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Wir sind auf andere zugegangen

Seyed Raouf Reissi, geboren 1948 in Ardebil / Iran und Ehefrau Sakineh Mohebbi, beide seit November 1985 in Remscheid:

„Ardabil ist eine im Nordwesten des Iran in der gleichnamigen Provinz gelegene Stadt. Sie ist bekannt für ihre traditionelle Seiden- und Teppichherstellung, Honig sowie Heilwasser vulkanischen Ursprungs. In der Umgebung wird ferner Bewässerungsfeldbau betrieben. Ardabil ist eine der 30 Provinzen des Iran. Hauptstadt ist die gleichnamige Stadt Ardabil. Die Provinz liegt im Nordwesten des Landes an der Grenze zur Republik Aserbaidschan und dem Kaspischen Meer. Die Bevölkerungsmehrheit stellen mit Abstand die Aserbaidschaner. Mehrheitssprache ist die mit dem Türkischen verwandte aserbaidschanische Sprache.

Ich bin 1948 in Ardabil geboren. Ich bin dort zur Schule gegangen und habe in Tebritz mit dem Studium begonnen. 1973 bin ich aus dem Iran ausgereist, mit dem Ziel in Deutschland zu studieren. An der Universität in Bochum habe ich zunächst Deutsch gelernt. In Köln habe ich dann Maschinenbau studiert, und ein Jahr lang ein Praktikum in einer Maschinenfabrik absolviert.  Ich hatte im Iran einen deutschen Lehrer, drei Jahre lang. Der hatte mir sehr viel beigebracht. 1978 habe ich mein Studium als Diplom-Ingenieur abgeschlossen. Inzwischen waren sechs Jahre seit meiner Ausreise aus dem Iran vergangen.

Ich bin nach dem Studium zurück in den Iran. Dort war ich in Tebritz technischer Leiter einer Maschinenfabrik. Meine Frau war Landwirtschaftsingenieurin in Tebritz /Aserbaidschan und beim Umweltamt tätig. Nach der Revolution - wir waren junge Leute – wollten wir unsere Heimat aufbauen, aber das Regime Khomeni machte es unmöglich; Menschenrechte wurden verletzt, Regimegegner und Hunderte Andersdenkender festgenommen. Das war der Grund, warum wir überlegen mussten, unsere Heimat zu verlassen. Dann sind wir, meine Frau, mein Sohn und ich nach Deutschland ausgereist.

Am Anfang war es schwer. Als Ingenieur gab es für mich keine Anstellung. Ich habe dann drei oder vier Jahre als Maschinenarbeiter gearbeitet, danach habe ich bei einer Wermelskirchener Firma vier oder fünf Jahre gearbeitet, bis die Firma schließen musste.

Meine Frau hat an der Uni Wuppertal deutsch intensiv gelernt. Danach wollte sie eigentlich Biochemie studieren. Am Ende des 2. Semesters wurde aber unser Sohn im Alter von sieben Jahren schwer krank. Da hat sie aufgehört. Unserem Sohn geht es seit einigen Jahren wieder gut.

Die Wohnungssuche damals war schwer. Wir haben zunächst fünf Jahre im Stadtteil Rosenhügel gewohnt. Wir haben sparsam gelebt und uns dann eine kleine Wohnung gekauft. 2004 haben wir uns ein kleines Haus gekauft. Die Renovierung machen wir selbst, das ist auch noch nicht fertig.

Meine Frau hat im September 1993 hier unser Geschäft, unseren Bioladen eröffnet. Wir hatten schon arge Bedenken, es nicht zu schaffen. Aber mit der Unterstützung von deutschen Freunden und Kunden hatten wir doch Erfolg. In schweren Zeiten haben unsere deutschen Freunde mit uns geweint, in guten Zeiten mit uns gefeiert. Wir hatten viel Hilfe und menschliche Wärme. (weiter auf der 2. Seite)

Klicken führt zum'Zeitstrahl' der Ausstellung Zur 200-Jahr-Feier der Stadt Remscheid stellte Heike Hildebrandt vom damaligen Migrationsbüro der Stadt eine Ausstellung („Zeitzeugen-Projekt“) zusammen mit Schilderungen zahlreicher „Zeitzeugen der Zuwanderung“, deren neue Heimat Remscheid geworden war. Das ist jetzt zehn Jahre her. Doch die Geschichten sind es wert, nach vorne gestellt zu werden. Denn darin erzählen die „Zugereisten“, warum sie ihre Heimat verlassen haben, wie sie hier in Remscheid ankamen, welche Erwartungen, welche Hoffnungen, welche Enttäuschungen sie erlebten und warum sie sich trotzdem mit Remscheid verbunden fühlen. Zuwanderung begann aber nicht erst mit den "Gastarbeitern", sondern schon Ende des 19. Jahrhunderts mit italienischen Straßenbauern. Und nach dem nach dem Zweiten Weltkrieg folgten Vertriebene, Flüchtlinge und Heimatlose.
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Die Ostberliner Polizei schickte uns nach Westberlin

Subramaniam Anandarajah, geboren am 20. Mai 1951 in Jaffna / Sri Lanka, seit 1982 in Remscheid:

Jaffna liegt auf einer Halbinsel nördlich von Sri Lanka und „grenzt an die Palkstraße. Der Bürgerkrieg in Sri Lanka ist ein andauernder bewaffneter Konflikt zwischen tamilischen Separatisten, auf der einen und dem srilankischen Militär auf der anderen Seite. 1948–49 werden Gesetze zur Ausbürgerung der seit über 100 Jahren im Land ansässigen Indien- Tamilen beschlossen, die zu Uneinigkeit innerhalb der Regierung führen. Es gibt Abspaltungen und Parteigründungen. Die SLFP gewinnt die Parlamentswahl im Jahr 1956, wobei sie von einer Welle des singhalesischen Nationalgefühls getragen wird. Die SLFP-Regierung versucht, mit ihrer Politik die „Singhalisierung“ der Insel zu bewirken. In den folgenden Jahren und Jahrzehnten kommt es immer wieder zu Ausschreitungen gegen Tamilen, bei denen die Armee ein Massaker an der tamilische Bevölkerung anrichtete.

