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"Trotz seiner 65 Jahre arbeitete er im Stadtparlament mit!"

Ehrenbürgerbrief für den Geheimen Kommerzienrat Dr. e. h. Moritz Böker (1925)

Moritz Böker (1853-1933), Bruder Robert Bökers. Ein Mann hat in den unruhigen 1920er Jahren besonders nachhaltig für Remscheid gewirkt: Moritz Böker, der Bruder des Straßenbahn- und Talsperrenförderers, der geistige Kopf der Bergischen Stahlindustrie und Erhalter vieler tausend Arbeitsplätze in schwierigsten Situationen. Er hatte mit sei­nem Bruder zusammen gearbeitet und, als jener starb, seinen Weg allein ge­macht, und er hat während des Ersten Weltkrieges viel Not von Rem­scheid gewendet, nach Kriegsschluss im Stadtparlament trotz seiner 65 Jahre mitgearbeitet und die Stadt vor unsinnigen Beschlüssen der Radikalen bewahrt. Als am 20. November 1923 die Kommunisten im Stadtrat von Produktionssabotage sprachen, antwortete er: »Das ist ein ungeheuerlicher Vor­wurf. Von den überhaupt noch in Remscheid beschäftigten Arbeitern gehört der vierte Teil der Bergischen Stahlindustrie an. Das Auf-Lager-Arbeiten hat seine Grenzen. Von der Verwaltung ist geschehen, was geschehen kann. Dass es ihr ernst ist, den Betrieb aufrechtzuerhalten, geht daraus hervor, dass sie 30.000 Zentner Kartoffeln beschafft hat. Es ist leicht gesagt, die Betriebe zwangsweise zu öffnen. Geben Sie den Weg an! Wie wollen Sie arbeiten, wenn keine Aufträge da sind? Sobald wir Aufträge haben, werden wir die Betriebe wieder öffnen.«

So wie in diesem Falle hat Moritz Böker manche Situation gemeistert, und als er mit 71 Jahren aus dem Stadtverordne­tenkollegium schied, wurde ihm als verdiente Anerkennung die Ehrenbürgerwürde angetragen. Als er im Januar 1933, fast 80jährig, starb, sagte Oberbürgermeister Dr. Hartmann in der Trauerfeier: »Nach dem Zusammenbruch und der Um­wälzung, wo sich so viele mutlos und resigniert zurückzogen, blieb er in seinem strengen Pflichtgefühl dem Dienst der Stadt treu und ließ sich in seinem tiefsten Glauben an Deutschlands Zukunft nicht irremachen. In den schwersten Tagen der Un­ruhen setzte er unerschüttert das Gewicht seiner ganzen Per­sönlichkeit ein und bewährte sich als getreuer Ekkehard sei­ner Vaterstadt.« Noch nie hatte Remscheid bis dahin ein Trauergefolge gese­hen, das jenem hinter dem Sarge Moritz Bökers glich. Schwarz umflort waren die brennenden Laternen der Straßen, auf Halbmast wehten die Fahnen, zu Tausenden standen die Remscheider entblößten Hauptes am Wege des Trauerzuges. (aus: „Remscheid so wie es war“, von Dr. Gerd Courts, erschienen 1974 im Droste Verlag.)

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