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Moos und Humus in den Fugen des Rathausturms

Die Instandsetzung des Bismarckturmes kostet, wie der Waterbölles berichtete, rund 470.000 Euro. Weil der dort verbaute Dolomit-Stein schadhafter ist als ursprünglich vermutet. Gut vorstellbar, dass Thomas Judt, der Chef des städtischen Gebäudemanegements, das Wort „Turm“ inzwischen nicht mehr hören kann. Denn auch am Remscheider Rathausturm hat der Zahn der Zeit genagt. Dass es in seinen Fugen der Mörtel rieselt, hatte der Waterbölles bereits am 28. Mai berichtet; an dem Tag wurde der Turm 100 Jahre alt. Im kommenden Jahr nun wird seine Außen- und Innenfassade grundlegend saniert. “Zur Erhaltung und weiteren Nutzung des Gebäudes sowie der Aufrechterhaltung der Verkehrssicherheit“, wie es in der Verwaltungsvorlage heißt, mit der sich heute der städtische Finanzausschuss befasst. Wie beim Bismarckturm liefen seit einer ersten Einschätzung von August 2004 auch beim Rathausturm (8,56 Meter breit und 44 Meter hoch, erbaut nach einem Entwurf des Remscheider Beigeordneten Hertwig im Stile der deutschen Renaissance und des bergischen Neubarocks) die Kosten davon. Aus 60.000 Euro sind inzwischen ebenfalls 470.000 Euro geworden.

Denn nunmehr liegt der Bericht eines auf Steinrestaurierungen und Bauphysik spezialisierten Gutachters vor, der sich im März dieses Jahres mit Hilfe einer Hubbühne die Steinquader (Grauwacke bzw. Ruhrsandstein) aus der Nähe angesehen hat. Sein Fazit: Die gesamte Verfugung des Turmes muss erneuert und ein höherer Anteil an rissig gewordenen Steinen saniert werden. Zitat aus dem Gutachten: „Ein Gelingen ist dabei nur gewährleistet, wenn ein abgestimmtes Gesamtkonzept entwickelt und dieses möglichst ohne Abstriche umgesetzt wird. Dies betrifft sowohl die Mauerwerkssubstanz als auch Metallabdeckungen, Dachanschlüsse, Entwässerungen, Abdichtungen und sonstige bauliche Konstruktionen.“ Allein die Kosten für die Natursteinarbeiten schätzt der Gutachter auf insgesamt 263.000 Euro; 150.000 Euro wird voraussichtlich das Land Nordrhein-Westfalen beisteuern.

Das Gutachten des Lüdenscheider Diplom-Restaurators Th. Lehmkuhl lässt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig: „Die erforderliche Gesamtsanierung der Fassaden muss zwingend eine sehr sorgfältige Überarbeitung sämtlicher Dachanschlüsse und Abdeckungen sowie Regenrinnen und Fallrohre beinhalten. Es ist zum Beispiel nicht akzeptabel, dass sich an derart exponierter Lage billigste und bereits stark versprödete Plastikfallrohre an der Turmfassade befinden, die mit stark rostenden Klammern gehalten werden, fixiert in maroden Holzkeilen in den Fugen.“

Im zweiten Weltkrieg wurde das Remscheider Rathaus teilweise schwer zerstört; so auch der Turm. Bis 1961 wurde der Außenbau in vereinfachten Formen wieder hergestellt, ab 1983 dass Mauerwerk saniert und die Schiefereindeckung erneuert. Lehmkuhl bezeichnet in seinem Gutsachten „die früheren Detailsanierungen des Mauerwerks „hinsichtlich verwendeter Materialien und Ausführungstechniken als äußerst unzulänglich“ und spricht von erhebliche Schäden an Gesimsabdeckungen und Dachabschlüssen, „die umfangreichen und dringenden Handlungsbedarf signalisieren“. An der Westseite des Turmes sei bereits ein 25 x 25 x 7 Zentimeter großer Stein herab gefallen. Ein größerer Stein im 1. Obergeschoss des links an den Turm angrenzenden Bauteils, in dem der Gutachter einen gefährlichen Riss entdeckt hatte, wurde daraufhin kurzfristig gesichert. Auch in anderen Steinquadern stellte er nebeneinander oder netzförmig verlaufende Risse fest; diese seien mit verantwortlich für Feuchtigkeit bis tief ins Innere des Mauerwerkes.