Vor allem in den 70er Jahren verschärft sich der Konflikt zwischen den beiden Volksgruppen weiter; er wird durch die Verfassungsreform von 1972 zementiert. Die UNP, bestehend aus Singhalesen, Tamilen und Muslimen, siegte 1977 mit verfassungsändernder Mehrheit. Der Präsident verweigerte den tamilischen Abgeordneten ihre quotenmäßig garantierten Parlamentssitze unter dem generalisierten Vorwurf des Separatismus und erklärte sie sämtlich zu Staatsfeinden. Ferner veränderte er die Verfassung und setzte sich an die Spitze eines Präsidialsystems nach französischem Vorbild. Dadurch eskalierte der Konflikt zwischen Tamilen und Singhalesen ab 1983.

Als Anfangsdatum des Bürgerkriegs wird meist der 23. Juli 1983 angenommen. Von 2001 bis 2004 entspannte sich die Lage erstmals seit 20 Jahren, jedoch liegt eine politische Lösung noch immer in weiter Ferne, da beide Seiten hartnäckig an ihren Positionen festhalten.

Ich bin Tamile. Ich bin in Jaffna acht Jahre lang zur Schule gegangen. Danach habe ich angefangen zu arbeiten, eine Ausbildung habe ich nicht gemacht, zumindest nicht so wie das in Deutschland verstanden wird. Ich habe Zigarren gefertigt und Lebensmittel verkauft. Ich habe fünf Geschwister, einen Bruder und vier Schwestern. Es war nicht immer einfach, der Konflikt der Singalesen und Tamilen schwelte auf Sri Lanka bereits seit 1956. Aber ich bin bis 1981 meiner Arbeit nachgegangen.

1979 habe ich geheiratet. 1980 wurde unser erster Sohn geboren, 1982 der zweite Sohn. Da war ich aber nicht mehr zuhause. In diesen Jahren war der Beginn der Eskalation des Bürgerkrieges. Jeden Tag mussten Männer damit rechnen, rekrutiert oder von Singalesen bedroht zu werden. Auch ich hatte jeden Tag Angst. Da habe ich mich entschlossen, das Land zu verlassen. Ich wollte nach Dubai. Dort lebten viele Tamilen. Dort arbeiteten auch viele Tamilen. Aber es gab auch Meldungen, dass in Dubai keine Arbeitsmöglichkeiten mehr für Tamilen sind.(weiter auf der 2. Seite)

 

Klicken führt zum'Zeitstrahl' der Ausstellung Zur 200-Jahr-Feier der Stadt Remscheid stellte Heike Hildebrandt vom damaligen Migrationsbüro der Stadt eine Ausstellung („Zeitzeugen-Projekt“) zusammen mit Schilderungen zahlreicher „Zeitzeugen der Zuwanderung“, deren neue Heimat Remscheid geworden war. Das ist jetzt zehn Jahre her. Doch die Geschichten sind es wert, nach vorne gestellt zu werden. Denn darin erzählen die „Zugereisten“, warum sie ihre Heimat verlassen haben, wie sie hier in Remscheid ankamen, welche Erwartungen, welche Hoffnungen, welche Enttäuschungen sie erlebten und warum sie sich trotzdem mit Remscheid verbunden fühlen. Zuwanderung begann aber nicht erst mit den "Gastarbeitern", sondern schon Ende des 19. Jahrhunderts mit italienischen Straßenbauern. Und nach dem nach dem Zweiten Weltkrieg folgten Vertriebene, Flüchtlinge und Heimatlose.
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Zwei Koffer mit Kleidung waren alles, was wir hatten

Johannes Natschke, geboren 04.03.1933 in Danzig, seit 1980 in Remscheid:

„Danzig (polnisch Gdansk ) ist eine Hafenstadt und ehemalige Hansestadt in Polen. Sie liegt westlich der Weichselmündung in der historischen Landschaft Pommerellen und ist Hauptstadt der Woiwodschaft Pommern. Die Stadt hat über 450.000 Einwohner (Stand 2007) Ende März 1945 wurde Danzig von der Roten Armee im Zuge der Schlacht um Ostpommern eingeschlossen und erobert. Während und nach dem Einmarsch wurden die noch erhaltenen Häuser der Innenstadt von den sowjetischen Soldaten geplündert und in Brand gesteckt. Insgesamt wurde ein sehr hoher Anteil der Bebauung zerstört.

Bereits in den ersten Nachkriegsmonaten wurden die meisten in Danzig verbliebenen Deutschen von den sowjetischen Besatzern und polnischen Behörden vertrieben. Zurück blieb eine Minderheit von etwa fünf Prozent der ursprünglichen Stadtbevölkerung mit zumeist auch polnischen Vorfahren. Die Vertreibung wurde von den polnischen Behörden geduldet und nicht wie oft fälschlicherweise angenommen "systematisch" vorbereitet. Aufgrund des Bierut-Dekretes wurde das Eigentum von Personen deutscher Nationalität und Herkunft enteignet. Straftaten, die gegen die deutsche Zivilbevölkerung begangen wurden hat man juristisch nur bedingt verfolgt.

