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OB Wilding begrüßt historischen Schulkonsens für NRW

Pressemitteilung der Stadt Remscheid

„Ich begrüße den heute erzielten schulpolitischen Konsens. Er bietet für die Schulträger – und damit auch für die Stadt Remscheid – eine verlässliche Grundlage für die weiteren bildungspolitischen Überlegungen“, so Beate Wilding nach der Bekanntgabe der Einigung zwischen den Landtagsfraktionen von CDU, SPD und Bündnis’90/DIE GRÜNEN in Düsseldorf. „Schulentwicklung und ihre Rahmenbedingungen waren heute auch Gegenstand der turnusmäßigen Konferenz der Oberbürgermeister und der Landräte bei Regierungspräsidentin Lütkes“, berichtete Wilding weiter. Dabei sei erneut deutlich geworden, dass es keine einheitliche Blaupause für die weitere Entwicklung der Bildungssysteme in Städten und Kreisen geben könne. „Die Unterschiede zwischen Stadt und Land bedingen individuelle Lösungen. An diesen arbeitet auch die Stadt Remscheid. Der heute erzielte und im Herbst in ein neues Schulgesetz einfließende Kompromiss bietet die Grundlage zur weiteren Entwicklung der Remscheider Schullandschaft. „Dabei kommt dem Willen der Eltern die wichtigste Bedeutung zu. Er entscheidet über die Ausgestaltung der Remscheider Bildungslandschaft“, erläuterte Wilding. Die Sekundarstufe ergänze das bestehende Bildungsangebot, ermögliche längeres gemeinsames Lernen in den Klassen 5 und eröffne die Möglichkeit eines integrierten Angebotes bis zur Klasse 10. (Büro der Oberbürgermeisterin)

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Kommentare

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Fraktion der Grünen am :

„Dies ist ein guter Tag auch für die Remscheider Schullandschaft!“, begrüßt Jutta Velte, bildungspolitische Sprecherin der Remscheider Grünen, den Schulkonsens der Fraktionen von CDU, SPD und B90/DIE GRÜNEN im Landtag. „In den „gemeinsamen Leitlinien“ geben die drei großen Parteien die Zusage, dass für die nächsten zwölf Jahre ein verlässlicher Rahmen für die Schulentwicklung vor Ort gegeben ist. Längeres gemeinsames Lernen wird ermöglicht. Jetzt gilt es diese Zeit vor Ort für die Kinder zu nutzen.“ Der Schulkonsens mache es möglich, relativ schnell auch für die Remscheider Schulen eine perspektivische Entwicklung einzuleiten. „Klar ist, dass mit der neuen Sekundarschule und auch der Gesamtschule von Anfang an gymnasiale Standards festgelegt werden müssen. Damit steht das Fördern hin zu dem bestmöglichen Abschluss für ein Kind deutlich im Vordergrund der Überlegungen“, so Velte weiter. Der Schulkonsens eröffne alle Möglichkeiten für Schulentwicklung. Für Remscheid müssten wir bald nach den Sommerferien gemeinsam mit den Schulen zu einem bildungspolitischen Konsens und einer Schulentwicklung kommen, die nachvollziehbar und verlässlich seien. „Wir fordern alle auf daran konstruktiv mitzuwirken. Inklusion, Wohnortnahe Beschulung und Integration sollten dabei auch eine entscheidende Rolle spielen. Ziel ist es sich bis zum November auf die erforderlichen Schritte zu mehr integriertem Lernen in Remscheid festzulegen.“

Fraktion der CDU am :

