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IKE, der Glücksbringer für Migrantenkinder in Remscheid

 Überraschungsgeschenk für Erden Ankay-Nachtwein: Der IKE e.V. als Puppenstube. Fotos: Lothar Kaiser

Gestern feierte der Förderverein für Interkulturelle Erziehung e.V. (IKE) sein 15-jähriges Bestehen. Er war damals von einigen türkischen Lehrerinnen und Lehrern gegründet worden aus der Erkenntnis heraus, dass sie „mit dem deutschen Bildungssystem nicht weiter kamen“, so die Vorsitzende Erden Ankay-Nachtwein (vorne rechts im Bild). Auch Oberbürgermeisterin Beate Wilding (im Bild dahinter) bedankte sich bei allen, die den Verein in diesen Jahren begleitet haben. 

Signet des IKE e.V.Dass insbesondere Migrantenkinder mit dem deutschen Bildungssystem gravierende Probleme haben, bewies im Jahr 2000 die erste „PISA-Studie“. Zum Abbau diverser Defizite – insbesondere sprachlicher – bietet das IKE für Schüler wie Eltern Vorträge und Kurse an. Gut angenommen wird auch die interkulturelle Kindertageseinrichtung im „Familienzentrum Otto-Pfeiffer-Haus“ an der Burger Straße. All diese Aktivitäten seien nur möglich geworden durch die Beteiligung zahlreicher Remscheider Bürger und Institutionen, betonte die IKE-Vorsitzende. Namentlich erwähnte sie die Aktion „Helft uns helfen“ des RGA; sie habe dem Verein damals den Start wesentlich erleichtert. Der Dank von Erden Ankay-Nachtwein galt dem Vorstand für gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit und Elke Wende. Nicht zuletzt durch deren Wirken im Hintergrund seit 1996 habe der IKE in der Öffentlichkeit einen guten Ruf (Der Elternrat bedankte sich bei ihr mit einer „Geburtstagstorte“).

Hans Peter Meinecke, der Vorsitzende des städtischen Schulausschusses, betonte in seinem Grußwort, erst durch die Bemühungen des IKE sei es vor einigen Jahren gelungen, in Remscheid eine Regionale Arbeitsstelle zur Förderung von Kindern und Jugendlichen aus Zuwandererfamilien (RAA) einzurichten. Angesichts der Tatsache, dass inzwischen rund die Hälfte der Grundschüler in Remscheid einen Migrationshintergrund hat, sei für IKE und RAA die Integration eine wichtige Aufgabe. Darauf hatte zuvor bereits Oberbürgermeisterin Wilding hingewiesen: „Integration hat mit Menschlichkeit, Achtung und Respekt zutun, heißt, miteinander, von einander zu lernen. Integration ist keine Einbahnstraße. Von ein wenig südländischer Mentalität könnten auch manche Deutsche profitieren!“ Und wenn sich zwei Bürger auf der Straße träfen, so der Wunsch der OB, sollten sie sich nicht fragen „Kommste aus der Türkei oder aus Spanien?“, sondern lediglich „…vom Hasten oder vom Honsberg?“ Das klang auch in dem (verlesenen) Grußwort des Bundestagsabgeordneten Jürgen Kucharczyk an: „Die deutsche Gesellschaft braucht eine weitere interkulturelle Öffnung!“ Deswegen seien die Bildungsangebote des IKE so wichtig.

Im Namen des 1. Vorsitzenden des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbandes (DPWV) Remscheid, Karl-Manfred Halbach, gratulierte der frühere Direktor des Amtsgerichts Remscheid und jetzige Ombudsmann für den NRW-Strafvollzug, Rolf Söhnchen, zu 15 Jahren IKE. Und er tat dies in der geistreichen wie launigen Weise, wie man sie auch bei Johannes Rau kannte:

„Meine sehr verehrten Damen und Herren, seit ich aus zuverlässiger Quelle weiß, dass einem jede Minute, die man ein Grußwort anhören muss, im Fegefeuer zehnfach gutgeschrieben wird, habe ich keine Hemmungen, sie heute etwas länger zu grüßen. Im Jahre 1939, drei Jahre nach ihrer Flucht aus Deutschland, sitzen zwei deutsche Emigranten in einem Wiener Cafe in New York und fragen sich, wie man am besten einen Emigranten charakterisieren könnte .Schließlich meint einer seufzend :“Das ist ein Mann, der alles verloren hat - bis auf seinen Akzent“. Und was ist ein Migran?  Einer, der auch nach 20 und mehr Jahren in Deutschland seinen Akzent immer noch nicht verloren hat, sondern ihn im Gegenteil weiter und weiter vererbt?  Oder verkürzt dieser sprachliche Akzent die Probleme viel zu sehr?

Worum geht es dem IKE, seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und uns allen, die wir uns heute hier versammelt haben, letztlich? Um das Glück unserer Kinder und Kindeskinder, denn so wie Eltern immer nur so glücklich sein können, wie ihr unglücklichstes Kind, so kann auch eine Stadt, ein Land nur dann gedeihen, wenn möglichst wenige Kinder, die ja die Zukunft sind, unglücklich sind. Seit 1989 haben die Kinder ein durch die UNO verbrieftes Recht auf Glück, ein Recht darauf, wie es in der entsprechenden Deklaration heißt, „umgeben von Glück, Liebe und Verständnis aufzuwachsen“ - wie viele Kinder sind davon wie weit entfernt.

Und was nun würde unsere Kinder glücklich machen? Eine akzentfreie Aussprache? Nicht, wenn wir dem Glücksforscher Bucher glauben, der 1239 Kinder in Deutschland danach befragt hat, was sie zum Glücklichsein brauchen. Es waren weder Markenklamotten noch Playstations, weder das dicke Auto des Vaters noch das Haus im Grünen, es waren vielmehr Aktivitäten in und mit der Familie, das Gefühl, von den Eltern ernst genommen zu werde,n und - für ältere Kinder- eine erfolgreiche Schulzeit. Und danach müssen viele Kinder sehr unglücklich sein. Denn glücklich sind vor allem die Kinder, die leicht lernen, aktiv am Unterricht teilnehmen und die Schule als spannend empfinden. Das sind bei den Sechsjährigen immerhin 50 Prozent, bei den 13-Jährigen aber nur noch 16 Prozent aller Schüler und dabei überwiegend Gymnasiasten. So gesehen müssten die Klienten des IKE größtenteils nicht glückliche Kinder und Jugendliche sein, denn es sind weniger Gymnasiasten als Hauptschüler und darüber hinaus eher solche, die zu den schlechteren Schülern gehören, denn etwa 40 Prozent der Hauptschüler mit Migrationshintergrund schaffen nicht einmal den Hauptschulabschluss.  Und da holt uns dann der eingangs erwähnte Akzent, die sprachliche Kompetenz doch wieder ein. Denn wenn auch die befragten Kinder sie nicht ausdrücklich erwähnt haben, so ist doch das Sprachvermögen für ihren schulischen Erfolg und damit für ihr Glück von größter Bedeutung. Wenn daher der IKE vielfältige Sprachfördermaßnahmen anbietet, so ist er schon deshalb ein Glücksbringer für unsere Kinder, aber nicht allein deshalb.

Rufen wir uns noch einmal in Erinnerung: Außer dem Erfolg in der Schule gehören zum Kinderglück die Aktivitäten und das Wohlbefinden in der Familie, und dazu gehört gewiss, auch zu Hause mit Frühstück versorgt und bekocht zu werden und gemeinsam zu essen. Mit der vom IKE angebotenen Gesundheitserziehung und ihren Bausteinen „gesunde Ernährung“ und „Bewegung“ werden gleichermaßen das Wohlbefinden und die Aktivitäten erfasst. Und schließlich wollten die Kinder von ihren Eltern ernst genommen und verstanden werden. Verstehen können nur die Eltern - namentlich die mit Migrationshintergrund - ihre Kinder aber nur, wenn sie die Welt, in der sie selber und ihre Kinder leben, das hiesige Wertesystem verstehen - und dieses Verständnis wird ihnen in den Eltern-Kompetenz-Kursen des IKE vermittelt .Der IKE hat demnach nicht nu r- schon vor Burger - erkannt, was Kinder brauchen, um glücklich zu sein, sondern versucht auch ununterbrochen, es ihnen zu verschaffen.