Ich bin in Danzig geboren und bis 1947 aufgewachsen. Mein Vater verstarb 1942, meine Mutter 1947. Damals, in Danzig, war ich Mitglied vom Jungvolk und nach den mir bekannten Informationen auch richtig stolz, dort Mitglied zu sein. Nach dem Tod meiner Mutter bin ich zu meiner Tante (Schwester meiner Mutter) aufs Land nach Zuckau gezogen; Zuckau war damals bereits polnisch. In Danzig erging wie überall der Aufruf, dass die Deutschen ihre Wohnungen verlassen sollten. Da ich zu der Zeit erst 14 Jahre alt war, verblieb ich bei meiner Tante. Dort habe ich dann auch erst polnisch gelernt. Mit 18 Jahren erhielt ich automatisch einen polnischen Pass.

Ich habe eine Tischlerlehre und 1951 meinen Gesellenbrief gemacht, 1953 habe ich geheiratet. Ich bin zu meiner Frau nach Kalbude gezogen, das gehörte zur Freistadt Danzig. Über eine Ausreise haben wir uns zunächst keine Gedanken gemacht. Ich hatte in Gelsenkirchen eine Tante und einen Onkel sowie eine Tante in Remscheid. Wir haben uns immer Briefe geschrieben und Päckchen geschickt. Eine Nachbarin aus Kalbude, die selbst nach Deutschland ausgereist war, hatte uns versprochen, uns nach Deutschland einzuladen. Sie wollte uns ein Visum schicken, damit wir in Deutschland bleiben könnten. Das war 1978 oder 1979.

Natürlich hatten wir davon gehört, dass man unter gewissen Bedingungen ausreisen konnte; die Bedingungen kannten wir aber nicht. Wir wussten auch nicht, was uns erwarten würde. Es gab Äußerungen, dass insbesondere Westdeutsche Kapitalisten und /oder Nazis wären. Außerdem hatten viele Bekannte Absagen für die Ausreise erhalten. Ich habe dann doch einen Ausreiseantrag gestellt. Im Januar 1980 bekam ich für mich und meine Familie mit der Post die Ausreiseerlaubnis. In der Deutschen Botschaft in Warschau erhielten wir dann das Visum für die Ausreise in unsere polnischen Pässe.(weiter auf der 2. Seite)

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Mit den Behörden machte ich nicht die besten Erfahrungen

Kazem Safarli, geboren 13.1.1945 in Maschhed / Iran, seit 1982 in Remscheid:

„Maschhad ist die Hauptstadt des iranischen Bundesstaates Razavi-Chorasan und die zweitgrößte Stadt Irans. Sie liegt 850 km östlich von Teheran auf einer Höhe von rund 985 m am Fluss Kashaf. Maschhad hat über 2,5 Millionen Einwohner hauptsächlich iranischer, arabischer und afghanischer Herkunft sowie ein große kurdische Minderheit.

Die Vorfahren meiner Eltern stammen aus der damaligen sowjetischen Republik Aserbaidschan, aus Bergkarabach. 1925 sind meine Eltern dann als Flüchtlinge in den Iran gereist. Ich bin nach meinem Abitur im Iran 1967 nach Deutschland eingereist. Ich habe zunächst einen Sprachkurs besucht, damit ich deutsch lerne. Dann habe ich das deutsche Abitur absolviert. In Bonn habe ich Medizin studiert und dort auch promoviert, Juli 1976. 1974 habe ich meine deutsche Frau geheiratet. Wir haben uns im Studium kennen gelernt. Sie ist Lehrerin.

In den Jahren, in denen ich bereits in Deutschland lebte, zeichneten sich die Unruhen im Iran unter dem Regime Khomeni ab, so dass es überhaupt keine Überlegungen einer Rückreise in den Iran gab. Ich habe an verschiedenen Kliniken und Krankenhäusern gearbeitet. 1982 habe ich meine Facharztprüfung abgelegt. Zu dieser Zeit, 1982, war Remscheid aus Sicht der Kassenärztlichen Versorgung ein Notstandsgebiet. In diesem „Notstandsgebiet“ mussten Arztpraxen besetzt werden. Vom damaligen Regierungspräsident wurden Ärzte in diese „Notstandsgebiete“ geschickt. So bin ich nach Remscheid gekommen und seitdem bin ich hier. Mittlerweile ist meine Tochter auch Ärztin. Ab September dieses Jahres betreiben wir die Praxis gemeinsam.

Ich habe den Vorteil, mehrere Sprachen zu sprechen: deutsch, farsi (das ist persisch), aserbaidschanisch und türkisch. Hinzu kommt etwas englisch und ein paar Grundkenntnisse in ein paar europäischen Sprachen.

Als ich 1982 als Arzt nach Remscheid kam, war es schwer, auch eine geeignete Wohnung zu finden. Die Mieten waren sehr hoch. Manchmal äußerte ein Vermieter, das kleine Kind, unsere Tochter, würde stören. Ich war ca. drei Monate lang fast täglich auf Wohnungssuche. Erst als ich dann eine Wohnung gefunden hatte, habe ich mir die Praxis eingerichtet.

Das erste Problem hier in Remscheid hatte ich beim Ausländer– und Einwohnermeldeamt. Die Sachbearbeiterin hat mich bereits bei meiner ersten Vorsprache geduzt. Das hinterließ keinen guten Eindruck. Teilweise passiert so etwas heute noch; erst wenn ich meinen Doktortitel nenne, erlebe ich mehr Respekt.