„Der Schulkonsens zwischen CDU und Rot-Grün in unserem Bundesland ist eine echte Chance für Remscheid. Man darf diesen Kompromiss insofern als historisch bezeichnen, da es in Nordrhein-Westfalen über Jahrzehnte heftige schulpolitische Auseinandersetzungen gab. Wir wünschen uns, dass in Düsseldorf ein guter und langfristiger Schulkonsens gefunden wurde, der mindestens über zehn Jahre trägt. Der Schulkonsens entspricht dem Modell, das die CDU-Fraktion für unsere Stadt vorgeschlagen hat“, sagt Remscheids CDU-Fraktionschef Jochen Siegfried. „CDU und Landesregierung haben sich auf die Einführung einer neuen Sekundarschule geeinigt, die im Unterschied zur Gemeinschaftsschule keine Oberstufe haben soll. Genau dies haben wir für den Standort Klausen und die dortige Hauptschule vorgeschlagen. Nach unseren Vorstellungen soll dort eine neue Sekundarschule mit dem Leibniz-Gymnasium kooperieren, ohne ihm direkt Konkurrenz zu machen; hierzu gehört gerade der Verzicht auf eine Oberstufe. Entscheidend an dem Düsseldorfer Schulkonsens ist, dass das neue Schulsystem bis 2023 nicht mehr angetastet werden soll. Es wird ein Nebeneinander von Gymnasien und Sekundarschulen geben. Die Gemeinschaftsschule als Einheitsschule ist vom Tisch. Das bewährte gegliederte Schulsystem ist politisch gesichert und wird in der Landesverfassung verankert“, so Siegfried. „Jetzt müssen sich auch die Remscheider Sozialdemokraten von ihren bildungspolitischen Vorstellungen verabschieden, denen der Geruch der 80iger Jahre des letzten Jahrhunderts anhaftet. Ich hoffe, dass wir in Remscheid nach der Sommerpause dann auch einen Schulkonsens finden, der sich an dem Düsseldorfer Modell anlehnt. Wir brauchen keine neue Gesamtschule in Remscheid. Trotz anderslautender Meldungen der SPD geben auch die abgewiesenen Schülerzahlen eine solche nicht her. Denn von den abgewiesenen 168 Kindern haben lediglich zwei Kinder die Gymnasialempfehlung. Bei der vorgesehenen Drittellösung bei Gesamtschulen müssten aber 56 Kinder eine Gymnasialempfehlung haben. Als Konsequenz dieser von der Verwaltung vorgelegten Zahlen haben wir daher einen Bedarf an einer weiteren Sekundarschule ohne Oberstufe. Diese könnte nach unseren Überlegungen in Klausen stehen. Für den Neubau einer dritten Gesamtschule haben wir schlicht und einfach kein Geld. Woher sollte auch das Geld für den Neubau einer Gesamtschule kommen, den die Sozialdemokraten als einzige Partei in Remscheid favorisieren? Hintergrund: Für die Umsetzung des Kinderbildungsgesetzes NRW veranschlagt der Stadtdirektor laut aktueller Vorlage für die Ratssitzung am 21. Juli rund 1,8 Millionen Euro aus der Schul- und Bildungspauschale. Diese Kosten fallen in 2011/2012 an. Für 2013 ist eventuell mit einer ähnlich hohen Summe zu rechnen, die ebenfalls aus der ehemaligen Schulpauschale gedeckt werden soll. Sollte dies so umgesetzt werden, dann entsteht schon bei unseren bestehenden Schulen ein riesiger Investitionsstau. Dabei müssen wir zum Beispiel dringend Geld für die Verbesserung der räumlichen Situation an unseren Berufskollegs zur Verfügung stellen. Derzeit sehe ich eine große Schnittmenge zwischen den Positionen von CDU, FDP und Grünen. Die SPD wäre im Sinne des Schulfriedens und der betroffenen Kinder in Remscheid gut beraten, sich einem Schulfrieden auf lokaler Ebene nicht zu verweigern“, so Siegfried abschließend. (Pressemitteilung)

Lothar Kaiser am :

