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Lichterketten haben dem Rathausturm erheblich geschadet

Die Weihnachbeleuchtung hat dem Rathausturm geschadet. Foto: Lothar Kaiser

Zur derzeitigen Sanierung der Natursteinfassade des Rathausturmes gehören auch umfassende Instandsetzungsarbeiten an Abdeckungen, Verwahrungen, Regenrinnen und Fallrohren sowie an der Schiefereindeckung der Dachflächen. Schon in der Planungsphase dieser Sanierungsmaßnahmen war bekannt, dass die gesamte Weihnachtsbeleuchtung des Turms erhebliche konstruktive und technische Mängel aufweist und in Teilbereichen nur noch bedingt betriebsbereit ist. Deshalb wurde schon damals darauf verzichtet, die „glitzernden Schals“ unterhalb der Balkone nach der Sanierung wieder anzubringen. Um Schindeln, Grate und Anschlusspunkte zu Holzgesimsen und Natursteinbereichen fachgerecht und nachhaltig sanieren zu können, muss nunmehr die Beleuchtung vollständig demontiert werden. Damit Gewährleistungsansprüche gegenüber der beauftragten Dachdeckerfirma sowie Haftungsansprüche gegenüber den beteiligten Fachingenieuren bestehen bleiben, kann die Beleuchtung nach Instandsetzung der Dacheindeckung in der bisherigen Form nicht wieder montiert werden. Weil die Fachleute auch bei Neumontage der Beleuchtung schon nach kurzer Zeit mit neuen Schäden an der Dacheindeckung rechnen, haben sie dringend empfohlen, auf eine Beleuchtung in der bisherigen Form vollständig zu verzichten. Die Verwaltung ist dem gefolgt und hat gestern dem Hauptausschuss anstelle der Lichterketten  die Instandsetzung und ggf. Ergänzung der vorhandenen indirekten Beleuchtung durch Scheinwerfer im Rathausumfeld vorgeschlagen (Kosten: ca. 5.000 Euro).
Die Ausschussmitglieder nahmen die Mitteilungsvorlage zustimmend zur Kenntnis. Das beigefügte Gutachten des Fachrestaurators ließ ihnen auch keine andere Wahl. Denn es macht deutlich, dass die unter Oberbürgermeister Fred Schulz angeschaffte Weihnachtsbeleuchtung für die Stadt nicht nur
finanziell ein Klotz am Bein ist (aufgrund von Verträgen mit den Stadtwerken muss die Stadt für die Beleuchtung bis zum Jahre 2011 noch 360.020 Euro ausgeben), sondern dass damals weder mögliche Folgekosten durch Dachbeschädigungen bedacht worden sind noch ein Statik-Gutachten eingeholt worden ist.
Das aktuelle Gutachten des Restaurators ist derart kritisch, dass im Hauptausschuss eigentlich von Seiten der Politik ein Kommentar fällig gewesen wäre. Aber lesen Sie selbst. Der Waterbölles dokumentiert das Gutachten in den wesentlichen Passagen:

Die unterschiedlich langen Lichterketten, die ähnlich den klassischen Weihnachtsbaum-Lichterketten konzipiert sind, wurden vertikal über das gesamte Turmdach verteilt. Die Abstände der häufig zusammen gebündelten Ketten untereinander betragen dabei zwischen 5 und 15 Zentimetern. Die Befestigung … erfolgt an horizontal und vertikal gespannten, mit Kunststoff ummantelten Edelstahldrähten, die mit Schraubhaken an der Dachkonstruktion fixiert sind und eine Art Grundgerüst zur Befestigung bilden. Die Befestigung der Lichterketten und der Stromverteilung an den gespannten Edelstahldrähten erfolgt mittels handelsüblichen Gerüstbindern aus PVC. (…) Details zu den erheblichen Mangeln, wie Ausfall unzähliger Beleuchtungskörper, sehr hohe Wartungsintensität und damit verbundene hohe Betriebskosten etc. können … benannt … werden. (…)

Soweit bekannt, wurde vor der Montage der Beleuchtung keine Berechnung und/oder Bewertung der Konstruktion durch einen Statiker eingeholt. Das Gesamtgewicht der Beleuchtungseinrichtung und die damit verbundenen Auswirkungen auf die Dachhaut wurden hier vermutlich von den Beteiligten unterschätzt. (…) Bedingt durch die Oberflachengeometrie der Dachkonstruktion, und hier insbesondere in Bereichen mit starker Wölbung, Ist deutlich zu erkennen, dass die Lichterketten an unzähligen Stellen direkt auf der Schiefereindeckung liegen. Das gleiche Phänomen liegt vor an den Übergängen zwischen den einzelnen Dachformen. Resultat ist, dass die Ketten durch ihr Gesamtgewicht Druck auf die Schieferplatten ausüben und hierdurch an unzähligen Stellen Brüche und Risse In den Schieferplatten hervorgerufen haben. Des Weiteren sind viele Verformungen von Platten zu erkennen, dort, wo Ketten mit hoher Spannung auf die Kanten der Schieferplatten einwirken, was bei Windbelastung erheblich verstärkt wird. Bei Windbelastungen reiben die Lichterketten an vielen Stellen an den Schieferplatte, was sowohl zur Dünnung der Kettenummantelung führt als auch zur Abschalung von Schieferkanten in erheblichem Umfang beiträgt.

Regenwasser läuft bevorzugt an mehrfach gebündelten Kabelsträngen ab. Dort wo diese Kabelstränge dann an dem Baukörper aufliegen, wird das Regenwasser zur Fläche hingeleitet. Die Folge ist, dass Schadensbilder z. B. an Holzgesimsen eindeutig dieser negativ beeinflussten Wasserableitung zuzuordnen sind. (…) Wo Kabelbündelungen auf den Schieferflachen liegen, tritt ein erhöhter konzentrierter Wasseranfall auf, so dass diese Schieferbereiche nur deutlich verzögert austrocknen, und somit unnötig höheren Frost-Tauwechsel-Belastungen ausgesetzt sind.

Alle Befestigungen an der Dachkonstruktion stellen Durchdringungspunkte der Dachhaut dar. Diese Durchdringungen wiederum sind grundsätzlich in hohem Maße ein Gefährdungspotential und können nur mit hohem Aufwand fachgerecht und nachhaltig abgedichtet werden. So wie die Durchdringungen im aktuellen Zustand vorliegen, kann an mehren Stellen Wasser in den Dachstuhl eindringen und dort zu verdeckt ablaufenden Schadensmechanismen führen. Darüber hinaus wurden vielfach nicht korrosionsbeständige Materialien zur Befestigung verwendet, die inzwischen stark verrostet sind. Eine Überarbeitung … kann nicht fachgerecht erfolgen; mithin wäre eins vollständige Erneuerung angezeigt.“

Die Kosten dafür werden in dem Gutachten mit 20.000 bis 25.000 Euro genannt. Eine angesichts der fortdauernden Finanzmisere der Stadt illusorische Summe, sofern sich kein Sponsor findet. Die von Fred Schulz angeschafften Lichterketten werden wohl nicht mehr zu retten sein.

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Kommentare

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Chronist am :

Die evangelische Stadtkirchengemeinde Lennep prüft derzeit, ob die erkannten Schäden am Turm "ihrer" Kirche eventuell ebenfalls auf die (unsachgemäße?) Verankerung der Weihnachtsbeleuchtung zurückzuführen sind. Den Vertrag über die Stromlieferung für die Beleuchtung könnte die Kirchengemeinde allerdings erst im kommenden Jahr kündigen.

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