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Unter französischer Besatzung blühte der Schmuggel

Schraubenzieher im Unterrock: „Mein Vater stellte Schraubenzieher her, die er an eine Firma in Elberfeld verkaufte. In der Franzosenzeit wussten wir nicht, wie wir liefern sollten. Und da haben wir überlegt, wie wir am besten durch den Zoll kommen könn­ten. Meine Mutter und ich haben zwei Unterröcke genommen und alles Ta­schen draufgenäht. In die haben wir dann einen Schraubenzieher nach dem anderen gesteckt. Da waren wir ringsum bepackt und gingen so auf Schmuggeltour. Mein jüngster Bru­der war im Fußballverein und kannte dadurch eine Familie am Goldenberg. Da gingen wir mehrmals am Tag hin und deponierten unsere Ware, die von da aus dann nach Elberfeld trans­portiert werden konnte."

Der Chef im Heu: „Es war mal wieder ein Schmuggel­tag angesetzt worden. Eine Wermelskirchener Firma, eine Schuhfabrik, die einem Verwandten unseres Chefs ge­hörte, sollte daran teilnehmen. Auf den zwei Wagen, die wir hatten, große Flachwagen, waren dann auch Pakete mit Schuhe drin aufgeladen. Die Zoll­grenzüberschreitung haben wir selbst gemacht, hatten also keine pro­fessionellen Schmuggler damit beauftragt. Die Wagen haben wir an der Hermannsmühle, wo heute eine Brücke über den Bach geht, durch so eine Art Furt, wo das Wasser 20 bis 30 cm tief war, geleitet. Noch wäh­rend wir mit den Wagen dorthin un­terwegs waren, hielten einige unserer Leute in der Umgebung Ausschau nach den Franzosen. Unglücklicherweise war an diesem Tag eine ganze Kom­panie unterwegs. Sie kam von Lennep runter über Tackermühle, Hermanns­mühle, auf dem Weg zum Singerberg. Als unsere Späher zurückkamen, um uns das zu melden, waren wir genau in der Furt. Da haben wir die Pferde ausgespannt, die Wagen einfach ste­hengelassen und sind nichts wie ab. Die, die reiten konnten, haben sich auf die Pferde geschwungen und sind zum Hohenhagen raufgeritten, zu ei­nem Bauernhof. Die Franzosen sind denen nachgelaufen. Unser Chef, der Johann Peter, hat sich im Heu verkro­chen. Mit Mistgabeln haben die Franzosen ins Heu reingestochen, ha­ben aber, Gott sei Dank, den Chef nicht getroffen. Wir andere haben uns bei dem Bauer mit an den Kaffee­tisch gesetzt. Es ist uns nichts passiert. Unser Chef ist dann ins unbesetzte Ge­biet gegangen und hat sich für einige Zeit bei uns nicht mehr blicken las­sen." (M 1908)

„Sie sollen ihn nicht haben, . . .": „Als die Franzosen hier waren und auf Wermelskirchen zu die Engländer lagen, nahm uns der Rektor Wunn mit in den Busch. Da kriegte jeder Schü­ler einen Stock, den musste man an den Mund tun, wie eine Flöte. Dann mussten wir pfeifen: ,Sie sollen ihn nicht haben, den freien deutschen Rhein'. Dabei mussten wir gehen wie die Soldaten. Der Wunn war derart in dem alten System noch drin, er konnte nicht verstehen, dass der Krieg verlo­ren war."

Erfahrung als Schmuggler gemacht: „Während meiner Lehre habe ich die Franzosenzeit erlebt. Da hab ich Er­fahrung als Schmuggler gemacht. Für die großen Sachen hatten wir Leute, die das Schmuggeln geschäftsmäßig betrieben. Die kannten zwischen Nüdelshalbach und Goldenberg jeden Pfad und boten sich an, für Geld die Ware in das unbesetzte Gebiet zu bringen. Die Pakete wurden des Nachts von Schmugglertrupps, die manchmal 10-20 Mann stark waren, transportiert. In der Gegend der Schule Goldenberg hatte unsere Firma einen Raum gemietet, da kamen die Pakete hin. Des Morgens bin ich dann mit zwei von unseren Packern immer dort hingegangen. Die Postpa­piere, wie Paketadressen usw., hatten wir in unserer Kleidung versteckt. Ein Topf mit Leim befand sich in dem gemieteten Raum. Dort wurden die Pakete postfertig gemacht. Zwei Bol­lerwagen hatten wir stets dabei; mit denen machten wir dann die Paket­tour zu Fuß vom Goldenberg zum Lüttringhauser Postamt. Wenn wir al­les erledigt hatten, kriegten wir zur Belohnung ein Schinkenschnittchen mit Kartoffelsalat vom Chef spen­diert. Da haben wir uns immer doll drauf gefreut."