Zitat aus den gemeinsamen Leitlinien von CDU, SPD und Grünen für die Gestaltung des Schulsystems in NRW (Schulkompromiss)vom 10. Juli 2011: „Der - in der Regel 9-jährige - Bildungsgang zum Abitur wird durch verbindliche Kooperation/en mit der gymnasialen Oberstufe eines Gymnasiums, einer Gesamtschuie oder eines Berufskollegs gesichert. Wenn der Bedarf für eine mindestens vierzügige integrierte Schule mit einer eigenen gymnasialen Oberstufe besteht, ist eine Gesamtschule zu gründen, für deren Errichtungsgroße der Wert 25 Kinder pro Klasse gilt. (…) Die Gründung einer Sekundärschule, die in der Regel aus der Zusammenführung verschiedener Schulformen erfolgt, ist möglich, wenn hierfür ein Bedürfnis besteht (Schülerzahlentwicklung und Befragung der Grundschuleltern). Sekundärschulen können auch durch den Zusammenschluss von Schulen benachbarter Schulträger entstehen. Die Sekundärschule wird vom kommunalen Schulträger unter Einbindung der Schulkonferenzen und in Abstimmung mit ggf. betroffenen benachbarten kom¬munalen Schulträgern beschlossen. Die Regelungen zur Findung eines regionalen Konsenses orientieren sich am Modell des Städte- und Gemeindebundes NRW. Die kommunalen Schulträger und die Träger von privaten Ersatzschulen informieren sich gegenseitig über ihre Planung.“ Merke: Die Umwandlung einer Hauptschule in Klausen in eine Sekundarschule ist 1. Nicht erfolgversprechend, 2. Nach dem „Düsseldorfer Papier“ nicht möglich und 3. mit der Remscheider SPD sicherlich auch nicht machbar. Sekundarschulen haben nach Meinung von Schulexperten nur bzw. insbesondere im ländlichen Bereich Bedeutung, wenn damit eine Schule vor Ort gerettet werden kann.

EijaTirkkonen am :

Durch die Gesamtschule werden ca. 17 Prozent mehr Schüler ein Abitur schaffen als in einem herkömmlichen dreigliedrigen Schulsystem. (36 Prozent in NRW zu 53 Prozent in Ländern, wo die Gesamtschule die herrschende Schulform ist.) Von diesen Abiturienten treten durchschnittlich ca. 30 Prozent ein Studium in einer Hochschule an und zwar je weiter eine Universitätsstadt liegt und je größer die besuchte Gesamtschule war, desto geringer ist die Quote. (In Finnland im schlechtesten Fall nur 23 Prozent). 33 Prozent der Studenten brechen ihr Studium ab. Remscheid hatte 2010 1054 Schüler, die auf weiterführenden Schulen überwechselten. Bezogen auf die obengenannten Quoten würden durch die Gesamtschule 179 zusätzliche Schüler ein Abitur schaffen. Davon würden 54 ein Studium an einer Hochschule anfangen. 18 von ihnen würden ihr Studium wieder abbrechen. Übrig bleiben 36 Akademiker, denen die SPD eine neue Gesamtschule mit Baukosten von 13-30 Mio. € auf Pump bauen will und das offensichtlich auch für angemessen hält. Die neuesten Studien über die unterschiedlichen Schulsysteme besagen, dass ein Schulsystem nicht fähig ist, die sozialen Schranken einer Gesellschaft zu durchbrechen. Die Abiturquote kann nicht maßgeblich sein, sondern die tatsächliche berufliche Laufbahn. England ist einen anderen Weg gegangen: Die britischen Universitäten und Hochschulen haben eine Quereinsteigerquote von 15 Prozent, während sie in Deutschland nur 1 Prozent beträgt.

David Schichel am :

Liebe Frau Tirkkonen, Ihre Rechnung mag ja stimmen, aber was wollen Sie damit eigentlich aussagen? Dass ein Abitur nur dann sinnvoll ist, wenn anschließend ein Hochschulstudium absolviert wird? Diese These hält den Realtitäten auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt wohl kaum stand. Übrigens ebenso wenig wie der Versuch, ein Abitur an einer Gesamtschule zu einem Abschluss zweiter Klasse zu degradieren, den Ergebnissen des Zentralabiturs stand hält.

Rolf Haumann am :

Sehr geehrte Frau Tirkkonen, es wäre nett, wenn Sie andere an Ihrem Wissen und an Ihren Informationen teilhaben ließen. Woher stammen die Zahlen, die Sie zitieren, und in welchen neuesten Studien über die unterschiedlichen Schulsysteme kann man nachlesen, dass ein Schulsystem nicht fähig ist, die sozialen Schranken einer Gesellschaft zu durchbrechen?

