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Geschichten frei und mündlich erzählen

Pressemitteilung der Stadt Remscheid

Das Kommunale Integrationszentrum lädt zur 2. Veranstaltungsreihe zum Thema „Diversität und Spracherwerb“ für pädagogische Fachkräfte für Donnerstag, 16. Mai, ein. Die Vielfalt in unserer Gesellschaft fordert verstärkt die pädagogischen Fachkräfte im Kindergarten, Offenem Ganztag und Grundschule heraus. Ziel der Veranstaltungsreihe ist es, Gemeinsamkeiten, Ressourcen und Potentiale der Kinder zu erkennen und Sicherheit im Umgang miteinander zu gewinnen. Thema der 2. Veranstaltung ist „Geschichten erzählen – Fantasie wecken – Sprache fördern“. Geschichten frei und mündlich zu erzählen, bietet eine hervorragende Möglichkeit, mit Kindern spielerisch auf fantastische Reisen zu gehen. Dabei fördert das Erzählen Konzentration, Zuhörfähigkeit und die Sprachentwicklung – und nebenbei macht es auch noch Freude!

Aber wie finden wir selbst wieder einen Zugang zu dieser alten Kulturtechnik? Wie erschaffen wir Bilder in Köpfen und lassen Geschichten lebendig werden? In dieser Veranstaltung lernen Interessierte verschiedene Ansätze kennen, Geschichten frei zu erzählen, und einfache Übungen und Methoden, um Geschichten mit Kindern zu erfinden. Spielerisch wecken wir unsere eigene Fantasie, erzeugen Kino im Kopf, erzählen und fabulieren. Der Schwerpunkt liegt hierbei auf Kindern im Alter ab vier Jahren bis zum Ende des Grundschulalters. Termin: Donnerstag, 16. Mai, 9 bis 16 Uhr. Referentin: Selma Scheele (Theaterpädagogin und Erzählerin). Teilnehmerzahl: max. 16 Personen. Ort: Kraftstation, Honsberger Straße 2. Die Veranstaltung ist für die Teilnehmenden kostenlos.

Interessierte melden sich bitte für die Veranstaltung bis zum 8. Mai verbindlich per E-Mail an. Sollten Anmeldung – aufgrund der begrenzten Teilnehmerzahl – nicht berücksichtigt werden können, wird eine Absage versandt. Koordination und Anmeldung: Joby Joppen & Claudia Göncüoglu – Kommunales Integrationszentrum Remscheid, Elberfelder Straße 32, 42853 Remscheid, Tel. RS 16-3483, E-Mail: joby.joppen@remscheid.de">joby.joppen@remscheid.de, claudia.goencueoglu@remscheid.de">claudia.goencueoglu@remscheid.de.

Neues Online-Verfahren dient der Einbürgerung

Pressemitteilung der Stadt Remscheid

Mit zwei Neuerungen verbessert die Ausländerbehörde jetzt ihren bisherigen Service. Die Einladung von Besuchern aus dem Ausland wird leichter, und es gibt erweiterte Öffnungszeiten mit Terminvergabe im Bereich Einbürgerung.

Die erste Neuerung betrifft die sogenannte Verpflichtungserklärung. Sie muss abgegeben werden, wenn Gäste aus dem Ausland eingeladen werden. Die Erklärung kann ab sofort online über die Homepage der Ausländerbehörde Remscheid (Ausländerbehörde Remscheid) erfolgen. Durch die elektronische Übermittlung der Daten und Dokumente erfolgt eine schnellere Bearbeitung. Auch die Wartezeit am Vorsprachetag verkürzt sich erheblich. Die Ausländerbehörde empfiehlt deshalb, dieses Online-Verfahren zu nutzen.

Gleichfalls neu sind erweiterte Öffnungszeiten im Sachgebiet „Einbürgerungen“. Vorsprachen sind ab sofort nach Terminvereinbarung während dieser Öffnungszeiten möglich: Montag 8 – 12 Uhr, Dienstag 14 – 17.30 Uhr, Mittwoch geschlossen, Donnerstag 14 – 16 Uhr, Freitag 8 – 12 Uhr. Die bisherige offene Sprechzeit dienstags entfällt.

Termine für den Bereich Einbürgerung können unter Tel. RS 163378 (Buchstabenbereich A – J) bzw. 163812 (Buchstabenbereich K – Z) reserviert werden.

Remscheider zu Gast in türkischer Partnerstadt

Noch bis zum 3. Mai  besucht eine Gruppe junger Remscheider die türkische Partnerstadt Kirşehir. Die Reise ist Teil des städtepartnerschaftlichen Austauschprogramms zwischen Remscheid und der zentralanatolischen Steppenstadt, die rund 160 Kilometer von der Hauptstadt Ankara entfernt ist. Begleitet werden die sechs Schülerinnen und Schüler des Gertrud-Bäumer-Gymnasiums von einer Lehrerin und drei Mitgliedern des Freundschaftsvereins Remscheid-Vereins, darunter der Vorsitzende, Superintendent Hartmut Demski. Zwei Schülerinnen (16 und 17 Jahre alt) auf die Frage, warum sie die Gruppe begleiten: „Wir haben in Remscheid Freundinnen aus der Türkei und würden gerne die Kultur und die Menschen des Landes besser kennenlernen.“ Für Hartmut Demski ist die Partnerschaftsarbeit eine wichtige Hilfe für das Zusammenlebens auch in Remscheid: „In Kırşehir lerne ich manches besser zu verstehen und einzuordnen, was mir in Remscheid bei unseren türkischstämmigen Mitbürgern fremd erscheint.“

Gerade einmal 20 Tage war der neugewählte Bürgermeister von Kırşehir, Selahattin Ekiçioğlu (CHP), im Amt, als er die Remscheider Gruppe zu Beginn ihres Besuches willkommen hieß. Interessiert hörte er den Erklärungen der jungen Leute zu, warum sie sich auf die Reise nach Kırşehir gemacht haben. Auch der Vali des Distrikts Kırşehir (zu vergleichen mit dem Amt eines Landrates), Ibrahim Akin, nahm sich Zeit für ein Gespräch mit den Gästen. Die Remscheider Jugendlichen leben in Gastfamilien in Kırşehir und besuchen ausgewählte Unterrichtsstunden etwa in Deutsch und Englisch einer befreundeten Schule. Ausflüge nach Ankara, und in die Weltkulturerbe-Region Kappadokien und nach Kayseri stehen auf dem Programm. Die Begegnung wird durch mehrere Remscheider Stiftungen gefördert.