Französicher Doppelposten in RemscheidWie schon bei anderen ultimativen Forderungen der Siegermächte, schwebte auch über dem Londoner Ultimatum vom 5. Mai 1921 die Drohung, dass eine Ablehnung der Reparationsverpflich­tungen oder ihre Nichterfüllung die Besetzung weiterer deutscher Land­schaften, vor allem des Ruhrgebietes, zur Folge haben würde. Was die Re­parationsleistungen in Geld betraf, hatte Deutschland im Rahmen der ge­währten Moratorien bis Ende 1922 seine Verpflichtungen bei einem Rückstand von 1,6 Prozent erfüllt. Konnte die Reparationskommission hinsicht­lich der gesamten Sachlieferungen nur geringfügige Rückstände feststellen, so entwickelten sich doch zwei Posi­tionen zum Stein des Anstoßes. Ge­gen den Widerstand Englands erklär­ten Frankreich, Belgien und Italien im Rückstand der Kohlelieferungen (12 %) bzw. Holzlieferungen (50 %) eine vorsätzliche Nichterfüllung der Reparationsverpflichtungen zu sehen. Aufgrund dieser Prämisse begann die Besetzung des Ruhrgebietes, um die Reparationsleistungen dort direkt herauszuholen.

Die französisch-belgi­sche Armee hielt am 11. Januar 1923 ihren Einzug (bis zum Jahresende wuchs sie auf gut 100 000 Mann). Zwei Tage später, anlässlich einer Kund­gebung im Reichstag, erklärte Reichs­kanzler Cuno: „Solange der vertragswidrige Zustand besteht, soll keine Hand im deutschen Volk sich rüh­ren, um diese Maßnahme zu unter­stützen. Was wir der Gewalt entgegen­setzen können, ist der Wille und Ent­schluss, in diesen schweren Tagen unerschütterlich an der Einheit und dem Recht festzuhalten." Mit dem Aufruf zum passiven Widerstand ließ die Reichsregierung wissen, dass sie einer Kraftprobe nicht aus dem Wege zu gehen gedachte. Zwar bewirkte der passive Widerstand eine bedeutende Belebung des Nationalgefühls. Hin­sichtlich seiner wirtschaftlichen Ziel­setzung war er, wie sich bald zeigen sollte, weniger erfolgreich. Als seine Fortführung gar die außenpolitische Situation Deutschlands verschlech­terte, erklärte die Reichsregierung des neuen Reichskanzlers Gustav Stresemann am 26. September 1923 den passiven Widerstand für beendet.

Ganz im Sinne der Reichstagskund­gebung ist der Aufruf, den „ein alter Frontsoldat" wenig später in einem „Eingesandt" an die Remscheider Be­völkerung richtete: „Nachdem die Franzosen nunmehr Lennep besetzt haben, ist mit der Möglichkeit zu rech­nen, dass sie auch unsere Stadt beset­zen. Für uns ist es Pflicht, die Ein­dringlinge nicht zu beachten. Neugie­rige schänden das Ansehen unserer Stadt, sie sind ehrlos, weil sie franzö­sischen Agenten Gelegenheit geben, nach Paris einen ,glänzenden Emp­fang' der französischen Truppen in Remscheid zu melden. Solche Neu­gierigen schädigen unser Ansehen im Ausland. Dass die Geschäftsleute die Franzosen boykottieren, darf wohl als selbstverständlich gelten. In Dort­mund und in Oberhausen mussten die Franzosen klein beigeben, weil die Bevölkerung sich mutig und entschlos­sen zeigte. Würde und Haltung sind vaterländische Pflicht. Die Franzo­sen müssen hier in Remscheid auf Granit beißen. Keiner darf ihnen den Weg zeigen. Wir sind Deutsche und werden den Eindringlingen deutsch­bewusst entgegentreten."