Meine persönlichen Erfahrungen mit den Remscheider Behörden sind nicht die besten. Es beschränkt sich zwar nur auf einige Vorsprachen, aber die haben meinen Eindruck geprägt. Ich schicke lieber meine Frau oder frage jemanden, den ich kenne. Es wäre wünschenswert, etwas mehr Freundlichkeit und Höflichkeit zu erfahren; schließlich ist die Verwaltung für die Einwohner da und nicht die Einwohner für die Verwaltung.

Ich habe z.B. beim Umzug der Arztpraxis für Umbaumaßnahmen 13 Monate auf eine Baugenehmigung gewartet. Erst als der damalige Oberbürgermeister Reinhard Ulbrich sich meiner Sache angenommen hat, bekam ich die Baugenehmigung.

Allerdings gibt es auch positive Eindrücke, das sind die Mitarbeiter im Gesundheitsamt. Dr. Neveling und sein Team sind immer sehr zuvorkommend, immer sehr hilfsbereit. Dr. Neveling selbst ist ein hervorragender Kollege und ein hervorragender Mensch.

In Remscheid muss eine bessere Zusammenarbeit in der Politik stattfinden. Kulturangebote in Remscheid sind rar, außerdem liegt in Remscheid überall Dreck. Die Trasse des Werkzeugs z.B. ist eine Hundekotweg. Da kommt aber keiner kontrollieren und verteilt Knöllchen. Als ich 1967 nach Deutschland kam, habe ich mich gewundert, wie sauber Deutschland ist, heute liegt überall nur Dreck, Bierflaschen, Schnapsflaschen usw. Es fehlt Respekt und Verantwortungsbewusstsein.

Aber es gibt auch sehr Schönes und Positives in Remscheid: Das ist zunächst natürlich das Röntgenmuseum, in dem das Leben und Arbeiten des wohl bekanntesten Remscheiders anschaulich dargestellt ist,  das ist das Werkzeugmuseum, durch das mich Herr Orth sach- und fachkundig geführt hat, das ist die Müngstener Brücke, die alle meine auswärtigen Besucher bestaunen oder bewundern, • die vielen schönen Wanderwege durch Felder und Wälder, vorbei an der Talsperre oder den zahlreichen alten „Kotten“, und nicht zu vergessen: die köstliche „:Bergische Kaffeetafel“.

Direkt am Anfang der Zeit hier in Remscheid, 1982 oder 1983, habe ich Erfahrung gemacht mit dem typischen Remscheider Sturkopf. Ich habe schnell gelernt. Ich gehe dann zu einer lockeren Art über. Manchmal ist es allerdings erforderlich, auch mal die sture Art anzuwenden, das funktioniert! (weiter auf der 2. Seite)

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Alle Freunde in Remscheid sind mir wie eine Familie

Tamer Turgut, geboren am 6. August 1968 in Kayseri / Küpeli in der Türkei, seit 1979 im Alter in Remscheid:

„Ich bin 1979 im Alter von elf Jahren zusammen mit meiner Mutter und noch drei Geschwistern in Remscheid angekommen. Mein Vater lebte bereits seit 1964 in Bottrop. Der Umzug nach Remscheid fand aus familiären Gründen statt; hier in Remscheid lebten bereits Familienangehörige meines Vaters. Er arbeitete bei Thyssen.

Wir fanden zunächst eine Wohnung in Preyersmühle. Von dort besuchte ich die Vorbereitungsklasse in der Schule Menninghausen. Wir hatten einen türkischen Lehrer und „Deutschkurse“. Der Unterricht war normal. Wir haben auch mit Fernsehen gelernt: Die „Sendung mit der Maus“ haben wir uns im Gebäude der Versöhnungskirche am Zentralpunkt angeguckt.

Nach einem Jahr wechselte ich zur Schule Kremenholl. Wir sind dann nach Klausen umgezogen, so dass ich nun die Schule Leverkuser Straße besuchte, drei Jahre lang. In der Klasse waren nur türkische Kinder, der Unterricht fand in deutscher Sprache statt. Ergänzend gab es Deutschunterricht mehrmals wöchentlich bis 1983. Ab Schuljahr 1983/1984 besuchte ich die Schule Bökerhöhe. Nur dort konnte ich den Schulabschluss nach Klasse 10 erreichen.

Im August 1984 bin ich im Alter von 16 Jahren zurück in die Türkei gegangen, zu dieser Zeit mit der Absicht für immer. Ich wollte dort weiterlernen und besuchte dazu in Ankara eine Internatsschule, vergleichbar mit dem Bildungsziel der deutschen Gymnasien. Diese Internatsschule hatte allerdings ein paar Regelungen, die mir gar nicht gefielen, z.B. gab es dort eine Kleiderordnung, die mir sehr missfiel. In der fünf Jahren in Remscheid hatte ich doch einiges an Freiheiten kennen gelernt.

Mit ein paar anderen „Studenten“ bin ich in eine Privatwohnung umgezogen. Ich habe im Internat viel gelernt und wollte ursprünglich Jura studieren. Das hat aber leider nicht geklappt. So habe ich mich entschlossen, wieder zurück zu meiner Familie nach Remscheid zu gehen. Das war im Juni 1987. Meinem Vater hat das gar nicht gefallen, schließlich hatte er viel Geld in mich investiert.

