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Das "letzte Aufgebot" für den Archiv-Umzug zum Hasten

Zum gewünschten Umzug des Stadtarchiv aus einem Stadtwerke-Gebäude an der Honsberger Straße in die frühere Aldi-Filiale an der Hastener Straße hat die Stadtverwaltung schon so manche Vorlage geliefert; aus einer zitierte der Waterbölles am 19. September.  Die hoffentlich letzte ist derzeit in Arbeit. Am Montag soll sie den Verwaltungsvorstand passieren und Mitte nächster Woche den Parteien zur internen Diskussion vorliegen, um dann in Kulturausschuss und Finanzausschuss beschieden zu werden, bevor der Rat der Stadt das letzte Wort hat. So der Fahrplan, wie er gestern im Kulturausschuss skizziert wurde. (Für Lutz Heinrichs, den Referenten des Kulturdezernenten, dürfte das einige Überstunden bedeuten.)

Ob es zur Ratssitzung in November noch reichen oder ob es die Dezember-Sitzung sein werde, vermochte Kulturausschussvorsitzender Karl Heinz Humpert (CDU) nicht zu sagen. Wünschenswert wäre die November-Sitzung allemal. Denn eine weitere Verschiebung der Entscheidung wäre gegenüber dem potenziellen Vermieter der Hastener Immobilie unfair, so Humpert. Was er davon hält, das Archiv noch über einige Jahre an der Honsberger Straße zu belassen (das wollen bislang die SPD und, nach einem Meinungsumschwung, auch die Grünen), sagte er in der gestrigen Sitzung im Werkzeugmuseum unverblümt: „Diese Bruchbude ist keine Sanierung wert!“  Wer langfristig und perspektivisch denke, könne sich nur für einen Umzug des Archivs zum Hasten entscheiden. Zum Vorteil des Stadtteils Honsberg. Denn dessen Anbindung an die Stadtmitte müsse dringend verbessert werden. Dem stehe aber das marode Gebäude der Stadtwerke im Wege.

In der Ratssitzung am 18. September hatte SPD-Fraktionsvorsitzender Hans Peter Meinecke mit Hinweis auf „neue Zahlen“, die er von den Stadtwerken erhalten habe, eine Vertagung des Tagesordnungspunktes „Archiv-Umzug“ erreicht. Daraufhin hatte Stadtkämmerer Jürgen Müller mit den Stadtwerken korrespondiert, beide Seiten hatten Ihre Positionen zu Nebenkosten abgeglichen, und heraus kam: Die Nebenkosten sind an der Honsberger Straße keineswegs geringer als sie an der Hastener Straße wären. „Unter Strich bleibt die ehemalige Aldi-Filiale günstiger“, stellte gestern Kulturdezernent Dr. Christian Henkelmann fest. Schließlich sei der Vermieter bereit, der Wiesbadener Unternehmer Hans-Joachim Benner, Geschäftsführer der „B & H Bauträger GmbH“ (***), dort 350.000 Euro zu investieren, falls es zu einem langfristigen Mietvertrag mit der Stadt komme.  EWR-Prokurist Georg Fabula betonte in der Sitzung zwar, die Stadtwerke seien an der Fortsetzung eines Mietvertrages mit der Stadt interessiert und bereit, in ihr Gebäude bei entsprechender Vertragslaufzeit Geld zu investieren, eine Summe nannte er jedoch nicht.

Das Alter und die (veraltete) Haustechnik des Gebäudes könne er nicht wegdiskutieren, bekannte Fabula – und legte damit den Finger in die (/eigene) Wunde: Weißer Schimmel in Bodenrissen, durch Rostfraß undicht gewordene Heizungsrohre (das führte er kürzlich zu einer für Archivbestände gefährlich hohen Luftfeuchtigkeit), Leitungsrohre, die an der Decke quer über Archivregale verlaufen, feuchte Wände, an denen der Putz abbröckelt, einige Wasserschäden, die zu schimmelpilzverseuchten Archivkartons führten – das alles belegte die Verwaltung gestern anhand zahlreicher Dias (und hätte noch etliche weitere in petto gehabt). Dr. Urs Diederichs, als Leiter des Historischen Zentrums auch für das Archiv verantwortlich: “Die feuchten Stellen befindet sich im Hauptraum des Archiv, wo wir unsere wertvollen historischen Bestände lagern“.