Einen Monat danach, auf den Tag genau, begann die befürchtete Beset­zung Remscheids, als am Vormittag des 7. März 1923 eine französische Truppenabteilung aus Richtung Lennep kommend auf die Stadt zu marschierte und an der Unterführung in die Haddenbacher Straße einbog. Um 11 Uhr erschienen von der Ab­teilung ein Hauptmann, zwei Unter­offiziere und vier Mann im Rathaus. Der Hauptmann und ein Unteroffi­zier suchten in Begleitung eines Dol­metschers den Oberbürgermeister Dr. Hartmann auf, dem der französische Offizier erklärte, er fordere Quartier für 100 Mann, drei Offiziere, einige Pferde und eine Lagerstätte für die Bagage. Dr. Hartmann erhob zunächst gegen das Einrücken der französi­schen Truppen nachdrücklich Pro­test, wobei er auch darauf hinwies, dass ein Teil Remscheids zum britisch besetzten Gebiet gehöre. Im Übrigen verweigerte er die Einquartierung der Truppen bei Privatleuten, weil er weder über die Möglichkeit noch über das Recht verfüge, irgendwelche Pri­vatquartiere in Anspruch nehmen zu lassen. Die Franzosen haben sich dann selbst die Schule Steinberger Straße als Quartier gewählt. Es wur­den dort von ihnen einige Räume belegt, so dass es fortan unmöglich war, den Unterricht in diesem Ge­bäude weiterzuführen. Die Kinder wurden auf andere Schulen in der Stadt verteilt. Über den Grund des Vorstoßes in unsere Stadt befragt, erklärte der Führer der französischen Abteilung dem Oberbürgermeister, sie seien le­diglich beauftragt, den Verkehr in der Haddenbacher Straße zu überwa­chen. Eine Besetzung der Stadt oder auch nur ihrer Verkehrsbetriebe wie Eisenbahn und Post solle nicht erfol­gen.

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Im Endringhauser Hammer wurde Salmiak destilliert

Die Salmiakfabrik Hölterhoff. Repro: Lenneper-Koch

Gehen wir den Wanderweg im Diepmannsbachtal weiter bergauf, kommen wir an den Zusammenfluss von Diepmannsbach und Endringhauser Bach. Dort befand sich bis 1950 ein  Teich, unter dessen Damm ein weiteres Hammerwerk lag, später zum Schleifkotten umgebaut.  Die Anlage geht auf das Jahr 1617 zurück. Damals erbauten dort Dietrich Clarenbach zu Endringhausen und Peter im Börntgen je einen Hammer. 1692 berichtet die nächste Eintragung von Peter im Börntgen bzw. Peter Westen auf dem Hohenhagen, die für die Hämmer Wasser-Konzession zahlen mussten.  Vorgänger der obersten Werke am Walkbach waren wahrscheinlich das "reckhämmergen auf der Bürgerschaft Lennep gelegen" und der "Schleifkotten negst obmeltem Hamer, worauf sein eigenes Gereidschafft schleift". Erst 1800 belegt eine Eintragung den Reckhammer von Franz Westen bzw. Gebr. Rottsieper. 1804 ist vom Stahlhammer "am Entspringen des Bachs" die Rede (hiermit ist wohl die Namensgebung des Diepmannsbachs gemeint, der aus dem Endringhauser und dem Walkbach gebildet wird). Doch wurde in früheren Zeiten der gesamte Bach als Walkbach beschrieben. Der Stahlhammer wurde noch vor 1860 eine Walkmühle, um dann etwa von 1867 bis 1898 als Salmiak-Fabrik eines Herrn Hölterhoff zu enden. Der zweite Hammer verschwand 1883. Der Teich hatte einen Abfluss durch ein Rohr und war mit dem Überfelder Bach und dem Teich des Herrn E. Roßbach verbunden. Heute kann man nur noch erahnen, dass hier mal ein Hammerwerk stand.

Der Endringhauser Hammer, später Salmiakfabrik. Sammlung: Erich Kahl

Zur Salmiakfabrik liegt ein Schriftstück vom 4. April 1867 vor: "In meinem zu Diepmannsbachtal belegenen, unter No. 534, früher zur Färberei benutzten Lokal, beabsichtige ich, jetzt Salmiakgeist zu machen und ersuche Sie, mir hierzu die Conzession gepfleglichst verschaffen zu wollen. Ergebenst Lennep den 4.April 1867 J.A. Hölterhoff." Da diese Anlage zu den chemischen Fabriken gehörte, waren amtliche Bewilligungen erfordferlich. Diese erfolgten bereits fünf Tage später durch Kreisbauinspektor Warsow: " Das Gebäude …  liegt von Gebäuden anderer Eigentümer entfernt, indem es eine völlig isolierte Lage hat, daher auch der bei dem Prozesse entstehende üble Geruch nicht zur Belästigung der Nachbarschaft führen kann.“ Zur Produktion: Das Gaswasser wird in einen elliptisch geformten Kessel aus gewalztem Eisenblech gepumpt. Dieser Kessel wird zu zwei Dritteln gefüllt und durch eine kleine, unter dem Kessel unmittelbar neben dem Schornstein angebrachte Feuerung langsam erwärmt. Das Gaswasser beginnt bei etwa 30°C zu destillieren, d.h. der Salmiakgeist steigt auf und kann in einem anderen Kessel aufgefangen werden.“