Hintergrund-Infos: Seit 2008 gibt es den Freundschaftsverein Remscheid- Kirşehir. Viele Remscheider Familien mit türkischer Herkunft kommen aus dieser Region. Seit Gründung des Vereins ist Superintendent Hartmut Demski Vorsitzender des Vereins. Der Verein war aus dem „Runden Tisch Migration“ hervorgegangen. Seit Februar 2015 besteht die Städtepartnerschaft zwischen den beiden Metropolen, wesentlich befördert durch den Verein. (Katrin Volk)

Willkommen in einer schön bunten Gesellschaft

Rund 25 neue deutsche Staatsbürger/innen nahmen am Freitagnachmittag im großen Sitzungssaal des Rathauses an der ersten Einbürgerungsfeier der Stadt in 2019 teil (insgesamt war es die vierte). Im vergangenen Jahr waren im Rathaus genau 200 Einbürgerungen vollzogen worden. Bei 54 Einbürgerungen war das Herkunftsland der neuen deutschen Staatsbürger/innen die Türkei, gefolgt vom Kosovo (18), Serbien ((17), Marokko (16), Italien (9) sowie Spanien und Polen (je 8 ). Von den 200 Eingebürgerten in 2018 waren die meisten Frauen (105 ), zehn Prozent minderjährig und nur sieben im Seniorenalter (65+). Bei der  Einbürgerungsfeier am vergangenen Feitag forderte Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz die Gäste mit Migrationshintergrund auf, das in die deutsche Gesellschaft einzubringen, „was Ihnen aus Ihrer Biografie wichtig erscheint". Und er bat sie, für Frieden und Freiheit einzutreten und  bei der Europawahl am 26. Mai nicht jene zu wählen, die gegen ein einiges und starkes Europa sind, sondern diejenigen, die sich für Europa als Garant des Friedens einsetzen.

Erden Ankay-Nachtwein. Das war auch das Anliegen von Erden Ankay-Nachtwein, der Vorsitzenden des Remscheider Integrationsrates: „Wir leben in einer demokratischen, offenen Gesellschaft. Das bedeutet aber auch für uns, wir müssen die Demokratie weiter entwickeln und bewahren. Wir müssen sie verteidigen und als kostbares Gut bewahren. Sonst erleben wir immer wieder Menschen, die die Freiheit und Demokratie missbrauchen und versuchen das Thema ‚Integration‘ für populistische Ziele zu missbrauchen, völlig egal, ob die Betroffenen dabei in Ihrer Menschenwürde und Ihrem Menschenrecht verletzt werden. Aus diesem Grund ist es von allergrößter Bedeutung, dass wir die demokratischen Grundrechte und die individuelle Meinungsfreiheit verteidigen und dafür sorgen, dass diese Grundrechte allen und überall zugutekommen können. Vor Ort bedeutet dass, das wir uns in politischen Parteien und Organisationen organisieren sollten, um Teilhabe an der politischen Meinungsbildung zu haben.“

Der gemeinsame Nenner aller Menschen in der Bundesrepublik Deutschland sei die Anerkennung des Grundgesetzes und der freiheitlichen Grundregeln, nach denen es zu handeln gelte. „Durch diese gemeinsame Übereinkunft ist es möglich, dass wir friedlich zusammenleben können, ohne dass Sie Ihre eigene Herkunft und Ihre Wurzeln verleugnen müssen, und Sie Ihre Traditionen und Lebenserfahrungen auch hier in Deutschland friedlich ausleben können. Sie bringen unterschiedliche Erfahrungen, Glaubensrichtungen, Weltanschauungen und unterschiedliche Zukunftspläne in die deutsche Gesellschaft und nach Remscheid mit. Auf der anderen Seite gewinnen Sie durch die Einbürgerung neue Erfahrungen in die deutsche und die europäische Kultur und Sie werden auch andere Lebensmodelle kennen und schätzen lernen“, fuhr Erden Ankay-Nachtwein fort. Das Zusammenleben von verschiedenen Nationalitäten und die Mehrsprachigkeit von Menschen sei heute ein „Normalfall" und ein Vorteil für die wirtschaftlichen Entwickelungen. „Integration ist eine Aufgabe für uns alle, und wir sollten diese Aufgabe gemeinsam anpacken. Ich beglückwünsche Sie zu Ihrer heutigen Einbürgerung und würde mich freuen, wenn Sie auch anderen diese Möglichkeit aufzeigen. Willkommen in unsere Stadt Remscheid und willkommen in unsere Gesellschaft, die ,vielfältig und schön bunt ist!“

Ratsentscheidung pro BAF teilweise mit Bauchgrimmen

Von den anwesenden 51 Ratsmitgliedern stimmten in der gestrigen Ratssitzung 49 für die Kündigung des Heimleitungs- und Dienstleistungsvertrages mit der BAF zum 31.12.2019 und die (frühere) Übernahme der BAF-Mitarbeiter in die städtische Belegschaft mit klarem Stellenplan. Den Antrag von Pro Deutschland auf geheime Abstimmung hatte der Rat bei den beiden Ja-Stimmen der Antragsteller zuvor abgelehnt. „Danke für das breite Votum; ich freue mich sehr“, sagte Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz nach der Abstimmung. Lediglich die beiden Vertreter der rechtsgerichteten Partei „Pro Deutschland“ hatten dabei mit Nein gestimmt und dies mit Äußerungen begründet, die bei der Ratsmehrheit unüberhörbaren Protest und Widerspruch hervorriefen. Sie warfen dem OB u. a. vor, keine Teil- oder Änderungskündigungen gegenüber der BAF erwogen zu haben bei rückläufigen Flüchtlingszahlen.  Die Sprecher von CDU, SPD, FDP, Grünen, Linken und Wir betonten wie schon in der voraufgegangenen Ratssondersitzung die gute Arbeit der BAF-Mitarbeiter/innen. Der CDU-Fraktionsvorsitzende Jens Peter Nettekoven schloss von diesem Dank den „handlungsunfähigen BAF-Vorstand“ allerdings ausdrücklich aus und hielt diesem vor, die Einladung der CDU-Fraktion zum Gespräch nicht angenommen zu haben. Für diese Absage zeigte Philipp Wallutat (FDP) indirekt Verständnis: „Die Aussage  der eigenen Handlungsunfähigkeit des BAF-Vorstands hat uns gereicht!“