In der Zeit meines Studiums in Ankara hatte ich zunächst ausländerrechtlich meinen Aufenthalt hier in Deutschland verloren. Im Rahmen einer gerichtlichen Auseinandersetzung hat das Verwaltungsgericht 1986 aber zu meinen Gunsten entschieden. Gerichtlich wurde mein vorübergehender Aufenthalt in Ankara als Auslandsstudium angesehen. In der Zwischenzeit, selbst zum Gerichtstermin, konnte ich immer nur mit einem Visum nach Deutschland einreisen. Dazu benötigte ich regelmäßig die Unterschriften beider Elternteile für Reisepass und Visum, da ich noch nicht volljährig war. Die türkischen Behörden machten mir damit regelmäßig Probleme. Ich habe das auf jeden Fall immer so empfunden, da ich doch in den fünf Jahren hier in Remscheid schon einiges an deutscher Lebensart angenommen hatte, deutsche Freunde hatte.(weiter auf der 2. Seite)

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Ich wollte Arzt werden, aber es kam alles ganz anders

Nebi Kerserci, geboren am 10.8.1962 in Kayseri, Türkei:

Kayseri (früher Mazaka und danach Caesarea) ist die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz Kayseri in Kappadokien in der Türkei. Die Stadt hat 895.253 Einwohner (2007) und ist eine der wenigen Großstädte der Türkei, deren Einwohnerzahl seit Jahrzehnten stabil bleibt.

Bis zu meinem 17. Lebensjahr bin ich in der Stadt Kayseri aufgewachsen. Ich habe dort fünf Jahre die Grundschule besucht, danach die Mittelschule und anschließend das Gymnasium. Mein Wunsch war es, Arzt, Rechtsanwalt oder Politiker werden, zu studieren, aber alles kam anders.

 Mein Onkel und jetziger Schwiegervater hat mich 1978 mit meiner heutigen Ehefrau bekannt gemacht, die zu diesem Zeitpunkt mit ihrer Familie in Kayseri Urlaub machte.  1979 haben wir uns verlobt, am 20.März 1980 habe ich hier in Remscheid meine Frau geheiratet. Wir haben die Hochzeit im Schützenhaus gefeiert. Meine Frau war 1975 aus der Türkei nach Remscheid zu ihren Eltern gekommen. Nach dem Urlaub meines Onkels 1979 und meiner Verlobung bin ich direkt mit meinem Onkel und meiner Braut nach Deutschland, nach Remscheid ereist. Zunächst nur zu Besuch bei meinem Onkel, Zafer Keserci.

Mein Ziel, Arzt, Rechtsanwalt oder Politiker zu werden, hatte ich noch immer. Ich wollte doch weiter lernen. Das war damals in Kayseri nur schwerlich möglich, da die verschiedenen Schulen unterschiedlich politisch oder / und religiös ausgerichtet waren. Meine Eltern und ich waren aber immer neutral. Zusammen mit meinen Eltern haben wir dann entschieden, dass ich in Deutschland lerne.

Mit meiner Eheschließung durfte ich zwar in Deutschland bleiben, aber nicht arbeiten und nicht studieren. Ich bekam vom Ausländeramt und vom Arbeitsamt keine Arbeitserlaubnis. Meine Frau ging bereits arbeiten und verdiente Geld und ich saß untätig zuhause. Das war für mich unerträglich. Damals war die Regelung so, dass ich als Türke erst nach drei oder fünf Jahren eine Arbeitserlaubnis erhalten konnte, wenn kein EU-Ausländer bevorzugt werden musste. Das war nichts für mich; ich bin fleißig, ich wollte arbeiten. Ich habe Wege gesucht um offiziell und legal zu arbeiten.

1981 kam eine neues Gesetz, das besagte, dass der Ehemann ohne Arbeitserlaubnis die Arbeitserlaubnis der Ehefrau bekommen kann, wenn diese schwanger ist. Da meine Frau schwanger war, haben wir diese Arbeitserlaubnis beantragt, aber ohne Erfolg, auch vor Gericht nicht.

Meine Tochter wurde am 11.12.1981 geboren. Ende 1982 haben meine Frau und ich unsere Tochter für fünf Jahre zu meinen Eltern in die Türkei gebracht, damit wir freier arbeiten und Deutsch lernen konnten. Natürlich war es nicht einfach, deutsch zu lernen, aber mit der Zeit wurde es immer besser. Ich hatte bereits damals in der Türkei in meiner Schule an einem Tag in der Woche am Fremdsprachenunterricht deutsch teilgenommen. Das war aber zuwenig, um an einer Hochschule in Deutschland zu studieren.  Ich habe dann, auf nicht ganz legalem Weg, in der Volkshochschule ca. 2 ½ Jahre lang an drei Tagen in der Woche einen Abendkurs „Deutsch lernen“ besucht. Das Lernen hat mir Spaß gemacht, die Art und Weise des Lernens fand ich gut.

Damals, am Anfang meiner Übersiedlung nach Remscheid, ohne Arbeit und ohne Geld war ich auf die Hilfe meiner Familie angewiesen und sehr dankbar, die Hilfe und Unterstützung der Verwandtschaft auch erhalten zu haben. Zu dieser Zeit und einige Jahre später noch, herrschten in der Türkei unruhige Zeiten. Ich war froh, zu dieser Zeit in Deutschland, in Remscheid gewesen zu sein.(weiter auf der 2. Seite)

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Über Tadschikistan und Moldawien nach Deutschland

Viktor Zerbe, geboren am 26.09.1959 in Solikamsk /Ural in der damaligen Sowjetunion, seit 1.08.1975 in Remscheid:

Solikamsk (russisch ?????????) ist eine der ältesten Städte der russischen Region Perm. mit 100.443 Einwohnern (2005), hinter Perm und Beresniki die drittgrößte Stadt der Region und nimmt eine Fläche von 165,50 km² ein. Der Name der Stadt kommt von sol (russisch für „Salz“) und dem Fluss Kama. Durch den sowjetischen Geheimdienst NKWD wurden ab Dezember 1944 Hunderttausende deutscher Zivilisten zur Zwangsarbeit in Lager (Gulag) der Sowjetunion deportiert, überwiegend Frauen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden auch deutsche Kriegsgefangene als Zwangsarbeiter nach Sibirien transportiert. Die Region Perm (russisch ???????? ????/ Permski krai) ist eine Verwaltungsregion (Kraj) in Russland. Die Region liegt im äußersten Osten Europas westlich des Uralgebirges und grenzt im Norden an die Republik Komi und im Westen und Süden an Udmurtien und Baschkortostan.

