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Ein Ziel: Neue Postkarten vom Honsberg in alle Welt

Am Projekt „Experiment Raum“ der Art-Gallery „Ins Blaue“ auf dem Honsberg beteiligte sich die Fotografin und Videokünstlerin Beate Gördes aus Köln mit Projektionen auf Hauswänden. Wie Menschen ihr direktes Umfeld sehen – seine schönen, aber auch seine hässlichen Seiten – interessiert sie schon lange. Für „Hier in Niehl – Besondere Orte, früher und heute“ erhielt sie den „Kinderkulturpreis“ im Rahmen des Jugend.Kultur.Preises NRW 2018 beim „See You“-Festival in Neuss. Und heute kommt sie auf den Honsberg zurück, um in den nächsten Tagen gemeinsam mit der Kölner Literatin Adrienne Brehmer und mit „Ins Blaue“ das Projekt „HIER_ am_Honsberg“ zu realisieren, finanziell gefördert vom „Heimat-Scheck NRW“, einer Initiative des Ministeriums für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung des Landes.

Die beiden Kölnerinnen wollen in den nächsten Tagen den Stadtteil gemeinsam mit AnwohnerInnen künstlerisch und interaktiv neu entdecken. Mit Fotoapparat, Handykamera, Notizbücher und verschiedenen Requisiten möchten sie Bild- und Textmotive für eine Postkartenedition entwickeln.  In Szene gesetzt werden sollen Lieblingsplätze, Erinnerungsorte, Alltagswege und Neuentdeckungen, aber auch der Anwohner / die Anwohnerin selbst mit seinen / ihren individuellen Sichtweisen über das Viertel, wenn sie mögen. Mal mit Ernst und Tiefgang, mal vielleicht auch lustig-verrückt.

“Das wird sich mal so und mal so entwickeln“, sagte Beate Gördes gestern bei einem ersten Kennenlern-Treffen mit Anwohnerinnern und Anwohnern im neuen, noch unfertigen „Nachbarschaftswohnzimmer“ der Art-Gallery im Haus Siemensstraße 23. Fest steht bislang, dass es neben zahlreichen neuen Postkarten vom Honsberg stets eine Kombination von Fotografie und Text, an gleicher Stelle am 29. Oktober auch eine Abschlusspräsentation von “HIER_am_Honsberg“, geben wird als Beitrag der Kölnerinnen / der Art-Gallery „Ins Blaue“ zur Remscheider Nacht der Kultur. Wer Lust hat, in das Projekt noch kurzfristig mit eigenen Ideen / Meinungsäußerungen einzusteigen, ist von Kaja Wickert dazu herzlich eingeladen (E-Mail: gemeinsam@ins-blaue.net">gemeinsam@ins-blaue.net).

Mit dabei war gestern schon Martin Korb. Der pensionierte evangelische Pfarrer, dessen Stelle auf dem Honsberg von der Kirchengemeinde nicht wieder besetzt wurde, verspricht für Beate Gördes und Adrienne Brehmer eine wahre Fundgrube an Geschichten über den Honsberg zu werden. Ein Stadtteil, in dem es einst 13 Kneipen gab, die allesamt gut florierten. Korb: „Früher war der Honsberg das Viertel der armen Leute, um das die Bürger einen Bogen machten. Dann galt er als Kommunisten-Hochburg mit der Besonderheit während der Nazi-Zeit, dass die Mitglieder des CVJM und der Bekennenden Kirche sich dort immer gerne trafen, weil sie dann von den Kommunisten vor den Nazi-Schlägern beschützt wurden. Später wurde aus ‚Klein-Moskau‘ ‚Klein-Istanbul‘. Und jetzt wird daraus ein Künstler-Viertel!“

Honsberger Bäckerei diente 20 Jahre lang als Moschee

„Es-Selamu-Aleykum - Friede sei mit euch!“, begrüßte gestern Nachmittag Bayram Söylemez, Vorstandsmitglied der Islamischen Gemeinschaft Milli Görüş Remscheid e.V., zusammen mit dem Imam Dönmez und dem Vereinsvorsitzenden Cenap Aydin in der großen Moschee an der Neuenkamper Straße zahlreiche Remscheider Nicht-Muslime zum „Tag der Offenen Moschee“ (TOM). Auch im Namen der übrigen neun Moschee-Vereine in der Stadt. Denn sie alle hatten vor einigen Jahren vereinbart, diesen Tag, der seit 1997 in mehr als 1.000 Moscheen in Deutschland begangen wird, nicht länger getrennt voneinander zu organisieren, sondern gemeinsam. Das hatte 2017 bei DITIB an der Stachelhauser Straße begonnen. 2018 war die ATIB an der Industriestraße der Gastgeber, 2019 die Türkischer Föderation Remscheid an der Freiheitstraße, und 2020 wäre die IGMG an der Reihe gewesen. Doch in jenem und dem folgenden Jahr musste der TOM wegen der Corona-Pandemie ausfallen.