Kritik übte Nettekoven auch am Verwaltungsvorstand (der OB  und die städtischen Beigeordneten). Seine Akteneinsicht habe ergeben, dass es bereits 2016 einen “Brandbrief“ des damaligen Rechtsamtsleiters an den Verwaltungsvorstand gegeben habe zur Lage des BAF. Nettekoven: „Auch der Verwaltungsvorstand hat nicht sauber gearbeitet, zum Beispiel beim Vertragsverstoß gegen EU-Recht. Deshalb bleiben bei der CDU Zweifel und Vorbehalte; wir tun uns schwer mit der Übernahme. Aber uns bleibt ja keine andere Möglichkeit als zuzustimmen! Die BAF-Mitarbeiter brauchen eine Perspektive!“ Letzteres hatte zuvor auch  Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz betont.

Der OB und Rechtsdezernentin Barbara Reul-Nocke (CDU) erleichterten den CDU-Ratsmitgliedern die Zustimmung zur Übernahme der BAF-Mitarbeiter  durch die Zusage, anschließend die Gründung einer neuen gemeinnützigen GmbH zu prüfen, in  die die Mitarbeiter/innen dann wechseln könnten. Eine gGmbH erfordere aber ein Genehmigungsverfahren, und das dauere seine Zeit. Reul-Nocke: „Wenn die Grundsatzentscheidung getroffen  ist, beginnt die Arbeit für uns erst richtig!“ Das gilt auch für die Frage, ob die BAF-Mitarbeiter bisher richtig eingruppiert waren oder ob sie (teilweise) höher dotiert werden müssten. Ein-Euro-Jobber seien bei der BAF zurzeit nicht beschäftigt, sagte Barbara Reul-Nocke auf Nachfrage von Fritz Beinersdorf (Linke).

Die Übernahme sei bei einem Etat von 3,5 Millionen Euro ein „Nullsummenspiel“, hatte zuvor Lothar Sill (SPD) betont. Im Übrigen habe der OB bereits im vertraulichen Gespräch mit den Vertretern der Fraktionen und Gruppen am 9. März „alle wichtigen Fragen beantwortet“. Der aktuell zur gestrigen Ratssitzung vorgelegte Antwortenkatalog habe für die SPD an den Sachverhalten nichts geändert.

Das sah Thomas Brützel (Wir) etwas differenzierter. Beim Risiko- und Vertragsmanagement der Verwaltung sei „einiges schief gelaufen“, meinte er und forderte wie die CDU „eine bessere Rechtsform“ für die BAF-Belegschaft. Auch deutete er an, nicht alle aktuellen Antworten der Verwaltung auf Fragen der WiR für seriös zu halten. Wenn diese in einigen Fällen schnippisch geklungen hätten, bedauerte er dies, antwortete Mast-Weist. Wie Brützel sah auch Beinersdorf „einige Punkte noch nicht ganz ausgeräumt. Aber wir müssen ja nach vorne blicken!“

Ob die Kasse des BF e.V. im vergangenen Jahr ordnungsgemäß geprüft worden  ist, blieb in der gestrigen Ratssitzung unklar. Die Rechtsdezernentin konnte eine diesbezügliche Frage von Nettekoven lediglich für 2016 und 2017 bestätigen, und auch dies nur mit dem Satz, das sei der Stadt „damals so mitgeteilt worden!“. Merke: Ein eigenes Kontrollrecht steht einer Stadtverwaltung bei einem selbstständigen Verein nicht zu.

Blaue Schafe in Stachelhausen als Symbol für Miteinander

Kleines Video vom künftigen Quartiersplatz Stachelhausen/Honsberg, inzwischen planiert. Beim Land NRW sind zu Jahresbeginn die Fördermitteln für den neuen „begrünten Platzes mit Erholungs- und Aufenthaltsqualität“ für Jung und Alt fristgerecht beantragt worden.  Mit dem Förderbescheid rechnet man im Rathaus Mitte dieses Jahres. Erst dann kann die  Feinplanung beginnen. Baubeginn wird voraussichtlich 2020 sein.

Mehr von solchen Events in Remscheid“, kommentierte der Waterbölles am 7. Mai 2018 den „Tag der Städtebauförderung“, der am vorausgegangenen Wochenende an der Alten Bismarckstraße („MyViertelFest“) sowie in den Stadtteilen Honsberg und Stachelhausen mit seinen mehr als 20 Aktionen bei der Bevölkerung gut angekommen war. Auch in diesem Jahr wird es wieder einen  „Tag der Städtebauförderung“ geben, am 11. Mai, allerdings wohl nicht so aufwendig wie beim ersten Mal: In der 6. Sitzung des Quartiersrates Stachelhausen und Honsberg am Mittwoch im Kleinen Saal des Gemeinschaftshauses „Der Neue Lindenhof“ erfuhren die wenigen anwesenden stimmberechtigten Mitglieder, dass am Gelände des neuen Quartiersplatzes an der Honsberger Straße eine „Bauzaun-Galerie“ geplant sei mit historischen Fotografien der beiden Stadtteile, aber keine Aktionen auf dem Platz selbst.

Aus der kleinen Runde kam der spontane Vorschlag, den Platz, passend zur Jahreszeit, durch Aussaat von Samen in eine Wildblumen-/Bienen-Wiese zu verwandeln. Dafür könne eine finanzielle Förderung durch den  vorhandenen „Verfügungsfonds“ beantragt werden, erläuterten Vereine Speer und Jan Lassen vom Stadtumbaumanagement; es müsse sich nur eine Gruppe aus der Bevölkerung finden, die für diese Aktion verantwortlich zeichne. Die Blumenwiese sei förderungsfähig, da es sich dabei um eine erstmalige, für die Öffentlichkeit sichtbare Aktion handele.