Vorne Salmiakfabrik, hinten Tuchfabrik Lambeck & Stockder. Repro: Lenneper-KochNachbarn waren von der Genehmigung der Fabrik wenig begeistert. Die Einwände der Familien Pickert (Tackermühle) und Berger (Hermannsmühle) wurden "Euer Wohlgeboren" gleich zugestellt. Bemängelt wurde etwa, : "dass sich über den Abfluss der kalkhaltigen und fettigen Theile aus der Fabrik keine näheren Angaben fanden. Da ich befürchte, dass das von mir zur Wollwäscherei benutzte Wasser der Tackermühle durch die obige Anlage für meinen Gebrauch verdorben ist, wie theilweise schon jetzt ersichtlich, so möchte ich ergebenst um eine Revision obiger Pläne bitten, worüber das Attest des verunreinigten Wassers bestimmte, für unseren Gebrauch nicht schädliche Anordnungen getroffen und in die Commission des Herrn Hölterhoff aufgenommen werden.“ Und Abraham Berger erlaubte sich „die ergebene Bemerkung, dass ich gegen die Concessionierung  insofern Einspruch erhebe, als mir hierdurch das zu meiner Schleiferei nöthige Wasser, welches die Schleifsteine nässt, verdorben werden kann.“ Mit einigen Auflagen wurde die Salmiakfabrikam 13. Januar 1869 schließlich doch genehmigt. Die letzte Eintragung über die „von Amts wegen“ bleibt der Polizeiverwaltung zu Lennep vorbehalten: "...theile ich ergebenst mit, dass der Dampfkessel N° 2422/30/659 in der Ammoniakfabrik der Fa. J. A. Hölterhoff Wwe. zu Diepmannsbach wegen Aufgabe des Betriebes abgemeldet worden ist. Der Kessel darf daher erst nach Ertheilung einer neuen Genehmigung wieder in Betrieb genommen werden. Der Königliche Gewerbeinspector Fröhlich (Gewerberath).“ (Aus: Hämmer- und Kottenforschung in Remscheid Herausgegeben von Günther Schmidt Band 4 - Leyerbach, Diepmannsbach, Mückenbach)

Hermannsmühle: Von der Kornmühle zum Erholungsheim

Hermannsmühle, alter Teich, 2000. Foto: G. SchmidtEin wunderschöner Verbindungsweg besteht zwischen der Tacker- und der Hermannsmühle. Man muss schon einige hundert Meter laufen, bevor man in die Ortschaft kommt. Sie ist uralt und wird schon 1487 mit dem Hermann op der Mühlen erwähnt. Zu dieser Zeit war die Mühle eine Fruchtmahlmühle, die auf dem Endringhauser-, Hermannsmühlen- oder Walkbach stand. Verschiedene Namen begleiteten sie: Heintzen Mühle, Winkelsmühle und Hermannsmühle. Sie muss zwischen 1487 und 1575 irgendwann verfallen sein. 1575 pachtete Peter Foermann vom Rat der Stadt Lennep das Gelände, und am 15. März 1579 erhielt er vom Herzog Wilhelm von Jülich Kleve und Berg die Erlaubnis, "dass er seine eigene Mühle auf welchem Platz vorlängst eine gestanden, wiederum erbauen möge, gegen eine Erkenntnis von 1 Ablass Roggen". Foermann schloss für sich und seine Nachkommen mit der Stadt Lennep einen Erbpachtvertrag über zwölf Jahre ab, der ihm außerdem erlaubte, Brot zu backen und in der Stadt Lennep zu verkaufen. In dieser Urkunde nennt er sich "Peter in der Hermannsmüll". Das Mahlrecht wurde für die Außenbürgerhöfe Hohenhagen, Überfeld, Endringhausen, Buscherhof, Oberste Halbach und Hinterste Stursberg zugestanden. (Drei seiner Kinder wurden Kaufleute und verheirateten sich in Lennep, die Söhne Johannes und Daniel erbten das landwirtschaftliche Gut und die Mühle.)

