter und noch drei Geschwistern in Remscheid angekommen. Mein Vater lebte bereits seit 1964 in Bottrop. Der Umzug nach Remscheid fand aus familiären Gründen statt; hier in Remscheid lebten bereits Familienangehörige meines Vaters. Er arbeitete bei Thyssen.

Wir fanden zunächst eine Wohnung in Preyersmühle. Von dort besuchte ich die Vorbereitungsklasse in der Schule Menninghausen. Wir hatten einen türkischen Lehrer und „Deutschkurse“. Der Unterricht war normal. Wir haben auch mit Fernsehen gelernt: Die „Sendung mit der Maus“ haben wir uns im Gebäude der Versöhnungskirche am Zentralpunkt angeguckt.

Nach einem Jahr wechselte ich zur Schule Kremenholl. Wir sind dann nach Klausen umgezogen, so dass ich nun die Schule Leverkuser Straße besuchte, drei Jahre lang. In der Klasse waren nur türkische Kinder, der Unterricht fand in deutscher Sprache statt. Ergänzend gab es Deutschunterricht mehrmals wöchentlich bis 1983. Ab Schuljahr 1983/1984 besuchte ich die Schule Bökerhöhe. Nur dort konnte ich den Schulabschluss nach Klasse 10 erreichen.

Im August 1984 bin ich im Alter von 16 Jahren zurück in die Türkei gegangen, zu dieser Zeit mit der Absicht für immer. Ich wollte dort weiterlernen und besuchte dazu in Ankara eine Internatsschule, vergleichbar mit dem Bildungsziel der deutschen Gymnasien. Diese Internatsschule hatte allerdings ein paar Regelungen, die mir gar nicht gefielen, z.B. gab es dort eine Kleiderordnung, die mir sehr missfiel. In der fünf Jahren in Remscheid hatte ich doch einiges an Freiheiten kennen gelernt.

Mit ein paar anderen „Studenten“ bin ich in eine Privatwohnung umgezogen. Ich habe im Internat viel gelernt und wollte ursprünglich Jura studieren. Das hat aber leider nicht geklappt. So habe ich mich entschlossen, wieder zurück zu meiner Familie nach Remscheid zu gehen. Das war im Juni 1987. Meinem Vater hat das gar nicht gefallen, schließlich hatte er viel Geld in mich investiert.

In der Zeit meines Studiums in Ankara hatte ich zunächst ausländerrechtlich meinen Aufenthalt hier in Deutschland verloren. Im Rahmen einer gerichtlichen Auseinandersetzung hat das Verwaltungsgericht 1986 aber zu meinen Gunsten entschieden. Gerichtlich wurde mein vorübergehender Aufenthalt in Ankara als Auslandsstudium angesehen. In der Zwischenzeit, selbst zum Gerichtstermin, konnte ich immer nur mit einem Visum nach Deutschland einreisen. Dazu benötigte ich regelmäßig die Unterschriften beider Elternteile für Reisepass und Visum, da ich noch nicht volljährig war. Die türkischen Behörden machten mir damit regelmäßig Probleme. Ich habe das auf jeden Fall immer so empfunden, da ich doch in den fünf Jahren hier in Remscheid schon einiges an deutscher Lebensart angenommen hatte, deutsche Freunde hatte.(weiter auf der 2. Seite)

Klicken führt zum'Zeitstrahl' der Ausstellung Zur 200-Jahr-Feier der Stadt Remscheid stellte Heike Hildebrandt vom damaligen Migrationsbüro der Stadt eine Ausstellung („Zeitzeugen-Projekt“) zusammen mit Schilderungen zahlreicher „Zeitzeugen der Zuwanderung“, deren neue Heimat Remscheid geworden war. Das ist jetzt zehn Jahre her. Doch die Geschichten sind es wert, nach vorne gestellt zu werden. Denn darin erzählen die „Zugereisten“, warum sie ihre Heimat verlassen haben, wie sie hier in Remscheid ankamen, welche Erwartungen, welche Hoffnungen, welche Enttäuschungen sie erlebten und warum sie sich trotzdem mit Remscheid verbunden fühlen. Zuwanderung begann aber nicht erst mit den "Gastarbeitern", sondern schon Ende des 19. Jahrhunderts mit italienischen Straßenbauern. Und nach dem nach dem Zweiten Weltkrieg folgten Vertriebene, Flüchtlinge und Heimatlose.
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Ich wollte Arzt werden, aber es kam alles ganz anders

Nebi Kerserci, geboren am 10.8.1962 in Kayseri, Türkei:

Kayseri (früher Mazaka und danach Caesarea) ist die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz Kayseri in Kappadokien in der Türkei. Die Stadt hat 895.253 Einwohner (2007) und ist eine der wenigen Großstädte der Türkei, deren Einwohnerzahl seit Jahrzehnten stabil bleibt.