Meine Mutter lebte bis 1944 in einem deutschen Siedlungsgebiet im Kreis Odessa am Schwarzen Meer in der UdSSR. Sie siedelte nach Kalisch um. Von 1939 bis 1945 gehörte Kalisch als Stadtkreis und Sitz des Landrates für den gleichnamigen Landkreis zum deutschen Reichsgau Wartheland. Am 23. Januar 1945 wurde Kalisch von der sowjetischen Armee zerstört. Auf der Flucht vor der russischen Armee wurde meine Mutter im Alter von 17 Jahren im Juni 1945 von der russischen Armee nach Perm im Ural verschleppt. Sie hat dort meinen Vater, Friedrich Zerbe , ebenfalls einen verschleppten Deutschen, im Lager kennen gelernt und geheiratet. Beide haben dort, wie viele andere auch, als Arbeitssklaven oder Zwangsarbeiter gelebt. Im Mai 1960  ging meine Familie, ich war neun Monate alt, von Perm nach Kasachstan. Dort lebten wir bis 1969. Meine Großeltern als Volksdeutsche hatten 1966 als Rentner die Ausreise nach Deutschland beantragt und auch die Genehmigung der sowjetischen Behörden erhalten. 1969 haben meine Eltern, die ebenfalls Volksdeutsche waren, auch einen Antrag auf Ausreise nach Deutschland gestellt. Der Antrag wurde abgelehnt. Wir stellten immer wieder Ausreiseanträge; immer wieder wurden die Anträge abgelehnt. Wir wussten, dass wir hier, in diesem Teil der Sowjetunion, als Deutsche keine Chancen hatten.

Wir sind dann nach Tadschikistan in die Stadt Warsch nahe der Grenze zu Afghanistan umgezogen. Das Klima dort war Wüstenklima. Dort waren mehr Deutsche. Es hieß, dort habe man bessere Chancen auf eine Genehmigung für die Ausreise. Mein Vater bekam dort auch sofort als Zimmermann Arbeit. Wir bekamen vom Staat ein „Reihenhaus“. Auch hier in Warsch stellten wir eine Ausreiseantrag nach Deutschland. Auch hier wieder kein Erfolg, auch hier erhielten Deutsche in der Sowjetunion keine Chance.

Mein Vater entschied dann, dass wir wieder in den europäischen Teil der Sowjetunion umziehen sollten. So sind wir 1972 nach Moldawien, Kreis Teraspol, Dorf Glinoe gezogen. Dort haben wir ein Haus gekauft. So etwas wie Mietobjekte gab es nicht. 1973 starb urplötzlich mein Vater. Meine Mutter stand dann mit sieben Kindern im Alter von 7 bis 20 Jahren alleine da.

Wir haben wieder eine Ausreiseantrag gestellt. Diesmal hatten wir allerdings Hilfe von den richtigen Leuten und auch Schmiergeld. Und diesmal hatten wir Erfolg. Die Ausreisegenehmigung wurde erteilt. Im Mai 1975 sind wir ausgereist! Zunächst von Moldawien nach Moskau in die deutsche Botschaft, um die Papiere und Ausreisepässe abzuholen. Das Ausreisevisum war einen Monat gültig. Von Moskau mit dem Zug nach Hannover, von Hannover nach Friedland. Dort haben wir uns ca. zehn Tage aufgehalten, dann ging es weiter nach Unna Massen. Hier waren wir ca. drei Monate.(weiter auf der 2. Seite)

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Eine Rolltreppe war für mich damals neu und ein Abenteuer

Maria Feitera Narciso Pires, geboren am: 31.8.1965 in Alegrete Portalegre, Portugal, seit 14.1.1974 in Remscheid:

Portalegre ist eine Stadt in Portugal und Hauptstadt des Distrikts Portalegre. Sie liegt etwa 15 km von der spanischen Grenze entfernt. Ihre Einwohner leben hauptsächlich von der Holz- und Korkwirtschaft, sowie der Textilherstellung. In einem früheren Jesuitenkloster wurde im 18. Jahrhundert eine Textilwerkstatt gegründet. Dort befindet sich heute eine Gobelinmanufaktur (Manufactura de Tapecarias).

Im Alter von acht Jahren bin ich gemeinsam mit meiner Mutter am 14.1.1974 zu meinem Vater hier nach Remscheid gereist. Mein Vater war bereits seit drei Jahren hier in Remscheid. Wir sind von Lissabon nach Düsseldorf geflogen. In Düsseldorf haben meine Mutter und ich zum ersten Mal eine Rolltreppe gesehen. Und wir haben sie auch benutzt. Das war für mich damals  und ein Abenteuer.

Bis zu unserer Ankunft in Remscheid lebte mein Vater in einem Männerwohnheim in der Nähe der Schönen Aussicht in unmittelbarer Nähe des spanischen Zentrums. Meine Eltern und ich wohnten in einer Zweizimmerwohnung in der Oberhölterfelder Straße. Die Toilette war außerhalb der Wohnung. In der nahen Umgebung unserer Wohnung war eine „wilde Müllkippe“, wo alle möglichen Sachen einfach weggeschmissen wurden, teilweise noch originalverpackt. Dort habe ich mit den anderen Kindern aus der Nachbarschaft immer wieder Spielzeug gefunden. Meine Eltern brauchten sich um Spielzeug nicht zu kümmern.