Umso intensiver hatte sich die IGMG als Gastgeber auf diesen Tag vorbereitet. Und Bayram Söylemez („Ich bin seit 1978 Remscheider und auf dem Honsberg aufgewachsen!“) freute sich sehr, unter den Gästen auch Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz, die evangelische Superintendentin Antje Menn, die Vorsitzende des städtischen Integrationsrates, Erden Ankay-Nachtwein, und den SPD-Bundestagsabgeordneten Ingo Schäfer begrüßen zu können: „Es ist eine besondere Gelegenheit, die Moschee und damit den Islam und die Muslime als Nachbarn näher kennenzulernen, voneinander zu lernen, Vorstellungen übereinander geradezurücken und damit auch Vorurteile abzubauen sowie religiöse und kulturelle Vielfalt wertzuschätzen“, betonte Söylemez und wünschte allen Teilnehmern „Hoffnung, Kraft und Zuversicht für das Miteinander in der Gesellschaft.“

Der Oberbürgermeister griff das später in seiner Rede auf. „Der Islam ist in Deutschland zu Hause; der Islam gehört zu unserer Stadt!“ Und der habe sich sehr verändert – „weg von den Hinterhof-Moscheen!“ Damit war auch die Islamische Gemeinschaft Milli Görüş gemeint. Sie wurde 1992 in einer ehemalige Bäckerei im Haus Honsberger Str. 73 gegründet. Söylemez: „Die Räume waren so klein, dass wir genau planen mussten, wer sie wann nutzen durfte - und das ganze 20 Jahre lang, bis es der Gemeinde dann endlich gelang, dieses Gebäude hier zu kaufen. Das war im Jahr 2012.“ Heute zählt der Moschee-Verein 481 Mitglieder (180 Männer, 173 Frauen, 73 Mädchen und 55 Jungen).

Drei Jahre dauerte es, bis die frühere Metallfabrik komplett umgebaut und kernsaniert saniert war, „nach zigtausend Stunden an Eigenleistung unserer handwerklich geschickten Mitglieder! Und finanziert ohne jegliches Fremdkapital von unseren Gemeindemitgliedern durch Spenden, höhere Mitgliedsbeiträge,  Wohltätigkeits-Veranstaltungen, Versteigerungen, Konzerte etc. (…) Der Verein steht schuldenfrei da, Gott sei Dank!“

Die zehn Remscheider Moscheen

  • DITIB Merkez Moschee Remscheid, Stachelhauser Straße
  • Türkische Föderation Remscheid, Freiheitstraße
  • Türkischer Kulturverein ATIB, der Industriestraße
  • Remscheider Bildungs- und Kulturverein, Kremenholler Straße
  • Marokkanische Moschee, Bismarckstraße
  • Buhara Kultur Zentrum, Waldstraße
  • Türkischer Kulturverein Nizami-Alem, Bismarckstraße
  • Bosnisch-Albanische Moschee, Karlstraße
  • Kocatepe Moschee, Klausener Straße
  • Islamische Gemeinschaft Milli Görüş e.V., Neuenkamper Straße.

Eine Leistung, die ein paar Zahlen verdeutlichen können: 2000m² Grundstück, 1350 m² Nutzfläche auf drei Etagen, darunter zwei Gebetsräume (180m² im 1. Obergeschoss für die Männer und 70 m² im 2. Obergeschoss für die Frauen), eine Cafeteria, eine industrielle Großküche und ein 250 m² großer Veranstaltungsraum im Erdgeschoss. Das alles barrierefrei und behindertengerecht (Aufzug für acht Personen), bestückt komplett mit sparsamen LED und fußbodenbeheizt mittels Luft-Wärmepumpe-Technik. Hinzu kam in diesem Jahr eine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach.

In diesem Jahr stand der „Tag der Offenen Moschee“ unter dem Motto „Knappe Ressourcen - große Verantwortung“, um das Bewusstsein für ein nachhaltiges und klimagerechtes Leben zu wecken oder zu verstärken. Bayram Söylemez: „Denn Moscheen sind nicht nur Gebetsstätten, sondern auch Orte der Bildung, Begegnung und Sensibilisierung.“ Und deshalb haben mehrere Moschee-Gemeinden mit der Stadt Energie-Beratungen für ihre Mitglieder vereinbart – „wie man die Energieverbrauch senken kann, welche staatlichen Unterstützungen es gibt und wie effizient eine Photovoltaik-Anlage, eine Luftwärme- oder Erdwärme-Pumpe sein kann“.

Von Rassismus Betroffene zur Mitarbeit eingeladen

Einstimmig bei zwei Enthaltungen stimmte der Rat der Stadt am 18. November 2021 der umfangreichen Beschlussvorlage „Für Demokratie und Vielfalt in Remscheid“ zu. Darin bekennt sich der Rat der Stadt Remscheid dazu, „jeglichen Formen von Antisemitismus, Rassismus, Antiziganismus, antimuslimischen Rassismus, weiterer gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit und Diskriminierung entschieden entgegen zu treten.“ Der Beschluss sieht die Einsetzung einer Lenkungsgruppe vor, die aus dem Oberbürgermeister, der Bürgermeisterin und den Bürgermeistern, Vertreterinnen sowie Vertretern aus Sport, Polizei, Feuerwehren, Kultur, Jugendhilfe, Schule sowie Wohlfahrts-, Hilfs- und Katastrophenschutz-Organisationen u. ä. bestehen soll „mit dem Ziel, auf der Basis der vielfältigen Aktivitäten in unserer Stadt eine gemeinsame Strategie für Demokratie und Vielfalt gegen Extremismus zu entwerfen.“ Zuvor war man nach längerer Diskussion übereingekommen, die Frage, ob die Aufgabe eines Extremismus-Beauftragten einer bestimmen Person übertragen werden solle, zurückzustellen, bis die neue Lenkungsgruppe zusammengekommen ist und das gewünschte Handlungskonzept Gestalt angenommen hat.