Das gilt auch für eine „Treppenhausgalerie“ im Jugendzentrum „Kraftstation“, die in  der 6. Sitzung des Quartiersrates von Ute Lennartz-Lembeck („Kunstschule Heimat“) und der Kraftstation beantragt wurde  – und Zustimmung fand. Im Mittelpunkt der für den kommenden September geplanten Aktion stehen 30 bis 35 blaue Schafe aus Kunststoff. Ute Lennartz-Lembeck: „‘Die blaue Friedensherde - Generation 2.0‘ erweitert das europaweit tourende Projekt der Blauschafherde mit dem globalen Gedanken zur Förderung von Toleranz und gegenseitigem Verständnis jenseits sozialer, ethnischer, religiöser, kultureller und weltanschaulicher Unterschiede auf die nächste Generation - unsere Kinder und Jugendlichen. Auch die Generation 2.0 befürwortet Solidarität und soziale Verantwortung durch die Erkenntnis, dass, in aller Individualität, alle Menschen gleich sind – und jeder wichtig.“

Die Blauschafe („Blaue Friedensherde“)  der Aktionskünstlerin Bertamaria Reetz und Rainer Bonk wurden seit 2006 in rund 160 europäischen Städten ausgestellt; die 50 bis 100 Tierfiguren grasten schon auf grünem Kunstrasen vor dem Kölner Dom oder dem Reichstag in Berlin. Einzelobjekte schafften es auch schon bis in das Landtagsgebäude in Düsseldorf. Seit 2012 steht die Aktion unter der Schirmherrschaft des EU-Parlaments. Die „Blaue Friedensherde" mit Muttertieren und Lämmern ist das Symbol für Toleranz und friedliches friedlichen Zusammenlebens. Die monochrome Grundfarbe der Tierfiguren aus dünnwandigem Polyester ist Ultramarinblau (Acryl), die Farbe der EU, der UNO, der UNESCO und des Hintergrunds des Symbols der Friedenstaube der Friedensbewegung.  Die größeren Exemplare sind etwa 60 Zentimeter hoch, 80 cm lang und 30 cm dick und wiegen jeweils ca. acht Kilogramm. Nach jeder Aktion mit der Friedensherde bleibt mindestens eine Figur beim Gastgeber. Im Treppenhaus der Kraftstation sollen sogar sechs Figuren stehenbleiben, kündigte Ute Lennartz-Lembeck an.  Die Künstlerin Bertamaria Reetz wird im September an der Vernissage in der Kraftstation teilnehmen.

Die Kraftstation sei ein zentraler Ort im Stadtteil Stachelhausen, öffentlich zugänglich und als soziokulturelles Zentrum ein sehr guter Ort um Ausstellungen für alle Bürger ohne ,Schwelle' zu präsentieren, so die Antragstellerin. Parallel zu den blauen Schafen  sollen im Treppenhaus dreißig, ca. 60 x 90 Zentimeter große Fotografien des Remscheider Fotografen Michael Schütz gezeigt werden, auf denen Stachelhauser Bürger in ihrem eigenen Treppenhaus/oder ihrem persönlichen Umfeld mit einem blauen Schaf als Friedenssymbol zu sehen sind. Die Fotografien sollen einen Querschnitt der Stachelhauser Bevölkerung darstellen. Ute Lennartz-Lembeck sieht darin „den Anfang einer Identifikation stiftenden Vernetzung oftmals untereinander unbekannter Menschen. Und alle Bewohner der Stadtteils Stachelhausen sind im September zum Kennenlernen und Entdecken eingeladen!“

Zurück nach Madrid mit Merkzetteln und Notizen

Ein „Ideenbasar zur Zukunft des Honsbergs“ und die Aktion „Mach Dein Licht an!!!“, bei der viele blaue Lichter, die aus den bewohnten Wohnungen auf die Straßen schienen als Zeichen der Hoffnung und des Engagements für eine lebendige Zukunft des alten Remscheider Arbeiterviertels – das waren dort am Samstag der Höhepunkt einer „Quartierswerkstatt“. In ihr wollte das spanische Architektenbüro „Taller de Casqueria“ (Jorge Sobejano, Selina Feduchi und Álvaro Molins) gemeinsam mit interessierten Bewohnern des Stadtteils in den vergangenen Tagen „Ideen zu neuen, ergänzenden wirtschaftlichen, kulturellen und sozialen Aktivitäten und Nutzungen“ auf dem Honsberg entwickeln, die über das bisherige Stadtentwicklungskonzept hinausgehen. Ob das gelingen wird, muss sich erst noch zeigen. Wenn die drei jungen Architekten heute nach Madrid zurückfliegen, werden sie jedenfalls viele Merkzettel und Notizen im Gepäck haben für ihre „Honsberg-Strategie“ zur Zukunft des Stadtteils. Die will das spanische Team in den nächsten Wochen in Madrid erarbeiten. Bei stetiger Rückkopplung mit der Stadt Remscheid und der Wohnungsbaugesellschaft GEWAG per E-Mail und Videokonferenzen per Skype! Am Honsberg soll das Ergebnis dann am 6. Mai der Öffentlichkeit präsentiert werden. (Kamera im Video: Lothar Kaiser uns Hans Georg Müller)

Viele blaue Lichter für Honsbergs lebendige Zukunft

Taller de Casqueria hat mit dem Honsberg einiges vor“, kündige der Waterbölles am 18. Februar an. Durch Aktionen von Künstlergruppen wie dem Verein Kulturwerkstatt / Ins Blaue e. V. in bis dahin unbewohnten Häusern der GEWAG im Honsberger Süden waren die „Montag Stiftung Urbane Räume gAG“ (MUR) und das (vom Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes Nordrhein-Westfalen getragene) Büro Startklar „Initiative ergreifen“ auf den Remscheider Stadtteil Honsberg seine Potentiale aufmerksam geworden und hatten – nach einem Ausschreibungsverfahren das spanische Architektenbüro „Taller de Casqueria“ beauftragt, nach einer Quartierswerkstatt mit Akteuren / Bewohnern für den Ortsteil „Ideen zu neuen, ergänzenden wirtschaftlichen, kulturellen und sozialen Aktivitäten und Nutzungen“ zu entwickeln. Es geht gezielt um „besondere Impulse für die Entwicklung des Stadtteils..., die über das bisherige Stadtentwicklungskonzept hinausgehen“. Das Projekt ist zu 80 Prozent aus Stadtumbau-Fördermitteln finanziert. Die Stadt Remscheid mit 10.000 Euro beteiligt.