Ich wurde sofort in die Grundschule Hasten in der Moltkestraße eingeschult. Ich habe dort kein Wort verstanden, weder die anderen Kinder noch die Lehrerin. Das ging bis zum Sommer 1975. Dann empfahl die Lehrerin meinen Eltern, mich in der portugiesischen Klasse an der Dörpfeldschule unterrichten zu lassen. Dort gab es eine portugiesische Lehrerin. Ab Sommer 1975 besuchte ich diese portugiesische Schulklasse. Wir hatten neben dem normalen Schulunterricht zwei bis drei Stunden Deutschunterricht bis zum Ende der Klasse 4.

Danach besuchte ich die Wilhelm Harffen Schule; auch dort gab es für portugiesische Schülerinnen und Schüler eine Extraklasse. Der normale Schulunterricht wurde in portugiesisch gegeben. Diese „Vorbereitungsklasse“ besuchte ich bis zum Ende des 8. Schuljahres. In der 7. Klasse erklärte uns ein Lehrer, dass es für die eigene Zukunft besser sei, am normalen Unterricht in deutscher Sprache an der Schule teilzunehmen und nicht in der Vorbereitungsklasse zu verbleiben. Ab der Klasse 8 besuchte ich dann ganz normal die deutsche Schule mit deutscher Sprache. Es war schwierig, aber ich habe es geschafft und 1982 meinen Abschluss nach der 10. Klasse gemacht.(weiter auf der 2. Seite)

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Wir wollten doch hier nur kurz arbeiten, Geld verdienen

Hüseyin Topaloglu, geboren 1.7.1934 in Rumänien und seine Ehefrau Ummügül Topaloglu, geboren 6.2.1935 in Yenice/ Corlu, seit 1969 in Deutschland, seit 1972 in Remscheid:

„Çorlu ist eine Kreisstadt in der Provinz Tekirda? in Thrakien in der Türkei mit ca. 150.000 Einwohnern. Sie befindet sich ca. 90 km westlich von Istanbul. Çorlu ist heute eine der am schnellsten wachsenden Industriestädte in der Türkei und ist geprägt durch zahlreiche Textilfabriken und Lebensmittelindustrie.

Ich, Hüseyin Topaloglu, bin im Alter von einem Jahr von Rumänien in die Türkei gekommen. Meine Eltern sind schon in Rumänien geboren. Attatürk hatte damals alle „Auslandstürken“, die wegen kriegerischer Auseinandersetzungen aus der Türkei ausgereist waren, aufgerufen, wieder zurück in die Türkei zu kommen. Meine Eltern sind diesem Aufruf gefolgt. Mein Vater starb, als ich sieben Jahre alt war. Ich habe keine Schule besucht, keine Ausbildung gemacht. Ich musste Geld verdienen für die Familie und habe auf die Tiere auf einem Bauernhof aufgepasst, bis ich 19 Jahre war. Dann habe ich meinen Militärdienst drei Jahre lang bis 1953 absolviert.

Ich, Ümmügül Topaloglu bin in Yenice/ Corlu geboren. Das ist ca. 100 km von Istanbul entfernt. Als ich 13 Jahre alt war, hatten wir in unserem Dorf auch eine Schule, die ich dann vier Jahre lang besucht habe. Dann musste ich die Schule mit 17 Jahren verlassen, ich war zu alt. Ich habe dann meine Mutter bei der Hausarbeit unterstützt. Wir haben 1954 geheiratet. Wir hatten eine normale Hochzeitsfeier mit ca. 200 Personen. Hüseyin konnte direkt nach dem Militärdienst wieder als landwirtschaftlicher Helfer arbeiten. 1962 sind wir nach Istanbul gegangen um dort in einer Textilfabrik zu arbeiten. Bis 1969 haben wir beide dort gearbeitet. Diese Textilfabrik hat uns dann angeboten, für eine kurze Zeit nach Deutschland in eine Großschneiderei zu gehen, um Kleidung zu nähen. Die beiden Betriebe hatten Verträge geschlossen. Diese Verträge wurde über das Arbeitsamt koordiniert. Bei dieser Vereinbarung der beiden Firmen gab es allerdings Altergrenzen. Hüseyin war zu alt, er dürfte nicht nach Deutschland zur Arbeitsaufnahme. Ich bin dann alleine nach Deutschland gefahren.

Die ca. 3000 km lange Reise erfolgte mit dem Zug über Bulgarien, Jugoslawien und Österreich nach Deutschland, nach Goslar. Verpflegung und Fahrtkosten hatte die deutsche Firma namens Odermark aus Goslar übernommen. Als der Zug in Istanbul losfuhr waren in dem Zug ca. 200 Personen, die nach Deutschland zur Arbeitsaufnahme reisten. In München verteilten sich dann alle, bis Goslar, in die Großschneiderei waren wir noch eine Gruppe von drei Frauen. Ich bin am 27. Juli 1969 in Goslar angekommen, am 1. August war bei Odermark Arbeitsbeginn. Wir hatten bei der Firma einen Acht- Stundentag und einen Stundenlohn von 3,20 DM. Das machte monatlich einen Verdienst von ungefähr 500 DM.