Die Nahbetrachtung habe gezeigt, dass schon in der Vergangenheit umfangreiche Schäden vorlagen, die zumeist durch Mörtelergänzungen bearbeitet und durch einen abschließenden ganzflächigen Silikatanstrich „unsichtbar“ gemacht worden seien. Nicht nur dieser später aufgetragene Mörtel habe liege hohl und/oder sei bereits heraus gefallen, sondern auch der originale Fugen- und Mauermörtel sei bis in eine Mauertiefe von 10 und 80 Millimetern desolat. In den entstandenen Hohlräumen hat sich Humus gebildet und Moos angesiedelt. Die Mauerfügen müssten deshalb komplett erneuert werden, wobei „auf eine perfekte Ausführung und ein abgestimmtes Mörtelmaterial zu achten“ sei.

„Die Ausschreibungen der Gerüstarbeiten, Natursteinarbeiten, Tischlerarbeiten und Malerarbeiten sind vorbereitet, so dass nunmehr ein öffentlicher Teilnehmerwettbewerb sowie beschränkte Ausschreibungen erfolgen können. Insgesamt ist eine Dauer von sieben Monaten eingeplant“, heißt es in der Verwaltungsvorlage für den heute tagenden Finanzausschuss. Darin steht auch, dass die Tage der Weihnachtsbeleuchtung („Schal“) gezählt sein dürften. Die vorsichtige Demontage und Wiedermontage der Festbeleuchtung des Turmes (die Turmspitze ist davon unberührt) würde 60.000 Euro kosten, der Abriss der alten und die Installation einer neuen Beleuchtung nach Abschluss der Sanierungsarbeiten rund 35.000 Euro. Beides ist nach Ansicht der Stadtverwaltung „haushaltswirtschaftlich nicht vertretbar“, weshalb die Wiederinbetriebnahme der früheren Strahler vorgeschlagen wird. Die ist für 6.000 Euro zu haben.

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Kommentare

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Chronist am :

Die dringend notwendige Renovierung der letztmals 1983 (teilweise falsch) reparierten Rathausturmes „hängt“: Der Finanzausschuss stimmte am Montag über die Verwaltungsvorlage noch nicht ab. Die Hängepartie hat mit der Weihnachtsbeleuchtung zu tun. Die würde die Politik gerne erhalten wissen (egal, ob neu oder alt) statt der preiswerteren Lösung mit Scheinwerfern. Doch einen Ausweg aus dem finanziellen Dilemma (60.000 bzw. 35.000 Euro für die Lichterkette bzw. 6.000 Euro für Strahler) wussten auch die Mitglieder des Finanzausschusses nicht. Eines aber ist klar: Vertagen löst das Problem von Moos und Humus in den Mauerfugen nicht. Die müssen zu hundert Prozent neu verputzt werden.

Chronist am :

„Wie soll also entschieden werden? Die CDU hat schon Stellung bezogen und will die 35.000 Euro ausgeben. Die übrigen Fraktionen beraten noch!“, schreibt die W.i.R. auf einer Internetseite unter dem Stichwort „Weihnachtsgefühle“. Und sagt zugleich ein eindeutiges Nein zu einem neuen „Lichterschal“ am Rathausturm. Zitat: „Den Vorschlag des Kämmerers, den Turm mit Strahlern zu beleuchten (Kosten rund 6.000 Euro), halten wir für ausreichend.“

Harald Fetsch am :

Auf der Hausseite der W.i.R. sind beide Variationen gegenübergestellt (an dieser Stelle vielen Dank). Mit den Lichterschals finde ich die Beleuchtung deutlich überladen. Manchmal ist etwas weniger mehr. Der dunkle Turm hat etwas Geheimsvolles. Zumal die Scheinwerfer auch für eine ganzjährige Fassadenbeleuchtung, bei einer Belebung des Rathausplatzes!, eingesetzt werden können.

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