Am vergangenen Sonntagabend kamen die drei Planer von Taller de Casqueria ( Jorge Sobejano, Selina Feduchi und Álvaro Molins) auf dem Honsberg an, bezogen ihr Quartier und arbeiten seitdem in Ateliers der Künstlergruppe „Ins Blaue“ im Haus Halskestraße 26. Und gestern trafen sie sich dort mit dem Technischen Beigeordneten Peter Heinze, Dr. Robert Winterhager, Projektentwickler der Montagsstiftung Urbane Räume, Wiltrud Willing von der GEWAG und dem für die Montagsstiftung arbeitenden freien Stadtplaner Kai Dietrich, der schon seit sechs Monaten auf dem Honsberg unterwegs ist.

Bis zum 16. März wird das Planungsteam gemeinsam mit Bewohnerinnen und Bewohnern, Initiativen, Vereinen und Institutionen eine „Honsberg-Strategie“ für die Zukunft des Stadtteils erarbeiten. Initialzündungen? Sicher aber eine Zukunftsvision. Dafür will das spanische Team seiner Rückkehr in Madrid sorgen. Am Honsberg soll diese dann am 6. Mai der Öffentlichkeit präsentiert werden. Erfahrungen mit ähnlichen Projekten hatten die Stadtplaner zuvor bereits in Marl, Bottrop und Berlin gesammelt.

Von ihnen stammte auch die Idee zu der temporäre „Glühbirnenbörse“: In der Honsberger Straße 18b können alle Honsberger Haushalte seit Montag ein blaues LED-Leuchtmittel für eine große kollektive Lichtinstallation abholen, die für den kommenden Samstag, 16. März, geplant ist, und dabei mit dem Planungsteam Ideen austauschen. Davon sei bereits rege Gebrauch gemacht worden, berichtete gestern Dr. Robert Winterhager: „150 blaue Birnen als Botschaft, dass der Honsberg eine Zukunft hat, haben wir schon verteilt. 450 sind noch zu haben!“  Viele Bürger/innen, die sich offenbar schon früher Gedanken zur Zukunft  des Stadtteils gemacht hätten, seien mit Anregungen in die „Glühbirnenbörse“ gekommen. Das bestätigten auch die spanischen Planer und zeigten sich „überrascht über Spontaneität und Offenheit. Wir fühlen uns in diesem Gesprächen willkommen!“ Spürbar sei eine große Erwartungshaltung, die Hoffnung auf mehr junge Leute (Studenten der neuen Fachhochschul-Dependance?) im Viertel, aber auch die Sorge, nach Bäckerei, Metzgerei und Kneipen auch noch den letzten Arzt und Apotheker zu verlieren.

Interessierte können sich bis zum Samstag vor einer blauen Leinwand mit ihrer ganz persönlichen Zukunftsvision vom Honsberg auf Video aufnehmen lassen. Die Botschaften werden gesammelt und am Samstagnachmittag in der Quartiers-Werkstatt, einem großen Ideenbasar, in der Turnhalle der ehemaligen Grundschule Honsberg präsentiert. Bisheriger Eindruck der Fachleuteaus Spanien: „Für die Bewohner ist das Leben auf dem Honsberg jetzt schon besser aus des Image des Viertels außerhalb!“

Stadt will 104 Mitarbeiter des BAF e.V. übernehmen

Zu einer Sondersitzung kommt der Rat der Stadt Remscheid am kommenden Montag, 18. März, um 16.30 Uhr im großen Sitzungssaal des Rathauses zusammen. Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz hat die Sitzung auf Antrag der CDU-Fraktion einberufen. Begründung der CDU: Die Ratsfraktionen und -gruppen seien dringend über die strategische Ausrichtung der Unterbringung von Flüchtlingen in Remscheid zu informieren. Denn die Stadtverwaltung, die in den vergangenen Jahren aus Kostengründen mühsam Personal eingespart hat, soll auf einen Schlag um mehr als 100 Mitarbeiter größer werden. Derzeit sind sie noch beim BAF e.V. (Begegnen, Annehmen, Fördern) beschäftigt, der seit 1996 mit der Hausverwaltung der städtischen Übergangsheime und der Betreuung der Flüchtlinge betraut ist. Doch dem wirf die Stadt Strukturlosigkeit (um nicht zu sagen organisatorisches Chaos) vor und will ihm deshalb kündigen.

Darüber hatte der OB das am vergangenen Samstag in seinem Dienstzimmer Vertreter der Politik informiert und für die reguläre Ratssitzung am 28. März einen Beschlussvorlage angekündigt, die zu den 104 neuen Verwaltungsmitarbeiter/innen führen soll. Weil beim BAF e.V. ad hoc die Reißleine gezogen werden müsse. Der eigenständige Verein, gegenwärtig noch Arbeitgeber der104 Beschäftigten (davon 70 in Vollzeit, drei in Teilzeit und 31 geringfügig beschäftigt), ist in den vergangenen Jahren mit der Zahl der Flüchtlinge so groß geworden, „dass eine Fortführung der Aufgabenwahrnehmung nur unter erheblichen organisatorischen Veränderungen und einer grundsätzlichen Neuausrichtungen möglich ist“. Das hat eine „prozessorientierte Organisationsuntersuchung“ zu den Strukturen und Arbeitsabläufen innerhalb des BAF e. V. ergeben, um die die Stadt Remscheid im vergangenen Jahr die Stadt Solingen gebeten hatte unter Beteiligung des eigenen Rechnungsprüfungsamtes.

Der Vertrag zwischen Stadt Remscheid und BAF (“Heimleitungsvertrag“) zwecks Verwaltung der städtischen Übergangsheime für asylbegehrende Ausländer, Kriegsflüchtlinge sowie Aussiedler (ausländische Flüchtlinge) einschließlich deren sozialpädagogischer Betreuung datiert auf den 3. Januar 1996. Im Laufe der Jahre wurde der Vertrag mehrfach geändert und an die jeweils aktuelle Flüchtlingssituation in Remscheid angepasst. Parallel dazu besteht für die Notschlafstelle Schüttendelle ein gesonderter Vertrag. Zuletzt wurde der Heimleitungs- und Dienstleistungsvertrag am 8. August 2012 unter anwaltlicher Begleitung neu gefasst, mit Nachtrag vom 9. Januar 2015. 2012 registrierte die Stadt sinkende Flüchtlingszahlen. Damals beschäftigte der BAF e. V. gerade mal 37 Mitarbeitende. Die Personalkostenabrechnung wird durch einen Treuhänder über ein Treuhandkonto vorgenommen unter Einbeziehung eines Steuerberaters. Die Abrechnungen zur Überprüfung erhält die Stadt vom Verein quartalsweise.