Fraktion der Linken am :

Der NRW-Schul“konsens“ zementiert Klassengesellschaft. Im neunzehnten Jahrhundert hieß es ehrlicherweise Volksschule, Mittelschule und Oberschule. Damit gab man implizit zu, dass man für das Volk, die Mittelschicht und die Oberschicht drei verschiedene Schulen vorgesehen hatte. Mit dem NRW-Schul"konsens" wird die Klassengesellschaft Schule zementiert. Die Bildungschancen sollen weiter entscheidend von der Herkunft abhängen. Die geplante Verfassungsänderung von CDU, SPD und Grünen widerspricht dem Geist der Landesverfassung und allen objektiven Bildungsfortschritten. In Artikel 10.1. der Landesverfassung NRW heißt es: "Das Schulwesen des Landes baut sich auf einer für alle Kinder verbindlichen Grundschule auf, die Teil der Volksschule ist. Die Gliederung des Schulwesens wird durch die Mannigfaltigkeit der Lebens- und Berufsaufgaben bestimmt. Für die Aufnahme in eine Schule sind Anlage und Neigung des Kindes maßgebend, nicht die wirtschaftliche Lage und die gesellschaftliche Stellung der Eltern." Ziel aller fortschrittlichen Kräfte war stets die Aufhebung der Klassengegensätze im Bildungswesen. Zum sogenannten Schulkonsens zwischen CDU, SPD und Grünen erklärt Brigitte Neff-Wetzel, schulpolitischer Sprecherin der Remscheider LINKEN: "Dass die Landesregierung nun die schulpolitischen Forderungen der CDU umsetzt, ist für DIE LINKE vollkommen unverständlich. Die Festschreibung des gegliederten Schulsystems in der Landesverfassung lehnen wir entschieden ab. Die PISA-Studie und auch andere internationale Vergleiche haben deutlich gezeigt, dass es für die Förderung von Schülerinnen und Schülern das Beste ist, wenn sie länger gemeinsam lernen. Deshalb tritt DIE LINKE für die Schaffung einer Schule für Alle ein. Das Wohl der Kinder und Jugendlichen steht für uns im Vordergrund unserer Politik. Es muss darum gehen, ein Schulsystem zu schaffen, in dem die Bildungschancen für alle verbessert werden. Aus diesem Grund setzen wir auf individuelle Förderung statt auf Auslese. Die neue Sekundarschule soll nun als 5. Schulform neben Hauptschule, Realschule, Gymnasium und Gesamtschule etabliert werden. Von der Sekundarschule soll es wiederum mehrere Unterarten geben. Das führt zu einer weiteren Zergliederung des Schulsystems. Nordrhein-Westfalen beschreitet damit einen völlig unsinnigen Sonderweg, während andere Bundesländer in den vergangenen Jahren die Zahl der Schulformen reduziert haben. DIE LINKE stellt fest, dass SPD und Grüne ihre eigenen Forderungen, mit denen sie noch im Landtagswahlkampf aufgetreten sind, nun für einen sogenannten Schulkonsens mit der CDU geopfert haben. Wir rufen die Mitglieder von SPD und Grünen dazu auf, gemeinsam mit uns Druck auf die Abgeordneten ihrer Parteien zu machen, um die Verfassungsänderung noch zu verhindern. Die Reduzierung der Klassengrößen und die Absenkung der Mindestgrößen für Gesamtschulen sind aus Sicht der LINKEN zu begrüßen. Die parlamentarischen Mehrheiten in NRW für dieses Projekt sind in NRW seit einem Jahr gegeben. Der Kniefall vor der CDU wäre dafür nicht notwendig gewesen."(Axel Behrend)

Frank Roessler am :