Seit gestern steht nun fest, dass zwei versierte Frauen dieses Handlungskonzept „nah an der Praxis für und gemeinsam mit Remscheidern“ erarbeiten werden, das aufbauend auf den üblen Erfahrungen von Bürgerinnen und Bürgern mit Rassismus in all seinen düsteren Facetten. Es sind Rabia Gür, Stadt Remscheid, und Kerstin Becklas, Stadtteil e.V. Zusammen mit ihren direkten Ansprechpartnern beim Stadtteil e.V. (Ute Friedrich-Zielas und Ralph Noll) und bei der Stadt (Sabine Räck und Jutta Velte) bilden sie das Projektteam von „NRWeltoffen“, das künftig eng mit der vom Rat beschlossenen Lenkungsgruppe unter dem Vorsitz von Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz zusammenarbeiten wird mit dem ehrgeizigen Ziel eines Handlungskonzepts gegen Rechtsextremismus, Antisemitismus, Rassismus und gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit. Ein ehrgeiziges Programm, das es in den nächsten eineinhalb Jahren zu erreichen gilt. Ein erster Entwurf des Handlungskonzeptes sollte im Juni/ Juli 2023 vorliegen. Für den September 2023 ist geplant, das fertige Konzept den Gremien des Rates der Stadt Remscheid zur Verabschiedung vorzulegen. Bis Ende Juni 2023 stehen die Sitzungstermine der Lenkungsgruppe bereits fest: 16. November 2022, 14. Februar 2023, 22. März 2023 und 20. Juni 2023, jeweils 16 bis 19 Uhr.

Zwei Seiten eines städtischen Flyers zu einer zusammengefasst. Nicht erst seit den Morden in Hanau, seit dem tödlichen Anschlag auf Walter Lübke, seit den Angriffen auf Synagogen und Moscheen ist klar, dass Extremismus in verschiedenen Subkulturen der Gesellschaft gewissermaßen hoffähig geworden ist. So beschreibt das Forscherteam rund um den Konfliktforscher Andreas Zick von der Universität Bielefeld bereits seit mehr als zehn Jahren eine Zunahme von Radikalisierungs-, Abwertungs-, Rassismus- und Extremismus Tendenzen in unserer Gesellschaft. Bei der Vorstellung des neuen Projekts in einer Pressekonferenz im Rathaus betonte Oberbürgermeister Mast-Weisz , wie sehr sich –spürbar auch im Kontext der Protestaktionen gegen die Corona- Maßnahmen bzw. Energiekrise - eine (Un-)kultur der Beschimpfungen und Abwertungen gegen Politikerinnen vor allem in den so genannten „Sozialen Medien“ breit mache. Leider seien Alltagsrassismus und -diskriminierungen immer noch für viele Remscheiderinnen und Remscheider Realität.

Um – dem Wunsch der demokratischen Fraktionen im Rat der Stadt Remscheid entsprechend –extremistischen Bestrebungen in der Gesellschaft wirksamer entgegenzutreten zu können, stellte die Stadt am 3. Februar 2022 bei der Bezirksregierung in Düsseldorf den Antrag, in das Landesprogramm „NRWeltoffen“ aufgenommen  zu werden. Das Land hatte das kommunale Förderprogramm entwickelt, um Kommunen in ihrer Präventionsarbeit gegen Rechtsextremismus und Rassismus zu stärken. Dass der Antrag der Stadt bewilligt wurde, machte es finanziell möglich, zwei neue Stellen einzurichten, eine Stelle mit 30 Stunden beim Stadtteil e.V. und eine mit 20 Stunden bei der Stadt. Am 1. Juli nahmen Rabia Gür und Kerstin Becklas ihre Arbeit auf. Die Religions- und Sozialwissenschaftlerin Kerstin Becklas und Rabia Gür, die über die Erfahrungen von Betroffenen bereits eine Magisterarbeit geschrieben und diesen nun auch ihre Doktorarbeit widmen will, sehen es als ihre Aufgabe an, mit Hilfe des künftigen Handlungskonzepts (verunsicherten) Menschen mehr (politische/n) Orientierung und Halt zu geben. Wichtig ist ihnen in den nächsten zwölf Monaten die Teilhabe der betroffenen Gruppen. Erreicht werden sollen diese durch unterschiedlichen Beteiligungsformaten in Stadtkonferenzen. Deren Ergebnisse sollen zusammengefasst und in den Arbeitsprozess der Steuerungsgruppe eingespeist werden. 