Das alles blieb bis 2015 überschaubar. Doch ab dann weitete sich „das Auflagenvolumen des Vereins ... extrem aus. Bestehende Arbeitsprozesse ... konnten aufgrund der kontinuierlich steigenden Flüchtlingszuwanderung weniger systematisch entwickelt werden. Innerhalb kürzester Zeit mussten neben den drei bestehenden Übergangsheimen fünf zusätzliche Übergangsheime sowie Hunderte von Wohnungen betreut werden.“ So steht es in einer Presseerklärung, die Oberbürgermeister Mast-Weisz gestern Abend gegen 19.15 Uhr den anwesenden fünf Journalisten übergab. Mit diesem Termin hatte er kurzfristig auf die Ankündigung der CDU reagiert, am Donnerstagmorgen eigenständig die Presse über die geplanten Personalmaßnahmen informieren zu wollen. Seine Bitte, diesen Termin zu verschieben, da für Montag zunächst die BAF-Mitarbeiter von dem anstehenden Wechsel ihres Arbeitgebers erfahren sollten, habe der CDU-Fraktionsvorsitzende nach Rücksprache mit seinen Vertretern Markus Kötter und Tanja Kreimendahl abgelehnt, berichtete der OB gestern Abend – und zeigte sich verwundert. Schließlich habe beim Hintergrundgespräch mit der Politik am Samstag keiner der Anwesenden widersprochen, als er von der Absicht der Stadt berichtet habe (vorbehaltlich eines Ratsbeschlusses am 28.März), die Verträge mit dem BAF e. V. ordentlich zum 31.März zu kündigen, um den Vertrag zum 31. Dezember auslaufen lassen zu können. Und auch nicht der für diesen Termin geplanten Übernahme des BAF-Personals in den städtischen Stellenplan mit allen Rechten und Pflichten städtischer Mitarbeiter. Rechtsdezernentin Barbara Reul-Nocke dazu einschränkend: „Aber Schweigen heißt nicht immer Zustimmung!“

Und so musste der OB das Gespräch mit der BAF-Belegschaft auf morgen Abend vorverlegen und die Presse auf die Schnelle ins Bild setzen, um noch halbwegs Herr der Verfahrens zu bleiben und der CDU das Feld nicht allein zu überlassen. Obwohl die Beschlussvorlage für die Ratssitzung am 28. März noch gar nicht fertig geschrieben ist, die CDU darauf also heute nicht Bezug nehmen kann! Über deren Beweggründe wurde folglich gestern Abend spekuliert. Will sie aus der „Zwangsmaßnahme“ politisches Kapital schlagen oder diese gar gänzlich verhindern? Letzteres hält der OB nicht für möglich; er geht von einer deutlichen Ratsmehrheit aus für die Beschlussvorlage der Verwaltung. Zumal die Bezirksregierung Düsseldorf dagegen bei den anstehenden Haushaltsgesprächen keine Einwände erhoben habe. Und in einem Gespräch kurz vor der gestrigen Pressekonferenz habe er den Betriebsratsvorsitzenden der BAF, Mitglieder des Vorstands, die BAF-Geschäftsführerin Daniela Krein und einen Vertreter des Personalrates der Stadt Remscheid informiert, berichtete der OB, und diese hätten das geplante Vorgehen ausdrücklich begrüßt.

Mit Daniela Krein sprach der Waterbölles heute Morgen gegen 9.30 Uhr am Telefon. Für sie hatte sich die Arbeitssituation schon 2016 drastisch verändert: „Damals habe ich mich zum ersten Mal beim Vorstand wegen Arbeitsüberlastung gemeldet!“ Seitdem habe dieser an einer Änderung der Satzung gearbeitet mit dem Ziel, ihr mehr Handlungsspielraum zu geben. Mehrere Entwürfe habe es gegeben, die „viel Zeit und Kraft gekostet“ hätten, die aber alle als wenig zielführend verworfen worden seien. Hinzu kam offenbar, wie der Oberbürgermeister gestern berichtete, dass die Mitglieder des (von Norbert Horn geführten) Vorstands nicht alle an einem Strang gezogen und ein Teil von ihnen mit Daniela Krein nicht richtig zusammengearbeitet hätten. In der Presserklärung liest sich das so: „Aus der Struktur des aktuellen Vertrags ergeben sich erhebliche Defizite und Risiken für die Stadt Remscheid. (...) Die Geschäftsführung ist ... nicht entsprechend bevollmächtigt, die Geschäfte des Vereins zu führen. Dies hat erhebliche Auswirkungen auf die Aufgabenerledigung und die Funktion des Vereins als Arbeitgeber. (...) Es bestehen nur sehr eingeschränkte Kontrollmöglichkeiten und Möglichkeiten auf eine ordnungsgemäße und effektivere Aufgabenerfüllung Einfluss zu nehmen. (...)Aufgrund der derzeitigen Zusammensetzung des (am 24. November 2018 neu gewählt) Vorstandes bestehen seitens der Stadt Remscheid erhebliche Bedenken, dass der Vorstand seinen satzungskonformen Aufgaben nachkommen und die Geschäfte des Vereins ordnungsgemäß führen kann. Dies wurde von zwei Vorstandsmitgliedern bestätigt.“ Fazit der Verwaltung: „Die Aufgabe der Unterbringung und Betreuung ausländischer Flüchtlinge kann unter den bestehenden Voraussetzungen mit dem Vertragspartner BAF e. V. nicht mehr adäquat erbracht werden.“ Dafür gibt die Stadt pro Jahr entsprechend der vertraglichen Verpflichtung für Betriebsmittel und Personalaufwendungen ca. 3,5 Millionen Euro aus. Hierdurch entstünden ihr „erhebliche finanzielle Risiken“, räumte der OB ein. Den BAF-Mitarbeitern selbst machte er keine Vorwürfe. Die hätten "stets gute Arbeit geleistet".