Lieber Herr Schichel, es ist doch klar, was Frau Tirkkonen zum Ausdruck bringen will. Sie fragt schlicht und einfach nach der Rechtfertigung einer solchen Groß-Investition. Sie möchte von den politisch Handelnden mit Blick auf das bescheidene Ergebnis wissen, wie Remscheid dies bezahlen bzw. finanzieren soll. Dies ist keine Qualitätsdebatte um das Abitur. Es ist auch keine Debatte um Chancengleichheit oder Gleichbehandlung. Nein, es ist einfach die Debatte um die wirtschaftliche Angemessenheit. Wann fangen die Parteien endlich an, in diesem Fall die SPD, die wirtschaftliche Machbarkeit und Sinnhaftigkeit in den Vordergrund zu stellen? Wir können nicht wie in der Vergangenheit dauerhaft auf Pump leben. Das führt nachweislich zur Insolvenz, in diesem Fall zur kommunalen Insolvenz Remscheids. Es braucht bezahlbare politische Entscheidungen, alles andere ist für die zukünftigen Generationen unverantwortlich. Können Sie als 3. Bürgermeister und politisch Handelnder den Remscheidern erzählen, wie die Stadt bei vermutlich steigenden Zinssätzen in Zukunft die Zinsen für die aufgenommenen Kredite bezahlen will? Es braucht keine neuen Belastungen des kommunalen Haushalts. In der Wirtschaft käme ein solches Projekt, weil wirtschaftlich nicht darstellbar, in den Reißwolf.

EijaTirkkonen am :

Quellen zu meinem Beitrag: Bundesanstalt für Statistik, OECD Statistik, Suomen tilastokeskus (Finnlands Statisikzentrum). Aus der Langzeituntersuchung, geleitet durch den Zürcher Erziehungswissenschaftler Helmut Fend: „Die Gesamtschule schafft nicht mehr Bildungsgerechtigkeit als das dreigliedrige Schulsystem. Die soziale Herkunft entscheide noch langfristiger über den Bildungserfolg von Kindern als bislang angenommen. Die Chancen eines Arbeiterkindes, einen Hochschulabschluss zu erreichen, stehen im Vergleich zu einem Kind aus den Bildungsschichten eins zu zwölf." Turun yliopiston koulutussosiologian tutkimuskeskus (Studie von 2007des sozialpädagogischen Forschungszentrums der Universität Turku in Finnland): Gemäß der finnischen Studie unter Erwachsenen, die im Jahr 1976 geboren wurden und die die finnische Gesamtschule von Anfang an besucht hatten, stand das obengenannte Verhältnis 1:8. Übrigens: In Finnland ist eine überregionale Elternbewegung entstanden, die gegen die Gesamtschule agiert und die diese Schulform nicht mehr für zeitgemäß hält.

Rolf Haumann am :

Vielen Dank für die Informationen, wobei ich mir vorgestellt hatte, dass die Belege etwas genauer sind. Aber wozu gibt es das Internet, da kann man ja fast alles herausfinden, das wissen wir spätestens seit den Plagiatsgeschichten um diverse Doktorarbeiten. So richtig nachvollziehen kann ich Ihre Schlussfolgerungen nicht, Helmut Fend betont zwar, dass die Gesamtschule nicht die soziale Herkunft verbessern kann, aber spricht das gegen die Gesamtschule? Das alte dreigliedrige System hat das soziale System ja nur noch mehr verfestigt. Fend hat eine Langzeitstudie gemacht, in der Schülerinnen und Schüler nach dem Schulabschluss in ihrer Entwicklung beobachtet wurden. Er schreibt auch, dass die Gesamtschule die soziale Selektivität beeinflussen kann, solange sie die Schüler beisammen hat. Der Einfluss der familiären Herkunft wird dann wieder stärker, wenn der weitere Bildungsweg, also Ausbildung oder Studium, beschritten wird. Daraus kann man auch schließen, dass Geld und Herkunft über Karriere entscheiden. Der Schulkompromiss in NRW ist ein Kompromiss, d.h. alle müssen ein paar „Kröten schlucken“. Die Auswirkungen werden sich wohl erst in der Zukunft zeigen und es wird, wie bei vielen Neuerungen, vermutlich immer wieder nachgebessert werden. Wenn in Remscheid über eine dritte Gesamtschule nachgedacht wird, entspricht das ja auch dem Elternwillen. Die geäußerte Kritik, dass ja nur wenige an der Gesamtschule abgelehnte Kinder eine Gymnasialempfehlung haben, greift nicht wirklich. Gerade die Gesamtschule eröffnet den sogenannten „Spätzündern“ eher die Möglichkeit, noch das Abitur zu machen. Allerdings muss auch über die Kosten nachgedacht werden, ein Neubau erscheint mir bei der Finanzsituation der Stadt Remscheid auch nicht sinnvoll. Wenn Herr Siegfried nun die Hauptschule Klausen als möglichen Standort einer Sekundarschule ins Gespräch bringt, die eine Kooperation mit dem Leibniz Gymnasium eingehen könnte, zeigt er nur, dass er den Kompromiss nicht richtig verstanden hat. Es geht darum, Schulformen dort zusammenzulegen, wo sie alleine nicht mehr lebensfähig sind. Wenn er Klausen ins Gespräch bringt, müsste er eigentlich eine Zusammenlegung von Hauptschule und Leibniz Gymnasium fordern, was natürlich keinen Sinn machen würde. Der Weg, der auf längere Sicht gegangen werden sollte, ist das Aufgehen von Haupt- und Realschulen in den Sekundarschulen, die wiederum neben Gesamtschulen und Gymnasien existieren. Es wird also ein neues dreigliedriges Schulsystem geschaffen, das alte hat sich längst überholt. Vielleicht kommen wir ja auch irgendwann dahin, dass der Übergang von der Primarstufe in die Sekundarstufe I erst nach der 6. Klasse erfolgt, die bisher geübte Praktik, nach der 4. Klasse zu selektieren, hat ja nur dazu geführt, dass der Leistungsdruck bereits in der Kindertagesstätte beginnt und die Anzahl der Nachhilfeschüler im Primarbereich deutlich nach oben gegangen ist.