Dass Becklas und Gür es mit einem Lenkungskreis zu tun haben werden, der aus rund 20 Vertretern der Verwaltung, der Politik, Schulen, Wohlfahrtsverbänden etc. besteht, hält der Oberbürgermeister „für ein Risiko und eine Chance zugleich“: Ich hoffe darauf, dass die entwickelten Ideen und Konzepte so in der Stadtgemeinschaft schneller ankommen, weil vermittelt von vielen!“

Hotel für Flüchtlinge im Herbst nicht ausgeschlossen

„Die Flüchtlingszuwanderung nach Remscheid ist weiterhin geprägt von den Zuzügen ukrainischer Kriegsflüchtlinge. Kontinuierlich werden ukrainische Geflüchtete aus den Landesaufnahmeeinrichtungen nach Remscheid zugewiesen. Daneben finden spontane, unkoordinierte Zuzüge von ukrainischen Staatsangehörigen nach Remscheid statt. Im Schnitt nimmt die Stadt Remscheid derzeit 15 bis 20 ukrainische Kriegsflüchtlinge pro Woche auf“, teilt die Stadtverwaltung zur Sitzung des Integrationsrats am 29. September mit. Auffällig sei seit einigen Wochen wieder eine steigende Tendenz, wie das zuständige Ministerium für Kinder, Jugend, Familie, Gleichstellung, Flucht und Integration NRW bestätigt habe.

Insgesamt sind der Stadt in diesem Jahr 293 Flüchtlinge und Asylsuchende zugewiesen worden. Darunter befanden sich 202 ukrainische Kriegsflüchtlinge. Die übrigen Herkunftsstaaten sind Syrien, Irak, Nigeria, Bangladesch, Somalia, Türkei, Albanien, Libanon, Nordmazedonien, Afghanistan, Belarus, Serbien, Iran, Algerien, Aserbaidschan und Georgien. Aktuell halten sich 1015 ukrainische Kriegsflüchtlinge in Remscheid auf. Sie sind sowohl in städtischen Unterkünften / Wohnungen als auch privat untergebracht. Ihre Unterbringung stellt die Stadt Remscheid nach eigenen Angaben „weiterhin vor große Herausforderungen“. Erwartet wird ein weiterer Anstieg der Flüchtlingszuwanderung aus der Ukraine und anderen Ländern in den Herbst- und Wintermonaten. Ihr Zuzug sei nur teilweise planbar. Aktuell sind keine Flüchtlinge in Hotels untergebracht. Bei einem erneuten sprunghaften Anstieg der Flüchtlingszahlen könnte aber im Notfall eine Hotelunterbringung erforderlich werden.

Aktuell sind 585 ukrainische Flüchtlinge in städtischen Unterkünften untergebracht, davon der größte Teil, 493 Personen, in Wohnungen. Seit Anfang März 2022 wurden 94 zusätzliche Wohnungen angemietet. Der Fachdienst Zuwanderung steht permanent in Kontakt im Wohnungsgesellschaften, Hauseigentümern und Vermietern, um weitere Unterkunftsmöglichkeiten zu akquirieren. Vor der geplanten Wiedereröffnung des Übergangsheims am Talsperrenweg mit kleinen abgeschlossenen Wohneinheiten für ca. 100 Personen müssen noch Brandschutzvorgaben überprüft und Renovierungen vorgenommen werden, „, so dass ein genauer Eröffnungstermin noch nicht genannt werden kann“, so die Verwaltung. Die ukrainischen Kriegsflüchtlinge, die in der Einrichtung Hölterfeld untergebracht sind, werden von Sozialberatern unterstützt, selbst eigenen Wohnraum in Remscheid anzumieten.

United bei "April"-Wetter und niedriger Temperatur

Fotos: Lothar Kaiser

Ein Musik-Festival wie das von „RS United“ bedarf vieler fleißiger Hände. Da ist es dann schade, wenn die Zahl der Besucherinnen und Besucher überschaubar bleibt. Doch bei einstelliger Temperatur am Abend (neun Grad um 19.30 Uhr), vor allem aber bei einem ständigen Wechselspiel aus blauem Himmel und wolkenbruchartigen Regenfällen wie im April blieben selbst eingeschworene Fans der einen oder anderen Musikgruppe lieber zu Hause. „Open Air“ im September in Remscheid bleibt trotz Klimawandel eben immer noch ein Risiko… (Wie war noch der alte Gärtnerspruch? „Nur die Harten kommen in den Garten!“)

Jugendliche wünschen sich eine attraktivere Stadt

Fachdienst Jugend: ‚Sag uns wie der Hase läuft!‘". titelte der Waterbölles am 13. August. Tags zuvor, am Internationalen Tag der Jugend, war eine großangelegte Befragung der Remscheider Jugend angelaufen. Sie Stadt Remscheid hatte damit das Institut für sozialraumorientierte Praxisforschung und Entwicklung (ISPE) e.V. in Haan beauftragt. Das rechnete damals schon bei 200 bis 300 ausgefüllten Fragebögen mit aussagekräftigen Ergebnissen bei derzeit 5533 jungen Leuten zwischen 14 und Jahren in der Stadt. Tatsächlich lagen gestern, am letzten Teil der Befragung, mehr als 550 ausgefüllte Fragebögen vor,  so dass von einem repräsentativen Ergebnis ausgegangen werden kann.