1607 nennt er sich "Peter Fuhrmann auf der Halbach". Danach klafft ein tiefes Loch in den Unterlagen, denn zwischen 1607 und 1829 findet man keine Angaben über Besitzerwechsel bzw. andere Unterlagen, ausgenommen diese Notiz der Jülich-Bergischen Domänenkellerei Burg von1672: "Peter Johann Fuhrmann in der Hermann-Müllen hat in anno 1578 den 25 Marty gnedigste Bewilligung erlangt, dass Er seine Mülle so vor ganzer Zeit auff der platzen gestanden und mithin keine Erkenntnuß geben, hinforters gebrauchen und Jahrlich vor eine Erkenntnuß für das Schloß Burgh lieffern solle ein Malter Roggen Burghmaßen".

Hermannsmühle 1998. Foto: G. SchmidtPeter Johann Fuhrmann, ein Nachkomme des Erbauers der Hermannsmühle, war der Begründer des Wollhauses Fuhrmann. Er verließ einige Jahre nach der Erbteilung die Hermannsmühle und gründete 1785 in Lennep ein Geschäft, das hauptsächlich aus Lederhandlung, Tuchhandlung und Wollhandlung bestand. Der Sohn Mathias war in zweiter Ehe seit 1778 mit Anna Catharina Wülfing, einer Tochter des Kauf- und Handelsherrn Anton Wülfing in Lennep (ein Vorfahre der Firmengründer Johann Wülfing & Sohn, Kammgarnspinnerei) verheiratet. Matthias hatte schon zu Lebzeiten seines Vaters Peter Johann in Lennep ein eigenes Geschäft. Durch Erbschaft und Kauf erwarb er von seinen Vettern den ganzen Besitz des Familiengutes Hermannsmühle. Im Laufe der Jahre ging das Gut, wozu auch die Tackermühle gehörte, in den Besitz der Firma Johann Wülfing & Sohn über.

1829 jedenfalls nennt sich die Hermannsmühle "Wilhelmsmühle". Als Besitzer ist Matthias Fuhrmann angegeben, so dass man davon ausgehen kann, dass die Mühle mehr als 200 Jahre im Familienbesitz war. Sie ist zu dieser Zeit mit einem oberschlächtigem Wasserrad und wechselweise einem Mahlgang für Roggen und Weizen angegeben. Am 23. Februar 1851 wurde eine Konzession zur Erweiterung erteilt, und 1853 sind die Gebrüder Mathias und Peter Fuhrmann Besitzer. Die Erweiterung 1851 beinhaltete drei Mahlgänge für Getreide und einen Graupengang nach Abbruch der bisher mit zwei Mahlgängen ausgestatteten Fruchtmahlmühle. 1853 ist in der Regierungsliste zu lesen: Hermannsmühle am Morsbach (Diepmannsbach) von Gebrüder Fuhrmann, Wehr 38, 1 hohes hinterschlächtiges Wasserrad, Pegel, Konzession vom 23.02.1851".

Besonders auffällig ist das hinterschlächtige Wasserrad, welches im Remscheider Raum kaum seinesgleichen fand. 1862 ist die Mühle als Etablissement des Johann Wilhelm Wilhelmy ausgewiesen, der am 13. Juni 1868 die Konzession zum Bau einer Dampfmaschine erhielt. Auf 1867 datiert der Hinweis zur "Getreidemühle am Walkbach" von Johann Wilhelm Wilhelmy mit sechs PS. Bis nach 1900 war die Mühle als solche in Betrieb, dann wurde die Wasserkraft von Schleifermeister Berger übernommen, der im Untergeschoß eine weitere Schleiferei einrichtete (erste Schleiferei im Hermannsmühler Kotten). Hermannsmühle. Sammlung Paul Bulang1907 steht noch Wilhelm Wilhelmy als Mühlenbesitzer im Adressbuch. Eigentümer des ehemals zugehörigen Bauerngutes war damals Heinrich Hasselhoff, der zuletzt acht Kühe besaß. Die Schleiferei Berger arbeitete bis 1925 als Pächter in der Mühle. Ein mächtiges Wasserrad trieb zu dieser Zeit, außen angebracht, mehrere große Schleifsteine an. Direkt an der Hermannsmühle erinnert in einer Waldnische ein schlichter Gedenkstein an die unselige Zeit der Franzosenbesetzung. Dort wurde der Packer Walter Dannenberg aus Remscheid-Güldenwerth am 11. August 1923 von einem Franzosen erschossen.