Was also tun? Einen neuen Verein suchen? Bei dieser Auftragssumme hätte eine Ausschreibung europaweit erfolgen müssen - mit allen damit verbundenen Unwägbarkeiten. Das schied aus! Nachdem die Stadt Solingen im Februar ihren Prüfbericht abgegeben hatte, holte sich der Remscheider Verwaltungsvorstand Rat bei Anwälten. Und der lautete, die Stadt müsse die Pflichtaufgabe der Unterbringung und Betreuung ausländischer Flüchtlinge kurzfristig selbst sicherstellen, indem alle Mitarbeitenden des BAF e. V. zeitnah in die Organisationsstruktur der Stadt Remscheid integriert werden. Dies gilt auch für den Betreuungsvertrag zur Notschlafstelle Schüttendelle.  Der Oberbürgermeister: „Die Altersstruktur der Mitarbeitenden des BAF e. V. würde es der Stadt Remscheid ermöglichen, auf einen eventuell notwendigen Personalabbau (z. B. bei Schließung von Übergangsheimen) ausschließlich im Rahmen der Altersfluktuation zu reagieren. Kostensteigerungen werden sich aus den neuen städtischen Mitarbeitern nicht ergeben!“ Im Gegenteil: Aus einer einheitlichen IT und Nachrichtentechnik, Personalverwaltung, Materialbeschaffung, einheitlichem Rechnungswesen und  Controlling, klaren Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten und durch einen Abbau von Doppelstrukturen (Sicherheitsfachkraft, Betriebsarzt, Treuhänder, Datenschutzbeauftragter) würden sich Synergieeffekte ergeben. Im Übrigen, so Barbara Reul-Nocke ergänzend, sei demnächst die Gründung einer städtischen Tochter-GmbH oder eines städtischen Eigenbetriebes zur Betreuung der Flüchtlinge nicht ausgeschlossen. Letzter Satz des OB: „Hauptsache, wir bekommen klare Strukturen!“ Darauf hofft BAF-Geschäftsführerin Daniela Krein schon lange...

Wohnen und Pflege im Alter für Migranten

Pressemitteilung der Stadt Remscheid

Im Rahmen der kultursensiblen Seniorenarbeit hatten am Samstag das Kommunalen Integrationszentrum und der Integrationsrat der Stadt Remscheid Mitglieder des Integrationsrats und des Seniorenbeirats  sowie Mitarbeiter/innen von Pflege- und Seniorendiensten, Beratungsstellen und Migrantenselbstorganisationen u. a. zu der Fachtagung „Wohnen und Pflege im Alter für Menschen mit Zuwanderungsgeschichte“ ins Rathaus eingeladen. Nach den Grußworten von Moderator Ralf Noll, Sozialdezernenten Thomas Neuhaus, der Leiterin des Kommunalen Integrationszentrums Sevinc Brilling und der Vorsitzenden des Integrationsrats, Erden Ankay-Nachtwein, stellte die städtische Mitarbeiterin Sabine Schneider das vielfältige Angebot der Wohnberatung von Pflegebedürftigen vorin Bezug auf Ausstattung der Wohnung und auf Finanzierungsmöglichkeiten.

„Ambulant vor stationär“ ist auch das Motto der Pflegeberatung der Stadt Remscheid. Andrea Wild, ebenfalls Mitarbeiterin der Stadt Remscheid erläutere das kostenlose und unverbindliche Beratungsangebot für pflegebedürfte Menschen und deren Angehörige. Trägerunabhängig berät sie hinsichtlich der unterschiedlichen Hilfsangebote und hilft bei der Antragstellung. Und Gabriela Pires-Rodrigues von den AWO-Seniorendiensten erläuterte die genauen Pflegeleistungen und Pflegegrade und ging dabei auf die Unterscheide der ambulanten Pflege, der teilstationären Pflege und der stationären Pflege ein. So zeigte sich anhand vieler Beispiele, dass die kultursensible Beratung in Remscheid bereits sehr gut ausgebaut ist. Zahlreiche Interessenten nutzen die Angebote der Beratungsstellen bereits, trotzdem nehmen aber noch zu wenige Remscheiderinnen und Remscheider mit Zuwanderungsgeschichte diese Angebote wahr. Dies müsse nicht an Verständigungsproblemen liegen, wurde allseits betont.

Remscheider Flüchlingsheime werden 'zurückgefahren'

Zur Sitzung des Integrationsrates am 7. März hat der Fachdienst Zuwanderung der Stadt den derzeitigen Sachstand zum Thema Flüchtlinge in Remscheid mitgeteilt. Demnach waren es Ende Januar 1.619 Flüchtlinge mit Bleiberecht (humanitäre Aufenthalte), 586 Personen Flüchtlinge im laufenden Asylverfahren und 405 Flüchtlinge mit abgelehntem Asylverfahren (Duldung), zusammen 2.610 Personen.  

Personen, die als Asylberechtigte anerkannt  bzw. denen die Flüchtlingseigenschaft zuerkannt wurde, sind grundsätzlich berechtigt, Familienangehörige (Ehepartner und Kinder) im Wege der Familienzusammenführung nach Deutschland zu holen. Im Jahr 2019 zog bisher ein Ehegatte eines Flüchtlings im Rahmen der Familienzusammenführung nach Remscheid. In diesem Jahr liegen bisher Anträge von zwei Familien zum Nachzug zu dem in Remscheid lebenden minderjährigen Kind (jeweils 17 Jahre alt) vor. Insgesamt haben somit seit Inkrafttreten des Familiennachzugsneuregelungsgesetz seit August 2018 sieben Familien den Nachzug zu dem hier lebenden Schutzberechtigten beantragt. Bundesweit wurden in den Monaten August 2018 bis Dezember 2018 insgesamt 6.132 Visa nach dem Familiennachzugsneuregelungsgesetz beantragt und im gleichen Zeitraum insgesamt 2.612 Visa erteilt, wie das Bundesministerium des Inneren mitteilte. In 2019 leitete die Stadt Remscheid bislang fünf Rückführungsverfahren ein und schon vier Ausländer ab. Weitere fünf reisten freiwillig aus. Seit Anfang des Jahres  sind bisher 25 neue Flüchtlinge nach Remscheid zugewiesen worden; sie kamen aus dem Iran, Syrien, der Türkei, Pakistan, China, Afghanistan, dem Irak und Schwarzafrika.