Roland Kirchner am :

Kann mir denn jemand die Frage beantworten, wie sich die Abiturientenquote in RS, dank mehr als zwanzig Jahren Gesamtschule, verändert hat? Wir können uns doch mittlerweile auf unsere eigenen Erfahrungen verlassen und müssen keine "fernen" Statistiken bemühen. Hat die Einführung der Schulform Gesamtschule vor über zwei Jahrzenten zu einer Steigerung der Akademiker in Remscheids Bevölkerung geführt? Ich bin gespannt auf ihre Statistiken. Eine Frage verfolgt mich immer wieder bei der Debate um die Richtige Schulform: Wer wird eigendlich noch das Brot für all die Akademiker backen, wer die Heizung reparieren, wer das Dach der hochpreisigen Villen decken, wer die teuren Sportwagen warten, und wer wird im Einzelhandel die exclusiven Kleidungsstücke in die Regale räumen. Damit hier kein falscher Eindruck entsteht, ich gönne jedem den bestmöglichen Schulabschluss, aber ich bitte auch die Anerkennung der Leistung aller Kinder und Jugendlichen ohne Abitur nicht zu vergessen. Eine soziale Einstellung und eine erfolgreiche Lebensleistung ist nur minimal mit dem Schulabschluss verbunden. Aber das ist nur die Lebenserfahrung eines Einzelnen.

Hans Schwingen am :

Ja, das kann ich. Durch die Bank wollen selbst Handwerksbetriebe nur noch Abiturienten haben, da alle anderen Schulabgänger nur noch schwer oder als gar nicht mehr als ausbildbar gelten. Die Grundrechenarten, Dreisatz und Prozentrechnen dürfen zumindest bei Hauptschülern nicht mehr als selbstverständlich gelten. Wobei man ehrlicherweise zugeben muss, dass das weniger an der Leistung der Hauptschule selbst liegt als vielmehr an dem "Menschenmaterial" liegt, das ihnen aus teilweise völlig desolaten Familien "angeliefert" wird.

Hans Schwingen am :

Es ist ein sowohl ambitioniertes als auch gefährliches Experiment, kaum integrierbare Blagen von wohlerzogenen Kindern sozialisieren zu lassen. Der Grundgedanke ist zwar verlockend, aber der Bildungsauftrag dahinter ist zum Scheitern verurteilt. So schult das Gymnasium doch den Blick des Kindes auf den Schulstoff und das Eigenengagement, während es in der Hauptschule das Auswendiglernen ist. Man kann nicht dem einen Kind Robespierre nahebringen und gleichzeitig dem anderen Kind beibringen, den eigenen Namen fehlerfrei zu schreiben und auf die Toilette zu gehen. Sicherlich wäre es ein Gewinn für die momentan recht verkotete Gegend rund um die Leistungsschau der deutschen Betonwirtschaft aka Remscheider Hauptbahnhof. Jedoch bitte ich auch zu bedenken im Anbetracht des Fachkräftemangels, dass man dann auch keine indischen und chinesischen Fachkräfte mehr nach Deutschland locken muss, die sich mit Händen und Füßen dagegen wehren, hier hin ziehen zu müssen. Quintessenz: Die Gesamtschule ist ein historischer Selbstbetrug, und anstatt ausbildungsfähige Kinder zu bekommen, importiert man lieber ausländische Fachkräfte, die aber gar nicht kommen wollen. Denk ich an Deutschland in der Nacht ...