Zuletzt betrieb die Stiftung Tannenhof alle Gebäude, stellte ihren Angestellten die Wohnungen zur Verfügung und bewirtschaftete den Bauernhof. Das stattliche Fachwerkhaus bildet auch heute noch einen Blickfang im ganzen Ort. Eine Zeitungsannonce von 1932 gibt Folgendes wieder: "Ein Spaziergang nach Hermannsmühle, gerade jetzt zur Frühlingszeit, zeigt die geradezu ideale Lage dieses schönen Plätzchens Erde, für Menschen, die ein paar Wochen, losgelöst von der Arbeit und vom lärmenden Verkehr der Großstadt, beschauliche Stunden der Ruhe und Erholung genießen wollen. Wie ein Märchenland liegt das stille, grüne Tal zwischen bewaldeten Höhen; an den von Bäumen beschatteten Wegen plätschert der Bach in eiligem Lauf. Von der Hermannsmühle aus führen nach allen Richtungen gute Wege und in kurzer Zeit ist Lennep und Lüttringhausen zu erreichen. Von den Höhen genießt man herrliche Ausblicke auf das Tal und die Umgebung, nach Norden hin sieht man durch einen Höheneinschnitt die beiden Türme von Lüttringhausen. Für die Erholungsgäste ist somit reiche Gelegenheit zu Spaziergängen in die nähere und weitere Umgebung gegeben." An diesem Zustandsbericht hat sich bis heute (2004) nichts geändert!

Hermannsmühle mit Ruine und Teich Repro: G. SchmidtMit der Errichtung eines Erholungsheims der Firma Fuhrmann u. Co. Berlin in Hermannsmühle wird das Diepmannsbachtal zu neuem Leben erweckt. Einem Bericht von 1935 zufolge heißt es: "In einigen Monaten werden die Urlauber des weltbekannten Handelshauses das stille Tal bevölkern, um Ruhe und Erholung zu suchen." So lässt sich der Bezug zum Tannenhof erklären. Aber widmen wir uns noch ein wenig dem Zeitungsausschnitt vom 15. Mai 1935: „Das alte Wasserrad bleibt bestehen. Im Übrigen wird das Haus ein hübsches, der Umgebung angepasstes Äußeres erhalten. Im Inneren sind Musik- und sonstige Unterhaltungszimmer gedacht. Das gegenüberliegende, jetzt von der Familie Grohe bewohnte Haus, soll als Logierhaus für die Gäste umgebaut und dementsprechend ausgestattet werden. (…) Die romantisch gelegene Tackermühle soll erhalten bleiben, um dort gegebenenfalls den Gästen Gelegenheit zu geben, an warmen Tagen nachmittags Kaffee und Kuchen im Freien einzunehmen. Den angrenzenden Teich stellt die Firma Wülfing & Sohn den Gästen des Erholungsheimes zum Kahnfahren zur Verfügung. Im Übrigen sind Liegewiesen zum Ausruhen reichlich vorhanden, so dass auch dadurch die Gäste Erfrischung in unserer bergischen Luft finden. Ob das Erholungsheim das ganze Jahr über geöffnet bleibt, ist noch unbestimmt; man sollte es aber annehmen, denn es erfreut sich doch bei der Großstadtbevölkerung der Winterurlaub mit seinen Sportmöglichkeiten immer größerer Beliebtheit. Auch in dieser Beziehung bietet die Hermannsmühle ein ideales Gelände. Die zahlreichen Abhänge sind zum Rodeln wie geschaffen, eine Sprungschanze für den Skisport ist in der Nähe bereits vorhanden“. (Aus: Hämmer- und Kottenforschung in Remscheid Herausgegeben von Günther Schmidt Band 4 - Leyerbach, Diepmannsbach, Mückenbach)

 

Tackermühle war früher ein Ausflugslokal mit Kähnen

Tackermühle als Ausflugslokal 1908. Repro: G. SchmidtDirekt oberhalb der Hermannsmühle stand der Hermannsmühler Kotten, von dem heute kein Stein mehr zu sehen ist. Dort stand die Commers Walkmühle seit vielen Jahren und walkte Tücher. Seit wann, ist nicht bekannt. Am 7. Februar 1708 bekam Peter Fuhrmann von Kurfürst Johann Wilhelm die Konzession für den Anbau einer Ölmühle an die Walkmühle der Commers. 1715 tauchte der Name "Walkmühle über der Mahlemühle" auf, mit der dann der 1711 geborene Sohn Peter Johann Fuhrmann im Jahre 1733 das Wollhaus Fuhrmann begründete. Er zog später nach Lennep und wurde durch seine Heirat in den Kreis der Wollfabrikanten Peter Moll, Gebrüder Hardt, Gottfried Wülfing und J. H. Frielinghaus aufgenommen.