In den sieben städtischen Übergangsheimen und einer Wohnanlage leben zurzeit 469 Personen, in Wohnungen weitere 485, zusammen 954. „Sowohl für die Unterbringung der vom Land zugewiesenen Flüchtlinge als auch für die Flüchtlinge, die nach erfolgreichem Asylverfahren ein Bleiberecht erlangt haben und sich eine eigene Wohnung suchen müssen, stehen weiterhin ausreichende Kapazitäten zur Verfügung“, teilt die Verwaltung mit. „Aufgrund der geringeren Zuweisungen in den Jahren 2017 und 2018 im Vergleich zu den Jahren 2015/2016 werden die Kapazitäten in den städtischen Unterkünften unter Berücksichtigung eines ausreichenden Puffers sukzessive (insbesondere durch Abmietungen von Wohnungen) verringert. Der Mietvertrag des Übergangsheimes Alleestr. 64 (Frauen und minderjährige Kinder) läuft Mitte April aus und wird nicht verlängert. Alleinreisende geflüchtete Frauen mit ihren Kindern werden künftig adäquat in einer Flüchtlingsunterkunft an der Stockder Straße untergebracht (mit eine Rund-um-die-Uhr Betreuung).“

Utopien zur Integration waren wenig hilfreich

Nach dem heiteren Auftakt mit einem Stand-Up Comedian von „RebellComedy“ (gerne mehr davon) wurde es gestern Abend im gut besetzten Vaßbendersaal am Markt ernst: Gezeigt wurde der Film „Bleibeperspektive, eine machtvolle Praxis!“. Er beschreibt anhand der Erfahrungen von drei (Neu-)Zugewanderten sowie Interviews mit Entscheidungsträgern der beruflichen Integration und Expert*innen, welche Einflussmöglichkeiten und Auswirkungen die jeweilige Bleibeperspektive auf die berufliche Integration von drei Migranten hatte und welche Herausforderung für Akteur*innen der beruflichen Integration damit verbunden ist. Der Dokumentarfilm entstand in Zusammenarbeit von Souad El Hasnaoui, Stabsstelle Integration der Stadt Bonn, mit dem „Medienprojekt Wuppertal“. Wenngleich etwas zu breit angelegt in puncto Behörden, entlarvte der Film doch die bürokratischen Hindernisse der beruflichen Integration von Migranten. Souad El Hasnaoui hatte dafür schon in der ankündigenden Pressekonferenz ein Beispiel genannt: Natürlich werde keinem Migranten, auch denen ohne Bleibestatus, eine Ausbildung in Deutschland von den Behörden versagt. Aber wer diesen Status noch nicht besitze, habe keine berufliche Perspektive, weil er an keinem Deutschkurs teilnehmen dürfe. Eine Ausbildung ohne Deutschkenntnisse sei jedoch nur schwer vorstellbar.

Dass die Kommunen den Rahmen von Gesetzen und Verordnungen nicht ändern könnten, die die Integration von Flüchtlingen regeln (bzw. einschränken), betonte gestern Sozialdezernent Thomas Neuhaus. Der Anteil der Mitbürger mit Migrationshintergrund liege in Remscheid bei 38 Prozent – „und damit an der Spitze in NRW und sicherlich auch über NRW hinaus“. Das Miteinander sei in Remscheid konfliktarm – „und das bei niedriger Kriminalitätsrate!“ Das müsse man jenen immer wieder aufs Neue sagen, die in der Öffentlichkeit Ängste schüren wollten. Das Zusammenleben funktioniere gut. Das habe gerade erst wieder die Technische Universität Remscheid im Rahmen ihres MOSAIK-Projektes vor Ort bestätigt. Das zeige sich aber auch bei der Entwicklung der rückläufigen Anzahl der Bedarfsgemeinschaften bzw. der Transferleistungen im SGB II in Remscheid. Zahlreiche Migranten hätten den Weg in die Arbeitswelt gefunden.

Gleichwohl bleibe es für die Akteure aus Ehrenamt, Wohlfahrtsverbänden und anderen Institutionen sowie Verwaltung (im Saal stark vertreten) wichtig, Integration auch aus der Perspektive der Betroffenen zu sehen. In diesem Zusammenhang zitierte Neuhaus (geboren am 26.7.1967 in Dortmund) aus der Antirassismuskonvention von 1966. Institutionell und strukturell habe sich seit 2015 in Deutschland „sicherlich schon einiges verbessert“; mit dieser Veranstaltung biete sich nun  „die Gelegenheit, „Wege, Ermessensspielräume und neue Visionen für unsere Stadt zu entwickeln, damit alle Menschen in Remscheid in Würde leben und die Interessen der Gesamtgesellschaft gewahrt bleiben.“

Eine Gelegenheit, die leider in der Diskussion nach Film und kleiner Pause weitgehend ungenutzt blieb. Denn statt beispielsweise das Problem „Ohne Bleibestatus keine Ausbildung" zu vertiefen und nach Lösungen zu suchen, arbeiteten sich die Diskussionsteilnehmer an Utopien ab, was viele „Praktiker“ im Saal als unbefriedigend empfunden haben mögen. So propagierte etwa Prof. Dr. Paul Mecheril auf Nachfrage aus dem Plenum akedemisch die „europaweite Freizügigkeit“ – ein Ideal, dem Philosophen sicherlich ebenso zustimmen würden wie dem christlichen Gebot „Liebe Deinem Nächsten!“ Die gegenwärtig notwendige Integration für Geflüchteten bringt das aber keinen Schritt weiter!  Und auch die pauschale Forderung von Souad El Hasnaoui, Geflüchteten den Weg in die deutsche Arbeitswelt ungeachtet des dualen Ausbildungssystems zu erleichtern, um das uns viele andere Länder beneiden, war wenig hilfreich. Zumal Mecheril die Auffassung vertrat, das duale Ausbildungssystem werde sich ohnehin auf Dauer nicht halten lassen. Warum eigentlich nicht?! Zu Recht kam daher Widerspruch von Thomas Neuhaus und Martin Klebe (Agentur für Arbeit).

Vielleicht wäre es besser gewesen, den bis zum Film interessanten Abend mit Gesprächen bei Häppchen und alkoholfreien Getränken ausklingen zu lassen. So wurde die fast dreistündige Veranstaltung insgesamt leider der hochtönenden Ankündigung in der Pressekonferenz vom 15. Januar (Impulse zur besseren Integration von Zugewanderten) nicht gerecht.