Zum Abschluss dergestrigen „quantitativen Erhebungsphase“ von 16 bis 19 Uhr vor dem Teo-Otto-Theater gab es für die Jugendlichen  noch eine Verlosung von Freizeitartikeln und Gutscheinen. Voraussichtlich Ende des Jahres werden die Ergebnisse der beiden Erhebungsphasen vorliegen, unter anderem im Jugendhilfeausschuss. Die Bedarfe der jungen Leute sollen dann nach Möglichkeit in die Arbeit des Fachdienstes Jugend sowie der Jugendeinrichtungen und -verbände einfließen. Sozialdezernent Thomas Neuhaus: „Es geht darum, junges Leben in Remscheid attraktiv, modern und zukunftsorientiert zu gestalten.“ Das klang auch im gestrigen Video-Interview des Waterbölles an.

Flüchtlinge aus der Ukraine werden vielfältig unterstützt

Um Informationen über die Unterstützung und Arbeitsmarktintegration von geflüchteten Menschen aus der Ukraine hatte die Fraktion der Grünen am 31. Mai die Stadt Remscheid gebeten. Zur Sitzung des Ausschusses für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Wohnen und Pflege am 31, August hat die Verwaltung nun die Antworten vorgelegt.

Frage: Wo sieht die Verwaltung Unterstützungsbedarfe durch Akteur*innen der Zivilgesellschaft der Stadt Remscheid?
Antwort: Es kann nur ein großes Lob an die Akteurinnen und Akteure der Zivilgesellschaft ausgesprochen werden. Remscheiderinnen und Remscheider unterstützen – nach wie vor – die Flüchtlinge aus der Ukraine sowohl mit Sach- und Geldspenden als auch mit Wohnungen und natürlich mit unermüdlicher ehrenamtlicher Tätigkeit als Patinnen und Paten aber auch als Sprachmittlerinnen (Ukrainische Community) und als ehrenamtlich Seite 5 Drucksache 16/2833 Tätige Dozentinnen und Dozenten bei niederschwelligen Sprachkursen (auch mit Kinderbetreuung) um nur einige zu nennen.

Frage: Ist die Verwaltung mit ausreichend Personal auf den Wechsel der Geflüchteten ins SGB II ausgestattet?
Antwort: Besonders wegen der Sprachschwierigkeiten und des damit verbundenen Kommunikationsaufwandes wird sich die Beratung als zeitintensiv herausstellen. Deshalb werden mehrere Hundert Erstgespräche nicht ausschließlich im Integration Point erfolgen, sondern von allen Kolleginnen und Kollegen des Bereiches Markt & Integration durchgeführt. Die Erfahrung zeigt, dass mit günstigen Betreuungsrelationen die besten Ergebnisse erzielt werden. Diese besondere Arbeitsbelastung wird einerseits negative Auswirkungen auf die Arbeitsergebnisse haben, andererseits müsste zusätzliches Personal neu eingearbeitet werden. Die Geschäftsführung des Jobcenters geht davon aus, dass mittelfristig die Anzahl der Bedarfsgemeinschaften kontinuierlich wachsen wird. Für den Personalhaushalt 2023 wird davon ausgegangen, dass die gesetzlich festgelegten Betreuungsrelationen erreicht werden. (1:150 bei über 25 – jährigen, 1:75 bei unter 25 – jährigen)

Frage: Wie wird die Aufnahmefähigkeit der Remscheider Arbeitsmarktes für die Menschen aus der Ukraine eingeschätzt?
Antwort: In den kommenden Monaten wird der Ukraine-Krieg von zwei Seiten auf den Arbeitsmarkt einwirken. Zum einen werden die Stellenzugänge vermutlich weiter auf niedrigem Niveau verbleiben, bis sich die Lieferengpässe reduzieren und die hohen Energiepreise wieder nach unten bewegen. Zum anderen wird die Arbeitslosigkeit wachsen, aber nicht aufgrund einer insgesamt schwachen Arbeitsmarktlage, sondern weil ab Juni 2022 die geflüchteten Ukrainerinnen und Ukrainer Leistungen nach SGB II erhalten und dadurch in die Arbeitslosen-Statistik eingehen.

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Sportfest der Kulturen will bunt und weltoffen sein

Pressemitteilung des Sportbundes Remscheid e.V.

Am 21. August  findet von 12 – 17 Uhr auf der Sportanlage „Am Stadtpark“ ein „Sportfest der Kulturen“ statt – und Sie sind alle herzlich eingeladen, mit dabei zu sein! Auf die Beine gestellt wird dieses kleine, bunte Fest von der Aidshilfe Wuppertal e.V. in Remscheid und dem Sportbund Remscheid e.V. in Kooperation mit dem Integrationsrat und dem Kommunalen Integrationszentrum. Unser Ziel ist es, Menschen mit und ohne Migrationshintergrund zusammen zu bringen, Barrieren abzubauen und gemeinsam Spaß und Freude am Sport zu erleben. Dabei wollen wir mit den Einrichtungen der Integrationsarbeit in Remscheid junge Menschen für den Vereinssport begeistern, Familien in Bewegung bringen, über Aktionen und Angebote in unserer Stadt informieren und viele neue Brücken und Netzwerke bauen.