Die Ölmühle war nicht rentabel genug, und so entschied sich Fuhrmann, durch Schleifermeister Berger beide Mühlen in einen Schleifkotten umwandeln zu lassen. Die Erbengemeinschaft Fuhrmann verkaufte das Anwesen an Berger. Im Mühlenkataster von 1828 erscheint der Kotten bereits als Bergerskotten. 1829 ist der Eintrag Engelbert Berger zu Hermannsmühle zu lesen. Zu dieser Zeit waren ein oberschlächtiges Wasserrad und drei Steine zum Polieren von Remscheider Fabrikaten vorhanden. Man konnte aber von Mai bis November nur einen Tag pro Woche arbeiten. (…) Abraham Berger ließ dann eine Dampfmaschine einbauen, die von der Kesselfabrik F.A. Neumann in Aachen gebaut war und am 22. Juli 1876 einer Kontrolle unterzogen wurde. 1910 bis 1915 taucht Abraham Berger immer wieder als Besitzer auf, danach wird es ruhig, und ich vermute, dass der erste Weltkrieg sein Übriges dazu getan hat, den Kotten bis 1925 völlig verfallen zu lassen. Mit viel Fantasie kann man sich den Fußweg nach Tackermühle über den Teichdamm und entlang des Obergrabens noch vorstellen.

Tackermühle 1930. Repro: HIZ Remscheid

Allzu viel ist über die Tackermühle nicht überliefert. Der erste Name war Heingenmühle, und sie war als Fruchtmühle bekannt. Sie wurde vorwiegend von den Bauern des freiadeligen Dorfes Lüttringhausen genutzt und als Heintzenmühle erstmalig 1487 urkundlich erwähnt. Den jetzigen Namen hat die Familie Tacke hinterlassen, welche die Mühle 1651 besaß. 1683 ist ebenfalls ein Getreidehändler Tacke zu Tackermühle genannt, und 1710 ist dessen Sohn als Eigentümer angegeben.

Um 1819 wurde die Fruchtmühle von Ferdinand Moll in einen Textilbetrieb umgewandelt. Am 3. Februar 1836 wurde zwischen P.M. Wirths (spätere Wülfingfabrik) und Frau Moll als Inhaberin der Fabrikanlage zu Tackermühle eine Vereinbarung getroffen, in der dem P. M. Wirths eingeräumt wird, den Endringhauser Bach mittels Anlegen eines Teiches und einer Rinne hinter dem Hause des Clevinghaus her zu seiner oberen Fabrikanlage zu nutzen. Sohn Johann Peter Moll nahm die ehemalige Mühle 1919 als Spinnerei in Betrieb, was im Hauptstaatsarchiv Düsseldorf und im Landratsamt Lennep archiviert ist. 1828 ist Ferdinand Moll Besitzer. Im Urkataster ist zu lesen: Spinnerei mit oberschlächtigem Wasserrad. Weil aber das Wasser oft zum täglichen Gebrauch nicht ausreicht, wird aushilfsweise eine "Rossmühle" benutzt: Die Pferde liefen also im Kreis und trieben so die Transmissionen an (Göper).

1853 wird die Tackermühle als Tuchfabrik von Sigismund Schürmann betrieben, der mit Wasser und Dampf arbeitet. 1862 wird sie immer noch als Tuchfabrik am Walkbach von Sigismund Schürmann geführt. Peter Pickert ist als Nachfolger von Schürmann ab 1867 aufgefallen, als er ein „gehöriges Bedenken“ zur Erbauung einer Salmiakgeistfabrik oberhalb seines Teiches schriftlich beim Königlichen Bauinspektor Warsow in Lennep einreichte. Pickert richtete sich in den 1870er Jahren eine Schleiferei mit einem oberschlächtigen Wasserrad ein. Am 1. Dezember 1877 wurde der Dampfkessel von einer Aachener Firma einer "ordentlichen Revision" unterzogen. Das eiserne Wasserrad wog allein schon 1.500 Pfund und hatte eine volle eiserne Achse. Der Teichdamm wurde er so stark angelegt, dass er für die Ewigkeit halten sollte. Der Teich selbst wurde 1925 und danach sehr verkleinert und hat heute nur noch höchstens ein Drittel seines ehemaligen Volumens. Im Zuge der immer größer werdenden Wasserknappheit kaufte die Firma Wülfing die Wasserrechte des ganzen Tales auf und transportierte mit Pumpen durch unterirdische Leitungen das Brauchwasser zur Tuchfabrik an der Trecknase.