Dass bei alle dem - nebenbei sozusagen - ein weiteres zentrales Problem unserer Gesellschaft wenn auch nicht gelöst, so doch immer wieder intensiv bearbeitet wird, ergibt sich daraus, dass gemischte Kurse, solche, die zur Hälfte von Migranten und Deutschen besucht werden, die Regel sind.

Meine sehr geehrten Damen und Herren, auch wenn sich nicht alle Blütenträume von vor 15 Jahren erfüllt haben und viele ihren Akzent noch lange nicht losgeworden sind, so gibt es doch keinen Grund zur Resignation - machen sie unverdrossen weiter wie bisher, es gibt keine Alternative. Denn persönliches Engagement kann - wenn es wie hier um Menschen geht - nicht durch noch so viel Geld ersetzt werden. Wenngleich etwas mehr davon natürlich hier und da hilfsreich wäre und ihnen, liebe Frau Ankay-Nachtwein, die obligatorische jährliche Betteltour ersparen würde. Trösten sollte Sie das deutsche Sprichwort, wonach Todgesagte länger leben. Da es sich in vielen Fällen als wahr erwiesen hat, bin ich sicher, Sie in zehn Jahren zu ihrem 25 jährigen erfolgreichen Bestehen beglückwünschen zu können und freue mich schon jetzt darauf. Nochmals alles Gute bis dahin.“

In den von Söhnchen angesprochenen „Kompetenz-Kurse“ sollen Migrantenmütter den Mut finden, sich in der deutschen Sprache auszudrücken. Dabei lernen sie andere Mütter in ähnlichen Situationen kennen und gewinnen über ein soziales Netz Selbstvertrauen. Elke Wende: „Die Kinder spüren sehr schnell, wenn ihre Mütter neue Erfahrungen sammeln in der fremden und oft befremdlichen Umgebung und sich dort besser zurecht zu finden. Und durch die erweiterten sprachlichen Verständigungsmöglichkeiten finden Mütter, Kinder und Erziehungspersonal in den Kindertagesstätten einen besseren Zugang zueinander!“

Die in den „Kompetenz-Kursen“ angesprochenen Themen: Schule, Kindergarten, deutsches Bildungs- und Erziehungssystem, Gesundheit, Ernährung und Bewegung, Kindererziehung, Biografiearbeit, Alltagsbewältigung (Wie kann ich mein Kind zu Hause fördern? - Wie kann ich Gewalt und Aggression begegnen?), Orientierung im Stadtteil, Weiterbildung, Vermittlung in Integrations- und Deutschkurse. Die Mütter treffen sich ein- bis zweimal in der Woche, je nach Wunsch der Mütter, für zwei Stunden. Dabei werden sie auch auf andere Beratungsstellen und für sie interessante Angebote in Remscheid aufmerksam gemacht. Sprechen die Mütter besser Deutsch, hat das einen Multiplikatoreneffekt bei den Kinder: Auch sie lernen dann schneller. Für auf diese Weise erweitern sich für Mütter wie Kinder das soziale Umfeld.

Bleibt noch zu erwähnen, dass die Jubiläumsfeier musikalisch begleitet wurde von den beiden Gründungsmitgliedern Dr. Sabri Uysal und Birten Gündüz. Als erstes erklang „Üsküdar“. In den 70-er Jahren schaffte es dieses türkische Lied als erstes, in deutschen Radioprogrammen gespielt zu werden.

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Chronist am :

Der Förderverein hat in der Jahreshauptversammlung am 3. 11. 2010 einen neuen Vorstand gewählt. Als Vorsitzende wurde Erden Ankay-Nachtwein bestätigt. Stellv. Vorsitzende ist Birten Gündüz, Kassierer Claus Werner. Die Beisitzer: Helma Ritscher, Barbara Zirbes, Gerhard Pick.

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