Rund 30 Remscheider Vereine, Verbände und Organisationen sind am 21. August auf der Sportanlage „Am Stadtpark“ versammelt und freuen sich auf alle großen & kleinen Besucher:innen! Vom Integrationsrat, über das Kommunale Integrationszentrum bis hin zu zahlreichen Migrantenselbstorganisationen (MSO) und Sportvereinen – wir alle ziehen an einem Strang und zeigen: Remscheid ist bunt und weltoffen! Es darf gesportelt, gelacht und gefeiert werden 😊 Ob Riesen-Kicker, Hüpfburg, Capoeira, Beach- Volleyball, Rolli-Basketball, Handball, Fußball, Kinderprogramm, Musik, Zumba u.v.a.m - für jeden ist etwas dabei! Alle Mitmachaktionen sind selbstverständlich kostenfrei!

Für kulinarische Genüsse aus aller Welt sorgen zahlreiche kulturelle Verbände und Vereine. Und zu gewinnen gibt’s auch etwas: Die ersten 100 Besucher:innen, die an mindestens zehn Aktionen teilnehmen und ihre Stempelkarte füllen, erhalten einen tollen Sportbeutel! Das Programm findet sich in Kürze unter https://www.sportbund-remscheid.de/news-neuigkeiten/save-the-date-sportfest-der-kulturen/ Gerade in dieser schwierigen und für uns alle herausfordernden Zeit möchten wir ein Zeichen für ein friedliches & respektvolles Miteinander setzen! (Jana Kawina)

Bis Monatsende sind noch Anträge möglich

Pressemitteilung der Stadt Remscheid

Noch bis Ende August können Vereine und andere Einrichtungen, die ehrenamtlich Hilfe für aus der Ukraine geflüchtete Kinder und deren Familien anbieten, sich  beim Kommunalen Integrationszentrum (KI) Remscheid um eine Förderung ihrer Ausgaben bewerben. Hierfür hat das NRW-Ministerium für Kinder, Jugend, Familie, Gleichstellung, Flucht und Integration (MKJFGFI) Remscheid einmalig einen Betrag in Höhe von 15.000 Euro zur Verfügung gestellt.

200 bis 3.000 Euro gibt es pro Antrag für niederschwellige Hilfsangebote, die der Beratung, Betreuung und Integration für aus der Ukraine geflüchteter Kinder und deren Familien dienen und vom 24. Februar bis zum 31. August in Remscheid durchgeführt wurden oder werden (tatsächlich entstandene Kosten abzüglich erzielter Einnahmen). Auch eine rückwirkende Antragstellung ist also möglich. Anträge können an das Kommunale Integrationszentrum Remscheid gestellt werden: per Post an das KI in der Blumenstraße 24, 42853 Remscheid, oder per E-Mail unter Integration@remscheid.de">Integration@remscheid.de. Liegt die beantragte Förderung im Einzelfall über 3.000 Euro, wird um vorherige Kontaktaufnahme gebeten.

Stadt will Übergangsheim Talsperrenweg reaktivieren

Nach wie vor ist die Flüchtlingszuwanderung nach Remscheid geprägt von den Zuzügen ukrainischer Kriegsflüchtlinge. Sie werden aus den Landesaufnahmeeinrichtungen nach Remscheid zugewiesen. Daneben finden spontane, unkoordinierte Zuzüge von Ukrainern nach Remscheid statt. Zusätzlich werden auch geflüchtete Personen und Asylsuchende aus anderen Staaten nach Remscheid zugewiesen. Aktuell halten sich 885 ukrainische Kriegsflüchtlinge in Remscheid auf. Sie sind entweder in städtischen Unterkünften / Wohnungen oder privat untergebracht. Im Laufe dieses Jahres sind bisher insgesamt 233 Flüchtlinge und Asylsuchende aus des Aufnahmeeinrichtungen des Landes Nordrhein-Westfalen nach Remscheid zugewiesen worden. Davon kamen 183 aus der Ukraine.

Die Unterbringung der aus der Ukraine geflüchteten Menschen stellt die Stadt Remscheid weiterhin vor Herausforderungen. Sie ist nach dem Flüchtlingsaufnahmegesetz verpflichtet, die Menschen aufzunehmen. Angestrebt wird ihre langfristige Unterbringung in Wohnungen (nach der Erstaufnahme in einer Gemeinschaftsunterkunft). Allerdings ist der Zuzug nach Remscheid nur teilweise planbar; vielmehr ist jederzeit mit der Ankunft von ukrainischen Kriegsflüchtlingen zu rechnen. Dafür sind – unter dem Aspekt der Wirtschaftlichkeit – ausreichende Unterbringungskapazitäten vorzuhalten. Dies bedeutet einen Mix aus Gemeinschaftsunterkünften (Schule/Halle Hölterfeld), Übergangsheimen und Wohnungen.