Für Hüseyin war es schon eine komisches Gefühl, die Ehefrau allein nach Deutschland zu lassen; getröstet hat, dass es nur für kurze Zeit, ein Jahr, sein sollte. Welche Chancen hatten wir denn sonst? Nach Ablauf des Jahres bin ich zurück zu meinem Mann in die Türkei. Zwei Monate nach meiner Rückkehr in die Türkei wurden die besseren Arbeits- und Verdienstmöglichkeiten offenkundig. Für die gleiche Arbeit bekam ich in der Türkei 1,20 Lira, das waren umgerechnet ca. 0,50 DM Stundenlohn. (weiter auf der 2. Seite)

Klicken führt zum'Zeitstrahl' der Ausstellung Zur 200-Jahr-Feier der Stadt Remscheid stellte Heike Hildebrandt vom damaligen Migrationsbüro der Stadt eine Ausstellung („Zeitzeugen-Projekt“) zusammen mit Schilderungen zahlreicher „Zeitzeugen der Zuwanderung“, deren neue Heimat Remscheid geworden war. Das ist jetzt zehn Jahre her. Doch die Geschichten sind es wert, nach vorne gestellt zu werden. Denn darin erzählen die „Zugereisten“, warum sie ihre Heimat verlassen haben, wie sie hier in Remscheid ankamen, welche Erwartungen, welche Hoffnungen, welche Enttäuschungen sie erlebten und warum sie sich trotzdem mit Remscheid verbunden fühlen. Zuwanderung begann aber nicht erst mit den "Gastarbeitern", sondern schon Ende des 19. Jahrhunderts mit italienischen Straßenbauern. Und nach dem nach dem Zweiten Weltkrieg folgten Vertriebene, Flüchtlinge und Heimatlose.
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"Das waren schon harte Zeiten manchmal!"

 Roman Zlobko, geboren 4.8.1946 im Dorf Latkova vas in der Nähe von Zalec in Slowenien, seit 40 Jahren in Remscheid:

Žalec ist ein Wirtschaft- und Verwaltungszentrum in der gleichnamigen Gemeinde, die im Tal Savinjska dolina liegt, eine Stadt seit 1964. Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts gilt die Stadt als ein Zentrum des slowenischen Hopfenbaus. Zu anderen Wirtschaftstätigkeiten gehören noch das Gewerbe, der Handel und die Metallurgie (Glockengießerei).

„Ich bin gelernter Maschinenschlosser. Ich habe in Slowenien dafür meinen Gesellenbrief erhalten. Ich habe nach der Ausbildung und nach meinem 18-monatigen Militärdienst in einem landwirtschaftlichen Produktionsbetrieb ca. 1 ½ Jahre gearbeitet Im Arbeitsamt in Celje waren Deutsche, die Facharbeiter angeworben haben, auch von dem Remscheider Unternehmen Deutsche Edelstahlwerke (DEW). Uns wurde erklärt, dass in Deutschland bessere Arbeitsbedingungen und bessere Verdienste als in der Heimat wären. Wir sind damals mit fünf Männern aus dem Produktionsbetrieb – landwirtschaftlicher Maschinenbau – nach Remscheid zu DEW gegangen. Wir haben in Slowenien Hopfenmaschinen gebaut nach bayrischem Vorbild.

Wir waren jung und dynamisch, wir haben nicht lang überlegt, sondern gesagt, wir machen das! Wir arbeiten in Deutschland! Nach der gesundheitlichen Untersuchung erhielten wir ein Visum von der deutschen Botschaft aus Zagreb. Alle Papiere wurden nach Hause geschickt. Ich musste das als Geheimnis bewahren, meine Eltern wollten nicht, dass ich ins Ausland, nach Deutschland, gehe. Sämtliche Formalitäten hat DEW erledigt, wir brauchten uns um nichts zu kümmern.

Ich habe meine Eltern dann versprochen nur kurz in Deutschland zu bleiben, höchstens ein Jahr. Ich hatte zuvor versucht, einen Platz an der technischen Hochschule in Celje zu bekommen, das hat aber nicht geklappt, ich sollte auf den Platz ein Jahr warten. Dieses Wartejahr wollte ich  in Deutschland arbeiten. Damit konnte ich mich dann bei meinen Eltern durchsetzen.

In Remscheid angekommen war es nebelig und kalt und das am 7. August!! Ich wollte sofort wieder zurück. Ich hatte Sommerkleidung an, in Slowenien waren 30 – 35 Grad bei der Abreise. Vor der Abreise hatten wir gerade noch meine Geburtstag und Hopfenfest zwei Tage lang gefeiert. Es war so warm, dass man das Bier nicht auf dem Tisch stehen lassen konnte. (weiter auf der 2. Seite)

Klicken führt zum'Zeitstrahl' der Ausstellung Zur 200-Jahr-Feier der Stadt Remscheid stellte Heike Hildebrandt vom damaligen Migrationsbüro der Stadt eine Ausstellung („Zeitzeugen-Projekt“) zusammen mit Schilderungen zahlreicher „Zeitzeugen der Zuwanderung“, deren neue Heimat Remscheid geworden war. Das ist jetzt zehn Jahre her. Doch die Geschichten sind es wert, nach vorne gestellt zu werden. Denn darin erzählen die „Zugereisten“, warum sie ihre Heimat verlassen haben, wie sie hier in Remscheid ankamen, welche Erwartungen, welche Hoffnungen, welche Enttäuschungen sie erlebten und warum sie sich trotzdem mit Remscheid verbunden fühlen. Zuwanderung begann aber nicht erst mit den "Gastarbeitern", sondern schon Ende des 19. Jahrhunderts mit italienischen Straßenbauern. Und nach dem nach dem Zweiten Weltkrieg folgten Vertriebene, Flüchtlinge und Heimatlose.
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