Erika Böckmann am :

Na Gott sei Dank, das dies auch mal gesagt wurde!!!

EijaTirkkonen am :

Das Fortschrittliche in dem Düsseldorfer Schulkonsens ist die Befreiung von ideologischen Zwängen. Er ermöglicht ortsnahe pragmatische Lösungen getragen von allen Beteiligten. Das ist auch nötig, da die aufgestellte Forderung zur Zusammensetzung der Schüler einer Gesamtschule auf der Basis von je einem Drittel Hauptschul-, Realschul-, und Gymnasialempfehlungen beruht. Diese Dreiteilung korrespondiert aber nicht mit den Bewerbungen für die Gesamtschule. Von 185 Bewerbern, die keinen Platz in einer der Gesamtschulen in Remscheid erhalten konnten, hatten nur zwei eine gymnasiale Empfehlung. Also wird die dritte Gesamtschule nur unter Zwang möglich sein. Der SPD-Gerechtigkeitsanspruch, der sich auf Elternwillen beruft, trügt. Die ungerechte Verteilung der finanziellen Ausstattung und die abgestufte Bezahlung der Lehrer der einzelnen Schulformen des dreigliedrigen Systems hat die Hauptschule vielerorts in die Sackgasse geführt. Der Druck auf die Strukturänderung kommt vor allem durch diesen Missstand. Ob die Schulstruktur der Siegerländer in der Pisastudie für den Erfolg maßgeblich verantwortlich war, sollte anhand der neuesten Studien über die nicht erreichten Ziele der Gesamtschule hinterfragt werden. Die Anmeldezahlen für die Universitäten und Hochschulen sind rückläufig trotz steigender Abiturientenzahlen. Das ist eine besorgniserregende Entwicklung. Das Abitur heißt Hochschulreife und sollte nicht als Gütesiegel für alle beruflichen Laufbahne betrachtet werden. Dadurch werden die individuellen Begabungen der Menschen sträflich missachtet.

Fraktion der Linken am :

Die am Dienstag in Düsseldorf vorgestellte Schulgesetzänderung und die Verfassungsänderung von SPD, Grünen und CDU sind bildungspolitischer Nonsens und schaffen ein Schulchaos in NRW. Durch die Schaffung der neuen Schulform „Sekundarschule“ entsteht noch eine weitere Schulform- neben Hauptschule, Realschule, Gymnasium, Gesamtschule und Förderschule. Die geplante Verfassungsänderung zementiert das gegliederte Schulsystem. „Die Eltern werden wieder einmal betrogen, denn es gibt keinen Rechtsanspruch auf einen Platz in einer Gesamtschule. Der Elternwille, ihre Kinder gemeinsam bis zur Klasse 10 lernen zu lassen, kann weiterhin vom Rat der Stadt ignoriert werden. Dies halten wir für einen Skandal!“ so Brigitte Neff-Wetzel, schulpolitische Sprecherin der Linken. Dies bedeutet für Remscheid, dass nicht der Elternwille im Vordergrund steht, sondern Parteiendünkel der Kommunalpolitiker. Moderne Schulpolitik, so zeigt die aktuelle Fachdebatte in der Pädagogik und auch die PISA-Studie, muss auf integrative Schulen setzen. Deswegen fordert DIE LINKE eine Schule für alle Kinder. „Im ersten Schritt dahin benötigen die Eltern und Kinder einen Rechtsanspruch auf einen Gesamtschulplatz und eine Verpflichtung der Kommunen, dem Elternwillen nachzukommen und ausreichend Plätze zur Verfügung zu stellen.“ so Neff-Wetzel weiter.(Axel Behrend)

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