Die Unterbringung in Hotels soll grundsätzlich vermieden werden; inzwischen sind fast alle ukrainischen Flüchtlinge aus den Hotels eine Wohnung umgezogen. Bei einem erneuten sprunghaften Anstieg der Flüchtlingszahlen könnte aber im Notfall eine Hotelunterbringung wieder erforderlich werden. Aktuell sind 487 ukrainische Flüchtlinge in städtischen Unterkünften untergebracht, davon der größte Teil, 414, in Wohnungen. 89 wurden von der Stadt seit Anfang März zusätzlich angemietet. Der Fachdienst Zuwanderung steht permanent in Kontakt im Wohnungsgesellschaften, Hauseigentümern und Vermietern, um weitere Unterkunftsmöglichkeiten zu akquirieren. Daneben werden auch Unterbringungsmöglichkeiten in Containermodulen geprüft. Die Wiedereröffnung des Übergangsheims am Talsperrenweg mit kleinen, abgeschlossenen Wohneinheiten für insgesamt ca. 100 Personen ist geplant.

Seit dem 1. Juni erhält der überwiegende Teil von ihnen Leistungen nach dem SGB II vom Jobcenter Remscheid bzw. Leistungen nach dem SGB XII vom Fachdienst Soziales und Wohnen. Der sog. Rechtskreiswechsel vom Asylbewerberleistungsgesetz zum SGB II und XII hat in Remscheid dank der guten Zusammenarbeit zwischen den beteiligten Stellen problemlos zum Stichtag funktioniert.(aus dem Bericht der Verwaltung zur Sitzung des Integrationsausschusses  am 11. August)

Interkulturelle Liste regt „Pfad der Neuen Heimat“ an

Zur Sitzung des Integrationsrates am 11. August hat die Interkulturelle Liste der Remscheider SPD die Einrichtung eines „Pfad der neuen Heimat“ beantragt, um „die Spuren der ersten Arbeitsmigrantinnen und Arbeitsmigranten in unserer Stadt sichtbar zu machen“. Und dies in einer Form, die zu Remscheid als der Stadt, in der Multikulturalität „selbstverständlich gelebt“ wird, passe. Konkret: Orte im Stadtgebiet, an denen sich einst Unterkünfte, Treffpunkte, Beratungsstellen oder Arbeitsstellen von Arbeitsmigrantinnen und Arbeitsmigranten befanden, sollen nach den Vorstellungen der Antragsteller mit Hilfe von Gedenktafeln und Stelen in Form eines „Migrationsparcours“ oder „Pfad der Neuen Heimat“ (wieder) sichtbarer gemacht werden. Hierfür biete sich der Remscheider Stadtteil Rosenhügel an, an dessen nördlichem Ende sich der Hauptbahnhof befand, an dem die sogenannten „Gastarbeiter“ nach zum Teil tagelanger Zugfahrt ankamen und von Vertreterinnen und Vertreter der Kirche mit Essenspaketen in Empfang genommen wurden.

Vom Hauptbahnhof ging es zu den Unterkünften, die sich oftmals in der Nähe oder sogar auf dem Gelände der großen Stahlwerke befanden, von denen die „Gastarbeiter“ angeworben worden waren. Das ehemalige „Volkshaus“ an der Bismarckstraße war ein weiterer Ort, der für die „Gastarbeiter“ von Bedeutung war, weil hier neben der Arbeit Kontakte geknüpft wurden. Zitat aus dem Antrag: „Durch Stelen, Tafeln oder durch das Anpflanzen von Bäumen, Anlegen von Grünflächen, das Stiften von Parkbänken und vielem mehr wollen wir die ersten Orte der Migration in Remscheid wieder ins öffentliche Bewusstsein holen und für die Angehörigen der ersten und zweiten Zuwanderergeneration und deren Nachfahren Orte der Identifikation und Erinnerung schaffen. An der Erarbeitung dieses ‚Pfad der Neuen Heimat‘ sollen so viele Zeitzeuginnen und Zeitzeugen wie möglich teilnehmen:“ Dafür könne die Stadtverwaltung gezielt die Vertreterinnen und Vertreter jener Generation einladen, die zwischen 1955 und 1965 nach Deutschland kamen, ihre Geschichte in Form eines „Erzählcafés“ mitzuteilen. Ziel soll es sein, Geschichten und Zeugnisse wie Fotografien, Arbeitsverträge und vieles mehr zu sammeln und aufzubereiten. An der Vorbereitung des Erzählcafés sowie der Umsetzung ihrer Ergebnisse sollten auch das Stadtarchiv, das Kommunale Integrationszentrum, die weiterführenden Schulen Remscheids und die Migrantenselbstorganisationen beteiligt werden.