Nicht dass die Stadtwerke nicht jeden akuten Schaden schnellstmöglich beseitigt hätten, betonte neben Diederichs auch Thomas Judt, der Chef des städtischen Gebäudemanagements.  An den Schwachstellen des Gebäudes ändere das allerdings nichts. Ein Beispiel: In einem Raum, in dem 56 laufende Meter Akten lagern, zu deren Archivierung die Stadt gesetzlich verpflichtet ist, gibt es nur ein einziges winziges Lüftungsgitter. Merke: Je höher die Luftfeuchtigkeit in einem Raum, desto schädlicher für das dort gelagerte Papier.

In die frühere Aldi-Filiale an der Hastener Straße würde der Vermieter für eine geregelte Raumluft sorgen. Platz für neues Archivmaterial wäre dort über viele Jahre hinweg; an der Hastener Straße aber nur noch für weitaus kürzere Zeit. Wobei aus der Sicht von Urs Diederichs nebensächlich ist, ob dort noch 30 Meter Lagerfläche frei sind, wie irrtümlich zunächst genannt, oder 160. Denn Fakt bleibt, dass das Archiv seit mehreren Jahren größere Aktenabgaben städtischer Ämter mit Hinweis auf den knapper werdenden Lagerplatz zurückweist. Diederichs: „Es gibt einen Rückstau!“ 160 freien Archivmeter zugrunde gelegt, wäre die Kapazität an der Honsberger Straße in etwas mehr als zwei Jahren erschöpft. Dazu Dr. Peter Weber vom Rheinischen Archiv- und Museumsamt in der gestrigen Kulturausschuss-Sitzung: „Begreifen Sie die Hastener Immobilie als eine Chance, die so schnell nicht mehr wiederkommt; es gibt auch verpasste Chancen!“ Dort werde es keinerlei statische Probleme geben, durch gute Belüftung bestmöglichen Schutz der Archivalien, durch klare Abschottung einzelner Archivbereiche (Magazin, Restaurierungswerkstatt, Anliegerungsrampe) die weitaus geringere Gefahr als an der Honsberger Straße, dass eingeschleppte Schimmelpilze den Archivbestand befallen.

Und was ist mit den Arbeitsplätzen, die die Grünen im September im hinteren, dunklen Teil des früheren Aldi-Gebäudes hinter kleinen vergitterten Fenstern vermutet hatten – im „Kabuff“? Bei der Ortsbesichtigung machte Dr. Urs Diederichs klar: Arbeitsplätze würde es lediglich auf der Empore des künftigen Lesesaales („im Gegensatz zu heute dann täglich geöffnet“) geben, und der hat große Fenster zur Hastener Straße.  Bleibt noch das Planstellen-Problem. Durch Synergieeffekte (die Nähe zum Historischen Zentrum) glaubt die Stadt Personal einsparen zu können, wenn das Archiv dorthin umzieht. Von Wegfalle einer Stelle ist die Rede.  Diederichs ist sich sicher: „Die Grundfunktionen eines Archivs erfüllen wir auch dann noch. Und für Kür-Aufgaben hat die Stadt ohnehin kein Geld.“ Das sah Archiv-Experten Dr. Peter Weber positiver: Ein Standort statt zwei, das heißt bessere Ergometrie. Und mit seinem pädagogischen Angebot (Kür) war das Remscheider Archiv schon bisher überdurchschnittlich.“ Webers Fazit: „Jede Lösung ist besser als die an der Honsberger Straße!“

Beatrive Schlieper, Fraktionssprecherin der Grünen, hörte das nicht mehr. Sie hatte als Zuhörerin an der Sitzung teilgenommen, sie aber vor Schluß verlassen. Im RGA hatte sie im September von Wasserschäden in der früheren Aldi-Filiale gesprochen. Die bestritten gestern Vermieter Benner und Thomas Judt im Gleichklang. Die auf den Dias erkennbaren Wasserschäden im EWR-Gebäude an der Honsberger Straße sah Schlieper nicht mehr.

*** (Die B & H Beuträger GmbH betreibt nach Angaben von Hans-Joachim Bender über Tochterfirmen u.a. Einkaufszentren und neun Altenheime mit einem Jahresumsatz von jeweils 15 bis 20 Millionen Euro)

Trackbacks

waterboelles.de am : Zwei Ratsausschüsse für Umzug des Stadtarchivs

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Der Kulturausschuss hat heute - in seiner mit etwa 15 Minuten Dauer vermutlich kürzesten Sitzung aller Zeiten – auf Vorschlag der Verwaltung einem Umzug des Stadtarchivs von der Hponsberger Straße in den früheren Aldi-Laden an der Hastener Straße zugestim

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