1927 ist von der Familie Pickert die Tackermühle an die Hardts verkauft worden. Als Mieter war damals eine Familie Nusch in dem Anwesen, der die Pickertsche Schleiferei in eine Werkzeugschmiede umwandelte. Im Zuge des Umbaus der Hermannsmühle ist die Tackermühle gleich danach als Erholungsheim umgebaut worden. Somit ging die Wassergerechtsame direkt an die Firma Wülfing. Arnold Hardt wollte angeblich den Autobahnbau von seinem Wald fernhalten und spendete eine Million Mark. Dennoch wurde durch den Westerholter Forst gebaut, und ein Pfeiler der Autobahnbrücke steht praktisch im Teich des Lenneper Walkmühlgens.

Unter der Tackermühle befand sich bis zum Ersten Weltkrieg ein Fachwerkhaus, in dem der Viehhändler Fuhrmann wohnte. Die Tackermühle dient heute als Wohnhaus, wobei im unteren Bereich eine Werkstatt für allerlei Reparaturen und Lagerungen genutzt wird. Man sieht heute noch gut den Untergraben, der als Obergraben in den nur noch in seinen Umrissen erkennbaren Teich der Commers-Walkmühle geleitet wurde. Der Teich wurde beim Autobahnbau zur Hälfte mit Abraum zugeschüttet. (Aus: Hämmer- und Kottenforschung in Remscheid Herausgegeben von Günther Schmidt Band 4 - Leyerbach, Diepmannsbach, Mückenbach)

 

"Hägener Mühle" geht auf 1579 zurück

Die Hägener Mühle.  Repro: G. SchmidtAm 18. März 1579 erhielt „Peter uffm Hohenhagen“ die Erlaubnis, eine Kornmühle und eine Ölmühle zu errichten. Die Kornmühle ist der Standort der jetzigen Hägener Mühle; sie wurde für die Belange der Lenneper „Außenbürgerschaft“ auf dem Hohenhagen errichtet. Älter waren nur noch die Heintzen-, spätere Tacken- oder Tackermühle am Diepmannsbach, die Hermannsmühle am Walkbach (Diepmannsbach) und die Gerstauer Mühle am Morsbach. 1615 erhielt Peter auf dem Hohenhagen die Erlaubnis, in seiner Mühle zusätzlich ein "Schälgeläuf" für Hafer einzubauen, das aber nur für das Hohenhagener "Hausgesinde" bestimmt sein sollte. Bis 1677 liest man nichts mehr von dieser Mühle, und es wird vermutet, dass sie dem 30jährigen Krieg zum Opfer fiel. 1673 wird Hamman Krasch als Schwiegersohn des Remscheider Kronenwirts Engel vom Hagen als Besitzer der verfallenen Mühle genannt. 1677 wird sie wieder aufgebaut und dann von den Nachkommen Engelbert von Hagen (1653-1727) und Johann Wilhelm von Hagen (1692-1758) als Müller und zugleich Bäcker betrieben.  1787 wird die alte Mühle abgerissen und durch einen Neubau ersetzt, der heute noch steht. Franz Adolf vom Hagen (1743- 1816), war der Erbauer der neuen Mühle. Sein Sohn Ferdinand (1779-1843) entsagte dem Müller- und Bäckerhandwerk, wurde Kaufmann, verkaufte die Mühle, erwarb in Evertsaue an der Wupper ein Hammerwerk und stellte Schlösser her.

1853 wurde die "Hägenermühle am Hägenerbach" von Friedrich Kratz mit einem mächtigen oberschlächtigen Wasserrad von 23 Fuß Höhe versehen. Es nahm  im Inneren der Mühle zwei Stockwerke ein und wurde von dem höhergelegenen Teich durch ein 60 Zentimeter dickes Rohr mit Wasser versorgt. 1861 wird die Mühle als Fruchtmahlmühle von Mühlmann gezählt. 1866 erwirbt der neue Müller Ferdinand Leysieffen die Konzession zur Aufstellung einer Dampfmaschine. 1887 ist ein  Besitzerwechsel vermerkt; ein Emil Hammes ("Müller und Becker") hatte die Mühle übernommen. Er arbeitete bis 1895 in Vollzeit, danach immer weniger, um dann 1901 den Betrieb ganz einzustellen. Bis dahin waren auch nur noch die Knet- und Häckselmaschinen durch Wasserkraft betrieben worden. Danach erfolgte ein großzügiger Umbau der Hägener Mühle in ein Wohnhaus. Der letzte Hammes zog vor vielen Jahren mit seiner Großbäckerei in das Industriegebiet Großhülsberg und produzierte dort weiter. (Aus: Hämmer- und Kottenforschung in Remscheid Herausgegeben von Günther Schmidt Band 4 - Leyerbach, Diepmannsbach, Mückenbach)