„Am 20. Dezember 1955 wurde das erste sogenannte „Anwerbeabkommen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Italienischen Republik geschlossen, in deren Folge die ersten sogenannten ‚Gastarbeiter‘ nach Deutschland kamen. Anwerbeabkommen mit anderen Staaten folgten: Spanien und Griechenland (1960), Türkei (1961), Marokko (1963), Portugal (1964), Tunesien (1965) und dem damaligen Jugoslawien (1968). Migration ist in der Geschichte der Menschheit nichts Außergewöhnliches. Das Besondere der Anwerbeabkommen war, dass es erstmals ein geregeltes Verfahren gab, wie Menschen zum Zwecke der Arbeitssuche auswandern konnten. Sie ließen oftmals ihre Familien zurück mit dem Ziel, diese mit dem in der Ferne verdienten Geld zu unterstützen oder sich in ihren Herkunftsländern eine Existenz aufzubauen. Vielfach ließen Menschen jedoch nicht nur 2022  ihre Familien, sondern ihre Heimat zurück und fanden eine neue – und zwar in den Städten und Regionen, in denen sie als sogenannte ‚Gastarbeiter‘ lediglich ein Übergangsdasein vorgesehen hatten,“ heißt es im Antrag weiter.

Die Bedeutung der „Gastarbeiter“ oder Arbeitsmigrantinnen und Arbeitsmigranten der ersten und zweiten Generation für den wirtschaftlichen Aufschwung der Bundesrepublik Deutschland nach dem verheerenden Zweiten Weltkrieg sei unbestritten. Städte wie Wolfsburg und Fürth hätten ihren „Neubürgerinnen und Neubürgern“ an prominenter Stelle, beispielsweise vor dem Hauptbahnhof, im wahrsten Sinne des Wortes ein Denkmal gesetzt, um sich bei Ihnen zu bedanken. Remscheid gehöre zu den von Migration am stärksten geprägten Städte in der Bundesrepublik Deutschland. Das zeige sich u.a. in einem der höchsten Anteile von Zugewanderten an der Bevölkerung. In Remscheid mit seinen 114 Nationen werde Multikulturalität nicht beschworen, sondern im wahrsten Sinne des Wortes „selbstverständlich gelebt“. Hierauf sei die Stadtgesellschaft mit Recht stolz.

Bedürfnis nach Teilhabe am Arbeitsmarkt wächst

Pressemitteilung der Agentur für Arbeit

Die Zahl der leistungsberechtigten Personen aus der Ukraine hat sich in Remscheid im Vergleich zum Vormonat nochmals deutlich erhöht. Im Juli waren 415 erwerbsfähige Personen mit Staatsangehörigkeit Ukraine zur Arbeitsvermittlung gemeldet. Im Juni waren es 314 und vor einem Jahr 14 Menschen. Auch im Städtedreieck hat sich die Zahl der leistungsberechtigten Personen aus der Ukraineim Vergleich zum Vormonat mehr als verdoppelt. Im Juli 2022 waren im Bergischen Städtedreieck über 1.700 erwerbsfähige Personen mit Staatsangehörigkeit Ukraine zur Arbeitsvermittlung gemeldet. Im Juni waren es 840 Personen. Dieser Personenkreis wird nahezu ausschließlich im Rechtskreis des SGB II betreut. Ob die Prozesse der Arbeitsvermittlung und der Leistungsgewährung parallel oder nacheinander stattfinden, hängt von den Prozessen des jeweiligen Jobcenters ab. Es gibt zur Arbeitsvermittlung angemeldete Personen, die noch keine bewilligten Leistungen haben. Umgekehrt kann es aber auch sein, dass Personen bereits einen Leistungsbescheid haben, aber noch nicht zur Arbeitsvermittlung angemeldet sind.

Bei den geflüchteten Ukrainerinnen und Ukrainern stand und steht an erster Stelle die umfassende humanitäre Versorgung. Wegen des fortdauerndnachauf Teilhabe am Arbeitsmarkt. Vor diesem Hintergrund übernehmen die Jobcenter seit dem 1. Juni die Geflüchteten in die Grundsicherung nach dem SGB II. Bei Vorliegen der Voraussetzungen haben sie Anspruch auf Leistungen (Regelbedarfe, Mehrbedarfe, Kosten für Unterkunft und Heizung, Bildung und Teilhabe sowie Einzelbedarfe) der Grundsicherung. Ebenso wie bei allen anderen Leistungsberechtigten ist eine Antragstellung erforderlich. Voraussetzung für den Bezug von SGB II-Leistungen ist eine Fiktionsbescheinigung oder eine Aufenthaltserlaubnis nach Paragraph 24 AufenthG und eine zweifelsfreie Klärung der Identität durch erkennungsdienstliche Maßnahmen oder mindestens die Speicherung der Daten im Ausländerzentralregister (AZR). Ersatzbescheinigungen, die die Ausländerbehörde bis zum 31.05.2022 ausgestellt hat, dürfen bis zum 31. Oktober 2022 anerkannt werden. Zusätzlich müssen die allgemeinen Voraussetzungen zum Leistungsbezug vorliegen, u.a. dass die Menschen erwerbsfähig sind und materielle Hilfebedürftigkeit besteht. Neben der materiellen Versorgung werden die ukrainischen Staatsbürger ebenso wie alle anderen erwerbsfähigen Hilfebedürftigen vermittlerisch und beraterisch unterstützt. Selbstverständlich umfasst das auch den Zugang zu Sprachkursen und Qualifizierungsangeboten. Bereits vorhandene Kompetenzen und Fähigkeiten erleichtern den Zugang zum derzeit sehr aufnahmefähigen Arbeitsmarkt.