Bis zu meinem 17. Lebensjahr bin ich in der Stadt Kayseri aufgewachsen. Ich habe dort fünf Jahre die Grundschule besucht, danach die Mittelschule und anschließend das Gymnasium. Mein Wunsch war es, Arzt, Rechtsanwalt oder Politiker werden, zu studieren, aber alles kam anders.

 Mein Onkel und jetziger Schwiegervater hat mich 1978 mit meiner heutigen Ehefrau bekannt gemacht, die zu diesem Zeitpunkt mit ihrer Familie in Kayseri Urlaub machte.  1979 haben wir uns verlobt, am 20.März 1980 habe ich hier in Remscheid meine Frau geheiratet. Wir haben die Hochzeit im Schützenhaus gefeiert. Meine Frau war 1975 aus der Türkei nach Remscheid zu ihren Eltern gekommen. Nach dem Urlaub meines Onkels 1979 und meiner Verlobung bin ich direkt mit meinem Onkel und meiner Braut nach Deutschland, nach Remscheid ereist. Zunächst nur zu Besuch bei meinem Onkel, Zafer Keserci.

Mein Ziel, Arzt, Rechtsanwalt oder Politiker zu werden, hatte ich noch immer. Ich wollte doch weiter lernen. Das war damals in Kayseri nur schwerlich möglich, da die verschiedenen Schulen unterschiedlich politisch oder / und religiös ausgerichtet waren. Meine Eltern und ich waren aber immer neutral. Zusammen mit meinen Eltern haben wir dann entschieden, dass ich in Deutschland lerne.

Mit meiner Eheschließung durfte ich zwar in Deutschland bleiben, aber nicht arbeiten und nicht studieren. Ich bekam vom Ausländeramt und vom Arbeitsamt keine Arbeitserlaubnis. Meine Frau ging bereits arbeiten und verdiente Geld und ich saß untätig zuhause. Das war für mich unerträglich. Damals war die Regelung so, dass ich als Türke erst nach drei oder fünf Jahren eine Arbeitserlaubnis erhalten konnte, wenn kein EU-Ausländer bevorzugt werden musste. Das war nichts für mich; ich bin fleißig, ich wollte arbeiten. Ich habe Wege gesucht um offiziell und legal zu arbeiten.

1981 kam eine neues Gesetz, das besagte, dass der Ehemann ohne Arbeitserlaubnis die Arbeitserlaubnis der Ehefrau bekommen kann, wenn diese schwanger ist. Da meine Frau schwanger war, haben wir diese Arbeitserlaubnis beantragt, aber ohne Erfolg, auch vor Gericht nicht.

Meine Tochter wurde am 11.12.1981 geboren. Ende 1982 haben meine Frau und ich unsere Tochter für fünf Jahre zu meinen Eltern in die Türkei gebracht, damit wir freier arbeiten und Deutsch lernen konnten. Natürlich war es nicht einfach, deutsch zu lernen, aber mit der Zeit wurde es immer besser. Ich hatte bereits damals in der Türkei in meiner Schule an einem Tag in der Woche am Fremdsprachenunterricht deutsch teilgenommen. Das war aber zuwenig, um an einer Hochschule in Deutschland zu studieren.  Ich habe dann, auf nicht ganz legalem Weg, in der Volkshochschule ca. 2 ½ Jahre lang an drei Tagen in der Woche einen Abendkurs „Deutsch lernen“ besucht. Das Lernen hat mir Spaß gemacht, die Art und Weise des Lernens fand ich gut.

Damals, am Anfang meiner Übersiedlung nach Remscheid, ohne Arbeit und ohne Geld war ich auf die Hilfe meiner Familie angewiesen und sehr dankbar, die Hilfe und Unterstützung der Verwandtschaft auch erhalten zu haben. Zu dieser Zeit und einige Jahre später noch, herrschten in der Türkei unruhige Zeiten. Ich war froh, zu dieser Zeit in Deutschland, in Remscheid gewesen zu sein.(weiter auf der 2. Seite)

Klicken führt zum'Zeitstrahl' der Ausstellung Zur 200-Jahr-Feier der Stadt Remscheid stellte Heike Hildebrandt vom damaligen Migrationsbüro der Stadt eine Ausstellung („Zeitzeugen-Projekt“) zusammen mit Schilderungen zahlreicher „Zeitzeugen der Zuwanderung“, deren neue Heimat Remscheid geworden war. Das ist jetzt zehn Jahre her. Doch die Geschichten sind es wert, nach vorne gestellt zu werden. Denn darin erzählen die „Zugereisten“, warum sie ihre Heimat verlassen haben, wie sie hier in Remscheid ankamen, welche Erwartungen, welche Hoffnungen, welche Enttäuschungen sie erlebten und warum sie sich trotzdem mit Remscheid verbunden fühlen. Zuwanderung begann aber nicht erst mit den "Gastarbeitern", sondern schon Ende des 19. Jahrhunderts mit italienischen Straßenbauern. Und nach dem nach dem Zweiten Weltkrieg folgten Vertriebene, Flüchtlinge und Heimatlose.
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